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55. Radsaison-Eröffnungsrennen des österr.Radsports

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November 2014
DER RING
Zeitschrift der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel
Echter Rückenwind für die Diakonie
»Lernt Gutes zu tun! Sorgt für das Recht! Helft den
Unterdrückten! Verschafft den Waisen Recht,
tretet ein für die Witwen.«
Foto: Schulz
( Jesaja 1,17 – Monatsspruch November)
Wolfgang Roos-Pfeiffer.
Ja sicher, sofort, bravo! Einhellige
Zustimmung!! Endlich sagt es
mal einer! Diakonisches KlartextReden!!
Stellen Sie sich vor, es hätte
Ihnen heute jemand ein Flugblatt
in die Hand gedrückt mit diesem
Vers, ohne Angabe des Autoren.
Hätten Sie den Text der Bibel zugeordnet? Oder hätten Sie den
Zettel weggeschmissen – was ist
das denn für ein Träumer? Stellen Sie sich vor, Sie sähen einen
Demonstrationszug durch die
Innenstadt ziehen, mit Plakaten,
auf denen steht: Tut Gutes! Gleiches Recht für Alle! Helft den
Unterdrückten! Gleiche Rechte
für Waisen! Wir treten ein für
die Witwen! Hätten Sie sich angeschlossen, oder wären Sie
weitergegangen?
Der Prophet Jesaja geht ganz
schön weit: Das erste Kapitel, in
dem auch diese Verse stehen,
beginnt so: »Höret, ihr Himmel
Titelbild: Das ehemalige Gutshaus
in Reichenwalde wurde vor 89 Jahren
samt Ländereien von Pastor von Bodelschwingh gekauft. Heute befindet
sich hier unter anderem ein tagesstrukturierendes Angebot Lobetals.
Mehr zu Bethel in Reichenwalde ab
Seite 14. Foto: Elbracht
und Erde, nimm zu Ohren, denn
der Herr redet!« […] Wehe dem
sündigen Volk, dem Volk mit
Schuld beladen, dem boshaften
Geschlecht, den verderbten Kindern, die den Herrn verlassen,
den Heiligen Israels lästern, die
abgefallen sind. […] Ich bin satt
der Brandopfer von Widdern
und des Fettes von Mastkälbern
und habe keinen Gefallen am
Blut der Stiere […]. Lasst ab
vom Bösen!« Und dann folgen
die oben stehenden Worte. Ein
echtes Donnerwetter für das
Volk Israel. Gilt das auch für uns
heute, in der Diakonie? Hören
wir hin, oder gehen wir achtlos
weiter?
Wir sollten uns auf zweierlei
Weise die Worte zu Herzen nehmen: Zum einen sind die Worte
Jesaja echter Rückenwind für
die Diakonie. Genau deshalb
sind wir ja unterwegs in all den
Arbeitsfeldern Bethels, weil es
um Menschen geht, die benachteiligt und ausgegrenzt sind. Das
sind unser Auftrag und unser
Selbstverständnis. Am Ende des
Buches Jesaja heißt es: »Und es
soll durch dich wieder aufgebaut
werden, was lange wüst gelegen
hat, und du wirst wieder aufrichten, was vorzeiten gegründet
ward; und du sollst heißen: der
die Lücken zumauert und die
Wege ausbessert, dass man da
wohnen könne.« (58, 12)
Zum zweiten tun wir gut daran,
nicht selbstgerecht zu werden.
Zuweilen gilt das Donnerwetter
Jesajas auch uns. Wir haben
jeden Tag neu zu prüfen, ob das,
was wir im Namen der Diakonie
tun, tatsächlich denen hilft, die
es am nötigsten haben: den
Rechtlosen, den Verachteten,
den Unterdrückten, denen, für
die sonst nicht gesorgt ist. Wir
sind auch Streiter des Rechts
der Rechtlosen. Wir fragen nach
den Ursachen von gesellschaftlicher Not und setzen uns für ein
besseres Zusammenleben ein.
Manchmal leise und manchmal
auch laut, wenn es sein muss.
Jesaja sei Dank!
– Diakon Wolfgang Roos-Pfeiffer –
( Ältester der Diakonischen
Gemeinschaft Nazareth)
DER RING. Monatszeitschrift der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. 54. Jahrgang. Herausgeber: Pastor Ulrich Pohl in Zusammenarbeit mit der Gesamtmitarbeitervertretung der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Redaktion: Jens U. Garlichs
( verantwortlich ), Petra Wilkening. Satz und Gestaltung: Charlotte Schütz. Sekretariat:
Bruni Außendorf/Christina Heitkämper. Anschrift: Quellenhofweg 25, 33617 Bielefeld,
Telefon: 0521 144-3512, Telefax 0521 144-2274. E-Mail: presse@bethel.de
Druck: Gieseking Print- und Verlagsservices GmbH, 33617 Bielefeld. Nachdruck ist mit
Genehmigung der Redaktion gestattet. © bei v. Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel.
DER RING ist Mitglied im Gemeinschaftswerk der Evangelischen Publizistik ( GEP ).
Interessierte können die Zeitschrift kostenlos abonnieren. – Spendenkonto: Nr. 4077
bei der Sparkasse Bielefeld ( BLZ 48050161 ). Bethel im Internet: www.bethel.de
Redaktionsschluss für den Dezember-RING: 12. November 2014
2
i
Inhalt
An der Spitze
Kurz gesagt
5
Bethel in …
14
… Reichenwalde. Dort gibt
es auf einem ehemaligen
Gut Wohnstätten und eine
Werkstatt.
Großer Geburtstag
16
Die Fußballerinnen des
Vereins Integra in BielefeldBethel sind Deutscher Meister
der Werkstätten für behinderte Menschen.
Nutzen und Risiko
6
Der zweite Fachtag der
Kinder- und Jugendhilfe griff
unter dem Titel »What’s App,
Pädagogik?!« das Thema
»Digitale Medien« auf.
Sarepta-Diakonisse Käthe
Peter aus dem Haus Abendfrieden in Bielefeld-Bethel
wurde 100 Jahre alt.
Unter dem Sternendach 17
In leichter Sprache
8
Der diesjährige Angehörigentag im Stiftungsbereich Bethel.
regional fand zum Thema
»Patientenverfügung« statt.
Hoffnung und Recovery 10
In einem neuen Buch erzählen
25 psychisch erkrankte Menschen von ihren unterschiedlichen Genesungswegen.
800 Stadtzeichen
12
An der Neustädter Marienkirche in Bielefeld fand ein
Performance-Fest mit der
Theaterwerkstatt Bethel und
dem Künstlerhaus Lydda statt.
»Rundum zufrieden«
13
In Hannover wurde vor
25 Jahren das Birkenhof
Wohnstift Kirchrode eröffnet.
Kinder und Jugendliche mit
Behinderungen nahmen
am inklusiven Zirkusprojekt
Soluna in Bad Salzuflen teil.
Bethel damals
18
Vor 130 Jahren wurde die
Zionskirche in der Ortschaft
Bethel eingeweiht.
RING-Magazin
20
Bücher
25
Mitarbeiterkreis
26
Namen
27
Leserforum
27
Podiumsdiskussion
Als völlig unhaltbar und historisch nicht belegt bezeichnet
Bethel die Vorwürfe, die in einem
vorgeblich wissenschaftlichen
Buch über Bethel in der NS-Zeit
erhoben werden. In dem kürzlich
von der Autorin Barbara Degen
veröffentlichten Buch »Bethel in
der NS-Zeit – Die verschwiegene
Geschichte« werden schwerwiegende Anschuldigungen in rufschädigender Weise erhoben, die
nicht durch konkrete Zahlen oder
Quellen belegt sind. Bethel weist
aufs Schärfste den Vorwurf der
Krankentötungen in seinem Kinderkrankenhaus, den Vorwurf der
gezielten Mangelernährung und
der Durchführung von medizinischen Versuchen an kranken oder
behinderten Menschen zurück.
Bei einer Podiumsdiskussion in
der Universität Bielefeld am 6.
November sollen jetzt die Thesen
des Buches erörtert werden.
An der Diskussion nimmt auch
Bethels stellvertretender Vorstandsvorsitzender Pastor Bernward Wolf teil. Im Vorfeld der
Diskussion wies er darauf hin,
dass es seit den 1980er-Jahren
zahlreiche Forschungen und
entsprechende Veröffentlichungen zur Geschichte Bethels im
Nationalsozialismus gebe. Von
»verschwiegener Geschichte«
könne also gar nicht die Rede
sein; ebenso sind in der gesamten wissenschaftlichen Aufarbeitung dieser Zeit bisher keinerlei
ähnliche Vorwürfe erhoben oder
gar belegt worden.
Die öffentliche Podiumsdiskussion zum Buch wird veranstaltet
vom Bielefelder Bündnis gegen
Rechts und findet am 6. November ab 18.30 Uhr in der Universität Bielefeld, Hörsaal 7, statt.
– JUG –
3
Aus Bethel – Für Bethel
Schon oder erst?
Eine der ersten Bewohnerinnen, die ich
in Bethel in einer Andachtsrunde kennen
lernte, war Frau D. Sie kam als junge Frau
aufgrund epileptischer Anfälle nach Bethel.
»Ich wurde hier zwangssterilisiert«, erzählte
sie. »Damit habe ich noch Glück gehabt!
Ich weiß, was woanders alles passiert ist!«
aufgeschoben wurde. Die Listen kamen bis
Kriegsende nicht an. Dennoch wurden sieben jüdische Patienten abtransportiert und
getötet. Darüber hinaus bleibt fraglich, wie
viele Menschen, die aus Bethel in staatliche
Anstalten verlegt wurden, im Zuge der
T4-Aktionen sterben mussten.
Ich sah damals in die Runde und dachte
beklommen: Es hätte nicht viel gefehlt, und
wir säßen heute nicht selbstverständlich zusammen. Alle um mich herum wären vor
75 Jahren, als das Euthanasieprogramm
der Nationalsozialisten aufgelegt wurde,
diesem zum Opfer gefallen. Alle. Wobei die
Begriffe »Euthanasie«, auf Deutsch »der
schöne Tod« und »zum Opfer gefallen«,
nicht treffend sind. Schließlich geht es um
einen menschenverachtenden Hochmut,
der mit Wörtern wie »minderwertig«,
»lebensunwert« oder »wirtschaftliche
Ballastexistenz« Todesurteile besiegelte.
Unter dem harmlos wirkenden Kürzel »T4«,
das für »Tiergartenstraße 4« in Berlin stand,
wurde eine für die Bevölkerung möglichst
unauffällige, akribisch-bürokratische Tötungsszenerie erdacht und in Gang gesetzt.
Selektionskriterien wurden mittels Fragebogen an Behinderteneinrichtungen verschickt,
mit der Aufforderung, diese auszufüllen.
Wenig später kamen dann graue Busse mit
angestrichenen Fenstern, um Menschen in
die Tötungsanstalten zu transportieren.
Dort wurden sie vergast und durch Kremation entsorgt.
»Muss man das immer wieder aufwärmen?
Das ist doch schon 75 Jahre her?«, wurde
ich unlängst gefragt. Ist es schon oder erst
75 Jahre her? Ich denke, es geht nicht darum, die Schreckensgeschichte vor uns herzutragen. Es geht darum, der Erinnerung
an das geschehene Unrecht Raum zu geben
und der Ermordeten zu gedenken. Darum
feiern wir am 13. November in der Zionskirche in Bielefeld-Bethel einen Gedenkgottesdienst. Darum laden wir am 14. November ein zu einem wissenschaftlichen Symposium in der Neuen Schmiede.
Fritz von Bodelschwingh, der damalige Anstaltsleiter, befürwortete zwar die Zwangssterilisierung, lehnte jedoch die Tötung von
Menschen mit Behinderungen oder psychischen Erkrankungen strikt ab. Er bezog
deutlich Stellung dagegen, jedoch niemals
laut. Er, der jeden Menschen als Geschöpf
Gottes sah, wandte sich unermüdlich an
die Größen in Kirche, Politik und Recht, um
die Tötungsaktionen zu stoppen. Ein zähes
Ringen hinter den Kulissen. Im Hinblick auf
Bethel erreichte er, dass die Tötungsaktion
4
Dass das Erinnern gut und richtig ist, wird
deutlich, sobald wir Nachrichten lesen, sehen
oder hören: Nach wie vor gibt es Menschen,
die anderen Menschen – aufgrund ihrer Behinderung, ihrer Herkunft, ihrer Hautfarbe
oder ihrer Religion – ihre menschliche Würde
oder sogar das Recht zu leben aberkennen.
