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Kunsthaus Kannen
17. JAHRES- UND
VERKAUFSAUSSTELLUNG 2014
12. Oktober 2014 – 25. Januar 2015
Das Kunsthaus Kannen
MUSEUM FÜR OUTSIDER ART
UND ART BRUT
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Kunsthaus Kannen
Inmitten der grünen Parklandschaft des
Münsterlandes, in unmittelbarer Nähe zum
Dortmund-Ems-Kanal und hervorragend
an dessen weitläufigem Radfahrnetz angeschlossen, liegt das Kunsthaus Kannen
in Münster Amelsbüren. Es ist in das Gelände der sozialen Einrichtung der Alexianer Münster GmbH eingegliedert. Dieses
Unternehmen umfasst fünf psychiatrische
Fachkliniken, die eine breite psychiatrische
Versorgung abdecken. Die Entstehung des
Kunsthaus Kannen geht auf die Förderung
künstlerisch besonders begabter Langzeitpatienten zurück, die aufgrund einer geistigen Behinderung oder einer chronisch
psychischen Erkrankung auf Unterstützung
im Alltag angewiesen sind. Ihre kreative Arbeit wurde seit den frühen 1980er Jahren
kontinuierlich unterstützt und ihre Werke
überzeugten so sehr, dass die Errichtung
eines Kunsthauses, in dem die Künstler arbeiten können und ebenso Ausstellungen
stattfinden, angestrebt wurde. Heute ist das
Kunsthaus Kannen fest in die Museumslandschaft und in das kulturelle Angebot der
Stadt Münster eingebettet.
Name
Der Name des Kunsthaus Kannen lässt
sich bis ins 12. Jahrhundert zurückführen, als in einer Bischofsurkunde um 1200
erstmals das Gut „Cane“ erwähnt wurde.
Die Ableitung des Namens ist ungesichert.
Wahrscheinlich ist es, dass sich die Namensgebung auf den Vornamen des ehemaligen Besitzers, Kannen von Schwarte
bezieht. Auch die Adelsfamilie „von Kannen“ leitet ihren Namen von dem ehemaligen Rittergut „Haus Kannen“ ab.
Entwicklung
Zur Archivierung und Dokumentation der Bilder und Objekte wurde 1990 die leerstehende Gründerzeit-Villa auf dem Klinikgelände
eingerichtet. 1996 begann schließlich die Öffnung des Kunsthauses für das interessierte
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Publikum und die künstlerisch tätigen Bewohner fanden immer mehr Anerkennung in
der Öffentlichkeit. So werden bis heute jedes
Jahr vier große Ausstellungen organisiert.
Im Jahr 2000 wurde ein großzügig angelegter, behindertengerechter Neubau
eingeweiht, der Ateliers, Archiv und einen
großen Ausstellungssaal unter einem Dach
vereint und neben dem regelmäßigen Ausstellungsbetrieb viel Platz für Projektarbeit,
Workshops, Tagungen und Vorträge zum
Thema Kunst und Psychiatrie, Outsider Art
sowie Art Brut bietet. Das einladende Foyer
und die Glasfassade des Ausstellungs- und
Vortragssaals sowie der Ateliers reflektieren
die Idee eines nach außen für jedermann
einsehbaren, offenen, hellen Gebäudes,
das sich über eine langgestreckte Terrasse
harmonisch in das Gelände der Alexianer
einfügt. Im Zuge dieses Neubaus wurde
das Kunsthaus als „Modellprojekt Gemeinschaft behinderter Künstler“ anerkannt. Es
wird von der Alexianer Bruderschaft und
der Stiftung Wohlfahrtspflege des Landes
NRW gefördert – und das bislang einzigartig in Deutschland. Die Ausstellungstätigkeit
eröffnet den geistig behinderten und psychisch kranken Künstlern des Kunsthauses
die Möglichkeit, einen Beitrag zur zeitgenössischen Kunst zu leisten. Darüber hinaus werden auch zahlreiche Ausstellungen
und Zusammenarbeiten mit nationalen und
internationalen Außenseiterkünstlern sowie
professionellen Künstlern realisiert. Auf
diese Weise bildet das Kunsthaus Kannen
eine Begegnungsstätte für zeitgenössische
Kunst und Art Brut. Auch eine kleine, aber
repräsentative Bibliothek mit Literatur über
Themenkreise wie Kunst von Menschen mit
Behinderung, Outsider Art, Art Brut und
Kunsttherapie wurde eingerichtet.
Im Laufe der Jahre hat das Kunsthaus Kannen nicht nur an Raum, sondern auch national wie international an Ansehen gewonnen. Denn bereits zu Beginn wurde großen
Wert auf internationale Kontakte und auf
einen regen Informationsaustausch gelegt.
So wurde mit Universitäten, Kliniken und
Museen aus unterschiedlichen Städten und
Ländern zusammengearbeitet. Ein Beispiel
für die internationale Vernetzung bietet das
2x2 Forum, das als Kunstmesse alle zwei
Jahre eine Plattform bietet, sich mit anderen Institutionen aus ganz Europa auszutauschen, Entwicklungen aufzuzeigen und
den Diskurs über Outsider Art zu vertiefen.
Für 2015 ist die Messe bereits in Planung.
Archiv
Während der frühen künstlerischen Förderung von Langzeitpatienten entwickelte
sich in den letzten Jahren aus der Fülle des
gesammelten Bildmaterials eine Sammlung,
aus deren Fundus das Kunsthaus Kannen
kontinuierlich Ausstellungen im In- und Ausland organisiert und präsentiert. Der Bestand
der Sammlung umfasst neben Zeichnungen
und Malerei auch skulpturale Objekte. Außerdem wurden Verkaufsmappen angelegt,
damit die Künstler zusätzlich zu den Ausstellungen eine soziale und materielle Anerkennung ihrer künstlerischen Leistung erfahren
und genießen können.
Ateliers
Den Künstlern des Kunsthaus Kannen stehen drei Mal- und Zeichenateliers mit insgesamt 15 Atelierplätzen sowie ein Werkraum
zur Verfügung. Unter fachlicher Betreuung
haben hier psychisch kranke und geistig behinderte Menschen aus dem Wohnbereich
der Alexianer die Möglichkeit, ihr künstlerisches Talent frei zu entfalten und durch das
Erlernen verschiedener Techniken weiterzuentwickeln. Darüber hinaus besteht für die
Ateliermitglieder im Rahmen von Workshops
die Möglichkeit, mit Künstlern aus anderen Ateliers sowie externen professionellen
Künstlern zusammenzuarbeiten und ihren
Erfahrungshorizont in gemeinsamen Arbeiten zu erweitern. Dabei wird das regelmäßige Atelier-Angebot auf die individuellen
Bedürfnisse der dort arbeitenden Künstler
zugeschnitten. In einem förderlichen Klima
von Wertschätzung und Akzeptanz entstehen hier Bilder, Skulpturen, Zeichnungen,
Figuren und Aktionen.
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17. Jahresund Verkaufsausstellung 2014
Art Brut und
Outsider Art
12.OKTOBER 2014 – 25. JANUAR 2015
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Den Begriff Art Brut franz. für „unverbildete“,
„rohe“ Kunst prägte 1945 der französische
Maler Jean Dubuffet, der als einer der Ersten
eine große Sammlung von Außenseiterkunst
zusammenstellte und der Öffentlichkeit zugänglich machte. Es handelt sich hierbei
um einen Sammelbegriff für autodidaktisch
entstandene Kunstwerke, die von psychisch
Kranken, geistig Behinderten, Laien oder am
Rande der Gesellschaft lebenden Künstlern
stammen und abseits des etablierten Kunstbetriebs geschaffen werden. Nach Dubuffet
produzieren sie diese einzig aus Gründen
der persönlichen Befriedigung und aus innerem Drang heraus, ohne die Absicht zu
hegen, auszustellen, Ruhm zu erlangen oder
Geld zu verdienen. Art Brut ist weder eine
Kunstrichtung noch eine Stilbezeichnung,
sondern beschreibt eine vielfältige Kunst.
Eine Richtung oder ein Stil lässt sich dabei
nicht ausmachen.
Im anglo-amerikanischen Sprachraum ist
stattdessen der Begriff Outsider Art (engl. für
„Außenseiter-Kunst“) gebräuchlich, der 1972
durch den englischen Kunsthistoriker Roger
Cardinal in einer ersten englisch-sprachlichen Untersuchung über Außenseiterkunst
eingeführt wurde.
Seit Ende des 18. Jahrhunderts und bis heute fühlen sich professionelle Künstler von dieser sehr persönlichen, scheinbar unbeeinflussten Kunst inspiriert. So gibt es heute ein
großes Interesse und ebenso einen großen
Markt für Outsider Art. Große Messen wie
Kunstköln oder die New Yorker Outsider Art
Flair und viele Museen und Galerien schließen sich mittlerweile dieser Kunstströmung
an. Außerdem bieten immer mehr kreative
Ateliers die Möglichkeit an, kreativ zu arbeiten und stellen die dabei entstehenden
Werke aus. Ebenso verweisen Magazine wie
Raw Vision immer wieder auf neue Entwicklungen innerhalb der Art Brut / Outsider Art.
Bereits zum 17. Mal findet von Oktober bis Januar die traditionelle Jahres- und Verkaufsausstellung im Kunsthaus Kannen statt. Seit der
Prämiere im Jahr 1996 werden aktuelle Bilder
und Objekte der Künstler aus dem Atelier des
Kunsthauses präsentiert und zum Verkauf angeboten. Um ein noch weiteres Feld der Outsider Art Szene zu zeigen und auf der Suche
nach neuen talentierten Künstlern, hat es sich
das Kunsthaus seit 2008 zur Aufgabe gemacht,
den Kreis der teilnehmenden Künstler durch
eine Ausschreibung zu erweitern, um zudem
anderen Künstlern mit Psychiatrie-Erfahrung die
Möglichkeit zu geben, ihre Werke einem breiten Publikum vorzustellen und zu verkaufen. So
werden auch in diesem Jahr wieder ca. 300
Werke von 38 Gastkünstlern aus ganz Deutschland und der Niederlande neben 23 Künstlern
des Hauses zu sehen sein.
