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FEB — MÄR - Tonhalle

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FEB —
MÄR
MAGAZIN
Lionel Bringuier
Chefdirigent
Yuja Wang Artist in Residence
spielt Rachmaninows Klavierkonzert Nr. 3
Ton Koopman kehrt mit drei Programmen
zum Tonhalle-Orchester Zürich zurück
Krzysztof Penderecki dirigiert die Sinfonie Nr. 8
«Lieder der «Vergänglichkeit»
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Wie klingt
Engagement?
Auch bei klassischer Musik hört die Credit Suisse genau hin. Deshalb sind wir seit
1986 Partner des Tonhalle-Orchesters Zürich. Zudem unterstützen wir seit 2006 die
tonhalleLATE und seit 2012 TOZZukunft, um auch ein junges Publikum für das TonhalleOrchester zu begeistern.
credit-suisse.com/sponsoring
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Verehrtes Publikum
—
Die Aufführung des «Lazarus» von Franz Schubert möchte ich Ihnen ganz besonders
ans Herz legen. Dieses fragmentarisch gebliebene Werk ist eine einzigartige Mischung
aus Oratorium, Kantate und geistlicher Oper für sechs Solisten, Chor und Orchester,
das viel zu selten aufgeführt wird. Unter der Leitung des Alte-Musik-Spezialisten Ton
Koopman wird Ihnen die 1820 entstandene Komposition, die für eine imaginäre Bühne
und niemals für sakrale Bauten gedacht war, neue Zugänge zum romantischen Repertoire ermöglichen.
Erneut können Sie unsere Artist in Residence Yuja Wang mit Lionel Bringuier erleben:
nun mit Rachmaninows drittem Klavierkonzert. Der Komponist selbst gab diesem
Werk aufgrund von dessen immensen technischen Herausforderungen den Beinamen
«Konzert für Elefanten». Josef Hoffmann, dem dieses Konzert gewidmet war, hat es
deswegen nie gespielt. Bei Yuja Wang ist dieser Meilenstein einer jeden Pianistenkarriere in den besten Händen. Davon können Sie sich Ende Februar in Zürich überzeugen, bevor wir in neuer Konstellation zu unserer ersten Tournee u.a. nach Lyon,
Hamburg, Frankfurt, Wien und München aufbrechen.
Neue Klänge zu suchen und zu finden und sich gleichzeitig mit Formen, Stilen und Harmonien der Vergangenheit zu beschäftigen – diese Prinzipien prägten über Jahrzehnte
das Schaffen von Krzysztof Penderecki. Seine Musik der letzten Jahre ist eine Synthese
daraus mit dem Bekenntnis zu musikalischen Grossformen. Lassen Sie sich dessen
achte Sinfonie «Lieder der Vergänglichkeit» nicht entgehen, mit der der weltberühmte
Komponist und Dirigent sein spätes Debüt beim Tonhalle-Orchester Zürich gibt.
Auf den 27. März 2015 bereiten sich neun Schülermanagerinnen und -manager seit
Saisonbeginn intensiv vor, denn dann findet das erstmals von ihnen organisierte
tonhalleLATE statt. Mehr über dieses spannende Pilotprojekt erfahren Sie in dieser
Ausgabe unseres Magazins.
Ich freue mich auf die Begegnung und den Dialog mit Ihnen!
Ihre Ilona Schmiel
Intendantin
Titelbild: Felix Broede
Die Konzerte der Tonhalle-Gesellschaft Zürich werden ermöglicht dank der Subventionen der Stadt Zürich sowie der Beiträge des Kantons Zürich.
Projekt-Partner: Privatbank Maerki Baumann & Co. AG, Radio SRF 2 Kultur, F. Aeschbach AG / U. Wampfler, Swiss Re, Swiss Life
Projekt-Förderer: Adrian T. Keller und Lisa Larsson, AVINA Stiftung, Monika und Thomas Bär, Baugarten-Stiftung, Ruth Burkhalter, Hans ImholzStiftung, Heidi Ras Stiftung, Hilti Foundation, International Music & Art Foundation, MBF Foundation, Pro Helvetia, Georg und Bertha SchwyzerWiniker-Stiftung Service-Partner: ACS-Reisen AG, Schellenberg Druck AG Medien-Partner: Neue Zürcher Zeitung
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Ihre
Leidenschaft
Unsere
Unterstützung
Inspiration
für alle
Tonhalle-Orchester Zürich und Swiss Re – eine inspirierende Partnerschaft.
Ideen, Innovation, Inspiration – bewegen uns bei Swiss Re. Die Zusammenarbeit mit Menschen auf der
ganzen Welt begeistert uns. Denn gemeinsam entdecken wir immer wieder neue Perspektiven und spannende
Horizonte. Darum fördern wir auch kreatives Engagement und kompetente Leidenschaft – und die lebendige
Kulturszene in Zürich. Sie regt an, sie berührt, sie lässt uns staunen und nachdenken. Und Gedanken
austauschen, denn: Together we’re smarter.
swissre.com/sponsoring
Sinfonie des guten Geschmacks
Ob vor oder nach dem Konzert: Das Kongresshaus-Restaurant Intermezzo ist die naheliegende
Adresse für kulinarischen Genuss. Küchenchef Urs Keller und sein Team freuen sich darauf,
Sie in gediegener Atmosphäre zu verwöhnen!
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—
Inhalt
—
Steven Isserlis
spielt Joseph Haydns
Cellokonzert D-Dur
06 Yuja Wang –
Artist in Residence
09 Das Tonhalle-Orchester Zürich
auf Tournee
10 Ton Koopman –
Marathonmann der Alten Musik
11 Steven Isserlis spielt Haydn
13 «Das magische Rohr»
14 Esa-Pekka Salonen: «Homunculus»
15 Musik von Frauen
16 Krzysztof Penderecki –
eine Sinfonie über Bäume
18 Série jeunes: Caroline Goulding
19 Wunderkind und Rädelsführer
20 Von Mozart zu Morgenstern
21 Arthur Schnitzler
23 Série jeunes: Stefan Cassomenos
24 Mozarts Sinfonia concertante
mit Andreas Janke und Gilad Karni
26 Schüler managen tonhalleLATE
32 Heute: Zauberflöte!
33 Elena Bashkirova
34 Eine neue Tuba
36 Das Tonhalletram
37 News
38 Kolumne
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—
Juliane Banse und Sabine Meyer
Fotos: Ken Davis, Ruvolo, Stefan Nimmesgern, Francesca C. Bruno
in einer Kammermusik-Soireet Maurice Ravel
21
—
Arthur Schnitzler –
der Dichter und die
Musik seiner Zeit
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—
Schülermanager stellen
sich und ihre Arbeit für
tonhalleLATE vor
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Flinke Finger
—
Yuja Wang, Artist in Residence, hat sich für die Konzerte
in Zürich und anschliessend für die Tournee des
Tonhalle-Orchesters Zürich zwei Schlachtrösser des
Repertoires ausgewählt – Rachmaninows drittes und
Prokofiews zweites Klavierkonzert.
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Fotos: Felix Broede, James Cheadle, Priska Ketterer
Sie ist ein Hingucker. Und das, zumindest für
die «Los Angeles Times», nicht ohne Gefahrenpotenzial: “Had there been any less of the
dress, the Hollywood Bowl might have been
forced to restrict admission to any music lover under 18.” Für Yuja Wang ist es das Natürlichste der Welt. Auch dass sie mit High
Heels die Klavierpedale drückt. Sie sei jetzt 28
und kleide sich eben wie 28. Lange Röcke
könne sie auch noch anziehen, wenn sie über
40 sei. Wobei Yuja Wang auch heute durchaus mal in langer Robe auf den Konzertpodien anzutreffen ist. Und die steht ihr ebenso
gut wie hochgesäumte Mini-Textilien. Sie lässt
sich nicht festlegen – und findet es übrigens
gar nicht gut, dass auch in der klassischen
Musikszene das Aussehen der jungen Stars
immer wichtiger wird. «Was ist in 20 Jahren?
Lässt mich die Musikindustrie dann fallen,
wenn man mich nicht mehr so gut vermarkten kann?»
Yuja Wang
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QUIRLIG UND ZIERLICH
Zum Klavier kam sie eher zufällig – zur
Hochzeit hatten ihre Eltern eines geschenkt
bekommen. Aber es wurde kaum je gespielt.
Und Yujas Mutter, eine Tänzerin, hatte mit
der Tochter eh anderes vor – auch sie sollte
Tänzerin werden. In einer «Schwanensee»Vorstellung wurden dann sozusagen die
Weichen gestellt: Die kleine Yuja begeisterte
sich sehr für Tschaikowskys Musik – mit dem
Tanz hingegen konnte sie nichts anfangen.
Irgendwie sei sie für das Tanzen zu träge gewesen, sagt Yuja Wang, was man der quirligen und zierlichen Pianistin fast nicht abnimmt. «Und darum habe ich mich dem
Klavier zugewandt – weil man beim Klavierspielen sitzen kann.»
Die chinesische Pianistin Yuja Wang
wuchs als Tochter einer Tänzerin
und eines Perkussionisten in Peking
auf. Hier erhielt sie auch ihren
ersten Klavierunterricht, bevor sie
im Alter von 14 Jahren ihre Studien
am Mount Royal College in Calgary
im Rahmen eines kulturellen Austauschprogramms zwischen Kanada
und China fortsetzte.
Anschliessend zog sie nach Philadelphia, wo sie am renommierten
Curtis Institut bei Gary Graffman
studierte.
2006 – zwei Jahre vor ihrem Studienabschluss – wurde sie mit dem
Gilmore Young Artist Award ausgezeichnet, 2010 mit dem prestigeträchtigen Avery Fisher Career Grant
und 2011 mit dem ECHO-KlassikPreis. 2009 unterzeichnete sie einen
Exklusivvertrag mit der Deutschen
Grammophon.
Beim Tonhalle-Orchester Zürich
debütierte Yuja Wang am 20. September 2003 unter der Leitung von
David Zinman: Im Rahmen eines
Orpheum-Sonderkonzerts zur Förderung junger Solisten spielte sie
Beethovens viertes Klavierkonzert.
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Was ihre pianistische Ausbildung anbelangt,
ist sie sozusagen eine Enkelin des legendären
Vladimir Horowitz. Denn Yuja Wang studierte
(übrigens wie ihr Landsmann Lang Lang) fünf
Jahre bei Gary Graffman, und Graffman hatte
seinerseits einst zwei Jahre privaten Unterricht bei Horowitz gehabt. Dass Yuja Wang
den Spitznamen «Flinke Finger» hat, kommt
also nicht von ungefähr. Und auch ihre Vorliebe für Rachmaninow und Prokofiew, überhaupt für russische Spätromantiker, lässt sich
auf Graffman und Horowitz zurückführen.
«A LOT OF FUN»
Natürlich sei es «a lot of fun», Rachmaninow
und Prokofiew zu spielen. Diese Musik ist für
sie wie ein zweites Naturell. Und nie sieht man
Yuja Wang dabei schwitzen – was den immensen Vorteil hat, dass ihre Hände beim Spielen
nie feucht werden. Rutschgefahr gibt es bei
Yuja Wang also keine. Dafür aber derart flinke
Finger, dass einem allein beim Zuschauen
schwindlig werden könnte.