Solange dem so ist, sind wir als Christinnen
und Christen, als Mitmenschen und Nächste
in der Pflicht, uns zu erinnern und zugleich
unsere Gegenwart und unsere Zukunft und
die unserer Kinder bedingungslos menschenfreundlich und würdevoll zu gestalten.
Ihr
Pastor Ulrich Pohl
Frauenfußball in Bethel ist Spitze
Integra holt die Deutsche Meisterschaft
Das hätte er nicht für möglich
gehalten, sagt Peter Rudolph,
Trainer der Integra-Frauenfußballmannschaft. Einen Platz unter
den ersten Dreien habe er sich
erhofft, aber doch nicht Platz
Eins. Bei dem Wettkampf Mitte
September in Duisburg musste er
auf vier Top-Spielerinnen verzichten; unter ihnen auch die einzige
Torfrau. Während des Turniers
mussten daher Feldspielerinnen
einspringen. »In fünf Spielen
standen drei verschiedene Feldspielerinnen im Tor. Sie haben
sich voll und ganz in den Dienst
der Mannschaft gestellt«, lobt
der Trainer. Auch die Spielführerin Nicole Buchholz stellte sich
Fotos: Kobow
Der Sportverein »Integra« in
Bielefeld-Bethel ist Deutscher
Fußballmeister. Nach fünf Siegen in fünf Spielen hielten
die Frauen den Pokal für die
beste Mannschaft der Werkstätten für behinderte Menschen in den Händen. Im vorletzten Spiel besiegten sie die
Titelverteidigerinnen »Sportfreunde Bottrop« souverän
mit 2:0. Danach war der erste
Platz zum Greifen nahe. Als
die Frauen auch das letzte
Spiel gewannen, kannte der
Jubel keine Grenzen.
So sehen Siegerinnen aus: (vorne, v. l.) Nele Bruns, Judith Ratke, Franziska MoellerFriedrich, Raphaela Rechenberger und Rosi Bartsch, (hinten, v. l.) Peter Rudolph, Nicki
Strasdat, Nicole Buchholz, Inka Grings, Lucia Espinozova, Gerlinde Fortmann, Pia Wunderlich, Laura Loscheider und Marie Kettler.
zeitweilig zwischen die Pfosten.
»Wir haben gut gespielt und
hinten nichts zugelassen. Unser
Torverhältnis 14:0 in fünf Spielen
sagt alles«, freut sie sich.
Peter Rudolph ist ein besonnener
Mann. Aber als seine Spielerinnen
als Meisterinnen vom Feld gingen, seien auch bei ihm »ExtraEmotionen« hochgekommen,
bekennt er. Nicole Buchholz und
die Stürmerin Judith Ratke erinnern sich gerne an diesen Moment der unbändigen Freude.
»Wir Spielerinnen haben uns in
den Armen gelegen und gejubelt. Der Trainer war unglaublich
stolz auf uns.« Sensationell, sensationell, habe er immer wieder
gerufen, berichten die Beiden.
»Die Mannschaft hat alle Anweisungen richtig umgesetzt. Sie hat
eine kompakte Teamleistung gezeigt, super verteidigt und vorne
gut gestanden«, analysiert Peter
Rudolph.
Der Pokal und die Medaillen wurden dem Team von Integra Bielefeld von der ehemaligen Nationalspielerin Pia Wunderlich und
der Fußball-Weltmeisterin Inka
Grings überreicht. Ein großes
Foto der siegreichen Mannschaft
der Werkstätten für behinderte
Menschen war für mehrere Wochen auch auf der Homepage
des Deutschen Fußballbunds zu
sehen. Zeitweilig stand es sogar
gemeinsam auf einer Seite mit
den Weltmeistern Mario Götze
und Toni Kroos.
– Silja Harrsen –
Lucia Espinozova von Integra Bielefeld setzte sich gleich gegen zwei Spielerinnen der
Lebenshilfe Bocholt durch.
5
Zweiter Fachtag in der Kinder- und Jugendhilfe
»Ohne Smartphone wäre
nichts mehr möglich«, ist
Leon überzeugt. »Alles, was
ich brauche, habe ich elektronisch«, so der jugendliche
Bethel-Nutzer. Das kann Kai
Uwe Neumann, der inzwischen in einer Wohngruppe
für Erwachsene lebt, nur bestätigen: »Ich bin damit groß
geworden und benutze es tagtäglich.« Digitale Medien sind
aus dem Alltag nicht mehr
wegzudenken. Wie ein angemessener Umgang mit ihnen
aussieht und wie man Kinder
und Jugendliche darin unterstützt, diesen zu finden, war
das Thema des zweiten internen Fachtags der Kinder-und
Jugendhilfe Ende September
in Bielefeld-Bethel.
Erwachsene klären Kinder auf,
leiten sie an, zeigen ihnen, wie
es geht – im Bereich der digitalen
Medien funktioniert das nicht,
denn der Nachwuchs ist der älteren Generation in technischer
Hinsicht weit voraus – und er
denkt und nimmt anders wahr.
»Wir können unsere Maßstäbe
nicht benutzen, um die Maßstäbe
der Jugendlichen zu verstehen«,
betonte Prof. Dr. Franz Josef Röll
von der Hochschule Darmstadt.
In seinem Vortrag »Wie die neuen
Medien Denken, Handeln und
Lernen von Kindern und Jugendlichen beeinflussen« vermittelte
der Soziologe, warum junge Menschen wie ein anderer Stamm
oder eine andere Kultur zu betrachten seien. Man müsse sie erforschen, um sie kennen zu lernen.
Keine Überforderung
Die Welt junger Menschen prägt
ein immer schnelleres Lebenstempo. Bei der Schreibmaschine
hätte es noch 175 Jahre von der
Erfindung bis zu ihrer Etablierung
gedauert, beim Rundfunk 38
Jahre und beim Web 2.0, dem
6
Fotos: Schulz
»Mit What’s App erreichen wir die Jugendlichen immer!«
Die digitalen Medien waren ihr Thema: (v. l.) Klaus Meier (Regionalleitung Bethel.
regional), Pastor Christian Sundermann (Geschäftsführung Bethel im Norden), Henrik
Blaich (Aktion Jugendschutz), Darren Northcott (Nutzer), Prof. Dr. Günther Wienberg
(Bethel-Vorstand), Kai Uwe Neumann (Nutzer), Prof. Dr. Franz Josef Röll (Hochschule
Darmstadt), Dennis Eggemann (Nutzer), Erhard Wehn (Geschäftsführung Bethel.regional),
Anja Johannesmeier (Nutzerin) und Michael Walde (Regionalleitung Bethel.regional).
interaktiven Netz, nur noch ein
Jahr, veranschaulichte Prof. Röll
die Beschleunigung des sozialen
Wandels. Die neue Konsumtionsgeschwindigkeit fordere zwar die
Älteren, nicht aber die jungen
Menschen. »Sie lassen Bilder vorbeilaufen. Sie haben nicht den
Anspruch, alles zu verstehen und
sich alles zu merken.« Jugendliche
entwickelten die Fähigkeit, aus
einer Vielzahl von Reizen blitzschnell die für sie relevantesten
Informationen herauszufiltern.
»Disziplinlosigkeit«
Bei der Aneignung von Wissen
seien Jugendliche spontaner und
folgten anderen logischen Strukturen. Prof. Röll sprach von einer
»postdisziplinären« Wissensaneignung: »Die Grenzen zwischen
Disziplinen, Themen und Medien
mit ihrem jeweiligen Fachwissen
werden von Jugendlichen nicht
mehr beachtet.« Die Disziplinlosigkeit eröffne neue Schnittstellen der Verknüpfung; komplexe,
kreative Lösungen würden immer
wichtiger. Als Web-2.0-Nutzer
wollten junge Leute nicht mehr
passive Empfänger von Informationen sein. »Sie lehnen das endlose Auswendiglernen ab und
wollen mitgestalten.«
Auch die Kommunikation im
Alltag hat sich verändert. Ältere
Generationen gehen davon aus,
dass sich das Menschsein durch
Interaktionen von Angesicht zu
Angesicht ausdrückt. An die
Stelle der Face-to-face-Kommunikation sei das mediale Netzwerk
getreten, so Prof. Röll. Netzartige
Beziehungsgeflechte ersetzten
langfristige soziale Bindungen.
Was sich für Ältere negativ anhört, hat auch Nutzbringendes:
Das virtuelle Netzwerk erweitert
die Möglichkeiten des enger gefassten realen sozialen Raums –
ein Vorteil zum Beispiel bei der
Jobsuche.
Die digitalen Medien bergen
aber auch Gefahren. Da sind die
onlinesüchtigen Jugendlichen,
die nach einem klinischen Entzug
in einer Betheler Wohngruppe
in Hannover betreut werden, die
jungen Mütter in einer MutterKind-Einrichtung, die unbedarft
»Mit What’s App …
persönliche Daten und Bilder
posten und beim Füttern ihrer
Kinder das Handy nicht aus der
Hand legen, die Jugendlichen in
einer Wohngruppe, die ohne Maß
im Internet Artikel bestellen, bis
der Internetzugang gesperrt wird.
Cyber-Mobbing, jugendgefährdende Inhalte oder Sexting – die
»Negativ-Liste« ist lang. »Digitale
Medien haben Licht- und Schattenseiten«, so Bethel-Vorstand
Prof. Dr. Günther Wienberg. Kinder und Jugendliche bei einem
kompetenten, kritischen und reflektierten Umgang mit Medien
zu unterstützen sei daher eines
der wichtigsten Zukunftsthemen
der Kinder- und Jugendhilfe. »Wir
wissen um den hohen Stellenwert
von Medien im Alltag von Kindern und Jugendlichen und die
Notwendigkeit, im Rahmen von
Bildung und Teilhabe Medienkompetenz zu vermitteln«, sagt
dazu das Positionspapier der Betheler Kinder- und Jugendhilfe.
Essen ohne Smartphone
Um Kinder und Jugendliche bei
einem kompetenten Umgang mit
den Medien gezielt begleiten zu
können, sprachen sich Mitarbeitende für entsprechende Schulungen sowie eine adäquate Ausstattung der Einrichtungen mit
digitalen Medien aus. In den
Workshops tauschten sie sich
auch darüber aus, wie der Umgang mit den digitalen Medien
in ihren Einrichtungen gehandhabt wird. So gibt es Regeln wie
»Kein Smartphone beim Essen,
Fernsehgucken oder nachts«
oder einen Gruppen-PC mit festgelegten Nutzungszeiten für
jeden Einzelnen, einen medienfreien Tag oder auch den »Handyvertrag«, der mit jedem einzelnen Kind und Jugendlichen
abgeschlossen wird. Er enthält
zum einen ein Mindestmaß an
Vorgaben, die für alle gelten,
zum anderen individuelle Abstufungen. Hier wird die Erkenntnis
umgesetzt, dass Regeln nur im
Miteinander mit den Kindern und
Jugendlichen gut funktionieren.
Experten in eigener Sache
Zur Nutzungszeit sagte Henrik
Blaich von der Aktion Jugendschutz Baden-Württemberg, dass
es unbestritten ein ungesunder
Umgang mit den Medien sei, 24
Stunden am Computer zu spielen, aber grundsätzlich hänge es
vom Einzelnen ab, was gefährlich
sei. Er sprach sich dafür aus, ohne
eine fixe Zielvorgabe in die Auseinandersetzung zu gehen. »Die
Jugendlichen sind Experten ihrer
eigenen Mediennutzung. Ich muss
sie als solche ernst nehmen.«
Was ist der richtige Umgang mit digitalen Medien? Dieser Frage
gingen Mitarbeitende in den Workshops nach.
In den Einrichtungen haben
Mitarbeitende die Erfahrung gemacht, dass Jugendliche sich
selbst untereinander reglementieren, zum Beispiel wenn jemand
das Handy während des gemeinsamen Mittagessens benutzt,
oder dass sie den medienfreien
Tag mit Brettspielen statt Spielkonsole nach anfänglichem
Nörgeln gut finden. Die »Kids«
hätten ein Gespür dafür, wann
sie Ruhe bräuchten, so eine Mitarbeiterin. Sie merkten, dass
das Handy auch Stress bedeuten
könne. Dort, wo Mitarbeitende
mit den Jugendlichen über What’s
App kommunizieren, hat sich
gezeigt, dass die Jugendlichen
verantwortungsbewusst damit
umgehen, den Mitarbeitenden
»keinen Quatsch« schreiben, sondern nur, wenn sie wirklich mit
ihnen kommunizieren wollen.
