close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Aktuelle Leseprobe KW 3/2015 - DWA

EinbettenHerunterladen
n
rli l 5
e
B a 1
er tion z 20
s
s a r
Wa tern . Mä
In 27
.–
24
8. Jahrgang · Nr. 3 · März 2015 · 77157
Korrespondenz
Wasserwirtschaft
Wasser · Boden · Natur
3/15
www.dwa.de/KW
DWA-Leitbild
Wasser Berlin
International
Dialog am Stechlinsee
EWA-Brüssel-Konferenz
Schweiz:
Zustandsbericht
Wasser
IWASA 2015
Überflutungsprüfung im urbanen
Raum
Berechnung von
Sturzfluten
Naturschutz und
Gewässerrenaturierung
Numerische Strömungssimulation
TAGUNG GIS & GDI: 22./23. April 2015, Köln
SEMINAR KIS: 23. April 2015, Köln
GIS und GDI in der Wasserwirtschaft und
Kanalinformationssysteme (KIS)
mit begleitender Fachausstellung
2 0 1 3
Leitbild
Die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V. (DWA) steht für eine sichere und nachhaltige Wasserund Abfallwirtschaft. Sie ist gemeinnützig sowie politisch und wirtschaftlich unabhängig.
Als technisch-wissenschaftlicher Fachverband führt die DWA die Fach- und Führungskräfte der Wasser- und Abfallwirtschaft aus
Kommunen, Hochschulen, Ingenieurbüros, Behörden und Unternehmen zusammen. Sie formuliert technische Standards, bringt
sich in die Normungsarbeit ein, unterstützt die Forschung und fördert die Aus- und Weiterbildung.
Die DWA wurde 1948 gegründet. Sie ist national und international aktiv. In Europa ist sie die mitgliederstärkste Organisation auf
ihrem Gebiet.
Umwelt und Wirtschaft im Einklang
Lösungen für unsere Gesellschaft
Die DWA bekennt sich zu ihrer Verantwortung für sauberes
Wasser, intakte Böden und reine Luft, um eine gesunde Umwelt
für nachfolgende Generationen zu erhalten.
Die DWA bezieht ihre Stärke aus der Vielfalt. Sie nutzt ihr
Wissen, um Natur und Umwelt zu schützen und Herausforderungen wie Klimawandel und Ressourcenerhalt zu meistern.
Verantwortung
Präsenz
Ein funktionierender Wasserkreislauf ist Grundlage allen
Lebens. Die DWA achtet die Umwelt und übernimmt Verantwortung. Sie setzt sich für eine nachhaltige Ressourcenbewirtschaftung durch Verknüpfung der Wasserwirtschaft mit der
Energie- und Kreislaufwirtschaft ein. Arbeitsschutz und technische Sicherheit haben hierbei eine besondere Bedeutung.
Auf Bundes- und Landesebene ist die DWA mit ihren Angeboten
flächendeckend präsent. Mit wichtigen wasser- und abfallwirtschaftlichen Institutionen befindet sie sich auf nationaler und
regionaler Ebene in stetigem Austausch. Diese horizontale und
vertikale Vernetzung baut die DWA – auch interdisziplinär –
kontinuierlich aus.
Kompetenz
Internationalität
Die DWA befasst sich mit allen wasserwirtschaftlich relevanten
Themen. Ihre Kompetenz ist in der Fachwelt und in der Öffentlichkeit anerkannt. Sie ist Meinungsführer auf ihrem Gebiet.
Grundpfeiler der DWA ist ihre breite personelle Verankerung,
vom Auszubildenden bis zum Professor. Die DWA profitiert von
der Vielfalt ihrer Mitglieder.
Die DWA stellt ihre Kompetenzen auch international zur Verfügung. Sie kooperiert mit internationalen Organisationen und
Fachleuten aus dem Ausland. Ihre persönlichen und fördernden
Mitglieder unterstützt die DWA in ihren internationalen Interessen mit passenden Angeboten.
Wissen
Die DWA bündelt und verbreitet Wissen und Erfahrungen der
Fachleute aus Planung, Bau und Betrieb im Wasser- und Abfallsektor. Durch Kooperation mit Forschung und Lehre unterstützt
die DWA innovative Lösungen. Ihr Regelwerk dokumentiert
den allgemein anerkannten Stand der fachlichen Praxis, bietet
technische und rechtliche Sicherheit und dient der Aus- und
Weiterbildung.
Netzwerk
Die DWA versteht sich als Netzwerk von Fachleuten. DWAMitglieder bringen ihre Kenntnisse und ihre Erfahrungen über
ehrenamtliche Arbeit ein, können diesen Wissenspool aber
zugleich beruflich und persönlich nutzen. Die DWA stärkt diese
Kultur des Miteinanders, indem sie persönliche und fördernde
Mitglieder zusammenbringt.
Kommunikation
Mit ihren Angeboten wendet sich die DWA an ihre Mitglieder,
aber auch an Bürgerinnen und Bürger, Politik, Behörden,
Medien, Industrie, Dienstleister, Wissenschaft, benachbarte
Fachgebiete und Organisationen. Ihre Themen und Arbeitsergebnisse kommuniziert sie zielgruppenspezifisch an Fach- und
Führungskräfte sowie an die Öffentlichkeit.
Mitglieder
Die DWA ist eine lernende Organisation, die neue Erkenntnisse
aufgreift und Neuerungen unterstützt. Sie strebt an, alle in der
Wasser- und Abfallwirtschaft Tätigen als Mitglieder zu gewinnen und für die ehrenamtliche Mitarbeit zu begeistern. Sie
nimmt die demographische Herausforderung
an, will junge Menschen für Umweltberufe
interessieren und lebenslanges Lernen
für erfahrene Mitglieder fördern.
Deutsche Vereinigung für
Wasserwirtschaft, Abwasser
und Abfall e. V.
Editorial 137
DWA-Leitbild
Die DWA hat ein neues Leitbild – darüber
freue ich mich sehr, denn gerade eine so
heterogene Vereinigung wie die DWA
sollte klar darstellen, wofür sie steht,
was sie ausmacht und welche Werte ihr
wichtig sind.
Und trotzdem scheiden sich oft die
Geister, wenn sich das Gespräch um Leitbilder dreht! Für die einen sind sie
hübsch zu lesende Worthülsen, mit denen sich Institutionen, wie Unternehmen, Verbände, Behörden etc., in das
Licht rücken wollen, in dem sie sich
selbst am liebsten sehen. Die tatsächlich
gelebte Kultur spielt dabei eine eher untergeordnete Rolle. Für die anderen sind
sie richtungsweisende Leitplanken, die
sowohl das inhaltliche als auch das ethische Selbstverständnis widerspiegeln.
