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Automatisch dippen und desinfizieren

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Melken
Automatisch dippen
und desinfizieren
Jetzt dippt das Melkzeug die Zitzen und reinigt sich automatisch. Das soll die Melkhygiene
verbessern und Arbeitszeit sparen. Dr. Michael Hubal, Landwirtschaftskammer Niedersachsen,
hat sich drei Systeme in der Praxis angesehen.
W
er die Melkhygiene optimieren
will, dippt die Zitzen nach
dem Melken und desinfiziert
die Melkzeuge nach jeder Kuh. Denn so
lässt sich die Übertragung von Erregern
von Kuh zu Kuh verringern und die Eutergesundheit verbessern.
Doch die zusätzlichen Arbeiten kosten im Melkstand vor allem Zeit. Deshalb werden sie häufig weniger sorgfältig oder nur zeitweise „bei Bedarf“ gemacht. Jetzt könnten automatische
Systeme das Dippen und Desinfizieren
übernehmen.
Die Hersteller haben spezielle Düsen
in die Melkbecher eingebaut. Diese
sprühen nach dem Melken, wenn das
­Melkzeug noch am Euter hängt, Dippmittel an die Zitzen. Anschließend reinigen und desinfizieren sich die Melk-
R 10
top agrar 3/2015
zeuge automatisch. Bisher konnten dabei nur die Melkbecher gereinigt
werden. Damit keine Reste von Dippmitteln in die Milch gelangen, spülen
einige Modelle jetzt auch das Sammelstück.
Routinierte Melkhygiene:Routine in
der Melkhygiene bietet einige Vorteile:
Das Dippen der Zitzen nach dem Melken verbessert die Eutergesundheit,
denn das Dippmittel schützt den
Strichkanal vor dem Eintritt neuer
Krankheitser­reger. Wichtig ist, dass die
Zitzenoberfläche und die Strichkanalöffnung möglichst früh nach dem
Ende des Melkvorgangs vollständig benetzt werden.
Hier bieten die automatischen Verfahren einen wesentlichen Vorteil: Die
Zitzen werden gedippt, noch während
das Melkzeug am Euter hängt. Die Vakuumversorgung über den langen
Milchschlauch ist zwar schon unterbrochen, das Vakuum hat sich jedoch noch
nicht abgebaut und sorgt somit für eine
Streckung der Zitze. So kann das Dippmittel in alle Hautfalten und Poren
eindringen, bevor diese sich wieder
schließen.
Eine Zwischendesinfektion verbessert zusätzlich die Melkhygiene: Bei
Mastitis-Erkrankungen können Keime
im Melkstand von Kuh zu Kuh übertragen werden. Die manuelle Zwischendesinfektion der Melkzeuge ist aufwendig und wird deshalb nur selten durchgeführt. Dabei lassen sich so 95 bis 99 %
der Bakterien auf den inneren Oberflächen der Melkzeuge entfernen.
Foto: Werkbild
Neue Melkzeuge
übernehmen
das Dippen und
die Zwischendesinfektion.
Für eine hohe Wirksamkeit der Desinfektions-Lösung sollten aber zuvor
die Milchreste ausgespült und Reste des
Reinigungsmittels bis zum nächsten
Melkvorgang entfernt werden. Hierbei
unterscheiden sich die automatischen
Systeme, da nicht alle mit Wasser vorbzw. nachspülen.
Arbeitszeit einsparen.Ein weiterer
Pluspunkt der automatischen Technik
ist die täglich einsparbare Arbeitszeit.
Für das Dippen sind 2 bis 8 Sekunden
je Kuh nötig. Bei einer mittleren Zeit
von fünf Sekunden lassen sich so je
nach Melkstand-System 8 bis 20 Kühe je
Stunde und Melker mehr melken beziehungsweise eine Arbeitskraft einsparen.
Der Zeitaufwand für eine Zwischendesinfektion der Melkzeuge liegt bei
der einfachsten Variante, dem Sprühen
von Lösung in den Melkbecher, bei ca.
5 Sekunden. Ein vorheriges Durchspülen mit Wasser beansprucht weitere
5 Sekunden, ebenso lange würde ein anschließendes Nachspülen dauern. So
lässt sich auch hier täglich Arbeitszeit
einsparen.
Die Systeme in der Praxis:Drei Fabri-
kate sind derzeit auf dem Markt erhältlich (siehe Übersicht):
• ADF Milking
• AirWash Plus
• Gea Apollo
Aktuell nutzen etwa 55 Betriebe in
Deutschland eine dieser Techniken. Das
sind vorwiegend größere Betriebe mit
Fremdarbeitskräften. Den Betriebsleitern zufolge wollten sie Lohnkosten
senken und Hygienemaßnahmen zuverlässig umsetzen.
