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Von Waisenberg auf den Lamprechtskogel
Von Barbara Felsner
Ziel: Filialkirche hll. Lambertus und Markus am Lamprechtskogel (Stadtgemeinde Völkermarkt)
Ausgangspunkt: Waisenberg, unmittelbar beim Haus mit der Nummer 25
Sehenswürdigkeiten: Filialkirche hll. Lambertus und Markus, Burgruine Waisenberg, Wegkreuz
Anreise: A 2 Südautobahn, Abfahrt Völkermarkt West, über St. Margarethen ob Töllerberg nach
Waisenberg oder von der B 92 Görtschitztal Straße in St. Gregorn rechts auf die B 82 Seeberg Bundesstraße
in Richtung Völkermarkt, nach der Brücke über die Gurk, bei der zweiten Abzweigung rechts in Richtung
Waisenberg. Den Kirchenschlüssel für die Besichtigung der Kirche bewahrt die Familie Dulc, Waisenberg
Hausnummer 25, direkt vor dem mit einem Hinweisschild versehenen Anstieg zum Lamprechtskogel auf.
Dauer: ca. 20 Minuten
Schwierigkeitsgrad: Der Weg geht immer bergauf.
Erfordernisse: Für die Wanderung wird festes Schuhwerk und eine dem Wetter angepasste Kleidung
empfohlen.
Hinweise und Empfehlungen: Zwei Mal im Jahr finden Gottesdienste (Prozession von der Straße hinauf
zur Kirche) in der Kirche am Lamprechtskogel statt; zu Ehren des Evangelisten Markus um den 25. April
und zu Ehren der heiligen Ursula um den 21. Oktober.
Am Fuße des Lamprechtskogels liegt das Anwesen der Familie Nuart vlg. Hafner in Waisenberg
Hausnummer 6. Auf diesem Biobauernhof werden hochwertige Spezialitäten aus Schafmilch hergestellt und
ab Hof verkauft.
Waisenberg liegt im Bezirk Völkermarkt, in der Stadtgemeinde Völkermarkt und in der KG
Waisenberg. Im Zuge der Änderung der Gemeindestruktur 1972/73 kam die einstmalige
Ortsgemeinde Waisenberg zur Stadtgemeinde Völkermarkt. Dieses Gebiet wird vor allem land- und
forstwirtschaftlich genutzt. Es gibt nur wenige kleine gewerbliche Betriebe. Im Kärntner
Abwehrkampf war die Gemeinde Waisenberg, weil sie sich unmittelbar an der Demarkationslinie
befand, Schauplatz heftiger militärischer Auseinandersetzungen zwischen der am 12. November
ausgerufenen demokratischen Republik Deutsch-Österreich und dem seit 1. Dezember 1918
bestehenden Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS). Ab 31. Juli 1919 gehörte sie zur
von den Südslawen kontrollierten Abstimmungszone I und war somit von der österreichischen
Verwaltung abgeschnitten.
Darunter hatte neben der Bevölkerung auch
die Chlorfabrik in der Gemeinde Brückl,
die 1908 von der Bosnischen Elektrizitätsaktiengesellschaft dort errichtet worden
war, zu leiden. Der Grund war ihr Torfabbaugebiet, das die Firma im September
1918 gekauft hatte. Es lag in Kremschitz in
der Gemeinde Waisenberg. Der latente
Mangel an Brennstoffen hatte aufgrund der
unmittelbaren Nähe des Torflagers zur
Fabrik zu diesem Ankauf geführt. Das
Torffeld erstreckte sich auf einer Fläche
Das Torflager (Bildmitte), heute bewaldet
von 500.000 m2 und war in 14 Felder mit
(Foto: KAGIS Kärnten)
einer Breite von 55 m eingeteilt.
Newsletter Nr. 8/2013
© Geschichtsverein für Kärnten
Es liegt, vom Lamprechtskogel aus gut sichtbar, zwischen dem Anwesen vlg. Rablhof und
Kremschitz und ist heute nach seiner Stilllegung um 1956 zum großen Teil wieder bewaldet. Im
Jahre 1956 scheint Torf als Energielieferant zum letzten Mal in der Firmenbilanz des seit 1. Juli
1941 zur Donau Chemie AG gehörigen Werkes auf.