Hier sind sie Basis für die Ausgestaltung
einer nachhaltigen Strategie. Sie zeigen
allen Menschen im Umfeld auf, was sie
auf allen Ebenen der Werteskala von der
Institution erwarten können und welche
Ziele angestrebt werden. Sie spiegeln das
Selbstverständnis für Mitarbeiter und
Kunden genauso wider wie für die Leitungsebene und die Geschäftspartner.
Am Text des Leitbildes selbst lässt
sich noch nicht erkennen, ob es sich eher
um Worthülsen handelt oder um tatsächlich gelebte Werte. Denn Leitbilder sind
naturgemäß auf wesentliche Kernaussagen konzentriert. Sie beschreiben abstrakt und extrem komprimiert, für welche wesentlichen Inhalte und Werte eine
Institution stehen will oder steht. Diesem
Spannungsfeld ist jedes Leitbild ausgesetzt, auch das neue DWA-Leitbild. Deshalb möchte ich Ihnen die Motivation dafür und den Anspruch an unser neues
Leitbild etwas näherbringen.
Die Entwicklung des neuen Leitbildes
begann bereits im Jahr 2012 aus der
­Diskussion in Präsidium und Vorstand.
Daraus entstand die grundsätzliche Entscheidung, die künftigen Schwerpunkte
und Entwicklungen der DWA in einem
neuen Leitbild zusammenzufassen. Das
dies nun so schnell gelungen ist, verdanken wir dem Redaktionsteam, einer
Gruppe von Ehren- und Hauptamtlichen,
die sich aus dem vielfältigen Spektrum
unserer Mitgliedschaft gebildet hat: Alt
und Jung, Betriebsleute und Wissen-
www.dwa.de/KW
schaftler, Spezialisten aus all unseren
Fachdisziplinen und den Behörden. Die
Kernfragen, die das Team zu beantworten hatte, gingen einmal um das Selbstverständnis der DWA: „Wer sind wir?“
und in einem zweiten Schritt um die
Zielsetzungen, mit denen sich die DWA
in Zukunft befassen will: „Wo wollen wir
hin?“
Der vorgelegte Entwurf wurde 2014
vom Vorstand zur Vorstellung bei der
Mitgliederversammlung in Baden-Baden
freigegeben. In der sich daran anschließenden Mitgliederbeteiligungsphase
sind keine grundsätzlichen Veränderungswünsche geäußert worden. Die eingegangenen Kommentare und Anregungen konnten wir recht einfach aufgreifen
und in die Kernaussagen des neuen Leitbildes integrieren. So konnte das neue
Leitbild in der letzten Präsidiumssitzung
2014 beschlossen werden.
Der Anfang ist damit gemacht! Die
Qualität hängt nun davon ab, wie es aufgenommen und gelebt wird und in welchem Maße es zur verbandlichen Identifikation beiträgt. Nun muss eine intensive Kommunikation in alle Bereiche der
DWA hinein stattfinden. Das Leitbild soll
aber auch die Basis für die strategische
Ausrichtung der DWA für die nächsten
Jahre sein:
●● Was wird die DWA in den verschiede-
nen Themenfeldern leisten?
●● Was kann beibehalten werden? An
welchen Stellen wäre ein Zurückfahren der Aktivitäten angebracht? Wo
ist noch mehr Engagement von Nöten?
●● Welche neuen Aktivitäten sind erforderlich, um dem selbst auferlegten
Anspruch des neuen DWA-Leitbildes
gerecht zu werden?
Antworten auf diese Fragestellungen
werden wir in den kommenden Wochen
und Monaten erarbeiten. Bis zur nächsten Vorstandssitzung im Juli 2015 in Aachen sollen entsprechende Strategieentscheidungen vorbereitet werden, die
dann in der nächsten Mitgliederversammlung vorgestellt werden. Die Inhalte sollen in der KA und KW veröffentlicht
werden, sodass alle Interessierten die
Möglichkeit haben, sich ein eigenes Bild
zu machen. Die Stärke der DWA liegt in
ihrer Mitgliedervielfalt. Das ist eine besondere Chance, die Themenschwerpunkte des neuen DWA-Leitbildes mit
spannenden und zukunftsweisenden Inhalten zu füllen.
Das DWA-Leitbild ist keine Worthülse, sondern ein Motor. Schritt eins ist gemacht – das DWA-Leitbild ist verabschiedet. Konsequenterweise folgt nun Schritt
zwei – die Kommunikation untereinander und gegenüber Dritten sowie die
strategische und perspektivische Ausrichtung der zukünftigen Aktivitäten im
Einklang mit unserem neuen Leitbild.
Zur Gestaltung dieses gemeinsamen Weges möchte ich Sie alle einladen. Machen
Sie mit! Mischen Sie sich ein! Wir alle
sind DWA!
Bauass. Dipl.-Ing. Otto Schaaf
Präsident der DWA
KW Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2015 (8) · Nr. 3
138
Inhalt
3/2015
Seite 156
Vom 24. bis 27.
März 2015 wird
Wasser Berlin
International
wieder für vier
Tage zum
Treffpunkt der
internationalen
Wasserwirtschaft.
Die Fachmesse
und der Kongress für die Wasserwirtschaft spiegeln den
gesamten Wasserkreislauf wider. Über 600 nationale und
internationale Aussteller und mehr als 20 000 Besucher
werden in Berlin erwartet.
Seite 158
Modellansätze zum Abflussverhalten von Niederschlagswasser basieren häufig auf der Annahme, dass sich das
Niederschlagswasser vollständig im Kanal befindet, bevor es
auf die Oberfläche überstaut. In der Realität gelangt es
jedoch zunächst auf die Geländeoberfläche, bevor ein Teil in
die Kanalisation fließt. Eine flächige Beregnung kann aber
in bi-direktional gekoppelte Kanalnetz-Oberflächen-Abflussmodelle integriert werden.