WERNER PFISTER
MI 25.02.15
DO 26.02.15
19.30 Uhr, Grosser Saal
Tonhalle-Orchester Zürich
Lionel Bringuier Leitung
Yuja Wang Artist in Residence Klavier
Esa-Pekka Salonen Creative Chair
Helix für Orchester (2005)
Sergej Rachmaninow
Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll op. 30
Modest Mussorgsky
Bilder einer Ausstellung
(Orchesterfassung von Maurice Ravel)
Artist in Residence wird unterstützt durch Swiss Re
25.02., 18.30 Uhr, Kleiner Saal
Einführung mit Roger Cahn
26.02., 18.30 Uhr, Kleiner Saal
Kinder interpretieren Mussorgsky
Ein Education-Projekt in Zusammenarbeit
mit Musikschule Konservatorium Zürich MKZ
Foto: Priska Ketterer
Yuja Wang
War doch das dritte Klavierkonzert von Rachmaninow das eigentliche Paradestück von
Horowitz. Er soll es sogar besser gespielt
haben als Rachmaninow selber.
Dem russischen Repertoire kommt zudem Yuja
Wangs Vorliebe für Moll-Tonarten entgegen.
Eine Vorliebe, die aus ihren jungen Jahren herrührt; Musik in Dur-Tonarten schien ihr damals
irgendwie falsch zu klingen – zu viel vorgespiegelter Optimismus. In russischer Musik hingegen fühlt sie sich nach wie vor total zu Hause.
«Sie bringt unsere Leidenschaften, unsere
Sehnsüchte und auch unsere nostalgischen
Gefühle in einer Weise zum Klingen, dass man
sich total als Mensch fühlt. Und gleichzeitig ist
etwas Übermenschliches in dieser Musik, etwas, das menschliche Dimensionen sozusagen
sprengt und uns spüren lässt, dass wir Teil
eines grösseren Zusammenhangs sind.»
Yuja Wang
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Tonhalle-Orchester Zürich
Lionel Bringuier Leitung
Yuja Wang Artist in Residence Klavier
Sa 28.02.15
Lyon Auditorium Maurice-Ravel
MO 02.03.15
Toulouse Halle aux Grains
Di 03.03.15
Frankfurt Alte Oper
Mi 04.03.15
Hamburg Laeiszhalle
DO 05.03.15
Bremen Die Glocke
Sa 07.03.15
Wien Konzerthaus
SO 08.03.15
© Rolf Willi
München Philharmonie
Das Tonhalle-Orchester Zürich
auf Tournee
—
Unter der Leitung seines Chefdirigenten
Lionel Bringuier startet das TonhalleOrchester Zürich Ende Februar zur ersten
gemeinsamen Tournee. Als Solistin reist
Yuja Wang, Artist in Residence, mit.
Im Notengepäck führen sie viel russisches
Grosskaliber, Rachmaninow, Prokofiew,
Mussorgsky und Strawinsky, dazu «La Valse»
von Ravel sowie «Helix» von Esa-Pekka
Salonen, Creative Chair.
Sieben Konzerte in neun Tagen, in
Frankreich, Deutschland und Österreich
– wir wünschen viel Erfolg!
Frankfurt, Hamburg, Bremen,
Toulouse, Lyon
Sergej Rachmaninow
Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll op. 30
Igor Strawinsky
L’Oiseau de feu, Konzertsuite (1919)
Maurice Ravel
La valse
München
Sergej Rachmaninow
Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll op. 30
Modest Mussorgsky
Bilder einer Ausstellung
(Orchesterfassung von Maurice Ravel)
Wien
Esa-Pekka Salonen Creative Chair
Helix für Orchester (2005)
Sergej Rachmaninow
Klavierkonzert Nr. 2 g-Moll op. 16
Modest Mussorgsky
Bilder einer Ausstellung
(Orchesterfassung von Maurice Ravel)
Artist in Residence wird unterstützt durch Swiss Re
Yuja Wang auf SRF Eins
Am 22. Februar 2015 um 23.30 sendet SRF Eins «Through
the eyes of Yuja», ein Porträt über Yuja Wang von Anaïs und
Olivier Spiro. Die beiden Autoren haben die Pianistin unter
anderem in Zürich anlässlich der Saisoneröffnung des
Tonhalle-Orchesters Zürich am 10. und 11. September 2014
begleitet, als sie unter der Leitung von Lionel Bringuier
Prokofiews zweites Klavierkonzert spielte.
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Mit drei verschiedenen
Konzertprogrammen gastiert
Ton Koopman erneut
beim Tonhalle-Orchester
Zürich und schlägt
dabei einen Bogen von Bach
bis zur Wiener Klassik
und Romantik.
—
Der Marathonmann
der Alten Musik
Ton Koopman ist ein Besessener – besessen
von der Musik. Unermüdlich bohrt er sich in
sie hinein und ruht nur selten bei dem Versuch, ihre Geheimnisse bis in den letzten
Winkel zu ergründen. Zudem ist der begnadete Organist, Cembalist, Dirigent und Musikforscher so etwas wie der Marathonmann der
Alten Musik: In einem Zeitraum von gut zehn
Jahren hat er das gewaltige Kantatenwerk
Johann Sebastian Bachs eingespielt. Ein
Mammutprojekt, das von Musikliebhabern
und Kritikern gleichermassen gefeiert wurde.
BACH UND BUXTEHUDE
Doch Koopmans musikalisches Herz gehört
nicht nur den Grossen der Musikgeschichte,
auch die sogenannten Kleinmeister haben in
ihm einen engagierten Anwalt gefunden.
Kaum war der Kantaten-Kosmos von Bach auf
CD gebannt, kümmerte er sich um das Ge-
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samtwerk von Dietrich Buxtehude – und tat
damit viel für die Reputation eines lange Zeit
gerne belächelten Komponisten.
Ton Koopman wurde 1944 im niederländischen Zwolle geboren. Er studierte in Amsterdam Orgel bei Simon C. Jansen, Cembalo bei
der erst kürzlich verstorbenen Alten-MusikLegende Gustav Leonhardt sowie Musikwissenschaft. 1979 gründete er das auf alten
Instrumenten spielende Amsterdamer Barockorchester, 1993 den zugehörigen Chor.
Gemeinsam mit seinen Ensembles ist er einer
der wichtigsten Vertreter der historischen
Aufführungspraxis. Doch Ton Koopman arbeitet ebenso mit Orchestern, die auf modernem
Instrumentarium spielen, darunter das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks,
das Deutsche Symphonie-Orchester Berlin,
das Boston Symphony und das Chicago Symphony Orchestra und regelmässig auch das
Tonhalle-Orchester Zürich. Längst hat er sich
mit diesen Klangkörpern aus seinem ursprünglichen Kernrepertoire des Barock herausgewagt und sich höchst erfolgreich Werke
der Wiener Klassik von Haydn und Mozart
erobert und stösst mit Kompositionen wie
Schuberts selten aufgeführtem Oratorium
«Lazarus» sogar bis in die Romantik vor.
DER UNBEKANNTE FLÖTIST
Die Welt von Ton Koopman, sie besteht aus
Musik. Wer das Glück hat, den Altmeister
einmal zu Hause besuchen zu dürfen, bekommt davon einen Eindruck. Er wohnt in
Bussum, einem beschaulichen Örtchen, keine
halbe Stunde von Amsterdam entfernt. Das
weiss gestrichene Haus liegt in einer ruhigen
Strasse, rund einen Kilometer vom Bahnhof
weg. Einst hatte er eine Hypothek auf das
Anwesen aufgenommen, um das CD-Projekt
Ton Koopman
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MI 04.02.15
DO 05.02.15
Fr 06.02.15
Schuberts
«Lazarus»
—
Gerade weil «Lazarus» nur als Fragment überliefert ist, sind Aufführungen selten. Dank Ton Koopman
ist das Werk nun in Zürich zu hören
– zweifellos ein herausragendes
Schubert-Erlebnis.
SO 08.02.15
mit den Bach-Kantaten finanziell abzusichern.
Heute ist es die Kommandozentrale im musikalischen Reich von Ton Koopman – und zugleich ist es ein Museum seiner Sammelleidenschaft: Bis unter die Decke stehen die
alten Bücher in einem alten, massgeschneiderten Regalsystem, hinzu kommen Notenausgaben und historische Instrumente. Im
Wohnzimmer hängt das Gemälde eines Flötisten, das Ton Koopman schon seit Jahren
umtreibt. Denn noch immer weiss er nicht,
wen es darstellt. Dutzende Anläufe hat er
schon unternommen, ergebnislos. Daher laufen seine Forschungen unverdrossen auf
Hochtouren. Denn stets sucht er nach den
Antworten auf seine vielen Fragen – in der
Musik und im Leben. BJØRN WOLL
Ton Koopman
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Foto: Tom Miller
Unterstützt durch Mercedes-Benz
Foto: St. Galler Tagblatt / Urs Bucher
Im Unterschied zu Franz Schuberts
anderen geistlichen Kompositionen
ist «Lazarus» nicht für den Gottesdienst komponiert, sondern – genaue Szenenanweisungen deuten
darauf hin – für eine (imaginäre)
Bühne. Warum er das dreiaktige
Werk nicht zu Ende komponierte,
sondern mitten in einer Arie der
Martha im zweiten Akt abbrach,
liess sich bislang nicht schlüssig
ermitteln. Vielleicht, weil ihm das
Wunder der Auferstehung, um das
es im dritten Akt geht, suspekt
war? Denn in seinen späteren Messen hat er die Worte «Et exspecto
resurrectionem» («Ich erwarte die
Auferstehung») stets weggelassen.
19.30 Uhr, Grosser Saal
Tonhalle-Orchester Zürich
Ton Koopman Leitung
Hana Blažíková Sopran
Tilman Lichdi Tenor
Andreas Weller Tenor
Klaus Mertens Bass
Zürcher Sing-Akademie
Tim Brown Einstudierung
Johann Sebastian Bach
Kantate «Ich hatte viel
Bekümmernis» BWV 21
Franz Schubert
Lazarus, oder: Die Feier
der Auferstehung D 689
(Fragment)
19.30 Uhr, Kleiner Saal
Klaus Mertens Bass
Ton Koopman Cembalo
Tini Mathot Cembalo
Mitglieder des TonhalleOrchesters Zürich
Johann Sebastian Bach
Brandenburgisches Konzert
Nr. 4 BWV 1049
Kantate «Ich habe genug»
BWV 82
Konzert c-Moll BWV 1062 für
zwei Cembali, Streicher und
Basso continuo
Brandenburgisches Konzert
Nr. 2 BWV 1047
MI 11.02.15
DO 12.02.15
19.30 Uhr, Grosser Saal
Tonhalle-Orchester Zürich
Ton Koopman Leitung
Steven Isserlis Violoncello
Johann Sebastian Bach
Brandenburgisches Konzert
Nr. 3 BWV 1048
Joseph Haydn
Cellokonzert D-Dur Hob. VIIb:2
Wolfgang Amadeus Mozart
Sinfonie C-Dur KV 425 «Linzer»
11.02., 18.30 Uhr, Kleiner Saal
Surprise mit Studierenden der ZHdK
Steven Isserlis
spielt
Haydn
—
Er ist einer der vielseitigsten Cellisten
und in allen Stilen bewandert. Was aber
stets gleich bleibt, ist die künstlerische
Intensität, mit der Steven Isserlis zu Werke geht. Er ist nicht nur ein Meister seines Instruments, sondern er durchlebt
die Musik. Glühende Leidenschaft vibriert in seinem Cellospiel – das sind nicht
nur musikalische, sondern auch menschliche Botschaften.
Mit Schostakowitsch war er im Oktober
2011 beim Tonhalle-Orchester Zürich zu
erleben, nun steht Haydns beliebtes
D-Dur-Konzert auf dem Programm. «Da
das Konzertrepertoire für Cellisten doch
ziemlich beschränkt ist, ist es doppelt
schade, dass vermutlich zwei oder sogar
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de laatste daarvan is inmiddels in
2014 verschenen.
“Antoine Marchand” opm een sublabel
van Challenge Classicis.
In 2012 ontving Ton Koopman de
Buxtehudeprijs van de stad Lübeck
en de Bachprijs van de stad Leipzig.
