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Dicke Luft bei den Flugrettern

EinbettenHerunterladen
Tirol
Mittwoch, 4. März 2015 • www.wirtSchAFtSBLAtt.At
Ö ST ER R E I CHS Z E I T U N G F Ü R W IRTSC H AF T UN D FINANZ E N - REGIONALAUSGABE
◆ Interview Tirol verschläft die digitale Revolution, warnt IT-Experte Reinhold Karner. 6 ◆ Recht Auch kleine
Betriebe brauchen eine Patentstrategie. 32 ◆ Checkliste Der Weg zum ersten Lehrling. 34
Dicke Luft bei den Flugrettern
Lizenzen. Bergen bald Spanier tiroler Pistenopfer? Nach Querelen um einen heli-Stützpunkt in Mayrhofen soll der Flugrettungsmarkt neu ausgeschrieben werden. Soll – denn
noch steht nicht einmal fest, wie viele helikopter das Land braucht. 15 Stück seien jedenfalls zu viel, monierte der rechnungshof. Die Unternehmer bilden indes bereits Seil2-4
schaften. Die Luft ist noch lange nicht draußen.
ÖAMTC
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Optiker.
Der Tiroler Brillenmarkt ist hart umkämpft. Große
Ketten versuchen, über den Preis zu punkten, kleine
Betriebe setzen auf ausgefallene Modelle und Sehtests. 26
Retouren an PF 100, 1350 Wien - GZ 13Z039580W - P.b.b. Redaktion: 1030 Wien, Hainburger Straße 33, Tel: 01 60117-0
2|
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
Thema
LIZENZEN
Retter liefern sich turbulentes
Retten künftig Hubschrauber der spanischen Inaer
Skifahrer in Tirol? Bei der
Flugrettung könnte schon
bald kein Stein mehr auf
dem anderen stehen. Der
Kampf um die Lizenz zum
Retten wird heiß werden.
VON mIChaeL RIeDLeR
S
elbst Ex-Skistar Armin
Assinger brauchte sie
unlängst nach einem
Pistenunfall: die rettung per hubschrauber. rund 8000 Mal
heben allein in tirol alljährlich
helikopter zur Bergung von Verletzten ab, vor allem nach Skiunfällen. Das Ganze ist nicht nur
eine karitative tätigkeit, sondern
auch ein Geschäft: 17 Millionen €
nehmen die aktuell in der Flugrettung tätigen Unternehmer in
tirol ein, den Großteil davon
zahlten Patienten, Sozial- und Privatversicherungen, aber auch das
Land tirol steuert 1,6 Millionen €
bei.
Vom nächsten Jahr an mischen
vielleicht auch die ganz Großen
der europäischen Flugbranche
mit, möglicherweise der spanische Flugriese inaer, der im August 2014 von Babcock übernommen wurde. inaer verfügt
über 190 Luftfahrzeuge und ist
mittlerweile massiv in Südtirol
eingestiegen. Dass sich die Spanier auch in tirol bewerben, möglicherweise mit einem Partner,
wird noch von niemandem bestätigt, gilt aber als wahrscheinlich.
Dabei hatte es eine Art fragiles
Gleichgewicht zwischen den einzelnen heli-Unternehmen gege-
8000 Rettungsflüge im Jahr gibt
es in Tirol – der Kuchen für Flugretter wird dennoch kleiner.
ben, bis Flugunternehmer roy
Knaus 2014 mit seiner „heli Austria“ für turbulenzen sorgte (siehe Seite 4), indem er einen Landeplatz im zillertal aufbaute und damit nicht nur das recht, sondern
auch das ganze Flugrettungssystem strapazierte.
Der zuständige Landesrat Bernhard tilg entschloss sich schließlich, die Flugrettungsdienste in
tirol auszuschreiben. Auch ein
kritischer Bericht des rechnungshofs, der u. a. die hohe Dichte der
hubschrauber hinterfragte, hatte
handlungsbedarf verdeutlicht.
Dies könnte auf dem Flugrettungsmarkt die Dinge völlig neu
ordnen. Schon heftig umstritten
ist, wie viele rettungshubschrauber es in tirol eigentlich braucht.
Aktuell stehen sechs ganzjährig
sowie neun zusätzlich in den
touristischen hochsaisonen zur
Verfügung, insgesamt also 15.
Das Land hat die heikle Frage
an das nationale Forschungs- und
Planungsinstitut für das Gesundheitswesen, die „Gesundheit Österreich Gmbh“ weitergereicht.
„Die sind spitze“, lobt tilg: „wir
machen mit ihnen die Planungen
im gesamten gesundheitlichen
Bereich.“
Die „Gesundheit Österreich“
rechnete mehrere Varianten vor:
Bei einem 80-prozentigen Versorgungsgrad (bezogen auf eine
Bergung innerhalb von 15 Minuten nach Alarmierung) seien
zehn hubschrauber nötig, bei
einem 90-prozentigen Versorgungsgrad 13.
„Verschlechterung“
Also auf alle Fälle weniger als bisher. „Das muss reichen“, meint
tilg. Südtiroler und die Schweiz
hätten bei ähnlicher Geografie
und tourismusintensität weniger
rettungshubschrauber – eine
rechnung, die die heli-Betreiber
nicht gelten lassen: „Die hilfsfrist
von 15 Minuten ist ein witz, das
war ein thema vor 15 Jahren“, sagt
Knaus: „heute haben wir im
Durchschnitt sechs bis sieben Minuten. wenn ich das auf 15 Minuten abändere, bedeutet das eine
massive Qualitätsverschlechterung.“ Die Bedarfserhebung der
„Gesundheit Österreich“ falle
eher in die Kategorie „Gefälligkeitsgutachten“, sagt Knaus.
Dass in der Schweiz weniger
hubschrauber unterwegs seien,
stimme nicht, denn die herumgeisternden Statistiken würden
die zwölf privaten helikopter
nicht berücksichtigen, und in Südtirol arbeite alles auf eine größere
zahl von hubschraubern hin,
meint Knaus.
„wir brauchen in tirol als tourismusland eine gute Versorgung,
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
Thema
|3
Match um die Lufthoheit
ÖAMTC, Beigestellt
Weltkonzern.
Spanischer
Flugriese
im anflug
Es kann nicht in
jeder Gemeinde
ein Hubschrauber
stehen.
BERNHARD TILG
LANDESRAT
es kann aber nicht in jeder Ge­
meinde ein hubschrauber ste­
hen“, kontert tilg.
wie immer: Die zahl der hub­
schrauber in tirol dürfte von 2016
an sinken, und umso heftiger ent­
brennt der Kampf um die wenigen
Lizenzen. Noch hat das Land nicht
entschieden, wie es ausschreibt,
ob Ganzjahres­ und Saisonhub­
schrauber in einem Paket, ob in
Paketen für begrenzte Versor­
gungsgebiete oder das ganze Land
insgesamt.
zumindest zwei Bietergruppen
werden sich bewerben: Erstens
der ÖAMtc, möglicherweise ge­
meinsam mit Schider, wucher,
ArA und Schenk, sowie zweitens
roy Knaus, möglicherweise mit
einem internationalen Partner.
wer das sein könnte, sagt er nicht.
Naheliegend ist inaer, Knaus ist
aber nach eigenen Angaben auch
mit möglichen französischen
Partnern im Gespräch. „Sicher ist,
dass der ÖAMtc im rahmen
einer Bietergemeinschaft anbie­
tet, aber solange wir nicht wissen,
wie die Ausschreibung aussieht,
ob die Grundversorgung extra
und unabhängig von der Saison­
versorgung ausgeschrieben wird,
so lange können wir nichts sagen
über mögliche Partner“, sagt
ralph Schüller, Pressesprecher
der Flugrettung des ÖAMtc.
„Der Kuchen wird kleiner, für
das Land wird es billiger werden,
und einige werden bluten“, fasst
Knaus die Lage zusammen. Mit
„einige“ meint er seine Mitbewer­
ber, die künftig hart kalkulieren
müssten, was seiner Meinung
nach bisher nicht immer der Fall
war: „in Kärnten betreibt der
ÖAMtc einen hubschrauber mit
200 Einsätzen im winter und in
tirol kommen sie nach eigenem
Bekunden nicht mit 500 aus, !
Die spanische inaer ist nach
Eigenangaben der führende
Anbieter von Flugrettungs­
diensten und heiklen Flug­
aufgaben, spezialisiert auf
Notfalleinsätze auf See, in den
Bergen, auf Vermisstensuche,
die Feuerbekämpfung aus der
Luft etc.
inaer ist seit einem halben
Jahr teil der Babcock inter­
national Group Plc mit Sitz in
Großbritannien. Die unter­
schiedlichen Unternehmen
im Mischkonzern betreiben
350 Flugzeuge und hub­
schrauber in zahlreichen Län­
dern, von Australien und zy­
pern bis Finnland, Frankreich,
irland, italien, Norwegen,
Portugal, Spanien, Schweden,
Großbritannien. inaer selbst
verfügt über 190 Fluggeräte,
die jährlich auf 32.800 Flug­
stunden kommen. im Vorjahr
wurden 3726 Personen auf See
und in den Bergen gerettet,
dazu kamen knapp 4000
Feuerlöscheinsätze sowie
unter anderem etwa trans­
porte zu Ölplattformen.
zuletzt hat die spanische
inaer die Flugrettungsaktivi­
täten der in Südtirol tätigen
Elilario italia übernommen
und so in Südtirol Fuß ge­
fasst. Das mittlerweile größte
hubschrauberunternehmen
in Europa führt jetzt auch
außerhalb Südtirols mehrere
Luftrettungsstützpunkte in
italien, die zuvor unter dem
Namen der Elilario italia
standen. Auch der in Südtirol
tätige Flugrettungsbetreiber
Elidolomiti ging inzwischen
an inaer.
[mr]
michael.riedler@wirtschaftsblatt.at
4|
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
Thema
! das können sie mir nicht erzählen. Aber sie legen ja keine
zahlen vor.“
Vor einem Riesenwirbel
Die Ausschreibung werde einen
riesenwirbel nach sich ziehen,
glaubt Knaus, vor allem auch,
wenn neue Bewerber, etwa aus
dem Ausland, anbieten. Noch geben sich alle relativ gelassen: „wir
fürchten eine Ausschreibung
nicht, das Beispiel in restösterreich zeigt, dass nie ausländische
Gesellschaften zum zug gekommen sind“, zeigt sich ÖAMtcVertreter Schüller kampfbereit.
„Die Flugrettung ist rechtlich die
Königsdisziplin“, gibt tilg zu. Er
will vor allem erreichen, dass
Boden- und Luftrettung künftig
besser zusammenarbeiten. tilg
hofft: „Die Flugrettung soll für die
nächsten zehn, 15 Jahre nachhaltig
aufgestellt werden.“
Mit einer Vergabe der Flugrettung ist erst für Jahresende zu
rechnen. Möglicherweise wird
das Land dafür sorgen, dass nicht
die gesamte Flugrettung an eine
Politisch ist das ein
ganz ungutes Thema.
Hintergrund. Wie der Streit
um Flugrettung eskalierte
Top of the Mountains
ROY KNAUS
GESCHÄFTSFÜHRER
HELI AUSTRIA
einzige Bietergemeinschaft geht,
damit man sich weder dem
ÖAMtc noch Knaus „ausliefert“.
Das könnte auch – muss aber
nicht – allfällig heftige Kämpfe
vermeiden helfen, die unterlegene Bieter dann anstrengen könnten.
Knaus ist da angesichts der
heiklen Sicherheitsthematik skeptisch: „Das fällt den Politikern auf
den Kopf, die können da leider
nicht gewinnen. Politisch ist das
ein ganz ungutes thema.“
Den autor des artikels erreichen Sie
unter michael.riedler@wirtschaftsblatt.at
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Roy und Saskia Knaus mischten mit ihrer Heli Austria die
Tiroler Flugrettung ordentlich durcheinander.
2012 hatte das Land tirol mit
den sechs helikopter-Betreibern
eine Vereinbarung getroffen, um
die Grundversorgung durch die
Flugrettung sicherzustellen.
Dieses System geriet in turbulenzen, als roy Knaus im zillertal, in Mayrhofen, einen heliStützpunkt errichten wollte und
die beiden im tal tätigen rettungsunternehmer ÖAMtc und
Schider zu konkurrenzieren begann: „Durch Knaus ist das damals sehr gute Gleichgewicht
ins Ungleichgewicht gekommen“, sagt ÖAMtc-Flugrettungssprecher ralph Schüller.
Kreisende Helikopter
ÖAMtc-Flugrettung und Schider drohten dem Land mit der
Auflösung der Flugrettungsvereinbarung, weil auch Knaus
den neuen Landeplatz ohne eine
entsprechende Genehmigung
errichtet habe. Knaus reichte
den Platz bei der Bezirkshauptmannschaft ein. in der zwischenzeit kreisten seine hubschrauber einsatzbereit in der
Luft, was die Gemüter erst recht
erregte.
Das Land erteilte schließlich
der für Alarmierungen zuständigen Landesleitstelle den Auftrag, künftig keine kreisenden
hubschrauber mehr zu disponieren.
Landesrat Bernhard tilg
(VP) forderte die hubschrauber-Unternehmen auf, sich
über die Anzahl der helikopter
und deren Standorte zu einigen.
Sein ruf blieb ohne Erfolg.
Auch ein runder tisch mit allen
Beteiligten im vergangenen
Jahr brachte keine Einigung.
tilg beschloss daraufhin, die
Flugrettung in tirol neu auszuschreiben.
„Misskredit verhindern“
Laut dem für die Leitstelle
tirol zuständigen Landeshauptmann-Stellvertreter Josef
Geisler war auch „kein anderer
weg als die Ausschreibung
möglich, um nicht den ruf
eines in tirol bestens funktionierenden Systems in Misskredit zu bringen“. Da künftig
auch die zeiten für die Bereitstellung der Notarzthubschrauber verbindlich festgelegt werden sollen, „werden die Bereitschaftszeiten künftig nicht
mehr im Ermessen der Flugrettungsbetreiber liegen“, sagt
Geisler und sieht ein baldiges
Ende der Probleme.
[mr]
michael.riedler@wirtschaftsblatt.at
6|
IntervIew
R
einhold Karner empfängt
uns in seinem ge­
schmackvoll eingerich­
teten haus in der wild­
schönau zum interview, um über
„Digital Business“ zu sprechen –
der revolution im wirtschafts­
leben, die uns in die Lage versetzt
(aber auch dazu zwingt), alle Ge­
schäftsmodelle digital zu steuern
und abzuwickeln – wobei digitale
und physische welt komplett zu­
sammenwachsen.
WirtschaftsBlatt: Sie sprechen
von der angebrochenen vierten
industriellen Revolution, der digitalen Revolution, und Sie mahnen,
dass viele in Tirol noch nicht
kapiert haben, was da auf uns
zukommt.
Reinhold Karner: Nicht nur in ti­
rol, sondern in vielen teilen Euro­
pas. Am stärksten geht die Post im
Digital Business in den USA ab,
und was industrie 4.0 betrifft, ist
Deutschland der treiber. Es gibt
jetzt eine Studie des it­Dienst­
leisters cSc unter Unternehmern
im deutschsprachigen raum, die
zeigt deutlich, dass viele das the­
ma noch gar nicht kennen. Erst 15
Prozent haben das thema hand­
fest angepackt.
Unsere Unternehmen verlieren
Terrain in einem Zukunftsfeld?
industrie 4.0 macht dem Mittel­
stand zu schaffen, das stimmt.
Deutschland gilt ja als hochlohn­
land, mit der industrie­4.0­Strate­
gie wollen die Deutschen auf die
demografische Entwicklung re­
agieren – man bekommt ja immer
schwerer Arbeiter, und man will
Deutschland als hochlohnland er­
halten, indem man den hightech­
Level so hoch wie möglich setzt
– eine absolut richtige Strategie.
roboter alleine genügen nicht
mehr, jetzt geht’s darum, jede Pro­
duktionsstufe in der intelligenten
Fabrik so weit auszustatten, dass
sie sich weitgehend selber planen
kann, in Abstimmung mit anderen
Produktionseinheiten.
Alle Maschinen kommunizieren
miteinander …?
… was die industrielle Produk­
tion in hohem tempo und in der
optimalen Form stattfinden lässt.
Die „Losgröße 1“ ist das Schlag­
wort. wenn du in Serie produ­
zierst, sind die Stückkosten desto
günstiger, je größer die Losgröße
ist. wenn der individuelle Kun­
denwunsch aber wichtiger ist,
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
Mühlanger
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
IntervIew
„Du bist als
Unternehmer dabei
oder du gehst unter“
Reinhold Karner. Der international tätige IT-Experte warnt Tirols Unternehmer
und die Politik davor, die digitale Revolution zu verschlafen. Und er sieht in diesem
Bereich große Chancen – auch für Jugendliche.
vOn MICHAeL rIeDLer
Die Welt wird zum
Dorf. Das wird kommen. Die bis zu
40-Jährigen drücken das durch.
haben wir eine komplett individu­
elle Produkterstellung, die auch
bei „Losgröße 1“ sämtliche Serien­
effekte sicherstellt.
Also niedrige Kosten, Tempo,
Flexibilität?
Ja, das ist alleine ohne compu­
terunterstützung der neuen Art
nicht zu managen. Das geht so
weit, dass sogar schon nachdem
die Produktion z.B. in einem Fahr­
zeugwerk begonnen hat, der Kun­
de noch sagen kann: ich möchte
den wagen doch mit anderen Aus­
stattungsmerkmalen, und die Pro­
duktion nimmt darauf sofort
rücksicht. Das ist ein hochge­
stecktes ziel. Das werden wir in
den nächsten zehn Jahren noch
nicht sehen, aber das kommt.
Was ist also die Zukunft? Ich be­
trete einen Raum und sofort reagie­
ren zehn Geräte automatisch auf
mich, schalten die Heizung ein, die
Musik, die Beleuchtung?
Die Geräte reagieren auf alles,
sprechen mit mir, begrüßen mich,
sie registrieren, dass ich mich be­
wege, und schalten das Licht ein,
die Kaffeemaschine spricht mich
an und fragt mich nach Details
meiner wünsche. Auch die Steue­
rung meines Fernsehers wird
sprachlich funktionieren. Es wird
die Good­Night­Funktion geben,
die überprüft, ob alle rollläden
heruntergelassen und alle türen
versperrt sind. heizungen steuern
sich nach meinen Vorgaben, die
Garage heizt eine Stunde vor der
Abfahrt vor …
Gibt es irgendein Gerät, das nicht
internetbasiert mit anderen Gerä­
ten kommuniziert?
Da gibt es eine klare Aussage
von Experten: Jedes Ding, das ir­
gendeinen Sinn hat und instru­
mentalisierbar ist mit automati­
scher Steuerung durch Sensoren
und mit Kommunikationstechnik,
wird damit auch ausgestattet wer­
den. Samsung hat auf der consu­
mer Electronics Show angekün­
digt, bis 2017 seien 90 Prozent al­
ler ihrer Produkte damit ausge­
stattet und bis 2020 alle. Bosch hat
eine ähnliche Aussage getätigt. Es
können sich hersteller nicht mehr
leisten, das nicht zu haben.
Was, wenn ein Konsument das gar
nicht will?
Es wird die Möglichkeit geben,
dem Gerät zu verbieten oder zu
erlauben, ins Netz zu gehen, hof­
fentlich funktioniert das auch.
Aber wir werden in zehn Jahren
kaum Geräte haben, die das nicht
haben, die wird es einfach nicht
mehr geben.
Beunruhigend dabei ist: Wenn
alle Geräte sich gegenseitig kon­
trollieren, kontrollieren sie mich
auch?
