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Jurybericht - Katholische Kirche Horgen

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Römisch-katholische Kirchgemeinde Horgen
NEUGESTALTUNG KIRCHENRAUM KATH. KIRCHE ST. JOSEF, HORGEN
Studienauftrag anonym, mit vorausgehender Präqualifikation
JURYBERICHT
19.02.2015
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INHALTSVERZEICHNIS
ALLGEMEINE ANGABEN / SEITE 4
Ausgangslage
Zielsetzung
Geschichtliches der Pfarrei
ORGANISATION WETTBEWERB / SEITE 6
Veranstalterin / Organisation
Wettbewerbsart / Verfahren
Beurteilungsgremium
JURIERUNG 29.10.14 / SEITE 7
Bericht der Vorprüfung
Ablauf der Beurteilung
JURIERUNG ÜBERARBEITUNG 19.02.15 / SEITE 10
Projektvorstellung
Bericht der Vorprüfung
Ablauf der Beurteilung
Empfehlung der Jury
Schlusswürdigung
PROJEKTE / SEITE 12
Verfasser
Unterschriften
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ALLGEMEINE ANGABEN
Ausgangslage
Mit dem Ziel, einen Kirchenneubau zu errichten, erfolgte 1933 der Abbruch des alten
Kirchleins. Die neue St. Josefs-Kirche von Horgen wurde 1933/34 vom Zürcher
Architekten Anton Higi erbaut, welche - als sein Hauptwerk - der Sprache des „Neuen
Bauens“ verpflichtet ist. Der schmucklose Rechteckkörper ist mit seiner Chorpartie nach
Südwesten gerichtet. Auf die liturgisch gewünschte Ostung des Chores musste aus
Platzgründen verzichtet werden, hingegen ergab sich mit der dem See zugewandten
Hauptfassade mit dem Turm ein natürliches Hinausblicken in die Landschaft.
Im Zuge der Renovation im Jahre 1978 sollte der Liturgiebezirk nach den neuen
Richtlinien des letzten Konzils gestaltet werden. Bei der Neugestaltung der Kirche galt es
vor allem, die einfache Raumstruktur beizubehalten und den schlichten Charakter des
Gotteshauses zu erhalten. Der neugestaltete Chorraum entfaltet sich in weichen,
abgerundeten Abtreppungen in die verschiedenen liturgischen Bereiche. Die vom Künstler
Peter Travaglini, Büren an der Aare geschaffenen Formen lassen den ganzen Chorbezirk
als schlichte Plastik erscheinen.
(Verwendung verschiedener Zitate aus den erwähnten Schriften)
Heute ist erneut dringender Bedarf nach einer umfassenden Sanierung von Teilen der
Bausubstanz und den technischen Anlagen, sowie für energetische Verbesserungen
vorhanden. Im liturgischen Bereich wird die zu grosse Distanz zwischen den
Gottesdienstteilnehmern und dem Altarbereich bemängelt und es drängt sich eine
räumliche Neusituierung der Handlungsorte für den zeitgemässen Gottesdienst auf. Es
fehlt an Nebenräumen und Einrichtungen im Eingangsbereich. Zugunsten einer besseren
Raumordnung im Kirchenraum soll die Platzzahl reduziert und die Kirchenbänke neu
erstellt und besser angeordnet werden. Die Raumstimmung wird heute bezüglich der
Farbgebung, der Tages- und der Kunstlichtwirkung als düster und unbefriedigend
wahrgenommen.
Zur Erlangung von Projektvorschlägen wird ein anonymer Studienauftrag auf Einladung –
mit vorausgehender offener Präqualifikation – mit max. 5 Teilnehmern ausgeschrieben.
Zielsetzung
Die Ausschreibung betrifft die Gebäudesanierung der Kirche und die Neugestaltung des
Innenraums, unter der weitgehenden Berücksichtigung der Originalsubstanz des
Kirchenbaus von Anton Higi.
Die Federführung liegt bei den Architekten / Architektinnen, für den künstlerischen Beitrag
zur Gestaltung im Kirchenraum wird der Beizug eines Künstlers / einer Künstlerin
empfohlen.
