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Wiener
W o h n
k u lt u r
Josef Hoffmann
A d o l f Lo o s
K o lo M o s e r
Dag o b e rt P ec h e
Ot to P r u t s c h e r
J o s e ph U r b a n
Wiener
W o h n
k u lt u r
Josef Hoffmann
A d o l f Lo o s
K o lo M o s e r
Da g o b e r t P e c h e
Ot to P r u t s c h e r
Joseph Urban
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
We are looking forward to your visit!
Verkaufsausstellung Sales exhibition
2. März bis 4. April 2015
Galerie bei der Albertina ∙ Zetter GmbH
A-1010 Wien, Lobkowitzplatz 1
Tel. +43/1/513 14 16, Fax +43/1/513 76 74
zetter@galerie-albertina.at
www.galerie-albertina.at
Viennese
Interiors
Magdalena Track
Andrea Schuster
Katharina Zetter-Karner
Christa Zetter Nach der Hochblüte des Historismus in Wien um 1900 war der
Wunsch nach Veränderung – nach etwas Neuem, Modernem –
groß. Sechs herausragende Künstler haben ganz wesentlich dazu
beigetragen, diesen neuen Weg zu beschreiten.
Es ist wirklich ein besonderer, sinnlicher Genuss, auf Stühlen
von Josef Hoffmann an einem mit Wiener Werkstätte-Silber
gedeckten Tisch zu sitzen und einen Schluck Champagner aus
von Koloman Moser entworfenen Lobmeyr-Gläsern zu trinken.
Following the heyday of Historicism in Vienna, there was a strong
desire for change – for something new and modern – in the
years around 1900. Striking a new path, six outstanding artists
contributed substantially to a reorientation in the arts.
Josef Hoffmann, Adolf Loos, Kolo Moser, Dagobert Peche,
Otto Prutscher und Joseph Urban haben bis heute durch ihr
vielseitiges Werk nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der
Architektur und des Designs genommen.
In diesem Sinne würde es uns sehr freuen, Sie in der Galerie
begrüßen zu dürfen, um gemeinsam unser Glas auf die Wiener
Wohnkultur zu erheben.
Josef Hoffmann, Adolf Loos, Kolo Moser, Dagobert Peche,
Otto Prutscher, and Joseph Urban have made a lasting impact
on the development of architecture and design to this very day.
Katharina Zetter-Karner Christa Zetter
In presenting this exhibition, we seek to revive the atmosphere
and attitude towards life of the period in question. As you
Mit dieser Ausstellung wollen wir versuchen, etwas von dem
Lebensgefühl der damaligen Zeit aufleben zu lassen. Wie Sie auf
unserem Foto erkennen können, haben wir uns sehr stilgerecht
auf diese Präsentation eingestimmt.
2
Monika Girtler
Katharina Hittmair
can see in the picture, we got ourselves in the right mood for
this presentation in proper style. It is really a very special and
stimulating treat to sit on chairs by Josef Hoffmann at a table set
with Wiener Werkstätte silverware and drink champagne from
Lobmeyr glasses designed by Koloman Moser.
It is in this spirit that we look forward to welcoming you in our
gallery, which would give us an opportunity to raise our glasses to
Vienna’s culture of interior design.
Katharina Zetter-Karner Christa Zetter
3
Andrea Schuster
Muss der Löwenkopf auch auf dem Nachtkastl
sein1 oder die Kohlenschaufel aus der Hand eines
Architekten hervorgehen2?
Anmerkungen zu den um 1900 und in der Zwischenkriegszeit gültigen Einrichtungsmaximen
Adolf Loos übte 1898 satirisch Kritik an den „stilvollen Zimmern“3,
den prunkvollen, prestigeträchtigen, historistischen Wohnräumen
der Ringstraßenzeit. Er erhob die rhetorische Frage: „Was ist
denn dieser stil überhaupt? Er läßt sich schwer definieren. Meiner
meinung nach fand jene wackere hausfrau auf die frage, was
stilvoll sei, die beste antwort: Wenn auf dem ,nachtkastl‘ ein
löwenkopf ist und dieser löwenkopf ist dann auf dem sofa, auf
dem schrank, auf den betten, auf den sesseln, auf dem waschtisch, kurz auf allen gegenständen des zimmers gleichfalls
angebracht, so heißt dieses zimmer stilvoll.“4
Als plausible Reaktion auf diesen noch 1897 von Arthur von
Scala, dem neuen Direktor des damaligen Museums für Kunst
und Industrie (heute MAK), explizit propagierten akademischen
Historismus und Stilpluralismus bildete sich die Sehnsucht nach
einer neuen, zeitadäquaten Formensprache heraus. In der Generation nach Otto Wagner, dem einflussreichen Professor in der
Spezialschule für Architektur an der Akademie der bildenden
Künste in Wien, verkörperten dessen Schüler Josef Hoffmann
und der im selben Jahr wie Hoffmann in Mähren geborene Adolf
Loos antipodisch die Möglichkeiten, diesen zeitimmanenten
künstlerischen Anspruch zu erfüllen.
Josef Hoffmann postulierte die Idee des „Gesamtkunstwerks“, des ästhetizistischen Zusammenschlusses von Kunsthandwerk, bildender Kunst und Architektur, die mit der Forderung nach einer programmatischen Gleichberechtigung von
angewandter und bildender Kunst einherging und zum Synonym
für die angestrebte Arbeitsweise der Wiener Werkstätte (WW)
wurde. 1903 gründete Hoffmann zusammen mit Koloman Moser
und dem Industriellen Fritz Waerndorfer die WW, die bis 1932
existierte und für eine elitäre Minderheit – wohlhabende Mäzene,
Künstlerkollegen – Entwürfe für alle Bereiche des Kunstgewerbes
(Metall, Glas, Keramik, Textilien, Teppiche, Leder, Bücher), selbstverständlich auch für Möbel, lieferte und bis ins kleinste Detail
durchkomponierte Raumkonzepte entwickelte. Das Sanatorium
Purkersdorf bei Wien (1904-06) und das Palais Stoclet in
Brüssel (1905-11) sind zeitgemäße Inkunabeln dieses künstlerischen Gesamtanspruches. Josef Hoffmann zeichnete nicht
nur für die Architektur beider Bauten verantwortlich, sondern
entwarf auch die komplette Inneneinrichtung, die von der
Wiener Werkstätte kongenial ausgeführt wurde.
4
Adolf Loos hingegen positionierte sich mit einem kulturkritischen Ansatz diametral entgegengesetzt. „Ich bin ein gegner
jener richtung, die etwas besonders vorzügliches darin erblickt,
daß [sic!] ein gebäude bis zur kohlenschaufel aus der hand eines
architekten hervorgehe. Ich bin der meinung, daß [sic!] dadurch
das gebäude ein sehr langweiliges aussehen erhält. [...] Das gleiche und gemeinsame band, das alle möbel im raum miteinander
verbindet, bestände eben darin, dass der besitzer die auswahl
getroffen hat [...]“5. Adolf Loos kombinierte in seinen Salons und
Herrenzimmern bewusst Sitzmöbel, die in Form und Sitzhöhe
unterschiedlich waren und auf englische Vorbilder oder antike
Möbelformen rekurrierten. In seinem berühmten Vortrag
„Ornament und Verbrechen“ von 1908 deklarierte er das
Ornament zum Objekt der Verschwendung von menschlichen
Ressourcen und forderte dessen Überwindung.
Das MAK – Österreichisches Museum für angewandte
Kunst / Gegenwartskunst in Wien widmet diesen beiden
Pionieren der Architektur und des Designs im Wien der Jahrhundertwende (= um 1900) gegenwärtig eine groß angelegte
Ausstellung, die noch bis zum 19. April unter dem Titel „Wege
der Moderne. Josef Hoffmann, Adolf Loos und die Folgen“ zu
sehen ist. Ausgewählte Exponate fokussieren dabei nicht nur
Hauptwerke von Hoffmann und Loos, sondern zeigen auch die
Vorgeschichte und das Fortwirken ihrer künstlerischen Arbeit
bis heute. Man denke in diesem Zusammenhang nur an die von
Loos übernommene „Unordnung“6 als Angelpunkt von Josef
Franks Wohntheorie oder Margarete Schütte-Lihotzkys
„Wohnung der berufstätigen allein stehenden Frau“ von 1929.
Die „Wiener Moderne“ um 1900 propagierte das Entwerfen
von Möbeln und Innenräumen, wobei zwei Aspekte eine maßgebliche Rolle spielten: die zeitgemäße, nicht historisierende
Formgebung und der Künstler als Schöpfer dieser neuen Formensprache. Neben Josef Hoffmann und Adolf Loos reihten
sich Otto Prutscher, Joseph Urban, Marcel Kammerer, Joseph
Maria Olbrich, Leopold Bauer oder Dagobert Peche nahtlos in
diese Genealogie der „Künstler-Architekten“ ein.
Um 1900 begannen sich Architekten auch mit der Gestaltung
von Möbeln aus gebogenem Holz zu beschäftigen. Die Bugholzmöbelerzeuger J. & J. Kohn und Gebrüder Thonet produzierten
Möbel nach den Designs von Adolf Loos, Joseph Urban, Josef
Hoffmann und seinen Schülern Gustav Siegel und Otto Prutscher
oder des Malers, Grafikers und Kunsthandwerkers Koloman
Moser.
In den 1830er-Jahren hatte Michael Thonet in Boppard am
Rhein seine Experimente mit dem Biegen von Holz gestartet,
die am Anfang der Erfolgshistorie einer sich innerhalb weniger
Jahrzehnte als Unternehmen von Weltgeltung profilierenden
Firma stehen sollten. 1841 wurde das Bugholzverfahren patentiert, ein Jahr später transferierte Michael Thonet seine Möbeltischlerei aus dem Rheinland nach Wien und richtete 1849 in
Wien-Gumpendorf eine eigene Werkstatt ein. Schließlich gründete Michael Thonet 1853 zusammen mit seinen fünf Söhnen
die Firma „Gebrüder Thonet“, die weltweit expandierte und ein
internationales Vertriebsnetz aufbaute.
1867 erwuchs den „Gebrüdern Thonet“ in der neu gegründeten Firma Jacob & Josef Kohn ein ernsthafter Konkurrent auf
gleichem produktions- und verfahrenstechnischem Niveau. Um
1900 entsprach die Produktionskapazität von Kohn mit einer
Stückzahl von 4000 am Tag bereits der der Gebrüder Thonet.
Die Firma J. & J. Kohn übernahm zur Zeit der Jahrhundertwende die strategische Vorreiterrolle in dieser ausgeprägten
Konkurrenzsituation. Sie beauftragte in einer ersten Initiative den
Hoffmann-Schüler Gustav Siegel mit der Gestaltung des KohnStandes auf der Pariser Weltausstellung 1900 und weiteren Bugholzmöbelentwürfen. Schon bald hatte die Firma J. & J. Kohn die
komplette Designer-Avantgarde ihrer Zeit im Programm. Thonet
stand unter Zugzwang und parierte gekonnt.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Karten neu gemischt.
1914 wurde die Firma Kohn, die mittlerweile als Aktiengesellschaft
firmierte, ein Teil des nunmehrigen Kohn Mundus Konzerns,
1922 fusionierte dieser mit Thonet und konstituierte die ThonetMundus AG.
In der „Wiener Moderne“ um 1900 und den Jahren nach dem
Ersten Weltkrieg waren Möbelhäuser im heutigen Sinne nicht
mehr als ein Desiderat. Neues Mobiliar stammte vorzugsweise
vom Tischler oder einem Ausstattungsunternehmen, das es
vermochte, auch Vorhänge, Tapeten oder die Polsterung von
Sitzgelegenheiten zu liefern. Die Firma Portois & Fix, die 1881 aus
einem Zusammenschluss des Wiener Tapezierermeisters Anton
Fix mit dem französischen Möbelhersteller August Portois ent-
standen war, konnte sich als ein traditionsreiches Wiener
Ausstattungsunternehmen positionieren. Portois & Fix kooperierte ab 1890 eng mit Künstlern und setzte Entwürfe von Otto
Wagner, Josef Hoffmann oder Koloman Moser kongenial um.
Zur Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zählte die
Firma mehr als 700 Beschäftigte, ihre Produktpalette wurde
in unzählige Länder exportiert und in internationalen Filialen,
darunter Paris, London, Bukarest, Berlin, Mailand, Budapest,
Bombay, Kairo oder Konstantinopel, offeriert. Die Omnipräsenz
von Portois & Fix auf Kunstgewerbeausstellungen und lobende
Rezensionen in einschlägigen Fachpublikationen bewirkten ein
unleugbares Renommee, das aus dem Konglomerat mehrerer
Stilmerkmale resultierte: aufwändige Verarbeitung edler Hölzer,
einfache Formen, glatte Flächen, Holzintarsien, AlpaccaEinlagen oder Kupferbeschläge.
1900 skizzierte Robert Oerley, Schüler an der Wiener
Kunstgewerbeschule, die Ansprüche an das moderne Möbel in
einem Essay mit dem Titel „Wie ein modernes Möbel entsteht“
unmissverständlich so: „Ein den Anforderungen des Gebrauchs
vollkommen entsprechendes Möbel, welches hinsichtlich des
gewählten Materials und der Bearbeitung den letzten Errungenschaften der Technik entspricht und im Geiste der lebenden
Kunst ausgebildet wurde, ist modern.“7
1 vgl. Adolf Loos, Die Interieurs in der Rotunde (1898), in: Ders., Ins Leere gesprochen
(1921), Reprint Wien 1981, S. 75
2 vgl. ebda, S. 81
3 vgl. ebda, S. 78
4 Ebda, S. 75
5 Ebda, S. 81 und S. 78
6 Josef Frank, Raum und Einrichtung (1934), in: Ausstellungskatalog Josef Frank 1885-1967,
Hochschule für angewandte Kunst, Wien 1981, S. 97
7 Robert Oerley, Wie ein modernes Möbel entsteht, in: Das Interieur I, 1900, S. 177-192
5
Andrea Schuster
Does the Lion’s Head Also Have to Be on
the Nightstand1 or Must the Coal Shovel Come
from the Hand of an Architect2?
Remarks on the Principles of Interior Decoration Prevalent around 1900 and in the Interwar Period
In 1898 Adolf Loos satirically criticised the “stylish apartments”3,
those pompous and prestigious Historicist living quarters, of the
Ringstrasse era, raising the following rhetoric question: “What
is that ‘style’ anyway? It is hard to define. In my opinion the best
answer was given by the worthy lady who said that if you have
a lion’s head on the nightstand, and the same lion’s head is on
the sofa, on the wardrobe, on the beds, on the chairs, on the
washstand, in a word, on every object in the room, then that is
style.”4
The longing for a new language of form adequate to the
times naturally developed as a plausible reaction to the academic
Historicism and stylistic pluralism, which in 1897 were still
vehemently propagated by Arthur von Scala, the new director of
what was then the Museum of Art and Industry (today’s MAK).
In the generation after Otto Wagner, the influential professor
at the School of Architecture at the Academy of Fine Arts in
Vienna, his student Josef Hoffmann and Adolf Loos – the latter
was born in Moravia the same year as Hoffmann – antipodally
personified the potentials by which the demands then made
towards the arts could be put into practice.
Josef Hoffmann postulated the idea of a “gesamtkunstwerk”
or “total work of art” – the aesthetic merger of handicraft, the
visual arts, and architecture. His concept went hand in hand with
a programmatic equalisation of the applied arts and the visual
arts and became synonymous with the ambitious approach of
the Wiener Werkstätte (WW). In 1903, Hoffmann founded the
WW together with Koloman Moser and the industrialist Fritz
Waerndorfer. Developing spatial concepts composed down to
the very last detail, it existed until 1932 and supplied designs in
all of the fields of the decorative arts (metalwork, glass, ceramics,
textiles, carpets, leather, books) and, not to forget, furniture
for an elite minority – wealthy patrons and fellow artists. The
Purkersdorf Sanatorium near Vienna (1904-06) and the Stoclet
Palace in Brussels (1905-11) are modern incunabula of this holistic
artistic ambition. Josef Hoffmann was not only responsible
for the architectural planning of the two buildings, but also for
their complete interior furnishings, congenially executed by the
Wiener Werkstätte.
Adolf Loos, on the other hand, put himself in a diametrically
opposed position with his culturally critical approach: “I am
6
against the trend that sees a positive advantage in having
everything in a building, right down to the coal shovel, come
from the hand of an architect. In my opinion it results in very
boring looking buildings. [...] What would then unite all pieces
of furniture in a room would be the fact that their owner had
selected them […].”5 In his salons and studies, Adolf Loos
deliberately combined seating furniture that differed in terms
of form and height and which referred to English or antique
furniture. In his famous lecture “Ornament and Crime” of 1908,
he declared ornament an object of waste of human resources
and demanded it be overcome.
The MAK Vienna – the Austrian Museum of Applied Arts /
Contemporary Art – is currently devoting a large-scale exhibition
entitled “Ways to Modernism – Josef Hoffmann, Adolf Loos,
and Their Impact” to these pioneers of architecture and design
in fin-de-siècle Vienna, which is on until 19 April. The focus of its
selected exhibits is not only on masterpieces by Hoffmann and
Loos, but also on their preliminary history and future influence on
artistic work to this very day. In this context, Josef Frank’s concept
of “disorder”6 as the cardinal point of his theory of the modern
home or Margarete Schütte-Lihotzky’s “Apartment for the
Working Single Woman” of 1929 come to mind, both of which
hark back to Loos.
“Viennese Modernism” around 1900 promoted the design
of furniture and interiors, with two aspects playing a central
role: modern, ahistorical form on the one hand and the artist
as the creator of this new formal language on the other. In this
genealogy of “artist-architects”, Otto Prutscher, Joseph Urban,
Marcel Kammerer, Joseph Maria Olbrich, Leopold Bauer, and
Dagobert Peche seamlessly followed in the footsteps of Josef
Hoffmann and Adolf Loos.
Around 1900, architects also increasingly devoted themselves
to the planning of bentwood furniture. Such bentwood furniture
manufacturers as J. & J. Kohn and Gebrüder Thonet produced
furniture based on the designs by Adolf Loos, Joseph Urban,
Josef Hoffmann and his students Gustav Siegel and Otto Prutscher,
and the painter, printmaker and artisan Koloman Moser.
Michael Thonet had started experimenting with bending
wood in Boppard on the Rhine in the 1830s. These first trials
marked the beginning of a success story during which the
firm evolved into an enterprise of world renown. In 1841, the
bentwood process was patented. The following year, Michael
Thonet transferred his furniture company from the Rhinelands
to Vienna and installed his own workshop in Gumpendorf, a
Viennese suburb, in 1849. Eventually, in 1853, Michael Thonet
founded the firm “Gebrüder Thonet” together with his five
sons. The company expanded around the globe and built an
international distribution network.
In 1867, a potent rival for Thonet appeared on the scene: the
newly established company Jacob & Josef Kohn worked along
the same standards in terms of production method. By 1900,
Kohn’s production capacity of 4000 items a day was equal to
that of Gebrüder Thonet. Around the turn of the century,
J. & J. Kohn took over the strategic position of market leader in
what proved a fierce competition. As a first initiative, the firm
commissioned Gustav Siegel, a student of Hoffmann’s, with the
design of the Kohn stand for the 1900 Paris Universal Exposition
and additionally entrusted him with designs for bentwood
furniture. Soon J. & J. Kohn’s range encompassed the period’s
entire design avant-garde. Thonet was forced to counter and
did so with great accomplishment.
After World War I, the pack was reshuffled. In 1914, Kohn,
meanwhile a joint-stock company, became part of what was the
Kohn Mundus Corporation, which in 1922 merged with Thonet
to form the Thonet-Mundus AG.
During the period of “Viennese Modernism” and in the
years after World War I, furniture stores as they exist today
were merely a desideratum. New furniture was supplied by a
cabinetmaker or an interior decorator that was also in a position
to offer curtains, wallpaper, and the upholstery for chairs and
sofas. The company Portois & Fix, which sprang from the merger
between the upholsterer and interior decorator Anton Fix and
the French cabinetmaker August Portois in 1881, managed
to establish itself in Vienna as a widely recognised interior
decoration enterprise. From 1890 onwards, Portois & Fix closely
cooperated with artists and congenially realised designs by
Otto Wagner, Josef Hoffmann, and Koloman Moser. At the
threshold between the nineteenth and twentieth centuries,
the company had more than 700 employees; it exported its
product range to countless countries all over the world and had
international branches in Paris, London, Bucharest, Berlin, Milan,
Budapest, Bombay, Cairo, and Constantinople. Thanks to the
omnipresence of Portois & Fix in arts and crafts exhibitions and
favourable reviews in publications devoted to interior decoration,
the firm succeeded in strengthening its outstanding reputation,
which resulted no doubt from a combination of quality criteria
and certain stylistic features: the elaborate treatment of precious
woods, plain forms, smooth surfaces, wooden parquetry, nickel
silver inlays, and copper fittings.
In 1900, Robert Oerley, then a student at the Vienna School
of Applied Arts, concisely outlined the requirements modern
furniture should fulfil in an essay entitled “How a Modern Piece
of Furniture Is Made”: “A piece of furniture entirely meeting
utilitarian requirements, an item which in terms of material and
manufacture relies on the latest achievements of technology and
was designed in the spirit of a lively art may be called modern.” 7
1
2
3
4
5
6
7
See Adolf Loos, “Die Interieurs in der Rotunde” (1898), in: idem, Ins Leere gesprochen
(1921), reprint, Vienna, 1981, p. 75.
Ibid., p. 81.
Ibid., p. 78.
Ibid., p. 75.
Ibid., p. 81 and p. 78.
Josef Frank, “Raum und Einrichtung” (1934), in: Josef Frank 1885-1967, exhib. cat.,
Hochschule für angewandte Kunst, Vienna, 1981, p. 97.
Robert Oerley, “Wie ein modernes Möbel entsteht”, in: Das Interieur I, 1900, pp. 177-192.
7
© ÖNB/Wien, NB 509.090-B
Adolf
loos
Brünn 1870 - 1933 Wien
Adolf Loos wurde 1870 in Brünn geboren. Schon während seiner
Schulzeit entschied er sich für den Beruf des Architekten und besuchte
in der Gewerbeschule die Abteilung für Bauwesen. Zum Architekturstudium ging Adolf Loos 1892-93 nach Dresden. Anlässlich der
Columbian Weltausstellung besuchte er 1893 Chicago. Er verbrachte
die folgenden, ihn künstlerisch prägenden Jahre bis 1896 in den USA
und ließ sich anschließend in Wien nieder, wo ihn die Theorien Otto
Wagners tief beeindruckten. Er verfasste zahlreiche theoretische
Schriften, darunter 1908 den Aufsatz „Ornament und Verbrechen“.
Adolf Loos’ Vorstellungen sind einerseits von der angelsächsischen
Wohnkultur beeinflusst, die er in Amerika und London kennen
gelernt hatte, andererseits von einer kritischen Auseinandersetzung
mit der Kunstgewerbetheorie des 19. Jahrhunderts und seiner
Zeitgenossen. Seine moderne Ästhetik basierte unter anderem auf
einer schnörkellosen, präzisen Ausführung in naturschönen Materialien.
Sein Design für Möbel oder sonstige Wohnaccessoires zeichnet sich
vor allem durch hohen praktischen Nutzen, haltbares Material und
vollendete, sinnliche Formgebung aus. Adolf Loos’ frühe Arbeiten in
Wien übten eine enorme Wirkung auf die dortige Kulturszene aus
und beeinflussten sowohl den ausgesprochen eleganten wie auch den
schlichten Wiener Jugendstil, der in den künstlerischen Produkten der
Wiener Werkstätte eine besondere Ausformung fand. Seine Entwürfe
wie seine Schriften prägten die Entwicklung der Architektur im
20. Jahrhundert nachhaltig. Zu Adolf Loos’ Werken zählen zahlreiche
bedeutende Bauten und Innenausstattungen in Wien und im In- und
Ausland, darunter das Café Museum, das Looshaus am Michaelerplatz,
die Villen Steiner, Stössl, Goldman, u.a. 1933 verstarb Adolf Loos in
Wien.
8
Adolf Loos was born in Brünn (Brno) in 1870. He decided to become
an architect when he was still at secondary school and enrolled at the
Department of Civil Engineering at a trade school. In 1892-93 Adolf
Loos went to Dresden to study architecture. In 1893 he visited Chicago
to see the World’s Columbian Exposition. He spent the subsequent,
artistically formative years in the United States, where he stayed until
1896 and then settled in Vienna, where he was deeply impressed by the
theories of Otto Wagner. He published numerous theoretical writings,
including the treatise “Ornament and Crime” of 1908.
On the one hand, Adolf Loos’ ideas were influenced by Anglo-Saxon
housing culture, with which he had familiarised himself in the United
States and in London. On the other hand, he critically dealt with the
Arts and Crafts theories of the nineteenth century and with the output
of his contemporaries. His modern aestheticism was based, among
other things, on plain and precise designs realised in exquisite natural
materials. The designs for his furniture and decorative accessories
are first and foremost characterised by their practical utilitarian value,
durable materials, and accomplished, sensual sense of form. Adolf
Loos’ early works in Vienna had an enormous impact on the local
art scene and influenced Jugendstil in both its elegant and austere
variants, as they were particularly implemented for the artistic products
of the Wiener Werkstätte. His designs and writings were seminal for
the development of architecture in the twentieth century. Adolf Loos’
works include numerous important buildings and interior decorations in
Vienna, Austria, and abroad, such as the Café Museum, the Looshaus
on Michaelerplatz, and the Villas Steiner, Stössl, and Goldman.
Adolf Loos died in Vienna in 1933.
