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I n f o r m a t i o n s m a t e r i a l
v o m
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Achtung Bruchgefahr – Hilfe bei Osteoporose
Alle zwei Minuten kommt es im Durchschnitt in Deutschland zu einem Knochenbruch –
infolge von Osteoporose. Die Betroffenen erleiden heftige Schmerzen. Aus Angst vor
dem nächsten Bruch bewegen sie sich entsprechend weniger, verlieren dadurch Muskelmasse und erhöhen ihr Sturzrisiko. Ein Teufelskreis.
Was haben ein Astronaut und ein älterer
Mensch gemeinsam? „Ein hohes Osteoporose-Risiko“, sagt Professor Dieter Felsenberg. Der Osteoporose-Spezialist kennt beide Gruppen nur zu genau. Felsenberg leitet
das Zentrum für Muskel- und Knochenforschung an der Charité Berlin und ist Mitbegründer des klinischen Zentrums für Weltraumforschung. „Ohne die Schwerkraft
baut der Mensch Knochen und Muskeln ab.
Der Osteoporose-Verlauf von Astronauten
ähnelt dem älterer Menschen. Nur das es
bei Raumfahrern viel schneller geht, daraus
können wir für unsere Patienten lernen“, so
Professor Felsenberg.
Was passiert?
Die auch als Knochenschwund bezeichnete
Krankheit macht den Knochen über viele
Jahre porös. Das liegt an einem gestörten
Gleichgewicht zwischen der Produktion von
knochenaufbauenden und knochenabbauenden Zellen. Stück für Stück nimmt die
Stabilität ab. Häufig fällt den Betroffenen
eine verringerte Körpergröße auf, später ist
ein starker Rundrücken häufig. „Schon bei
geringen Verletzungen oder auch alltäglichen Belastungen kann ein betroffener
Knochen brechen“, sagt Professor Felsen-
berg. „Häufige Bruchstellen sind der Oberschenkelknochen, das Handgelenk, Oberund Unterarm und die Wirbelkörper.“
Risikofaktor Wechseljahre
In Deutschland haben nach Schätzungen
etwa sieben Millionen Menschen Osteoporose. Etwa 20 Prozent der OsteoporosePatienten sind Männer, in der Mehrzahl sind
Frauen betroffen. Die Wechseljahre sind
eine der Hauptursachen für die Entstehung
einer Osteoporose. Mit Einsetzen der Menopause beginnt der weibliche Körper weniger Östrogen zu produzieren, was zu einem Verlust an Knochengewebe führt.
Frauen, bei denen die Menopause sehr früh
eintritt, sind demnach mehr gefährdet eine
Osteoporose zu entwickeln. Doch die Gabe
von extra Hormon-Präparaten will gut überlegt sein. „Man muss Nutzen und Risiko
abwägen. Östrogen ist einerseits ein Knochenschutz. Aber es erhöht das Risiko für
Brustkrebs. Man muss sich da auch nach der
familiären Vorbelastung erkundigen“, warnt
Professor Felsenberg.
Risikofaktor Medikamente
Neben wenig Bewegung und einem hohen
Alkoholkonsum erhöhen auch etliche Medi1
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kamente das Risiko für Osteoporose. Cortison zählt beispielsweise dazu und Säureblocker gegen Magenbeschwerden. „Studien
zeigen, wer mehr als fünf Jahre Säureblocker nimmt, hat ein deutlich höheres Osteoporose-Risiko“, so Professor Felsenberg.
Auch einige Erkrankungen erhöhen das
Knochenschwund-Risiko: „Eine chronische
Lungenerkrankung kann eine Osteoporose
beschleunigen. Auch Rheuma bringt viele
Entzündungsfaktoren mit sich, die die Knochen abbauenden Zellen stimulieren.“
Ärztliche Therapie
Bei der Behandlung einer Osteoporose werden vor allem Medikamente eingesetzt.
Dabei gibt es zwei unterschiedliche Wirkweisen: Medikamente, die den Knochen
aufbauen und Medikamente, die den Knochenabbau hemmen. „Würde man beides
einnehmen, würde beides nicht wirken. Die
größten Erfahrungen haben wir mit Knochenabbau hemmenden Medikamenten.“
Die Wahl der Medikamente richtet sich unter anderem danach, wie hoch das Knochenbruchrisiko im Einzelfall ist beziehungsweise sich im Verlauf der Therapie
entwickelt.