Die Antwort ist eindeutig – pas­
siv gesehen – ja. Das stimmt, und
deshalb gibt es ja auch riesenbe­
strebungen, das alles viel sicherer
zu machen. Spätestens seit der
Snowden­Geschichte haben wir
einen gewissen Aufruhr – zu
recht, wie ich finde – und zum
anderen werden immer drama­
tischere Sicherheitslücken be­
Ich bin
zuversichtlich:
Europa geht noch
lange nicht
unter.
|7
kannt. Erst jetzt wurde durch re­
cherchen von Studenten bekannt,
dass MongoDB, eine der großen
Datenbanken, die für online­
shops verwendet werden und die
40.000 Mal weltweit installiert
ist, komplett offen ist. Da kann
sich fast jedermann Username,
Passwort und Kreditkartendaten
holen – eine Katastrophe. Aber
ich bin zuversichtlich, dass wir
Sicherheitsmechanismen finden
werden.
Die NSA wird daran nicht interes­
siert sein?
Es gibt drei Gruppen, die daran
sehr wohl interessiert sind: die
klassischen hacker, dann typen
wie der chaos­computer­club,
die ganz bewusst nach solchen
Lücken suchen, und drittens die
industrie selbst. Google hat eine
eigene truppe aufgebaut, die
ganz gezielt solche Lücken sucht
und dann den jeweiligen herstel­
ler wie Apple oder iBM darauf
hinweist und ihnen 90 tage gibt,
das zu richten. Google zahlt Prä­
mien an hacker, wenn die etwas
finden und mittlerweile sogar,
wenn sie nichts finden.
Ist Hacker also ein Beruf mit Zu­
kunft?
Das ist ein ganz wichtiger Beruf,
um zu helfen, dass man Lücken
findet und die Systeme schützt.
Das Problem ist: Software ent­
steht immer noch weitgehend in
handarbeit. Die Komplexität wird
oft nicht mehr überblickt, und
deshalb braucht es eine Art crash­
test. Einen Gmail­Account hacken
zu lassen kostet 25 bis 50 Dollar.
Da gibt es Preislisten im internet;
auch dafür, einen Server zu ha­
cken. Das ist ein Standard­
Geschäft. Deshalb müssen die
Barrieren hoch gebaut werden.
Die Absicherungsmaßnahmen
werden wirksamer werden. Da
glaube ich an die Marktmacht,
wenn große Konzerne Druck für
mehr Sicherheit machen.
Digital Business wird sich also
durchsetzen?
Etwas sollte man nicht über­
sehen: wenn ich meine erwachse­
nen Kinder anschaue, für die ist
das alles cool. Die junge Genera­
tion, die bis zu 40­Jährigen, die
wollen das, für die ist das normal.
Die 25­Jährigen verstehen nicht,
warum opa und oma damit nicht
umgehen wollen.
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Mittwoch, 4. März 2015
IntervIew
Mühlanger
Unternehmer und Berater Reinhold Karner (li.) im Gespräch mit WirtschaftsBlatt-Korrespondent Michael Riedler
Aber ist es in der Wirtschaft
auch normal?
Ja, die welt wird zum Dorf: Das
wird kommen. Die bis zu 40-Jährigen drücken das durch, und
dann ist es ganz einfach: Du bist
als Unternehmer dabei oder du
gehst unter. Das fängt schon damit
an, dass die Kunden dich schon in
der Suchmaschine finden müssen.
Das gilt ja schon seit Langem …
ich schätze aber grob, dass das
nur drei bis fünf Prozent gut machen, der rest macht es schlecht.
Das zweite: wenn dein Angebot
im internet nicht so gut präsentiert wird, wird der Kunde woanders kaufen. Das ändert alles. Und
dazu brauche ich Spezialisten in
den Unternehmen, die das verstehen, die beobachten, wie der Kunde reagiert, wie die Konkurrenz
es macht. Jeder wird überfordert
sein, der sich dafür nicht ausrüstet. wie Peter Sondergaard, chefanalyst der weltführenden Gartner inc., stets betont: „Every Leader will be a Digital Leader.“
wenn der topmanager die Bedeutung des Digital Business nicht
versteht, gefährdet er sich und seine Unternehmenszukunft. Denn
in zehn Jahren wird ein Drittel
aller bestehenden Arbeitsplätze
definitiv im Digital Business sein.
Aber das sind nicht lauter itFreaks. Es entstehen neue Berufe:
Experten für Datenanalysen, Spe-
zialisten für User-Verhalten etc.
Denn jeder technologiejob kreiert nachweislich fünf bis sieben
weitere, nicht technologieaffine.
Haben wir genügend Leute und
Ausbildungsstrukturen dafür?
Nein. Viel zu wenig: Die EU
sagt ja, bis 2020 fehlt in Europa
eine Million it-Experten. Das
traurige ist: Die Jugendarbeitslosigkeit ist hoch in Europa. Dabei
wäre ja gerade die Jugend prädestiniert dafür. ich verstehe nicht,
warum nicht viel mehr in das informationswesen hineinkommen,
das ist auch etwas für Datenanalytiker, für Mathematiker, Statistiker, für Betriebswirte und techniker. wenn ich kein Maschinenbauer bin, kann ich kaum digitale
tools für diesen Bereich finden.
Jetzt haben wir ja acht IT-Lehrstühle in Innsbruck …
Aber es fängt viel früher an: Die
Deutschen haben das jetzt gemacht, die haben sich die industrie 4.0 auf die Fahnen geschrieben. Das ist teil der hightechstrategie der Bundesrepublik. Und
was macht Österreich? Es gehört
eine Strategie her, auch mit einem
Digital-Business-Schwerpunkt.
In der Bildungspolitik?
in Bildung und wirtschaft.
Aber es fängt mit der Bildung an:
Die vierte industrielle revolution
ist ein Megatrend, der nicht mehr
aufzuhalten ist. Das haben wir
hier nur noch nicht ganz realisiert.
Dann sollte doch auch die Ausbildung sich danach richten, denn
bis man die Lehrkräfte dafür aufgestellt hat, die Ausbildungsstätten, und bis die Leute am Markt
sind, das dauert ja. Nur ich höre
und sehe kaum einen, der das
wirklich aktiv wahrnimmt.
Und was ist mit den IT-Start-ups?
ich unterstütze viele Jugendliche, die stellen mir immer die
gleichen Fragen: was passiert,
wenn ich scheitere? Du spürst
schon die Angst. wenn du heute
bei uns scheiterst, bist du schnell
gebrandmarkt.
Und in Großbritannien und den
USA?
ist es ganz anders. Da ist sogar
das insolvenzrecht anders, die lassen dich nach einer Pleite bewusst
ziemlich rasch vom haken.
Wie kann sich das bei uns ändern?
Der Leidensdruck ist wohl noch
zu gering, der Neid oft zu maßgeblich. Und solange wir die Einstellung haben, dass der Staat ohnehin für alles aufkommen muss,
wird sich das nicht groß ändern.
wir haben leider im Kopf noch
nicht ganz verstanden, dass wir in
der Globalisierung leben. Aber es
muss sich hier etwas ändern, denn
die Kluft zwischen Amerika und
Asien zu Europa wird immer größer. Microsoft wird bei der ceBit
2015 unter dem Motto „Das digitale wirtschaftswunder“ auftreten und artikuliert dabei, dass sie
die chancen für das Digital Business ähnlich groß einschätzen wie
im wiederaufbau der 50er-Jahre
nach dem Krieg. Und wenn auch
wir das als chance begreifen,
würde es uns allen nachhaltig besser gehen. ich habe große hoffnung in die Jugend. Da sind so viele da, die machen das. ich bin zuversichtlich: Europa geht noch
lange nicht unter.
Den Autor des Artikels erreichen Sie
unter michael.riedler@wirtschaftsblatt.at
ZUR PERSON
n Reinhold Karner lebt in London, Tirol, Malta, ist Unternehmer,
Ko-Investor, Berater für IKT-Themen, Zukunftstrends sowie Entrepreneurship, Mitglied von Aufsichtsorganen, Beiräten, Jurys sowie Thinktanks in Europa, USA und
Asien. In Tirol ist er u.a. Vorsitzender des Advisory Boards für Enterprise Systeme an der Uni Innsbruck. 1986 gründete er die Tiroler
IT-Firma KTW, die nach Differenzen mit der Hausbank scheiterte.
Karner startete darauf eine neue
erfolgreiche Karriere.
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Mittwoch, 4. März 2015
Unternehmen
GESUNDHEIT
Physiotherm peilt neuen Markt an
Der Thaurer Infrarotkabinen-Hersteller Physiotherm war bisher auf dem
Wellnessmarkt tätig. Künftig will die Firma substanzielle Umsatzanteile auf
dem Gesundheitsmarkt
erwirtschaften.
Eizingerπ
Physiotherm-Geschäftsführer
und -Miteigentümer Josef Gunsch
setzt auf den Gesundheitsmarkt
und auf die eigene Forschungsund Entwicklungsabteilung.
aber die einzige, die auch für
Einzelbehandlungen, etwa in
Arztpraxen oder Kuranstalten, ge­
eignet ist. Sie wurde im rahmen
eines K­regio­Projekts gemein­
sam mit dem Designbüro Juen
in Fiss, dem institut für Sport­,
Alpinmedizin und Gesundheits­
tourismus, der Medizin­Uni und
der UMit­Klinik auf die Beine ge­
stellt.
Derzeit laufen noch klinische
tests im Krankenhaus hall, bis
zur Serienfertigung dauert es
noch, doch Gunsch will damit
kräftig „am Medizinprodukte­
markt mitmischen“ und peilt zu­
nächst an, in diesem Bereich zehn
Prozent des Physiotherm­Umsat­
zes zu machen,
Das Familienunternehmen mit
250 Mitarbeitern, das zu zwei
Dritteln Firmengründer Alois
Schwarzenberger und zu einem
Drittel Gunsch gehört, steigerte
den Umsatz im Vorjahr erstmals
über die 30­Millionen­€­Grenze
auf 32 Millionen.
VOn mIChAeL rIeDLer
thAUr. Die Physiotherm Gmbh
ist in den vergangenen Jahren
kräftig gewachsen. Die infrarot­
kabinen aus thaur stehen in 6500
hotels, thermen und wellness­
anlagen, was wiederum zahlreiche
hotelgäste dazu veranlasst, sich
solche Kabinen auch privat an­
zuschaffen. Diese wellness­Ver­
triebsschiene habe aber ihre
Grenzen, weil nur etwa 30 Prozent
der Bevölkerung wellnessaffin
s e i e n , sa g t P hys i o t h e r m ­
Geschäftsführer Josef Gunsch.
Seit einiger zeit setzt das Unter­
nehmen daher auf alternative
Produkte. Die Firma hat dazu eine
Forschungs­ und Entwicklungs­
abteilung aufgebaut und eine in­
frarotkabine entwickelt, die mit
Überdruck, Sauerstoffanreiche­
rung und infrarotwärme imstande
ist, Krankheiten zu lindern.
Die innovation nutzt Know­
how aus der tauchermedizin. Die
Physiotherm­Kabinentechnik ist
JUNGUNTERNEHMERPORTRÄT
Südtiroler
mischen
Kunstmarkt
auf
Den Autor des Artikels erreichen Sie
unter michael.riedler@wirtschaftsblatt.at
iNNSBrUcK. Seit 2014 führen hugo Astner und Magda­
lena Froner ihr Kunsthandelsunternehmen „Millionart“
in innsbruck. Die beiden Südtiroler hatten sich zuvor in
Stuttgart mit dem Verkauf alter Meister beschäftigt. in
tirol engagieren sie sich jedoch für moderne
Kunst. Für die Kunstmesse „Art“ lieferten
Magdalena
Froner und Hugo
sie das highlight: eine Ausstellung von
Astner schätzen
16 werken Francis Bacons. was Südtiro­
den Standort
ler dazu treibt, in Nordtirol zu starten?
Innsbruck.
„Die rahmenbedingungen sind berechen­
barer als in italien“, sagt Froner. Millionart
lebt von seinem weltweiten Netzwerk. Astner bringt hier
auch sein Know­how ein, das er sich einst als Marketing­
mann im Motorsportmarketing erworben hat.
[mr]
Beigestellt
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Mittwoch, 4. März 2015
Unternehmen
| 11
BEKLEIDUNG
Astri Hosen jagt am Schweizer Markt
xxxxxxx
ÖtztAL-BAhNhoF. Die Astri
hosen Gmbh ist einer von ganz
wenigen Bekleidungsherstellern,
die noch in tirol produzieren. Die
oberländer kaufen zwar Qualitätsstoffe in der Schweiz ein, gewinnen den neuen Schweizer-Franken-Kursen aber mehr Positives
als Negatives ab: Denn damit erhöhen sich auch ihre Marktchancen bei den westlichen Nachbarn.
Seit 20 Jahren bezieht das Familienunternehmen Astri in ÖtztalBahnhof Material für outdoorSport- und Jagdbekleidung von
der Firma Schoeller aus der
Schweiz – Stoffe, die Naturmaterialien mit polyesterhaltigen hightech-Fasern verbinden. Der Franken-Anstieg hat bisher noch zu
keinen unüblichen Verteuerungen
dieser Lieferungen geführt, berichtet clemens Strigl, der Astri in
dritter Generation führt. Mitentscheidend dafür waren wohl auch
die gesunkenen Ölpreise, die
einen dämpfenden Effekt auf die
Preise von Polyesterstoffen haben.
Neue Impulse
Strigl rechnet im Gefolge des
Franken-Anstiegs eher mit positivem Nachhall. So verkauft Astri
erfolgreich Jagdbekleidung in die
Schweiz. Die wechselkurse können hier neue impulse bringen.
Überhaupt läuft der Bereich
Jagd aktuell gut bei Astri. Es sei
ein Nischenmarkt, den man mit
Qualität (sichergestellt u. a. durch
zehn eigene Näherinnen) bearbeite. Schwieriger ist die Situation im
Bereich Sportbekleidung: Der
Markt werde zunehmend von
Megastores beherrscht, die mit
billiger Fernost-ware handeln.
Clemens Strigl führt Astri in
Ötztal-Bahnhof.
Dennoch könnte heuer mit Spezialprodukten durchaus auch
Firmenwachstum herausschauen,
meint er. Astri macht derzeit
knapp zwei Millionen € Umsatz
und beliefert unter anderem die
tiroler Bergwacht, die wasserrettung, Firmen wie rosenbauer
oder die tiwag.
Astri wurde vor 60 Jahren von
Alois Strigl gegründet, seit 1964
produziert das Familienunternehmen in Ötztal-Bahnhof. Das
Unternehmen wurde vor allem
durch seine Kniebundhosen bekannt und war eines der ersten,
das Bekleidung mit Stretchstoffen
anbot. Astri steht zu jeweils 25
Prozent im Eigentum von clemens Strigl und Eva Suitner sowie
helmut und Ursula Strigl. [mr]
michael.riedler@wirtschaftsblatt.at
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12 |
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
Unternehmen
BIOPRODUKTE
Bioalpin stärkt Südtirol-Verbindung
Beigestellt
iNNSBrUcK. Die Bioalpin Bioproduktehandel eGen schraubte
im Vorjahr ihren Umsatz um
zwölf Prozent auf 6,3 Millionen €.
SCHWERPUNKT
LANDWIRTSCHAFT
Bei manchen Produkten (Eier,
rohrahmbutter) konnte das Angebot mit der Nachfrage nicht
mithalten.
Das ist ein Grund, warum Bioalpin künftig versucht, stärker mit
bäuerlichen Bioproduktelieferanten aus Südtirol zusammenzuarbeiten. Derzeit gehört etwa ein
Südtiroler Apfelbauer zu den
Lieferanten der Genossenschaft,
desgleichen ein Eierlieferant aus
Südtirol. Solche Kooperationen
sollen ausgebaut werden, kündigt
Bioalpin-Obmann Heinz Gstir (li.) und Geschäftsführer Björn Rasmus
peilen organisches Wachstum an.
Bioalpin-Geschäftsführer Björn
rasmus an.
Das Unternehmen will aber
nicht zu kräftig wachsen: „Es ist
eine riesenherausforderung für
die Genossenschaft, das Umlaufvermögen zu finanzieren. wir
ENERGIE
E-Werk Reutte
plant Anlage
für Wasserstoff
Riedler
Klaus Schmitzer tüftelt an
Wasserstoff-Lösungen.
rEUttE. Die Elektrizitätswerke
reutte AG plant eine wasserstoffproduktionsanlage, die industrieunternehmen der region mit
Energie beliefern soll.
Der hintergrund: Das E-werk
reutte versorgt außer dem tiroler Außerfern auch das angrenzende deutsche Gebiet. infolge
der deutschen Energiewende entstanden dort zahlreiche Fotovoltaikanlagen, die viel Strom ins
Netz des E-werks reutte einspeisen – „oft zu zeiten, in denen wir
den Strom gar nicht benötigen“,
sagt Vorstand Klaus Schmitzer.
könnten schon noch kräftiger
wachsen, aber das ginge nur mit
einem Kapitalpartner, und das
wollen wir nicht. Denn wir haben
uns dazu bekannt, eine bäuerliche
Genossenschaft zu bleiben“, sagt
Bioalpin-obmann heinz Gstir:
„Das urgenossenschaftliche Denken beschränkt uns im wachstum,
aber diesen Drahtseilakt haben
wir bisher gut geschafft.“
Mit guten Geschäftsaussichten
kam Bioalpin etwa auch unlängst
von der „Biofach“ in Nürnberg
zurück, der weltgrößten Biomesse
mit 40.000 Besuchern.
Der Stand von Bioalpin wurde
rege frequentiert: „Jetzt kommt
die Nachmessearbeit, und ich
denke, dass wir einige unserer
Kontakte von der Biofach nützen
können, um neue Geschäfte zu
realisieren“, sagt rasmus. Bioalpin
lieferte schon bisher etwa 60
tonnen Käse nach Deutschland,
an den Bio-Großhändler weiling.
Nun sollen künftig ähnliche
Kooperationen geschmiedet
werden.
[mr]
michael.riedler@wirtschaftsblatt.at
HOLZBAU
Das Unternehmen verfügt zwar
über einen Pump-wasserspeicher,
der reicht aber oft nicht aus, die
schwer berechenbaren Energiemengen an Solarstrom unterzubringen. Daher plant das E-werk
reutte jetzt eine „Power to gas“Lösung: Aus elektrischer Überschussenergie soll wasserstoff
erzeugt werden, der dann bei interessierten industriebetrieben
Motoren antreiben kann bzw.
überhaupt die gesamte Energieversorgung gewährleisten soll.
welche industriebetriebe im
Einzugsbereich des Energieversorgers infrage kommen, steht
noch nicht fest. An und für sich
gäbe es einige große Betriebe mit
Energiebedarf, von der Planseegruppe, ceratizit und zementwerk Schretter bis zum Verpackungsmaschinenhersteller
Multivac. Noch ist der Umfang
des Projekts nicht festgelegt –
daher gibt es auch noch keine
investitionssumme.
Das E-werk reutte beschäftigt
450 Mitarbeiter und betreibt 13
eigene wasserkraftwerke. Umsatz
im Geschäftsjahr 2013/14 (per Ende März): 66 Millionen €. [mr]
michael.riedler@wirtschaftsblatt.at
Saurer baut für
Tirols Industrie
in Holz
Beigestellt
Manfred Saurer errichtete Bürogebäude für die Firma Plansee.
hÖFEN. holzbau ist in tirol im
Aufwind und Unternehmen, die
sich auf vorgefertigte holzelemente spezialisiert haben, wachsen. Die holzbau Saurer Gmbh &
co KG konnte hier zuletzt stark
bei tiroler industrieunternehmen
punkten. So errichtet das Unternehmen für ceratizit Austria in
reutte eine neue halle mit holzhohlkastenelementen und holzsandwichfassaden – ein Projekt,
für das es eine Auszeichnung
beim tiroler holzbaupreis 2015
gab. ceratizit, ein Gemeinschaftsunternehmen von Plansee und
dem Luxemburger hartmetallhersteller cerametal, erhielt mit
dem Bau in rekordbauzeit eine
Konstruktion ohne sichtbares
Stahlblech, die alle Brandschutzanforderungen erfüllt. Die Auftragssumme darf Saurer im interesse des Kunden nicht nennen.