Der Lamprechtskogel, ein markanter felsiger Kalksteinkogel, liegt in der Nähe der
vier Burgen (Ober-, Nieder-, Mittertrixen
und Waisenberg) im Trixnertal. Seine Bedeutung reicht bis in die jüngere Hallstattzeit
(ca. 500–300 v. Chr.), wo er Sitz eines
bedeutenden Herrschaftszentrums gewesen
sein dürfte. Dieses Zentrum wird mit dem
Eisenabbau um Hüttenberg in Verbindung
gebracht. Seine Bedeutung spiegelt sich im
Gräberfeld von Führholz auf der Ostseite des
Lamprechtskogels sowie in zwei Riesengrabhügeln der Hallstattkultur nord-westlich
Der markante felsige Lamprechtskogel
Foto: Barbara Felsner von Waisenberg wieder.
Das Hügelgräberfeld erstreckt sich auf einer Fläche von rund einem Hektar. Es handelt sich dabei
um 400 bis 500 Bestattungen im Zeitraum von 800 bis 300 v. Chr. Aufgrund der meist
unvollständig überlieferten Grabausstattungen geht man von einer hierarchisch gegliederten
Gesellschaft aus, in der Krieger eine bedeutende Rolle gespielt haben. Räumlich getrennt vom
gemeinschaftlichen Friedhof befanden sich die zwei Prunkgräber der vermutlichen Anführer dieser
Gemeinschaft. Eines dieser Gräber wurde archäologisch untersucht. Durch seine Dimensionen,
40 m Durchmesser und 10 m Höhe, und die Grabbeigaben wird die rituelle Erhöhung der
beigesetzen Personen offenbar. Allem Anschein nach endeten die Siedlungstätigkeit am
Lamprechtskogel und die Bestattungen in Führholz nach 300 v. Chr., als die keltische Landnahme
im Kärntner Raum einsetzte.
Die noch erkennbaren zahlreichen gemörtelten Mauerstrukturen am Gipfelplateau entstammen der
Spätantike, als dieser Ort neben einer frühchristlichen Kirche vermutlich Platz für eine befestigte
Höhensiedlung geboten hat. Zwei Funde (ein Teil eines Steigbügels und eine arabische Münze mit
einem Prägedatum zwischen 775 und 785) aus den Jahrzehnten um 800 bezeugen eine Nutzung des
Geländes am Übergang von einem Stammesherzogtum zu einer karolingischen Grafschaft. Befunde
aus dieser Zeit gibt es keine. Aufgrund dieser Nachweise wird von einer Siedlung ausgegangen, die
zu einer Gruppe von Höhensiedlungen zählt, von denen vorwiegend Militaria als Streufunde
vorgefunden worden sind und die zwischen 750 und 830 vermutlich zu einem militärischen System
gehört haben. Die Umgebung, genauer gesagt das Gebiet zwischen Trixen und Griffen, wird schon
822 (MC III/10) urkundlich als Eigentum bzw. Lehen des bayrischen Grundherrn Matheri genannt.
Im Jahre 895 (MC I/3) schenkt König Arnulf seinem Getreuen Waltuni u. a. zwei castra im Trixner
Tal. Daraus lässt sich für das Trixner Tal eine frühe herrschaftliche Struktur ablesen, die auch eine
Eigenkirche in St. Martin bei Mittertrixen in die Überlegungen mit einschließt. Eine der beiden
Burgen bzw. Befestigungsanlagen könnte sich möglicherweise auf dem Lamprechtskogel befunden
haben. Für einen Beweis dieser Vermutung sind aber umfangreiche archäologische Untersuchungen
Newsletter Nr. 8/2013
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notwendig. Von diesem von Natur aus wehrhaften Felsen übersieht man ein Gebiet im Umkreis von
ca. 10 km.
Die kleine Kirche ist den Heiligen Lambertus und
Markus geweiht. Sie wird erstmals 1043 urkundlich
genannt und ist ein im Kern romanischer mit einem
rundbogigen Portal versehener Bau, der in der Gotik
und im Barock verändert worden ist. Der Dachreiter
wird mit 1695 datiert. Die römische Vergangenheit hat
auch an der Kirche ihre Spuren hinterlassen. In der
hölzernen Vorhalle findet eine Grabinschrift für
Octavius Cantabrus, gestiftet von seinen Brüdern, als
Deckplatte des sogenannten Opfertisches Verwendung.
An der südlichen Außenmauer sind ein Grabrelief mit
Trauergenius, ein Grabbaupilaster mit Akanthusrankenmotiv und ein Fragment einer Grabinschrift für das
Ehepaar Maxumus und Secunda in die Wand eingemauert. Das flachgedeckte Langhaus hat eine
hölzerne Westempore. Nach dem Brand im Jahre 1695
mussten der bereits genannte Dachreiter, die SängerDie Kirche am Lamprechtskogel
empore, die Flachdecke und die gesamte InnenFoto: Barbara Felsner
einrichtung erneuert werden.