Kirchenraum
Der Kirchenraum wird gesamthaft restauriert und in Bezug auf die Beleuchtung und die
Farbgebung erneuert, verbunden mit energetischen Verbesserungen. Die Möglichkeit
einer Neugestaltung des Altarraumes und der Chorrückwand, sowie die Anpassung an die
liturgischen Anforderungen sollen geprüft und aussagekräftig dargestellt werden. Es stellt
sich die Frage der Verwendung oder Neuschaffung der Skulpturen mit
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kirchengeschichtlicher und liturgischer Bedeutung. Die bestehenden Kirchenbänke
werden ersetzt. Der Eingangsbereich und generell der Raum unter der Empore wird
entsprechend den heutigen Anforderungen räumlich neu definiert. Dies gilt auch für die
Empore selbst, welche einen behindertengerechten Zugang benötigt.
Technisches Konzept
In energetischer Hinsicht müssen Verbesserungen in der Gebäudehülle geprüft und das
Kirchendach erneuert werden. Die damit verbundenen Auswirkungen auf das Tragwerk
der Kirchendecke sind einzubeziehen. Zudem besteht unter der Kirche ein unbeheizter
Hohlraum. Den Teilnehmern steht ein Expertenbericht zum Tragwerk zur Verfügung. Die
bestehende Bodenheizung muss saniert werden und es sind Alternativen für die
zusätzliche bedarfsorientierte Erwärmung des Kirchenraums zu prüfen. Die künstliche
Beleuchtung ist neu zu konzipieren und die Akustik erfordert Anpassungen.
Mit dem Studienauftrag hat die Bauherrschaft das Ziel, eine vortreffliche und wertvolle
Lösung für den Altar- und den Kirchenraum als Ganzes zu finden. Der Beitrag soll der
anspruchsvollen Aufgabe in liturgischer, künstlerischer und architektonischer Hinsicht
gerecht werden.
Das Beurteilungsgremium wird ein Projekt zur Weiterarbeit empfehlen. Für die Umsetzung
des Bauvorhabens ist ein Kostenrahmen von rund CHF 3.7 Mio. vorgesehen.
(Darin enthalten sind ca. Fr. 200'000.- für die Orgelsanierung, welche nicht Gegenstand
des Verfahrens ist)
Geschichtliches der Pfarrei
Zum geschichtlichen Hintergrund der Pfarrei und zur Baugeschichte verweisen wir auf
folgende Schriften (werden den Teilnehmern abgegeben):
„Die katholische Pfarrei Horgen und ihre neue St.Josefs-Kirche 1934“
„Kirche St. Josef Horgen, Renovation 1978“
„Unser Pfarreizentrum, Festschrift zur Eröffnung 2008“
Zum Kirchenbau von Anton Higi im schweizerischen Kontext (siehe Anhang):
„BAUEN FÜR DIE KIRCHE“
Katholischer Kirchenbau des 20. Jahrhunderts in der Schweiz
von Fabrizio Brentini, Edition SSL 1994, S. 39-43 und 288
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ORGANISATION WETTBEWERB
Veranstalterin / Organisation
Veranstalterin ist die
Römisch-katholische Kirchgemeinde Horgen,
vertreten durch die Kirchenpflege
Burghaldenstrasse 5
8810 Horgen
Die Beratung der Veranstalterin/ Bauherrschaft, die Organisation und Administration des
Wettbewerbverfahrens obliegt der
Ferrier Architekten GmbH
Hardstrasse 219
8005 Zürich
vertreten durch Marcel Ferrier Architekt BSA SIA
Wettbewerbsart, Verfahren
Anonymer Studienauftrag mit vorangegangener Präqualifikation. Aus dem
Präqualifikationsverfahren werden max. 5 Planungsbüros zur Teilnahme am
Studienauftrag zugelassen. Den Architekten / Architektinnen wird empfohlen, einen
Künstler / eine Künstlerin beizuziehen. Es ist ihnen zudem freigestellt, das Team mit
Fachplanern (Statik, Energie, Bauphysik, etc.) zu ergänzen. Fachplaner dürfen nur in
einem Planungsteam mitwirken. Die Federführung liegt beim Architekten.