Kuratiert wird seit einigen Jahren die Jahres- und
Verkaufsausstellung von jungen Kunsthistorikerinnen, die ihrerseits erste praktische Erfahrungen im Ausstellungswesen erhalten, gleichzeitig
aber auch der Ausstellung neue, junge Impulse
geben. Die Besucher erwartet eine vielfältige
Auswahl an zeitgenössischer Kunst. Expressionistisch anmutende, farbige Malerei bietet
zum Beispiel Georg Brinkschulte (Münster). Im
Kontrast dazu stehen feinlinige Zeichnungen wie
die von Robert Linke (Berlin), der abstrakte Liniengefüge darstellt oder solche von Wilke Klees
(Münster). Darüber hinaus werden Aquarelle von
u.a. Gabriele Winkler (Köln) und Reinhilde Brücker (Duisburg), Scherenschnitte von Lisa Urban
(Hamburg), Drucke von u.a. Hans Stockhausen
(Münster) und Andreas Rüther (Münster), digitale
Collagen von Sylva Klein (Münster) und Silke Poremba (Lohmar) sowie Objekte aus Holz, Draht
und Keramik gezeigt.
Wie jedes Jahr sind alle ausgestellten Bilder
und Objekte käuflich zu erwerben!
Werkschau: „Künstlerisches Forschen
von Outsidern im Museumskontext“
Im Jahr 2013 fand ein Workshop unter der Leitung von Prof. Dr. Lisa Niederreiter (Hochschule
Darmstadt) und Irmi Sellhorst (Künstlerin/Kunsttherapeutin) statt, bei dem sich vier Künstler
aus dem Kunsthaus Kannen ästhetisch mit den
Werken und der Biografie anderer von Behinderung und Exklusion betroffener Künstler auseinandersetzten. Ihre künstlerischen Ergebnisse
werden jetzt ebenfalls präsentiert.
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Foyerausstellung
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Im Foyer des Kunsthauses wird eine kleine
Ausstellung zum Motiv der Ziege – passend
zum kommenden Jahr der Ziege – präsentiert. Über einige Monate hinweg haben
Künstler des Ateliers dieses Tier in Form von
Zeichnungen festgehalten. Interessant zu
beobachten ist, wie unterschiedlich das Tier
von den Künstlern gesehen und verstanden
wird. Einige Bilder sind darüber hinaus auf
der alljährlich erscheinende Schreibtischunterlage für 2015 abgedruckt, die im Museumsshop für 7,00 € zu erwerben ist.
Dort erwarten die Besucher zudem weitere
Ausstellungskataloge von unterschiedlichen
Museen und Galerien, Postkarten und Blöcke, illustriert von Künstlern des Hauses und
zudem Fachliteratur zu den Themen Outsider Art und Art Brut.
Die
teilnehmenden
Künstler
Schreibtischunterlage 2015
Gastkünstler:
Reiner Brosin
Reinhilde Brücker
Marc Czyzewski
Norbert de Jong
Peter Engler
Elke Friedrich
Dirk Geffers
Thomas Gierock
Michael Golz
Wulf Golz
Grischan
Peter Henning
Oliver Hohenstein
Armin Hummel
Karsten Kirschke
Sylva Klein
Torsten Klotzsch
Bernd Liefländer
Josef Limper
Robert Linke
Manuela Mackowiak
Markus Meurer
Janus Pchayek
Silke Poremba
Cornelia Schmitt-Riegraf
Christine Scholz
Anna Sewanian
Jürgen Stenzel
Werner Strotmann
Stefan Tiersch
Jannemiek Tukker
Klaus Therling
Lisa Urban
Suzy van Zehlendorf
Hildegard Verweyen
Violetta Volk
Misce Wahlert
Gabriele Winkler
Maik Zädler
Künstler aus dem Atelier
des Kunsthauses:
Paul Berger
Wolfgang Brandl
Georg Brinkschulte
Marina Dohlen
Stefan Dürken
Anton Fliss
Manfred Heiden
Hans Georg Kastilan
Matthias Klepgen
Wilke Klees
Helmut Licznierski
Stephan Meishner
Klaus Mücke
Alfred Olschewski
Helmut Paus
Hubertus Roerkohl
Andreas Rüther
Muammer Savran
Gerd Schippel
Hans Stockhausen
Georg Storm
Falco Tietz
Walter Vieth
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Wolfgang Brandl
Paul Berger
1957 Gronau
1950 Münster
Paul Berger lebt im Wohnbereich der Alexianer
und das Kunsthaus Kannen bietet ihm die
Möglichkeit der kreativen Gestaltung, bei der
er nicht nur malt, sondern auch mit Ton arbeitet. Beide Arbeitstechniken sind geprägt von
einer Serialität. Dabei malt Berger bevorzugt
Häuser, Bäume und Gesichter. Häufig lassen
sich die Bildserien nur durch ihre unterschiedliche Kolorierung voneinander unterscheiden. Hauptsächlich verwendet der Künstler
Wachsmalkreiden, die er kräftig bis zum
Bildrand aufträgt. Dabei beweist Paul Berger
einen besonderen Farbauftrag. Mit viel Kraft
bewegt er die Kreiden über das Papier, so
dass seine Körperlichkeit in das Bild übertragen wird. Seine Motive werden daher abstrahierend dargestellt. Berger verwendet meist
charakteristische Formen wie Rechtecke,
Kreise und Ovale, die er zu einem Hauptmotiv
miteinander kombiniert. Diese lenken durch
ihre Position im Bildzentrum sowie durch ihre
betonte schwarze Kontur die Aufmerksamkeit
des Betrachters auf sich. Anstatt die Kontur
als feste Umrandung darzustellen, übermalt
Berger sie, wodurch seinen Werken eine große Dynamik verliehen wird.
Seine künstlerische Laufbahn begann Wolfgang Brandl mit dem Schreiben von Gedichten, die er auch illustrierte. So kam er
schließlich zum Zeichnen. Im Atelier des
Kunsthaus Kannen entstehen seine TierBilder, bei denen zurzeit eine besondere
Vorliebe für Fische und Vögel zu erkennen
ist. Er variiert seine Bilder, indem er unterschiedlichste Arten auswählt. Für die Ausstellung 2014 kam so eine ganze Vogelschar
zusammen: exotische Kolibris und Papageien, aber ebenso heimische Arten wie Meisen und Pfauen. So gestaltet er seine VogelGrundform immer wieder um – auf eine neue
kreative Art und Weise. Dabei verbindet er
die schwarze Kontur mit einer leuchtenden
Kolorierung in verschiedenen Farben. Beschriftet wird jedes Bild mit „Wolf“, was auf
den ersten Blick eine irritierende Wirkung
hat: Es ist schließlich kein Wolf dargestellt.
Erst nach Bewusstwerden des Namens des
Künstlers wird klar, dass es die Signatur des
Bildes ist, eine Abkürzung für Wolfgang.
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Georg Brinkschulte
1972 Senden
Georg Brinkschulte gibt seinen farbigen
Frauen- und Männerportraits eine ganz
besondere expressive Wirkung. Seine zu
Beginn gezeichnete Bleistiftkontur füllt er mit
einer kräftigen Kreide-Ausmalung, so dass
der Betrachter die Körperlichkeit des Malaktes gut im Bild nachvollziehen kann. Dadurch entstehen keine kleinteiligen Details
des Gesichtes, sondern eine dynamische
Lebendigkeit. Unvermittelt stehen sie dem
Betrachter meist frontal und raumfüllend
gegenüber, ein Hintergrund ist daher nicht
notwendig. Das im Katalog abgebildete
Schulterstück der blonden Frau steht exemplarisch für seine sehr schnell entstehenden
Bilder. Die dargestellte Frau zeichnet sich
durch vier klar definierte Merkmale aus: rote
Lippen, blaue Augen, langes Haar sowie
eine leuchtende Hautfarbe. Ausgeführt in
Brinkschultes lebhafter Maltechnik verleihen
diese seinem Bild Ausdruck und Intensität.
Reiner Brosin
1953 Dortmund
Seit einem Krankenhausaufenthalt im Jahr
1989 ist Reiner Brosin künstlerisch aktiv und
besucht die Mal- und Kunstgruppe des Psychosozialen Trägerverbundes Dortmund.
Neben Zeichnungen mit Aquarellfarben
und Tusche fertigt der Künstler Holzobjekte an, die in der Jahresausstellung präsentiert werden. Alltägliche Gegenstände
werden umgestaltet und zum Ausdruck
seines persönlichen Stils. Sie sind in den
Farben Gelb, Rot und Blau flächig bemalt.
Dieser Grundbemalung fügt der Künstler
ein dichtes Gefüge aus feinen schwarzen
Linien hinzu, die sich winden aber nicht immer aneinander anschließen, so dass die
Strenge der Holzformen aufgelöst wird und
sich ein interessantes Spiel von großer und
kleiner Form ergibt. Dieses Charakteristikum findet sind auch in seinen Aquarell- und
Tuschezeichnungen.
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Reinhilde Brücker
1956 Kalkar
Reinhilde Brücker ist in der Malgruppe des
Diakoniewerks Duisburg künstlerisch tätig.
Sie arbeitet mit Aquarellfarben und erreicht
so eine aus mehreren Farbschichten bestehende bewegte Bildstruktur. Dabei interessiert sie sich für unterschiedliche Themen:
Tier- und Menschengestalten, aber auch
Landschaften zählen unter anderen dazu.
Allerdings verbindet all ihre Bilder, die in
der Ausstellung gezeigt werden, ihr leicht
und schnell geführter Pinselduktus. Dabei
nutzt sie häufig blaue und ins Lila gehende
Farben, die miteinander harmonieren. Um
ihre Bilder kompositionell abzurunden, nutzt
Brücker häufig eine wellenförmige Linienstruktur, was den Bildern zusätzlich eine
Lebendigkeit verleiht.
Marc Czyzewski
1972 Salzgitter
Zunächst arbeitete Marc Czyzewski als
Grafik-Designer, entschließt sich dann jedoch, eine künstlerische Laufbahn einzuschlagen. Im Jahr 2009 wird er Mitglied der
Künstlergemeinschaft Schiller33, einem
Selbsthilfeprojekt für psychiatrieerfahrene
Künstlerinnen und Künstler. In seinen Bildern
versucht der Künstler nach eigener Aussage
„einen Beitrag zur Auseinandersetzung der
Bildenden Kunst mit der Reizüberflutung der
Medien“ zu liefern. Dabei möchte er sich unter dem Motto „Porträt und die Figuration im
strukturierten Raum“ intensiv mit der BildBetrachter Beziehung auseinandersetzen.
Kennzeichnend für Czyzewskis Werke ist
eine starke Farbigkeit, in der zwischen ungegenständlich und verschlüsselt wirkenden
Formen figurative Wesen herausstechen –
dem Künstler nach eine „Abstraktion vom
menschlichen Wesen“. Aktuell setzt er dieses Vorgehen auch in Schwarz-Weiß-Bilder
um, die in der Ausstellung zu sehen sind.
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Norbert de Jong
1965 Heerlen / Niederlande
Der autodidaktisch arbeitende Künstler
Norbert de Jong lässt seine Bilder für sich
sprechen. Ein beliebtes Thema ist der Tanz.
