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Devisentelegramm 24.03.2015

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LRin Gertraud Jahn: Unterstützung von Eltern bei Mobbing in Schule und Internet
INFORMATION
zur Pressekonferenz
mit
Sozial-Landesrätin Mag.a Gertraud Jahn
und
Mag.a Christine Winkler-Kirchberger
Kinder- und Jugendanwältin OÖ.
am 27. Oktober 2014
zum Thema
"Unterstützung für Eltern: Was tun bei Mobbing in der
Schule und im Internet?
Pilotprojekt für Vorschulkinder „Kinderrechte im Kindergarten"
Pressekonferenz am 27. Oktober 2014
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LRin Gertraud Jahn: Unterstützung von Eltern bei Mobbing in Schule und Internet
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Sozial-Landesrätin Mag.a Gertraud Jahn
Die Kinder- und Jugendanwaltschaft / KiJA OÖ als weisungsfreie Einrichtung des Landes
Oberösterreich hat den gesetzlichen Auftrag, Kinder und Jugendliche sowie deren
Bezugspersonen zu beraten, die Interessen von Kindern und Jugendlichen zu vertreten und
über ihre Rechte zu informieren.
25 Jahre Kinderrechte weltweit und 25 Jahre Gewaltverbot in Österreich
Kinder- und Jugendrechte sind eine besondere Gruppe von Menschenrechten – speziell und
ausschließlich für junge Menschen unter 18 Jahren. Der Begriff „Kinderrechte“ alleine ist
verkürzend und kann zu Missverständnissen führen, denn es geht immer um Kinder und
Jugendliche bis zum 18.Lebensjahr. Die Allgemeinen Menschenrechte gelten für alle
Menschen, egal welchen Alters. Kinder und Jugendliche haben darüber hinaus noch
spezifische Bedürfnisse, die in den Kinderrechten berücksichtigt sind. Menschenrechte
werden nicht verliehen, sie sind kein Gnadenakt, man kann sie auch nicht verlieren, selbst
wenn man sich „ungebührlich verhält“.
Die Stellung von Kindern und Jugendlichen in der Gesellschaft hat sich über die
Jahrhunderte stark gewandelt und die Idee, dass Kinder nicht erst als Erwachsene Anspruch
auf Respekt haben, ist noch gar nicht so alt. „Das Kind wird nicht erst Mensch, es ist
Mensch!“ erklärte der polnische Pädagoge Janus Korczak Anfang des 20. Jahrhunderts. Am
20. November 1989 schließlich hat die Generalversammlung der Vereinten Nationen die
„Konvention über die Rechte des Kindes“ angenommen; der 20. November wird deshalb
auch als „Internationaler Tag der Kinderrechte“ begangen. Auch das Verbot von Gewalt in
der Erziehung in Österreich feiert heuer seinen 25. Geburtstag: damit ist Österreich nur einer
von 34 Staaten weltweit, die körperliche Bestrafung von Kindern verbieten. Dennoch
werden auch in Österreich täglich Kinderrechte verletzt, denn nur 30 Prozent der Eltern
geben an, ihr Kind gewaltlos zu erziehen. „Dass Kinder und Jugendliche Gewalt erleben, ist
noch immer Alltagsrealität: nicht nur in der Familie, sondern auch in der Schule und im
Internet. Auch hier gilt es, gegen Gewalt aufzutreten. Es kann in diesem Zusammenhang
nicht genug Aufklärung geben. Um dem Thema Gewalt vorbeugend und wirkungsvoll zu
begegnen, ist es notwendig, dass auf breiter Ebene Maßnahmen gesetzt werden. Gemeinsam
müssen wir Mobbing zum Thema machen und wirksame Wege zur Vorbeugung gehen und
den Betroffenen helfen, wenn es notwendig ist!" so Jahn.
Pressekonferenz am 27. Oktober 2014
LRin Gertraud Jahn: Unterstützung von Eltern bei Mobbing in Schule und Internet
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„Um Kinder auf schwierige Lebenssituationen vorzubereiten und Eskalationen bei
familiären Krisen sowie Gewalt in der Schule und im Internet zu vermeiden, bedarf es
nachhaltiger Informations- und Präventionsarbeit, die Kontinuität und Qualität erfordert.
Wir brauchen starke und selbstbewusste Kinder, die die Rechte anderer achten und eigene
Grenzen ziehen, und den Mut haben, über ihre Gefühle zu sprechen“, so die
oberösterreichische Kinder- und Jugendanwältin Christine Winkler-Kirchberger.
Im Jubiläumsjahr „25 Jahre Kinderrechtskonvention und 25 Jahre Gewaltverbot in der
Erziehung“ verstärkt die Kinder- und Jugendanwaltschaft OÖ ihre Hilfen und
Präventionsangebote:
Pilotprojekt „Kinderrechte im Kindergarten“
„Weißt du, jeder Mensch hat Rechte – und wir sind alle Menschen“;
so fasst der 5-Jährige Manuel seine Erkenntnis zusammen.
So wie Manuel können auch andere Kinder im Vorschulalter schon sehr gut Inhalte der UNKinderrechtskonvention verstehen und mit ihren eigenen Worten beschreiben. Die
Kinderrechte bieten Werte für eine kinderfreundliche und zugleich zukunftsfähige
Gesellschaft, in der die Würde des Einzelnen unantastbar ist.
Nachdem die KiJA OÖ schon seit vielen Jahren sehr erfolgreich und stark nachgefragt im
Schulbereich mit ihren Präventionsangeboten – von Workshops über Theaterpädagogik –
präsent ist, startet nunmehr im November das österreichweit erste präventive Projekt
„Kinder haben Rechte“ im Vorschulbereich. Kinder werden dabei in altersgerechter Form
über Kinderrechte informiert. An zwei Präventionstagen erarbeitet eine qualifizierte
Mitarbeiterin der KiJA OÖ durch Theaterstücke, Spielimpulse und kreative Methoden das
Thema gemeinsam mit den Kindern. Die Eltern werden über die präventive Wirkung der
Inhalte informiert, die Pädagog/innen erhalten Ideen für die weitere Vertiefung. Ziel ist es,
Kinder zu stärken, das Zusammenleben zu erleichtern und das Thema „Kinderrechte“ ins
Bewusstsein aller Beteiligten zu rücken.
Materialen, wie etwa das Malbuch „Kinder haben Rechte“, werden von der KiJA zur
Verfügung gestellt. Die rund 80 Präventionstage im einjährigen Projektzeitraum sowie die
begleitenden Elternabende werden evaluiert. Die Angebote sind für die Kindergärten
kostenlos.
Informationsfolder „Kinderrechte im Kindergarten“ als Download im Anhang
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LRin Gertraud Jahn: Unterstützung von Eltern bei Mobbing in Schule und Internet
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Gemeinsam mit Eltern gegen Mobbing an Schulen und im Internet
Von Mobbing, ob in der Schule oder/und im Internet, kann jedes Kind betroffen sein. Es ist
daher besonders wichtig, dass Eltern diese Tatsache bewusst im Auge behalten. Vater
und/oder Mutter sind in den meisten Fällen als wichtigste familiäre Bezugsperson/en
gefordert, Mobbing rechtzeitig zu erkennen, ernst zu nehmen und beizutragen, es zu
unterbinden. Denn: Wenn Mobbing auftritt, ist es notwendig, dass das Kind Unterstützung
erlebt! Ab sofort verstärkt die KiJA OÖ ihre umfassenden Informationen und Hilfen für
Eltern zum Thema Mobbing durch:
Oberösterreichweite Elternabende
Individuelle Elternberatung
Die Publikation „Was tun bei Mobbing in der Schule? Informationen für Eltern“
Elternpublikation „Was tun bei Mobbing in der Schule?“ als Download im Anhang oder
kostenlos zu bestellen unter kija@ooe.gv.at
Schwerpunkte der KiJA-Beratungstätigkeit
Die individuellen Hilfen der KiJA sind in den vergangenen fünf Jahren um rund 30 Prozent
auf etwa 3.200 Beratungen jährlich angestiegen.
Thematisch haben sich die Hilfen rund um Mobbing vor den Beratungsschwerpunkt rund
um Trennung, Scheidung, Obsorge und Kontaktrecht geschoben. An dritter Stelle folgen
Fälle von familiärer Gewalt, Vernachlässigung und sexuellem Missbrauch. Weitere häufige
Themen sind Eltern-Kind-Konflikte und Erziehungsfragen, die oftmals mit der Problematik
der psychischen Gewalt, insbesondere in Überforderungssituationen, korrelieren.
So wie Leon. Leon ist zwölf Jahre alt und ein eher stiller Junge. Er wird in seiner Klasse
gehänselt und ausgelacht. Im Turnunterricht wird er immer als Letzter in eine Mannschaft
gewählt. Tobi spricht auch nicht mehr mit ihm, und er hat Leon als Einzigen aus der Klasse
nicht zu seiner Geburtstagsparty eingeladen. Mit der Zeit wird Leon zur Zielscheibe in
seiner Klasse. Es werden Gerüchte über ihn verbreitet, Deospray wird auf sein Pausenbrot
gesprüht, und sein Handy ist eines Tages verschwunden.
Seine Mitschüler nennen ihn „Streuselkuchen“ wegen seiner Pickel im Gesicht. Leon zieht
sich immer mehr zurück. Im Unterricht meldet er sich nicht mehr, aus Angst von den
anderen ausgelacht zu werden. Seine Leistungen lassen stark nach.
Zuhause verbringt er die meiste Zeit in seinem Zimmer vor dem Computer. Nach dem
Wochenende klagt er über Bauch- und Kopfschmerzen und will nicht zur Schule gehen.
Leon spricht weder mit seinem Klassenlehrer noch mit seinen Eltern über die Situation. Er
möchte sie nicht belasten, hat Angst, dass alles noch schlimmer wird, falls sie etwas
unternehmen, und außerdem: Was könnten sie schon tun?
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LRin Gertraud Jahn: Unterstützung von Eltern bei Mobbing in Schule und Internet
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Die KiJA-Mobbing- und Gewaltpräventionsstelle
Mobbing- und Gewaltprävention an Schulen erreicht eine große Anzahl von Kindern,
Jugendlichen und Erwachsenen. Die KiJA-Mobbing- und Gewaltpräventionsstelle hat sich
ganz darauf spezialisiert und bietet seit sieben Jahren oberösterreichweit Hilfestellung und
Begleitung an.
