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12. Hamburger Streitschlichtungstage
Fotodokumentation
der 12. Hamburger Streitschlichtungstage am 25.6. und 26.6.2014
im Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung (LI)
Institut für konstruktive Konfliktaustragung und Mediation
Hamburg
Grußwort von Schulsenator Ties Rabe
Liebe Streitschlichterinnen und Streitschlichter,
liebe Betreuerinnen und Betreuer der Streitschlichtung,
liebe Eltern,
ich freue mich sehr darüber, dass die Hamburger Streitschlichter-Tage im Jahr 2014
bereits zum zwölften Mal stattgefunden haben. Das Engagement der Kinder und
Jugendlichen, der Einsatz der schulischen und externen Fachkräfte und auch das
Wohlwollen der beteiligten Schulleitungen für die Streitschlichtung an ihren Schulen
weiß ich sehr zu schätzen.
Das Konzept der Streitschlichtung befördert ein positives soziales Klima in
den Schulen, verdeutlicht die gemeinsame Verantwortung aller am Schulleben
Beteiligten für die Prävention und zeigt, dass man in Schulen mit guten
Programmen sehr erfolgreich arbeiten kann. Die gemeinsame Unterstützung durch
die Programmträger (Unfallkasse Nord, Institut für Konfliktaustragung und Mediation
und die Beratungsstelle Gewaltprävention) wird mit Sicherheit in den nächsten
Jahren fortgesetzt.
Foto: Michael Zapf
Ich bedanke mich bei allen für ihre guten Ideen, fachlichen und hilfreichen Beiträge und ihre
Zeit, die sie in die Streitschlichtung stecken. Diese Investition ist eine in unsere Kinder und
Jugendlichen, die sich auszahlt und eine gesellschaftliche Entwicklung zur konstruktiven
Konfliktbewältigung maßgeblich beeinflusst.
Ties Rabe
Senator für Schule und Berufsbildung
der Freien und Hansestadt Hamburg
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Grußwort der Kooperationspartner
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Schüler-Streitschlichtung in Hamburg kann sich sehen lassen. An etwa zwei Drittel der
Hamburger Schulen gibt es gut ausgebildete Schülerinnen und Schüler der Klasen 3 bis
11, die ihre Mitschülerinnen und Mitschüler darin unterstützen, Konflikte fair auszutragen
und gemeinsame Lösungen zu finden, mit denen alle Beteiligten zufrieden sind. Die
beiden jährlichen Ausbildungen für die Multiplikatoren – Lehrkräfte, Erzieherinnen,
Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen – sind immer ausgebucht.
Mit Hochachtung schauen wir auf die vielen engagierten Kinder, Jugendlichen und auf die
erwachsen Betreuerinnen und Betreuer, die die Streitschlichtung durchführen und am Leben
erhalten, oft mit sehr großem persönlichen Einsatz auch in ihrer Freizeit und zusätzlich zu
vielen anderen anspruchsvollen Aufgaben. Herzlichen Dank an euch und Sie alle! Unser Dank
geht auch an alle Schulleitungen, Eltern und alle, die ihnen beratend und Mut machend zur
Seite stehen für diese großartige Arbeit.
Viel Engagement und Herzblut ist in der Streitschlichtung bei großen und kleinen Menschen.
Und das trotz mancher Hürden und Stolperstellen im Schulalltag. Die Arbeitsbedingungen
für die Streitschlichtung an den Schulen zu verbessern, eine neue Konfliktkultur und ein
professionelles Konfliktmanagement in den Schulen zu etablieren – das ist das nächste
Arbeitsfeld. Ein Arbeitsfeld, bei dem alle profitieren werden – in der Schule und in allen
Lebensbereichen. Ein langer Weg, ein mühsamer Weg, ein lohnender Weg.
Die lange vertrauensvolle Kooperation der drei Partner Beratungsstelle Gewaltprävention
in der Behörde für Schule und Bildung, ikm – Institut für Konfliktaustragung und
Mediation und Unfallkassen Nord ist in Deutschland einmalig. Drei sehr unterschiedliche
Institutionen bringen ihre Kompetenz und Ressourcen mit zu einem gemeinsamen großen
Präventions­projekt. Gegenseitiges Zuhören, Austausch der unterschiedlichen Sichtweisen,
gegenseitiger Respekt, Vertrauen und Kreativität im Entwickeln von Lösungen zeichnen die
Zusammenarbeit aus.