Farbige Farbflächen formen sich zu bewegten Figuren, umgeben von Phantasiewesen,
die an Vögel oder an kleine Tintenfische erinnern. Ihre langen Gliedmaßen bewegen sich
mit der Figur, gleichen sich ihrer Form an, so
dass eine Einheit entsteht. Phantasiewesen
und Mensch treten in Kontakt, der Traum
trifft die Wirklichkeit. Im Detail reduziert wird
eine Betonung der dunkel umrahmten Augen erreicht, so dass ein intensiver Blick
die abgebildete Figur und den Betrachter in
Kontakt treten lassen.
Insgesamt wird eine farbintensive und dekorative Wirkung erreicht, die an den französischen Maler Henri Matisse erinnert.
Marina Dohlen
1990 Wilhelmshaven
Marina Dohlen, die in einer Wohngruppe der
Alexianer in Münster wohnt, präsentiert in
der Jahresausstellung drei ihrer vielfältigen
Werke. In ihrer Collage fügt sie mit einem
Gedicht ihren Sinn für die Dichtkunst ein
und bietet jenem eine passende Illustration.
Doch auch ihr ausgeprägtes malerisches
Talent wird deutlich. Ihr Bild „Surrealistic
Dream“ greift, wie der Titel schon anklingen
lässt, surrealistische Ideen auf. Ein Baum
wird verfremdet, indem seine Äste nicht mit
Blättern, sondern mit einem großen Auge
bekrönt werden. Es fügt sich in die Verästelungen des Baumes ein und lastet schwer
auf diesem. Zudem hat es einen leicht zerlaufenden Charakter, was die befremdliche
Wirkung zusätzlich betont.
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Stefan Dürken
1971 Telgte
Durch seine Landschaften vermittelt Stefan
Dürken unterschiedliche Stimmungen. Einmal ist es ein aufbrausendes Meer, ein anderes Mal der liebliche Sonnenuntergang.
Durch die Farbigkeit erreicht er, dass unterschiedliche Tageszeiten zu erkennen sind.
So vermittelt zum Beispiel ein kaltes Blau die
kommende Nacht. Unterschiedliche Farben
gehen dabei sich vermischend ineinander
über. Er nutzt somit die Eigenschaften der
Aquarell- und Ölkreiden-Malerei gekonnt
aus, um ganz spezielle Atmosphären zu
schaffen. Neben Seestücken malt Stefan
Dürken auch Wälder und Stadtansichten,
die in ihren Grüntönen eine ruhigere Wirkung ausstrahlen.
Peter Engler
1951 Dortmund
Seine farbintensiven Landschaften malt
Peter Engler in der Mal- und Kunstgruppe des Psychosozialen Trägerverbundes
Dortmund. Dort kann er sich an Vorlagen
orientieren, die er jedoch auf seine eigene
Art deutet und seinem Stil entsprechend
verwandelt. Hierbei entscheidet er sich
ausschließlich für Filzstifte. Mit diesen erzielt er eine klare, kräftige Kolorierung und
ein genaues Zeichenergebnis. In den Werken der aktuellen Ausstellung nutzt er als
wiederholendes Stilmerkmal kleine orangefarbige, vielleicht an die französischen
Pointilisten Paul Signac und Georges Seurat angelehnte Punkte, um seine Bilder zu
strukturieren. In Kombination mit seinen
ansonsten klar ausgemalten Bildmotiven,
bekommen sie allerdings eine andere Bedeutung als in den Werken der französischen Maler und das Bild erhält eine
kontrastreiche Ausstrahlung.
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Anton Fliss
1937 Nottuln
Anton Fliss wohnt auf dem Gelände der
Alexianer-Einrichtung in Münster. Er arbeitet
nicht in der Gruppe, sondern lieber für sich
allein in seinem Zimmer. Dort hat er alles, was
er für seine Aquarell-Bilder benötigt. Seine
bevorzugten Motive stellen liebliche Landschaften dar: Aufgeteilt in mehrere Schichten
formuliert er Wege, sanft hügelige BlumenWiesen, Häuser, begleitet von Bäumen, grüne Berge im Hintergrund und einen kräftigen
blauen Himmel, der das Bildfeld nach oben
abschließt. Belebt werden seine Bilder durch
den freien Farbauftrag. Einmal scheinen die
Konturen verwischt, ein anderes Mal ist bewusst der Malgrund frei gelassen. In weiteren
Bildern der aktuellen Ausstellung sind reine
Blumen-Motive zu sehen, die wirken, als seien sie aus einer seiner grünen Landschaften
herausgegriffen, um sie näher zu betrachten.
Elke Friedrich
1961 Bad Hersfeld
Seit 2010 nutzt Elke Friedrich ihr künstlerisches Talent, um im Atelier WERKstattARBEIT
der AWO Dortmund ihre vielfältigen Zeichnungen anzufertigen. Thematisch setzt sie
sich keine Grenzen und sagt selber: „In
zufällig sich kreuzenden schwungvollen
Linien entdecke ich Erlebtes und Gefühltes.“ Damit beschreibt sie sehr treffend ihre
Tuschezeichnungen, die so in ihrem Moment des Zufalls, aber auch formal surrealistisch anmuten: Verzerrte Figuren wandeln
wie in einem nicht klar zu beschreibenden
Traum über die Bildfläche, eine Frau sitzt
zusammen mit einem übergroßen grünen
Vogel auf dem Bett und träumt von „Afrika“. Darüber hinaus sind aber ihre genauen
Zeichenkünste ebenfalls in ihren feinlinigen
Zeichnungen zu erkennen.
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Dirk Geffers
1949 Braunschweig
Seit 2005 ist Dirk Geffers im Atelier Geyso20
in Braunschweig künstlerisch aktiv. Dabei ist
er sehr vielfältig. Er schreibt Texte, malt und
zeichnet, wobei er sich auch intensiv mit Problemen, die Größe, Perspektive und Kontraste
umfassen, beschäftigt.
In der aktuellen Ausstellung werden Ergebnisse gezeigt, die er durch das zeichnerische Experimentieren mit Gefäßen und ihrer
passenden Namensgebung erzielte. Dabei
interessieren ihn die verschiedenen Formen,
Größen und Ausschmückungen – einmal mit
unterschiedlich dicht zusammenliegenden
Perlen, ein anderes Mal mit verschiedenen
Aufschriften wie „Typ Bauern-Kanne“ oder
„Dorfkrug“. Kurze Sätze, die die Gefäße umschreiben, begleiten dabei seine TuscheZeichnungen. Die Ausmalung erfolgt mit
Pastellkreide, die den Gefäßen mittig einen
kräftigen Farbton verleiht, der zu den Seiten
langsam an Intensität verliert. So strahlen die
Motive eine plastische Wirkung aus.
Thomas Gierock
1957 Dortmund
Thomas Gierock ist seit 2008 Mitglied der
Mal- und Kunstgruppe des Psychosozialen
Trägerverbundes Dortmund. Er experimentiert mit unterschiedlichen Mal- und Zeichentechniken, wobei seine Aquarell- und
Acrylbilder, die in der aktuellen Ausstellung
zu sehen sind, besonders ausdrucksstark
sind. Sein Unterwasser-Bild mit einem
dunklen Kraken erinnert an Edvard Munchs
berühmten „Schrei“, von dem er sich womöglich inspirieren ließ. Gierock setzt das
Geschehen jedoch in eine Wasserwelt und
verleiht dem Gesicht eine Vielzahl von Armen, die passend zum furchterfüllten Ausdruck der Augen und des Mundes eine bewegte Spannung erzeugen.
Beruhigter ist sein Landschaftsbild, bei dem
Gierock die Aquarellfarben nutzt, um die
unterschiedlich gefärbten Farbstreifen, die
das Bild gliedern, ineinander übergehen zu
lassen und so ein einheitliches Bildgefüge
zu schaffen.
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Michael Golz
1957 München
Im Atelier der „MALzeitler“ in Duisburg ist
Michael Golz künstlerisch tätig. Seine bevorzugte Technik ist die Buntstiftzeichnung.
Seine Stadtlandschaftsbilder zeichnen sich
durch eine sichere Technik aus. Häuser und
andere Gebäude sind exakt ausformuliert
und zeigen raffiniert architektonische Besonderheiten wie zum Beispiel Giebel über
den Fenstern. So kann der Betrachter immer
wieder aufs Neue kleine Details entdecken.
Seine Konzert-Zeichnung ist ebenfalls sehr
kleinteilig, jedoch rückt hier die Lichtwahrnehmung in den Vordergrund. Scheinwerfer und
ihre unterschiedlich gefärbten Lichtstrahlen
nehmen die Hälfte des Bildraumes ein. Im
Licht musiziert die Band mit unterschiedlichen
Instrumenten – auch hier wird die Liebe zum
Detail in Golz‘ Bilder deutlich.
Wulf Golz
1960 Mülheim a. R.
Wie sein Bruder Michael, ist Wulf Golz in der
Gruppe der „MALzeitler“ in Duisburg vertreten
und auch er ist ein begnadeter Zeichner. Er interessiert sich für Grundrisse von PhantasieAreale. So bekommen seine Zeichnungen
Auftragsbefehle wie „Rette den Astronauten“
und „Besuche die heilige Stätte“. Außerdem
benennt er einzelne Bereiche. Er baut die Assoziation an Computerspiele auf und der Betrachter kann seine eigene Phantasie spielen
lassen, was an den einzelnen Schauplätzen
wohl geschehen könnte. Der Betrachter kann
somit selber die puristisch anmutenden klaren Grundrisse mit Leben füllen.
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Grischan
1965 Ruhrgebiet
Seit 1994 ist Grischan autodidaktisch als
Künstler tätig und erprobt experimentell
unterschiedliche Ausdrucksweisen mit verschiedenen Materialien. In Deutschland und
Frankreich konnte er bisher mit seinen Werken
begeistern. In der aktuellen Jahresausstellung
werden sechs Werke von ihm präsentiert, die
Beispiele für seine extravaganten Portraits
darstellen. Aufgebaut aus einzelnen Versatzstücken werden gleichzeitig unterschiedliche
Sichtweisen möglich. So sind in seinem Bild
„Three in One“ eine Frontal- und eine Profilansicht zu sehen, die zusammen ein Gesicht
bilden. Durch die unkonventionelle Farbigkeit
gewinnen seine Bilder zudem an Ausdruck
und steigern das Gefühl der Unwirklichkeit.
Der Betrachter verliert sich in einer Art ComicWelt, in der alles möglich zu sein scheint.