In 2014 werd hem de Bachprijs van
de Royal Academy of Music in
London toegekend.
Ton Koopman publiceert regelmatig.
Hij maakte edities van alle orgelconcerten van Händel voor Breitkopf &
Härtel en publiceerde in de afglopen
jaren een nieuwe editie van Händel’s
Messiah en Buxtehude’s Das Jüngstes
Gericht voor Carus Verlag. Daarnaast is
Ton Koopman hoogleraar aan de Universiteit Leiden en artistiek leider van
het festival Itinéraire Baroque in
de Franse Périgord.
Ton Koopman heeft als musicus een
zeer breed repertoire. Als klavecinist
en organist speelt hij muziek van de
renaissance tot de klassieken, met het
ABO&C heeft hij een groot repertoire
opgebouwd in de barokke en de klassieke periodes en als gastdirigent bij
moderne orkesten vertaalt hij de taal
van de barok en klassiek naar een bredere kring, en maakt hij ook geregeld
uitstapjes naar de vroege romantiek.
Ton Koopman maakte een grote hoeveelheid opnames voor Erato, Teldec,
Sony, Deutsche Grammophon en Philips. In 2003 richtte hij zijn eigen label
mehrere Cellokonzerte Haydns verloren
gegangen sind. Auch ein Cellokonzert
von Mendelssohn scheint verschwunden
zu sein. Und Beethoven offerierte dem
Cellisten Bernhard Romberg, für ihn ein
Cellokonzert zu komponieren. Was dieser
aber ablehnte – weil er nur eigene Kompositionen aufführen wollte. Für uns Cellisten sind das Tragödien.»
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Die beiden erhaltenen Cellokonzerte
Haydns hat Steven Isserlis in einer Referenzeinspielung unter Sir Roger Norrington vorgelegt. Nun sind wir gespannt auf
seine künstlerische Partnerschaft mit
Ton Koopman am Pult des TonhalleOrchesters Zürich.
J.S. BACH
Constantin Emanuel sings
from Schemellis Gesangbuch
CONSTANTIN EMANUEL boy soprano
Ton Koopman organ
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Johann Sebastian Bach –
Schemelli-Lieder
Je eine Auswahl aus Bachs Schemelli-Liedern hat Ton Koopman
bereits mit Peter Schreier und Christoph Prégardien veröffentlicht.
Für seine neueste Einspielung wählte er den Knabensopran
Constantin Emanuel Zimmermann, den 15-jährigen Sohn von
Kaspar Zimmermann, Oboist im Tonhalle-Orchester Zürich.
Challenge Classics CC 72263 - 0608917226324
DIE STIFTUNG ZUR ERHALTUNG VON PREISGÜNSTIGEN WOHN- UND GEWERBERÄUMEN
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© Anna Sommer
«Das
magische
Rohr»
—
GZ Loogarten
Brunch 10.00 Uhr
Konzert 11.30 Uhr
In Zusammenarbeit mit dem GZ Loogarten
So 11.03.15
14.00 Uhr Tonhalle Kleiner Saal
In der Konzertreihe «Kammermusik für
Kinder» wird diesmal die Instrumentengruppe
der Oboe vorgestellt.
Magische Momente sind garantiert.
Ein Rohr aus Holz, zwei silberne Klappen und zwei schwingende Rohrblätter – damit zaubert die Oboe einen unverkennbaren Klang. Wie dieser Klang entsteht, das weiss der kauzige
Hauswart Toni natürlich ganz genau. Zusammen mit drei Musikern des Tonhalle-Orchesters Zürich führt Toni mit viel Witz
und Charme durch das Konzert und bringt Kindern ab fünf
Jahren die besondere Magie der Oboe näher.
Tatsächlich stellen die Oboisten das Mundstück ihres Instrumentes nämlich selber her. Dafür werden Schilfrohre in Kilosäcken gekauft, der Länge nach dreigeteilt und in vielen komplexen Arbeitsschritten in die richtige Form gebracht.
Anschliessend muss das Rohrblatt mit einem Messer dünn
Familienkonzert
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So 01.02.15
DAS MAGISCHE ROHR
Isaac Duarte Oboe, Englischhorn
und Oboe d‘amore
Martin Frutiger Oboe, Englischhorn und Oboe d‘amore
Kaspar Zimmermann Oboe und
Oboe d‘amore
Rico Grandjean Schauspieler
Cédric du Bois Konzept und Regie
Eine heitere musikalische Geschichte für Kinder ab 5 Jahren
geschabt werden, dünner gar als ein Blatt Papier. Die Klangfarbe und Klangfülle der Oboe hängt wesentlich davon ab, wie
sorgfältig das Mundstück gefertigt wurde. Wenn das nicht
magisch ist ...
Die Konzertreihe «Kammermusik für Kinder» findet in der Saison 2014/15 erstmals in Zusammenarbeit mit Gemeinschaftszentren der Stadt Zürich statt und möchte damit gezielt auch Kinder des jeweiligen Quartiers ansprechen. «Das
magische Rohr» wird am 1. Februar im Gemeinschaftszentrum
Loogarten in Zürich Altstetten zur Aufführung kommen und
am 11. März auch in der Tonhalle zu hören sein.
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Von Menschlein
inspiriert
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So 01.02.15
Der Homunculus ist als ein – womöglich
vom Menschen selber – geschaffenes Menschlein so etwas wie ein Archetypus des
Kunstwerks. Jedenfalls mag man sich das
schon beim Homunculus in Goethes Faust II
denken, obgleich ihn dort bloss Wagner, der
«trockne Schleicher» (Originalton Faust), in
seinem Laboratorium mit der versteckten
Hilfe des Mephistopheles kreiert. Klein wie er
ist, haftet dem Homunculus etwas entschieden Geheimnisvolles, ja Furchteinflössendes
an (Frankenstein, 14 Jahre vor Faust II erschienen, lässt hier durchaus grüssen), andererseits aber auch etwas Humoristisches.
BELUSTIGT UND GERÜHRT
Diese letztere Eigenschaft scheint Esa-Pekka
Salonen besonders im Auge gehabt zu haben,
als er 2008 sein Streichquartett-Stück «Homunculus» schrieb, das trotz aller «Kleinheit»
eine Fülle verschiedener Charaktere und Texturen zur Geltung bringt. Die uralten Vorstellungen, dass bei der menschlichen Zeugung
ein winziges Männchen in den weiblichen
Mutterleib eingepflanzt würde und dort nur
noch auswachsen müsse, dass zugleich jeder
Homunculus von Anfang an bereits die Samen zu lauter weiteren Menschlein, also im
Grunde diese kompletten Menschlein selbst
in sich trage, was eine «endlose Kette von
Homunculi» ergebe, belustigte den Komponisten nach eigener Aussage nicht nur, sondern bewegte ihn regelrecht zu einer Art von
Mitgefühl.
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11.15 Uhr, Kleiner Saal
Elisabeth Harringer-Pignat Violine
Peter McGuire Violine
Antonia Siegers-Reid Viola
Johannes Gürth Viola
Rafael Rosenfeld Violoncello
Gabriele Ardizzone Violoncello
Esa-Pekka Salonen
Creative Chair
Homunculus für
Streichquartett (2008)
Johannes Brahms
Streichsextett Nr. 1 B-Dur op. 18
10.30 Uhr, Grosser Saal
Einblicke mit Jens-Peter Schütte
11.00 Uhr, Treffpunkt Vestibül
Kinder-Matinee mit Sabine Appenzeller
für die Kinder der Konzertbesucher (ab 4 J.)
Schien dagegen Johannes Brahms die Idee,
selber der Urheber eines kleinen menschlichen
Homunculus sein zu können und dann für
diesen sorgen zu müssen, doch eher furchteinflössend zu finden? Zur Zeit des Streichsextetts in B-Dur op. 18, im Jahre 1860, lebte
der Komponist zwar noch ganz in der Hochstimmung seiner kürzlich vollzogenen
Verlobung mit der Göttinger Professorentocher Agathe von Siebold, die mit ihrem Bildungshintergrund sicherlich eine gute Partie
für den armen Hamburger Handwerkersohn
gewesen wäre. Doch löste Brahms das Verhältnis wenig später ebenso abrupt wie eigenwillig wieder auf, um lebenslanger Junggeselle zu bleiben … JENS-PETER SCHÜTTE
Kammermusik-Matinee
07.01.15 14:00
Musik von Frauen
—
Vier grosse Komponistinnen
aus zwei Jahrhunderten
Mel Bonis, 1875
© LWL
Mel Bonis, die noch nicht lange wiederentdeckte Schülerin
von César Franck und Ernest Guiraud am Pariser Conservatoire, die nur darum ihr Studium nicht abschliessen konnte,
weil ihre Eltern sie mit einem 22 Jahre älteren, doppelten Witwer verheiraten zu müssen glaubten, erwies sich noch als
Siebzigjährige als auf der Höhe ihrer Zeit stehend, da sie mit
ihrer «Suite dans le style ancien» (1928) ein Stück im Geiste
des neuesten französischen antikisierenden Klassizismus
schrieb. Von Clara Schumann ist schon lange nicht nur ihr
bewegtes Schicksal, nicht nur ihr Genie als Pianistin, sondern
auch der hohe Rang ihrer Kompositionen bekannt. Umso eigenartiger, wie selten diese Kompositionen immer noch gespielt werden, sind sie doch in mehrerer Hinsicht bemerkenswert, die frühen «Caprices en forme de valse» (1832) und die
h-Moll-Romanze als typisch romantische Charakterstücke,
Präludium und Fuge als bemerkenswertes Beispiel für die damals (1845) noch unübliche direkte Rückbesinnung auf Bach.
Clara Schumann, 1878
SCHWESTER DES BERÜHMTEN BRUDERS
Nadia Boulanger, 1910
Fanny Hensel verdankt als geborene Mendelssohn Bartholdy
ihre relative Bekanntheit zweifellos vor allem ihrem weltberühmten Bruder Felix. Doch obwohl sie immerhin zur selben
Zeit wie dieser letzte Repräsentant der «klassischen» Periode
des Streichquartetts beim selben Lehrer Carl Friedrich Zelter
in Berlin studierte, vermochte man sich bisher nur wenig für
ihr Streichquartett Es-Dur von 1834 zu begeistern – dabei ist
dieses Stück eine bemerkenswerte Verbindung von Meisterschaft im vierstimmigen Satz mit ziemlich romantischen Vorstellungen von Harmonik und Form.
JENS-PETER SCHÜTTE
Kammermusik-Lunchkonzert
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DO 26.02.15
12.15 Uhr, Kleiner Saal
Sabine Poyé Morel Flöte
Isabelle Weilbach-Lambelet Violine
Elizaveta Shnayder-Taub Violine
Ewa Grzywna-Groblewska Viola
Gabriele Ardizzone Violoncello
Anton Kernjak Klavier
Mel Bonis
Suite dans le style ancien für Flöte,
Violine, Viola und Klavier op. 127
Clara Schumann
aus: Caprices en forme de valse op. 2
für Klavier
Präludium und Fuge op. 16 Nr. 3
für Klavier
Romanze h-Moll für Klavier
Nadia Boulanger
Drei Stücke für Violoncello und Klavier
Fanny Hensel
Streichquartett Es-Dur
© LWL
Nadia Boulanger ist bislang vielleicht noch weniger als Mel
Bonis und Clara Schumann in den Konzertprogrammen präsent, während sie als Lehrerin einen immensen, fast legendären Ruf geniesst – immerhin gehörten Copland, Piazzolla, Philip Glass und Dinu Lipatti zu ihren Schülern. Die drei Stücke
für Cello und Klavier (1913) sind ein faszinierendes Beispiel
für ihre Kompositionskunst, welche eine typisch französische
Zartheit des Klangs mit einer in Gallien eher ungewöhnlichen
Leidenschaftlichkeit des Melos verbindet.
