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10/2015 Liebe Leserin, lieber Leser! Ihre pro-Redaktion

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10/2015
Das pdf-Magazin des Christlichen Medienmagazins pro | www.pro-medienmagazin.de
459. Ausgabe
Liebe Leserin, lieber Leser!
„Die Zahl der Abtreibungen sinkt“, so die offiziellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes vom Dienstag, und das ist erstmal eine gute Nachricht. 99.715 Frauen haben
sich 2014 für eine Abtreibung und damit gegen ihr Kind entschieden. Dass somit fast
100.000 ungeborene Kinder nie das Licht der Welt erblicken durften, ist alles andere
als eine gute Nachricht. 100.000 – das sind mehr Menschen, als in der Stadt Cottbus
leben.
Ebenfalls am Dienstag befasste sich das Europäische Parlament mit dem so genannten
Tarabella-Bericht zur Gleichstellung von Frauen. Der Bericht erhebt das Recht auf Abtreibung zum Menschenrecht: Euphemistisch spricht er von „reproduktiven Rechten“,
die jede Frau habe. Konservative Verbände hatten im Vorfeld zu Protesten gegen den
Bericht aufgerufen. Sehr scharf reagierte Martin Lohmann, der Vorsitzende des Bundesverbands Lebensrecht, auf die Entscheidung: Sie sei eine „gottlose Barbarei“. Der
katholische Publizist Andreas Püttmann warnte schon vor der Abstimmung im EU-Parlament davor, auf diese Weise zu reagieren: „Nur zu schimpfen überzeugt niemanden
– höchstens jene, die eh schon überzeugt sind“, erklärte er am Montag. Der Einsatz für
das vorgeburtliche Menschenleben werde am besten akzeptiert, wenn er sich ganz an
die Seite betroffener Frauen stelle.
Püttmann hat mit seiner Einschätzung Recht. Hat Lohmann deswegen Unrecht? Nein. Er
benennt schreiendes Unrecht mit Worten, die in ihrer Härte den Kern der Sache treffen
und deren Emotionalität nachvollziehbar ist. Püttmanns Hinweis zur Debatte ist aber
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wichtig, denn radikal klingende Worte wie die Lohmanns kommen in der Öffentlichkeit
nicht gut an. Geschickter wäre es, besonnener zu argumentieren.
Gute Argumente gegen Abtreibung finden und diese glaubwürdig zu formulieren, sollte
eine Hauptaufgabe für Christen und Kirche sein. Nur vier Prozent der im vergangenen Jahr in Deutschland vorgenommenen Abtreibungen hatten übrigens einen medizinischen oder kriminologischen Hintergrund. Weitere vier Prozent der Abtreibenden
waren jünger als 18 Jahre. Lebensgefahr für die Mutter, Vergewaltigung und Kindesalter der werdenden Mutter sind demnach bei 92 Prozent aller Abtreibungen keine Argumente. Hier könnte zuerst angesetzt werden.
Kompromisslos sei aber auch gesagt: Männer und Frauen, die das „Recht auf Abtreibung“ feiern und keine Tragödie in 100.000 im Mutterleib „abgebrochenen“ Leben
sehen, legen keine Sensibilität für das Leben an den Tag. Was ist mit den Menschenrechten ungeborener Menschen? Wo bleibt der Kampf für die Frauenrechte ungeborener Frauen? Abtreibungs-Enthusiasten wollen eines nicht einsehen: Das Recht einer
Frau, über ihren eigenen Körper zu verfügen, endet da, wo ein anderer Körper darunter
leidet.
MORITZ BRECKNER
Ihre pro-Redaktion
Haben Sie Fragen an die Redaktion? | redaktion@pro-medienmagazin.de
| Telefon (06441) 915 151
Herausgeber: Christlicher Medienverbund KEP e.V. | Postfach 1869 | 35528 Wetzlar | Telefon (06441) 915 151 | Telefax (06441) 915 157 | www.kep.de | info@kep.de
Geschäftsführer: Christoph Irion | Redaktionsleiterin: Stefanie Ramsperger
proKOMPAKT ist ein Nachrichtenservice des Christlichen Medienmagazins pro. Wenn nichts anderes vermerkt ist, liegen alle Rechte beim Christlichen Medienmagazin pro.
Nachdruck und weitere Veröffentlichung nur auf Anfrage bei der Redaktion.
proKOMPAKT 10| 2015
2
„ ... “
„Aber wenn du mich beim Beten
störst, muss ich dich töten.“
Einer von vier Islamisten, die in Düsseldorf vor Gericht
stehen, weil sie einen Mordanschlag auf einen rechtsextremen Politiker in Leverkusen geplant haben sollen,
zu einem Wachtmeister
„Wenn Israel seine Demokratie stärken will,
Respekt, Anerkennung und Freundschaft gegenüber evangelikalen Christen demonstrieren
will, dann fordere ich das Land auf, endlich
auch evangelikale Kirchen anzuerkennen.“
Ex-WEA-Generalsekretär Geoff Tunnicliffe in der Christian Post
„Der Glaube hat mich durch
mein ganzes Leben begleitet.
Ich bin in meinem 17. Lebensjahr auf einem LSD-Trip plötzlich
durchs Universum geschleudert
worden, in einen Höllenbereich.
Und da habe ich mich erinnert,
dass man Gott um Hilfe rufen
kann. Dadurch bin ich raus aus
meinem Körper und rein in eine
Dimension, wo ich dem Schönsten, dem Liebsten, dem Jesus
Christus von Angesicht zu Angesicht gegenüberstand. Das war
meine Taufe im Feuer, im Geiste.“
Nina Hagen im Interview mit der Deutschen PresseAgentur
„Das kann ich mir ganz leicht vorstellen. Jesus hat sehr kreativ verkündet,
etwa mit seinen Gleichnissen. Ich denke, er hätte keine Berührungsängste mit
modernen Kommunikationsmitteln. Aber wir müssen bei allem authentisch
bleiben. Das darf keine abgedrehte Cyber-Welt sein, in der wir uns bewegen.“
Der neue Erzbischof von Hamburg, Stefan Heße, zur Frage, ob Jesus heute bei Facebook wäre
proKOMPAKT 10| 2015
3
„Die Hütte“: Gott als Afroamerikanerin
Die US-Schauspielerin Octavia Spencer soll in der Verfilmung des Bestsellers „Die Hütte“ die Rolle Gottes übernehmen.
Für ihre Darstellung in dem Rassismus-Drama „The Help“ erhielt sie 2012 den Oscar als Beste Nebendarstellerin.
Foto: Randee St Nicholas / flickr | CC BY-NC-SA 2.0
Misstrauen regiert Nigeria
Die Lage in Nigeria ist verworren. Viele Menschen fliehen vor der Terrorgruppe Boko Haram. Die Situation in der Stadt
Jos, die an der Bruchkante zwischen dem überwiegend islamischen Nord- und dem christlichen Südteil des Landes liegt,
beleuchtet die Süddeutsche Zeitung in ihrer aktuellen Ausgabe.
Foto: Mike Blyth|flickr | CC BY-NC-SA 2.0 |
CC BY-NC-SA 2.0
Bibelfilm ohne Botschaft
„Left Behind“, die jüngste Verfilmung des Bibel-Romans „Finale – Die letzten Tage der Erde“, wartet mit Hollywoodstar Nicolas
Cage auf. Leider verstrickt sich das Drehbuch in Nebenhandlungen, anstatt den größeren theologischen Rahmen zu erklären.
Foto: KSM Media
Deutschlandfunk erklärt den Koran
Der Radiosender Deutschlandfunk hat die neue Reihe „Koran erklärt“ gestartet. Jeden Freitagmorgen interpretiert ein
Islamwissenschaftler Verse aus dem Koran. Die fünfminütige Sendung soll keine Verkündigungssendung sein, sondern
Wissen vermitteln.
Foto: pro
proKOMPAKT 10| 2015
4
Leben ohne Erinnerung
„Mein unglaubliches Leben mit einem Mann, der sein Gedächtnis verlor und nach 25 Jahren wiederfand“ hört sich zunächst nach
der Zusammenfassung eines Films an. Doch es ist der Titel zu der wahren Geschichte von Ute Jäger und ihrem Mann Theo.
Foto: adeo / Markus Pletz
Reporter ohne Grenzen sabotiert Netz-Zensur
Reporter ohne Grenzen trickst die größten Internetzensoren der Welt aus. Am Donnerstag hat die Menschenrechtsorganisation rund um den Globus Webseiten entsperrt, die für die Bürger entsprechender Staaten eigentlich nicht zugänglich sind.
