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Röm.-kath. Pfarramt Hernals
1170 Wien, St.-Bartholomäus-Platz 3
Tel. + 43 (01) 406 89 45-0
Fax + 43 (01) 406 89 45-22
Mail: kanzlei@kalvarienbergkirche.at
Pfarrer Dr. Karl Engelmann
Zusammenfassung und Ausblick der 36. Klausurtagung
vom 10. bis 12. Oktober 2014 in Laab am Walde
Teilnehmerinnen und Teilnehmer: Angela Brychta, Manfred Dombäck, Karl Engelmann,
Johanna Fasch-Grünberger, Kornelia Holzner-Tobisch, Claus Huber, Gottfried Korber,
Michael Kreuzer, Wolfgang Lercher, Regina Loidolt, Gabriele Palasciano, Matthias Pesl,
Wilhelm Richter, Rupert Riehs, Eva Schirk, Maria Slezinsky, Erika Wailzer, Peter Zottele,
Erika Zugarek
Entschuldigte: Bernhard Fölhs, Maria Fölhs, Bernhard Gönner, Stefan Kudlacek,
Brigitte Prantl
1. Thema und Struktur
Die Klausurtagung 2014 fand in Laab im
Walde bei den Barmherzigen Schwestern
vom heiligen Vinzenz von Paul statt, jenem Orden, der früher auch in der Antonigasse war. Das vorzüglich geführte, große
Haus samt weitem Garten in ansprechender Umgebung ist Seminar- und Bildungshaus und gleichzeitig der Alterswohnsitz
der Schwestern.
Vorbereitung und Moderation der Klausurtagung war einer kleinen Gruppe von
PfarrgemeinderätInnen anvertraut. Thema
war das Leitbild unserer Pfarrgemeinde,
konkret jene vier Punkte, die bei der
Pfarrbefragung im heurigen Frühjahr, die
unser Leitbild dem Wirklichkeitstest unterzog, schlechter abgeschnitten haben: 1.
Offenheit, 2. Solidarität, 3. gemeinsam
beten, 4. erzählen von der Freude, die uns
trägt. Es galt herauszufinden, ob wir als
Pfarrgemeinde diesen Aussagen entsprechen bzw. überhaupt entsprechen wollen.
Dabei im Hintergrund standen a.) die
Frage, wie weit wir uns auf Grundlage des
Evangeliums Jesu Christi davon dispensieren können, und b.) der Reformprozess
der Erzdiözese Wien, der auch in unserem
Dekanat voll angelaufen ist.
Die Klausur begann wie immer Freitagabends. Eingestiegen ins Thema sind wir
bei uns persönlich: Wie weit bin ich offen,
solidarisch usw. Danach haben wir versucht, den Themen anhand der Bibelstelle
des Gesprächs Jesu mit der Samariterin
am Jakobsbrunnen (Joh 4,3–4,42) uns zu
nähern. Nach einem innigen Abendgebet
klang der Abend gemütlich im Gemeinschaftsraum „Arche“ aus.
Am Samstagvormittag fanden die Gruppengespräche zu den vier Themen statt.
(Die Gruppen waren noch am Freitag
gebildet worden in der Weise, dass jede
Teilnehmerin bzw. jeder Teilnehmer eine
Wäscheklammer in einer von vier Farben
zog; jene mit gleicher Farbe bildeten eine
Gruppe.) Nach der Präsentation der
Gruppenergebnisse am Nachmittag wurden die Themen im Plenum geschärft und
Vorschläge konkretisiert. Bei der Messfeier am Sonntagvormittag erübrigte sich die
traditionelle Zusammenfassung des Pfarrers, nachdem die Themen bereits im
Plenum abrundend behandelt worden
waren. Daher habe ich mich für ein Predigtgespräch entschieden: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten die Klausur
anhand des Evangeliums für sich persönlich zusammenfassen.
