close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Download_VIASVIS_Economy_0115

EinbettenHerunterladen
www.visavis.de · Februar 2015
ECONOMY
Investment
Alternative Anlagestrategien
Mit neuen Assetklassen und einem
breitgestreuten Portfolio können
bessere Renditen erlangt werden
Logistik
Eine Sonderveröffentlichung der visAvis Verlagsgesellschaft mbH im Handelsblatt
Bildquelle: © Kalle Kolodziej - fotolia.com
Zukunftssicher unterwegs
Im nationalen wie internationalen
Wettbewerb bedarf es
vorausschauender Planung
Nachhaltigkeit
Werte transportieren
Mehr denn je hinterfragen
Verbraucher Produkte und
Dienstleister
Altersvorsorge
(Un)ruhestand
Der Streit um eine bessere Versorgung
im Alter ist im vollen Gange
editorial
Das Geheimnis des Erfolges ist die Beständigkeit
des Ziels. In diesem Bewusstsein begehen wir 2015 mit
VISAVIS Economy unser 20-jähriges Jubiläum als Partner der Wirtschaft. Mit über 1.000 realisierten Reportagen, Interviews und Fachbeiträgen haben wir Trends
der Wirtschaft aufgezeigt und unterstützt. Daher möchten wir uns zunächst einmal bei unseren Lesern und
Partnern für das Interesse und die Treue bedanken und
hoffen auf weitere 20 Jahre, in denen wir Ihnen neue
und interessante Themen vorstellen und näher bringen
können.
Diese Beständigkeit wünscht sich manch einer
auch von der Rente, denn diese ist nicht so sicher wie
noch vor knapp 30 Jahren behauptet wurde. In unserer Titelreportage beleuchtet unser Fachautor Dietmar
Braun den aktuellen Diskurs über die Zukunft der betriebliche Altersvorsorge. Dabei geht er besonders auf
das umstrittene Modell einer Zwangsrente ein, mit der
die Bundesregierung die bessere Verbreitung der bAV
herbeiführen möchte. Damit trifft sie jedoch auf massiven Widerstand in der Versicherungsbranche.
In unserer neuen Rubrik „Visavis stellt vor“ geben wir in dieser Ausgabe dem Bundesverband der
Sachverständigen des Versicherungswesens die Gelegenheit, sich und seine Arbeitsschwerpunkte detailliert darzustellen.
Nachhaltigkeit ist 2015 nach wie vor ein wichtiges
Thema, welches alle Gesellschaftsschichten und Unternehmen beschäftigt. Dabei gilt es, vor allem zwischen
echter Nachhaltigkeit und Greenwashing zu unterscheiden, weiß Autor Chris Löwer.
Deutschland legt im Bereich Logistik weiterhin gute Zahlen vor, gleichzeitig deutet sich allmählich ein
Wandel an. Transportoptimierer werden zu Impulsgebern, so unsere Fachautorin Karin Walter. Der Grund
dafür liegt in veränderten Rahmenbedingungen, deren
Chancen es zu erfassen und zu nutzen gilt.
In unserer Reportage zum Thema Customer Care
geht unsere Autorin Brigitte Kasper der Frage nach, inwieweit sich die zunehmende Digitalisierung auf das
Verhältnis zwischen Anbieter und Kunde auswirkt und
warum das Telefon als alleiniges Bindeglied heutzutage nicht mehr ausreicht.
Unser neuer Autor Josef Kohlmaier stellt in der Reportage zum Thema Investment verschiedene Möglichkeiten vor, wie Anleger in der Niedrigzinsphase überhaupt noch annehmbare Renditen erzielen können. Die
Risiken von Immobilieninvestments und Beteiligungskapital stehen hier besonders im Mittelpunkt.
Haben Sie Anregungen oder Kritik zu unserer
Themenauswahl oder eigene Themenwünsche? Lassen
Sie es uns wissen.
Ihre Redaktion@visavis.de
Diese Ausgabe der VISAVIS Economy widmen wir im
stillen Gedenken Hans Beth.
visAvis economy
Inhalt
Visavis stellt vor
Betriebliche Altersvorsorge
Der 2014 neu gegründete Bundesverband der Sachverständigen für das Versicherungswesen bietet
Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen
die Möglichkeit, ihre Versicherungsrisiken neutral
prüfen zu lassen.
Seite 3
Wird meine Rente später reichen, um meinen
gewohnten Lebenstandard zu sichern? Eine Frage
die uns alle bewegt, bewegen sollte. Uneinigkeit
herrscht jedoch darüber, mit welchem Modell
der Betriebsrente in Zukunft besser als bislang
vorgesorgt werden kann.
Seite 11
Sachverstand im Versicherungswesen
Der Streit um die beste Betriebsrente
Nachhaltigkeit
Investment
Verantwortung zeigen
Diversifikation und Weitsicht
Tue Gutes und rede darüber – diese einfache
Maxime beherzigen viele Unternehmen noch
nicht zur Gänze. Denn immer öfter verlangen
Kunden und Partner nach transparenten
Berichten von Unternehmen im Bereich
Nachhaltigkeit und CSR.
Seite 4
Logistik
Der niedrige Zinzsatz frustiert viele Sparer und
Anleger. Wer langfristig investieren möchte, findet
in Aktien, Immobilienanlagen und Private Equity
interessante Alternativen zu bisherigen Strategien der
Kapitalanlage und Vermögungsverwaltung.
Seite 17
Passgenaue Planung
Deutschland ist weiterhin Logistikstandort Nummer
Eins in Europa. Die Branche freut sich über wachsende Aufträge, gleichzeitig muss sie sich aber auch
den vielfältigen Veränderungen stellen, die mit
veränderten Produktionsketten und Bedingungen
einhergehen.
Seite 6
Customer Care
Kundendienst 2.0
Solide Beratung rund um die Uhr auf allen Kanälen:
Neben Telefon und Telefax als altbewährten
Kommuni­kationsmitteln bieten E-Mail, App und Soziale
Netzwerke vielfältige Wege der Interaktion.
Seite 9
Bildquelle: © visavis GmbH
editorial
| Bildquelle: © Uwe Wagschal - pixelio.de
2
Ver­lag: visAvis Ver­lags GmbH, Endenicher Straße 282, 53121 Bonn; Tel.: 0228 / 33 88 34- 0,
Fax: 02 28 / 33 88 34 - 10, Va­nity: 07000 / visavis, E-Mail: visavis@visavis.de, Web: www.visavis.de;
Ge­­schäfts­füh­rer: Walter Metzinger; Verlagsleiter: Stefan Jendrusch von Schnakenburg; Schlussredaktion: Britta Müller und Markus Heinen;
V.i.S.d.P. redaktionelle Inhalte: Britta Müller, redaktion@visavis.de; Themen- und Projektleitung: Dieter Breitbach, Markus Heinen,
Katrin Limani, Britta Müller, Stefan Jendrusch von Schnakenburg, Meline Stemmler; Art-Director: Markus Heinen; Layout: Rolf Claus;
Bildmaterial: pixelio.de, fotolia.com und nach Angabe; Druckauflage: 120.000 Exemplare, Vollbelegung im Handelsblatt; ISSN: 0942-8615
impressum
Inhalte von Unternehmens- und Produktporträts, Interviews, Gastbeiträgen sowie Advertorials und Anzeigen geben die Meinung der
beteiligten Unternehmen wieder. Die Redaktion ist für die Richtigkeit der Beiträge nicht verantwortlich. Die rechtliche Haftung liegt bei
den jeweiligen Unternehmen.
visAvis economy |
visavis stellt vor
3
von Andreas Schwarz
Sachverstand im Versicherungswesen
UnterstützunG
Versicherungs- und Haftungsrisiken überprüfen zu lassen, ist für privatwirtschaftliche Unternehmen wie für öffentliche
Einrichtungen und Kommunen nicht nur wichtig im Hinblick auf ein gut funktionierendes Risikomanagement. Es
hilft Schwachstellen im Versicherungsumfang aufzudecken und Einsparpotenzial zu erkennen sowie bestehende
Verträge daraufhin zu optimieren.
D
er Bundesverband der
Sachverständigen für das
Versicherungswesen
(BVSV) e.V. ist ein Zusammenschluss von Spezialisten des
Versicherungswesens, der eine neutrale gutachterliche Bewertung von
Versicherungsbeständen, Versicherungsleistungen, Versicherungsschäden sowie Versicherungsprämien
ermöglicht und dabei auf einen vielschichtigen Markt trifft. So berichtet der Mitbegründer und 1. Vorsitzende Andreas Schwarz: „Bereits
wenige Monate nach Gründung des
Bundesverbandes hatten wir zahlreiche Anfragen unterschiedlich­ster
Marktteilnehmer. Dabei sind die
Auftraggeber ebenso unterschiedlich wie deren Motive.“
Städte und Gemeinden beispielsweise fordern die Unterstützung der
Sachverständigen an, weil die inhaltliche Überprüfung der Versicherungsbestände in der Regel nicht Gegenstand der von Landesrechnungshöfen
durchgeführten Kontrollen und gesetzlichen Prüfungen ist. Auf dem Prüfstand steht – wenn überhaupt – in erster Linie der Aspekt der Wirtschaftlichkeit, nicht aber die Aktualität des
vorhandenen Versicherungsbestandes.
„In vielen Städten und Gemeinden sind
Versicherungsverträge vollkommen
veraltet und teilweise mit antiquierten
Bedingungen unterlegt“, gibt Joachim
Schlimpert, 2. Vorsitzender und ebenfalls Mitbegründer des Verbands, zu
bedenken. Das weiß der öffentlich bestellte Gutachter und Wirtschaftsprüfer aus jahrzehntelanger Erfahrung.
„Überraschenderweise stellen wir zudem in Gesprächen immer wieder fest,
dass die meisten Verantwortlichen in
den Kommunalverwaltungen keine
(oder nur wenig) Kenntnis über ein
entsprechendes Risikomanagement
und das Haftungsrisiko für getroffene
Entscheidungen haben.“ Hier kommt
der Begriff der „Durchgriffshaftung“
ins Spiel: Diese führt im schlimmsten
Fall zum Zugriff auf das Privatvermögen zeichnungsberechtigter Funktionsträger wie Bürgermeister und Geschäftsführer. Die Gutachten des BVSV
e.V. können für die Verantwortlichen
eine erhebliche Entlastung bedeuten.
gutachten Der Bundesverband der
Sachverständigen für das Versicherungswesen (BVSV) e. V. bewertet neutral
Versicherungsbestände, - leistungen und
-schäden, erklärt Andreas Schwarz,
Mitbegründer und 1. Vorsitzender.
Auf großes Interesse stößt der
Verband der Sachverständigen für
das Versicherungswesen ebenso bei
Wirtschaftsprüfern. Joachim Schlimpert erklärt dazu: „Wirtschaftsprüfer schließen in ihren gesetzlichen
Abschlussprüfungen üblicherweise
die Beurteilung der Angemessenheit
und Stimmigkeit des Versicherungsschutzes eines Unternehmens aus
und weisen in den von ihnen erstellten Berichten auch ausdrücklich darauf hin.“ Die Arbeit der Sachverständigen des BVSV bildet also nicht
nur eine wichtige Grundlage, sondern stellt zugleich eine wertvolle
Ergänzung für die Risikoeinschätzung des Wirtschaftsprüfers dar.
Auch Steuerberaterkanzleien
profitieren von der Zusammenarbeit
mit dem Bundesverband: Besonders
im Hinblick auf die Haftungsfallen
einer betrieblichen Altersversorgung
stoßen sie häufig an versicherungstechnische und versicherungsmathematische Wissensgrenzen. Komplette Versorgungsordnungen für die Betriebsrente sind aufgrund der Modernisierung des Bilanzrechts, des Niedrigzinsumfeldes im Kapitalmarkt und
der erheblichen Veränderungen in der
Versicherungslandschaft in weiten Teilen sanierungsbedürftig.
Steuerberater können für die Folgen einer mangelhaft installierten Versorgungsordnung vollumfänglich haften, wenn sie bei der vertraglichen
Gestaltung als Berater beteiligt waren. Mit der Beauftragung eines Sachverständigen des BVSV e.V. ergibt sich
hier für den Steuerberater eine Möglichkeit, die Risiken aus den bestehenden Verträgen seines Mandanten
aufzuzeigen und neutral zu bewerten. Falls notwendig und gewünscht,
kann zusammen mit Partnern aus dem
Netzwerk des BVSV e.V. eine rechtlich einwandfreie Lösung zur Sanierung der bestehenden Versorgungsordnung erst gemeinsam erarbeitet
und deren Umsetzung anschließend
begleitet werden.
„Weitere Anfragen kommen beispielsweise von Versicherungsgesellschaften, Interessensverbänden und
aus dem Rechtsbereich“, so der Geschäftsführer des Verbandes, Michael
Wendel. „Die Motive hierbei sind völlig unterschiedlich, aber nicht weniger interessant für unser Sachverständigenteam, das derzeit fast wöchentlich mit zusätzlichen Spezialisten erweitert wird.“
Im Rahmen seines Auftrages
hat der BVSV e.V. ein eigenes Berufsbild erschaffen: den „Sachverständigen für das Versicherungswesen“. In einer hauseigenen Akademie, der BVSV Seminargesellschaft
mbH, durchlaufen je 25 Anwärter
die insgesamt 8 Module umfassende, anspruchsvolle Ausbildung zum
Sachverständigen für das Versicherungswesen. Aktuell startet gerade
ein weiterer Ausbildungsblock, der
im halbjährlichen Rhythmus angeboten wird.
Die Ausbildung sichert den hohen Anspruch, der an öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige gestellt wird. Der Antrag für
die öffentliche Bestellung liegt der
zuständigen IHK vor und es ist davon auszugehen, dass dem Antrag
aufgrund der nachweislichen Bedarfssituation am Markt zeitnah stattgegeben wird. „Wir haben bereits
jetzt für 2015 eine Auftragslage, die
kaum zu bewältigen ist“, freut sich
Joachim Schlimpert.
Wer sich auf bestimmten Fachgebieten spezialisieren möchte, findet
in dem Ausbildungsgang zum Fachberater und der anschließenden Weiterbildung zum Spartensachverständigen oder aber in der Ausbildung
zum Schadenregulierer ebenfalls interessante Optionen, um sich in Berufen der Versicherungswirtschaft weiter zu entwickeln.
„Fachleute, die die Voraussetzungen für die Ausbildung zum Sachverständigen für das Versicherungswesen erfüllen und sich mit unserer Unterstützung weiterentwickeln
wollen, melden sich am besten online über unser Kontaktformular.“
Michael Wendel garantiert eine zeitnahe Rückmeldung.
Weitere Informationen unter:
www.bvsv-bundesverband.de
nachhaltigkeit
| visAvis economy
Bildquelle: ©Markus Heinen
4
J
Bildquelle: © IASS/Schulzendorff
eder vierte Deutsche achtet bei
seinem Einkauf auf nachhaltige
Produkte. Hersteller, die gegen
ökologische, gesellschaftliche und
soziale Standards verstoßen, werden
vom Verbraucher abgestraft. Das vermeintliche Geiz-ist-geil-Paradigma
wankt. Stattdessen sind die auf gesunden und fairen Handel pochenden LOHAS (Lifestyle of health and sustainability) durchaus geneigt, für Bio- und
Fair-Trade-Produkte einen angemessenen Preis zu zahlen. Es hat sich etwas gewandelt: Lediglich 3 % der Deutschen haben noch nie von dem Begriff „Nachhaltigkeit“ gehört. „In den
letzten 10 Jahren hat eine regelrechte
Nachhaltigkeits-Revolution stattgefunden und der Sustainability-Aspekt ist
bei vielen Unternehmen fest in der
CSR-Strategie verankert“, heißt es bei
dem Kölner Institut für Nachhaltig-
Glaubwürdigkeit IASS Exekutivdirektor Prof. Klaus Töpfer sieht Nachhaltigkeit verstärkt unter ökono­mischen
Gesichtspunkten.
von Chris Löwer
Verantwortung zeigen
Veränderung
Corporate Social Responsibility ist längst nicht mehr ein Niceto-have-Thema, sondern zählt mehr und mehr zu den Kernkompetenzen erfolgreicher Unternehmen. Nachhaltigkeit wird
von Kunden, Märkten und Stakeholdern verstärkt eingefordert.
keit IFH. Nicht nur die Nachfrage nach
zertifizierten Lebensmitteln und nachhaltigen Produkten wachse unverändert, die Öffentlichkeit frage auch zunehmend kritisch nach dem Umgang
mit eigenen Mitarbeitern und denen
von Zulieferunternehmen. Das bekommt besonders die Textilbranche
zu spüren, die immer stärker wegen
untragbarer Produktionsbedingungen
bei asiatischen Subunternehmern ins
Kreuzfeuer der Kritik geraten ist. Niemand kann das ignorieren, weswegen
betroffene Unternehmen in der Regel
umgehend reagieren. Die Macht der
Verbraucher hat zugenommen – nicht
zuletzt, weil sie weltweit vernetzt sind
und einfacher denn je miteinander
kommunizieren können. Aber auch
der Kapitalmarkt und Geschäftspartner verlangen Verantwortung, die
weit über gesetzliche Anforderungen hinausgeht. „Die Bedeutung von
Nachhaltigkeit auch ökonomisch zu
bewerten und darüber zu berichten,
das hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten stark zugenommen und da-
bei eine Lenkwirkung entfalten können“, sagt Prof. Klaus Töpfer, Exekutivdirektor des Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in
Potsdam. Fragen rund um Umweltund Nachhaltigkeits­ökonomie sind,
so Töpfer, in den „deutschen Chefetagen zu einem handlungsleitenden
Kriterium“ geworden.
Nirgendwo wird das im Alltag
deutlicher als beim Lebensmittelkauf.