Foto: Fotolia/Artur Marciniec
Zahl der Abtreibungen sinkt kontinuierlich
Die Zahl der Schwangerschaftsabbrüche ist 2014 um drei Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Das hat das
Statistische Bundesamt am Dienstag mitgeteilt. Das hängt nicht nur mit dem demografischen Wandel zusammen.
Foto: photosavvy | flickr | CC BY-ND 2.0
Freispruch für Bibel-Zerreißer bestätigt
Der Sänger der polnischen Black-Metal-Band Behemoth, Adam „Nergal“ Darski, hatte 2007 während eines Konzertes auf
der Bühne Seiten aus der Bibel auseinander gerissen. Das Oberste Gericht Polens hat den Freispruch für den Künstler in
diesem Fall bestätigt.
Foto: Vassil / Wikipedia | CC BY 3.0
proKOMPAKT 10| 2015
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Marc Tarabella: Der Name des belgischen Abgeordneten ist durch die Entscheidung berühmt geworden
Foto: Yves Tennevin, Wikipedia | CC BY-SA 3.0
EU-Parlament: Abtreibung
ist Menschenrecht
Das Europäische Parlament hat am
Dienstag den Tarabella-Bericht verabschiedet. In dem Papier wird unter
anderem das Recht auf Abtreibung als
Menschenrecht aufgefasst. AfD-Abgeordnete schimpfen, Grüne jubeln.
D
er Gleichstellungsbericht 2013, benannt nach dem belgischen Sozialisten Marc Tarabella, fordert die Reduzierung von Ungerechtigkeiten gegen Frauen
auf verschiedenen Gebieten, unter anderem
am Arbeitsmarkt. Eine Maßnahme sei auch
die Verankerung „des Rechts der Frauen, allein über ihren Körper zu verfügen“, berichtet die Katholische Nachrichtenagentur (KNA).
An anderer Stelle heißt es, dass „die sexuellen und reproduktiven Rechte grundlegende Menschenrechte sind“, und dass Frauen
„durch den einfachen Zugang zu Empfängnisverhütung und Abtreibung die Kontrolle über
ihre sexuellen und reproduktiven Rechte ha-
ben müssen“. Kritiker sehen darin die Verankerung von einem Recht auf Abtreibung als
Menschenrecht.
441 EU-Abgeordnete stimmten in Straßburg
für das Papier, 205 dagegen. 52 Parlamentarier enthielten sich. Christliche und konservative Gruppen hatten im Vorfeld zu Protesten
gegen den Bericht aufgerufen, beispielsweise
die Initiative Familienschutz. Deren Sprecherin Hedwig von Beverfoerde nannte die Entscheidung des EU-Parlaments ein „trauriges
Signal“. Auf ihrer Facebook-Seite erklärte sie,
ein kompromissloses Ja zum Leben und zur Familie müsse Maßgabe für die Wahlerfolge bei
jedem einzelnen Kandidaten aus dem bürgerlichen Lager sein. Gleichwohl sei es durch Änderungsanträge gelungen, das Subsidiaritätsprinzip im Bezug auf Abtreibungen zu stärken,
wodurch deren Regelung weiterhin Sache der
Mitgliedsstaaten sei. Eingebracht wurden
die Anträge von der Europäischen Volkspartei (EVP) und der Europäischen Konservativen
und Reformer (EKR).
AfD schimpft, Grüne feiern
Die Kritik an Tarabella wurde vor allem von
der Alternative für Deutschland aufgegriffen, die der EKR-Fraktion angehört. Parteisprecher und Europaabgeordneter Bernd
Lucke nannte den Tarabella-Bericht bei der
Aussprache im Plenum „perfide“: „Das fundamentale Menschenrecht ist das Recht auf
Leben und körperliche Unversehrtheit, und
dieses Recht kommt auch Ungeborenen zu.“
Die Abgeordnete Beatrix von Storch empörte
sich darüber, dass der Bericht auch die Aufforderung enthält, Männer und Frauen sollten sich die Aufgaben im Haushalt gerecht
aufteilen: Dies sei Privatsache und ginge
keine Regierung etwas an. Von Storch kritisierte zudem, dass der Bericht Maßnahmen
fordere, „mit denen sichergestellt wird, dass
die sozialen Medien keinen sexisitischen
Sprachgebrauch pflegen“. Die Abgeordnete
fragt: „Kommt jetzt die EU-Sprachpolizei?“
Zustimmung zum Tarabella-Bericht kam
unter anderem von den Grünen-Abgeordneten Terry Reintke und Ska Keller. Sie veröffentlichten ein gemeinsames Foto mit Marc
Tarabella. Reintke gratulierte dem Belgier
auf Twitter und nannte die Entscheidung
„großartig“.
Der Vorsitzende des Bundesverbands Lebensrecht, Martin Lohmann, sprach in einer
Pressemitteilung zu Tarabella von „gottloser Barbarei“. „Wer die Tötung von Menschen zum Menschenrecht erhebt, zerstört
alle anderen Menschenrechte und macht
diese zur Makulatur“, erklärte der katholische Journalist am Mittwoch. „Dies ist ein
Rückfall in gottlose Barbarei und der Einstieg in das Ende von Kultur, Zivilsation und
Freiheit.“
2013 hatte das Europaparlament den viel
diskutierten Esttrela-Bericht, nach dem Abtreibung ein Menschenrecht ist und Sexualkunde bereits in der Grundschule Pflicht ist,
abgelehnt.
VON: MB
proKOMPAKT 10| 2015
6
Mainz: Großdemonstration gegen
Christenverfolgung
Etwa 1.500 Menschen haben am Samstag in Mainz gegen Christenverfolgung
demonstriert. Zu der Kundgebung hatten verschiedene Vereinigungen orientalischer Christen aufgerufen.
D
ie Demonstration sei friedlich und
ohne Zwischenfälle verlaufen, erklärte der Pressesprecher des Zentralverbands der Assyrischen Vereinigungen
in Deutschland, John Gültekin, nach Angaben von RP online. Die Veranstaltung richtete sich besonders gegen die Verfolgung von
christlichen Assyrern, Aramäern und Chaldäern im Mittleren Osten. Seit Jahren litten sie
unter schlimmster Verfolgung und stünden
kurz vor der Auslöschung, sagte Gültekin. Einen großen Anteil an der schlimmen Situation der orientalischen Christen habe auch
der Islamische Staat (IS). Die Teilnehmer der
Veranstaltung marschierten zunächst durch
die Mainzer Innenstadt, anschließend fand
eine Abschlusskundgebung auf dem Gutenbergplatz statt.
Anlass für die Demonstration sei der IS-Angriff auf das Chabur-Gebiet im Nordosten Syriens gewesen, zitiert der Evangelische Pressedienst (epd) Gültekin. Im Februar hatten
IS-Kämpfer mehrere christliche Dörfer im
Nordosten Syriens überfallen und die Bewohner verschleppt. In Mainz lebten viele
assyrische Christen, deshalb sei die rheinland-pfälzische Hauptstadt als Ort für die
Kundgebung ausgewählt worden.
Organisiert hatten die Demonstration neben dem Zentralverband der Assyrer der
Zentralrat der Jesiden in Deutschland, der
Zentralrat der Orientalischen Christen in
Deutschland, die Assyrische Kirche des Ostens in Deutschland und die Assyrisch Demokratische Partei.
VON: SZ
In Berlin-Neukölln nimmt die Verhüllung von Muslimen überhand, findet der scheidende Bürgermeister
Heinz Buschkowsky (SPD) (Symbolbild) Foto: Garry Knight | CC BY-SA 2.0
Buschkowsky sorgt
sich vor islamischem
Fundamentalismus
Heinz Buschkowsky (SPD), der scheidende Bürgermeister von Berlin-Neukölln, sieht islamische Fundamentalisten auf dem Vormarsch. In einigen
Kindergärten in Neukölln trügen heute
schon dreijährige Mädchen Kopftuch,
sagte Buschkowsky der Augsburger
Allgemeinen.
S
o etwas hat es vor fünf Jahren noch
nicht gegeben“, sagte Buschkowsky. Salafisten forderten Mädchen vor
Schulen des Bezirks auf, Hidschab zu tragen
„anstelle der sündigen Jeans“. Hidschab bedeutet Verhüllung.
Eltern würden bei Klassenreisen muslimische Betreuer verlangen und wollten dem
Hausmeister das Betreten der Turnhalle verbieten, wenn ihre Töchter dort seien. „Nicht
die Integration schreitet voran, sondern eine
Art Landnahme durch fundamentalistische
Überreligiösität“, sagte der konfliktfreudige
SPD-Politiker. Er kritisierte „diese Heuchelei
von der einzigartigen Erfolgsgeschichte der
Integration in Deutschland“.
