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I n f o r m a t i o n s m a t e r i a l
v o m
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Warum schlagen Frauenherzen anders als Männerherzen?
Männer erleiden häufiger als Frauen einen Herzinfarkt. Doch bei Herzoperationen sterben doppelt so viele Frauen wie Männer. Zudem werden Risikofaktoren für HerzKreislauf-Erkrankungen bei Frauen nicht so konsequent behandelt wie bei Männern.
Woran liegt das?
Herzerkrankungen galten lange Zeit als typisch männliches Problem. Doch dem ist
schon längst nicht mehr so. Die Aussage
„Typisch Mann, typisch Frau“ gilt auch in
puncto Herz. Männer erleiden zwar häufiger
einen Herzinfarkt, aber sie überleben ihn
auch deutlich häufiger als Frauen. Die
Gründe dafür sind vielfältig. Frauen haben
anfangs einen natürlichen Herzschutz.
„Frauen haben bis zu den Wechseljahren
einen hormonell bedingten Gefäßschutz.
Ändert sich der Hormonhaushalt nach der
Menopause, fällt dieser Schutz weg“, sagt
Professor Sandra Eifert. Die Herzchirurgin
leitet am Herzzentrum Leipzig eine spezielle
Sprechstunde für Frauen.
So sind Frauen im Durchschnitt zehn Jahre
älter, wenn sie einen Herzinfarkt erleiden.
„Im höheren Alter hat der Mensch häufiger
andere Begleiterkrankungen, die auch die
Überlebenschancen bei einem Herzinfarkt
verringern können“, so Professor Eifert. Ein
Grund dafür, dass Frauen länger auf der
Intensivstation liegen und doppelt so viele
Frauen wie Männer eine Herzoperation
nicht überleben.
Zudem sind Frauen in der Regel Verdrängungskünstler. Sie gehen später zum Arzt,
überhören die Warnsignale des Körpers
oder negieren Schmerzen. Das Problem wird
dadurch verstärkt, dass Frauen im Alter häufig allein leben. Es gibt keinen Lebenspartner, der sie darin bestärkt, zum Arzt zu
gehen. Dadurch kommen Frauen später zur
Behandlung, was fatale Folgen haben kann.
Warum in Sachen Herz die Geschlechter so
verschieden ticken, wird jetzt genauer erforscht. Vieles ist den sogenannten Genderforschern allerdings selbst noch ein Rätsel.
Beispielsweise, warum Männer häufiger
Medikamente gegen Herzrhythmusstörungen verschrieben bekommen als Frauen –
beim gleichen Krankheitsbild. Neu sind dagegen „getrennte“ Behandlungsansätze.
„Es gibt mittlerweile sogar vereinzelt geschlechterspezifische Rehas. Da sind Frauen
ihres Alters unter sich. Häufig ist es älteren
Damen unangenehm, zusammen mit jüngeren Herren Reha-Sport zu treiben“, schmunzelt Professor Eifert.
Die Tipps zur Vorbeugung gegen Herzerkrankungen sind dagegen völlig geschlechtsneutral. Mit einer gesunden Ernäh1
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rung und regelmäßiger Bewegung senken
Männer und Frauen gleichermaßen ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Wer
zudem auf seine Blutdruck- und Zuckerwerte achtet, tut viel für ein gesundes Herz.
Die größten anatomischen Unterschiede
Frauenherzen werden oft anders krank als
Männerherzen. Ein Grund dafür ist, dass sie
ein bisschen anders gebaut sind.
Die Größe. Ein Männerherz ist um die 15
Zentimeter lang. Ein Frauenherz nur etwa
12 Zentimeter. Männerherzen wiegen rund
300 Gramm, Frauenherzen etwa 250
Gramm. Frauenherzen sind also kleiner,
sogar wenn man die Größe in Bezug zu
ihrer Körpergröße umrechnet.
Das sind zehn Schläge mehr als bei Männern. Das muss so sein, weil sie ja kleiner
sind. Das höhere Pumptempo gleicht das
wieder aus.
Die Herzkranzgefäße. Die sind bei Frauen
kleiner und enger. Am Männerherz sind
diese Adern, die den Herzmuskel versorgen,
bis zu viereinhalb Millimeter weit. Bei Frauen
dreieinhalb Millimeter. Das heißt: Herzmediziner haben es bei ihren Eingriffen hier
schwerer.
Der Fluss des Blutes im Herzen. Erst seit
kurzem weiß man: Beim Männerherz gibt es
in den Blutgefäßen, die das Herz versorgen,
mehr Verwirbelungen. Das Blut fließt
schlechter als bei Frauen. Diese Strudel bergen ein höheres Risiko für Erkrankungen.
Das Tempo. Frauenherzen schlagen schneller. Statt 60 nämlich 70 Mal pro Minute.
Symptome beim Herzinfarkt
Starke Schmerzen: Oft strahlen sie in die Arme, den Oberbauch, die Schulterblätter bis in den
Rücken aus. Häufig entsteht ein brennendes Gefühl.