Manfred Heiden
1946 Gütersloh
Manfred Heiden, Künstler im Atelier des Kunsthaus Kannen, arbeitet mit unterschiedlichen
Techniken. Er malt mit Wasserfarben, Ölkreiden und zeichnet mit Tusche und Buntstiften. Er formuliert Zeichnungen mit kräftigen,
schnellen Strichen. Sein größtes Interesse gilt
aber der Druckgrafik. Auch in seinen Drucken
lassen sich viele Charakteristika seiner Zeichnungen erkennen. So weisen die Linolschnitte
schnelle, kratzende Striche auf, mit denen er in
kräftiger Intensität die Oberfläche bearbeitet.
Dabei entsteht ein vielschichtiges Geflecht,
das Manfred Heiden erst als vollendet erachtet, wenn im Bild möglichst viele Farben
aufgetragen wurden. Je mehr Farben übereinander gelagert werden, umso mehr finden
sie das Gefallen des Künstlers. Aktuell sind
seine abstrakten Drucke mit Kreis- und Rechteckgebilden ausgestellt. Bei diesen sind die
unterschiedlichen Druck- und Farbschichten,
die er nacheinander aufträgt, gut zu sehen.
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Peter Henning
1947 Neumünster
Die Bilder Peter Hennings entstehen durch
schnelles, aber vielschichtiges Malen und Kleben. Meist fratzenhaft erscheinen vogel- oder
auch rundköpfige Menschen auf seinen Werken, die von einer intensiven Suche nach dem
menschlichen Gesicht und dessen Geschichte
darin zeugen. Doch Peter Henning ist nicht nur
Maler, sondern er schreibt zudem. Passend zu
seinen düster wirkenden Bildern formuliert er
kurze Gedichte wie folgendes:
Herbst
Das Licht versteckt sich,
graue Tauben umflattern die trübe Seele.
Müde Krähen sitzen auf trauernden Bäumen –
es riecht nach Verwesung.
Der Schatten der Zeit versinkt im Nebel.
Armin Hummel
19 67 Lauffen am Neckar
Armin Hummel hat es die Kunst des Expressionismus angetan. Er orientiert sich motivisch
und stilistisch an Gemälden bekannter Künstler – so wie in seinen aktuell ausgestellten Bildern an Vincent van Gogh. Hummel malt mit
Acryl auf Leinwand dessen Bilder gekonnt
nach. Somit weisen sie eine intensive Farbigkeit sowie einen dynamischen Pinselduktus
auf und erlangen sowohl in der Fern- als auch
in der Nahsicht einen überzeugenden Charakter, der den Betrachter dazu auffordert, sich
intensiver mit den Bildern auseinanderzusetzen und besonders die einzelnen Pinselzüge
gedanklich nachzuzeichnen.
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Oliver Hohenstein
1975 Münster
Seit 2008 ist Oliver Hohenstein im Atelier des
St. Vitus Haus, einer Betreuungseinrichtung
für Menschen mit Behinderung in Everswinkel,
künstlerisch tätig. Seine abstrakten Bilder
erinnern an das Action Painting der 1950er
Jahre. Sie sind Ausdruck einer großen Bewegungsenergie, mit der die Farbe auf das Papier gebracht wird. Dieser virtuose Farbauftrag
wechselt jedoch auch immer mit einer vorsichtigeren Malweise, währenddessen Hohenstein
die Malaktivität bewusst auslebt. Es fasziniert
ihn, wie durch seine schnellen und langsamen
Bewegungen des mit Farbe getränkten Pinsels ein ausdrucksstarkes Bild entsteht. Der
Malgrund bietet ihm ein Gegenüber, der sein
Tun wiederspiegelt und sichtbar festhält.
Hans-Georg Kastilan
1927 Insterburg / Ostpreußen
Seit 1951 wohnt Hans-Georg Kastilan im
Wohnbereich der Alexianer in Münster. Die
imaginären Reisen auf seinen Bildern sind
längst zu Klassikern der alljährlichen Verkaufsausstellung geworden. Die Menge an
Zeichenblätter, die er sich vor dem Malen
bereitlegt, bestimmt den Umfang seiner
„Reise“. Gedanklich geht er zum Beispiel
verschiedene Straßen in Münster oder Ostbevern ab, wobei sie jedoch nicht charakteristisch oder naturgetreu wiedergegeben
werden, sondern nach immer demselben
Prinzip aufgebaut sind. Mehrere hochgestreckte Häuserfronten reihen sich aneinander. Sie werden rot koloriert, wobei die jeweilige Tür in einem hellen Gelbton heraussticht
– die Häuser vermitteln so einen bewohnten
Charakter. Zu unterscheiden sind die unterschiedlichen Straßenansichten nur an den
Über- und Unterschriften, die Städte- und
Straßennamen bezeichnen.
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Karsten Kirschke
1970 Lage, Kr. Lippe
Das Interesse für Kunst begleitet Karsten
Kirschke bereits seit der Schulzeit. In seinem
folgenden Designstudium verfolgt er es weiter
und erlernt vertiefende Grundlagen.
In der aktuellen Ausstellung sind SchwarzWeiß-Zeichnungen von ihm zu sehen, die
karikaturhaft Persönlichkeiten aus verschiedenen Bereichen des öffentlichen Lebens
darstellen. So zum Beispiel Papst Johannes
Paul II. oder Josef Beuys. Dabei weisen sie
kennzeichnende Attribute auf und sind insgesamt so charakteristisch gezeichnet, dass sie
direkt erkannt werden können. Die Gesichter sind mit feinen Linien detailreich und sehr
ausdrucksstark wiedergegeben. Interessant
ist die Wiederholung der Gesichter auf einem
Bild. Es werden verschiedene Ansichten und
Momente der Person gleichzeitig gezeigt. So
wird eine große Lebendigkeit der Dargestellten
erreicht.
Wilke Klees
1970 Wilhelmshaven
Seit 2008 ist Wilke Klees im Atelier des
Kunsthaues Kannen künstlerisch tätig. Er
nutzt vor allem die Technik des Zeichnens,
um seinen Interessen Ausdruck zu geben.
Darunter fallen vor allem technische Objekte
wie Flugzeuge, Autos, verschiedene Maschinen und auch Fabriken. Passend dazu interessiert er sich seit neustem für Op Art, bei
der unter anderem kinetisch bewegte Malerei
thematisiert wird. In der diesjährigen Ausstellung zeigt er, dass sein zeichnerisches Können sich aber zudem auf Menschen anwenden lässt. Mit schnell geführter Tusche-Feder
zeichnend, hält er in seinen Portraits nach
lebendigen Vorbildern einen kurzen Moment
fest. Meist belässt er seine Zeichnungen in
schwarz-weiß, wodurch ihnen einen starker
Kontrast verliehen wird. Formal und inhaltlich
ähneln seine Zeichnungen Karikaturen und
Comics, da er ihnen mit viel Witz eine Lebendigkeit und auch Ironie verleiht.
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Sylva Klein
1975 Münster
Sylva Klein ist gelernte Mediengestalterin. Ihre
Kunst basiert demnach auf dem Medium der
Computergrafik. Diese kann sie bereits seit
2000 regelmäßig in Ausstellungen präsentieren. So sind auch in der aktuellen Jahresausstellung Werke ihrer Digitalen Malerei zu
sehen. Sie fügt verschiedene Versatzstücke
einzelner Bilder zusammen, so dass ein ganz
neues Werk entsteht. Dabei überraschen die
Bilder mit ihren auf den ersten Blick nicht ganz
zusammen passenden Elementen: Tiere und
Zitronen an Fallschirmen, ein Cocktail, ein Tigerfell. Jedoch bringt sie diese Motive in eine
stimmige Komposition und interpretiert sie
neu, so dass sie inhaltlich doch zueinander
finden. Es entstehen surrealistisch anmutende Werke, die eine ganz eigene Geschichte
erzählen, obwohl sie auch bekannte biblische
Themen aufgreift, die von ihr aber auf eine
neue und moderne Art erzählt werden.
Matthias Klepgen
1931 Köln
In seinen Bildern stellt Matthias Klepgen Eindrücke zusammen, die er im Alltag erfährt.
Dabei erinnern seine Zeichnungen an Gewebe: So setzt der Künstler in einem über
Stunden andauernden Entstehungsprozess
Strich für Strich auf das Papier, webt Linie
um Linie zeichnend ineinander und verdichtet Flächen zu Häuserfassaden, Straßen und
Himmel. Stets tauchen darin Menschen auf,
welche die Szenerie beleben. Der Betrachter
der Bildern wird seinerseits zum Betrachteten,
da er sich in den Figuren auf den Zeichnungen
gespiegelt sieht, welche ihrerseits wie Beobachter aus dem Bild schauen und nahezu
herauszuspringen scheinen.
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Torsten Klotzsch
1964 Magdeburg
Seit 2005 ist Torsten Klotzsch im Atelier des
Kunstvereins Zinnober künstlerisch aktiv. Aktuell arbeitet er an einer Serie von Kupferstichen,
die er mit Tusche weiter bearbeitet. Es entstehen
formal sehr ähnliche Gesichter, die aber ganz
unterschiedlich wirken. Sie variieren in ihrem
Ausdruck, der von ernst zu freundlich und von
überrascht zu aggressiv reicht. Dabei kommt er
mit wenigen und abstrahierten Details aus. Nase
und Mund werden aus orthogonal zueinander
stehenden Linien geformt, während die Augen
dem Betrachter groß und rund begegnen. Den
Hintergrund gestaltet Klotzsch abstrakt, so dass
das Gesicht in seiner klaren Form betont wird.
Helmut Licznierski
1957 Wanne-Eickel
Wie einige andere Künstler fand auch Helmut
Licznierski im Alexianer Krankenhaus zur
Kunst, wo er seit 1977 lebt. Er ist ein sehr
kreativer Mensch, malt, zeichnet, schauspielert und druckt. Bereits seit längerer Zeit
widmet er sich einem interessanten Projekt.
Aus Ton schafft er aus dünn gerollten Tonstücken nach und nach schlanke, turmartige Gebilde. Die besondere Ästhetik der
Werke besteht in der schwungvollen Form,
die sich in mehreren S-Kurven und zum Teil
um sich selbst windend in die Höhe schrauben. Die changierende Glasur der Objekte
verleiht den Schichten einen besonderen
Glanz und lässt die Oberfläche teils wie erstarrte Lava erscheinen, teils auch wie Wasser, das einen Fels hinunterströmt. Betrachtet man sie in einer Gruppierung, so eröffnet
sich ein lebendiges Spiel einer zueinander
führenden Hin- oder voneinander wegführenden Rückbewegung, das die Phantasie
des Betrachters anregt.