Der Verbraucher fragt gezielt nachhaltige Produkte nach, fordert deren
transparente Kennzeichnung ein, worauf der Handel reagiert hat. Das spiegelt sich auch in der Verbraucherstudie des imug Instituts, das im Auftrag von Rewe die neuen Anforderungen der Konsumenten untersucht
hat. Allerdings zeigt die Studie auch,
dass Themen wie Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Regionalität oder Fairness nur noch „ganz selten alleinige
Kaufmotive“ sind. Sie sind wichtig,
müssen aber mit Qualität unterfüttert sein. Was einleuchtet, denn wenig frisches, fad schmeckendes und
womöglich nicht allzu gesundes Essen ist wenig attraktiv.
Um diesen Anforderungen nachzukommen, werden zuweilen drastische Fehler gemacht oder gar gleich
schöngefärbt. Damit schlägt die Stunde der Greenwasher, die mit CSR-Kosmetik verheerenden Schaden anrichten können. Dieser stellt sich oft schneller ein als erwartet, da gut vernetzte
Verbraucher und NGOs Ungereimtheiten, Täuschung und Desinformation wirkungsvoller aufdecken und verbreiten können als noch zu Zeiten ohne Social Media. „Im Extremfall führt
Greenwashing dazu, dass die Öffentlichkeit generell das Vertrauen in das
verantwortliche Handeln von Unternehmen verliert“, sagt Dieter Horst,
Experte für Nachhaltigkeit bei PricewaterhouseCoopers (PwC). Die Folgen könnten weitreichend sein, denn
tatsächlich nachhaltige Produkte könnten ebenso in Mitleidenschaft gezogen
und vom Verbraucher durch Missachtung abgestraft werden. Als typische
Greenwashing-Strategien, von denen
dringend abzuraten ist, gelten unter
anderem irreführende Vergleiche, bei
denen ein Produkt mit einem weniger
umweltfreundlichen verglichen wird,
um es in besserem Licht erscheinen
zu lassen oder es werden nur einzelne ökologische Aspekte hervorgehoben, dabei überwiegen die schädlichen.
Mitunter fehlen auch Nachweise von
unabhängigen Stellen oder es wird gar
mit erfundenen Gütesiegeln oder Studien unseriöser Institute hausieren gegangen. Nachhaltig wäre, in neue umweltschonende Technologien und die
Weiterqualifizierung von Mitarbeitern
zu investieren, ohne vorher abschätzen zu können, ob sich der Aufwand
rechnen wird. Effizienz sollte nicht der
visAvis economy |
eigentliche Treiber sein. Gleichwohl
ist der Idealfall „Shared Value“, d.h.
durch den Beitrag, den Unternehmen
für die Gesellschaft und den Erhalt
der Umwelt leisten, vergrößern sie auch
ihren Erfolg.
Tatsächliche Anstrengungen und
greifbare Ergebnisse können in einem
Nachhaltigkeitsbericht aufgezeigt werden. Aus ihm zu ersehen sind unter
anderem das Engagement für fairen
Handel und die Allgemeinheit, für weniger Ressourcenverbrauch, weniger
Umweltbelastung sowie Details zum
ökologischen Fußabdruck. „Dass einmal jährlich Geschäftszahlen und -daten publiziert werden, ist für Unternehmen selbstverständlich. Aspekte
nachhaltigen Handelns regelmäßig zu
veröffentlichen, ist hingegen noch relativ neu“, sagt Dirk Bensmann, Vorstandsmitglied der AGRAVIS Raiffeisen AG. Das Grundproblem: Für Nachhaltigkeitsberichte gibt es keine verbindlichen Standards. Im Grunde können sie auch Zeugnisse des Greenwashings sein. Daher werden die Berichte von AGRAVIS oder auch der DLG
(Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft) mit äußerster Sorgfalt und Transparenz angefertigt. Für den ersten Nachhaltigkeitsbericht der DLG zur Landwirtschaft in Deutschland wurde ei-
nachhaltigkeit
gens mit Wissenschaftlern der JustusLiebig-Universität Gießen zusammengearbeitet, um ein aussagekräftiges Dokument zu erarbeiten. Zum ersten Mal
überhaupt wurde versucht, den Nachhaltigkeitsstatus des ganzen Sektors
Landwirtschaft abzubilden. Dies anhand zentraler Kennzahlen aus den Bereichen Ökologie, Ökonomie und gesellschaftlicher Verantwortung sowie
eines aggregierten Nachhaltigkeitsindex. Insgesamt wurden 23 Einzelindikatoren bestimmt, für die verlässliche,
gut dokumentierte und lange Zeiträume umfassende Statistiken vorliegen.
Sie betreffen die Bereiche Umweltverträglichkeit, ökonomische Effizienz sowie soziale Akzeptanz. Gleichwohl zeigt
der Bericht auch auf, wo noch Handlungsbedarf besteht. So funktioniert
offenes und ehrliches Reporting. Auch
wenn es dafür noch keine verbindlichen Regeln gibt, helfen Standards, wie
sie zum Beispiel die „Global Reporting
Initiative“ (GRI) herausgibt. Die vom
Umweltprogramm der Vereinten Nationen mitgegründete Initiative veröffentlicht Leitfäden für Organisationen,
die zum ersten Mal einen Nachhaltigkeitsbericht herausgeben möchten, wie
auch ausgefeilte Standards für Konzerne, die bereits seit Jahren ein entsprechendes Reporting betreiben.
Dazu gehört dann nicht nur der
Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette, sondern auch die kritische Beleuchtung der eigenen Unternehmens­
praxis. So sind in der ISO 14021:1999
zum Beispiel allgemeine Standards
für das Ökomarketing zu finden. Der
Standard fordert unter anderem, Werbeaussagen mit Umweltbezug „akkurat, überprüfbar und nicht irreführend“ zu formulieren. Wenn es Unternehmen mit der Corporate Social
Responsibility ernst meinen, empfehlen Experten, dafür eine Stabstelle einzurichten, bei der die Fäden zusammenlaufen und die als Kontroll­instanz
wirkt. Denn oft genug ist mangelnde
Abstimmung der Abteilung unterein­
ander für Greenwashing verantwortlich. Etwa wenn die Marketingabteilung mit Aussagen wirbt, ohne sich
vorher mit der Fachabteilung abzustimmen, ob die Fakten tragen. Mehr
Koordination und Offenheit – darauf
wird es künftig ankommen. Denn das
Thema Nachhaltigkeit wird weiter an
Bedeutung gewinnen wie auch die
kritische Öffentlichkeit immer aufmerksamer werden wird. Wer CSR
als Nebenbei-Thema begreift, wird
eine Bruchlandung erleben.
c.loewer@visavis.de
5
IASS
2009 wurde das Institute for
Advanced Sustainability Studies
(IASS) als gemeinschaftliche
Initiative der Bundesregierung,
des Landes Brandenburg und
der Forschungsorganisation der
Wissenschaftsallianz gegründet,
um möglichst alle relevanten
Formen des Wissens innerhalb und
außerhalb der Wissenschaft zusammenzuführen und gemeinsam
Handlungswissen für geeignete
Lösungen zu finden.
„Das IASS hat sich in den vergangenen Jahren in der nationalen
wie internationalen Nachhaltigkeitsforschung und -politik einen
Namen machen können. Es wird
auch in Zukunft dafür stehen,
Nachhaltigkeit in seinen ökonomischen, sozialen, ökologischen,
aber auch kulturellen Dimensionen
in gesellschaftlichen Prozessen zu
verankern“, so Prof. Dr. Dr. Klaus
Töpfer, Gründungsdirektor und
derzeitiger Exekutivdirektor.
www.iass-potsdam.de
VORBILDLICH | Themen der Nachhaltigkeit verbinden
TRAGFÄHIGE BASIS FÜR GLAUBWÜRDIGKEIT
Dirk Bensmann, Vorstandsmitglied der
AGRAVIS Raiffeisen AG erklärt im Interview
mit der VISAVIS-Redaktion, welche Perspektiven und Ziele nachhaltiges Handeln in
einem der größten deutschen Agrarhandelsund Dienstleistungsunternehmen hat.
Welche konkreten Ergebnisse hat der
zweite Nachhaltigkeitsbericht, der
2014 erschienen ist, für die AGRAVIS
Raiffeisen-Gruppe gebracht?
Der Jahresvergleich der analysierten
Parameter zeigt erste Erfolge in unseren
Pilotthemen, beispielsweise messbare Energieeinsparungen in den Futtermittelwerken.
Wir erhalten auch viele Anregungen durch
die neu aufgegriffenen Themen Pflanzen,
Wasser und Logistik. Eine Erkenntnis ist
ebenfalls, dass wir es geschafft haben,
verlässliche Instrumente für ein Nachhaltigkeitsreporting unternehmensweit zu
etablieren. Dass einmal jährlich Geschäftszahlen und -daten publiziert werden, ist für
Unternehmen selbstverständlich. Aspekte
nachhaltigen Handelns regelmäßig zu veröffentlichen ist hingegen noch relativ neu.
Wir sind in der Lage dazu und legen damit
eine tragfähige Basis für Glaubwürdigkeit
und Transparenz in den Themen.
Welches Feedback haben Sie nach
Veröffentlichung des zweiten
AGRAVIS-Nachhaltigkeitsberichtes
bekommen?
Die Branche begrüßt, dass wir uns als
Handelsunternehmen und Teil der Wertschöpfungskette diesem Thema intensiv
widmen. Zugleich honoriert sie den aktiven Vorstoß der Agrarbranche hinsichtlich
des verantwortungsvollen Umgangs
mit Ressourcen und der Präsentation
der Ergebnisse gegenüber einer breiten
Öffentlichkeit. Die Verlässlichkeit unserer
Berichterstattung schafft Vertrauen bei
Partnern und Kunden.
Sie beschreiben in dem Bericht den
Weg zu einem Nachhaltigkeitsprogramm, das im Unternehmen
etabliert werden soll. Wie sehen die
nächsten Schritte dahin aus?
Zunächst einmal geht es darum, klare
und messbare Ziele zu formulieren. Ein
weiterer wichtiger Schritt ist der Ausbau
des Dialogs mit unseren Stakeholdern, also
beispielsweise mit Branchenpartnern, Politik,
Genossenschaften und Mitarbeitern.
Warum sollten sich die Landwirtschaft
sowie die Agrar- und Ernährungsbranche mit Nachhaltigkeit beschäftigen?
Die erforderliche Transparenz sorgt dafür,
dass die Dinge, die wir tun, für unser
ÜBERZEUGT Transparente Berichte über
nachhaltiges Handeln fördern die Effizienz,
so Dirk Bensmann.
Umfeld erkennbar und nachvollziehbar
werden. Wenn ich etwas verstehe, kann
ich Vertrauen aufbauen. Jeder Partner in
der Wertschöpfungskette Landwirtschaft
kann seinen Teil zu diesem Prozess beitragen. Des Weiteren geht es auch um Effizienz. Hier sind die Akteure der Agrar- und
Ernährungsbranche dazu aufgefordert,
umwelt- und sozialverträgliche Lösungen
für eine nachhaltige Produktion zu finden.
Welche Ziele müssen in der Agrarbranche aus Ihrer Sicht in Zukunft
erreicht werden, um wirklich nachhaltig zu sein?
Innerhalb der Wertschöpfungskette
Agrar sind wir aufgefordert, Themen der
Nachhaltigkeit miteinander zu verbinden
und ein gemeinsames Verständnis zu entwickeln. Ernährung und Landwirtschaft
werden intensiv und kontrovers diskutiert.
Die größte Herausforderung für die
Agrarbranche liegt darin, zu zeigen, dass
moderne Landwirtschaft mit all ihren
Einflussfaktoren nachhaltig ist.
Weitere Infos unter: www.agravis.de
6
logistik
| von Karin Walter
Passgenaue Planung
Bildquelle: © Markus Heinen
Zukunftsfähig
Logistiker haben heutzu­
tage mehr denn je die
Möglichkeit alle Bereiche
der Transportkette mit­
zugestalten und diese
anzupassen.
G
lobale Produktions- und
Lieferantenstrukturen, gestiegene Kundenerwartungen, größere Produktvielfalt: Die Komplexität in den Wertschöpfungsketten hat sich in den vergangenen Jahren drastisch erhöht – und damit auch die Anforderungen an die
Logistiker. Augenblicklich vollzieht die
Branche einen Wandel vom Transport­
optimierer zum Impulsgeber.
In den 70er-Jahren war die Welt
der Handelsströme noch sehr viel einfacher gestrickt. Industriebetriebe kümmerten sich um die Herstellung von
Waren. Der Auftrag an die Logistiker
lautete, die Produkte zur richtigen Zeit
zum Händler zu bewegen. Damit war
die Thematik der Warenbewegung über
viele Jahre hinweg passabel gelöst. In
der globalisierten Welt funktionieren
Handelsströme anders. Maschinen, Fahrzeuge oder Elektronikartikel werden in
weitverzweigten, globalen Lieferantenstrukturen hergestellt. Die Aufgabe der
Logistiker besteht daher längst nicht
mehr nur darin, pünktliche Warenbewegungen von A nach B zu garantieren. Logistiker sind heutzutage vielmehr
gefordert, das komplette Management
über die Informations- und Warenströme innerhalb der komplexen Wertschöpfungsnetzwerke zu übernehmen.
Mit der wachsenden Bedeutung
der Logistik entstehen völlig neue Organisationsformen. Waren Logistikmanager auf der hierarchischen Ebene häufig noch dem Unternehmensbereich Einkauf unterstellt, übernehmen Logistiker größerer Industrie- und
Handelsunternehmen mittlerweile
höchst verantwortungsvolle Funktionen in eigenständigen, strategischen
Geschäftsbereichen. Vielfach finden
sich heutzutage auch erfolgreiche Unternehmensausgliederungen auf dem
Markt. Eine solche Neustrukturierung
hat kürzlich zum Beispiel der hierzulande größte Fahrzeugimporteur und
Auto­mobilhändler Emil Frey Gruppe
Deutschland vollzogen. Die neue Logistiksparte, die künftig unter der Bezeichnung EF Logistik firmiert, ist markenunabhängig als eigenständiger Geschäftsbereich innerhalb der Unternehmensgruppe organisiert. Hinter
der Outsourcing-Lösung steht das
Ziel, ein neues, für den Dienstleister wegweisendes Vertriebskonzept
auf dem Markt zu platzieren: Über
eine weitere Perfektionierung der
Leistungen in der Ersatzteilversorgung eröffne sich ein großes Potenzial, weitere Kunden aus dem Automobilsektor zu gewinnen, heißt es
von dem Unternehmen.
Datenstandards gefragt
Die schwierigsten Rahmenbedingungen finden zurzeit die traditionell auf
dem Markt befindlichen Logistikdienstleister vor. Manch ein größeres Unternehmen hat den Sprung in
die komplexe Welt vernetzter Waren- und Informationsströme bereits
erfolgreich umgesetzt. Viele Dienstleister stehen jedoch seit geraumer
Zeit vor der gewaltigen Aufgabe, gewohnte Geschäftsmodelle aufzuge-
visAvis economy
ben – und ihre Expertise in partnerschaftlich organisierte Unternehmensnetzwerke einzubringen. Kenner der
Logistikszene halten das für eine
Schlüsselfunktion, um blitzschnelle
Maßnahmen einzuleiten – sei es, dass
innerhalb eines Kundenauftrags plötzlich etwas ins Stocken gerät oder Kundenwünsche eine kurzfristige Änderung erfahren.
Die Bereitschaft und Fähigkeit,
innerhalb von Wertschöpfungsnetzwerken zu kooperieren und einen
lückenlosen Informationsfluss zu gewährleisten, gilt in der heutigen Organisation der Warenströme als eines
der wichtigsten Kriterien für den Unternehmenserfolg. Logistikexperten
wie der Dortmunder Wissenschaftler
Prof. Michael ten Hompel bemängeln
jedoch, dass es trotz spürbarer Bemühungen noch immer bei der Umsetzung dringend benötigter Datenstandards für die unternehmensübergreifende Zusammenarbeit hakt. „Deutschland muss Software ebenso perfekt
produzieren wie Autos“, forderte der
Logistikforscher vom Fraunhofer Institut für Materialfluss und Logistik
IML unlängst auf der wichtigsten Jahresveranstaltung der Branche, dem
Deutschen Logistik-Kongress. Unternehmen seien gefragt, die Soft- und
Hardware-Entwicklungen sowie den
korrespondierenden Algorithmus und
dessen Anwendung in der Logistik
voranzutreiben. Von staatlicher Seite gelte es, Rechtssicherheit sowie die
nötigen Rahmenbedingungen zu
schaffen. „Keine App – kein Geschäft“,
dieses Bewusstsein würden Digital
Natives in Zukunft von den Logistikunternehmen erwarten, warnte der
Wissenschaftler.
Prozessoptimierung
Zunehmende Komplexität bei den Kommunikations- und Datenstrukturen,
den Produkten sowie deren Verkehrswegen treiben vor allem die Kosten
in die Höhe. Das von den Märkten
VeRAnSTAlTUnG
Tag der Logistik 2015
Am Donnerstag, 16. April, findet der 8. Tag der Logistik statt, eine Initiative
der Bundesvereinigung Logistik (BVL) e.V. Seit 2008 bewährt sich der Tag
der Logistik als Aktionstag des Wirtschaftsbereichs. Im April 2014 nutzten
rund 37.500 Besucher bei rund 400 Veranstaltungen die Chance, kostenfrei
hinter Unternehmenskulissen zu blicken und logistische Lösungen und
Leistungen zu erleben. Das ist das Konzept: Unternehmen, Organisationen
und Bildungseinrichtungen öffnen ihre Türen für die breite Öffentlichkeit,
informieren und geben Einblicke in die logistischen Abläufe und Tätigkeiten.
Aktuelle Informationen unter:
www.tag-der-logistik.de
visAvis economy |
logistik
»
Die Hausaufgabe
der Logistiker ist
es, sich hin zu Prozess­
optimierern, Komplexi­
tätsmanagern und
Innovationstreibern
zu entwickeln.