Fanny Hensel, 1842
TONH A LLE- ORCHE S T ER ZÜRICH
15
07.01.15 14:00
Eine Sinfonie über Bäume
—
Krzysztof Penderecki gibt sein spätes Debüt beim
Tonhalle-Orchester Zürich. Thomas Meyer traf den weltberühmten
Komponisten vor sechs Jahren zu einem Gespräch über
das Leben und die Vergänglichkeit – und über dessen achte Sinfonie
«Lieder der Vergänglichkeit».
16
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TONH A L L E- ORCHE S T ER ZÜRICH
Penderecki
dirigiert Penderecki
07.01.15 14:00
Krzysztof Penderecki, Sie sind einst mit
radikalen, geräuschhaften Klangkompositionen bekannt geworden, dann aber
auch mit ihren grossen oratorischen
Werken wie der Lukas-Passion oder mit
furiosen Opern wie «Die Teufel von Loudun». In den letzten zwei Jahrzehnten
aber sind, so scheint mir, andere Aspekte in den Vordergrund getreten …
Wissen Sie, mit dem Alter hat man
Distanz zur eigenen Musik, zur eigenen Tradition. Mir ist zum Beispiel
Kammermusik in der letzten Zeit
wichtiger geworden. Ich schreibe
jedes Jahr zwei oder drei kammermusikalische Werke. Diese Musik ist
mir jetzt viel näher, eine Art Musica
domestica …
Hausmusik …
… die ich nicht nur für ein Publikum
schreibe, sondern auch für mich. Sie
kann zum Beispiel auch bei mir zu
Hause aufgeführt werden.
Foto: Bruno Fidrych
Handelt es sich also um eine Art Rückzug in die Kammermusik?
Ja, auf Intimes eben, privates Leben. Ich habe ein Landhaus, wir
bauen dort einen Konzertsaal, und
da möchte ich eine Art private Akademie machen für begabte Musiker,
nicht nur für Komponisten, denn
Komponisten ausbilden muss man
nicht. Entweder man ist als Komponist geboren oder …
Mit den Sinfonien sind Sie mittlerweile
bei der Nummer acht angelangt. Da
wäre nun eigentlich eine grosse Neunte
zu erwarten. Schaut man sich jedoch die
Liste genauer an, merkt man, dass auch
die Sechste noch fehlt. Und dabei denkt
man unwillkürlich an eine Pastorale.
Die Sechste, eine Elegie auf den
sterbenden Wald, ist noch nicht
vollendet. Wissen Sie, man hat lei-
der zu viele Ideen, und man schafft
nicht alles. Ich bin schon über 75,
schreibe viel, reise viel. Ich beschäftige mich auch mit anderen Dingen,
zum Beispiel habe ich in Polen ein
Arboretum gegründet. Ich sammle
Bäume, und da gibt es kein Ende.
Ich besitze auf dreissig Hektaren
über 1500 Arten. Leider ist der Park
schon zu klein. So ein Park ist eine
Generationenfrage. Hätte ich mit
fünf Jahren angefangen, würde ich
sehen, wie meine Bäume gross werden.
Warum Bäume? Was bedeuten sie
für Sie?
Der Baum ist ein Symbol des Lebens. Bäume sind für mich Lebewesen. Mein Urgrossvater war Förster,
mein Grossvater hatte grosses Interesse für Bäume, er hat mir damals
als sechsjährigem Kind alle Namen
auf Latein beigebracht. In meinem
Park Bäume nicht nur zu sammeln,
sondern ihn auch selber zu gestalten, ist genauso wie eine Sinfonie,
eine unvollendete Sinfonie zu schreiben. Man muss architektonisch denken, nicht nur Themen notieren, was
leicht ist, sondern die ganze Form
beherrschen. Man weiss ja ganz genau, wie ein Stück bei der Aufführung klingt. Wenn man einen Park
plant, muss man wissen, wie er in
hundert Jahren aussieht. Das fasziniert mich.
Das Projekt zieht sich also über Generationen hinweg?
Früher haben die Generationen solche Parks geschaffen. Ich habe es
allein in vierzig Jahren mit grossem
Engagement geschafft. Ich suche
immer neue Bäume, die ich noch
nicht habe. Wenn ich zu Hause bin,
lebe ich täglich mit meinen Bäumen.
«
Im Alter hat man
Distanz zur
eigenen Musik.
»
SA 14.03.15
19.30 Uhr, Grosser Saal
SO 15.03.15
17.00 Uhr, Grosser Saal
Tonhalle-Orchester Zürich
Krzysztof Penderecki Leitung
Maciej Tworek Assistenz
László Fenyö Violoncello
Monika Leskovar Violoncello
Maja Bogdanovic Violoncello
Olga Pasichnyk Sopran
Lioba Braun Mezzosopran
Thomas E. Bauer Bariton
Zürcher Sing-Akademie
Tim Brown Einstudierung
Krzysztof Penderecki
Concerto grosso per tre
violoncelli ed orchestra (2000/01)
Sinfonie Nr. 8 «Lieder der
Vergänglichkeit» (2004/05)
14.03., 18.30 Uhr, Konzertfoyer
15.03., 16.00 Uhr, Kleiner Saal
Einführung mit Margit Klusch
15.03., nach dem Konzert, Kleiner Saal
Ausklang mit Ilona Schmiel und ihren Gästen
Angesichts dieser langsam wachsenden
Bäume kommen einem wohl auch Gedanken an die eigene Vergänglichkeit.
«Lieder der Vergänglichkeit» ist der Titel
Ihrer achten Sinfonie.
Ich wollte dieses Werk eigentlich
zuerst für meine Bäume schreiben.
Ich suchte Literatur, fand, vor allem
in der deutschen Literatur, über
zweihundert Texte – im 19. Jahrhundert, aber auch bei Rilke und Hesse.
Vergänglichkeit: Wenn man zwanzig
ist, denkt man nicht über dieses
Thema nach, aber später schon.
Legen Sie in Ihrem Arboretum selber
Hand an? Pflanzen und schneiden Sie die
Bäume?
Ja, aber ich habe natürlich Leute,
die mir helfen. Wissen Sie, allein,
wenn ich alles sehen möchte in meinem Park, dann sind das mindestens
vier Stunden Wandern.
Sie müssten Führungen durch Ihren Park
machen. Ist er öffentlich?
Ich werde ihn später öffnen. Ich zeige ihn meinen Freunden und Bekannten, aber noch nicht allen ...
Ich bin ein bisschen eifersüchtig.
TONH A LLE- ORCHE S T ER ZÜRICH
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17
07.01.15 14:00
«Man muss ehrlich sein …»
—
Für ihr Zürcher Debüt-Rezital in der Reihe
«Série jeunes» hat sich die junge amerikanische Geigerin Caroline Goulding Werke
von Schubert und Schumann sowie von
Enescu und Elgar ausgewählt.
”Goulding is a skilled violinist well on her way to an
important career“, schrieb «The Washington Post»
über Caroline Goulding. In der Tat: Gleich ihre erste
CD-Einspielung wurde für den Grammy nominiert.
”A violinist you must hear“, meinte Peter Oundjian,
Direktor des Toronto Symphony Orchestra, mit dem
Caroline Goulding wiederholt aufgetreten war. Zudem spielte sie bereits in der Carnegie Hall und im
Lincoln Centre – erste Adressen im klassischen
Konzertbetrieb.
STETES SUCHEN UND STREBEN
Mit dreizehn stand Caroline Goulding zum ersten
Mal auf dem Konzertpodium. Bald gewann sie ihre
ersten Preise – 2009 die Young Concert Artists International Auditions, zwei Jahre später den prestigeträchtigen Avery Fisher Career Grant. Hierzulande
wurde ein breites Publikum spätestens am 2. Dezember 2012 auf die junge Geigerin aufmerksam,
als sie in Rolando Villazóns TV-Sendung «Stars von
morgen» auftrat.
Sie ist zwar erst 22 Jahre alt, spielt aber bereits seit
19 Jahren Geige – fast ein ganzes Leben lang. «Ich
glaube sehr daran, dass ein Künstler ein Leben lang
lernt. Es ist ein stetes Suchen und Streben. Ein
Künstler muss wissen, aus welchen Gründen er tut,
was er tut. Genau das macht letztlich musikalisch,
aber auch emotional und geistig meine Basis aus.
Man muss ehrlich sein mit sich selbst – in der
Kunst wie im Leben. Bleibt man wahrhaftig, auch
sich selbst als einem individuellen Künstler gegenüber, dann kann man nicht fehlgehen.»
Mo 02.03.15
19.30 Uhr, Kleiner Saal
Caroline Goulding Violine
Danae Dörken Klavier
Franz Schubert
Sonatine E-Dur D 157
Robert Schumann
Violinsonate Nr. 2 d-Moll
op. 121
George Enescu
Impromptu concertant
Edward Elgar
Violinsonate e-Moll op. 82
Unterstützt durch den Gönnerverein
18
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TONH A L L E- ORCHE S T ER ZÜRICH
Und sie kommt auf Gidon Kremer zu sprechen:
«Neulich las ich ein Interview von ihm, wo er sagte,
dass reine technische Perfektion noch lange nicht
alles sei – dass die wirkliche Bedeutung der Musik
uns über dieses Streben nach Perfektion
hinausführen sollte. Denn die eigentliche
künstlerische Essenz liege in der individuellen
Ausdrucksfähigkeit und der höchsteigenen, persönlichen Beziehung, die man zu einem Werk hat.»
Zu Zürich hat sie eine besondere Beziehung: Seit
2013 studiert Caroline Goulding nämlich bei Christian Tetzlaff. Tetzlaff, Sie erinnern sich, war vor zwei
Jahren Artist in Residence beim Tonhalle-Orchester
Zürich. Nun ist seine junge Meisterstudentin zu
erleben. WERNER PFISTER
Foto: Lisa Marie Mazzucco
GIDON KREMER – CHRISTIAN TETZLAFF
Série jeunes
07.01.15 14:00
Beide waren sie sozusagen schon zu Lebzeiten überlebt:
Max Bruch (links) und Paul Hindemith.
So 15.03.15
11.15 Uhr, Kleiner Saal
Michael Reid Klarinette
Matthias Rácz Fagott
Mischa Greull Horn
Peter McGuire Violine
Antonia Siegers-Reid Violine und Viola
David Greenlees Viola
Alexander Neustroev Violoncello
Samuel Alcántara Kontrabass
Max Bruch
Septett Es-Dur op. posth.
Paul Hindemith
Oktett für Bläser und Streicher
Wunderkind
und
Rädelsführer
—
Max Bruch, zu Beginn seiner Laufbahn eines der grossen
Wunderkinder des 19. Jahrhunderts, hatte das tragische Lebenspech, dass die Musikgeschichte einen anderen Verlauf
nahm, als es seinem Talent entsprach. Das Es-Dur-Septett mit
seinem spätklassischen Tonfall komponierte Bruch als Elfjähriger, im Geiste Mozarts und Beethovens, zum 100. Geburtstag von Goethe am 28. August 1849. Damit wandelte er in
den Spuren Mendelssohns, des zwei Jahre zuvor Verstorbenen, der als einer der wenigen Komponisten seiner Generation
direkt und unmittelbar mit Goethe zu tun hatte (während ihn
jeder rechtschaffene Romantiker sonst lieber zu umgehen
versuchte).
Doch gab eben ab der Mitte des Jahrhunderts nicht mehr
Mendelssohn mit seiner Klassizität den Ton an, sondern die
Neudeutsche Schule: Kurz vor dem Es-Dur-Septett hatte der
mittlerweile steckbrieflich gesuchte Revolutionsflüchtling
Richard Wagner seinen «Lohengrin» abgeschlossen. Mit Wagner begann das Ende der klassischen Musik, doch Bruch blieb
seinen Vorbildern Goethe, Beethoven und Mendelssohn bis
weit ins 20. Jahrhundert hinein treu.