Titelbild: Sturzfluthinweiskarte auf Orthofoto mit
tatsächlicher Bebauung; Quelle: Ingenieurbüro
Dipl.-Ing. Günter Humer GmbH
Beiträge in
KA – Korrespondenz Abwasser, Abfall 3/2015
A. Roland, R. Rausch, T. Huxhorn, T. Kraus, S. Wallisch,
M.-D. Sikiric, Y.-J. Zhang und U. Zanke: Hochauflösende
Simulation von urbanen Sturzfluten – Anwendungsbeispiel: Überflutungsprüfung für die Stadt Worms
R. Gnirss, C. Lüdicke, M. Beraktschjan, P. Renner,
I. Feuerpfeil, H. Dizer, R. Szewzyk und H.-C. Selinka:
Abwasserdesinfektion – Verfahrensvergleich in Bezug auf
Indikatororganismen
G. Kolisch, I. Hobus, K. Alt und M. Armbruster:
Integrale technische Optimierung biologischer Klärstufen
T. Langenohl: Auswirkungen der sich verändernden
Rahmbedingungen auf die Entsorgungssicherheit für
Klärschlamm
Arbeitsbericht der DWA-Arbeitsgruppe WI-1.2 „Benchmarking, Balanced Scorecard/Neue Steuerungsinstrumente“:
Wie können Kennzahlen bei der Unternehmenssteuerung
helfen? – Ein Praxisbericht aus der Wasserwirtschaft –
Teil 2: Praxisbeispiele
KW Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2015 (8) · Nr. 3
Editorial
DWA-Leitbild . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137
Otto Schaaf (Köln)
Grußwort
Wo sich die internationale Wasserwirtschaft trifft:
Wasser Berlin International 2015 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146
Cornelia Wolff von der Sahl (Berlin)
Berichte
Water in the Cities
Zehnte Brüssel-Konferenz der EWA . . . . . . . . . . . . . . . . .
Johannes Lohaus (Hennef)
Gemeinsam stärker: Wissenschaft und Naturschutz –
Dialog am Stechlinsee . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Peter Kasprzak, Peter Casper und Mark Gessner (Stechlin)
Pflanzenschutzmittel, Nitrat und mangelnde Durch­
gängigkeit Haupt­probleme der Schweizer Gewässer
BAFU legt „Zustandsbericht Wasser“ vor . . . . . . . . . . . . .
Stefan Bröker
Offene Gewässer: Strahlwirkung, Fischaufstieg,
Fischabstieg, Sedimente, Schadstoffe
45. Internationales Wasserbau-Symposium Aachen
(IWASA) 2015 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Ricarda Döring und Elena-Maria Klopries (Aachen)
Wasser Berlin International 2015: kompakter,
umfassender und strukturierter . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
147
150
151
153
156
Hydrologie und Wasserbewirtschaftung
Neuartige Berechnungsansätze zur Überflutungsprüfung im urbanen Raum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 158
Sebastian Czickus, Daniel Schäfer (Wuppertal),
Maike Wietbüscher (Münster) und Wulf Riedel (Solingen)
Erweiterung eines 2D-Strömungs­modelles
zur Berechnung von Sturzfluten
Plausibilisierung und praktische Anwendung
für die Darstellung von Gefahrenkarten und Lösung
von Planungsaufgaben in Siedlungs­gebieten . . . . . . . . . . 164
Günter Humer, Andreas Reithofer (Geboltskirchen/
Österreich), Robert Klar und Stefan Achleitner
(Innsbruck/Österreich)
Rubriken
Spektrum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 140
Impressum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 161
Leserforum . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 183
Personalien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 190
Bücher . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 194
www.dwa.de/KW
139
Korrespondenz
Wasserwirtschaft
Gewässer und Boden
Chancen und Anforderungen für ein g
­ emeinsames
Vorgehen von W
­ asserwirtschaft und Naturschutz
bei der Gewässerrenaturierung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 172
Klaus Werk (Geisenheim)
Wasserbau und Wasserkraft
Numerische Strömungssimulationen
von Fließgewässern – Praxisanwendungen und
zukünftige Entwicklungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 177
Mario Oertel (Lübeck) und Daniel B. Bung (Aachen)
DWA
Fachgremien . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 184
Regelwerk . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 185
Landesverbände . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187
Bildung . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 189
Seite 164
Angesichts der
zunehmenden
Häufigkeit von
Sturzfluten
wächst der Bedarf
bei Kommunen,
Karten der
Überflutungssi­
tuation durch
Sturzfluten zur
Verfügung zu
haben, um daraus
Schutzmaßnahmen ableiten zu
können. Das hydrodynamisch-numerische Modell Hydro_As2D wurde aus diesem Grund um ein Niederschlagsmodul
erweitert, das aus einem räumlich und zeitlich variablen
Niederschlag die Abflussbildung errechnet und den
Landoberflächenabfluss und dessen Konzentration flächig
ermittelt.
Seite 172
Naturschutz, Artenschutz und Wasserwirtschaft müssen
nicht im Widerspruch zueinander stehen. Weder die
Bestimmungen zum Gebietsschutz NATURA 2000 mit
der Verträglichkeitsprüfung noch das besondere
Artenschutzrecht mit der artenschutzrechtlichen Prüfung
bringen unüberbrückbare Hürden gegen eine Gewässerrenaturierung mit sich. Notwendig ist aber eine enge
und frühzeitig beginnende Kooperation der zuständigen
Wasser- und Naturschutzbehörde.
Seite 177
Im Bereich der Wasserbau-Ingenieurwissenschaften stellen hydrodynamische numerische Strömungssimulationen mittlerweile den Stand der Technik für die ein- und zweidimensionale Modellierung dar, dreidimensionale
Strömungssimulationen werden hingegen derzeit in der Regel nur in Hochschulen und Forschungseinrichtungen
verwendet. Ein weiterer Trend ist in der Simulation von Stofftransporten, z. B. Sedimente, Geschiebe oder
Schadstoffe, auszumachen. Diesbezüglich erfolgte in den vergangenen Jahren eine stetige Anpassung und
Erweiterung vorhandener Strömungssimulationsmodelle insbesondere im 2D Bereich.