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Bernd Liefländer
1968 Düsseldorf
In seinen aktuellen Bildern wiederholt
Bernd Liefländer, Mitglied der „MALzeitler“
in Duisburg, das Motiv der Haltestelle:
Unterschiedliche, futuristisch anmutende Figuren posieren nahezu mit einem
Haltestellenschild. Begleitet wird die
Szene jeweils von einer großen Straße,
deren Anfang und Ende außerhalb der
Bildfläche liegen. Es bleibt ungewiss,
wo die Straße hinführt. So wird der Betrachter angesprochen, sich seine eigene
Geschichte zur Reise der abgebildeten
Person vorzustellen. Die Hinweise, die
Liefländer teilweise in Bezug auf eine weit
entfernte, außerirdische Welt einfließen
lässt, geben jedoch eine gewisse
Reise-Richtung vor. Auch ominöse Gestalten mit Hut und Maske lenken das
Geschehen in eine abenteuerliche, phantasievolle Welt.
Josef Limper
1958 Welschen-Ennest
Josef Limpers farbenfrohe Bilder sprühen
vor Intensität. Kräftige mit Acryl gemalte
Farbflächen liegen kontrastierend dicht nebeneinander und füllen das gesamte Bildfeld aus. Abstrakte und figürliche Elemente
werden zusammen dargestellt, die abstrakten verschleiern dabei das Bildgeschehen.
Diese Wirkung wird verstärkt, indem meist
keine klare Kontur die Motive voneinander
abgrenzt. Bei genauer Betrachtung fällt ein
Motiv immer wieder auf: das Schiff, das den
Betrachter in weit entfernte Landschaften
trägt. Die Bildtitel sind ebenso exotisch:
„Wege zum Therapie-Tempel“ und „Die drei
Töchter des Tavorius“ muten geheimnisvoll
an. Sie geben den flächig und dekorativ gestalteten Bildern eine narrative Tiefe.
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Robert Linke
1958 Leipzig
Durch seinen Vater, der Schauspieler bei den
Städtischen Bühnen war, kommt Robert Linke
schon früh in Kontakt mit dem Theater und
der dramatischen Literatur.
Mit 16 Jahren beginnt er an der Musikhochschule in Leipzig ein Musikstudium. Fortan
ist er musikalisch sehr aktiv und realisierte
unter anderem zahlreiche Bühnen, Hörspiel,
Filmmusiken, Kammermusiken und Performances mit bildenden Künstlern. Parallel zu
seinem musischen Schaffen fertigt Robert
Linke im Laufe von zwanzig Jahren hunderte
von feinlinigen Bleistiftzeichnungen an. Diese beschreibt er mit Notizen aus dem Radio,
eigenen Texten und Zitaten. Die Werke von
Robert Linke sind von der Musik inspiriert.
Sie wirken wie Kompositionen, wie Melodien,
die man anhand der Bilder vertonen könnte.
Manuela Mackowiak
1961 Berlin
Manuela Mackowiak studiert nach ihrem
Abitur Vergleichende Religionswissenschaften, Ethnologie und Ägyptologie. Im Laufe
ihres späteren Lebens erleidet sie jedoch
einige schwierige Phasen. Seit 2012 findet
sie einen neuen Zugang zur Malerei, mit der
sie sich seit ihrer Jugend immer wieder beschäftigt. Auch schreibt sie seit dem 13. Lebensjahr. Im offenen Atelier des St. Hedwig
Krankenhauses lässt Manuela Mackowiak
heute ihren künstlerischen Ideen freien Lauf.
In ihren Acryl-Bildern lassen sich Bezüge
zur Religion ableiten - so zum Beispiel in
„Maria – Überwindung des Leids“ aus dem
Jahr 2014. Außerdem verarbeitet sie hier, wie
in anderen Bildern, anstrengende Lebensabschnitte und versucht durch ihre Malerei
neue Kraft zu schöpfen.
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Markus Meurer
1959 Monreal / Eifel
Markus Meurer hegt eine große Liebe zur Natur, die er, wie auch seine künstlerischen Fähigkeiten, von seinem ebenfalls als Outsider
Künstler tätigen Vater hat, diese aber eigenständig weiterentwickelt. Der Ausgangspunkt
für die meisten seiner Arbeiten sind Materialien, die im Haushalt übrig bleiben. So zum
Beispiel Verpackungen oder solche, die der
Künstler auf der Straße findet. Er sagt: „Wenn
ich etwas entdecke, dann gehen meine Fühler
dahin. […] Es kommt mir manchmal vor, als
wenn die Leute das extra hinlegen für mich.“
Diese Materialien verbindet er mit Draht zu völlig neuen Wesen, wobei sie ihre alte Bedeutung
verlieren. Die neuen Objekte, oft insektenartige
Hybridwesen, Flugobjekte, geflügelte Motorräder, Taucher, Fische und Drachen faszinieren in
ihrer Formgebung und besitzen nach Meurers
Auffassung heilende Kraft. Es sind fantastisch
vernetzte Objekte, die aber immer figürlich
konkret bleiben. Der Künstler arbeitet sehr vielseitig. Neben den hier ausgestellten Objekten
aquarelliert er und fertigt Collagen an.
Stephan Meishner
1963 Jever
Stephan Meishner begann seine künstlerische Laufbahn mit einem Kunststudium,
erlitt aber eine psychische Erkrankung. Seit
1994 lebt Stephan Meishner daher in einer
Wohngruppe der Alexianer. Im Atelier des
Kunsthaus Kannen widmet er sich jedoch
wieder der Malerei. Seine beliebtesten Motive sind Portraits von unterschiedlichsten Figuren – nicht nur Menschen, sondern auch
Tiere und phantastische Wesen wandelt der
Künstler in Porträts um und verleiht ihnen
menschliche Züge. Seine Zeichentechnik ist
sehr präzise und gekonnt, wobei sie oft karikaturhafte Züge gewinnt. Dadurch verleiht
Meishner seinen Figuren viel Ironie und Witz.
Aktuell zeichnet er seine Portraits meist mit
Tusche und koloriert sie im Nachhinein mit
Aquarellfarben, um ihnen mehr Lebhaftigkeit
zu verleihen.
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Klaus Mücke
Alfred Olschewski
1943 Kiel
Seit 1970 lebt Klaus Mücke im Wohnbereich
der Alexianer und ist im Atelier des Kunsthauses künstlerisch äußerst aktiv. Aktuell arbeitet Mücke an einer Serie seiner sogenannten
„Frau Blume“. Bis zum Bildrand malt er seine
Figur mit ihrem charakteristischen, mit großen
Blütenblättern versehenen Kopf. Die breite,
schwarze Kontur wird zuerst aufgetragen,
bevor eine farbige kontrastierende Ausmalung folgt. Dabei legt er großen Wert auf das
sorgfältige Mischen der Farbtöne. Nach dem
Ausmalen widmet Mücke sich oft noch einmal
der Kontur, um sie breiter oder kräftiger auszuformulieren, bis er mit dem Ergebnis zufrieden
ist. Zu unterscheiden sind die vielen Bilder der
Frau Blume durch die variierende Farbgebung,
bei der die Binnenzeichnungen verschiedene
Betonungen erfahren. Meist wird das Gesicht
in einer Farbe dargestellt, wobei die Augen
1960 Königsberg
andersfarbig herausstechen. Teilweise werden Kopf und Körper in verschiedenen Farben
koloriert. Durch die Vermischung der Konturfarbe mit der Kolorierung an manchen Stellen
und durch den mal stärker und mal schwächer
zu erkennenden Pinselduktus entsteht trotzdem nie ein und dieselbe Frau Blume.
Alfred Olschewski ist seit 1986 in der sozialen
Einrichtung der Alexianer in Münster künstlerisch tätig. Er begann mit Wasserfarben zu
malen, wobei er sich insbesondere mit Märchenillustrationen und Themen wie Häuser, Landschaften, Menschen und Blumen beschäftigte.
Seit 1990 aber entdeckte er die Ölpastellkreide
für sich und seine frühen Motive verschwanden
aus seinen Bildern. Er konzentrierte sich von da
an auf geometrische Formen, die die gesamte
Bildfläche strukturieren. Aus Kreisen, Quad-
raten, Dreiecken und Rechtecken bildete sich
eine Vorliebe für Streifen heraus. Diese ordnet
er senkrecht und dicht an dicht an. Die Farben
wählt Olschewski dabei so, dass er einen Farbton, aber in unterschiedlichen Sättigungen und
Variationen nebeneinander aufträgt. Dies zeugt
von einem großen Farbverständnis. Als Kontrast fügt er jedoch oft auch eine Farbe hinzu,
die nicht in diesen gleichmäßigen Farbverlauf
zu passen scheint. Geschickt gelingt es dem
Künstler, so gut wie nie eine erkennbare Strichführung zuzulassen und doch jedem Bild einen
individuellen Charakter zu verleihen.
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Helmut Paus
1959 Heiden
Helmut Paus hat im Atelier des Kunsthaus
Kannen einen festen Platz, wo er zeichnet.
Die Kunst ist ein wichtiger Bestandteil seines
Lebens. Wie auch einige andere Künstler des
Ateliers zeichnet Paus meist nach Vorlagen
aus Büchern oder Zeitschriften. Durch seinen besonderen Stil fügt er den Bildern etwas
Eigenes hinzu, was sie trotz des Bedienens
eines vorgegebenen Motivs besonders und
einzigartig macht. Charakteristisch für seine Arbeiten ist eine gliedernde Struktur aus
schmalen horizontalen Streifen, die den ganzen Bildgrund ausfüllen. Mit diesen Streifen
ordnet er seine Motive einer klaren Struktur
unter. Er unterteilt sie in dünne Streifenabschnitte, die er mit unterschiedlichen Buntstift-Farben ausmalt. Dies geschieht in einer
schraffierenden Technik.
Janus Pchayek
1964 Curowo / Polen
Seit 2008 malt Janus Pchayek einmal pro
Woche in der Mal- und Kunstgruppe des
Psychosozialen Trägerverbundes Dortmund.
Dieser hilft ihm auch bei der Vermittlung seiner
Arbeiten, so dass er bereits mit seinen Bildern
an einigen Ausstellungen teilnehmen konnte.
Mit Vorliebe malt Pchayek Landschaften. Dabei lässt er sich entweder von Bildvorlagen
oder von eigenen Fotos inspirieren. Zurzeit
beschäftigt er sich mit der Aquarellmalerei.
Dabei variiert er zwischen einer leichten, durscheinenden Farbauftragung, bei der sich
seine Motive überdecken, aber nicht gänzlich
übermalt werden und einer kräftigeren Farbauswahl. So zum Beispiel in seinem Bild „Häuser am Fluss“. Das Bild bekommt eine größere
Farbintensität und Leuchtkraft.