Neukölln wird oft als Problembezirk Berlins
bezeichnet. Mehr als 320.000 Menschen leben dort. Rund 40 Prozent von ihnen haben
einen Migrationshintergrund.
VON: SZ / DPA
proKOMPAKT 10| 2015
7
Trennung siamesischer Zwillinge
macht Carson bekannt
Ben Carson hat
Ambitionen auf das
höchste US-Amt
Foto: Gage Skidmore
(flickr) | CC BY-SA 2.0
Vom OP ins Oval Office?
Benjamin Carson besitzt weltweit Anerkennung als exzellenter Neurochirurg.
Jetzt liebäugelt er mit dem US-Präsidentenamt. Warum seine Operation „Oval Office“ heikel werden könnte, erklärt der Journalist und ehemalige Washington-Korrespondent Uwe Siemon-Netto.
B
enjamin (genannt „Ben“) Carson entstammt keiner wohlhabenden USPolitikergilde wie der Bush-Familie
oder dem Kennedy-Clan. Dennoch, der Mediziner und bekennende Siebenten-Tags-Adventist will bei den US-Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr als Kandidat der Republikanischen Partei antreten. Carson stammt
aus Detroit im US-Bundesstaat Michigan. In
der einstigen Hochburg der US-Automobilindustrie waren im Jahr 2010 rund 83 Prozente der Einwohner Schwarze. Laut Statistik ist Detroit zudem eine der gefährlichsten
Städte der USA. In einem Ghetto der mittler-
weile heruntergekommenen Stadt ist Carson aufgewachsen. Uwe Siemon-Netto lebt
und arbeitete als Journalist in den USA. Auf
Anfrage von pro erklärt der langjährige Washington-Korrespondent: „Carson entstammt
einem elenden Milieu. Er hat sich hochgearbeitet, die Ochsentour hinter sich. Der Mann
wurde nie mit dem Silberlöffel gefüttert.“
Carson, Jahrgang 51, absolvierte ein Psychologie-Studium an der Universität Yale,
danach ab 1977 ein Medizinstudium an der
Universität von Michigan. 1984 wurde der
Mediziner Chefarzt der Neurochirurgie der
Johns-Hopkins-Klinik und damit jüngster
Chefarzt in den USA.
Der junge Arzt wagte sich an schwierige
Eingriffe an siamesischen Zwillingen. 1987
trennt er die am Kopf zusammengewachsenen Binder-Zwillinge aus Ulm. Im September
2004 leitet Carson die Trennungsoperation
von Lea und Tabea Block aus Lemgo. Durch
den Fall ist Carson auch in Deutschland bekannt. Deutsche Medien hatten über Wochen die Familie und die Vorbereitung zur
Trennung der Zwillinge verfolgt und begleitet. Nach seiner Karriere als Mediziner war
Carson Kolumnist bei der Washington Times.
Als letzten Karriereschritt plant Carson nun
offenbar, als Nachfolger von Präsident Barack Obama ins Weiße Haus einzuziehen.
Dafür soll ein Vorbereitungskomitee für seine Bewerbung um die Präsidentschaftskandidatur der Republikaner rund 130 Millionen
Dollar an Spendengeldern zusammentreiben, um die Wahlkampagne zu finanzieren.
Medienberichten zufolge will Carson seine
Kandidatur für die Republikanische Partei im
Mai bekanntgeben.
Hohe christliche Werte, aber
keine politische Erfahrung
„Dr. Carson ist ein glaubwürdiger Christ mit
hohen ethischen Werten“, sagt SiemonNetto. „Das wird Amerika nach acht Obama-Jahren dringend nötig haben.“ Dessen
Administration sei „unmoralisch und inkompetent” gewesen, insbesondere in außen- und sicherheitspolitischen Fragen. Sie-
mon-Netto, ein Journalist mit 58 Berufsjahren und promovierter lutherischer Theologe,
fügte allerdings hinzu, dass der Chirurg Carson das Regieren erst einmal lernen müsse,
zum Beispiel als ein Vizepräsident unter Jeb
Bush oder Scott Walker. Erst danach wäre er
ein wählbarer Kandidat fürs höchste Staatsamt in den USA. „Bush und Walker haben
beide als Gouverneure von Florida beziehungsweise Wisconsin gelernt, wie Staaten
gesteuert werden.”
„Carson weiß natürlich, was für die USA gut
und nötig wäre. Aber als Chirurg kann er
nicht wissen, wie sich das umsetzen lässt.
Wie jeder Beruf muss auch der eines Staatschefs gelernt werden”, sagt Siemon-Netto,
der jahrzehntelang über Kriege und andere Weltkonflikte berichtet hat. „Wer solche
Kenntnisse nicht ins mächtigste Amt auf Erden einbringt, gefährdet nicht nur sein eigenes Land sondern die gesamte westliche Zivilisation, ja die ganze vom islamischen Terror bedrohte Welt.“
Carson hatte international mit einer Rede beim
„Nationalen Gebetsfrühstück“ der US-Kongressabgeordneten im Februar 2013 Aufmerksamkeit erregt. „Seine Kritik am politisch-korrekten Zeitgeist steigerte schlagartige seine
Beliebtheit bei den Konservativen“, sagt Siemon-Netto. „Carson wird seither unter der
Hand als möglicher Präsidentschafts-Anwärter für das Jahr 2016 gehandelt.“ Carson selbst
sagte erstmals im vergangenen Jahr, dass er
seine Kandidatur erwäge.
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VON: NOB
proKOMPAKT 10| 2015
8
Wegen Rassismusvorwurfs:
Wegschauen bei
muslimischen Tätern?
Wäre so etwas auch in
Deutschland möglich?
Die englischen Behörden sollen in den
vergangenen Jahren oft nur zögerlich
gegen die Zuhälterei minderjähriger
Kinder ermittelt haben. Der Grund:
Viele der Täter sind Muslime – die Polizei wollte nicht in den Verdacht des
Rassismus geraten.
K
riminelle Gangs bringen systematisch Mädchen in ihre Gewalt, missbrauchen sie und zwingen sie zur
Prostitution. Eine heikle Situation, wie die
Frankfurter Allgemeine Zeitung
berichtet:
Die Mädchen sind minderjährig, weiß und leben oftmals in staatlicher Obhut. Die Täter:
In der Regel Muslime mit Wurzeln in Afrika
oder Pakistan. Die Ergebnisse einer eingesetzten Kommission zeigen, dass in den vergangenen 16 Jahren mindestens 370 Kinder
sexuell missbraucht wurden. Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. In der nordenglischen Stadt Rotherham sollen pakistanische Gangs sogar 1.400 Mädchen zu sexuellen Diensten gezwungen haben.
Muslime nicht unter
Generalverdacht stellen
Seit 2011 laufen die Ermittlungen in bestimmten britischen Regionen. Die lokalen
Behörden, darunter Polizei und Jugendämter, ignorierten einige Hinweise oder schauten weg, berichtet Zeit Online. Einer der
Gründe: Die Angst, mit dem Finger auf muslimische Einwanderer zu zeigen und deswegen als Rassist zu gelten. In Rotherham trat
der gesamte Stadtrat wegen der schlechten
Ermittlung der Missbrauchsfälle zurück.
Sein Artikel solle nicht dazu dienen, alle
Muslime unter Generalverdacht zu stellen,
schreibt Zeit-Autor Martin Klingst
. Die
Verbrechen seien auch nicht an eine bestimmte Nationalität gebunden. Dass trotzdem viele Täter aus Pakistan und Ostafrika
stammen, hat aus Sicht des Autors mit dem
„tradierten Frauenbild“ zu tun, nach dem
„geschminkte und leicht bekleidete weiße
Mädchen als grundsätzlich leichtlebig und
dekadent gelten“. Dies müsse benannt und
geahndet werden.
Fehlgeleitete Muslime verträten die Meinung, derartige Mädchen verdienten für ihr
Verhalten eine Bestrafung, zitiert die Frankfurter Allgemeine Zeitung einen Imam. Das
völlig konträre Frauenbild rufe die Dissonanzen hervor. Zeit-Autor Klingst meint,
dass die Muslime die freie Kleiderwahl westlicher Frauen zwar nicht zu mögen brauchten, sie aber „zumindest tolerieren und respektieren“ möchten. Eine Frage beschäftigt
den Autoren aber doch noch: Ob die Vertuschung durch Behörden so auch in Deutschland möglich gewesen wäre.
VON: JW
Hat die britische Polizei teilweise nicht ermittelt,
weil sie sich nicht dem Vorwurf des Rassismus
aussetzen wollte?