Wir haben zwei bis drei Betriebe je
Hersteller besucht und die Betriebsleiter zu ihren Erfahrungen befragt. Die
Betriebe hatten 200 bis 2 500 Kühe im
Bestand. Die durchschnittliche Größe
der Melkanlagen lag bei über 30 Melkeinheiten.
Unser Fazit:Bei steigenden Lohnkos-
ten und wachsenden Beständen in der
Milchviehhaltung werden automatische
Systeme immer rentabler. Gerade bei
Die Details der Melkzeuge auf einen Blick
Hersteller
ADF Milking
AirWash Plus
Gea Apollo
Dippmittel je Melkung
6 – 10 ml
6 ml (Milchsäure)
6 – 12 ml
Wasser je Melkung
400 ml
1 000 ml
1 100 ml
Sammelstück spülen
nein
ja
ja
Vor- und Nachspülen mit
Wasser
nein
nein (ist geplant)
ja
Steuerung
zentral
einzeln
zentral
Service für Verbauchsmaterial und Zitzengummis
6 ct/Melkung
nicht möglich
keine Angaben
Am Melkzeug nachrüstbar nein
ja
nein
Melkzeug nach dem
ja
Reinigen in Ansetzposition
ja
nein
Füllstandsanzeige
Reinigungsmittel
nur für Wasser
ja
ja
Zitzengummi­varianten
5 – 7
je nach Melkzeug
3
Kosten Melkstand D101)
30 000 €
35 000 €
40 000 €
Kosten Karussel 28er
41 600 €
54 000 €
60 000 €
Fa. ADF Milking
Fa. AirWash
Nederland B.V.
Fa. Gea Farm
Technologies
1)
Bezug
1) Kosten inkl. Montage und ohne MwSt.
Die Systeme ähneln sich in ihrer Funktion, unterscheiden sich aber in einigen Details.
der Melkarbeit gibt es oft noch Mängel
in der Hygiene und große Schwankungen in der Beständigkeit und Sorgfalt
der Ausführung.
Die automatisierte Zitzendesinfektion und -pflege kann mastitisbedingte
Abgänge und die Neuinfektionsrate
merklich reduzieren. Auch der durchschnittliche Zellgehalt hat sich laut
Aussagen der befragten Betriebe verringert. Alle besuchten Betriebe berichteten außerdem von Arbeitszeiteinsparung bzw. Durchsatzerhöhung beim
Melken.
Wichtig beim Einsatz dieser Systeme
ist jedoch die Wartung und Pflege. Hier
steht der Landwirt als Lebensmittelproduzent in der Pflicht. Er muss verhindern, dass Rückstände von Dipp- und
Desinfektionsmitteln in die Milch gelangen. Es ist unbedingt zu empfehlen,
die Systeme ständig zu überwachen und
die vorgeschriebenen Wartungs- und
Pflegeintervalle einzuhalten.
Bei technischen Mängeln sollte unmittelbar eine Lösung gefunden werden. Dies erfordert insbesondere bei
den Systemen, die mit vorhandener
Melktechnik kombiniert werden, eine
Zusammenarbeit von Melktechnikfirma, Lieferant des Hygienesystems
und Landwirt.
Schnell gelesen
• Neue Melkzeuge übernehmen
das Dippen der Zitzen und
reinigen sich automatisch.
• Das verbessert die Melk­
hygiene, Eutergesundheit
und spart Arbeitszeit.
Fotos: Hubal
• Das System ADF ist das
Unser Autor
Dr. Michael Hubal,
Landwirtschaftskammer Nieder­
sachsen
Weiteres Modell folgt: Neben den
drei hier vorgestellten Produkten
entwickelt auch die Firma
AktivPuls (ehemals Happel) zur
Zeit ein automatisches Dipp- und
Desinfektionssystem für den
Melkbecher. Dieses soll Ende 2015
auf den Markt kommen.
günstigste, spült aber nur
die Melkbecher.
• AirWash Plus lässt sich bei
jedem Melkzeug nachrüsten,
kann aber nicht zentral
gesteuert werden.
• Gea Apollo ist vergleichweise
teuer, erfüllt aber hohe
Sicherheitsstandards.
top agrar 3/2015
R 11
Melken
Der Pionier
Die einfachste und günstigste Variante
bietet ADF Milking an.