Adolf Loos, Speisezimmer der Wohnung Leopold Langer um 1930, Wien I., Opernring 13
Foto aus: Markus Kristan, Adolf Loos. Wohnungen, Wien 2001, S. 37
Adolf Loos
Brünn 1870 - 1933 Wien
1 Hängelampe, Entwurf um 1905
1 Hanging Lamp, design around 1905
Lit.: vgl. Burkhardt Rukschcio und Roland Schachel, Adolf Loos. Leben und Werk, Salzburg und Wien 1982,
S. 483, Abb. 534 und S. 604, Abb. 753f.
vgl. Eva B. Ottillinger, Adolf Loos. Wohnkonzepte und Möbelentwürfe, Salzburg und Wien 1994, S. 68,
Abb. 64f., S. 139, Abb. 184 und S. 161, Abb. 228f.
vgl. Markus Kristan, Adolf Loos. Wohnungen, Wien 2001, Abb. S. 37 (Wohnung L. Langer)
Lit.: cf Burkhardt Rukschcio and Roland Schachel, Adolf Loos. Leben und Werk, Salzburg and Vienna
1982, p. 483, ill. 534 and p. 604, ill. 753f
cf Eva B. Ottillinger, Adolf Loos. Wohnkonzepte und Möbelentwürfe, Salzburg and Vienna 1994, p. 68,
ill. 64f, p. 139, ill. 184 and p. 161, ill. 228f
cf Markus Kristan, Adolf Loos. Wohnungen, Vienna 2001, ill. p. 37 (apartment L. Langer)
Die Pendelleuchte in Form eines Pentagondodekaeders entwarf Adolf
Loos um 1905 für den Herrenschneidersalon Knize & Co. in Wien
(Loos führte die Gestaltung des Geschäftslokals für die Witwe des
Firmenteilhabers Albert Wolff zwischen 1905 und 1913 in mehreren
Etappen aus) und verwendete sie in der Folge bis um 1930 häufig für
seine Einrichtungen (Wohnungen Langer, Friedmann, Hirsch, etc.) –
zuletzt 1927-28 in der Pariser Filiale des Herrenschneidersalons Knize auf
den Champs-Élysées. Die erzeugende Firma Friedrich Otto Schmidt
variierte den Entwurf von Loos und fertigte später Leuchtkörper in
den unterschiedlichsten Formen und Größen, wobei jedoch die hohe
Symmetrie und ausgewogene Proportion des Loos’schen Entwurfs
nicht mehr erreicht wurden. Die Leuchte besteht aus zwölf Elementen,
die in Form eines Pentagondodekaeders zusammengesetzt sind.
Der Leuchtkörper ist von hoher Symmetrie (soll heißen, dass alle
Ecken, Kanten und Flächen untereinander gleichartig sind). Durch
die revolutionäre Erfindung der Glühbirne war es nun möglich, die
elektrische Lichtquelle als unterstes Element einer Hängekonstruktion
anzubringen und sie nach unten bzw. seitlich zu richten. Markus Kristan
Adolf Loos designed this pendant lamp in the form of a regular
pentagonal dodecahedron in 1905 for the gentlemen’s tailor Knize &
Co in Vienna (between 1905 and 1913, Loos carried out the interior
decoration for the widow of the company’s partner Albert Wolff in
several stages). He later used the lamp frequently for his interiors
until shortly before 1930 (apartments Langer, Friedmann, Hirsch, etc.)
and did so for the last time in 1927-28 for tailor Knize’s branch on the
Champs-Élysées in Paris. The manufacturing company Friedrich Otto
Schmidt varied Loos’ design and subsequently produced luminaires of
a great diversity of forms and sizes. However, they would never again
reach the extraordinary symmetry and balanced proportions of Loos’
original design. The luminaire consists of twelve congruent elements put
together in the form of a perfectly symmetric pentagonal dodecahedron
(which means that all the corners, edges, and surfaces are identical).
The revolutionary invention of the electric light bulb offered the
possibility to place the electric light source at the very bottom of the
luminaire’s hanging construction and directing it towards the bottom
and the sides. Markus Kristan
Ausführung Friedrich Otto Schmidt, Wien
Messing, geschliffenes Glas, neu elektrifiziert
L 126 cm, D ca. 30 cm
Eine größere Variante verwendete Adolf Loos für die Inneneinrichtung
der Pariser Filiale der Herrenschneiderei Knize.
10
Manufactured by Friedrich Otto Schmidt, Vienna
Brass, glass with facets, newly electrified
L 126 cm, D app. 30 cm
A bigger model was used by Adolf Loos for the interior decoration
of the Paris branch of the Viennese tailor Knize.
Max Schmidt und Werkmeister
Josef Berka, Wien
3 Elefantenrüsseltisch achtbeinig, um 1900
Von Adolf Loos ab 1900 in verschiedenen Varianten für diverse
Wohnungseinrichtungen verwendet
Ausführung Friedrich Otto Schmidt, Wien
Eiche, braun gebeizt, Messingbänder und -schuhe, rotbraun
marmorierte Steineinlage, H 65,5 cm, D 95 cm
Lit.: vgl. Das Interieur 1903, S. 14
vgl. Eva B. Ottillinger, Adolf Loos. Wohnkonzepte und Möbelentwürfe, Salzburg und Wien 1994,
S. 46, Abb. 38, S. 57, Abb. 49 und S. 154, Abb. 216
vgl. Ausstellungskatalog „Wege der Moderne. Josef Hoffmann, Adolf Loos und die Folgen“,
MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Wien 2014-15, Abb. S. 147
Adolf Loos verwendete dieses Tischmodell in verschiedenen Varianten
wiederholt in mehreren Einrichtungen (Turnovsky, Weiss, Friedmann
und Rosenfeld) – zum ersten Mal 1902 für das Arbeitszimmer von
Dr. Hugo Haberfeld. Das Möbel, ursprünglich als Teetisch benutzt,
wurde nach dem 1899 entstandenen Vorbild der 1830 gegründeten
Londoner Firma Hampton & Sons, 8, Pall Mall East, entworfen. Loos
schrieb 1907 über den Tisch im Begleittext zu seiner „Wohnungswanderung“: „Der Elefantenrüsseltisch ist aus der Werkstätte F. O.
Schmidt nach Angaben des Herrn Max Schmidt (Ausführung und
Detaillierung Werkmeister Berka) hervorgegangen.“ Max Schmidt, der
gemeinsam mit seinen Brüdern Otto und Leo Schmidt Eigentümer
der Wohnungseinrichtungsfirma Friedrich Otto Schmidt in Wien
war, variierte in seinen Entwürfen den Tisch bezüglich der Anzahl der
Tischbeine (es gibt 6- und 8-beinige Modelle), Größe der Tischplatte,
Messingapplikationen und Tischplatteneinlagen. Erstmalig wurde der
„Elefantenrüsseltisch“ – die Bezeichnung bezieht sich auf die Form der
À la Loos
2 Hängelampe, Entwurf nach 1900
2 Hanging Lamp, design after 1900
Lit.: vgl. Eva B. Ottillinger, Adolf Loos. Wohnkonzepte und Möbelentwürfe, Salzburg und Wien 1994,
S. 139, Abb. 184
vgl. Burkhardt Rukschcio und Roland Schachel, Adolf Loos. Leben und Werk, Salzburg und Wien 1982,
S. 604, Abb. 753
vgl. Ausstellungskatalog „Wege der Moderne. Josef Hoffmann, Adolf Loos und die Folgen“,
MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Wien 2014-15, Abb. S. 194
Lit.: cf Eva B. Ottillinger, Adolf Loos. Wohnkonzepte und Möbelentwürfe, Salzburg and Vienna 1994,
p. 139, ill. 184
cf Burkhardt Rukschcio and Roland Schachel, Adolf Loos. Leben und Werk, Salzburg and Vienna 1982,
p. 604, ill. 753
cf Exhibition catalogue “Wege der Moderne. Josef Hoffmann, Adolf Loos und die Folgen”,
MAK – Austrian Museum of Applied Arts / Contemporary Art, Vienna 2014-15, ill. p. 194
Es handelt sich um eine (vermutlich von Friedrich Otto Schmidt
erzeugte) Variante der von Adolf Loos in Form eines Pentagondodekaeders für den Herrenschneidersalon Knize & Co. in Wien
entworfenen Hängeleuchte. Die Glasflächen dieses Modells bestehen aus
einem reizvollen Wechselspiel von Drei- und Vierecken (eine Variante des
Rhombenkuboktaeders). Bemerkenswert ist auch die Hängevorrichtung,
die offenbar bewusst auf die Form des Leuchtkörpers abgestimmt
wurde: Sie besteht nicht wie bei den von Loos entworfenen Modellen aus
einer Kugel, durch die scheinbar ein Ring für die Montage an der Kette
läuft, sondern aus einem mehrflächigen Würfel (ähnlich der Form des
Leuchtkörpers) und einem Dreieck. Im Verkaufsraum des Schneidersalons
Knize am Wiener Graben hing im Jahre 1913 ein offensichtlich von Loos
selbst verwendetes ähnliches Modell. Markus Kristan
This is a variant (probably manufactured by Friedrich Otto Schmidt)
of the pendant lamp in the form of a pentagonal dodecahedron Adolf
Loos designed for the gentlemen’s tailor Knize & Co in Vienna. The
glass panels of this model are composed of a fascinating alternation
of triangles and squares (a variant of the rhombicuboctahedron). It is
also remarkable that the hanging construction appears to have been
deliberately adapted to the shape of the luminaire: different from other
models designed by Loos, it does not consist of a sphere through which
seems to run a ring so that the lamp can be suspended from a chain,
but of a multifaceted cube (similar to the form of the luminaire) and a
triangle. A similar model that was obviously used by Loos himself was
installed in the Knize salesroom on Graben in Vienna in the year 1913.
Ausführung vermutlich Friedrich Otto Schmidt, Wien
Messing, vernickelt, geschliffenes Glas, neu elektrifiziert
L 133 cm, D ca. 45 cm
Ein ähnliches Modell hat Adolf Loos für die Inneneinrichtung
der Wiener Filiale der Herrenschneiderei Knize verwendet.
12
Manufactured probably by Friedrich Otto Schmidt, Vienna
Brass, nickel-plated, glass with facets, newly electrified
L 133 cm, D app. 45 cm
A similar model was used by Adolf Loos for the interior decoration
of the Viennese branch of the gentlemen’s tailor Knize.
Markus Kristan
Tischbeine – von der Firma F. O. Schmidt 1900 bei der Weltausstellung
in Paris ausgestellt. In Wien war er zuerst 1901 bei der Winterausstellung
des Österreichischen Museums für Kunst und Industrie (heute MAK –
Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst)
zu sehen. Ein Jahr später verwendete Koloman Moser ein derartiges
Modell in der 13. Ausstellung der Secession. Markus Kristan
3 Eight-Legged Elephant Trunk Table, around 1900
Used by Adolf Loos in different variants for the furnishing
of several apartments since 1900
Manufactured by Friedrich Otto Schmidt, Vienna
Oak, stained brown, brass fittings and brass feet, red-brown marbled
stone inlay
H 65.5 cm, D 95 cm
Lit.: cf Das Interieur 1903, p. 14
cf Eva B. Ottillinger, Adolf Loos. Wohnkonzepte und Möbelentwürfe, Salzburg and Vienna 1994,
p. 46, ill. 38, p. 57, ill. 49 and p. 154, ill. 216
cf Exhibition catalogue “Wege der Moderne. Josef Hoffmann, Adolf Loos und die Folgen”,
MAK – Austrian Museum of Applied Arts / Contemporary Art, Vienna 2014-15, ill. p. 147
Adolf Loos used this table model in different variants for several
of his interiors (Turnovsky, Weiss, Friedmann, and Rosenfeld) – for
the very first time for the study of Dr Hugo Haberfeld in 1902.
The piece of furniture, which originally served as a tea table, was
inspired by a prototype made in 1899 by the London-based company
Hampton & Sons of 8, Pall Mall East, which had been founded in
1830. In 1907, Loos wrote about the table in a text accompanying his
“Wohnungswanderungen” [“Residential Walking Tours”]: “The Elephant
Trunk Table was manufactured in the workshop of F. O. Schmidt under
the supervision of Max Schmidt (executed and finished by work master
Berka).” Max Schmidt, who owned the interior decoration company
Friedrich Otto Schmidt in Vienna together with his brothers Otto and
Leo Schmidt, varied the table’s design with regard to the number of legs
(there are models supported by six or eight legs), the size of the top,
the brass applications, and the inlays in the table top. The company
F. O. Schmidt presented the “Elephant Trunk Table” – the name refers to
the form of its legs – at the 1900 Paris Universal Exposition; it was first
shown in Vienna at the Winter Exhibition at the Austrian Museum of Art
and Industry (today’s Museum of Applied Arts) in 1901. The following
year, Kolo Moser used a similar model in the 13th Exhibition of the
Secession. Markus Kristan
© Archiv des Belvedere, Wien
Joseph
urban
Wien 1872 - 1933 New York
Joseph Urban wurde 1872 in Wien geboren. Er besuchte von 1890 bis
1893 die Wiener Akademie der bildenden Künste bei Carl Freiherr von
Hasenauer. Der Architekt und Illustrator Joseph Urban war Mitglied des
Wiener Künstlerhauses und der Künstlervereinigung „Siebener Club“.
Auch war er Mitbegründer des Hagenbundes und von 1906 bis 1908
dessen Präsident. Joseph Urban war unter anderem für den Umbau und
die Einrichtung des Hagenbundgebäudes in der Zedlitzgasse in Wien
zuständig. Gemeinsam mit seinem Schwager Heinrich Lefler illustrierte
er Bilderbücher und andere Publikationen und schuf zahlreiche
Ausstattungen für Wiener Theaterbühnen. 1911 übersiedelte Urban in
die USA, wo er als Architekt von Villen, Restaurants und Clubs sowie
als Ausstattungschef des Metropolitan Opera House New York zum
Mitbegründer des Art Déco wurde. Daneben führte er ein Decorative
und Scenic Studio in New York. Zudem stattete Urban in den Jahren
von 1920 bis 1931 zahlreiche Filme aus. 1922 übernahm er die Leitung der
New Yorker Filiale der Wiener Werkstätte, die bis 1924 bestand. Joseph
Urban starb im Jahre 1933 in New York.
14
Joseph Urban was born in Vienna in 1872. Between 1890 and 1893 he
studied at the Vienna Academy of Fine Arts under Carl von Hasenauer.
The architect and illustrator Joseph Urban was a member of the Wiener
Künstlerhaus and the artists’ association “Club of Seven”. Urban was
also one of the co-founders of the Hagenbund, whose president he was
from 1906 to 1908. One of the matters he was entrusted with was the
reconstruction and interior decoration of the Hagenbund building in
Vienna’s Zedlitzgasse. Together with his brother-in-law Heinrich Lefler,
Urban illustrated picture books and other publications and he created
decors for numerous Viennese theatres. In 1911 Urban emigrated to the
United States, where he designed villas, restaurants and clubs, became
the chief scenic designer of the Metropolitan Opera House in New
York and co-founded the Art déco. He also ran his own Decorative and
Scenic Studio in New York. In addition, between 1920 and 1931 Urban
worked as a set designer for numerous films. In 1922 he was put in charge
of the New York subsidiary of the Wiener Werkstätte, which existed until
1924. Joseph Urban died in New York in 1933.
Joseph Urban
Wien 1872 - 1933 New York
4 Sechs Sessel, 1904
Ausführung Gebrüder Thonet, Wien, Nr. 405
Buche, mahagoni gebeizt und politiert, neue Ledertapezierung und
Messingnieten nach dem originalen Vorbild, originale Messingschuhe
Ca.: H 99 cm, SH 48 cm, B 41 cm, T 55 cm
Teilweise Reste alter Klebeetiketten und Stempel THONET WIEN
Joseph Urban verwendete dieses Modell auch für das Restaurant
Paul Hopfner, Wien, und das Arbeitszimmer seiner Wohnung in
der Nibelungengasse 8, 1010 Wien.
Lit.: cf Gebrüder Thonet Zentral Anzeiger, 1st Oct. 1904, p. 7
cf Das Interieur VII, Vienna 1906, p. 21 (Café Paul Hopfner)
cf Charles Holme (Ed.), The Art-Revival in Austria. The Studio Special Summer Number 1906, ill. C 61
(dining room)
cf The Studio Year-Book of Decorative Art 1911, ill. p. 230 (sitting room)
cf Dorothee Müller, Klassiker des modernen Möbeldesign, Munich 1980, ill. p. 153, no 126
cf Markus Kristan, Joseph Urban. Die Wiener Jahre des Jugendstilarchitekten und Illustrators 1872-1911,
Vienna 2000, ill. p. 120, no 120
cf Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn, Milan 2008, ill. p. 116f
Lit.: vgl. Gebrüder Thonet Zentral Anzeiger, 1. Okt. 1904, S. 7
vgl. Das Interieur VII, Wien 1906, S. 21 (Café Paul Hopfner)
vgl. Charles Holme (Hg.), The Art-Revival in Austria. The Studio Special Summer Number 1906,
Abb. C 61 (Esszimmer)
vgl. The Studio Year-Book of Decorative Art 1911, Abb. S. 230 (Wohnzimmer)
vgl. Dorothee Müller, Klassiker des modernen Möbeldesign, München 1980, Abb. S. 153, Nr. 126
vgl. Markus Kristan, Joseph Urban. Die Wiener Jahre des Jugendstilarchitekten und Illustrators
1872-1911, Wien 2000, Abb. S. 120, Nr. 120
vgl. Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn, Mailand 2008,
Abb. S. 116f.
4 Six Chairs, 1904
Manufactured by Gebrüder Thonet, Vienna, no 405
Beech, stained mahogany and polished, new leather upholstery
and brass rivets after the original model, original brass feet
App.: H 99 cm, SH 48 cm, W 41 cm, D 55 cm
Partly rests of old adhesive labels and stamps THONET WIEN
Joseph Urban also used this model for the restaurant Paul Hopfner,
Vienna, and the study room in his apartment in Nibelungengasse 8,
1010 Vienna.
16
Künstlersaal im Restaurant Paul Hopfner 1906
Wien I., Kärntner Straße 61/Bösendorferstraße 2
Foto aus: Das Interieur VII, Wien 1906, S. 21
„Joseph Urban is a leading member of the Hagenbund Society,
and generally arranges its exhibitions. He is fertile in thought, rich in
imagination, and ever open to receive a lesson, and for this reason he
has learned when to curb his thoughts and when to express them. His
work has warmth of tone and a right sense of concord. He clothes his
walls in silks and in brocades. His furniture is well thought out; there is
no over-burthen of decoration, which yet has its due place. His interiors
have a peculiar charm and delicacy, they are dainty but never merely
pretty. They express the rhythmic swaying tones of a Strauss waltz, for
he is a Viennese to the core. He is versatile, as are all these Austrians,
with a quick eye and a rapid hand to grasp an idea and to express it.“
So wurde in der Sommersonderausgabe von „The Studio“ (The ArtRevival in Austria) im Jahre 1906 das dekorative und kreative
Talent von Joseph Urban (Seite DVIII) gepriesen – dazu wurden
9 Interieurfotos veröffentlicht. Auf einem davon sind die vier Sessel mit
der Modellnummer 405 zu sehen, die im Jahre 1905 in der Beilage des
Gebrüder Thonet-Katalogs publiziert wurden.
Dieses Modell erschien zum ersten Mal im „Zentral Anzeiger“– der
internen Zeitschrift der Firma Gebrüder Thonet – in der Ausgabe vom
Oktober 1904. Daher wird vermutet, dass Urban den Sessel im selben
oder im Jahr davor entwarf.
Im Generalkatalog von 1904 ist der Sessel in der Beilage zum Jahr 1905
in drei Versionen zu finden: mit Fußmanschetten aus Messing, vernickelt
oder ohne Manschetten. Dieses Modell ist in den Katalogen von
1907 und 1910 für den österreichischen Markt nicht vorhanden. In den
Gebrüder Thonet-Beilagen für den italienischen Markt ist es wiederum
in den Ausgaben von 1906, 1909 und auch 1912 zu sehen.
Im Jahre 1906 wurde in „Das Interieur“ der Innenraum des Cafés
Paul Hopfner1 gezeigt, der mit Sesseln dieses Modells eingerichtet
war (Füße in der Ausführung mit Messingmanschetten). Im selben
Jahr verwendete Urban dieses Modell auch im Arbeitszimmer seiner
Wohnung in der Nibelungengasse 8 in Wien.
Neben den besonders langen Fußmanschetten an den eckigen
Hinterbeinen bzw. runden Vorderbeinen sind die paarweise angebrachten, schlanken und kantigen Verbindungsstege zwischen den
Beinen ein typisches Merkmal dieses Modells. Urbans Spiel mit runden
und eckigen Elementen erzeugte eine diesem Modell inhärente
Dynamik, die durch den Schwung des von der Rückenlehne zur
Sitzfläche nahtlos durchgehenden Lederbezugs noch verstärkt wurde.
In dem von Thonet produzierten Sessel verwendete Urban verschiedene
Querschnitte im selben Modell und stimmte sie in seiner ureigenen
Art aufeinander ab. Der viereckige Querschnitt der Rückenlehne und
der runde Querschnitt der Vorderbeine und der Stege sind ein Beispiel
dafür. Der Schwung des Sessels wurde hingegen durch den von der
Sitzfläche zur Rückenlehne durchgehenden Lederbezug gewährleistet.
Der Sessel wurde nicht in großen Mengen produziert und in Bistritz
hergestellt. Im Hauptbuch der Thonet-Fabriken aus dem Jahre 1905
sind lediglich 54 Stück verzeichnet. In der Dezemberausgabe von „The
Studio“ aus dem Jahre 1911 wurde derselbe Sessel in einem Interieur von
Urban nochmals gezeigt und in Szene gesetzt.
Dieses sehr schöne und bei Sammlern sehr begehrte Modell wurde von
dem berühmten Tänzer Nurejev besonders geschätzt: Im Wohnzimmer
seines Pariser Apartments stand ein Ensemble von 12 Sesseln.
Giovanni Renzi
1 Urban wohnte in der Nähe des Cafés Paul Hopfner und war Stammgast.
17
In 1906, Das Interieur presented the interior of the Café Paul Hopfner1,
which had been furnished with these chairs (the version with brass
sabots). That same year, Urban also used this model for the study of
his apartment at No. 8 Nibelungengasse in Vienna.
In addition to the elongated sabots attached to the angular back legs
and circular front legs, the slender stretchers of rectangular section
arranged in pairs are a typical feature of this model. Urban’s play with
angular and circular elements produced the dynamism inherent in this
model, which was augmented by the sweep of the backrest and seat,
both of which were seamlessly covered with leather.
The chair was produced in relatively small batches and manufactured in
Bistritz (Bystrˇice). The journal of the Thonet factories for 1905 only lists
54 items. An article in the December 1911 issue of The Studio featured
the same chair again, this time in one of Urban’s interiors.
This beautiful model, which is greatly coveted among collectors, was
particularly appreciated by the famous dancer Rudolf Nurejev, who had
twelve such chairs in the living room of his Paris apartment. Giovanni Renzi
1 Urban lived in the vicinity of the Café Paul Hopfner and was a regular visitor.
“Joseph Urban is a leading member of the Hagenbund Society,
and generally arranges its exhibitions. He is fertile in thought, rich in
imagination, and ever open to receive a lesson, and for this reason he
has learned when to curb his thoughts and when to express them. His
work has warmth of tone and a right sense of concord. He clothes his
walls in silks and in brocades. His furniture is well thought out; there is
no over-burthen of decoration, which yet has its due place. His interiors
have a peculiar charm and delicacy, they are dainty but never merely
pretty. They express the rhythmic swaying tones of a Strauss waltz, for
he is a Viennese to the core. He is versatile, as are all these Austrians,
with a quick eye and a rapid hand to grasp an idea and to express it.”
This is how Joseph Urban’s decorative and creative talent was praised
in an article published in a special issue of The Studio (“The Art-Revival
in Austria”, page DVIII) in 1906, together with nine photographs of
interiors. One of the pictures showed four Model No. 405 chairs,
which had been included in the supplement to Thonet’s 1905 factory
catalogue.
The model in question was first published in the October 1904 issue
of Zentral Anzeiger, Thonet’s internal factory periodical. Therefore it
is assumed that Urban designed the chair that same year or the year
before.
In the 1905 supplement to the general factory catalogue of 1904, the
chair can be found in three versions: with either brass or nickel-plated
sabots or entirely without. This model was not offered in Austria in
the catalogues of 1907 and 1910, while it was contained in the Thonet
supplements for the Italian market in 1906, 1909, and 1912.
18
Thonet, Wien
5 Ausziehbarer Esstisch, um 1915
Buche, mahagoni gebeizt und politiert, zwei Einlageplatten ergänzt
H 78,5 cm, L 140,5 cm bzw. L 280 cm (ausgezogen), B 110 cm
5 Extendable Dining Table, around 1915
Beech, stained mahogany and polished, two inlay boards complemented
H 78.5 cm, L 140.5 cm, L extended 280 cm, W 110 cm
Thonet, Wien
6 Seltenes kleines Buffet, um 1914
6 Rare Small Sideboard, around 1914
Lit.: Fotodokumentation Gebrüder Thonet, Trˇebícˇ Museum, Tschechien
Lit.: Photographic documentation Gebrüder Thonet, Trˇebícˇ Museum, Czech Republic
Auch diese von Thonet produzierten Möbel sind äußerst rar. Sie sind
in keinem Katalog der berühmten Wiener Firma zu sehen, dafür aber
in einem Album mit Interieurfotos, deren Mobiliar von den Gebrüdern
Thonet produziert wurde. Das Fotoalbum befindet sich im Trˇebícˇ
Museum in der Tschechischen Republik.
Bei genauerer Betrachtung der Interieur-Fotoalben, der Fauteuils
und der Blumenkübel neben den drei Buffets (die Fauteuils mit der
Modellnummer 1520 wurden im „Thonet Anzeiger“ vom Juni 1914
präsentiert), sowie des Mobiliars auf weiteren Interieurfotos (Fauteuils
und Schreibtisch werden Prutscher zugeschrieben) kann davon
ausgegangen werden, dass diese Stücke um 1914 produziert wurden.
Beim größeren Buffet, das für gewöhnlich aus zwei getrennten Teilen
(Ober- und Unterteil) besteht, ist es möglich, alle sechs Schubladen zu
blockieren, indem einfach die erste Schublade geschlossen wird.
Die Ausarbeitung der facettierten Gläser und Messingstege dieser
Möbel ist besonders fein. Die Holzkanten der Buffets sind sowohl im
Aufriss als auch im Grundriss abgerundet und ergeben so formal in sich
geschlossene Stücke. Die Messingleisten und -stege nehmen diesen
Rhythmus auf und setzen feine Akzente an den richtigen Stellen.
These pieces of furniture, all of which were manufactured by Thonet, are
also very rare. They are reproduced in none of the famous Vienna-based
company’s catalogues, but appear in an album preserved at the Trˇebícˇ
Museum in the Czech Republic containing photographs of furniture
produced by Thonet.
Upon closer examination of the albums and their photographs of
interiors – of the armchairs and the cache-pot standing next to the
sideboards (the armchairs were presented in the factory’s periodical
Thonet Anzeiger of June 1914 as Model No. 1520) and of pieces of
furniture in further photographs of interiors (with armchairs and a desk
attributed to Prutscher) – it seems plausible that the items in question
were produced around 1914. As to the larger sideboard, which, as usual,
consists of two separate parts (an upper and a lower structure), it is
possible to block all of the six drawers by locking the first.
