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HANDOUT zu
„MACHT.ARBEIT.SINN?“
Worauf es im (Berufs-)Leben wirklich ankommt
Vortrag von Dr. Harald Pichler
Macht. Sigmund Freud hat uns über die Macht unserer Triebe, die Macht der Lust
und des Unbewussten aufgeklärt. Alfred Adler beschrieb Machtstreben als
Kompensation von empfundener Minderwertigkeit. Wie viel Macht haben wir über
uns selbst? Viktor E. Frankl hat in seiner Logotherapie und Existenzanalyse ein
Menschenbild beschrieben, das uns offensichtlich sehr viel Macht zugesteht. Im
Gegensatz zu deterministischen oder fatalistischen Welt- und Menschenbildern sind
wir weder unseren Trieben noch unserem Schicksal hilflos ausgeliefert. Und schon
gar nicht unseren Launen, Charaktereigenschaften oder Prägungen.
Das von Frankl beschriebene, dreidimensionale Menschenbild, gesteht uns neben
der körperlichen und der psychischen Dimension eine geistige Dimension zu. Diese,
ganz spezifisch humane Dimension befähigt zur Selbstdistanzierung, also dem
objektiven Blick auf die inneren Beschwerden und äußeren Schwierigkeiten. Aus
dieser Distanz heraus kann ich mir dann die wichtige Frage stellen: "Wozu fordert
mich diese Situation heraus?" Und als nächsten Schritt ermöglicht die geistige
Dimension Selbsttranszendenz, also die Ausrichtung des Blickwinkels auf eine
Sache, eine Aufgabe oder auch auf einen anderen Menschen. Selbsttranszendenz
heißt also, die Aufmerksamkeit auf die Herausforderung zu richten, in die mich das
Leben jetzt gerade stellt. "Wo bin ich gerade jetzt gefordert?" und "Wo werde gerade
ich jetzt gebraucht?". Und: "Wo kann ich meine Macht sinnvoll zum Einsatz bringen?"
Arbeit. Herausforderungen, gebraucht werden und auch Macht spielen im
Berufsleben eine wichtige Rolle. Dabei ist das Arbeiten an sich nur eine von
mehreren Möglichkeiten, Sinn zu verwirklichen. Viktor Frankl nennt Werte als Wege
zum Sinn und eine der drei Hauptstraßen zum Sinn ist die Verwirklichung von
schöpferischen Werten, also die Erfüllung einer persönlichen Aufgabe. Das muss
nicht immer eine großartige Erfindung oder ein besonders kreatives Werk sein. Jeder
Beitrag zum großen Ganzen ist ein schöpferischer Wert. Jeder Mensch ist einzigartig
und einmalig, als Person in seiner Identität und Würde unersetzbar wie ein
Puzzlestein.
Aber auch die zweite Hauptstraße zum Sinn, Beziehungswerte verwirklichen, ist im
Arbeitsleben ein möglicher Weg. Gerade mein Umgang mit anderen Menschen am
Arbeitsplatz hat einen wesentlichen Anteil daran, ob ich meinen Job als bereichernd
oder frustrierend erlebe. Dazu gehören meine KollegInnen, mein Chef und ggf. auch
meine MitarbeiterInnen. Die bewusste Pflege der kollegialen Beziehungen, das eine
oder andere ermutigende Wort, sowie hin und wieder ein kleines Lob (auch mal
"nach oben" gegenüber Vorgesetzten) tragen wesentlich zum Gesamterfolg bei.
Die dritte Hauptstraße zum Sinn tut sich auf, wenn ich weder schöpferisch Tätig sein
kann, noch durch das Erleben und Pflegen von menschlichen Beziehungen Sinn
VIKTOR FRANKL ZENTRUM WIEN | Mariannengasse 1/15 | 1090 Wien
+43.699 10 96 10 68 | office@franklzentrum.org | www.franklzentrum.org
finden und erleben kann. Das ist dann der Fall, wenn ich in eine unabänderliche,
schicksalhafte Situation hinein gestellt bin, die ich nicht ändern kann. Hier wird der
Mensch nun wirklich als Mensch gefordert, über sich selbst hinaus zu wachsen. Die
erste, impulsive Reaktion bei Stress oder Enttäuschungen, schwierigen Situationen
und Schicksalsschlägen lautet oft: "Warum?", dann dagegen ankämpfen, dann
resignieren, usw. Die Sinn-Lehre Frankls ruft hier aber zu einer bewussten Haltung,
Einstellung und schließlich Entscheidung auf: "Was soll ich jetzt Sinnvolles aus
dieser Herausforderung verwirklichen?"
Sinn? Individuelle Sinn-Verwirklichung ist daher nicht aus Egoismus, zweckorientiert
auf den eigenen Erfolg ausgerichtet, sondern auf eine Sache, auf ein (gemeinsames)
Werk, das außerhalb meiner selbst liegt. Oder auch ausgerichtet auf Menschen,
deren Leben ich ein Stück bereichern kann. Und letztendlich geschieht SinnVerwirklichung auch und gerade durch die persönliche Einstellung zu
unabänderlichen Gegebenheiten, denen wir in jedem Leben und auch in jedem
Arbeitsleben immer wieder begegnen.
Der Mensch hat als einziges Lebewesen dieser Erde das Bedürfnis und die
Möglichkeit, seinen persönlichen Lebens-Sinn zu finden, der über die reine ExistenzSicherung hinausgeht. Es geht ihm im Gegensatz zum Tier nicht nur um Überleben
und Fortpflanzung, auch nicht nur um Befriedigung seiner Bedürfnisse oder um
Machtstreben. Wenn jeder seinen Sinn in seinem persönlichen Beitrag zum Ganzen
findet, dann ist gemeinsamer Erfolg durch individuelle Sinn-Verwirklichung möglich.
So wird die Sinn-Verwirklichung zur eigentlichen Selbstverwirklichung.
Literaturempfehlungen:
FRANKL Viktor E., Der Mensch vor der Frage nach dem Sinn. Eine Auswahl aus dem
Gesamtwerk. Piper: München 2008
HÜTHER Gerald, Was wir sind und was wir sein könnten. Ein neurobiologischer Mutmacher.
S. Fischer: Frankfurt 2011
LEIBOVICI-MÜHLBERGER Martina, Die Burnout-Lüge. Edition a: 2013
LUKAS Elisabeth, Sehnsucht nach Sinn. Logotherapeutische Antworten auf existentielle
Fragen. Profil: München 2004
SCHECHNER Johanna, ZÜRNER Heidemarie, Krisen bewältigen: Viktor E. Frankls 10
Thesen in der Praxis. Braumüller: Wien 2011
Dr. Harald Pichler
Studium der Biochemie und Lebensmittelchemie an der Technischen Universität
Wien, mehrjährige Universitäre und Industrielle Forschungsarbeit und –leitung; 10
Jahre Management in einem internationalen Pharmaunternehmen. Zertifizierung zum
Sinn-zentrierten Berater nach VIKTOR FRANKL ZENTRUM WIEN.
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