Foto: Werkbild
Foto: Hubal
Spezielle
Düsen in den
Melkbechern
sprühen das
Dippmittel an
die Gummi­
lippe, beim
Abnehmen der
Melkzeuge
verteilt sich das
Mittel über die
Zitzen.
Die Zitzen sind vollständig mit Dippmittel
benetzt.
A
DF Milking aus England brachten
ihr System als erste auf den Markt.
In Deutschland gibt es ca. 22 Anlagen.
Das ADF (Automatic Dipping and
Flushing)-System basiert auf einem speziell dafür konzipierten Melkzeug. Am
langen Milchschlauch verlaufen zwei
Schläuche, die in die Melkbecherhülsen
münden. Ein Schlauch transportiert das
Dippmittel, der andere Desinfektionslösung und Druckluft.
In den Becherhülsen verläuft je ein
Röhrchen bis zum Zitzengummikopf.
Dort ist eine Düse mit Rückschlagventil
montiert. Sobald die Melkleitung geschlossen ist, sprüht die Düse Dippmittel gegen die Gummilippe und verteilt
das Mittel so um die Zitzenbasis. Bei der
Abnahme des Melkzeugs verteilt sich
das Mittel dann entlang der Zitze.
Anschließend erfolgt das Einbringen
von Desinfektionslösung und Druckluft
in mehreren Intervallen. Dabei hängt
der Melkbecher mit dem Kopf nach unten und die Düse sprüht nach oben. Ein
Kugelmechanismus in der Düse verschließt den ersten Auslass und öffnet
so den zweiten, der nach oben sprüht.
Durch mehrmaliges Spülen und Ausblasen werden Dippmittel und Milchreste entfernt. Die anschließenden Intervalle sorgen für die Desinfektion und
den Austrag von gelösten Stoffen. Das
letzte Druckluftintervall ist etwas länger und trägt zur Abtrocknung der
Gummioberfläche bei. Zum Schluss
hängt das Melkzeug in Ansetzstellung.
Die elektromagnetischen Rückschlagventile für Druckluft, Desinfektionslösung und Dippmittel bleiben bei Strom-
R 12
top agrar 3/2015
ausfall geschlossen. Im Verteilerstück
am Melkzeug sowie in jedem Melkbecher ist ein Rückschlagventil vorhanden, das sich nur mittels Druck öffnet.
Eine Füllstandsanzeige für das benötigte Wasser warnt vor Trockenlauf und
schaltet die Anlage notfalls ab. Der Vorrat an Dipp- und Desinfektionsmittel
ist vom Landwirt selbst zu überwachen.
Nach Änderung der Einspritzdüse
Ende 2014 wurde die Gefahr von Dipp-
Übers. 1: ADF Milking
Dippen
Spülen
Dippen und Reinigen übernimmt eine
Düse, die durch einen Kugelmechanismus nach unten oder oben sprüht. Das
Sammelstück wird nicht gereinigt.
mitteleintrag in das Sammelstück minimiert. In der Praxis beobachteten wir,
dass die „Sollknickstelle“ im kurzen
Milchschlauch schon bei geringer Neigung für einen Verschluss der Milchleitung sorgt. Dies könnte allerdings bei
sehr tief hängenden Eutern und aufliegendem Sammelstück ebenfalls zur Unterbrechung der Milchableitung führen.
Gefahr von Dippmittel-Eintrag:Dipp-
oder Desinfektionsmittel können aber
in das Sammelstück gelangen, wenn ein
Melkbecher aufrecht steht, z. B. an der
Wand anlehnt. Hierauf muss der Betreiber achten und es notfalls verhindern.
Der Verbrauch von Dippmittel liegt
laut Hersteller bei 6 bis 10 ml je Vorgang. ADF empfiehlt das Mittel „Deosan
Hitech AG214“ des Herstellers Diversey.
Von der Desinfektionslösung sind
400 ml je Vorgang nötig, die Konzentration liegt bei 300 ppm Peressigsäure.
Diese relativ geringe Konzentration
reicht laut Hersteller aus, weil nach dem
zweiten Spülstoß keine organischen
Reste mehr die Wirksamkeit mindern.
ADF empfiehlt „Divosan Activ VT5“
(Fa. Diversey), eine 5 %ige Peressigsäure.
Die Kosten für das System liegen bei
ca. 11 000 € Grundkosten plus 950 € je
Melkplatz. Bei rotierenden Systemen
kommen ca. 4 000 € für eine Drehkupplung hinzu. Zusätzlich bietet der
Hersteller einen Service an, mit dem er
sämtliche Materialien wie Zitzengummi, Dippmittel und Peressigsäure
für einen Betrag von 6 ct/Melkung liefert. Nach Installation erhält die Anlage
eine 5-jährige Garantie.