The bevelled glass parts and brass fillets used in these pieces of
furniture betray a high degree of elaboration. The wooden edges of the
sideboards are rounded both vertically and horizontally, which results
in particularly homogeneous and well-balanced forms. This rhythm is
mirrored by the brass borders and fillets, which place delicate accents in
the proper places. Giovanni Renzi
Buche, mahagoni gebeizt und politiert, Messingstege, -beschläge
und -leiste, geschliffenes Glas, geschliffener Spiegel
H 191,5 cm, B 102,5 cm, T 66 cm
Giovanni Renzi
Beech, stained mahogany and polished, brass rods, fittings
and strip, cut glass and mirror
H 191.5 cm, W 102.5 cm, D 66 cm
Esszimmer Gebrüder Thonet
Thonet-Archiv, Trˇebícˇ Museum, Tschechien
21
Thonet, Wien
7 Etagere, um 1914
8 Seltenes Buffet, um 1914
Lit.: Fotodokumentation Gebrüder Thonet, Trˇebícˇ Museum, Tschechien
Lit.: Fotodokumentation Gebrüder Thonet, Trˇebícˇ Museum, Tschechien
vgl. Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn, Mailand 2008,
Abb. S. 17
Buche, mahagoni gebeizt und politiert, Messingbeschläge und -leiste,
geschliffener Spiegel
H 151 cm, B 100 cm, T 59,5 cm
7 Etagere, around 1914
Beech, stained mahogany and polished, brass fittings and strip,
cut mirror
H 151 cm, W 100 cm, D 59.5 cm
Lit.: Photographic documentation Gebrüder Thonet, Trˇebícˇ Museum, Czech Republic
Buche, mahagoni gebeizt und politiert, Messingstege, -beschläge
und -leiste, geschliffenes Glas, geschliffener Spiegel
H 210 cm, B 164 cm, T 66 cm
8 Rare Sideboard, around 1914
Beech, stained mahogany and polished, brass rods, fittings and strip,
cut glass and mirror
H 210 cm, W 164 cm, D 66 cm
Lit.: Photographic documentation Gebrüder Thonet, Trˇebícˇ Museum, Czech Republic
cf Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn, Milan 2008, ill. p. 17
22
Wien 1868 - 1918 Wien
Kolo(man) Moser wurde 1868 in Wien geboren. Seine künstlerische
Ausbildung erhielt er in Wien an der Akademie der bildenden Künste
und an der Kunstgewerbeschule, wo er später selbst von 1899 bis
1918 unterrichtete. Er war Gründungsmitglied der Wiener Secession
und der Wiener Werkstätte, deren Stil er bis zu seinem Ausscheiden
1908 entscheidend prägte. Vor allem die von Kolo Moser und Josef
Hoffmann zwischen 1903 und 1907 für die Wiener Werkstätte
entworfenen Gegenstände mit ihren geometrischen Umrissen
und ihrer sparsamen Ornamentik begründeten die internationale
Wertschätzung beider Künstler. Die „Ideenverwandtschaft“ zwischen
Josef Hoffmann und Kolo Moser manifestierte sich öfters in
beinahe identischen formalen Entwürfen. Das Quadrat gehörte –
wie bei Hoffmann – zu Kolo Mosers bevorzugten künstlerischen
Gestaltungsprinzipien, das zum Markenzeichen der Wiener Werkstätte
wurde, beispielsweise als Rapportmuster in den verschiedensten
Gitterblech-Objekten. Kolo Moser war auch im Bereich der Grafik
sehr erfolgreich. Er war in der von der Secession herausgegebenen
Zeitschrift „Ver Sacrum“ laufend mit grafischen Arbeiten vertreten und
entwarf Ausstellungsplakate der Secession, deren Flächenwirkung
und Motivik für andere Künstler richtunggebend wurden. Seine
künstlerischen Arbeiten in den drei Kategorien Malerei, Grafik und
Kunstgewerbe sind in vielen bedeutenden öffentlichen und privaten
Sammlungen vertreten. Kolo Moser starb 1918 in Wien.
24
Kolo(man) Moser was born in Vienna in 1868. He was trained at the
Academy of Fine Arts and the School of Applied Arts in Vienna
where he later taught from 1899 to 1918. He was one of the founding
members of the Vienna Secession and the Wiener Werkstätte whose
style he influenced significantly until his withdrawal in 1908. It were
above all the objects designed by Kolo Moser and Josef Hoffmann
from 1903 to 1907 with their geometrical outlines and restrained
decoration that established the international reputation of both artists.
The “spiritual kindred” between Kolo Moser and Josef Hoffmann
manifested itself again and again in almost identical formal designs.
The square was – similar to Hoffmann – one of Moser’s favourite
formal elements and was to become a mark of the Wiener Werkstätte
in general, for instance as a formal grid in the most varied objects of
patterned tin. The artist was also extremely successful as a graphic
designer. His work was continuously featured in the Secession’s own
journal Ver Sacrum in the form of graphic art and he also designed
exhibition posters for the Secession, whose planar effects and motifs
were trend-setting for other artists. His works in the three genres
painting, graphics and applied arts are featured in many important
public and private collections. Kolo Moser died in Vienna in 1918.
© MAK
KOLOMAN
MOSER
Koloman Moser, Nachtkästchen im Schlafzimmer der Wohnung Dr. Jerome und
Margarethe Stonborough-Wittgenstein, Berlin
WW-Archiv, MAK Wien © MAK
Koloman Moser
Wien 1868 - 1918 Wien
9 Zwei Nachtkästchen, 1905
für das Schlafzimmer von Dr. J. & M. Stonborough-Wittgenstein
in Berlin
Ausführung Wiener Werkstätte
Buche, weiß lackiert, weiß-graue Marmorplatten, silberfarben
gebeizte Kugelgriffe
H 126 cm, B 40 cm, T 40 cm
Lit.: WW-Archiv, MAK Wien, Fotoarchiv WWF 102-74-1
vgl. Charles Holme (Hg.), The Art-Revival in Austria. The Studio Special Summer Number 1906,
Abb. C 34
vgl. Ausstellungskatalog „Josef Hoffmann Sanatorium Purkersdorf“, Galerie Metropol, New York und
Wien [o.J.], Abb. S. 116
26
9 Two Bedside Tables, 1905
for the bedroom of Dr. J. & M. Stonborough-Wittgenstein in Berlin
Manufactured by the Wiener Werkstätte
Beech, white lacquer, white-grey marble table top, knobs stained silver
H 126 cm, W 40 cm, D 40 cm
Lit.: WW-Archives, MAK Vienna, Photo-Archives WWF 102-74-1
cf Charles Holme (Ed.), The Art-Revival in Austria. The Studio Special Summer Number 1906, ill. C 34
cf Exhibition catalogue “Josef Hoffmann Sanatorium Purkersdorf”, Galerie Metropol, New York and
Vienna [n.y.], ill. p. 116
Abbildung aus dem Kohn
Verkaufskatalog 1907
Foto aus: Giovanni Renzi, Il mobile moderno,
Mailand 2008, S. 82
Koloman Moser
Wien 1868 - 1918 Wien
10 Schreibtisch, Entwurf 1902
10 Desk, design 1902
Lit.: vgl. Ausstellungskatalog „Koloman Moser 1868-1918“, Leopold Museum, Wien 2007, Abb. S. 121, Nr. 82
vgl. Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn, Mailand 2008,
Abb. S. 82 (Turin 1902), S. 86 (St. Louis 1904) und S. 87 (London 1906)
Lit.: cf Exhibition catalogue “Koloman Moser 1868-1918”, Leopold Museum, Vienna 2007, ill. p. 121, no 82
cf Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn, Milan 2008, ill. p. 82
(Turin 1902), p. 86 (St. Louis 1904) and p. 87 (London 1906)
Ausführung Jacob & Josef Kohn, Wien, No 3134
Buche, nuss gebeizt und politiert, Messingbeschläge,
geschliffener Glasspiegel, Schreibeinlage
H 105,5 cm, B 113,5 cm, T 54,5 cm
Ausstellung: Dieses Modell wurde erstmals im Mai 1902 auf der
Internationalen Kunstausstellung in Turin präsentiert. 1904 wurde es
in Saint Louis und 1906 in London ausgestellt.
Manufactured by Jacob & Josef Kohn, Vienna, no 3134
Beech, stained walnut and polished, brass fittings,
cut mirror, writing inlay
H 105.5 cm, W 113.5 cm, D 54.5 cm
Exhibition: This model was first presented at the Exhibition of
Decorative Arts in Turin in May 1902. In 1904 it was shown in Saint
Louis, in 1906 in London.
Gustav Siegel
Wien 1880 - 1968 Wien
11 Sessel, 1903
Ausführung Jacob & Josef Kohn, Wien, No 725 B
Buche, mahagoni gebeizt und politiert, neue Ledertapezierung
und Kupfernieten
H 88,5 cm, SH 47 cm, B 43,5 cm, T 53 cm
Lit.: vgl. Verkaufskatalog Jacob & Josef Kohn 1916, Reprint München 1980, Abb. S. 53, No 725 B
vgl. Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn, Mailand 2008,
Abb. S. 104f.
11 Chair, 1903
Manufactured by Jacob & Josef Kohn, Vienna, no 725 B
Beech, stained mahogany and polished, new leather upholstery
and copper rivets
H 88.5 cm, SH 47 cm, W 43.5 cm, D 53 cm
Ausstellungsraum „Sala della Carniola“, Mailand 1906
Foto aus: Giovanni Renzi, Il mobile moderno, Mailand 2008, S. 104
28
Lit.: cf Sales catalogue Jacob & Josef Kohn 1916, reprint Munich 1980, ill. p. 53, no 725 B
cf Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn, Milan 2008, ill. p. 104f
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
Josef Hoffmann wurde 1870 in Pirnitz in Mähren geboren. 1892
begann er sein Architekturstudium an der Akademie der bildenden
Künste in Wien in der Klasse von Carl Freiherr von Hasenauer,
die 1894 von Otto Wagner übernommen wurde. Drei Jahre
später erhielt er den Rompreis für seine Diplomarbeit und begab
sich mit Joseph Maria Olbrich auf Studienreise nach Italien. Zur
künstlerischen Aufbruchsstimmung in Wien vor der Wende vom 19.
zum 20. Jahrhundert hat Josef Hoffmann maßgeblich beigetragen.
1895 schloss sich der Freundeskreis um Hoffmann – darunter Kolo
Moser, Joseph Maria Olbrich und Max Kurzweil – zum „Siebener
Club“ zusammen, einem avantgardistischen Forum zur Erprobung
und Erörterung von neuen Ideen. Im Jahre 1897 zählte Hoffmann
zu den Gründungsmitgliedern der „Wiener Secession“, Vereinigung
bildender Künstler Österreichs. Im Alter von 29 Jahren übernahm
er eine Lehrstelle an der Wiener Kunstgewerbeschule. Bis zu seiner
Emeritierung im Jahre 1936 unterrichtete er an den Abteilungen
Architektur, Metallarbeiten, Emailarbeiten und Kunstgewerbe.
1903 gründete Hoffmann gemeinsam mit Kolo Moser und Fritz
Waerndorfer die Wiener Werkstätte. Im Rahmen seiner gelebten Idee
vom Gesamtkunstwerk fertigte Hoffmann Entwürfe für alle Zweige
des Kunstgewerbes an. Seine ganze künstlerische Laufbahn hindurch
war er sowohl als Architekt wie auch als Designer tätig. Sein Werk
umfasst zahlreiche Wohnungseinrichtungen und Bauprojekte wie das
Sanatorium Purkersdorf bei Wien oder das Palais Stoclet in Brüssel,
deren Interieurs vollständig von der Wiener Werkstätte möbliert
wurden. Hoffmann erlangte mit seinen Entwürfen für Möbel, Gläser,
Vasen und Schmuck ebenso wie mit seinen Ausstellungsgestaltungen
einen hohen internationalen Bekanntheitsgrad. Er ist vor allem
für seine strengen, klaren, geometrischen Entwürfe weltberühmt.
Hoffmann übte nachhaltigen Einfluss auf die Entwicklung der
angewandten Kunst aus. 1956 starb er in Wien.
30
Josef Hoffmann was born in Pirnitz in Moravia in 1870. He began
to study architecture in 1892 at the Academy of Fine Arts in Vienna
under Carl von Hasenauer and then Otto Wagner in 1894.
Hoffmann received the Rome Prize for his diploma work and
embarked upon a study tour of Italy together with Joseph Maria
Olbrich. He was one of the leading lights of the Viennese art scene
at the turn of the 19th century. In 1895 Hoffmann’s circle of friends
– which included Koloman Moser, Joseph Maria Olbrich and Max
Kurzweil – became the “Club of Seven”, an avant-garde forum for
experimentation and development of new artistic ideas. Hoffmann
was also one of the founding members of the Viennese Secession
in 1897. At the age of 29 he assumed a post as a lecturer at the
School of Applied Arts in Vienna. Up until his retirement in 1936, he
lectured in the departments of architecture, metallurgy, enamelling
and applied arts. He founded the Wiener Werkstätte together with
Kolo Moser and Fritz Waerndorfer in 1903. Hoffmann applied his
concept of the “gesamtkunstwerk” (“total art work”) to his designs
for all branches of applied arts and was active as both an architect
and a designer throughout his life. His oeuvre includes numerous
examples of furniture design and building projects such as the
Purkersdorf Sanatorium near Vienna and the Palais Stoclet in Brussels,
whose interiors were decorated and furnished throughout by the
Wiener Werkstätte. Hoffmann was also able to achieve considerable
international acclaim with his designs for furniture, glassware, vases,
jewellery and his exhibition concepts. He is renowned for his rather
austere, clear and geometrical designs. Hoffmann had a sustained
impact on the development of applied arts. He died in Vienna in 1956.
© MAK
Josef
Hoffmann
Josef Hoffmann
zugeschrieben attributed
12 Buffet, vor 1906
Ausführung Jacob & Josef Kohn, Wien
Buche, weiß und schwarz lackiert, erneuerte Marmorplatte,
originale Weißmetallbeschläge
H 96,5 cm, B 250,5 cm, T 70 cm
Provenienz: Sammlung Hochschule für angewandte Kunst, Wien
Lit.: vgl. „Hohe Warte“ 1905-06, Nr. 23f., Anhang S. 2
vgl. Kohn Werbebroschüre zur Ausstellung in London 1906, Abb. Nr. 4
vgl. Charles Holme (Hg.), The Art-Revival in Austria. The Studio Special Summer Number 1906,
Abb. C 14
vgl. Derek E. Ostergard (Hg.), Bent Wood and Metal Furniture: 1850-1946, New York 1987,
Abb. S. 106, Nr. 4-24 (Abb. aus: „Hohe Warte“ 1905-06), S. 111, Nr. 4-35 und S. 240, Nr. 41B
(Abb. aus: „The Studio“ 1906)
vgl. Gabriele Fahr-Becker, Wiener Werkstätte 1903-1932, Köln 1994, S. 40 (Abb. aus: „The Studio“ 1906)
vgl. Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn,
Mailand 2008, Abb. S. 76 (Abb. aus: „Hohe Warte“ 1905-06 und Kohn Werbebroschüre 1906)
vgl. Jirí Uhlír, Vom Wiener Stuhl zum Architektenmöbel, Wien 2009, Abb. S. 100, Nr. 119
(Abb. aus: „Das Interieur“ 1908)
Diese Anrichte war Teil der Einrichtung eines Esszimmers und wurde
durch zwei Seitenvitrinen und drei Spiegel im oberen Teil des Buffets
ergänzt. Ihre Gestaltungsart ist typisch für Josef Hoffmanns Stil in den
ersten Jahren des 20. Jahrhunderts. Im Jahre 1902 stellte Hoffmann
einen nach dem gleichen Prinzip hergestellten Schrank in die Küche der
Villa Henneberg (1903 in „Das Interieur“ veröffentlicht). Das Esszimmer
wurde als gesellschaftliches Zentrum konzipiert und Hoffmann war der
Meinung, dass alles für die Mahlzeit Notwendige griffbereit sein sollte.
Die Dynamik dieses Möbels wurde durch zwei Kunstgriffe erreicht:
durch den Einbau von Schubfächern im mittleren Teil, womit die
senkrechte Gliederung gleichsam durch Schranktüren unterbrochen
wurde, und durch die Bugholztechnik (Buchenholz). Die Seitentüren
wurden leicht gebogen und genauso wie die Sessel mit der Modellnummer 330, die im selben Raum wie das Buffet in Wien 1901 ausgestellt waren, aus gebogenem Sperrholz hergestellt.
Die weiße Farbe, die einen Kontrast zur Ablage und den neuartigen
Aluminiumbeschlägen bildet, macht das Möbelstück sehr elegant
und harmonisch: ein revolutionärer Stil für das Jahr, in dem es dem
Publikum zum ersten Mal vorgestellt wurde. Giovanni Renzi
12 Buffet, before 1906
Manufactured by Jacob & Josef Kohn, Vienna
Beech, white and black lacquer, new marble top,
original white metal fittings
H 96.5 cm, W 250.5 cm, D 70 cm
Provenance: Collection of Vienna University of Applied Arts
Lit.: cf “Hohe Warte” 1905-06, no 23f, appendix p. 2
cf Kohn advertisement brochure for the London exhibition 1906, ill. no 4
cf Charles Holme (Ed.), The Art-Revival in Austria. The Studio Special Summer Number 1906, ill. C 14
cf Derek E. Ostergard (Ed.), Bent Wood and Metal Furniture: 1850-1946, New York 1987, ill. p. 106, no 4-24
(ill. out of: “Hohe Warte” 1905-06), p. 111, no 4-35 and p. 240, no 41B (ill. out of: “The Studio” 1906)
cf Gabriele Fahr-Becker, Wiener Werkstätte 1903-1932, Cologne 1994, p. 40 (ill. out of: “The Studio” 1906)
cf Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn, Milan 2008, ill. p. 76
(ill. out of: “Hohe Warte” 1905-06 and Kohn advertisement brochure 1906)
cf Jirí Uhlír, Vom Wiener Stuhl zum Architektenmöbel, Vienna 2009, ill. p. 100, no 119 (ill. out of: “Das
Interieur” 1908)
Esszimmer der Firma Kohn
Foto aus: „Hohe Warte“ 1905-06, Nr. 23f., Anhang S. 2
34
This buffet formed part of the furnishings for a dining room and was
complemented by a display cabinet on either side, as well as three
mirrors installed above it. All of these designs are typical of Josef
Hoffmann’s style employed during the early years of the twentieth
century. In 1902, Hoffmann had used a cabinet based on the same
design principle for the kitchen of the Villa Henneberg (published in
Das Interieur in 1903). The dining room had been conceived as a social
meeting place, and Hoffmann considered it important that everything
necessary for a meal should be ready to hand.
The dynamism of this buffet was brought about by two ingenious
devices: the central drawers interrupting the vertical layout of the doors
and the bentwood technique (beech). The outside doors were slightly
curved and made of bent plywood, as were the Model No. 330 chairs,
which were exhibited in the same room as the buffet in Vienna in 1901.
The white colour, which created a contrast to the dark top and new type
of aluminium fittings, ensures the great elegance and harmony of the
piece: given the year in which this piece of furniture was presented to
the public for the first time, it truly displayed a revolutionary style.
Giovanni Renzi
35
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
13 Kasten aus der Wohnung Magda Mautner-Markhof,
Wien, um 1903
Weichholzkorpus, edelholzfurniert mit Intarsien aus
verschiedenen Hölzern, innen Ahorn furniert, Beschläge
und Stege aus Alpaka, im Mittelteil Türen mit bombiert
geschliffenen Gläsern
H 240 cm, B 345 cm, T 47 cm
Provenienz: Wohnung Magda Mautner-Markhof, Wien
Originalzustand, fachgerecht restauriert, einige Furnierteile ergänzt
Lit.: Innendekoration, Bd. XVI, Stuttgart und Darmstadt 1905, Abb. S. 182
Eduard F. Sekler, Josef Hoffmann. Das architektonische Werk, Salzburg und Wien 1982, Abb. S. 277, WV 68
Der hier vorgestellte Kasten stammt aus einem zwischen 1902 und 1906 für Baronin
Magda Mautner von Markhof von Josef Hoffmann eingerichteten Schlafzimmer
der elterlichen Villa in Wien 3., Landstraßer Hauptstraße 138. Das seit den frühen
1890er-Jahren von ihren Eltern, dem Brauereibesitzer Baron Karl Ferdinand Mautner
von Markhof und seiner Gemahlin Freiin Editha Sunstenau von Schützenthal,
bewohnte Haus wurde in den Folgejahren zu einem der Anziehungspunkte für die
jungen Künstler der Wiener Secession. Im Jahre 1906 hatten drei der führenden
Gründungsmitglieder der Wiener Secession ihren Lebensmittelpunkt in oder
neben der Villa Mautner von Markhof. Bereits 1895 hatte der Maler Josef Engelhart
Doris geheiratet, eine der drei künstlerisch tätigen Töchter Baron Mautner von
Markhofs, und ließ sich 1901 in der angrenzenden Steinfeldgasse 15 ein Wohnund Atelierhaus bauen. 1905 heiratete die Tochter Editha ihren Lehrer an der
Wiener Kunstgewerbeschule, den Maler Koloman Moser, und sie zogen in eine
von ihm im Gartentrakt der elterlichen Villa eingerichtete Wohnung. Ein weiteres
Gründungsmitglied der Secession, der Maler und Bühnenbildner Alfred Roller,
lernte im Hause Mautner von Markhof seine Schülerin Mileva Stoisavljevic näher
kennen, die er 1906 heiratete. Das Ehepaar mietete im Nebenhaus Landstraßer
Hauptstraße 136 eine Wohnung. 1904 gestaltete Josef Hoffmann zusammen mit
Koloman Moser ein Speisezimmer für Baronin Editha Mautner von Markhof.
Die Mautner-Markhofs sowie die Wittgensteins oder Waerndorfers sind als
Vertreter des in zweiter Generation assimilierten wohlhabenden jüdischen Wiener
Bürgertums ein typisches Beispiel für dessen aktives Interesse an den künstlerischen
Leistungen der Wiener Secession. [...]
Das von der Secession propagierte künstlerische Ideal des Gesamtkunstwerks setzte
Josef Hoffmann in den für Magda Mautner von Markhof geschaffenen Räumen,
aus denen der Kasten stammt, um. Dafür unterwarf Hoffmann die vorhandene
Raumsubstanz seinem eigenen strengen architektonischen Konzept. Die Möbel
waren keine beliebig auswechselbaren Einrichtungsgegenstände, sondern Teil
eines klar durchdachten Raumerlebnisses. Der Raum wurde durch sie definiert.
Besonders deutlich wird dies im Fall des Schlafzimmerschranks. Mit seiner Hilfe
zog Hoffmann einen einheitlichen Horizont ein, der unter anderem die Höhe der
Türen, der Gaskaminnische und des Bettvorhangrahmens aufnahm. Er war wie die
einzelnen über dem Horizont frei bleibenden Wandflächen auf Fläche komponiert.
Das heißt, er nahm die Rahmenstruktur der Wandflächen auf, die den Schrank in
seine einzelnen Funktionselemente aufteilte und gleichzeitig die Konstruktion des
Schranks als gestalterisches Element nach außen verlegte. Den Richtungswechsel
dieses Rahmens betonte er mittels heller Furnierrechtecke. In das obere Viertel
der einzelnen Türtafeln setzte Hoffmann ein symmetrisches Flächenornament,
das sich auf sämtlichen anderen Furniermöbeln des Raumes wiederholte.
Besonders raffiniert war die Art und Weise, wie Hoffmann der Flächigkeit des
Schranks in dessen Mitte durch verglaste Türen und eine darüber liegende konkav
einschwingende Nische ein räumliches Element entgegensetzte. Dadurch wurde
dem Möbel seine Wuchtigkeit genommen und die lange Türfront konnte mit dem
Raum kommunizieren. [...]
Das Möbelstück zeigt Hoffmann auf dem Höhepunkt seiner reduziert
geometrischen Schaffensphase. Christian Witt-Dörring
36
13 Cupboard from the Apartment Magda Mautner-Markhof,
Vienna, around 1903
Softwood corpus, veneered with exotic woods, inlays of different
woods, inside veneered with maple, alpaca fittings and rods, the
centre-piece with bossed cut glass doors
H 240 cm, W 345 cm, D 47 cm
Provenance: Apartment Magda Mautner-Markhof, Vienna
Original condition, professionally restored, some pieces of the inlay
completed
Lit.: Innendekoration, vol. XVI, Stuttgart and Darmstadt 1905, ill. p. 182
Eduard F. Sekler, Josef Hoffmann. Das architektonische Werk, Salzburg and Vienna 1982, ill. p. 277, WV 68
The piece of furniture presented here stems from a bedroom that
Josef Hoffmann designed for Baroness Magda Mautner von Markhof
between 1902 and 1906 for her parents’ detached house or villa in
Landstraßer Hauptstraße, in Vienna’s Third District. This house, which
had been lived in since the early 1890s by her parents, the wealthy
brewer Baron Karl Ferdinand Mautner von Markhof and his wife Freiin
Editha Sunstenau von Schützenthal, became a magnet for the young
artists of the Vienna Secession in the following years. In 1906, the focal
points of the lives of three of the leading founding members of the
Vienna Secession were centered in or around the Mautner von Markhof
villa. Already in 1895 the painter Josef Engelhart had married Doris, one
of the three artistically gifted daughters of Baron Mautner von Markhof,
who had a house built in the neighboring Steinfeldgasse 15 as residence
and artist’s studio. Another daughter, Editha, married in 1905 the painter
Koloman Moser who was her teacher at the Vienna School of Applied
Arts and they moved into an apartment that had been installed in the
garden wing of the parents’ villa. Yet another founding member of the
Secession, the painter and set designer Alfred Roller, became better
acquainted with his student Mileva Stoisavljevic (whom he married
in 1906) in the Mautner von Markhof house. The couple rented an
apartment in the neighboring house at Landstraßer Hauptstraße 136.
Josef Hoffmann, Schlafzimmer der Wohnung Mautner-Markhof, Wien
Fotos aus: Innendekoration, Bd. XVI, Stuttgart und Darmstadt 1905, S. 182
38
Josef Hoffmann designed a dining room together with Koloman Moser
for Baroness Editha Mautner von Markhof in 1904.
Like the Wittgensteins and Waerndorfers, the Mautner-Markhofs were
representatives of a second generation of wealthy assimilated Jewish
Viennese bourgeoisie and exhibited a similar active interest in the artistic
achievements of the Vienna Secession. [...]