Die Fokussierung auf Workshops wurde von einem breit gefächerten Präventions- und
Interventionsangebot auf allen sozialen Ebenen des „Systems Schule“ abgelöst.
Übersicht über die jährlichen Leistungen:
Rund 300 Workshops zu Gewaltprävention, Konfliktlösung und
Kinderechten mit Schulklassen.
Mehr als 1.000 Einzelfallhilfen: Beratung von Kindern, Jugendlichen und
Bezugspersonen.
Etwa 15 Fortbildungen für Pädagog/innen (in Kooperation mit den Pädagogischen
Hochschulen des Bundes und der Diözese) und für Multiplikator/innen (zB
Schulsozialarbeiter/innen oder Schulärzt/innen).
Zertifiziertes Schulentwicklungsprogramm "respect@school".
Der Masterlehrgang "Gewaltprävention" in Kooperation mit der Pädagogischen
Hochschule der Diözese Linz ist diesen Herbst gestartet.
Publikationen für Kinder, Jugendliche, Multiplikator/innen und Eltern.
Hinter jeder Zahl steht individuelles Leid
Auch wenn aktuelle Untersuchungen bestätigen, dass Jugendgewalt abnimmt: Wachsende
soziale Unterschiede und die neuen Medien verschärfen die Situation für einzelne
Jugendliche und bergen neue Risikofaktoren. Es gibt mehr Brutalität bei einzelnen
Gewalttaten, die von einer geringen Zahl (und von immer jünger werdenden) Gewalttätern
ausgeübt werden.
Eine Studie im Auftrag der Kinder- und Jugendanwaltschaft (durchgeführt von IMAS) ergab
2013, dass für 14- bis 16-Jährige die Schule und der Schulweg die Orte sind, wo sie am
häufigsten mit Gewalt konfrontiert werden. 18% gaben an, Angst vor Mitschülern zu haben.
12% haben niemanden, an den sie sich wenden können, wenn sie in der Schule oder auf dem
Schulweg angestänkert oder bedroht werden oder Gewalt erleben.
In einer Studie der Weltgesundheitsorganisation der Vereinten Nationen (WHO) wurden
Schüler/innen aus 35 Ländern zu Gewalthandlungen befragt. 35 % der Schüler/innen
zwischen 13 und 15 Jahren gaben an, in den letzten Monaten zumindest einmal an Mobbing
beteiligt gewesen zu sein. Über 10 % sind regelmäßig von Mobbinghandlungen betroffen.
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Im Vergleich zwischen den 35 Ländern liegt Österreich in allen Altersgruppen im oberen
Drittel.
Der Einsatz und die Anonymität der neuen Medien verschärft die Situation, Cyber-Mobbing
findet im Internet öffentlich, also vor einer großen Gruppe von Zuseher/innen und oft auch
Mittäter/innen, statt.
Jede/r fünfte Schüler/in war schon von Beleidigungen, Beschimpfungen und Gerüchten im
Internet und durch neue Medien betroffen, jede/r zehnte von herabsetzenden und
bloßstellenden Fotos und Videos. Je 5% der Betroffenen wurden im Internet mit Gewalt
bedroht und von Freundesgruppen ausgeschlossen.
Wer ist betroffen?
Von Mobbing betroffen sind Personen nicht deshalb, weil sie über besondere, individuelle
Eigenschaften verfügen. Gefährdet, zum Mobbingopfer zu werden, sind Menschen vor allem
dann, wenn zwei Dinge zusammen kommen: Wenn sie erstens anders sind als es die
dominierende Gruppe vorgibt und wenn sie sich zweitens nicht wehren (weil sie das nicht
wollen oder nicht können).
Wie entsteht (Cyber-)Mobbing?
Mobbing und Gewalt verursachen tiefes, nachhaltig wirkendes Leid. Das Vertrauen in
zwischenmenschliche Beziehungen wird zerstört. Es isoliert Menschen und macht sie krank.
Mobbing kann bis zum Selbstmord, zu Gewalt bis hin zu Mord führen.
Mobbing wird immer noch verharmlost. Es fängt häufig harmlos an, besteht zunächst aus
einzelnen und dann aus immer häufigeren „scheinbaren“ Kleinigkeiten. Es bezieht immer
mehr Personen ein, wird immer rücksichtsloser und brutaler. Und es hört nicht von selbst
auf.
Eine entwickelte Mobbingsituation ist ein klares Täter/in-Opfer-Verhältnis. Eine oder
mehrere in der konkreten Situation überlegene Person/en schikanieren, belästigen,
beschimpfen, demütigen, beschämen eine oder mehrere unterlegene Person/en.
Das Ziel von Mobbing ist die soziale Ausgrenzung.
So wie Stefanie. In der Schule kommt es immer wieder zu Diebstählen. Die
Nachforschungen ergeben vorerst nichts Konkretes, doch Gerüchte gibt es viele.
Schließlich wird auch im schuleigenen Blog und auf Facebook die 15-jährige
Stefanie direkt belastet.
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Diese beteuert auch gegenüber der Direktorin und der Polizei ihre Unschuld. Sie
wird in der Schule zunehmend geächtet. Dem Informatiklehrer gelingt es zwar, die
schulinternen Postings einzudämmen und auch die Verantwortlichen zur Rede zu
stellen, doch auf die Computer zuhause und das Internet hat er keinen Einfluss.
So verlagern sich die Beschimpfungen und Diffamierungen auf Facebook. Die
Schülerin verzweifelt zunehmend. Niemand glaubt ihr. Sie hatte schon vorher
wenige Freunde, aber nun ist sie völlig isoliert. Ihre Eltern sind ratlos und
unterschätzen den Leidensdruck ihrer Tochter. Obwohl es keine Beweise gegen sie
gibt hören die Beschuldigungen im Netz nicht auf.
Zuletzt wechselt die Schülerin die Schule. Die Diebstähle gehen weiter und die
Ermittlungen führen schließlich zu einem schulfremden Täter. Es gibt keine
Klarstellung oder Entschuldigung gegenüber Stefanie wegen der falschen
Beschuldigungen. In der neuen Schule und auf Facebook tauchen bald wieder neue
Gerüchte und Beleidigungen gegenüber Stefanie auf...
Auch das Strafrecht soll künftig bei Cyber-Mobbing stärker greifen. Zur strafrechtlichen
Erfassung hat nun eine Arbeitsgruppe des Justizministeriums einen Gesetzesvorschlag
unterbreitet:
"Wer eine Person im Wege der Telekommunikation oder unter Verwendung eines
Computersystems längere Zeit in ihrer Privatsphäre verletzt, ist mit Freiheitsstrafe
bis zu einem Jahr zu bestrafen. Hat die Tat einen Selbstmord oder versuchten
Selbstmord zur Folge, droht eine Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren.“
Bei Jugendlichen selbst bewirken Strafverschärfungen alleine wenig. Dennoch ist aus Sicht
der KiJA die Schaffung dieser Rechtsnorm wichtig und aufgrund der zunehmenden
gravierenden Fälle auch notwendig. Das Wichtigste wird es aber sein, besonders bei jungen
Menschen, die Aufklärung im Vorfeld zu verstärken.
Aktuelle Entwicklungen aufgreifen und Bewusstsein schaffen
Mit der weiten Verbreitung von Cyber-Mobbing wandeln sich sehr schnell die Spielarten.
Unter dem Begriff „Sexting“ nimmt die Veröffentlichung von Nacktbildern zu und damit
auch die missbräuchliche Verwendung. Immer wieder werden hierbei die Handlungen der
Betroffenen selbst gegen diese benutzt. Bei Cyber-Mobbing und speziell bei der Verbreitung
von Nacktfotos hat der Kommunikationsdienst WhatsApp inzwischen Facebook „überholt“.
Der Dienst wird häufig von Jugendlichen zur raschen und einfachen Streuung von Bildern
mit sexuellem Inhalt verwendet.
Als "Grooming" wird die Kontaktanbahnung im Internet (häufig unter einer falschen
Identität) mit dem Ziel der sexuellen Belästigung bzw. des Missbrauchs bezeichnet. Bei
einer Jugendbefragung im Auftrag der KiJA OÖ (IMAS 2013) konnten nur wenige
Jugendliche etwas mit dem Begriff „Grooming“ anfangen, allerdings gaben 15% der
Befragten an, im Laufe des vergangenen Jahres schon einmal von fremden Personen im
Pressekonferenz am 27. Oktober 2014
LRin Gertraud Jahn: Unterstützung von Eltern bei Mobbing in Schule und Internet
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Internet auf sexuell orientierte Weise angesprochen worden zu sein. Mädchen waren davon
doppelt so oft betroffen wie Burschen. Lediglich 39% von diesen Betroffenen haben sich
deswegen an eine Vertrauensperson gewandt, fast zwei Drittel haben mit niemandem
darüber gesprochen. Dies zeigt, dass hier die Hemmschwelle, sich Unterstützung zu suchen,
noch sehr groß ist, weitere Aufklärung ist daher erforderlich.
Theater sensibilisiert junge Menschen
Um junge Menschen für einen verantwortungsbewussten Umgang mit den neuen Medien zu
sensibilisieren hat die KiJA OÖ aus der Praxis heraus Fälle „auf die Bühne“ gebracht. Mit
Theaterpädagogen und Regisseuren wurden zwei Stücke, eines für Kinder und eines für
Jugendliche ab 12 Jahren, zum Thema Cyber-Mobbing, Sexting, Grooming und Privatsphäre
entwickelt.
Die Stücke „Fangnetz“ und „Kinder haben Rechte auch im Netz“ wurden im vergangenen
Schuljahr im Rahmen einer oberösterreichischen Regionaltour unter dem Motto „Total
vernetzt“ von mehr als 17.000 Schüler/innen besucht.
Aufgrund der starken Nachfrage und Aktualität wurde erstmals ein Programm von „KiJA on
Tour“ verlängert, auch dieses Schuljahr stehen wieder einige Aufführungen für Schulen am
Programm.