Sprache
Das Verfahren wird in deutscher Sprache durchgeführt. Die Projektunterlagen sind in
Deutsch zu verfassen und abzugeben.
Verbindlichkeit
Mit der Zusage zur Wettbewerbsteilnahme anerkennen die Planungsteams die
Wettbewerbsbestimmungen, die Fragebeantwortung und die Entscheide des
Preisgerichtes in Ermessensfragen.
Beurteilungsgremium
Sachpreisrichter:
Dr. Adrian Lüchinger, Pfarradministrator, Präsident der „Stiftung St. Josef, Horgen“ und
Mitglied der Sanierungskommission
Franz Unternährer, Architekt HTL, Mitglied der Sanierungskommission
Tony Imlig, Mitglied der Kirchenpflege, Leiter der Sanierungskommission
Fachpreisrichter:
Marcel Ferrier Architekt BSA SIA, Zürich (Vorsitz)
Elisabeth Boesch, Architektin SIA BSA, Zürich
Pascale Guignard, Architektin SIA BSA, Zürich
Ersatzpreisrichter:
Walter Hobi, Stiftungsrat der „Stiftung St. Josef“, Mitglied der Sanierungskommission
Experten mit beratender Stimme werden bei Bedarf beigezogen.
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JURIERUNG 29.10.14
Bericht der Vorprüfung
Die Vorprüfung hat ergeben, dass alle Abgaben anonym, termingerecht und vollständig
eingetroffen sind. Die Informationen auf den Plänen und im Modell entsprechen
durchwegs den Vorgaben. Der Vorprüfungsbericht hält besondere Merkmale oder
wichtige Einzelheiten der Projekte fest, welche im Einzelnen erläutert werden. Zudem
stehen jedem Juror die Erläuterungstexte in A4-Form vor, um die Arbeit der Beurteilung
zu erleichtern.
Die Projekte wurden in zufälliger Reihenfolge gem. Öffnung der Vorprüfung präsentiert .
Ablauf der Beurteilung
Freier Rundgang, Besichtigung der Wettbewerbsarbeiten
Im freien Rundgang wird allen Anwesenden die Gelegenheit geboten, sich einen
Überblick zu verschaffen und erste Fragestellungen zu erörtern. Diese gelten dem
Gesamteindruck, dem Erkennen einer Gesamtidee und besonderen Merkmalen oder
Einzelheiten. Die Fachjuroren und die Sachpreisrichter, insbesondere der
Pfarradministrator lesen sich in zugeteilte Projekte spezifisch ein, um diese in der Folge
vorzustellen.
1. Rundgang, eingehende Vorstellung und Besprechung
Alle Projekte werden auf Plänen und im Modell umfassend vorgestellt und erläutert. Die
Erfüllung der Anforderungen des Programms, die Setzung und Ausstrahlung der
liturgischen Orte, Raumkonzept, Architektur und Materialisierung, sowie die Besprechung
der Texte stehen im Fokus. Weiter stellt sich die Frage, wie sich das Ganze mit der HigiKirche verträglich zeigt bzw. dieser einen neuen räumlich-stimmungsmässigen Impuls
verleiht. Schliesslich ist das Thema des Umgangs mit technischen Erneuerungen, seine
Selbständigkeit bzw. Integration in architektonisch motivierte Elemente zu bewerten. Auch
die Haltung bezüglich den vorhandenen Skulpturen und Objekte ist zu hinterfragen. An
den wichtigsten Vorgaben der Deutschen Bischofskonferenz, Leitlinien für den Bau und
die Ausgestaltung von gottesdienstlichen Räumen, DBK 2002, sind die Entwürfe ebenfalls
zu messen.
2. Rundgang, Ausscheidungsrundgang
Nochmaliger Durchgang mit Diskussion und in der Folge das Ausscheiden der Projekte
mit guten Ansätzen aber grundsätzlichen Mängeln. Die Projekte ORBIS und AGORA
werden ausgeschieden.
ORBIS
Der Entwurf weist im liturgisch- / künstlerichen Bereich durchaus Qualitäten auf.
