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01K 03 - 18.03.2015 10:35:32 - Verantwortlich: ute.sillini - FreigabeCR:ja - Korrektur: VorAndruck
Seite 3
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Mittwoch, 18. März 2015
So tickt das
Ausnahmetalent
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Laetitia Hahn wird gefühlt eins mit ihrem Klavier, wenn sie
spielt. Ihr Solodebüt gab sie letztes Jahr im Bonner Beethoven-Haus mit abendfüllendem Programm. Fotos: Udo Gottschalk
Laetitia am Klavier mit Weltstar Lang Lang
Von ANDREA KAHLMEIER
Düsseldorf – Sie hat einen IQ
von 145 – und kleine, sehnige
Finger, gestählt vom täglichen
Üben am Klavier. „Mein größter Wunsch ist es, eine berühmte Pianistin zu werden“,
sagt Laetitia (11) aus Düsseldorf. Deutschlands größtes
Wunderkind hat schon vier
Klassen übersprungen. Und
fragt nachdenklich: „Darf
man das überhaupt sagen?“
a, darf man das in einem
Land, in dem die MittelmäJßigkeit
zu regieren scheint?
„Wir haben in der Grundschule
erlebt, dass Eltern Laetitia beim
Schulkonzert ausgebuht haben“, sagt Mama Annette Hahn
(34). „Purer Neid. Wir sehen
auch, wie hinter unserem Rücken getuschelt wird.“
Ihr fiel früh auf, dass ihre
Tochter anders ist als andere
Kinder. Laetitia war wenige
Wochen auf der Welt, als sie die
ersten Worte sprach. Sie konnte
mit zwei Jahren lesen, sog alles
auf wie ein Schwamm, was ihre
Eltern ihr vorsetzen: Englisch,
Französisch, Chinesisch, Mu-
Deutschlands größtes
Wunderkind
● Sie spielt mit Lang Lang Klavier
● Sie studiert an der Uni Münster
● Sie geht auf Konzert-Tournee
sikgeschichte, Noten ...
Ein temperamentvolles, quirliges Kind, dass schon früh in
der Musik aufging. „Irgendwann war klar, dass sie sich auf
eine Sache fokussieren muss“,
fanden ihre ebenfalls hochbegabten Eltern. Die Musik!
Ein Talent, dass den Eltern
viel abverlangt. Die Mutter hat
die eigene Philosophie-Promotion auf Eis gelegt, um ganz für
die Kinder da zu sein. Die Familie ist oft umgezogen, um die
richtige Schule für den Nachwuchs zu finden. Jetzt geht das
Kind in die neunte Klasse auf
eine Privatschule in Langenberg, hat nächstes Jahr die
mittlere Reife und dürfte mit 13
das Abi in der Tasche haben.
Der Vorteil: „Der Unterricht findet größtenteils per iPad statt.
Das heißt, Laetitia kann den
Schulstoff auch vor- und nachbereiten, wenn sie nicht in der
Klasse sitzt.“
Wie Anfang des Jahres, als
der weltberühmte Pianist Lang
Lang (32) sie nach China einlud
und sie vor einem Millionenpublikum im TV auftrat. Viele
Klaviertalente sind wegen des
Übens bis zu drei Klassen zu-
Laetitia bekommt bei Auftritten Schulstoff aufs iPad (links). Im
penibel aufgeräumten Kinderzimmer liegen Stofftiere neben
Schmink-Utensilien.
rück. Laetitia bewältigt den
Schulstoff neben all ihren Konzertauftritten nebenher, ist
mittlerweile aber auch schon
mal mit einer „Drei“ zufrieden.
„Vokabeln hab’ ich noch nie gelernt“, grinst sie.
Ihre Eltern lassen sie gewähren. „Wenn sie mal was ausgefressen hat, ist es die schlimmste Strafe, wenn wir ihr das Klavierspiel verbieten“, gesteht ihre Mutter. Wie viele Stunden sie
am Tag hinterm Flügel sitzt?
Was für eine Frage! Laetitia:
„Bis ich’s kann!“ Kein Wunder,
dass sie es mit dem Ehrgeiz geschafft hat, die jüngste Studentin Deutschlands zu werden.