The artistic ideal of the “gesamtkunstwerk” (“total art work”) propagated
by the Secession was implemented by Josef Hoffmann in the rooms he
created for Magda Mautner von Markhof and from which the present
piece of furniture originates. In order to do so, Hoffmann subjected the
existing rooms to his own stringent architectural concept. This furniture
did not represent pieces that could be easily exchanged for others, but
rather were an integral part of a clearly conceived spatial experience.
This is particularly obvious in the case of the bedroom cupboard. With
its help Hoffmann could introduce a unified horizon, which amongst
other things was reflected in the height of the doors, the niche for the
gas fire and the frame for the bed hangings. Like the remaining free
wall areas over this horizon, it was composed as a field. In other words,
it echoed the spatial structure of the wall surfaces, which divided the
cupboard up in its individual functional elements and at the same time
turned the construction of the cupboard as a design element inside
out. The change of direction of the frame was emphasized with the aid
of rectangles in bright veneer. Hoffmann placed a symmetrical surface
ornament in the upper quarter of the individual door leaves that was
repeated in all other pieces of veneered furniture in the room. The
way in which Hoffmann introduced a spatial element by contrasting
the surface areas of the glazed doors in the centre of the cupboard
with the concave niche overhead was particularly sophisticated. This
reduced the massiveness of the piece and the long front of doors could
communicate with the space. [...]
The piece of furniture reveals Hoffmann at the height of his powers
during his reduced geometric creative period. Christian Witt-Dörring
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
14 Originalboden des Schauraumes
der Wiener Werkstätte, 1904
Teil des originalen Fliesenbodens aus dem Schauraum
der Wiener Werkstätte, Neustiftgasse 32-34, 1070 Wien
Schwarz-weiße Keramikfliesen
Ca. zwölf Quadratmeter in sehr gutem Zustand (ohne Randfliesen)
Weitere Ergänzungsstücke und leicht beschädigte
Fliesen vorhanden
Fliesen weiß [Breite: voll bzw. 2/3]: L 16 cm, B 16/11 cm, H 1,7 cm
Fliesen schwarz: L 7 cm, B 7 cm, H 1,7 cm
Randfliesen schwarz: L 16 cm, B 16 cm, H 1,9 cm
Lit.: WW-Archiv, MAK Wien, Fotoarchiv WWF 137-20-4
Eduard F. Sekler, Josef Hoffmann. Das architektonische Werk, Salzburg und Wien 1982,
Abb. S. 285, WV 81/III
Räumlich bescheiden waren die Anfänge der Wiener Werkstätte
zur Zeit ihrer Gründung im Mai 1903. In einer Mietwohnung in der
Heumühlgasse 6 wurden eine Metall- und Buchbinderwerkstatt
eingerichtet. Bereits Ende 1903 genügten die beschränkten Raumverhältnisse dem ambitionierten, allumfassenden Gestaltungsanspruch ihrer Gründer Josef Hoffmann, Koloman Moser und Fritz
Waerndorfer nicht mehr. Neben größeren und weiteren Werkstätten
wie für Silber- und Goldschmiede und Tischler sowie einem Baubüro
wurden vor allem repräsentative Ausstellungs- und Verkaufsräume
benötigt. Letztere dienten dazu, das Konzept des Gesamtkunstwerks
überzeugend an das Publikum zu vermitteln. Josef Hoffmann
übernahm die Gestaltung der Räumlichkeiten in der Neustiftgasse 32.
So verlegte er unter anderem in den vom Publikum frequentierten
Schauräumen und im Zeichensaal des Baubüros einen Boden aus
schwarzen und weißen Fliesen. Durch die Art der Verlegung übernahm
der Fliesenbelag die Rolle eines Teppichs. Achteckige weiße Fliesen
in Kombination mit kleinen schwarzen quadratischen Fliesen bildeten
eine transparente Struktur, die wiederum von großen schwarzen
quadratischen Fliesen an ihren Rändern eingefasst und dadurch mit
der Raumschale verankert wurde. Christian Witt-Dörring
14 Original Flooring of the Showroom
of the Wiener Werkstätte, 1904
Part of the original tile floor of the showroom of the Wiener
Werkstätte, Neustiftgasse 32-34, 1070 Vienna
Black and white ceramic tiles
App. 12 square metres in very good condition (without edge tiles)
Tiles white [width: entire and 2/3 resp.]: L 16 cm, W 16/11 cm, H 1.7 cm
Tiles black: H 7 cm, W 7 cm, H 1.7 cm
Edge tiles black: L 16 cm, W 16 cm, H 1.9 cm
Lit.: WW-Archives, MAK Vienna, Photo-Archives WWF 137-20-4
Eduard F. Sekler, Josef Hoffmann. Das architektonische Werk, Salzburg and Vienna 1982,
ill. p. 285, WV 81/III
Upon its establishment in 1903, the Wiener Werkstätte was unknown
outside of its own circle. Metal and book binding workshops were
established in a rented apartment on No. 6 Heumühlgasse. By 1903
the restricted workspace in Heumühlgasse was already much too small
for the ambitious and all-encompassing founders Josef Hoffmann,
Koloman Moser and Fritz Waerndorfer. As with larger and greater
workshops, such as silver- and goldsmiths and carpenters, an office was
necessary for all representative exhibition and sales rooms. Artworks
served to act as a mediator between the exhibition space and the
public. Josef Hoffmann took over the design for the spatial layout in
No. 32 Neustiftgasse. As with other rooms, Hoffmann decorated the
floors of the frequently visited showrooms and the drawing room in the
office with black and white tiles. The way in which the tiles were laid
gave the impression of a carpet. Octagonal, white tiles combined with
small black quadratic tiles formed a transparent structure; in turn the
tiled floor was enclosed with black quadratic tiles, which were placed
around the edge of the floor and thus established a certain ambience.
Christian Witt-Dörring
Empfangs- und Ausstellungsraum der Wiener
Werkstätte in Wien VII., Neustiftgasse 32-34
WW-Archiv, MAK Wien © MAK
40
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
15 Blumentisch, Entwurf vor 1905
Ausführung Wiener Werkstätte, Modellnummer M 436
Verzinktes Eisenblech, gestanztes Quadratmuster, weiß lackiert
H 81,7 cm, D 65,7 cm
Metallgestell fachgerecht restauriert, Anstrich erneuert
Lit.: vgl. WW-Archiv, MAK Wien, Entwurfszeichnung KI 12037-18,
Fotoarchiv WWF 132-37-1, WWF 97-16-4 und WWF 104-195-1
Entwurfszeichnung KI 12037-18
WW-Archiv, MAK Wien © MAK
Hoffmanns Markenzeichen, das Quadrat, besitzt durch seine
Ebenmäßigkeit und freie Kombinierbarkeit ein Ausmaß an formaler
Neutralität, die es für eine wertfreie Ausdrucksweise prädestiniert.
Für sich allein begrenzt es Raum – aneinander gereiht rastert und
fragmentiert das Quadrat die Fläche. Werden gerasterte Flächen
zur Raumdefinition verwendet, so besitzen sie das virtuelle Potential
der Raumfragmentierung und somit der Kommunikation zwischen
dem Innen und Außen. Damit wurde eines der Wesensmerkmale
der Moderne erreicht. Seit 1904 verwendete die Wiener Werkstätte
das gestanzte Gitterblech als Rohmaterial für die Ausführung der
verschiedensten Gebrauchsgegenstände. Der Blumentisch mit der
Modell Nr. M 436 wurde zwischen 1905 und 1917 in nur 17 Exemplaren
erzeugt. Seine Realisierung aus lackiertem Gitterblech lässt ihn
gleichzeitig solide im Raum stehen und mit diesem transparent
verschmelzen – eine Qualität, die erst gegen 1920 zum Standard
moderner Formgebung werden sollte. Christian Witt-Dörring
15 Flower Stand, design before 1905
Manufactured by the Wiener Werkstätte, model number M 436
Galvanized tin, punched square pattern, painted white
H 81.7 cm, D 65.7 cm
Original metal framework, professionally restored, painting renewed
Lit.: cf WW-Archives, MAK Vienna, design sketch KI 12037-18, Photo-Archives WWF 132-37-1,
WWF 97-16-4 and WWF 104-195-1
Hoffmann’s trademark, the rhombus, exhibits a degree of formal
neutrality through its regularity, which predetermines a style free
from value. The style itself limits space – the rhombus dissects and
fragments its surface. Dissected surfaces are used to define space;
they have the virtual potential of fragmenting space and consequently
the communication between internal and external. With this, one
of the features of modernity was achieved. Since 1904 the Wiener
Werkstätte used punched metal sheet as the raw material for the
construction of various commodities. The flower stand, model
no. M 436, was created between 1905 and 1917 as one of seventeen
copies. The stand was made using a varnished metal sheet, which
allows it to stand simultaneously as a solid, as well as merging into the
transparent; a quality which first became the standard modern design
in 1920. Christian Witt-Dörring
Josef Hoffmann, Blumenständer M 436 im Empfangs- und Ausstellungsraum
der Wiener Werkstätte in Wien VII., Neustiftgasse 32-34
WW-Archiv, MAK Wien © MAK
42
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
16 Wandlampe für den Damensalon
des Sanatoriums Purkersdorf, 1905
Ausführung Wiener Werkstätte, Modellnummer M 371
Messing, vernickelt, Glas, neu elektrifiziert
Marken: Rosensignet, WW, Monogramm JH,
Silberschmiedmonogramm JB (Josef Berger)
H 17 cm, B 31,4 cm, T 31,2 cm
Lit.: vgl. WW-Archiv, MAK Wien, Fotoarchiv WWF 102-94-1
vgl. Deutsche Kunst und Dekoration, Bd. XVIII, Darmstadt 1906, S. 437
vgl. Ausstellungskatalog „Josef Hoffmann Sanatorium Purkersdorf“, Galerie Metropol,
New York und Wien [o.J.], Abb. S. 47
Diese Wandlampe wurde von Josef Hoffmann für den Damensalon
im Obergeschoss des Sanatoriums Purkersdorf bei Wien entworfen.
Dafür wurden mit Rechnungsdatum 20. Mai 1905 acht Stück erzeugt,
die etwas niedriger waren als die hier gezeigte Lampe. Für den 20. Juli
1905 sind zwei weitere Appliken, ebenfalls mit der Materialangabe
„Messingblech, Eisenblech, galvanisiert“, kalkuliert. Aufgrund der
Punzierung scheint diese Lampe eine davon zu sein. Wandlampen
dieses Typs wurden bis 1911 produziert, wobei fünf Stück auch aus
„Kupferblech geschwärzt“ gearbeitet wurden. Die Tatsache, dass
ein Gegenstand in verschiedenen Größen und Materialien erzeugt
werden konnte, spricht für die Flexibilität der Wiener Werkstätte.
Elisabeth Schmuttermeier
16 Wall Lamp for the Ladies’ Salon
of the Purkersdorf Sanatorium, 1905
Manufactured by the Wiener Werkstätte, model number M 371
Brass, nickel-plated, glass, newly electrified
Marks: rose signet, WW, monogram JH, silversmith‘s monogram JB
(Josef Berger)
H 17 cm, W 31.4 cm, D 31.2 cm
Lit.: cf WW-Archives, MAK Vienna, Photo-Archives WWF 102-94-1
cf Deutsche Kunst und Dekoration, vol. XVIII, Darmstadt 1906, p. 437
cf Exhibition catalogue “Josef Hoffmann Sanatorium Purkersdorf”, Galerie Metropol,
New York and Vienna [n.y.], ill. p. 47
This wall lamp was designed by Josef Hoffmann for the Ladies’ Salon
in the upper floor of the Purkersdorf Sanatorium near Vienna.
Eight copies were produced for this purpose with an invoice date of
20 May 1905, that were a little shorter than the lamp shown here.
Two further examples were invoiced for 20 July 1905: these also have
the material specification “sheet brass, sheet iron, galvanized”. Because
of its hallmark, this lamp seems to be one of the latter. Wall lamps of
this kind were produced until 1911, whereby five items were produced
from ”blackened sheet copper”. The fact that an object could be
manufactured in different sizes, demonstrates the flexibility of the
Wiener Werkstätte. Elisabeth Schmuttermeier
Josef Hoffmann, Damensalon des Sanatoriums Purkersdorf
WW-Archiv, MAK Wien © MAK
44
Josef Hoffmann, Bestickter Polster 1904-05, Modellnummer III 0028
WW-Archiv, MAK Wien © MAK
Josef Hoffmann
Umkreis Circle
17 Fauteuil, um 1905
Nuss, massiv, cremeweiß lackiert, neue Stofftapezierung
H 84 cm, SH 50 cm, B 60,5 cm, T 65 cm
Das Kreuzmotiv der Armlehnen fand Eingang in zahlreiche
Entwürfe Hoffmanns.
17 Armchair, around 1905
Walnut, solid, creamy-white lacquer, new fabric upholstery
H 84 cm, SH 50 cm, W 60.5 cm, D 65 cm
The cross motif of the armrests can be seen in many
of Hoffmann’s designs.
46
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
18 Seltener Klavierhocker, um 1905
Eiche, schwarz gebeizt, neue Ledertapezierung
H 48,8 cm, D 40,5 cm
Provenienz: Nachlass Herta Jäger (ehem. Mautner-Markhof) und
Gustav Jäger; der Hocker stammt ursprünglich aus der elterlichen
Villa Hertas in der Landstraßer Hauptstraße 138, 1030 Wien
Dieses Modell befindet sich auch im Palais Stoclet, Brüssel.
Lit.: vgl. WW-Archiv, MAK Wien, Fotoarchiv WWF 105-252-1 und WWF 102-98-1
vgl. Ausstellungskatalog „Möbel des Jugendstils. Sammlung des Österreichischen Museums für
angewandte Kunst in Wien“, München 1981, Abb. S. 159, Nr. 111
vgl. Ausstellungskatalog „Josef Hoffmann – Ornament zwischen Hoffnung und Verbrechen“,
Österreichisches Museum und Hochschule für angewandte Kunst, Wien 1987, Abb. S. 58, Nr. 2
Im Unterschied zu Josef Hoffmanns üblicher Entwurfspraxis, die in
der kontinuierlichen formalen Neuschöpfung von Einrichtungsgegenständen ihren Ausdruck fand, war dies das einzige Klavierhockermodell,
das er im Rahmen seines Oeuvres entwarf. Er verwendete es ab 1905
für unterschiedliche Innenraumgestaltungen. Man findet es dokumentiert neben dem von ihm entworfenen Klavier im Musikzimmer des
Sanatoriums Westend in Purkersdorf (1905), in der Wohnung
Dr. Hermann Wittgenstein (1905-06), in der Wohnung Dr. Guido
Hamburger (1907-09) und schließlich im großen Salon der Wohnung
von Paul Wittgenstein (1916). In letzteren könnte es aus einer früheren
(1906-07) von Hoffmann ausgestatteten Wohnung Paul Wittgensteins
übernommen worden sein. Dieser Hocker stammt aus dem um 1905
für Editha Mautner von Markhof eingerichteten Haus in Wien 3.,
Landstraßer Hauptstraße 138.
Entsprechend Hoffmanns frühen Möbelentwürfen entbehrt der
Hocker jeglicher ornamentaler Details. Aus reinen geometrischen
Grundformen zusammengesetzt, entstand ein transparenter
zylindrischer Körper. Der Durchmesser der runden Sitzfläche gab die
Positionierung der vier, aus quadratischen Vierkanthölzern geformten
Beine vor. Sie schließen bündig mit der Zarge des Hockers ab und
sind jeweils mit dem gegenüberliegenden Bein durch einen als Kufe
ausgebildeten Steg verbunden. Aus der Mitte dieses kreuzförmigen
Stegs wächst ein viereckiger Steher, der bis zum Boden reicht. In ihn
ist der Drehmechanismus für die Höhenverstellung eingeschlossen.
Die Kufen wirken als visuelles horizontales Gegengewicht zur gleich
breit dimensionierten Zarge. Der Reiz dieses Entwurfs liegt in der
Ambiguität zwischen Durchlässigkeit und Geschlossenheit eines
geometrischen Körpers. Gleichzeitig signalisiert der Hocker Skelettbau
und geschlossenes Volumen. Christian Witt-Dörring
18 Rare Piano Stool, around 1905
Oak, stained black, new leather upholstery
H 48.8 cm, D 40.5 cm
Provenance: estate of Herta Jäger (former Mautner-Markhof) and
Gustav Jäger; the piano stool originally comes from the mansion of
Herta’s parents at Landstraßer Hauptstraße 138, 1030 Vienna
The same model is located in Palais Stoclet, Brussels.
Lit.: cf WW-Archives, MAK Vienna, Photo-Archives WWF 105-252-1 and WWF 102-98-1
cf Exhibition catalogue “Möbel des Jugendstils. Sammlung des Österreichischen Museums für
angewandte Kunst in Wien”, Munich 1981, ill. p. 159, no 111
cf Exhibition catalogue “Josef Hoffmann – Ornament zwischen Hoffnung und Verbrechen”,
Austrian Museum and University of Applied Arts, Vienna 1987, ill. p. 58, no 2
Contrary to Josef Hoffmann’s common design practice, which
expressed itself in the continuous formal renewal of furniture objects,
this was the only piano stool he designed in the course of his career.
He used it for a number of interiors from 1905 onwards. Its use has
been documented for the music room of the Westend Sanatorium
in Purkersdorf (1905), for which he also designed the piano, for the
apartment of Dr Hermann Wittgenstein (1905-06), for the apartment
of Dr Guido Hamburger (1907-09), and finally for the large drawing
room in the apartment of Paul Wittgenstein (1916). In the latter
case, it might have been transferred from Paul Wittgenstein’s earlier
apartment furnished by Hoffmann (1906-07). The present stool was
used in the house he decorated for Editha Mautner von Markhof at
No. 138 Landstraßer Hauptstraße in Vienna’s 3rd district.
In accordance with earlier furniture designs, this stool is void of any
ornamental detail. Composed of purely geometric forms, it features
a transparent cylindrical shape. The diameter of the circular seat is
determined by the position of the legs, which are made of squaresection wooden laths. The legs are attached flush with the seat
frame, with opposite legs joined by a sledge base. From the centre
of the cross-shaped base rises a rectangular-section stand that
extends as far as the ground and contains the rotating mechanism for
height adjustment. The sledge base functions as a horizontal visual
counterweight to the seat frame, the dimensions of which are just
as wide. The charm of this design lies in the ambiguity between the
permeability and the compactness of a geometric body. The stool is
suggestive of both a skeleton structure and a closed volume.
Christian Witt-Dörring
48
Josef Hoffmann
zugeschrieben attributed
19 Zwei Glasvitrinen, um 1905
Buche, Eichenoptik, schwarz gebeizt und politiert, Glas,
Messingbeschläge
H 118 cm, B 57 cm, T 24,8 cm
Provenienz: Diese Vitrinen stammen aus dem Nachlass der
geschiedenen Frau von Hans Starl, der ein angesehener
Jugendstilhändler in Wien war.
19 Two Glass Cabinets, around 1905
Beech, oak look, stained black and polished, glass, brass fittings
H 118 cm, W 57 cm, D 24.8 cm
Provenance: These glass cabinets are from the estate of the divorced
wife of Hans Starl, who was an acknowledged Art Nouveau art dealer
in Vienna.
49
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
20 Sitzgarnitur, Entwurf um 1905
für die Weltausstellung in Buenos Aires 1910
Ausführung Jacob & Josef Kohn, Wien, No 675/C und 675/F
Buche, palisander gebeizt und politiert, neue Ledertapezierung,
originale Messingnieten
Reste der alten Klebeetiketten Jacob & Josef Kohn
Sitzbank H 75 cm, SH 45 cm, B 137 cm, T 72 cm
3 Fauteuils ca. H 75 cm, SH 45 cm, B 77 cm, T 72 cm
Lit.: vgl. Verkaufskatalog Jacob & Josef Kohn 1916, Reprint München 1980, Abb S. 48,
No 675/C (Bank) und No 675/F (Fauteuil)
1906 stellte der Bugholzmöbelproduzent Kohn diese von Josef
Hoffmann entworfene Sitzgarnitur zum ersten Mal in sein Verkaufsprogramm. 1910 präsentierte Kohn diese Gruppe im Rahmen der
„Exposición Internacional del Centenario“ in Buenos Aires. Ihr
Entwurf entspricht den von Otto Wagner postulierten Kriterien
eines modernen Gebrauchsgegenstands. Dabei ergab sich aus der
Funktion der gestellten Aufgabe, der gewählten Ausführungstechnik
und dem verwendeten Material die moderne Form wie von selbst.
In der Selbstverständlichkeit des hier erzielten Erscheinungsbildes
liegt die Qualität dieses Entwurfs. Sie kommt unter anderem in der
ausgewogenen Balance zwischen Monumentalität und Transparenz
wunderbar zum Ausdruck. So vermag diese Garnitur gleichzeitig die
traditionellen Bedürfnisse nach Repräsentation und Bequemlichkeit zu
erfüllen sowie zeitgenössische Funktionalität zu signalisieren.
Christian Witt-Dörring
20 Sitting Room Suite, design around 1905
for the World Exhibition in Buenos Aires 1910
Manufactured by Jacob & Josef Kohn, Vienna, no 675/C and 675/F
Beech, stained palisander and polished, new leather upholstery,
original brass rivets
Rest of the old adhesive labels Jacob & Josef Kohn
Bench H 75 cm, SH 45 cm, W 137 cm, D 72 cm
3 armchairs app. H 75 cm, SH 45 cm, W 77 cm, D 72 cm
Lit.: cf Sales catalogue Jacob & Josef Kohn 1916, reprint Munich 1980, ill. p. 48, no 675/C (bench) and
no 675/F (armchair)
The bentwood furniture manufacturer Kohn provided, for the first
time, Josef Hoffmann’s drafts of his sitting room suite in its sales
programme in 1906. In 1910 Kohn presented Hoffmann’s sitting room
suite in the “Exposición Internacional del Centenario” in Buenos Aires.
The conceptual design of the chair series corresponds with Otto
Wagner’s postulated criteria for a modern commodity. The design
is thus a result of the function of the artificial role, the chosen design
technique and the use of material in modern design, as with oneself.
As a matter of course the appearance achieved lies in the quality
of the design. Amongst others, the quality of design is expressed
wonderfully in the equally weighted balance between monumentality
and transparency. The furniture simultaneously fulfils the needs of
traditional requirements of representation and convenience, as well as
conveying contemporary functionality. Christian Witt-Dörring
50
21 Tisch, Entwurf um 1910
21 Table, design around 1910
Lit.: vgl. Kunst und Kunsthandwerk 1910, S. 669
vgl. Verkaufskatalog Jacob & Josef Kohn 1916, Reprint München 1980, Abb. S. 72, No 428/T
Lit.: cf Kunst und Kunsthandwerk 1910, p. 669
cf Sales catalogue Jacob & Josef Kohn 1916, reprint Munich 1980, ill. p. 72, no 428/T
Ausführung Jacob & Josef Kohn, Wien, No 428/T
Buche, palisander gebeizt und politiert, Glasplatte
Reste eines alten Klebeetiketts Jacob & Josef Kohn
H 70 cm, D 60,5 cm
Manufactured by Jacob & Josef Kohn, Vienna, no 428/T
Beech, stained palisander and polished, glass table top
Rest of an old adhesive label Jacob & Josef Kohn
H 70 cm, D 60.5 cm
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
22 Drei Fauteuils, Entwurf um 1901-05
22 Three Armchairs, design around 1901-05
Lit.: vgl. Charles Holme (Hg.), The Art-Revival in Austria. The Studio Special Summer Number 1906,
Abb. C 14
vgl. Verkaufskatalog Jacob & Josef Kohn 1916, Reprint München 1980, Abb. S. 53, No 330/F
vgl. Derek E. Ostergard (Hg.), Bent Wood and Metal Furniture: 1850-1946, New York 1987, Abb. S. 106,
Nr. 4-24 (Abb. aus: „Hohe Warte“ 1905-06), S. 111, Nr. 4-35 und S. 240, Nr. 41B (Abb. aus: „The Studio“ 1906)
vgl. Gabriele Fahr-Becker, Wiener Werkstätte 1903-1932, Köln 1994, S. 40 (Abb. aus: „The Studio“ 1906)
Lit.: cf Charles Holme (Ed.), The Art-Revival in Austria. The Studio Special Summer Number 1906,
ill. C 14
cf Sales catalogue Jacob & Josef Kohn 1916, reprint Munich 1980, ill. p. 53, no 330/F
cf Derek E. Ostergard (Ed.), Bent Wood and Metal Furniture: 1850-1946, New York 1987, ill. p. 106, no 4-24
(ill. out of: “Hohe Warte” 1905-06), p. 111, no 4-35 and p. 240, no 41B (ill. out of: “The Studio” 1906)
cf Gabriele Fahr-Becker, Wiener Werkstätte 1903-1932, Cologne 1994, p. 40 (ill. out of: “The Studio” 1906)
Im Verkaufskatalog der Firma Kohn von 1906 wurde dieses
Sesselmodell zum ersten Mal angeboten. Erst einige Jahre später
wurde dieses Modell durch ein Kanapee und einen Fauteuil zu
einer Sitzgruppe erweitert. Der markante Schalensitz stellte eine
Übernahme des um 1830 in Paris erstmals auftauchenden „chaise en
gondole“ dar. Dieser Sesseltyp wurde hier mit dem ebenfalls um 1830
in Wien typischen Modell des Wiener Seitenrahmensessels kombiniert.
Die Inspiration durch klassizistische, biedermeierliche Möbelformen
und deren Übertragung in eine moderne Formensprache sind typisch
für die unter Führung von Josef Hoffmann und Koloman Moser
eingeleitete Erneuerung der Wiener Formgebung um 1900. Der
innovative Charakter dieses Sessels erklärt sich aus der verwendeten
Ausführungstechnik (Bugholz), der Verwendung von Sperrholzplatten
und der freiliegenden Konstruktion. Christian Witt-Dörring
This model of an armchair was first offered in the sales catalogue
of 1906, by the company Kohn. Some years later the model was
expanded to a suite, with the addition of a canapé and an armchair.
The distinctive bucket seat demonstrated an acceptance of the
“chaise en gondole”, which initially emerged in Paris around 1830. This
particular type of chair was combined here with the typical model
of the Viennese side-framed armchair, which also emerged around
1830. The classical style adopted in furniture from the Biedermeier
period and the propagation in a modern, stylistic language typifies the
leading, modern design in Vienna around 1900, which was directed by
Josef Hoffmann and Koloman Moser. The innovative character of the
armchair complies with the commonly used technique (bentwood), the
use of plywood and the exposed structure. Christian Witt-Dörring
Ausführung Jacob & Josef Kohn, Wien, No 330/F
Buche, palisander gebeizt und politiert, neue Ledertapezierung,
originale Messingschuhe und -nieten
Ca.: H 99 cm, SH 52 cm, B 58 cm, T 61 cm
Manufactured by Jacob & Josef Kohn, Vienna, no 330/F
Beech, stained palisander and polished, new leather upholstery,
original brass feet and rivets
App.: H 99 cm, SH 52 cm, W 58 cm, D 61 cm
23 Tisch, Entwurf um 1905
Ausführung Jacob & Josef Kohn, Wien, No 675/T
Buche, mahagoni gebeizt und politiert, neue Glasplatte, darunter
Leder, Basisplatte aus gehämmertem Messing, Linoleum
Altes Klebeetikett Jacob & Josef Kohn
H 75,5 cm, D 60 cm
Ausstellung: Dieses Modell war auf der Wiener Kunstschau 1908
ausgestellt.