Durch
Abendtermine
soll
auch
Kindern
und
Jugendlichen
in
Sozialpädagogischen Einrichtungen als neue wichtige Zielgruppe der Besuch ermöglicht
werden.
Folder KiJA on Tour „Total vernetzt“ reloaded unter www.kija-ooe.at
Wie kann bei Mobbing geholfen werden?
Mobbingprävention heißt Hilfe zur Selbst-Bemächtigung, zur Selbstbestimmung, zur
Eigenverantwortung, heißt Lebenskompetenz und Lebenskraft stärken, Bedürfnisse
eigenverantwortlich zu vertreten, Ohnmacht und Einflusslosigkeit zu überwinden,
Fähigkeiten und Talente wahrzunehmen und zu nutzen.
Mobbingintervention heißt zunächst und vor allem, Mobbinghandlungen sofort zu stoppen,
die Betroffenen zu schützen und zu stärken und die Täter/innen (wertschätzend) zu
konfrontieren. Die „Kultur des Mobbings“ lebt
von der Personalisierung und
Geheimhaltung. Es empfiehlt sich daher, die Verantwortung aller zu thematisieren und
Pressekonferenz am 27. Oktober 2014
LRin Gertraud Jahn: Unterstützung von Eltern bei Mobbing in Schule und Internet
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Mobbing öffentlich zu machen. Erst danach ist es möglich, zugrunde liegende Konflikte zu
bearbeiten.
Der gesamte Interventionsprozess ist von dem Anliegen getragen, zukünftiges Leiden und
weitere Opfer zu verhindern und den verursachten Schaden am sozialen Miteinander
wiedergutzumachen. Es geht darum, bei allen Beteiligten soziale Kompetenz und ein Gespür
für die Verletzlichkeit ihres Gegenübers zu fördern.
Die gute Vernetzung mit dem Schul- und Kinderbetreuungs- sowie dem Gesundheitsbereich,
den Gerichten und der Polizei sowie der Kinder- und Jugendhilfe (vormals Jugendwohlfahrt)
und ihren Einrichtungen hat sich in Oberösterreich bewährt.
Vor allem mit der Schulsozialarbeit und den Trägerorganisationen der Plattform
Gewaltprävention besteht eine effiziente Zusammenarbeit.
Mobbingintervention an Schulen heißt deshalb vor allem mit fünf Gruppen zu arbeiten:
Die Lehrkräfte sind im Sinne einer „Ethik des Führens“ zentral verantwortlich für
das soziale Miteinander.
Die Opfer gilt es zu schützen und zu stärken. Sie in ihre Kraft, immer wieder auch in
eine andere nicht verletzende Aggression, zu begleiten.
Bei den Täter/innen geht es vor allem darum, Empathie zu ermöglichen, sie
wertschätzend zu konfrontieren und ihre Aggressionen in eine andere
nichtschädigende Kraft umzuwandeln.
Die vielen Ermöglicher/innen sollen sich ihrer Möglichkeiten der Intervention
bewusst werden, Verantwortung übernehmen und eingreifen.
Die Eltern sollen ihre Kinder liebevoll unterstützen, dort wo es notwendig ist
konfrontieren und gemeinsam mit ihren Kindern und den Schulpartnern die
Vorgangsweise besprechen und koordinieren.
Nur gemeinsam mit allen Beteiligten kann Mobbing und Gewalt in der Schule und im
Internet nachhaltig entgegengewirkt werden.
Materialien
Elternpublikation „Was tun bei Mobbing in der Schule?“ als Download im Anhang
Informationsfolder „Kinderrechte im Kindergarten“ als Download im Anhang
Weitere Informationen, Publikationen und Presse-Downloads unter www.kija-ooe.at oder
kostenlos zu bestellen unter kija@ooe.gv.at
Kinder- und Jugendanwaltschaft OÖ
Kärntnerstraße 10, 4021 Linz, Telefon: 0732/7720/14001 oder Mobil: 0664/180 82 20
kija@ooe.at, www.kija-ooe.at, www.facebook.com/kija.ooe
Pressekonferenz am 27. Oktober 2014
Bei Interesse nehmen Sie bitte Kontakt auf ...
Christiane Derra
Kinder- & Jugendanwaltschaft OÖ
Kinderrechtliche Prävention Elementarpädagogik
Kärntnerstraße 10, 4021 Linz
T. 0732 7720 -140 01, F.-DW 214 077
M. 0650 416 28 85
kija.elementar@outlook.at
www.kija-ooe.at, www.facebook.com/kija.ooe
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Weitere Informationen: Leitfaden für Pädagog/innen unter www.kija-ooe.at.
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2014
Präventionstage
im Kindergarten
individuell – altersgerecht – kostenlos
Wer wir sind ...
Unser Angebot ...
Die Kinder- und Jugendanwaltschaft OÖ (KiJA) ist eine weisungsfreie Einrichtung des
Die Präventionstage umfassen zwei Vormittage (8–12 Uhr) im Abstand von etwa einer
Landes Oberösterreich, die sich für die Rechte der Kinder und Jugendlichen im gesamten
Woche pro Gruppe. Es ist möglich, die Präventionstage nur in einer oder einem Teil der
Bundesland einsetzt.
Gruppen einer Einrichtung durchzuführen.
Zielgruppe: ab 3 Jahre
Sie ist Sprachrohr für Heranwachsende und vertritt deren Interessen auf politischer
und gesellschaftlicher Ebene.
Ablauf der beiden Präventionstage:
1. Impulstheater für die gesamte Gruppe (Inhalte s. u.)
Der gesetzliche Auftrag der Kinder- und Jugendanwaltschaften ist, auf die Umsetzung
der Kinderrechte zu achten und diese in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Als Basis
2. Anschließend gibt es die Möglichkeit, für die Kinder am „Kinderrechte-Tisch“ das
Erlebte je nach Interesse kreativ, spielerisch und im Dialog zu vertiefen.
dient die „UN Konvention über die Rechte des Kindes“.
Was wir wollen ...
Präventiv arbeiten, um Kinder zu stärken und das Zusammenleben zu erleichtern.
Das Thema Kinderrechte ins Bewusstsein rücken.
Präventionstag I:
„Kinderrechte entdecken“
Präventionstag II:
„Kinderrechte erforschen“
Die Kinder erleben, wie die Puppe KiJA
Die Kinder erfahren, was KiJA auf ihrer
erfährt, dass es Kinderrechte gibt, einen
Entdeckungsreise erlebt hat. Sie setzen
Experten zum Thema kennenlernt und
sich mit wichtigen Aspekten zum Thema
auf eine spannende Entdeckungsreise
auseinander und stellen eigene Über-
geschickt wird.
legungen dazu an.
Inhalt: Was sind Rechte? Woher kommen
Kinderrechte? Wie lauten die wichtigsten
Kinderrechte?
Elterninformationsabend
Der Vortrag „Kinder haben Rechte“ kann im Rahmen der Präventionstage oder auch
einzeln gebucht werden (Dauer ca. 1,5 Stunden).
Damit die Auseinandersetzung mit dem wichtigen Thema „Kinderrechte“ über die Präventionstage hinaus nachhaltig wirken kann, erhalten Pädagoginnen und Pädagogen im
Vorfeld und Anschluss verschiedene Impulse.
Was tun
bei Mobbing
in der Schule?
Informationen für Eltern
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Vorworte
01
Was brauchen Kinder?
03
Mythen, Meinungen und Fakten über Mobbing
06
Gemeinsam gegen Mobbing in der Schule
Kinder brauchen Liebe, Orientierung, Freiräume und Sicherheit. Dies auch in der Schule und bei der Erkundung ihrer
sozialen Welt. Leider werden Kinder in wachsendem Ausmaß Opfer von Mobbing und Gewalt – auch in unseren Schulen.
Umso wichtiger ist es, dass es professionelle und kompetente Einrichtungen gibt, die wertvolle Hilfe im Umgang mit Ge-
Wie und wo entsteht Mobbing?
09
walt anbieten und konstruktive Konfliktlösungsansätze aufzeigen.
Mobbing ist der systematische Versuch einer sozialen Ausgrenzung, ein negatives gesellschaftliches Phänomen, dem
Was können Sie vorbeugend/präventiv gegen Mobbing tun?
11
wir gemeinsam entgegenwirken müssen. Neue Medien und wachsende soziale Unterschiede bergen zusätzlich neue
Was können Sie konkret tun?
12
Diese Broschüre gibt uns wertvolle Ratschläge, wie wir als Eltern, Lehrer/innen und Bezugspersonen unsere Kinder unter-
Cyber-Mobbing
16
Nur gemeinsam können wir wirksam sein – die Zusammenarbeit mit der Schule
18
Hilfe & Rat
19
Empfehlenswerte Literatur – eine kleine Auswahl
20
Impressum
U3
Risikofaktoren für die Häufigkeit und die Formen von Mobbing und Gewalt an Schulen.
stützen können, wie wir Mobbing möglichst früh erkennen können, um so die Dynamik zu unterbrechen und zu stoppen.
Gemeinsam müssen wir Mobbing zum Thema machen, wirksame Wege der Vorbeugung beschreiten und den betroffenen
Kindern und Jugendlichen helfen.
In unseren Schulen erwerben unsere Kinder nicht nur Faktenwissen – sie sollen auch das Zusammenleben in gesellschaftlicher Vielfalt erlernen, wie man Konflikte gewaltfrei bewältigt und solidarisch füreinander einsteht.
Wir wünschen uns, dass diese Broschüre von vielen gelesen wird und unsere gemeinsamen Anstrengungen gegen
Mobbing an unseren Schulen wirkungsvoll sind.
Dr. Josef Pühringer
Mag.a Gertraud Jahn
Landeshauptmann
Sozial-Landesrätin
Das können Sie als Eltern für Ihr Kind tun
Was brauchen Kinder?
03
„Die Jugend liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die
Autorität, hat keinen Respekt vor älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten soll.
Die jungen Leute stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten.
Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei
Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer.“
Sokrates zugeschrieben (470–399 v. Chr.)