Kammermusik-Matinee
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10.30 Uhr, Grosser Saal
Einblicke mit Jens-Peter Schütte
11.00 Uhr, Treffpunkt Vestibül
Kinder-Matinee mit Sabine Appenzeller
für die Kinder der Konzertbesucher (ab 4 Jahren)
VOM PIONIER ZUM KLASSIZISTEN
Und wer hätte gedacht, dass ausgerechnet Paul Hindemith im
späten Alter ein ähnliches Schicksal ereilen würde wie weiland
Max Bruch? Der ehemalige Pionier der Neuen Musik nach dem
Ersten Weltkrieg, Rädelsführer aller möglichen Neuerungen in
den wilden 1920er-Jahren und auch noch in den abgeklärteren 1930ern von der Rundfunkmusik über die ersten elektronischen Instrumente bis zur Kinder- und Jugendmusik, Verkünder von «Neuer Sachlichkeit» und «Gebrauchsmusik», wurde
nach dem Zweiten Weltkrieg zum alten Eisen gerechnet. Ein
Werk wie das Oktett von 1958/59, durchaus sperrig in seinen
Dissonanzen und seiner linearen Kontrapunktik, wäre ein Vierteljahrhundert zuvor noch höchst «fortschrittlich» gewesen,
wirkte aber nun in einer Epoche, da Boulez und Stockhausen
den Ton anzugeben anfingen, schon fast klassizistisch.
JENS-PETER SCHÜTTE
TONH A LLE- ORCHE S T ER ZÜRICH
19
07.01.15 14:00
Von Mozart
zu
Morgenstern
—
Juliane Banse, Sabine Meyer und
Aleksandar Mazdar warten in wechselnden
Besetzungen mit kammermusikalischen
Raritäten auf.
Foto: Keith Saunders
Foto: Ruvolo
«Das Miteinander der drei war eine wahre
Freude», schwärmte vor vier Jahren das
«Hamburger Abendblatt» anlässlich der ersten Tournee, die Juliane Banse, Sabine Meyer
und Aleksandar Madzar gemeinsam unternahmen und damals auch mit grossem Erfolg
in der Zürcher Tonhalle Station machten. Ein
Künstlertrio der Sonderklasse, denn dass sich
eine international gefeierte Sopranistin, die
vielleicht weltbeste Klarinettistin und ein
ebenso hochgeschätzter Pianist zusammentun, hat Seltenheitswert.
SO 08.03.15
Nun haben sich die drei erneut zu einem attraktiven Programm zusammengefunden. Zu
dritt und zu zweit in wechselnden Konstellationen. Den Anfang und Schluss bestreiten sie
gemeinsam: sechs deutsche Lieder von Louis
Spohr und Schuberts grossartige Szene «Der
Hirt auf dem Felsen», wo zur Singstimme mit
Klavierbegleitung jeweils noch eine konzertierende Klarinette hinzukommt. In den drei
Morgenstern-Liedern von Mátyás Seiber duettiert die Singstimme mit der Klarinette, in
Lutosławskis Tanzpräludien die Klarinette mit
dem Klavier. Und die fünf ausgewählten Lieder von Schubert sind allesamt Höhepunkte
aus seinem immensen Liedschaffen.
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TONH A L L E- ORCHE S T ER ZÜRICH
Foto: Stefan Nimmesgern
MOZART ALS HERZSTÜCK
Sozusagen das heimliche Herzstück dieser
exquisiten Kammermusik-Soiree bildet aber
Mozart: die Arie «Non più di fiori» aus der
Oper «La clemenza di Tito» – sicher eine von
Mozarts schönsten Eingebungen, denn hier
gesellt sich zur Singstimme ein konzertantes
Bassetthorn.
19.30 Uhr, Kleiner Saal
Juliane Banse Sopran
Sabine Meyer Klarinette
Aleksandar Madzar Klavier
Louis Spohr
Sechs deutsche Lieder op. 103
Mátyás Seiber
Drei Morgenstern-Lieder
Wolfgang Amadeus Mozart
«Non più di fiori» Arie der Vitellia aus
«La clemenza di Tito» KV 621 (Bearb.)
Witold Lutosławski
Fünf Tanzpräludien
Franz Schubert
Ganymed D 544
Naturgenuss D 188
Freiwilliges Versinken D 700
An den Mond D 259
Der Wanderer an den Mond D 870
Der Hirt auf dem Felsen D 965
Kammermusik-Soiree
07.01.15 14:00
Ein Dichter für Schwindelfreie
—
Eros am Abgrund – Arthur Schnitzler
und die Musik seiner Zeit
«Jeanette war die Sinnlichkeit, Olga die grande passion, Fifi die
Behaglichkeit, Jenny, Minni die Leichtlebigkeit, Fännchen die
‹Jugendliebe› – also gewiss nicht die Liebe – Dilly die Sensation,
eine berühmte zu besitzen …» So Arthur Schnitzler in seinem
Tagebuch am 4. Mai 1895. Ein Mann zieht die Bilanz seiner Liebeleien. «Ich brauche Liebe. Oder vielleicht nur Abwechslung.
Die Liebe ist eigentlich immer ein Symbol für was anderes.» Das
hiesse, man kann sie weder wirklich leben noch ihrer habhaft
werden. Typisch Mann?
CASANOVA ODER DON JUAN?
«Die Wahrheit ist in Kürze, ich möchte alles haben – einfach»,
schreibt Schnitzler seiner künftigen Ehefrau Olga. Was im Klartext heisst: «Möchte alle haben.» Und in Schnitzlers Meistererzählung «Casanovas Heimfahrt» lesen wir: «Frauen – Frauen
überall», ein «ewiges Suchen und Niemals- oder Immer-Finden»,
ein «Fliehen von Begier zu Lust und von Lust zu Begier». Casanova oder Don Juan? «Ich habe den Don Juan geträllert, aber
nicht gesungen», sagt Kammersänger Elegius Fenz in Schnitzlers
«Komödie der Verführung», «ich habe ihn gespielt, aber ich bin
es nicht gewesen.» Hat auch Schnitzler ihn nur gespielt?
«SIE SCHMUTZFINK …»
Wie die Menschen, so würden auch Beziehungen bereits
im Zeichen ihres Todes geboren, schreibt Schnitzler. Eine
existenzielle Lebenstragödie? Oder doch eher ein Dramma giocoso? Abgründe, wohin man blickt, nicht umsonst
bezeichnete sich Schnitzler als «Dichter für Schwindelfreie». Ähnliches schienen auch die mit ihm befreundeten Wiener Dichter Hugo von Hofmannsthal und Richard
Beer-Hofmann zu spüren – allerdings ganz anders zu
werten! –, als sie ihm über sein Skandalstück «Reigen»
schrieben: «Schliesslich ist es ja ihr bestes Buch, Sie
Schmutzfink … Viele Leute werden es als Ihr erectiefstes
Werk bezeichnen.» Man kann es auch so sagen.
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Arthur Schnitzler an Paul Stefan, 4.5.1910
SO 22.03.15
11.15 Uhr, The Dolder Gand, Ballroom
LITERATUR UND MUSIK
Eros am Abgrund. Arthur Schnitzler
und die Musik seiner Zeit
Yoshiko Iwai Klavier
Andreas Janke Violine
Katja Fuchs Viola
Thomas Grossenbacher Violoncello
Konstanze Fliedl Einführung
Delia Mayer Lesung
Gustav Mahler
Satz für Klavierquartett a-Moll
Alexander von Zemlinsky
Klaviertrio op. 3
In Zusammenarbeit mit dem
Literaturhaus Zürich
und dem Dolder Grand
Oder aber so wie in jenem grossen Brief, den Schnitzler
zu seinem 60. Geburtstag erhielt: «Ich glaube, im Grunde
Ihres Wesens sind Sie ein psychologischer Tiefenforscher, so
ehrlich unparteiisch und unerschrocken wie nur je einer war …»
Diesen Brief schrieb Sigmund Freud. WERNER PFISTER
Literatur und Musik
«Gerade einer so ausserordentlichen Erscheinung gegenüber,
wie Mahler, gibt es meiner
persönlichen Empfindung nach
nur eines – Dank.»
Delia Mayer
TONH A LLE- ORCHE S T ER ZÜRICH
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07.01.15 14:00
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07.01.15 14:00
Ein Tausendsassa
—
Der australische Pianist Stefan Cassomenos
spielt im Rahmen der «Série jeunes» Werke von
Beethoven, Ligeti, Haydn und Prokofjew.
Denk’ ich an Melbourne in der Nacht, / bin
ich um den Schlaf gebracht: So müsste wohl
der geübte europäische Tennisfan jedes Jahr
im Januar frei nach Heine ausrufen angesichts der Tatsache, dass die Spiele bei den
Australian Open gerne zu nachtschlafender
Zeit stattfinden. Doch zum Glück gibt es ausser umherfliegenden gelben Bällen, Sonnenbrand und Ozonloch auch noch andere, kultiviertere Dinge in dieser schönen fernen Stadt.
Zum Beispiel Stefan Cassomenos, bei dem
man sich allerdings fragt, welcher der vier
Berufe, die er gegenwärtig ausübt, sein
Hauptberuf ist: Pianist, Komponist, Dirigent
oder Festivalleiter.
Mo 23.03.15
Vermutlich wäre die beste Antwort: Er ist alles in Personalunion. Ein Tausendsassa eben,
dessen Liebe zur Musik sich in vielfältiger
Form ausdrückt. Am direktesten natürlich,
wenn er Klavier spielt. Und das ist in der Tat
ein Ereignis in unserer hyperbeschleunigten
Welt. Denn Cassomenos zählt zu jenen (selten gewordenen) Künstlern, die dem Hang
zur Aufmerksamkeit die völlige Entspannung
entgegensetzen. Kaum ein Pianist unserer
Zeit spielt so entspannt und so nüchtern und
distanziert und so unprätentiös wie dieser.
Gerade deswegen verdient es Cassomenos,
im besten Sinne des Wortes angehört zu werden. Denn in seinen Interpretationen verbinden sich alte Tugenden – eine Werktreue, die
stets versucht, der Wahrheit des jeweiligen
Stückes auf den Grund zu gehen, und eine
geradezu klassische Schönheit der Diktion
Série jeunes
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Foto: Dan Hannen
VÖLLIGE ENTSPANNUNG
sowie der musikalischen Geste. Übertrieben
subjektivistische Agogik findet man darin
ebenso wenig wie einen romantisierenden
Pedalnebel, und das gilt für Bach und Haydn
in gleichem Masse wie für Beethoven und
Prokofjew.
LINEARITÄT UND KOMPLEXITÄT
Fussend auf einer herausragenden Technik
(Cassomenos’ erste Lehrerin war Margarita
Krupina, die russische Klavierschule hat auch
hier mal wieder ihre Hände im Spiel!), küm-
19.30 Uhr, Kleiner Saal
Stefan Cassomenos Klavier
Joseph Haydn
Klaviersonate h-Moll Hob. XVI:32
Ludwig van Beethoven
Klaviersonate Nr. 31 As-Dur op. 110
Carl Vine
Toccatissimo
György Ligeti
Aus: Études pour piano
Sergej Prokofjew
Klaviersonate Nr. 6 A-Dur op. 82
Unterstützt durch den Gönnerverein
mert sich dieser Pianist in erster Linie um die
Darstellung von Linearität auf der einen und
struktureller Komplexität auf der anderen
Seite. Im Resultat klingt das so, als habe jemand ein Röntgengerät auf die Partitur gelegt. Nur mit dem einen, feinen Unterschied:
Ein Gerät kennt keine Emotion. Das Klavierspiel von Stefan Cassomenos hingegen
schon. Und das zur Genüge. JÜRGEN OTTEN
TONH A LLE- ORCHE S T ER ZÜRICH
23
07.01.15 14:00
«Es ist wie
ein Liebesduett …»
—
Sie haben Mozarts Sinfonia
concertante schon zweimal
zusammen gespielt. Mit welchen
Erwartungen gehen Sie erneut
an dieses Werk?