Einzelne Menschen, nicht abstrakte Institutionen bewegen die Welt und sorgen dafür, dass
Ideen entstehen und sich in Taten umwandeln. Dafür braucht es Menschen, die sich mit
Herzblut einem Anliegen widmen, sich vor Widerstand nicht fürchten, einen langen Atem
haben und sich immer wieder selbst und andere ermutigen und begeistern können. In der
Steuergruppe des Hamburger Streitschlichtungs-Projekts haben sich drei dieser Menschen
zusammengetan. Wir danken Herrn Peer Kaeding, Frau Katty Nöllenburg und Frau Elke
Fontaine für ihren Einsatz und ihre Beharrlichkeit, die Welt ein wenig zu verbessern.
Wir wünschen allen Fans der Streitschlichtung weiterhin viel Freude und gute Ergebnisse.
Die Schüler-Streitschlichtung ist ein wichtiger Baustein in unserem gemeinsamen
Anliegen, der Prävention von körperlichen und seelischen Verletzungen, von Unfällen und
Gesundheitsschäden und von Gewalt. Wir werden sie weiter unterstützen.
Dr. Christian Böhm,
Dieter Lünse,
Martin Ochsenfarth
Leiter der Beratungsstelle Gewalt­
prävention, Behörde für Schule und
Berufsbildung, Hamburg
Geschäftsführer des ikm – Institut
für konstruktive Konfliktaustragung
und Mediation, Hamburg
Leiter der Abteilung Prävention und
Arbeitsschutz, Unfallkasse Nord
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Eckpunkte
Schüler-Streitschlichtung an Hamburger Schulen
Zahlen:
ca. 1.500 ausgebildete Streitschlichterinnen und
Streitschlichter aus den Klassen 3-11 aller Schulformen
an ca. 110 Schulen, also etwas einem Drittel der Hamburger
Schulen
Ansatz:
Konflikte und Streit: gehören zum Alltag.
Unser Ziel: Fair austragen, klären, gemeinsame Lösungen
finden
Streitschlichtung – Mediation
• Unterstützung durch neutrale 3. Person
• Gesprächsregeln und vorgegebene Schritte
des Vorgehens
• Die Konfliktparteien finden gemeinsam
kreativ ihre eigene Lösung
• Sie schließen eine Vereinbarung ab
Bausteine der Hamburger SchülerStreitschlichtung
Fortbildung von 3-6 Fachkräften pro Schule:
als Multiplikatoren durch anerkannte Trainer:
67,5 Stunden
Ausbildung der Schüler/innen: durch die
schulischen Fachkräfte: 40 Stunden
Begleitmaterial für schulische Fachkräfte
Praxisbegleitung und Supervision
Kooperation
• Behörde für Schule und Bildung, Hamburg,
Beratungsstelle Gewaltprävention
• ikm – Institut für konstruktive Konfliktaustragung und
Mediation, Hamburg
• Unfallkasse Nord/ Prävention
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Aktivitäten:
• Steuergruppe zur Projektbegleitung aus BSB, ikm, UK Nord
• Qualitätsstandards - als Richtschnur und Hilfestellung bei der
Verankerung von Streitschlichtung an Hamburger Schulen
• Jährliche Statusabfrage zur Weiterentwicklung der Maßnahmen
• Multiplikatoren-Ausbildung – Lehrer/innen, Erzieher/innen,
Sozialpädagogen/innen
• Beratung und Supervision der Schulen
• Newsletter – Aktuelle Themen, Impulse für die Arbeit
• Öffentlichkeitsarbeit
• Kongress der Schüler-Streitschlichter jährlich:
• Erfahrungsaustausch, Kontakt, Würdigung der Arbeit
• Austausch der Betreuerinnen und Betreuer
Die Ausbildung der Multiplikatoren
Die Ausbildung mit 67,5 Stunden in drei Wochenendblöcken wird
zweimal im Jahr angeboten und durchgeführt.
Schwerpunkt der Ausbildung sind Übungen, die sich in einem
Schülertraining einsetzen lassen. Viele davon bereiten die Lehr­
kräfte selbst vor, führen sie durch und werten sie gemeinsam aus.