Und die Mitarbeitenden, die die
neuen Medien in der Kommunikation einsetzen, haben festgestellt: »Mit What’s App erreichen
wir die Jugendlichen immer!«
– Petra Wilkening –
Was gibt es Neues? Ohne Handy ging es auch beim Austausch
während der Pause nicht.
7
Angehörigentag in der Neuen Schmiede
Fotos: Schulz
Patientenverfügung schützt vor Ungleichbehandlung
Ralf François (v. l.), Michael Conty, Brigitte Huber, Tanja Löbbing, Moderatorin Ulrike Föhst und der Angehörigensprecher Rolf
Winkelmann gestalteten den Angehörigentag.
»Menschen mit Behinderungen wollen ihre Rechte immer
mehr in Anspruch nehmen – auch am Lebensende«, sagte
Michael Conty, vorsitzender Geschäftsführer des Stiftungsbereichs Bethel.regional, beim 13. Angehörigentag Ende September in Bielefeld-Bethel. »Auch deshalb brauchten wir eine Patientenverfügung in leichter Sprache.« Seit rund zwei Jahren gibt
es diese Verfügung in Bethel. Weil sie leicht verständlich sei,
werde sie gut angenommen Рȟbrigens auch von Menschen
ohne Behinderungen.«
»Das Recht auf Selbstbestimmung ist gleichrangig mit dem
Recht auf Leben«, fasste Ralf
François von der Rechtsabteilung
Bethel die gesetzliche Regelung
zur Patientenverfügung nach
deutschem Recht zusammen.
»Das heißt, wer nicht behandelt
werden will, wird es nicht.«
Dabei spiele es keine Rolle, ob
es sich um einen jungen oder
alten Menschen handele. Der
Bethel-Jurist vermittelte sowohl
juristische Hintergrundinformationen als auch praxisorientierte
Ratschläge. So erfuhren die Zuhörer im vollbesetzten Saal der
Neuen Schmiede, dass eine
Patientenverfügung im Gegensatz zu einem Testament, das
immer handschriftlich verfasst
sein muss, auch mit einem Com8
puter niedergeschrieben und
ausgedruckt werden darf. Lediglich die Unterschrift ist Pflicht.
Oder dass eine Verfügung die
Erklärung eines einwilligungsfähigen, aber nicht zwangsläufig geschäftsfähigen Menschen
voraussetzt. Nicht notwendig ist
hingegen die Bestätigung durch
einen Notar oder eine ärztliche
Beratung bei der Anfertigung.
Wiederruf möglich
Der Widerruf einer Verfügung,
so Ralf François, sei jederzeit
und formlos möglich – mündlich
oder »konkludent«. Das bedeutet: »Wenn ein Mensch jedwede
lebenserhaltende oder verlängernde Maßnahme ausschließt,
und etwas später ist eine deut-
liche Zunahme an Lebensfreude
erkennbar, so ist dies zu berücksichtigen.« Die Betreuer müssten
den mutmaßlichen Willen des
Patienten erkennen und vertreten.
Die Patientenverfügung in leichter Sprache richte sich an Menschen, die hochbetagt oder von
Demenz oder einer Behinderung
betroffen seien, informierte Tanja
Löbbing. Die klinische Ethikerin
im Ev. Krankenhaus Bielefeld
stellte die in Bethel von Dr. Klaus
Kobert und Pastorin Birte Schwarz
entwickelte Verfügung vor. In der
speziellen, anschaulich bebilderten Fassung werden medizinische Begriffe erklärt und Fremdwörter vermieden.
»Gibt es keine Vorsorgeregelung,
so gilt bei Unklarheiten der Grundsatz ‚immer für das Leben‘«, betonte Tanja Löbbing. Leider führe
dies zu einer systematischen Benachteiligung von Menschen mit
kognitiven Beeinträchtigungen,
die demnach stets die Maximaltherapie erhielten, gab die Ethikerin zu bedenken. »Wir können
hier durchaus von einer ›Pflicht
Patientenverfügung …
grund stellen und den Patienten
oder die Patientin als autonome
Person achten.
Angehörige aus ganz Deutschland nahmen an der Veranstaltung teil.
»Wir müssen die Sehnsüchte,
Wünsche und Hoffnungen der
Menschen erkennen«, appellierte
Brigitte Huber, Bioethik-Beauftragte des Bundesverbands evangelische Behindertenhilfe, an
die Zuhörer. Zwar werde die
Autonomie der Menschen mit
Behinderungen heute nicht mehr
grundsätzlich in Frage gestellt,
aber das Erkennen des Willens
am Lebensende bleibe eine Herausforderung. Angehörige und
Betreuer müssten sich vergegenwärtigen, dass »Fürsorge nicht
Fremdbestimmung« sei. Deshalb
forderte Brigitte Huber eine
»radikale Betroffenenorientierung«. Auch in den Einrichtungen des Langzeitbereichs müsse
eine neue Haltung entwickelt
werden. »Wir brauchen eine
Abschiedskultur für unsere Klienten«, machte Brigitte Huber
deutlich. Bethel sei in dieser Hinsicht ein Vorbild.
Thema für Ausbildung
Klar gegliedert und gut verständlich: die Patientenverfügung in leichter Sprache.
zum Leben‹ sprechen.« Deshalb
sei ein wirksamer Schutz vor
Ungleichbehandlung gefordert.
»Wir haben festgestellt, dass
Menschen mit Behinderungen
oft sehr viel Erfahrung mit Kliniken haben. Viele wissen genau,
was sie wollen und was nicht.«
Doch weil die Sprache oft ein
großes Hindernis sei, müsse es
ein angemessenes, niedrigschwelliges und absolut freiwilliges Beratungsangebot geben. Diese
Gespräche brauchen viel Zeit;
Pausen müssen flexibel eingesetzt
werden. »Nach unserer Erfahrung
sind 1,5 bis vier Stunden notwendig«, sagte Tanja Löbbing. Die
eigenen Wertvorstellungen müssten die Berater in den Hinter-
Kritik wurde in der abschließenden Diskussion vor allem an
der Ausbildung von Ärzten und
Pflegekräften deutlich. Dort sei
das Thema Patientenverfügung
noch nicht angekommen. Außerdem belasteten die Arbeitsverdichtung und damit auch der
Zeitdruck die Mitarbeitenden
in vielen Einrichtungen so sehr,
dass zeitintensive, aber wichtige
Gespräche zu kurz kämen.
– Robert Burg –
Die Patientenverfügung in
leichter Sprache kann hier im
Internet heruntergeladen
werden: wck.me/5no.
9
Buch über Recoverygeschichten
Hoffnung ist der erste Schritt
»Aus meiner Wahrnehmung bin
ich aus dem höchsten Himmel
großer Bewusstheit in den tiefsten Keller geistiger Verwirrung,
seelischer Erschütterung und
körperlicher Zerstörung gedonnert«, beschreibt Angelika Filius
aus Bielefeld in dem Buch. Schon
als junge Frau litt sie unter Panikattacken und Depressionen. In
einer akuten psychischen Krise
verursachte sie vor 15 Jahren als
Geisterfahrerin einen Unfall, bei
dem sie ein Bein verlor. An die
zehn Tage nach dem Unglück hat
sie keine Erinnerungen. Nur aus
Erzählungen weiß sie, dass sie
ans Bett fixiert und mit Medikamenten ruhig gestellt werden
musste. »Seit fünfzehn Jahren
sammle ich nun – ausgehend
von diesem Nullpunkt – meine
Seele, meinen Geist und meinen
Körper wieder ein.«
Geholfen hat ihr dabei der Recovery-Ansatz, der in Deutschland
noch nicht weit verbreitet ist.
Recovery steht für Genesung.
Prof. Dr. Michael Schulz warnt
jedoch davor, Genesung mit
Gesundung gleichzusetzen. Vielmehr gehe es darum, dass die
Betroffenen die Kontrolle über
10
Foto: Krüper
»Wir brauchen Vorbilder«,
sagt Angelika Filius. Sie ist
eine von 25 Autoren, die in
dem Buch »Die Hoffnung
trägt – Psychisch erkrankte
Menschen und ihre Recoverygeschichten« von ihren Genesungswegen erzählen. Betroffene, die Hoffnung und
Zuversicht verloren haben,
können von den individuellen
Erfahrungsberichten von Menschen, die vergleichbare Situationen erlebt haben, profitieren. Das bestätigt Mitherausgeber Prof. Dr. Michael Schulz,
Leiter des Studiengangs Psychiatrische Pflege an der Fachhochschule der Diakonie in
Bielefeld-Bethel.
Angelika Filius sieht in den Krisen auch Chancen.
das eigene Leben wiedererlangten und einen Sinn jenseits der
Krankheit entdeckten. Anders
als die traditionellen Therapieansätze in der Psychiatrie stellt das
Recovery-Konzept den Menschen
in den Mittelpunkt und nicht die
Symptome. »Die Fachpersonen
unterstützen die Betroffenen dabei, ihren individuellen Lebensweg
zurückzugewinnen, indem sie
Rahmenbedingungen schaffen«,
erklärt der Pflegewissenschaftler.
stünde jedoch häufig das Stigma
der Unheilbarkeit von psychischer
Krankheit. Das sei nicht nur sehr
belastend für die Betroffenen,
sondern erschwere auch die Bewältigung der Erkrankung. Das
bestätigt auch Angelika Filius.
»Man sollte den Begriff ,Psychisch krank‘ ganz aus seinem
Vokabular streichen. Wenn ich
mir immer Gedanken mache, das
ist normal und ab hier ist es krank,
komme ich in Teufels Küche.«
Stigma der Unheilbarkeit
Sie erinnert sich noch sehr genau
daran, was ein Therapeut damals
zu ihr sagte: »Du bist nicht psychisch krank. Aber deine Seele
hat sich durch diesen Schock in
den letzten Winkel verkrochen.
Jetzt geht es darum, die Verbindung wiederherzustellen.« Diese
Am wichtigsten sei es, dass
psychisch erkrankte Menschen
Hoffnung auf Genesung entwickelten. »Ohne Hoffnung ist
Recovery nicht möglich«, sagt
Michael Schulz. Dem im Wege
Hoffnung …
»Wie ein Uhrwerk«
»Als wir bei den Autorinnen und
Autoren wegen des Buches anfragten, haben wir ganz bewusst
keine Vorgaben gemacht und das
Projekt offen gehalten«, so Prof.
Dr. Schulz. Zum Vorbild hatten
sich die Herausgeber ein Buch
mit Geschichten und Gedichten
von Betroffenen aus dem Jahr
1994 in Amerika genommen. Das
Buch »Die Hoffnung trägt« mit
25 biografischen Geschichten
aus Deutschland ist in diesem
Jahr erschienen. »Ich war sehr
überrascht und habe selten Texte
gelesen, die so dicht auf wenigen
Seiten ein ganzes Leben zusammenfassen«, sagt Michael Schulz.
Angelika Filius fiel es nicht schwer,
so offen ihre Geschichte zu erzählen. Auf ihrem persönlichen
Offen berichtet Angelika Filius über ihre Lebensgeschichte.
Recoveryweg habe sie viel über
sich gelernt. Deshalb sieht sie in
den Krisen auch Chancen. »Ich
brauchte die Erschütterung. Seitdem fühle ich mich lebendiger
und spüre viel mehr Facetten des
Lebens.« Früher sei sie sehr leistungsorientiert gewesen und habe
»wie ein Uhrwerk« funktioniert.
persönlichen Geschichten für die
Bildung zu nutzen und das Erfahrungswissen auf diese Weise in
die Lehre einzubinden«, sagt dieser. »Denn auch die Profis brauchen Inspiration«, fügt Angelika
Filius hinzu.
»Die Hoffnung trägt« bestärkt
das Recovery-Modell und verdeutlicht anhand der Porträts,
wie erfolgreich dieser Ansatz sein
kann. »Das Buch zeigt das ganzheitliche Leben der Menschen«,
sagt Michael Schulz. Er kritisiert,
dass in klassischen Forschungsarbeiten meist nur einige Wochen
oder Monate untersucht werden.
Viel aussagekräftiger seien dagegen die Erfahrungsberichte im
Buch, die 10 bis 20 Jahre aus
dem Leben der Betroffenen darstellten.