Janke: Beim ersten Mal bin
ich eingesprungen. Ich hatte
das Stück zuvor noch nie
gespielt, musste es sehr
kurzfristig lernen, was
einen sehr erfrischenden
Zugang ergeben hat. Dann
haben wir es noch ein
zweites Mal gespielt, zusammen mit einem Jugendorchester.
Karni: Andreas hat es sogar in zwei Wochen auswendig gelernt, das muss
ihm erst einer nachmachen. Beim zweiten Mal
sind wir etwas gesetzter in
den Tempi drangegangen, vielleicht
auch wegen der Jugendlichen …
Janke: Aber wir möchten dem
«Maestoso»-Charakter des Kopfsatzes
auch diesmal etwas Feierliches geben.
MI 25.03.15
DO 26.03.15
Andreas Janke, Erster Konzertmeister,
und Gilad Karni, Solo-Bratscher
beim Tonhalle-Orchester Zürich,
sind die Solisten in Mozarts berühmter
Sinfonia concertante. Erstmals
spielen sie das Werk unter der Leitung
von Lionel Bringuier.
Sind das die Fragen, die man vorher diskutiert – zu zweit oder gar mit dem Dirigenten?
Janke: Das hat sich eigentlich während
der Proben so ergeben, ohne dass wir
gross diskutiert hätten. Der Dirigent wird
wohl eher zum Orchester sprechen und
darauf achten, wo wir Raum brauchen.
Karni: Wir passen von Natur aus sehr
gut zusammen. Sonst wäre es wohl seltsam, ausgerechnet dieses Stück zu spielen, wo Mozart beide Instrumente sehr
ähnlich behandelt. Gespannt bin ich
diesmal, weil es das erste Solo ist, das
wir mit unserem neuen Chefdirigenten
spielen. Er ist sehr jung und frisch, ich
denke, dass wir Spass haben werden.
24
Mag_4.indd 24
TONH A L L E- ORCHE S T ER ZÜRICH
Janke: Es ist wie ein Liebesduett, theatralisch, opernhaft, ein ständiger Dialog.
Und der zweite Satz ist einer der absolut
himmlischsten Sätze überhaupt.
Karni: Für die Bratsche ist es das einzige
Solokonzert von Mozart. Für die Geige
hat er vorher fünf Konzerte geschrieben,
aber sich das Beste für das letzte, die
Sinfonia concertante, aufgespart!
Sagt man das auch als Geiger?
Janke: Absolut. Es ist etwas Besonderes,
eine musikalische Tiefgründigkeit, die es
nochmals auf ein anderes Niveau hebt.
Erträgt es deshalb auch mehr romantische
Emphase?
Janke: Ich finde schon. Vieles hat eine
wirklich grosse Geste, die einen entsprechenden Klang haben darf. Man sollte
eine Ahnung haben, wie damals artiku-
19.30 Uhr, Grosser Saal
Tonhalle-Orchester Zürich
Lionel Bringuier Leitung
Andreas Janke Violine
Gilad Karni Viola
Claude Debussy
Prélude à l’après-midi d’un faune
Wolfgang Amadues Mozart
Sinfonia concertante Es-Dur KV 364
Jean Sibelius
Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 43
Unterstützt durch Mercedes-Benz
25./26.03., 18.30 Uhr, Kleiner Saal
Einführung mit Schülermanagern
FR 27.03.15
tonhalleLATE
22.00 Uhr, Grosser Saal
Tonhalle-Orchester Zürich
Lionel Bringuier Leitung
Andreas Janke Violine
Gilad Karni Viola
Claude Debussy
Prélude à l’après-midi d’un faune
Wolfgang Amadues Mozart
Sinfonia concertante Es-Dur KV 364
anschliessend:
Livesets, DJs and Dancefloor
Unterstützt durch Credit Suisse
liert und phrasiert wurde. Man muss
sich bewusst sein, was man tut, aber
wenn man auf der Bühne steht, sollte
der Kopf nicht zu sehr das Kommando
haben. Da muss man loslassen können.
Warum ist dieses Werk so speziell?
Karni: Jeder Satz hat etwas Eigenes, Unverwechselbares, und die Kadenzen sind
wirklich himmlisch.
Janke: Der persönliche Bezug auf die
Krankheit von Mozarts Vater spielt schon
eine Rolle. Ich finde oft, dass Stücke, in
Sinfonia concertante
07.01.15 14:00
Aussergewöhnlich aufmerksam
Foto: Francesca C. Bruno
Andreas Janke und Gilad Karni spielen Mozarts Sinfonia concertante
auch in tonhalleLATE. Das Erste, was Gilad Karni zu diesem speziellen
Auftritt spontan einfällt: «Ich möchte etwas ganz Cooles tragen!»
Andreas Janke hingegen winkt ab. «Bei der Mode ist er eben konservativ», lacht Karni. «Musikalisch und menschlich verstehen wir uns
super, aber da sind wir ganz verschieden.»
Für beide ist dieser Auftritt vor jungem Publikum kein Grund, an ihrer
Mozart-Interpretation etwas zu ändern. Andreas Janke findet sogar,
dass in diesen Konzerten mit dem jungen Publikum die Aufmerksamkeit
aussergewöhnlich hoch sei: «Und die Sinfonia concertante ist ein gutes
Stück für Menschen, die einen ersten Zugang zur Klassik suchen.»
Davon ist auch Gilad Karni überzeugt. «Keine Angst, jeder versteht
dieses Stück sofort, ohne etwas zu wissen.»
denen der Komponist in einer besonderen persönlichen Situation stand, noch
ein höheres Niveau erreichen.
und gutmütiges Entgegenkommen vom
Orchester. Alle wollen, dass wir gut herauskommen.
Wie fühlt man sich als Solist vor dem eigenen
Orchester?
Karni: Es ist eine Ehre, ein so tolles Werk
mit einem so guten Orchester zu spielen,
eines der besten in Europa.
Janke: Man spürt sehr viel Unterstützung
Neben dem Orchesterdienst bleibt für Sie
relativ wenig Raum für solistische Auftritte.
Bedauern Sie das?
Janke: Mir gefällt die Abwechslung. Das
Instrument so zu beherrschen, dass man
sich in einem romantischen Konzert vor
Sinfonia concertante
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80 Orchestermusikern klanglich durchsetzen kann, ist schon toll. Es hilft auch
für das Unterrichten, dass ich dieses
Gefühl nicht vergesse und weiss, wovon
ich spreche. Natürlich ist es eine Zeitfrage. Jede Saison sage ich mir, ich mache
weniger, und dann kommen doch immer
wieder so viele interessante Anfragen.
Karni: Ich freue mich, wenn ich diese
Möglichkeit habe. Orchester, Solokonzert, Kammermusik, Unterrichten: Alles
ist schön. Ich nehme, was es gibt: gute
Musik, gute Musiker, und geniesse. Das
ist mein Lebensstil. REINMAR WAGNER
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Schüler managen
tonhalleLATE
—
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Schülermanager
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Die Idee stösst überall auf Begeisterung: Unter kundiger Anleitung
ihrer «Vorgesetzten» aus den verschiedenen Abteilungen
der Administration der Tonhalle-Gesellschaft Zürich bekommen
ausgewählte Schülermanagerinnen und -manager die
einzigartige Gelegenheit, tonhalleLATE vom 27. März 2015
in eigener Verantwortung zu organisieren.
Hier ein erster Augenschein.
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Felix Sarnthein
Marketing & Kommunikation
Brigitta Grimm KBB
Nina Marra Intendanz
Franciska Bilic-Eric
Projektmanagement Organisation
Gabriel Obrecht Intendanz
Nick van Altena
Projektmanagement
Organisation
Timon Stettler
Musikvermittlung
Lyonel Leander Kehrt KBB
Nikita Schaffner
Marketing & Kommunikation
«Plötzlich ertönte die Orgel …»
Im April 2014 habe ich mich für das Projekt
«Schülermanager» beworben, weil ich als Musikinteressierte einmal hinter die Kulissen
sehen wollte und Erfahrungen als Managerin
sammeln wollte.
Nun läuft dieses Projekt seit August erfolgreich und hat mir als «Co-Intendantin» schon
viele Highlights beschert. Dazu gehören interessante Schulungen und Meetings mit dem
Schülermanagerteam sowie mit Frau Schmiel.
Schülermanager
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Nebst diesen Sitzungen durfte ich Bekanntschaft mit verschiedenen prominenten Leuten machen. Ich traf unter anderem den venezolanischen Botschafter aus Bern und
mehrere Sponsoren und Gönner, alles sehr
interessante Leute! Genau wie alle Mitarbeitende, die ich bisher kennengelernt habe –
ganz schön viele Menschen.
FEUER UND FLAMME
Auftritt mit dem
Musikerclown
Mein Toperlebnis war jedoch das Konzert
vom 17. September 2014. Damals hatten wir
Schülermanager vor dem Konzert Schulung
und Teammeeting, somit kam ich schon hundemüde in den Grossen Saal. Ich hatte nicht
realisiert, dass das Te Deum von Hector Berlioz mit der Zürcher Sing-Akademie auf dem
Programm stand. Plötzlich ertönte die Orgel,
und ich war wie versteinert – ich bin nämlich
eine riesige Orgelliebhaberin. Natürlich war
ich dann den ganzen Abend über Feuer und
Flamme.
Dieses wie auch andere Erlebnisse haben mir
bestätigt, dass das Wichtigste ist, flexibel und
offen zu sein. Sowohl als Managerin als auch
als Privatperson.
Ich erinnere mich noch gut an das erste Treffen mit den Schülermanagern. Alle, die ich
traf, waren mir von Anfang an sympathisch,
und ich war sofort begeistert, was sich bis
heute nicht geändert hat. Ich war anfangs
von zweierlei überrascht: vom zeitlichen Aufwand und davon, wie viel wir lernen.
Wir hatten bis jetzt mehr als ein halbes Dutzend Schulungen und Workshops, an denen
wir alles vom Social-Media-Auftritt bis zur
Partyplanung lernten. Mein persönliches
Highlight war der Tag der offenen Tür, an dem
ich mit dem Musikerclown auftreten konnte.
Dies war für mich ein neuer Zugang zu Musik
– über die Komik –, was mir sehr viel Spass
machte.
NINA MARRA INTENDANZ
GABRIEL OBRECHT INTENDANZ
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Zürich meets Bonn:
Schülermanagertreffen mit den Kolleginnen und
Kollegen aus Deutschland.
«Das ist eine einmalige Chance für mich …»
WIR ZIEHEN ALLE AM GLEICHEN
STRANG
Ich muss zugeben, als das Projekt nach den
Sommerferien begann, war ich nervös. Doch
nach den ersten Meetings waren meine Zweifel komplett zerstreut. Die anderen Schülermanager und ich, wir ziehen alle am gleichen
Strang. Wir wurden von Janina Kriszun gut
eingeführt und auch von den anderen Mitarbeitern der Tonhalle-Gesellschaft Zürich
freundlich aufgenommen.
Mit der Zeit wurde unser Wissen mit verschiedenen Schulungen erweitert, darunter Social
Media und Marketing. Eine Fachperson aus
der Administration des Tonhalle-Orchesters
Zürich stellte uns dabei ihre Aufgaben und
Schülermanager
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den Arbeitsbereich mithilfe einer Powerpointpresentation vor. Als Erstes richteten wir
einen Twitter-Account ein, auf dem wir regelmässig über Anlässe informieren und immer
wieder Updates zum Schülermanagerprojekt
geben.