Sie studiert dank des Jungstudentenförderprogramms
Klavier und Komposition an
der Uni Münster. „Die haben
schon etwas komisch geguckt,
meine Kommilitonen, als ich da
plötzlich zwischen ihnen saß“,
erinnert sie sich grinsend. Kein
Wunder. Der Musik-Floh misst
„1,49 und fünf Millimeter“,
sagt die Kleine, die so gern groß
wäre. Denn es ist nicht immer
leicht, den Spagat zu finden
zwischen Gleichaltrigen und
Kommilitonen. In der Grundschule wurde sie oft gemobbt,
mittlerweile hat die Hochbegabte gelernt, sich anzupassen. „Mit den Fünftklässlern
spiele ich in der Pause Fangen,
mit den Neunklässlern unterhalte ich mich über Handys,
Apps und Schminken.“
Und die Pubertät? Noch hat
Laetitia sich nicht verliebt,
komponiert lieber eigene Stücke. Noch sind Konzerte (im
Sommer geht sie auf Deutschlandtournee, teils mit Orchester) und Musik-Wettbewerbe
wichtiger als „BFF“ - beste
Freundinnen forever. „Es wäre
schade, wenn sich das mal ändern sollte“, sagt ihr Vater vorsichtig. Die Untertreibung des
Jahrhunderts. Es wäre eine Katastrophe für die Familie, die
ihr ganzes Leben der Musik untergeordnet hat, neben zwei
Flügeln selbst in der Küche
noch ein Klavier stehen hat.
Familie „Superschlau“:
AuchPhilip(5)frisstWissen
icht nur Laetitia, auch der
Rest der Familie hat einen
N
IQ, der weit über dem Schnitt
Annette,
Philosophin.
IQ: 132
Philip, 1.
Klasse.
IQ: 142
Lieblingsmusik: „Liszt,
Paganini Etude 6 und Tarantella – weil die so
schwierig zu spielen sind“
Popsong: „Weiß nicht.
Kann ich nicht so viel mit
anfangen.“
Lieblingsbuch:
„Alle
Bände von Harry Potter“
Lieblingsspeise: „Spaghetti Bolognese, Pizza“
Vorbild: „Pianisten Lang
Lang, Evgeny Kissin“
Lieblingsserie: „Keine.
Serien finde ich eher
langweilig. Ich schau sowieso nicht viel Fernsehen.“
Lieblingsfilm:
„Die
Schlümpfe, Gladiator“
Lieblingsfarbe: „Lila und
Blau“
Lieblingssport: „Klettern,
Ski, Schwimmen“
Lieblings-Ablenkung:
„Facebook und bei YouTube die Kommentare zu
meinen Konzerten lesen“
Lieblingsfach: „Sport“
Unbeliebtestes Fach in
der Schule: „Früher: Musik. Wir haben in der
fünften Klasse Noten lesen gelernt. Meine Mutter
sagt, das konnte ich
schon mit zwei Jahren.
Da hab’ ich mich gelangweilt.“
Laetitia,
9. Klasse.
IQ: 145
Christoph,
Immobilienberater.
IQ: 137
von 100 liegt. Aber „Familie
Superschlau“ lässt sich erst auf
mehrfache Nachfrage die IQs
aus der Nase ziehen. Annette
Hahn lacht: „Darüber redet
man eigentlich nicht. Ich bin
mit 132 jedenfalls die dümmste
in der Familie.“
Und so treibt Philip (5), der
ebenfalls einen Musikwettbewerb nach dem anderen gewinnt, seine Eltern zur Verzweiflung: „Er braucht keinen
Schlaf. Jetzt hat er sich von seinem Taschengeld ein Nachtsichtgerät gekauft, liest und
bastelt im Bett unter der Decke. Oft schaltet er um 2 Uhr
den Fernseher an. Dann erhalten wir morgens zum Beispiel
eine Lehrstunde über Piraterie.“
Sie fetzen und sie
knuddeln sich:
Laetitia und Philip.
Genug geredet. Laetitia will
endlich wieder spielen. Wuchtig hämmert sie die Akkorde ihrer eigenen Komposition „Der
Sturm“ in die Tasten, wird dabei
gefühlt eins mit dem Flügel.
Gänsehaut pur. Ein Fußgänger
bleibt vorm geöffneten Fenster
stehen, klatscht spontan in die
Hände. Wunder-bar, Laetitia!
i
Mein Kind
ist hochbegabt
– und jetzt?
In Deutschland gibt es ca.
300 000 Kinder mit einem IQ von mindestens
130. Hochbegabten-Forscher Prof. Dr. Detlef Rost
(70, Foto)
schätzt,
„dass 50
Prozent in
den Genen
liegt“, die
Ausprägung hänge
jedoch deutlich von Umweltanregungen ab. Leider kann eine Hochbegabung aber auch wieder
verloren gehen, wenn
keine adäquate Begabtenförderung erfolgt.
Auf Basis eines Begabtenprofils können Eltern
ein sinnvolles Förderkonzept erstellen lassen, um
das Kind in seinen spezifischen Fähigkeiten zu
unterstützen.
Aufhorchen sollten Eltern, wenn Kinder früh in
ganzen Sätzen sprechen
und lesen, breitgefächerte Interessen haben und
sich in diesen Bereichen
unglaublich viel Wissen
angeeignet hätten.
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