Auch für die Firma Plansee
selbst errichtete Saurer ein Bürogebäude aus holz, und für den
holzwerkstofferzeuger Egger
baut Saurer das neue, 8000 Quadratmeter große Verwaltungsgebäude aus holz.
warum die industrie holzbauten forciert? Es mag auch Lokalpatriotismus bei der industrie dabei sein, sagt Firmenchef Manfred
Saurer, der die Geschäfte mit Bruder wolfgang führt. Aber es sei
auch die kurze Bauzeit.
Der Außerferner Betrieb wachse mit dieser technologie kräftig.
Vor sechs Jahren waren noch 60
Mitarbeiter beschäftigt, inzwischen sind es 95. Der Umsatz stieg
auf 17 Millionen € und werde auch
heuer nicht sinken, kündigt Saurer an: „Die Auftragseingänge sind
gut derzeit, ich sehe keine Spur
von einer rezession.“
[mr]
michael.riedler@wirtschaftsblatt.at
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
Unternehmen
| 13
PORTRÄT
Ein Judoka, der sich was traut
Beigestellt
Leonhard Unterrainer, 35,
ehemaliger EM-Bronzemedaillengewinner im Judo, kann nicht nur sportliche Erfolge vorweisen:
Seinen Osttiroler Zimmereibetrieb hat er ins Hightech-Zeitalter gebeamt.
VOn mIChAeL rIeDLer
AM RADAR
AiNEt. Beim tiroler holzbaupreis heuer im Februar war Leonhard Unterrainer einer der drei,
die eine Auszeichnung einheimsten: konkret für den Bau der neuen
Firmenwerkshalle in Ainet, für die
der 25-Mitarbeiter-Betrieb immerhin 1,3 Millionen € springen ließ.
Die revolutionäre technik, in
welcher der Bau errichtet wurde,
ist auch Basis für die Markterfolge
des osttiroler Unternehmens:
verleimte Massivholzelemente in
gebogener Ausführung. Mit seinen „radiusplatten“ ist Unterrainer nach Eigenangaben das einzige Unternehmen, das gebogene
verleimte Massivholzelemente
schnell und kosteneffizient herstellen kann.
Leonhard Unterrainer hat die Jury des Tiroler Holzbaupreises überzeugt.
wie er darauf kam? „ich habe
auf diversen Baustellen gesehen,
dass die Architekten immer stärker mit organischen Formen planen. Das war dort immer extrem
aufwendig und kompliziert. ich
habe mir gesagt, das muss doch
einfacher gehen, und habe begonnen, viel zu tüfteln“, berichtet er.
Er habe hier eine Nische gesehen,
in der man konkurrenzlos sein
kann: „ich habe mir gedacht, so
was macht sonst keiner.“
„Er ist schon ein besonderer
typ von Unternehmer“, sagt
rüdiger Lex, Geschäftsführer der
initiative Proholz tirol, „einer,
der sich was traut, was probiert,
der zeit und Geld in neue ideen
investiert.“
Konsequenz und Ausdauer bewies Unterrainer nicht nur auf
wirtschaftlichem Feld: 2012 gewann er bei der Europameisterschaft der Veteranen (der über
30-Jährigen) in opole (Polen) die
Bronzemedaille im Judo. Und
auch heute noch trainiert der Vater zweier Kinder den osttiroler
Nachwuchs in der Judounion in
Lienz. Dafür wurde er 2013 vom
Land für sein „ehrenamtliches En-
gagement in der außerschulischen Kinder- und Jugendarbeit“
ausgezeichnet.
Preise gibt es mittlerweile auch
für wirtschaftliche Erfolge: Lex:
„Er ist da mit seiner innovation in
einen boomenden Markt hineingestoßen, in den Bereich des Bauens mit vorgefertigten verleimten
Massivholzelementen.“ Der Umsatz der holzbau Unterrainer
Gmbh von 3,5 Millionen € sollte
also künftig deutlich steigen.
Den Autor des Artikels erreichen Sie
unter michael.riedler@wirtschaftsblatt.at
LOGISTIK
Notheggers neue Züge im Kombi-Verkehr
Riedler
St. ULrich. Um 30 Prozent gewachsen ist das Logistikunternehmen Nothegger in den vergangenen zwei Jahren, jetzt steht es
schon bei 200 Millionen € Jahresumsatz, berichtet Firmenchef Karl
Nothegger jun. hauptverantwortlich dafür ist der „intermodale“
Verkehr, bei dem Lkw-container
bzw. wechselaufbauten per Bahn
transportiert werden.
„wir haben im Jahr 2010 damit
richtig intensiv begonnen und
heute macht dieser Bereich schon
50 Prozent des Gesamtumsatzes
aus“, berichtet Nothegger.
Die Aussichten für heuer stünden weiter positiv: zwar verliefen
Jänner und Februar branchenüblich eher flau – die Bauwirtschaft bestellt erst später. Dennoch rechnet Nothegger auch
heuer mit einem Plus von 20 Prozent. Dazu beitragen wird eine
neue intermodalverbindung von
wels nach zürich – „das ist ein
ganzer zug. Derzeit machen wir
diese Strecke auf der Straße, da
wird künftig auch der Straßenverkehr durch tirol entlastet.“
Nothegger unterhält bereits ein
europäisches Ganzzugnetzwerk
und wurde für die Bemühungen
um die reduktion der co2-Emissionen bereits im rahmen der
„klima:aktiv“-initiative ausgezeichnet. im Vorjahr schaffte das
Familienunternehmen gleich 220
neue Lkw mit Biodiesel-Motoren
auf Euro-6-Standard an.
Die Nothegger transport Logistik Gmbh aus St. Ulrich am
Pillersee verfügt über 13 internationale Niederlassungen und
750 Lkw. Beschäftigt sind mehr als
500 Mitarbeiter.
[mr]
michael.riedler@wirtschaftsblatt.at
Karl Nothegger hat frühzeitig
auf den Kombi-Verkehr gesetzt.
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Mittwoch, 4. März 2015
Unternehmen
NEU IM GESCHÄFT
LG INNSBRUCK
A.Airport Transfer OG, Adamgasse 31/3/30, 6020 Innsbruck, FN
428946d. GS: Aytekin Kiran, Senlik Kiran.
Agroplanet GmbH, Museumstraße 38, 6020 Innsbruck, FN
428457i. GF+GS: Bilal Akar, Ramazan Durak.
Clubdorf Galtür GmbH, Galtür 76,
6563 Galtür, FN 429287f. GF: Ernst
Lackner. GS: Lackner Holding
GmbH.
FIT-Performance Einzelunternehmen, Fritz-Konzert-Straße
6/1/3, 6020 Innsbruck, FN
429351z. Inh.: Michael Owokoniran.
hydroFilt GmbH, Josef-MayrNusser-Weg 2, 6020 Innsbruck,
FN 428325s. GF: Dr. Florian Eichinger, Ulrich Mentrup. GS: GEH Wasserchemie GmbH & Co.KG, Hydroisotop GmbH, Laboratorium zur
Bestimmung von Isotopen in Umwelt und Hydrologie.
kegasol Einzelunternehmen, Maximilianstraße 2, 6020 Innsbruck,
FN 429381v. Inh.: DI Gabriel
Kerber.
Lackner Holding GmbH, Gries 113,
6553 See, FN 429286d. GF+GS:
Ernst Lackner.
Moser Konrad GmbH, Faberstraße 52, 6230 Brixlegg, FN 428953p.
GF+GS: Stefanie Moser. GS: Konrad Moser.
zirb.Raumlüfter OG, Kaiserjägerstraße 7/Top 1, 6020 Innsbruck,
FN 429350y. GS: Carl Simbruner,
BSc, Benedikt Handler, Nikolaus
Stieldorf.
AWK Qualitätshaus GmbH, Innsbruckerstraße 95, 6353 Going am
Wilden Kaiser, FN 429434x.
GF+GS: Rudolf Obermoser. GS:
Maximilian Obermoser, Johann
Franz Xaver Scheuck.
CPM Weber OG, Rauthweg 37a,
6175 Kematen in Tirol, FN
429128x. GS: Maria-Antoniette
Weber, Markus Weber.
ITAS Gesellschaft mbH, Rennhammergasse 43, 6130 Schwaz,
FN 428487d. GF+GS: Michael Allram. GF: Manuel Allram.
Mag. Antonius Falkner Rechtsanwalt GmbH, Barwies 329/5, 6414
Mieming, FN 428418b. GF+GS:
Mag. Antonius Falkner.
TMA Projekt-Gesellschaft mbH,
Salzburger Straße 65, 6300
Wörgl, FN 429031d. GF+GS: Thomas Mairhofer.
Autohaus Hanl Betriebsführungs-GmbH, Trientlgasse 50,
6020 Innsbruck, FN 429072p. GF:
Mag.(FH) Werner Brunner. GS:
Brunner Management GmbH, Oliver Hanl.
Brugger Vermögensverwaltungs
GmbH, Oberried 116a, 6444 Längenfeld, FN 428935m. GF+GS:
Georg Brugger.
Harlander Kranverleih Gesellschaft mbH, Steigental 16, 6343
Erl, FN 428666t. GF+GS: Werner
Harlander.
Mag.pharm. Menghin-Ungerank
KG, Mitterweg 58a, 6020 Innsbruck, FN 429071m. GS: Mag.
Pharm. Corinna Menghin-Ungerank. KOMM: Mag. pharm. Elisabeth Wieser., Jacoby GM Beteiligungs GmbH.
Norden GmbH - visuelle Kommunikation, Markenentwicklung &
Beratung, Kaiser-Franz-JosephStraße 10, 6020 Innsbruck, FN
427559p. GF+GS: Julian Sprengel.
TIBERIUS Consult Gesellschaft
mbH, Schützenstraße 62, 6020
Innsbruck, FN 429112y. GF+GS:
Barbara Engelsmann.
Wetter Wild GmbH, Schnann 151,
6574 Pettneu am Arlberg, FN
428844d. GF: Markus Wetter. GS:
Wetter Holding AG.
Zita‘s Creative Einzelunternehmen, Haller Straße 141, 6020
Innsbruck, FN 429243s. Inh.: Vanda Zita Teti.
ECO Wohnbau GmbH, Brixentaler
Straße 35, 6361 Hopfgarten im
Brixental, FN 429223k. GF+GS:
Martin Schwöllenbach, Josef Ager.
STAJ - Beteiligungs GmbH, Industriezone 30, 6460 Imst, FN
426796t. GF: Andreas Gstrein. GF:
Mag. Dr. Stefan Jaksch, Ing.Dipl.Wirtschaftsing. (FH). GS: Johannes
Gstrein, Ing. DI Thomas Jaksch.
Full Metal Mountain GmbH, Maximilianstraße 9, 6020 Innsbruck,
FN 428326t. GF: Walter Hinterhölzl. GS: The Sponsor People
GmbH, EVENT SERVICE RS GmbH,
ICS GmbH International Concert
Service.
Immostyle GmbH, Höhenstraße
3, 6020 Innsbruck, FN 428780i.
GF+GS: Georg Fischer. GS: Michael
Fischer.
Kögl Beteiligungs GmbH, Müllerstraße 1, 6020 Innsbruck, FN
427838z. GF+GS: Karl Fischer M.A.
Picout Übersetzungs-GmbH, Andreas-Hofer-Straße 7, 6020 Innsbruck, FN 427560s. GF+GS: MMag.
Dr. Sabine Monika Picout LL.M.,,
MBL.
D@N-Development Einzelunternehmen, Rettlsteinerweg 76, 6112
Wattens, FN 428811f. Inh.: Daniel
Mikicevic.
MH Energie & Wohnbau GmbH,
Dorf 3 d, 6210 Wiesing, FN
427567a. GF+GS: Michael Hotter.
ewo Austria GmbH, Rauthweg 33,
6175 Kematen, FN 427816t.
GF+GS: Mag. Bernhard Schönherr.
GS: EWO G.M.B.H.
Hotelplan Kienpointner GmbH,
Unterwasser 69, 6384 Waidring,
FN 428184h. GF: Gerhard Kienpointner. GS: Gerhard Kienpointner
GmbH.
M & M Invest und Consulting KG,
Gumppstraße 17, 6020 Innsbruck,
FN 428562p. GS: Mag. Rene Kollmann. KOMM: Mag. Kollmann
GmbH.
Securityconsult - Consulting für
Sicherheits- und Brandschutztechnik Gesellschaft mbH, Serlesstraße 18, 6167 Neustift im Stubaital, FN 427972x. GF+GS: Natalija Stoiljkovic.
Gärtnerei A.Jäger KG, Dorfstraße
18, 6162 Mutters, FN 428947f.
GS+KOMM.: Anton Jäger.
SARAH GmbH, Bichl 38, 9971
Matrei in Osttirol, FN 428397x.
GF+GS: Ing. Andreas Presslaber.
PETFOOD TRADING LTD & Co KG,
Abfaltersbach 95, 9913 Abfaltersbach, FN 428346x. GS: PETFOOD
TRADING LTD. KOMM: Walter
Stern, Claudia Stern.
Tiroler Skischule Stefan Mantl
Schneesport Seefeld in Tirol KG,
Hinterautal 164, 6108 Scharnitz,
FN 428049i. GS: Stefan Mantl.
KOMM+Prok: Christoph Schwarz.
Smart Ventures GmbH, Kirchgasse 11/Top 09M, 6020 Innsbruck,
FN 425607v. GF+GS: MMag. Andreas Weimann. GS: Project S
GmbH.
Schlepplifte Vent GmbH, Venterstraße 51, 6458 Vent, FN
428595m. GF: Alexander Scheiber,
Andreas Riml. GS: Valentin
Scheiber.
Superzug OG, Fallbachstraße 9,
6121 Baumkirchen, FN 428574g.
GS: Johannes Tait, Christina Marthe, Stephan Marthe.
St.Anton Classic Schnee- und Alpinsport KG, Dorfstraße 57, 6580
St.Anton am Arlberg, FN 428265b.
GS: Jürgen Pirker. KOMM: Jan
Eiter, Wolfgang Birkl, Bruno Falch,
Andreas Rauch, Christoph Berger.
CVJ Gesellschaft mbH, Brandseitweg 9, 6365 Kirchberg, FN
428800p. GF+GS: Christine
Hödlmayer-Gammer. GS: Julian
Hödlmayr, Vanessa Hödlmayr.
Green Innovation Gesellschaft
mbH, Grabenweg 68, 6020 Innsbruck, FN 428034m. GF+GS: Vito
Macchia, Alexander Herbst, Giuliano Leonardi.
Nocker & Bernardi GmbH, Innweg 3, 6170 Zirl, FN 428253i.
GF+GS: Stefanie Nocker. GS: Christian Nocker, Kathrin Bernardi.
Prok.: Christian Nocker.
VVV Bau Gesellschaft mbH, Auwinkl 22, 6352 Ellmau, FN
428843b. GF+GS: Lieven Vererfven.
CRV Deutschland GmbH, Niederlassung Österreich, Dorfstraße
39, 6353 Going am Wilden Kaiser,
FN 426418k. GF: Axel Escher, Roald Max Antoine van Noort. Prok.:
Mag. Josef Dengg.
Teupe Gerüstbau Gesellschaft
mbH, Bahnhofstraße 21, 6300
Wörgl, FN 428179a. GF: Thomas
Kleine, Josef Teupe, Bernhard
Teupe. GS: Teupe & Söhne Gerüstbau GmbH.
David & Uli trading KG, Kalkofenweg 7, 6424 Silz, FN 428495s. GS:
David Tschabitscher. KOMM: Ulrich Leiter.
Dr.Seitz Gesellschaft mbH, Südtiroler Platz 12, 6330 Kufstein, FN
427970v. GF+GS: Dr. Nikolaus
Seitz. GS+Prok: Dr. Barbara Seitz.
KALUMA TRAVEL LIMITED Zweigniederlassung Österreich, Dorfstraße 53, 6580 St. Anton am Arlberg, FN 428556f. GF: Andrew Kevin Butterworth, Richard Kingsley
Lumb.
RECON Holding Gesellschaft mit
beschränkter Haftung, Wildbichler Straße 2, 6341 Ebbs, FN
428266d. GF+GS: Rene Wurzer.
Mag.Helmut Rieder Versicherungsmakler
Gesellschaft
m.b.H., Templstraße 5b, 6020
Innsbruck, FN 427882p. GF+GS:
Mag. Helmut Rieder, Hermann
Rieder. GS: Mag. Robert Peisser.
Wipptal-Apotheke Mag.pharm.
Elisabeth Sterlacci Einzelunternehmen, Hauptstraße 65, 6143
Matrei am Brenner, FN 428252h.
Inh.: Mag. Elisabeth Sterlacci.
Pramstaller Verwaltungs GmbH,
Kärntnerstraße 21, 9900 Lienz,
FN 428396w. GF+GS: Christian
Pramstaller.
CFD Solutions Gesellschaft mit
beschränkter Haftung, Angerwies 11, 6682 Vils, FN 427886w
GF+GS: Frank Harald Derbach.
Sabrina Vötter GmbH, Brenner
Bundesstrasse 245, 6156 Gries am
Brenner, FN 428412v. GF+GS: Sabrina Vötter.
F & S Plank Immobilien OG, Fürstengasse 1, 6060 Hall, FN
428328w. GS: Mag. Dr. Franz
Plank, Sabina Plank.
SYNCHROGREEN Gesellschaft
m.b.H., Trientlgasse 69, 6020
Innsbruck, FN 424523z. MV: Dr.
Christian J. Winder, 6020 Innsbruck.
(K)
Hueber Feinbäckerei Gesellschaft m.b.H. & Co. KG, Burggasse 18, 6130 Schwaz, FN34960m.
MV: Dr. Stefan Geiler, 6020 Innsbruck.
(SV)
SYNCHROLOG Gesellschaft mbH,
Trientlgasse 69, 6020 Innsbruck,
FN414982v. MV: Dr. Christian J.
Winder, 6020 Innsbruck.
(K)
Dr. Jörg Kutning Zahnarzt, Kuglgasse 28, 6233 Kramsach Einzelfirma. MV: Dr. Gernot Moser, 6130
Schwaz
(K)
(K) = Konkurs, (SV) = Sanie­
rungsverfahren, (SVE) = Sa­
nierungsverfahren mit Eigen­
verwaltung. Forderungen kön­
nen u.a. beim Kreditschutzver­
band, 1120 Wien, Wagenseil­
gasse 7, angemeldet werden.
Tel: 050 1870­1000, Fax: 050
1870­99 1000; www.ksv.at
WESTCAM Technologies Gesellschaft mbH, Gewerbepark 38,
6068 Mils, FN 428639b. GF+GS:
Ing. Norbert Mühlburger. GS:
Bernhard Mühlburger.
fair! Kompetenzzentrum OG,
Pradlerstraße 36, 6020 Innsbruck, FN 428821w. GS: Dr. Martina Holzknecht Foradori, Mag.Sabine Pogadl.
E R Ö F F N E T E I N S O LV E N Z E N
LG INNSBRUCK
Poli-Keramik Gesellschaft mbH,
Oberelend 24, 6060 Hall, FN
48204p. MV: Dr. Walter Waizer,
6020 Innsbruck.
(K)
Bauerrichtung Hungerburgweg
11 GmbH in Liqu., Arzlerstraße 47,
6020 Innsbruck, FN261919a. MV:
Dr. Christian J. Winder, 6020 Innsbruck.
(K)
Leopold Bartl, Löckpuit 112/4,
6426 Roppen, Einzelfirma. MV: Dr.
Esther Pechtl Schatz, 6460 Imst.
(K)
Ayhan Dogan Transportunternehmen, Duilestraße 16-18, 6020
Innsbruck, Einzelfirma. MV: Dr.
Herbert Matzunski, 6020 Innsbruck.
(SVE)
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
| 15
Überblick
Tirol
in Zahlen
23
ANSIEDELUNGEN
Die Standortagentur Tirol ver­
meldete mit 23 Gründungen im
Jahr 2014 einen Rekordwert an
internationalen Investitionen.
Gegenüber dem Jahr 2013 ist das
ein Anstieg von mehr als einem
Drittel. Die angesiedelten Be­
triebe planen nicht nur Investi­
tionen von rund 14 Millionen €,
sondern wollen auch 183 neue
Arbeitsplätze schaffen.