Veranstaltungen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 195
Industrie und Technik . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 197
KW 4/2015
Stellenanzeigen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 197
Erscheinungstermin: 1. April 2015
Branchenadressen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 200
Anzeigenschluss: 9. März 2015
Beilagenhinweis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 163
www.dwa.de/KW
KW Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2015 (8) · Nr. 3
140 Spektrum
EU-Kommission genehmigt
britische HochwasserRückversicherungsregelung
Die Einführung einer Pflichtversicherung
für Elementarschäden steht in Deutschland immer wieder auf der politischen
Agenda. Dass der Staat eine solche
Pflichtversicherung finanziell unterstützen kann, ohne gegen die EU-Beihilfevorschriften zu verstoßen, zeigt jetzt das
Beispiel Großbritannien. Die Europäische Kommission hat Anfang Februar eine britische Rückversicherungsregelung,
in deren Rahmen eine inländische Versicherung für hochwasserbedingte Schäden zu annehmbaren Preisen angeboten
werden soll, nach den EU-Beihilfevorschriften genehmigt. Die Rückversicherung („Flood Re“) wird einen Rückversicherungspool für hochwasserbedingte
Schäden von Haushalten einrichten, die
als besonders hochwassergefährdet gelten. Finanziert werden soll dieser Pool
zum Teil über eine branchenweite Abgabe, die dem Pool einen wirtschaftlichen
Vorteil gegenüber seinen Wettbewerbern
verschaffen und eine staatliche Beihilfe
umfassen könnte. Die Kommission kam
aber trotzdem zu dem Schluss, dass die
Rückversicherungsregelung mit den EUBeihilfevorschriften vereinbar ist, da eine
solche Versicherung vom privaten Markt
möglicherweise nicht hinreichend angeboten würde und die Rückversicherung
das Marktversagen ohne größere Wettbewerbsverzerrungen beseitigt. Bei dem
britischen Modell handelt es sich um einen Rückversicherungspool ohne Erwerbszweck, der von Versicherern betrieben und finanziert werden soll. Die Versicherer erhalten mit Flood Re die Möglichkeit, die risikoreichsten Hochwasserschadenselemente zu einer festgesetzten
Prämie auf den Pool zu übertragen. Den
Bedingungen der Rückversicherung zufolge können Versicherer die Risiken
bündeln. Sie werden die Versicherten
wie gewohnt für die Hochwasserschäden
entschädigen und dann die Kosten gegenüber dem Rückversicherungspool
geltend machen. Gleichzeitig werden
dem Versicherten, das heißt dem Endverbraucher, annehmbare Preise garantiert,
da die Prämien für am Pool beteiligte
Versicherer in ihrer Höhe begrenzt sind.
Die Beteiligung an der Rückversicherung
ist freiwillig, und Versicherer haben nach
wie vor die Möglichkeit, derartige Risiken auf dem allgemeinen Rückversicherungsmarkt zu versichern. Die EU-Kom-
mission hat dieses Modell nun zwar genehmigt, in ihrer Mittelung hebt sie aber
hervor, dass es sich bei der Rückversicherung um eine vorübergehende Maßnahme handelt, die nach einem geschätzten
Zeitraum von 20 bis 25 Jahren auslaufen
soll. Anschließend dürften die Versicherer auf der Grundlage der Marktbedingungen in der Lage sein, Hochwasserversicherungen nach dem jeweiligen Risiko,
aber in annehmbarer Höhe zu bepreisen,
so die Kommission. Um das risikoabhängige Prämiensystem für inländische
Hochwasserversicherungen nachhaltig
zu gestalten, haben sich die britischen
Behörden verpflichtet, während dieses
Zeitraums in die Infrastruktur zu investieren, um das Hochwasserrisikomanagement im Vereinigten Königreich zu verbessern. So soll in den Jahren 2015–2016
ein spezifisches Programm zur Verbesserung des Hochwasserschutzes aufgelegt
werden. Auch soll Versicherern eine
Standardhochwasserrisiko-Berichtsvorlage mit Informationen über die Auswirkungen der Maßnahmen an die Hand gegeben werden, die im Bereich des Hochwasserschutzes ergriffen wurden. Damit
soll die Berücksichtigung des Hochwasserrisikomanagements in Versicherungsverträgen erleichtert werden.
W
Pflichtversicherung
gegen Elementarschäden
Der Petitionsausschuss des Bundestages
hat sich für eine Pflichtversicherung für
Gebäudeeigentümer gegen Elementarschäden ausgesprochen. Der Ausschuss hat am 14. Januar 2015 einstimmig beschlossen, eine entsprechende Petition dem Bundesjustizministerium zu
übergeben. Die Petenten fordern darin,
dass alle Eigentümer von Gebäuden eine
Pflichtversicherung gegen Elementarschäden abschließen müssen, wobei
die Beiträge in den Hochrisikozonen gedeckelt oder staatlich bezuschusst werden sollen. Zur Begründung wird darauf
verwiesen, dass Naturkatastrophen in regelmäßigen Abständen Milliardenschäden am Eigentum von Bürgern – insbesondere an Wohngebäuden – anrichteten. Zwar würden sich viele Immobili­
eneigentümer gerne gegen solche Schäden versichern. Da die privatwirtschaftlich organisierten Versicherungen vor
den hohen Kostenrisiken zurückschrecken würden, könnten sie dies jedoch
nicht. Folge davon sei, dass der Staat und
damit der Steuerzahler die Schäden, zu-
KW Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2015 (8) · Nr. 3
mindest zum Teil, kompensieren müsste.
Es gebe also, so urteilen die Petenten, im
Bereich der Elementarversicherung ein
klassisches Marktversagen, das den Gesetzgeber zum Handeln zwinge. Überlegungen zur Einführung einer verpflichtenden Elementarversicherung gab es
auf Bundesebene bereits 2003. Damals
wurden entsprechende Planungen jedoch nicht weiter fortgeführt, unter anderem aufgrund verfassungsrechtlicher
Bedenken.
W
Neue genetische Methode zum
schnellen Krebspestnachweis
Wissenschaftler des Senckenberg Forschungsinstituts in Gelnhausen und des
Senckenberg Biodiversität und Klima
Forschungszentrums (BiK-F) haben eine
kostengünstige und hochsensitive genetische Methode zum schnellen und sicheren Nachweis der Krebspest entwickelt.
Die Auftraggeber für das Projekt, die
Oberen Fischereibehörden der Regierungspräsidien Darmstadt, Gießen und
Kassel, wollen die Methode zukünftig
flächendeckend einsetzen, um die
Krebspest in heimischen Gewässern zu
überwachen und gegebenenfalls schnell
reagieren zu können. Finanziell gefördert wurde das Projekt aus Mitteln der
Fischereiabgabe, die das Land Hessen
den Regierungspräsidien zur Verfügung
stellt. Die von amerikanischen Flusskrebsarten eingeschleppte Krebspest endet für die in Deutschland heimischen
Flusskrebse in der Regel tödlich. Sie
führt zum Rückgang bis hin zum Zusammenbruch ganzer Bestände europäischer
Arten, wie beispielsweise dem Edelkrebs
(Astacus astacus) oder dem Steinkrebs
(Austropotamobius torrentium). Die Träger des Erregers setzen kontinuierlich
die gefährlichen Krebspest-Sporen in das
sie umgebende Wasser frei. Die Sporen
finden ihre Wirte über bestimmte, bisher
noch nicht identifizierte chemische Stoffe. Trifft eine Spore auf einen Flusskrebs,
dringt sie in die Oberfläche des Organismus ein und der Pilz befällt das Gewebe.