Foto: Arpingstone / Wikipedia
Mehr zum Thema:
»» In Nigeria entführte amerikanische
Pastorin frei
Islamischer
Staat lässt
christliche
Familien
frei
Die Terrorgruppe „Islamische Staat“
(IS) hat etwa 52 entführte christliche
Familien freigelassen. Dafür soll diesmal kein Lösegeld geflossen sein.
D
er vatikanische Botschafter in Damaskus, Erzbischof Mario Zenari,
bestätigte gegenüber dem vatikanischen Pressedienst Asianews, die Freilassung von 52 christliche Familien durch den
IS. Sie waren vor zwei Wochen aus einem
Dorf in der Region Al Hasake im Norden Syriens von der Terrorgruppe entführt worden.
Zenari erklärte, dass für die Freilassung kein
Lösegeld gezahlt worden sei. Bei der Freilassung von 19 Christen vor einigen Tagen
war laut Asianews Geld geflossen. Der UNSicherheitsrat hatte die Zahlungen von Lösegeld an den IS kritisiert – die Organisation solle finanziell ausgetrocknet werden .
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VON: TOM
proKOMPAKT 10| 2015
9
Die Autoren Sanders und Jentsch haben die Lebensschützer in Deutschland analysiert
Foto: pro / Hausen
„Lebensschützer haben
Erfolg bei Medien“
Christlich-fundamentalistische und extrem rechte Gruppen werden mit ihrem Engagement für den Lebensschutz immer wirksamer. Zu diesem Schluss kommen
drei Vertreter der linken Szene in ihrem Buch „Deutschland treibt sich ab!“, das
sie am Donnerstag auf der Buchmesse in Leipzig vorstellten.
M
ehrere Jahre haben Eike Sanders,
Ulli Jentsch und Felix Hansen die
Lebensschutzgruppen in Deutschland beobachtet. Das Ergebnis ist ihr Buch
„Deutschland treibt sich ab!“. Diese Schlagzeile orientiert sich, wie Autor Jentsch auf
der Leipziger Buchmesse einräumte, an Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“.
Er betonte, dass der Titel aber bewusst in Anführungszeichen stehe und sich die Verfasser dadurch von dem umstrittenen früheren
SPD-Politiker abgrenzten.
Doch was ist nun die Erkenntnis der drei Autoren? Einmal fiel ihnen auf: Die Zahl der Teilnehmer beim „Marsch für das Leben“, den
Christen jährlich in Berlin organisieren, hat
sich in den vergangenen Jahren deutlich erhöht – auf mittlerweile rund 4.000 Demonstranten. Bei der ersten Begegnung im Jahr
2008 sei der Marsch „bedeutend unterhaltsamer“ gewesen als heute, zitierte Jentsch
aus der Einleitung des Buches. Die Verfasser
nähmen „haarsträubende antidemokratische
und antifeministische“ Tendenzen wahr.
„Professioneller Umgang mit
Medien“
Mitautorin Eike Sanders wiederum skizzierte das Weltbild, das sie hinter der Lebens-
schutzbewegung entdeckt hätten: Die Abtreibungsgegner betrachteten die Ehe zwischen Mann und Frau mit Kindern als „einziges Lebensmodell“. Sie wünschten sich einen Staat, der nach Gottes Geboten gestaltet sei. Ihren Einsatz begründeten sie auch
mit der „angenommenen demographischen
Krise“, in der Deutschland ihrer Ansicht nach
stecke. Frausein und Muttersein seien untrennbar miteinander verknüpft.
Nach Sanders‘ Darstellung beschuldigten
die Lebensschützer einseitig die Männer,
denn diese drängten Frauen zur Abtreibung.
Ein weiteres Feindbild seien „die 68er“. Die
Demonstranten sprächen von einer „vermeintlichen Elite, die linksgerichtet ist“ und
seit 1968 in hohen Positionen des Staates
sitze. Auch der Feminismus diene als Feindbild.
Jentsch wies darauf hin, dass zwar die
„Märsche für das Leben“ in den großen Medien kaum Beachtung fänden. Aber die Lebensschützer seien in den vergangenen Jahren in Bezug auf den Umgang mit den Medien professioneller geworden. Vor allem auf
europäischer Ebene seien sie sehr erfolgreich.
Die Autoren haben auch einzelne Organisationen porträtiert, die sich mit Lebensschutz befassen. Nach Aussage von Sanders
sind viele von ihnen religiös motiviert – katholisch oder evangelikal. Es gebe aber auch
Gruppen, die zur Neuen Rechten gehörten.
Die rechtsgerichtete Zeitung „Junge Freiheit“ habe einige Vorsitzende von Lebensschutzorganisationen häufig als Interviewpartner im Blatt.
Wie Jentsch ausführte, hoffen die Verfasser
auf eine stärkere inhaltliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Doch bislang gebe
es vor allem Gegendemonstrationen gegen
die „Märsche für das Leben“. Er rief deshalb
Feministen und Antifaschisten auf, aktiv zu
werden.
„Kein Zusammenhang mit
psychischen Problemen“
Eine Besucherin der Messe fragte, ob sich die
Autoren auch mit den Folgen der Abtreibung
beschäftigt hätten. Sie selbst habe zwei Kinder auf die Welt gebracht und eines abgetrieben. Jahrelang habe sie Schuldgefühle gehabt, die aus ihrer Sicht nicht anerzogen seien. Ihre eigene Tochter habe sehr unter der
psychischen Verfassung der Mutter gelitten,
auch wenn sie mittlerweile selbst zwei Kinder
habe. Sanders verwies als Antwort auf wissenschaftliche Studien, die keinen zwangsläufigen Zusammenhang zwischen Abtreibung und seelischen Problemen wie dem
„Post-Abortion-Syndrom“ sähen. Auch gebe
es viele Frauen, denen es nach dem Schwangerschaftsabbruch gut gehe. Diese würden
von Lebensschützern nicht berücksichtig.
Die Veranstaltung auf der Buchmesse war
Teil der Reihe: „Linke Verlage stellen ihre
AutorInnen und Bücher vor“. Sie wird unterstützt von der Rosa Luxemburg Stiftung. Das
Buch mit dem Untertitel „Organisierter ‚Lebensschutz‘, christlicher Fundamentalismus
und Antifeminismus“ ist im Unrast Verlag erschienen.
VON: EH
proKOMPAKT 10| 2015
10
„Pegida ist
Nostalgiebewegung“
Pegida ist keine Massenbewegung
und besteht aus Menschen, die das
Gefühl der Wendezeit wieder aufleben
lassen wollen. Das hat der stellvertretende Chefredakteur des Magazins
Cicero am Montagabend bei einer Veranstaltung des RBB erklärt.
S
teckt die Demokratie in der Krise und
ist Pegida ein Symptom? Das diskutierten der Cicero-Vizechef Alexander Marguier, der ehemalige SPD-Bürgermeisteranwärter in Berlin, Raed Saleh, und
die Migrationsforscherin Naika Foroutan am
Montag in der Berliner Dependance der Hertie School of Governance. Marguier warnte
davor, Pegida zu einer Massenbewegung zu
stilisieren: „Ich glaube nicht, dass das mehrheitsfähig ist.“
Die Medien müssten sich selbstkritisch
fragen, ob sie das Phänomen richtig eingeordnet hätten. So sei die Bewegung zum einen „eindeutig gewaltfrei“, zum anderen sei
es den meisten Demonstranten nie um das
Thema Islamisierung gegangen. „Viele hatten das Gefühl, die Kontrolle über ihr politisches Leben verloren zu haben“, sagte er.
Pegida werde von ihnen als Gemeinschaftsbewegung wahrgenommen, in der sie das
Gefühl der Wendezeit wieder aufleben lassen könnten. „Es ist eine Nostalgiebewegung nach dem Motto: Schaut her, wir sind
noch da.“
Marguier kritisierte den Aufruf der Bundeskanzlerin zu Weihnachten, Pegida nicht zu
folgen, als kontraproduktiv. Der Ausspruch,
die Demonstranten trügen Hass in ihren Herzen, sei Wasser auf die Mühlen von Pegida
gewesen. Letztlich habe die Bewegung auch
etwas Gutes: Die Deutschen hätten erkannt,
dass Demokratie nicht selbstverständlich
sei und sie auch dafür streiten und argumentieren müssten.
Lesen Sie hier weiter ...
VON: AL
Die Diskussionsrunde fand im Rahmen
einer Sendung des RBB-Inforadio statt.
Die Aufzeichnung wird dort am Sonntag, 15. März, um 11.05 Uhr und 20.05
Uhr gesendet.