Rahmenbedingungen:
Folgende Vorbereitungen aufseiten der Schule sind unbedingt erforderlich:
• Gespräch mit der Beratungsstelle Gewaltprävention,
• Abstimmung mit dem Schulprogramm,
• Zustimmung der Schulkonferenz,
• Einbindung des Kollegiums in die Planungen im Rahmen einer Ganztagskonferenz,
• drei bis sechs Kolleginnen und Kollegen einer Schule nehmen an der Fortbildung teil,
• Programme zum sozialen Lernen in den Klassen 5 und 6.
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Danke!
Tschüss, Peer Kaeding
„Jegliches wechselt, doch nichts geht unter“. Ovid (43 v.
Chr. - 17 n. Chr.) mit diesem Zitat verabschiedete sich Peer
Kaeding im Frühjahr 2014 von allen Betreuerinnen und
Betreuern der Hamburger Schüler-Streitschlichtung.
Jetzt hat er neue Leitungs-Aufgaben übernommen und
wechselt in andere Bereiche der Schulbehörde. Wir danken
ihm für seine Arbeit in den letzten Jahren und wünschen
ihm alles Gute in seiner neuen Tätigkeit.
Seit über 20 Jahren hat Peer Kaeding im
Bereich Streitschlichtung gearbeitet, seit 10
Jahren war er zuständiger Ansprechpartner für
das Thema in der Hamburger Schulbehörde.
Er hat Multiplikatoren ausgebildet, Schulen
bei der Einführung und bei Stolperstellen der
Streit­­schlichtung beraten, Konzepte entwickelt
und weitergeführt und seine Begeisterung für
Mediation und diese Form der Schulentwicklung
auf viele übertragen.
Landesschulrat Norbert Rosenboom und Dr. Christian Böhm dankten Peer Kaeding bei den
Streitschlichtungs­tagen für sein Engagement und seine Leistung.
Lieber Peer Kaeding, wir alle werden „Deine“ Streitschlichtung weiter hegen und pflegen,
damit es viele Früchte gibt – sie wird nicht untergehen.
Wechsel bei den Personen, Beständigkeit in der Arbeit: Die Steuergruppe Streitschlichtung
bleibt bestehen und die Schulen werden weiterhin mit den gewohnten Unterstützungs­
leistungen und Fortbildungsangeboten versorgt.
Fotos vom den 10. Streitschlichtungstagen im Rathaus
Ein Hoch auf unsere wundervollen
Moderatorinnen und Moderatoren
Workshops der Schülerinnen und Schüler
professionell, einfühlsam und mit tollen
Spielideen durchführen, sicheren Stand im
Strudel der sich bildenden Gruppen bewahren,
Gruppen sicher durch das Labyrinth des LI
leiten, Türen bewachen und charmant allen
Kaffeebechern und Butterbroten den Zugang
verwehren, bunte Zettel an lange Leinen
tackern, mit Gruppen die Ergebnisse analysieren,
beim Aufräumen kräftig zupacken – Unsere
Moderatorinnen und Moderatoren können
einfach alles und das mit viel Charme. Ob die
Mediationsausbildung auch einen Teil dazu
beigetragen hat?
Herzlichen Dank an:
Christina, Gregor, Hanifah, Jens, Lars, Lauriene, Lisa, Marina, Marlen, Nadine, Rosi, Tammo
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Highlights der 12. Hamburger Streitschlichtungstage
• Moderation der Veranstaltung: Tanja Witten, ikm Hamburg
• Stark durch Kooperation:
Die Hamburger Schüler-Streitschlichtung und die Streitschlichtungstage sind eine Koope­
ration von: Beratungsstelle Gewaltprävention/Behörde für Schule und Berufsbildung, Institut
für konstruktive Konfliktaustragung und Mediation (ikm) und Unfallkasse Nord/Prävention.