1
2. Zusammenkommen, Atmosphäre
Jede bzw. jeder von uns kam aus einer
anderen konkreten Situation zur Klausurtagung, einige auch müde am letzten Tag
einer Arbeitswoche. Dennoch war bereits
die erste Arbeitseinheit gekennzeichnet
von motivierter Aufmerksamkeit und
Spannung im Hinblick auf das Kommende.
Überhaupt gingen die Gespräche an allen
drei Tagen in die Tiefe und verliefen in
einer ausgeprägten Gesprächskultur konstruktiv mit teils sehr persönlichen Beiträgen.
Es war schön für mich zu erleben, dass
Menschen sich Zeit nehmen für die Pfarre,
für ihre Mitchristen. Allen Teilnehmerinnen
und Teilnehmern sage ich ein herzliches
Dankeschön, dass sie ihnen Zeit widmen
in einer Zeit, in der wir alle keine Zeit
haben. Die Tage in Laab am Walde waren
eine geschenkte, erfüllte Zeit. Die Ergebnisse des Treffens werden uns weiter
beschäftigen.
3. Offenheit
Im Leitbild unserer Pfarrgemeinde steht
der Satz: „Mit Christus, der Kraft unserer
Spiritualität, wollen wir als lebendige
Glaubensgemeinschaft – vielfältig, offen
und solidarisch – den Weg unseres Lebens mit Gott und miteinander gehen.“
Fußnote zu ,offen’: „Wir sind auch da für
Zweifler, Kritiker und Fernstehende, für
Geschiedene, für Wiederverheiratete, für
Ausgetretene, für Angehörige anderer
Religionen und Weltanschauungen …“
In der ersten Gruppe ging es um die
Klärung von „offen“. Was bedeutet Offenheit prinzipiell, was bedeutet sie für mich
persönlich?
Erstens gibt es die personal-dialogische
Offenheit, also die persönliche Offenheit in
der Begegnung mit Menschen. Wie weit
kann der Einzelne im Dialog mit einem
Menschen sich öffnen und auf ihn einlassen? Natürlich sind dafür mitbestimmend
Faktoren wie Sympathie – Antipathie oder
Vertrauen – Misstrauen. Offenheit in der
Begegnung braucht es auch gegenüber
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der Schöpfung: Wie sehe ich die Schönheiten dieser Welt, wie die Not, wie Freude und Trauer usw.?
Zweitens gibt es die strukturelle Offenheit: Wie weit bin ich offen für die Veränderungen in Gesellschaft, Kirche, Politik
usw.? Veränderungen – das sehen wir
auch beim Reformprozess in unserem
Dekanat – bedeuten immer, loslassen zu
müssen von Herkömmlichem, Gewohntem, Liebgewonnenem. Das löst Zustände
der Angst und Trauer aus. Diese Regungen dürfen wir nicht verdrängen, sondern
müssen uns ihnen stellen. In Zeiten spürbarer Veränderungen werden wir, wenn
wir tatsächlich offen sind, die mit ihnen
einhergehenden Chancen nicht übersehen. Jede Veränderung birgt Chancen des
Aufbruchs zu neuen Ufern.
Offenheit bedeutet Zulassen: nicht sofort abblocken, sondern neue Ideen, neue
Entwicklungen zulassen, damit Neues
wachsen kann. Wichtig: Offenheit verlangt
einen eigenen klaren Standpunkt, um
Tatsachen, Wirklichkeiten und Inhalte
nicht zu verwischen. Nur so wird man
wirklich bereit für einen fruchtbaren Dialog. Eine derartige Offenheit festigt auch
neue Strukturen und lässt Meinungen zu.
Es gibt aber keine grenzenlose Offenheit;
auch ein offener Mensch muss und kann
Grenzen ziehen. Grenzen sind legitim und
können individuell und strukturell gezogen
werden. Ein bekannter Satz lautet: „Wer
für alles offen ist, kann nicht ganz dicht
sein.“ Offenheit ist auch ein Entwicklungsprozess.