Das hessische Forscherteam hat nun eine
neue Methode gefunden, um freigesetzte
Krebspest-Sporen in Wasserproben eindeutig und schnell nachzuweisen. Durch
eine Filtrierung über Glasfilter werden
die Sporen aufgefangen, die DNA im Labor extrahiert und diese dann auf das
Vorhandensein spezifischer Sequenzmuster von Krebspest-Sporen abgesucht.
W
www.dwa.de/KW
141
Spektrum
Intakte Gewässer und
Auen – Nutzen in dreistelliger
Millionenhöhe
Flussauen bieten natürlichen Hochwasserschutz, naturnahe Gewässer verbessern die Wasserqualität und halten
Nährstoffe aus der Landwirtschaft sowie
Treibhausgase zurück, moorreiche und
nasse Flussniederungen tragen zum Klimaschutz bei – intakte Gewässer und
Auen sind nicht nur von ökologischem
Wert. Sie bringen der Gesellschaft vielfältigen Nutzen in dreistelliger Millionenhöhe. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Universität Greifswald,
die das Bundesamt für Naturschutz
(BfN) in Auftrag gegeben und jetzt als
Broschüre „Gewässer und Auen – Nutzen für die Gesellschaft“ veröffentlicht
hat. Die Studie lege nahe, dass Gewässer und ihre Auen künftig noch stärker
zu Schwerpunkträumen von Renaturierungen werden sollten. Das bedeute
auch, dass Deutschland künftig mehr
naturverträgliche Hochwasserschutzmaßnahmen umsetzen müsse, betonte
BfN-Präsdentin Prof. Beate Jessel Anfang
Februar bei der Vorstellung der Broschüre. Allein den ökonomischen Nutzen von
großräumigen Deichrückverlegungen
zum Hochwasserschutz an der Elbe beziffert die Studie auf mehr als 100 Millionen Euro. In einer ähnlichen Größenordnung rangieren moorreiche und nasse Flussniederungen bezüglich des Klimaschutzes. Die Studienautoren legen
dar, dass sich durch die Wiedervernässung von 30 000 ha trocken gelegter Flächen in Mecklenburg-Vorpommern ein
jährlicher volkswirtschaftlicher Nutzen
in Höhe von 33 Millionen Euro durch
die Einsparung von Treibhausgasen erzielen ließe. Gegenüber anderen Maßnahmen zur Reduktion von Treibhausgasen sind Moorrenaturierungen dabei
laut dem BfN konkurrenzlos günstig.
Die Kosten liegen in den in der Studie
betrachteten Fällen zwischen null und
15 Euro pro eingesparter Tonne CO2. Im
Vergleich dazu kostet ein reduzierter
Ausstoß von Treibhausgasen durch den
Einsatz von Wasser- und Windkraft 22
bis 70 Euro pro Tonne CO2, bei Biomasse liegt der Betrag bei bis zu 459 Euro.
Noch nicht erfasst in diesen Werten sind
die anderen Leistungen naturnaher Gewässer und Auen wie die Wasserreinigung und der Erholungsnutzen. Die natürliche Filterfunktion von Auen bringe
Kosteneinsparungen in Millionenhöhe.
www.dwa.de/KW
Intakte Feuchtgebiete und Auen minderten den Stickstoff- und Phosphoreintrag
in die Gewässer und das Grundwasser.
Damit trügen sie erheblich zur Reinhaltung der Gewässer und des Trinkwassers
bei. Kostenaufwendige technische Maßnahmen zur Wasserreinhaltung und
Wasseraufbereitung könnten so verringert werden. Für das BfN zeigen die Ergebnisse der Studie, dass die Bereitstellung öffentlicher Gelder und öffentlicher Flächen für die Renaturierung von
Gewässern und Auen eine langfristige
Investition in die Zukunft ist. „Wir verstehen die Ergebnisse der Studie auch
als Aufforderung an die Politik zum
Handeln“, betonte Jessel.
Die Broschüre „Gewässer und Auen –
Nutzen für die Gesellschaft“ kann kostenlos bestellt werden. Sie steht außerdem zum Download bereit:
E-Mail: Natur-und-Nutzung@BfN.de
www.bfn.de/0324_veroeffentlichung_
download.html
W
Mongolischer Hovsgol-See
„Bedrohter See des Jahres“
Der Hovsgol-See in der Mongolei ist der
„Bedrohte See des Jahres“ 2015. Anlässlich des Welttages der Feuchtgebiete am
2. Februar ernennt die Umweltstiftung
Global Nature Fund (GNF) traditionell
einen See zum „Bedrohten See des Jahres“. In diesem Jahr entschied sich der
GNF für den zunehmend vom Tourismus bedrohten mongolischen HovsgolSee. Der Hovsgol-See, einer der ältesten
Seen der Welt, befindet sich im Nordwesten der Mongolei, nur wenige Kilometer südlich der russischen Grenze am
Südost-Ende des Ostsajan. Der See ist
136 km lang, zwischen 20 und 40 km
breit und maximal 262 m tief. Damit ist
er der tiefste See des Landes. Nach dem
Baikalsee bietet er das zweitgrößte Süßwasser-Reservoir Asiens und speichert
rund 70 Prozent des verfügbaren Süßwassers in der Mongolei. Sein Einzugsgebiet ist relativ klein; ihn speisen 46
kleine Zuflüsse. Im Winter friert der See
komplett zu. Die Eisdecke wird dann 1
bis 1,5 m stark. Durch die kurze Vegetationsperiode ist das Ökosystem des Sees
sehr empfindlich gegenüber Störungen.
Diese gehen derzeit vor allem vom zunehmenden Tourismus aus, laut GNF
hat sich dieser in den letzten zehn Jahren verfünffacht.
W
Detaillierter und schneller –
DWD-Wettervorhersagemodell
ICON
Deutlich detaillierte und vor allem auch
schnellere Berechnungen verspricht der
Deutsche Wetterdienst durch den Start
des neuen globalen Wettervorhersagemodells ICON (ICOsahedral Nonhydrostatic; nichthydrostatisches Modell in
Ikosaederform). Extreme Wettererscheinungen seien mit ICON durchschnittlich
einen halben Tag früher erkennbar als
mit dem bisherigen Modell GME, betont
der DWD in einer aktuellen Mitteilung.