• Geschenke zum Erleben: THEATER
25.6.2014: „Wenn Wolfram wüsste …“ –
Theaterstück zum Thema Gewaltfreie Kommunikation, eine Kooperation von tribüHne
Theater, Lübeck und Die Spieler, Hamburg
26.6.2014: „Mit mir nicht!“ –
neue Szenen aus einem Theaterstück zu Cybermobbing mit Laura Bleimund
• Erfahrungen ausgetauscht – Anregungen mitgenommen
Workshops der Streitschlichterinnen und Streitschlichter
• Es geht noch besser – Streitschlichtung weiterentwickelt im Austausch
Workshop der Lehrkräfte
• Energie getankt: Imbiss für alle
• Streitschlichtung – eine besondere Leistung:
Würdigung und Verleihung von Urkunden durch Landesschulrat Norbert Rosenboom und
Dr. Christian Böhm, Leiter der Beratungsstelle Gewaltprävention, Behörde für Schule und
Bildung Hamburg
• Wir! Wir! Wir! - Der bunte, laute, lebendige Abschluss
12. Hamburger Streitschlichtungstage
25./26. Juni 2014
Behörde für Schule und Berufsbildung
Institut für konstruktive Konfliktaustragung und Mediation
Beratungsstelle
Gewaltprävention
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Geschenke zum Erleben – Theateraufführungen als
Dankeschön
„Wenn Wolfram wüsste …“
Theaterstück zum Thema Gewaltfreie Kommunikation mit Britta Daniel, Cornelia Koch,
Lotte Lottmann. Eine Kooperation von tribüHne Theater, Lübeck und Die Spieler, Hamburg
Fast eine Welt-Uraufführung – na ja, immerhin einige Szenen nach der Premiere am Tag zuvor!
Das weltweit erste Theaterstück für Kinder, das das Modell der Gewaltfreien Kommunikation
nach Marshall Rosenberg spielerisch vermittelt, war zu Gast bei den Streitschlichtungstagen!
Putzi Munter hat alle Hände voll zu tun.
Mit dem Saugen unseres Saals, durch
den immer wieder das Kommando „Füße
hoch“ schrillt. Dann mit den Lehrerinnen
Frau Wollknäuel und Frau Pappmaché,
die sich immerzu streiten. Dabei waren
sie mal beste Freundinnen. Bis eines
Tages... Ja, was ist da eigentlich passiert?
Und warum mischt sich Wolfram, der
Wolf, immer in alles ein? Zum Glück hat
Putzi Munter ja ihre Rosy, die Giraffe mit
dem großen Herzen. Kann sie den beiden
helfen?
Das Stück zeigt wie Gefühle, Bedürfnisse
und Bitten ausgedrückt werden können,
ohne den Anderen anzuklagen oder zu
kritisieren und wie unvoreingenommen
gehört wird, was der Andere sagen
möchte. Das Modell der Gewaltfreien
Kommunikation ist eine innere Haltung,
die unsere Verschiedenartigkeit als
Chance für persönliches Wachstum sieht.
Es spielten Britta Daniel, Cornelia Koch,
Lotte Lottmann. Wegen der Fast-Premiere
waren auch dabei Imke Trommler,
Regie, Anja Herden, Text, Elke Kaminski,
Kostüme und Puppen.
Es gab viele inspirierende und wertschätzende Rückmeldungen der Kinder und der
Erwachsenen. Es ist ein Stück für Grundschulen, das im Klassenzimmer aufgeführt und
besprochen wird.
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„Mit mir nicht!“
Theaterstück von Janny Fuchs mit Laura Bleimund
Das Theaterstück „Mit mir nicht“ zeigt, wie schnell
aus „Spaß“ Ernst werden kann, bitterer Ernst, kleine
Handlungen plötzlich Lawinen erzeugen, die niemand
mehr stoppen kann. Mit den elektronischen Medien
erreicht auch Mobbing eine neue Qualität: Alles geht
noch schneller, viel mehr Personen sind beteiligt, mehr
Lebensräume sind einbezogen – für das Opfer eine
ausweglose Situation.
Wie schon im Vorjahr verfolgten die
Jugendlichen im vollbesetzen Saal
gebannt die Erlebnisse von MarieLuise, 15 Jahre alt. Diesmal gab es
neue Szenen aus ihrem Leben, das
sich blitzschnell von „normal“ in einen
Horrorfilm wandelte. Gegenangriffe,
Suche nach Verbündeten – ein Strudel
von Mobbing und Gewalt entsteht,
der das Mädchen allmählich zu
zerstören droht.
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Am Anfang gab es noch verhaltenes Lachen und
wissendes Grinsen über die Hänseleien und „Scherze“–
vieles hatten die Schüler selbst schon erlebt – aktiv
wie passiv. Als die Ereignisse aus der Hassgruppe
gegen Marie-Luise sich überschlagen und die Nerven
des Mädchens allmählich versagen, wird es still im
Saal. Entsetzen, Mitgefühl, Nachdenklichkeit ist in den
Gesichtern der Schülerinnen und Schüler zu lesen.
Die Spannung entlädt sich nach dem
Theaterstück in einem intensiven
Nachgespräch mit der Schauspielerin
Laura Bleimund. Die Jungen und
Mädchen äußern ihre Gedanken,
Gefühle, Überlegungen und
Erfahrungen, sich zu schützen.