Insgesamt gelingt es aber nicht, ein tragfähiges Gesamtkonzept für den Kirchenraum von
Anton Higi zu formulieren. Die Massnahmen wirken in der vorgetragenen Form zu
fragmentarisch. Nicht verstanden wird das Vorziehen des 5-stufigen Altarpodestes.
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AGORA
Der Versuch, dem Kirchenraum mit neuen Elementen gesamthaft zu prägen, wird
anerkannt. Die liturgischen Bereiche sind gut formuliert. Jedoch bleibt die gewählte
Sprache dem Kirchenraum von Anton Higi insgesamt fremd, in der Raumstimmung
unterkühlt. Die kulissenartige Altarmembran verunklärt den bestehenden Chorabschluss,
die Konstruktion und deren Handhabung wird nicht plausibel aufgezeigt.
In der engeren Wahl verbleiben die folgenden Projekte:
Maria und Josef
rorate
BENVENUTO
3.Rundgang, Entscheidungsfindung für EIN Projekt
Die vertiefte Diskussion zeigt, dass keines der Projekte in allen Belangen eine schlüssige
Antwort findet. Trotz überzeugenden Ansätzen findet kein Projekt Zustimmung, welches
als Antwort auf den Raum und in liturgischer Hinsicht die Reife und Substanz hätte um es
- mit entsprechenden Empfehlungen - in die Weiterbearbeitung und Ausführung zu
entlassen. Die Überzeugung, es vertreten zu können, fehlt im jetzigen Stand.
Grundsatzdiskussion über das weitere Vorgehen
Keiner der Anwesenden möchte den Studienauftrag ergebnislos beenden. Dazu sind die
Beiträge zu wertvoll, sie lassen verschiedene gute Resultate erwarten. Hingegen muss
Gelegenheit geboten werden, die Vorgaben der Liturgie gem. DBK und räumliche Aspekte
nochmals zu überprüfen und besser zu berücksichtigen. Zudem steht der Wunsch im
Raum, diese Themen bei einer Schlussabgabe mit den Verfassern zu erörtern.
Die alleinige Absicht in diesem Vorgehen ist das Erreichen der Zielsetzungen der
gestellten Aufgabe.
Die definitive Wahl ist in diesem Stadium nicht möglich, da ist man sich einig. Es stellen
sich Verfahrensfragen, welche diskutiert werden. Das jetzige Beenden des
Studienauftrages ohne Ergebnis wird einstimmig verworfen.
Entscheid für Überarbeitung
Man stellt einhellig fest, dass der Kirchenraum offenbar eine weitere Annäherung an die
Entscheidungsfindung benötigt. Die Jury beschliesst einstimmig und im Bewusstsein von
Verfahrensfragen folgendes Vorgehen:
Den Verfassern bzw. den Projekten der engeren Wahl soll die Möglichkeit gegeben
werden, die Entwürfe auf Grund von projektbezogenen Empfehlungen zu überarbeiten.
Die Anonymität wird ausschliesslich zwischen der Jury und den Teilnehmern aufgehoben.
Es wird keine Liste erstellt und nur mit den Kennwörtern kommuniziert. Auf diese Weise
kann die Empfehlung für die Überarbeitung übermittelt werden. Nach der Schlussabgabe
werden die Projekte von den Verfassern vorgestellt und die Jury hat Gelegenheit, Fragen
zu stellen.
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Der Vorsitzende wird beauftragt bzw. ermächtigt, alle Teilnehmer individuell und mit den
Kennwörtern per Mail zu informieren:
Ausgeschiedene Projekte und engere Wahl.
Aufhebung der Anonymität, soweit diese für die Überarbeitung nötig ist.
Ankündigung der individuellen Empfehlung.
Anforderungen, Termine und Entschädigung für die Überarbeitung.
Es werden pro Projekt die Punkte für die Überarbeitung festgelegt.
Das Verfahren soll weitergeführt und Ende Februar mit der Auswahl des bestgeeigneten
Projektes abgeschlossen werden.
Das Verfahren untersteht weiterhin der Schweigepflicht, der Jurybericht wird zum
Abschluss der Weiterbearbeitung erstellt.
Die Verfassercouverts werden geöffnet, zur Entschädigung des Studienauftrages und zur
Übermittlung der Vorgaben.
