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Bodenhygiene mit Kalkstickstoff

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Bodenhygiene mit
Kalkstickstoff
Pflanzen & Pflege
Bei der Kultur von Weihnachtsbäumen wissen die Produzenten die düngende und
zugleich Boden gesundende Wirkung des Kalkstickstoffs immer mehr zu schätzen.
Das Arbeiten mit Kalkstickstoff ist immer noch so etwas wie ein Geheimtipp. Doch
immer mehr Nadel Journal-Leser fragen nach den Hintergründen, um Anwendungsfehler zu vermeiden. Wir zeigen auf, was die Besonderheiten dieses Spezialdüngers
sind und wie man ihn sinnvoll in der Weihnachtsbaumkultur einsetzen kann.
Das Jahr 2015 ist das internationale „Jahr des Bodens“. Das ist ein
Anlass, auch einmal über die Bodenpflege in Weihnachtsbaumkulturen nachzudenken. Biologisch aktive Böden halten pilzliche Krankheitserreger sowohl durch natürliche Gegenspieler als auch durch
verstärkte Konkurrenz in Schach.
Neue Forschungsarbeiten zeigen,
dass eine Kalkstickstoff-Düngung
die biologische Aktivität des Bodens intensiv und lange anhaltend
fördert. Vor allem die Bodenbakterien laufen nach einer Kalkstickstoffdüngung zur Hochform auf und
drängen die Pilze in den Hintergrund. Zugleich gibt es keinen anderen Dünger, welcher den Abbau
von infektiösen Ernterückständen
im Boden derart beschleunigen
kann, wie der Kalkstickstoff. Sein
hoher Gehalt an reaktivem Kalk
stoppt die Bodenversauerung und
stabilisiert die Bodenstruktur.
Der Anfang
Mit dem Bau der ersten Kalkstickstofffabriken vor mehr als hundert
Jahren war es der Menschheit erstmals möglich, den gasförmigen
Stickstoff aus der Luft großtechnisch in einem festen Dünger zu
binden. Die dabei entstehende Verbindung, das Calciumcyanamid, ist
bis heute Hauptbestandteil des
Kalkstickstoffs und sorgt dafür, dass
dieser Dünger so ganz anders wirkt,
als alle anderen Stickstoffdünger.
Denn bevor dieser Stickstoff im Boden als Pflanzennährstoff wirkt,
muss er erst eine Reihe von Umwandlungsprozessen durchlaufen,
die auch für seine Sonderwirkungen
verantwortlich sind. Dabei werden
die Bakterien, die den letzten Schritt
des Abbaus, die Umwandlung von
Ammonium zum Nitrat bewerkstelligen, durch das gleichzeitig entstehende Dicyandiamid in ihrer Aktivität stark gehemmt. Aus diesem
Grund verbleibt der Düngerstickstoff über viele Wochen stabil als
Ammonium im Boden erhalten. Das
Ammonium nehmen die Pflanzen
relativ langsam und gleichmäßig
auf, was zu einem harmonischen
und gesunden Wachstum führt. Bei
In älteren Weihnachtsbaumkulturen sollte
man unbedingt unter Blatt düngen, um die
Verbrennungsgefahr bei Feuchtigkeit auszuschließen.
Nadel Journal 03/2015
gerne zur Verfügung gestellt durch www.nadel-journal.com
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Pflanzen & Pflege
gerne zur Verfügung gestellt durch www.nadel-journal.com
Chemischer Prozess: Das Schaubild zeigt, was im Boden passiert, wenn man mit Kalkstickstoff düngt. Kein anderer Dünger bietet diese Kombi aus löslichem Kalk und Cyanamid.