«
immer lauter herangetragene Ziel an
die Logistiker lautet daher, die zunehmende Komplexität innerhalb von
Wertschöpfungsketten und -prozessen beherrschbar zu machen. Nach
Ansicht von Prof. Raimund Klinkner,
Vorstandsvorsitzender der Bundesvereinigung Logistik (BVL), läutet dies
einen fundamentalen Paradigmenwechsel in der künftigen Aufgabenstellung der Logistiker ein. „Das Jahrzehnt der Logistik hat begonnen“, sagt
der Logistikexperte voraus. „Die Logistik als drittgrößter Wirtschaftsbereich in Deutschland steht vor der
Aufgabe, den Wandel von einer sich
reaktiv bewegenden zu einer führenden Instanz in Wertschöpfungsnetzwerken zu vollziehen.“ Die Hausaufgabe der Logistiker sei es, sich hin zu
Prozessoptimierern, Komplexitätsmanagern und Innovationstreibern zu
entwickeln. Es gehe darum, die Weiterentwicklung von Innovationen
nicht nur zu unterstützten, sondern
sogar anzuführen.
Unter dem Stichwort „Industrie 4.0“ haben sich in den vergangenen Jahren bereits einige interessante Innovationsansätze zur Optimierung der Prozesse innerhalb komplexer Wertschöpfungsnetzwerke
subsummiert. Gemeinsam mit Unternehmen feilen Logistikforscher
seit geraumer Zeit zum Beispiel am
Konzept der cyberphysischen Systeme. Produkte, Ladungsträger und
Maschinen werden dabei mit einer
eigenständigen künstlichen Intelligenz ausgestattet, die dafür sorgen,
dass Waren ihren Weg zum Ziel in
Zukunft selbst organisieren. Das Ziel:
Warenbewegungen, die genau im
richtigen Tempo stattfinden – zu erschwinglichen Kosten.
Ein weiteres Forschungsfeld: Big
Data-Lösungsansätze zur Optimierung
automatischer Logistiksysteme. Dahinter verbirgt sich der Gedanke, sämtliche Informationen aus automatischen
Logistikanlagen kontinuierlich auszulesen, zu sammeln und auszuwerten.
Unternehmen und Logistikdienstleis-
tern soll das die Möglichkeit bieten,
drohende Wartungsausfälle aufzuspüren und proaktive Maßnahmen im Falle des drohenden Stillstands der kompletten Logistikanlage einzuleiten. Den
Unternehmen ebnet das den Weg zu
einer verbesserten Planbarkeit der Prozesse. Außerdem profitieren die Logistikunternehmen von einer deutlich
vergrößerten Investitionssicherheit.
Lukrative Logistikimmobilien
Für Logistiker ist das ein zentraler
Aspekt. Ältere Logistikzentren, die
flächenmäßig auf die Bedarfslage in
den 70er-Jahren ausgerichtet sind,
lassen sich meist gar nicht so einfach an die Flächenanforderungen
moderner automatischer Hochre-
gallager anpassen. Viele Bestandsimmobilien stoßen in den platzmäßigen Verhältnissen an ihre Grenzen.
Manche Immobilien passen darüber hinaus aber auch räumlich gesehen nicht mehr in das heutige Konzept, möglichst in nächster Nähe zum
Kunden zu agieren. Die mit den
wachsenden Anforderungen einhergehende Innovations- und Investitionsbereitschaft bei den Logistikern
schafft zunehmend auch bei Investoren und Immobilienentwicklern
merkliche Anreize, in das lukrative
Geschäftsfeld Logistik zu investieren. Viele Investoren nutzen zurzeit
auch das günstige Zinsniveau, um
den Neubau moderner Logistik­
immobilien weiter zu forcieren.
7
Das spiegeln die aktuellen Transaktionszahlen des Frankfurter Immobilienunternehmens Jones Lang
LaSalle GmbH wider. Demnach wurden im vergangenen Jahr Rekordtransaktionen in Höhe von 3,6 Milliarden Euro verzeichnet. Das bedeutet ein Plus von über 60 % im
Jahresvergleich und das Zweieinhalbfache des Fünfjahresdurchschnitts. Zum Vergleich: Auch im
Jahr 2007 bekamen die Immobilien­
entwickler durch den Boom des Wirtschaftsbereiches Logistik viel Aufwind. Die damals umgesetzten Transaktionen lagen mit einem Gesamtvolumen von 2,6 Milliarden Euro
allerdings noch deutlich unter dem
aktuellen Rekordwert.
NEUORDNUNG | Ausbau des Standortnetzwerkes
WEICHENSTELLUNG IN DER LOGISTIKSPARTE
Die Emil Frey Gruppe Deutschland hat
den Bereich Logistik neu strukturiert:
Mit der Gründung der Firma EF Logistik
GmbH setzt sie auf den Ausbau ihrer
Stärken.
Bislang verfügte die Unternehmensgruppe
mit der FADIS-Fahrzeug Distribution Services
GmbH sowie der EFA Autoteilewelt Logistik
GmbH über zwei Logistik firmen. „Mit der
Übernahme von Mitsubishi ins Portfolio
der Emil Frey Gruppe Deutschland war
eine Neuordnung der Logistiksparte
notwendig. Es galt, die Firmen zu
bündeln und daraus ein eigenständiges
Geschäftsfeld zu entwickeln“, erklärt
Holger Köhler, Geschäftsführer der EF
Logistik GmbH und bisheriger Geschäftsführer der EFA Autoteilewelt Logistik
GmbH. „Die neue Logistiksparte ist
markenunabhängig als strategischer
Geschäftsbereich innerhalb der Unternehmensgruppe strukturiert. Auf diese Weise
wollen wir unser vorhandenes Standortnetzwerk besser nutzen. Zudem sollen
unsere Dienstleistungen künftig nicht nur
unseren eigenen Partnern, sondern auch
externen Kunden angeboten werden.“
Auch weiterhin bleibt die FADIS als
Dienstleister für die Marke Subaru aktiv.
Daneben gibt es nun die neu gegründete
EF Logistik GmbH mit Sitz in Stuttgart,
in die alle anderen Logistikbereiche
übergegangen sind. Die neue Firma
ist in drei Bereiche untergliedert: Die
dezentrale Logistik mit insgesamt zwölf
Standorten deutschlandweit kümmert
sich um den Versand der Großhandelsteile. „Wir liefern zum einen per Nachtversand aus mit Ankunft der Ware bis
8 Uhr morgens. Dank des zusätzlichen
Tagversands ist garantiert, dass die Teile
auch tagsüber spätestens vier Stunden
nach Verlassen des jeweiligen Standorts
am Bestimmungsort ankommen.“
Der dritte Bereich, die Logistikplanung,
kümmert sich um den reibungslosen Ablauf der Transporte und die Optimierung
der logistischen Prozesse.
Die Logistiksparte der Emil Frey Gruppe
Deutschland verfügt über zwölf Standorte
und insgesamt 170.000 Quadratmeter
Logistikfläche. Alle bisherigen Standorte
bleiben also bestehen und auch alle
Mitarbeiter wurden übernommen.
ZUSAMMENSCHLUSS Mit der Bündelung
der Logistiksparten innerhalb des Unternehmens soll eine bessere Auslastung
erreicht werden.
Der zweite Bereich, die zentrale Logistik,
liefert von Friedberg aus Teile an die
Händler der Importeursmarken Hyundai,
Mitsubishi und Daihatsu. Zunächst
werden die Kunden über den Nachtversand versorgt. Aber Holger Köhler denkt
schon weiter: „Für das Jahr 2015 planen
wir, dass die MMD Automobile GmbH
(MMDA) als erster Importeur auch mit
Tagtransporten beliefert wird.“
Die Mitarbeiter fahren pro Monat rund
1,3 Millionen Kilometer durch Deutschland. Dabei liefern sie unter anderem Teile und Zubehör, Reifen, Öl, Betriebs- und
Hilfsstoffe sowie Werkstattausrüstung bis
hin zu Büromaterial im Verkaufswert von
circa 400 Millionen Euro an Vertragshändler, Service- und Teilepartner und
freie Werkstattbetriebe. Dieser Kundenkreis soll weiter wachsen. „Mit unserer
speziellen Ausrichtung in der Ersatzteilbranche sind wir im Automotive-Sektor
einzigartig“, so Köhler. „Kein anderes
Unternehmen hat so ein großes deutschlandweites Netzwerk.“ Für die bestehenden Kunden bringt die Neuausrichtung
ebenfalls Vorteile: „Bei gleichbleibend
hohem Servicegrad werden die Kosten
für die internen Auftraggeber sinken,
wenn wir weitere Marken ins Netzwerk
integrieren“, so Köhler.
Weitere Informationen unter:
www.emilfrey.de
www.eflogistik.de
8
logistik
Toll Collect online
In einem eigenen Blog werden
Themen aus dem Unternehmen
aufgegriffen, Produkte erläutert und
Menschen vorgestellt, die bei Toll
Collect arbeiten. Hier sind Informationen abrufbar, wie eine Kontrollbrücke arbeitet, über wie viele Leben
eine On-Board-Unit verfügt oder
wie die Mauteinnahmen täglich den
Weg in die Bundeskasse finden.
www.toll-collect-blog.de
Auf dem YouTube-Kanal berichten
Mitarbeiter des Mautbetreibers in
Unternehmensfilmen über ihre
Tätigkeiten und erläutern die
Technik des Mautsystems auf
leicht verständliche Weise.
www.youtube.com/user/TollCollectVideo
Wer sich für den Datenschutz bei
Toll Collect interessiert, findet
hierzu viele Informationen und
kann sich zu einer der regelmäßig
stattfindenden Führungen durch
die Datenschutzausstellung des
Mautbetreibers anmelden.
www.datenschutz-im-dialog.de
| Die Tatsache, dass sich immer
mehr Investoren für die Logistikbranche interessieren, ruft allerdings auch
einige Probleme hervor. Besonders in
verkehrsgünstig gelegenen Gebieten
sowie in den Ballungsräumen der fünf
großen Wirtschaftsmetropolen in
Deutschland treibt die große Flächennachfrage die Preisentwicklung sowohl für Neu- als auch für Bestandsimmobilien immer weiter voran. Außerdem ist an manchen besonders begehrten Standorten schon heute nicht
einmal mehr ein geeignetes Grundstück zur Bebauung vorhanden.
Riesiger Investitionsstau
Ähnlich problematisch wie mancherorts die Immobiliensuche erweist
sich für manch einen Logistiker die
Lage an den wichtigsten Verkehrsknotenpunkten. Straßensperrungen
und Staus, verursacht durch marode Autobahnbrücken oder veraltete Straßenbeläge, machen manch einem Unternehmen eine vernünftige Logistikplanung zurzeit fast unmöglich. In der Logistikbranche werden deshalb schon seit mehreren
Jahren Forderungen laut, den seit
Jahren vorherrschenden Investitionsstau aufzulösen. „Geschehen ist
in den letzten beiden Jahren in die-
Experte Prof. Raimund Klinkner,
Vorstandsvorsitzender des BVL, sieht
tiefgreifende Veränderungen in den
künfigen Aufgaben der Logistik.
ser Hinsicht leider nicht allzu viel“,
mahnt BVL-Chef Prof. Raimund
Klinkner an. Er betont, dass der Abbau des angesammelten Investitionsrückstandes, der aktuelle Investitionsbedarf sowie der notwendige Ausbau der Verkehrs-, Telekom-
visAvis economy
munikations- und Energienetze in
Summe dazu führen müsste, den
Investitionsrahmen für Infrastrukturmaßnahmen in Deutschland zu
verdoppeln.
Auch wenn die Forderungen der
Logistiker damit längst noch nicht erfüllt werden: Immerhin verfügt der
Verkehrssektor 2015 über den bislang
mit Abstand größten Haushaltsetat
in der Geschichte der Bundesrepublik. Allein 9,6 von 10,8 Milliarden Euro werden in den Ausbau des Straßen- und Schienennetzes fließen. Die
Ausweitung der Lkw-Maut auf vierspurige Bundesstraßen sowie die im
Oktober anstehende Erweiterung der
Lkw-Maut auf Fahrzeuge bis 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht wird
voraussichtlich weitere 170 Millionen Euro in die Kasse des Bundesverkehrsministeriums spülen. Das
von Toll Collect seit nunmehr zehn
Jahren betriebene und kontinuierlich
weiterentwickelte Mautsystem hat
dem Verkehrssektor mittlerweile Einnahmen von insgesamt rund 40 Milliarden Euro beschert. Würde dieses
Geld fehlen, sähe der Logistikstandort Deutschland vermutlich schon
heute düster aus.
k.walter@visavis.de
JUBILÄUM | 10 Jahre Lkw-Maut in Deutschland
WICHTIGE EINNAHMEQUELLE FÜR DEN STRASSENBAU
Seit dem Start der Lkw­Mautpflicht in
Deutschland am 1. Januar 2005 hat Toll
Collect für den Bund insgesamt rund 40
Milliarden Euro eingenommen. Damit leis­
tet das Mautsystem, das seit zehn Jahren
stabil und zuverlässig in Betrieb ist, einen
wichtigen Beitrag zur Finanzierung der
deutschen Straßen.
Mauterhebung in Deutschland
Toll Collect betreibt gemäß den Anforde­
rungen des Auftraggebers das einzige
Mautsystem in Europa mit zwei volllast­
fähigen Erhebungsverfahren: automatisch
über Satellitenkommunikation und Mobil­
funk sowie manuell mit rund 3.400 Maut­
stellenterminals. Strecken­ und Tarifdaten
werden über Mobilfunk aktualisiert, eine
straßenseitige Infrastruktur wird nicht
benötigt.
Mautpflichtig sind Lkws ab 12 Tonnen
zulässigem Gesamtgewicht. In diesem
Jahr wird die Mautpflicht für Lkws ab
7,5 Tonnen zulässigem Gesamtge­
wicht eingeführt. Außerdem wird das
gebührenpflichtige Straßennetz um
weitere 1.100 Kilometer Bundestraßen
erweitert. Insgesamt waren Ende 2014 bei
Toll Collect 166.000 Unternehmen aus
über 40 Ländern mit mehr als einer Million
Fahrzeugen registriert, von denen rund
820.000 am automatischen Verfahren
über die On­Board Unit teilnehmen.
2004/2005 auf durchschnittlich 12 % in
den letzten Jahren. Die erzielten Einspa­
rungen kommen dem Auftraggeber über
die geringere Betreibervergütung zugute.
Für die kommenden Jahre sind weitere
Kosteneinsparungen geplant.
Wirtschaftlichkeit
Der Betrieb des Mautsystems ist seit 2005
kontinuierlich kostengünstiger geworden.
Durch fortlaufende Optimierungen san­
ken die Betreiberkosten von rund 19 %
Qualität und Datenschutz
Seit 2011 beträgt die vom Auftraggeber
gemessene Qualität im Mautsystem
99,9 % und lag davor von jeher immer
weit über den vertraglich geforderten
99 %. Durch zuverlässige Prozesse und
strenge Datenschutzbestimmungen ist
das deutsche Mautsystem bei den in­ und
ausländischen Transportunternehmen
akzeptiert. Den Regelungen des Bundes­
fernstraßenmautgesetzes entsprechend
haben Ingenieure und Datenschützer
ein Datenlöschkonzept entwickelt, das
inzwischen auch bei anderen Branchen
und Unternehmen als beispielgebend
anerkannt ist.
Umweltschutz
Da die Mautsätze von jeher von Schad­
stoffklasse und Achszahl abhängig sind,
wurden die Fuhrparks im Laufe der Jahre
nachhaltig modernisiert. So beträgt
heute der Anteil an der Fahrleistung für
Fahrzeuge der Schadstoffklassen Euro 5,
Euro 6 und EEV 1 rund 90 %. Mit anderen
Worten: Fahrzeuge mit schlechten Abgas­
werten sind heute so gut wie nicht mehr
unterwegs. Das gilt für die deutschen
Flotten ebenso wie für die ausländischen.
AUSDEHNUNG Das gebührenpflichtige Straßennetz und die Mautpflicht werden in diesem
Jahr erweitert: Insgesamt 1.100 Kilometer Bundesstraßen sowie Lkws ab 7,5 Tonnen
zulässigem Gesamtgewicht kommen hinzu.
Weitere Informationen unter:
www.toll­collect.de
visAvis economy |
customer care
Bildquelle: © visavis GmbH
D
ie zunehmende Digitalisierung unserer Gesellschaft verändert auch die
Kommunikationsgewohnheiten der Menschen. Mit einher gehen gestiegene Anforderungen an den
Kundenservice. Die Kunden, insbesondere die sogenannte Generation
Y (Altersgruppe der 12- bis 32-Jährigen), erwarten mittlerweile nicht nur,
dass sie über jeden ihnen zur Verfügung stehenden Kommunikationskanal mit den Unternehmen in Kontakt
treten können, sondern auch, dass ihnen über alle diese Kanäle hinweg ein
gleichbleibend guter Service geboten
wird. Zwar kommt der Telefonie noch
auf lange Zeit der Hauptanteil bei der
Kundenkommunikation zu, doch wird
sie und die anderen „Klassiker“ wie
Fax und Brief schon fleißig ergänzt
durch E-Mail, Chat, Instant Messaging sowie die sozialen Medien. Wobei der Einsatz von Social Media durch
die Unternehmen ebenfalls gerade
einen Wandel durchmacht – weg vom
reinen Marketing und PR, hin zur
Kundenbetreuung.
Die Studie „Enterprise Priorities
in Europe“ von Frost & Sullivan ergab, dass 45 % der befragten Unternehmen in Deutschland die sozialen
Medien bereits voll in die anderen
Kommunikationskanäle integriert haben – mit steigender Tendenz. Allen
voran die Einzelhandelsunternehmen,
von denen heute fast 80 % soziale Medien wie Facebook und Twitter nutzen, um Kunden ihre Produkte anzubieten. Bis 2016 sollen schon 63 %
von ihnen diesen Kanal darüber hinaus in ihre Kundenkontaktstrategie
integriert haben, um damit näher an
die Kunden und ihre Wünsche rücken zu können.