Abschluss der Jurysitzung 29.10.14
Die Sitzung wird um 22:00 h beendet. Der Vorsitzende bedankt sich für die geduldige,
intensive und für das Gelingen des Vorhabens nötige, beharrliche und konstruktive
Zusammenarbeit.
Dieses Protokoll wird auf dem elektronischen Weg korrigiert und genehmigt.
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JURIERUNG ÜBERARBEITUNG 19.02.15
Projektvorstellung
Ablauf: Vorstellung 20’ / Fragestellung 20’ / Teamwechsel 20’
09:10h Projektvorstellung „Maria und Josef“ 20’
10:10h Projektvorstellung „rorate“ 20’
11:10h Projektvorstellung „BENVENUTO“ 20’
Bericht der Vorprüfung
Die Vorprüfung hat ergeben, dass alle Abgaben termingerecht und vollständig
eingetroffen sind. Die Informationen auf den Plänen und im Modell entsprechen
durchwegs den Vorgaben.
Ablauf der Beurteilung
Besprechung und Zusammenfassung der Vorstellungen
Es hat sich gezeigt, dass die Vorstellung der Wettbewerbsentwürfe inhaltlich sehr wertvoll
und für das Verständnis, insbesondere im Feinbereich liturgischer Fragestellungen,
notwendig war.
Bewertungsrundgang Überarbeitung
Die drei Entwürfe werden auf den Plänen und im Modell nochmals umfassend erläutert,
eingehend besprochen und dabei bezüglich den projektspezifisch übermittelten Punkten
überprüft.
Anschliessend wurden die Beurteilungsberichte erstellt, von der Jury bereinigt und
genehmigt.
Empfehlung der Jury
Die Jury empfiehlt nach eingehender Diskussion einstimmig, das Projekt „BENVENUTO“
zur Weiterbearbeitung.
Bis zur vorgesehenen Presseorientierung vom 12.03.15 wird Stillschweigen beschlossen.
Schlusswürdigung
Die Neugestaltung des Kirchenraums St. Josef in Horgen stellte an die Projektierenden
hohe Anforderungen. Die vielfältigen Lösungsansätze und die differenzierten Vorschläge
haben das gewählte Verfahren bestätigt.
Die Vertreter der Auftraggeberin/Bauherrschaft und die FachjurorInnen danken den
Teilnehmern für ihren grossen Einsatz und ihren wertvollen Beitrag zu diesem
Bauvorhaben.
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PROJEKTE
Maria und Josef
Das Konzept des Projekts Maria und Josef ist eine Neuinterpretation der Higi Kirche.
Durch das Einführen eines Horizonts auf Höhe der bestehenden Seiteneingänge wird das
Kirchenschiff in einen unteren und oberen Bereich gegliedert. Das umlaufende hölzerne
Futteral, die Kirchenbänke und der neue homogene geschliffene dunkle Bodenbelag
bilden zusammen eine Einheit. Die heute bis zum Boden führenden Fensternischen
rhythmisieren den Raum und verleihen dem Kirchenschiff eine charakterstiftende
Vertikalität. Das Futteral löst diese Vertikalität auf – ja die Fenster sitzen nun direkt auf der
Wandverkleidung, wodurch auch ihre zartbunte Strahlkraft bis zur Bodenebene
geschwächt wird.
Das Versprechen der Projektverfasser, das Kirchenschiff und den Chor stärker zu
verbinden, was tatsächlich mit der nicht üblichen durchgehenden Deckenkonstruktion
auch Higis Bestreben war, wird durch das eher abrupte Ende des Futterals an der Kante
zum Chor nicht eingelöst. Der Eingriff wird eher als wärmeausstrahlendes und
Geborgenheit gebendes Element verstanden, das sich vor der lichtdurchflutenden Apsis
unterwirft. Rückwärtig entwickelt sich die Verkleidung zur Eingangsfront und Abschluss
der Empore. Der Entscheid die Front in einer Ebene auszubilden, lässt die ursprüngliche
Leichtigkeit der Brüstung als raumüberspannendes Element etwas vermissen. Die
grosszügige Ausgestaltung des Eingangsbereichs wirkt sich leider negativ auf die Nähe
zwischen Eingangsfront und den ersten Kirchenfenstern aus.