Infolge dieser Überlegungen haben wir
uns gefragt: Wie weit können wir als Pfarre gehen? Welche Offenheit braucht es für
die Zukunft? Wie weit gehen wir z. B. mit
Segnungen von Geschiedenen-Wiederverheirateten, gleichgeschlechtlichen Partnerschaften usw.? Wie weit können wir bei
allem mitspielen, was Menschen sich für
die Feier der Sakramente, insbesondere
Taufe oder Trauung wünschen? Hier
müssen wir in Zukunft versuchen, unseren
Standpunkt zu wahren und gute, interessante, annehmbare Alternativen anzubieten. Zum Beispiel hat die Taufvorberei-
tungsgruppe vier Modelle für Tauffeiern
entwickelt, die bei den Tauffamilien sehr
gut ankommen. So etwas brauchen wir in
Zukunft auch für die Trauungen und verschiedene Segnungsfeiern. Wir müssen
damit rechnen, dass die Zahl der Menschen steigt, die mit der Kirche nichts
anfangen können, sich aber von der Kirche, konkret: von uns etwas erwarten. Ich
möchte keinen vor den Kopf stoßen, sondern jedem durch unser Handeln mitteilen,
dass Gott das Leben jedes einzelnen
Menschen will und für ihn da ist.
4. Solidarität
Im Leitbild unserer Pfarrgemeinde steht
der Satz: „Mit Christus, der Kraft unserer
Spiritualität, wollen wir als lebendige
Glaubensgemeinschaft – vielfältig, offen
und solidarisch – den Weg unseres Lebens mit Gott und miteinander gehen.“
Fußnote zu ,solidarisch’: „Wir wollen mit
den Menschen sein, die benachteiligt, die
in ihrem Leben gescheitert, krank und
Hilfe suchend sind.“
Das Wort „solidarisch“ kommt aus dem
Lateinischen und bedeutet: fest, gediegen,
echt, besagt also: für jemanden eintreten,
mit jemandem übereinstimmen. Der Gedanke der Solidarität wird in der Pastoralkonstitution des II. Vatikanums, „Gaudium
et spes“, so ausgedrückt: „Freude und
Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen
und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der
Jünger Christi. Und es gibt nichts wahrhaft
Menschliches, das nicht in ihren Herzen
seinen Widerhall fände. Ist doch ihre eigene Gemeinschaft aus Menschen gebildet,
die, in Christus geeint, vom Heiligen Geist
auf ihrer Pilgerschaft zum Reich des Vaters geleitet werden und eine Heilsbotschaft empfangen haben, die allen auszurichten ist. Darum erfährt diese Gemeinschaft sich mit der Menschheit und ihrer
Geschichte wirklich engstens verbunden.“
In diesem Text wird Solidarität mit der
ganzen Menschheit ausgedrückt und
eingefordert. Nichts wahrhaft Menschli-
ches kann uns fremd sein – was bedeutet:
In der Kirche hat alles seinen Platz, weil
durch die verschiedenen Menschen auch
alles mitgebracht wird. Dass dies noch
nicht in unserem Bewusstsein verwurzelt
ist, zeigt die Praxis.
Was ist Solidarität? Solidarität bedeutet
konkret, eine Überzeugung zu haben, die
Hirn und Herz umfasst, und zu dieser
Überzeugung auch zu stehen. Hier müssen wir uns zuerst fragen: Wofür treten wir
ein, und zwar tatsächlich ein? Wir müssen
lernen, zu gesellschaftspolitischen Fragen
Stellung zu beziehen, und müssen aus
dem Evangelium abgeleitete Überzeugungen forcieren. In unserer Pfarre gibt es viel
Solidarität mit den Armen und Entrechteten; das wurde bereits verschiedenenfalls
bekundet; auch kann man das über die
Pfarrcaritas feststellen. Trotzdem braucht
es hier eine deutliche Entwicklung. Wir
haben uns gefragt: Womit wollen wir nicht
solidarisch sein? Und: Wovon können wir
uns aufgrund des Evangeliums von der
Solidarität nicht selbst entbinden? Es
wurden manche Vorschläge genannt, z. B.