„In den USA nutzen bereits rund
50 % der Social-Media-Nutzer den Kundenservice via soziale Netzwerke“,
weiß Ole Wegner, CEO der hello.de
AG. Zwar machte er bei den klassischen deutschen Unternehmen ein
Social-Media-Defizit aus, doch in den
nächsten Jahren erwartet er auch hier
eine ähnliche Entwicklung. Nicht ohne Grund führte sein Unternehmen
kürzlich die für Deutschland wohl erste WhatsApp-basierte Kundenservicelösung ein. Mit durchschlagendem Erfolg: Schon kurz nach ihrer Inbetriebnahme war die Lösung bereits bei ersten Kunden wie zum Beispiel yourfone.de im Einsatz und ermöglicht dort
seither die schnelle und effiziente Abwicklung von Kundenanliegen. Beispielsweise werden eventuelle Doppelkontakte von Kunden, die ihr Anliegen bereits über andere Kanäle wie
Social Media, Chat, Mail, Call usw.
gestreut haben, identifiziert, zusammengeführt und in nur einem Arbeitsschritt erledigt. Zumal die Kunden bei
WhatsApp keine Eins-zu-Eins-Kom-
von Brigitte Kasper
Kundendienst 2.0
Handlungsfähig
Contact- und Service-Center sind einem harten Wettbewerb
ausgesetzt. Umso wichtiger ist es für sie, sich von ihren
Konkurrenten abzusetzen. Derzeit bietet ihnen Social
Media eine solche Chance.
munikation wie bei einem Telefonanruf erwarten, sondern lediglich eine
zeitnahe Reaktion des Unternehmens.
Wegner bestätigt: „In der Regel liegen
die Reaktionszeiten bei WhatsApp bei
nur wenigen Minuten bis zu einer Stunde maximal.“
Neben der wachsenden Bedeutung nahezu aller Kundeninteraktionskanäle nehmen auch die Wechselbe-
9
ziehungen der Kunden untereinander
und zu den Lieferanten beständig zu,
so eines der Ergebnisse einer Studie,
die Frost & Sullivan gemeinsam mit
Telus durchführte. Danach nutzen Kunden heute durchschnittlich sechs unterschiedliche Kanäle, um mit einem
Unternehmen in Kontakt zu treten.
Multichannel heißt diese Herausforderung, die noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung angekommen
ist. Video-Beratung und Co-Browsing
sind nur zwei neue Techniken in diesem Zusammenhang, die am Start stehen. „Das zu beherrschen ist eine Herausforderung für die Organisation,
die Führung und die Mitarbeiter“, weiß
Manfred Stockmann, Präsident des
Call Center Verbandes. „Denn die Medienkompetenz der Mitarbeiter ist entscheidend, um solche Kanäle einzuführen und zu betreiben.“ Seiner Meinung nach wird die Zukunft ein Kanalmix sein, in dem jeder Mitarbeiter
mehr als nur einen Kanal beherrscht.
So sind sie flexibel einsetzbar, können
auch mal im Bedarfsfall die Aufgaben
der Kollegen mit übernehmen, und
die Arbeit ist nicht so eintönig. Eine
ständige Weiterbildung der Mitarbeiter an den neuen Techniken und Medien ist dabei allerdings unverzichtbar, wollen sich die Call-, Contact- und
Service-Center weiter erfolgreich im
Wettbewerb behaupten.
Joachim Schellenberg, Business
Development Manager der Ecenta AG,
bemängelt, „dass oft schon von Multichannel gesprochen wird, wenn einfach möglichst viele Kanäle irgendwie
genutzt werden.“ Bei Ecenta hält man
das für den völlig falschen Ansatz:
„Wenn die verschiedenen Kommunikationskanäle sowie die zentralen Geschäftsprozesse nicht miteinander verknüpft sind, dann kann dieses falsche
Verständnis von Multichannel sogar
extrem kontraproduktiv sein. Eine Infrastruktur, die aus zig Inseln besteht,
bremst die Service- und Sales-Mitarbeiter“, so Schellenberg. Sein Unternehmen verfolgt unter anderem mit
der Lösung SAP Contact Center das
Ziel, „eine angemessene Zahl an Kanälen mit wichtigen Prozessen vollständig zu integrieren und somit Effizienz- und Qualitätsgewinne im Contact Center zu realisieren.“
In diese Richtung gehen auch die
Lösungen von Attensity. Sie helfen,
die vielen unterschiedlichen Informationen, die über Social Media, EMail oder Chat eingehen und erstmal nur gespeichert werden, zu analysieren und beispielsweise für die
schnelle Identifizierung von Servicethemen oder zur transparenten
Steuerung der Servicequalität und
damit zur Optimierung des Kundenservices heranzuziehen.
So schön diese neuen Lösungen
und Techniken auch sein mögen, mit
10
customer care
Leitmesse
Die internationale Kongressmesse
für Kundenservice, Kundenkommunikation und Call Center findet dieses
Jahr wieder in Berlin statt. Die europäische Leitveranstaltung versteht
sich mit der perfekten Kombination
aus Kongress und Messe als größte
Wissensplattform der Branche.
Vergangenes Jahr stellten sich
250 internationale Aussteller dem
Who’s who der Branche.
Das Programm der CCW 2015
23. Februar 2015
Fit für die Zukunft: Mit smarten Ideen
zu innovativem Kundenservice
24. Februar 2015
Vom Call Center zum Omni-Channel
Center: Neue Wege zum Kunden
25. Februar 2015
Positionieren – Führen – Gestalten: So
steuern Sie Ihr Contact Center ins Ziel
26. Februar 2015
Workshop-Tag
www.ccw.eu
| ihnen erhöht sich die Komplexität
im Kundenservice ständig. Es sind
Wege gefragt, mit deren Hilfe man
aus diesem Kreislauf herauskommt
oder zumindest das Beste daraus machen kann. Eine Möglichkeit wäre
es zum Beispiel, einfache SupportFragen über Service-Apps, Video-Support, in Chats und im Self Service
abzuwickeln, weiß Professor Heike
Simmet von der Hochschule Bremerhaven. Schließlich werden Anfragen
über die sozialen Medien immer
selbstverständlicher. Search-Tools wie
beispielsweise eSearch von arvato
helfen dann dabei, den Suchanfragen der Kunden auf den Grund zu
gehen, um ihnen mit so wenig Suchvorgängen wie möglich die richtigen
Antworten oder den passenden Ansprechpartner liefern zu können. Qualifizierte Mitarbeiter könnten so entlastet werden. Ihr spezielles Fachwissen steht dann für die Lösung schwierigerer Servicefälle zur Verfügung.
Darüber hinaus soll laut Professor Simmet die fortschreitende virtuelle Vernetzung von Menschen, Produkten und Orten, häufig auch als Internet der Dinge (Internet of Things
– IoT) bezeichnet, dazu führen, dass
der Kundenservice in Zukunft auf den
Geräten selbst stattfindet. Weitere
Trends seien individualisierte Services in der Augmented Reality (Beispiel:
virtuelle Brillenanprobe bei Mr. Spex)
sowie der Wandel vom reaktiven zum
proaktiven, also vorausschauenden
»
Der Service der
Zukunft muss
wie das Internet sein:
immer da, immer
verfügbar und immer
kompetent.
«
Service – mit dem Ziel, Serviceprobleme bereits im Vorfeld ihrer Entstehung und ohne Beeinträchtigung beim
Kunden zu lösen.
So weit die Vision von der schönen neuen Servicewelt. Für Manfred
Stockmann muss der Service in der
Zukunft wie das Internet sein: immer da, immer verfügbar und im-
visAvis economy
mer kompetent. Wichtig ist ihm dabei auch die Durchgängigkeit der Kanäle: „Wer online nicht weiterkommt,
ruft im Servicecenter an und der Mitarbeiter weiß bereits beim Entgegennehmen des Anrufs, wo der Schuh
drückt.“ Doch gerade dieses „immer
da, immer verfügbar“ ist in Gefahr,
könnte mit einem Urteil vom Bundesverwaltungsgericht zur Sonn- und
Feiertagsarbeit gekippt werden. Für
Manfred Stockmann ist es schwer
zu verstehen, „dass wir einerseits den
Ausbau der digitalen und mobilen
Gesellschaft vorantreiben wollen und
dann das Sonntagsfahrverbot der
Dienstleistungsgesellschaft propagieren.“ Sein Verband setzt sich aktiv
dafür ein, gemeinsam mit den betroffenen Unternehmen die Politiker
in Bund und Ländern von einer
dienstleistungsfreundlichen und damit auch verbraucherfreundlichen,
bundeseinheitlichen Regelung zu
überzeugen. Gelingt dies, wird es
auch künftig am Sonntag Auskunft
vom Versandhändler, eine Schadensmeldung beim Versicherer, TelefonBanking oder auch Hilfe geben, wenn
der Decoder vor dem Sonntagsspiel
der Bundesliga streikt.
b.kasper@visavis.de
OPTIMIERUNG | Kundenanfragen intelligent kanalisiert
INNOVATIVE LÖSUNGEN AUS EINER HAND
Die Zahl der Kanäle, über die Kunden mit
Unternehmen in Kontakt treten können,
wird kontinuierlich größer. Neben Telefon,
E-Mail oder Fax sind längst Websites,
mobile Apps oder Facebook getreten.
Diese fortschreitende Digitalisierung
der Kommunikation stellt Unternehmen
und Dienstleister vor große Herausforderungen, bietet aber auch eine Vielzahl
von Chancen, um Kundenanfragen
intelligent zu kanalisieren, unnötige Calls
zu vermeiden und den Kundenwert zu
maximieren. Ein Gespräch mit Daniel
Welzer, Deutschland-Chef von arvato
CRM Solutions.
Vor allem die Digitalisierung von
Kommunikation ist eine riesige
Herausforderung für die gesamte
CRM-Branche. Wie geht arvato mit
diesem Thema um?
Um unsere Kunden bei diesem Thema
optimal unterstützen zu können, haben
wir unser Lösungsportfolio neu aufgestellt
und erweitert. Ausgehend von einem
übergreifenden Beziehungsmanagement
auf einer einheitlichen Plattform, setzen
wir für eine individuelle Kundenlösung
Module unseres Portfolios zur Kundenwertmaximierung, Analyse und Kontaktoptimierung, Selfservice oder natürlich
auch Kontaktvermeidung ein. Damit
beschränkt sich die Digitalisierung nicht
auf die Nutzung digitaler Kommunikationstechnologien. Uns geht es um eine
vollständige Transformation des Kundenbeziehungsmanagements hinsichtlich der
Kanäle, Prozesse, Analytik, Integration
und Organisation.
Können Sie uns ein Beispiel geben?
Nehmen Sie eSearch, ein innovatives
Selfservice-Angebot, mit dem es Lufthansa
gelingt, Medienbrüche weitgehend zu
vermeiden und die Anzahl der eingehenden Calls und E-Mails deutlich zu
reduzieren. Verantwortlich im Hintergrund ist arvato. Das heißt, wir liefern die
Plattform, die Software und die Technik,
kümmern uns um die redaktionellen
Inhalte der umfangreichen Wissensbasis,
um die kontinuierliche Optimierung der
semantischen Suche und um die Analyse
des Kundenverhaltens.
Was ist das Besondere an eSearch?
Das Angebot steht Lufthansa-Kunden
via Website, mobiler App und Facebook
weltweit in insgesamt sieben Sprachen
zur Verfügung. Herzstück ist eine semantische Suchtechnologie, die dem System
dabei hilft, den eigentlichen Kern der
Frage zu erfassen und dann möglichst
relevante Antworten zu liefern. Sucht ein
HERAUSFORDERUNG „Uns geht es um
eine vollständige Transformation des
Kundesbeziehungsmanagements“, so
Daniel Welzer.
Lufthansa-Kunde beispielsweise nach
dem Begriff „Beinfreiheit“, werden ihm
Vorschläge wie „Kann ich eine Sitzplatzreservierung für Notausgangsplätze vornehmen“ oder „Wo finde ich die Sitzpläne
der Lufthansa-Flotte“ geliefert. Wer nach
„Hund“ sucht, findet Informationen zur
Mitnahme von Tieren, während die Suche
nach „Pferd“ gleich zu Lufthansa Cargo
führt. Im Ergebnis also weniger, aber
dafür umso relevantere Suchergebnisse.
Lassen Sie uns noch einen kurzen
Blick in die Zukunft werfen. Wo
geht die Reise hin?
Wir wollen unsere Auftraggeber in die
Lage versetzen, ihren Zielgruppen ein
nahtloses und kanalübergreifendes Kundenerlebnis zu bieten. Grundlage hierfür ist
z. B. die Etablierung einer echtzeitfähigen,
analytischen Plattform, die von den wichtigen Kernkanälen und Prozessen gespeist
wird. Ein vielversprechendes Vorgehen,
mit dem wir bereits bei einigen Kunden
herausragende Erfolge erzielt haben.
Weitere Infos unter: www.arvato.com
visAvis economy |
betriebliche altersvorsorge
11
von Dietmar Braun
Der Streit um die
beste Betriebsrente
Bildquelle: © Kalle Kolodziej - fotolia.com
Optimierung
Es geht um die Finanzierung des längsten Urlaubs im Leben: die Rente. Es
ist die längste aktive Freizeitphase, deren hinreichende Sicherung zunehmend
zu einem Problem wird. Immer mehr Rentner sind zukünftig auf einen
Zuverdienst im Alter angewiesen, wenn ihre Altersvorsorge nicht auf eine
bessere Basis gestellt wird. Von Ruhestand kann dann keine Rede mehr sein.
E
ine neue hitzige Diskussion
tobt um die Urlaubskasse
für die rüstigen Dauerurlauber. Diese Kasse kann aus
drei verschiedenen Töpfen mit Rentenzahlungen befüllt werden: der sozialstaatlichen Rente, der betrieblichen Rente und einer möglichen
lebenslangen privaten Zusatzrente.
Bei der sozialstaatlichen Rente ist
bekannt, dass Sozialpolitiker die Rente
über die Rentenformel zu jeder Zeit kürzen können. Das geht ganz einfach. Werden die Rentenfaktoren und Rentenwerte vom Gesetzgeber abgesenkt, dann
wird als Folge die von der Deutschen
Rentenanstalt geleistete Rente im Verhältnis zum letzten Netto-Einkommen
sinken. Die Versorgungslücke zwischen
der sozialstaatlichen Rente und dem
letzten Gehalt wächst aufgrund der
demographischen Entwicklung dramatisch. Experten sagen heute bereits
einen Anstieg von 45 auf 60 % vo­raus,
so dass die zu leistende Rente nur noch
40 % des zuletzt gezahlten Nettogehalts
der Arbeitnehmer ausmacht.
12
betriebliche altersvorsorge
Buchvorstellung
Am 12. Januar ist im F.A.Z.-Fachverlag
FRANKFURT BUSINESS MEDIA das Buch
„bAV 2015 – Im Spannungsfeld zwischen
Regulierung, Kapitalmärkten und Demographie“ erschienen. Eine Sammlung von
aktuellem Expertenwissen, die alle Gebiete der betrieblichen Altersversorgung sehr
detailliert ausleuchtet. Wer sich als Arbeitgeber oder Vermittler kundig machen will,
wie Unternehmen
ihren Beschäftigten
trotz niedriger Zinserträge und administrativer Komplexität
eine lukrative Betriebs­
rente anbieten können,
findet hier umfangreiche und nützliche
Diese Vorsorgelücke soll die zweite Säule im deutschen Rentensystem
schließen: die Betriebsrente. Die Zusatzrente aus der betrieblichen Altersvorsorge (bAV) gibt es sehr lange. Mit
dem Inkrafttreten des Altersvermögensgesetzes (AVmG), des Altersvermögensergänzungsgesetzes (AVmEG)
sowie des Hüttenknappschaftlichen
Zusatzversicherungs-NeuregelungsGesetzes (HZvNG) am 1. Januar 2002
haben sich die Rahmenbedingungen
für die Betriebsrente sogar erheblich
verbessert. Es wurden die Fristen für
die Unverfallbarkeiten der Ansprüche
auf die Betriebsrente verkürzt. Der Pensionsfonds als damals neuer weiterer
Durchführungsweg wurde eingeführt.
Für Arbeitnehmer wurde erstmals ein
gesetzlicher Anspruch auf die Entgeldumwandlung geschaffen: die Gehaltsumwandlung. 2002 wurden auch neue
umfangreiche steuer- und beitragsrechtliche Fördermöglichkeiten bewilligt.
Es gibt heute fünf völlig verschiedene Durchführungswege, und diese
sind mit verwirrend komplexen beitragsrechtlichen Regelungen und steuerlichen Vorschriften ausgestattet. Die heutigen fünf Wege sind: Pensionskasse,
Pensionsfonds, Unterstützungskasse, Direktversicherungen und Direktzusage.
2015 soll womöglich noch ein weiterer Durchführungsweg hinzukommen, der eine obligatorische Regelung
vorsieht, die sogenannte „NahlesZwangsrente“. Kritiker befürchten dadurch nicht nur eine Gefährdung für
bestehende Lösungen, sondern für das
System der Betriebsrente insgesamt.
Es drohe die Gefahr, dass zwar vielleicht mehr Arbeitnehmer die neue
Nahles-Rente obligatorisch vereinbaren, diese die durchschnittlich vereinbarte Betriebsrente allerdings auf ein
niedriges Niveau einer Zwangsrente
absenke. Diese reiche aber nicht zum
Schließen der Versorgungslücke in der
Altersrente, so die Kritiker.