Liebe Mutter, lieber Vater,
sehr geehrte Damen und Herren,
alle Kinder und Jugendlichen haben das Recht, Schule im Beisammensein mit Gleichaltrigen als Ort der Begegnung zu
Was tut Kindern gut? Was macht sie stark und rücksichtsvoll zugleich? Und was können wir Eltern dafür tun?
erleben, an dem sie frei von Angst ein stabiles Selbstwertgefühl aufbauen können.
Was brauchen Kinder?
Allerdings kann die Erfahrung, ausgegrenzt, gedemütigt, schikaniert und geschlagen zu werden, diesen Weg erheblich
gefährden.
Da Mobbing in jeder Schule vorkommen kann, ist es besonders wichtig, dass Sie diese Tatsache bewusst im Auge
behalten. Sie sind daher als Eltern gefordert, Mobbing rechtzeitig zu erkennen, ernst zu nehmen und zu unterbinden.
Orientierung
Kontrolle
Denn:
Bindung
Liebe
Resonanz
Wenn Mobbing auftritt, ist es notwendig, dass Ihr Kind Unterstützung erlebt!
Zeigen Sie Ihrem Kind, dass es Hilfe gibt, damit es merkt: Es muss nichts hinnehmen, was ihm schadet!
Um Ihnen eine Handlungs- und Orientierungshilfe zu geben, haben wir für Sie diese Broschüre erstellt.
Selbstwirksamkeit
Freiräume
Sicherheit
Schutz
Diese gibt Ihnen Antworten auf zentrale Fragen zum Thema Mobbing in der Schule.
Konkrete Maßnahmen zur Vorbeugung und Vermittlung runden das Informationsangebot ab.
// Liebe, gegenseitige Achtung und Respekt sind der Anfang von allem. Wer sein Kind liebt, fördert das Selbstgefühl und
den Selbstwert des Kindes. Die bedingungslose Gewissheit, dass es jemanden gibt, der mich liebt, zu dem ich jeder-
Scheuen Sie sich nicht, sich bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft OÖ (KiJA) über Mobbing zu informieren!
zeit kommen kann und der versucht, mich zu verstehen, ist die Voraussetzung, um Vertrauen in sich und seine Umwelt
Im Bedarfsfall sind wir gerne für Sie da!
gewinnen zu können. Jedes Kind braucht Liebe und Respekt. Insofern ist Erziehung vor allem Beziehung.
// Besonders jüngere Kinder brauchen die Hilfe und den Schutz der Erwachsenen. Sie müssen in Geborgenheit und
Sicherheit aufwachsen können.
// Ein Kind, das sich geliebt und geschützt fühlt, wird viele Dinge besser meistern. Umso eher, je mehr es selbst auspro-
Mag.a Christine Winkler-Kirchberger
bieren kann, je größere Freiräume und Eigenverantwortung ihm seine Eltern gewähren.
Kinder- und Jugendanwältin des Landes OÖ
// Kinder brauchen fixe Regeln und Rituale. Klare Grenzen geben ihnen Orientierung, Sicherheit und Halt. Jedes Zusammenleben, jede soziale Ordnung lebt von gegenseitiger Wertschätzung und Rücksichtnahme. Von Rechten und
Pflichten. Von gemeinsamen Regeln und Absprachen. Regeln, die erklärt und begründet und je nach Alter gemeinsam
erarbeitet werden. Wer Regeln verletzt, der muss auch Folgen spüren.
04 Was brauchen Kinder?
Was brauchen Kinder?
05
All das ist nicht immer einfach auf einen Nenner zu bringen. Es stellt hohe Anforderungen an uns als Erwachsene und
... Letzte Woche kam Sarah ganz traurig vom Spielplatz nach Hause und erzählte mir, dass sie sich mit Anne und Marie
Eltern. Wir sind die wichtigsten Vorbilder für unsere Kinder! Der Lohn unserer Bemühungen werden selbstbewusste
gestritten habe und die beiden Mädchen nun ohne sie zur nahen Pferdekoppel gegangen sind. Sarah hat mir so leid-
und respektvolle Kinder und Jugendliche sein.
getan. Ich bin gleich losgefahren, habe Anne und Marie gesucht, mich für Sarah entschuldigt und die Mädchen gebeten,
dass Sarah mit ihnen zu den Pferden gehen darf. …“
Selbstbewusst werden Kinder dann, wenn sie sich in sich einfühlen und eine sichere Identität entwickeln können. Wenn
sie das Gefühl haben, selbst etwas bewirken zu können. Wenn ihnen Verantwortung übertragen wird und ihre Leistungen
gewürdigt werden.
Klaus, 41, Vater von Paul:
Selbstgefühl
„Es ist schwierig mit unserem 13-jährigen Sohn Paul. Der Ärger beginnt meist schon am Morgen. Da Paul nicht rechtzeitig aufsteht, im Bad und beim Frühstück herumtrödelt, passiert es ihm sehr häufig, dass er den Schulbus versäumt.
Ich werde dann wütend, beschimpfe Paul sehr lautstark und naja – es bleibt mir nichts anderes übrig und ich fahre ihn
Liebe
Erwünscht-Sein
Ein positives
Körperbild
dann mit dem Auto zur Schule. Genauso ist es beim Lernen. Obwohl wir ihm immer wieder nahelegen, dass er den
Stoff mitlernen soll, beginnt er erst einen Tag vor der Schularbeit damit. Er ist dann überfordert und versetzt die ganze
Familie in Stress. Ich halte ihm vor, dass er nicht mitlernt, schimpfe mit ihm, und wenn ich dann nicht den ganzen Abend
mit ihm lernen würde, hätte er nur Nicht genügend. Aber am allerschlimmsten ist die Sache mit seinem Computer. Wir
haben vereinbart, dass Paul seine PC-Spiele erst nach den Hausaufgaben spielen darf. Wenn ihn meine Frau daran er-
Gespräche und
Anerkennung
Soziale und emotionale
Basiskompetenzen
innert, gibt er freche Antworten, schreit herum, knallt mit den Türen und schließt sich in seinem Zimmer ein. Meine Frau
ruft mich dann meistens ganz verzweifelt und ratlos in der Arbeit an. Jetzt hat mich auch noch die Schule angerufen
und zu einem Elterngespräch eingeladen. Paul war heute in der Pause in eine Rauferei verwickelt und hat dabei einen
Schulkollegen verletzt ...“
Nehmen Sie sich Zeit für Ihr Kind, hören Sie zu, glauben und vertrauen Sie. Fördern Sie die Stärken Ihres Kindes und interessieren Sie sich für ihre/seine FreundInnen und seine Freizeitgestaltung. Vermeiden Sie, dass Ihre Kinder im Fernsehen
Wie respektvoll und rücksichtsvoll gehen Sie mit sich und anderen um?
oder bei Spielen ständig mit Gewalt konfrontiert sind.
Wie gehen Sie mit eigenen Aggressionen und Wut um?
Leben Sie gewaltfreie Konfliktlösungen vor?
Lehnen Sie jede Form von Gewalt in Ihren Beziehungen und in der Erziehung Ihres Kindes ab!
Welchen Erziehungsstil befürworten Sie?
Durch Kontakt, Beziehung, einen liebevollen, respektvollen Umgang und einen wertschätzenden Austausch ist die Wahr-
Freiheit ohne Grenzen?
scheinlichkeit, dass Ihr Kind Gewalt erleidet oder zum/r Gewalttäter/in wird, geringer. Kinder, die geliebt werden, die sich
Grenzen ohne Freiheit?
ernst genommen fühlen, Vertrauen zu sich und der Umwelt aufbauen und Sicherheit erfahren, sind eher fähig, selbstbe-
Freiheit mit Grenzen!
wusst ihre Meinung zu vertreten und sich gegen Gewalt und Ausgrenzung zu wehren.
Braucht Ihr Kind mehr von Ihrer Zeit und Ihrer Zuwendung?
Braucht Ihr Kind eindeutige Regeln und klare Grenzen?
Elisabeth, 34, Mutter von Sarah:
Hat Ihr Kind ausreichend Möglichkeiten, Verantwortung zu übernehmen?
„Der Schulwechsel ist nicht einfach für unsere zehnjährige Sarah. Sie ist ein sehr zartes, schüchternes Mädchen, das
Trauen Sie Ihrem Kind genug zu?
sehr viel Unterstützung von mir braucht. Um ihr die Umstellung zu erleichtern, fahre ich Sie jeden Tag mit dem Auto zur
Schule und hole sie auch wieder ab. Ich habe das Gefühl, dass sie der Schulweg mit dem Zug und dem Schulbus über-
Kinder haben das Recht auf Schutz vor jeder Form von Gewalt, auf körperliche und seelische Unversehrtheit.
fordern würde. Außerdem kommen wir früher nach Hause, und Sarah hat dann mehr Zeit zum Lernen vor dem Ballett-
Die Würde des Kindes ist – so wie die Würde jedes Menschen – unantastbar.
und Klavierunterricht. Manchmal spielt Sarah mit zwei Schulkolleginnen, die in unserer Nachbarschaft wohnen. ...
Wir Eltern haben die Verantwortung für das Wohlergehen unserer Kinder.
06 Mythen, Meinungen und Fakten über Mobbing
Mythen, Meinungen und Fakten über Mobbing
07
„Heute spricht jeder gleich von Mobbing, früher gab es so etwas nicht!“
erniedrigen. Mobbing fängt meist harmlos an: Es gibt einzelne Meinungsverschiedenheiten, die häufen sich, dann geht
Mobbing ist ein viel benütztes Modewort, das oft leichtfertig verwendet
es zunehmend weniger um Inhalte, sondern um die eine Person, immer mehr SchülerInnen werden in die Konflikte ein-
wird. Es ist wichtig zu wissen, was sich hinter diesem Begriff tatsächlich
bezogen. Ein Machtungleichgewicht entsteht. Ein Kind hat Macht über ein anderes, das sich nicht wehren will oder kann
verbirgt, um Mobbing so früh wie möglich zu erkennen, die Dynamik zu
und für das eine Konfliktlösung aus eigener Kraft nicht mehr möglich ist. Vorurteile werden geschürt, ein Feindbild wird
unterbrechen und zu stoppen.
geschaffen.