Eines ist für alle klar: Ohne Hilfe von
anderen kann niemand eine solche
Situation bewältigen.
Das Theaterstück bei den
Streitschlichtungstagen war ein
Ausschnitt aus dem Stück, das in
Klassenzimmern aufgeführt und
dann gemeinsam besprochen wird.
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Erfahrungen ausgetauscht –
Anregungen mitgenommen:
Workshops der Streitschlichterinnen und Streitschlichter
Die Workshops zum Erfahrungsaustausch der Streitschlichterinnen und Streitschlichter sind
das Herzstück der beiden Kongress-Tage.
Woran erkennt man
Kompetenz? Zum Beispiel
daran, wie sich in wenigen
Minuten der vollbesetzte
Saal zu kleinen nach Schulen
gemischten Gruppen formiert,
die im Gänsemarsch in die
Seminarräume ziehen. Geht
das ohne Einteilung durch die
Erwachsenen? Ja!
Auf Kommando von der Bühne verwandelt sich die
Masse der Schülerinnen und Schüler zuerst in ein
buntes wuseliges Knäuel, Strömungen zu den im Raum
verteilten orange Schildern der Moderatoren entstehen,
kurze Rückmeldungen zwischen Bühne und Moderatoren
laufen. „OK, die Gruppe von Rosi kann losgehen“, „Jens
hat noch 5 Plätze“, „Bei Hanifah sind sieben Leute zu
viel, OK Marina übernimmt, ihr geht dann auch“
Alle Erwachsenen, die jemals einen Kongress besucht
haben, staunen hier über Disziplin und Flexibilität.
Hartes Arbeitsprogramm in den Workshops.
Erfahrungsaustausch, strukturiert durch Leitfragen,
Benotung der Streitschlichtung an der eigenen
Schule, Ideen zur Verbesserung, Training einer liveStreitschlichtung und zwischendurch Bewegung
und Spiele, um wieder locker zu werden.
Die Teilnehmenden sind dabei wirkliche
Expertinnen und Experten. Sie zeigen
im Austausch untereinander gute und
auch neue Methoden für die Praxis der
Mediation. Die Moderatorinnen und
Moderatoren berichten, dass sie ein
großes Maß an Reflektion sehen. Viele
Streitschlichterinnen und Streitschlichter
sagen sehr klar, was an ihren Schulen gut
läuft und was sie empfehlen, wenn Kritik
angebracht ist, um für den Erfolg der Arbeit
Verbesserungen in die Wege zu leiten.
So hatten nicht nur die Großen, sondern
besonders die Kinder aus der Grundschule
klare Ideen und Forderungen in Richtung
der Lehrkräfte, Schulleitungen und Eltern
zur Verbesserung ihrer gemeinsamen Arbeit
und Stärkung für diese ehrenamtliche
Arbeit.
Zum Abschluss schreiben oder malen alle auf farbige Blätter, warum sie
Streitschlichtung gut finden – die bunten Zettel kommen aus den Gruppen ins Plenum
und alle sehen sie zum Abschluss des Tages.
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Meilensteine und Stolpersteine
Workshop der Lehrkräfte
Die Streitschlichtertage dienen nicht nur den Schülerinnen und Schülern,
sondern auch den vielen Anleitenden. Sie organisieren die Betreuung vor
Ort, bil­den aus und leiten die Besprechungen. Dies sieht oft einfacher aus als
es ist. Viele Schritte sind nötig bis die Streitschlichtung wirklich voll in einer
Schule angekommen ist. Und dies muss auch über die Mühen des Alltags
immer aufrechterhalten werden.
Durch die Fortbildung im Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulent­
wick­lung bekommen alle das nötige Wissen für einen Kurs an der Schule
und auch die Checkliste, wie denn Streitschlichtung eingeführt wird.
Streitschlichtung ist nun in Hamburg bereits im zweiten Jahrzehnt angekommen und so blicken wir
auf Erfahrungen einer ersten Generation mit der alles anfing und vielen, die in den letzten Jahren in
das Feld hineinwachsen.
