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Fortsetzung der Intensivtherapie bei möglichem hypoxischem

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THEMEN DER ZEIT
KASUISTIK
Fortsetzung der Intensivtherapie bei
möglichem hypoxischem Hirnschaden
Ein 57-jähriger Patient wird bewusstlos von Spaziergängern im Wald gefunden und vom Notarzt auf
die Intensivstation eingeliefert.
er Notarzt berichtet, dass
vom Zeitpunkt des Auffindens des bewusstlosen Patienten durch Spaziergänger im
Wald bis zu seinem Eintreffen ca.
15 Minuten vergangen seien. Nach
sofortiger Intubation, Beatmung
und Kreislaufstabilisierung Transport auf die Intensivstation des
nächstgelegenen Krankenhauses.
Bei Aufnahme dort unter kontrollierter Beatmung kreislaufstabil.
Die zwei Stunden später eintreffende Ehefrau berichtet, dass ihr
Ehemann weder eine Patientenverfügung verfasst noch einen
Vorsorgebevollmächtigten benannt
habe. Er habe ihr aber wiederholt gesagt, dass er „niemals an
Apparaten auf einer Intensivstation“ liegen wolle. Die kurze Zeit
später hinzukommenden erwachsenen Kinder möchten dagegen
keinesfalls aufgeben und verlangen von den Ärzten, dass alles medizinisch Mögliche getan werden
müsse. Ihr Vater habe immer gesagt, dass er mindestens 80 Jahre
alt werden wolle, um seine Enkelkinder noch aufwachsen zu sehen.
In der Vorgeschichte werden eine
seit Jahren schwer einstellbare
Hypertonie, eine koronare Herz-
D
UMGANG MIT STERBEN
Unter www.aerzteblatt.de/umgangmitsterben hat das
Deutsche Ärzteblatt ein Glossar der wichtigsten Begriffe
sowie weitere Beiträge zum Thema „Umgang mit Sterben“ zusammengestellt. Die Seite wird sukzessive um
die Beiträge der Serie mit palliativmedizinischen Kasuistiken ergänzt. Die wichtigsten Artikel aus den letzten
Jahren stehen als PDF-Ausgabe zur Verfügung.
A 474
krankheit sowie ein metabolisches Syndrom mit insulinpflichtigem Diabetes mellitus
bekannt, als Folgekrankheit eine
Niereninsuffizienz II. In den nächsten zwei Tagen kommt es laborchemisch zu einem Anstieg
der neuronenspezifischen Enolase
(NSE; Grenzwert bei 20 ng/ml)
von zunächst 15 ng/ml auf 24 ng/
ml, dann 88 ng/ml sowie einer raschen Verschlechterung der renalen und kardialen Situation mit Indikationsstellung zur Einleitung
einer Akutdialyse.
Fragestellung
Für die behandelnden Ärzte stellt
sich bei hoher Wahrscheinlichkeit
auf das Vorliegen eines hypoxischen Hirnschadens und beginnendem Multiorganversagen die Frage
nach der Fortsetzung bisher bereits
begonnener bzw. die Einleitung
weiterer apparativer intensivmedizinischer Maßnahmen in Unkenntnis des mutmaßlichen Patientenwillens und bei grundlegendem Dissens unter den anwesenden Angehörigen.
Kommentar aus medizinethischer und medizinrechtlicher Sicht und Fazit
Die Entscheidung über die Einleitung, die weitere Durchführung
oder Beendigung einer ärztlichen
Maßnahme wird in einem gemeinsamen Entscheidungsprozess von
Arzt und Patient getroffen, in welchem das Behandlungsziel, die Indikation der daraus abgeleiteten
Maßnahmen sowie der maßgebliche Patientenwille thematisiert
werden. Im Falle einer akuten Notsituation sind bei unklarem Patientenwillen zunächst die ärztlich in-
dizierten Maßnahmen durchzuführen. Im Anschluss daran hat der behandelnde Arzt erneut zu prüfen,
welche weiteren Maßnahmen mit
Blick auf den Gesamtzustand und
die Prognose des Patienten indiziert sind. Hat der Patient niemanden bevollmächtigt und ist auch
kein Betreuer bestellt, sind diese
Maßnahmen mit den Angehörigen
und nahe stehenden Personen zu
erörtern, um den Patientenwillen
festzustellen. Lässt sich hierbei
kein Konsens erzielen, muss das
Betreuungsgericht informiert werden, das dann einen Betreuer als
Patientenvertreter bestellt. Die
ärztlich indizierten Maßnahmen
dürfen solange durchgeführt werden, bis eine gemeinsame Entscheidung mit dem Betreuer möglich ist.
Im vorliegenden Fall durften
die behandelnden Ärzte daher bei
der Erstversorgung durch den Notarzt und im Krankenhaus davon
ausgehen, dass diese dem mutmaßlichen Willen des Patienten
entsprach. Bei der weiteren Versorgung im Krankenhaus ließ sich
wegen des Dissenses zwischen
den Angehörigen der Patientenwille nicht feststellen. Die Ärzte
mussten daher beim Betreuungsgericht die Bestellung eines Betreuers anregen.
Expertenteam: Erik Bodendieck, Prof. Dr. jur.
Volker Lipp, Prof. Dr. med. Friedemann Nauck,
Prof. Dr. phil. Alfred Simon, Prof. Dr. med. Frithjof
Tergau, Dr. med. Martina Wenker
LITERATUR
Lipp V, Brauer D: Patientenvertreter und Patientenvorsorge. In: Claudia Wiesemann, Alfred
Simon (eds.): Patientenautonomie. Theoretische Grundlagen – Praktische Anwendungen.
Münster 2013, 103–16.
Deutsches Ärzteblatt | Jg. 112 | Heft 11 | 13. März 2015
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