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Die DDR – ein Unrechtsstaat!? | Manuskript
Die DDR – ein Unrechtsstaat!?
Bericht: Sandro Poggendorf
Da ist sie wieder, die Diskussion um den „Unrechtsstaat DDR“. Warum ist die DDR für die, die
gelitten haben, selbstverständlich ein Unrechtsstaat? Und warum können sich die Täter,
oder die, die das System mitgetragen haben, nicht auf diesen Begriff festlegen?
Johannes Rink hat das System nicht mitgetragen, er hat es hinterfragt. Vor allem den
Mauerbau 1961 und den Militärdienst. Dafür wurde er Jahre weggesperrt. Für ihn war die
DDR zweifellos ein Unrechtsstaat:
Johannes Rink, Opfer der SED-Diktatur
„Auf der einen Seite wird gesagt, wir erkennen an, die DDR war kein Rechtsstaat. Auf der
anderen Seite stößt man sich aber schon am Wort Unrechtstaat. Aber was gibt es
dazwischen?“
Klaus Bartl, war das was man einen Funktionär nennt. Dazu stand und steht der sächsische
Landtagsabgeordnete der Linken bis heute. Er wurde Staatsanwalt und zeitweise auch IM
der Staatssicherheit. Für ihn ist der Begriff Unrechtsstaat viel zu pauschal.
Klaus Bartl, Rechtanwalt und Politiker, Die Linke
„Wenn ich von vornherein sage, das war ein Unrechtsstaat, dann kann ich persönliche
Lebensläufe nicht mehr trennen. Dann sage ich jedem der sich der sich engagiert hat, Du
hast wissentlich und wesentlich zum Unrecht beigetragen“
Zwei Menschen, zwei Leben. Das Zusammentreffen, für MDR Exakt, zum ersten Mal.
Johannes Rink beschreibt Klaus Bartl wie er sich 1961 als junger Seemann der von einer SEDSekretärin provoziert fühlte. Die hatte versucht den Mauerbau zu rechtfertigen.
Johannes Rink
„Hätte die sich ein bisschen informiert, dass Sie vor Seeleuten spricht, die praktisch jeden
Monat irgendwo im Ausland sind, im westlichen Ausland, dann hätte sie nicht so dumme
Phrasen von sich gegeben. So nach dem Motto, die Bevölkerung steht geschlossen hinter
den Maßnahmen der Partei und Regierung, die Partei kam ja zuerst und wir sind froh und
die wollten eingreifen und das alles. Irgendwann platze mir der Kragen.“
Johannes Rink ist ein schüchterner, christlich erzogener Junge. Geboren wird er 1941 in
Magdeburg, am 13. August 1941! Nur 20 Jahre später wird sein Geburtstag auch zum Tag
des Mauerbaus.
Hinweis: Dieses Manuskript ist urheberrechtlich geschützt und darf nur für den privaten Gebrauch des Empfängers
verwendet werden. Jede Verwertung ohne Zustimmung des Urheberberechtigten ist unzulässig.
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Die DDR – ein Unrechtsstaat!? | Manuskript
Weil er dagegen aufbegehrt, wird er seine nächsten vier Geburtstage im „Gläsernen Sarg“, in
der Brandenburger Haftanstalt verbringen. Fortan wird sein Leben von Stasi-Leuten
begleitet:
Johannes Rink, Opfer der SED-Diktatur
„Ermittlungen, Verhaftung, praktisch Vorbereitung bis zum Urteil. Ich habe schon vor der
Verurteilung am Abend vorher erstmals meinen Verteidiger gehört und mitbekommen,
wie die beiden sich auf vier Jahre festgelegt heben. Das wusste ich auch. Wenn man erst
mal eingesperrt wird lassen die nicht mehr los. Und die Stasi sagte ganz offen, wir sperren
keine Unschuldigen ein, wir müssen es ihnen nur noch beweisen. Dazu war ihnen jedes
Mittel recht.“
Klaus Bartl, Rechtanwalt und Politiker, Die Linke
„Im Maßstab dessen, was Gesetzlage war, war der Fall den Herr Rink schildert, ein
Unrechtsentscheidung war, steht für mich außer Frage.“
Solche Unrechtentscheidungen hatten System. Trotzdem will Klaus Bartel die DDR nicht als
Unrechtsstaat sehen. Sein Leben folgt klaren Linien. Seine Familie glaubt nach den
Erfahrungen mit dem Nationalsozialismus ganz fest an eine neue, sozialistische Gesellschaft.
Klaus Bartl will sich an deren Aufbau aktiv beteiligen, wird Staatsanwalt, SED-Funktionär und
IM in Karl-Marx-Stadt. Er sieht das Unrecht, akzeptiert es aber im Glauben an eine
Entwicklung der DDR zum Besseren hin. Dafür macht er Karriere und bekommt die Quittung
erst, als die Klappe nicht nur in Karl-Marx-Stadt fällt.
Klaus Bartl, Rechtanwalt und Politiker, Die Linke
„Das diese Differenz, diese Kluft zwischen dem Anspruch und der Realität, immer größer
wurde und dass Menschen die in Verantwortung waren, so wie ich, zu wenig dafür getan
haben oder sich zu spät entschieden haben das letzten Endes auch so zu nennen, dass ist
sicherlich auch ein persönlicher Lebensfehler. Ich sage immer ich habe ein zweigeteiltes
Leben.“
Johannes Rink gerät in der DDR immer wieder in Konflikt mit dem System. Er verweigert den
Wehrdienst und wird deshalb zum zweiten Mal inhaftiert. Seine anschließenden, zahlreichen
Ausreisanträge werden abgelehnt. Er kann nicht verstehen, warum es Zweifel daran gibt,
dass die DDR ein Unrechtsstaat war.
Johannes Rink, Opfer der SED-Diktatur
„Die Stasi hat alles aus einer Hand gemacht. Ermittlungsverfahren ohne Staatsanwalt ,
ohne Verteidiger durchgeführt. Das war mehr als Rechtlosigkeit, das war für mich direkt
ein Verbrechen.“
Hinweis: Dieses Manuskript ist urheberrechtlich geschützt und darf nur für den privaten Gebrauch des Empfängers
verwendet werden. Jede Verwertung ohne Zustimmung des Urheberberechtigten ist unzulässig.
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Die DDR – ein Unrechtsstaat!? | Manuskript
Trotz aller Willkür, Klaus Bartel will die DDR dennoch nicht als Unrechtsstaat abgestempelt
sehen.
Klaus Bartl, Rechtanwalt und Politiker, Die Linke
„In dem Moment wo ich sage der Versuch war in Bausch und Bogen irrlegitim und alle die
sich beteiligt haben, haben sich am Unrechtsstaat beteiligt, verbaue ich mir aus meiner
Sicht heraus auch die Möglichkeit viele Menschen die sich engagiert hatten, die in das
System eingebunden waren, die Funktionsträger waren, auch zum nachdenken zu
bringen.“
Zwei Menschen, zwei Lebenswege. Sie haben sich zugehört, einigen konnten sich Johannes
Rink und Klaus Bartl aber nicht. Die Debatte über den Unrechtsstaat hat beide
zusammengeführt und wenn sie die Kraft aufbringen, dann wollen sie sich noch einmal
treffen.
Hinweis: Dieses Manuskript ist urheberrechtlich geschützt und darf nur für den privaten Gebrauch des Empfängers
verwendet werden. Jede Verwertung ohne Zustimmung des Urheberberechtigten ist unzulässig.
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Seele and Geist
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