Wenn Sie an Ihre eigene Schulzeit zurückdenken: erinnern Sie sich an
Das verletzende und demütigende Verhalten läuft verdeckt und/oder offen ab, mit der Absicht, den Unterlegenen zu
eine Schülerin oder einen Schüler, die/der ständig sekkiert, gehänselt,
schädigen. Die Abwertung, die Erniedrigung wird zum Alltag. Die Betroffenen werden entmenschlicht und ausgegrenzt.
verspottet, beschimpft, geschlagen oder ausgegrenzt wurde?
Zunächst aus der Clique oder Gruppe, dann aus der Klasse, schließlich aus der Schule.
Das Handy wird versteckt, die Federschachtel ruiniert, man wird gestoßen, geschlagen oder angespuckt, keiner spricht
„Es ist gar nicht schlimm. Es ist doch nur Spaß!“
mit einem in der Pause, man wird ausgelacht und mit Spitznamen gedemütigt, falsche Gerüchte werden verbreitet, es
Mobbing ist keine Kleinigkeit. Es besteht aus vielen „scheinbaren“ Kleinigkeiten. Sieht man die einzelnen Mobbinghand-
werden abwertende sexuelle Bemerkungen gemacht, im Internet werden peinliche Fotos veröffentlicht …
lungen allerdings in ihrer Gesamtheit, wird klar, welches Leid es verursacht. Mobbing hat Folgen für alle Beteiligten.
Mobbing schwächt den Selbstwert, erniedrigt, macht hilflos und isoliert. Es zerstört das Vertrauen in zwischenmenschli-
Mobbing hat viele Gesichter. Die Summe von Gemeinheiten, die ständig und wiederholt gegen die von Mobbing betroffe-
che Beziehungen. Mobbing kann bei den Betroffenen zu Konzentrationsproblemen, Leistungsabfall, zu Schulangst und
nen Kinder und Jugendlichen gerichtet sind, hat eine gemeinsame Wirkung. Sie verletzen die Würde des Betroffenen und
zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Mobbinghandlungen können die Entwicklung eines Kindes beeinträchtigen, das
das Vertrauen in zwischenmenschliche Beziehungen und machen ihr/ihm das Leben in der Klasse unerträglich.
Immunsystem schwächen, Schlafstörungen verursachen und bis zum Suizid führen.
GEMEINSAM – GEMEINSEIN – EINSAM
„Meinem Kind kann das nicht passieren …“
Mobbing und Gewalt haben viele Ursachen. Mobbing hängt nicht von Äußerlichkeiten oder individuellen Besonderheiten
Mobbing hat es schon immer gegeben. Neu ist nur der Begriff dafür, der aus dem Englischen (mob = Pöbel, anpöbeln)
eines Kindes ab. Unter den Betroffenen gibt es SchülerInnen mit guten oder schlechten Noten, mit oder ohne Brillen oder
abgeleitet ist. Zugleich ist der Begriff Mobbing eine Präzisierung. Was ist Mobbing und was ist es nicht?
Zahnspangen, dicke, dünne, große, kleine …
Mobbing kann JEDE/N treffen, auch Ihr Kind – als Betroffene/n, als Täter/in oder als Zuschauer/in!
Wenn zwei gleich starke Schüler miteinander streiten oder raufen, oder wenn einzelne vorübergehende Konflikte vor-
Viel wichtiger als individuelle körperliche oder sonstige Besonderheiten sind die Normen und Regeln der Gruppe. Gefähr-
kommen, so ist das kein Mobbing. Kinder sollen lernen, Konflikte auszutragen, sich durchzusetzen und nachzugeben.
det sind Kinder, welche die vorherrschenden Werte der dominierenden SchülerInnen oder der dominierenden Gruppe ei-
Konflikte gehören zum Alltag und sind eine Möglichkeit, die eigenen Grenzen und die Grenzen anderer kennen und
ner Klasse nicht erfüllen wollen oder können. Wenn zum Beispiel viele MitschülerInnen sportbegeistert sind, ein Einzelner
respektieren zu lernen.
aber nicht, kann er zum Mobbingopfer werden.
Mobbing bietet keine solchen Möglichkeiten! Wir sprechen von Mobbing dann (und nur dann), wenn negative, andere
Besonders gefährlich wird es für Kinder, wenn zu diesem „Anders-Sein“ noch ein zweiter Faktor hinzukommt: wenn sich
schädigende, abwertende, beschämende, erniedrigende, beleidigende … Handlungen
dieses Kind nicht wehrt. MobbingtäterInnen suchen sich in der Regel möglichst „leichte“ Opfer. Kinder, von denen wenig
oder kein Widerstand zu erwarten ist.
// über einen längeren Zeitraum,
// ganz systematisch gegen eine bestimmte Person und
„Ich habe eh nicht mitgemacht!“
// immer und immer wieder, bei jeder sich bietenden Gelegenheit getätigt werden.
Man kann bei Mobbing nicht nicht beteiligt sein. Mobbing ist kein Schicksalsschlag. Es fällt nicht vom Himmel. Mobbing
wird ermöglicht. Von den MitmacherInnen. Den MitlacherInnen. Von den AufwieglerInnen und ApplaudiererInnen. Von
Das Ziel von Mobbing ist die soziale Ausgrenzung.
den Zu- und WegschauerInnen. Den VerharmloserInnen. Alle, die in der Klasse sind und mit der Klasse zu tun haben,
wissen Bescheid, was tagtäglich mit den Betroffenen passiert. Und viele Erwachsene wissen zumindest ganz genau,
„Wer gemobbt wird, ist doch selber schuld!“
ab wann sie nicht mehr wissen wollen, was genau passiert – im Unterricht, in den Pausen, auf dem Schulweg, in der
Mobbing ist kein Problem eines Einzelnen, sondern ein soziales (gesellschaftliches, beziehungs- und gruppendynami-
Freizeit …
sches) Phänomen. Mobbing ist Erhöhung durch Erniedrigung. Einer oder mehrere erhöhen sich, indem sie einen anderen
08 Mythen, Meinungen und Fakten über Mobbing
LehrerInnen
DirektorIn
Wie und wo entsteht Mobbing?
09
ErmöglicherInnen
Die Ursachen von Mobbing sind immer vielschichtig und von Fall zu Fall
unterschiedlich. Es gibt keine einfachen Ursache-Wirkung-Zusammenhänge
und keine einfachen Erklärungen.
Folgende Fragen können zur Klärung der möglichen Ursachen beitragen:
TäterIn
Wer mobbt?
Wer erfahren hat, dass er mit rücksichtslosem Verhalten seine Ziele erreicht
Wer sich stark, mächtig und überlegen fühlt
AssistentInnen
Mobbingrollen
Wem keine Grenzen gesetzt werden, wem alles erlaubt ist
HelferIn
Betroffene/r
Wer sich hilflos und überfordert fühlt – und keinen anderen Weg sieht
EinzelgängerIn
Wer wird gemobbt?
Wer anders ist, den dominierenden Gruppennormen nicht entspricht
Die von Mobbing Betroffenen leiden vor allem darunter, dass ihnen niemand hilft. Sie fühlen sich allein- und im Stich
Wer sich – aus welchen Gründen auch immer – nicht wehrt
gelassen.
Warum wird gemobbt?
Wenn es gelingt, dass die ErmöglicherInnen in die Verantwortung gehen und Mobbing- und Gewalthandlungen ablehnen
Es gibt einem das Gefühl der Macht und Überlegenheit
und stoppen, dann ist es für die TäterInnen kaum mehr möglich, sich auf Kosten einer/s anderen zu erhöhen.
Es bringt einem Aufmerksamkeit und einen hohen sozialen Status
Es ist lustig und macht Spaß
Wer wegschaut oder weggeht, wer sich Mobbing gegenüber gleichgültig verhält, der ermöglicht Mobbing!
Es vertreibt die Langeweile
Die (Un-)Kultur des Mobbing und der Gewalt lebt von der Personalisierung und der Geheimhaltung. Eine Kultur des Ein-
Aktuelle Untersuchungen bestätigen, dass Jugendgewalt abnimmt. Auch wenn die Berichterstattung in vielen Medien
greifens verhindert Mobbing. Verantwortungsübernahme und Öffentlichkeit entziehen Mobbing und Gewalt die Grundlage.
einen anderen Eindruck erweckt: Schwere körperliche Gewalt ist selten. Mobbing hingegen ist eine weitverbreitete Form
von Gewalt an Schulen.
„Warum hat mir mein Kind nichts davon erzählt?“
Mobbing steht meist im Zeichen des Schweigens. Viele der Betroffenen schämen sich. Die Opfer haben Angst vor den
Wachsende soziale Unterschiede und die neuen Medien verschärfen die Situation für einzelne Jugendliche und bergen
Tätern und befürchten, dass auch Erwachsene ihr Leid nicht verstehen und sehen, geschweige denn beenden können.
neue Risikofaktoren für die Häufigkeit und die Formen von Mobbing und Gewalt an Schulen. Es gibt mehr Brutalität bei
Oder dass alles noch schlimmer wird. Sie fühlen sich nicht ernst genommen, wollen den Eltern keine Sorgen bereiten
einzelnen Gewalttaten, die von einer geringen Zahl (und von immer jünger werdenden) Gewalttätern ausgeübt werden.
und haben durch die ständigen Demütigungen schon selbst das Gefühl, dass sie an ihrer Situation schuld seien und mit
Eine Studie im Auftrag der Kinder- und Jugendanwaltschaft ergab 2013, dass für 14- bis 16-Jährige die Schule und der
ihnen etwas nicht stimmt.
Schulweg die Orte sind, wo sie am häufigsten mit Gewalt konfrontiert werden. 18 % gaben an, Angst vor Mitschülern zu
haben.
Selbst etwas zu verändern ist für die Betroffenen oft schwierig. Andere zu Hilfe holen auch. Vor allem deshalb, weil man-
Jede/r fünfte SchülerIn war schon von Beleidigungen, Beschimpfungen und Gerüchten im Internet und mit neuen Medien
che immer noch glauben, Hilfe holen sei dasselbe wie petzen. Aber wenn ein Stärkerer gegen einen Schwächeren, wenn
betroffen, jede/r zehnte von herabsetzenden und bloßstellenden Fotos und Videos. Je 5 % wurden im Internet mit Gewalt
mehrere gegen einen, wenn Überlegene gegen Unterlegene vorgehen – dann hat das nichts mit Petzen zu tun. Hilfe holen
bedroht und von Freundesgruppen ausgeschlossen.
kann jede/r.