Heftiges Engegefühl: Ein Herzinfarkt geht oft mit einem heftigen Druck im Brustkorb einher.
Manche Patienten empfinden das so, als ob ihnen ein Elefant auf der Brust steht.
Angstschweiß: Häufig tritt bei einem Herzinfarkt Angst auf, die sich mit einer blassen Gesichtsfarbe und kaltem Schweiß bemerkbar machen kann.
Übelkeit, Erbrechen, Atemnot: Ein Herzinfarkt kann sich auch mit „unspezifischen Anzeichen″
bemerkbar machen, was vor allem bei Frauen häufiger vorkommt. Das sind beispielsweise: Übelkeit, Atemnot, Schmerzen im Oberbauch und Erbrechen. Wenn diese Beschwerden in zuvor nie
erlebtem Ausmaß auftreten, sollte man den Notarzt rufen.
Eine Frau, ein Mann und der Herzinfarkt
Hubertus S. und Sieglinde K. haben beide
einen Herzinfarkt überlebt. Die Symptome
vorher erlebten beide unterschiedlich. Er
typisch für einen Mann, sie typisch für eine
Frau.
Die Vorgeschichte
Schon Wochen vor dem Herzinfarkt gibt es
bei beiden erste Alarmzeichen. Bei Hubertus
S. in der Brust, bei Sieglinde K. im Bauch.
Hubertus S.: „Ich spürte Druck in der Brust
und Heiserkeit.“ Sieglinde K. dagegen empfand besonders nach dem Essen einen
Druck in der Magengegend. „Ich hatte immer das Bedürfnis, ich müsste mich irgendwie durch Luft oder durch Erbrechen freimachen. Meine erste Vermutung war, ich
habe irgendwie mit der Verdauung oder mit
der Galle Probleme.“
Der Tag des Infarkts
Hubertus B. erlebt die klassischen Herzinfarkt-Symptome. „Es war in der Nacht.
Plötzlich hatte ich Atembeschwerden, Druck
in der Brust, Schmerzen im linken Arm.
Schweiß brach aus.“ Hubertus S. versucht
bis acht Uhr morgens durchzuhalten. „Dann
war es mir kaum noch möglich, bis zum
Telefon voranzukommen. Ich dachte, jetzt
ist dein letztes Stündlein gekommen.“
Sieglinde K. hat eher untypische – und damit frauentypische – Herzinfarktsymptome:
„Ich hatte Beschwerden im linken Oberbauch, das waren Druckbeschwerden, aber
auch einen ziehenden Schmerz, der bis in
den Rücken ausgestrahlt hatte.“ Sie muss
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sich mehrfach übergeben, geht wieder ins
Bett. „Ich konnte aber absolut nicht schlafen. Ich hatte eine hochgradige innere Unruhe in mir.“
In der Klinik
Spät werden beide in die Notaufnahme eingeliefert. Hubertus S. bekommt in der Dresdner Praxisklinik für Herz und Gefäße mehrere Stents. Bei Sieglinde K. reicht das nicht,
sie wird im Leipziger Herzzentrum operiert,
erhält zwei Bypässe. Später muss sie noch
einmal operiert werden.
Die Reha
Nach dem Infarkt ist es für beide ein langer
Weg zurück zur Normalität. Sieglinde K.
kommt in der Reha wieder zu Kräften: „Es
hat etwas länger gedauert, aber es ist dann
alles wieder in Ordnung gekommen.“ Hubertus S. überlebt nach dem ersten Herzinfarkt 2001 noch zwei weitere Infarkte. Doch
er kämpft sich immer wieder zurück: „Dann
konnte ich mich selbst wieder bewegen,
trainieren, was mir immer ganz wichtig gewesen ist, da bin ich sehr eisern. Und deswegen sitze ich heute wahrscheinlich auch
noch hier.“
Erste Hilfe bei einem Herzinfarkt
Im Notfall zählt jede Sekunde. Alarmieren Sie bei Verdacht auf Herzinfarkt umgehend den Rettungsdienst unter 112. Ist der Patient bei Bewusstsein, muss das geschwächte Herz entlastet
werden. Das heißt: Der Patient sollte mit erhöhtem Oberkörper gelagert werden. Öffnen Sie
zudem enge Kleidung und Kragen. Ist der Patient nicht bei Bewusstsein, beginnen Sie mit der
Herzmassage. Knien Sie sich neben den Patienten und legen beide Hände übereinander auf den
Brustkorb. Mit durchgestreckten Armen etwa 100 Mal pro Minute auf den Brustkorb drücken.
Nach je 30 Stößen Mund-zu-Mund-Beatmung durchführen. Die Herzmassage bis zum Eintreffen
des Notarztes fortführen.
Testen Sie Ihr Herzinfarktrisiko!