Futter für die Knochen
Ein starker Knochen braucht vor allem eine
ordentliche Portion Kalzium am Tag. „Man
kann seinen Kalziumspiegel gut über die
Ernährung sichern“, empfiehlt Professor
Felsenberg. „Ich verordne meinen Patienten
jedoch selten Kalziumpräparate. Es gibt Studien, die zeigen, dass eine Kalziumüberdosierung zu anderen Erkrankungen wie einem Herzinfarkt führen kann. Deswegen
sollte man da ein bisschen aufpassen.“ Und
Kalzium allein macht noch keinen starken
Knochen. Damit das Kalzium verwertet
werden kann, braucht der Körper Vitamin D. Das bildet er selbst, wenn UV-Licht
auf die Haut trifft. Ein Spaziergang im Freien
ist also ebenso wichtig für gesunde Knochen.
Muskeln stärken Knochen
Nur Knochen, die bewegt werden, werden
auch angeregt, knochenaufbauende Zellen
zu bilden. Muskeln ziehen und drücken
über die Sehnen am Knochen. Bei schon
bestehender Osteoporose ist die Stärkung
der Muskelkraft aus zweierlei Gründen zusätzlich notwendig: starke Muskeln stützen
die schwachen Knochen und sie mindern
das Sturzrisiko.
Regelmäßige körperliche Aktivitäten sind
das A und O, um Muskelkraft und Koordination zu fördern. Dabei ist es nie zu spät
mit einem gezielten Bewegungsprogramm
zu beginnen. Und das kann man sich sogar
von den Astronauten abschauen. „Für die
Raumfahrt haben wir erfolgreich Vibrationstrainingsgeräte getestet. Eine Art Rüttelplatte, die die Muskulatur reflektorisch anregt.
Mit einem solchen Training werden in vier
Minuten so viele Muskelzyklen aktiviert wie
bei einem 10.000-Meter-Lauf. Das zeigt,
wie effizient das ist“, so Professor Felsenberg. Das Rüttelplattentraining findet man
heute in Rehakliniken, Fitnessstudios und
Physiotherapien. „Eine Alternative dazu
wäre schnelles Treppensteigen, Powerwalking und Bergwandern. Man sollte versuchen, so schnell wie es geht zu gehen, denn
es geht um den Zug der Muskulatur am
Knochen.“
Kalziumreiche Lebensmittel
Ein großes Glas Milch zum Frühstück deckt etwa ein Drittel des von der Deutschen Gesellschaft
für Ernährung empfohlenen Tagesbedarfs von 1.000 Milligramm Kalzium pro Tag. Auch zahlreiche Käsesorten wie Parmesan, Emmentaler, Edamer und Gouda sind reich an Kalzium. Wer keine Milchprodukte mag oder verträgt hat zahlreiche Alternativen. Grüne Gemüsesorten wie
Grünkohl, Spinat oder Brokkoli sind kalziumreich, ebenso Sesam und Mohn. Gute Kalziumquellen sind auch Mineralwässer. Ein Blick auf das Etikett zeigt, wie viel Kalzium es enthält. Osteoporose-Patienten sollten zu einem Mineralwasser mit mindestens 350 Milligramm pro Liter greifen.
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DER Fall: Wirbelbruch mit 50 Jahren
Leben in der Natur – mit Blick auf einen See. Ein Traum von vielen Menschen. Auch von Ursula
K. Die gelernte Wirtschaftsingenieurin will ihren Traum wahr machen. Im Jahr 2005 kauft sie ein
altes Haus am Goitzschesee. Ganz allein beginnt sie das Haus Stück für Stück umzubauen. Dass
es damit plötzlich vorbei sein könnte, ahnt sie nicht. Bis sie für den Neubau der Treppe eine Ladung Zement bekommt. „Ich wollte die Zementsäcke noch vor dem Regen sicherstellen. Da war
ein 35-Kilo-Sack dabei. Den habe ich angehoben“, erzählt die Sachsen-Anhalterin. „Es hat geknackt und ich bin liegengeblieben. Es hat richtig laut gekracht im Rücken.“
Die Diagnose: Wirbelbruch durch Osteoporose. Ursula K. versteht nicht, woher sie die Krankheit
hat. Sie war beim Unfall noch nicht in den Wechseljahren und gehört auch zu keiner der sonstigen Risikogruppen. „In meiner Familie ist niemand an Osteoporose erkrankt. Auch früher nicht.