Lit.: vgl. Verkaufskatalog Jacob & Josef Kohn 1916, Reprint München 1980, Abb. S. 48, No 675/T
vgl. Eduard F. Sekler, Josef Hoffmann. Das architektonische Werk, Salzburg und Wien 1982, Abb. S. 326,
WV 123/III
23 Table, design around 1905
Manufactured by Jacob & Josef Kohn, Vienna, no 675/T
Beech, stained mahogany and polished, new glass table top with
leather below, hammered brass base, linoleum
Old adhesive label Jacob & Josef Kohn
H 75.5 cm, D 60 cm
Exhibition: This model was exhibited at the Vienna Kunstschau in 1908.
Lit.: cf Sales catalogue Jacob & Josef Kohn 1916, reprint Munich 1980, ill. p. 48, no 675/T
cf Eduard F. Sekler, Josef Hoffmann. Das architektonische Werk, Salzburg and Vienna 1982, ill. p. 326,
WV 123/III
Esszimmer der Firma Kohn
Foto aus: Charles Holme (Hg.), The Art-Revival in Austria.
The Studio Special Summer Number 1906, Abb. C 14
52
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
25 Schreibtisch, Entwurf um 1905
25 Desk, design around 1905
Lit.: vgl. Ausstellungskatalog „Gebogenes Holz. Konstruktive Entwürfe Wien 1840-1910“, Künstlerhaus,
Wien 1979, Abb. Nr. 39
vgl. Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn, Mailand 2008,
Abb. S. 202f.
Lit.: cf Exhibition catalogue “Gebogenes Holz. Konstruktive Entwürfe Wien 1840-1910”,
Künstlerhaus, Vienna 1979, ill. no 39
cf Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn,
Milan 2008, ill. p. 202f
Um 1905-06, nachdem bereits Josef Hoffmanns Sesselentwurf für
den Speisesaal des Sanatoriums Purkersdorf von dem Bugholzmöbelhersteller Kohn produziert worden war, musste sich die
Zusammenarbeit zwischen dem Architekten und dem Produzenten
weiter intensiviert haben. Sie kulminierte schließlich 1906 in Hoffmanns
architektonischer Gestaltung des Berliner Verkaufslokals der Firma
Kohn. Im selben Jahr erschien auch ein neuer Produktkatalog, der
eine Fülle neuer Entwürfe Hoffmanns enthielt. Darunter befand sich
das Schreibtischmodell Nr. 500/6. Der Entwurf überzeugt durch seine
klare tektonische Ausbildung, die eine Schreibfläche mit Ladenaufsatz
zwischen zwei transparente Wangen mit Gitterstruktur spannte.
Letztere ist so ausgeformt, dass sie eine raffinierte vermittelnde
Rolle zwischen den senkrechten und waagrechten Bauelementen
herzustellen vermag. Christian Witt-Dörring
Not long after Josef Hoffmann’s designs of various armchairs
for the dining room of the sanatorium in Purkersdorf had been
produced by the bentwood manufacturer Kohn around 1905-06, the
collaboration between the architect and the manufacturer was further
intensified. The collaboration culminated finally in 1906 in Hoffmann’s
architectural organisation of the sales room for the company Kohn
in Berlin. In the same year a new product catalogue was produced,
which included many of Hoffmann’s new designs. Underneath you can
see the model of a desk, no. 500/6. The design is completed with its
clear tectonic construction, which the desk’s surface area stresses with
the composition between two transparent side plates and the mesh
effect. Finally, the desk is designed so that it creates an elaborate,
intermediary role between the vertical and horizontal elements.
Ausführung Jacob & Josef Kohn, Wien, No 500/6
Buche, nuss gebeizt und politiert, Beschläge und Nieten aus Messing,
Schreibeinlage mit Leder bezogen
H 96 cm, B 58 cm, T 108 cm
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
24 Zwei Sitzmaschinen, Entwurf um 1905
Ausführung Jacob & Josef Kohn, Wien, No 669
Buche, mahagoni gebeizt und politiert, Messing
Stempel an der Unterseite eines Sitzes J. & J. KOHN Teschen-Austria
Eingeritzt: XIII bzw. XII (?)
H 101,4 cm, SH 28,5 cm, B 66 cm, T 85 cm, ST 56,5 cm
bzw. H 109,5 cm, SH 29 cm, B 64,5 cm, T 84 cm, ST 55,8 cm
Ausstellung: Dieses Modell war auf der Wiener Kunstschau 1908
ausgestellt.
Nach originalem Vorbild gefertigte Sitzkissen aus schwarzem Leder
(nicht abgebildet)
Lit.: vgl. Verkaufskatalog Jacob & Josef Kohn, Reprint München 1980, Abb. S. 68, No 669
vgl. Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn, Mailand 2008,
Abb. S. 160ff.
54
24 Two Seating Machines, design around 1905
Manufactured by Jacob & Josef Kohn, Vienna, no 669
Beech, stained mahogany and polished, brass
Stamp on the bottom side of one chair J. & J. KOHN Teschen-Austria
Carved: XIII and XII (?) respectively
H 101.4 cm, SH 28.5 cm, W 66 cm, D 85 cm, SD 56.5 cm and
H 109.5 cm, SH 29 cm, W 64.5 cm, D 84 cm, SD 55.8 cm respectively
Exhibition: This model was exhibited at the Vienna Kunstschau in 1908.
Seat cushions made of black leather after the original model
(not illustrated)
Lit.: cf Sales catalogue Jacob & Josef Kohn, reprint Munich 1980, ill. p. 68, no 669
cf Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn, Milan 2008,
ill. p. 160ff
Manufactured by Jacob & Josef Kohn, Vienna, no 500/6
Beech, stained walnut and polished, brass fittings and rivets,
writing inlay with leather
H 96 cm, W 58 cm, D 108 cm
Christian Witt-Dörring
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
26 Sitzgarnitur, Entwurf 1906
26 Sitting Room Suite, design 1906
Lit.: vgl. Verkaufskatalog Jacob & Josef Kohn 1916, Reprint München 1980, Abb. S. 48, No 675/T (Tisch)
und Abb. S. 50, No 421/F (Fauteuil)
vgl. Ausstellungskatalog „Gebogenes Holz. Konstruktive Entwürfe 1840-1910“, Künstlerhaus, Wien 1979,
Abb. Nr. 79
vgl. Eduard F. Sekler, Josef Hoffmann. Das architektonische Werk, Salzburg und Wien 1982, Abb. S. 326,
WV 123/II, III (Foto Kunstschau 1908)
vgl. Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn, Mailand 2008,
Abb. S. 200f.
Lit.: cf Sales catalogue Jacob & Josef Kohn 1916, reprint Munich 1980, ill. p. 48, no 675/T (table) and ill. p. 50,
no 421/F (armchair)
cf Exhibition catalogue “Gebogenes Holz. Konstruktive Entwürfe 1840-1910”, Künstlerhaus, Vienna 1979, ill. no 79
cf Eduard F. Sekler, Josef Hoffmann. Das architektonische Werk, Salzburg and Vienna 1982,
ill. p. 326, WV 123/II, III (pic. Kunstschau 1908)
cf Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn, Milan 2008, ill. p. 200f
Ausführung Jacob & Josef Kohn, Wien, No 421/F (Fauteuils)
und No 675/T (Tisch)
Buche, politiert, Tisch- und Basisplatte aus gehämmertem Messing,
neue Ledertapezierung, originale Messingnieten
Fauteuils: altes Klebeetikett Jacob & Josef Kohn
1 Tisch: H 74,3 cm, D 58 cm
2 Fauteuils: H 70,8 cm, SH 46 cm, B 59,5 cm, T 55,5 cm
Ausstellung: Diese Modelle waren 1908 auf der Kunstschau in Wien
und 1910 auf der Weltausstellung in Buenos Aires ausgestellt.
Kleines Landhaus der Firma Jacob & Josef Kohn auf der Kunstschau Wien 1908
Foto aus: Giovanni Renzi, Il mobile moderno, Mailand 2008, S. 69
56
Manufactured by Jacob & Josef Kohn, Vienna, no 421/F (armchairs)
and no 675/T (table)
Beech, polished, hammered brass table top and base, new leather
upholstery, original brass rivets
Armchairs: old adhesive label Jacob & Josef Kohn
1 table: H 74.3 cm, D 58 cm
2 armchairs: H 70.8 cm, SH 46 cm, W 59.5 cm, D 55.5 cm
Exhibition: These models were exhibited at the Vienna Kunstschau 1908
and the World Exhibition in Buenos Aires 1910.
Ausstellungsraum der Kunstschau Wien 1908
Foto aus: Giovanni Renzi, Il mobile moderno, Mailand 2008, S. 216
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
27 Zwei Sessel, Entwurf 1907-08, Ausführung ab 1908
27 Two Chairs, design 1907-08, manufactured from 1908
Lit.: vgl. Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn, Mailand 2008,
Abb. S. 214f. und S. 216 (Foto Kunstschau 1908)
Lit.: cf Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn, Milan 2008,
ill. p. 214f and p. 216 (pic. Kunstschau 1908)
Ausführung Jacob & Josef Kohn, Wien, No 396
Buche, massiv und Mahagoni, furniert, braun gebeizt und politiert,
Intarsien aus Kirschholz und Perlmutt
Altes Klebeetikett Jacob & Josef Kohn und Stempel J. & J. KOHN
WIEN AUSTRIA
H 93,5 cm, SH 48 cm, B 44 cm, T 42 cm
Dieses Modell wurde für das Kinderzimmer des Palais Stoclet, Brüssel,
verwendet und auf der Wiener Kunstschau 1908 ausgestellt.
58
Manufactured by Jacob & Josef Kohn, Vienna, no 396
Beech, solid and mahogany, veneered, stained brown and polished,
inlays of cherrywood and mother of pearl
Old adhesive label Jacob & Josef Kohn and stamps J. & J. KOHN
WIEN AUSTRIA
H 93.5 cm, SH 48 cm, W 44 cm, D 42 cm
This model was used for the nursery at Palais Stoclet, Brussels, and was
exhibited at the Vienna Kunstschau in 1908.
Josef Hoffmann
zugeschrieben attributed
28 Kasten, um 1910
28 Cupboard, around 1910
Lit.: vgl. Deutsche Kunst und Dekoration, Darmstadt 1909, S. 156
Lit.: cf Deutsche Kunst und Dekoration, Darmstadt 1909, p. 156
Dieser Schrank, dessen Entwurf Josef Hoffmann zugeschrieben
wird, ist typisch für Hoffmanns künstlerisches Genie. Auf den ersten
Blick könnte dieses Möbelstück als schlicht empfunden werden,
doch vergegenwärtigt man sich, in welcher Zeit es entstand, kann
man die Einfachheit, die Proportionen und die Liebe zum Detail bei
diesem Schrank einfach nur bewundern – er ist der Moderne um
mindestens 20 Jahre voraus! Hoffmann brachte Diskontinuität in seine
schlichten, üblicherweise weiß oder schwarz lackierten Möbel, indem er
geschlossene Flächen durchbrach und so Tiefe und Schwung erzeugte.
Bei vielen Möbelstücken sah Hoffmann diese Hohlräume als zentrales
Element im oberen Teil vor und schuf auf diese Weise Platz für farbige
und kontrastreiche Objekte aller Art. Weitere ähnliche, von Josef
Hoffmann gezeichnete Entwürfe sind in der „Deutschen Kunst und
Dekoration“ aus den Jahren 1908 (Wohnhaus Beer-Hofmann), 1909
(Wiener Werkstätte, Wien VII. Neustiftgasse – Verkaufsraum) und
schließlich 1916 (Wohnung Anton und Sonja Knips) zu finden.
The present cupboard, the design of which is attributed to Josef
Hoffmann, typically exemplifies his artistic genius. At first sight, this
piece of furniture might be perceived as plain, but if the period in which
it was made is taken into account, one cannot but admire the simplicity,
proportions, and sense of detail of this cupboard, which is at least twenty
years ahead of modernism.
Hoffmann brought discontinuity to his straightforward furniture, most
of which was lacquered in white or black, by breaking up closed surfaces
in order to produce depth and a dynamic sweep. For many of his pieces
of furniture, Hoffmann planned these recesses as central elements in
the upper structure, so as to provide space for all kinds of colourful and
contrasting objects. Similar designs by Josef Hoffmann can be found in
Deutsche Kunst und Dekoration from the years 1908 (villa of the BeerHofmann family), 1909 (Wiener Werkstätte salesroom in Neustiftgasse
in Vienna’s 7th district), and finally in 1916 (apartment of Anton and
Sonja Knips). Giovanni Renzi
Unikat
Buche, Silbereichendekor
H 199 cm, B 151 cm bzw. B 157,5 cm (mit Gesims), T 64 cm
bzw. T 67,5 cm (mit Gesims), T innen zum Hängen 54 cm
Provenienz: Laut Vorbesitzer wurde dieser Schrank von Josef
Hoffmann für die Familie Alma Auswald-Heller, Innsbruck, entworfen.
Alma Auswald-Heller war verheiratet mit Architekt Auswald und
weitschichtig mit Josef Hoffmann verwandt. Beide waren Mitarbeiter
der Wiener Werkstätte.
Giovanni Renzi
60
Unique piece
Beech, silver oak decor
H 199 cm, W 151 cm and W 157.5 cm (with moulding) respectively,
D 64 cm and D 67.5 cm (with moulding) respectively,
D inside for hanging 54 cm
Provenance: According to the previous owner, Josef Hoffmann designed
this cupboard for the family of Alma Auswald-Heller, Innsbruck. Alma
Auswald-Heller was married to the architect Auswald and distantly
related to Josef Hoffmann. Both worked for the Wiener Werkstätte.
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
29 Entwurf Ornament
30 Entwurf Blätterranken
29 Ornamental Design
30 Foilage Design
Tinte, Gouache und Bleistift auf Papier, kaschiert auf Papier
Links oben monogrammiert JH
Rück- und vorderseitig Atelierstempel: ATELIER OB. BAUR. PROF.
ARCH. DR. h. c. JOSEF HOFFMANN
30 x 42 cm
Provenienz: Fischer Fine Art, London
Dieter Brusberg Kunsthandel, Berlin
Ink, gouache and pencil on paper, mounted on paper
Monogrammed top left JH
Studio stamp on the front and reverse: ATELIER OB. BAUR. PROF.
ARCH. DR. h. c. JOSEF HOFFMANN
30 x 42 cm
Provenance: Fischer Fine Art, London
Dieter Brusberg Kunsthandel, Berlin
62
Gouache und Bleistift auf Papier, kaschiert auf Papier
Rechts unten monogrammiert JH
Rückseitig Atelierstempel: PROF. HOFFMANN WIEN III.
SALESIANERGASSE 33
41,6 x 29,8 cm
Provenienz: Fischer Fine Art, London
Dieter Brusberg Kunsthandel, Berlin
Gouache and pencil on paper, mounted on paper
Monogrammed bottom right JH
Studio stamp on the reverse: PROF. HOFFMANN WIEN III.
SALESIANERGASSE 33
41.6 x 29.8 cm
Provenance: Fischer Fine Art, London
Dieter Brusberg Kunsthandel, Berlin
Josef Hoffmann
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
Umkreis Circle
31 Satztische, Entwurf um 1906
Ausführung Jacob & Josef Kohn, Wien, No 986
Buche, schwarz gebeizt und politiert
H 74,3 cm, B 60 cm, T 42 cm (größter Tisch)
Lit.: vgl. Verkaufskatalog Jacob & Josef Kohn 1916, Reprint München 1980, Abb. S. 79, No 986
vgl. Ausstellungskatalog „Gebogenes Holz. Konstruktive Entwürfe 1840-1910“, Künstlerhaus, Wien 1979,
Abb. Nr. 82
vgl. Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn, Mailand 2008,
Abb. S. 181
31 Nesting Tables, design around 1906
Manufactured by Jacob & Josef Kohn, Vienna, no 986
Beech, stained black and polished
H 74.3 cm, W 60 cm, D 42 cm (largest table)
Lit.: cf Sales catalogue Jacob & Josef Kohn 1916, reprint Munich 1980, ill. p. 79, no 986
cf Exhibition catalogue “Gebogenes Holz. Konstruktive Entwürfe 1840-1910”, Künstlerhaus, Vienna 1979,
ill. no 82
cf Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn, Milan 2008, ill. p. 181
32 Zwei Sessel mit alter, gewebter Borte
Hartholz, vermutlich Kirsche, schwarz gebeizt und politiert,
neue Ledertapezierung
H 98 cm, SH 47 cm, B 49 cm, T 50 cm
32 Two Chairs with Old Woven Border
Hardwood, probably cherrywood, stained black and polished,
new leather upholstery
H 98 cm, SH 47 cm, W 49 cm, D 50 cm
Josef Hoffmann
Josef Hoffmann
zugeschrieben attributed
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
33 Zwei Fauteuils, Entwurf um 1910
Ausführung Jacob & Josef Kohn, Wien, No 428/F
Buche, schwarz gebeizt und politiert, neue Ledertapezierung
H 78,5 cm, SH 44 cm, B ca. 63 cm, T ca. 62 cm
Lit.: vgl. Verkaufskatalog Jacob & Josef Kohn 1916, Reprint München 1980, Abb. S. 54, No 428/F
vgl. Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn,
Mailand 2008, Abb. S. 256
66
33 Two Armchairs, design around 1910
Manufactured by Jacob & Josef Kohn, Vienna, no 428/F
Beech, stained black and polished, new leather upholstery
H 78.5 cm, SH 44 cm, W app. 63 cm, D app. 62 cm
Lit.: cf Sales catalogue Jacob & Josef Kohn 1916, reprint Munich 1980, ill. p. 54, no 428/F
cf Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn,
Milan 2008, ill. p. 256
34 Tisch, Entwurf um 1910
34 Table, design around 1910
Lit.: vgl. Kunst und Kunsthandwerk 1910, S. 669
vgl. Verkaufskatalog Jacob & Josef Kohn 1916, Reprint München 1980, Abb. S. 72, No 428/T
Lit.: cf Kunst und Kunsthandwerk 1910, p. 669
cf Sales catalogue Jacob & Josef Kohn 1916, reprint Munich 1980, ill. p. 72, no 428/T
Ausführung Jacob & Josef Kohn, Wien, No 428/T
Buche, schwarz gebeizt und politiert, Glasplatte, darunter Leder
Reste eines alten Klebeetiketts Jacob & Josef Kohn
H 70 cm, D 61 cm
Manufactured by Jacob & Josef Kohn, Vienna, no 428/T
Beech, stained black and polished, glass table top with leather below
Rest of an old adhesive label Jacob & Josef Kohn
H 70 cm, D 61 cm
67
produzierte Druckstoffe und von der Wiener Werkstätte hergestellte
Beschlagteile wie Kleiderhaken und Türschnallen. Dieses Türschnallenmodell zeichnete Hoffmann um 1905 speziell für kleinere Zimmertüren
– wie sie die von Ofner für das Haus Schießl entworfenen darstellen.
Dazu zählen Türen im Haus Ing. Alexander Brauner auf der Hohen
Warte (1905-06), in der Villa Prof. Pickler in Budapest (1909)
sowie in seinem Elternhaus in Pirnitz/Brtnice (1911). Hoffmanns
Entwurf besticht durch ein raffiniertes gegenseitiges Ausspielen von
gerundeten und geradlinigen, weichen und harten Formen – wie
sie zum Beispiel auch für das so genannte runde Essbesteckmodell
für das Cabaret Fledermaus (1907) typisch sind. Hoffmann rundete
die Kanten der rechteckigen Beschlagplatte ab. Er verwendete kein
Oval, sondern eine Mandorlaform für die Schlüssellochabdeckung
und ließ noch dazu deren gewölbte Oberfläche in der Mitte in einem
geraden, senkrechten Steg zusammenlaufen. Die einzelnen Elemente
des Türdrückers wurden nicht, wie meist üblich, miteinander zu einem
L verschmolzen, sondern bestehen aus zwei einzelnen, senkrecht
aufeinander stehenden Elementen. Diese harte, klare Konstruktion
wurde jedoch wiederum durch den ovalen Querschnitt der beiden
Konstruktionselemente gemildert. So schuf Hoffmann einen klaren
und spannenden, in seiner Ambiguität konsequent durchgehaltenen
Entwurf. Christian Witt-Dörring
35 Four Pairs of Door Handles, design around 1905
Brass and iron respectively, renickel-plated
4 original pairs of door handles with handle-plates
Handle-plate app. 24 x 4 cm
Door handle L 11 cm
Provenance: Villa Schießl by Hans Ofner, St. Pölten
Such door handles can also be found in the house of Hoffmann’s birth
in Pirnitz that is a Josef Hoffmann museum today.
Lit.: cf WW-Archives, MAK Vienna, Photo-Archives WWF 102-116-1 and WWF 104-232-1
cf Eduard F. Sekler, Josef Hoffmann. Das architektonische Werk, Salzburg and Vienna 1982, ill. p. 102,
no 121 (home of Alexander Brauner, Hohe Warte, Vienna)
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
35 Vier Paar Türschnallen, Entwurf um 1905
Messing bzw. Eisen, neu vernickelt
4 Paar originale Türschnallen mit Türblättern
Türblatt ca. 24 x 4 cm
Türgriff L 11 cm
Provenienz: aus der von Hans Ofner gestalteten Villa Schießl
in St. Pölten
Solche Türschnallen befinden sich auch in Hoffmanns Geburtshaus
in Pirnitz, das heute ein Josef Hoffmann-Museum ist.
Lit.: vgl. WW-Archiv, MAK Wien, Fotoarchiv WWF 102-116-1 und WWF 104-232-1
vgl. Eduard F. Sekler, Josef Hoffmann. Das architektonische Werk, Salzburg und Wien 1982,
S. 102, WV 121 (Wohnhaus Alexander Brauner, Hohe Warte, Wien)
Für die Realisierung des Umbaus des Hauses Schießl als Gesamtkunstwerk bediente sich Hans Ofner einzelner von seinem Lehrer Josef
Hoffmann entworfener und bereits in Produktion befindlicher
Ausstattungsstücke. Dazu gehören unter anderen von J. Backhausen
68
During the reconstruction of the Villa Schießl along the lines of a
“gesamtkunstwerk”, Hans Ofner made use of individual accessories
that had been designed by his teacher Josef Hoffmann and which
were being produced at the time. These included printed fabrics
made by J. Backhausen and such fittings as coat hooks and door
handles manufactured by the Wiener Werkstätte. Hoffmann had
designed this model of a door handle around 1905. It was intended
especially for smaller doors, such as those Ofner was planning for
the Villa Schießl. Hoffmann had used this door handle for the house
of Alexander Brauner on Hohe Warte (1905-06), the Villa Prof
Pickler in Budapest (1909), and Hoffmann’s parental home in Pirnitz
(Brtnice) (1911). Hoffmann’s design stands out for its refined interplay
between rounded and straight – soft and angular – forms, which are
also typical of his set of cutlery for the Cabaret Fledermaus (1907),
generally known as the “Round Model”. Hoffmann rounded off the
edges of the rectangular handle plate. Instead of an oval, he used an
almond-shaped form for the keyhole cover and had its domed surface
converge at centre in a straight, vertical ridge. The individual elements
of the handle as such do not, as usual, fuse to form an L, but consist
of two separate parts meeting at a right angel. This clear, angular
construction, on the other hand, is softened by the oval cross-section
of the two construction elements. In this way, Hoffmann created a
clear and suspenseful design that is entirely consistent in its ambiguity.
Christian Witt-Dörring
Hans Ofner
St. Pölten 1880 - 1939 Salzburg
Hans Ofner wurde 1880 in St. Pölten geboren. Ofner,
der bei Josef Hoffmann studiert hatte, zeigte bereits
1905 mit großem Erfolg kunstgewerbliche Objekte in
den St. Pöltner Stadtsälen. 1908 und 1909 stellte er auf
der Wiener Kunstschau aus. In dieser künstlerischen
Schaffensperiode entstanden seine wichtigsten Werke.
Im Jahre 1911 schuf Ofner in St. Pölten zwei komplette
Villeneinrichtungen. Die Kunstkritik der damaligen Zeit
würdigte seine Leistungen mit anerkennenden Worten.
Hans Ofner starb 1939 in Salzburg.
Hans Ofner was born in St. Pölten in 1880. Ofner, who had
studied under Josef Hoffmann, successfully presented
decorative art objects at the St. Pölten Stadtsäle as early
as 1905. In 1908 and 1909 he exhibited at the Vienna
Kunstschau. His most important works created during his
career as an artist date from this period. In 1911, Ofner was in
charge of the complete interior decoration of two villas in
St. Pölten. Contemporary art critics honoured his
achievements with ample praise. Hans Ofner died in
Salzburg in 1939.
Hans Ofner und
Josef Hoffmann
36 Zwei Türen mit originalen Türschnallen
aus der Villa Schießl, um 1911
2 Türen (Entwurf Hans Ofner): Weichholz,
weiß lackiert, Glas
2 Paar Türschnallen mit -blättern
(Entwurf Josef Hoffmann): Messing bzw. Eisen,
neu vernickelt
4 Paar Türschnallen mit -blättern separat erhältlich
Tür Glas halb: H 210 cm, B 97 cm, T 4 cm
Tür Glas voll: H 194 cm, B 88 cm, T 4 cm
Türblatt ca. 24 x 4 cm, Türgriff L 11 cm
Provenienz: aus der von Hans Ofner gestalteten
Villa Schießl in St. Pölten
Solche Türschnallen befinden sich auch in Hoffmanns
Geburtshaus in Pirnitz, das heute ein Josef HoffmannMuseum ist.