Fotos: Martin Reimann, Dr. Hans-Jürgen Klasse, Christine Blödtner-Piske; Grafik AlzChem
der Aufnahme von Ammoniumionen scheiden die Wurzelhaare der
Pflanzen Protonen aus. Dadurch
sinkt in der Rhizosphäre der pHWert ab, wodurch die Pflanze Spurenelemente wie Eisen verstärkt
aufnehmen kann. Vielleicht ist dies
eine Erklärung dafür, warum sich
die mit Kalkstickstoff gedüngten
Weihnachtsbäume meist durch eine
besonders gute Ausfärbung auszeichnen. Insgesamt wirkt der Kalkstickstoff jedoch stark basisch, denn
je Doppelzentner entfaltet er eine
Kalkwirkung, die der Wirkung von
50 Kilo Branntkalk entspricht.
Die verstärkte Ammoniumernährung hat auch gewisse Auswirkungen auf den Habitus der Pflanzen:
Sie führt zu einem kompakteren
Wuchs und bremst die Terminalknospe, denn das Ammonium wird
nicht wie das Nitrat so rasch mit
dem Transpirationsstrom innerhalb
der Pflanze nach oben verlagert. Die
verzögerte Nitratbildung bietet aber
noch einen weiteren Vorteil: Im Gegensatz zum Nitrat wird das Ammonium von den Tonmineralen des Bodens gut aufgenommen, sodass es
durch Niederschläge nicht aus dem
Wurzelhorizont der Pflanzen verlagert wird. Aufgrund dieses einzigartigen Wirkungsmechanismus ist
es möglich, den Kalkstickstoff
schon sehr zeitig im Jahr zu düngen
und damit noch die Winterfeuchte
auszunutzen und Arbeitsspitzen abzubauen. Trotzdem kommt sein
Stickstoff sicher und zuverlässig zur
Wirkung, Auswaschungsverluste in
Form von Nitrat sind nicht zu befürchten.
Nebenwirkungen? Ja, bitte!
In den ersten Tagen nach dem Ausstreuen von Kalkstickstoff löst sich
zunächst das Calciumcyanamid aus
dem Düngerkorn. Dieses spaltet
sich im Bodenwasser zu Cyanamid
und Calciumhydroxid auf. Dadurch
hat der Kalkstickstoff eine rasche
und intensive Kalk- beziehungsweise Calciumwirkung. Das Cyanamid
besteht nur wenige Tage im Boden.
Doch in dieser Zeit entfaltet es Nebenwirkungen auf Schadpilze,
indem es die Dauersporen von
Schneeschimmel, Hallimasch und
Verticillium dezimiert. Darüber hinaus ist der Dünger in den ersten
Tagen nach dem Ausstreuen für
Drahtwürmer, Schnecken und Engerlinge unverträglich, wenn diese
sich bereits in den oberen Bodenschichten befinden. In dieser Phase
können auch kleine Unkräuter sowie Moos die intensive Wirkung
nicht vertragen. Die sich anschließende lange Ammoniumphase
in Kombination mit der Kalkwirkung führt zu einer starken Förderung der Rottebakterien im Boden.
Auf diese Weise verschiebt sich das
Gleichgewicht der Bodenmikroben
zu Gunsten der nicht-parasitären
Arten. Durch den beschleunigten
Abbau infektiöser Rückstände verlieren die parasitären Arten teilweise auch ihr Substrat. Daher verwundert es auch nicht, dass viele
Anwender nach einem Kalkstickstoffeinsatz einen geringeren Befallsdruck durch Hallimasch und
Schneeschimmel beobachtet haben.
Praxistipp vom Martin Reimann (AlzChem):
“Es gibt im wesentlichen zwei Anwendungen bei der Kalkstickstoffdüngung. Zum einen die Düngung vor
der Neupflanzung und zum anderen das Düngen im Bestand. Die erste Anwendung macht immer Sinn,
wenn es sich um eine Wiederbepflanzung handelt. Durch die Stickstoffzufuhr sind die Bakterien in der
Lage, die verholzten Erntereste besser und schneller zu zersetzen. Dies fördert die Entwicklung und
Gesundheit der Neupflanzung. Dabei wird der Stickstoff vorübergehend in Bakterieneiweiß festgelegt.
Durch Ansaat einer Gründüngung zwei Wochen nach der Kalkstickstoffdüngung kann man eventuelle Stickstoffüberschüsse
in der Grünmasse binden.