+9%
VERSTEIGERUNGEN
Tirol verzeichnete im Vorjahr einen Rekordwert an
internationalen Betriebsansiedelungen und dadurch
geschaffenen Jobs. Die Zahl der Immo-Zwangsversteigerungen ist gestiegen, Privatkonkurse sind rückläufig.
+6%
1002
-2,2%
THERMENGÄSTE
NEUE ARBEITSPLÄTZE
PRIVATINSOLVENZEN
Die drei Tiroler Thermen verbuchten im
Vorjahr 565.000 Gäste, ein Plus von sechs
Prozent zu 2013. Mit 2,2 Millionen Be­
suchern liegt die Steiermark im Branchen­
radar von Kreutzer, Fischer & Partner ganz
vorne; dahinter folgen Oberösterreich und
Salzburg mit je 1,4 Millionen Eintritten.
Die Zahl der Immobilien­
Zwangsversteigerungen sank in
Österreich 2014 um 14 Prozent
auf 2200 Versteigerungstermine,
so eine Erhebung von Smart­
Facts Data. In Tirol legten die
Zwangsversteigerungen ent­
gegen dem Bundestrend um
neun Prozent zu. Insgesamt hält
Tirol einen Anteil von 11,5 Pro­
zent bei den Versteigerungen.
Die Aktion 4000, ein 2009 vom Land ge­
startetes Beschäftigungsprogramm, zieht
Bilanz: Bisher konnten 1002 Langzeit­
beschäftigungslose sowie am Arbeitsplatz
benachteiligte Menschen einen Job finden.
Die Initiative ist mit 2,4 Millionen € bud­
getiert und wird auch heuer fortgeführt.
Die Zahl der Privatinsolvenzen ist laut
Creditreform­Insolvenzstatistik im Vorjahr
um 2,2 Prozent auf 759 Fälle gesunken.
Damit liegt Tirol im Trend: Nur in Ober­
österreich stieg die Quote. Die Zahl der
Unternehmensinsolvenzen ging in Tirol
um 1,8 Prozent auf 388 Fälle zurück.
TRENDS
8150
–3,6%
7835
Unternehmensgründungen 2014*
in Mio., vorläufige Daten
+0,8%
5552
+4,0%
Österreich
37.120 +0,5%
5263
+2,2%
2613
+4,9%
W
Nächtigungen 2014
N
*vorläufige Daten
St
O
K
2359
–3,4%
T
2225
–1,1%
S
1780
+2,8%
B
7,0
Österreich
131,9 Mio. –0,6%
1343
+2,2%
V
Quelle: Wirtschaftskammern Österreichs; Jänner 2015
(Unternehmensneugründungen im Bereich der Wirtschaftskammern)
8,4
Änderung zu 2013
! Zuwachs
! Rückgang
44,3
! ausländische Gäste
! inländische Gäste
25,5
6,7
11,4
12,1
13,5
2,9
WirtschaftsBlatt
Grafik/mp
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16 |
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
Familienunternehmen
EXPERTENTIPP
NACHHALTIGKEIT
Familienbetriebe
verfolgen nicht nur
ökonomische Ziele
80 Prozent der Unternehmen in
Österreich sind Familienbetrie­
be, die miteinander rund 70 Pro­
zent aller Arbeitnehmer be­
schäftigen. Sie gelten als solide
und mitarbeiterorientiert, da na­
turgemäß eine persönliche und
finanzielle Verbundenheit und
Abhängigkeit gegeben ist.
Familienunternehmen, in
denen die Familienmitglieder
auch in der Geschäftsführung
aktiv sind, unterscheiden sich
häufig von managergeführten
Unternehmen – auch hinsichtlich
der Übernahme von gesellschaft­
licher Verantwortung. Durch
dieses Pflichtbewusstsein wer­
den werte wie Loyalität, Glaub­
würdigkeit, Vertrauen sowie
tradition im Betrieb verankert.
Die Familienbetriebe zeichnet
zudem eine starke, im Alltag ge­
lebte Unternehmenskultur aus.
Das Bekenntnis zur Verant­
wortung für das kulturelle und
gesellschaftliche Umfeld steht
im Einklang mit der Strategie
und den werten. Gerade in volks­
wirtschaftlich schwierigeren zei­
ten verfolgen Familienunterneh­
men nicht nur rein ökonomische
ziele, selbst wenn ihnen dies für
eine gewisse zeit zum Nachteil
gereicht. im Mittelpunkt stehen
dafür Nachhaltigkeit und Fort­
bestand – eine Entscheidung, die
sich für Familienunternehmen
meist langfristig auszahlt. Fami­
lienunternehmen leisten somit
auch einen besonderen Beitrag
zur Stabilisierung des Arbeits­
marktes.
Gewinne werden in Familien­
unternehmen oft nicht ausge­
schüttet, sondern reinvestiert.
Die rahmenbedingungen dafür
sind derzeit jedoch alles andere
als unternehmensfreundlich.
Kurzfristig würden – neben
einem absolut notwendigen
Bürokratieabbau – steuerliche
investitionsanreize wie z. B. die
wiedereinführung des inves­
titionsbeitrages zu höheren re­
investitionen seitens der Fa­
milienunternehmen führen.
zum thema Fremdfinanzie­
rungen sollten man die rahmen­
bedingungen für den Eigenkapi­
talaufbau der Familienunterneh­
men wie etwa kurzfristige und
flexible Kapitalbeschaffungs­
maßnahmen verbessern und
auch die Vorschriften für Banken
lockern, um die klassische haus­
bank­Finanzierung für familien­
geführte Betriebe abzusichern.
Bei den Nudeln
Die Teigwarenfabrik Finkensteiner ist Österreichs
älteste Nudelfabrik. Nachhaltigkeit ist im Kärntner
Familienbetrieb keine Modererscheinung, sondern
schon seit jeher Teil des
Werteverständnisses.
VOn ClauDia Peintner
Wertvoller Arbeitgeber
Familienunternehmer führen ihr
Unternehmen mit großem
Selbstvertrauen und innerer
Überzeugung. Bei familien­
interner Übergabe werden den
nachfolgenden Generationen
außer finanziellem Vermögen
auch Sozialkapital und ein
wertekodex weitergegeben.
Gerade hinsichtlich der Perso­
nalbeschaffung sollten Familien­
unternehmen noch stärker mit
ihren flachen hierarchien und
langfristigen Perspektiven wer­
ben und verdeutlichen, dass bei
ihnen werte gelebt werden.
Dadurch verankern sie ihre
Attraktivität als Arbeitgeber im
Bewusstsein der teilnehmer am
regionalen Arbeitsmarkt.
Es sollte ein Anliegen der Po­
litik sein, dem größten Anteil
unserer wirtschaft, den KMU,
jene rahmenbedingungen zu
geben, die ihren Fortbestand
sichern. Die Senkung der Lohn­
nebenkosten, die Förderung von
reinvestitionen und verlässliche
steuerliche rahmenbedingungen
für die Nachfolgeplanung sind
nur einige wenige Maßnahmen.
MichAEL
AhAMMEr
audit Partner
KPmG
I
hre Spaghetti kocht Katha­
rina Gregori­Salbrechter
acht Minuten lang bei 100
Grad, kostet, und lässt bei
Bedarf noch eine Minute
nachziehen, damit sie al
dente sind. „Sind Nudeln aus rei­
nem weizengrieß statt Mehl her­
gestellt, dann zerkochen sie we­
niger schnell“, erklärt die Unter­
nehmerin. Salbrechter leitet mit
ihrem Mann Peter Salbrechter
seit zwei Jahren die Finkensteiner
Nudelfabrik. 90 Sorten führt der
zehnköpfige Betrieb im Sorti­
ment, hergestellt ausschließlich
aus hartweizen­ oder Dinkel­
grieß.
„Die Liebe zum Produkt steht
bei uns über allem“, sagt der
30­jährige Unternehmer. „wir
wollen nicht nur einen Knopf drü­
cken und warten, bis hinten etwas
rauskommt.“ Spaghetti oder La­
sagneblätter werden noch per
hand hergestellt und verpackt.
innovative wege geht der 130
Jahre alte Familienbetrieb hin­
gegen bei den Geschmacksrich­
tungen: Da gibt es Pasta, die nach
Bärlauch schmeckt, nach Knob­
lauch oder chili. Der Preis pro Pa­
ckung liegt zwischen 1,50 und vier
„Nachhaltigkeit bedeutet für uns, trad
€. Als Kunden zählt das Unter­
nehmen, das laut Salbrechter
künftig alle fünf Jahre rund
200.000 € in Ausbau und neue
Maschinen investieren will, auch
viele touristen. im hauseigenen
Marktcafé kommt die Pasta direkt
aus der Fabrik ins Verkaufsregal
oder auf den teller.
Keine Gewissensbisse
Der Familienbetrieb ist über die
Jahre klein geblieben. Man hat
sich auf die region beschränkt –
sowohl bei den zutaten als auch
bei der Vermarktung. Nachhaltig­
keit sei im Betrieb keine Mode­
erscheinung, sondern werde
schon immer gelebt, heißt es.
Neben dem Karawanken­hoch­
quellwasser würden Eier von
Bauern aus der region, hart­
weizengrieß aus Österreich und
Gewürze von einem Kärntner Ge­
würzwerk bezogen. Der Strom
stammt aus dem eigenen wasser­
kraftwerk, der Überschuss wird
ins Netz zurückgespeist.
„Nachhaltigkeit bedeutet für
uns, traditionelle werte mit der
modernen Lebensweise zu ver­
binden und das Unternehmen so
zu führen, dass auch die nächste
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
Familienunternehmen
| 17
zählen Heimat und Hausverstand
Finkensteiner (2), Helge Bauer, Beigestellt
ditionelle Werte mit der modernen Lebensweise zu verbinden“, sagt Katharina Gregori-Salbrechter (im Bild mit ihrem Ehemann Peter).
I
hre Spaghetti kocht Katharina Gregori-Salbrechter
acht Minuten lang bei 100
Grad, kostet, und lässt bei
Bedarf noch eine Minute
nachziehen, damit sie al
dente sind. „Sind Nudeln aus reinem weizengrieß statt Mehl hergestellt, dann zerkochen sie weniger schnell“, erklärt die Unternehmerin. Salbrechter leitet mit
ihrem Mann Peter Salbrechter seit
zwei Jahren die Finkensteiner Nudelfabrik. 90 Sorten führt der
zehnköpfige Betrieb im Sortiment, hergestellt ausschließlich
aus hartweizen- oder Dinkelgrieß.
„Die Liebe zum Produkt steht
bei uns über allem“, sagt der
30-jährige Unternehmer. „wir
wollen nicht nur einen Knopf drücken und warten, bis hinten etwas
rauskommt.“ Spaghetti oder Lasagneblätter werden noch per
hand hergestellt und verpackt.
innovative wege geht der 130
Jahre alte Familienbetrieb hingegen bei den Geschmacksrichtungen: Da gibt es Pasta, die nach
Bärlauch schmeckt, nach Knoblauch oder chili. Der Preis pro Packung liegt zwischen 1,50 und vier
Wir wollen nicht
den Knopf drücken
und warten, bis
etwas rauskommt.
PETER SALBRECHTER
Der Strom für die Teigwarenverarbeitung kommt seit 100 Jahren
aus dem eigenen Wasserkraftwerk.
€. Als Kunden zählt das Unternehmen, das laut Salbrechter
künftig alle fünf Jahre rund
200.000 € in Ausbau und neue
Maschinen investieren will, auch
viele touristen. im hauseigenen
Marktcafé kommt die Pasta direkt
Die autorin des artikels erreichen Sie
unter claudia.peintner@wirtschaftsblatt.at
Die Serie „Familienbetriebe“
wird von der WirtschaftsBlattRedaktion in völliger Unabhängigkeit inhaltlich gestaltet und erscheint in Kooperation mit KPMG.
n
CHRONIK
n 1882 eröffnete der in Italien ge­
borene Giuseppe Gregori seine ers­
te Teigwarenfabrik in Bozen, da­
mals noch auf österreichischem
Boden.
n 1895 musste aus Platznot ein
neuer Standort gesucht werden.
Gregori fand diesen in Finkenstein
am Faaker See, wo ein altes
Hammerwerk wegen der dazu­
gehörigen Wasserkraftanlage
gekauft wurde.
n Immer von Familienmitgliedern geführt, wurde der Betrieb
1995 von Sigrid Gregori übernom­
men. 2006 eröffnete ihre Schwes­
ter Ulrike Fleissner das Marktcafé
mit Direktverkauf in der unteren
Etage des Betriebs.
n Zum 130-jährigen Jubiläum im
Jahr 2012 erfolgte die Übergabe
der Teigwarenfirma an Katharina
Gregori­Salbrechter und deren
Mann Peter Salbrechter.
18 |
FOKUS
Ko M M E r z i E L L E r t h E M E N S c h w E r P U N K t
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
FOKUS ARBEITSSCHUTZ
colourbox.de (2)
Nur Prävention führt zur
Sicherheit am Arbeitsplatz
Die Statistik untermauert die Tatsache, dass in Österreich noch immer viel zu viele Menschen
VON CHRISTIAN LENOBLE
berufsbezogen verunglücken. Effektive Gegenstrategien sind gefragt.
R
und 106.000 Arbeits­
unfälle (94.000 im en­
geren Sinne plus 12.000
am weg von der bzw.
zur Arbeit) weist die jüngste Sta­
tistik der Allgemeinen Unfallver­
sicherungsanstalt (AUVA, aus
dem Jahr 2013) bei Österreichs Er­
werbstätigen aus. Dazu addieren
sich rund 1300 Berufskrankheiten.
Mehrheitlich (knapp 74.000) sind
Arbeiter betroffen, mehr als
26.000 Angestellte, in etwa 7000
Fällen Selbstständige, freie
Dienstnehmer und sonstige ge­
schützte Personen. in relativen
häufigkeiten betrachtet hatten
60 von 1000 Arbeitnehmern Scha­
densfälle zu beklagen, 16 von 1000
Angestellten und 7 von 1000
selbstständig Erwerbstätigen. Von
den Berufsgruppen waren am
häufigsten handwerks­ und ver­
wandte Berufe (33.000 Schadens­
fälle) in Unfälle verwickelt, ge­
folgt von den Gruppen Dienstleis­
tungsberufe und Verkäufer, hilfs­
arbeitskräfte sowie Bediener von
Anlagen und Maschinen. im
Gegensatz dazu zählen etwa Füh­
rungskräfte nur relativ selten
(1400) zu den Betroffenen.
interessante Aufschlüsse geben
auch die Statistiken zu den Unfall­
hergängen. Demnach kommt es
am häufigsten zum Verlust der
Kontrolle über Maschinen, trans­
portmittel und handwerkszeug.
Danach folgen Stürze und Abstür­
ze von Personen. Bei den Berufs­
krankheiten von Erwerbstätigen
führt durch Lärm verursachte
Schwerhörigkeit die Liste mit
großem Abstand vor hauterkran­
kungen und Erkrankungen der
Atemwege und der Lunge an. wie
auch immer man die zahlen dreht
und wendet, Fakt ist: Arbeiten ist
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
gefährlich, Arbeitsschutz dringend geboten.
Die zielsetzung des modernen
Arbeitnehmerschutzes ist klar auf
Prävention ausgerichtet: Es soll
nicht erst gehandelt werden,
wenn der Unfall geschehen ist.
Vielmehr geht es um Maßnahmen, welche die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Unfalles und
folgenden Krankenstandes minimieren. Unfälle und Berufskrankheiten sollen so gut wie möglich
vermieden werden, um ein
Arbeitsleben sowie einen späteren ruhestand ohne gesundheitliche Beeinträchtigungen zu ermöglichen; eine Aufgabe, die zum
einen humanitärer Natur, zum
anderen aber auch von ökonomischer relevanz ist. Schließlich gilt
es, die von arbeitsbedingten Unfällen und Krankheiten verursachten eminenten volkswirtschaftli-
Ko M M E r z i E L L E r t h E M E N S c h w E r P U N K t
chen Kosten im zaum zu halten.
Denn von einem guten und sicheren Arbeitsumfeld profitieren
nicht nur die Arbeitnehmer, sondern auch die Unternehmen und
damit die Volkswirtschaft selbst.
werden Fehlzeiten abgebaut
und steigen Arbeitsklima und -zufriedenheit, wirkt sich das auf den
Erfolg von Betrieben aus. „Vorbeugender Arbeitnehmerschutz
darf sich dabei nicht darauf beschränken, Arbeitsplätze im technischen Sinn sicher zu gestalten“,
erläutert renate Nowak, Juristin
im Bundesministerium für Arbeit,
Soziales und Konsumentenschutz.
„Dieser muss vielmehr die Beschäftigten vor allen arbeitsbedingten Gesundheitsgefahren
schützen. Dabei werden insbesondere auch Fragen der Arbeitsorganisation, der psychischen Belastungen und des Einflusses der
Umwelt auf den Arbeitsplatz berücksichtigt.“
Gesetzliche Grundlage
Der Arbeitnehmerschutz gliedert
sich in zwei große Kapitel: in den
Bereich des sogenannten Arbeitszeit- und Verwendungsschutzes
fallen Schutzbestimmungen für
bestimmte besonders schutzwürdige Gruppen wie etwa Jugendliche oder werdende/stillende Mütter sowie Arbeitszeit- und
Arbeitsruheregelungen.
im Bereich der Arbeitssicherheit und des Gesundheitsschutzes
werden alle technischen und
arbeitshygienischen Schutzvorschriften zusammengefasst. hierzu gehört das Arbeitnehmerschutzgesetz (ASchG) mit den dazu erlassenen Verordnungen. „Das
ASchG und seine Verordnungen
stellen in Österreich die zentralen
FOKUS
| 19
Bestimmungen zum Schutz des
Arbeitnehmers bei der Durchführung seiner tätigkeit dar. im
ASchG wird zudem auf andere
rechtsbestimmungen verwiesen,
die sich nicht direkt an den Arbeitgeber richten müssen (zum Beispiel an den hersteller einer
Maschine), die jedoch trotzdem
wesentlich für den Arbeitnehmerschutz sind“, erklärt christian
Schenk von der AUVA-hauptstelle für Berufskrankheitenbekämpfung und Unfallverhütung. Das
ASchG gilt dabei für jede Beschäftigung von Arbeitnehmern und
legt einen weit gefassten Arbeitnehmerbegriff fest. So kommt es
weder auf den Beschäftigungsort
(Arbeitsstätte, Baustelle etc.),
noch auf die Art der tätigkeit,
noch auf das Ausmaß der Beschäftigung (z. B. teilzeitarbeit, Aushilfsarbeiten) an.
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wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
20 |
FORUM
ONLINE-UMFRAGE
Welche Ausbildung
ist am zukunftsträchtigsten für
14-Jährige?
4
42
37
6
n = 1693; WirtschaftsBlatt
Grafik/Veis
Lehre
Lehre mit Matura
AHS
HAK/HTL
Andere Fachschulen
Mücken, Zecken, Wespen,
und es wird nicht weniger
w
11
%
Diskutieren Sie mit:
tirol@wirtschaftsblatt.at
11 %
37 %
6%
42 %
4%
Von 1693 Lesern stimmten
42 Prozent für eine HAK
oder HTL, nur elf Prozent
für eine Lehre.
iMPrESSUM
Medieneigentümer, Herausgeber und
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www.wirtschaftsblatt.at/impressum
Hersteller: Druck Carinthia GmbH & Co KG
Alle Rechte, auch die Übernahme von Beiträgen nach § 44 Abs. 1 Urheberrechtsgesetz,
sind vorbehalten. Gerichtsstand ist Wien.
as juckt tirols Unternehmer? Gleich mehrere Unternehmerinitiativen sind in letzter zeit mit dem Appell,
die Politik solle endlich wirksame reformen auf Schiene bringen, an die Öffentlichkeit gegangen, u. a. eine Gruppe von
tiroler Unternehmern wie Günther Berghofer oder herbert Empl.