Informationen zu wichtigen Aspekten, wie
HR und Vergütung, Kommunikation und
Transparenz, Administration, Asset- und
Risikomanagement, Opting-out, Auswirkungen der Niedrig­zinsphase u.v.m.
In 26 Beiträgen identifizieren, beschreiben
und bewerten renommierte Fachautoren
und ausgewiesene Experten der bAV, wie
Dr. Henriette Meissner oder Dr. Thomas
Jasper u.v.a., relevante Rahmenbedingungen, maßgebliche Trends und die mittelfristige Entwicklung der bAV. Herausgeber
sind Dr. Guido Birkner, verantwortlicher Redakteur HR im F.A.Z.-Fachverlag, sowie
Pascal Bazzazi, Chefredakteur des Pensionsportals www.Leiter-bAV.de.
ISBN: 978-3-89981-326-5
Für die Sicherheit der Betriebsrente sind der Pensions-Sicherungs-Verein auf Gegenseitigkeit (PSVaG), die
Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und die Arbeitsgemeinschaft kommunaler und kirchlicher Versorgungseinrichtungen (AKA)
jeweils zuständig. Zur Sicherung der
neuen Nahles-Rente ohne Arbeitgeberhaftung wäre auch die Finanzierung einer Einrichtung zur Sicherung
notwendig, was nicht nur immense
Kosten verursacht, sondern zugleich
neue Risiken setzt und vor allem eine
sehr teure Bürokratie auslöst.
Zwangsrente als Alternative?
Heute ist die Betriebsrente in Industrieunternehmen und großen Konzernen am meisten verbreitet. Laut der
im Januar 2015 vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) etwas spät veröffentlichten Studie „Forschungsbericht: Trägerbefragung zur
Betriebsrente 2013“ ist die Verbreitung
der bAV bei großen Unternehmen bestens, nur viele Kleinunternehmen und
die mittelständische Wirtschaft verfügen über keine bAV-Lösung oder nur
wenige Beschäftigte nutzen die dort bestehende Vorsorge. Die Studie regt an,
durch Reformen oder Neuerungen vor
allem für kleine und mittlere Unternehmen die Rahmenbedingungen für
die Betriebsrente zu verbessern.
Die Verbesserung der bAV ist ein
fester Bestandteil des Koalitionsvertrags
der großen Koalition. Was nicht in der
Vereinbarung steht, ist die Art der Förderung. Hier ist die Wurzel für politischen Streit. Die Sozialdemokratin Andrea Nahles will als Bundesministerin
für Arbeit und Soziales eine neue Betriebsrente einführen, die nur von den
Tarifparteien getragen wird. Damit die
Arbeitgeber einer solchen über alle Branchen und Gewerkschaften hinweg gültigen Zwangsrente zustimmen, hat Nahles ihnen die Entlastung durch eine
| Entlassung aus der Arbeitgeberhaftung
angeboten. Für eine solche Lösung
bräuchte Nahles auch die von ihr vernachlässigte deutsche Versicherungswirtschaft nicht. So war es nur logisch,
dass die deutsche Assekuranz zu den
Erstverhandlungen über die NahlesRente nicht eingeladen wurde.
Die kritische Haltung der Assekuranz ist die logische Folge des fehlenden Dialogs mit dem BMAS, das
zeigt sich im Experten-Interview mit
Fabian von Löbbecke, Vorstandsvorsitzender der Talanx Pensionsmanagement AG und verantwortlich für bAV
bei HDI. Der Haftpflichtverband der
Deutschen Industrie (HDI) ist einer
der traditionellen Versicherer der Industrie, ebenso wie der mittelständischen Wirtschaft aus Handel, Handwerk und Gewerbe. Der Bedarf, die
bewährte betriebliche Altersvorsorge
zu stärken, ist groß. Die HDI-Experten plädieren dafür, keine zusätzliche
Form der Altersversorgung einzuführen, sondern das bestehende bAV-System zu verbessern. Sie fordern die volle Beitragspflicht im Rahmen der
Kranken- und Pflegeversicherung wieder abzuschaffen, die Anrechnung auf
die Grundsicherung zu streichen sowie die Mitnahme der bAV zu einem
neuen Arbeitgeber zu erleichtern, um
die bAV arbeitnehmerfreundlicher zu
gestalten. Die bAV insgesamt sieht der
HDI im Aufwind, aber es sei noch viel
Platz nach oben, wenn es um eine
KonstRuktiv Dr. Peter Schwark,
Experte für Altersvorsorge und
Mitglied der GDV-Geschäftsführung,
kündigt eigene Vorschläge für einen
neuen bAV-Gesetzesentwurf an.
stärkrere Verbreitung in kleineren und
mittleren Unternehmen und um eine
höhere Ausschöpfung der geförderten Beiträge geht.
Aus Sicht des Gesamtverbandes
der Versicherungswirtschaft (GDV) rät
Dr. Peter Schwark, Mitglied der GDV-
visAvis economy
Hauptgeschäftsführung, „die Regierung solle nur Maßnahmen treffen,
die auf dem Erreichten aufbauen und
es nicht gefährden, um tatsächlich zu
einer weiteren Erhöhung der Verbreitung der bAV (wie übrigens auch der
Riester-Rente) in Deutschland zu kommen. Die Versicherer haben hier in
der Vergangenheit durch maßgeschneiderte Lösungen den Löwenteil des Zuwachses erreicht, gerade bei den Mittelständlern. Deshalb dürfen sie bei
den nun im BMAS diskutierten Lösungen nicht außen vor bleiben. Es
muss auch vermieden werden, durch
gänzlich andere Regeln für neuartige
Durchführungswege die erzielten Erfolge zu gefährden und in den etablierten Bereichen zu einer Lähmung
zu kommen.“
Die Tarifpartner hätten andere
Möglichkeiten, der bAV neuen Schub
zu geben. Aber sie sind hierzu auf professionelle Partner angewiesen. Die
MetallRente, das Chemie- und das Presseversorgungswerk sind gute Beispiele dafür, dass die Versicherer Sachkunde, Erfahrung und Kompetenz haben,
den Tarifpartnern praxistaugliche Lösungen zu bieten. Neugründungen ohne etablierte und erfahrene Partner
würden es gerade im aktuellen Niedrigzinsumfeld extrem schwer haben,
auf der grünen Wiese neu zu starten.
Der GDV werde deshalb konstruktive eigene Vorschläge in die Diskussion um den vom BMAS vorgelegten
bAV-Gesetzentwurf einbringen, kündigt Dr. Schwark an.
Über die Reichweite der privaten
Altersversorgung kann diskutiert werden, meinen auch Experten der IG
Metall. Die Belegungsquote in einer
Betriebsrente wie dem Versorgungswerk MetallRente sei abhängig von
individueller Bereitschaft, Zinsentwicklung und Kosten. Da die Versorgungslücke zwischen der sozialstaatlichen
Rente aus der ersten Säule und einer
ausreichenden Rente wächst sind betriebliche Zusatzrenten wichtig. Jetzt
würde der Gesetzgeber wieder erneut
kreativ, sagte der Bundesminister a.D.
Walter Riester, der die Ergänzung „Riester-Rente“ geschaffen hat.
Natürlich kann die Regierung sagen, „wenn die Beteiligung seitens der
Arbeitnehmer nicht läuft, dann machen
wir dies obligatorisch“. Dafür gibt es
auch aus anderen Staaten erfolgreiche
Beispiele. Ob aber eine Zwangsrente
als Betriebsrente auf einen breiten Konsens in Deutschland trifft, ist auch aus
Sicht des Versorgungwerks MetallRente, zumindest laut dessen Geschäftsführer Heribert Karch, noch völlig offen. Rechtlich wäre dies seiner Meinung
nach aus verschiedenen Gründen keineswegs im Handstreich zu erledigen.
Altersversorgung brauche immer einen
Konsens zwischen Arbeitgebern und
Arbeitnehmern. Gerade kleinere Un-
visAvis economy |
Im Gespräch mit der VISAVIS-Redaktion
bezog Fabian von Löbbecke Stellung zur
geplanten Tarifrente. Von Löbbecke ist
Vorstandsvorsitzender der Talanx Pensionsmanagement AG und verantwortlich
für bAV bei HDI.
Seit dem Jahr 2002 muss jeder
Arbeitgeber in Deutschland seinen
Mitarbeitern eine betriebliche
Altersversorgung (bAV) anbieten.
Wie verbreitet ist die bAV heute?
Studien zeigen, dass die bAV vor allem
bei kleineren und mittelständischen
Betrieben unzureichend genutzt
wird. Nicht einmal die Hälfte hat eine
entsprechende Versorgung. Da wo
eine bAV eingerichtet ist, liegen die
gezahlten Beiträge, je nach Statistik, im
Durchschnitt zwischen 50 und 87 Euro im
Monat. Das ist schade, da der Staat bereits heute bis zu 242 Euro Monatsbeitrag steuer- und sozialversicherungsfrei
fördert. Mit richtigen Anreizen könnte
hier noch ein viel größeres Potenzial
gehoben werden.
Im Gespräch ist auch eine Initiative
aus dem Ministerium für Arbeit und
Soziales: die sogenannte „NahlesRente“ ohne Arbeitgeberhaftung.
Was ist davon zu halten?
Ganz ehrlich, wir brauchen kein neues
tarifliches Zwangssystem neben der
bestehenden bAV. Das schafft keine
Vereinfachung, sondern würde alles nur
komplexer machen. Schließlich müsste für
die „Nahles-Rente“ unter hohen Kosten
ein völlig neuer Verwaltungsapparat errichtet werden. Wir haben heute bereits
fünf Durchführungswege mit unterschiedlichen steuerlichen Förderungen und
komplexen Vorschriften zur Bilanzierung.
Das ist kompliziert genug. Die Unternehmen brauchen eine einfachere bAV
und vor allem Planungssicherheit. Ein
solches Zwangssystem könnte den guten
Ruf der bAV gefährden. Erst recht, wenn
Tarifverträge für allgemeinverbindlich
erklärt werden; die neue Tarifrente dann
also auch für Betriebe gilt, die tariflich
ungebunden sind.
Wie könnte die bAV in kleinen
und mittelständischen Betrieben
stärker genutzt werden?
In dem man Hemmnisse für Arbeitgeber
abbaut und Anreize für Arbeitnehmer
schafft. Das lässt sich mit einfachen Mitteln auch im bestehenden bAV-System
umsetzen. Ein erster Schritt wäre schon
getan, wenn Arbeitgeber zugunsten
ihrer Mitarbeiter mindestens zur Hälfte
auf ihre Sozialversicherungsersparnis
verzichten würden. Das wäre für die
Unternehmen kostenneutral, würde aber
die Mitarbeiter motivieren, mehr Gehalt
umzuwandeln. Zudem sollte der Gesetzgeber Arbeitgebern die Möglichkeit geben, mehr zur bAV beizusteuern – und
betriebliche altersvorsorge
Vereinfachen statt
verkomplizieren
umDenKen
Um die betriebliche Altersvorsorge (bAV) in Deutschland
vor allem in kleineren und mittelständischen Unternehmen
voranzubringen, bedarf es der richtigen Anreize. Bundessozialministerin Andrea Nahles plant eine neue Tarifrente
einzuführen. Dabei wäre es besser, die bestehende bAV
einfacher und verständlicher zu gestalten. Das Optimierungspotenzial ist noch lange nicht ausgeschöpft.
13
sicherungspflicht befreit werden. Sparen
muss sich lohnen und zwar für jeden
Arbeitnehmer.
Wie wichtig ist Beratung in der
betrieblichen Altersvorsorge?
Ohne Beratung geht es nicht. Der Arbeitnehmer muss seine individuelle Versorgungslücke kennen, um bedarfsgerecht
vorsorgen zu können. Ein Zwangssystem
würde vielleicht eine hohe Verbreitung
erzielen, aber niemals eine bedarfsgerechte Ausschöpfung der Beiträge erreichen.
Schnell würde der Eindruck erweckt, mit
einer „Nahles-Rente“ hätte man schon
genug getan. Im Endeffekt würden viele
Arbeitnehmer dann nicht mehr, sondern eher weniger Vorsorge betreiben.
Die Erfahrung der Riester-Rente zeigt:
Arbeitnehmer brauchen oft einen Anstoß,
um aktiv zu werden. Es würde sicher auch
helfen, wenn man die Arbeitgeber hier
mehr in die Pflicht nehmen würde. Viele
Arbeitnehmer wissen gar nicht, dass sie einen Rechtsanspruch auf eine bAV haben.
Wenn Unternehmen ihre Mitarbeiter über
ihren Anspruch informieren müssten, wäre
schon viel gewonnen. Wenn sie dann noch
ihre Mitarbeiter motivieren, sich während
der Arbeitszeit beraten zu lassen, würden
sicher deutlich mehr Arbeitnehmer eine
bAV abschließen.
Warum ist es für Betriebe notwendig,
ein Altersvorsorge-Management
einzurichten?
Wir sprachen ja bereits über die Gewinnung von Fachkräften. Manche dieser
neuen Mitarbeiter haben schon eine
bAV bei ihrer alten Firma und möchten
diese zu ihrem neuen Arbeitgeber mitnehmen. Davor scheuen sich viele Unternehmen, weil sie Haftungsprobleme
fürchten. Hier könnte der Gesetzgeber
helfen, indem er die Rahmenbedingungen der Portabilität verbessert.
ABLEHnunG Eine neue, zusätzliche Tarifrente würde die bestehende bAV
in Deutschland noch komplexer machen als sie ohnehin schon ist, davon ist
Fabian von Löbbecke überzeugt. Sie würde zwar eine hohe Verbreitung erzielen,
aber niemals eine bedarfsgerechte Versorgung der Mitarbeiter erreichen.
zwar steuer- und sozialversicherungsfrei.
Gerade im Niedrigzinsumfeld wäre der
Staat gut beraten, den Dotierungsrahmen für versicherungsförmige bAV zu
erhöhen. Dann könnten Unternehmen
sich als soziale Arbeitgeber zeigen und
zugleich die bAV stärker als personalpolitisches Instrument zur Gewinnung
neuer Fachkräfte nutzen.
Kann durch die „Nahles-Rente“ die
betriebliche Vorsorge für Arbeitnehmer mit geringerem Einkommen
gestärkt werden?
Ich glaube, es würde schon sehr helfen,
wenn man die Arbeitnehmer, die
bereit sind selbst vorzusorgen, nicht
länger bestaft. Gerade Geringverdiener müssen motiviert werden, mehr
für ihre Altersvorsorge zu tun. Wenn
der Gesetzgeber es mit der Förderung
der bAV ernst meint, müsste er als
Erstes die Anrechnung der bAV auf die
Grundsicherung streichen. Außerdem
muss die Effizienz einer bAV für alle
Beteiligten außer Frage stehen, hierzu
sollten fällige Betriebsrenten endlich
von der vollen Kranken- und Pflegever-
Welche Form der bAV würden Sie
Arbeitgebern empfehlen?
Unsere Erfahrung zeigt, dass gerade
kleinere und mittelständische Unternehmen eine einfache und verständliche
bAV wollen. Die Direktversicherung im
Zuge der Gehaltsumwandlung ist der
einfachste und daher auch einer der
beliebtesten Wege. Wir appellieren daher
an die Arbeitgeber nicht zu warten, bis
ein tarifliches Zwangssystem kommt,
sondern jetzt das Zepter in die Hand zu
nehmen und selbst eine bAV einzuführen
oder auszubauen. Beratung ist dabei
das A und O und wird als Erfolgsfaktor
von der Politik leider völlig unterschätzt.
Gerade kleineren und mittelständischen
Unternehmen empfehle ich, sich einen
erfahrenen Versicherer als Experten ins
Unternehmen zu holen, der sie bei der
Einführung einer bAV kompetent berät.
Weitere Infos unter: www.hdi.de/bav
14
betriebliche altersvorsorge
bAV-Verwaltung
Die für Unternehmen zeitintensive
bAV-Verwaltung wird durch die
stetig steigenden rechtlichen
Anforderungen immer komplexer.
Als unabhängiger Partner entwickelt
xbAV technologische Lösungen für
eine effiziente und intelligente Prozessoptimierung in der betrieblichen
Altersversorgung. Die zeitgemäße,
datenschutzkonforme Technologie
von xbAV reduziert den Aufwand
für alle Beteiligten – Arbeitgeber,
Versicherer, Arbeitnehmer und
Vermittler – auf ein Minimum. Zu
den Kunden und Partnern zählen
die führenden Versicherer und eine
steigende Anzahl von Arbeitgebern.
Als einer der führenden Dienstleister und Technologieanbieter in
der betrieblichen Altersvorsorge
ist xbAV Mitglied der BIPRO e.V.,
der neutralen Organisation der
Finanzdienstleistungsbranche,
bei der fachliche und technische
Normen zur Qualitätssteigerung
entwickelt werden.
ternehmen und von ihnen geprägte Mitgliedsverbände könnten seiner Einschätzung nach dann gar nicht anders, als
gegen obligatorische Ambitionen Sturm
zu laufen, weil sie weniger Ressourcen
haben, um Komplexitätsanforderungen einschließlich un­be­kannter Risiken
zu bewältigen.
Falls die obligatorische Lösung
am Ende nicht von den beiden Tarifvertragsparteien akzeptiert wird,
müssen mittelbare Steuerungseffekte im Steuer- und Sozialrecht zur Vereinfachung der bereits bestehenden
Durchführungswege greifen. Der
Aufwand für die Einrichtung von
betrieblichen Renten muss für kleinere und mittlere Unternehmen einfacher gestaltet werden und „das
geht auch, wenn man es will“, meint
Karch zuversichtlich.