Ihre Erfahrungen gibt sie heute
auch in Vorträgen und Schulungen an Fachkräfte in Kliniken
und Bildungseinrichtungen weiter. Auf diesem Weg hat sie vor
einigen Jahren Prof. Schulz kennen gelernt. »Es ist wichtig, die
– Christina Heitkämper –
Foto: Elbracht
»Das Buch ist eine Brücke zur
Welt, gerade für Menschen, die
sich zurückgezogen haben«, erklärt Angelika Filius. Indem sie
Parallelen zu ihrem Leben erkennen würden, könnten sie aus den
authentischen Geschichten Inspiration für ihren eigenen Recoveryweg schöpfen. Sie sollen zeigen,
dass jeder den Schritt aus einer
Krise in ein neues Leben schaffen
kann. In den einzelnen Berichten
wird deutlich, wie unterschiedlich und individuell die Möglichkeiten sind.
Foto: Elbracht
Worte gaben den Anstoß für
ihren Genesungsweg. Angelika
Filius beschreibt sie in dem Buch
als »Zauberworte«. Mit der Begleitung des Therapeuten und
der Unterstützung ihrer Familie
und Freunde gelang es ihr, einen
neuen Lebenssinn zu finden. So
wie der Therapeut ihr damals
Inspiration gegeben hat, soll das
Buch »Die Hoffnung trägt« mit
den geschilderten Krankheitserfahrungen anderen Betroffenen
und Angehörigen Mut machen.
Prof. Dr. Michael Schulz hat das Buch
»Die Hoffnung trägt« mit herausgegeben.
Michael Schulz und Gianfranco
Zuaboni (Hrsg.). »Die Hoffnung
trägt – Psychisch erkrankte
Menschen und ihre Recoverygeschichten«. BALANCE buch +
medien verlag, Köln 2014. 192
Seiten, 24,95 Euro.
ISBN 978-3-86739-090-3.
11
»800 Bielefelder Stadtzeichen«
Performance-Fest an der Neustädter Marienkirche
Was verbinden Bielefelder mit
ihrer Stadt? Was macht heute
das Leben in Bielefeld aus?
Wie könnte die Zukunft der
Stadt aussehen?
Die verschiedenen Projekte fanden ihren Höhepunkt in einem
großen Performance-Fest im September in und an der Neustädter
Marienkirche. Bilder, Installationen, Tanz-, Theater- und Musikstücke setzten »Wahrscheinliches
und Unwahrscheinliches aus 800
Jahren Bielefeld« in Szene und
sorgten für ein buntes Treiben
rund um die Kirche.
Fotos: Elbracht
Anlässlich des 800-jährigen
Bestehens Bielefelds hatten die
Theaterwerkstatt Bethel und das
Künstlerhaus Lydda Bürgerinnen
und Bürger eingeladen, sich im
Laufe des Jahres in offenen Ateliers und Performance-Werkstätten auf Spurensuche zu begeben
und »800 Bielefelder Stadtzeichen« künstlerisch zu erarbeiten.
Karl-Heinz Gies vom Künstlerhaus Lydda versteigerte Bilder aus den offenen Ateliers.
Die Tanzperformance »Unter Zwang« thematisierte die Zwangsarbeit während des
Zweiten Weltkrieges.
Barock wurde es in der Neustädter
Marienkirche mit dem »Königreich der
Inklusion« der Theaterwerkstatt Bethel.
12
Das Volxtheater stellte Auszüge aus seinem Stück »Dörfer« vor.
25 Jahre Birkenhof Wohnstift Kirchrode
Selbstbestimmt und trotzdem behütet
Mit »vorher« meint Margarete
Schuster die Jahre vor ihrem Einzug im Sommer 1989. Warum
ihr mittlerweile verstorbener
Mann und sie sich damals für die
Einrichtung entschieden haben,
weiß sie nicht mehr mit Sicherheit. »Ich vermute aber, es lag
auch an der Nähe zu unserem
Wohnort in Hannover«, sagt sie.
Vertrautes Umfeld
Der heimatnahe Standort ist für
viele der 180 Bewohnerinnen
und Bewohner ein wichtiger
Grund, warum sie das Wohnstift
Kirchrode für ihren Lebensabend
gewählt haben. Die meisten
kommen aus Hannover oder der
näheren Umgebung. Sie behalten ihr vertrautes Umfeld und die
Nähe zu Freunden und Verwandten. Ansonsten reizt die Senioren
der gehobene Komfort der Einrichtung, die aus acht Hauseinheiten mit Ein- bis DreizimmerApartments besteht. Die Bewohner entscheiden selbst, ob und
welche Dienst- und Serviceleistungen der Pflege und Betreuung
sie in Anspruch nehmen. Das Stift
bietet zudem alles, was für ein
möglichst selbstständiges Leben
benötigt wird. Es verfügt über
eine kleine Ladenzeile mit Sparkasse und Café, einen Friseursalon, eine Fußpflege, eine Bibliothek und sogar ein eigenes Hal-
Fotos: Schulz
»Rundum zufrieden« sei sie,
sagt Margarete Schuster.
Die 95-Jährige ist eine von
vier Bewohnerinnen, die seit
der Eröffnung des Birkenhof
Wohnstifts Kirchrode vor
25 Jahren in der Seniorenresidenz in Hannover leben.
»Mir fehlt es hier an Nichts.
Ich kann praktisch so selbstständig sein wie vorher«,
freut sie sich über die gute
Balance zwischen Behütetsein
und Eigenständigkeit in der
Einrichtung.
Das Jubiläum feierten (v. l.) Bethel-Verwaltungsrat Michael Wöller, Stiftsleiter Robert
Dabrowski, Bethel-im-Norden-Geschäftsführer Pastor Christian Sundermann, BethelVorstand Thorsten Dreyer, Geschäftsführerin Stefanie Schwinge-Fahlberg, Dr. Christoph
Künkel, Geschäftsführerin Luise Turowski, Bethels Vorstandsvorsitzender Pastor Ulrich
Pohl sowie die Bürgermeister Thomas Hermann und Bernd Rödel.
lenbad. Zudem bereichert eine
Vielfalt an Freizeit- und Kulturangeboten den Alltag.
Der Grundstein für das Birkenhof
Wohnstift Kirchrode wurde im
Oktober 1987 auf dem Gelände
eines ehemaligen Straßenbahndepots gelegt. Seit 2007 gehört
die Seniorenresidenz zu den
v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel.
Ende September feierte die Einrichtung von Bethel im Norden
ihr 25-jähriges Bestehen mit vielen Gästen – unter anderem mit
dem Vorstandssprecher der Diakonie Niedersachsen, Dr. Christoph Künkel. Er lobte, dass es im
Wohnstift Kirchrode vorbildlich
gelinge, eine gute Ausgewogenheit zwischen der Selbstbestimmung der Bewohner sowie einem
respektvollen und zugleich fürsorglichen Umgang mit ihnen zu
finden.
– Gunnar Kreutner –
Die 95-jährige Margarete Schuster genießt ihren Lebensabend im Wohnstift Kirchrode.
13
Bethel in Reichenwalde
Leben und arbeiten auf ehemaligem Gut
Fotos: Elbracht
Ein Garten Eden für Mensch und Tier
Pferde gehörten schon immer zu Reichenwalde: Ingo Wilschinsky (l.) und Ernst-Wolfgang Neumeister mit Rebecca (l.) und Max.
Die Hähne krähen. Ein neuer Tag beginnt. In der Küche ist schon
früh Betrieb. Das weiß auch die Katze, die draußen lauert und
sich einen morgendlichen Imbiss erhofft. Frei laufende Tiere,
grüne Wiesen, Wälder und den Scharmützel- und den Storkower
See in der Nähe – in dieser Idylle in Brandenburg liegt Reichenwalde. Hinter der evangelischen Kirche mit dem schiefen Turm
unterhält die Hoffnungstaler Stiftung Lobetal Wohnstätten und
eine Werkstatt für behinderte Menschen.
Ingo Wilschinsky ist als erster auf
den Beinen. Jeden Morgen um
vier Uhr geht der Bewohner auf
die Koppel, um nach den Pferden
Max und Rebecca zu sehen. Die
beiden gebrechlichen Tiere bekommen in der Lobetaler Einrichtung ihr Gnadenbrot. »Wenn ich
mich verspäte, stehen sie schon
am Zaun und warten auf mich«,
freut sich der 53-Jährige über die
Treue der Pferde. Sie bedeuten
ihm sehr viel.
Gutes Miteinander
Die Keimzelle der Lobetaler
Wohnstätten für Menschen mit
Behinderungen in Reichenwalde
ist ein Gutshaus aus dem 18.
Jahrhundert. 1925 kauften die
Pastoren Fritz von Bodelschwingh,
Anstaltsleiter in Bethel, und Paul
14
Gerhard Braune, Leiter in Lobetal,
das Gebäude mit Wirtschaftshof
und Ländereien. Zuerst zogen
obdachlose Männer und Wanderarbeiter in das Haus, was die
Nachbarschaft mit Argwohn betrachtete. Doch in den fast 90
Jahren des Zusammenlebens und
Zusammenwachsens hat sich alles
verändert. Aus anfänglicher Ablehnung wurde ein gutes Miteinander. »Inklusion ist in Reichenwalde längst Realität und nichts,
was wir noch hart erarbeiten
müssten«, betont Ernst-Wolfgang Neumeister, Verbundleiter
der Lobetaler Behindertenhilfe
im Landkreis Oder-Spree. 88
Menschen mit geistigen Behinderungen und psychosozialen
Beeinträchtigungen gibt es hier
derzeit. Und sie sind voll in die
Gemeinde integriert.
Das historische Gutshaus, auch
das Schloss genannt, konnte
dank einer Förderung der Europäischen Union für ländliche Gebiete vor wenigen Jahren saniert
werden. Neben Veranstaltungsräumen und Gästezimmern befindet sich hier auch die Reichenwalder Bibliothek. Und im Hochparterre findet jeden Tag ein freizeitstrukturierendes Angebot von
Lobetal statt. Vor allem nehmen
Menschen mit erworbenen Hirnschädigungen (MEH) daran teil.
16 Betroffene leben in dem MEHWohnhaus, das erst vor zwei
Jahren nebenan eröffnet wurde.
Es ist das erste im Landkreis OderSpree. »Wir werden die Zahl der
Plätze aufstocken müssen«, stellt
Ernst-Wolfgang Neumeister fest.
»Der Bedarf ist hoch.«
Wer in Reichenwalde in die
Dahmsdorfer Straße einbiegt,
passiert ein stationäres Wohnheim, das als solches überhaupt
nicht zu erkennen ist. Durch die
Das Gutshaus wurde um1777 erbaut.
Bethel in …
geschickte Architektur entsteht
vielmehr der Eindruck von schmucken Reihenhäusern. Doch die
Innenräume sind zum Nachbarhaus geöffnet, sodass es viel Platz
für Gemeinschaftsküche und
-wohnzimmer gibt. Mit geringem
Aufwand kann man im selben
Gebäude individuelles Wohnen
ermöglichen, wenn ein Bewohner
selbstständiger leben möchte.
Richtige Richtung
Wunderschön ist Reichenwalde.
Deshalb gibt es für die Bewohner
wenig Anreiz, ins Ambulant Betreute Wohnen in die Stadt zu
ziehen. »Doch wer diesen Schritt
vollzogen hat, will nicht wieder
zurück«, stellt Frank Tschentscher,
der im Landkreis Oder-Spree für
den Ambulanten Dienst zuständig ist, klar. Von Fürstenwalde
über Storkow bis Cottbus und
Spremberg fahren er und seine
zwölf Kolleginnen und Kollegen
zu den Klienten. Für den leitenden Mitarbeiter, der sein Büro
in Reichenwalde hat, steht fest:
»Das Ambulante ist unschlagbar.
Wir bieten die Unterstützung
dort an, wo der Mensch wohnt.
Sie ist personenzentriert und
individuell. Das ist die richtige
Richtung!«
In der Werkstatt füllt Andreas Ebisch aromatisierte Eichenspäne in Tüten.
Lecker – in Reichenwalde wird mittags frisch gekocht. Die Kantine ist immer gut besucht.
Hier will niemand schnell ausziehen: Wohnstätten-Leiterin Ilse Edinger und Bewohner
Heinz Becher im Garten des Wohnheims.
Die Hoffnungstaler Werkstätten
für behinderte Menschen im Landkreis Oder-Spree können sich
über eine mangelnde Auftragslage nicht beklagen. Das gilt
auch für den Standort Reichenwalde. Die Beschäftigten erledigen dort Arbeiten von der einfachen Industriemontage bis hin zu
anspruchsvollen Tätigkeiten für
hochpreisige Produkte. Beispielsweise werden teure Saunawände,
Liegen und Bänke aus Holz in der
Werkstatt montiert. Und manchmal riecht es nach Alkohol. Doch
getrunken werde er nicht, versichert die Bereichsleiterin Sabine
Sprie mit einem Lächeln. »Wir
haben tatsächlich Whisky und
Bier in unserem ‚Giftschrank‘.