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Silke Poremba
Hubertus Roerkohl
1965 Altena in Westf.
Silke Poremba, eine ausgebildete Konditorin und Ernährungsberaterin, findet nach
einigen Stolpersteinen in ihrem Leben in der
Malerei genau den richtigen Ausgleich, den
sie braucht, um wieder ins Gleichgewicht zu
finden. Silke Poremba empfindet es als befreiend, ihren Gedanken mit Farbe Ausdruck
zu verleihen. Für sie bedeutet die Malerei
Entspannung und die Möglichkeit des Eintauchens in eine andere Welt, um der Seele
Freiraum zu geben. Im Zuge der Jahresausstellung gewährt Silke Poremba einen Einblick
in ihr umfangreiches und vielseitiges Schaffen,
das charakterisiert wird von einer leuchtenden Farbigkeit und einem heiteren Farbklang.
Die Künstlerin widmet sich in ihrem Schaffen
auch den neuen Medien. Sie gestaltet Bilder
am Computer, druckt diese auf Acrylmalpapier und bearbeitet sie anschließend mit Acrylfarben nach. Zwei dieser Arbeiten sind in
der Ausstellung zu sehen. Dabei verbindet sie
klar zu erkennenden Motive – ein Auto, einen
Mülleimer – mit abstrakten Elementen.
1978 Münster
Seit 2007 lebt Hubertus Roerkohl in einer
Wohngemeinschaft auf dem AlexianerGelände in Münster. Jahreszahlen, generell
Nummern und Fußball erwecken die Faszination des Künstlers. Doch er belässt es
nicht ausschließlich bei seinen Lieblingsmotiven, stets erweitert er sein Repertoire
und zeichnet alles, was ihn interessiert. So
beschäftigt er sich zum Beispiel mit Porträts, die er meist lächelnd frontal oder im
Profil darstellt. Es ist oft nur ein Motiv, auf
das der Künstler den Fokus legt und mit
kräftigen Konturen in schwarzer Tusche
vom Weiß des Blattes hervorhebt. Dabei
ist eine ausgesprochene Reduzierung der
Farbigkeit charakteristisch für seine Werke,
denn die schwarze Kontur wird oft nur von
ein bis zwei Farben begleitet, die das Blatt
aber nie zur Gänze ausfüllen, sondern im
harten Kontrast zum weißen Umfeld gesetzt
werden. Dadurch entsteht ein stark graphischer Charakter seiner Zeichnungen, die
äußert kraftvoll, aber nie überladen sind.
Darüber hinaus fertigt er in letzter Zeit auch
kleinteilige Collagen aus Zeitungsausschnitten an, die er sorgfältig komponiert und
zusammenklebt.
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Andreas Rüther
Muammer Savran
1970 Hamm
Andreas Rüther ist ein begeisterter Druckgraphiker, der geschickt seine Vorlage
ausarbeitet. Durch seine monumentale
Formensprache gelingt es ihm, mit seinen Motiven die Druckfläche einzunehmen, ohne diese aber in ihren Grenzen zu
sprengen. In seiner aktuellen Druckserie,
die einen Kirchturm darstellt, nutzt er beispielsweise einen Rahmen, um die Bildfläche auszufüllen und gleichzeitig sein Motiv
zu betonen. Rüther arbeitet mit betonten
Konturen und geometrischen Formen, mit
denen er seine Motive aufbaut. Die entstehenden großen Flächen werden großzügig
mit Farbe gefüllt. Dadurch gelingt es ihm,
eine außerordentliche Flächenhaftigkeit
seiner Drucke zu erzeugen und den Blick
des Betrachters einzufangen. Durch die
unterschiedliche Farbwahl in den verschiedenen Drucken wird eine immer andere
Stimmung hervorgerufen. Seine häufige
Wahl von Gold- und Silbertönen verleihen den Türmen darüber hinaus eine Ele-
1969 Usak
ganz und hohe Wertigkeit. Wie in anderen
Druckserien ist auch hier der Hintergrund
an einigen Stellen durch vertikale Striche
strukturiert, womit sie ein für Rüther charakteristisches Merkmal aufweisen.
Muammer Savran findet seine Inspiration in
Werken des 19. und 20. Jahrhunderts, die
dem Betrachter meist gut bekannt sind. Auf
seine eigene Art verfremdet er sie aber, wodurch sie teilweise ironisierend und karikierend
wirken. Als besonders faszinierend gestalten
sich die Frauenporträts des Künstlers, deren
Körperkonturen und -formen er in ein faszinierendes Linienspiel umzuwandeln weiß. Die
Umräume der Figuren gestaltet Muammer
Savran frei von jeglicher Vorlage und formuliert sie in völlig gegenstandslose Farbflächen,
die aber durch ihre Farbigkeit und Positionierung im Raum eine starke Beziehung zu den
Figuren eingehen. Ohne sich im Dekorativen zu
verlieren, gestaltet Savran meist mit Ölpastellkreide die gesamte Blattoberfläche mit einem
kräftigen und einheitlichen Farbauftrag. Dabei
bedient er sich keiner perspektivischen Mittel,
sondern er erreicht eine Flächigkeit, die im
Kontrast zu seiner genutzten Vorlage steht.
Ein rein reproduktiver Charakter seiner Werke
wird somit vermieden.
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Gerd Schippel
1959 Mollenfelde
Seit 1975 wohnt Gerd Schippel in einer
Wohngemeinschaft in Münster Hiltrup. Dort
wie auch im Atelier des Kunsthauses ist er
künstlerisch aktiv. Mit großen fließenden
Bewegungen aus der Körpermitte heraus
trägt der Künstler bevorzugt Aquarellfarbe
mit viel Wasser auf den Maluntergrund auf.
Ohne zu zögern setzt er dabei figürliche
und abstrakte Formen mit schwarzer Konturlinie auf das Blatt. Dieselbe unmittelbare
Sicherheit legt Gerd Schippel ebenfalls an
den Tag, wenn er dazwischen seine leuchtenden Farbfelder anlegt. Er arbeitet routiniert. Zentrale Themen des Künstlers sind
einfache Häuser, leuchtende Fische oder
Alltagsgegenstände. Meist bleibt Gerd
Schippel bei Aquarellfarben und -papier;
wobei er seine Formate gerne variiert.
Cornelia Schmitt-Riegraf
1956 Darmstadt
Cornelia Schmitt-Riegraf absolvierte eine
wissenschaftliche Laufbahn im Bereich Mineralogie. In den Jahren 2002/03 beginnt
sie aber, die Malerei für sich zu entdecken.
Dabei probiert sie unterschiedliche Techniken und Stile aus, so dass bisher ein Oeuvre
von rund 400 Werken entstanden ist.
Aktuell arbeitet sie mit Ölfarbe, wobei sie die
Technik autodidaktisch erarbeitet. Darüber
hinaus ist sie auch fotografisch tätig. Die
Jahresausstellung zeigt vier ihrer Acrylbilder, auf denen unterschiedliche Landschaften zu sehen sind. Ihre klar und fest umrissenen Motive sowie ihre kräftige Farbigkeit
strahlen eine gewisse Naivität aus, die eine
beruhigende Wirkung hervorruft, die zudem
durch den Inhalt unterstrichen wird: Still und
naturbelassen liegt zum Beispiel ein klarer
See am Fuße der großen Berge.
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Christiane Scholz
1943 Münster/ Schlesien
Nach einem Latein-, Philosophie- und Theologiestudium schloss Christiane Scholz ein
Kunststudium an der Kunstakademie in
Düsseldorf mit dem Meisterbrief ab. Ihre
Arbeiten entstehen allein aus ihr selbst ohne
fremde Anleitung oder Unterstützung. Es
entstehen verschiedene durchscheinende
Schichten, die den Bildern Tiefe und Sogkraft geben. In ihren Werken setzt sie sich
mit Musik, Psychologie und vor allem mit
der christlichen Religion auseinander. Sie
verarbeitet in ihren Bildern das eigene Empfinden vom Alltäglichen, aber auch von Gott
und Göttlichkeit. In einer surrealistisch anmutenden Bildsprache verschlüsselt Scholz
ihre Philosophie und ihre Gedankengänge
und regt die Empfindung des Betrachters
an. Aktuell werden Werke präsentiert, die
ganz spezielle biblische Themen aufgreifen. Das abgebildete Gemälde zeigt zum
Beispiel die Erscheinung Gottes vor Mose.
Andere zeigen die Weinleise und eine Darstellung des Propheten Elias.
Anna Sewanian
1973 Karlsruhe
Eine künstlerische Laufbahn zeichnet sich
bei Anna Sewanian schon früh ab. Mit vierzehn Jahren erhält sie bereits eine Ehrung im
Zuge eines europäischen Malwettbewerbs.
So studiert sie nach ihrem Abitur sowohl
Kunst als auch das Goldschmiedehandwerk.
Ihre Werke sind Portraits, die sie entweder
malt oder druckt. Aktuell arbeitet sie mit
Acrylfarbe auf Papier. Bestimmte Personen
mit ihren charakteristischen Äußerlichkeiten
sind nicht in ihren Gemälden zu sehen. Sewanian will das Innere der Menschen aufzeigen. Die unterschiedlichen Farbigkeiten verdeutlichen dabei „das starke Wechselspiel
zwischen Farbe und Seele“, wie sie selbst
sagt. Zusätzlich erfolgt die Hintergrundausfüllung mit symbolhaften Farben, die entweder mit dem Portrait stark kontrastieren
oder eine Verbindung eingehen, die so weit
geht, dass es zu einer vollkommenden Verschmelzung kommt.
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Jürgen Stenzel
1976 Mainz
Obwohl Jürgen Stenzel keine künstlerische
Ausbildung anstrebte, ist er schon sein ganzes
Leben lang künstlerisch aktiv. Seine bevorzugten Materialien sind Filzstifte. Außerdem häkelt
er, stickt und knüpft Teppiche. Stenzel arbeitet
zu Hause an seinen Werken, hat jedoch im
Museum für Outsiderkunst in Schleswig eine
Institution als Partner gefunden, die seine Arbeiten ausstellt und eine Vermittlungsarbeit
durchführt.
Seine Bilder stellen kleinteilig ausformulierte
Landschaften dar, die den gesamten Bildraum
ausfüllen: Städte und Landschaften, durch
die Straßen und Flüsse führen. Dabei erfolgt
die Gestaltung der Motivik oft wiederholend,
nahezu ornamental, ohne realistische Perspektive. In anderen Bildern fügen sich viele
kleine Landschaftsmotive zu einem dekorativen Ganzen.
Hans Stockhausen
1936 Iserlohn
Mit Vorliebe fertigt Hans Stockhausen Linoldrucke an, in denen sein graphisches Können
besonders gut zur Geltung kommt. Vor dem
eigentlichen Schaffensprozess skizziert der
Künstler zunächst seine Ideen mit Bleistift auf
Papier und malt diese mit kräftigen Farben aus.