Eine nachhaltige Reform entstehe durch Feinarbeit. Altersversorgung
in Deutschland – egal in welchem
System – sei aber erschreckend kompliziert. Das rühre nicht von der Komplexität des einzelnen Durch­führungs­
weges her, sondern liege an der
steuerlich unterschiedlichen und sehr
komplexen Behandlung einer im Detail für den Laien kaum überschaubaren beitragsrechtlichen Behandlung
und Anrechnungsmodi auf andere
| Rentenansprüche, die für Karch nicht
akzeptabel seien. So könnte Abwehr
gegen neue Modelle wie eine „Nah-
»
Der Aufwand
für die Ein­
richtung von betrieb­
lichen Renten muss
für kleinere und
mittlere Unternehmen
einfacher gestaltet
werden.
«
les-Rente“ entstehen und so würden
Un­klarheiten als Gerechtigkeitslücken wahr­genommen werden.
Ansätze zur besseren Verbreitung
Gerade im Zusammenhang mit der
mangelnden Verständlichkeit der bAV
und ihrer Risiken für Arbeitgeber und
Arbeitnehmer gilt es, die komplizier-
visAvis economy
ten Strukturen der bestehenden bAV
aufzubrechen und besonders ihre Administration zu vereinfachen. Kein
leichtes Unterfangen, denn die bAVVerwaltung ist durch die fünf Durchführungswege hochkomplex und zeit­
intensiv. Das wird sie trotz einer Reform der Reform wohl auch künftig
bleiben. Hilfe und Entlastung für Betriebe und Versicherer verspricht nur
eine Auslagerung der Verwaltung.
Das spart nicht nur Zeit und Ressourcen bei aufwändigen Vorgängen wie
beispielsweise dem Arbeitgeberwechsel, sondern vermindert auch Haftungsrisiken, die mit solchen Verwaltungsvorgängen einher gehen. xbAV
ist ein unabhängiger Partner für die
Schnittstelle zwischen Arbeitgeber,
Versicherer, Arbeitnehmer und Vermittler. Der Dienstleister übernimmt
die vollständige und professionelle
Abwicklung der betrieblichen Altersvorsorge. Die Grundlage dafür bietet eine sichere und datenschutzkonforme Technologie, die den Aufwand
für die Geschäfts- und Kooperationspartner auf ein Minimum reduziert.
Gerade für kleinere und mittelständische Unternehmen ist die Verwaltung ein Schreckgespenst. Das Outsourcing der Verwaltung ist hier für
den Betrieb oft die einzige Chance
OUTSOURCING | bAV-Verwaltung mit transparenter Technologie
VEREINFACHUNG UND EFFIZIENZ IN DER BAV
Im Interview mit der VISAVIS-Redaktion
gibt Martin Bockelmann, Geschäftsführer
der xbAV GmbH, Einblicke in das Potenzial
des bAV-Verwaltungsservice zur Kostenreduzierung und Vereinfachung der
Verwaltung von Versorgungsverträgen.
Herr Bockelmann, Ihr Unternehmen
ist einer der führenden Dienstleister
und Technologieanbieter in der bAV.
Was macht xbAV so besonders?
Die bAV-Verwaltung ist hochkomplex
und zeitintensiv, eine Auslagerung schafft
da eine enorme Entlastung in der Personalabteilung. Als unabhängiger Partner und
Schnittstelle zwischen Arbeitgeber,
Versicherer, Arbeitnehmer und Vermittler
übernehmen wir die vollständige und professionelle Verwaltung der betrieblichen
Altersvorsorge. Unsere Stärken sind dabei
unsere Neutralität, die innovative Technologie und die Transparenz in der Vergütung.
Gerade weil unser Service unabhängig
arbeitet, unterstützen uns immer mehr
Versicherer. Die Grundlage dafür bietet
unsere sichere und datenschutzkonforme
Technologie, die den Aufwand für unsere
Geschäfts- und Kooperationspartner auf
ein Minimum reduziert.
Worin besteht für Ihre Kunden der
Mehrwert in der Zusammenarbeit
mit Ihrem Unternehmen?
Wir bieten Arbeitgebern die Möglichkeit,
alle vorhandenen bAV-Verträge anbieterunabhängig über unsere Anwendung zu
verwalten. Dabei arbeiten wir eng mit dem
jeweiligen Vermittler beziehungsweise
Berater zusammen. Die Vorteile für den
Arbeitgeber sind effiziente, digitale Verwaltungsprozesse, die schnelle, gesetzesund datenschutzkonforme Bearbeitung,
korrekte Abrechnungen der bAV im Gehalt
und volle Transparenz in allen Abläufen.
Wie sieht Ihr Service konkret aus, um
das Alltagsgeschäft Ihrer Kunden
und Partner zu erleichtern?
Unternehmen können ihre komplette
bAV-Verwaltung an uns outsourcen: vom
Eintritt über die laufende Betreuung bis
zum Austritt, der elektronischen Archivierung und der Möglichkeit, jederzeit den
aktuellen Stand eines Vorgangs abzufra-
gen. So profitieren sie von einer effizienten und kostengünstigen Abwicklung.
Gerade die Angst vor hohem Verwaltungsund Informationsaufwand ist ein wichtiges
Thema und wurde bei der letzten bAVBefragung (Machbarkeitsstudie bAV in
KMU, i. A. des Bundesarbeitsministeriums,
06/14) als eines der häufigsten Hemmnisse
genannt. Outsourcing an einen professionellen Dienstleister schafft hier eine
ENTLASTUNG Die externe Verwaltung der
betrieblichen Altersversorgung verschafft
Unternehmen einen großen Wettbewerbsvorteil, versichert Martin Bockelmann.
große Entlastung. Unser Ziel ist es, als
Schnittstelle aller Beteiligten mit einem
unabhängigen Service die bAV für alle
attraktiver zu machen.
Wo sehen Sie einen Ansatzpunkt,
um die bAV besser zu verbreiten?
Unternehmen können die bAV für sich nutzen, um weiter als attraktiver Arbeitgeber
wahrgenommen zu werden. Noch ist die
Verbreitung der bAV, gerade in kleinen und
mittelständischen Unternehmen, verhältnismäßig gering. Neben dem Verwaltungsaufwand zählen laut der Machbarkeitsstudie bAV auch mangelnde personelle
Ressourcen, die Komplexität des Themas
an sich und das fehlende Know-how über
Möglichkeiten und Durchführungswege in
der bAV zu den Gründen, die Unternehmen
zögern lassen. Die fachkundige Beratung
durch einen Vermittler ist bei dem Variantenreichtum durchaus notwendig. Eine
Trennung von Vertrieb und Verwaltung
ist da sinnvoll, um Freiraum für das
Kerngeschäft zu schaffen.
Weitere Infos unter: www.xbav.de
visAvis economy |
Kritik Heribert Karch, Geschäftsführer
des Versorgungswerkes MetallRente,
bemängelt die Komplexität und die
mangelnde Transparenz der bAV
in Deutschland.
eine bAV einzurichten oder ein bestehendes Versorgungssystem effizient auszubauen.
Wie wichtig es für die Alterssicherung ist, die betriebliche Altersvorsorge zu verbreiten und zu verbessern,
darin sind sich alle einig. Denn bAV
ist mehr als nur eine Rente. Darum
gilt es Notiz zu nehmen von den vielfältigen Bemühungen in der Beratungsund Finanzdienstleistungssbranche,
die bAV weiter voranzubringen. Diesem Zweck dient beispielsweise der
„Deutsche bAV-Preis“, der 2015 erstmals in zwei Kategorien vergeben
wird: für Großunternehmen und für
den Mittelstand. Klaus Morgenstern,
Mitglied der hochkarätig besetzten Jury, nennt hierfür Gründe: Bei der erstmaligen Vergabe des Preises im vergangenen Jahr sei klar geworden, wie
schwer sich die Leistungen von Großunternehmen und mittelständischen
Firmen in der bAV vergleichen lassen. Es besteht die Gefahr, dass die
Projekte der Großkonzerne, hinter
denen eine gut besetzte Personalabteilung und viel größere Ressourcen stecken, die Er­gebnisse in kleinen und mittleren Unternehmen in
den Schatten stellen. Das aber wäre
ein Fehler. Die Initiativen im Mittelstand verdienen nicht weniger Wertschätzung, auch wenn deren Umfang
kleiner ausfällt. Gerade im Mittelstand
besteht in der betrieblichen Altersversorgung doch der größte Nachholbedarf. Der Jury und den Ausrichtern
war es wichtig, gute Ideen und Konzepte aus diesen Unternehmen ins
rechte Licht zu rücken. Prompt fielen
der Jury die Entscheidungen in 2015
leichter als 2014, weil eben nicht die
Gefahr bestand, dass anerkennenswerte Leistungen aus dem Mittelstand
unter die Räder kommen. Die Anzahl
betriebliche altersvorsorge
der Teilnehmer hat sich dadurch zwar
noch nicht erhöht. Gerade im Bereich
KMU ist der Kreis der Kandidaten sicherlich größer, als die Zahl der Einreichungen bislang widerspiegelt.
Die Teilnehmer machen laut Klaus
Morgenstern Hoffnung auf eine größere Verbreitung der bAV. Die eingereichten Projekte demonstrieren eine
große Vielfalt, die beweist: betriebliche Altersversorgung ist viel mehr als
nur Rente. Mittlerweile machen sich
Unternehmen viele Gedanken über
die Flexibilisierung des Übergangs vom
Arbeitsleben in die Rente, zur Absicherung des Berufsunfähigkeitsrisikos
und zur Einbettung in die gesamten
Benefits, die Arbeitnehmer erhalten.
Wenn diese innovativen Beispiele weiter Schule machen in der deutschen
Wirtschaft, dann wird auch die Verbreitung zunehmen, vorausgesetzt es
verschlechtern sich die Rahmenbedingungen nicht noch weiter. Es ist
schließlich kein Geheimnis, dass der
Gesetzgeber die Unternehmen in der
bAV mit viel Bürokratie überfrachtet.
Fazit: BAV hat Zukunft
In einer Zeit, wo um jeden guten Facharbeiter oder Talente im Arbeitsmarkt
gekämpft wird, ist eine bAV gut für das
Image eines Unternehmens. Sie ist ein
Juwel im Sektor Personalwirtschaft, da
sie neue Mitarbeiter anlockt und die
erfahrenen Arbeitnehmer an das Unternehmen bindet. Dies gelte vor allem in Zeiten niedriger Zinsen, meinen
die Experten des Beratungshauses Towers Watson. Eine Altersvorsorge über
das Unternehmen biete den Beschäftigten durch Gruppenkonditionen und
Sondertarife einen Mehrwert, der auch
die Rendite befördert. Außerdem können durch die zumeist vereinfachte Gesundheitsprüfung viele Arbeitnehmer
leichter an der Vorsorge teilnehmen.
Da eine Kündigung der Vorsorge in der
bAV in der Regel nicht sinnvoll ist, können die Versicherer das Kapital in der
Ansparphase langfristiger und oft auch
alternativ zu Staatsanleihen anlegen,
was sich nach Ansicht der Experten
von Towers Watson sehr positiv auf
die sichere Rendite auswirkt. Auf den
Punkt gebracht, liegt der Vorteil der
bAV in der biometrischen Leistung, der
Stärke der Kollektive und dem Risikoausgleich von Schwankungen im Kapitalmarkt über die Laufzeit. Und weil
sie zusätzlich die Attraktivität und das
Image der Unternehmen stärkt, sieht
Towers Watson ihre Zukunft optimistisch, selbst in Zeiten schwieriger Rahmenbedingungen in den Kapital- und
Arbeitsmärkten.
Die deutsche Verteidigungsministerin verfügt über Flugzeuge, die nicht
fliegen und Panzer, die nicht schießen – was NATO-Bündnispartner erschreckt, finden deutsche Pazifisten
gut. Ähnliches ist aus der deutschen
Sozialpolitik zu vermelden. Reformen
der sozialstaatlichen Rente, wie die
Rente mit 63, die den Unternehmen
erfahrene Arbeitnehmer entzieht, und
Ideen für eine obligatorische „Zwangsrente“ wollen bei den beiden Tarifvertragsparteien nicht so richtig zünden.
Zusätzlich lösen die Ideen von Bundesministerin Nahles bei der Assekuranz Verwunderung bis Entsetzen aus.
Was benötigt wird, ist ein runder Tisch.
Neben den Arbeitgebern und den Gewerkschaften sollten kompetente bAVExperten der Assekuranz mit am Tisch
sitzen. Aus gut unterrichteten politischen Kreisen war zu erfahren, dass
das Modell einer Zwangsrente, wie
von Bundesministerin Nahles ursprünglich geplant, in der Großen Koalition am Widerstand der Koalitionspartner, aber auch zu Teilen aus der
SPD-Fraktion scheitern könnte. Es
zeichnet sich ein Kompromisspaket
ab, das zu einer Verbreiterung der Betriebsrenten in Deutschland unter Einbeziehung der deutschen Assekuranz
führen wird. Das wäre auch gut so.
Ein neues Verwaltungsmonster, wie
es die Nahles-Lösung mit einer Zwangsrente ohne Arbeitgeberhaftung ausgelöst hätte, würde das bisher in der
bAV und privatwirtschaftlichen Lebensversicherung Erreichte nur gefährden statt es zu fördern.
Neben den garantierten biometrischen Lösungen der Versicherer gibt
es weitere neue interessante Alternativen der Banken und Investmentgesellschaften, die teilweise auch zur Finanzierung von fondsgebundenen
Varianten der Versicherungswirtschaft
eingesetzt werden. Um die Zukunft
der bAV, auch in Zeiten niedriger
Marktzinsen, muss einem darum nicht
bange sein. Die Betriebsrente ist nicht
tot, sondern quicklebendig. Sie durch
kluge Reformen für kleine und mittelständische Unternehmen zu beleben, kann sehr sinnvoll sein. Allerdings wäre ein Zwang zur Betriebs­rente
der falsche Weg.
d.braun@visavis.de
Der Autor
Dietmar Braun ist Spezialist für
Assekuranz und Banken. Nach
mehrjähriger Berufspraxis in der
Versicherungswirtschaft lehrt er
heute als Hochschuldozent an
der Hochschule Heilbronn (HHN)
und an der Dualen Hochschule
Baden-Württemberg (DHBW),
Stuttgart. Als Fachjournalist
machte sich Braun unter anderem
in Print- und Onlinemedien wie
Versicherungsmagazin und
Finanzwelt einen Namen.
15
Deutscher bAV-Preis
Am 24. Februar 2015 ist es soweit:
Im Rahmen des Kongresses „Zukunftsmarkt Altersvorsorge 2015“
(Berlin) wird der 2. Deutsche bAVPreis verliehen. Die Auszeichnung
für innovative bAV-Lösungen in
deutschen Unternehmen wird
erstmals in den zwei Kategorien
„Großunternehmen“ und „Mittelstand“ vergeben. Prämiert werden
Arbeitgeber mit zukunftsweisenden
Projekten zur betrieblichen
Altersvorsorge. Eine hochkarätig
besetzte Jury von bAV-Experten
aus Politik und Wirtschaft bewertet die Bereiche: Plangestaltung,
Finanz- und Risikomanagement,
Administration und Kommunikation.
Im Vordergrund stehen dabei der
innovative und kreative Charakter
eines bAV-Projektes sowie dessen
Einklang mit der Unternehmensund Personalstrategie.
Erstmals vergeben wurde die
neue Auszeichnung dieser Art
im Februar 2014 an den Daimler
Pensionsplan sowie an die Altersversorgungsprojekte von Henkel,
Fidelity und GE.
Mit dem Deutschen bAV-Preis soll
die betriebliche Altersvorsorge
als wesentliches Standbein der
Alterssicherung für Arbeitnehmer
in Deutschland stärker gefördert
und verbreitet werden. Initiiert
wurde die Auszeichnung von der
Beratungsgesellschaft Towers
Watson und dem Veranstalter des
jährlichen Kongresses „Zukunftsmarkt Altersvorsorge“, MCC. Neben
dem Deutschen Institut für Altersvorsorge (DIA) sowie der Informationsplattform Leiter-bAV.de
gibt es mittlerweile zahlreiche
Unternehmen, Organisationen
und Medienpartner, die den Preis
unterstützen.
Bis zum Ende dieses Jahres können
sich Unternehmen jeder Größe
erneut für den nächsten Deutschen
bAV-Preis 2016 bewerben.
Nähere Infos unter:
www.deutscher-bav-preis.de
www.zukunftsmarkt-altersvorsorge.de
16
betriebliche altersvorsorge
| visAvis economy
GASTBEITRAG | Heiko Gradehandt, bAV-Mittelstandsexperte bei der Unternehmensberatung Towers Watson
NIEDRIGZINSPHASE – WAS BEDEUTET DAS FÜR DIE BAV?
Aus Mitarbeitersicht:
Betriebsrente umfassend gesichert
Grundsätzlich ist festzuhalten, dass Arbeitgeber in Deutschland unabhängig von der Entwicklung des Kapitalmarkts
für die zugesagten Pensionsleistungen einstehen müssen.
Hat der Arbeitgeber also eine bestimmte Leistung oder
eine bestimmte Verzinsung von Beiträgen zugesagt, so ist
diese für den Mitarbeiter sicher.
Für Änderungen gilt der Grundsatz des Vertrauensschutzes.
Das heißt, dass die erdiente Anwartschaft gemäß der
herrschenden Rechtsprechung fast nie gekürzt werden
kann – auch bei kollektiver Einigung mit dem Vertragspartner. Dieser Teil ist auch im Falle der Insolvenz eines
Unternehmens durch den Pensions-Sicherungs-Verein
(PSVaG) geschützt. Auch für Eingriffe in künftige Steigerungen gibt es strenge Regeln.
Anders ist die Situation, wenn der Pensionsplan selber
bereits eine am Kapitalmarkt ausgerichtete Verzinsung
vorsieht (z. B. versicherungsförmige Lösungen). In diesem
Fall wirkt sich die Niedrigzinsphase unmittelbar auf die
erwartete Endleistung des Mitarbeiters aus. Doch aus
Mitarbeitersicht sind diese Zusagen eine ausgewogene
Lösung, da die betriebliche Altersversorgung (bAV) mit
sehr langen Anlagehorizonten rechnet, in denen sowohl
Niedrig- als auch Hochzinsphasen einander abwechseln.