Allen bringt es Zugewinn. In den Workshops der beiden Tage
wurde benannt, dass die zum Teil sehr hohe Akzeptanz und die
konstante Arbeit über 10 Jahre die ganz großen Meilensteine
sind. So hat die Streitschlichtung eine hohe Präsenz in der
Schulkultur. Erreicht wird dies die eine visuelle Präsenz wie
Streitschlichter T-Shirts oder die Vermittler Büros mitten auf
dem Schulhof untergebracht in einem Bauwagen. Die Kollegen
der ersten Stunde erinnerten sich, dass ganz viele sagten, „in
einem Bauwagen, wie in der Mitte auf dem Markplatz und das
soll gehen…“. Und genau der Mut, der solche ungewöhnlichen
Orte hervor gebracht hat, trägt über Jahre und Jahrzehnte den
Erfolg.
Ganz direkt ist sicher die Leistung der Kolleginnen und Kolle­gen
vor Ort zu sehen, wenn in den Workshops die Meilen­steine
beleuchtet werden, wie gut das soziale Klima sich entwick­elt
hat, wie hoch die Motivation der Kinder ist und wie viel immer
wieder auf Würdigung und Ehrung Wert gelegt wird. Das
Projekt macht allen wirklich viel Spaß, die Kinder lernen ausgiebig Kommunikation und setzen sie
ein, arbeiten mit kreativen Medien wie den „Gefühlsmonster Karten“ und kommen auch damit
zurecht, wenn der Wahlpflichtkurs als Lernfeld genutzt wird.
Interessante Modelle sind, die Streitschlichterteams
im Klassenrat, Begleitung von Klassenreisen durch die
Vermittlerexperten wie auch die vielen Patenmodelle.
Besonders trägt die Ausbildung zur Motivation bei und
wenn dabei auch zwei Kursleiterinnen oder Kursleiter
mitwirken können.
Große Fortschritte sehen die Teilnehmenden, wenn
die Schülerinnen und Schüler weitere Qualifikationen
bekommen und sich mit der Gewaltprävention beschäf­
tigen. Sie entwickeln mehr Methoden zum Handeln,
erweitern ihr Wissen und entwickeln eigene Ideen und
Forderungen. „Verantwortungsübernahme“ bedeutet dies
im übertragenen Sinn und ganz viel Partizi­pation wie auch
aktive Teilhabe war aus diesen Berichten zu entnehmen.
Dabei kommt auch das Kollegium nicht zu kurz. Gerade die Sensibilisierung trägt erheblich zur
Verbreiterung bei. Nur so kann sich eine „positive Autorität“ der Streitschlichtenden entwickeln.
Wenn stattdessen die Erwachsenen zu oft alleine eingreifen, nehmen sie das System nicht ernst
und gefährden es. „Nichts ist schlimmer, wenn zu den gut ausgebildeten
Leuten kaum einer kommt, die Kunden weg­bleiben, weil jemand vorher den
Strom gestoppt hat. Und Konflikte gibt es nun wirklich genug!“
Wenn so große im System liegende Dinge bewältigt sind, bleiben doch im
Alltag noch genug Stolpersteine. Weiterhin rangiert die Raumnot ganz oben.
Auch der Ort der Ausbildung wie im Wahlpflichtbereich ist nicht immer eine
gute Lösung. Streitschlichtung braucht Zeit und Raum – von daher hat die
Unterstützung durch die Schulleitung oberste Priorität. Sie sorgt für den
nötigen Rahmen, für die Freistellung der Kollegen und die „WAZ Stunden“
ohne die nichts geht. An einigen Schulen gibt es konkrete Listen, was alles
zur Streitschlichtung gehört und wie dies mit den WAZ Stunden bewältigt
werden kann. Hiervon sollen unbedingt mehr Schulleitungen Kenntnis erhalten, um die bereits
investierten Ressourcen nicht zu „verbrennen“, so dass sich alles in Rauch auflöst oder über das
Maß aus der „Quelle des Engagement“ geschöpft wird.
Streitschlichtung bleibt bei entsprechender Pflege ein großer Schatz. Dieses sogenannte
„Humankapital“ bringt einer Schule nicht nur gute Öffentlichkeit. Es zeigt sich, dass im System
von den so verschiedenen Gruppen, einzelnen unterschiedlichen Menschen ein Grundvertrauen
aufgebaut werden kann. Gelingt dies auf einem guten Niveau, werden Streitschlichterinnen
und Streitschlichter in der Schule und
darüber hinaus „berühmt“ und im positiven
Sinn anerkannt, weil alle dazu beitragen.