Der Flexible
AirWash Plus lässt sich an jedem
Melkzeug nachrüsten.
as „AirWash Plus“ wurde entwickelt
und wird produziert von „Dutch Research & Innovations“. Das Vorgängermodell „AirWash“ verfügte nur über die
Zwischendesinfektion. In Deutschland
gibt es vier Anlagen. Das Besondere an
diesem System: Es lässt sich an jedem
Melkzeug nachrüsten. Dazu wird der
kurze Milchschlauch durchtrennt und
ein Einspritzventil montiert.
Zwei Schläuche, einer für Dippmittel
und einer für Desinfektionslösung und
Druckluft, führen am langen Milchschlauch bis zu einem Rückschlagventil. Von dort führt ein Schlauch zum
Sammelstück und über drei Weichen in
die Einspritzdüsen an jedem kurzen
Milchschlauch. An den Düsen befindet
sich nochmals ein Rückschlagventil.
Sobald die Melkleitung verschlossen
ist, wird Dippmittel mit Druckluft an
die Zitzenspitzen gesprüht. Das Mittel
gelangt soweit an die Zitzenoberfläche,
wie die Zitze mit dem Zitzengummi abschließt. Dies führte bei allen Kühen zu
einer Benetzung der Zitzenspitze mit
Tropfenbildung. Je nach Zitzenform
wurde bei manchen Kühen auch noch
Dippmittel im
Sammelstück: Das
kann vorkommen,
wenn die Melkbecher während der
Reinigung nicht
nach unten hängen.
Die zusätzliche
Spülung über den
langen Milchschlauch
(Backflush) soll das
verhindern.
Fotos: Hubal
D
Übers. 2: AirWash Plus
Grafiken: Driemer
Zitzenspitze und Strichkanal wurden gut
mit dem Dippmittel benetzt.
Dippen
Spülen
ein Teil des Zitzenschaftes benetzt.
Nach der Abnahme hängt das Melkzeug in Ansetzposition. In Intervallen
wird Desinfektionslösung und Druckluft über die Ventile eingebracht. Die
Flüssigkeit wird gut ausgetragen, wenn
die Melkbecher nach unten hängen. Stehen die Becher aber nach oben oder zur
Seite, kann es leicht zu einem Rücklauf
des Dippmittels in das Sammelstück
kommen. Das haben wir bei einigen
Anlagen in der Praxis beobachtet.
Nur noch mit Backflush:Deshalb gibt
Dieses System sprüht Dippmittel von
unten an die Zitzenspitze. Die neue
„Backflush“-Technik spült über den
Milchschlauch auch das Sammelstück.
es dieses Modell ab sofort ausschließlich
mit einem integrierten „Backflush“-System: Dabei wird zusätzlich vom langen
Milchschlauch her das gesamte Melkzeug gespült. Dies kann auch in beste-
hende AirWash Plus-Anlagen nachgerüstet werden und trägt wesentlich zur
Lebensmittelsicherheit bei.
Der Verbrauch von Dippmittel liegt
laut Hersteller mit dem empfohlenen
Mittel „Desintec MH Lactic Spray“ bei
6 ml je Vorgang. Dieses Mittel basiert
auf Milchsäure und sollte deshalb in
Modellen ohne Backflush benutzt werden. Mit dem Backflush-System lassen
sich auch andere Mittel verwenden.
Das Desinfektionsmittel „Ecolab Romit BF“, eine 5 %ige Peressigsäure, wird
für den Spülvorgang empfohlen. Der
Verbrauch liegt mit Backflush bei
900 bis 1 000 ml je Melkung.
Beide Flüssigkeiten werden durch
Füllstandswarner überwacht und optisch wie akustisch angezeigt. Es gibt
diverse Einstellmöglichkeiten, um die
Zeitpunkte, Dauer und damit die
Mengen der Mittel zu regulieren. An jedem Melkplatz befindet sich eine Steuereinheit, die einzeln eingestellt werden
muss. Die elektrischen Sicherheits­
ventile bleiben bei Stromausfall verschlossen.
Die Kosten belaufen sich auf 1 700 bis
1 800 € je Platz inkl. Backflush. Für rotierende Systeme ist eine Drehkupplung
nötig, die zusätzlich ca. 5 000 € kostet.