Damit werden Holzspäne aromatisiert, die den Geschmack beim
Grillen an das Grillgut abgeben.«
Wenn es Abend wird und die
Werkstattbeschäftigten nach
Hause gefahren sind, kehrt wieder Ruhe ein in Reichenwalde.
Ein paar Bewohner sitzen noch
draußen und genießen die Dämmerstunde im Grünen. Ingo Wilschinsky macht sich ein letztes
Mal auf den Weg zur Koppel,
um nach den Pferden zu sehen.
Dann ist es dunkel, und oben im
Schlossturm geht das Licht an.
»Es spukt im Schloss«, behaupten
die Menschen in Reichenwalde.
Das sagen sie gerne zu den
Schlafgästen im Gutshaus. Aber
die glauben das natürlich nicht,
auch wenn nachts die Bohlen
knarren.
– Silja Harrsen –
15
Diakonisse Schwester Käthe wurde 100 Jahre alt
Foto: Schulz
»Je größer der Widerstand, desto lieber wollte ich es!«
Heute lebt Schwester Käthe im Haus Abendfrieden in Bethel.
Schon als Zehnjährige stand für Käthe Peter fest: »Ich will
später einmal Diakonisse werden.« In ihrer Heimat, dem Dorf
Dennhausen bei Kassel, war ihr eine Schwester begegnet,
deren tatkräftige Persönlichkeit sie nachhaltig beeindruckt
hatte. Das war vor 90 Jahren. Schwester Käthe, wie sie heute
meist genannt wird, wurde am 5. Oktober 100 Jahre alt.
Allerdings war ihre Mutter überhaupt nicht erbaut von der Idee
ihrer Tochter, einer Schwesternschaft beizutreten. Das Kind
schien damals keine stabile Gesundheit zu haben. »Ich weiß
doch, wie viel die Schwestern
arbeiten müssen«, habe die besorgte Mutter gesagt. »Das ist
viel zu schwer für dich!« Doch
ihre Tochter ließ sich nicht abschrecken. Im Gegenteil: »Meine
Verwandten haben mich reihum
bekniet, es nicht zu tun. Aber
je größer der Widerstand, desto
lieber wollte ich es«, blickt
Schwester Käthe heute zurück –
und fügt schnell versöhnlich hinzu: »Später haben sie mich dann
aber immer unterstützt.«
Als sie 20 Jahre alt wurde, war
es dann endlich so weit: Käthe
Peter zog nach Bielefeld-Bethel,
trat in das Mutterhaus Sarepta
16
ein und begann ihre Ausbildung.
1940 legte sie das Krankenpflegeund 1944 das Sozialpädagogische Examen ab. Kurz nach dem
Krieg, 1946, wurde sie zusammen
mit 45 anderen jungen Frauen
zur Diakonisse eingesegnet – aus
Käthe Peter wurde Schwester
Käthe. Ihren Leitspruch fand sie
in einem Lied von Paul Gerhardt:
»Unverzagt und ohne Grauen
soll ein Christ, wo er ist, stets
sich lassen schauen.«
»Schreibschwester«
Zunächst war Schwester Käthe in
der Kinderbetreuung im Einsatz.
Doch den prägendsten Abschnitt
ihrer Dienstzeit verbrachte sie als
»Schreibschwester« des Chefarztes für Chirurgie der »Krankenanstalten Gilead«. Hier war
sie bis 1969 nicht nur als Sekretärin tätig, sondern auch eng
eingebunden in das Leben der
Medizinerfamilie. Als ihr eine
neue Aufgabe zugeteilt wurde,
war diese zunächst gar nicht
nach ihrem Geschmack. In der
»Trachtenzentrale« oblag ihr die
Zuweisung der traditionellen Bekleidung an ihre Mitschwestern.
Dennoch ließ sie sich darauf ein –
und blieb ihrem Aufgabengebiet
treu, bis 1980 der Feierabend
begann. »Das war auch eine
schöne Zeit«, sagt sie rückblickend. »Ich mochte die vielen
netten Kontakte zu den anderen
Schwestern.« Eine ungewöhnliche Tätigkeit übte sie nebenbei
aus: »Ich war in Bethel bei der
Feuerwehr«, erinnert sich Schwester Käthe. So war sie auch im
Einsatz, als 1944 Bomben auf
Bethel fielen und das Mutterhaus
Sarepta brannte.
Reisen im Ruhestand
Im »Feierabend«, dem Ruhestand der Schwestern, war es ihr
schließlich möglich, Reisen zu
unternehmen: »Das war schon
immer mein Wunsch«, sagt sie
voller Begeisterung. In den folgenden Jahren besuchte sie nicht
nur Moskau und Sankt Petersburg, sondern unternahm auch
Fernreisen nach Asien. Nach
weiteren Jahren, die sie in Hessen in der Nähe ihrer Angehörigen lebte, kehrte sie nach Bethel
zurück. Seit 2001 lebt Schwester
Käthe im Kreise ihrer Mitschwestern im Haus Abendfrieden. Dass
am Tag ihrer Geburtstagsfeier
der Erntedankgottesdienst der
Sarepta-Schwestern abgehalten
wurde, freute sie besonders.
– Robert Burg –
Das Zirkusprojekt »Soluna« ist inklusiv
Der Zirkus Soluna machte Anfang Oktober Station in Bad
Salzuflen. Sein knallbuntes
Zelt neben dem Jugendzentrum »@on!« fiel schon von
Weitem auf. Große Nervosität
war bei den 115 Kindern und
Jugendlichen zu spüren, als es
hieß »Manege frei!«. Denn sie
waren die Artisten. Fünf Tage
lang probten sie mit Zirkuspädagogen und Trainern Tricks,
Sketche und Kunststücke. Auch
eine Gruppe junger Menschen
mit Behinderungen aus Bethel
war dabei. Die 15 Jungen und
Mädchen seien in ihren Artistengruppen gar nicht aufgefallen, betonte Christopher Brodbeck, einer der Organisatoren
des Zirkusprojekts. »Behinderungen sind Kindern egal.«
Alle 350 Plätze im Zirkuszelt
waren besetzt, als das Training
mit einer umjubelten Vorführung
endete. Die Clowns reizten die
Lachmuskeln mit ihrer StinkeSocken-Nummer, Akrobatinnen
und Akrobaten auf Laufkugeln
verblüfften mit Balanceakten, und
die Feuerspucker raubten den Zuschauern den Atem, als sie tollkühn mit brennenden Fackeln
umherwirbelten. Auch Steven
vom Familienunterstützenden
Dienst Bielefeld gehörte zu den
Mutigen, die mit bloßen Händen
Fotos: Elbracht
Gemeinsame Kunststücke unter dem Sternendach
Fünf Tage lang probten 115 Kinder und Jugendliche für ihren großen Auftritt.
Flammen ausdrückten. »Das Feuer
ist nicht heiß«, verriet der 14Jährige. Robin, sein ManegenPartner, glaubte zu wissen, woran das lag. »Wir benutzen eine
Brennflüssigkeit, die bei niedrigen Temperaturen in Flammen
aufgeht«, ist er sich sicher.
Wie Steven gehören auch Marvin
der Clown, Diana die Akrobatin
oder Antonio der Diabolo-Künstler zu den Kindern und Jugendlichen, die von den Familienunterstützenden Diensten Bielefeld,
Gütersloh und vom Haus Brücke
der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel betreut werden.
Für das Zirkusprojekt brauchten
Steven (l.) und Robin begeisterten als
Feuerspucker.
die Jugendlichen eine persönliche
Assistenz, die ihnen mit Hilfe von
Spenden ermöglicht wurde. Zusammen mit den Kooperationspartnern, dem Kinderschutzbund
und dem Kinder- und Jugendhaus
Bad Salzuflen sowie den Zirkusleuten sorgten die Assistenten
dafür, dass die Schülerinnen und
Schüler während der Herbstferien unvergessliche Momente
erlebten.
– Silja Harrsen –
Die Probe hat bestens geklappt: Diana ist zufrieden.
17
Bethel damals Kirchweihfest der Zionskirche vor 130 Jahren
und Sachspenden konnte die
Kirche schuldenfrei gebaut werden, sogar größer als ursprünglich vorgesehen: Zwei kleine
Glockentürme, eine Spende aus
Afrika, wurden angebaut und
die Plätze von 1.000 auf 1.600
erweitert. Die Gesamtkosten beliefen sich schließlich auf fast
110.000 Mark; die Bauzeit betrug nicht einmal ein Jahr.
Foto: Schulz
Neffe des Kaisers
Die Zionskirche liegt hoch über der Ortschaft Bethel auf dem Zionsberg.
Schubkarren und Schürzen voll Sand wurden auf den Berg gebracht, Steine von Hand zu Hand weitergereicht. Der Bau einer
eigenen Kirche, das wichtigste Ereignis in Bethel in den Jahren
1883/1884, war eine echte Gemeinschaftsarbeit der »Kolonie für
epileptische Kranke Bethel«, wie die Gemeinde in der Urkunde
zur Grundsteinlegung am 16. Juli 1883 bezeichnet wird.
Seit 1874 fanden Gottesdienste
für die Bethel-Gemeinde in der
Kapelle des Diakonissen-Mutterhauses Sarepta statt. Doch die
300 Plätze dort reichten auch bei
zwei Gottesdiensten hintereinander nicht aus. Abhilfe sollte eine
eigene Kirche schaffen. Schon
mehrere Jahre vor dem Beschluss
des Vorstandes 1882/83 wurden
Spenden zum Bau einer Kirche in
Bethel gesammelt.
Friedrich v. Bodelschwingh d. Ä.
suchte den Bauplatz auf dem
Berg selbst aus; in die unentgeltlich angefertigten Baupläne des
Architekten Wegner aus Hannover zeichnete er Ergänzungen.
Die Kirche sollte auf einer Lichtung hoch oben mitten im Wald
18
liegen; die steilen Wege dorthin
waren kaum ausgebaut, große
Baumaschinen noch nicht erfunden. Das Problem des Transportes
auf den Berg löste Bodelschwingh
so: Niemand dürfe zum Kirchplatz
hinaufgehen, ohne Baumaterial
mit hoch zu nehmen, das vor dem
Diakonissenmutterhaus Sarepta
angeliefert worden war. Mit großen und kleinen Karren brachten
Junge und Alte, Kranke und Gesunde Sand, Kalk und Steine auf
den Berg zur vorgesehenen Baustelle.
Finanzierung durch Spenden
Beim Richtfest im Juni 1884 wurde
der Name »Zionskirche« festgelegt. Durch Tausende von Geld-
Ein ganz besonderer Festtag
wurde der 28. November 1884
mit der Einweihung der »Zionskirche von Bethel, Sarepta, Nazareth, Wilhelmsdorf«. Die gesamte
Organisation des Kirchweihfestes
übernahm Bodelschwingh selbst.
Ein feierlicher Umzug startete
mittags von Sarepta aus. Prinz
Albrecht von Preußen, ein Neffe
des Kaisers, der in Vertretung des
vorgesehenen Kronprinzen gekommen war, öffnete mit Segensworten das Portal der Zionskirche.
Bodelschwingh erwartete mehr
Besucherinnen und Besucher, als
Plätze vorhanden waren. Daher
regelte er den Einzug der Gäste
in die neue Zionskirche durch
die Ausgabe von Eintrittskarten.
An allen fünf Türen wachten
Soldaten, Hauseltern, Diakone
in Feuerwehruniform oder Diakonissen über den Zutritt: »Der
Sängerchor sowie sämtliche
kranke Mädchen von Bethel,
ferner die Kranken von Nazareth,
Hermon, Hebron, Mamre, Bethsaida, Sunem, Dan, Elim gehen
durch die Haupttüre ein … allein
es wird gut sein, daß sämtliche
Kranke und sämtliche Hausbewohner ihre Karten in der Hand
haben, damit sich niemand unberechtigt eindrängt.« Friedrich
v. Bodelschwingh legte auch die
Sitzordnung und alles andere
genauestens fest: »Die Brüder,
welche an den Thüren stehen,
sorgen auch für Teller zur Collecte
beim Ausgang.«
Bethel damals …
Der »Diaconissenchor, der Bethelchor« und die ganze Gemeinde
sangen in der mit langen Girlanden aus Tannenzweigen mit
roten und weißen Papierrosen geschmückten Zionskirche. Zwanzig
Posaunenchöre mit etwa 300 Bläsern ließen ihre Musik erklingen.