Die besondere Ausgestaltung des Altars und des darunterliegenden Bodenbelags wird
begrüsst. Hingegen wird die Unterscheidung der liturgischen Elemente nicht verstanden,
insbesondere die Nähe zu den an sich schönen filigran gestalteten Kirchenbänken. Die
Gestaltung des Werktaggottesdienstes im Bereich des Chors ist ambivalent, da die
Bedeutung als liturgischer Ort mehrdeutig wird. Auch in praktischer Hinsicht ist der
Chorbereich ungeeignet, da er für Gehbehinderte schwer zugänglich ist. Die Platzierung
des Taufsteins im Wegkreuz ist aus liturgischer Sicht nicht praktikabel.
Das Projekt ist in sich schlüssig und sorgfältig durchgearbeitet. Das vorgeschlagene
Konzept des Futterals vermag die Qualitäten des Higibaus aber letztlich nicht zu
unterstützen.
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Maria und Josef
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rorate
Der Entwurf reagiert mit hoher Sensibilität auf den Kirchenraum von Anton Higi. Die
ergänzenden Elemente wie die schwebend scheinende Bankmöblierung, das zart
wirkende, umlaufende Fries und die filigrane Orgelempore versprechen dem Raum die
heute fehlende Heiterkeit. Dem tiefliegend eingeführten Horizont im Kirchenschiff und im
Chor entspricht auch der flach ins Kirchenschiff vorgezogene Altarraum, welcher auch für
den Werktagsgottesdienst gute Voraussetzungen bietet. Generell ist der Chorbereich
liturgisch gut durchdacht und räumlich stimmig. Demgegenüber ist der vorkonziliär
platzierte Taufort beim Eingang ungeeignet, die Anordnung entspricht auch nicht den
heutigen liturgischen Gepflogenheiten.
Beim Verlassen des Raumes rückt die auffälligste Korrektur am Bestand ins Blickfeld,
welche sich im Grundriss und generell in der Raumfigur manifestiert. Grundsätzlich ist das
Vorziehen der Raumecken, verbunden mit einer gewollt stärkeren Abwendung vom
gerichteten, hin zu einem stärker zentralisierten Raum denkbar. Die im Preisgericht
intensiv diskutierte Frage offenbart aber auch einige Schwächen dieser Massnahme. So
wirkt der Eingangsbereich zu sehr eingeschnürt und die Empore etwas beklemmend.
Auch wird der Lichtraum des nun freigelegten Rundfensters unwillkommen eingeschränkt.
Dem Raumgewinn im Grundriss steht ein hohes, nur beschränkt nutzbares Raumvolumen
entgegen, welche die einschneidende Massnahme fraglich erscheinen lässt. Der ebenso
attraktive wie auch einschränkende Ansatz ist bezüglich der ökonomischen
Angemessenheit fraglich, muss doch der gesamte Emporenbereich abgebrochen und neu
erstellt werden. Eine weitere Folge dieser Massnahme ist, dass die Empore vom
Kirchenraum aus innenräumlich nicht erreichbar ist. Die vorgesehene Glastüre ist für die
Kirche fraglich, auch konkurrenziert sie das Rundfenster auf unnötige Weise.
Das künstlerische Konzept und die Art, wie es räumlich eingesetzt ist, stellt einen
erfrischenden, vielfältig interpretierbaren Beitrag dar, welcher in der Umsetzung noch
Fragen aufwirft. Die gezeigte Wirkung überzeugt gleichzeitig als gekonnter und
zurückhaltender Beitrag an den Kirchenraum.
Die energetischen und technischen Massnahmen sind sehr durchdacht vorgetragen,
wenngleich etwa die Lüftungsschlitze in der neuen Podesterie den Chorbereich
empfindlich stören.
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Der Entwurf überzeugt in weiten Teilen sowohl räumlich, künstlerisch und liturgisch mit
neuen Ansätzen, welche den Raum von Anton Higi ergänzen und auffrischen. Die
Massnahmen im Bereich der Empore wirken dagegen, trotz attraktiven Aspekten,
gegenüber dem Bestand unverhältnismässig, jedenfalls mit grossen Fragenzeichen
verbunden.