Mein Lebenswandel ist alles im Rahmen dessen, was man vertreten kann, ernährungstechnisch,
bewegungstechnisch. Ich kann es mir nicht erklären.“
Die heute 60-Jährige hat sich mit ihrer Krankheit mittlerweile arrangiert. Sie kann sich wieder
bewegen wie vor dem Unfall. Täglich macht sie Osteoporose-Sport und genießt ihre Spaziergänge am Ufer. Und sie hat mittlerweile auch einen Verdacht, was die Krankheit bei ihr ausgelöst haben könnte: „Ich dachte, dass meine Laktose-Unverträglichkeit zu der Osteoporose geführt hat. Vielleicht ist aber auch die Migräne, die ich seit Jahren habe, Schuld und die Einnahme
der Schmerzmittel über viele Jahre.“
Knochendichtemessung im Fernsehstudio
Viele wissen gar nicht, dass sie an Osteoporose erkrankt sind. Über sieben Millionen
Deutsche sollen schwache Knochen haben – unsere beiden Studiokandidatinnen vielleicht auch?
Helga M. ist mit 77 Jahren noch fit wie ein Turnschuh. Sie geht regelmäßig ins Fitnessstudio und
hat ihre Knochendichte bisher nicht testen lassen. „Ich bin gespannt, welcher Wert dann da
steht und ob ich irgendetwas tun muss“, so die Leipzigerin. Auch Hildegard W., 59 Jahre alt,
kennt ihre Knochendichte nicht. Im „Hauptsache Gesund“-Studio sind zwei Messstationen aufgebaut: ein Mini-Computertomograph, wie er auch in vielen Arztpraxen steht und eine Kraftmessplatte. Damit werden jeweils zwei Messungen mit den beiden Damen durchgeführt. Frank
Touby vom Zentrum für Muskel- und Knochenforschung der CHARITÉ Berlin misst zuerst die
Knochendichte. Im Mini-CT wird der Unterschenkelknochen untersucht. „Das Mini-CT macht
verschiedene Röntgenbildaufnahmen. Aber keine Angst, die Streu-Strahlung geht mit dem kleinen Gerät praktisch gegen null“, beruhigt der Experte. „Es werden jetzt scheibchenweise Bilder
vom Knochen gemacht. Hauptsächlich kann man damit die Knochendichte messen, aber man
kann auch die Struktur des Knochens sehen.“ Zudem wird auf einer Messplatte die Muskelkraft
der beiden gemessen. Denn Muskelkraft beeinflusst auch die Knochenmasse. Und wer mehr
Muskelkraft hat, läuft weniger Gefahr zu stürzen.
Zuerst werden die Daten von Frau W. ausgewertet. Ihr Knochendichtewert liegt bei 248. „Das
ist super. Alles was über 170 ist, ist normal“, schätzt Professor Dieter Felsenberg die Werte ein.
Allerdings kann die 59-Jährige noch etwas an ihrer Muskelkraft arbeiten. „Ich empfehle ein
leichtes Krafttraining im Fitnessstudio. Damit die Knochen noch mehr stabilisiert werden“, so
Professor Felsenberg. Dann ist Helga M. an der Reihe. Die Überraschung: obwohl sie fast 20
Jahre älter ist als Frau W., sind ihre Werte noch besser: „Frau M. hat einen extrem guten Knochen, die Werte liegen für ihr Alter deutlich über dem Durchschnitt. Hier braucht man gar keine
Empfehlung rauszugeben“, so Professor Felsenberg. Helga M. ist erleichtert, dass ihr regelmäßi3
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ges Fitnesstraining offenbar Früchte trägt. „Ich mache zwei Mal die Woche Gymnastik und ein
leichtes Gerätetraining. Außerdem gehe ich regelmäßig schwimmen. Schön, dass sich das offensichtlich auszahlt.“
Und wo kann man eine Knochendichtemessung durchführen lassen, wenn man nicht gerade bei
Hauptsache Gesund zu Gast ist? „Die meisten gehen zum Orthopäden. Die besten Ansprechpartner sind aber die Osteologen, die genau auf dieses Krankheitsbild spezialisiert sind“, empfiehlt Professor Felsenberg. Lange wurde die Knochendichtemessung erst von den Krankenkassen gezahlt, wenn man sich bereits einen Knochen gebrochen hatte. Mittlerweile wurde diese
Regelung etwas gelockert. Wenn bei der Knochendichtemessung eine Osteoporose festgestellt
wird und eine medikamentöse Therapie folgen muss, übernehmen mittlerweile viele Kassen die
Kosten.
