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Das emotionale Familienklima – Über Gefühle in Beziehungen

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Das emotionale Familienklima über Gefühle in Beziehungen
Ergebnisse der modernen
Paar- und Familienpsychologie
Prof. Dr. Wolfgang Hantel-Quitmann
Klinische & Familienpsychologie
M.A. Angewandte Familienwissenschaften, HAW Hamburg
Das emotionale Familienklima
o Die Gefühle machen Beziehungen
o Beziehungen & Emotionen
o Interaktionelle Transmission
o Konflikte & Familienklima
o Partnerschaftsqualität & Familienklima
o Partnerschaftsqualität & psychische Störungen
o Grundformen des emotionalen Familienklimas
o Ein herzliches Familienklima als Resilienzfaktor
Das emotionale Familienklima
Das Familienklima ist die für eine Familie / Familienform
typische Zusammenfassung der die Familienbeziehungen
beeinflussenden
Zustände
Stimmungen
während
eines
und
längeren
atmosphärischen
Zeitraumes
in
charakteristischer Verteilung der häufigsten, mittleren und
extremen Emotionen.
Gefühle machen Beziehungen
Der Ton macht die Musik und Gefühle machen Beziehungen
o Jonathan Franzen – Die Korrekturen
o Anna Enquist – Die Eisträger
o J. W. Goethe – Die Wahlverwandtschaften
o Zeruja Shalev – Späte Familie
o Philip Roth – Der menschliche Makel
o Toni Morrison – Heimkehr
o Franz Kafka – Die Verwandlung
o Yasmina Khadra – Die Schuld des Tages an die Nacht
o ...
Beziehungen & Emotionen
o Emotionen als soziales Geschehen
o Emotionen sind kulturell gesteuert.
o Ein emotionales Grundgefühl geht einem Beziehungsgeschehen voraus, das Gefühl prägt die Beziehung und die
Beziehung ist die Interpretationsfolie für Gefühle.
o Gefühle sind immer mit sozialen Erwartungen verknüpft.
o Gefühle können sozial und privat sein, die Grenze bewacht die
Scham.
o Soziale Erwartungen kontrollieren und kreieren Gefühle.
Beziehungen & Emotionen
o deep-acting und surface-acting: nicht nur der Ausdruck, sondern
die Emotion selbst wird den äußeren Erfordernissen
entsprechend manipuliert
(vgl. spielerische Form der emotionalen Erziehung)
o Wie weit können Familienmitglieder gezwungen werden,
Gefühle zu zeigen, die sie nicht empfinden (Gesundheit und
Krankheit)?
o In unzufriedenen Partnerschaften werden mehr negative als
positive Gefühle gezeigt.
o Ärger gilt noch als Hinweis auf emotionale Bindung –
Traurigkeit, Verachtung und Ekel als Prädiktoren für eine
Trennung.
Intergenerationelle Transmission
Faktoren für ein ungünstiges emotionales Familienklima aus der Sicht
der Kinder (Bella-Studie, Ravens-Sieberer 2007):
1. unglückliche Partnerschaft der Eltern
2. konflikthafte Belastungen in der Familie
3. disharmonische Empfindungen in Kindheit und Jugend der
Eltern
Formen der intergenerationellen Transmission:
1. Muster der horizontalen Transmission (elterliche Partnerschaft
gestaltet später eigene Partnerschaft)
2. Muster der vertikalen Transmission (frühe Kind-ElternErfahrungen werden zu späteren Eltern-Kind-Mustern)
Intergenerationelle Transmission
o Folge: Gute Erfahrungen werden wiederholt,
negative abgelehnt und korrigiert.
o Wiederholungszwang als Versuch, alte Erfahrungen
zu korrigieren und neue Lösungen für alte Konflikte
zu finden. Je besser die Rekonstruktion des Alten,
desto wahrscheinlicher ein Steckenbleiben und
Wiederholen, denn auch die frühe Hilflosigkeit wird
reinszeniert.
o Reinszenierung bedeutet auch die Wiederholung
alter Gefühle!
Konflikte & Familienklima
o Konflikte sind wichtig für die persönliche, partnerschaftliche und
familiäre Entwicklung.
o Nicht die Häufigkeit von Konflikten, sondern deren emotionale Ladung
ist bedeutsam.
o Konflikthäufigkeit führt nicht direkt zur Trennung, entscheidend ist die
partnerschaftliche Zufriedenheit.
o Häufige und schwere emotionale Konflikte senken die
partnerschaftliche Zufriedenheit.
o Negativer auf die partnerschaftliche Zufriedenheit wirkt sich die
Konfliktvermeidung aus (stonewalling).
o Gelungene Konfliktlösungen stärken den Teamgeist (dyadisches
Coping) und erhöhen die Zufriedenheit und die partnerschaftliche
Selbstwirksamkeit.