Bodelschwingh selbst hielt die
Festpredigt über den Anfang des
Psalm 126: »Wenn der Herr die
Gefangenen Zions erlöst, werden
wir sein wie die Träumenden.«
Der Psalm steht über dem Chorbogen der Zionskirche.
Da die Plätze in der neuen Kirche
nicht für alle Gäste, schon gar
nicht für alle Spender und Helfer,
ausgereicht hatten, beschloss am
späten Nachmittag noch ein adventlicher Abendgottesdienst mit
2.000 Besuchern den ereignisreichen Tag. Zuletzt wurde der Prinz
mit seinem Gefolge unter Posaunenklängen zum Bahnhof in Bielefeld begleitet.
Seltsamer Ausblick
Zwei Weltkriege hat sie überstanden, wenn auch mit starken Beschädigungen. Glocken, Fenster
und Orgel wurden ersetzt bzw.
erneuert. Renovierungen innen
und außen waren nötig. Aber die
Ortschaft Bethel ohne Zionskirche oben auf dem Berg …?!
– Hildegard Kuhlemann –
Repro: Schulz
Zum 25. Jubiläum der Zionskirche
1909 gab Pastor Friedrich v. Bodelschwingh d. J. in seiner Predigt
zum Psalm 126 einen heute seltsam anmutenden Ausblick auf
die Zukunft: »Diese unsere liebe
Zionskirche wird nicht immer
stehen bleiben. Sie ist jetzt noch
jung. Wie lange wird es dauern,
dann ist sie alt geworden und
fällt schließlich auch zusammen.«
Zionskirche – Bauplan
Oben: Seitenansicht, Entwurf mit Bleistift-Zeichnung der Türme; realisiert wurde die
rechte Version, ein Turm vor, einer hinter der Apsis. Vermutlich ließen weder Statik noch
Platz zu, so zu bauen, dass die Kirche wie sonst üblich durch das Portal mit Türmen
betreten werden konnte. (Das Hauptportal befindet sich links).
Unten: Grundriss mit 4 Kämmerchen für die Gottesdienstbesucher mit epileptischen
Anfällen; eigenhändige Unterschriften darunter: »Gadderbaum, d. 19. Oktober 1883;
Der Vorstand v. Bethel Bodelschwingh; der Mauermeister Aug. Karmeyer; A. Schroeder
sen. Zimmermeister«.
19
RING-Magazin
Trauer um Maria Marek
Maria Marek starb plötzlich
am 23. September im Alter von
62 Jahren. Sie war seit 1985
in Bielefeld-Bethel in der Abteilung Spenden im Dankort zunächst als Sachbearbeiterin
und dann als Sekretärin tätig.
Foto: privat
Bildung & Beratung Bethel
Das PIKSL-Labor in Düsseldorf wurde Mitte September in Berlin mit
dem Wirkt-Siegel des gemeinnützigen Analysehauses PHINEO ausgezeichnet. Das Analysehaus prüft mit Unterstützung der BundesligaStiftung und der Sir-Peter-Ustinov-Stiftung gemeinnützige Organisationen auf ihre Wirksamkeit. Das PIKSL-Labor der In der Gemeinde
leben gGmbH (IGL) macht Computertechnologien für Menschen mit
Behinderungen zugänglich. Projektleiter Tobias Marczinzik (l.) und
IGL-Geschäftsführer Kurt-Ulrich Wiggers nahmen den Preis von der
Beauftragten der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit
Behinderungen Verena Bentele entgegen.
Jahresprogramm:
Für 2015 bietet Bildung & Beratung Bethel wieder ein umfassendes Fort- und Weiterbildungsprogramm zu aktuellen Themen
und Herausforderungen diakonischer und sozialer Unternehmen
an. Mitarbeitende unterschiedlichster Arbeitsfelder finden hier
eine fundierte und in der Praxis
hilfreiche Unterstützung. Den
Katalog kann man unter www.
bbb-bethel.de einsehen oder
telefonisch unter 0521 144-5770
bzw. per E-Mail an bildung-beratung@bethel.de anfordern.
Foto: Schulz
2015 ist für Bildung & Beratung
Bethel ein Jubiläumsjahr. Vor
zehn Jahren wurde das Institut
mit dem Ziel gegründet, die vorhandene Vielfalt von Bildungsmaßnahmen zu bündeln und
aus einer Hand anzubieten. Die
Bildung von Mitarbeitenden aller
Ebenen und Bereiche hat in den
v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel eine mehr als einhundertjährige Tradition.
Ein bundesweites Golfturnier fand Ende September in Bielefeld
statt. Ausrichter waren der Bielefelder Golfclub und die v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Insgesamt 68 Menschen mit und
ohne Behinderungen, darunter viele Schülerinnen und Schüler der
Betheler Mamre-Patmos-Förderschule, kämpften auf dem Gelände des
Bielefelder Golfclubs um Gold, Silber und Bronze. Ein inklusives Team
bildeten auch Margareta Frefe und Benjamin Bernhöft, die gemeinsam
ihre Geschicklichkeit unter Beweis stellten und viel Spaß dabei hatten.
20
Aktuelle freie Plätze:
• Weiterbildung »Seelsorge mit
krebskranken Menschen«,
24. November bis Ende 2015
• Meisterhaft pflegen: Risiko
Sturz, 3. Dezember
• Weiterbildung Palliative Care
für Seelsorger, sozialtherapeutische und weitere beratende
Berufsgruppen, 8. Dezember
bis Ende 2015
Anmeldung: Tel. 0521 144-5770
Foto: Schulz
RING-Magazin
»An der Zechenstraße« heißt das neue Wohn- und Unterstützungsangebot in Unna, das im Oktober eingeweiht wurde. Regionalleiter Wolfgang Berger (v. l.), Bewohner Bartek Kotzing, Hausleiterin Michaela
Becker und Bürgermeister Walter Kolter feierten mit zukünftigen Bewohnern und vielen Gästen. In der
Einrichtung werden 24 Menschen mit komplexen Behinderungen und besonderem Unterstützungsbedarf
wohnen. Der Einzug begann Mitte Oktober.
Palliativversorgung
Teilnehmer gesucht
Bielefelder Schmerztag
Heimbeatmete Kinder sind am
27. November das Thema in
der Vortragsreihe »Pädiatrische
Palliativversorgung OWL 2014«.
Nadine Henkel, Kinderkrankenschwester im Ev. Krankenhaus
Bielefeld, informiert über »Indikationen, Pflege, Komplikationen
und aktuelle Entwicklungen«.
Die Veranstaltung findet von
17 bis 19 Uhr im Kinder- und
Jugendhospiz in Bielefeld-Bethel,
Remterweg 55, statt.
Für ein alltagsnahes neuropsychologisches Forschungsprojekt
sucht die Klinik für Psychiatrie
und Psychotherapie des Ev. Krankenhauses Bielefeld Personen
im Alter von 35 bis 65 Jahren.
Die Teilnehmenden füllen zwei
Fragebogen aus, bearbeiten
einen Gedächtnistest und simulieren einen Einkauf in einem
universitätsnahen Supermarkt in
der Wertherstraße. Der zeitliche
Aufwand beträgt knapp eine
Stunde. Dafür gibt es eine Aufwandsentschädigung in Höhe
von zehn Euro. Teilnehmen kann,
wer nicht studiert und wer in der
Vergangenheit nicht unter einer
klinisch relevanten psychischen
Erkrankung gelitten hat. Bei Interesse kann man eine E-Mail
mit Terminvorschlag an Thomas
Beblo, Leiter der Forschungsabteilung im Haus Gilead IV in
Bielefeld-Bethel, schicken.
Die Adresse lautet:
thomas.beblo@evkb.de.
Zum Thema »Schmerz und Alter«
findet am 8. November der 6.
Bielefelder Schmerztag statt. Auf
dem Programm stehen Vorträge
zu chronischen Schmerzen im
Alter und ihren Kennzeichen, zu
pharmakologischen Herausforderungen sowie zum Thema
»Schmerz, Alter und das Sterben«.
Außerdem informieren Fachleute
über aktivierende Physiotherapiekonzepte, über Therapiemöglichkeiten im Bereich alternder Gelenke – radiologische Therapieoptionen, Orthovolt-Therapie und
Radiosynoviorthese – sowie über
das Thema »Wohnen, Autonomie
und Sicherheit«. Die Fachveranstaltung des Ev. Krankenhauses
Bielefeld findet von 9 bis 13.30
Uhr in der Neuen Schmiede in
Bielefeld-Bethel statt. Teilnahmegebühren werden nicht erhoben.
Trauer um Rolf Gressel
Rolf Gressel starb am 4. Oktober im Alter von 53 Jahren
nach kurzer schwerer Krankheit. Er war seit 2010 in den
v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel tätig und arbeitete
als Hausmeister im Hauswirtschaftszentrum Bielefeld-Nord
des Stiftungsbereichs Bethel.
regional.
Information und Anmeldung:
Tel. 0521 772-76001, E-Mail:
Heidrun.Pohlmann@evkb.de
21
RING-Magazin
Foto: Semper
Bielefelder Hospiztage
In Himmelpforten im Landkreis Stade ersetzt Bethel im Norden das
denkmalgeschützte Steinmetz-Haus durch einen Neubau. Bis zum Sommer 2015 entsteht ein zweigeteilter Gebäudekomplex mit 24 Apartments für Menschen mit seelischen Behinderungen auf dem Gelände,
auf dem sich auch der Altbau befindet. Die Investitionen belaufen sich
auf rund 2,4 Millionen Euro. Den Grundstein legten Ende September
(v. l.) Bauleiter Dirk Lotzmann (J & J), Bethel-im-Norden-Geschäftsführerin Luise Turowski, Dunja McAllister, Schirmherrin von Bethel im Norden,
und Architekt Michael Pappert (Architekturbüro Pappert + Weichynik).
• 6. November, 19 Uhr: Vortrag
»Das Leben als letzte Gelegenheit« von Prof. Dr. Marianne
Gronemeyer (FH Wiesbaden);
Ort: Johannesstift-Kapelle/Ev.
Johanneswerk, Bielefeld, Schildescher Straße 101
• 13. November, 19 Uhr: Vortrag
»In Ruhe sterben – was wir
uns wünschen und was die
moderne Medizin nicht leisten
kann« von Prof. Dr. Reimer
Gronemeyer (Universität Gießen); Ort: Gemeindehaus Neustädter Marienkirche, Bielefeld,
Papenmarkt 10a
• 21. November, 18 Uhr: Lesung
»Geschichten vom Sterben«
mit der Berliner Palliativärztin
Petra Anwar und Schriftsteller
John von Düffel; Ort: Gemeindehaus Neustädter Marienkirche
Die Hospiztage werden von den
Bielefelder Hospizinitiativen veranstaltet. Zu ihnen gehören das
stationäre Hospiz Bethel Haus
Zuversicht, das Kinder- und
Jugendhospiz Bethel und der
Hospiz e. V., Bethel.
Foto: Lehmann
Neue Schmiede
Eine gemeinsame psychosomatische Station unterhalten seit
vergangenem Jahr das Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge
(KEH) und das Sana Klinikum Lichtenberg in Berlin. Zehn bis fünfzehn
Prozent der Patienten in Kinderkliniken weisen psychiatrische Störungen auf. Ihrer Versorgung haben sich die Sana-Klinik für Kinder- und
Jugendmedizin sowie die KEH-Kinder- und Jugendpsychiatrie trägerübergreifend angenommen. Bei einer Fachtagung im vergangenen
Monat wurde die Station im Sana Klinikum auch offiziell eröffnet:
(v. l.) Dr. Gebhard von Cossel (Sana), Michael Mielke (KEH), Gesundheitsstadträtin Dr. Sandra Obermeyer, Christian von Klitzing (Sana),
Dr. Rita May (KEH), Dr. Susanne Knoll (KEH), Dr. Manfred Lang (KEH),
die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle, Prof. Dr.
Volker Stephan (Sana) und Pastor Dr. Johannes Feldmann (KEH).