Testen Sie Ihr Osteoporose-Risiko!
Nehmen Sie sich eine Minute Zeit und beantworten Sie die zehn Fragen aus dem Ludwigshafener Osteoporose-Screening-Bogen.
1. Sind Sie 70 Jahre oder älter?
o Ja
o Nein
2. Hat Ihre Körpergröße um mehr als vier Zentimeter abgenommen?
o Ja
o Nein
3. Hat Ihre Menopause sehr früh (vor dem 45. Lebensjahr) eingesetzt?
o Ja
o Nein
4. Haben Sie jemals während Ihres Erwachsenenlebens einen Knochenbruch erlitten?
o Ja
o Nein
5. Trinken Sie regelmäßig größere Mengen Alkohol über das unbedenkliche Maß
hinaus (mehr als zwei Gläser pro Tag)?
o Ja
o Nein
6. Rauchen Sie zurzeit oder haben Sie jemals Zigaretten geraucht?
o Ja
o Nein
7. Beträgt Ihr tägliches Maß an körperlicher Bewegung weniger als 30 Minuten
(Hausarbeit, Gartenarbeit, Spazieren, Joggen etc.)?
o Ja
o Nein
8. Wurde bei Ihnen eine Überfunktion der Schilddrüse oder der Nebenschilddrüse
diagnostiziert?
o Ja
o Nein
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9. Wurde bei Ihnen Multiple Sklerose diagnostiziert?
o Ja
o Nein
10. Nehmen Sie regelmäßig Antiepileptika?
o Ja
o Nein
Auswertung:
Sollten Sie mehrere der Fragen mit „Ja“ beantwortet haben, besteht der Verdacht auf eine Veränderung Ihrer Knochendichte. Dann empfiehlt es sich einen Orthopäden oder Osteologen aufzusuchen und eine Knochendichtemessung sowie ergänzende Labordiagnostik durchführen zu
lassen.
Links ins Internet
Ludwigshafener Osteoporose-Screening-Fragebogen:
http://osteoporose.org/cms/index.php?id=51
Osteoporose Selbsthilfegruppen Dachverband e.V.: www.osd-ev.org
Kuratorium Knochengesundheit e.V.: www.osteoporose.org
Buchtipps
Wertvolle Tipps, wie Sie dank einfacher Hausmittel Ihre Selbstheilungskräfte aktivieren und Ihren
Körper wieder ins Gleichgewicht bringen können, finden Sie auch im neuen Hauptsache Gesund-Buch „Meine besten Hausmittel“.
ISBN: 978-3-89883-272-4; 19,95 Euro
Erhältlich im Buchhandel und im MDR-Shop.
Gäste im Studio
Prof. Dr. Dieter Felsenberg, Leiter Hochschulambulanz Orthopädie/Osteologie und Muskel,
Leiter Zentrum für Muskel- und Knochenforschung, CHARITÉ Berlin
Frank Touby, (RTA - Knochendichtemessung), Zentrum für Muskel- und Knochenforschung,
CHARITÉ Berlin
Harald Schubert, (Muskelkraftmessung), Ingenieur für Medizintechnik, Novotec Medical GmbH
/ Stratec Medizintechnik GmbH, Pforzheim
Helga Mann
Hildegard Willemsen
Anschrift/ Thema der nächsten Sendung
MDR FERNSEHEN, Redaktion Wirtschaft und Ratgeber „Hauptsache Gesund“
Internet: www.mdr.de/hauptsache-gesund;
E-Mail: hauptsache-gesund@mdr.de
Thema der Sendung vom 19.03.2015: “Alarmsignal Bluthochdruck“
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