Entwickelt hat der DWD ICON gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M), das das Modell zukünftig auch für die Berechnung von Klimaprojektionen einsetzen möchte. Für
die Wettervorhersage umspannt ICON
die Erde mit einem feinmaschigen Gitternetz (Maschenweite 13 km, Modelloberrand 75 km). Auf dieser Basis berechnen
die DWD-Computer globale Wettervorhersagen für 265 Millionen Gitterpunkte
und eine Woche im Voraus innerhalb einer Stunde. Zudem erlauben die Softwarestandards laut DWD lokale Maschenweitenverfeinerung für beliebige
Ausschnittsgebiete, sogenannte Nester.
So wird der DWD in ICON ab Mitte des
Jahres einen Europa-Ausschnitt mit 6,5
km Maschenweite aktivieren, der dann
das derzeitige operationelle Regionalmodell COSMO-EU ablösen wird. ICON
kann zukünftig zudem auch als Regionalmodell mit sehr hoher räumlicher Auflösung bis herunter zu einer Maschenweite von 100 Metern eingesetzt werden.
Damit ermöglicht ICON eine Modellkette, die räumlich vom globalen bis zum lokalen Maßstab und zeitlich von der Kürzestfristvorhersage bis zur Klimaprojektion („seamless prediction“) reicht. W
Strom aus Wasserkraft 2014
rückläufig
In Deutschland wurde 2014 deutlich weniger Strom aus Wasserkraft gewonnen
als 2013. Die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB) meldet für 2014 eine Stromerzeugung aus Wasserkraft von
74,9 Petajoule, ein Minus von 9,5 Prozent gegenüber 2013 (82,8 Petajoule).
Der Anteil der Wasserkraft an den erneuerbaren Energien reduzierte sich dadurch von 15,1 Prozent auf 13,2 Prozent.
Gründe für den Rückgang führt die
AGEB nicht an.
W
KW Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2015 (8) · Nr. 3
142 Spektrum
Novellierung der Düngeverordnung soll Nährstoffeinträge
senken
Die geplante Novellierung der Düngeverordnung wird nach Ansicht der Bundesregierung bei konsequenter Umsetzung
mittelfristig zu einem deutlichen Rückgang von Nährstoffeinträgen in die Gewässer beitragen. In einer Antwort (Bundestags-Drucksache 18/3459) auf eine
Kleine Anfrage der Bundestagsfraktion
Bündnis 90/Die Grünen bewertet sie die
effiziente und gewässerschonende Verwendung von Düngemitteln, die Anlage
von Pufferstreifen als ökologische Vorrangflächen, die Ausweitung des Ökolandbaus sowie die Optimierung des
Stickstoffmanagements als geeignete
Maßnahmen, um den Eintrag von Nährstoffen wie Phosphor oder Stickstoff in
die Gewässer zu senken.
www.gfa-news.de/gfa/
webcode/20150119_002
W
Rheinland-Pfalz:
neues Landeswassergesetz
im Kabinett beraten
Fracking ist ein wichtiges Thema im geplanten neuen Landeswassergesetz für
Rheinland-Pfalz. Der Gesetzesentwurf
wurde am 3. Februar 2015 im Kabinett
beraten. Das Land will mit dem neuen
Gesetz Fracking in Wasserschutzgebieten, Heilquellenschutzgebieten und Mineralwassergewinnungsgebieten generell untersagen. Das Gesetz räumt außerdem der öffentlichen Trinkwasserversorgung Vorrang vor anderen Nutzungen ein. Durch Gewässerrandstreifen sollen Schadstoffeinträge vermindert werden.
„Solange die mit der Fracking-Technologie einhergehenden Gefahren für
Mensch und Umwelt nicht sicher ausgeschlossen werden können, darf Fracking
mit gefährlichen Chemikalien nicht erlaubt werden. Wir nutzen daher die landesrechtlichen Möglichkeiten, um das
Grundwasser vor den Risiken des Frackings zu schützen“, sagte Landesumweltministerin Ulrike Höfken (Grüne).
Die Bundesregierung sei jahrelang nicht
aktiv geworden und die erst vor kurzem
vorgestellten Pläne der Bundesregierung
gäben Anlass zur Sorge. Unter anderem
wolle die Bundesregierung Fracking außerhalb von Wasserschutzgebieten
grundsätzlich erlauben. Geplant sei auch
eine Aufweichung des vorsorgeorientierten Gewässerschutzes zugunsten von
Fracking. „Das bedeutet eine im Wasserrecht bisher nie dagewesene Aufspaltung
des Grundwasserschutzes in Schutz- und
Schmutzgebiete“, so Höfken.
Neben Schadstoffeinträgen aus den
Abwassereinleitungen der Kläranlagen
rücken zunehmend flächenhafte Einträge in den Fokus des Gewässerschutzes –
zum Beispiel aus der Düngung landwirtschaftlicher Flächen. Mit der neuen Regelung werden Schutzstreifen entlang eines Gewässers vorgeschrieben, wenn
durch wesentliche Einträge der gute Gewässerzustand, wie ihn die EU vorschreibt, nicht erreicht wird. „Wir setzen
jedoch vorrangig auf die Kooperation mit
unseren Landwirten“, so Höfken. W
Artenreiches Grasland wächst
nach Überflutungen besser als
artenarmes
Artenreiches Grasland ist in der Lage, zusätzliche Substanzen, die durch die Flut
in eine Region geschwemmt werden, in
Pflanzenbiomasse umzuwandeln. Diese
Erkenntnis haben Wissenschaftler des
Deutschen Zentrums für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv), der Universität Leipzig, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und der Technischen Universität München anhand der Überflutung
der ökologischen Freilandversuchsflächen des in der internationalen Fachwelt
bekannten Jena Experiments im Sommer
2013 gewonnen. Die Experten fanden
heraus, dass artenreiche Pflanzengemeinschaften zusätzliches Wasser und
Nährstoffe effizienter nutzen konnten als
artenarme Gemeinschaften. Bislang ging
man davon aus, dass in artenreichen Gemeinschaften die Wahrscheinlichkeit höher ist, dass darin vorkommende Individuen eine Störung tolerieren und die
Auswirkungen abpuffern können. Nun
stellte sich heraus, dass vor allem artenreiche Pflanzengemeinschaften flexibel
auf Störungen reagierten. Das heißt,
dass sie in ihrer Biomasseproduktion am
stärksten von den Vorjahren abwichen.