22
• Musik aus Brasilien:
Badi Assad auf Europa-Tournee
mit Simone Sou, 1. November,
20 Uhr
• Figurentheater Rosenfisch:
Hase und Igel (Kinderprogramm), 2. November, 16 Uhr
(Vorverkauf nur Neue Schmiede)
• Folk aus Schweden: Triakel,
7. November, 20 Uhr
• »Die Liebe – eine Himmelsmacht!« – Vortrag mit Lesung
und Musik von Dr. phil. Mathias
Jung, Susan Weinert (Gitarre)
& Martin Weinert (Kontrabass);
20. November, 20 Uhr
• Anna Mateur & The Beuys
(Musikkabarett): Protokoll einer
Disko, 28. November, 20 Uhr
Foto: Elbracht
RING-Magazin
Neunzehn Diakoninnen und Diakone wurden Ende September in der Zionskirche in Bielefeld-Bethel in
ihr kirchliches Amt eingeführt. Die Einsegnung nahmen Bethels Vorstandsvorsitzender Pastor Ulrich Pohl,
der Landeskirchenrat der Ev. Kirche von Westfalen Prof. Dr. Dieter Beese sowie der Älteste der Diakonischen
Gemeinschaft Nazareth Diakon Wolfgang Roos-Pfeiffer vor. Die neuen Diakoninnen und Diakone haben ein
Bachelor-Studium »Diakonie im Gemeinwesen« an der Fachhochschule der Diakonie abgeschlossen oder
die berufsbegleitende Ausbildung an der Ev. Bildungsstätte für Diakonie und Gemeinde absolviert. Am Tag
vor dem Einsegnungsgottesdienst hatten im Assapheum in Bielefeld-Bethel mehr als 200 Mitglieder der
Diakonischen Gemeinschaft Nazareth zur Jahreslosung 2014 »Gott nahe zu sein ist mein Glück« getagt
und 23 neue Schwestern und Brüder aufgenommen.
Martinsmarkt
aNdereRSeiTs
Hospiz-Forum Lazarus
Am Hotel Lindenhof in BielefeldBethel im Quellenhofweg 125
findet am 8. November von 14
bis 19 Uhr und am 9. November
von 12 bis 19 Uhr ein Martinsmarkt mit Verkaufsständen, Kinderaktionen, Livemusik und Tanzvorführungen statt.
Neu in Bernau ist die Galerie
»aNdereRSeiTs« im Lobetal-Eck
in der Brauerstraße 9. Mitte September hat die Hoffnungstaler
Stiftung Lobetal die Einrichtung
eröffnet, in der in wechselnden
Ausstellungen Werke von Künstlern mit einer geistigen, seelischen oder psychischen Behinderung vorgestellt werden. Die
Eröffnungsausstellung »Farbspiel« zeigt Malerei, Zeichnungen
und Installationen von sieben
Künstlern, die zur Ateliergemeinschaft der Kreativen Werkstatt
Lobetal gehören.
Über »Trauer und Kunst« spricht
Adelheid Scholten, Kulturmanagerin und Trauerbegleiterin im
Lazarus-Hospiz, am 10. November im Forum des Lazarus-Hospizes in Berlin. Die Veranstaltung beginnt um 19.30 Uhr im
Festsaal in der Bernauer Straße
115 – 118.
Epilepsie-Kolloquium
Präiktale klinische Symptome
und EEG-Veränderungen stehen
im Mittelpunkt des nächsten
Berlin-Brandenburger EpilepsieKolloquiums am 26. November.
Den Vortrag hält Prof. Dr. Andreas
Schulze-Bonhage vom EpilepsieZentrum am Universitätsklinikum
Freiburg. Das Forum zur Diskussion neuer wissenschaftlicher
Erkenntnisse findet von 17.30
bis 19 Uhr in der Heinrich-BöllStiftung in Berlin, Schumannstraße 8, statt. Mitveranstalter
ist das Betheler Epilepsie-Zentrum Berlin-Brandenburg.
Die Galerie für »Außenseiterkunst« ist freitags von 14 bis 18
Uhr, samstags von 11 bis 17 Uhr
sowie dienstags von 9 bis 12 Uhr
und donnerstags von 9 bis 15
Uhr geöffnet. Besuche sind auch
nach Vereinbarung möglich: Tel.
03338 3603137.
Trauercafé in Berlin
Das Betheler Lazarus-Hospiz in
Berlin eröffnet am 20. November
ein Trauercafé. In der offenen
Gruppe können Trauernde Gemeinschaft und Austausch mit
anderen erleben, die ebenfalls
einen nahe stehenden Menschen
verloren haben. Eine erfahrene
Trauerbegleiterin führt ein erstes
Gespräch mit den Betroffenen.
Das Café findet zunächst einmal
im Monat statt. Kontakt: Lydia
Röder, Tel. 030 46705276;
E-Mail lazarushospiz-l.roeder@
lobetal.de
23
Foto: Schulz
RING-Magazin
Die Freiwilligenagentur Bethel veranstaltete für Anleiterinnen und Anleiter der Betheljahr-Teilnehmenden im September zwei Tagungen im Haus Nazareth in Bielefeld-Bethel. Für die rund 150 Anleiter ging es
um allgemeine Hinweise und aktuelle Informationen zum Betheljahr. Daneben fanden verschiedene Arbeitsgruppen unter anderem zum Betheljahr International, zum Bewerbungs- und Einstellungsverfahren, zur
Anerkennungskultur oder zu den Herausforderungen für Betheljahr-Teilnehmende statt. Der Leiter der Freiwilligenagentur, Diakon Stefan Homann (vorne, r.), nahm auch zu Einzelfragen Stellung. Weitere AnleiterTreffen gibt es in Dortmund, Hagen, Freistatt und Hannover.
Dortmunder Hospizforum
Lesung und Musik
Wohin im Urlaub?
Die Leiterin des TrauerInstituts
Deutschland, Chris Paul, liest am
12. November im Hospizforum
2014 der »Evangelischen Hospizund Palliativdienste in Dortmund
und Lünen« aus ihrem Buch
»Keine Angst vor fremden Tränen! – Trauernden Freunden und
Angehörigen begegnen«. Im
Anschluss können die Gäste mit
der Autorin ins Gespräch kommen. Die Lesung, die vom Betheler Hospiz Am Ostpark mitveranstaltet wird, findet von 18 bis 20
Uhr im Kultur- und Tagungszentrum Wichern in der Stollenstraße
36 in Dortmund statt. Musikalisch umrahmt wird der Abend
von Saxofonist Wolfgang Berger
und Keyboarder Georg Scheffer.
Aus dem Buch »Das Schicksal ist
ein mieser Verräter« von John
Green liest Magdalena Domka
am 16. November im LazarusHaus in Berlin. Die Lesung wird
musikalisch begleitet. Die Veranstaltung im Festsaal in der Bernauer Straße 115 – 118 beginnt
um 16 Uhr. Der Eintritt ist frei,
eine Spende für das Lazarus-Hospiz wird erbeten. Unter Tel. 030
46705272 ist die Anmeldung
möglich.
Der neue Katalog der Betheler
Reiseschmiede für Menschen
mit Behinderungen ist erschienen. Das Angebot umfasst
Ferien auf dem Bauernhof und
Städtereisen ebenso wie einen
Urlaub an der Ost- und der Nordsee oder einen Skiurlaub. Der
Katalog kann im Internet unter
www.neue-schmiede.de eingesehen oder während der Öffnungszeiten direkt in der Neuen
Schmiede in der Handwerkerstraße 7 in Bielefeld-Bethel abgeholt werden. Ganz wichtig:
Die Anmeldefrist hat sich geändert! Die erste Anmeldephase
endet bereits am 30. November.
Haus Salem
Ein Einkehrwochenende für Frauen
findet mit Übernachtung vom
28. bis 30. November im Haus
Salem in Bielefeld-Bethel statt.
Anmeldung: Tel. 0521 144-2486
24
Kontakt: Reiseschmiede, Tel.
0521 144-4036
RING-Magazin
Bücher
Foto: Lehmann
»Geistesgegenwärtig
begleiten«
Von der Universität Shizuoka in Tokio war Prof. Jun Matsuda (M.)
in der Gerontopsychiatrie des Ev. Krankenhauses Königin Elisabeth
Herzberge (KEH) in Berlin zu Gast. Der Wissenschaftler arbeitet auf
dem Gebiet der Ethik in Medizin und Pflege und ist in dieser Funktion
Mitglied im Forschungsteam des Ministeriums für Gesundheit und
Arbeit in Japan. Im Rahmen seiner Forschungsreise besuchte Prof.
Matsuda im September Einrichtungen für demenzkranke Menschen
und wollte mehr über die praktischen Erfahrungen im Krankenhausalltag wissen. Auf die Gerontopsychiatrie des KEH war er über die
Bethel-Zeitschrift DER RING aufmerksam geworden. Sie hatte im März
über einen Vortrag des Leiters der Gerontopsychiatrie Prof. Dr. Torsten
Kratz berichtet, den dieser zum Thema »Ethische Aspekte in der Behandlung von Demenzpatienten« gehalten hatte. Prof. Kratz informierte
den Gast über die Projekte, die im KEH zur Demenzsensibilisierung
durchgeführt werden. Dolmetscherin Nozomi Spennemann übersetzte.
Hilfsgemeinschaft
Weihnachtsbasar
Die diesjährige Mitgliederversammlung der Hilfsgemeinschaft
der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Sterbekasse) findet am
18. November von 14.30 bis 16
Uhr im Haus Weitblick, Bethesdaweg 14 in Bielefeld-Bethel, statt.
Auf der Tagesordnung steht
neben dem Jahresbericht 2013
sowie den Berichten der Kassenprüfer und des Vorstands auch
die Novellierung der Satzung.
Das Haus Abendstern im Remterweg 13a in Bielefeld-Bethel lädt
am 27. November von 9 bis 16
Uhr zum Weihnachtsbasar ein.
Vom Adventskranz bis zum Zimtstern hat der Basar des Betheler
Altenheims allerhand zu bieten,
darunter von Diakonissen hergestellte kunsthandwerkliche Artikel, Bücher und Trödel oder auch
Stricksocken und Pullover sowie
süße und herzhafte Leckereien.
Der Erlös kommt sozialen Projekten zu Gute.
»Seelsorge bietet Unterstützung
in Grundfragen der menschlichen
Existenz, gibt Orientierung im Leben und ist genuiner Bestandteil
der diakonischen Arbeit«, schreibt
der Bundesverband evangelische
Behindertenhilfe in einem neu erschienenen Aufsatzband. 40 Autorinnen und Autoren vornehmlich
aus Kirche und Diakonie beziehen
Stellung zu den Themen Spiritualität, Selbstsorge und existenzielle
Kommunikation. Die Verfasser –
unter ihnen auch Bethel-Mitarbeitende – gewähren Einblicke sowohl in ihre wissenschaftlichen
Forschungen als auch in ihr berufliches und persönliches Erleben.
Die theologische Direktorin im
Ev. Krankenhaus Bielefeld (EvKB),
Dr. Nicole Frommann, ist eine der
Herausgeberinnen des Buches
und darüber hinaus Autorin des
Aufsatzes »Mut zur Theologie«.
Darin unterstreicht sie am Beispiel
Schuld und Vergebung, wie unterstützend seelsorgliche Begleitung in der Psychiatrie sein kann.
Unter der Überschrift »Das dürfen
wir ja eh nicht!«gehen Pastorin
Birte Schwarz, Assistentin des
Betheler Vorstandsvorsitzenden,
und Dr. Klaus Kobert, klinischer
Ethiker im EvKB, der Frage nach,
ob Menschen mit kognitiven Einschränkungen eine Patientenverfügung erstellen dürfen. Und Diakonin Doris von Haebler stellt das
Konzept der Beauftragten für das
geistliche Leben in Bethel vor.
– SH –
Jürgen Armbruster, Nicole
Frommann, Astrid Giebel (Hrsg.).
Geistesgegenwärtig begleiten –
Existenzielle Kommunikation,
Spiritualität und Selbstsorge
in der Psychiatrie und in der
Behindertenhilfe. Neukirchener
Theologie, 2014. 373 Seiten, 44
Euro. ISBN 978-3-7887-2768-0.
25
Aus dem Mitarbeiterkreis
Geburtstag
100 Jahre: Diakonisse Lydia Truse, Haus Abendlicht, am 21.11. – 95 Jahre: Diakon
Herbert Kroll, Minden, am 7.11. – 92 Jahre: Diakon Hans Höner, Bielefeld, am
23.11. – 91 Jahre: Diakonische Schwester Elfriede Derlath, Lippstadt, am 16.11. –
Diakonisse Ruth Jäckel, Haus Morgenstern, am 20.11. – Diakonisse Hanna Seehase,
Wohnstift Frieda-v.-Bodelschwingh, am 27.11. – 80 Jahre: Diakonisse Elfriede Endruweit, Haus Zeder, am 6.11. – Diakon Heinrich Klapproth, Hamm, am 8.11. – Diakon
Paul Schumann, Bielefeld, am 17.11. – Diakonische Schwester Edith ten Brink,
Nordhorn, am 18.11. – Diakonisse Helga Lorentzen, Haus Abendfrieden, am 23.11. –
70 Jahre: Diakonische Schwester Sigrid Wittke-Ohlemeyer, Bielefeld, am 10.11. –
Diakonin Doris Goudefroy, Marl, am 13.11. – Barbara Falk, Bielefeld, am 21.11.