Oberfläche der Türen fachgerecht restauriert,
Türschnallen mit altersbedingten Gebrauchsspuren
Lit.: vgl. WW-Archiv, MAK Wien, Fotoarchiv WWF 102-116-1 und WWF 104-232-1
vgl. Deutsche Kunst und Dekoration, Bd. XXVIII, Darmstadt 1911, S. 197 und S. 202
(Villa Schießl)
vgl. Eduard F. Sekler, Josef Hoffmann. Das architektonische Werk, Salzburg und
Wien 1982, Abb. S. 102, WV 121 (Schnallen: Wohnhaus Alexander Brauner,
Hohe Warte, Wien)
1911 publizierte eine der damals anerkanntesten Kunstzeitschriften, die in Darmstadt erscheinende „Deutsche
Kunst und Dekoration“, einen Artikel zu dem kurz zuvor
von Hans Ofner (1880-1939) fertig gestellten Bau des
Hauses Schießl in St. Pölten. Der Rezensent hob dabei
die bemerkenswerte und gelungene Leistung Ofners,
ein ehemaliges Fabrikgebäude für Wohnzwecke
adaptiert zu haben, hervor. Hans Ofner legte diesem
Umbau die gestalterische Idee des Gesamtkunstwerks
69
zu Grunde. Als Schüler Josef Hoffmanns an der Wiener Kunstgewerbeschule in den Jahren 1903 bis 1907 hatte er sich mit ihr
vertraut gemacht. Dabei wurden sämtliche Details der Architektur
und Inneneinrichtung einer einheitlichen künstlerischen Gestaltung
unterworfen.
Dazu gehörte auch diese für sämtliche Räume des Hauses
entworfene Zimmertür. Sie übernahm die von Josef Hoffmann
in Rückbesinnung auf das Biedermeier entwickelten einfachen
geometrischen Formen. Ein Merkmal dieses auf heimischen
Traditionen fußenden Entwurfsprozesses war, wie bei dieser Tür,
die Erzeugung einer perfekten Harmonie zwischen Funktions- und
Gefühlswerten. Geometrische Abstraktion und wohnliche Wärme
fanden perfekt zueinander. Christian Witt-Dörring
36 Two Doors and Two Pairs of Original Door Handles
from Villa Schießl, around 1911
Hans Ofner und Josef Hoffmann, Vorraum der Villa Schießl, St. Pölten
Foto aus: Deutsche Kunst und Dekoration, Bd. XXVIII, Darmstadt 1911, S. 197
2 doors (design Hans Ofner): softwood, white lacquer, glass
2 pairs of door handles with handle-plates (design Josef Hoffmann):
brass and iron respectively, renickel-plated
4 pairs of door handles with handle-plates available separately
Door glass half: H 210 cm, W 97 cm, D 4 cm
Door glass full: H 194 cm, W 88 cm, D 4 cm
Handle-plate app. 24 x 4 cm
Door handle L 11 cm
Provenance: Villa Schießl by Hans Ofner, St. Pölten
Such door handles can also be found in the house of Hoffmann’s birth
in Pirnitz that is a Josef Hoffmann museum today.
The surface of the doors has been professionally restored. The door
handles show age-related traces of usage.
Lit.: cf WW-Archives, MAK Vienna, Photo-Archives WWF 102-116-1 and WWF 104-232-1
cf Deutsche Kunst und Dekoration, vol. XXVIII, Darmstadt 1911, p. 197 and p. 202 (Villa Schießl)
cf Eduard F. Sekler, Josef Hoffmann. Das architektonische Werk, Salzburg and Vienna 1982, ill. p. 102,
WV 121 (door handles: home of Alexander Brauner, Hohe Warte, Vienna)
In 1911, the Darmstadt-based periodical Deutsche Kunst und Dekoration,
then one of the most recognised art magazines, published an article
on the Villa Schießl in St. Pölten when it had only recently been
completed by Hans Ofner (1880-1939). The reviewer emphasised
Ofner’s remarkable and accomplished achievement of adapting a former
factory as a residential building. Hans Ofner based the general idea for
his reconstruction on the concept of a “gesamtkunstwerk” or “total work
of art”. As Ofner had been a student of Josef Hoffmann at the Vienna
School of Applied Arts between 1903 and 1907, it was only natural that
he would have familiarised himself with this idea, according to which
all architectural and decorative details needed to be subordinated to a
uniform overall design. This also included the doors to all of the rooms
in the building, for which Ofner resorted to Josef Hoffmann’s return to
the plain geometric forms originally developed during the Biedermeier
period. One of the principal features of this uniform design concept,
which was actually rooted in domestic traditions, was the creation of a
perfect harmony between functional and emotional values. Geometric
abstraction and cosy warmth ideally blended together, which is also
exemplified by the present door. Christian Witt-Dörring
70
71
Werkbundausstellung als Demonstration der kulturellen und technischen
Leistungsfähigkeit der österreichisch-ungarischen Monarchie gedacht.
[...]
[Josef] Hoffmann, der zum Chefarchitekten ernannt wurde, konnte
sich als erfahrener Praktiker auf bewährte Mitarbeiter aus seinem
Büro und auf seit langem erprobte Firmen wie die Tischlerei J. Soulek
ebenso verlassen wie auf seine Freunde aus dem Professorenkreis der
Kunstgewerbeschule. [...]
[E]in Raum [...] präsentierte die Exponate der Firma „Christoph Reissers
Söhne“. Ihr Besitzer, Christoph Reisser, war als Präsident des Verbandes
der Buchdruckereibesitzer vom Ministerium zum Präsidenten der
Großen Ausstellungskommission und damit zum Hauptverantwortlichen
für die Durchführung der Ausstellung bestellt worden. In seiner
Druckerei wurden viele Bücher des Schrollverlags gedruckt und Werke
der Buchkunst hergestellt, die heute Sammlerstücke sind. [...]
Die Möbelstücke selbst bestechen durch ihre trotz aller Einfachheit
große Eleganz. Sie entstanden in einer glücklichen Periode von
Hoffmanns Schaffen, in der sein Atelier gleichzeitig mit mehreren
Großprojekten beschäftigt war. Daher ist es nicht überraschend, dass die
Ausstellungseinrichtung sowohl typologisch wie in der formalen Haltung
und Detaillierung gewisse Ähnlichkeiten mit anderen Einrichtungen
Hoffmanns aufweist. So finden sich etwa im Raum der Poldihütte
in der Kölner Werkbundausstellung an den Schaukästen ähnliche
Kannelierungen wie an mehreren Möbelstücken in Reissers Raum [...].
Eduard F. Sekler
37 Map cabinet, 1914
Josef Hoffmann, Österreichisches Haus auf der BUGRA Leipzig 1914
Foto aus: Jubiläums-Festschrift „100+1 Jahr Kunst und Druck. Verlag Anton Schroll & Co, Agens-Werk
Geyer + Reisser, Verlag Georg Fromme & Co“, Wien 1985, Abb. [o.S.]
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
37 Planschrank, 1914
Teil der Messeeinrichtung für die BUGRA Leipzig 1914
Unikat
Ausführung Jakob Soulek, Wien
Eiche, massiv und furniert
H 99,5 cm, B 148,5 cm, T 109 cm
Stauraum zweigeteilt mit je 10 Laden, Deckel aufklappbar
Laden groß 100 x 82 cm, Laden klein 100 x 57 cm
Deckelfach innen: 100 x 139 cm
Provenienz: Agens-Werk Geyer + Reisser, Wien
Lit.: vgl. Jubiläums-Festschrift „100+1 Jahr Kunst und Druck. Verlag Anton Schroll & Co, Agens-Werk
Geyer + Reisser, Verlag Georg Fromme & Co“, Wien 1985, Abb. [o. S.]
Die BUGRA Möbel [unter ihnen der Planschrank von der Internationalen Ausstellung für Buchgewerbe und Graphik Leipzig 1914]
verdanken ihren Wert nicht nur der künstlerischen Qualität, die ihnen
ihr Schöpfer Josef Hoffmann gab, sondern auch der Tatsache, dass sie
ein wirtschafts- und kulturhistorisches Dokument von hervorragender
Bedeutung sind. Denn das österreichische Haus auf der BUGRA in
der deutschen Büchermetropole Leipzig war genauso wie das ungefähr
gleichzeitig in Köln errichtete österreichische Haus auf der deutschen
72
Part of the fair furnishings for BUGRA Leipzig 1914
Unique piece
Manufactured by Jakob Soulek, Vienna
Oak, solid and veneered
H 99.5 cm, W 148.5 cm, D 109 cm
Storage space split in two with ten drawers on each side,
top cover can be opened
Big drawers 100 x 82 cm, small drawers 100 x 57 cm
Cover compartment inside: 100 x 139 cm
Provenance: Agens-Werk Geyer + Reisser, Vienna
Lit.: cf Commemorative publication “100+1 Jahr Kunst und Druck. Verlag Anton Schroll & Co,
Agens-Werk Geyer + Reisser, Verlag Georg Fromme & Co”, Vienna 1985, ill. [n.p.]
The BUGRA furniture [amongst it the map cabinet from the International Exhibition for Book Trade and Graphics Leipzig 1914] owes
its value not only to the artistic quality its creator, Josef Hoffmann,
gave it, but also to the fact that it is a document of economic and
cultural history of outstanding significance. The Austrian House at the
BUGRA in Leipzig, the German book metropolis, just as the roughly
contemporaneous Austrian House at the exhibition of the German
Werkbund in Cologne, was conceived as a demonstration of the capacity
for cultural and technical achievement of the Austro-Hungarian
Monarchy. [...]
[Josef] Hoffmann was appointed chief architect of the exhibition.
He, an experienced practitioner, could rely on trusted members of
his studio and firms proven over many years, as in the case of the
cabinetmaker J. Soulek. Hoffmann also turned for assistance to his
friends from the circle of professors at the School of Applied Arts. [...]
[One] room [...] [presented] exhibits from the firm of “Christoph Reissers
Söhne”. Its owner, Christoph Reisser, as president of the alliance of
printing house owners, had been appointed president of the Great
Exhibition Commission by the Ministry, which meant he was the person
chiefly responsible for the realization of the exhibition. In his printing
house, he produced artistic publications that today are collectors’ items
73
and many books published by the respected firm of Anton Schroll. [...]
The pieces of furniture by themselves despite all their simplicity
seduce by their great elegance. They originated in a happy period of
Hoffmann’s activity when his studio was busy with several large projects
at the same time. Accordingly, it is not surprising that typologically as
well as in the formal stance and in detailing, the exhibition furniture
manifests certain similarities to Hoffmann’s furniture elsewhere. Thus, in
the room for the Poldihütte at the Cologne Werkbund exhibition, there
are showcases with dark wooden pedestals that have fluting similar to
what occurs on several pieces in Reisser’s room [...]. Eduard F. Sekler
74
Josef Hoffmann
zugeschrieben attributed
39 Buffet, um 1915
Ausführung Jakob Soulek, Wien
Eiche, massiv und furniert
H 90 cm, B 185 cm, T 63,5 cm
39 Buffet, around 1915
Manufactured by Jakob Soulek, Vienna
Oak, solid and veneered
H 90 cm, W 185 cm, D 63.5 cm
Josef Hoffmann
zugeschrieben attributed
38 Kleiner Standspiegel, um 1935
Ausführung wohl Max Welz, Wien
Linde oder Kirsche, schwarz gebeizt und politiert, Glas,
rückseitig klappbarer Standfuß
H 26 cm, B 25,3 cm, T 3,5 cm
Lit.: vgl. Ausstellungskatalog „Josef Hoffmann - Ornament zwischen Hoffnung und Verbrechen“,
Österreichisches Museum und Hochschule für angewandte Kunst, Wien 1987, Abb. S. 42
38 Small Cheval Mirror, around 1935
Manufactured probably by Max Welz, Vienna
Limewood or cherrywood, stained black and polished,
glass, folding stand on the reverse
H 26 cm, W 25.3 cm, D 3.5 cm
Lit.: cf Exhibition catalogue “Josef Hoffmann – Ornament zwischen Hoffnung und Verbrechen”,
Austrian Museum and University of Applied Arts, Vienna 1987, ill. p. 42
76
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
Wohnung Baron Dietrich Moldauer, Wien
Foto aus: Privatalbum für die Familie Moldauer, im Auftrag von Josef Hoffmann angefertigt
78
40 Zwei Wandlampen, um 1916
40 Two Wall Lamps, around 1916
Lit.: vgl. Eduard F. Sekler, Josef Hoffmann. Das architektonische Werk, Salzburg und Wien 1986,
Abb. S. 476, WV 502ff.
Lit.: cf Eduard F. Sekler, Josef Hoffmann. Das architektonische Werk, Salzburg and Vienna 1986,
ill. p. 476, WV 502ff
Buche, weiß lackiert, neuer Seidenbezug, neu elektrifiziert
H ca. 38 cm, D 22,5 cm
Diese Wandlampen wurden für die Wohnung Baron Dietrich
Moldauer am Opernring 19, 1010 Wien, hergestellt. Eine fotografische
Dokumentation der Wohnung ist erhalten.
Beech, white lacquer, new silkshades, newly electrified
H app. 38 cm, D 22.5 cm
These wall lamps were manufactured for the apartment of Baron
Dietrich Moldauer in 1010 Vienna, Opernring 19. A photographic
documentation of the apartment has been preserved.
79
Karl Bräuer, Speisezimmer der Wohnung Chat-Helbig, Wien
Foto aus: Das Interieur XIV, Wien 1913, Abb. [o.S.]
Karl Bräuer
Wien 1881 - 1972 Grimmenstein
Karl Bräuer wurde 1881 in Wien geboren. Er besuchte von 1894 bis
1904 die Wiener Kunstgewerbeschule, in der er ab 1913 angestellt
war. Bis 1920 arbeitete Bräuer in der Wiener Werkstätte im Atelier
von Josef Hoffmann, wo er in den Bereichen Gartenkunst, Stoffe und
Schmuck tätig war. Die Teilnahme Bräuers an der Jubiläums-MöbelAusstellung und an der Kunstschau erhöhte seinen Bekanntheitsgrad.
Karl Bräuer verstarb 1972 in Grimmenstein in Niederösterreich.
41 Ausziehbarer Esstisch, Entwurf 1912
Karl Bräuer was born in Vienna in 1881. He attended the Vienna
School of Applied Arts from 1894 to 1904 and worked as an employee
there from 1913 onwards. Until 1920 Bräuer was a member of Josef
Hoffmann’s studio at the Wiener Werkstätte, where he was entrusted
with garden, textile, and jewellery design. Bräuer’s participation in the
Jubilee Furniture Exhibition and in the Kunstschau contributed to his
popularity. Karl Bräuer died in Grimmenstein in Lower Austria in 1972.
for the dining room of the Chat-Helbig family, Vienna
Manufactured by Wenzel Hollmann, Vienna
Oak, stained black and polished
H 78 cm, L 134.5 cm, L extended 323 cm, W 105.5 cm
80
für das Speisezimmer der Familie Chat-Helbig, Wien
Ausführung Wenzel Hollmann, Wien
Eiche, schwarz gebeizt und politiert
H 78 cm, L 134,5 cm bzw. L 323 cm (ausgezogen), B 105,5 cm
Lit.: vgl. Das Interieur XIV, Wien 1913, Abb. [o.S.]
41 Extendable Dining Table, design 1912
Lit.: cf Das Interieur XIV, Vienna 1913, ill. [n.p.]
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
42 Sechs Sessel, um 1908
Buche, schwarz gebeizt und politiert, neue Ledertapezierung
H 89,5 cm, SH 46 cm, B 45 cm, T 45 cm
Provenienz: Nachlass Herta Jäger (ehem. Mautner-Markhof)
und Gustav Jäger; die Sessel stammen ursprünglich aus der elterlichen
Villa Hertas in der Landstraßer Hauptstraße 138, 1030 Wien
Lit.: vgl. Ausstellungskatalog „Möbel des Jugendstils. Sammlung des Österreichischen Museums für
angewandte Kunst in Wien“, München 1981, Abb. S. 163, Nr. 114
Ab 1902 realisierte Josef Hoffmann verschiedene Inneneinrichtungsprojekte für das Wohnhaus der Familie Mautner von Markhof in
Wien 3., Landstraßer Hauptstraße 138, darunter auch für die
Schwiegermutter Koloman Mosers, Editha Mautner von Markhof
geb. Baronin Sunstenau von Schützenthal. Aus ihrem ehemaligen
Besitz stammen diese sechs Sessel. Sie entsprechen einem von
Hoffmann in immer wieder abgewandelten Varianten entworfenen
Sesseltyp, der ausschließlich aus Kantholzleisten zusammengesetzt
ist. Obwohl der Sessel auf den ersten Blick den Eindruck äußerster
formaler Reduktion und Beschränkung auf das Allernotwendigste
vermittelt, erschließen sich beim näheren Betrachten eine Reihe
subtiler Details. Diese nicht in den Vordergrund treten zu lassen,
sondern sie einem ruhigen Ganzen unterzuordnen, ist Hoffmanns
Talent als Entwerfer zuzuschreiben. Eine einfache Rahmenstruktur
und der rechte Winkel scheinen dem Sesselentwurf zu Grunde
zu liegen. Letzterer kam jedoch nur beim Umriss der Rückenlehne
und der Verbindung zwischen den Vorderbeinen und der Zarge
beziehungsweise den Kufen zum Einsatz. In Wahrheit ist die
Dimensionierung der einzelnen Rahmen- und Konstruktionselemente
unterschiedlich. Indem Hoffmann eine trapezförmige Sitzfläche
verwendete und die Beine bündig an deren Ecken angesetzt sind,
hatte dies notgedrungen einen rhomboiden Querschnitt der Beine
zur Folge. Für einen größeren Sitzkomfort sorgt die etwas nach
hinten abgeschrägte Rückenlehne. Ihre seitlichen Rahmenelemente
verlaufen in der Fortsetzung der Hinterbeine. Da diese jedoch
parallel zu den Vorderbeinen stehen, erzeugte Hoffmann die
Schräge der Rückenlehne durch einen fast unmerklichen Knick, der
die Geradlinigkeit des Gesamtentwurfs nicht untergräbt. Hinterund Vorderbeine sind seitlich und hinten durch Stege, die als Kufen
ausgeformt sind, miteinander verbunden. Dadurch erhielt die so
dünn wie möglich gehaltene Rahmenstruktur des Sessels eine visuelle
Standfestigkeit, ohne den Eindruck von Schwere zu vermitteln. Der
Sessel wirkt auf diese Weise geerdet und gleichzeitig raumdurchlässig
und modern. Christian Witt-Dörring
42 Six Chairs, around 1908
Beech, stained black and polished, new leather upholstery
H 89.5 cm, SH 46 cm, W 45 cm, D 45 cm
Provenance: estate of Herta Jäger (formerly Mautner-Markhof) and
Gustav Jäger; the chairs originally come from the mansion of Herta’s
parents at Landstraßer Hauptstraße 138, 1030 Vienna
Lit.: cf Exhibition catalogue “Möbel des Jugendstils. Sammlung des Österreichischen Museums für
angewandte Kunst in Wien”, Munich 1981, ill. p. 163, no 114
From 1902 onwards, Josef Hoffmann realised various interiors for
the house of the Mautner von Markhof family at No. 138 Landstraßer
Hauptstraße in Vienna’s 3rd district, including the rooms for Koloman
Moser’s mother-in-law, Editha Mautner von Markhof, née Baroness
Sunstenau von Schützenthal. These six chairs were formerly owned
by her. They correspond with a type of chair designed by Hoffmann
that is exclusively composed of angular wooden laths and which he
varied repeatedly. Although at first sight the chair gives the impression
of an extreme formal reduction and limitation to the most necessary
elements, a number of subtle details reveal themselves upon closer
inspection. That these details have not been pushed to the fore, but
have been subordinated to a quiet equilibrium of the whole is to be
ascribed to Hoffmann’s talent as a designer. The design of the chair
appears to be based on a simple frame and right angles throughout.
The latter, however, can only be observed in the outline of the backrest
and in the joints between the front legs and the seat frame and the
base respectively. In reality, the individual elements of the frame and
construction elements were configured differently. By choosing a
trapezoid seat to which the legs are aligned flush with the corners,
Hoffmann necessarily had to use rhomboid-section legs.
The backrest ensures greater seating comfort, as it is slightly inclined
backwards. The side elements of its frame extend into the back legs.
As these run parallel to the front legs, the slant of the backrest was
achieved by a hardly recognisable bend that does not undermine the
design’s general impression of rectangularity at all. The back and front
legs are joined on the sides and at the rear by laths forming a sledge
base. The base lends visual stability to the frame, which should be as
slender as possible, without suggesting heaviness. In this way the chair
seems rooted in the ground and at the same time makes a spatially
permeable and modern appearance. Christian Witt-Dörring
Koloman Moser
Wien 1868 - 1918 Wien
43 Konvolut Glasservice „Meteor“, 1901
77-teilig
Ausführung Meyr’s Neffe, Adolf, für E. Bakalowits Söhne, Wien
Farbloses Glas, optisch geblasen
Dekor: Kristall Meteor
1 Krug H 19,5 cm, 6 Weingläser H 13,3 cm, 1 Weinglas klein
H 10 cm, 4 Biergläser H 15,2 cm, 6 Limonadengläser
H 13,4 cm, 14 Wassergläser H 10,5 cm, 1 Wasserglas klein
H 9,9 cm, 15 Madeiragläser H 11,4 cm, 12 Sektschalen H 12,4 cm,
2 Cocktailschalen H 13,7 cm, 7 Likörgläser H 7,7 cm,
1 Dessertschüssel H 5 cm, D 21 cm, 7 Dessertschalen H 2,8 cm,
D 12,3 cm
Lit.: vgl. Ausstellungskatalog „Koloman Moser. Designing Modern Vienna, 1897-1907“,
Neue Galerie, New York 2013, Abb. S. 276f., Nr. 30ff.
43 Convolute Glass Service “Meteor”, 1901
77 parts
Manufactured by Meyr’s Neffe, Adolf, for E. Bakalowits Söhne, Vienna
Colourless glass, mold-blown
Decor: Kristall Meteor
1 jar H 19.5 cm, 6 wine glasses H 13.3 cm, 1 wine glass small
H 10 cm, 4 beer glasses H 15.2 cm, 6 lemonade glasses
H 13.4 cm, 14 water glasses H 10.5 cm, 1 water glass small
H 9.9 cm, 15 Madeira glasses H 11.4 cm, 12 champagne glasses
H 12.4 cm, 2 cocktail glasses H 13.7 cm, 7 liqueur glasses
H 7.7 cm, 1 dessert bowl H 5 cm, D 21 cm, 7 dessert cups
H 2.8 cm, D 12.3 cm
Lit.: cf Exhibition catalogue “Koloman Moser. Designing Modern Vienna, 1897-1907”,
Neue Galerie, New York 2013, ill. p. 276f, no 30ff
Abbildung aus dem Verkaufskatalog von E. Bakalowits Söhne, 1901-02
Foto aus: Ausstellungskatalog „Koloman Moser. Designing Modern Vienna“,
Neue Galerie, New York 2013, S. 227
86
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
44 16-teiliges Fischbesteck „Rundes Modell“, Entwurf um 1906
Ausführung Wiener Werkstätte, Modellnummern M 856 (Messer) und M 857 (Gabel)
Alpaka, versilbert
Marken: WW, Rosensignet, Monogramm JH
L ca. 19 cm
Lit.: vgl. Waltraud Neuwirth, Josef Hoffmann. Bestecke für die Wiener Werkstätte, Wien 1982, Abb. S. 89, Nr. 86
44 16 Piece Fish Cutlery “Round Model”, design around 1906
Manufactured by the Wiener Werkstätte, model numbers M 856 (knife) and M 857 (fork)
Alpaca, silver-plated
Marks: WW, rose signet, monogram JH
L app. 19 cm
Lit.: cf Waltraud Neuwirth, Josef Hoffmann. Bestecke für die Wiener Werkstätte, Vienna 1982, ill. p. 89, no 86
88
Entwurfszeichnung KI 12124-22
WW-Archiv, MAK Wien © MAK
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
45 Zwei seltene Vasen, 1905
45 Two Rare Vases, 1905
Lit.: WW-Archiv, MAK Wien, Fotoarchiv WWF 93-25-5, Entwurfszeichnung KI 12124-22,
Modellnummer S 0576
Lit.: WW-Archives, MAK Vienna, Photo-Archives WWF 93-25-5, design sketch KI 12124-22,
model number S 0576
Ausführung Wiener Werkstätte, Modellnummer S 0576
Silber, durchbrochen, gestanzter Dekor (Quadratmuster)
Marken (auf beiden Vasen): Monogramm JH, Rosensignet, WW,
Dianakopf, Silberschmiedmonogramm JW (Josef Wagner)
H 21,5 cm, D 13,5 cm
Glaseinsätze ergänzt
90
Manufactured by the Wiener Werkstätte, model number S 0576
Silver, latticed, punched decor (“square pattern”)
Marks (on both vases): monogram JH, rose signet, WW,
head of Diana, silversmith’s monogram JW (Josef Wagner)
H 21.5 cm, D 13.5 cm
Glass inserts have been replaced
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
46 Brotkorb, 1911
Ausführung Wiener Werkstätte, Modellnummer S 2315
Silber, durchbrochen, gestanzter Dekor (Blumenmuster gebuckelt)
Marken: WIENER WERKSTÄTTE, Monogramm JH, Rosensignet,
WW, Dianakopf, Silberschmiedmonogramm AB
H 17,8 cm, B 12,6 cm, T 17,8 cm
Lit.: vgl. WW-Archiv, MAK Wien, Entwurfszeichnung KI 12033-22 (Efeu), Fotoarchiv WWF 95-138-5
46 Bread Basket, 1911
Manufactured by the Wiener Werkstätte, model number S 2315
Silver, latticed, punched decor (“flower pattern”)
Marks: WIENER WERKSTÄTTE, monogram JH, rose signet, WW,
head of Diana, silversmith’s monogram AB
H 17.8 cm, W 12.6 cm, D 17.8 cm
Lit.: cf WW-Archives, MAK Vienna, design sketch KI 12033-22 (ivory), Photo-Archives WWF 95-138-5
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
92
47 Seltene Jardinière, 1909
47 Rare Flower Basket, 1909
Ausführung Wiener Werkstätte, Modellnummer S 1742
Silber, durchbrochen, gestanzter Dekor (Blumenmuster gebuckelt),
innen Reste von Vergoldung
Marken: WIENER WERKSTÄTTE, unbekanntes Silberschmiedmonogramm AW, Rosensignet, Monogramm JH, Dianakopf, WW
H 19 cm, L 28,5 cm, B 9 cm
Originaler Glaseinsatz fachgerecht restauriert
Manufactured by the Wiener Werkstätte, model number S 1742
Silver, latticed, punched decor (“flower pattern”), remnants of gilding
inside
Marks: WIENER WERKSTÄTTE, unknown silversmith‘s
monogram AW, rose signet, monogram JH, head of Diana, WW
H 19 cm, L 28.5 cm, W 9 cm
The original glass insert has been professionally restored.
