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4930/1
Das
Neue Zürcher Zeitung
Samstag, 18. November 1967
Morgenausgabe
WOCHENENDE
Blatt 5/6 Nr. 4930/4931
Wochenende 92/93
DER QROSSI SCHÜSS
Naoh dem Jungfernflug der Saturn
Toxt und Aufnahmen von Georg Garster
Das gigantische neue TrägerfahrMond)
mehr als das
zeug, Rückgrat des amerikanischen Mondlandeprogramms, vermag 129 Tonnen auf eine 187 Kilometer hohe Erdumlaufbahn zu bringen (oder 36 Tonnen auf den
doppelte Gewicht aller Kapseln und Zielkörper, die im Rahmen des Merkur- und Gomini-Programms in den Raum geschossen wurden.
Quantensprung hinter sich.
Mit der erstmaligen, erfolgreichen Flugerprobung der Saturn 5 letzte Woche brachte die amerikanische Raketentechnik einen
DI. Saturn
5
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mit
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Neue Zürcher Zeitung vom 25.11.1995
4930/2
In der Michouit Assembly Pacility der NASA bei New Orleans wird neben der Startatulc der Saturn S auch die Emtatulc der Sclmbvorstürhtcn Saturn
montiert, mit der die ersten bemannten Apollo-Pläge mit Erdumlautbahnen nächstes Jahr beginnen werden.
Die Raketenungetüme von heule entstehen mit Vhrmachcrprüzlslon unter streng kontrollierten Umweltbedingungen: Zusammenbau von BrennstoffIcitungcn und Ventilen Im slaublrelen. einem Operationssaal gleichenden «Clcan Jtoom» der Mlehoud Assembly Fadllty bei New Orleans.
Die Abmessungen der Saturn 5 abersteigen das Vorstellung svermOgen des Alltags: der Deckel eines TrelbslottbebMlers des neuen Tr&gerlahrxeugs
auf dem Prülstand In der Mlehoud Assembly Pacility bei New Orleans.
Die Grate der Saturn-Raketen
wirft Tfi
«Ich war beeindruckt.»
Ganwalmajor Samuel C. Phillips, im Auftrag des amerikanische»
Bundesamtes für Luft- und Raumfahrtforschung (NASA) Leiter «m
Apollo-Programs, beantwortete mit dieser klassischen Untertreibung die Frage von Journalisten, was er beim Abheben der
Mondrakete empfunden habe. Die dritte Stufe der Saturn 5 hatte
die erste Erdumkreisung noch nicht vollendet, in der Einsatzkontrollzentrale bei Houston und in den Bahnverfolgungsstationen,
Datenempfangsanlagen und Uebermittlungsstellen rund um die
Erde war der Flug «go», die Muskeln der Bergungsmannschaften
auf Schiffen und in Flugzeugen spannten sich. Aber auf Merritt
Island, dem Mondbahnhof der NASA, war bereits Ruhe eingekehrt.
Die Hurras waren verklungen, die Helme, die Begeisterung in die
Luft geschleudert hatte, saßen wieder fest auf den Köpfen, Feuerwehrmänner spülten auf dem AbschuBtisch A der Startanlage 39
Treibstoffreste weg
und mitten in dem Gischt und Dampf und
Rauch machten Wernher von Braun, der Architekt der Saturn 5, und
seine Mitarbeiter eine erste Bestandesaufnahme der Schäden, die
das feuerspeiende Ungeheuer beim Abflug der Startrampe und
ihren Hilfseinrichtungen zugefügt hatte. Bei den Beobachtern deblockierte endgültig das Lachen, das General Phillips' unterkühlte
Bemerkung hervorrief, die von der Nervensäge des Raumfahrtzeitalters, dem Countdown, verkrampften Sinne.
Kein Mann wußte besser, wieviel hätte schiefgehen können.
Ein kleines Organisationswunder war es, daß überhaupt jemals
eine Saturn 5 auf den AbschuBtisch gerollt werden konnte: das
Erzeugnis von 300000 Beschäftigten in Betrieben nicht nur der
Großen der Flugzeug- und Raumfahrtindustrie (North American,
Boeing und Douglas), sondern ebenso sehr von 20 000 über das
ganze Land verstreute
n
Zulieferanten. Und ein nicht geringeres
technische« Wunder, daB der Riese schließlich auf die Sekunde
genau startklar wurde: Zehntausende von Einzelhandlungen muBten Im Countdown in der richtigen Reihenfolge zu genau der richtigen Zeit erfolgen, ehe das automatische Sequenzgerät den Startvorgang einleiten konnte.
«Ich war beeindruckt.»
Den General schützte die Sprache vor Emotionen. Die Beobachter Schützte die räumliche Entfernung. Mit fünfzehn Sekunden Verspätung auf den Blitz der gezündeten Motoren lieferte die Saturn 5,
nebst der' Atombombe die lürmigsto Erfindung der Menschheit, den
Donner nacht ein gnädiger Wind ersparte zudem dem Trommelfell die vorausberechneten 120 Dezibel. Und in fünf Kilometern
Abstand vom AbschuBtisch zitterte die Erde nur noch mit Maßen;
der Gips, der in einem Kommandoraum des Startkontrollzentrums
von der Decke flockte, zeugte eher gegen die Handwerker als für
die Rakete. Selbst der Startvorgang artikulierte auf diese Weise
das Problem der Berichterstattung über die wohlproportionierte,
ästhetisch befriedigende Raumfahrtrealität von 1967: einen zureichenden Begriff von ihrer schieren Größe und brutalen Kraft
zu vermitteln. Ventilatoren verhindern im Innern der Montagehalle für die Saturn 5 Wolkenbildung und Regenfälle. Und man
jappt nach Vergleichen aus der Alltagserfahrung, um die 33 Stockwerke, hohe Saturn-5-Apollo-KombinaUon ins rechte Licht zu
rücken. Die Antricbslcistung ihrer drei Stufen (4520 000 kp) übertrifft diejenige der ganzen Swissair-Jot-Flottc um das Achtfache.
Die fünf F-l -Motoren der Startstufe konsumieren in zweieinhalb
Minuten etwa fünfzehnmal so viel Kerosin wie eine DC-8 auf dem
Flug von Zürich nach New York
nebst 35 Eisenbahntankwagen
voll Flüssigsauerstoff. Die Förderleistung ihrer Kreiselpumpen genügte, um alle 6 Sekunden ein nach Olympia-Normen gebautes
Schwimmbecken leerzusaugen . .
Es erübrigt sich, das Einsatzprofil des ersten Saturn-5-Fluges
nochmals zu beschreiben. Nach einem Flug von 8 Stunden und 37
Minuten ging die angekohlte, wenig über 5 Tonnen schwere
alles, was von dem
Kommandoeinheit des Apollo-Raumschiffes
2800-Tonnen-Monster übrig war, das am Vormittag in Cape Kennedy
pazifischen
abgehoben hatte
Zielraum nieder. Das Experiment
im
bewies die Flugreife der Saturn 5 glänzend. Ebenso zeigte es, daß
der Hitzeschild des Raumfahrzeugs die zu erwartende Warmebclastung beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre mit 40 000
Kilometern pro Stunde der Geschwindigkeit der Heimkehrer vom
auf: 8petlalschl0e befördern die Stammten der SehubversUrklen Saturn und der Saturn 5 von New Orleans dm Mississippi hinunter und via Ooll von Mexiko wir Startmnlage M Im Kennedy Space Center der NASA, nordlich von Cape Kennedy
»In» Reise von 1500 Kilometern.
Neue Zürcher Zeitung vom 25.11.1995
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