In einer Studie der Weltgesundheitsorganisation der UNO (WHO) wurden SchülerInnen aus 35 Ländern zu Gewalthand„Mobbing geht wieder von allein vorbei“
lungen befragt. 35 % der SchülerInnen zwischen 13 und 15 Jahren gaben an, in den letzten Monaten zumindest einmal
Mobbing hört nicht von selbst auf. Im Gegenteil, es wird immer stärker und eskaliert – wenn nicht eingegriffen wird.
an Mobbing beteiligt gewesen zu sein. Über 10 % sind regelmäßig von Mobbinghandlungen betroffen. Im Vergleich
Wer mobbt, braucht Widerstand, wer gemobbt wird, braucht Unterstützung!
zwischen den 35 Ländern liegt Österreich in allen Altersgruppen im oberen Drittel.
10 Wie und wo entsteht Mobbing?
Was können Sie vorbeugend/präventiv gegen Mobbing tun?
Mobbing entsteht dort, wo es entstehen und geschehen darf!
Kinder, die geliebt werden, denen vertraut wird, deren Fähigkeiten und
11
Talente gesehen und gefördert werden, die ihre Gefühle wahrnehmen
Mobbing tritt immer dort auf, wo Menschen regelmäßig zusammenkommen und nicht einfach weggehen können – und
und ausdrücken können – sind imstande, mit alltäglichen Herausforde-
wo nichts dagegen unternommen wird. Das soziale Klima in der Klasse und in der Schule trägt wesentlich dazu bei ob,
rungen und mit Konflikten konstruktiv umzugehen. Sie fühlen sich nicht
wie häufig und in welchen Formen Mobbing und Gewalt auftreten.
allein- und im Stich gelassen, sind eingebunden und entwickeln Selbstgefühl und Selbstwert. Sozial kompetente Kinder können Übergriffe eher
An einer Schule, an der Gewalt direkt oder indirekt gefördert wird, Gewalt tabuisiert, verharmlost und geduldet wird, sind
zurückweisen und werden respektvoller mit anderen Menschen umgehen.
die Gewalthäufigkeit und die Gewaltbereitschaft signifikant höher. An einer Schule, an der offen über Gewaltvorfälle gesprochen wird, an der für jeden klar ist: „Wir dulden kein Mobbing und keine Gewalt, wir schreiten bei Gewalt ein“, sind
die Gewalthäufigkeit und die Gewaltbereitschaft signifikant niedriger.
Die Einstellung zur Gewalt, der Umgang damit und das Wissen darüber haben entscheidenden Einfluss auf Mobbing und
Gewalt. Vorbeugend besonders wirksam und wichtig sind eine offene, wertschätzende LehrerInnen-SchülerInnen-Bezie-
Soziale Kompetenz heißt ...
hung, ein demokratischer Führungsstil der Direktion und der LehrerInnen, eine Kultur der gegenseitigen Anerkennung,
... eigene Emotionen erkennen,
zulassen, zeigen (authentisch sein)
und beeinflussen (nicht unterdücken)
ein regelmäßiger Austausch zwischen Klassenvorständen und KlassensprecherInnen sowie Mitsprachemöglichkeiten der
SchülerInnen.
Mobbing kann dauerhaft und erfolgreich nur von der Schule und in der Schule beendet werden. Wenn Mobbing von der
Schule seinen Ausgang nimmt, sollte sich die Schule dafür verantwortlich fühlen. Auch wenn die Mobbinghandlungen
schwerpunktmäßig außerhalb der Schule, auf dem Schulweg oder in der Freizeit stattfinden.
... reden, zuhören, kooperieren
und Konflikte gewaltfrei
bearbeiten können
... andere wahrnehmen,
deren Gefühle und
Absichten erkennen und
sich in sie einfühlen
... andere respektvoll und
mitfühlend behandeln
Nehmen Sie sich Zeit für Ihr Kind. Hören Sie ihm zu. Führen Sie regelmäßig gemeinsame Gespräche. Vertrauen Sie Ihrem
Kind. Nehmen Sie die Sorgen, Ängste und Probleme Ihres Kindes ernst. Zeigen Sie Ihr Interesse an Ihrem Kind.
Eine Erziehung, die von Liebe und Vertrauen, von Wertschätzung und Einfühlung, aber auch von klaren Regeln und Grenzen geprägt ist, ermöglicht und fördert die Entwicklung von Selbstgefühl und Selbstbewusstsein Ihres Kindes.
Treten Sie in Kontakt mit den LehrerInnen und der Direktion. Beteiligen Sie sich an den Elternabenden und Elternsprechtagen. Nutzen Sie die Sprechstunden der LehrerInnen. Äußern Sie Kritik und Wertschätzung. Interessieren Sie sich nicht
nur für die Noten Ihres Kindes, sondern vor allem für das soziale Miteinander an der Schule. Machen Sie das soziale
Verhalten und die Einbindung aller SchülerInnen und LehrerInnen in den Klassen- und Schulverband zum Thema.
12 Was können Sie konkret tun?
Was können Sie konkret tun?
13
Stellen Sie sich vor, Ihr Kind verändert sich plötzlich.
Nehmen Sie Veränderungen, die Sie bei Ihrem Kind bemerken, ernst und sprechen Sie Ihre Beobachtungen an. Versu-
Es wird still und verschlossen, zieht sich immer mehr
chen Sie herauszufinden, was mit ihm los ist. Auch wenn andere Ursachen hinter dem Verhalten Ihres Kindes stehen, ein
zurück oder bekommt ohne Anlass Wutanfälle.
Gespräch ist immer sinnvoll.
Was tun, wenn Ihr Kind von Mobbing betroffen ist?
Ich liebe mein Kind und stehe vorbehaltlos zu ihm. Ich nehme mir Zeit für mein Kind. Ich bin für mein Kind da und vertraue
ihm. Ich werde aktiv und greife ein.
Ich höre meinem Kind zu und glaube ihm. Ich nehme seine Probleme ernst. Ich ermutige mein Kind, dass es mir erzählen
So wie Leon.
kann, wie es ihm geht und was in der Schule läuft. Ich frage einfühlsam nach. Ich beobachte es aufmerksam. Ich gebe
Leon ist zwölf Jahre alt und ein eher stiller Junge. Er wird in seiner Klasse gehänselt und ausgelacht. Im Turnunterricht
ihm das Gefühl, dass es sich an mich wenden kann, dass es mir vertrauen kann und dass wir gemeinsam viel erreichen
wird er immer als Letzter in eine Mannschaft gewählt. Tobi spricht auch nicht mehr mit ihm, und er hat Leon als Einzigen
können. Ich spreche in Ruhe mit meinem Kind, auch wenn mich seine Erzählungen ängstlich, wütend oder hilflos machen.
aus der Klasse nicht zu seiner Geburtstagsparty eingeladen. Mit der Zeit wird Leon zur Zielscheibe in seiner Klasse.
Ich bin der/die Erwachsene und vermittle meinem Kind Sicherheit.
Es werden Gerüchte über ihn verbreitet, Deospray wird auf sein Pausenbrot gesprüht, und sein Handy ist eines Tages
verschwunden.
// Stärken Sie das Selbstvertrauen Ihres Kindes
Seine Mitschüler nennen ihn „Streuselkuchen“ wegen seiner Pickel im Gesicht.
// Handeln Sie mit und nicht statt Ihrem Kind
Leon zieht sich immer mehr zurück. Im Unterricht meldet er sich nicht mehr, aus Angst von den anderen ausgelacht zu
// Bieten Sie Unterstützung an und organisieren Sie diese
werden. Seine Leistungen lassen stark nach.
// Werden Sie aktiv und kontaktieren Sie die Schule
Zu Hause verbringt er die meiste Zeit in seinem Zimmer vor dem Computer. Nach dem Wochenende klagt er über
// Suchen Sie das Gespräch mit dem/der Klassenlehrer/in und bitten Sie um Unterstützung. Seien Sie beharrlich
Bauch- und Kopfschmerzen und will nicht zur Schule gehen.
und bestehen Sie darauf, dass Ihr Kind vor Übergriffen beschützt und das Mobbing gestoppt wird. Nur gemeinsam
Leon spricht weder mit seinem Klassenlehrer noch mit seinen Eltern über die Situation. Er möchte sie nicht belasten,
können Sie etwas gegen Mobbing erreichen.
hat Angst, dass alles noch schlimmer wird, falls sie etwas unternehmen, und außerdem: Was könnten sie schon tun?
// Falls der/die Klassenlehrer/in nicht reagiert, suchen Sie das Gespräch mit der Direktion
// Führen Sie Gespräche in der Schule ohne Ihr Kind
// Vermeiden Sie, die Schuld bei Ihrem Kind zu suchen
Woran erkennen Sie Mobbing bei Ihrem Kind?
// Vermeiden Sie, persönlich mit den Tätern zu sprechen
Ihre Tochter, Ihr Sohn
// Vermeiden Sie, mit den Eltern der Täter zu sprechen
... hat Angst zur Schule zu gehen oder vermeidet den üblichen Schulweg
// Sichern Sie Beweise
... möchte an Wandertagen oder anderen Schulveranstaltungen nicht mehr teilnehmen
// Machen Sie Mobbing zum Thema
... wirkt ängstlich, unsicher, verzweifelt
// Nehmen Sie für sich und für Ihr Kind professionelle Hilfe in Anspruch
... ist leicht reizbar, nervös
... schläft schlecht oder hat Albträume
Stärken Sie das Selbstvertrauen Ihres Kindes,
... klagt häufig über Bauch- oder Kopfschmerzen
indem Sie seine Fähigkeiten und Talente fördern (Hobbies, Sportvereine, Theatergruppen ...) und einen positiven Kontakt
... verliert Sachen, braucht öfters Geld
mit Gleichaltrigen ermöglichen.