WAS ALLES HINTER EINER WEBSITE
STECKT
Daneben wurden wir von Ralph Roos und
Pierre Bachmann (Roos & Company) in den
Aufbau und die Organisation eines solchen
Events eingeweiht. Sie erklärten uns planerische Details wie z.B. die ideale Position der
Bühne oder die Dekoration der Räume. Das
gefiel mir sehr. In einem weiteren Meeting
gestalteten wir mit Margit Klusch ein Programmheft. Mit Marcela Bradler tauchten wir
in die digitale Welt ein, sie zeigte uns, was
alles hinter einer Website steckt.
Danach folgten Vorbereitungen für den Besuch des Youth Orchestra of Caracas, einer
Organisation, die es Kindern aus Venezuela
ermöglicht, ein Instrument zu lernen und in
einem Orchester zu spielen. Jedem Musiker
schenkten wir eine Trinkflasche als Willkommensgruss und um ihm zu vermitteln, dass
man in Zürich bedenkenlos Hahnenwasser
trinken kann. Also verpackte ich knapp 200
Flaschen, jede mit einer kleinen Erklärung.
Während der nächsten drei Tage wurde fleissig geprobt, und es folgte ein überwältigendes
Konzert. Ich stellte fest, dass die Jugendlichen tatsächlich aus den Flaschen tranken!
BESUCH AUS BONN
Lückenlos ging es weiter und sogar noch intensiver als vorher. Wir wussten: Am 28. November 2014 werden uns Schülermanager
aus Bonn besuchen, wo dieses Projekt bereits
schon seit einigen Jahren besteht. Also mussten Unterkunft, Essen und Unterhaltung für
sie geplant werden. Jetzt sind wir gespannt,
was wir von ihnen lernen und wie es weitergeht.
TIMON STETTLER MUSIKVERMITTLUNG
TONH A LLE- ORCHE S T ER ZÜRICH
Fotos: Francesca C. Bruno
Als ich zum ersten Mal vom tonhalleLATE
hörte, war mein Interesse sofort geweckt. Ich
vernahm, dass in dieser Saison neun Schüler
die Möglichkeit bekommen, tonhalleLATE zu
gestalten. Am Informationsabend lernte ich
sowohl die Intendantin Ilona Schmiel als
auch die Verantwortlichen für das tonhalleLATE kennen. Ich fühlte mich wohl und meldete mich an.
Meine Schule, das Buchmann-Gymnasium,
steht ganz hinter mir und erlaubt mir Absenzen. Das ist eine einmalige Chance für mich,
hinter die Kulissen eines solchen Anlasses zu
sehen.
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Heute: Zauberflöte!
—
Grosse Oper für zwei Celli – Familienkonzert
Angekündigt ist eines der beliebtesten Werke der
Musikgeschichte: «Die Zauberflöte». Aber leider
geht einiges schief. Das Tonhalle-Orchester Zürich
und der Dirigent treten zwar kurz auf, müssen
aber gleich wieder weg. Denn die neue Intendantin hat dem Orchester so viele Konzerte und Proben gleichzeitig verordnet, dass sie nicht mehr für
eine ganze Oper bleiben können.
Immerhin, zwei uns gut bekannte Aushilfscellisten
bleiben! Sie tun alles, um die «Zauberflöte» zu
retten. Der Papageno muss zwar erst gefunden
werden, die Königin der Nacht schläft zu so früher
Stunde wohl noch, und in diesen heil’gen Tonhallen fahren schon bald die Bagger für den Umbau
ein ...
Aber es geht auch anders! Das Duo Calva garantiert eine «Zauberflöte», wie man sie bestimmt
noch nie gehört hat: humorvoll, absurd, ein bisschen verrückt – und doch ganz mozartisch. Nur
zwei Celli, aber jede Menge spannender musikalischer Überraschungen!
SO 22.03.15
11.15 Uhr und 14.15 Uhr,
Grosser Saal
Duo Calva
Alain Schudel Violoncello
Daniel Schaerer Violoncello
Mitglieder des
Tonhalle-Orchesters Zürich
Charles Lewinsky Dramaturgie
Dominique Müller Regie
Heute: Zauberflöte!
Grosse Oper für zwei Celli
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© Anna Sommer
Unterstützt durch
International Music and Art Foundation
Familienkonzert
07.01.15 14:01
Elena Bashkirova kann auf eine grosse Klavier-Familientradition zurückblicken: Dmitri
Bashkirov, der legendäre Klavierpädagoge,
der auch im Alter von 83 Jahren noch Meisterkurse gibt, ist ihr Vater und war auch ihr
erster Lehrer am Tschaikowsky-Konservatorium in Moskau. Sie beendete allerdings ihr
Studium nicht, sondern verliess mit ihrem
ersten Mann, Gidon Kremer, Russland 1978.
Später lernte sie Daniel Barenboim kennen,
mit dem sie seit 1988 verheiratet ist. 1998
gründete die erfolgreiche Musik-Netzwerkerin
das Jerusalem Chamber Music Festival, das
sie seither alljährlich im September leitet,
dessen Markennamen sie aber auch in die
Welt hinausträgt mit Gastspielen etwa in
Berlin, Paris, London, New York oder Wien.
EINE SÄNGERIN, DREI STREICHER
SCHOSTAKOWITSCH UND PROKOFJEW
Yulia Deyneka eröffnet das Programm ebenfalls mit Schumann – mit den innig-zarten,
volksliedhaften «Märchenbildern». Danach
gehört das Podium Anna Samuil, der russischen Sopranistin, die man ebenfalls im Umfeld der Berliner Staatsoper findet. Sie singt
die sieben Romanzen, die Schostakowitsch
1967 auf Gedichte von Alexandr Blok – äusserlich zur Feier der Revolution, innerlich als
das komplette Gegenteil – für Sopran und
Klaviertrio schrieb, gefolgt von den entschieden positiver gestimmten fünf Romanzen op.
27 auf Gedichte von Anna Akhmatova, welche
der jugendliche Serge Prokofjew 1916 zwischen spätromantischem und impressionistischem Idiom noch in Russland komponierte.
REINMAR WAGNER
Jerusalem Chamber
Music Festival
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Elena Bashkirova und
das Jerusalem Chamber
Music Festival sind in einer
Kammermusik-Soiree
zu erleben.
Foto: Monika Rittershaus
Nun ist auch Zürich an der Reihe. Elena Bashkirova bringt eine Sängerin und drei Streicher
mit, darunter den Weltklasse-Cellisten Frans
Helmerson. In Schumanns Klavierquartett
– neben Mozart, Beethoven und Brahms einer der Herzenskomponisten Bashkirovas –
werden sie zusammen mit der Geigerin Mihaela Martin (seit 2003 Partnerin Helmersons
im Michelangelo Quartett) und der jungen
Bratschistin Yulia Deyneka, Solo-Bratschistin
der Staatskapelle Berlin und ebenfalls eine
der bevorzugten Kammermusikpartnerinnen
des Netzwerks Bashkirova-Barenboim, zu
hören sein.
Eine
erfolgreiche
Musik-Netzwerkerin
—
SO 29.03.15
19.30 Uhr, Kleiner Saal
Jerusalem Chamber Music
Festival zu Gast beim
Tonhalle-Orchester Zürich
Elena Bashkirova Klavier
Anna Samuil Sopran
Mihaela Martin Violine
Yulia Deyneka Viola
Frans Helmerson Violoncello
Robert Schumann
Märchenbilder op. 113
Dmitri Schostakowitsch
Sieben Romanzen op. 127
Sergej Prokofjew
Fünf Romanzen op. 27 (Liederzyklus nach A. Achmatowa)
Robert Schumann
Klavierquartett Es-Dur op. 47
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Fotos: Priska Ketterer
Eine Tuba wird mit dem Alter
nicht wertvoller …
—
Viele Musiker bezahlen ihre wertvollen Instrumente über viele Jahre, ja Jahrzehnte ab.
Grosse und besonders teure Instrumente wie
z.B. Harfe, Schlagzeug oder Kontrabass stellt
die Tonhalle-Gesellschaft Zürich daher als
«Dienstinstrumente» zur Verfügung. Doch
Neuanschaffungen von Instrumenten sind
immer wieder finanzielle Herausforderungen,
und nicht jeder Wunsch kann sofort erfüllt
werden.
Andrea Müller, Verantwortliche für Fundraising bei der Tonhalle-Gesellschaft Zürich, sagt
es klar und deutlich: «Stadt und Kanton Zürich unterstützen das Tonhalle-Orchester zum
Glück ausgesprochen grosszügig. Doch für
ganz viele Projekte sind wir auf Gönnerinnen
und Gönner angewiesen – dank ihnen können
wir die Tonhalle-Gesellschaft Zürich beim
Kauf von Instrumenten tatkräftig unterstützen.»
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TONH A L L E- ORCHE S T ER ZÜRICH
WERBEN FÜR EINE NEUE TUBA
Simon Styles, Tubist im Tonhalle-Orchester
Zürich, hat soeben eine neue Tuba bekommen. Er erzählt, wie es dazu kam. «Bald brauche ich eine neue Tuba.» Es ist schon eine
Weile her, seit Simon Styles sich mit diesem
Anliegen an den damaligen Intendanten Elmar
Weingarten wandte. Denn Musikerinnen und
Musiker kennen ihre Instrumente genau und
wissen, wann sie ihren Ansprüchen und denen
des Orchesters nicht mehr genügen. Es ist
selbstverständlich, dass die Musikerinnen und
Musiker ihre Dienstinstrumente selbst aussuchen – die «Partnerschaft» soll ja glücken.
Doch vor einem Neukauf muss die Finanzierung sichergestellt sein.
Simon Styles’ Wunsch wurde aufgenommen,
und an der Generalversammlung 2013 des
Gönnervereins bekam er die Gelegenheit für
einen «Werbespot»: Er präsentierte die Tuba
und erläuterte, dass Blechinstrumente im
Unterschied zu manchen Streichinstrumenten
mit dem Alter nicht an Wert gewinnen, sondern Verschleisserscheinungen zeigen, die
sich irgendwann nicht mehr reparieren lassen. Die Tuba eines Orchestermusikers muss
daher nach ungefähr 20 Jahren ersetzt werden. Seine Präsentation überzeugte die Mitglieder des Gönnervereins: Der Spendenaufruf ergab rund 40‘000 Franken, und der
Tubist bekam grünes Licht für die Suche nach
einem neuen Instrument.
DAS INSTRUMENT MUSS PASSEN
Simon Styles hatte eine ziemlich klare Vorstellung davon, was er suchte – und wo er
suchen musste. Er spielt eine spezielle, eher
leichte Form, die ihr Vorbild in den Tuben der
Fundraising
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Nur mit Ihnen
kommen wir
weiter!
Um den heutigen Ansprüchen an ein Weltklasse-Orchester gerecht zu werden und einen
perfekten Orchesterklang zu erzeugen,
braucht es nicht nur Musikerinnen und Musiker
mit stupender Spieltechnik und höchster
Musikalität, sondern auch Instrumente der
Spitzenklasse.
frühen Tonaufnahmezeit zu Beginn des
20. Jahrhunderts hat. Damals wurde der Kontrabass oft durch die klarer klingende Tuba
ersetzt, die auf den Aufnahmen besser zu
hören war. Nur wenige Instrumentenbauer
stellen diesen Typus heute noch (oder wieder) her – und auch 100 Jahre nach seiner
Erfindung immer noch komplett von Hand.