Der unmittelbare Anlass für den ärger sind die holprigen Steuerreform-Verhandlungen. Machen die Unternehmer aus einer Mücke
einen Elefanten? Vielleicht. Die Ursache des Unmuts wurzelt aber
tiefer: Es ist der ärger über einen immer stärker werdenden wust
von gesetzlich einzuhaltenden Vorschriften, die ungeheuer viel
zeit und Geld kosten und den Unternehmern das Arbeiten verleiden.
„Es hat vor vielleicht 15 Jahren angefangen“, berichtet Bauunternehmer Anton rieder. Da begannen bürokratische Vorschriften und Normen krebsartig zu wuchern, und längst gibt
es bei dieser Entwicklung kein halten mehr. in seiner Schulzeit
wurden htL-Schüler noch die geltenden Baunormen geprüft.
heute hätte kein Schüler die chance, solche Prüfungen zu bestehen,
denn heute existieren sage und schreibe 6000 Baunormen, und
statistisch kommt täglich mindestens eine neue dazu bzw. wird
eine geändert – tendenziell in eine kompliziertere richtung.
t
iroler Versicherer und Banken stöhnen mittlerweile unter
der Last von irrwitzig verschärften Berichtspflichten, die
sich binnen weniger Jahre zum teil verzehnfacht (!) haben.
wer ist schuld? Da sind interessengruppen, die die Normen in
ihrem Geschäftsinteresse verändern wollen, da ist die durchgeknallte Entwicklung unserer rechtsprechung, und da ist die noch durchgeknalltere tendenz der Politik, jede kleine „Ungerechtigkeit“ mit
einer verbindlichen Norm, einer Verordnung oder einem Gesetz
beseitigen zu wollen.
Sie übersieht dabei, dass sie mit der regelung vieler kleiner
Ungerechtigkeiten ein unüberschaubares, teures System schafft,
das dann eine riesige Ungerechtigkeit darstellt. Denn aus vielen lästigen Mücken, aus vielen kleinen Nadelstichen, wurde inzwischen eine riesige heuschreckenplage, die vor allem
die Klein- und Mittelbetriebe hart trifft.
MichAEL riEDLEr
michael.riedler@wirtschaftsblatt.at
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
| 21
Forum
ZITAT
In der Politik ist viel föderalistisch: Jeder ist für etwas
zuständig, niemand für etwas verantwortlich.
hANS J. SchELLiNG, Finanzminister, beim Tirol-Besuch
Foltin
ANGESPITZT
LESERBRIEFE
X Bei Förderungen
gehen KMU leer aus
„Österreich verwaltet derzeit nur
den Stillstand“
Solange wir die Klein- und Mittelbetriebe nicht stärken, damit sie
wachsen können, wird es nichts
geben! Alleine, wenn ich mir die
Forschungsförderungen ansehe:
Da spricht man immer von KMUBonus und davon, dass Klein- und
Mittelbetriebe erwünscht sind. in
wahrheit bekommen die bereits
geförderten Universitäten und
wissenschaftlichen institutionen
die Förderungen, und die Kleinund Mittelbetriebe gehen leer aus!
Solange man den Klein- und Mittelbetrieben nicht den zugang zu
Forschung und Entwicklung gewährt, den man verspricht, werden wir auch in diesem Sektor am
Platz treten!
Gast: DOE, Online
Illustration: Michael Riedler
WIRTSCHAFTSBLATT REGIONAL IHR TEAM
Michael Riedler [mr]
Der langjährige WirtschaftsBlatt-Korrespondent ist Experte
für die Wirtschaft in Tirol.
Martina Madner [mad]
Die Arbeitsmarktexpertin
schreibt über Bildung, Karriere
und Unternehmen.
Alexander Pfeffer [pepe]
Der Redakteur leitet das Ressort
Business-Talk in allen WirtschaftsBlatt-Publikationen.
michael.riedler@wirtschaftsblatt.at
martina.madner@wirtschaftsblatt.at
alexander.pfeffer@wirtschaftsblatt.at
Markus Stingl [mast]
Leitet das Regionalressort im
WirtschaftsBlatt. Berichtet über
mittelständische Unternehmen.
Sandra Knopp [kns]
Die Journalistin berichtet
über Immobilienprojekte
in den Bundesländern.
Christoph Pridun [chp]
Berichtet über wirtschaftliche
Events und Unternehmensveranstaltungen in Ihrem Bundesland.
markus.stingl@wirtschaftsblatt.at
tirol@wirtschaftsblatt.at
christoph.pridun@wirtschaftsblatt.at
Claudia Peintner [clp]
Die gebürtige Osttirolerin
schreibt über Neuigkeiten aus
Unternehmen und Branchen.
Teresa Spari [tasp]
Beobachtet die Unternehmenslandschaft und greift Branchenthemen auf.
ANZEIGENKONTAKT
Claudia Montoya ist Ihre
Ansprechpartnerin in Tirol.
claudia.peintner@wirtschaftsblatt.at
teresa.spari@wirtschaftsblatt.at
regionalverkauf.tirol@wirtschaftsblatt.at,
Telefon: 0676/871 970 525
REDAKTION tirol@wirtschaftsblatt.at Telefon: 01/60 117-0 DW 164, Fax 259
BEZAHLTE EINSCHALTUNG
IMPULSE FÜR TIROL 2015
DIE HYPO TIROL BANK STELLT HEUER 350 MIO. EURO ZUR VERFÜGUNG. FÜR
INNOVATIVE UND ZUKUNFTSWEISENDE IDEEN. FÜR UNTERNEHMER, DIE
SCHON JETZT IN DIE ZUKUNFT INVESTIEREN.
K
Foto: Hypo Tirol Bank
eine Bank ist so eng mit der Entwicklung der heimischen Wirtschaft verbunden wie „unsere Landesbank“.
Heimische Betriebe aktiv bei ihrem Weg in
die Zukunft zu unterstützen, ist seit über
100 Jahren unser Auftrag. Mit dieser Initiative setzt die Hypo Tirol Bank einen finanzstarken Impuls für unser Land.
Flexibilität und
Gestaltungsfreiheit
All jene, die das günstige Zinsumfeld als
Chance erkennen und jetzt in ihren Wettbewerbsvorteil von morgen investieren,
sind bei den erfahrenen Kundenbetreuern
der Landesbank gut aufgehoben. Durch
unsere regionale Ausrichtung kennen wir
Menschen und Märkte. Unsere Entscheidungen werden vor Ort getroffen. Dadurch
können unsere Finanzierungen maßgeschneidert dort bereit gestellt werden, wo
sie gebraucht werden: bei heimischen
klein- und mittelständischen Unternehmen. Das schafft Vertrauen und gibt Sicherheit.
Vorstand Johann Kollreider und Mario Zangerl, Bereichsleiter Firmenkunden.
Ihre Ansprüche stehen im Fokus
Wir bieten Ihnen
• Individuelle Finanzierungsmodelle:
Wir finden die richtige Finanzierungsstrategie, die zu Ihren Anforderungen passt.
• Maximale Flexibilität bei Rückzahlung und Laufzeit: Damit Sie sich
optimal an die Änderungen des
Marktes anpassen können.
• Bestmöglichen Schutz vor Zins- und
Kursschwankungen: Weil die Entwicklungen an den Kapitalmärkten
nicht vorhersehbar sind.
Durch intensive Zusammenarbeit mit den
Förderstellen von Bund und Land ermöglichen wir Ihnen den Zugang zu attraktiven Förderungen und lohnenden Zuschüssen. Erfahrungsgemäß wird der bürokratische Aufwand bei Förderansuchen unterschätzt. Auch dabei unterstützt Sie die
Hypo Tirol Bank.
Konstante
Zusammenarbeit
„In einem herausfordernden Umfeld ist
es uns wichtig, positive Impulse zu setzen
und Unternehmer bei Investitionen zu begleiten“, sagt Mario Zangerl, Bereichsleiter Firmenkunden Hypo Tirol Bank. „Wir
verfügen über ausreichend Liquidität und
stellen diese heimischen Unternehmen zur
Verfügung. Ganzheitliche Beratung und
umfassende Betreuung ist für Unternehmen der entscheidende Schritt zu den passenden Finanzierungs- und Förderungsmöglichkeiten. Unser Ziel ist eine konstante Zusammenarbeit – auch in schwierigen Zeiten.“
Weitere Informationen
Hypo Tirol Bank AG
Meraner Straße 8
6020 Innsbruck
Tel.: +43-(0)50700-0
www.hypotirol.com
24 |
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
Finanzen
Auf den richtigen
Finanzierungsmix
kommt es an
Leasing, Factoring oder ein Privatkredit? Auch für kleine und mittlere Unternehmen endet die Möglichkeit, sich zu finanzieren, nicht beim klassischen
Bankkredit. Ein Überblick.
VOn ROSa KUPPKe
A
usgedient hat er
noch lange nicht,
der klassische
Bankkredit zur
Unternehmens­
finanzierung. „Der
Bankkredit wird auch in zukunft
die zentrale Finanzierungsform
bleiben“, davon ist Peter Voit­
hofer, Direktor der KMU For­
schung Österreich, überzeugt.
„Aber es haben sich in den ver­
gangenen Jahren auch alternative
Finanzierungsformen etabliert.“
Je nach Finanzierungsvorhaben
können mehrere Finanzierungs­
arten kombiniert und aus­
geschöpft werden: geförderte
Kredite, Garantien und Leasing
oder ein Privatkredit und der Ver­
kauf von Forderungen (Facto­
ring). Der richtige Finanzierungs­
mix kann helfen, Kosten zu spa­
ren, speziell in zeiten, in denen es
komplizierter wird, einen Kredit
zu erhalten. Denn strengere re­
gulierungsvorschriften (Stichwort
Basel ii und Basel iii) zwingen die
Banken, verstärkt auf das Eigen­
kapital der Unternehmen zu ach­
ten, die einen Kredit beantragen.
„Abhängig von der Branche
sollte ein Unternehmen im Durch­
schnitt eine Eigenkapitalquote
von 25 bis 30 Prozent haben“,
erklärt helmut Bernkopf, Bank­
Austria­Vorstand für Privat­ und
Firmenkunden. „in den vergan­
genen Jahren haben schon viele
Unternehmen ihre Eigenkapital­
basis gestärkt“, berichtet Bern­
kopf. Das betont auch Voithofer:
„zuletzt sind die Eigenkapital­
quoten der Unternehmen tenden­
ziell gestiegen. Bei den KMU lie­
gen wir jetzt im Durchschnitt bei
einer Quote von 30 Prozent.“
Speziell für kleinere Firmen ist
eine gute Eigenkapitalbasis wich­
tig, damit sie in den internen ra­
tingsystemen der Banken gut ab­
Das Rating ist Drehund Angelpunkt bei
Bankfinanzierungen.
HELMUT BERNKOPF
MITGLIED DES VORSTANDS
BANK AUSTRIA
schneiden. „Bankinterne rating­
systeme sind auch nach Unter­
nehmensgröße kalibriert“, erklärt
Bernkopf. „Bei einem kleineren
Unternehmen hat das Eigenkapi­
tal einen größeren Stellenwert.“
Sitzen Unternehmer und Banker
zusammen, besprechen sie auch
Szenarien, um über stärkeres
Eigenkapital ein besseres rating
zu erlangen. Denn, so Bernkopf:
„Das rating ist der zentrale Dreh­
und Angelpunkt bei Bankfinan­
zierungen. im Falle eines Kredits
entscheidet es über Preis, höhe,
Besicherung und Fristigkeit.“
Manchmal haben auch schon
kleine änderungen große Auswir­
kungen auf die Eigenkapitalquote
und das rating; die Verkürzung
von zahlungszielen etwa oder das
Ausstellen von teilrechnungen.
Voithofer: „wenn ich eine teil­
rechnung stelle, sehe ich die zah­
lungsfähigkeit und ­willigkeit des
Kunden.“ Voithofer berichtet aus
eigener Erfahrung: Als er an­
lässlich seiner hochzeit einen
Fotografen beauftragte, verlangte
dieser eine Anzahlung, was Voit­
hofer damals ziemlich verwun­
derte. „Aber nur so lange, bis er
mir erzählte, dass viele ihre hoch­
zeitsfotos nicht abholen kom­
men.“
Factoring im Kommen
Eine weitere Möglichkeit, schnel­
ler an das in rechnung gestellte
Kapital zu kommen, ist Factoring.
Factoring ist der Verkauf von Kun­
denforderungen an einen Dritten,
meist eine Bank. Dabei erhält der
Unternehmer, der die rechnung
gestellt hat, bereits bei rech­
nungslegung einen (großen) teil
der rechnungssumme vom Käu­
fer der Forderung. wann der Kun­
de tatsächlich zahlt, ist für den
Unternehmer somit nebensäch­
lich, er kann sofort über Einnah­
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
colourbox.de (6)
SCHLAGWORT
Finanzen
men verfügen. „Factoring war früher eine Finanzierungsform, die
keinen besonders guten ruf hatte“, sagt Bernkopf. „Aber mittlerweile hat sich das Blatt gewendet,
die Vorteile werden auch von großen börsenotierten Unternehmen
gesehen und genutzt.“
Factoring muss „maßgeschneidert“ sein; es wird genau festgelegt, welche rechnungen verkauft
werden, die EDV-Buchhaltungssysteme müssen dementsprechend angepasst werden. Ab
einem Umsatz von etwa fünf Millionen € ergibt Factoring für KMU
speziell aus der Dienstleistungsoder Produktionsbranche Sinn.
Nicht geeignet ist es für Unternehmen mit Endverbraucherkunden oder mit Gegen- oder Projektgeschäften. hat ein Unternehmen
Kunden, die eine bessere Bonität
haben als es selbst, so können die
Kosten für Factoring günstiger
sein als für einen Betriebsmittelkredit. Als Beispiel nennt Bernkopf „ein Unternehmen, das
Dienstleistungen für die öffentliche hand erbringt“.
Voithofer berichtet, dass speziell bei Kleinstunternehmen die
Finanzierung mitunter auch über
den Freundes- und Familienkreis
geschieht, „etwa über ein Privatdarlehen“. crowd-Financing, wo
zumeist online Financiers gesucht
und gefunden werden, ist zwar
im Kommen, aber nicht unbedingt
für jedes Unternehmen eine
Alternative. „Für innovative Neugründungen oder wachstumsorientierte Start-ups ist das eine
Möglichkeit.“
Eine weitere alternative Finanzierungsform, die für alle Unternehmen und Branchen infrage
FACTORING
n So funktionierts: Beim Factoring verkauft ein Unternehmen seine Forderungen an die Factoringgesellschaft (Factoringbank). Diese
überweist bei Ausstellen der Rechnung einen Großteil des Rechnungsbetrages an das Unternehmen (bis zu 80 Prozent). Der Zahlungspflichtige begleicht die Rechnung durch Zahlung an die Factoringgesellschaft. Darüber wird der
Rechnungsempfänger zumeist auf
der Rechnung informiert. Wird die
Rechnung bezahlt, so überweist
die Factoringbank den übrigen
Rechnungsbetrag abzüglich der
vereinbarten Gebühr.
Alternative Finanzierungsformen
haben sich etabliert.
PETER VOITHOFER
DIREKTOR
KMU FORSCHUNG
ÖSTERREICH
kommt, ist Leasing. Geleast werden können nicht nur Autos, Bagger, Kräne oder Kopierer – auch
Bürogebäude, werkshallen oder
Produktionsmaschinen können
genutzt werden, während sie im
Eigentum der Leasinggesellschaft
stehen (siehe auch Artikel rechts).
Förderungen für KMU
Bankberater berichten einhellig,
dass viele Unternehmen momentan über eine erhöhte Liquidität
verfügen, sich aber mit investitionen zurückhalten. Das beschert
nicht nur den Banken eine geringere Kreditnachfrage, sondern
auch Förderinstitutionen haben
mitunter in ihren töpfen mehr
Geld liegen, als abgeholt wird.
hier kann sich ein Gespräch mit
einem Förderspezialisten in der
Bank lohnen.
„Manche Förderungen werden
von manchen Branchen einfach
nicht in Anspruch genommen,
obwohl es gehen würde“, berichtet Bernkopf. „oft stehen sogar
mehrere Förderungen wie Garantien, zinsgünstige Kredite oder
zuschüsse zur Auswahl. Aufgrund
vorgegebener Förderobergrenzen
können aber manchmal nicht alle
genutzt werden. Dann analysieren
wir gemeinsam mit den Kunden,
welche sinnvollerweise in Anspruch genommen werden.“
Es kommt eben auf den richtigen Mix an. Denn, so Voithofer:
„Das Nutzen von unterschiedlichen Finanzierungen ermöglicht
einen größeren Spielraum in jeglicher hinsicht.“
Die autorin des artikels erreichen Sie
unter regional@wirtschaftsblatt.at
Die Serie „KMU-Finanzinfo“
wird von der WirtschaftsBlattRedaktion in völliger Unabhängigkeit inhaltlich gestaltet und
erscheint in Kooperation mit
der Bank Austria.
| 25
Leasing.
alternative
auch für
KMU
Eine Finanzierungsalternative,
um hohe Anschaffungskosten
zu umgehen, ist das Leasing.
Dem Prinzip nach ist Leasing
das Mieten eines wirtschaftsgutes von der Leasinggesellschaft, der das Leasingobjekt
(Fuhrpark, Produktionsmaschine, EDV etc.) gehört
und die es in ihren Bilanzen
aktiviert. Für KMU fallen also
nicht nur die Anschaffungskosten weg, generell werden
in der Bilanz des Leasingnehmers deutlich kleinere Spuren
hinterlassen.
in Österreich erfreut sich
Leasing wachsender Beliebtheit. Das Neugeschäft des KfzLeasingvolumens ist 2014 um
4,3 Prozent auf 3,6 Milliarden
€ gestiegen. Auch bei Mobilien, also anderen bewegbaren
wirtschaftsgütern, gab es 2014
ein Plus von 9,6 Prozent auf
1,3 Milliarden €.
Neue Leasingformen
Das klassische Leasing, wo am
Ende der Leasingperiode mit
Bezahlung der letzten rate das
wirtschaftsgut ins Eigentum
des Leasingnehmers übergeht,
ist heute eher die Ausnahme.
Beliebter ist das sogenannte
„operating Leasing“: hier
wird das Leasingobjekt für
einen gewissen zeitraum geleast, am Ende der Laufzeit
wird dann aber ein neuer Vertrag über ein neues Auto,
einen neuen Bagger oder eine
neue Maschine abgeschlossen.
„immer öfter schließen
Unternehmen auch Full-Service-Verträge mit den Leasinggesellschaften ab“, berichtet
Bank-Austria-Vorstand helmut Bernkopf. „Bei diesen
Verträgen ist die Leasinggesellschaft dann auch für
wartung und Service des Leasingguts zuständig.“ Das kostet mehr, aber der finanzielle
Aufwand ist planbarer. [roku]
regional@wirtschaftsblatt.at
26 |
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
Branchenreport
OPTIKER
Die Zeit der
Brillenschlangen
ist vorbei
Der Tiroler investiert in sich selbst. Da das Gesundheitsbewusstsein zunimmt, werde
auch bei Brillen auf Qualität und Beratung geachtet, berichten Optiker. Die zunehmende Computerarbeit und die Handy-Verbreitung bringen zusätzliche Klientel.
Von cLaUDIa peIntner
E
ine Brille ist nicht wie
das zehnte Paar Schuhe“, sagt Ulrich Miller, Geschäftsführer
des tiroler Filialisten
Miller optik. Die
Nachfrage sei auch in Krisenzeiten konstant, da eine Brille aus
Gesundheitsgründen gekauft werde – konkret: hauptsächlich aus
Gesundheitsgründen. Denn unabstreitbar ist freilich auch, dass
sich die Brille in den letzten Jahren vom reinen Sehbehelf zum
modischen Accessoire entwickelt
hat – die optiker freut das.
Miller optik führt in tirol zehn
Filialen, neben der Augenoptik
gehören auch der Bereich hörakustik und Fototechnik dazu. Das
optikergeschäft trägt zwischen 65
und 70 Prozent zum Umsatz bei.
