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Editorial
„Humor ist der Knopf, der verhindert,
dass uns der Kragen platzt.“
Joachim Ringelnatz (1883–1934)
Ein Sonntag ist kein Werktag. Dementsprechend leger und locker lässt man
diesen Tag meist angehen. Leckere Brötchen, ein, zwei, drei gute Tassen Kaffee –
Entspannung pur. Wäre da nicht der – ebenfalls obligatorische – Blick in die Tageszeitung. Obwohl Sonntagszeitungen ja tendenziell eher die schöneren Dinge des
Lebens in den Fokus der Berichterstattung stellen, über Reiselust, Ausflugstipps
und Kulinarisches philosophieren, kommt es schon mal vor, dass sich die ernsten
Themen des Lebens hineinschleichen in die weiche, friedliche Welt des sonntäglichen Frühstückseis. Nichts schlimmer als sonntags mit Alltäglichem konfrontiert zu
werden. Dafür ist doch schließlich schon immer der Montag zuständig gewesen!
So muss sich der Leser nicht nur mit Syrien, Salafisten und Seuchen beschäftigen.
Nein, auch Themen aus der Region, dem Land und dem Bund bringen den Organismus sonntags rasant in Wallung und führen dazu, dass man schneller wach
wird als einem eigentlich lieb ist.
Da lässt dann nicht nur „der Hacker“ im „Smart Home“ das komplette Heizsystem
„explodieren“. Nein, auch „Windräder“ werden als das entscheidende Maß der
Dinge für die Energiewende hingestellt, gerade so, als wären sie das mächtigste
Stellglied für ein Mehr an Erneuerbaren Energien und ein Weniger an CO2-Emissionen. Ganz nach dem Motto: Die Windspargel werden es schon richten. Gänzlich
in Wallung dürfte der Leser schließlich nach der Lektüre der „Efeu-Novelle“ sein:
In Baden-Württemberg z. B. will die grün-rote Landesregierung nämlich ihr umweltpolitisches Profil schärfen und Bauherren künftig dazu verpflichten, Fassade
oder Dach zu begrünen, wenn das Gebäude keinen Garten hat.
Da bleibt nur zu hoffen, dass a.) der Leser nicht in Baden-Württemberg wohnt,
b.) der Leser ein freistehendes Einfamilienhaus mit üppigen Busch-, Baum- und
Grasflächen besitzt und c.) diese „grandiose Idee“ nicht Schule macht im Rest der
Republik.
Irritiert und zur Beruhigung beißt der Leser ins Rosinenbrötchen und wundert sich:
Was ist da eigentlich nur los? Warum kommen solche Ideen tatsächlich ans Tageslicht? Warum müssen sich Bürger ernsthaft mit solchen „Themen“ auseinandersetzen? Wann kehrt Vernunft ein? Wann wird endlich ein schlagkräftiger und bunt
gemischter „Arbeitskreis“ gebildet, der keine unrealistischen Rahmenbedingungen festlegt oder großspurige Fantasieziele steckt, sondern wirklich etwas erreichen will und kann?
Das Rosinenbrötchen hat jedenfalls nicht geholfen. Dieser Tage und auch sonntags
braucht der Mensch vor allem eines: Humor!
Jörg Gamperling
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Seele and Geist
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