Insbesondere auch im Vergleich zu anderen Vorsorgeformen
bleibt die bAV damit eine der effizientesten und sichersten
Möglichkeiten der Altersvorsorge für den Mitarbeiter.
Aus Unternehmenssicht:
Bilanzielle Schwankungen, niedrigere Renditen
Führt das Unternehmen seine bAV über einen externen
Versorgungsträger (wie zum Beispiel Direktversicherung
oder Pensionskasse) durch, so ist es unmittelbar von der
Niedrigzinsphase nicht betroffen. Der Großteil der Pensionsverpflichtungen in Deutschland besteht jedoch in der
Form der direkten Pensionszusage (Direktzusage). Diese
wird durch die Bildung von Pensionsrückstellungen intern
finanziert und teilweise mit entsprechend gebundenen
Vermögenswerten als Cash-Vorsorge hinterlegt. Soweit
Unternehmen ihre Verpflichtungen am Kapitalmarkt
finanziert haben, mindert eine langfristige Niedrigzinsphase die Anlageerträge und führt daher ggf. langfristig
zu Nachfinanzierungsaufwand.
Da auch die für die Ermittlung des Rechnungszinses zur
Bewertung der Pensionsverpflichtungen grundlegenden
Anlagerenditen deutlich gefallen sind, sehen sich Unternehmen deutlich gestiegenen Pensionsrückstellungen
gegenüber. Dies gilt insbesondere in der internationalen
Bewertung, während der Effekt in den handelsrechtlichen
Regelungen aufgrund der langjährigen Glättungsmechanismen gedämpft wird.
Diese Vorgehensweise trägt der ausgesprochenen Langfristigkeit der Pensionsverbindlichkeiten Rechnung.
Schwankungen in einem etwaigen Pensionsvermögen
(Ausfinanzierungsgrad) müssen üblicherweise nicht
unmittelbar ausgeglichen werden, da diese in erster Linie
eine Cash-Reserve darstellen. Weiter kann man einwenden, dass sich die Verpflichtung im Sinne der zu erwartenden Cashflows für das Unternehmen nicht geändert
To Do 1:
Pensionspläne prüfen, Risiken quantifizieren
Vorausschauende Unternehmen stellen ihre betrieblichen
Versorgungswerke ohnehin alle drei bis fünf Jahre auf
den Prüfstand. Dabei werden einerseits Auswirkungen
aus geänderten wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen analysiert und Risiken soweit möglich quantifiziert. Darüber hinaus wird geprüft, inwieweit die bestehende bAV weiterhin den wirtschaftlichen und personalpolitischen Unternehmenszielen entspricht.
To Do 2:
Plangestaltung und Finanzierung optimieren
Umfassend kann ungewünschten Effekten des volatilen
Rechnungszinses durch eine entsprechende Plangestaltung begegnet werden, beispielsweise durch die Einführung von fonds- oder versicherungsakzessorischen Zusagen mit vollständiger Kapitaldeckung. Aber auch in der
Innenfinanzierung können durch geeignete Plangestaltung die Risiken schwankender Rechnungszinsen gemildert werden. Zu prüfen ist, inwieweit entsprechende Zusagen nicht nur für neu eintretende Mitarbeiter eingeführt,
sondern auch die Zusagen der bestehenden Mitarbeiter
auf einen solchen neuen Plan überführt werden können.
riSiKOminimierung
Der Leitzins der Europäischen
Zentralbank ist auf einem Rekordtief
und ein Ende der Niedrigzinsphase
ist nicht abzusehen. Die Folgen
dieser Zinsentwicklung für die bAV
sind durchaus ernst zu nehmen.
So dramatisch, wie es manche
Schlagzeilen der letzten Monate
vermuten lassen, sind sie jedoch nicht.
hat. Bei unterstellt gleich bleibender Ertragslage und
vollständiger Innenfinanzierung hat die Niedrigzinsphase
damit keine direkte Auswirkung auf die wirtschaftliche
Belastung des Unternehmens.
Zu berücksichtigen ist aber, dass eine Zusage auf bAV im
Sinne einer Gesamtvergütung eine entsprechende sofort
liquiditätswirksame Barauszahlung und damit im Allgemeinen eine zusätzliche Fremdkapitalaufnahme ersetzt.
Ein Unternehmen ohne Pensionszusage kann in einer
Niedrigzinsphase diese zusätzliche Fremdkapitalaufnahme
günstiger finanzieren. Darüber hinaus ist zu bedenken,
dass die Niedrigzinsphase für eine Reihe von Unternehmen
auch eine gesunkene Ertragskraft reflektiert. Für diese
stellt der erhöhte Pensionsaufwand eine zusätzliche
Belastung dar.
Checkliste – Fünf Prüfpunkte für Pensionspläne
Rechnungszins: Welche Auswirkung hat der Rechnungszins auf die Pensionsverpflichtung, das Eigenkapital und
den Jahresaufwand?
Cashflow: Welcher Cashflow kommt in den nächsten Jahren auf das Unternehmen zu?
Risiken: Welche Risiken hat der Pensionsplan ggf. noch
und kann bzw. möchte das Unternehmen sie tragen?
Mitarbeitersicht: „Schätzen“ die Mitarbeiter den bestehenden
Pensionsplan? Welche Leistungen sind den Mitarbeitern wichtig?
Eingriffsmöglichkeiten: Welche Eingriffsmöglichkeiten gibt
es für bestehende Zusagen?
Fazit
Unternehmen sollten die Folgen der Niedrigzinsphase für
ihre Pensionspläne genau eruieren und sorgsam im Blick
behalten. Durch eine kluge Plangestaltung können sich
Unternehmen vor zukünftigen Belastungen schützen, ohne
die Attraktivität dieses sowohl unternehmens-, als auch
sozialpolitisch wichtigen Benefits zu gefährden.
Weitere Infos unter: www.towerswatson.de
Der AutOr
Heiko Gradehandt verfügt über mehr als 20 Jahre
Berufserfahrung in der Gestaltung und Betreuung
betrieblicher Versorgungswerke. Er ist Client Relationship Manager für zahlreiche mittelständische und
internationale Unternehmen und ist Mitbegründer
der Mittelstandsinitiative. Gradehandt ist verantwortlich für die Entwicklung und den Vertrieb auf
die Bedürfnisse des Mittelstandes zugeschnittener
Lösungen in der Plan- und Finanzierungsgestaltung.
|
investment
17
Bildquelle: ©Nomad_Soul - fotolia.com
visAvis economy D
as Kapitalmarktumfeld
fordert den Investoren einiges ab. Zum einen möchte man dem Wunsch nach
größtmöglicher Sicherheit entsprechen, zum anderen Erträge einfahren, die zu etwas mehr Ruhe und Gelassenheit beitragen. Wer sich in der
aktuell schwer einschätzbaren Marktsituation nach stabilen Renditen sehnt,
hat es demzufolge wahrlich nicht
leicht. 10-jährige Bundesanleihen notieren aktuell bei 0,32 %. Eigentlich
hatten die Marktteilnehmer bereits
im vergangenen Jahr mit einem Anstieg der Renditen gerechnet. Deutschland ist dabei kein Einzelfall in der
Eurozone. Zuletzt begab Italien kurz
vor dem Jahreswechsel erstmals
10-jährige Anleihen zu einer Rendite von weniger als 2 %. Noch vor gut
einem Jahr warfen die Papiere 4 %
Rendite ab. Der beschriebene Renditecrash ist jedoch nicht die einzige Baustelle. Zwar sprechen mittlerweile immer mehr Experten von einer Beruhigung der Lage am Ölmarkt, doch generell leiden die Ölpreise nach wie vor unter einem zu
hohen Angebot auf dem Weltmarkt
und befinden sich im Sinkflug. Die
Verbraucher in Deutschland freut
es, zumal die Preise um minus 0,3 %
im Januar gesunken sind.
Über allem schwebt zudem das
Damoklesschwert des bis dato ungelösten Ukraine-Konflikts mit Folgen
für die deutsche und internationale
Wirtschaft. Hinzu kommt, dass eine
Anlageberatung im ursprünglichen
Sinne oftmals nicht mehr stattfindet
und die Regulierungsflut den Beratungsalltag determiniert. „Wir haben
von Josef Kohlmaier
Diversifikation
und Weitsicht
Kurskorrektur
Sparbuch und Festzins, der Deutschen liebstes Kind, die in
der Vergangenheit regelmäßig annehmbare Zinsen brachten, gehören angesichts des Niedrigzinsumfeldes nicht
mehr zu den Top-Anlageinvestments. Daran wird sich auf
absehbare Zeit wenig ändern. Lukrativere, wenngleich
auch risikobehaftetere Alternativen sollten daher im Fokus
eines breit gestreuten Portfolios stehen.
das Gefühl, dass durch diese im Grunde nur aus Formalien bestehende Regulierung dem Anleger nicht so richtig geholfen wird. Die Anlageberatung
wird zunehmend zurückgedrängt“,
sagt Andreas Grünewald, Vorstandsvorsitzender des Verbands unabhängiger Vermögensverwalter (VuV). Vor
diesem Hintergrund ist eine gezielte
Auswahl der Renditetreiber für das
Portfolio schwierig und wichtig zugleich. Zu bedenken gilt es, dass jeder Basispunkt Mehrertrag über dem
mittlerweile negativen risikolosen Zins
gleichfalls mit zusätzlichen Risiken
verbunden ist.
Aktien und Aktienfonds
Der Jahresbeginn verläuft ganz nach
dem Willen vieler Aktienbesitzer. Obwohl viele Experten zwar von Konsolidierung sprechen, setzte der deutsche Leitindex DAX Anfang Februar
seine Rallye fort und schloss zwischenzeitlich auf einem Allzeithoch. Sind
Aktien wirklich alternativlos oder doch
zu riskant? Sicher ist, dass diese Assetklasse in ein breit gestreutes Portfolio gehört. Investoren, denen die Einzeltitelauswahl zu schwierig erscheint,
bieten sich eine Vielzahl von Aktienfonds an. In jüngster Zeit treten dabei
zunehmend Income-Strategien oder
die bereits bekannten Dividendenfonds
in den Vordergrund. Immer stärker
setzt sich die Überzeugung durch, dass
regelmäßige Ausschüttungen angesichts
der historisch niedrigen Zinserträge eine solide Basis für den Anlageerfolg
sind. Die DZ Bank geht aktuell davon
aus, dass die HDax-Konzerne – das
sind die gesamten Unternehmen aus
Dax, MDax und TecDax – im laufenden Jahr Dividenden in Höhe von 37
Milliarden Euro ausschütten werden.
Das entspräche einem Plus von immerhin 11 % im Vergleich zum Vorjahr. Es ist keine Überraschung, dass
Investments in ausschüttungsstarke
Aktien immer öfter als lohnende Portfoliobereicherung gesehen werden.
Laut Morningstar sind hierzulande
mittlerweile über 70 Fonds mit Fokus
auf Dividendenaktien im Vertrieb. Die
Dividendenrendite in Deutschland (bei
den DAX-Unternehmen durchschnittlich 2,8 %) liegt dabei zwar im oberen Mittelfeld, reicht aber nicht ganz
an die Spitze heran. Skeptiker, die
angesichts der Börsenrallye mahnend
unterwegs sind, dürfen zwei Fakten
nicht außer Acht lassen: Die lockere
Geldpolitik der EZB kombiniert mit
geplanten Staatsanleihenkäufen und
ein moderates Kurs-Gewinn-Verhältnis im DAX sollten Aktien, trotz zwischenzeitlicher Rücksetzer und erhöhter Volatilität, weiteren Auftrieb
geben. VuV-Chef Grünewald verweist
in diesem Kontext auf die Charakteristika vermögensverwaltender Fonds,
die von Vermögensverwaltern angeboten werden, mit denen sich das individuelle Risikoprofil gut abbilden
lässt und die in verschiedene Assetklassen investieren.
18
investment
Aktien oder Aktienfonds eignen
sich auch zum Vermögensaufbau, wie
das Renditedreieck des Deutschen
Aktieninstituts auf Basis des Deutschen Aktienindex DAX eindrucksvoll zeigt. „In diesem Zusammenhang
gilt es, die deutsche Aktienkultur zu
stärken. Wir begleiten bereits seit
zwei Jahren eine Initiative in Kooperation mit einer großen Zeitung und
vermitteln Schülern in einer Doppelstunde wichtige Grundlagen zum
Thema Geldanlage. Völlig neutral und
unabhängig. Wir geben den jungen
Leuten Ratschläge an die Hand, was
sie beachten sollten und wie sie am
besten kritisch und eigenverantwortlich mit ihrem Geld umgehen“, so
Grünewald.
| Immobilieninvestments
Spätestens seit der letzten großen Finanzkrise 2008 hat sich die Welt dramatisch gewandelt und im Zuge dessen der Terminus „Sicherheit“ eine
neue Dimension erfahren. Einstmals
sicher geglaubte Häfen wie Gold verlieren ihren Nimbus. Neben Aktien
erfreuen sich dabei Immobilieninvestments zunehmender Beliebtheit. Immobilien jetzt kaufen, wo alle kaufen
und die Preisrallye schon einige Zeit
anhält? Die Deutsche GenossenschaftsHypothekenbank AG kommt in ihrer
aktuellen Studie zum Fazit, dass an
den sieben betrachteten Top-Standorten – Hamburg, Berlin, Düsseldorf,
Köln, Frankfurt, Stuttgart und München – der Immobilienmarkt in allen
Segmenten von einer anhaltenden
Nachfrage der Investoren profitiert.
Gleichwohl dürfte die Dynamik infolge des bereits erreichten hohen Niveaus leicht nachlassen. Die Lage an
den Wohnungsmärkten, insbesondere der Metropolen, sorgt für Entwicklungen, die vor einigen Jahren kaum
jemand erwartet hätte. Denn obwohl
der Wohnungsbau kräftig angezogen
hat, reichen die fertig gestellten Einheiten nicht aus, um den hohen Wohnraumbedarf der Großstädte zu decken.
Selbst wenn das Credo der Immobilienanlage (Lage, Lage, Lage) stimmt,
so müssen sich vor allem Kapitalanleger, die auf die Mietrendite abzielen, fragen, ob die Direktimmobilie
durch die starken Preisentwicklun-
NEUBAUPROJEKTE | Immobilienentwicklung mit steigender Anleger-Akzeptanz
ALTERNATIVE ANLAGESTRATEGIEN
Die Königsdisziplin der Immobilienwirtschaft zieht immer mehr Investoren an.
Einer Umfrage von Rueckerconsult unter
100 institutionellen Investoren zufolge
kommen für 57 % der Befragten Neubauprojektentwicklungen im Bereich Büro,
Einzelhandel und Wohnen in Frage.
Dass mit klassischen Anlageformen kaum
noch Vermögen gesichert, geschweige
denn generiert werden kann, lässt sich
am Beispiel 10-jähriger Bundesanleihen
demonstrieren. Diese erzielen zwischenzeitlich Minimalrenditen von 0,39 %
(Stand Januar 2015) und damit weniger
als ein Tagesgeldkonto bei der ING-DiBa
oder Consorsbank. Nicht einmal die
Tatsache, dass die Inflationsrate bedingt
durch den günstigen Ölpreis im Dezember
2014 auf einen historischen Niedrigstand
von 0,2 % gefallen ist, kann über die
Vermögensverluste hinwegtäuschen, die
viele Investoren mit ihren Anlagen zurzeit
erleiden. Über das Jahr gesehen lag die
Inflationsrate durchschnittlich bei 0,9 %.
Wo liegt also heute das Potenzial für
einen stabilen Vermögensaufbau?
»Auf der Suche nach Wertstabilität und
Vermögenszuwachs erkennen immer
mehr Anleger die Investition in die Entwicklung von Wohnraum in guten bis sehr
guten Großstadtlagen, insbesondere in
Berlin als derzeit gefragteste europäische
Metropole, als wichtigen Baustein in
ihrem Portfolio an«, so der Kapitalanlage- und Immobilienexperte Wolfgang
Dippold von PROJECT Investment. Der
direkte Immobilienerwerb vor allem für
Kapitalanleger, die auf die Mietrendite
abzielen, bietet durch starke Preisentwicklungen keine optimalen Voraus-
Inflation 2014 für Deutschland
Januar
1,3 %
Februar
1,2 %
März
1,0 %
April
1,3 %
Mai
0,9 %
Juni
1,0 %
Juli
0,8 %
August
0,8 %
September
0,8 %
Oktober
0,8 %
November
0,6 %
Dezember
0,2 %
setzungen mehr. Nicht grundlos wollen
28 % der von Rueckerconsult befragten
Großinvestoren wie Versicherungen und
Pensionskassen den Anteil indirekter
Immobilienanlagen erhöhen. Weitere
26 % votieren dafür, künftig ausschließlich indirekte Immobilieninvestitionen
zu tätigen.
Ein weiterer Hintergrund ist der nicht zu
unterschätzende Kosten- und Verwaltungsaufwand von Bestandsimmobilien.
Revitalisierungskosten sind oft höher als
geplant, eine Nachvermietung kann schwierig
und kostenintensiv werden und der Verkaufspreis in Jahren ist kaum planbar. Wer
diesen Aufwand scheut oder über wenig
Erfahrung im Immobilienmanagement
verfügt, sollte nach indirekten Immobilieninvestments Ausschau halten, vor allem im
Bereich der Wohnimmobilienentwicklung
in den deutschen Metropolen.