Die Wissenschaftler haben ihre Erkenntnisse als Studie „Flooding disturbances
increase resource availability and productivity but reduce stability in diverse
plant communities“ in Nature Communications veröffentlicht.
www.gfa-news.de/gfa/
webcode/20150122_001
KW Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2015 (8) · Nr. 3
W
Laufwasserkraftwerke
zur Netzstabilität
Nicht nur Pumpspeicherkraftwerke, auch
Laufwasserkraftwerke können einen Beitrag zur Netzstabilität leisten und damit
ihre Wirtschaftlichkeit erhöhen. Die EnBW-Tochter Energiedienst wird künftig
ihre Wasserkraftwerke am Hochrhein
Rheinfelden, Laufenburg und Wyhlen
zur Sicherung der Netzstabilität nutzen,
eine entsprechende Genehmigung erhielt
das Unternehmen nach eigenen Angaben
Ende des letzten Jahres von den zuständigen deutschen und Schweizer Behörden. Bislang verlangte die Konzession
der Wasserkraftwerke am Hochrhein,
dass sie die gesamte zur Verfügung stehende Wassermenge zur Stromerzeugung nutzen. Eine moderate Leistungsreduzierung wird nun durch die Behörden
für die drei Laufwasserkraftwerke geduldet. Kurzfristig darf Energiedienst die
Stromproduktion in den Laufwasserkraftwerken um bis zu 50 Prozent drosseln. Allerdings dürfen insgesamt nur
maximal drei Prozent der mittleren Jahresproduktion der drei Hochrheinkraftwerke für Systemdienstleistungen genutzt werden. Die Duldung ist zunächst
für drei Jahre befristet. Energiedienst
kann aufgrund dieser Regelung mit den
Laufwasserkraftwerken am Regelenergiemarkt teilnehmen. Hierfür sind Laufwasserkraftwerke aufgrund ihrer Steuerbarkeit relativ gut geeignet. Sie können
binnen weniger Minuten ihre Erzeugung
herunterfahren, indem sie Wasser nicht
zur Produktion nutzen, sondern über das
Stauwehr des Kraftwerks fließen lassen.
W
Große Anfrage zur Wirkung
der Landwirtschaft auf Wasser
und Boden
Wer eine detaillierte, aktuelle Zusammenstellung sucht, welchen Einfluss die
landwirtschaftliche Produktion auf den
Zustand der Böden und der Gewässer
hat, dem sei die 191 Seiten umfassende
Antwort der nordrhein-westfälischen
Landesregierung auf die Große Anfrage
von SPD und Grünen „Wirkungen der
Landwirtschaft auf die Ressourcen Wasser, Boden, Luft und biologische Vielfalt
in Nordrhein-Westfalen“ empfohlen
(Landtags-Drucksache 16/7576).
www.gfa-news.de/gfa/
webcode/20150211_004
W
www.dwa.de/KW
143
Spektrum
Sachsen-Anhalt:
Hochwasserhilfsanträge in
Höhe von 1,25 Milliarden Euro
Rund eineinhalb Jahre nach der Hochwasserkatastrophe sind in Sachsen-Anhalt
Hilfsanträge in einem Gesamtvolumen
von 1,25 Milliarden Euro (Stand 31. Dezember 2014) gestellt worden. Den größten Anteil daran haben laut einer aktuellen Mitteilung der sachsen-anhaltinischen
Staatskanzlei Anträge zur Wiederherstellung der kommunalen Infrastruktur (600
Millionen Euro), gefolgt von Anträgen
privater Hausbesitzer (rund 125 Millionen Euro) sowie Anträge von Gewerbebetrieben (knapp 89 Millionen Euro). Das
Antragsvolumen ist mit rund 690 Millionen Euro zu deutlich mehr als 50 Prozent
bereits bewilligt. Ausgezahlt wurden bisher knapp 320 Millionen Euro. Das Land
geht mittlerweile von Gesamtschäden von
1,5 bis 2 Milliarden Euro aus, während
des Hochwassers hatte Sachsen-Anhalt
noch mit Gesamtschäden in Höhe von 2,7
Milliarden Euro kalkuliert.
W
MV: Abholzungsmaßnahmen
an der Sudemündung
verschoben
Mecklenburg-Vorpommern hat die zur
Senkung des Elbwasserpegels bei Hochwasser vorgesehene Abholzung an der
Auwaldfläche an der Sudemündung bei
Boizenburg verschoben. Ursprünglich
sollte in diesem Frühjahr eine Aufastung
vorgenommen werden, diese soll jetzt
erst Ende des Jahres nach Abschluss des
Genehmigungsverfahrens durchgeführt
werden. Von einer Dringlichkeit sei damit
abgesehen, teilte das Umweltministerium
des Landes Ende Januar 2015 mit. Die
grundsätzliche Entscheidung zur Abholzung basiert auf einem im Auftrag der Bezirksregierung angefertigten Gutachten,
dieses bezifferte den Anteil des Bewuchses an den gestiegenen Wasserständen mit bis zu 45 cm für die Region Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen.
Daraufhin wurden gemeinsam mit dem
Land Niedersachsen Maßnahmen identifiziert, die zu einer Abflussverbesserung
beitragen können. Dazu gehören Abholzungsmaßnahmen sowie die Herstellung
von Flutrinnen. Insgesamt sollen in Niedersachsen fünf Maßnahmen und in
Mecklenburg-Vorpommern eine Maßnahme den Wasserstand im Hochwasserfall
reduzieren. Vor diesem Hintergrund fand
im Dezember 2014 in Schwerin ein Erör-
www.dwa.de/KW
terungstermin zu einem Genehmigungsverfahren zur Waldumwandlung von 5,6
ha im Bereich der Mündung der Sude in
die Elbe statt. Im Zuge der Anhörung der
Umweltverbände wurden Bedenken geäußert, aufgrund derer weitere Untersuchungen, insbesondere zum Strömungsverhalten der Elbe, eingeleitet wurden.
Das Umweltministerium ist dabei zu dem
Ergebnis gekommen, dass die Dringlichkeit der Maßnahme mit der Rechtfertigung zur Anordnung des Sofortvollzugs
nicht begründet werden kann. Mit den
Holzungsmaßnahmen an der Sudemündung soll eine Absenkung des Wasserspiegels um bis zu 3 cm erreicht und die Erhöhung der Fließgeschwindigkeit von 0,03
bis 0,05 m/s zur Verhinderung von Ablagerungen auf der Maßnahmenfläche erzielt werden.
W
Forschungsbündnis BioSAM:
Hefen und Bakterien als Sensoren für Schadstoffe im Wasser
Im Januar 2015 wurde das Forschungsbündnis „Biologische Sensor-Aktor-Systeme auf der Basis von funktionalisierten
Mikroorganismen“ (BioSAM) gegründet.