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rorate
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BENVENUTO
Der starke, fast archaische Kirchenraum von Anton Higi mit seiner klaren tektonischen
Fassung und dem Zusammenspiel von Raum und farbigem Licht ist Ausgangspunkt und
Orientierung für das vorliegende Umbauprojekt.
Es geht den Projektverfassern nicht darum, einen völlig neuen Kirchenraum zu gestalten,
sondern neben neuen viele durchaus noch taugliche Elemente weiterzuverwenden und in
einen neuen Gesamtzusammenhang zu bringen. Es werden wenige Teile entfernt, diese
mit Bedacht.
So wird zwar die Altarskulptur aus den 70er Jahren entfernt. Das Material wird aber wo
möglich in den neuen Altarstufen weiterverwendet und der wertvolle helle Castione-Granit
bleibt auch als Bodenbelag im Kirchenschiff bestehen.
Der ganze Kirchenraum wird in einem gebrochenen Weiss monochrom gefasst, welches
den Steinboden, die Wandpilaster, die Decke und die Chorapsis in fein abgestuften
Schattierungen einfärbt. In diesen ruhigen hellen Raum fällt das bunte Licht der schmalen,
hohen Kirchenfenster und projiziert Lichtreflexe auf Boden, Bänke und Wände. Erst auf
den zweiten Blick sichtbar wird die subtile Behandlung der Wandoberflächen bei den
beiden seitlichen Abschlusswänden und der dazwischenliegenden Chornische. In die
Wandflächen sind mittels Sgraffito-Technik Buchstaben eingeritzt, die in einem
Sinnzusammenhang mit dem Schutzpatron der Kirche und der Heiligen Schrift stehen
können. Dieser Sinnzusammenhang ist aber erst skizziert und wäre in einer weiteren
Bearbeitung zu vertiefen. Die Ton in Ton mit dem Hintergrund gehaltenen Textzeilen sind
an den seitlichen Wandstücken unregelmässig auslaufend, sodass der Übergang von
Seitenwand zu Chor nicht hart ist, die Chorapsis immer Teil des ganzen Kirchenraums
bleibt. Ein besonders schönes Element ist hier das grosse Kreuz im Chor. Als eingetieftes
Relief übernimmt es Platz und Grösse des aussen am Chorrund aufgebrachten Kreuzes,
verankert es am Ort und verbindet auf subtile Weise aussen und innen, alt und neu.
Auch das Bodenrelief im Chorbereich wird behutsam verändert. Eine breite vorgezogene
erste Stufe schafft etwas Distanz zum Chor, aber auch den notwendigen Platz, um auf der
rechten Seite das Taufbecken aufnehmen zu können, oder aber den Blumenschmuck, die
Krippenfiguren, die Sänger oder Musiker.
Für den eigentlichen Chorbereich wird als Ersatz für den nicht mehr abgebauten Castione
Chiaro der Tessiner Cristallina-Marmor vorgeschlagen, ein körniger weisser Stein, der
sich gut in den monochromen Farbklang fügt. Aus diesem Stein sind auch alle
liturgierelevanten Objekte (Altar, Ambo, Taufstein) gefertigt, in einer gewissen Schwere,
die auch die heutige Altargestaltung aus den 70er Jahren auszeichnet, aber in einer
anderen Formensprache, mit klaren, kantigen, reduzierten Kuben und Zylindern, was sie
näher an die Architektur Higis rücken lässt.
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Neben dem Umbau des Chorbereichs ist auch der Umbau der Orgelempore geglückt. Das
Rundfenster an der Eingangswand wird freigelegt, der Orgelprospekt zweigeteilt und die
zwei Hälften im Halbrund angeordnet, metallische Glanzkörper, über die Licht in den
Raum gelenkt wird. Damit wird dieser heute sehr dunkle Bereich leicht und hell.
Unter der leicht raumwärts vorgezogenen Orgelempore werden die bestehenden
schweren steinernen Türgewände neu angeordnet, das schwere Holzwerk der
Ausfachungen wird durch eine grauweisse Lasur in den Gesamtfarbklang eingebunden.