„Unsere Strategie ist, dass wir uns
auf die großen Marken wie chanel, oakley, Prada, ralph Lauren
oder Armani konzentrieren, weil
wir den Kunden beste Qualität
gewährleisten und kurze Lieferzeiten bei Ersatzteilen bieten wollen“, sagt Miller, der in seinem
1871 gegründeten Unternehmen
rund 100 Mitarbeiter beschäftigt.
in tirol gibt es in der wirtschaftskammer-innung 318 optikerbetriebe, österreichweit sind
es 1177 Geschäfte. Die Konkurrenz
unter den Betrieben, aber auch
durch das internet und große Ketten hat in den letzten Jahren stark
zugenommen. „Alle großen Ketten setzen mittlerweile stark auf
Fernsehwerbung. Es besteht ein
gewisser Preisdruck“, sagt Miller.
Der Sehbedarf steigt
Gleichzeitig wird der Kuchen aber
auch größer, die Marktchancen
sind gestiegen. Die Gründe dafür:
„Die Sehanforderungen in unserer
technologiegesellschaft steigen.
Vor 15 Jahren gab es kein handy
und auch keine computerarbeit
in diesem Ausmaß“, erzählt der
optiker Miller.
in tirol werden jährlich 120.000
Korrektionsbrillen verkauft. Der
Eine Brille war
früher extrem teuer
und nicht schick.
ROBERT HARTLAUER
GESCHÄFTSFÜHRER
HARTLAUER
Brillenabsatz im unteren Preissegment sei im Vorjahr österreichweit deutlich gestiegen, sagt
Joseph Gaertner, tiroler Landesinnungsmeister der Augen- und
Kontaktlinsenoptiker. Ein Grund
dafür sei, dass für Kinder wieder
mehr Brillen vom Fachoptiker gekauft werden. Der Verkauf von
Brillen über 500 € stieg um zwei
Prozent. Probleme bereite der
Branche eher das Segment zwischen 200 und 500 € – hier verbuchte man im Vorjahr einen
rückgang von 13 Prozent. Dies ist
ein Segment, das in tirol auch die
optikerketten wie Fielmann,
hartlauer oder Pearle bedienen.
Unrentable Filialen
„wir sind seit 35 Jahren im Geschäft. wenn man zurückschaut,
war eine Brille früher extrem teuer und nicht schick“, sagt robert
hartlauer, Geschäftsführer der
hartlauer handelsgesellschaft
aus Steyr. Das Kaufintervall habe
sich deutlich verkürzt, auch weil
die Preissituation das ermögliche.
Als „Preisbrecher“ will sich hartlauer, der österreichweit mit 150
Filialen standortmäßig der größte
Anbieter ist, nicht bezeichnen lassen. „optische Brillen sind ab 20 €
möglich, aber ich mache keine
ZAHL
1,48
Millionen Brillen
n In Österreich werden jährlich
1,48 Millionen Brillen (inklusive optische Sonnenbrillen und Kinderbrillen) verkauft. Das Gesamtmarktvolumen 2013 betrug laut
Wirtschaftskammer 452 Millionen
€, 2010 waren es 443 Millionen €.
n 51 Prozent der österreichischen
Bevölkerung ab 16 Jahren tragen
eine Brille. Die durchschnittliche
Verwendungsdauer einer Brille
liegt derzeit bei 3,4 Jahren. Der
Durchschnittspreis für eine
Gleitsichtbrille beträgt 516 €.
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
Branchenreport
| 27
Beigestgellt
Die Seh­
anforderungen
hätten in der
Technologie­
gesellschaft
zugenommen,
sagt der Tiroler
Optiker Ulrich
Miller.
Innovation. Datenbrillen bringen neue herausforderungen
optiker sind sich einig: Brillen
sind modern und haben sich zu
Modeartikeln entwickelt. Seit
Kurzem haben Brillen aber auch
in einer anderen Branche enorm
an Beliebtheit gewonnen: Die
Brille eigne sich hervorragend als
computerbildschirm, heißt es
bei großen it-Unternehmen.
Einige Fragen sind noch ungeklärt: Es lässt sich noch nicht absehen, welches Unternehmen
sich bei der Produktion von sogenannten Datenbrillen durchsetzen wird. Ebenso ist unklar,
für welche Anwendungen sich
das Brillendisplay eignet. Pilotprojekte gibt es zum Beispiel in
der industrie: wie die japanischen Konzerne Brother oder
Fujitsu gezeigt haben, können
Datenbrillen mit eingeblendeten
Bauplänen bei der reparatur von
Maschinen helfen.
Brille für Skifahrer
Aber auch für Endnutzer gibt es
Anwendungsmöglichkeiten: Das
österreichische Unternehmen
Evolaris hat eine Datenskibrille
entwickelt, die in der region Ski
Amadé bereits eingesetzt wird.
Skifahrer erhalten dabei infos zu
Pisten und zum eigenen Fahrverhalten eingeblendet. Und Google
hat sich zwar vorerst zurückge-
Die Datenskibrille ist seit dieser
Saison bereits im Einsatz.
zogen, aber hinter geschlossenem Vorhang forscht man weiter.
Eines sei klar, sagt Bundesinnungsmeister Peter Gumpelmayer: Datenbrillen werfen viele
neue Probleme auf. Denn für
Brillenträger ist die Nutzung oft
noch schwierig. „technologisch
können wir viel, aber wie kann
man den Stimulus auslösen?“,
fragt Gumpelmayer. Also: wie
weiß die Brille, was der Nutzer
will? hier sind nun auch optiker
gefragt, sich bei der Entwicklung
einzubringen, heißt es. Sonst machen es die it-Firmen.
[drw]
wolfgang.drucker@wirtschaftsblatt.at
28 |
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
Branchenreport
Brillen um jeden Preis.“ Vier
bis sechs Millionen € investiert
das oberösterreichische Unternehmen jährlich in die Neugestaltung der Standorte – darunter gebe es auch solche, „wo man nichts
verdient“, räumt der Unternehmer ein.
Die deutsche optikerkette Fielmann hat 687 Niederlassungen,
davon 34 in Österreich mit 734
Mitarbeitern. Fielmann – das Sortiment in den Filialen umfasst
mehr als 2000 verschiedene Fassungen – ist zuversichtlich, seine
Marktposition in Österreich auszubauen. „Der Verbraucher kauft
bei Unternehmen, die ihm hohe
Qualität zu günstigen Preisen
garantieren“, heißt es aus dem
Unternehmen.
Von Randlos bis Retro
Skeptisch nehmen naturgemäß
die Fachoptiker diese Ansage auf:
„Der Kreis bei den Kettenkunden
hat sich geschlossen. Die Ketten
kannibalisieren sich gegenseitig“,
ist Branchenobmann Gaertner
überzeugt, der in seinen innsbrucker optiker- und hörgerätegeschäften 14 Mitarbeiter beschäftigt. „Die Leute wollen den Profi
sehen und keinen Gemischtwarenhändler.“ westösterreich
sei ein schwieriges Pflaster für die
Großen, heißt es in der Branche.
Gaertner glaubt, die Gründe zu
kennen: Das Gesundheitsbewusstsein in tirol sei höher,
und damit auch die Bereitschaft,
zu einem Fachoptiker zu gehen.
Am Stadtrand von Landeck hat
Johannes Plangger 2002 den traditionellen Familienbetrieb optik
Plangger übernommen. Auch er
setzt auf ein breites Sortiment.
„Eine zu hohe Spezialisierung ist
nicht möglich, weil wir im ländlichen Bereich sind“, sagt Plangger. Fix ins Sortiment gehört auch
ware kleiner Brillenmanufakturen aus Österreich, Deutschland,
England, Frankreich oder Spanien.
„Momentan haben wir eine sehr
spannende zeit. Es gibt eine
Nachfrage nach allem – von retro- und oversized-Brillen bis hin
zu randlosen, runden und eckigen“, sagt der Unternehmer, der
im Jahr etwa 1000 Brillen verkauft.
Neben den Einheimischen hat
der Betrieb auch verstärkt Schweizer und Südtiroler Kunden. Die
Konkurrenz kümmere ihn nicht,
sagt Plangger. „wir sind auf uns
fixiert und darauf, die Menschen
gut zu betreuen.“ Noch besser gelingt dies laut dem optiker, seit
er den Bereich optometrische
Dienstleistungen ausgebaut hat.
Neben den klassischen Sehtests
werden weitere Sehfunktionen
geprüft. Es gehe um Sehkomfort,
sagt der Unternehmer. Den Augenärzten ein Geschäftsfeld abspenstig machen wolle er nicht,
vielmehr leiste er Vorarbeit für
sie. Für 100.000 € will der Landecker demnächst den Sehanalyseraum neu gestalten und neue
Geräte anschaffen.
Auch Plangger stimmt zu: Die
zeiten der Brillenschlangen, in
denen Brillenträger gehänselt
worden sind, sind längst vorbei.
Die autorin des artikels erreichen Sie
unter claudia.peintner@wirtschaftsblatt.at
Beigestellt
Brillenproduzenten. Qualität
für den Weltmarkt
Österreichische Unternehmen
genießen in vielen Branchen
weltweite Anerkennung – vom
Anlagenbau bis zu den chipherstellern. weniger bekannt ist,
dass auch österreichische Brillen in vielen ausländischen
Märkten starken Absatz finden:
Der oberösterreichische Familienbetrieb von Jürgen Pomberger produziert jährlich 80.000
Brillen der Eigenmarke „Johann
von Goisern“ und hat einen Exportanteil von 70 bis 80 Prozent.
Die Fassungen aus celluloseacetat werden mit cNc-Fräsen
hergestellt und in 80 handarbeitsschritten verfeinert. 20
der 30 Mitarbeiter sind in die
herstellung eingebunden.
JÜRGEN POMBERGER
GESCHÄFTSFÜHRER
JOHANN VON GOISERN
Beigestellt
Vom Produkt zur Marke
„wir produzieren seit 30 Jahren
Brillen, mittlerweile in dritter
Generation“, erklärt Jürgen
Pomberger. zum Kerngeschäft
als Kassenbrillenhersteller kam
in den 1990er-Jahren die idee
einer eigenen Marke, um mehr
Möglichkeiten in der Gestaltung
zu haben. Seit 2008 fertigt das
Unternehmen nur noch Fassungen für die Eigenmarke. Seit
damals sei man auch im Export
tätig, so Pomberger. zielmärkte
sind Frankreich, Deutschland,
italien, Kanada und die Beneluxländer.
Der Jahresumsatz lag 2014 bei
2,5 Millionen €. Mittlerweile
übersteigt die Nachfrage das Angebot, das wachstum liegt seit
2010 jährlich im zweistelligen
Bereich. Aus diesem Grund
stehen für das kommende Jahr
Ausbaupläne an.
Das Siegel „Made in Austria“
helfe am weltmarkt. Es stehe für
Qualität, sagt Pomberger. Nach
dem internationalen Erfolg seien
auch heimische Kunden auf die
oberösterreichischen Brillen
aufmerksam geworden.
Luxus made in Styria
Johannes Plangger investiert 100.000 € in einen Sehanalyseraum,
um die Sehfunktionen der Kunden noch besser zu untersuchen.
Der Boom in Österreich kam mit dem
Erfolg im Ausland.
Auch das steirische Label Andy
wolf verkauft seine Brillen weltweit: 38 Länder stehen derzeit
auf der Exportliste. Mit den
handgefertigten Sehbehelfen
treten Prominente wie Elton
John, Lady Gaga und hugh Grant
auf. 2006 gab es die erste Kollektion der „handgemachten Luxusartikel, produziert und designt
in Österreich“, wie das Label seine Produkte beschreibt. zwölf
Mitarbeiter beschäftigte das
Unternehmen 2013. Über zahlen
zu Exportquote und Umsatz will
es auf Nachfrage keine Auskunft
geben.
Auf Funktionalität statt Luxus
setzt ein zweiter steirischer Brillenhersteller: Mit Seeoo hat der
rosentaler Gerald Lasnik eine
Ultraleichtbrille aus Nylon entwickelt, die das Unternehmen
mittlerweile in Frankreich,
Deutschland, italien und der
Schweiz verkauft. Die Form erinnert an eine moderne Form
der zwickelbrille, ohne Bügel.
„wir haben diese runde Form
von Seeoo weltweit beim Patentamt schützen lassen“, auf Messen werden derzeit neue Märkte,
auch in den USA erkundet.
Außerdem fertigt das Unternehmen Brillen aus alten Schallplatten: Aufgrund der unterschiedlichen rillung des Vinyls
ist jede Brille ein Unikat. [tasp]
teresa.spari@wirtschaftsblatt.at
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
KonjunKtur
| 29
UMFRAGE
Die Zukunft bringt …
Jeden Monat bitten wir Unternehmer und Manager um ihre Einschätzung der Wirtschaftslage. Dieses regionale
Konjunkturbarometer bietet einen unmittelbaren Einblick in die Entwicklung in Ihrem Bundesland.
PEtEr
PrEtzSch
GESchäFtSFÜhrEr
ViKiNG GMBh
MoNiKA
KoBEr
GESchäFtSFÜhrEriN KLAFS
SAUNA GMBh
hoPFGArtEN
ULriKE
ANDrES
GESchäFtSFÜhrEriN
trANSALPiNE
ÖLLEitUNG
AMBroS
GASSEr
GESchäFtSFÜhrEr
ALPiNSchULE
iNNSBrUcK GMBh
PAScAL
BroSchEK
GESchäFtSFÜhrENDEr
GESELLSchAFtEr
GEBro hoLDiNG
chriStiAN
KLENKhArt
GESchäFtSFÜhrEr
KLENKhArt
& PArtNEr
KLAUS
LUGGEr
GESchäFtSFÜhrEr
NEUE hEiMAt
tiroL
Wie schätzen Sie die
Konjunkturentwicklung
in den nächsten drei
Monaten ein?
Wie wird sich das Geschäft
in Ihrem Unternehmen in
den nächsten drei
Monaten entwickeln?
Suchen Sie aktuell
Mitarbeiter? Wenn ja, für
welche Bereiche werden
sie gesucht?
s Wir sind mit Optimismus in
das Jahr gestartet und gehen
von einer leicht positiven
Konjunkturentwicklung aus.
s Für die ersten Monate 2015
schätzen unsere Kunden und
auch wir die geschäftliche
Situation positiv ein.
s Wir können in verschiedenen Bereichen offene Stellen
anbieten.
l Unterschiedlich je nach
Sparte und Regionalität; im
Handel erwarte ich keine
großen Zugewinne.
s Für März und das zweite
Quartal erwarten wir, dass die
Geschäfte gute Fahrt aufnehmen, die Nachfrage passt.
s Ja, im Vertriebsinnenund -außendienst sowie in
der Planung.
s Ich sehe es vorsichtig
positiv, infolge besserer Aussichten in den Nachbarländern Deutschland und Italien.
s Stabil auf hohem Niveau.
l Derzeit sind wir gut aufgestellt und haben keinen
unmittelbaren Bedarf an
weiteren Mitarbeitern.
t Ich rechne mit einer
abflachenden Konjunkturentwicklung.
s Ich gehe von einer weiterhin
sehr positiven Geschäftsentwicklung für die Alpinschule
Innsbruck aus.
l Wir haben alle offenen
Stellen besetzt.
t Ich schätze die Konjunkturentwicklung in den nächsten
Monaten rückläufig ein.
l Der Trend für unsere Unternehmen ist stabil.
s Ja, wir suchen Leute für
Vertrieb und Labor.
l Ich sehe die Wirtschaftsentwicklung in Österreich in
den nächsten Monaten eher
stagnierend.
s Unsere Auftragslage ist
recht gut; die Aussichten für
2015 sind insgesamt erfreulich.
l Derzeit werden bei uns
keine weiteren Mitarbeiter
gesucht.
s Ich schätze die Konjunkturentwicklung nicht schlecht ein.
s Wir haben sehr viel Arbeit
mit dem höchsten Bauvolumen seit Jahrzehnten
(120 Millionen €).
l Wir haben gerade für den
1. März 2015 drei junge HTLAbsolventen angestellt.
Otsraneburger, beigestellt (3), Riedler, OTS/Joham, Foltin π
30 |
FOKUS
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
Ko M M E r z i E L L E r t h E M E N S c h w E r P U N K t
FOKUS SEMINARHOTELS
colourbox.de
Der individuelle Service
macht den Unterschied aus
Dass Seminarhotels bei Infrastruktur und technischem Equipment auf dem neuesten Stand
sind, wird vorausgesetzt. Punkten können die Hoteliers mit Spezialleistungen.
VON MARKUS MITTERMÜLLER UND GERALD POHL
D
as tagungsgeschäft
läuft noch immer gut:
immerhin bezeichnen
sich rund 800 Nächtigungsbetriebe in Österreich als
Seminarhotels. Aber nicht jedes
hotel, das Seminarräume anbietet,
kann auch die Erwartungen der
trainer und Seminarteilnehmer
erfüllen. „Viele hotels bieten Seminare nur nebenbei an. Ein nur
wenig umgebautes Gastzimmer
mit Fliesenboden und alter Einrichtung macht noch keinen Seminarraum aus“, erläutert Günther
Mairinger, Geschäftsführer des
Bildungszentrums Lenzing. Service und Ausstattung des hauses
verraten allerdings auf den ersten
Blick, ob die Eigendefinition als
Seminarhotel auch gerechtfertigt
ist.
„Der Service durch das hotelpersonal macht den Unterschied.
Die Angestellten müssen sich im
Vorfeld in die Schuhe des trainers
stellen und seine wünsche abklären“, so Mairinger. Diesen „Vorweg-check-up“ zählt auch helmut
hüller, als trainer und Veranstal-
ter bereits seit 20 Jahren im Seminargeschäft, zu seinen wichtigsten
Anforderungen. „Von der Beschilderung des Seminarraumes bis
zur erforderlichen technik – alles,
was mit dem hotelpersonal im
Vorhinein abgeklärt werden kann,
erspart zeit und Aufwand während des Seminars“, meint der
trainer.
„Seminarteilnehmer unterscheiden sich völlig von üblichen
Urlaubsgästen“, bestätigt auch
Alexander Strobl, chef des hotels
Gut Brandlhof. wer eine mehr-
tägige Veranstaltung in seinem
haus bucht, bekommt in seinem
Betrieb daher einen eigenen Ansprechpartner zur Seite gestellt.
„Dieser Gruppenverantwortliche
ist die Drehscheibe von der ersten
Buchungsanfrage bis hin zum
check-out“, erklärt Strobl.
Um die Qualität der einzelnen
Seminarhotels sicht- und messbar
zu machen, hat thomas wolfsegger die Flipchart-Klassifizierung eingeführt. Dabei werden die
hotels auf insgesamt 403 Kriterien durchleuchtet: von der Akus-
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
tik des Seminarraums bis hin zu
den Öffnungszeiten des wellness­
bereichs stehen sämtliche für Se­
minargäste relevante Einrichtun­
gen auf dem Prüfstand. „Die Kri­
terien kommen dabei direkt aus
der Branche“, erklärt der Ge­
schäftsführer von Tagen in Österreich. Bei Erreichen der notwen­
digen Punktezahl bekommen die
Betriebe drei bis fünf Flipcharts
verliehen, die für drei Jahre gültig
sind. „Jede Veranstaltung kippt,
wenn das Umfeld nicht passt“, ist
wolfsegger überzeugt.
Viele Betriebe nutzen die Flip­
chart­Klassifizierung daher als
Start für einen Qualitätsmanage­
ment­Prozess. „Durch die Bewer­
tung bekommen die hotels inputs,
um an ihrem Angebot weiterzu­
arbeiten“. Auch im Bereich der
technik hätten einige Seminarho­
tels Aufholbedarf. „Die Anforde­
rungen werden hier immer grö­
ßer, räume mit Full­hD­Beamern
und hDMi­Anschlüssen werden
von den Gästen bereits als not­
wendige Grundausstattung gese­
hen“, meint wolfsegger.