Lit.: vgl. WW-Archiv, MAK Wien, Entwurfszeichnung KI 11984-13, Fotoarchiv WWF 94-106-7
Lit.: cf WW-Archives, MAK Vienna, design sketch KI 11984-13, Photo-Archives WWF 94-106-7
93
Josef Hoffmann
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
48 Aufsatz, Entwurf vor 1907
Ausführung Wiener Werkstätte, Modellnummer S 0920
Silber, durchbrochen, gestanzter Dekor (Efeumuster gebuckelt)
Marken am Teller: Dianakopf, Monogramm JH, WW, Rosensignet
Marken am Fuß: WW, Dianakopf
Teller 19 x 19 cm, H 14,7 cm
Provenienz: Privatbesitz, direkt in der Wiener Werkstätte erworben,
durchgehend im Eigentum der Familie
Lit.: WW-Archiv, MAK Wien, Entwurfszeichnung KI 12006-16-1, vgl. Fotoarchiv WWF 94-72-3
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
48 Centrepiece, design before 1907
Manufactured by the Wiener Werkstätte, model number S 0920
Silver, latticed, punched decor (“ivy pattern”)
Marks on the plate: head of Diana, monogram JH, WW, rose signet
Marks on the base: WW, head of Diana
Plate 19 x 19 cm, H 14.7 cm
Provenance: Private collection, purchased directly from
the Wiener Werkstätte, since then family-owned
Lit.: WW-Archives, MAK Vienna, design sketch KI 12006-16-1, cf Photo-Archives WWF 94-72-3
49 Körbchen mit Elfenbeingriff, Entwurf um 1909
Ausführung Wiener Werkstätte, Modellnummer S 1882
Silber, durchbrochen, gestanzter Dekor (Blumenmuster gebuckelt),
Elfenbein
Marken: WIENER WERKSTÄTTE, WW, Rosensignet,
Monogramm JH, Silberschmiedmonogramm KT, Dianakopf
H 15,7 cm, B 24,5 cm, T 14,4 cm
Lit.: WW-Archiv, MAK Wien, Entwurfszeichnung KI 12033-26
49 Basket with Ivory Handle, design around 1909
Manufactured by the Wiener Werkstätte, model number S 1882
Silver, latticed, punched decor (“flower pattern”), ivory
Marks: WIENER WERKSTÄTTE, WW, rose signet, monogram JH,
silversmith’s monogram KT, head of Diana
H 15.7 cm, W 24.5 cm, D 14.4 cm
Lit.: WW-Archives, MAK Vienna, design sketch KI 12033-26
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
51 Aufsatz, Entwurf 1924-25, Ausführung 1925-31
Ausführung Wiener Werkstätte, Modellnummer M shas 17
Alpaka, teilweise getrieben, versilbert, Hammerschlagdekor
Marken: Monogramm JH, WIENER WERKSTÄTTE,
MADE IN AUSTRIA
H 19,7 cm
Dieser Aufsatz wurde üblicherweise in Messing ausgeführt, die
Ausführung in Alpaka ist weitaus seltener. Es sind nur 20 Stück in
Alpaka im MAK-Archiv verzeichnet.
Lit.: WW-Archiv, MAK Wien, Entwurfszeichnung KI 12059-9, vgl. Fotoarchiv WWF 114-6-2
vgl. Verkaufskatalog der Wiener Werkstätte, Wien 1928, Abb. S. 405, Nr. M sh 17
vgl. Waltraud Neuwirth, Wiener Werkstätte – Avantgarde, Art Déco, Industrial Design, Wien 1984,
Abb. S. 191, Nr. 150
vgl. Ausstellungskatalog „Der Preis der Schönheit. 100 Jahre Wiener Werkstätte“, MAK, Wien 2003,
Abb. S. 346, Nr. M 306
Josef Hoffmann
Pirnitz 1870 - 1956 Wien
50 Flaschenverschluss um 1920
Ausführung Wiener Werkstätte
Alpaka, versilbert
Marken: WW, Monogramm JH, MADE IN AUSTRIA
H 6,7 cm
50 Bottle Stopper, around 1920
Manufactured by the Wiener Werkstätte
Alpaca, silver-plated
Marks: WW, monogram JH, MADE IN AUSTRIA
H 6.7 cm
Dieser pokalartige Aufsatz mit hobelspanartigen Henkeln war ein
äußerst beliebtes Modell, das in der Zeit von 1925 bis 1931 in Messing
in einer Gesamtstückzahl von 229 erzeugt wurde. Laut Karteikarte
im Wiener Werkstätte-Archiv wurden Fuß und Schale des Aufsatzes
gedrückt und nachgetrieben, die Henkel handgearbeitet. Es gibt
Varianten des Aufsatzes: 1929 wurden vier Stück mit der Modellnummer
S sh 50 in Silber erzeugt, im MAK-Archiv wurden 20 Stück in
Alpaka verzeichnet. Die Kombination von geometrischer, ein- und
ausschwingender Form mit verspielten, ausladenden Griffen ist ein
gutes Beispiel für einige Entwürfe Hoffmanns der 1920er-Jahre, die
mit ihrer Unverwechselbarkeit an die Frühzeit der Wiener Werkstätte
anschließen. Die Klarheit der Linienführung ist hier besonders
ausgeprägt. Elisabeth Schmuttermeier
51 Centrepiece, design 1924-25, manufactured 1925-31
Manufactured by the Wiener Werkstätte, model number M shas 17
Alpaca, partly chased, silver-plated, hammered decor
Marks: monogram JH, WIENER WERKSTÄTTE,
MADE IN AUSTRIA
H 19.7 cm
This centrepiece was usually manufactured in brass, in contrast, the
alpaca version was made much more rarely. Only 20 pieces in alpaca
have been registered in the MAK-Archives.
Lit.: WW-Archives, MAK Vienna, design sketch KI 12059-9, cf Photo-Archives WWF 114-6-2
cf Sales catalogue of the Wiener Werkstätte, Vienna 1928, ill. p. 405, no M sh 17
cf Waltraud Neuwirth, Wiener Werkstätte – Avantgarde, Art Déco, Industrial Design,
Vienna 1984, ill. p. 191, no 150
cf Exhibition catalogue “Der Preis der Schönheit. 100 Jahre Wiener Werkstätte”,
MAK, Vienna 2003, ill. p. 346, no M 306
This chalice-like centrepiece with saw chip-like handles was an extremely
popular model, 229 of which were manufactured in brass between 1925
and 1931. According to the catalogue cards of the Wiener WerkstätteArchives, the foot and shell of the centrepiece were pressed and
shaped, while the handles were handmade. There are variations of
the centrepiece: In 1929 four items were made in silver (model
number S sh 50), only 20 pieces in alpaca have been registered in
the MAK-Archives. The combination of geometrical, concave and
convex forms with playfully exaggerated handles is a good example
for some of Hoffmann’s designs in the 1920s, which in their
distinctiveness follow on the early period of the Wiener Werkstätte.
The clarity of the form is particularly noticeable here.
Elisabeth Schmuttermeier
Entwurfszeichnung KI 12059-9 WW-Archiv, MAK Wien
96
© MAK
97
St. Michael im Lungau 1887 - 1923 Mödling
Dagobert Peche wurde 1887 in St. Michael im Lungau geboren.
Er begann sein Studium an der Technischen Hochschule in Wien,
wechselte jedoch bald auf die Akademie der bildenden Künste in
die Bauschule von Friedrich Ohmann, die er bis 1911 besuchte. Josef
Hoffmann holte Peche 1915 als Entwerfer in die Wiener Werkstätte, wo
er noch im selben Jahr die Möglichkeit erhielt, die Modeausstellung
im Österreichischen Museum für Kunst und Industrie (heute MAK)
zu gestalten. Dagobert Peche prägte mit seinen Ideen und deren
Realisierungen die zweite Dekade der Wiener Werkstätte. In seinen
künstlerischen Arbeiten voll Raffinement und Phantasie spielt das
Ornament eine tragende Rolle. Peches extravagantes Design steht
im Gegensatz zu der von Loos propagierten Zweckmäßigkeit. Seine
Kunstobjekte können als bewusste Absage an den Purismus der frühen
Jahre der Wiener Werkstätte verstanden werden. Dagobert Peche
wurde 1917 die Leitung der neu gegründeten Wiener WerkstätteFiliale in Zürich übertragen, und es entstand von 1917 bis 1919
eine Vielzahl aufwändig gestalteter Schmuckstücke in kostbarsten
Materialien und in dem mit Peche stets assoziierten filigranen,
wildwüchsigen Stil. Bevor Dagobert Peche im April 1923 gerade
36-jährig starb, erlebten der Künstler und die Wiener Werkstätte noch
einmal einen glanzvollen Höhepunkt: die Eröffnung der Schauräume
der „Wiener Werkstaette of America“ auf der Fifth Avenue von
Manhattan. Peches künstlerisches Werk war in dem dargebotenen
Interieur besonders präsent: Tapeten, Stoffe, Lampen, Vasen, Schalen
und Ziergegenstände waren eindrucksvoll inszeniert und verfehlten
nicht ihre Wirkung. Dagobert Peche starb 1923 in Mödling bei Wien.
98
Dagobert Peche was born in St. Michael in Lungau in 1887. He began
his studies at the Technische Hochschule (Technical Polytechnic) in
Vienna but soon changed to the Academy of Fine Arts to the building
section of Friedrich Ohmann, which he attended until 1911. Josef
Hoffmann brought him to the Wiener Werkstätte as a designer in
1915, where he was given the opportunity to design the fashion show in
the Austrian Museum of Art and Industry (today’s MAK) in the same
year. Dagobert Peche’s ideas and designs had a major influence on the
Wiener Werkstätte in the latter half of its existence. Sophistication and
fantasy characterize these works in which ornament plays a significant
role. Peche’s extravagant designs stand in stark contrast to the principle
of utility over ornament propagated by Loos. His objets d’art can be
interpreted as a conscious negation of the purism of the early years
of the Wiener Werkstätte. Dagobert Peche was entrusted with the
management of the newly set up Wiener Werkstätte subsidiary in
Zurich in 1917 and in 1917-19 numerous elaborate decorative pieces in
exclusive materials ensued in the filigree, luxuriating style associated
with Peche. Shortly before the artist’s early death at the age of 36 in
April 1923, Dagobert Peche and the Wiener Werkstätte enjoyed once
more a spectacular high point: the inauguration of the show rooms of
the “Wiener Werkstaette of America” on Fifth Avenue in Manhattan.
Peche’s work was particularly prominent in that setting – his wallpapers,
fabrics, lamps, vases, bowls and decorative objects were carefully
chosen and placed to make a suitable impact. Dagobert Peche died in
Mödling near Vienna in 1923.
© MAK
Dagobert
Peche
Dagobert Peche
St. Michael im Lungau 1887 - 1923 Mödling
52 Kaffeeservice fünfteilig, 1920
Ausführung Wiener Werkstätte, Modellnummern
S 5102-S se 5-1 (Kaffeekanne), S 5103-S se 5-2 (Milchkanne),
S 5104-S se 5-3 (Zuckerdose), S 5105-S se 5-4 (Zuckerzange) und
S 5106-S se 5-5 (Tablett)
Silber, getrieben, Elfenbein
Marken: Kannen und Zuckerdose: WW, WIENER WERKSTÄTTE,
Monogramm P, 900, Rosensignet, Dianakopf; Zuckerzange: WW,
Monogramm P, Rosensignet, Dianakopf; Tablett: WW, WIENER
WERKSTÄTTE, Monogramm P, 900, Rosensignet, Dianakopf,
Amtspunze A
Kannen H je 21,7 cm, Zuckerdose H 11,5 cm, L 14 cm, B 10 cm,
Zuckerzange L 13 cm, B 3,3 cm, Tablett H 3,5 cm, L 40,5 cm, B 33,5 cm
Provenienz: Familie Primavesi, Brasilien
Originale Elfenbeingriffe mit altersbedingten Spuren und ein Knauf
wurden professionell neu fixiert.
Entwurfszeichnung KI 12704-3
WW-Archiv, MAK Wien © MAK
Lit.: vgl. WW-Archiv, MAK Wien, Fotoarchiv WWF 96-225-2, Entwurfszeichnung KI 12704-3 (Kanne)
vgl. Ausstellungskatalog „Die Überwindung der Utilität – Dagobert Peche und die Wiener Werkstätte“,
MAK, Wien 1998, Abb. S. 65
vgl. Ausstellungskatalog „Dagobert Peche and the Wiener Werkstätte“, Neue Galerie, New York 200203, Abb. S. 72
52 Five-Piece Coffee Set, 1920
Dagobert Peche, Kaffeeservice
WW-Archiv, MAK Wien © MAK
Manufactured by the Wiener Werkstätte, model numbers
S 5102-S se 5-1 (coffee pot), S 5103-S se 5-2 (milk pot),
S 5104-S se 5-3 (sugar bowl), S 5105-S se 5-4 (sugar tongs) and
S 5106-S se 5-5 (tray)
Silver, chased, ivory
Marks: pots and sugar bowl: WW, WIENER WERKSTÄTTE,
monogram P, 900, rose signet, head of Diana; sugar tongs: WW,
monogram P, rose signet, head of Diana; tray: WW, WIENER
WERKSTÄTTE, monogram P, 900, rose signet, head of Diana,
official hallmark A
Pots H 21.7 cm each, sugar bowl H 11.5 cm, L 14 cm,
W 10 cm, sugar tongs L 13 cm, W 3.3 cm, tray H 3.5 cm,
L 40.5 cm, W 33.5 cm
Provenance: Primavesi family, Brasil
Original ivory handles with age-related marks and one knob
have been newly fixed in a professional way.
Lit.: cf WW-Archives, MAK Vienna, Photo-Archives WWF 96-225-2, design sketch KI 12704-3 (pot)
cf Exhibition catalogue “Die Überwindung der Utilität – Dagobert Peche und die Wiener Werkstätte“,
MAK, Vienna 1998, ill. p. 65
cf Exhibition catalogue “Dagobert Peche and the Wiener Werkstätte“, Neue Galerie, New York 2002-03,
ill. p. 72
100
Dagobert Peche
St. Michael im Lungau 1887 - 1923 Mödling
53 Zwei Aufsätze mit Trauben, um 1922
Ausführung Wiener Werkstätte, Modellnummer M sh 1 - M 3203-2
Messing (links) bzw. Messing, versilbert (rechts)
Marken: WIENER WERKSTÄTTE, Monogramm P
H 15 cm, D 19,3 cm (links) bzw. D 19,5 cm (rechts)
Lit.: WW-Archiv, MAK Wien, Entwurfszeichnung WWMB 38/3203,
vgl. Fotoarchiv WWKA 891, WWF 114-8-4, WWF 117-1-1, WWF 187/123 und WWF 199/52
vgl. Ausstellungskatalog „Die Überwindung der Utilität – Dagobert Peche und die Wiener Werkstätte“,
MAK, Wien 1998, Abb. S. 222, Kat. Nr. 54 (Sterndekor) und S. 340, Nr. 54A
53 Two Centrepieces with Grapes, around 1922
Manufactured by the Wiener Werkstätte,
model number M sh 1 - M 3203-2
Brass (left) and brass, silver-plated (right) respectively
Marks: WIENER WERKSTÄTTE, monogram P
H 15 cm, D 19.3 cm (left) and D 19.5 cm (right) respectively
Lit.: WW-Archives, MAK Vienna, design sketch WWMB 38/3203, cf Photo-Archives WWKA 891,
WWF 114-8-4, WWF 117-1-1, WWF 187/123 and WWF 199/52
cf Exhibition catalogue “Die Überwindung der Utilität – Dagobert Peche und die Wiener Werkstätte”,
MAK, Vienna 1998, ill. p. 222, cat. no 54 (star decor) and p. 340, no 54A
Wilhelm Nicolaus Prachensky
Innsbruck 1898 - 1956 Innsbruck
Wilhelm Nicolaus Prachensky wurde 1898 in Innsbruck geboren.
Der Maler und Architekt war einer der Pioniere der Tiroler Moderne
der Zwischenkriegszeit. Er erhielt seine erste Ausbildung von 1913
bis 1916 an der Staatsgewerbeschule in Innsbruck. Von 1918 bis 1921
studierte er an der Münchner Akademie bei Angelo Jank. Im Jahre
1924 begann er mit Architekturarbeiten und bewies mit seinen
Hotelbauten und Einrichtungen, dass eine Verbindung von touristischen
„Markterfordernissen“ mit künstlerisch anspruchsvollen zeitgenössischen
Gestaltungen möglich ist. Seine Gemälde wurden 1916, 1920, 1921 und
1945 im Tiroler Landesmuseum Ferdinandeum in Innsbruck ausgestellt.
Prachensky erhielt im Jahre 1936 den Österreichischen Staatspreis.
Er starb 1956 in Innsbruck.
Wilhelm Nicolaus Prachensky was born in Innsbruck in 1898. The painter
and architect was one of the pioneers of Tyrolean modernism during the
interwar years. He received his first training at the Public Trade School
in Innsbruck between 1913 and 1916. From 1918 to 1921 he studied at
the Munich Academy under Angelo Jank. In 1924 he began to devote
himself to architectural projects. His hotel buildings and interiors prove
that it is indeed possible to combine tourism’s market requirements
with artistically ambitious contemporary solutions. His paintings were
exhibited at the Tyrolean State Museum Ferdinandeum in Innsbruck
in 1916, 1920, 1921, and 1945. In 1936, Prachensky received the Austrian
State Prize. He died in Innsbruck in 1956.
104
54 Möbelentwurf Schrank, 1920
Mischtechnik auf Papier
Rechts unten bezeichnet: Original Entwurf
WILHELM NICOLAUS PRACHENSKY
25,5 x 31,7 cm (Passepartoutausschnitt)
Provenienz: Privatsammlung Tirol
54 Sketch for a Cupboard, 1920
Mixed media on paper
Designated bottom right: Original Entwurf
WILHELM NICOLAUS PRACHENSKY
25.5 x 31.7 cm (passepartout cutout)
Provenance: Tyrolean private collection
55 Möbelentwurf Sessel, 1920
Mischtechnik auf Papier
Rechts unten signiert Wilhelm Nicolaus Prachensky
45,5 x 29,6 cm (Passepartoutausschnitt)
Provenienz: Privatsammlung Tirol
55 Sketch for a Chair, 1920
Mixed media on paper
Signed bottom right Wilhelm Nicolaus Prachensky
45.5 x 29.6 cm (passepartout cutout)
Provenance: Tyrolean private collection
105
Jacob & Josef Kohn, Wien
56 Esszimmergarnitur, um 1905
Ausführung Jacob & Josef Kohn, Wien, No 994 (Tisch), No 369/1
(Sessel) und No 369/1F (Fauteuil)
Buche, mahagoni gebeizt und politiert, Fauteuils und Sessel mit
neuer Ledertapezierung, Tisch und zwei Sessel mit originalen
Messingschuhen
Tisch: altes Klebeetikett Jacob & Josef Kohn
1 Tisch: H 78,5 cm, L 139 cm bzw. L 249 cm (ausgezogen), B 109,5 cm
2 Fauteuils: H 96 cm, SH 47 cm, B 60 cm, T 60 cm
4 Sessel: H ca. 94 cm, SH 47 cm, B ca. 39 cm, T ca. 48 cm
Lit.: vgl. Verkaufskatalog Jacob & Josef Kohn 1916, Reprint München 1980, Abb. S. 76,
No 994 (Tisch) und Abb. S. 56, No 369/1F (Fauteuil)
vgl. Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn,
Mailand 2008, Abb. S. 204f. (Sessel und Fauteuil)
56 Dining Room Set, around 1905
Manufactured by Jacob & Josef Kohn, Vienna, no 994 (table),
no 369/1 (chair) and no 369/1F (armchair)
Beech, stained mahogany and polished, armchairs and chairs with new
leather upholstery, table and two chairs with original brass feet
Table: old adhesive label Jacob & Josef Kohn
1 table: H 78.5 cm, L 139 cm, L extended 249 cm, W 109.5 cm
2 armchairs: H 96 cm, SH 47 cm, W 60 cm, D 60 cm
4 chairs: H app. 94 cm, SH 47 cm, W app. 39 cm, D app. 48 cm
Lit.: cf Sales catalogue Jacob & Josef Kohn 1916, reprint Munich 1980, ill. p. 76, no 994 (table) and ill. p. 56,
no 369/1F (armchair)
cf Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn, Milan 2008,
ill. p. 204f (chair and armchair)
Joseph Maria Olbrich
Troppau (Opava) 1867 - 1908 Düsseldorf
Joseph Maria Olbrich wurde 1867 im tschechischen Troppau geboren.
Ab 1890 studierte er an der Akademie der bildenden Künste in Wien
unter Carl Freiherr von Hasenauer. 1897-98 entwarf Joseph Maria
Olbrich als Mitbegründer der „Wiener Secession“ deren Ausstellungsgebäude, das wegweisend für moderne architektonische Formvorstellungen wurde. Im Streben nach dem Gesamtkunstwerk befasste
sich Olbrich auch mit der dekorativen Ausstattung von Innenräumen
und kunstgewerblichen Entwürfen. Er baute in der Folge mehrere
Wohnhäuser in Wien und Umgebung, unter anderem das Haus für
Hermann Bahr. Das Olbrich-Haus in St. Pölten ist eines der wenigen
erhaltenen Bauwerke von Joseph Maria Olbrich. Olbrich starb 1908 in
Düsseldorf.
Jugendstil
57 Tischuhr, Gehäuse um 1910, Uhrwerk 1880-85
Unikat
Ausführung Uhrwerk Gustav Becker, Freiburg/Schlesien
Ausführung Gehäuse in Braunau/Böhmen
Eiche, nuss gebeizt, Elfenbeinintarsien, Ebenholzauflagen,
Ziffern- und Pendelblatt aus Messing
Marken: Firmenpunze, Preismedaille MEDAILLE D’OR,
Pendel P 18, Seriennummer 407786
H 72,3 cm, B 62,2 cm, T 29 cm
Provenienz: Sammlung Dr. Fetzer, Wien
Lit.: vgl. Reinald Franz, Robert Keil und Markus Kristan, ARCHITEKTUR WOHNKULTUR KUNST.
Architecture Living Culture Art, Wien 2011, Abb. S. 58
57 Table Clock, clock case around 1910, clockwork 1880-85
Unique Piece
Clockwork manufactured by Gustav Becker, Freiburg/Silesia
Clock case manufactured in Braunau/Bohemia
Oak, stained walnut, ivory inlays, ebony overlays, brass dial and brass
pendulum-disc
Marks: company’s hallmark, prize medal MEDAILLE D’OR,
pendulum P 18, serial number 407786
H 72.3 cm, W 62.2 cm, D 29 cm
Provenance: Collection Dr Fetzer, Vienna
Lit.: cf Reinald Franz, Robert Keil and Markus Kristan, ARCHITEKTUR WOHNKULTUR KUNST.
Architecture Living Culture Art, Vienna 2011, ill. p. 58
Joseph Maria Olbrich was born in the Czech town of Troppau (Opava)
in 1867. From 1890 on he studied at the Vienna Academy of Fine Arts
under Carl von Hasenauer. In 1897-98, Olbrich, who was a co-founder
of the “Vienna Secession”, designed the movement’s exhibition
building, which in terms of form turned out a pioneering model for
modernist architecture. Cherishing the idea of a “gesamtkunstwerk” or
“total work of art”, Olbrich also devoted himself to interior decoration
and the design of decorative objects. He subsequently built several
residential buildings in Vienna and its surroundings, including the house
for Hermann Bahr. The Olbrich House in St. Pölten is one of the rare
buildings by Joseph Maria Olbrich that have survived. Olbrich died in
Düsseldorf in 1908.
Joseph Maria Olbrich
zugeschrieben attributed
58 Notenschrank, Entwurf um 1905
Platanenholz und Perlahorn, furniert, Birnbaumholz, schwarz gebeizt,
intarsiert mit verschiedenen Hölzern und Perlmutt, Messingbeschläge
H 158 cm, B 139 cm, T 54 cm
Lit.: vgl. Ausstellungskatalog „Joseph M. Olbrich 1867-1908“, Mathildenhöhe Darmstadt 1983, Abb. S. 309
58 Cabinet for Sheets of Music, design around 1905
Sycamore and maple wood, veneered, pearwood, stained black,
inlays of various woods and mother of pearl, copper fittings
H 158 cm, W 139 cm, D 54 cm
Lit.: cf Exhibition catalogue “Joseph M. Olbrich 1867-1908”, Mathildenhöhe Darmstadt 1983, ill. p. 309
108
109
Leopold Bauer, Vitrinenzimmer,
Wohnhaus in Jägerndorf
Foto aus: Dekorative Kunst VIII, Dez. 1904, S. 102
Leopold Bauer
Jägerndorf 1872 - 1938 Wien
Leopold Bauer wurde 1872 im tschechischen Jägerndorf geboren.
Er studierte an der Akademie der bildenden Künste in Wien bei Carl
Freiherr von Hasenauer und Otto Wagner. In seinen frühen Jahren
gehörte der Architekt zu den kreativsten Vertretern des modernen
Baustils und erregte Aufsehen durch zahlreiche theoretische Schriften.
Von 1913 bis 1919 hatte Leopold Bauer eine Professur an der Akademie
der bildenden Künste in Wien inne. Er starb 1938 in Wien.
Leopold Bauer was born in the Czech town of Jägerndorf (Krnov)
in 1872. He studied at the Vienna Academy of Fine Arts under Carl
von Hasenauer and Otto Wagner. In his early years, the architect was
among the most creative practitioners of a modernist building style
and attracted attention with his extensive theoretical writings. Between
1913 and 1919 he was a professor at the Academy of Fine Arts in
Vienna. He died in Vienna in 1938.
59 Zwei Sessel, 1904
Palisander, gebeizt und politiert, neue Ledertapezierung,
originale Messingschuhe
Stempel auf der Unterseite eines Sessels: Mathias Bader’s
Weinhaus Wien XX, Hannoverg. 17
H 110 cm, SH 47 cm, B 43,5 cm, T 45 cm
Dieses Modell war sowohl Teil der Einrichtung eines Wohnhauses
in Jägerndorf als auch der Gaststätte „Mathias Bader’s Weinhaus“
in Wien.
Lit.: vgl. Dekorative Kunst VIII, Dez. 1904, Abb. S. 102
59 Two Chairs, 1904
Palisander, stained and polished, new leather upholstery,
original brass feet
Stamp on the bottom side of one chair: Mathias Bader’s
Weinhaus Wien XX, Hannoverg. 17
H 110 cm, SH 47 cm, W 43.5 cm, D 45 cm
This model was part of the furnishing of a private home in Jägerndorf
as well as of the inn “Mathias Bader’s Weinhaus”, Vienna.