Fairtrade-Produkte kaufen. Gefragt wurde
weiters nach dem Predigttisch beim Pfarrcafé. Den könnte man zur Förderung der
Meinungsbildung
zu
verschiedensten
Themen wieder einführen. Weitere Idee:
Beim Pfarrcafé ein Speed-Dating je nach
Evangelium zu bestimmten Themen ansetzen (Homosexuelle, Ausgegrenzte,
Schuldige …). Zur Solidarität anzumerken
ist, dass das Fürbittgebet viel mit Solidarität zu tun hat. Im Fürbittgebet treten wir
vor Gott und geben den Armen und Entrechteten eine Stimme. Wir geben auch
jenen eine Stimme, die vor Gott ihre
Stimme verloren haben. Auch wenn die
freien Fürbitten nicht bei allen gut ankommen: Sie sind ein wesentliches Moment
der Eucharistiefeier. Fürbitte ist zutiefst ein
Gebet der Gemeinde.
In dieser Gruppe wurde auch die Pfarrcaritas behandelt. Nach der Pensionierung
von Caritas-Assistentin Johanna FaschGrünberger hat Kaplan Michael Kreuzer
diese Stelle besetzt. Er ist auch Leiter des
Arbeitskreises Caritas. Ich habe mich
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entschlossen, die Pfarrcaritas neu aufzustellen. Obschon nicht alle damit einverstanden waren bzw. sind, sehe ich doch
die Notwendigkeit zu diesem Schritt. Die
Mitglieder unserer Pfarrgemeinde haben
immer viel Geld für die Caritas gespendet.
Zudem führt der Arbeitskreis Caritas Aktionen durch, um Menschen, die es nötig
haben, helfen zu können. Für all das sei
einmal allen gedankt. Die Pfarrcaritas
umverteilt die von den Pfarrmitgliedern
gespendeten finanziellen Mittel. Die Gebarung der Caritas ist transparent: Einnahmen 2013: € 10.000 aus Veranstaltungen,
€ 10.000 aus Opferstock/Kirchensammlungen/Spenden. Ausgaben 2013: € 7.000
für allgemeine Zuwendungen, € 3.000 für
Beiträge zu Energiekosten, € 1.000 für
Einkäufe von Lebensmitteln € 6.500 für
Personalkosten; ergibt einen Jahressaldo
von € 2.500 an Rücklage. Hauptbegünstigt
in den letzten Jahren waren Menschen mit
Migrationshintergrund. Es gilt das Territorialprinzip: Geholfen wird nur Menschen,
die im Pfarrgebiet gemeldet sind. In der
Kartei erfasst sind derzeit 118 Klientinnen
und Klienten, die in unterschiedlich großen
Abständen die Pfarrcaritas aufsuchen.
Wenngleich Menschen mit Migrationshintergrund natürlich weiterhin unterstützt
werden, wollen wir den Empfängerkreis
der Caritas-Hilfen erweitern. Ein erster
Schritt wäre, die sozialen Nöte in unserer
Pfarre in ihrer ganzen Breite wahrzunehmen und mitzuteilen. Dazu aufgerufen
sind alle Mitglieder der Pfarrgemeinde: Wo
sehe ich in meiner Umgebung soziale
Not? In welcher Form? (Ein ImmigrantenKind braucht Nachhilfe in Deutsch. Jemand braucht eine Lesebrille, kann sich
aber den Selbstbehalt nicht leisten. Jemand kann nicht mehr außer Haus gehen
und würde sich über Besuche freuen …)
Die Sprechstunde am Donnerstag von 10
bis 11 Uhr soll sein a.) für Hilfe Suchende
aus unserer Pfarrgemeinde, b.) für Pfarrmitglieder, die sich über soziale Nöte in
ihrem nahen Umfeld Gedanken machen
bzw. darüber, ob und wie unsere Pfarre
Hilfestellung geben könnte. Die Pfarrcaritas würde so als Drehscheibe fungieren,
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die wahrgenommene Not und angebotene
Hilfestellung verbindet. – Ich hoffe, in
Ihnen ist genug Interesse für die Not von
Menschen in Ihrer Umgebung, und Sie
nehmen sich die Zeit, die Pfarrcaritas
davon zu informieren!