Bedenken
zur „Pille
danach“
ohne
Rezept
Der Bundesrat hat den Weg für die rezeptfreie „Pille danach“ freigemacht.
Ärtzeverbände warnen vor einer Verharmlosung des Problems durch die
neue Regelung.
D
er Bundesrat hat den Weg für die rezeptfreie „Pille danach“ freigemacht.
In ihrer Sitzung am Freitag stimmte die Länderkammer einer entsprechenden
Verordnung der Bundesregierung zu – allerdings unter Auflagen. Die Länder fordern
als begleitende Maßnahme ein Versandhandelsverbot. Das soll sicherstellen, dass die
Notfallverhütung so bald wie möglich nach
ungeschütztem Geschlechtsverkehr eingenommen wird. Die „Pille danach“ wird nun in
Deutschland auch ohne Rezept vom Arzt erhältlich sein. Das war bislang nicht möglich.
Gegen die Rezeptfreiheit der „Pille danach“ haben sich verschiedene Ärztever-
bände ausgesprochen. Sie befüchten, dass
Frauen ohne die Verordnung durch den Arzt
nicht oder nicht mehr ausreichend beraten
werden. Die Verbände haben ihre Bedenken am Dienstag in einem Brief an Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU)
mitgeteilt. Eine gemeinsame Erklärung des
Berufsverbandes der Frauenärzte (BVF), der
Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und
Geburtshilfe (DGGG) und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin besagt:
„Eine fehlerhafte Beratung erhöht jedoch
die Gefahr unerwünschter Schwangerschaften dramatisch.“
Auch der Evangelische Fachverband für Sexualethik und Seelsorge Weißes Kreuz, äussert Bedenken wegen der Rezeptfreiheit der
„Pille danach“. Nikolaus Franke, Jugendreferent beim Weißen Kreuz, sagte auf Anfrage von pro: „Es ist offensichtlich, dass
durch die Freigabe die Verantwortung immer weiter nach hinten hinausgeschoben
wird — zeitlich und finanziell.“ Franke wertet
die Annahme, dass Gesetze nur bestehende Wirklichkeiten reflektierten, als „albern“.
„Sie schaffen ebenso neue Wirklichkeiten: In
dem Falle wird sich das Verhütungsverhalten
verändern – mit einem Trend zu geringerer
Kondomnutzung – denn es gibt problemlos
ja die Pille danach. Damit werden dann nicht
nur Schwangerschaften verhindert, sondern
auch Schwangerschaften induziert, die es
jetzt gar nicht gegeben hätte“, sagt Franke.
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VON: NOB
proKOMPAKT 10| 2015
11
„Man kommt in die Hölle, wenn man
das Kreuz der Christen anschaut“
An einer Grundschule in Neu-Ulm haben Kinder islamistische Parolen verbreitet. Unter anderem fielen Sätze wie „Christen
muss man töten“ oder „Juden stehen auf der Stufe von Schweinen“. Die Kriminalpolizei ermittelt. Das Gedankengut stammt
wahrscheinlich aus Koranschulen. Eine muslimische Gemeinde, die die Anschuldigungen betreffen, wies die Vorwürfe zurück.
D
ie islamistischen Äußerungen seien erstmals Mitte Januar aufgefallen, als im Unterricht das Attentat auf
die Satirezeitschrift Charlie Hebdo diskutiert
wurde, berichtet die Augsburger Allgemeine
. Neun- und zehnjährige Jungen und Mädchen hätten erklärt, „Du Christ“ sei für sie
ein schlimmes Schimpfwort und „Du Jude“
sei noch schlimmer. Ein Kind habe erklärt,
dass „Juden auf der Stufe von Schweinen
stehen“. Im Zusammenhang mit dem Anschlag in Paris habe ein Junge zudem geäußert, Christen müsse man töten und die Opfer in der französischen Hauptstadt hätten
ihren Tod verdient. Notizen einer Lehrerin,
die damals die Diskussion leitete, und ein
schulinternes Protokoll belegten die Aussagen, berichtet die Zeitung.
Kollegium und Schulleitung seien schockiert von den Äußerungen gewesen. In Gesprächen mit den Kindern habe sich herausgestellt, dass einige viel Zeit in bestimmten
Moscheen und Gebetsräumen verbringen
und regelrecht „indoktriniert“ worden seien,
keiner anderen Religion Respekt oder Wertschätzung entgegen zu bringen. Nach Anga-
Stadtteil Schwaighofen unterrichtet werden.
Die Moschee gehört zum Verband Islamischer Kulturzentren (VIKZ), einem der größten muslimischen Dachverbände in Deutschland. Auf Anfrage der Augsburger Allgemeinen habe der Vereinsvorsitzende Kenan Adiguzel erklärt, er wisse nicht, wie die Kinder
auf die Parolen kämen.
Polizei: Verdacht der
Volksverhetzung
ben der Tageszeitung besuchen die „Grundschule Stadtmitte“ in Neu-Ulm viele Schüler mit Migrationshintergrund. Unter den
220 Kindern seien etwa 22 Nationen vertreten. Neben katholischer und evangelischer
Religion und dem Ethikunterricht bietet die
Schule deshalb auch das Fach „Islamische
Unterweisung“ an.
„Mit Christenkindern darf man
nicht spielen“
Der Islam-Lehrer Selahattin Sögüt erklärte,
viele Eltern, denen der Islam-Unterricht an
der Schule zu liberal sei, schickten ihre Kinder lieber in den Ethik-Unterricht und nachmittags, am Wochenende oder in den Ferien
in Koranschulen. Sögüt vermutet, dass daher das islamistische Gedankengut stamme,
das einige Kinder verbreiteten. „Die schrecklichen Sätze mancher muslimischer Kinder
machen mich wütend“, sagte er. „Das steht
nicht im Koran.“
Als Reaktion auf die Vorfälle habe die Schule das Thema „Religion und Toleranz“ in allen
vierten Klassen behandelt. Einige Kinder hät-
ten sich jedoch geweigert, die Symbole der
Weltreligionen zu malen. „Man kommt in die
Hölle, wenn man das Kreuz der Christen anschaut oder malt“, sei eine Begründung gewesen. Einige weigerten sich ganz, über andere
Religionen zu sprechen. Ein Schüler habe sogar gefürchtet, durch das Gespräch über das
Christentum von Allah verstoßen zu werden
und in der Hölle zu landen. Mit „Christenkindern“ dürfe man außerdem niemals spielen,
hieß es weiter. Zudem seien Sätze wie „Männer sind grundsätzlich die Chefs“, und „Jungs
sind wichtiger als Mädchen“ gefallen.
Schulleiterin Beate Altmann sagte gegenüber der Augsburger Allgemeinen, dass nicht
die Mehrzahl der Schüler islamistisches Gedankengut verbreite. „Es sind aber auch
zu viele, um von Einzelfällen zu sprechen.“
Von rund zehn Kindern seien Aussagen belegt, die Erwachsene vor den Richter bringen könnten. Zudem wisse man nicht, wie
viele den Parolen stillschweigend zustimmten. Gespräche der Lehrer mit den Schülern
hätten anschließend bestätigt, dass besonders die Kinder die Parolen verbreiteten, die
regelmäßig in einer bestimmten Moschee im
Mittlerweile reagierten die Schüler anders
auf Nachfragen ihrer Lehrer, schreibt die Zeitung und vermutet, dass die Geistlichen in
den betreffenden Moscheen „Wind von der
Sache“ bekommen hätten. Jetzt fielen im Unterricht Sätze wie „Alle Religionen sind wichtig“. Nach Angaben der Lehrer wirkten diese
Aussagen jedoch auswendig gelernt.
Die Kriminalpolizei hat sich mittlerweile
eingeschaltet. „Wir nehmen die Sache sehr
ernst, können derzeit aber keine weiteren
Angaben machen“, sagte ein Polizeisprecher. Nach Angaben von Spiegel Online ermittelt die Polizei wegen des Verdachts der
Volksverhetzung gegen Unbekannt. NeuUlm und das benachbarte Ulm gelten seit
Jahren als Hochburg radikaler Islamisten. Im
Jahr 2005 wurde das „Multikulturhaus“ in
Neu-Ulm geschlossen und der dazu gehörige
Verein vom bayerischen Innenministerium
verboten. In dem Zentrum soll es zuvor immer wieder Hass-Predigten gegeben haben.
Lesen Sie hier weiter ...