Eine wesentliche rolle spielt
auch die räumliche trennung der
unterschiedlichen hotelbereiche.
„Ein Business­Gast will konzent­
Ko M M E r z i E L L E r t h E M E N S c h w E r P U N K t
riert arbeiten.“ Daher müssen
nicht nur die Seminarräume, son­
dern auch die Pausenbereiche gut
abgeschirmt sein. Die Schreckens­
vision des Seminarexperten: „Ein
Anzugträger, der im Speiseraum
neben einem Bademantelträger
sitzt. Das ist für beide unange­
nehm.“
Mit einem eigenen ÖAMtc­
Fahrtechnikzentrum, einem
18­Loch­Golfplatz direkt vor dem
haus und einer „challenge zone“
mit Flying Fox und Skywalk ver­
fügt der Brandlhof über ein ein­
zigartiges Angebot in Österreich.
Punkten kann Strobl damit vor al­
lem bei teambuilding­Seminaren.
Positive Details
Zusatzangebote
Abseits der technischen Aus­
stattung gibt es eine Palette an De­
tails in der innenausstattung eines
Seminarraums, die einen ent­
scheidenden Beitrag zum Gelin­
gen einer Veranstaltung bringen
können. Das beginnt bei der Gar­
derobe. „Die Seminarteilnehmer
wünschen sich eine Garderobe di­
rekt im raum, um ihre Mäntel
unter Kontrolle zu haben“, weiß
Seminar­Ausstatter carl Selmer
aus langjähriger Erfahrung. Ein
Podest im vorderen Drittel des
raumes fördert die Verständlich­
keit des Vortragenden. „Bei klas­
senähnlichen räumen sehen die
letzten reihen sonst nicht mehr
nach vorne. ist der trainer durch
ein Podest erhöht, bekommen die
Seminarteilnehmer durch den
Sichtkontakt mehr vom Vortrag
mit“, so Selmer.
zwei trends sieht der Seminar­
hotel­chef künftig als bedeutende
herausforderungen: Einerseits
steigt die Nachfrage nach großen
Seminarräumen. „Früher wurde
ein 100­Quadratmeter­raum von
25 Personen genutzt, heute reicht
er nur mehr für eine Gruppe von
acht teilnehmern.“ Gleichzeitig
werden die Veranstaltungen aus
finanziellen Gründen zeitlich ge­
kürzt. „Aus Seminaren mit drei
Nächtigungen werden Veranstal­
tungen mit nur mehr zwei Über­
nachtungen“, meint Strobl. Da­
durch verkürzen sich auch die
reinigungs­ und Umbauphasen
für den hotelier. Doch auch hier
gilt: wer sein Servicepersonal auf
die Bedürfnisse der Seminargäste
abstimmt und somit flexibel agie­
ren kann, hat den entscheidenden
wettbewerbsvorteil.
FOKUS
| 31
Auch in der Spitzenhotellerie
am Arlberg ist der Seminarbereich
ein thema. „Vor allem am Beginn
und am Ende der Saison wird
unser hotel gerne für Seminare
oder incentive­Angebote ge­
bucht“, berichtet hannes Skardar­
asy, inhaber des hotels zürserhof
in zürs am Arlberg. im Graf­tatt­
bach­Seminarsaal finden 80 bis
120 Gäste Platz. „Ein Großteil der
Gäste verbindet meist Arbeit mit
dem Vergnügen. in unserer Ge­
gend bietet sich natürlich der
wintersport an.“ Ein typischer Se­
minartag verläuft im zürserhof so,
dass am Vormittag zwei Stunden
getagt wird und danach Sport auf
dem Programm steht. Die Gäste
sind international, sie kommen
aus den USA genauso an wie aus
Skandinavien, Deutschland oder
Österreich. Laut Skardarasy reisen
viele Businessgäste mit Kunden
an: „zum höhepunkt der wirt­
schaftskrise merkten wir schon,
dass incentive­reisen zurückgin­
gen. heute sind sie stärker denn
je gefragt.“ Mitunter kommt es so­
gar vor, dass von Unternehmen
das ganze haus gebucht werde.
Skardarasy: „So etwas geht jedoch
nicht während der hauptsaison
zwischen Jänner und März.“
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32 |
Recht & SteueRn
NEUERUNG
Einheitliches
EU-Patent für
2015 realistisch
wer in der EU ein Patent anmelden will, der kann dies
beim Europäischen Patentamt
EPA in München machen. Eine
EU-weite Gültigkeit wird aber
nicht erlangt. Der Patentinhaber muss entscheiden, in welchen Staaten das Patent validiert werden soll – es fallen
Landes- und Übersetzungsgebühren an. wird eine Patentverletzung in einem der Staaten begangen, sind für die
Verletzungsverfahren die nationalen Gerichte der Staaten
zuständig. „hohe Kosten, die
Gefahr voneinander abweichender Entscheidungen und
mangelnde rechtssicherheit
sind die Folge“, sagt der deutsche und europäische Patentanwalt Stephan Naessens.
EU-weite Gültigkeit
Noch heuer könnte es deshalb
zusätzlich das „europäische
Patent mit einheitlicher wirkung“ geben. „Die Einführung
hängt von der Errichtung eines
Gemeinschaftspatentgerichts
ab“, sagt Naessens. Gegenwärtig hätten dem sechs von
notwendigerweise 13 Staaten
zugestimmt. Über das Gemeinschaftspatentgericht mit Sitz in
Paris, Außenstellen in München und London sowie mit regionalen Kammern soll künftig
ein einheitliches Patentstreitregelungssystem geschaffen
werden.
Das Patent mit einheitlicher
wirkung wird für alle 25 teilnehmenden Staaten erteilt.
Nach einer Übergangsphase
sind keine Übersetzungen
mehr notwendig, wenn die Anmeldung in Deutsch, Englisch
oder Französisch eingereicht
worden ist. Sinnvoll ist das Gemeinschaftspatent laut Naessens für Betriebe, die in mehreren Mitgliedstaaten produzieren oder Märkte bedienen.
Entscheidend sei letztlich aber,
wie hoch die Gebühren festgesetzt werden.
[clp]
claudia.peintner@wirtschaftsblatt.at
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
GASTKOMMENTAR
Ideen vor
Konkurrenz
schützen
Viele heimische Betriebe haben in Nischen
einen hohen Marktanteil und stehen internationalen Konzernen gegenüber. Nur mit langfristiger Strategie und Geschick kann man
hier mit Patenten erfolgreich sein.
Ö
sterreichische Unternehmen
haben 2013 weltweit circa
13.400 Patentanmeldungen
eingereicht. Diese zahl mag
beeindrucken – jedoch nur auf
den ersten Blick: tatsächlich
wächst das Patentwesen weltweit viel rasanter
als in Österreich. wesentlichster Faktor für
den Anstieg der internationalen Patentanmeldungszahlen ist china, das sich von einem
Land der Kopierer in ein Land der innovationen umbaut. Generell zeigen diese Entwicklungen aber auch, dass in der zukunft – noch
mehr als heute – an Patente nicht national,
sondern international heranzugehen ist.
Viele österreichische Betriebe haben in der
Vergangenheit das Patentwesen ausgeklammert. Man hat von vielen gehört: „Es ist in den
Auch kleine Unternehmen
brauchen eine Patentstrategie,
um erfolgreich zu sein.
letzten 20 Jahren nix passiert, warum sollen
wir über eigene Patente den Mitbewerbern
sagen, wie wir es machen?“ Blauäugige Unternehmen können da sehr schnell in kostspielige Streitigkeiten verwickelt werden.
innovative Unternehmen, die ihre Erfindungen nicht schützen, vergeben chancen, den
Markt zumindest für eine gewisse zeit exklusiv zu bearbeiten. obendrein droht das risiko,
dass eigene, vermeintlich geheim gehaltene
Erfindungen von anderen Firmen geschützt
Unternehmen sollten nur jene Erfindungen
werden und man vielleicht sogar selbst dadurch behindert wird.
Auch kleine Unternehmen brauchen eine
Patentstrategie, nur so kann man nachhaltig
erfolgreich sein. in einem ersten Schritt ist es
wichtig, auf die passive Sicherheit zu achten,
um nicht Patente Dritter zu verletzen. Die kostengünstigste Variante ist, selbst über eine laufende Fremdschutzrechtsinformation wie zum
Beispiel über www.uptoiP.com neue Patente
der Mitbewerber im Auge zu behalten. Sollten
kritische Patente gefunden werden, so sollte
anwaltliche Unterstützung zur Abklärung des
Freedom to operate in Anspruch genommen
werden.
Sollten ein dichtes Patentumfeld und keine
ressourcen für eigene Entwicklungen und Anmeldungen gegeben sein, so kann man sich auf
Lösungen aus dem freien Stand der technik
konzentrieren. wichtig ist dabei, dass man
sich auf die schon veröffentlichte und nicht
mehr geschützte Ausführung beschränkt.
wichtig ist auch, bei Verträgen an Schutzrechte zu denken. Es kommt immer häufiger vor,
dass österreichische Unternehmen unbeabsichtigt ihr geistiges Eigentum an Kunden
verschenken, weil sich scheinbar simple Verträge wie Geheimhaltungsvereinbarungen als
wahre Fallen entpuppen.
in einem zweiten Schritt sollte man aktiv
jene Erfindungen schützen, die sehr großes
wirtschaftliches Potenzial besitzen. Eine qualitativ hochwertige Patentanmeldung in Österreich kostet zwischen 4000 und 6000 € – um
diese jedoch in einem sinnvollen Länderumfang zu sichern, sind zumindest 35.000 € für
die ersten zehn Jahre Laufzeit zu kalkulieren.
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
Recht & SteueRn
colourbox.de, Beigestellt
| 33
Leider passiert oft der Fehler, dass man nur in
Österreich anmeldet und dann das Geld für
eine Ausdehnung des Schutzes auf andere
Länder im Prioritätsjahr (ein Jahr ab Erstanmeldung) nicht aufwenden möchte. Die Konsequenz ist, dass in anderen Ländern diese
Erfindung mit ihrer Veröffentlichung in Österreich zum freien Stand der technik wird und
von jedem frei genutzt werden kann.
Für innovationsstarke Unternehmen mit genug Kapital empfiehlt sich ein dritter Schritt.
Strategisches Patentmanagement bedeutet, bewusst das Patentwesen so einzusetzen, um die
eigene Marktposition zu verbessern. Man
kann so eigene Erfindungen exklusiv auf den
wichtigsten Märkten anbieten, Mitbewerber
auf Abstand halten, Potenzial für Patenttausch
aufbauen und proaktiv eigene zukünftige Entwicklungsfreiräume schaffen sowie gefährliche Patente der Mitbewerber bekämpfen. Als
richtwert sollte ein innovatives Unternehmen
zwischen zwei und acht Promille des Umsatzes pro Jahr für das Patentwesen aufwenden.
hANNES BUrGEr
schützen lassen, die großes wirtschaftliches Potenzial besitzen.
ist geschäftsführender Gesellschafter bei
ABP Anwälte Burger & Partner (Oberösterreich, Wien) und betreut international Betriebe im Patent- und Schutzrechtswesen.
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34 |
wirtschaftsblatt.at
MITTWOCH, 4. MÄRZ 2015
BILDUNG
✐ KURSE
DUALE AUSBILDUNG
INNSBRUCK
Mein Image im Internet, Sa 14.03.2015,
09.00–13.00 Uhr, Kosten: 90 €, BFI,
Ing.-Etzel-Straße 7, 6010 Innsbruck,
Tel.: 0512/596 60-814, gernot.schafferer@bfi-tirol.at, www.bfi-tirol.at
Stimmakademie, 17.03.–12.05.2015, Di
18.30–21.30 Uhr, Kosten: 595 €, Wifi, Egger-Lienz-Straße 116, 6020 Innsbruck,
Tel.: 05/909 05-7255, marion.gatscher@wktirol.at, www.tirol.wifi.at
Konfliktmanagement für Führungskräfte, 24. + 25.03.2015, Di + Mi 09.00–
17.00 Uhr, Kosten: 290 €, Wifi, EggerLienz-Straße 116, 6020 Innsbruck, Tel.:
05/909 05-7254, patricia.schmeissner@wktirol.at, www.tirol.wifi.at
Digitales Marketing & Sales, 27. +
28.03.2015, Fr + Sa 09.00–17.00 Uhr,
Kosten: 864 €, MCI, Universitätsstraße
15, 6020 Innsbruck, Tel.: 0512/20701523, victoria.lettenbichler@mci.edu,
www.mci.edu
Controlling, Do 09.04.2015, 9.00–17.00
Uhr, Kosten: 205 €, Wifi, Egger-LienzStraße 116, 6020 Innsbruck, Tel.:
05/909 05-7261, eva.steinlechner@
wktirol.at, www.tirol.wifi.at
Projektkommunikation, Mi 22.04.2015,
09.00–17.00 Uhr, Kosten: 516 €, victoria.
lettenbichler@mci.edu, MCI, Universitätsstraße 15, 6020 Innsbruck, Tel.:
0512/2070-1523, victoria.lettenbichler@mci.edu, www.mci.edu
B1 Grammar Refresher Workshop,
29.04.–17.06.2015, Mi 18.00–21.00 Uhr,
Kosten: 208 €, BFI, Ing.-Etzel-Straße 7,
6010 Innsbruck, Tel.: 0512/596 60-301,
sprachen@bfi-tirol.at, www.bfi-tirol.at
KITZBÜHEL
Führungstraining im Tourismus für
Teamleiter, 24. + 25.04.2015, Fr 13.00–
20.00 Uhr, Sa 09.00–17.00 Uhr, Kosten:
350 €, BFI, Rennfeld 13, 6730 Kitzbühel,
Tel.: 0512/596 60-129, manuela.penz@
bfi-tirol.at, www.bfi-tirol.at
Sie haben auch einen Kurs anzukündigen? Senden Sie die Infos bitte
an regional@wirtschaftsblatt.at
TOURISMUS
! Neue Homebase
für ÖHV-Trainees
INNSBRUCK. Ab September 2015
haben Trainees der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV)
mit dem Tourismuskolleg Innsbruck auch eine Homebase in
Westösterreich. Sie ist für jene
gedacht, die den praktischen Teil
der Ausbildung in Vorarlberger
und Tiroler Betrieben absolvieren. Die duale Ausbildung für
Maturanten wurde von den Tourismusschulen Semmering und
dem ÖHV konzipiert. [mad]
www.oehv.at
Checkliste
... für angehende Lehrbetriebe
lle klären, welche
tigung
eignen und ob die Gewerbeberech
! Mit einem Berater der Lehrlingsste
Berufe sich
in allen Berufen erforderlich)
dafür passt (eine Meisterprüfung ist nicht
die Ausstattung des
! Mit dem Berater klären, ob sich
Betriebs für die Ausbildung eignet
geeignete Person,
! Eine pädagogisch und fachlich
erwirbt, nominieren
die die Ausbildungsberechtigung
tschaftskammer
! Feststellungsantrag bei der Wir
der Betrieb zur
des Bundeslandes stellen, ob sich
n Berufs eignet
mte
Lehrlingsausbildung eines bestim
renten der Wirtschafts! Betriebsbesuch von je einem Refe Lehrlinge ausbilden darf
ieb
und der Arbeiterkammer, ob der Betr
Betrieb 15 Monate
! Nach erlangtem Bescheid hat der
ten Lehrling Zeit
für die Suche nach einem geeigne
Lehrlinge finden kann der Betrieb
!
! beim AMS
Wirtschaftskammer
! mithilfe der Lehrlingsstelle der
len
! in Schulen und Berufsschu
(z.B. BFI, Wifi)
! in der überbetrieblichen Lehre
! über Stelleninserate
dten
den, der Gemeinde und bei Verwan
! über Mundpropaganda bei Kun
! Einstellungsgespräch mit dem
Lehrling führen
glichkeiten beim AMS einholen
Lehrlings!)
(Wichtig: Vor der Einstellung des
:
Gefördert werden
geringem Frauenanteil
! Mädchen/Frauen in Berufen mit
eitsmarkt benachteiligt sind
! Lehrstellensuchende, die am Arb
tiven Berufsausbildung
! Teilnehmende an einer Integra
dung
ationsmängel durch eine Lehrausbil
! Über 18-Jährige, deren Qualifik
beseitigt werden können
! Schulabbrecher
kammer klären
möglichkeiten bei der Wirtschafts
! Unternehmensbezogene Förder
edingt vor dem Beginn der Lehre)
! Meldung zur Krankenkasse (unb
Start)
erhalb von zwei Wochen nach dem
! Meldung bei der Berufsschule (inn
i Wochen nach
elle anmelden (innerhalb von dre
! Lehrvertrag bei der Lehrlingsst
derjährigen
Min
bei
.
bzw
g
tigte und der Lehrlin
dem Start müssen der Lehrberech
en)
ichn
e unterze
zusätzlich der Erziehungsberechtigt
g für Lehrbetriebe besuchen
! Eventuell Workshops oder Coachin
! Personenbezogene Fördermö
; Foto: Peroutka
skammer Wien
Quelle: Lehrlingsstelle der Wirtschaft
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
Bildung
| 35
Der Weg zum ersten Lehrling
Mit Lehrlingen können
Unternehmer Mitarbeiter
zum Betrieb passend ausbilden – trotzdem haben
viele Scheu davor. Die ist
aber nicht notwendig,
denn Betriebe werden
umfangreich unterstützt.
VOn MARTinA MAdnER
E
rst auf den zweiten Blick
ist klar, dass Sabrina rettenbacher im wiener Kosmetikstudio First Skinlab
die chefin und heidi Stefanitsch
der Lehrling im zweiten Lehrjahr
ist. Denn der erste Lehrling im
„Beauty-Labor“ der 24-jährigen
chefin (rechts im Bild) ist mit 18
Jahren kaum jünger als sie selbst.
ihrer beider junges Alter war für
rettenbacher einer der Gründe,
einen Lehrling auszubilden: „Die
Lehrlinge wachsen in unseren
familiären Betrieb hinein.“
Ein weiterer Grund ist die Möglichkeit, zum Betrieb passend auszubilden: „wir stellen als erster
Kosmetikbetrieb unsere cremen
selbst her, das erlernen die Lehrlinge bei uns.“ Die Suche nach be-
reits ausgebildeten Fachkräften sei
deshalb schwieriger: „Das AMS
weiß oft nicht, ob es eine fertige
Drogistin, eine Pharmazeutin oder
eine Kosmetikerin schicken soll.“
Für Stefanitsch hingegen, die ihre
Lehre zur pharmazeutisch-kaufmännischen Assistentin abgebrochen hat, waren genau die cremeProduktion und die Beratungsgespräche mit Kundinnen der
Anreiz, bei First Skinlab ihre Lehre
zu beginnen.
Schwierige Lehrlingssuche
Der weg zum Ausbildnerbetrieb
(siehe Checkliste) verlief bei First
Skinlab glatt: Vier tage nach dem
Feststellungsantrag wurde beim
Betriebsbesuch geprüft, ob „alles
neu und frisch ist“, die Ausstattung
den hygienestandards entspricht.