Entsprechend wenig neue Instrumente sind
auf dem Markt. Doch bald konnte Simon Styles nach Hamburg reisen, um zwei Instrumente auszuprobieren.
«Man braucht Zeit, um ein Instrument kennenzulernen», erzählt er. Und es sei gut, vergleichen zu können. Auf beiden Instrumenten
Fundraising
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spielt er dieselben Übungen zum Einspielen
und die gleichen Stellen aus dem Repertoire.
«Wenn ich ein paar Stunden ganz konzentriert
spiele, merke ich, ob es mich zu einem Instrument hinzieht.» Simon Styles hatte Glück:
Eines der Instrumente passte perfekt – auch
wenn er nicht genau sagen kann, weshalb.
EIN NEUER KONTRABASS
Bald darauf wurde der Kauf abgeschlossen,
und die Tuba kam nach Zürich. Diesmal war
er vorsichtiger als vor 20 Jahren: Damals
spielte er seine neue Tuba direkt in einem
Konzert und schwitzte Blut und Wasser. Um
Helfen Sie uns bei der Finanzierung
eines neuen Kontrabasses. Unsere
Musikerinnen und Musiker sind auf
hochwertige Instrumente angewiesen.
Wir danken Ihnen im Namen des
Tonhalle-Orchesters Zürich für Ihre
wertvolle Unterstützung.
Bei Rückfragen steht Ihnen
Andrea Müller unter folgender
Telefonnummer gerne zur Verfügung:
044 206 34 59
Spendenkonto
Zugunsten:
Tonhalle-Gesellschaft Zürich,
Gotthardstrasse 5, 8002 Zürich
IBAN: CH81 0483 5046 1830 0100 1
ein Instrument wirklich zu kennen, braucht es
eben doch ein bisschen länger ...
Nicht nur Simon Styles, auch Andrea Müller
ist sehr zufrieden: Der gesammelte Spendenbetrag reichte fast, um die neue Tuba zu finanzieren. Sie hat inzwischen bereits das
nächste Instrument im Auge, das ersetzt werden muss: «Unsere nächste Tuba ist ein Kontrabass.» BARBARA GEISER
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Das Tonhalle-Orchester Zürich
fährt seine eigene Linie
—
Noch bis zum 3. Mai 2015 ist das
Sondertram des Tonhalle-Orchesters
Zürich auf den Zürcher Schienen
unterwegs und zeigt Klassik in
modernem Gewand.
Beethoven im schicken Nadelstreifenanzug, Brahms im Holzfällerhemd und Haydn in Kapuzenjacke – auf dem Tram sind
bedeutende Komponisten in Kleidung von heute abgebildet.
Das Sujet steht sinnbildlich für eine zeitgemässe Auseinandersetzung mit klassischer Musik und für neue Akzente in der
Programmierung, die der Leitungswechsel an der Spitze mit
sich bringt. Das Sondertram möchte die Zürcherinnen und
Zürcher informieren, wohin die musikalische Reise weitergeht,
und das Tonhalle-Orchester Zürich in der näheren Umgebung
noch besser bekannt machen.
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TONH A L L E- ORCHE S T ER ZÜRICH
Fotos: Francesca C. Bruno
Im Innern des Trams werden das Orchester, der neue Chefdirigent Lionel Bringuier, Artist in Residence Yuja Wang sowie der
Bereich Musikvermittlung und die Konzertreihe tonhalleLATE
vorgestellt. Die Fahrgäste sind dazu eingeladen, Klassik neu zu
entdecken. Jeden Monat empfehlen Persönlichkeiten aus dem
Raum Zürich ihr ganz eigenes Konzerthighlight. Mittels QRCode kann in ausgewählte Musikstücke aus dem Repertoire
des Tonhalle-Orchesters Zürich hineingehört und können Zusatzinformationen zum Werk auf dem Smartphone abgerufen
werden. Aussen ziert eine
Partitur von Mozarts Konzert für Klavier und Orchester c-Moll KV 491 das Sondertram, welches in den
kommenden drei Monaten
auf verschiedenen Linien
durch die Stadt fährt.
Tonhalletram
07.01.15 14:02
KA RT ENVERKAUF
Orchester
— News
Aufnahmen
— News
—
Billettkasse
Claridenstrasse 7, 8002 Zürich,
Tel. +41 44 206 34 34, Fax +41 44 206 34 69;
www.tonhalle-orchester.ch, boxoffice@tonhalle.ch
Wir gratulieren zum Jubiläum
Schalterverkauf
Mo bis Fr 10–18 Uhr resp. bis Konzertbeginn;
Micha Rothenberger Viola, 30 Jahre
Antonia Siegers-Reid Viola, 15 Jahre
Christopher Whiting 1. Violine, 15 Jahre
Sa / So / Feiertage 1½ Stunden vor Konzertbeginn
Bestellungen
Tel. Mo bis Fr 10–18 Uhr; Internet, Fax und E-Mail;
Bearbeitung nach Eingang der Bestellung
Herzlich willkommen
Weitere Vorverkaufsstellen
Billettzentrale BiZZ am Werdmühleplatz, Musik Hug,
Syuzanna Vardanyan 1. Violine
Ravel für die
Deutsche
Grammophon
Das Tonhalle-Orchester Zürich nimmt
unter der Leitung seines Chefdirigenten
und musikalischen Leiters Lionel Bringuier
für das renommierte Klassiklabel Deutsche
Grammophon das gesamte Orchesterwerk
von Maurice Ravel auf.
Die Einspielungen haben bereits begonnen,
und im Frühling 2016 wird die ganze
CD-Box im Handel sein.
Jecklin, Jelmoli City
Le Sacre du printemps
Igor Strawinskys Meisterwerk in der rekonstruierten Urfassung von 1913 sowie in der
letzten Version von 1967. Tonhalle-Orchester
Zürich; Dirigent: David Zinman.
RCA Red Seal 88843095462 (2 CDs)
Zahlungsbedingungen
Barzahlung, Rechnung, Kreditkarte (Amexco,
Diners, Mastercard, Visa), EC -Direct, Postcard.
Bei Zustellung per Post verrechnen wir einen
Unkostenbeitrag von CHF 8.–.
IMPR ESSUM
—
Magazin Tonhalle-Orchester Zürich
16. Jahrgang, Februar/März 2015
Erscheinungsweise
sechsmal jährlich
Offizielles Vereinsorgan
der Tonhalle-Gesellschaft Zürich und des
Vereins «Gönner der Tonhalle-Gesellschaft Zürich»
Winterreise(n)
Schuberts «Winterreise» original sowie in
einer von Daniel Behle arrangierten Version
mit Klaviertrio-Begleitung. Daniel Behle (Tenor), Oliver Schnyder Trio (Alexander Janke,
Violine, Benjamin Nyxffenegger, Violoncello,
Oliver Schnyder, Klavier).
Sony 88883788232 (2 CDs)
Herausgeberin
Tonhalle-Gesellschaft Zürich,
Gotthardstr. 5, 8002 Zürich,
Tel. +41 44 206 34 40, Fax +41 44 206 34 36,
www.tonhalle-orchester.ch
Redaktion
Michaela Braun, Werner Pfister
Gestaltung, Bildredaktion
Eva Menghetti
Druck
Schellenberg Druck AG
Inserate Publicitas Publimag AG
Schuberts
späte Sonaten
Redaktionsschluss
8. Dezember 2014
Auflage
mit Seung-Yeun Huh, Klavier
Fr, 27. Februar 2015, 19 Uhr
in der Klus Park Kapelle,
Asylstrasse 130, 8032 Zürich
infos: www.facebook.com/klusclassics.ch
Lionel Bringuier
im Interview
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12’500 Exemplare
ISSN 2235-1051
Stubete am See
Ein Querschnitt durch das Festival von 2014.
MGB-NV 29
© Tonhalle-Gesellschaft Zürich.
Änderungen und alle Rechte vorbehalten.
Nachdruck nur mit schriftlicher
Genehmigung der Tonhalle-Gesellschaft.
TONH A LLE- ORCHE S T ER ZÜRICH
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KOLUMNE — Sara Hildebrand
Welche Aufgaben
hat heute ein
städtisches Sinfonieorchester
wahrzunehmen?
—
SARA HILDEBRAND
Moderatorin SRF glanz&gloria
Dort, wo sich Himmel und Erde küssen, dort am Horizont ruht
mein Blick für lange Zeit. Ich wandle darauf zu, schlaftrunken,
versunken. Dennoch erfüllt von einer transzendentalen Klarheit.
Erhebend. Die Ähren links und rechts säumen meinen Weg, wiegen sanft – hin und her.
Alsdann beginnen sie zu beben, sie zittern, bis der Wind kein
Erbarmen mehr kennt und sie im Takt zum wild aufschäumenden
grünen Meer werden lässt. Lange soll es anmutig, dennoch zerstörerisch walten. Es fesselt mich, mein Atem, Frequenz steigend. Gefangen fühle ich mich. Unbehaglich. BewusstseinsFlucht. Nein. Es gelingt nicht. Ich winde mich darin.
Auf Knall und Fall beruhigt sich das Feld mit einer abgöttisch
frechen Leichtigkeit. Offeriert Erweiterung. Einzeln stechen rote
Mohnblumen hervor, komplementär punktiert und anmutig zugleich, sinnlich fein. Sie korrespondieren, gleissende Lichtkegel
mit den flimmernden Sternen über ihnen.
Von Ahnherren bestaunte Himmelskörper. Urplötzlich tragen sie
die Szenerie – alles silchfadenartig aufgezogen, hängend. Majestätisch. Und doch tragen sie schwarze Flecken. Einher wölbt sich
halbmondartig, alles umfassend, mit einer gleissenden Ruhe das
Himmelsgewölbe. Immanent die Symbiose von Glanz und Finsternis im Zwiegespräch mit dem kostbaren Zerrinnen von Raum
und Zeit.
Ein städtisches Sinfonieorchester soll inspirieren und entführen,
auf ein – auf einem Niveau, das Internationalität sprengt.
Musik – eine Sprache, die verstanden und gehört werden möchte. Jedermann kann sie verstehen, lässt er sich darauf ein.
Das Sinfonieorchester soll klassische und moderne Werke gleichsam mit einer Gründlichkeit und Leichtigkeit erschaffen, damit
Generationen verbinden.
Solange die Liebe zur Kunst als Ursprung und Ziel orchestriert,
wird das städtische Sinfonieorchester sein Publikum in ungeahnte Sphären führen können.
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TONHALLE-ORCHESTER ZÜRICH
TONH A L L E- ORCHE S T ER ZÜRICH
Kolumne Lionel Bringuier
im Interview
07.01.15 14:02
9.1.2015 – 19.4.2015
Frans Brüggen
Nachruf
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www.scherenschnitte.landesmuseum.ch
07.01.15 14:02
Passend zum Frack: Acht Zylinder.
Mercedes-Benz Automobil AG ist Partner des Tonhalle-Orchesters Zürich.
Dieser Virtuose trifft den Ton besonders gut: Mit 557 PS* aus acht Zylindern sorgt
der E 63 AMG 4MATIC für unvergleichliche, sportliche Kraft und eindrucksvolle KIänge.
Erleben Sie den Konzertmeister der Strasse bei der Mercedes-Benz Automobil AG.
Wir freuen uns auf Sie. Alle Standorte auf www.merbagretail.ch.
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Lionel Bringuier
im aller
Interview
* E 63 AMG 4MATIC T-Modell, 5 Türen, 5461 cm3, 557 PS (410 kW), Verbrauch: 10,5 l/100 km, CO 2 -Emission: 246 g/km (Durchschnitt
verkauften Neuwagen 148 g/km, Energieeffizienz-Kategorie G.
1407_DLZ_Inserat_Tonhalle_E-Klasse_210x297_RZ.indd
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7/14/2014
10:04:1114:02
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