VON: SZ
proKOMPAKT 10| 2015
12
Xavier Naidoo-Interview:
Einblick in eine Mannheimer
Parallelwelt
Xavier Naidoo galt vielen als gläubiger
Sänger. Plötzlich stand er im Verdacht,
politisch rechts zu stehen. Dem Magazin Stern hat er nun ein Interview
gegeben, das Licht in die Denke des
Sängers hätte bringen können. Doch
die Antworten des Künstlers führen
immer tiefer in ein Dickicht, das Naidoo selbst „Wahrheitssuche“ nennt.
EIN KOMMENTAR VON JÖRN SCHUMACHER
D
er 43-Jährige Xavier Naidoo machte
früher Schlagzeilen durch seine Musik. Der „Sohn Mannheims“ verkaufte mehr als fünf Millionen Platten, bekannt
wurde besonders sein Song „Dieser Weg“,
der zu einer Hymne der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland wurde. Mittlerweile macht Naidoo nur noch Schlagzeilen mit kruden Äußerungen zu etwas, was er
wohl Politik nennen würde.
Er habe das deutsche Grundgesetzt immer dabei, sagt er, auch beim Interview mit
den Reportern des Stern. Wählen geht er
aber nicht. „Ich habe meine eigene Stimme,
die ich erheben kann.“ Und Politiker will er,
Gott sei Dank, auch nicht werden. Politik machen heißt für ihn „gehört werden“, und das
geht bei Naidoo auch einfacher: „Ich stelle
mich an die nächste Straßenecke, und zwei
Stunden später steht das Zeug schon bei
YouTube.“ Das reicht.
Ansonsten ist der Sänger, der sich einen
gläubigen Christen nennt, auf der Suche
nach der Wahrheit. Dazu fährt er mit dem
Auto quer durch die Welt. So war er auch
schon in der Ukraine, um dort die Wahrheit
zu suchen, erzählt er den Reportern. Allein
und ohne Russischkenntnisse allerdings.
Xavier Naidoo hat dem Stern ein Interview gegeben. Statt aufzuklären über
angebliche rechte Verstrickungen führt es zu noch mehr Fragezeichen
Foto: naidoo records | Alexander Laljak
„Das ist doch verrückt“, stellen die Journalisten fest. Naidoo klärt auf: „Man kann sich
mit Händen und Füßen verständigen.“
Das Interview hat oft den Anschein, als sei
alles ein Witz, und Naidoo beherrsche Satire ziemlich gut. Doch wirklich sicher ist der
Leser nie. Ein Prophet sei er nicht, sagt der
Wahrheitssuchende, aber eben ein „sehr
sensibler Künstler“, und er habe nun einmal „gutes Gespür für manche Dinge“. Die
Finanzkrise zum Beispiel habe er vor allen
anderen kommen sehen, und Merkel und
Steinbrück würden heute noch behaupten, „sie hätten uns gut durch die Krise geführt“. Naidoo wundert sich: „Warum muss
erst ein dummer Künstler wie ich aus Mannheim kommen?“ Das sagt er wirklich. Und er
fügt hinzu: „Wir hätten niemals in dieser Krise stecken müssen.“
Mit Horst Mahlers Freunden vor
dem Reichstag
Naidoo wuchs als Sohn südafrikanischstämmiger Eltern in Mannheim auf. Das katholische Elternhaus, das Singen im Kinderchor
einer katholischen Gemeinde und später der
Dienst als Messdiener übten einen großen
Einfluss auf ihn aus. Seine dunkle Hautfarbe
war eine Last. Die anderen Kinder bespuckten ihn, Erwachsene nannten ihn „Bimbo“.
Mit neun Jahren wurde er von einem Mann in
Johannesburg sexuell missbraucht. Erst mit
25 konnte er darüber reden.
Lesen Sie hier weiter ...
VON: JS
proKOMPAKT 10| 2015
13
„Du sollst dir (k)ein Bild machen“
Eine Ausstellung im Berliner Dom thematisiert das Bilderverbot im Islam, im Judentum sowie im Urchristentum.
Nicht zuletzt die Anschläge von Paris und Kopenhagen machen das zu einer aktuellen Auseinandersetzung.
N
och bis Pfingsten zeigt die Ausstellung „Du sollst dir (k)ein Bild machen“ mit Kunstwerken vom 12. Jahrhundert bis heute die jahrhundertealte Entwicklung des Abbildungsverbotes. 70 Werke
von fast 50 internationalen Künstlern werden in zehn wechselnden Szenen entlang
des liturgischen Osterfestkreises zu sehen
sein. Darunter sind auch Arbeiten von Max
Beckmann oder des chinesischen Künstlers
Ai Weiwei.
Neben einem Elfenbeinkruzifix aus dem
zwölften Jahrhundert und Werken altmeisterlicher Kirchenkünstler sind es vor allem
moderne und zeitgenössische Kunstwerke,
die Kurator Alexander Ochs, Autor und Galerist in Berlin, ausgewählt hat. Das von ihm
entwickelte „Ausstellungskontinuum“ verzichte bewusst auf den „Versuch einer kunsthistorischen Begründung“, heißt es in einer
zur Ausstellung erschienen Zeitung. Außer
dem Titel und dem Namen der Künstler erfährt der Besucher nichts über die Exponate oder die Gründe für deren Auswahl. Die
Ausstellungsmacher beabsichtigen vielmehr
eine „atmende“ Ausstellung, „die dem Besucher Freiheit zur Interpretation lässt.“
Erinnerung an reformatorische
Bilderstürme
In ihrer Predigt zur Ausstellungseröffnung
am 1. März stellte Dompredigerin Petra Zimmermann eine Verbindung her zu den jüngsten Ereignissen im Nahen Osten, wo Tausende assyrische Christen auf der Flucht vor
den Kämpfern des „Islamischen Staates“ (IS)
sind. Christen und andere Minderheiten gehörten nicht zum Kalifat der Radikal-Islamisten. Deshalb versuche der IS nicht nur Andersgläubige zu vernichten, sondern gleich
alles, „was an sie und ihre Kultur erinnern
könnte. Klöster werden abgebrannt, Museen und Bibliotheken geplündert, Kirchen gesprengt.“ Zimmermanns Brückenschlag ist
auch ein Verweis auf die Bilderstürme im Namen der Religion, wie etwa in der ReformaDer Berliner Dom präsentiert noch bis Pfingsten
Kunstwerke in minimalistischer Installation, um
die jahrhundertealte Entwicklung des religiösen
Abbildungsverbotes aufzuzeigen
Foto: pro | Sebastian Schramm
tionszeit, die die Ausstellung ebenfalls zum
Thema macht.
Martin Luther hatte eine Rückkehr zum
Wort Gottes als alleiniger Glaubensgrundlage gefordert. Die gängige Verehrung unbiblischer Heiliger sowie die Prunksucht und
Verschwendung der Kirche waren ihm ein
Dorn im Auge. In der Folge waren Kunst und
Zierrat weitgehend aus protestantischen Kirchen verschwunden. Calvin und Zwingli wollten die Kunst sogar ganz abschaffen und lösten damit im 16. Jahrhundert reformatorische Bilderstürme aus.
Das biblische Gebot: „Du sollst dir kein
Bild und keine Skulptur machen“, dargestellt als Neonskulptur hebräischer Buchstaben, leuchtet dem Besucher beim Betreten des fast leeren Ausstellungsraumes entgegen. Für die Schau wurde das Innere der
Tauf- und Traukirche des Berliner Doms bis
in eine Höhe von sechs Metern mit grauen
Wänden verkleidet. Von der prunkvollen Ausstattung des Doms im Neorenaissance-Stil
bleibt so nur die bemalte Decke zu sehen. Es
scheint fast, als wären Altar, Gemälde und
Säulen verhüllt. „Ich bin sehr angetan von
dem in der Ausstellung aufgegriffenen Gedanken, den Dom im Selbstwiderspruch zu
zeigen“, so Petra Zimmermann, die das Projekt mit ihrem Domprediger-Kollegen Michael Kösling inhaltlich begleitet.
„Das Bild kann nicht Gott sein“
Für Juden und Christen gilt laut Kurator noch
immer das Abbildungsverbot aus dem 2.
Buch Mose: „Wir bilden Gott nicht ab.“ Die
Ausstellung zeige Bilder von Menschen.