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Übungen für ein gesundes Herz
Sport und Bewegung sind das A und O für
ein leistungsfähiges, gesundes Herz. Auch
nach einem Infarkt ist gezielter Herzsport
wichtig, um wieder zu Kräften zu kommen.
Doch auch beim Herzsport ist der kleine
Unterschied zwischen Mann und Frau größer als man denkt.
Konditionstraining
Ausdauersport ist das perfekte HerzKreislauf-Training. Schon nach wenigen
Einheiten verbessert sich in den meisten
Fällen die Leistungsfähigkeit im Alltag. Welche Sportart man wählt, ist Geschmackssache. Meist haben Männer und Frauen da
unterschiedliche Vorlieben. „Frauen haben
eher Spaß an Aerobic oder einem tänzerischen, rhythmischen Training“, berichtet
Sporttherapeutin Anne Haiduk. Männer
dagegen wollen meist Wettbewerb. „Männer mit Herzerkrankungen muss man daher
eher etwas bremsen, damit sie nicht über
das Ziel hinausschießen. Frauen mit Herz-
problemen dagegen trauen sich oft nicht,
sich zu belasten. Sie brauchen Motivation.“
Herzpatienten sind daher in einer Herzsportgruppe am besten aufgehoben. Über
6.000 gibt es davon in Deutschland. Die
Patienten trainieren dort unter ärztlicher
Kontrolle und sporttherapeutischer Anleitung.
Herzgesunde können der einfachen Faustregel folgen: Nur so schnell joggen oder Rad
fahren, dass man zwar schwitzt, sich aber
noch gut unterhalten kann. Und für ein
leichtes Konditionstraining muss man nicht
mal in seine Sportsachen schlüpfen. Spaziergänge und Besorgungen zu Fuß bringen
Bewegung in den Alltag ohne anzustrengen.
Krafttraining
Ein leichtes Krafttraining ist gut für die Muskulatur – auch das Herz ist ja ein Muskel.
„Das mögen meist die Männer mehr. Kraft,
Leistung, Power, das liegt ihnen. Sie erzielen
auch schneller Trainingseffekte als Frauen“,
so Anne Haiduk. Übungen für den Oberkörper und den Rücken stärken vor allem
die Körpermitte und damit auch das Herz.
Ein gutes Herzsporttraining sollte also auch
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immer ein paar Kräftigungsübungen beinhalten.
Entspannung
Stress legt sich auch auf das Herz. Deswegen ist regelmäßige Entspannung wichtig.
Erfahrungsgemäß tun sich Männer schwerer
damit als Frauen. „Männer wollen lieber
aktiv sein, aber man kann auch aktiv entspannen. Mit progressiver Muskelentspan-
nung nach Jacobsen beispielsweise oder
Dehnungsübungen“, empfiehlt Sporttherapeutin Anne Haiduk. Gedehnt werden sollte
vor allem die Brustmuskulatur, damit Herz
und Lunge mehr Platz haben.
Herzsportgruppen Kontaktadressen
Sachsen: www.lvs-pr.de
Sachsen-Anhalt: www.lvsapr.de
Thüringen: www.herz-reha-thueringen.de
Zum Weiterlesen
Herz in Gefahr: Koronare Herzkrankheit erkennen und behandeln
Der Experten-Ratgeber informiert über Möglichkeiten der Vorbeugung, Diagnose und Behandlung der koronaren Herzkrankheit nach dem heutigen Stand der Medizin. Der Band gibt Tipps
zur Behandlung der Erkrankung. (136 Seiten, 3,- Euro)
Sport mit Herzschrittmacher und implantiertem Defibrillator
Sie haben einen Herzschrittmacher oder Defibrillator bekommen und fragen sich: Soll ich überhaupt Sport treiben? Was ist erlaubt? Dazu gibt der Expertenratgeber Antworten und zeigt auf,
wie Sie sinnvoll trainieren können. (8 Seiten, 1,45 Euro)
Bestellt werden können die Broschüren bei:
Deutsche Herzstiftung e.V.
Vogtstraße 50
60322 Frankfurt am Main
Tel: 069 955128-0
Fax 069 955128-313
E-Mail: info@herzstiftung.de
Buchtipps
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Körper wieder ins Gleichgewicht bringen können, finden Sie auch im neuen Hauptsache Gesund-Buch „Meine besten Hausmittel“.
ISBN: 978-3-89883-272-4; 19,95 Euro
Erhältlich im Buchhandel und im MDR-Shop.
Gäste im Studio
Prof. Dr. med. Sandra Eifert, Oberärztin, Klinik für Herzchirurgie, Herzzentrum Leipzig
Anne Haiduk, Sporttherapeutin Medica Klinik
Steffi Bauer
Anschrift/ Thema der nächsten Sendung
MDR FERNSEHEN, Redaktion Wirtschaft und Ratgeber „Hauptsache Gesund“
Internet: www.mdr.de/hauptsache-gesund;
E-Mail: hauptsache-gesund@mdr.de
Thema der Sendung vom 12.03.2015: “Osteoporose“
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