... hat Verletzungen, zerrissene Kleidung oder kaputte Sachen
Machen Sie gemeinsame Unternehmungen und überlegen Sie, wer in der Schule und in der Freizeit als Unterstützer die-
... hat wenige oder gar keine Freunde in oder außerhalb der Klasse
nen könnte (LieblingslehrerIn, Klassenvorstand, KlassenkameradInnen, Oma und Opa, Nachbarn, Freunde …)
... bekommt immer schlechtere Noten
… kann sich nicht konzentrieren
Üben Sie mit Ihrem Kind, selbstbewusst aufzutreten, laut und deutlich Stopp zu sagen „Hör auf, lass mich in Ruhe“ (vor
... erzählt immer weniger aus der Schule und zieht sich immer mehr zurück
dem Spiegel üben), um seine Grenzen zu signalisieren und für die Achtung seiner Grenzen zu sorgen.
14 Was können Sie konkret tun?
Was können Sie konkret tun?
Versuchen Sie genaue Informationen über die Situation Ihres Kindes zu erhalten, ohne es jedoch zu verhören. Fragen Sie
Machen Sie Mobbing zum Thema,
nicht jeden Tag nach der Schule: „Und was war heute wieder ...“. Führen Sie ein Abendritual ein, wo Sie eine Rückschau
denn Ihr Kind sollte wissen, dass es nicht das einzige ist, dem das passiert.
15
auf den Tag machen. „Wer oder was hat mich heute geärgert?“ „Was ist mir heute gut gelungen, worüber habe ich mich
gefreut?“ – Damit verschiebt sich der Blickwinkel weg von den Problemen hin zu erfreulichen Begebenheiten. Handeln Sie
Nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch
mit und nicht statt Ihrem Kind, da es aus der Wehrlosigkeit herauskommen sollte, um aktiv etwas entscheiden und tun zu
(Siehe dazu die Adressen und Angebote auf Seite 19)
können. Sprechen Sie Ihre Entscheidungen mit dem Kind ab und suchen Sie gemeinsam nach Lösungen.
Was tun, wenn Ihr Kind mobbt?
Werden Sie aktiv und kontaktieren Sie die Schule,
Das eigene Kind zu verteidigen und in Schutz zu nehmen ist richtig und verständlich. Nicht jedoch dann, wenn es andere
denn Kinder, die gemobbt werden, können sich selber nicht mehr wehren.
respektlos behandelt und demütigt. Mobbinghandlungen zu verharmlosen ist völlig unangebracht und für alle Betroffenen
schädlich. Rücksichtslosigkeit wird oft als Stärke oder Durchsetzungskraft missverstanden. Es gibt so etwas wie „Täter-
Führen Sie Gespräche in der Schule ohne Ihr Kind,
karrieren“. Kinder, die während der Schulzeit aggressiv und rücksichtslos agieren und denen keine Grenzen gesetzt wer-
da es für Ihr Kind eine zusätzliche Belastung sein kann, wenn es von Ihren Sorgen bei den Lehrergesprächen hört.
den, behalten dieses als „erfolgreich“ erlebte Verhalten später bei und werden in erschreckend hohem Ausmaß straffällig.
Vermeiden Sie, die Schuld bei Ihrem Kind zu suchen,
// Reden Sie mit Ihrem Kind und erklären Sie ihm, dass sein Verhalten nicht in Ordnung ist.
denn niemand „verdient“ gemobbt zu werden. Die Betroffenen sowie auch deren Eltern tragen keine Schuld. Sagen Sie
Ihrem Kind, dass an ihm nichts falsch oder schlecht und es nicht das einzige Kind ist, das von solchen Handlungen betroffen ist.
Dulden Sie auf keinen Fall respektloses Verhalten. Niemandem gegenüber.
// Seien Sie sich Ihrer Vorbildwirkung bewusst. Behandeln Sie alle Menschen wertschätzend und respektvoll?
Wie reden Sie über andere und gegenüber anderen?
// Wenden Sie sich nicht von Ihrem Kind ab. Suchen Sie nach den guten Gründen für das Verhalten Ihres Kindes.
Vermeiden Sie, persönlich mit den Tätern zu sprechen,
Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, wie es sich so verhalten kann, dass es andere Kinder nicht verletzt und
denn damit zeigen Sie den Mobbern, dass sich Ihr Kind allein nicht wehren kann und schwächen es damit.
kein Leid verursacht.
// Stellen Sie klare Regeln auf und vereinbaren Sie Konsequenzen für respektloses Verhalten.
Vermeiden Sie, mit den Eltern der Täter zu sprechen,
// Wichtig ist, dass Sie Ihrem Kind viel Lob und Anerkennung geben, wenn es die vereinbarten Regeln einhält.
denn dies führt meist zu einer Verschärfung der Situation. Die meisten Eltern schützen ihr Kind und fühlen sich angegriffen. Gehen Sie diesen Weg nur, wenn Sie sich sicher sind, wie die „Gegenseite“ reagieren wird!
Was tun, wenn in der Klasse Ihres Kindes Mobbing vorkommt?
// Machen Sie das Mobbing zum Thema.
Sichern Sie Beweise
// Kontaktieren Sie die LehrerInnen und informieren Sie diese über die Vorfälle.
Notieren Sie Einzelheiten für Gespräche an der Schule. Ihr Kind kann für einige Zeit ein Mobbing-Tagebuch führen, um
// Schlagen Sie einen Vortrag über Mobbing im Rahmen eines Elternabends oder an der Schule vor.
diese Fakten zu sammeln:
// Ermutigen Sie Ihr Kind, Ihnen über Mobbingvorfälle zu erzählen, sich für die betroffenen Kinder einzusetzen und die
Was genau ist passiert?
Wann ist es passiert?
Wo ist es passiert?
Wer war daran beteiligt?
Wer war noch dabei?
Wie habe ich reagiert?
Parallel dazu ist es empfehlenswert, ein Freude-Tagebuch zu schreiben.
Was läuft gut? Was hat heute Freude gemacht?
Wer hat mir und wem habe ich „Gutes“ getan?
LehrerInnen bei konkreten Vorfällen um Unterstützung zu bitten.
16 Cyber-Mobbing
Cyber-Mobbing
Internet und Handy sind zentraler Bestandteil der Lebenswelten von Kindern und Jugendlichen in Österreich.
1. Bleib ruhig!
Über neunzig Prozent der Jugendlichen nutzen das Internet. Im Internet kommunizieren, spielen und arbeiten sie,
Lass dich nicht von Selbstzweifeln beherrschen. Denn:
präsentieren und informieren sie sich.
Du bist okay, so wie du bist. Du bist nicht schuld.
Diese Tatsache bringt sowohl neue Chancen wie auch neue Risiken mit sich. Eine der Gefahren ist das „Cyber-Mobbing“.
Cyber-Mobbing (oder „Cyber-Bullying“) heißt beschimpfen, beleidigen, bedrohen, verbreiten von Gerüchten, veröffentlichen von gefälschten oder peinlichen (meist mit dem Handy aufgenommenen) Fotos oder Filmen – mit elektronischen
Kommunikationsmitteln wie dem Handy oder im Internet. Im Internet werden vor allem Foto- und Videoplattformen (wie
•••••
7:45
100%
17
„10 TIPPS, wie Sie mit
Ihrem Kind darüber
sprechen, wenn es
von Cybermobbing
betroffen ist.“ ... B
2. Sperre die, die dich belästigen!
Die meisten Websites und Online-Anbieter geben dir die Möglichkeit, bestimmte Personen zu sperren. Nutze dieses
Angebot, denn du musst dich nicht mit jemandem abgeben, der dich belästigt. Wenn du mit Anrufen oder SMS belästigt
wirst, kannst du auch deine Handynummer ändern lassen.
YouTube) und Soziale Netzwerke (wie Facebook) für diese Übergriffe missbraucht.
3. Antworte nicht!
Von Cyber-Mobbing sprechen wir wie bei Mobbing dann (und nur dann), wenn diese negativen, schädigenden und be-
Reagiere nicht auf Nachrichten, die dich belästigen oder ärgern. Denn genau das will der/die AbsenderIn. Wenn du zurück-
schämenden Handlungen ganz gezielt und systematisch über einen längeren Zeitraum hinweg verfolgt werden.
schreibst, wird das Mobbing wahrscheinlich nur noch schlimmer.
4. Sichere Beweise!
Besonderheiten des Cyber-Mobbing
Cyber-Mobbing wird häufiger, ist aber immer noch relativ selten. Während in Österreich und in der EU je nach Untersuchung und Altersgruppe 15 bis 25 Prozent der SchülerInnen unter Mobbing leiden, berichten „nur“ sechs bis sieben Pro-
Informiere dich, wie du Kopien von unangenehmen Nachrichten, Bildern oder Online-Gesprächen machen kannst.
Sie werden dir helfen, anderen zu zeigen, was passiert ist. Außerdem kann mit den Beweisen auch die/der Mobber/in
gefunden werden.
zent davon, „schon einmal gemeine oder verletzende Nachrichten“ über Handy oder Internet zugeschickt bekommen zu
haben. Cyber-Mobbing ist eng mit „herkömmlichem“ Mobbing verbunden und passiert fast immer als Teil des Mobbings
5. Rede darüber!
an den und rund um die Schulen. Es gibt kaum TäterInnen, die andere nur im Cyberspace mobben. Dennoch bedeutet
Wenn du Probleme hast, wende dich an uns, eine/n Lehrer/in oder eine/n Mitarbeiter/in der KiJA. Bei 147 – Rat auf Draht
Cyber-Mobbing eine neue Qualität:
erhältst du kostenlos, anonym und rund um die Uhr telefonische Hilfe, wenn du einmal nicht mehr weiter weißt.
6. Melde Probleme!
R Die Mobbinghandlungen können innerhalb kurzer Zeit ein riesiges Publikum erreichen. Während Mobbing an der
Nimm Belästigungen nicht einfach hin, sondern informiere umgehend die Betreiber der Website. Informationen, wie du in
Schule vor 20, 25 Personen stattfindet, kann es im Internet von Tausenden, ja Millionen ZuseherInnen mitverfolgt werden.
den verschiedenen Sozialen Netzwerken Missbrauch melden kannst, findest du auf www.saferinternet.at.
R Veröffentlichungen im Internet sind schwierig zu löschen. Es ist kaum nachvollziehbar, wer Inhalte heruntergeladen,
7. Unterstütze Betroffene!
ausgedruckt, weitergegeben … hat.