„Solche, die von Menschen gemacht sind
und solche, die Menschen zeigen.“ Zu Ochs‘
Auswahl gehören überwiegend zeitgenössische säkulare Werke, aber auch „religiöse
Werke oder solche mit religiösen Aussagen,
ohne dass von der sich säkular verstehenden Kunst verlangt würde, das Christentum
und seine Geschichte zu bebildern.“
Mit der Ausstellung wollen die Macher eine
Kunst zeigen, die nicht nur „das Lebendige in
jedem Menschen anrührt“, sondern auch einen „aufrichtigen“ Dialog zwischen Menschen
unterschiedlicher Kulturen und Religionen
anregt. Auch das Urchristentum habe bis ins
zweite Jahrhundert hinein „kein Bild von Gott“
gehabt, so der Kurator. „Später haben wir –
anders als unsere islamischen Schwestern
und Brüder unser Verhältnis zum Bild geklärt,
der Kunst Autonomie gegeben und wissen
seither: vielleicht kann ein Bild zu Gott führen,
aber: das Bild ist und kann nicht Gott sein.“
Die Ausstellung ist der Beitrag des Doms in
der Luther-Dekade „Reformation – Bibel und
Bild“. Alexander Ochs hatte sich bislang als
Vertreter eines künstlerischen Austauschs
zwischen China und Europa einen Namen
gemacht. Der Dom will mit der Ausstellung
„Raum für zeitgemäße Impulse zu reformatorischen Anliegen und Themen“ bieten, erklärt
Volker Faigle, Vorsitzender des Domkirchenkollegiums, auf der Webseite des Doms.
VON: SES
proKOMPAKT 10| 2015
Wider
naive
Toleranz
Hatune Dogan besucht Menschen,
die vor dem Terror des Islamischen
Staates (IS) geflohen sind. Die Geschichten, die die Ordensschwester
hört, sind kaum zu ertragen – und ein
Appell an den Westen. EINE REZENSION
VON JONATHAN STEINERT
M
ai 2014, Flüchtlingslager in Midyat, Südosttürkei, 60 Kilometer von der syrischen Grenze entfernt: Farhad kommt aus der Nähe von Aleppo. Er hat vier Kinder zwischen fünf und 15
Jahren. Was er gesehen hat, treibt ihn zur
Verzweiflung. Er verletzt sich selbst, schlägt
sich so heftig, dass seine Hand dabei bricht.
In seiner Heimat hat er mit angesehen, wie
schwarz vermummte Kämpfer Menschen abschlachteten. Als er von seinem Feld mit dem
Traktor nach Hause fuhr, passierte er Berge von nackten Leichen am Wegesrand, die
meisten ohne Kopf, Hunde fraßen an ihnen
herum. Seine Familie konnte er in Sicherheit
bringen. Aber die Angst macht ihn fast wahnsinnig. Denn auch in Midyat gab es mittler-
14
weile Kundgebungen, auf denen die Errichtung eines Kalifats und die Vernichtung aller
„Ungläubigen“ gefordert wurde.
Farhads Geschichte ist kein Einzelfall. Die
Ordensschwester Hatune Dogan kennt unzählige ähnliche Schicksale. Ihre eigene Geschichte ist die einer Flucht. Ihre Kindheit
verbrachte sie in Zaz, einem Dorf im Tur-Abdin-Gebirge in der Südosttürkei. Schon im
ersten Jahrhundert entstanden dort unter
den Aramäern christliche Gemeinden. Es war
das Zentrum der Syrisch-Orthodoxen Kirche
von Antiochien.
Tod den Christen
Als Hatune Dogan 14 Jahre alt ist, drohen
Muslime aus dem Nachbardorf ihrem Vater
mit dem Tod. Die christliche Familie flüchtet
nach Deutschland. Hier macht Hatune Dogan eine Ausbildung zur Krankenschwester
und studiert Psychologie und Religionspädagogik. Mit siebzehn Jahren tritt sie in einen syrisch-orthodoxen Orden ein. 1999 begann sie eine karitative Arbeit in Indien, seit
2007 engagiert sie sich, inzwischen mit ihrem Hilfswerk „Stiftung Schwester Hatune
– Helfende Hände für die Armen“, im Nahen
Osten, insbesondere für verfolgte Christen.
Im Buch „Ich glaube an die Tat“, das Dogan
zusammen mit der Journalistin Tonia Riedl
geschrieben hat, berichtet sie von ihrer eigenen Geschichte und von denen, die sie
in den Flüchtlingslagern hört. Darin werden
die Ereignisse, die man aus den Nachrichten kennt und weit weg erscheinen, plötzlich
sehr konkret. Was der Terror des IS für die
Menschen in Syrien und dem Irak bedeutet,
zeigt auch das Schicksal von Laleh.
Sie ist mit ihrem achtjährigen Sohn aus
Nordsyrien nach Istanbul geflohen. Der IS
hatte im Januar 2014 ihr Heimatdorf erobert
und Lalehs Bruder, ihren Mann und den ältesten Sohn ermordet. Der jüngere überlebte, weil er sich hinter einem Stapel Kisten
verstecken konnte. Er hatte alles mit angesehen und dann seine Mutter geholt. Auch
sie sah die Leichen mit abgetrennten Köpfen
im Blut liegen. Schwester Hatune hört ihr zu,
versucht zu trösten und sie an die Hoffnung
des Glaubens zu erinnern.
Nicht ohne meinen Gott
zu werden. Ihre Vorfahren waren vom Völkermord an den vorwiegend armenischen Christen vor einhundert Jahren betroffen. Sie leidet mit den fliehenden Menschen mit, die
sie heute trifft.
Sehr offen schreibt sie davon, wie viel
Kraft es sie kostet, für sie da zu sein, deren schlimmen Geschichten zu hören und
die körperlichen und seelischen Spuren davon zu sehen. Dogan weiß, dass sie ihre Arbeit nur mit der geistlichen Kraft von Gott tun
kann. Es ist ihr Glaube an Jesus, der sie antreibt und der sie stark macht. „Was ich tue,
tue ich in seinem Namen. Deshalb kann ich
auf seine Kraft vertrauen.“
Lesen Sie hier weiter ...
Als Dogan einmal in Ägypten im Urlaub ist,
lässt sie sich überreden, vor einer Gruppe von koptischen Mädchen zu sprechen.
Viele von ihnen haben sexuelle Traumata. Nach dem Vortrag am Vormittag will jedes der Mädchen persönlich mit Schwester
Hatune reden, 132 Christinnen zwischen elf
und sechzehn Jahren, die in einem muslimischen Umfeld leben. Bis drei Uhr nachts hört
Schwester Hatune zu. „Was diese Mädchen
mir berichten, reicht von Gehässigkeiten,
Beschimpfungen und übergriffiger Berührung über Bedrohung mit Gewalt und Entführung bis zu Vergewaltigung und Zwangsbeschneidung.“ Dogan kennt das aus eigener
Erfahrung, sie ist als Kind selber von muslimischen Männern bedrängt worden.
Dogan ist nicht die Heldin, die allen Opfern fröhlich Mut macht. Sie weiß, was es
bedeutet, wegen des Glaubens angefeindet
VON: JST
Foto: Brunnen
Verlag
Hatune Dogan/Tonia Riedl:
„Ich glaube an die Tat. Im Einsatz für
Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak“,
Brunnen-Verlag, 192 Seiten, 9,99 Euro,
ISBN 9783765542589
proKOMPAKT 10| 2015
Einmal
durch die
ganze
Bibel
Die Geschichten der Bibel kurz zusammenzufassen, das ist Armin Kistenbrügge mit „#gottesgeschichte“
gelungen. Auf 176 kreativ illustrierten
Seiten geht es im Schnelldurchlauf
durch die gesamte Bibel. EINE REZENSION VON LYDIA ULLRICH
E
s ist eine der bunten Seiten, die wie
die anderen dazu einlädt, alles auf
ihr zu entdecken: Unten befindet sich
eine Müllhalde mit allerlei Zeugs, das definitiv nicht mehr gebraucht wird. Doch aus diesem Müllberg heraus wächst ein großer grüner Baum. Seine Blätter reichen bis zum oberen Ende der Seite. Rechts neben dem Baumstamm steht der Satz: „Gott lässt sich finden, wenn man ihn ehrlich sucht. #schatzsucher“.
Was es mit diesem Bild auf sich hat, erfährt der Leser ebenfalls auf der Doppelseite. In einem Textrahmen ist die Geschichte
des Propheten Jeremia zu lesen. Nicht in der
Sprache, wie sie aus der Bibel bekannt ist,
15
sondern in einem modernen Erzählton. Einem, der dazu einlädt, dabei zu bleiben, weiterzulesen und zu erfahren, was noch alles
an Geschichten und Bildern in diesem Buch
warten.
Gottes Geschichte zum Lesen
In „#gottesgeschichte“ fasst Armin Kistenbrügge, Pastor der Evangelischen Kirchgemeinde Greifenstein, die wichtigsten Episoden der Bibel jeweils auf Doppelseiten kurz
zusammen. Mit „Ganz am Anfang war erst
mal gar nichts. Außer Gott“ beginnt die Geschichte Gottes im Buch. Entstanden ist die
Idee dazu in der Kirchgemeinde von Edingen und Greifenstein. Damit die Konfirmanden einen Überblick über die Bibel erhalten
und den roten Faden in ihr erkennen, wurden
die Geschichten in einer jungen und dynamischen Weise wiedergegeben.