5. Von der Freude erzählen
Im Leitbild unserer Pfarrgemeinde steht
der Satz: „Wir wollen von dem erzählen,
was uns selbst zur Freude des Lebens
geworden ist: vom Wort Gottes und der
Frohen Botschaft Jesu Christi.“
Die daraus sich ergebenden Schwierigkeiten beginnen nach dem Doppelpunkt.
Wiederholt wurde geäußert, Pfarrgemeinderäte/Laien, hätten nicht die Kompetenz,
die Bibel auszulegen. Kann man diesem
Satz wirklich Genüge leisten, war die
große Frage? Wird hier der Blickwinkel
nicht zu stark auf die Auslegung des biblischen Wortes eingeengt? Geht es nicht
vielmehr um das persönliche missionarische Glaubenszeugnis? Gott hat jedem
Menschen ein Wort des Lebens zugesprochen. Nun ginge es darum, von den
eigenen Gotteserfahrungen zu erzählen.
Dabei ist es wesentlich, sich zu fragen:
Was ist die Botschaft an mich persönlich?
Gibt es in unserer Pfarre Räume, in denen wir über unseren persönlichen Glauben reden können – was nicht heißt, dem
Anderen die Bibel um die Ohren zu schlagen, sondern zu erzählen, welche Freude
durch ein empfangenes Wort Gottes mich
trägt? Viel zu oft reden wir nur über die
Kirche und viel zuwenig über die Freude
Gottes, die uns trägt. Das ist sicher ein
Lernprozess. Wir haben gefunden, dass
es wohl Räume gibt, in denen das möglich
ist, nämlich in Gruppierungen wie Laudate
Deum, im Heim-Vorabend, beim Freitagsgebet, in der Erstkommunionvorbereitung,
usw. Räume dieser Art kann man nicht
organisieren und institutionalisieren, sie
müssen sich ergeben. Aber der Einzelne
muss auch den Mut haben, zu reden! Nur
so können wir missionarisch wirken.
Prinzipiell hat jede Christin und jeder
Christ die Kompetenz, von der frohen und
befreienden Botschaft Jesu Christi zu
erzählen – nicht als lehrkonforme Bibelauslegung, sondern als persönliches
Glaubenszeugnis. Vielleicht müssen wir
Hauptamtlichen das mehr betonen und
dahingehend ermutigen.
Die Aussage des Lichtbilds: „Wir wollen
von dem erzählen, was uns selbst zur
Freude des Lebens geworden ist: vom
Wort Gottes und der Frohen Botschaft
Jesu Christi“ hat viel mit Mission zu tun.
Einer der Hauptpunkte des Reformprozesses unserer Erzdiözese lautet “mission
first“. Nicht selten stehen wir dem ratlos
gegenüber: Wie soll das gehen? Ich glaube, nur über das Erzählen; also Menschen
in Worten des Alltags mitteilen, was einen
trägt. Als Christen, als Menschen, die in
Gott verwurzelt sind, können wir nicht
verschweigen, was uns zur Freude, zum
Fundament des Lebens geworden ist. Das
bedeutet auch, dass wir institutionelle
Elemente der Kirche in den Hintergrund
stellen und das Wirken Gottes am einzelnen Menschen in den Vordergrund rücken
müssen.