Es vereint fünf Institute der TU Dresden,
darunter das Institut für Wasserchemie,
mit fünf weiteren Forschungseinrichtungen und elf Unternehmen aus der Region.
Das Bündnis wird im Rahmen der Innovationsinitiative „Unternehmen Region“ des
Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) für drei Jahre mit rund
sieben Millionen Euro gefördert.
Im Mittelpunkt von BioSAM stehen lebende Mikroorganismen wie Hefen oder
Bakterien mit einzigartigen Eigenschaften, die technisch genutzt werden sollen.
So können Mikroorganismen beispielsweise für den spezifischen Nachweis von
Arzneimittelrückständen oder Schwermetallverunreinigungen im Wasser eingesetzt werden. Eine Besonderheit dieses
Ansatzes der Umweltanalytik besteht darin, dass nicht nur die Anwesenheit der
Schadstoffe bestimmt, sondern auch deren biologische Wirkung auf lebende Zellen erfasst werden kann. Zudem können
Mikroorganismen als Aktoren diese Problemstoffe oft sogar abbauen oder adsorbieren. Im Fokus des Verbunds „BioSAM“
steht die Entwicklung geeigneter Mikroorganismen. Bakterien oder Hefen besitzen manche gewünschte Eigenschaften
von Natur aus, andere sollen mithilfe gentechnischen Designs hergestellt werden.
Darüber hinaus werden Verfahren entwi-
ckelt, diese Mikroorganismen zuverlässig
in technische Systeme einzubinden.
www.unternehmen-region.de/
de/8841.php
W
Gesamtkonzept Elbe
soll in zwei Jahren vorliegen
Bund und die Elbeanlieger-Länder arbeiten derzeit daran, ein Gesamtkonzept Elbe zu entwickeln. Dies geschieht vor dem
Hintergrund veränderter politischer und
rechtlicher Rahmenbedingungen – unter
anderem Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie und Novellierung des Wasserhaushaltsgesetzes. Mit der Erstellung
eines Gesamtkonzepts sollen die unterschiedlichen Ansprüche an die Elbe
gleichberechtigt miteinander abgewogen,
die schifffahrtliche Nutzung des Gewässers weiterhin ermöglicht und die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes erhalten und verbessert werden. Dieser Prozess
wird mit möglichst breiter politischer und
gesellschaftlicher Unterstützung, unter
anderem durch Umweltverbände, Verbände der Binnenschifffahrt, der Häfen, des
Tourismus sowie auch der Kirchen gestaltet. Die Bundesregierung rechnet damit,
dass die Erarbeitung des Gesamtkonzepts
Elbe noch bis zu zwei Jahre in Anspruch
nehmen wird. Das teilte die Bundesregierung in ihrer Antwort auf eine Frage der
Bundestagsfraktion Die Linken mit (Bundestags-Drucksache 18/3689).
www.gfa-news.de/gfa/
webcode/20150122_003
W
Bau einer Fischauf- und
Fischabstiegsanlage an
der Zwickauer Mulde
Die Landesdirektion Sachsen hat der Firma Jank GmbH, die Eigentümerin und
Betreiberin der Wasserkraftanlage „Auerhammer II“ in Aue ist, Fördermittel in
Höhe von 200 000 Euro für den Bau einer Fischauf- und Fischabstiegsanlage an
der Zwickauer Mulde bewilligt. Damit
übernimmt der Freistaat Sachsen etwas
mehr als die Hälfte (57 %) der förderfähigen Kosten. Die Fischaufstiegsanlage
ist als Umgehungsgerinne zwischen dem
Zulaufkanal der Wasserkraftanlage und
der Zwickauer Mulde als Vertical-SlotPass geplant. Dieser technische Fischaufstieg besteht aus neun Becken. Neben
dem Fischaufstieg ist auch der Bau eines
Fischabstiegs vorgesehen.
W
KW Korrespondenz Wasserwirtschaft · 2015 (8) · Nr. 3
Servicepaket
für DWA-Mitglieder
für alle Mitglieder
kostenlos
eine der beiden monatlich erscheinenden
Verbandszeitschriften
- KA – Korrespondenz Abwasser, Abfall
inkl. der Beilage KA-Betriebs-Info
oder
- KW – Korrespondenz Wasserwirtschaft
inkl. der Beilage gewässer-info
Zusätzliche Exemplare oder die zweite Verbands­
zeitschrift zur Ergänzung gibt es – zu günstigen
Konditionen – nur für Mitglieder
DWA-Branchenführer Wasserwirtschaft,
Abwasser, Abfall
DWA-Infostelle zu Fragen im Bereich Abwasser- und
Abfallwesen sowie Wasserwirtschaft und Bodenschutz, Rechtsauskunft, Literaturrecherche
Rechtsauskunft
Mitgliederbereich im Internet
- KA oder KW online lesen
- KA oder KW im iPad®-Abo lesen
- Literaturdatenbank
- Fachwörterbücher in vielen Sprachen
- Mitgliederverzeichnis
- Arbeitsberichte und Fachinfos
zusätzlich für fördernde Mitglieder
kostenlos
Erlaubnis zur Nutzung des Logos "DWA-Mitglied"
auf Geschäftspapieren
ermäßigt
20 % Ermäßigung beim Erwerb vieler
DWA-Publikationen und beim Regelwerks-Download
Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen
für alle Mitarbeiter
Teilnahme an den DWA-Erfahrungsaustauschen
für Kommunen oder Ingenieurbüros
50 % Ermäßigung auf den Mitgliedsbeitrag
für Anmeldungen von Niederlassungen,
wenn der Hauptsitz bereits Mitglied ist
Günstige Konditionen für eine Umwelt-Strafrechts­-schutzversicherung für Kommunen, Kreisverwaltungen und Abwasserzweckverbände
DWA-Jahrbuch (auf Anforderung)
ermäßigt
Hydrologie und Wasserbewirtschaftung
(Zeitschrift)
DIN EN Normen Abwasser
Weitere Informationen zu einer
Mitgliedschaft finden Sie unter
http://de.dwa.de/mitglied-werden.html
Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall e. V.
Theodor-Heuss-Allee 17 . 53773 Hennef . Deutschland
Tel.: +49 2242 872-123/ -140 . Fax: +49 2242 872-200
E-Mail: mitgliederbetreuung@dwa.de . Internet: www.dwa.de
2015
Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen
der DWA und der European Water Association (EWA),
des BWK und der DACH-Kooperationspartner
Autor
Document
Kategorie
Uncategorized
Seitenansichten
20
Dateigröße
1 212 KB
Tags
1/--Seiten
melden