Aufmerksamkeit erregt zum Beispiel der
rein eigenkapitalbasierte Immobilienfonds
PROJECT Wohnen 14, der Anleger ab einer
Einmalanlage von 10.000 Euro am renditestarken deutschen Wohnimmobilienmarkt
teilhaben lässt. Das in mindestens 10
Objekte streuende Angebot wird aufgrund seiner Sicherheitsarchitektur von
Analysten wie Feri, TKL und Dextro als
sehr gut bewertet. Vor allem in puncto
Exit-Strategie herrscht Zug zum Tor: »Die
Wohnungen verkaufen wir bereits während der Planungs- und Bauphase über
eigene Verkäufer gezielt an Eigennutzer,
die nicht in erster Linie Wertsteigerungsoder Vermietungsabsichten verfolgen,
sondern sich ein attraktives Eigenheim
schaffen möchten und daher in jeder
Marktphase zuverlässig investieren«,
führt Dippold aus. Wohnen 14 kann noch
bis Jahresende mit einem Frühzeichnerbonus von 6 % p.a. gezeichnet werden.
Daneben gibt es weitere Fondsangebote
für Privatkunden, semi-professionelle
und institutionelle Investoren. Für ihre
Performance wurde die PROJECT Investment AG zum Fondsinitiator des Jahres
2014 gewählt.
Weitere Informationen unter:
www.project-investment.de
visAvis economy
»
In vielen
Portfolios
mangelt es nach
wie vor an der
richtigen
Balance.
«
gen noch optimale Voraussetzungen
bietet. Die Mietrenditen lagen laut
der Studie „Wohnimmobilien 2015“
des Instituts für Immobilienwirtschaft
der Universität Regensburg (IREBS)
im vergangenen Jahr bei 4,8 % im
Bestand und 3,8 % bei Neubauwohnungen. Die Gefahr einer nationalen Preisblase sehen die Experten
weiterhin nicht, sie warnen aber
vor Überhitzungstendenzen in regionalen Teilmärkten.
Eine Alternative ist die indirekte
Immobilienanlage. „Aus Sicht der Anleger können durch eine Investition
in indirekte Immobilienanlagen Extremrisiken reduziert werden. Zudem
können private und institutionelle
Anleger so von Spezialisierungsvorteilen der professionellen Anbieter
indirekter Immobilienanlagen profitieren“, notierten die Wissenschaftler Prof. Sebastian und Prof. Just zur
volkswirtschaftlichen Bedeutung von
indirekten Immobilienanlagen. Wolfgang Dippold, geschäftsführender
Gesellschafter der PROJECT Investment Gruppe, erläutert zur Vorteilhaftigkeit indirekter Immobilienanlagen: „In A-Lagen werden durch hohe Kaufpreise niedrige Renditen erzielt. Investoren unterschätzen zudem
den Verwaltungsaufwand, Nachvermietungsrisiken und spätere Sanierungskosten. Eine bessere Planbarkeit und mehr Stabilität bieten indirekte Immobilienbeteiligungen im
Entwicklungsbereich, da die Folgerisiken entfallen. Der Anleger profitiert
von der Expertise des Anbieters und
kann in renditestärkere Objektentwicklungen investieren.“
Private Equity-Investitionen
Neben Aktien- und Immobilieninvestments zielen insbesondere die Vermögensverwaltungen reicher Familien, die laut Fidelity Investment für
die Anlagesaison 2014/15 eine BruttoZielrendite von durchschnittlich 6,9 %
erwarten, zunehmend in ihrer Asset
Allocation auf Private Equity ab. Der
Anteil an Private Equity-Investitionen
wird stärker ausgebaut und das lässt
sich auf die Performance entsprechender Investments zurückführen. Da-
visAvis economy |
mit möchte man sicherstellen, dass
das Investitionsverhalten und die Renditeerwartungen in Einklang gebracht
werden können. Private Equity (Beteiligungskapital) steht vor einem Revival. „It‘s boom time for private equity. We are seeing positive indications
for a strong 2015,“ so Steve Judge,
Head of the Private Equity Growth
Capital Council, in einem CNBC-Interview. Tatsächlich hat sich die Private Equity-Branche in den vergangenen Jahren durchaus zum Positiven entwickelt. Die Ampeln am deutschen Beteiligungsmarkt stehen derzeit weiter auf grün, auch wenn der
Optimismus zuletzt etwas gedämpft
wurde. Das German Private Equity
Barometer ging zwar marginal zurück,
das Geschäftsklima bleibt aber mit
47,8 Punkten weiterhin freundlich
und liegt über seinem historischen
Mittelwert. Allein in den ersten sechs
Monaten des vergangenen Jahres wurde laut BVK ein Investitionsvolumen
von circa 2,8 Mrd. Euro erzielt, was
gegenüber dem Vorjahreszeitraum einem Anstieg von über 30 % entspricht.
Das anhaltende Niedrigzinsumfeld ist ein Treiber für das wiederkehrende Interesse an Private Equity.
Professionelle Investoren haben die
Vorteile von Private Equity-Investitionen längst erkannt und damit zurückblickend teilweise attraktivere
Renditen als auf anderen Märkten
erzielt. „Als ‚Heuschrecken’ wurden
einige Hedge-Fonds bezeichnet und
gleich war eine ganze Finanzierungsbranche vermeintlich inkriminiert.
Inzwischen hat sich das Bild gerade
für Wagniskapital als Finanzierungsform für junge Technologieunternehmen hin zu einem sehr positiven gewandelt. Privates Beteiligungskapital ist mittlerweile politisch mit klaren Aussagen der Bundesregierung
die tragende Säule unserer Innovationsstrategie und zudem volkswirtschaftlich zur Finanzierung künftiger Technologieunternehmen zwingend“, so Dr. Matthias Hallweger,
Vorstand der HMW Emissionshaus
AG. Vor allem für die zentrale Säule der deutschen Wirtschaft, den Mittelstand, nimmt die Bedeutung von
Private Equity zu. Unternehmen sehen sich aus unterschiedlichen Anlässen heraus, wie beispielsweise
steigenden F&E-Investitionen, mit
einem erheblichen Kapitalbedarf
konfrontiert und benötigen Eigenkapital, da die Fremdverschuldung
oftmals nicht erhöht werden kann.
Nur mit entsprechenden Investitionen finden viele Unternehmen auf
ihren Wachstumspfad zurück und
können ihre Potenziale voll ausschöpfen und Wettbewerbern Paroli bieten. Somit ist Private Equity ein dauerhaft interessanter Teil des Investment-Universums.
investment
19
AKTIONÄRE UND BESITZER VON AKTIENFONDS
nur Aktienfonds*
in Tausend
nur Aktien
Aktien und Aktienfonds*
*Aktienfonds einschließlich Mischfonds
12.853
11.828
12.000
7.159
11.549
11.127
10.504
5.617
10.796
6.549
10.000
6.081
5.899
10.314
10.317
6.074
6.270
6.052
9.490
9.317
8.921
8.811
8.385
8.231
8.477
4.958
5.764
8.000
4.361
5.187
6.789
6.000
5.601
4.731
3.226
4.586
2.274
2.748
1.681
911
4.000
2.607
1.518
2.088
2.086
1.944
627
1.662
2.014
1.874
1.677
1.365
1.405
1.305
1.749
1.534
2.000
3.293
3.604
3.487
3.463
3.087
2.912
2.960
1997
1998
1999
2000
2001
2002
2003
2.661
2004
2.730
2005
2.366
2.370
2.188
2.219
2.349
2.357
2.870
2.811
2006
2007
2008
2009
2010
2011
2012
2013
Quelle: Aktionärszahlen des Deutschen Aktieninstituts (DAI) 2013
Fazit
Die Auswahl der Geldanlagen ist
sicherlich eine der schwierigsten Entscheidungen, denn Investments mit
höheren Renditen beinhalten oft auch
größere Risiken. Mit einer breiten
Streuung (Diversifikation) lässt sich
das Verlustrisiko bei Aktieninvestments und anderen Geldanlagen
mindern, ohne die Gewinnaussichten zu schmälern. Gemeinhin gilt die
Ansicht, dass insbesondere Aktien,
Immobilien und Gold einen gewissen
Voraussicht Andreas Grünewald,
Vorstandsvorsitzender des VuV, setzt
sich für die Stärkung der deutschen
Aktienkultur ein.
Schutz vor der finanziellen Repression, also der Enteignung durch
negative Realzinsen, bieten. Diese Meinung hat zwar viel für sich,
muss jedoch im Detail überprüft
werden. So können Aktienkurse
beispielsweise sehr schwanken,
bringen jedoch im besten Fall neben Kursgewinnen auch hohe Dividenden. Aktieninvestments sind
demnach eine Basis für die langfristige Geldanlage. Immobilienpreise unterliegen auch Schwankungen. Die Mietrendite von Immobilien oder die Mietersparnis
im Fall der Eigennutzung ist eine
weitere Komponente dieser Anlageklasse. Schließlich gehen die
meisten Menschen mit dem Immobilienkauf auch ein Klumpenrisiko ein. Hier kann mitunter die
indirekte Immobilienanlage mit
der Streuung in verschiedene Objekte ihre Vorzüge ausspielen. Auch
die Bedeutung des Beteiligungskapitals (Private Equity) erfährt wieder eine Renaissance, zumal Wachstumsunternehmen vermehrt auf
zusätzliches Eigenkapital angewiesen sind. In diesem Kontext können private von institutionellen Investoren lernen, da diese ihre Allokation in Private Equity stetig
ausbauen. Das Niedrigzinsumfeld
macht letztlich ein Umdenken erforderlich. „In vielen Portfolios
mangelt es nach wie vor an der
richtigen Balance“, stellt VuV-Chef
Grünewald abschließend fest.
autoren@visavis.de
Branchentermine
3. Jahreskonferenz Corporate Bonds
Aktuelles am Markt für
Unter­nehmensanleihen
19. März 2015, Frankfurt/M.
www.dai.de
Börsentag München
Die Null-Zins-Falle –
wie Sie dennoch Vermögen aufbauen und Kaufkraft erhalten
21. März 2015, München
www.boersentag-muenchen.de
Parlamentarischer Abend des BVK
Informationsveranstaltung über das
Wirken von Beteiligungskapital
26. März 2015, Berlin
www.bvkap.de
Deutsche Anlegermesse Frankfurt 2015
Über 150 Aussteller und Partner
präsentieren sich an zwei Messetagen
der Finanz-Community
27. bis 28. März 2015, Frankfurt/M.
www.deutsche-anlegermesse.de
Invest 2015
Leitmesse und Kongress für
Finanzen und Geldanlage
17. bis 18. April 2015, Stuttgart
www.messe-stuttgart.de/invest
POOLS & FINANCE 2015
Forum für unabhängige
Finanzberatung
12. Mai 2015, Frankfurt/M.
www.poolsandfinance.de
investment
Unternehmen, die unsere Volkswirtschaft morgen mit Arbeitsplätzen
und Folgeinvestitionen tragen werden,
brauchen heute Kapital für ihr Wachstum. Die volkswirtschaftliche Bedeutung der Zuführung von Eigenkapital
als überlebenswichtige Lebensader einer Wettbewerbswirtschaft ist jedoch
in Deutschland noch nicht hinreichend
in den Köpfen verankert. Vor allem
für den Mittelstand, dem Nukleus der
deutschen Wirtschaft, nimmt die Bedeutung von Private Equity zu, weil
teilweise ein erheblicher Kapitalbedarf
besteht und die Bankenfinanzierung
infolge fehlenden Eigenkapitals oder
fehlender Sicherheiten oftmals nicht
erhöht werden kann. Folglich ist das
Wachstum begrenzt und bleibt hinter
den Potenzialen zurück. Ein stotternder Motor, der durch Zuführung von
Private Equity-Investitionen wieder
flott gemacht wird. Und nicht nur das,
mit dem VC-Investor geht zumeist auch
unternehmerisches Know-how und
aktive Netzwerk-Verbreiterung am
Markt einher. Aus ehemaligen defizitären Unternehmensbereichen entwickelten sich vielfach erfolgreiche Unternehmen, die in der neu gewonnenen Unabhängigkeit ihre Wachstumschancen sinnvoll zu nutzen verstehen
und sich gewinnbringend den veränderten Marktbedingungen anpassen.
Im Venture Capital-Bereich werden
Investitionen in junge dynamische
Technologieunternehmen getätigt, um
den Herausforderungen von morgen
kraftvoll zu begegnen. Private Equity
ist kein marginaler Nischenmarkt mehr,
sondern hat sich zu einem zunehmend
bedeutenden Wirtschaftszweig etabliert, der noch mehr Schubkraft von
politischer Seite verdient.
„Statt weniger direkte Unternehmensbeteiligungen brauchen wir mehr.
Deutschland ist stark geworden durch
seine technologischen Erneuerungen.
Investitionen in junge Technologieunternehmen, wie sie die MIG Fonds tätigen, stärken die Innovationskraft unserer Wirtschaft und helfen, unsere
Zukunft zu gestalten. Das klingt nicht
nur positiv, das ist für unsere Volkswirtschaft von morgen zwingend“, sagt
Dr. Matthias Hallweger, Vorstand der
HMW Emissionshaus AG in Pullach.
Die HMW Gruppe ist dabei nicht nur
Fondsinitiator und Anbieter der MIG
Fonds, sondern leitet zugleich deren
exklusiven Vertrieb. In diesem Umfeld ist sie ein gesetzter Player.
Die Historie der MIG Fonds reicht
dabei bis ins Jahr 2005 zurück. Erst
vor wenigen Wochen wurde nun der
KAGB-konforme und von der BaFin
freigegebene MIG Fonds 15 aufgelegt.
Der Fonds soll, wie seine Vorgänger,
in Wachstumsunternehmen aus verschiedenen Branchen investieren, darunter Umwelttechnologie, Energie-
| Bildquelle: © Alex011973 - fotolia.com
20
Kapital verleiht
Schubkraft
Wachstumschancen
Angesichts Staatsverschuldung und erschwerter Kreditvergabe
wächst die volkswirtschaftliche Bedeutung von Private Equity.
Die Wirtschaft braucht Innovationen und unternehmerisches
Kapital. Private Equity bietet diesen Zugang. Die Ampeln
stehen auf grün, zumal auch institutionelle Investoren ihre
Allokationen in diese Assetklasse weiter erhöhen wollen.
Beteiligung Die MIG Fonds finanzieren junge, innovative Unternehmen mit
Weltmarktführerpotenzial und begleiten diese Unternehmen ein Stück ihres
Weges, betont Dr. Matthias Hallweger, Vorstand der HMW Emissionshaus AG.
technologie, Life Sciences, Neue Materialien oder auch Kommunikationsund Informationstechnologie. Mittlerweile sind die MIG Fonds in 28 Portfoliounternehmen investiert, wobei sie
nicht alleiniger Investor sind. Neben
staatlichen Förderinstitutionen wie der
KfW oder Mittelständischen Beteiligungsgesellschaften der Länder oder
auch dem High Tech Gründerfonds
des Bundes sind es je nach Unternehmen auch vermögende Familien, wie
z.B. die des SAP-Mitbegründers Dietmar Hopp oder die Brüder Thomas
visAvis economy
und Andreas Strüngmann, die die Entwicklung dieser Unternehmen aktiv
begleiten und forcieren. Ein Beispiel
aus dem Portfolio ist die CYNORA
GmbH aus Bruchsal. CYNORA ist
Technologie- und Marktführer im Bereich bestimmter OLED-Emitter. Was
komplex klingt, ist es auch und halten
wir dennoch im täglichen Gebrauch
in den Händen. Moderne Handy-Displays wären ohne diese Technologie
undenkbar. Der Marktführer in diesem Teilbereich der Kommunikationstechnologie ist ein junges MIG-Wachstumsunternehmen aus Deutschland.
Gemanagt werden die Portfolios
der MIG Fonds von der MIG Verwaltungs AG als von der BaFin zertifizierte Kapitalverwaltungsgesellschaft. Erst
vor wenigen Wochen wurde nach intensiver Prüfung durch ebendiese das
Portfolio mit der NavVis GmbH um
ein weiteres Unternehmen erweitert.
Das Ziel ist klar definiert: Es geht um
aktive, operative Wertschöpfung in
den so finanzierten Unternehmen.
Die Zahlen, in diesem Fall das eingeworbene Eigenkapital, sprechen eine eindeutige Sprache und untermauern die Richtigkeit der strategischen Ausrichtung. Das eingeworbene Eigenkapital für die MIG Fonds betrug im Jahr
2013 rund 75 Mio. Euro. Dabei konnte die HMW Emissionshaus AG nach
Zahlen des Branchenverbandes einmal
mehr den 1. Platz in der Rubrik „Anbieter Private Equity“ behaupten. Das
gezeichnete Kapital der MIG Fonds inklusive der beiden Vorgängerfonds betrug Ende des vergangenen Jahres circa 1 Mrd. Euro. Mit dem MIG Fonds
15 wird die Erfolgsstory fortgeführt werden. An dem Einmalanlagefonds können sich Anleger ab Beteiligungsbeträgen von 10.000 Euro beteiligen. „Damit
sind wir endgültig am voll regulierten
‚weißen’ Kapitalmarkt angekommen“,
bekräftigt Dr. Hallweger.
Um sich noch breiter und diversifizierter zu positionieren, bietet das
HMW Emissionshaus für qualifizierte Privatanleger zudem eine aktiv gemanagte Vermögensverwaltung an.
Dabei wird die Investition des Anlegers im Rahmen einer eigenen Strategie durch einen erfahrenen Vermögensverwalter aktiv gemanagt und ist
zudem jederzeit verfügbar. Eine sinnvolle Ergänzung, zumal die Themen,
die in der MIG-Kategorie abgedeckt
werden, sich nun auch im Rahmen
einer Vermögensverwaltung mit einem Absicherungsmodus für die Anleger fondsgebunden abbilden lassen.
Die positiven Renditezahlen der HMW
Vermögensverwaltung aus dem anspruchsvollen Jahr 2014 sprechen hier
eine deutliche Sprache.
Weitere Informationen unter:
www.mig-fonds.de
Autor
Document
Kategorie
Uncategorized
Seitenansichten
37
Dateigröße
3 037 KB
Tags
1/--Seiten
melden