Partnerschaftsqualität & Familienklima
o Die Partnerschaftsqualität ist entscheidend für das
Familienklima und das Wohlergehen der Kinder.
o Eine gute Partnerschaftsqualität ist ein Prädiktor für
Lebenszufriedenheit, Glück und Wohlbefinden und
Gesundheit, eine unglückliche Paarbeziehung ein
Risikofaktor für psychische Störungen.
o Sogar die Wundheilung wird von der
Partnerschaftsqualität beeinflusst. (Bodenmann, 2013)
Partnerschaftsqualität &
psychische Störungen
o Verheiratete haben im Vergleich zu Unverheirateten ein
größeres Wohlbefinden und eine längere Lebensdauer.
o Verheiratete Menschen haben allgemein ein geringeres
Risiko für akute und chronische Gesundheitsprobleme wie
grippale Infekte, Krebserkrankungen, Operationen,
Herzinfarkt oder psychische Störungen und weisen in allen
Phasen des Lebens eine geringere Mortalitätsrate aus als
unverheiratete Personen, wobei die Effekte bei Männern
besonders stark ausgeprägt sind. (Bodenmann, 2013)
Partnerschaftsqualität &
psychische Störungen
o Männer haben häufiger Suchterkrankungen und Frauen
mehr Depressionen und Panikstörungen. Die wesentlichen
Unterschiede liegen in den Bewältigungsstrategien.
o we-disease: Wir sind krank! Der Stress des Einen ist immer
auch der Stress des Anderen!
o we-disease als dyadisches Coping führt nicht nur zu einer
Symptomreduktion, sondern auch zu einem besseren
Partnerschafts- und Familienklima.
Partnerschaftsqualität &
Depressionen
o Bei 50-70% der Depressionen gehen
Partnerschaftsprobleme der Erkrankung voraus.
o 60% der befragten Frauen gaben an, dass ihre
Partnerschaftsprobleme der Hauptgrund für ihre
Depression seien.
o Partnerschaftsprobleme erhöhen den Schweregrad
und verschlechtern Verlauf der Depression.
o Im Erleben haben besonders Demütigungen,
Erniedrigungen und Bloßstellungen negative
Auswirkungen auf Entstehung und Verlauf der
Depression.
Partnerschaftsqualität &
Depressionen
o Bidirektionale Interpretation:
Partnerschaftsprobleme, besonders bei
Demütigungen, führen zu depressiven Reaktionen
und Depressionen verstärken
Partnerschaftsprobleme (eskalierender Prozess).
o Fazit: Partnerschaftsprobleme beeinflussen bei
nahezu allen psychischen Störungen die
Entstehung, Entwicklung und Behandlung – eine
gute Partnerschaftsqualität ist ein Schutzfaktor.
Grundformen des emotionalen
Familienklimas
o Die folgende Klassifizierung ist idealtypisch, in der
Realität sind Mischformen vorherrschend.
o Das emotionale Familienklima wird neben den
vorherrschenden Emotionen durch familiendynamische
Besonderheiten geprägt.
o Das Familienklima ändert sich immer auch durch
individuelle und beziehungsdynamische Entwicklungen
(Pubertät, Beziehungskrisen, Arbeit, Schule etc.)
Grundformen des emotionalen
Familienklimas
2. traurig
6. neidisch und
eifersüchtig
3. ängstlich
7. ambivalent
4. ärgerlich
8. gefühlsarm
5. scham- und
schuldhaft
9. konflikthaft
1. liebevoll
10.konfus
Ein herzliches Familienklima als
Resilienzfaktor
o Atmosphäre von Akzeptanz, Liebe, Zuwendung, Sorge führt zu
emotionaler Wertschätzung und Geborgenheit.
o Wichtig sind: Liebesgefühle in der Partnerschaft, gelingende
Konfliktlösung in der Elternbeziehung (an einem Strang
ziehen), erwünschte Kinder, empathische Haltung in der ElternKind-Beziehung.
Resilienz bei Kindern aus solchen Familien hat drei Dimensionen:
1. gute Persönlichkeitsentwicklung trotz Risikofaktoren
2. funktionale Bewältigungsstrategien auch bei Stress
3. emotionale Bildung (Herzensbildung)
Vielen Dank für Ihre
Aufmerksamkeit!
Prof. Dr. Wolfgang Hantel-Quitmann
Klinische & Familienpsychologie
M.A. Angewandte Familienwissenschaften, HAW Hamburg
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