Lit.: cf Dekorative Kunst VIII, Dec 1904, ill. p. 102
110
Wien 1880 - 1949 Wien
Otto Prutscher wurde 1880 in Wien geboren. Nach einer Tischlerlehre
begann er 1897 sein Studium an der Wiener Kunstgewerbeschule bei
Franz von Matsch in einer Zeichen- und Malklasse. Wegweisend für
ihn wurden die Jahre ab 1899, als er die Architekturklasse von Josef
Hoffmann besuchte. Im Kreis der begeisterten Schüler Hoffmanns
gestaltete er ganz nach der Idee des Gesamtkunstwerks bereits
während seiner Schulzeit erste kunstgewerbliche Arbeiten. Neben
seiner Tätigkeit als Architekt machte sich Otto Prutscher vor allem als
Entwerfer auf den unterschiedlichsten Gebieten einen Namen: So war
er als Gestalter von Möbeln, Keramiken, Gläsern, Textilien, Metall- und
Silberarbeiten, Schmuck und Lederarbeiten überaus erfolgreich. Bis
zum Ersten Weltkrieg entwickelte er sich neben Josef Hoffmann zu
einer Schlüsselfigur der modernen Designbewegung in Wien und hatte
eine Reihe einflussreicher Positionen inne, unter anderem als Professor
der Kunstgewerbeschule, Gründungsmitglied des Österreichischen
Werkbundes und Berater des Österreichischen Museums für Kunst und
Industrie (heute MAK). Er gilt gegenwärtig als einer der vielseitigsten
und wichtigsten Künstler des Wiener Jugendstils und der Wiener
Werkstätte. Otto Prutscher verstarb 1949 in Wien.
112
Otto Prutscher was born in Vienna in 1880. Having been trained as a
cabinetmaker, he took up his studies at the Vienna School of Applied
Arts in Franz von Matsch’s drawing and painting class in 1897. The
years after 1899, when he attended Josef Hoffmann’s architecture class,
turned out to be seminal for the young artist. A member of Hoffmann’s
circle of enthusiastic students, he already completed his first decorative
art projects based on the concept of “gesamtkunstwerk” when he was
still at school. Besides his career as an architect, Otto Prutscher mainly
made a name for himself as a highly successful designer in various fields:
furniture, ceramics, glass, textiles, metal and silver, jewellery, and leather.
By World War I, he had developed into a central figure of the modernist
design movement in Vienna next to Josef Hoffmann. He held various
influential positions, such as professor at the School of Applied Arts,
and was a founding member of the Austrian Werkbund and advisor of
the Austrian Museum for Art and Industry (today’s MAK). Today he is
considered one of the most versatile and important artists of Viennese
Art Nouveau and the Wiener Werkstätte. Otto Prutscher died in Vienna
in 1949.
Foto: Karl Ehn
Otto
Prutscher
Otto Prutscher
Wien 1880 - 1949 Wien
60 Buffet mit Marmorplatte, 1915-16
Ausführung wohl Tischlerei Johann Prutscher, Wien
Eiche, schwarz gebeizt und politiert, Marmorplatte, Glas, neue
Stoffauskleidung des Vitrinenoberteils nach einem Entwurf Josef
Hoffmanns, originale Schlüsselschilder und Schuhe aus Messing,
Buffet aus drei Teilen zusammengesetzt
H 140 cm, B 201 cm, T 71 cm
Provenienz: aus dem Nachlass des Künstlers; die Möbel waren ursprünglich
für das Speisezimmer Otto Prutschers in der Gumpendorfer Straße 74,
1060 Wien
Eine Glasschiebetür erneuert, Oberfläche professionell restauriert
Lit.: vgl. Der Architekt 21/1916-18, Abb. S. 94
Otto Prutscher, Speisezimmer, 1915-16
Foto aus: Der Architekt 21/1916-18, S. 94
60 Buffet with Marble Plate, 1915-16
Manufactured probably by joinery Johann Prutscher, Vienna
Oak, stained black and polished, marble plate, glass, new fabric cover on the
upper part after a Josef Hoffmann design, original brass key plates and brass
feet, the buffet consists of three pieces
H 140 cm, W 201 cm, D 71 cm
Provenance: estate of the artist; this furniture was originally designed for
Otto Prutscher’s dining room at Gumpendorfer Straße 74, 1060 Vienna
One glass sliding door has been renewed, the surface has been
professionally restored.
Lit.: cf Der Architekt 21/1916-18, ill. p. 94
Als Otto Prutscher 1908 seine Lehrtätigkeit an der Höheren Graphischen
Bundes-Lehr- und Versuchsanstalt auf Empfehlung von Josef Hoffmann
gegen eine an der Kunstgewerbeschule tauschte, da hatte er schon einiges
vorzuweisen:
– Für den „Cakes“-Fabrikanten Cabos entwarf er 1904 ein Mietshaus in Wien.
– Für Backhausen lagen über 100 Entwürfe vor, 50 wurden ausgeführt.
– Ähnlich verhielt es sich bei der Glashütte Lötz: 51 Prutscher-Entwürfe
wurden bis 1908 produziert. Der Glasverleger Bakalowits hatte zu diesem
Zeitpunkt 38 Produkte in seinem Angebot, die aus Prutscher-Entwürfen
stammten, 22 Entwürfe scheinen nicht hergestellt worden zu sein.
– 1905 oblag Prutscher die Installation und künstlerische Ausgestaltung der
Möbel-Ausstellung des Clubs der Industriellen für Wohnungseinrichtungen
in Wien, zu der er selbst neun Einrichtungen beisteuerte. Die Räume waren
nicht nur möbliert, sie waren komplett mit Beleuchtungskörpern, Teppichen
und sonstigen Textilien und sogar mit Zierrat ausgestattet, und zwar fast
ausschließlich nach Entwürfen von Otto Prutscher.
Von seiner Jugend an wirkte Prutscher international, im Unterschied dazu
wechselte er nur ein einziges Mal in seinem Leben seinen Wohnsitz. Die
Distanz zwischen seinem Elternhaus in der Barnabitengasse 10 und seinem
Atelier in der Gumpendorfer Straße 74 betrug weniger als einen Kilometer.
Und als er 1911 heiratete, mietete er im selben Haus eine Wohnung. Nicht
einmal, als es für ihn lebensgefährlich wurde und ungeachtet der Tatsache,
dass die zur Ausreise notwendigen Dokumente bereits vorlagen, machte er
sich nach Südamerika auf. Man musste ihn letztlich hinaustragen.
Die Einrichtung seiner Wohnung, die höchstwahrscheinlich in der väterlichen
Tischlerei gefertigt worden war, ging später „auf Wanderschaft“ und stand im
Dienst der beiden nächsten Generationen.
Die Speisezimmermöbel bekamen ein Lifting und sind nun, nach über 100
Dienstjahren, wieder einsatzbereit. „Klassische Moderne“ ist die absolut
zutreffende Bezeichnung.
Die Schrankmöbel im Besonderen sind nahezu zeitlose Designs, wie es
beispielsweise auch die Fassade des Delikatessenladens Piccini nahe dem
114
Wiener Naschmarkt, die Prutscher vor 80 Jahren kreierte, oder
das Trinkservice Nr. 4 von Ludwig Lobmeyr aus 1856, das seither
ununterbrochen in Produktion ist, sind.
Schlichtheit und Eleganz ergeben ein harmonisches Geschwisterpaar!
Nicht von ungefähr wurden Prutscher wiederholte Male guter
Geschmack und eine besondere Gabe für Proportionen nachgesagt. Bei
diesen Möbelstücken scheint der Goldene Schnitt angewandt zu sein, so
wohltuend ausgewogen empfindet sie das betrachtende Auge. Zu guter
Letzt zeigte sich Otto Prutscher erfinderisch und bestückte die Möbel
mit reizenden Messingbeschlägen, welche die Schlüssellöcher elegant
verschwinden lassen und zu einem eigenständigen Schmuckelement
wurden. Hermi Schedlmayer
When Otto Prutscher followed Josef Hoffmann’s recommendation
and switched his teaching position at the Higher Secondary School of
Graphic Arts for one at the School of Applied Arts in 1908, he could
already look back on an impressive career:
– In 1904, he had designed an apartment building for the cake
manufacturer Cabos in Vienna.
– For Backhausen, he had supplied more than 100 designs, 50 of which
were realised.
– The same holds true for the glass house Loetz: by 1908, as many as
51 designs by Prutscher had been produced. At the same time, the
glassmaker Bakalowits offered 38 products based on Prutscher’s designs,
whereas 22 designs seem to have been discarded.
– In 1905, Prutscher was entrusted with the installation and artistic
design of the furniture exhibition of the Club of Industrialists for Interior
Decoration in Vienna, to which he contributed as many as nine solutions.
Not only were the rooms furnished, but they were also equipped with
Otto Prutscher
Wien 1880 - 1949 Wien
61 Kleine Anrichte
mit Marmorplatte, 1915-16
Ausführung wohl Tischlerei Johann Prutscher, Wien
Eiche, schwarz gebeizt und politiert, Marmorplatte,
originale Messingschuhe
H 78 cm, B 81 cm, T 50 cm
Provenienz: aus dem Nachlass des Künstlers;
die Möbel waren ursprünglich für das Speisezimmer
Otto Prutschers in der Gumpendorfer Straße 74,
1060 Wien
Oberfläche professionell restauriert
61 Small Sideboard
with Marble Plate, 1915-16
Manufactured probably by joinery Johann Prutscher,
Vienna
Oak, stained black and polished, marble plate,
original brass feet
H 78 cm, W 81 cm, D 50 cm
Provenance: estate of the artist; this furniture was
originally designed for Otto Prutscher’s dining room
at Gumpendorfer Straße 74, 1060 Vienna
The surface has been professionally restored.
116
lighting, carpeting, and other textiles and even included decorative
accessories, almost all of which were based on Otto Prutscher’s designs.
Although Prutscher had worked on an international scale since his youth,
he moved house only once in his life. The distance between his parental
home at No. 10 Barnabitengasse and his studio at No. 74 Gumpendorfer
Straße was less than a kilometre. And when he married in 1911, he rented
an apartment in the same building. He was not even willing to leave for
South America when his life was in danger, regardless of the fact that all
the necessary documents for emigration had been supplied. Eventually,
he had to be carried out of his apartment.
It is highly probable that the furniture for his apartment was produced in
the workshop of his father, a cabinetmaker. It later “travelled around” and
served two subsequent generations.
The dining room furniture underwent a facelift and is now ready to be
used again, after more than 100 years of service. It can most fittingly be
described as “classically modernist”.
Particularly the cabinets stand out for their almost timeless designs,
which also applies, for example, to the façade of the Piccini delicatessen
store in the vicinity of Vienna’s Naschmarkt, which Prutscher created
80 years ago, or Ludwig Lobmeyr’s glass drinking-service No. 4 from
1856, which has been produced ever since.
Simplicity and elegance indeed make a harmonious team! It is not
without good reason that Prutscher was repeatedly praised for his good
taste and special sense of proportion. It seems that the principle of the
golden ratio has been applied to these pieces of furniture, which present
themselves so pleasantly and perfectly balanced to the spectator’s
eye. Last but not least, Otto Prutscher was highly inventive and added
charming brass fittings to his furniture. They elegantly conceal keyholes
and became a decorative element in their own right. Hermi Schedlmayer
Otto Prutscher
Wien 1880 - 1949 Wien
62 Pfeilerkästchen, 1915-16
Ausführung wohl Tischlerei Johann Prutscher, Wien
Eiche, schwarz gebeizt und politiert, originale Schlüsselschilder
und Schuhe aus Messing
H 140 cm, B 100 cm, T 51 cm
Provenienz: aus dem Nachlass des Künstlers; die Möbel waren
ursprünglich für das Speisezimmer Otto Prutschers in der
Gumpendorfer Straße 74, 1060 Wien
Oberfläche professionell restauriert
Lit.: vgl. Der Architekt 21/1916-18, Abb. S. 94
62 Pylon Cupboard, 1915-16
Manufactured probably by joinery Johann Prutscher, Vienna
Oak, stained black and polished, original brass key plates
and brass feet
H 140 cm, W 100 cm, D 51 cm
Provenance: estate of the artist; this furniture was originally designed for
Otto Prutscher’s dining room at Gumpendorfer Straße 74, 1060 Vienna
The surface has been professionally restored.
Lit.: cf Der Architekt 21/1916-18, ill. p. 94
Otto Prutscher
Wien 1880 - 1949 Wien
63 Zwei Fauteuils, 1915
Ausführung Gebrüder Thonet, Wien, Nr. 6544
Buche, schwarz gebeizt und politiert, neue Ledertapezierung
Alte Klebeetiketten und Stempel THONET WIEN
H 93 cm, SH 47 cm, B 71 cm, T 60 cm
Lit.: vgl. Jiri Uhlír, Vom Wiener Stuhl zum Architektenmöbel. Jacob & Josef Kohn, Thonet und Mundus,
Wien, Köln und Weimar 2009, Abb. S. 171 („Thonet Zentral Anzeiger Nr. 51“, 31. Mai 1915)
63 Two Armchairs, 1915
Manufactured by Gebrüder Thonet, Vienna, no 6544
Beech, stained black, new leather upholstery
Old adhesive labels and stamps THONET WIEN
H 93 cm, SH 47 cm, W 71 cm, D 60 cm
Lit.: cf Jiri Uhlír, Vom Wiener Stuhl zum Architektenmöbel. Jacob & Josef Kohn, Thonet und Mundus,
Vienna, Cologne and Weimar 2009, ill. p. 171 (“Thonet Zentral Anzeiger no 51”, 31st May 1915)
64 Tisch, 1914
Ausführung Gebrüder Thonet, Wien, Nr. 8350
Buche, schwarz gebeizt und politiert, neue Ledereinlage,
originale gehämmerte Kupferleiste, Linoleum
Stempel: RENAISSANCE [...]
H 75 cm, D 69,5 cm
Entwurf für das Café Lurion, Wien
Linoleum-Basis nach dem Originalmodell fachgerecht erneuert
Lit.: vgl. Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn,
Mailand 2008, Abb. S. 272f. („Thonet Zentral Anzeiger“, Juli 1914)
2 stühle + tisch
64 Table, 1914
Manufactured by Gebrüder Thonet, Vienna, no 8350
Beech, stained black and polished, new leather inlay,
original hammered copper strip, linoleum
Stamp: RENAISSANCE [...]
H 75 cm, D 69.5 cm
Design for the Café Lurion, Vienna
The linoleum base has been professionally renewed
after the original model.
Lit.: cf Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn,
Milan 2008, ill. p. 272f (“Thonet Zentral Anzeiger”, July 1914)
À la Prutscher
66 Armlehnsessel
Eiche massiv, geschnitzt und gebogen,
schwarz gebeizt und politiert, neue Ledertapezierung
Altes Klebeetikett einer Wiener Speditionsfirma
H 102 cm, SH 47 cm, B 66 cm, T 54 cm
66 Armchair
Otto Prutscher
Wien 1880 - 1949 Wien
65 Zwei Blumensäulen, um 1915
Ausführung Gebrüder Thonet, Wien,
Nr. 9661
Buche, schwarz gebeizt und politiert
H ca. 128 cm, B 38 cm, T 39 cm
Lit.: vgl. Jiri Uhlír, Vom Wiener Stuhl zum Architektenmöbel. Jacob
& Josef Kohn, Thonet und Mundus, Wien, Köln und Weimar 2005,
Abb. S. 173, Nr. 260
vgl. Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna
Jacob & Josef Kohn, Mailand 2008, Abb. S. 276
65 Two Flower Stands, around 1915
Manufactured by Gebrüder Thonet, Vienna,
no 9661
Beech, stained black and polished
H app. 128 cm, W 38 cm, D 39 cm
Lit.: cf Jiri Uhlír, Vom Wiener Stuhl zum Architektenmöbel. Jacob
& Josef Kohn, Thonet und Mundus, Vienna, Cologne and Weimar
2005, ill. p. 173, no 260
cf Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna
Jacob & Josef Kohn, Milan 2008, ill. p. 276
Solid oak, carved and bent, stained black
and polished, new leather upholstery
Old adhesive label of a Viennese shipping company
H 102 cm, SH 47 cm, W 66 cm, D 54 cm
Otto Prutscher
zugeschrieben attributed
67 Dreiflammiger Luster, Glas um 1906
Ausführung Meyr’s Neffe, Adolf, für E. Bakalowits Söhne, Wien
Farbloses Glas, violett überfangen, geschliffener Dekor,
Messing, gehämmert, neu elektrifiziert
H ca. 98 cm (verstellbar)
Gläser H 17,5 cm, D 8,5 cm
Baldachin D 29,3 cm
Die Metallmontierung ist eine neue, handgearbeitete Einzelanfertigung nach einem originalen Modell.
Originale Glaskugeln, ein originaler Glasschirm, zwei Glasschirme
fachgerecht nachgefertigt
Lit.: vgl. für den Dekor: Ausstellungskatalog „Otto Prutscher 1880-1949“, Hochschule für angewandte
Kunst, Wien 1997, Abb. S. 62
67 Three-Armed Chandelier, glass around 1906
Manufactured by Meyr’s Neffe, Adolf, for E. Bakalowits Söhne, Vienna
Colourless glass, violet overlayering, cut decor, hammered brass,
newly electrified
H app. 98 cm (variable)
Glasses H 17.5 cm, D 8.5 cm
Canopy D 29.3 cm
The metal mount has been newly and individually hand-made
according to its original model.
Original glass beads, one original glass shade, two glass shades have
been professionally renewed
Lit.: cf for the decor: Exhibition catalogue “Otto Prutscher 1880-1949”, University of Applied Arts,
Vienna 1997, ill. p. 62
Otto Prutscher
Wien 1880 - 1949 Wien
68 Tischchen mit Barschrank
und verspiegelter Platte, 1922
Holz massiv, geschnitzte florale Motive
in Goldbronze auf weißem Schleiflack, Spiegelplatte
H 62 cm, D 69 cm
Teil eines Mobiliars für einen Damensalon,
dokumentiert durch eine Entwurfszeichnung
Originalzustand
68 Table with Bar Cabinet
and Mirrored Table Top, 1922
Solid wood, carved floral motifs
in gold bronze on white varnish, mirrored table top
H 62 cm, D 69 cm
Part of the furnishing of a ladies’ beauty salon,
documented by a design sketch
Original condition
122
123
Portois & Fix, Wien
69 Zwei Eckvitrinen, Entwurf um 1900
69 Two Corner Cabinets, design around 1900
Lit.: vgl. Kunst und Kunsthandwerk 1902, Monatszeitschrift V, Heft 4, Abb. S. 185
Lit.: cf Kunst und Kunsthandwerk 1902, monthly issue V, booklet 4, ill. p. 185
Entwurf Robert Fix
Makassar-Ebenholz, massiv und furniert, geometrische Intarsien,
geschliffenes Glas, Kupferbeschläge und -leisten
Marken innen und rückseitig: Metallplaketten und Stempel
Portois & Fix, Wien, Schl. No: 7291 (rechts) bzw. 7292 (links)
Marken an den Schlössern:
Portois & Fix 7291 (rechts) bzw. 7290 (links)
H 171 cm, B 77 cm, T 52 cm
Ausstellung: Österreichisches Kunstgewerbe, London, Juni/Juli 1902
Design Robert Fix
Macassar ebony, solid and verneered, geometric inlays, cut glass,
copper fittings and strips
Marks inside and on the reverse: metal plates and stamps
Portois & Fix, Wien, Schl. No: 7291 (right) and 7292 (left) respectively
Marks on the locks: Portois & Fix 7291 (right)
and 7290 (left) respectively
H 171 cm, W 77 cm, D 52 cm
Exhibition: Austrian Applied Arts, London, June/July 1902
Portois & Fix, Wien
70 Tisch mit Ablagefach, Entwurf um 1900
70 Table with Shelf, design around 1900
Lit.: vgl. Ausstellungskatalog „Pariser Esprit und Wiener Moderne. Die Firma Portois & Fix“,
Wagner:Werk Museum Postsparkasse, Wien 2008, Abb. S. 74f.
Lit.: cf Exhibition catalogue “Pariser Esprit und Wiener Moderne. Die Firma Portois & Fix”,
Wagner:Werk Museum Postsparkasse, Vienna 2008, ill. p. 74f
Entwurf Robert Fix
Makassar-Ebenholz, geometrische Intarsien, Tischplatte und
Ablagefach mit Glaseinlage, Kupferbeschläge und -schuhe
Marke: Nummer „12353“ auf Schloss und Schlüssel
H 80 cm, B 93 cm, T 61 cm
124
Design Robert Fix
Macassar ebony, geometric inlays, table top and shelf
with glass insert, copper fittings and copper feet
Mark: number “12353” on the lock and key
H 80 cm, W 93 cm, D 61 cm
125
Marcel Kammerer
Wien 1878 - 1959 Ottawa
Marcel Kammerer wurde 1878 in Wien geboren. Von 1898 bis 1901
besuchte er die Architekturklasse von Otto Wagner an der Akademie
der bildenden Künste in Wien. Bis zum Jahre 1910 war er neben
Otto Schönthal einer der Hauptmitarbeiter Otto Wagners. Im
Atelier Wagner waren Kammerer und Schönthal vor allem an den
Bauvorhaben der Österreichischen Postsparkasse und der Kirche am
Steinhof beteiligt. In späteren Jahren wandte sich Kammerer gänzlich
der Malerei zu. Marcel Kammerer starb 1959 im kanadischen Ottawa.
Marcel Kammerer was born in Vienna in 1878. He was a student of
Otto Wagner’s architecture class at the Vienna Academy of Fine Arts.
Together with Otto Schönthal, he was one of Otto Wagner’s most
important collaborators. In Wagner’s studio, Kammerer and Schönthal
were mainly involved in the building projects of the Austrian Postal
Savings Bank and the Steinhof Church. In his later years, Kammerer
devoted himself exclusively to painting. Marcel Kammerer died in
Ottawa, Canada, in 1959.
71 Tisch, Entwurf um 1903
Ausführung Gebrüder Thonet, Wien, Nr. 8040 H/e
Buche, mahagoni gebeizt und politiert, Verstrebungen,
Fußmanschetten und Nieten aus Messing
Altes Papieretikett Thonet
H 78,5 cm, B 53 cm, T 52 cm
Lit.: vgl. Beiblatt zum Gebrüder Thonet’schen Zentral Anzeiger Nr. 17, Oktober 1905, S. 2
vgl. Thonet Bugholzmöbel Gesamtkatalog 1911 & 1915, Reprint Wien 1994, Abb. S. 151, Nr. 8040 H/e
vgl. Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn, Mailand 2008,
Abb. S. 142f.
71 Table, design around 1903
Manufactured by Gebrüder Thonet, Vienna, no 8040 H/e
Beech, stained mahogany and polished, braces, feet and rivets of brass
Old paper label Thonet
H 78.5 cm, W 53 cm, D 52 cm
Lit.: cf Beiblatt zum Gebrüder Thonet’schen Zentral Anzeiger no 17, Oct. 1905, p. 2
cf Thonet Bugholzmöbel Gesamtkatalog 1911 & 1915, reprint Vienna 1994, ill. p. 151, no 8040 H/e
cf Giovanni Renzi, Il mobile moderno. Gebrüder Thonet Vienna Jacob & Josef Kohn, Milan 2008,
ill. p. 142f
Karl Bräuer
Wien 1881 - 1972 Grimmenstein
72 Zwölf Sessel, Entwurf 1912
für das Speisezimmer der Familie Chat-Helbig, Wien
Ausführung Wenzel Hollmann, Wien
Eiche, schwarz gebeizt und politiert, originale Ledertapezierung
H 93,8 cm, SH 47 cm, B 45 cm, T 47 cm
Lit.: vgl. Das Interieur XIV, Wien 1913, Abb. [o.S.]
Jugendstil
73 Achteckiger Beistelltisch
mit Intarsien und Messingleiste
Hartholz, vermutlich Esche, schwarz gebeizt
und politiert, Intarsien aus MakassarEbenholz und Perlmutt, Messingleiste,
teilweise vernickelt
H 80 cm, B 103 cm, T 62 cm
Tischplatte vermutlich neu montiert
73 Octagonal Side Table
with Inlays and Brass Strip
Hardwood, probably ash tree, stained
black and polished, inlays of macassar
ebony and mother of pearl, brass strip,
partly nickel-plated
H 80 cm, W 103 cm, D 62 cm
Table top probably newly mounted
72 Twelve Chairs, design 1912
for the dining room of the Chat-Helbig family, Vienna
Manufactured by Wenzel Hollmann, Vienna
Oak, stained black and polished, original leather upholstery
H 93.8 cm, SH 47 cm, W 45 cm, D 47 cm
Lit.: cf Das Interieur XIV, Vienna 1913, ill. [n.p.]
Dieser Katalog erscheint anlässlich der Ausstellung
This catalogue is published in conjunction with the exhibition
Wiener Wohnkultur
VIENNESE INTERIORS
JOSEF HOFFMANN
ADOLF LOOS
KOLO MOSER
DAGOBERT PECHE
OTTO PRUTSCHER
JOSEPH URBAN
Herausgeber und Eigentümer Editor and proprietor
Galerie bei der Albertina ∙ Zetter GmbH
A-1010 Wien, Lobkowitzplatz 1
Tel. +43/1/513 14 16, Fax +43/1/513 76 74
zetter@galerie-albertina.at
www.galerie-albertina.at
Redaktion Editorial staff
Katharina Zetter-Karner, Christa Zetter
Redaktionelle Mitarbeit Editorial assistance
Monika Girtler, Katharina Hittmair, Andrea Schuster, Magdalena Track
Texte Texts
Markus Kristan, Giovanni Renzi, Hermi Schedlmayer, Elisabeth Schmuttermeier,
Andrea Schuster, Eduard F. Sekler, Christian Witt-Dörring
Lektorat Readers
Andrea Schuster, Katharina Zetter-Karner
Übersetzung Translation
Annalisa Tamborra, Brigitte Willinger
Grafik-Design Graphic design
Maria-Anna Friedl
Fotos Photos
Archiv des Belvedere, Wien Vienna
Graphisches Atelier Neumann, Wien Vienna
Karl Ehn
MAK – Österreichisches Museum für angewandte Kunst / Gegenwartskunst, Wien Vienna
ÖNB/Wien Vienna
Lithografie Lithograph
Graphisches Atelier Neumann, Wien Vienna
Druck Print
Graphisches Atelier Neumann, Wien Vienna
© Galerie bei der Albertina ∙ Zetter GmbH, 2015
Angaben ohne Gewähr All data without guarantee
www.galerie-albertina.at
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