Arbeitsplatzund Gemeinschaftsjubiläum
35 Jahre: Armin Engelke, Bethel.regional, am 1.12. – Ernst-Martin Klein, proWerk,
am 1.12. – Heidi Post, Zentraler Bereich, am 25.12. – 30 Jahre: Ute Gallowski,
EvKB, am 1.12. – Eckhard Niehaus, EvKB, am 1.12. – Waltraud Oerding, Zentraler
Bereich, am 1.12. – Rolf Pross, EvKB, am 1.12. – Susanne Reckmann, EvKB, am
1.12. – Martin Arnold, proWerk, am 8.12. – Doris Feldt, EvKB, am 9.12. – Anna
Janz-Meurer, Zionsgemeinde, am 9.12. – Henner Weduwen, proWerk, am 12.12. –
Gabriele Reinert, Bethel.regional, am 16.12. – Heiko Vahle, Bethel.regional, am
25.12. – Christine Schulte-Uffelage, Bethel.regional, am 26.12. – Diakonisse
Elisabeth Strunk, EvKB, am 30.12. – 25 Jahre: Silke Balzarek, Bethel.regional,
am 1.12. – Bernhard Beyer, Bethel.regional, am 1.12. – Aganeta Fröse, EvKB, am
1.12. – Franziska Funke, SB Altenhilfe, am 1.12. – Christoph Hoffmann, Bethel.
regional, am 1.12. – Wiktorija Nebel, Bethel.regional, am 1.12. – Andrea Ries, EvKB,
am 1.12. – Reinhild Schulte-Lindhorst, proWerk, am 1.12. – Stefan Schwarzer,
Bethel.regional, am 1.12. – Ulrich Peters, proWerk, am 6.12. – Kurt Daniel, Birkenhof Altenhilfe, am 11.12. – Petra Stuebner, EvKB, am 11.12. – Volker Wienstroth,
Bethel.regional, am 12.12. – Ruth Dohrmann, Bethel.regional, am 15.12. – Hildegard Kuhlemann, Zentraler Bereich, am 15.12. – Angelika Lintzen-Hofmeister,
Schulen, am 15.12. – Jutta Lützenkirchen, EvKB, am 15.12. – Mathilde van
de Loo, Freistatt, am 15.12. – Sebastian Wünscher, Bethel.regional/proWerk,
am 15.12. – Gabriele Opiela-Pohlmann, Bethel.regional, am 18.12. – Elisabeth
Dohmen, EvKB, am 30.12. – 20 Jahre: Monika Anthofer, Mara, am 1.12. – Carola
Karla, EvKB, am 1.12. – Zuhriye Kizilboga, proWerk, am 1.12. – Christel Tönniges, EvKB, am 1.12. – Wolfgang Wagner, proWerk, am 1.12. – Diakonisse Anita
Brunner, Bielefeld, am 3.12. – Diakonische Schwester Bärbel Feddern-Waßmann,
Münster-Hiltrup, am 3.12. – Frank Meisel-Ullrichskötter, Bethel.regional, am
6.12. – Nina Oks, Birkenhof Altenhilfe, am 15.12. – Liesel Pleitner, Bethel.regional,
am 15.12. – Hans-Dieter Syring, Bethel.regional, am 15.12. – Beate Steffens,
Bethel.regional, am 17.12. – Jens Schwan, Schulen, am 18.12.
Ruhestand
Eva Laffin, Bethel.regional, zum 1.10. – Antonia Pusch, Bethel.regional, zum 1.10. –
Anita Deike, Bethel.regional, zum 1.11. – Anke Matysek, Birkenhof Bildungszentrum, zum 1.12. – Dietmar Schmidt, Bereich Betriebe, zum 1.12. – Angelika
Schneider, Zentraler Bereich, zum 1.12. – Joachim Verch, Bethel.regional, zum
1.12. – Wolfgang Westermeier, proWerk, zum 1.12.
Gestorben
Christa Gallus, Darmstadt, 80 Jahre, am 18.9. – Maria Marek, Bielefeld, 62 Jahre,
am 23.9. – Emmi Knödler, Bad Salzuflen, 92 Jahre, am 26.9. – Christa Hackbarth,
Steinbergkirche, 77 Jahre, am 29.9. – Barbara Gödel, Bielefeld, 91 Jahre, am
29.9. – Rolf Gressel, Bielefeld, 53 Jahre, am 4.10. – Diakonisse Elisabeth Baum,
Bad Oeynhausen, 98 Jahre, am 13.10.
26
Namen
Das Ev. Krankenhaus Königin
Elisabeth Herzberge in Berlin
gehört laut aktuellem Ranking der
Zeitschrift »Focus Gesundheit«
zu Deutschlands Top-Krankenhäusern in der Behandlung von Diabetes und Depressionen. In die
Bewertung gingen unter anderem
Daten zu Fallzahlen und Behandlungsergebnissen, ausführliche
Interviews mit renommierten Ärzten und große Umfragen in Zusammenarbeit mit medizinischen
Fachgesellschaften sowie wissenschaftliche Publikationen ein.
Prof. Dr. Torsten Kratz, Chefarzt
der Gerontopsychiatrie im Ev.
Krankenhaus Königin Elisabeth
Herzberge in Berlin, wurde von
der Deutschen Gesellschaft
für Neurologie jetzt mit dem
Ehrenpreis ihrer Fortbildungsakademie ausgezeichnet. Über
fünf Jahre lang wurden die Referenten der Kongresse der Gesellschaft evaluiert. Seit diesem Jahr
ist Prof. Kratz im Rahmen der
Fortbildungsakademie Vorsitzender des Themenbereichs »Diagnostik und Therapie der Demenzerkrankung«.
Barbara Manschmidt, Geschäftsführerin des Betheler Stiftungsbereichs Schulen in Bielefeld, wurde Ende September in
Stuttgart in den fünfköpfigen
Geschäftsführenden Ausschuss
des »Arbeitskreises Evangelische Schule in Deutschland«
(AKES) gewählt. Während des 6.
Bundeskongresses Evangelische
Schule hatte die Gründungsversammlung mit 63 stimmberechtigten Träger- und Verbandsvertretern stattgefunden. AKES will
das evangelische Schulwesen in
Deutschland stärken.
Michael Meyer, Gesundheitsund Krankenpfleger in der Heimbeatmung des Ev. Krankenhauses Bielefeld (EvKB), hat seine
eineinhalbjährige Weiterbildung
zum Atmungstherapeuten bei
Übrigens
der Deutschen Gesellschaft für
Pneumologie und Beatmungsmedizin mit Auszeichnung bestanden. Seine Abschlussarbeit über
den Umgang mit Patienten mit
einem Luftröhrenschnitt war die
beste von 27 Arbeiten und wurde
mit einem Förderpreis in Höhe
von 500 Euro belohnt. Die Heimbeatmung des EvKB im Krankenhaus Mara hält neun Plätze für
invasiv beatmete Patienten vor.
Das Polizeiorchester Niedersachsen war Anfang Oktober
mit 20 Musikerinnen und Musikern zu Gast im Langenhagener
Anna-Schaumann-Stift. Eine
Vielzahl von Gästen war in die
zu Bethel im Norden gehörende
Altenhilfeeinrichtung gekommen,
um sich das musikalische Highlight nicht entgehen zu lassen;
der Saal war vollbesetzt. Vor und
nach dem Konzert informierten
die Kontaktbeamten des Polizeikommissariats Langenhagen
über den Schutz vor Straftaten.
Leserforum
Klient oder Kunde?
Zu DER RING 08/14
Im »Ring« vom August 2014
wurde mehrfach die Bezeichnung
»Klient« für Menschen verwendet, die Dienstleistungen der vBS
Bethel in Anspruch nehmen. Nach
meinem Empfinden ist dieser Begriff nicht mehr zeitgemäß, da er
von der Herkunft her im Sinne
von »Abhängiger« zu verstehen
ist. Auch in der Öffentlichkeit ist
er negativ besetzt, was sich z. B.
in der Formulierung »Klientelpolitik« zeigt. Der Begriff »Klient«
läuft dem Verständnis von Selbstbestimmung zuwider und sollte
daher nicht mehr verwendet
werden. Alternativen sind z. B.
Kunde, Nutzer oder Teilnehmer.
Holger Darms, Bielefeld
Große Spannweite
Das Spektrum ist sehr weit, das
Spektrum dessen, was DER RING
seinen Leserinnen und Lesern
bietet – ja bieten muss, wenn
er denn seine RING-Funktion
erfüllen soll: Zusammenbinden
und Austausch bieten über den
inzwischen großen Verbund der
v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Dazu gehören mittlerweile 278 Standorte in acht
Bundesländern oder rechtlich,
beziehungsweise wirtschaftlich
betrachtet, 59 einzelne Gesellschaften.
Haben Sie im vergangenen
Monat etwas bemerkt? Am 14.
Oktober hatte dieses komplizierte
Gebilde Geburtstag, den 147.
Von Bremen bis Burbach und
von Cottbus bis nach Düsseldorf
erstrecken sich heute die Aktivitäten, Dienste und Angebote, die
zu Bethel gehören. Die BethelGründerväter hätten 1867 solch
eine räumliche Spannweite wohl
kaum für möglich gehalten – ob
sie gewollt gewesen wäre? Damals zogen am 14. Oktober die
ersten epilepsiekranken Jugendlichen in das Haus Ebenezer, eine
ehemalige kleine Hofstelle vor
den Toren Bielefelds, ein und
wurden dort betreut. Schon zu
Zeiten von Vater Bodelschwingh
im 19. Jahrhundert war das räumliche Wachstum außerordentlich
dynamisch: in der Region Bielefeld und ebenso mit den Gründungen Lobetal oder Freistatt.
Noch einmal größer ist zwischenzeitlich das inhaltliche Wachstum,
die Vielfalt der Angebote, geworden. Allein in diesem RING
nachzulesen: Jugendhilfe, Psychiatrie, Altenhilfe, Werkstattarbeit
oder Sport und andere Freizeitangebote – und das ist mal wieder nur eine kleine Auswahl.
– Götz Pförtner –
27
Foto: Schulz
470 neue Betheljahr-Teilnehmende wurden Mitte Oktober in der Zionskirche in Bielefeld-Bethel offiziell
begrüßt. Die Veranstaltung war zugleich der Auftakt für zwei Berufsbildungstage, die die Freiwilligenagentur
Bethel für die Teilnehmenden veranstaltete. Diese ließen in der Zionskirche Luftballons steigen, die ihre Träume und Visionen symbolisieren. Bei den Berufsbildungstagen, die im Berufskolleg Bethel stattfanden, gab es
104 Einzelveranstaltungen zu Themen der beruflichen Bildung und zu den Berufs-, Ausbildungs- und Studienperspektiven. Dabei kooperierte die Freiwilligenagentur mit verschiedenen Schulen und Fachhochschulen.
Veranstaltungen
13.11.
Zionskirche, Bielefeld-Bethel, Am Zionswald: 17 Uhr, Gedenkgottesdienst »75 Jahre Euthanasie«
13.11.
SPuKinn, Bielefeld, Eckardtsheimer Straße 21: 18 Uhr, Gespräch mit Ortschaftsreferent
Edmund Geißler
15./
16.11.
Bernhard-Mosberg-Werkstatt, Bielefeld-Bethel, Quellenhofweg 35: 11–18 Uhr,
Ausstellung »KunstHandWerk«
17.11.
Turnhalle, Bielefeld-Eckardtsheim: 14 – 16 Uhr, Spiel- und Bewegungsfest für alle
Eckardtsheimer Einrichtungen (Sport und Kultur, Tel. 0521 144-1353)
20.11.
Ev. Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge, Berlin, Herzbergstraße 79: 19 – 21 Uhr,
Konzert des »Unity Gospel Chors«
25.11.
Neue Schmiede, Bielefeld-Bethel, Handwerkerstraße 7: 19.30 Uhr, Offener Hospiztreff
mit Pastor i. R. Christoph Berthold und Bethel-Kantor Christof Pülsch
29.11.
Lukaskapelle, Bielefeld-Schillingshofsiedlung, Kampstraße 26: 14 – 17 Uhr, Adventsbasar
für die Ortschaften Bethel und Eckardtsheim
Mo – Fr 13 – 14, 18 – 19 Uhr, Sa 16 Uhr, So 10 Uhr
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Seele and Geist
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