Anonymität, zu wenig Lob, Verschiebung
der Probleme von der Sache zur Person
und die fehlende Prise Herzlichkeit sind die
Gegenstücke. Sie erschweren den Alltag
und schaffen viele Konflikte, die nicht mehr
lösbar scheinen. Allen voran unter den
Erwachsenen.
Streitschlichtung zeigt: Dies geht anders!
So fielen die Themenwünsche auch
entsprechend an den beiden Tagen aus:
Stärkere Vernetzung mit der allgemeinen Präventionsarbeit, weitere Präventionsmethoden,
Partizipation, Übungen und Fallbeispiele zum Lernen an alle weiter geben, Arbeit mit den Eltern
intensivieren und Rolle der Kolleginnen und Kollegen klären.
Ein Ziel: Vorbild für die Schüler und Schülerinnen werden, indem auch die Erwachsenen sich
aktiv an der Konfliktvermittlung beteiligen. So gibt es genügend Konflikte auch im Kollegium,
unter Eltern wie auch zwischen einzelnen dieser Gruppen. Konflikte
sind schließlich normal. Wie großartig wäre eine Verbreitung der
Methode von Erwachsenen selbst und schulinternen Mediatorinnen
und Mediatoren! So wie auch eine Zusammenarbeit mit dem Stadtteil
erfolgen könnte, wenn von da ein Vermittler kommt und bei der großen
Verfügbarkeit aktuell wäre dies sicher auch leistbar. Ein Vorhaben mit viel
Zukunftsmusik. Vorerst steigt weiterhin der Bedarf nach Ausbildungs­
plätzen in den beiden Kursen für die Lehrerfortbildung, weil viele neue
Schulen dazu kommen so wie im Wechseln der Generation junge Kräfte
aus den Kollegien in die Arbeit professionell reinwachsen. Sicher sehen
wir 2015 viele neue Gesichter!
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Streitschlichtung – eine besondere Leistung:
Würdigung und Verleihung von Urkunden durch
Landesschulrat Norbert Rosenboom und Dr. Christian Böhm
25.6.2014 Grundschul-Tag
Einer war traurig, dass er kurzfristig absagen musste, einer freute sich. Landesschulrat
Norbert Rosenboom strahlte, dass er Senator Ties Rabe vertreten „musste“, der an einer
kurzfristig einberufenen Senatsklausur teilnehmen musste. Herr Rosenboom würdigte das
Engagement und die Leistung der Schülerinnen und Schüler und der Pädagoginnen und
Pädagogen, die die Streitschlichter ausbilden und betreuen. Sichtlich genoss er – selbst früher
Lehrer und Schulleiter – den Kontakt zu den quirligen Kindern. Und ein paar Autogramme gab
er dann auch noch bereitwillig.
Lieber Herr Rosenboom, leider war das Ihr letzter offizieller Besuch bei unseren Streit­
schlichtungstagen, weil Sie bald in Ruhestand gehen. Wir bedanken uns ganz herzlich bei
Ihnen für Ihre Unterstützung über all die Jahre. Wir konnten immer mit Ihnen rechnen.
DANKE !
26.6.2014 Sekundarstufen-Tag
Dr. Christian Böhm weiß so gut wie kaum einer, wie Konflikte
und Gewalt das Schulleben beeinflussen können und wie wichtig
Prävention ist. Er leitet die Beratungsstelle Gewaltprävention in der
Schulbehörde.
Ihm tat es sichtlich gut zu sehen, wie viele „Mitstreiter/innen“ er
für die Präventionsarbeit hat – faszinierend volle Säle mit Power
ausstrahlenden Kindern, Jugendlichen und pädagogischen Fachleuten.
Herr Dr. Böhm würdigte die Streitschlichterinnen und Streitschlichter
der Sekundarstufe – junge Menschen in einer sehr wichtigen Lebens­
phase. Eines war auch für ihn klar: Diese Arbeit lohnt sich für alle.
Wer sorgt dafür, dass es weniger
Streit an Hamburgs Schulen gibt?
Wir! Wir! Wir!
Das Finale der Streitschlichtungstage bringt den Saal
noch einmal zum Beben.
Beim großen Abschlussritual ziehen alle an einem
Strang. Streitschlichterinnen und Streitschlichter,
Lehrer/innen, Erzieherinnen, Sozialpädagogen/innen,
die Moderatoren/innen der Workshops, Ehrengäste
und das Veranstaltungsteam sind durch das lange
Band verbunden. Auf den vielen bunten Blättern haben
die Kinder und Jugendlichen geschrieben, warum sie
Streitschlichtung machen und gut finden.