6. Gemeinsam beten
Im Leitbild unserer Pfarrgemeinde steht
der Satz: „Wir beten gemeinsam, um
einander und andere zu stärken, zu stützen, zu halten, aufzurichten …“
In der vierten Gruppe wurde zuerst der
Iststand erhoben: Wo und wann wird in
unserer Pfarre gemeinsam gebetet? Dabei
ist man auf einige gemeinsame Gebete
gestoßen, die oft gar nicht bewusst sind
(Zeit für Sie, Krankengebet etc.). Es gibt in
unserer Pfarre einige Orte, an denen
außerhalb der Eucharistiefeier gemeinsam
gebetet wird. Bedeutsam bei allen Gottesdiensten ist die Musik, wovon wir eine
große Vielfalt haben. Gottesdienste sollen
erlebnisorientiert und mit allen Sinnen
erfahrbar sein. Und nicht vom Alltag abgehoben sollen Messfeiern bzw. Gebete
sein, sondern der Alltag soll in ihnen Platz
haben. Wichtig sind ereignisbezogene
Gebetstreffen.
Beispiel:
Die
Seilbahnkatastrophe Kaprun im Jahr
2000, als rasch ein Abendgebet
ein Abendgebet ausgeschrieben wurde,
an dem viele teilgenommen haben. Heute
ist das Stattfinden eines solchen Gebets
über die modernen Kommunikationsmittel
ja sehr rasch in Umlauf zu bringen. Genannt wurde auch die Kombilösung („Einelegermesse“), also das Verbinden von
Sitzungen oder Besprechungen mit einer
Messe.
Wiederholt als wichtig genannt wurde
das bewusste gemeinsame Beten in der
Eucharistiefeier. Wir stehen als Gemeinde
vor dem lebendigen Gott. Christus stiftet in
der Kommunion Gemeinde und Gemeinschaft – gemeinsam sind wir auf dem Weg
und lassen uns von ihm beschenken.
Daher wird es gut sein, künftig bei den
Messen einzelne Teile in diese Richtung
zu betonen, sodass uns bewusster wird,
was wir gerade beten. Manchmal wird in
unseren Messen auch in unterschiedlichem Tempo gebetet. Gemeinsam Beten
erfordert es, aufeinander zu hören – andernfalls betet jeder für sich. Weil nun die
Eucharistiefeier keine individuelle Frömmigkeitsveranstaltung ist, braucht es das
Aufeinander-Hören. In Zukunft möchte ich
in verschiedenen Abständen an den Donnerstagen wieder eine intensive Eucharistiefeier in der Kapelle feiern.
Das Thema „freie Fürbitten“ hat eine
längere bereichernde Diskussion ausgelöst. Persönlich halte ich die vorgefertigten
Fürbittenbücher, die „Fürbitten aus der
Konserve“, schlecht aus. Würde es noch
eine Bücherverbrennung geben, wären
diese Bücher die Ersten, die ich ins Feuer
würfe. Fürbitten sind, wie schon erwähnt,
das Gebet der Gemeinde. Durch sie sollen
die Sorgen und Nöte der Gemeinde, der
Kirche, der Welt vor Gott gebracht werden. Wir stehen stellvertretend für die
Vielen vor Gott und vertrauen sie seiner
Liebe an. Manche tun sich schwer mit der
Stille, die bisweilen entsteht, wenn niemand zum Mikrofon tritt. Kann man diese
Stille nur als peinlich ertragen oder nicht
auch als gehobene, getragene Stille empfinden? Mit Recht wird häufig beklagt, in
der Eucharistiefeier gäbe es zuwenig
Stille. Hier, bei den Fürbitten, im Stehen
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vor Gott in einer kurzen Stille, wäre Gelegenheit, wo ich ihm das Herz öffnen und
meine persönliche Bitte anvertrauen kann.
Es muss ja nicht alles ausgesprochen
werden. Möglicherweise schließen die
Fürbitten zu schnell an die Predigt an.