In der diesjährigen Jahresausstellung ist eine
Auswahl seiner aktuellen Serie zu sehen, die ein
tierisches Motiv darstellt. Dabei trägt es Merkmale eines Pferdes, aber auch die einer Kuh.
Der Betrachter kann selbst entscheiden, welche Sichtweise ihn überzeugt. Wie bei anderen Tierdarstellungen von Stockhausen ist die
schraffierte Ausmalung charakteristisch, die die
Farbigkeit des Hintergrundes hindurchschimmern lässt. Dadurch gewinnt seine Darstellung
einen schemenhaft flüchtigen Charakter, was in
Bezug steht zu der Drucktechnik. Hier wird der
Druckstock vom Papier wieder gelöst und „nur“
noch sein Abdruck bleibt sichtbar.
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Georg Storm
1961 Münster
Georg Storm widmet sich mit Vorliebe der
Druckgraphik, mit der er ein außerordentliches
graphisches Können beweist. Gekonnt erzeugt
er durch bewusstes Aussparen von Flächen
ein interessantes Spiel von Offenem und Geschlossenem in seinen fein gestalteten Bildgründen. Dabei steht die gedruckte Konturlinie
im Kontrast zur kräftigen Farbgebung, sodass
eine Spannung zwischen diesen beiden Teilen
entsteht. Übertragen hat er diese Arbeitsweise
auf seine aktuellen Buntstiftzeichnungen. Motivisch vereinfacht sind auf seinen Bildern Vögel
dargestellt, die genau die Aussparungen seiner
Drucke aufnehmen sowie eine kräftige Kontur,
die sich von der Kolorierung deutlich abhebt,
aufweisen.
Werner Strotmann
1952 Beelen
Als Bewohner des Haus St. Vitus in Everswinkel nutzt Werner Strotmann das Angebot
der künstlerischen Entfaltung im Kunst- und
Heilpädagogischen Atelier. Seine bevorzugte
Farbe ist Acryl. Den Pinsel drückt er beim Malen
so oft auf den Malgrund, bis jener die ganze
Farbe abgegeben hat. Erst danach wählt er eine
neue aus. Durch seinen Farbauftrag entstehen
abstrakte Bilder, die aus unterschiedlichen
Flächen komponiert werden. Dabei variiert er
zwischen starken und schwächeren Farbkontrasten von bis zu drei verschiedenen Farben,
so dass sich die Spannung des Bildes jeweils
ändert und immer andere Wirkungen erzielt
werden.
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Falko Tietz
1966 Ottendorf-Okrilla
Falko Tietz, ein langjähriger Kunststudent,
lebt im Wohnbereich der Alexianer und arbeitet im Werkcafé. Er fertigt meist großformatige, ungegenständliche Bilder an. In
letzter Zeit beschäftigte er sich besonders
stark mit Farbdrucken auf gemusterten
Stoff, wobei Tietz das Zusammenspiel des
Stoffmaterials einerseits und der Drucktechnik andererseits interessiert. Gekonnt geht
er dabei ein interessantes Spiel zwischen
den geometrischen Stoffmustern und den
teils amorphen, teils geometrisierenden
Druckobjekten ein. Als Druckstock dienen
dem Künstler sowohl alltägliche Gegenstände wie Eisstiele, selbstgefertigte Objekte
aus Holz sowie auch küchenfertige Waffeln
aus dem Supermarkt, wie es auf dem abgebildete Bild der Fall ist.
Stefan Tiersch
1982 Würselen
Mit 24 Jahren kommt Stefan Tiersch in das
Atelier „Kunstwelle“ des Alexianer Krankenhauses in Aachen. Dort beginnt er, sich zu
öffnen und erlangt neues Selbstvertrauen. Die
Bilder und Objekte des Künstlers entstehen
meist sehr schnell, intuitiv und wie in einem
Rausch. Er fertigt keine Skizzen oder Vorlagen
an, stattdessen liebt Tiersch das Unperfekte
und vielleicht sogar Abstoßende. Misslungenes oder Fehler gibt es bei ihm nicht. Ist eine
Sache fertig, folgt sogleich die Nächste – der
Schaffensprozess ist das Wichtigste. Seine
vormals verschlossene Innenwelt kommt in
seinen Werken zum Vorschein. Seine Themen reichen von alltäglichen Dingen bis hin zu
Kritik an der Menschheit. In diesem Jahr stellt
Tiersch Arbeiten aus, die eine Welt zeigen, die
durch eingehende Betrachtung entdeckt werden will und sich durch Witz und Humor, aber
auch Ernsthaftigkeit auszeichnet. So wirken die
Werke wie ein Paralleluniversum, eine Welt mit
ganz eigenen Geschichten, die den Betrachter
zu immer neuen Interpretationen einladen.
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Jannemiek Tukker
1964 Roermond / Niederland
Jannemiek Tukker erlebte bereits viele unterschiedliche Lebensabschnitte, die sie bis
heute prägen. Nach ihrem Schulabschluss
reiste sie nach Israel und arbeitete in Kibbuz,
einem kommunenähnlichen Dorf. Als sie in
die Niederlande zurückkehrte, strebte sie
eine Laufbahn als Künstlerin an. Sie besuchte die Akademie in Breda und Enschede.
Nachdem sie die Outsider Art kennenlernte,
ändert sich ihre Denkweise und sie beginnt,
die künstlerische Tätigkeit mehr zu genießen.
Sie unterscheidet nicht mehr zwischen Kunst
und Nicht-Kunst und setzt ihre Priorität in
ihr Wohlbefinden. Sie beginnt, unter einem
meditativen Aspekt zu zeichnen. Heute arbeitet sie in einem Atelier, in dem sie unter
anderen große Gemälde auf Leinwand malt.
Ihr Bild „In Vrijheid“ ist ein Beispiel hierfür.
In diesem verbindet sie gekonnte alle Bildmotive miteinander, wobei die rote Schnur
ebenfalls diesem Effekt dient, aber auch die
Flugrichtung des Storches mit dem starken
Kontrast zum Grün betont.
Klaus Therling
1963 Freckenhorst
Seit 1991 lebt Klaus Therling im Haus St. Vitus in
Everswinkel. Im dortigen Kunstatelier ist er aktiv
und lebt sein künstlerisches Potenzial aus. Da
er sehr darauf bedacht ist, akkurat zu zeichnen,
nutzt er bevorzugt Blei- und Buntstifte. Aktuell
erweitert er jedoch sein Spektrum und wählt
Acrylfarbe, um Erlebnisse aus seiner Erinnerung
festzuhalten. Unter den Motiven sind heimische
Naturdarstellungen und zudem fremde exotische
Länder, die er sich mit ihren Charakteristika vorstellt. In der diesjährigen Jahres- und Verkaufsausstellung sind Tiergemälde zum Thema Afrika
zu sehen. Fasziniert von den unterschiedlichen
Arten malt er unter anderem Raubkatzen, Giraffen und Elefanten. Diese sind jedoch nicht völlig
naturalistisch wiedergegeben, sondern Therling
ordnet seine Motive einem Gliederungsmuster
unter, das er jeweils variiert. Bei seinem Leoparden-Bild nutzt er viele kleine Farbtupfer, die nicht
nur den Leoparden in seiner Körperlichkeit formulieren, sondern sich auch wiederholend bei
den Blättern und Felsen wiederfinden.
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Lisa Urban
1977 Hamburg
Lisa Urban ist Mitglied bei „die Maler“ in
Hamburg. Im dortigen Atelier arbeiten Künstler mit und ohne Psychiatrieerfahrung. Als
Künstlerin ist sie sehr vielfältig. Sie arbeitet
mit Bleistift, Tusche und Acrylfarben, sie fertigt Siebdrucke Scherenschnitte und feine
Zeichnungen an. Außerdem entstehen kleine Puppen oder Kissen, wenn sie näht und
stickt. In der aktuellen Ausstellung sind zwei
Techniken ihres vielfältigen Werks zu sehen.
Zum einen werden Scherenschnitte gezeigt,
die Portraits darstellen, eingegliedert in einen
abstrakten Hintergrund, der in die Gesichter
übergreift und so ein Teil von diesen wird.
Zum anderen sind zwei Gemälde aus Tusche und Acryl auf Leinwand zu sehen, die
ebenfalls Portraits zeigen. Die Bilder „Nach
innen“ und „Nach außen“ bilden das jeweilige Gegenstück des anderen. Auch hier sind
Motiv und Hintergrund nicht völlig voneinander abzugrenzen und bilden eine Einheit.
Suzy van Zehlendorf
1980 Berlin
In der Kunstwerkstatt Mosaik in Berlin ist
Suzy van Zehlendorf seit 2005 tätig. Sie malt,
zeichnet und fertigt Plastiken an. Wesentliches Thema ist das Huhn beziehungsweise
der Hahn. In den Bildern, wo der Betrachter
eigentlich menschliche Figuren erwartet, erscheinen Hühner und Hähne. So verändert
sie alt bekannte Szenerien und gibt zum Beispiel dem Engel der Verkündigung in einem
von Giotto geschaffenen Werk eine neue
Gestalt. Außerdem fertigt van Zehlendorf
Collagen an. In diesem Zusammenhang verändert sie Zeitungs- und Katalogbilder. Mit
Acrylfarbe verleiht sie den dort abgebildeten
Menschen einen Hühner-Oberkörper, indem
sie eine Übermalung vornimmt. Eine surrealistische und befremdliche Welt erscheint
dem Betrachter – eine Welt, in der Hühner
und Hähne die Menschen sind.
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Hildegard Verweyen
Walter Vieth
1972 Wesel
Nach einer kaufmännischen Laufbahn beginnt Hildegard Verweyen ein sozialwissenschaftliches Studium und arbeitet nach ihrem
Abschluss zehn Jahre als Sozialarbeiterin.
Seit 2006 ist sie in der Gruppe Nebelhorn in
Schermbeck künstlerisch aktiv. Dabei lässt
sie ihrer Kreativität freien Lauf. Aktuell werden
ihre Pastellzeichnungen ausgestellt, die Phantasiewesen zeigen. Diese haben teilweise eine
groteske und erschreckende Wirkung. Wie im
Katalog abgebildet erinnern die Gestalten unter anderem an Masken fremder Völker. Nicht
selten werden innere Ängste und Konflikte
malend zum Ausdruck gebracht, um besser
mit ihnen umgehen zu können.