Wie immer zum Abschluss der Streitschlichtungstage
fliegen diese bunten Fahnen über unseren Köpfen.
Drei Fragen werden vom ganzen Saal laut und fröhlich
beantwortet – auf dass die Welt erfahre, welche klasse Leute hier sind:
Wer sind die Hamburger Streitschlichter?
Wer sorgt dafür, dass es weniger Streit an den Schulen gibt?
Wer geht jetzt nach Hause?
WIR – WIR – WIR
Es ist klasse, sich als Teil einer großen Bewegung zu spüren. Mediation/ Streitschlichtung
hat gute Chancen in Hamburg. Die Schulen leisten ihren Beitrag, der die Zukunft in Hamburg
mitgestaltet. Auch für die Steuergruppe waren es gute und wichtige Tage der Ermutigung.
DANK an alle – Große und Kleine!
Die Planung für 2015 läuft
schon.
Tschüss bis nächstes Jahr
Euer Team von der
Steuergruppe
Dr. Christian Böhm,
Elke Fontaine,
Dieter Lünse
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Anwesende Schulen
Mittwoch, 25.6.2014
Adolph-Diesterweg-Schule, Grundschule Alsterdorfer Straße, Schule An der Seebek, Schule
Am Sooren, Grundschule Arnkielstraße, Grundschule Brockdorfstraße, Schule Lämmersieth,
Schule Langbargheide, , Grundschule Mümmelmannsberg, Schule Neuberger Weg,
Grundschule Neurahlstedt, Schule Kamminer Straße, Schule Rahlstedter Höhe,
Schule Rellinger Straße, Rodolf-Roß-Grundschule, Schule am See, Schule Surenland,
Schule Auf der Uhlenhorst, Stadtteilschule Winterhude
Donnerstag, 26.6.2014
Albert-Schweitzer-Schule, Alexander-von-Humboldt-Gymnasium, Brecht Schule Hamburg,
Charlotte-Paulsen-Gymnasium, Erich-Kästner-Stadtteilschule, Geschwister-Scholl-Stadtteil­
schule, Gymnasium Dörpsweg, Gymnasium Hamm, Helmut-Schmidt-Gymnasium,
Ida-Ehre-Schule, Julius-Leber-Schule, Kurt-Tucholsky-Stadtteilschule, Stadtteilschule
Lohbrügge, Schule Maretstraße, Matthias-Claudius-Gymnasium, Gymnasium Meiendorf,
Niels-Stensen-Gymnasium, Stadtteilschule Niendorf, Gymnasium Ohlstedt, Gymnasium
Ohmoor, Gymnasium Othmarschen, Otto-Hahn-Stadtteilschule, Rudolf-Steiner-Schule
Bergstedt, Rudolf-Steiner-Schule Nienstedten, Stadtteilschule am Hafen, Stadtteilschule
Süderelbe, Stadtteilschule Stüvenhofer Weg,
Kontakt
Beratungsstelle Gewaltprävention
Felix-Dahn-Str. 3, 20357 Hamburg, 040/ 428 842 930
gewaltpraevention@bsb.hamburg.de
www.hamburg.de/gewaltpraevention/streitschlichtung/
Institut für konstruktive Konfliktaustragung und Mediation e.V.
An der Alster 40, 20099 Hamburg, 040/ 2800 6852
info@ikm-hamburg.de, www.ikm-hamburg.de
Unfallkasse Nord Schleswig-Holstein Hamburg
Spohrstraße 2, 22083 Hamburg, 040/ 27153 -220
elke.fontaine@uk-nord.de, www.uk-nord.de
Das Hamburger Streitschlichtungs-Logo kann angefordert
werden unter: gewaltpraevention@bsb.hamburg.de
Impressum
Redaktion: Elke Fontaine
Fotos: Elwira Zalewska, Jens Hannewald (Tschüss Peer Kaeding)
Layout: Jochen Möhle
Druck: Behörde für Arbeit, Soziales, Familie und Integration, Hamburg
Auflage: 1000
Hamburg, Oktober 2014
Behörde für Schule und Berufsbildung
Beratungsstelle
Gewaltprävention
Institut für konstruktive Konfliktaustragung und Mediation
Behörde für Schule und Berufsbildung
Beratungsstelle
Gewaltprävention
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