Die Jugendlichen wollten die Geschichten
aber nicht nur hören, sondern auch nachlesen können. Daraufhin begann Kistenbrügge die Arbeit an „#gottesgeschichte“. Doch
das Buch soll nicht nur den roten Faden in
der Bibel aufzeigen, sondern soll auf Gottes
Botschaft neugierig machen. Es soll Mut machen, Gottes Wort in die Hand zu nehmen,
nachzulesen und Gottes Geschichte selbst
zu entdecken.
Zu jeder Geschichte gibt es in der dazugehörigen Grafik ein oder zwei Sätze, welche
die Kernbotschaft noch einmal zusammenfassen wie „Erst wer seine Götzenbilder und
Selbsttäuschungen hinter sich lässt, begegnet dem wahren Gott...#goodbyegötze“ oder
„Jesus ist bereit, alles zu geben. Sogar sein
Leben. #purelove“.
Im Buch tauchen immer wieder Hashtags
(#) auf. In vielen Sozialen Netzwerken wie
Twitter oder Facebook werden diese als Markierungen eingesetzt, um die Suche nach
Beiträgen zu erleichtern. Da Jugendliche oftmals in Sozialen Netzwerken aktiv sind, verwenden sie Hashtags oft.
Vielfalt statt Einfalt
Andreas Sonnhüter, selbstständiger Grafiker, hat dafür gesorgt, dass die Seiten ihre
ansprechenden und bunten Grafiken erhielten. Wie die Sprache ist auch die Gestaltung
auf jugendliche Leser ausgerichtet. Auf einigen der vielen Fotos und Grafiken sind dabei
auch Smartphones und Tablet-PCs zu sehen.
So schreibt zum Beispiel beim Thema Gebet
jemand in einem Chatprogramm „Papa“ alle
seine Sorgen. Und Papa antwortet darauf:
„Ich kümmer mich drum.“
Auf anderen Bildern ist Vertrautes zu sehen wie das Stadtschild einer Glückspielmetropole. Doch bei genauen hinsehen, fällt
auf, dass das Schild einen in Jerusalem und
nicht in Las Vegas willkommen heißt. Woanders ist ein bekanntes Castingshow-Logo
abgebildet. Doch ein Superstar ist hier nicht
wichtig. Stattdessen sucht Israel nach dem
Superkönig.
„#gottesgeschichte“ ist ein guter Einstieg,
um Jugendliche die Bibel näher zu bringen.
Das Buch wird sicherlich einen Platz in vielen Komfirmandenunterrichten, Jungschargruppen und Teenkreisen finden.
Das Buch „#gottesgeschichte“ von Armin Kistenbrügge ist bei Gerth Medien erschienen
Foto: Gerth Medien
Armin Kistenbrügge: „#gottesgeschichte“, GerthMedien, 176 Seiten,
14,95 Euro, ISBN: 9783957340450
proKOMPAKT 10| 2015
16
pro BLOG
Aus dem Weblog des Christlichen Medienmagazins pro
Nicht „Tinder”, sondern
„Minder“ – App für den
muslimischen Traumpartner
pro BLOG
VON MARTINA SCHUBERT
„Der Ort, um beeindruckende Muslime zu treffen“ – mit diesen Worten wirbt
„Minder“, die Dating-App für Muslime. Die Nutzer wollen laut Marketing nicht
unverbindlich flirten, sondern den Mann oder die Frau fürs Leben finden.
Minder funktioniert ähnlich wie das säkulare Vorbild Tinder. Nach der Anmeldung zeigt die App muslimische Singles in der Umgebung an. Ist der Nutzer interessiert an ihr oder ihm, wischt er den Vorschlag nach rechts und sagt damit
„Finde ich interessant“. Ist er oder sie nicht an dem angezeigten Profil interessiert, wischt er nach links. Das passiert anonym.
Wenn beide Personen „Ja“ zum anderen gesagt haben, sprich nach rechts gewischt haben, gibt es ein sogenanntes Match. Die Übereinstimmung zeigt die
App schließlich an, und der User kann sich überlegen, ob er oder sie mit dem
Gegenüber in Kontakt treten will. Wenn er kein Interesse mehr hat, gibt es die
Funktion „blockieren“.
Der 35-jährige Minder-Entwickler Haroon Mokhtarzada erklärt Spiegel Online ,
die Partnersuche sei für Muslime nicht immer einfach. Unverbindliche Flirts an
der Bar stünden für praktizierende Muslime nicht zur Debatte, andere würden
von der Familie verkuppelt. Doch eine steigende Zahl der Gläubigen wolle sich
„ihre Partner selbst aussuchen“, sagt der in den USA lebende Sohn afghanischer Einwanderer.
Lesen Sie hier weiter ...
blog.pro-medienmagazin.de
proKOMPAKT 10| 2015
17
IMPULS
SONNTAG
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ür manche sind es der Duft von Kaffee und
der Gedanke: Heute muss ich nicht zur Arbeit. Für andere sind es das Frühstücksei und
die frohe Runde in der Familie. Für junge Leute sind es Ausschlafen bis zum Mittag und die
Freude: Heute ist keine Schule. Es ist Sonntag. Es ist ein besonderer Tag. Die Bibel erzählt uns auf den ersten Seiten, dass Gott die
Welt erschaffen hat. Er hat auch die Zeit gemacht und die erste Woche erfunden. Sieben
Tage sind eine Woche – bis heute und weltweit. Unser Sonntag ist nach biblischer Zählung der „Tag eins“ und damit der Anfang der
Woche. Ein normaler Schöpfungstag:
„Gott sprach: Es werde Licht! Und es ward
Licht. Und Gott sah, dass das Licht gut war.
Da schied Gott das Licht von der Finsternis
und nannte das Licht Tag und die Finsternis
Nacht. Da ward aus Abend und Morgen der
erste Tag.“ (1.Mose 1)
Ein normaler Tag mit Arbeit und Schule heute in Jerusalem und im jüdisch geprägten
Staat Israel. In unserem Land ist der Sonntag ein gesetzlicher Feiertag in Erinnerung
an die Auferstehung von Jesus Christus.
„Aber am ersten Tag der Woche sehr früh kamen sie zum Grab und trugen bei sich die
wohlriechenden Öle. Sie fanden aber den
Stein weggewälzt von dem Grab und gingen
hinein und fanden den Leib des Herrn Jesus
nicht.“ (Lukas 24)
Die Frauen erschraken als Boten erklären:
„Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?“ Jesus hat den Tod hinter sich gelassen. Das Leben wird gefeiert, mit Sonntagsfrühstück, Sonntagsausflug und Sonntagsgottesdienst.
Gesegnete Zeit, Egmond Prill
proKOMPAKT 10| 2015
18
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Gut aussehen,
gut ankommen
Schulungen
vor Ort
Wir kommen gern mit einem
Inhouse-Seminar zu Ihnen direkt
in die Gemeinde, den Verein oder
das Unternehmen.
Was macht einen Gemeindebrief lesenswert? Wie sieht der Flyer aus, den ich nicht
wegwerfe? Wann berichtet die Presse über
uns? In diesen Seminaren lernen Sie es:
Bewährte Themen für Tagesseminare:
»» Flyergestaltung
»» Öffentlichkeitsarbeit
»» Schreiben fürs Web
»» Gemeindebrief
»» Social Media, Facebook
»» Fit fürs Fernsehen
»» Moderation
Das A und O der Öffentlichkeitsarbeit
Termin: 17.-18. April 2015
Ort: Wetzlar
Referentin: Astrid Jaehn,
Medienagentur zeichensetzen
Der Gemeindebrief
Termin: 9. Mai 2015
Ort: Wetzlar
Referent: Michael Gutekunst,
Diakon und Öffentlichkeitsarbeiter
Termin: 01.–03.06.2015
Ort: Wetzlar
Referent: Katrin Gülden Le Maire,
PR-Beraterin, Gülden Communications
Foto: leungchopan, fotolia
Intensivtraining Kommunikation
Wir schulen Sie nach Ihrem Bedarf,
kompetent, kostengünstig und
unkompliziert.
Christliche Medienakademie
Steinbühlstraße 3 | 35578 Wetzlar | Telefon (0 64 41) 9 15 166 | Telefax (0 64 41) 9 15 157 | www.christliche-medienakademie.de
Melden Sie sich bei uns:
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