Im Preis enthalten ist eine Erfolgskontrolle von zwei Melkeinheiten, bei denen
der Landwirt unabhängig Proben nehmen und untersuchen lassen kann.
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R 13
Melken
Der Sicherste
Das
Dippmittel
verteilt sich
gut über die
gesamte
Zitze.
Teuer aber sicher: Das Apollo-Melkzeug birgt die
geringste Gefahr von Reinigungsmittel in der Milch.
Druckausgleich im Zitzengummikopf
und gleichzeitiges Anziehen des Abnahmeseils wird das Melkzeug sanft
entfernt. Die dabei an der Zitze entlang
streichende Gummilippe verteilt das
Mittel über die gesamte Zitze und hinterlässt bei korrekt eingestellter Menge
einen Tropfen an der Zitzenspitze.
Vor dem
Sammelstück
ist ein
Sicherheitsventil verbaut.
Dieses verhindert, dass
Dipp- oder
Reinigungsmittel in die
Milchleitung
gelangen
können.
Fotos: Hubal
Mit Wasser vorspülen.Anschließend
eil Gea sein Produkt weltweit vertreibt, musste es zahlreiche Sicherheitsstandards erfüllen. Das garantiert eine hohe Lebensmittel-Sicherheit
der Milch. In Deutschland setzen 29 Betriebe diese Technik ein.
Dippmittel,
Desinfektionslösung,
Druck­luft und Wasser gelangen über einen 4-Kammer-Schlauch entlang des
langen Milchschlauchs zu einem Sicherheitsventil. Dieses Ventil ist dem GEA
IQ-Melkzeug vorgebaut, das heißt, man
muss entweder schon ein solches Melkzeug besitzen oder es kaufen. Der Ventilmechanismus verhindert, dass Milch
mit Dippmittel, Wasser oder Desinfektionslösung in Kontakt kommt. In
Grundstellung ist die Milchseite offen,
sodass beim Ausfall des Systems in jedem Fall gemolken werden kann.
Nach dem Schließen der Melkleitung
wird Dippmittel über einen Verteiler in
alle Zitzengummiköpfe gebracht und
mit Druckluft ausgetrieben. Ähnlich
dem ADF-System leiten speziell geformte Zitzengummilippen das Mittel
um die Zitzen herum. Durch den
R 14
top agrar 3/2015
Übersicht 3: Gea Apollo
Grafik: Driemer
W
Dippen
Spülen
Eine Düse sprüht Dippmittel an die
Zitzenbasis. Es verteilt sich bei der Abnahme entlang der Zitze. Ein spezieller
Verteiler reinigt auch das Sammelstück.
werden im ersten Schritt das Sammelstück und die Melkbecher mit Wasser
gespült, um Milch- und Dippmittelreste
zu entfernen. Erst dann wird mit Desinfektionslösung gespült und eine Einwirkzeit von 30 Sekunden eingehalten.
Danach wird wieder mit Wasser gespült, sowohl das Melkzeug als auch der
Ventilmechanismus. Im Gegensatz zu
den anderen beiden Modellen hängt das
Melkzeug während und nach dem Reinigen in umgekehrter Position. Es muss
vor dem Ansetzen gedreht werden. Dadurch läuft das Reinigungswasser jedoch gut ab.
Sämtliche Mengen und auch die Anzahl der Spülvorgänge sind zentral programmierbar über das GEA DP-System,
da die Anlage in das Melktechnik-Netzwerk eingebunden ist. Sensoren kontrollieren Druckluft, Wasser, Desinfektions- und Dippmittel, um bei Ausfall
die Anlage abzustellen.
GEA empfiehlt die hauseigenen
sprühfähigen Dippmittel SensoSpray 50
(Verbrauch 6 bis 7 ml), LuxSpray 30
(8 bis 10 ml) und LuxSpray 50 (11 bis 12
ml). Der Verbrauch ist abhängig von der
Viskosität des Mittels.
Zur Desinfektion wird das Mittel
„CircoFlush PE 15“, eine 15 %ige Peressigsäure verwendet, die mit 1,55 ml je
Desinfektionsgang dosiert wird. So entsteht eine Desinfektionslösung mit ca.
1 000 
ppm. Der Verbrauch liegt bei
1 000 – 1 200 ml je Melkung.
Die Kosten für das Apollo-System belaufen sich auf ca. 2 000 € je Melkplatz.
Die Kosten bei einem rotierenden System sind laut Hersteller nicht wesentlich höher, da die Kapazität der Drehkupplung mit herstellereigenen Mitteln
erweitert werden kann.
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