Wenn du mitbekommst, dass jemand anderer per Handy, Internet oder SMS belästigt wird, dann schau nicht weg,
R Cyber-Mobbing macht nicht vor den eigenen vier Wänden halt. Es dringt bis ins eigene Zimmer ein – es sei denn, man
nutzt keine digitalen Medien mehr. Handy oder Internet nicht mehr zu nutzen, ist für die meisten Betroffenen aber keine
Option.
R Personen, die andere online mobben, agieren (scheinbar) anonym. Sie haben während der Mobbinghandlung keinen
direkten Kontakt mit ihren Opfern. Das kann die Hemmschwelle senken. Warum „scheinbar“ anonym? In unserer Praxis
ist uns bisher noch kein Fall untergekommen, bei dem nicht sehr rasch klar war, wer die/der Täter/in war. Dies deshalb,
sondern hilf ihm/ihr und melde den Vorfall. Wenn der/die Täter/in merkt, dass das Opfer nicht allein gelassen wird, hören
die Beleidigungen oft schnell auf.
8. Schütze deine Privatsphäre!
Sei vorsichtig, welche Angaben du im Internet machst. Deine persönlichen Daten (E-Mail-Adresse, Wohnadresse, Handynummer oder private Fotos) können auch von „Cyber-MobberInnen“ gegen dich verwendet werden. Achte insbesondere
darauf, deine Zugangsdaten geheim zu halten und ein sicheres Passwort zu verwenden.
weil Mobbing Erhöhung durch Erniedrigung ist. Erhöhen kann sich ein/e Täter/in aber nur, wenn er/sie Zuschauer/innen
9. Kenne deine Rechte!
hat. Die von uns so genannten „ErmöglicherInnen“ (die vielen MitmacherInnen, MitlacherInnen, ZuschauerInnen, Weg-
Wenn du es nicht erlaubst, darf niemand Fotos von dir ins Internet stellen, die dir peinlich sein könnten. Außerdem darf
schauerInnen, VerharmloserInnen) müssen also zumindest ahnen – in vielen Fällen wissen sie es ganz genau –, wer
dich niemand vor anderen verspotten oder beleidigen. Cyber-Mobbing kann für den/die Täter/in rechtliche Konsequenzen
der/die Täter/in ist. Die Opfer haben einen Verdacht, wer hinter den Übergriffen steht. Bei Cyber-Mobbing kennen sich
haben.
Opfer und TäterInnen fast immer. Es geht in der Regel von Personen aus dem nahen sozialen Umfeld aus.
10. Vertraue dir!
R Ausnahme ist das sogenannte „Cyber-Grooming“, die gezielte Anbahnung sexueller Kontakte mit Minderjährigen über
Wichtig ist, dass du an dich selbst glaubst und dir nichts von anderen einreden lässt. Lass dich nicht fertigmachen und
das Internet. In diesen Fällen sind die (fast ausschließlich männlichen) Täter meist Fremde.
mach keine anderen fertig!
18 Nur gemeinsam können wir wirksam sein – die Zusammenarbeit mit der Schule
Kein Mensch – egal ob SchülerIn, LehrerIn oder Elternteil – darf Angst davor
Hilfe & Rat
19
Wichtige Telefonnummern und Webadressen
haben, in die Schule zu gehen.
Keine Eltern sollten sich Sorgen um die Würde und Unversehrtheit ihres Kindes
Kinder- und Jugendanwaltschaft OÖ
machen müssen. Wir sind gemeinsam dafür verantwortlich, dass sich alle in der
0732 779 777
www.kija-ooe.at
Schule wohlfühlen und niemand Angst haben muss.
Nutzen Sie Elternsprechtage und Sprechstunden, um von Beginn an in gutem
Mobbing- und Gewaltpräventionsstelle der KiJA OÖ
Kontakt mit den LehrerInnen Ihres Kindes zu sein. Erkundigen Sie sich außer
Unser Angebot umfasst unter anderem ...
nach den Noten auch danach, ob sich Ihr Kind in der Klasse wohlfühlt und gut
// Workshops mit Schulklassen, Kindern und Jugendlichen zu den Themen
integriert ist.
0664 152 18 24
Gewaltprävention, Mobbing und Konfliktmanagement
// Beratung und Begleitung von Mobbingopfern, -täterInnen und deren Eltern
Wenn Ihr Kind von Mobbing oder Gewalt in der Schule betroffen sein sollte, ist es die Aufgabe der Erwachsenen, recht-
// Fortbildung für Lehrerinnen und Lehrer
zeitig zu handeln. Nehmen Sie Kontakt mit der Schule auf und denken Sie daran, dass eine gute Zusammenarbeit mit
// Gewaltpräventive Schulkulturentwicklung: respect@school
den LehrerInnen und der Direktion der Schule wichtig ist. Nur gemeinsam können wir für Wertschätzung und Respekt und
// ... & Vieles mehr
gegen Mobbing und Gewalt wirksam sein.
Wenn Ihr Kind – in welcher Weise auch immer – von Mobbing in der Schule betroffen ist:
// Nehmen Sie persönlich Kontakt mit dem/der Klassenlehrer/in Ihres Kindes auf.
Kinder- und Jugendhilfe der Bezirksverwaltungsbehörden und Magistrate
www.kinder-jugendhilfe-ooe.at
Schule und Sozialarbeit
0732 7720 15200
Landesschulrat
www.lsr-ooe.gv.at
Schulpsychologie – Bezirksberatungsstellen
www.lsr-ooe.gv.at/schulpsychologie
// Vereinbaren Sie konkrete Schritte und einen zeitlichen Rahmen.
Plattform Gewaltprävention
www.gewaltpraevention-ooe.at
// Vereinbaren Sie, wie Sie weiter mit der Schule in Kontakt bleiben (Treffen, Telefonat, E-Mail).
Überblick über die Angebote der fünf wesentlichen Anbieter des Landes OÖ
// Notieren Sie die Ergebnisse Ihrer Gespräche.
für mobbing- und gewaltpräventive Beratung und Begleitung an Schulen
// Führen Sie ein Gespräch mit dem/der Klassenlehrer/in und bitten Sie um Unterstützung.
// Bereiten Sie sich gut auf das Gespräch vor.
// Seien Sie beharrlich und bestehen Sie darauf, dass Ihr Kind vor Übergriffen geschützt und das Mobbing gestoppt wird.
// Bleiben Sie ruhig und sachlich und beziehen Sie sich auf die gesammelten Fakten und auf Ihre schriftlichen
Aufzeichnungen.
// Vermeiden Sie Beschuldigungen und Vorwürfe gegen den/die KlassenlehrerIn oder die Schule.
// Fragen Sie nach, was in der Klasse/Schule gegen Mobbing und Gewalt unternommen wird.
Bestehen Sie darauf, dass die KlassenlehrerInnen Verantwortung übernehmen und dass etwas geschieht. Überprüfen Sie
nach der vereinbarten Zeit, ob der Lehrer/die Lehrerin etwas unternommen hat.
Notrufnummern – 24 Stunden erreichbar
Falls dies nicht der Fall ist, wenden Sie sich an die Direktion und suchen Sie das Gespräch mit dem/der Direktor/in.
Rat auf Draht
147
Psychosozialer Notruf
0732 651 015
Telefonseelsorge / Elterntelefon
142
Schulwechsel
Polizei
133
Ein Schulwechsel sollte die letzte Möglichkeit sein und genau überlegt werden. Die Umstellung könnte für Ihr Kind
Rettung
144
Wenn Sie keine Unterstützung von der Schule erhalten, wenden Sie sich an eine Beratungsstelle (s. Seite 19).
eine große Belastung sein, und die Mobber würden als Sieger dastehen.
20 Empfehlenswerte Literatur – eine kleine Auswahl
Impressum
Materialien der Kinder- und Jugendanwaltschaft OÖ
Medieninhaber: Land Oberösterreich
Herausgeber: Amt der Oö. Landesregierung, Direktion Präsidium, Abteilung Präsidium
Kinder- und Jugendanwaltschaft OÖ (KiJA OÖ)
Kärntnerstraße 10, 4021 Linz
Tel.: 0732/7720 140 01, Fax: 0732/7720 214 077
E-Mail: kija@ooe.gv.at
Für den Inhalt verantwortlich: Mag.a Christine Winkler-Kirchberger, Kinder- und Jugendanwältin OÖ
Fachliche Projektleitung: Dr. Rupert Herzog, Mobbing- und Gewaltpräventionsstelle KiJA OÖ
Autor/innen: Birgit Mittermayr-Höfer, Dr. Rupert Herzog, Mobbing- und Gewaltpräventionsstelle KiJA OÖ
Redaktion: Waltraud Dinges, Kommunikations- und Projektmanagement, KiJA OÖ
Grafik/Produktion: bayer / sub. communication design
Lektorat: Dr.in Eva Drechsler
Alle Materialien sind kostenlos erhältlich bei der Kinder- und Jugendanwaltschaft OÖ:
Fotos: Land OÖ, Nadja Meister, Thinkstock, Fotolia.com – aletia2011 (S. 11, rechts), doble.d (S. 11, links),
Kärntnerstraße 10, 4021 Linz, T. 0732 77 97 77, kija@ooe.gv.at, www.kija-ooe.at
gemenacom (S. 9, oben), Firma V (S. 12, rechts), kmiragaya (U4), Lansera (S. 12, links), StefanieB. (S. 6, rechts)
Druck: Friedrich VDV, Linz
1. Auflage, Oktober 2014
Fachbücher
Copyright: Kinder- und Jugendanwaltschaft OÖ
Alsaker, Francoise D. (2012). Mutig gegen Mobbing in Kindergarten und Schule. Bern: Huber
Gebauer, Karl (2009). Mobbing in der Schule. Weinheim und Basel: Beltz
Herzog, Rupert (2007). Gewalt ist keine Lösung. Gewaltprävention und Konfliktmanagement an Schulen. Linz: Veritas
Hilfe & Information
kostenlos · vertraulich · anonym
Mo–Fr 07:30–12:30 Uhr
T. 0664 152 18 24
mobbingstelle.kija@A1.net, www.kija-ooe.at
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