Besonders wichtig ist mir die einfache
Sprache. Fürbitten sind weder ein Redewettbewerb noch eine zweite Predigt. In
aller Einfachheit soll ich Gott darlegen,
was mich momentan bewegt und worum
ich bitten möchte. Es wurden erweiternde
Möglichkeiten der freien Fürbitten genannt: Zuerst könnten zwei Fürbitten, für
die Welt und für die Kirche, gesprochen
und danach zu freien Fürbitten eingeladen
werden. Oder es könnte zunächst still sein
und dann zu Fürbitten eingeladen werden.
schau zu halten. (Nachtrag: Dieses Treffen hat bereits stattgefunden mit dem
Ergebnis: Die Dekanate 16, 17 und 18
bleiben unter sich und gründen jeweils
eine „Pfarre neu“. Möglicherweise bilden
sie in Zukunft ein Dekanat.)
Die Leitlinien des Bischofs für den Reformprozess sind ein Rahmen – wie das
Bild darin von Pfarren gemalt wird, liegt an
uns. Die in den Dekanaten 10 und 15
jeweils von den Pfarren selbst erarbeitete
Neuorganisation wurde von der Diözesanleitung akzeptiert. Die beiden Dekanate
sind bereits auf dem Weg, eine „Pfarre
neu“ zu werden. Beten wir für diesen
herausfordernden Prozess!
7. Reformprozess im Dekanat
Im Plenum der Klausurtagung wurde
vieles angesprochen: Für manches wurde
keine Lösung gefunden, anderes wird in
den kommenden Pfarrgemeinderatssitzungen weiter behandelt, wieder anderes
braucht einfach nur getan werden.
Die Tagung hat uns Umstände aufgezeigt – manche davon in Verlängerung der
Tagungen aus den Vorjahren, diesmal
tiefer und entschiedener behandelt –, die
es gilt weiterzuverfolgen. Es war ein Sprechen, bei dem man das Gefühl hatte, der
Geist Gottes leite und führe uns. Wir haben uns auf ihn eingelassen.
Wenn wir gegenwärtig in der Pfarre
spürbar weniger werden und Ressourcen
knapper, brauchen wir den Geist der Kraft.
Ein Geist der Verzagtheit führt uns nicht
weiter, sondern behindert uns nur. Mit
Überraschungen Gottes dürfen wir rechnen: Er greift ein, wendet das Eine, rückt
das Andere in sein Licht, ohne dass wir
willentlich etwas dazu tun.
Legen wir alles in die Hand Christi,
schließlich haben wir von ihm auch alles
bekommen.
Die Arbeitsgruppen des Dekanats haben
ihre Arbeit vorerst abgeschlossen. Im
heurigen Frühjahr hat die zweite Dekanatsvollversammlung stattgefunden, mit
dabei Bischofsvikar P. Dariusz Schutzki.
Vorher hatte uns ein weiterer Auftrag von
ihm erreicht, nämlich dekanatsübergreifend zu denken und zu arbeiten und eventuell mögliche neue pfarrliche Einheiten zu
definieren. Das hat die Arbeitsgruppen ein
wenig durcheinander gebracht, woraufhin
die Dechanten der Dekanate 16, 17 und
18 sich getroffen und geschaut haben,
was möglich wäre. Im September gab es
dann ein Treffen der Pfarrer, Vorsitzenden-Stellvertreter und Vikariatsräte aller
drei Dekanate. Dabei hatte ich nicht den
Eindruck eines starken Interesses an
dekanatsübergreifenden Lösungen. Derzeit sind wir dabei, den Abschlussbericht
für das Vikariat Wien-Stadt zu verfassen.
Er wird an alle Pfarrgemeinderäte zur
Begutachtung und Stellungnahme gesandt. Darüber hinaus werden die drei
Dechanten sich nochmals treffen, um
nach möglichen neuen Lösungen Aus-
6
8. Schluss und Ausblick
Pfarrer Karl Engelmann
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Seele and Geist
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