Die zweite Anwendungsmöglichkeit ist die Düngung in den Bestand, hierbei ist die Aufwandmenge wesentlich geringer. Wirft
man in den Bestand hinein, rechnet man mit 300 bis 400 Kilo/Hektar. Die Überkopfdüngung wird aber nur in Junganlagen bis
zum dritten Standjahr empfohlen, damit der Dünger noch auf den Boden durchrieseln kann. Der Stickstoff zieht nur 3 bis 4
Zentimeter tief in den Boden hinein. Das heißt, hier liegt die Reduzierung des Infektionspotentials nur auf 3 bis 5 Zentimeter
Tiefe, gibt man Kalkstickstoff vor der Pflanzung in den Boden und arbeitet 15 Zentimeter tief in den Boden, setzt auch die
Wirkung entsprechend tiefer an. Generell gilt jedoch, dass man Kalkstickstoff nicht in einen Fichtenbestand ausbringen sollte,
denn Blaufichten sind Flachwurzler und können von der herbiziden Nebenwirkung in Mitleidenschaft gezogen werden. Wer
Kalkstickstoff als Überkopfdüngung ausbringen möchte, der sollte darauf achten, dass die Kultur trocken sein muss, damit es
keine Verbrennungen auf den Nadeln gibt.”
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Pflanzen & Pflege
Kalkstickstoffkörner in der Tanne können
bei Feuchtigkeit zu Verbrennungen führen.
Praktische Erfahrungen
Bei sachgemäßer Ausbringung reagieren insbesondere Nordmanntannen und Nobilis sehr positiv auf
eine Kalkstickstoff-Düngung. Bis
zum dritten Standjahr ist eine Kopfdüngung mit dem Düngerstreuer
unproblematisch, wobei die üblichen Gaben von bis zu 400 Kilo/
Hektar gut vertragen werden. Wichtig ist, dass die Düngerkörnchen auf
den Boden durchrieseln können, wo
sich die Düngerwirkung entfalten
soll. Der Bestand muss zum Streuzeitpunkt abgetrocknet sein - auch
damit eventuell hinter dem Streuer
austretender Staub nicht an den
Bäumen anhaftet. Wenn die Bäume
feucht sind, kann es zu Verbrennungen auf den Nadeln kommen.
Deshalb sollte man nicht in taufeuchte Bestände streuen.
In älteren Anlagen sollte man den
Kalkstickstoff unter Blatt zwischen
den Reihen oder per Hand unter die
Bäume ausbringen. Natürlich ist
eine gleichmäßige Verteilung, bei
der alle Wurzelbereiche der Pflanze
erreicht werden, bei einer Unterblattdüngung wesentlich schwieriger zu erreichen, als mit der maschinellen Ausbringung.
C/N-Verhältnis haben, brauchen die
Mikroben den Düngerstickstoff für
den Abbau dieser Substanzen. So
lässt sich nicht nur die Verrottung
der Rückstände intensivieren, sondern auch der Befallsdruck durch
die typischen Pilzerkrankungen reduzieren.
Achtung: Anders als Nordmänner
und Nobilis haben sich Blaufichten
relativ empfindlich gegenüber einer
Kopfdüngung mit Kalkstickstoff erwiesen. Versuche haben gezeigt,
dass dies weniger an der Benadelung als vielmehr an der extrem flachen Bewurzelung liegt. Aus die-
sem Grund ist eine Anwendung bei
den Blaufichten nur vor dem Pflanzen zur Förderung der Bodenhygiene möglich. Dabei ist bis zum
Pflanztermin eine Wartezeit von
mindestens 14 eher sogar von 21
Tagen einzuhalten.
Dr. Hans-Jürgen Klasse
Unser Autor:
Dr. Hans-Jürgen Klasse
ist Diplom-Agraringenieur
und arbeitet bei dem
Chemie-Unternehmen
AlzChem, wo er für den
Bereich Landwirtschaft als
Marketingmanager tätig ist.
Kontakt: juergen.klasse@alzchem.com
Hier stand eine Anzeige.
Eine Besonderheit geht mit dem
Kalkstickstoff auch bei einer Kulturneuanlage einher. Befinden sich
im Boden noch größere Mengen an
verholzten Resten der Vorkultur, hat
es sich bewährt, eine größere Gabe
von etwa 500 bis 800 Kilo/Hektar
Kalkstickstoff 14 bis 21 Tage vor
dem Pflanzen gründlich in den Boden einzuarbeiten. Manche arbeiten
den Kalkstickstoff 20 bis 25 Zentimeter tief in den Boden ein. Da die
holzigen Erntereste ein sehr weites
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