An der Wand über dem rundbogigen Triumphbogen mit Kämpfern findet man die Jahreszahl 1695,
an der Chorseite die Jahreszahl 1664. Der etwas erhöhte Chor mit gotischem 5/8-Schluss wurde im
Barock mit Stuckgraten versehen. Aus der gotischen Bauphase stammen die Spitzbogenfenster. An
der Südwand wurden Teile einer vermutlich gotischen Wandmalerei aufgedeckt, die eine
christologische Szene zeigen. Am barocken Hochaltar, der um 1700 entstanden ist, sind auf dem
Altarblatt die Kirchenheiligen Lambertus und Markus dargestellt. Der linke Seitenaltar aus dem
zweiten Viertel des 18. Jahrhunderts zeigt die heilige Ursula. Sie befand sich ursprünglich zwischen
dem heiligen Jakobus dem Älteren und dem heiligen Sebastian. Heute fehlt die Statue von Jakobus
dem Älteren. An ihrer Stelle steht eine geschnitzte Holzfigur des heiligen Florian.
Die Burgruine Waisenberg Foto: Barbara Felsner
Newsletter Nr. 8/2013
Die Burgruine Waisenberg steht auf einem isolierten,
felsigen Waldkogel unmittelbar beim Lamprechtskogel.
Sie gehört zur Trixner Burgengruppe, Ober-, Nieder- und
Mittertrixen, und ist deren westlichste, größte und
repräsentativste Burg. Diese Burgengruppe, die schon
sehr früh entstanden ist, kontrollierte den wichtigen
Zugang zum Görtschitztal und damit auch in das
Bergbaugebiet von Hüttenberg.
Die Burg Waisenberg wurde erstmals 1167 genannt und
war ein Gurker Lehen. Sie ist ein ursprünglich
romanischer bzw. gotischer Bau, der im 16. Jahrhundert
im Stile der Renaissance baulich und befestigungsmäßig
erneuert wurde. Nach einem Brand im Jahre 1790 setzte
der Verfall ein.
© Geschichtsverein für Kärnten
Bauliche Maßnahmen der letzten Jahre unterstützen den
Erhalt der Bausubstanz. Der Name Waisenberg ist eher auf
den hellen Kalksteinfelsen zurückzuführen, auf dem die
Burg steht, obwohl aufgrund einer an Ort und Stelle nicht
mehr vorhandenen Inschrift der Name vom Wort „Waisen“
abgeleitet wird. Auch eine Sage behandelt die Entstehungsgeschichte dieser Burg (Matthias Maierbrugger, Kärntner
Sagen). Im Kärntner Abwehrkampf lag sie im stark
umkämpften Gebiet.
Nordwestlich von Waisenberg, an der Wegkreuzung der
Straße nach St. Georgen bzw. St. Margarethen und dem
Weg, der auf die Bundesstraße 82 Seeberg Straße führt, steht
ein gusseisernes Kreuz, das mit 1862 bezeichnet wird.
Abb. rechts: Wegkreuz und Sockel mit der Jahreszahl 1862
(Foto: Barbara Felsner)
Literatur/Weiterführende Information:
Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs. Kärnten, dritte, von Gabriele Russwurm-Biró erweiterte und
verbesserte Auflage, Wien 2001, S. 1046ff.
Stefan Eichert, Frühmittelalterliche Strukturen im Ostalpenraum. Studien zu Geschichte und Archäologie Karantaniens,
Klagenfurt am Wörthersee 2012, S. 106ff.
Barbara Felsner, Die Chlorfabrik Brückl und ihre Torflagerstätte in der Zone I des Kärntner Volksabstimmungsgebietes, in: Carinthia I 2010, S. 531ff.
Paul Gleirscher/Reinhold Wedenig, Archäologische Spurensuche in und um Völkermarkt, in: Günther Körner (Hrsg.),
750 Jahre Stadt Völkermarkt. Beiträge zu Geschichte und Gegenwart Völkermarkts, Völkermarkt 2001, S. 61–68.
Anton Kreuzer, Waisenberg. Eine Gemeinde stellt sich vor, Klagenfurt 1967.
Alle Angaben zu den Ausflugtipps erfolgen ohne Gewähr. Jede Form der Haftung seitens des Geschichtsvereines für Kärnten und der
Verfasser der Ausflugstipps ist ausgeschlossen.
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