1955 Beckum
Die Kreide-Zeichnungen Walter Vieths bestechen durch eine schiere Leuchtkraft mit
kräftigen Farben, die bis zum Bildrand das
Papier einnehmen. Eines seiner Hauptmotive
entspringt der Phantasie des Künstlers und
stellt seine Originalität heraus: Dabei handelt es sich um ein Gebilde zwischen Haus
und Auto, das die Vorstellungskraft des Betrachters in seiner Deutung und Bedeutung
anregt. Aus diesem Hauptmotiv heraus ent-
stehen interessante Mischwesen- und Gebilde, die es in Vieths Werken zu entdecken
gibt. So entspringen aus der Grundform des
Hauses oder des Autos Löwen, deren Köpfe
einzeln auch als Blumen oder Sonnen beschrieben werden können. Auf weiteren Bildern erhalten die Dächer der Häuser anstelle
von Schornsteinen ohrenähnliche Fortsätze,
so dass Sie plötzlich wie Bären erscheinen.
So erhalten die Architekturobjekte eine ganz
eigene Lebendigkeit. Der Reiz seiner Werke
besteht darüber hinaus darin, dass er der
Phantasie des Betrachters keine Grenze
setzt und diesen geradezu anregt, sich mit
seinen Arbeiten intensiv zu beschäftigen.
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Violetta Volk
1989 Berlin
Nach ihrem Abitur schlägt Violetta Volk einen
künstlerischen Werdegang ein. Sie absolviert
eine Berufsausbildung in den Bereichen Illustration und Freie Kunst. Seit 2012 arbeitet
sie im offenen Atelier einer Klinik in Berlin. Mit
Hilfe der dortigen Vermittlungsarbeit war sie
bereits in einigen Gruppenausstellungen vertreten. In der aktuellen Jahres- und Verkaufsausstellung sind Arbeiten zu sehen, die nach
einer speziellen Technik angefertigt werden.
Zunächst erstellt sie eine Druckgrafik, die
sie dann mit Acrylfarben nachbearbeitet. In
Ihrem Stil muten die Bilder sehr expressionistisch an, sie sind nicht naturalistisch detailgetreu gemalt, sondern strahlen in ihrem
klaren Aufbau eine intensive Farbigkeit aus.
Misce Wahlert
1957 Jakarta / Indonesien
In ihrem Geburtsland Indonesien hat Misce
Wahlert in der Oberschule Kunstunterricht.
Nach ihrer Beschäftigung im Familienbetrieb
findet sie jedoch keine Zeit mehr zur künstlerischen Arbeit. Seit 1982 lebt die Künstlerin in Deutschland, wobei sie im Jahr 2000
mit Bleistift, Buntstift und Kugelschreiber
Landschaften und Menschen auf Din A4
Format zu zeichnen begann. Seit 2008 ist
sie Mitglied der Mal- und Kunstgruppe des
Psychosozialen Trägerverbundes Dortmund.
Dort malt sie überwiegend in Acryl. Wahlerts
Farb- und Formensprache ist klar und kräftig und lässt eine Anlehnung an traditionelle
Muster ihres indonesischen Kulturkreises
vermuten. Sie sucht sich Vorlagen, die zu
ihrem gewünschten Thema passen. So erinnern ihre in der Ausstellung gezeigten Tänzerinnen an hinduistische Gottheiten.
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Gabriele Winkler
1958 Köln
Die ausgebildete Versicherungskauffrau Gabriele Winkler widmet sich bereits seit ihrem
18. Lebensjahr intensiv der Malerei. In ihren
Arbeiten verwendet sie vorwiegend Aquarell
und Tusche. Es entstehen Werke, die sich
durch ihr abstrakt fließendes Liniengefüge
und ihre angedeutete Gegenständlichkeit
auszeichnen. Die Formen schwingen dabei
scheinbar vor und zurück. Ebenso ist ein
Verbergen einzelner Elemente durch eine
Überlagerung der Motive charakteristisch.
Immer wieder meint der Betrachter Formen auszumachen, die ihn an Dinge aus
der Alltagswelt erinnern: hausähnliche Gebilde, Früchte, Pflanzenranken oder sogar
Figuren, die so gleich aber auch wieder
verschwinden können hinter einem dichten
Spiel aus zarten Linien und leuchtenden
Farben. Dieses Spiel kann am besten erfahren werden, wenn das Auge den Linien
nachfährt und dem Auf und Ab folgt.
Maik Zädler
1982 Herford
Einer zunächst handwerklich bestimmten
Laufbahn als Maurer strebt Maik Zädler seit
2003 auch eine künstlerische an. Er arbeitet
im offenen Atelier des LWL-Zentrums für Forensische Psychiatrie Lippstadt. Aktuell verwendet er unterschiedliche Techniken, die
er zusammen auf die Leinwand bringt. Dabei
nutzt er Acrylfarbe, Kreide, Seidenfarbe und
Kohle. Seine Bilder stellen schemenhafte
Figuren dar, teilweise transparent, so dass
die Hintergrundausmalung durchscheint.
Dadurch wirken sie geisterhaft und durch
eine dunkle Farbigkeit sehr düster. Passend
dazu sind die Titel gewählt: „Gebrochen“,
„Die Last der Schuld“ und „Sehnsucht, halt
mich!“ drücken bedrückende Gefühle aus,
die an tiefste Seelenqualen denken lassen.
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Eine Tour über das Alexianer-Gelände
und in die nähere Umgebung
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Durch die idyllische und dennoch gut angeschlossene Lage des Kunsthaus Kannen
bietet es sich an, den Besuch mit weiteren
Ausflugsmöglichkeiten zu kombinieren. Sowohl in unmittelbarer Umgebung wie auch
in wenigen Kilometern entfernt gibt es Vielfältiges zu entdecken.
Damm vorbei. Arbeiten, die im Kunsthaus
Kannen entstanden sind, wurden als Vorlagen
genommen, um ihn zu individuell zu gestalten.
Aus starkem und lackierten Blech gearbeitet, sind zum Beispiel Vogelmotive auf unterschiedlich hohen Metallstangen angebracht.
Spielerisch bewegen sie sich mit dem Wind.
Kunst am Kreisverkehr
Von Münster aus kommt der Besucher meist
an dem Kreisverkehr am Kappenberger
Sinnespark auf dem Gelände
der Alexianer
Der Geistes- und Naturwissenschaftler Hugo
Kükelhaus 1900–1984 stellte fest, dass das
bewusste Erleben und Zusammenspiel zwischen Mensch und Natur durch äußere Umwelteinflüsse heutzutage immer mehr verloren geht. Seine Philosophie war es, die die
Alexianer dazu bewegte, 1994 einen eigenen
Sinnespark auf dem Gelände zu gestalten
und so diesem Verlust entgegenzuwirken.
Auf einer rund 2.000 Quadratmeter großen
Grünfläche können die Besucher an 15 verschiedenen Erfahrungsstationen ihre Sinne
sensibilisieren. Es warten auf den Besucher
Spiegel-Skulpturen, Labyrinth-Brunnen, ein
Kräutergarten, Barfußpfade, ein Glockenspiel
und eine Partnerschaukel. Immer wieder erfahren die Sinne interessante Eindrücke. Alle
Stationen sind harmonisch in die Parklandschaft eingebettet und laden zum Verweilen
ein. Durch das Anlegen von Teichen, Wildwiesen und durch eine vielfältige Bepflanzung wurde das Gelände zudem ökologisch
angereichert.
Der Sinnespark ist mittlerweile bundesweit
bekannt und ein beliebtes Ausflugsziel. Er
ist ein Modell für zahlreiche Gartenprojekte, die im Sozial- und Gesundheitswesen
entwickelt wurden.
Öffnungszeiten:
Sinnespark: Mo – So 9.00 – 19.00 Uhr
Café: Mo – Fr 7.30 – 20 Uhr
Sa – So, Feiertage 10 – 20 Uhr
Klostergärtnerei „Sinnesgrün“
In der Klostergärtnerei kommen Blumen- und
Pflanzenfreunde auf ihre Kosten. Auf 650 Quadratmetern Fläche gibt es ein umfangreiches
Angebot von Duft-, Heil- und Kräuterpflanzen.
Das Team der Gärtnerei vermittelt umfangreiches Wissen über die Bedeutung, Herkunft
und Wirkung von Heil- und Kräuterpflanzen.
Öffnungszeiten: Di – Fr 10.30 – 18.00 Uhr
Sa 9.00 – 14 Uhr
Die Davert und das Venner Moor
Nur einen Kilometer vom Kunsthaus entfernt,
am Dortmund-Ems-Kanal gelegen, befindet
sich die Davert. Sie ist das größte zusammenhängende Waldgebiet des Münsterlandes.
Wegen der bedeutenden Eichenvorkommen
und zahlreicher bedrohter Tierarten, ist sie zu
weiten Teilen als Naturschutzgebiet ausgewiesen. Das Venner Moor ist ebenfalls Teil dieses
Gebietes. Es entwickelte sich einst zu einem
rund 160 Hektar großen Hochmoor mit bis zu
vier Meter mächtigen Torfablagerungen. Entwässerungen und Torfabbau führten zu einem
Verschwinden des wachsenden Moores. Mitte
der 1970er Jahre wurden die Torfstiche dann
aber entlang der Wanderwege im Westen
durch Schließung von Entwässerungsgräben
wieder vernässt. Seitdem beginnt das Venner
Moor erneut zu wachsen.
NABU-Naturschutzstation Münsterland, Haus
Heidhorn, www.NABU-Station.de
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Impressum
Herausgeber:
Kunsthaus Kannen,
Alexianer Münster GmbH
Kuratoren
Lisa Inckmann Leitung Kunsthaus Kannen
Eva-Maria Döker, Kunsthistorikerin
Texte:
Eva-Maria Döker
und Swenja Wirtz, Kunsthistorikerinnen
Fotos:
Ralf Emmerich, Eva-Maria Döker
und die Künstler selbst
Grafik und Layout:
Thomas Tegethoff
Druck:
Erdnuss Druck Gmbh, Sendenhorst
Auflage:
500
ISBN:
3 – 930330-24-5
Kunsthaus Kannen
Museum für Art Brut und Outsider Art
Alexianerweg 9 / Kappenberger Damm
48163 Münster, Tel: 025 01-96 620 560
kunsthaus-kannen@alexianer.de
www.kunsthaus-kannen.de
www.alexianer-muenster.de
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag und Feiertage
13 bis 17 Uhr,
Eintritt frei
Führungen nach Vereinbarung
von Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr
Bus: Linie 7/R41
Richtung: Ottmarsbocholt
Haltestelle: Alexianer Krankenhaus
Mo – Sa jede Stunde von Münster Hbf. 9.04,
10.04 Uhr…
Fahrzeit: 25 min.
Kunsthaus Kannen
Museum für Art Brut und Outsider Art
Alexianerweg 9 • 48163 Münster
Tel: 02501-966 20 560
kunsthaus-kannen@alexianer.de
www.kunsthaus-kannen.de
Mit freundlicher Unterstützung
des Kulturamtes der Stadt Münster
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Kunst und Fotos
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