Die Raumaufteilung mit dem gar knappen und lichtlosen Beichtzimmer und der allzu sehr
vom Kirchenraum abgetrennten Marienkapelle ist allerdings weniger gelungen.
Im gleichen hellen Grau wie das Holzwerk der Türen sind auch die neuen Kirchenbänke
und die Sedien gehalten. Aus Schichtholz konstruiert, ist auch ihnen eine gewisse
Schwere eigen, womit sie sich wie selbstverständlich in den tektonischen Grundklang
einfügen.
Ein neues Element – und eine Bereicherung – sind die Beleuchtungskörper. Als schlanke,
in der Höhe fünfteilige Lichtsäulen aus je fünf schmalen, stumpf gefügten Glasscheiben
tauchen sie den Kirchenraum nicht nur nachts in eine schöne Lichtstimmung. Auch am
Tag sorgen die unterschiedlich geätzten Glasscheiben und die polierten Kanten für
Lichtreflexe.
Die Höhenlage ist gut gewählt. Zusammen mit den Kirchenfenstern, dem Kreuzrelief in
der Chorapsis, dem Rundfenster und der Orgel entsteht gleichsam ein neuer
schwebender Sakralraum, getragen von Licht, Farbe und Klang.
Insgesamt handelt es sich um einen wertvollen Beitrag, in dem neben der räumlichen und
liturgischen Aufwertung auch alle technischen Belange auf sehr sorgfältige Art
angegangen und gelöst sind.
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BENVENUTO
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ORBIS (Ausscheidungsrundgang)
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AGORA (Ausscheidungsrundgang)
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Verfasser
ORBIS
Verfasser
Valentin Loewensberg Architekt
Pfingstweidstrasse 31a
8005 Zürich
Franz Wanner, Maler und Bildhauer, 8881 Walenstadtberg
In Zusammenarbeit mit:
Katrin Albrecht, dipl. Architektin ETH, 8881 Walenstadtberg
Spezialist
BAKUS Bauphysik & Akustik GmbH, 8045 Zürich
BENVENUTO
Verfasser
Architekturbüro M.Sik
Arch. BSA Prof. ETHZ
Militärstrasse 52
8004 Zürich
Projektleiter Jean-Jacques Auf der Maur MAS.ARCH.ETHZ
Spezialisten
Bauphysik Akustik: Kuster + Partner AG, 8853 Lachen
Lichtplanung: mosersidler AG, 8045 Zürich
AGORA
Verfasser
Andreas Marti & Partner Architekten AG
Rathausgasse 29
5000 Aarau
Mitarbeit:
Andreas Marti, Miro Surka, Sarah Federli
Spezialisten
Innere Verglasungen: Atelier Weidmann GmbH, 4104 Oberwil
Akustik: Imhof Akustik AG, 9042 Speicher
Statik: Healy & Partner Engineering, 5000 Aarau
Haustechnik: Hans Abicht AG, 5000 Aarau
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Maria und Josef
Verfasser
Caruso St John Architects, Zürich/London
Räffelstrasse 32
8045 Zürich
Verantwortlich
Adam Caruso, Peter St John, Florian Zierer, Philipp Knorr, Florian Summa
Fachplaner/Spezialisten
Akustik: Strauss Elektroakustik GmbH, 3004 Bern
Bauphysik: Bakus Bauphysik&Akustik GmbH, 8045 Zürich
Beratung Liturgische Abläufe: Bistum St.Gallen, 9001 St.Gallen
Kostenplanung: WT Partner AG, 8004 Zürich
Lichtplanung: Lichtvision, D-10585 Berlin
rorate
Verfasser
Vécsey Schmidt Architekten
Klybeckstrasse 14
4057 Basel
Mitarbeit
Paco Motzer, Christoph Schmidt, Susann Vécsey
Künstler
Boris Rebetez, Klybeckstrasse 122, 4057 Basel
Spezialisten
Gebäudeklima: Thieme : Klima AG, Gebäudetechnologie, 8064 Zürich
Heizungsplanung: Nievergelt + Partner AG, 8041 Zürich
Lichtplanung: Lumenwerk, 4058 Basel
Theologische/Liturgische Beratung: Xaver Pfister, 4058 Basel
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