Mario Grnja, teamleiter der Lehrlingsstelle der wirtschaftskammer
wien, sagt, dass die Ausstattung
und Art der Arbeit zum Berufsprofil passen muss: „Für eine Lehre
eines Betriebslogistikers sind zum
Beispiel Fließbänder, Stapler, Verpackungsanlagen notwendig.“
Die Ausbildnerberechtigung hat
rettenbacher via onlinekurs erworben. Schwieriger war die Suche
nach dem Lehrling: Nach der Lehre
WUSSTEN SIE …
n Basisförderung: Sie beträgt
im ersten Lehrjahr drei Lehrlings­
entschädigungen, im zweiten zwei,
in jedem weiteren eine. Sie wird
jeweils nach Ende des Lehrjahres
ausbezahlt.
n Lehre für Erwachsene: Erhalten
über 18­jährige Lehrlinge während
ihrer Ausbildung einen Hilfskräfte­
lohn, gibt es unter Umständen (z. B.
sollte der Lehrling keine Lehre in
einem verwandten Beruf ab­
geschlossen haben) eine erhöhte
Basisförderung.
n Weiterbildung für Lehrlinge:
Gefördert werden bis zu 75 Pro­
zent der Kurskosten. Während
Auslandspraktika der Lehrlinge
wird den Lehrbetrieben die Brutto­
Lehrlingsentschädigung ersetzt.
n Herausragende Lehrabschluss­
prüfung: Für einen guten Erfolg
gibt es 200 €, für eine ausgezeich­
nete Prüfung 250 €.
n Übernahme aus der über­
betrieblichen Ausbildung: Nach
dem ersten Jahr gibt es einmalig
eine Prämie von 1000 €.
n Weiterbildung der Ausbildner:
Bis zu 75 Prozent der Kurskosten
werden gefördert. Auch der Basis­
kurs für die Ausbildnerprüfung
wird in vielen Bundesländern (z. B.
in Wien vom WAFF) gefördert.
n Lernschwache Lehrlinge: För­
derung bei Mehrkosten z. B. für
Nachhilfe, Vorbereitungskurse auf
Nachprüfungen oder bei Wieder­
holung einer Berufsschulklasse.
winken zwar Löhne über Kollektivvertrag sowie eine Umsatzbeteiligung und die Kunden im ersten
Bezirk geben gutes trinkgeld – sie
sind aber auch nicht immer einfach
zu betreuen.rettenbacher sagt deshalb: „ich bin sehr wählerisch. Die
jungen Mädchen müssen sehr ordentlich und diszipliniert sein, sehr
offen auf die Kundinnen zugehen.“
Lehrlinge mit Piercings oder tätowierungen kommen nicht infrage,
auch zu große Schüchternheit
passt nicht zum Beruf.
Individuelle Unterstützung
Deshalb war rettenbacher froh,
dass die Mitarbeiterin bei der
Lehrlingsstelle, ein „wahres Goldstück“, für sie eine Vorauswahl getroffen hat. Für heidi Stefanitsch
erhält die Firma Basisförderung
(siehe Wussten Sie ...). Die ist auch
für weitere Lehrlinge möglich –
aktuell schnuppern gerade wieder
junge Frauen in den Betrieb hinein.
Die Suche in überbetrieblichen
Ausbildungsstätten kann sich
ebenfalls lohnen. Dafür gibt es
vom AMS Förderungen: „Die Jugendlichen haben dort oft eine
gewisse Nachreifung vollzogen.
Außerdem kennen sie den Berufsalltag bereits“, sagt Maximilian Fischer, Leiter des Unternehmensservice beim AMS-Jugendliche.
Förderungen gibt es auch für Mädchen in technischen Berufen, für
integrative Lehren oder für am
Lehrstellenmarkt Benachteiligte.
die Autorin des Artikels erreichen Sie
unter martina.madner@wirtschaftsblatt.at
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wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
ImmobIlIen
36 |
0 PROJEKTE
RETAIL
Aria Sadr-Salek
Stadt Innsbruck, Karwendel-Brücke,
Verbreiterung Rad-/Fußweg, Abgabe:
09.03.2015, 11:00 Uhr
Amt der Tiroler Landesregierung, Brücken- und Straßenbauarbeiten für den
Neubau der Platschbach- und Vergeinbachbrücke im Zuge der L 324 Pustertaler Höhenstraße,, Abgabe: 06.03.2015,
11:30 Uhr
ÖBB-Infrastruktur Aktiengesellschaft,
Abschnitt Kundl-Radfeld - Baumkirchen
/ Baumeisterarbeiten Gleishalle Hall in
Tirol, Abgabe: 16.03.2015, 12:00 Uhr
Militärische Immobilienmanagementzentrum, TÜPl Hochfilzen, Bereich
Waldlager, Bodenleger, Abgabe:
15.04.2015, 10:00 Uhr
Militärische Immobilienmanagementzentrum, TÜPl Hochfilzen, Bereich
Waldlager, Bauschlosser- u. Aluportalschlosser, Abgabe: 02.04.2015, 10:00
Uhr
Neue Heimat Tirol, Gemeinnützige
WohnungsGmbH, Baumeisterarbeiten,
Sanitär- und Heizungsinstallationen,
Lüftungsinstallationen, Elektroinstallationen - Wohnanlage Reutte, Gossenbrotstraße, Abgabe: 11.03.2015, 14:15
Uhr
Gemeinde Ehrwald, Elementdachverlegung, Schwarzdecker- und Bauspenglerarbeiten für den Neubau eines Recyclinghofes, Abgabe: 09.03.2015, 11:00
Uhr
Amt der Tiroler Landesregierung, Sanierung der Gießenbachbrücke im Zuge
der L 48 Breitenbacher Straße und Straßenbauarbeiten in den Rampenbereichen, Abgabe: 13.03.2015, 11:30 Uhr
Einfach zu öffentlichen Aufträgen
Eine Kernsanierung brachte dem Haus nahe der Triumphpforte einen breiten Mietermix.
Leerstands-Lehren für
Top- und Nebenlagen
Während Leerstände in
Innsbrucks Top-Lagen
selten sind, stehen Nebenlagen oft unter Druck.
In einigen Stadtvierteln
erarbeiten Bürger Gegenstrategien – auch für die
Immo-Entwicklung.
Von SAnDRA KnoPP
w w w.ve r g a b e p o r t a l . a t
IMMO-TRENDS
GEWERBEIMMOBILIEN
TIROL
Geschäftslokal
Büro
Miete, Februar 2015
Tendenz gg. Jän. '15
AngebotsNettopreis
(in €/m²)
Alle Bezirke
8,2
Innsbruck-Stadt
11,1
Kufstein
4,2
Alle Bezirke
15,9
Innsbruck-Stadt
20,4
Kufstein
WirtschaftsBlatt
7,6
Grafik/Cmund
Quelle: www.immobilien.net
E
inst war es ein café, dann
ein Möbelhaus und Sitz
von Privatkliniken: Das
vielfältig genutzte haus in
der Leopoldstraße 1, bei der
triumphpforte, stand nach Auszug der letzten Mieter 2011 trotz
top-Lage leer.
„Es galt, Nutzungsmöglichkeiten, investitionsvolumen und
Finanzierung in Einklang zu bringen“, sagt Martin wetscher, Geschäftsführer des gleichnamigen
zillertaler Einrichtungshauses.
Der Familie gehört das haus über
die triumphpforte immobilien
Gmbh. Das Gebäude wurde um
zehn Millionen € kernsaniert. Auf
4100 Quadratmetern, verteilt auf
fünf Geschoße, entstanden wohnungen, Büro- und Geschäftsflächen. 2014 eröffnete im Erdgeschoß ein Vapiano-Standort.
„Aufgrund des Platzbedarfs von
mindestens 800 Quadratmetern
war es schwierig, eine geeignete
immobilie im zentrum zu finden“,
sagt Franchisenehmer Stefan
Lindenberger. Für den Standort
sprachen die Frequenz und die
350 Quadratmeter große terrasse,
„ein Unikat in der innenstadt“.
„Leerstand ist in innsbruck gerade in A-Lagen selten“, sagt roman
Schwarzenecker, Prokurist bei
Standort + Markt. Mit 64.400 Quadratmetern Geschäftsfläche in
top-Lagen liegt die Stadt an zweiter Stelle von 22 Geschäftszonen in
der jüngsten Studie des consulters.
trotz einer geringen Leerstandsquote von 3,2 Prozent geraten
Nebenlagen oft unter Druck. „Eini-
ZAHL
27
Millionen €
n Ikea vergrößert seinen Standort in Amras um rund 5000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Am Bau
sind 20 vorwiegend lokale Firmen
beteiligt. Ein Fokus der 27-Millionen-€-Investition liegt auf Umweltschutz. Das Grundwasser soll
für Heizung und Kühlung sorgen.
ge Eigentümer verstehen nur langsam, dass die Mietpreise in diesen
Lagen nicht mehr marktkonform
sind“, sagt immobilienmakler herbert Viertler. zudem fehle wegen
der unsicheren wirtschaftslage oft
die Bereitschaft, zu modernisieren
und sich abzuheben.
Bürger ergreifen Initiative
Bei Geschäftsflächen ortet Bernhard Vettorazzi, Geschäftsführer
des innsbruck-Marketing, eine
Sättigung und empfiehlt benachteiligten Stadtteilen Gegenstrategien. Unterstützt wird das Projekt
Anpruggen: Bürger und wirtschaftstreibende erarbeiten für
das Viertel am linken innufer
Lösungen zur Frequenzsteigerung
und zur reduktion von Leerständen in den Erdgeschoßen. Gehofft
wird auf impulse wie im Stadtteil
wilten, wo sich Kaufleute für
den 2010 erfolgten Umbau des
wiltener Platzls engagierten. „immo-Besitzer wurden motiviert,
häuser zu renovieren. Neue Geschäfte haben sich seitdem angesiedelt“, sagt Barbara wachter,
Geschäftsinhaberin und obfrau
des lokalen wirtschaftsvereins.
Das interesse halte an.
Die Autorin des Artikels erreichen Sie
unter regional@wirtschaftsblatt.at
38 |
FOKUS
Ko M M E r z i E L L E r t h E M E N S c h w E r P U N K t
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
FOKUS FUHRPARK
Beigestellt
Optimistischer Blick
auf das Flottengeschäft
VW, Renault, Peugeot und Mercedes rücken ihre Fuhrpark-Bestseller
VON CHRISTIAN SCHERL
ins Rampenlicht.
D
er Flottenmarkt befindet sich europaweit im
Aufwind. Laut dem
deutschen Marktforschungsinstitut Dataforce konnten 2014 alle EU-5-Märkte zuwächse verzeichnen. Mit 6,1 Prozent ist dabei der Anstieg in
Frankreich am geringsten, in Spanien mit 24,3 Prozent am stärksten. Deutschlands Plus gegenüber
2013 liegt bei knapp zehn Prozent.
Experten schätzen die Situation
in Österreich äquivalent dem
deutschen Markt ein, allerdings
lassen sich die zahlen hierzulande
schwieriger evaluieren, weil die
Grenzen zwischen privat und gewerblich nicht exakt aufgegliedert
sind wie in Deutschland.
Bei den Neuzulassungen gehen
rund 60 Prozent auf das Konto gewerblicher Nutzung. „Nachdem
ein Großteil der Fahrzeuge im
Flottengeschäft geleast und Fahrzeuge dadurch alle vier bis sechs
Jahre gegen Neuwagen ausgetauscht werden, ist dieses Geschäftsfeld besser planbar und
leistet auch durch einen neuwer-
tigen Fahrzeugbestand einen
wichtigen Beitrag zur co2-reduktion“, sagt hubert wallner,
Leiter des Großkundenverkaufs
bei Porsche Austria.
Zögerliche E-Mobilität
Auch wenn die Elektromobilität
bisher nicht die erwartete Dynamik entwickeln konnte, interessieren sich immer mehr Unternehmer für das thema. Noch sind
Kosten und reichweite zu hohe
hürden und hybrid die lukrativere Alternative. Experten vermu-
ten, dass über Plug-in-Modelle
der Schritt zur E-Mobilität nur
noch eine Frage der zeit ist. Einen
spürbaren Anstieg von Elektrofahrzeugen im Flottengeschäft
verzeichnet etwa renault, vor allem bei dem E-Nutzfahrzeug Kangoo z.E. und dem Stadtfahrzeug
zoe. Erdgas als alternativem Antrieb im Flottengeschäft ist aufgrund der beschränkten Fahrzeugvielfalt Grenzen gesetzt. Bei
Erdgasmodellen geben die Volkswagen-Marken den ton an: 2014
deckten sie knapp 70 Prozent ab.
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
Ko M M E r z i E L L E r t h E M E N S c h w E r P U N K t
VW-GRUPPE
FOKUS
| 39
MERCEDES
Fotos beigestellt (4)
die VW-Gruppe ein stabiles Unternehmer-Geschäft, sofern es zu
keinen nachteiligen Änderungen
der Steuer- und Abgabenpolitik
durch den Gesetzgeber kommt.
■ Flotten-Bestseller
Hubert Wallner, Leiter Großkundenverkauf Porsche Austria
■ Flottenbilanz
2014 und
Erwartungen 2015
In Österreich betrug 2014 der
reine Flottenmarkt etwa ein Drittel
des Gesamtmarktes. Händlerzulassungen bzw. Fahrzeuge der
Autovermieter sind darin nicht
enthalten. Alleine die VolkswagenPkw-Modelle erreichten im Flottenmarkt einen Marktanteil von
23,7 Prozent. Für 2015 erwartet
Die wichtigsten Modelle im Flottengeschäft sind bei VW derzeit
die Kombi-Modelle Golf Variant
und Passat, der Caddy, der Touran
sowie der vorsteuerabzugsfähige
Sharan. Bei Audi sind die Modellreihen Audi A4 und Audi A6 die
gefragtesten, bei Skoda die Octavia- und Superb-Modelle und bei
Seat die Leon-Familie sowie der
vorsteuerabzugsfähige Alhambra.
■ Finanzierungsmodelle
Das Leistungsangebot der
Porsche Bank umfasst neben
dem Finanzierungs- sowie dem
Wartungsangebot auch Flottenmanagement, verlängerte Garantieleistungen, Ersatzmobilität bis hin
zur Versicherung.
PEUGEOT
■ Erwartete
■ Flottenbilanz
2014 und
Erwartungen 2015
Für Peugeot war 2014 ein schwieriges Jahr im Nutzfahrzeugbereich.
Viele Kunden haben auf die Neuauflage des 3,5-t-Lieferwagens
Peugeot Boxer gewartet, der im
Juni 2014 lanciert wurde. Entsprechend blieben einige Bestellungen
im ersten Halbjahr aus. Besser
2014 und
Erwartungen 2015
Mercedes hat einen Gewerbeanteil von 65 Prozent. 2014 konnte
Mercedes rund 35 Prozent der
gesamten Auslieferungen an
Flottenkunden verkaufen. Zurückzuführen ist dies einerseits auf die
neue C-Klasse, die 2014 eingeführt
wurde, als auch auf Aktivitäten,
die in den letzten Jahren gesetzt
wurden, wie etwa einem Händlerqualitätsprogramm, um die
Qualität der Kundenbetreuung der
Händler zu erhöhen.
■ Finanzierungen
Generell gibt es Flottenangebote
für A-, B-, C-, E-Modelle. Aktuell
laufen „Modern Business“-Angebote auf Modelle der C- und
E-Klasse, ein All-in-Angebot, das
Finanzierung plus Sonderausstattung, Service und Wartung
beinhaltet.
■ Flotten-Bestseller
Größte Hoffnungen liegen auf
dem C-Klasse-T-Modell und der EKlasse, aber auch A- und B-Klasse
bleiben attraktiv. Die S-Klasse, die
2013 eingeführt wurde und letztes
Jahr voll verfügbar war, steht bei
Unternehmern ebenfalls hoch im
Kurs.
Thomas Führer, Leituner Großkundenverkauf
RENAULT
verlief das Pkw-Geschäft, dessen
Angebot für den Flottenkunden
sehr breit gefächert ist.
Christoph Stummvoll, PeugeotPR-Leiter
■ Flottenbilanz
Flottenbestseller
Insbesondere das Kompaktklasse-Modell Peugeot 308 und
das gehobene Mittelklasse-Modell
Peugeot 508 waren 2014 sehr
zufriedenstellend. Beide Modelle
sind als Limousine als auch als
Kombi gefragt. Im deutschen
GTÜ-Gebrauchtwagenreport lag
der Peugeot 508 in seiner Kategorie (Mittelklasse) auf Platz eins.
Der Peugeot ist seit 2011 auf dem
Markt und daher in der Mittelklasse 1 bis 3 Jahre am Markt gelistet.
■ Finanzierungen
Firmenkunden können über die
Peugeot Bank (Banque PSA Finance) finanzieren, bei gleichzeitiger
Integration von Elementen zu Garantieverlängerung, Service- und
Wartungskosten.
■ Flottenbilanz
2014 und
Erwartungen für 2015
Mit einem Marktanteil von
5,9 Prozent hat sich das Flottengeschäft bei Renault-Pkw gegenüber 2013 im vergangenen Jahr
stabil entwickelt. Die leicht rückläufige Bilanz bei Renault-Lkw mit
einem Marktanteil von 8,9 Prozent
ist auf den Modellwechsel von
Trafic und Master zurückzuführen, wodurch es von Sommer auf
Herbst zu Übergangsproblemen
kam. Außerdem hatte Trafic 2014
nicht die volle Diversität. Inzwischen sind alle Trafic-Varianten
lieferbar. Beim überarbeiteten
Master bewähren sich die deutlich
sparsameren Twin-Turbo-Motoren.
■ Finanzierungen
Mit den Finanzierungslösungen
über Renault Business Finance
bietet Renault Firmenkunden
einen Fixzinssatz von 1,99 Prozent
an, zusätzlich Full-Service-Wartungsverträge, die ins Leasing
integriert werden können.
■ Flotten-Bestseller
Im Mai kommt der neue Espace,
der im neuen Design aus Crossover und Van auch Kunden ansprechen soll, die bisher nicht
zur klassischen Espace-Zielgruppe
zählten.
Oliver Mandl, Manager Flottenmarketing & Brandmanagement
Renault Nutzfahrzeuge
40 |
Businesstalk
wirtschaftsblatt.at
Mittwoch, 4. März 2015
Redaktion Alexander Pfeffer
alexander.pfeffer@wirtschaftsblatt.at
WETTBEWERB
Sparkasse
Aufs Eis
geführt
iNNSBrUcK. Die tiroler Sparkasse führte ihre Bauträger-Kunden aufs Eis: Acht teams gingen beim
Sparkasse-Eisstockschieß-turnier an den Start und
zeigten teils viel Gefühl und strategisches Geschick,
um die kniffligen Spiele für sich zu entscheiden. in
einem trotz der niedrigen temperaturen heißen
wettkampf errang das team des Bauträgers
oFA zum zweiten Mal in Folge den Sieg der
Eisstock-trophy. Nach der Preisverteilung ließ man den Abend gemütlich
ausklingen.
Das feiernde Siegerteam: Gerhard Indrist, Architekt Jürgen Schauer, Architekt Karl Fahrner, Markus Zerlauth und Bernd Stögmüller (v.l.).
WIRTSCHAFTSBALL
Die Fotografen (3)
"
Tanzen
und netzwerken
&
iNNSBrUcK. Der Ball der tiroler wirtschaft war
wieder ein highlight im tiroler Ballkalender. im Fokus
standen Stimmung, tanz und Musik, aber natürlich
wurde auch genetzwerkt, wie wirtschaftskammerpräsident Jürgen Bodenseer meinte. zur Polonaise,
organisiert von waltraud und Ferry Polai, und zur
Musik des Pepe-Lienhard-orchesters unterhielten sich u.a. iV-Präsident reinhard
Schretter und Unternehmer wie oswald Mayr, Anton rieder und
Martha Schultz.
$
# Bürgermeisterin Christine Oppitz-Plörer mit Michele Prioletti
(Polai). ! Reinhard und Doris
Schretter. % WKT-Chef Jürgen Bodenseer (Mi.) mit den Direktoren
Horst Wallner und Evelyn Geiger-
Agrarmarketing
Kulinarische
Auszeichnung
WALCHSEE. Das Therapiezentrum Walchsee wurde
von „Bewusst Tirol“, einem
Projekt von Agrarmarketing, Land und Tirol Werbung, zum Bezirkssieger
gekürt. Zur Ehrung gab es
einen Kochworkshop. Im
Bild: Dieter und Maria Wittlinger mit AgrarmarketingChef Wendelin Juen (v. l.).
Ihr Event ist unser Business
Ein rundes Jubiläum, das Ihr Unternehmen feiert, eine festliche
Präsentation, zu der Sie Business-Partner laden, oder ein Galaabend,
der mit hochkarätigen Gästen über die Bühne geht: Halten Sie uns auf
dem Laufenden, schicken Sie uns Informationen und mailen Sie uns!
regionaltalk@wirtschaftsblatt.at
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