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Handreichung zu BEETHOVEN Klavierkonzert Nr. 3 (pdf

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Ludwig van Beethoven
Konzert für Klavier und Orchester Nr.3
c-moll, op.37
SO Abokonzert 6/ Festival Beethoven plus
Mit Werken von Helmut Lachenmann, Ludwig van
Beethoven und Luciano Berio
Samstag, 14. März 2015, 20 Uhr
Freiburg, Konzerthaus
Live-Übertragung auf SWR2
SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg
Benjamin Grosvenor, Klavier
Synergie Vocals
Dirigent: Francois-Xavier Roth
Empfohlen ab Klasse 8
Erstellt von Andrea Amann und Referendarinnen
und Referendaren des Staatlichen Seminars für Didaktik und Lehrerbildung Stuttgart
1
Handreichungen zu SWR-Konzerten/ Vorschläge zur Unterrichtsgestaltung
von Andrea Amann
unter Mitarbeit des Referendarkurses I 2015/2016 am Seminar für Didaktik und Lehrerbildung
Stuttgart (Charlotte Apel, Christian Buchholz, Katherine Hardwick, Linda May, Gabriela Meincke, Ines Mend, Tabea Metzger, Matthias Nassauer und Bastian Rochard)
Inhalt
I. Zur Entstehung des 3.Klavierkonzertes ..................................................................................................... 3
II. Musikalische Akademien .......................................................................................................................... 4
III. Beethovens persönliche Lebenssituation zur Entstehungszeit des 3. Klavierkonzertes ......................... 8
IV. Zum 1.Satz: Unterrichtsverlauf ............................................................................................................. 11
1. Stunde: Die musikalischen Themen................................................................................................ 11
2. Stunde: Der Themenkontrast ......................................................................................................... 11
3. Stunde: Die Exposition .................................................................................................................... 11
4. Stunde: Vergleich der Orchesterexposition mit der Exposition des Soloinstrumentes (mit dem
Orchester) ........................................................................................................................................... 12
5. Stunde: Weiterer Formverlauf ....................................................................................................... 12
6. & 7. Stunde: Biographische Spurensuche- Stationenarbeit zu Ludwig van Beethoven ................. 12
8. Stunde: Präsentation von Ergebnissen der Stationenarbeit .......................................................... 12
Die musikalischen Themen (Arbeitsblatt) .............................................................................................. 13
Exemplarischer Vergleich der Orchesterexposition Soloexposition ...................................................... 15
Ludwig van Beethoven
3.Klavierkonzert c-Moll, op.37
Formverlauf des 1.Satzes ...................... 16
Zur Kadenz des 1.Satzes ......................................................................................................................... 20
V. Informationen zum 2. und 3.Satz ........................................................................................................... 22
VI. Biographische Spurensuche- Stationenarbeit zu Ludwig van Beethoven (Ausarbeitung und
Zusammenstellung durch Referendare des Seminars Stuttgart) ............................................................... 25
1. Station: Eine Melodie entsteht ........................................................................................................... 26
2. Station: Kreatives Schreiben ............................................................................................................... 28
4. Station: Lesen und Rätseln ................................................................................................................. 29
5. Station: Steckbrief .............................................................................................................................. 35
6. Station: Hörstation ............................................................................................................................. 36
7. Station: Beethoven in Wien ................................................................................................................ 39
8. Station „Ode an die Freude“ - die Hymne der Europäischen Union .................................................. 41
2
I. Zur Entstehung des 3.Klavierkonzertes
Innerhalb der Klavierkonzerte Beethovens - zu den fünf bekannten treten noch ein Jugendwerk
von 1784 und die Klavierbearbeitung des Violinkonzertes, während das Tripelkonzert zur Gattung der Sinfonia concertante tendiert - bricht mit dem dritten Klavierkonzert in c-Moll, das mit
den folgenden in die 2. Schaffensperiode fällt, der unverwechselbare Beethovensche Charakter
durch. Erste Spuren des Konzerts finden sich in einem Skizzenbuch Beethovens, das wohl aus
dem Jahre 1797 stammt. In einem Brief vom 15. Dezember 1800 bietet Beethoven dem Komponisten, Kapellmeister und Musikverleger Franz Anton Hofmeister zu Leipzig „ein Konzert für´s
Klavier“ – op.19 in B-Dur- an, „welches ich zwar für keins von meinen Besten ausgebe, so wie
ein andres, was hier bej mollo herauskommen wird…, weil ich die Bessern noch für mich behalte, bis ich selbst eine reise mache“ (Beethoven, Briefe I,58, gemeint ist der Verlag T. Mollo &
Co. In Wien). Das „andre“ Konzert, das er ebenso wenig wie op.19 für eins von seinen „besten“
ausgibt, ist das Konzert op. 15 in C-Dur. „Besser“ als diese beiden ist das dritte Klavierkonzert in
c-Moll, auf das er in dem Brief anspielt. Vermutlich hatte Beethoven damals schon sein 4. Klavierkonzert in G-Dur in Angriff genommen. Das autographe Manuskript des c-Moll-Konzertes
trägt die eigenhändige Aufschrift „Concerto 1800 Da L. v. Beethoven“. Das Konzert wurde vom
Komponisten selbst in seiner Akademie am 5. April 1803 im Theater an der Wien uraufgeführt.
Knüpft Beethoven in seinen frühen Sonaten an Joseph Haydn an, so stellen für die Klavierkonzerte diejenigen Mozarts, die Beethoven sehr genau kannte, die wichtigste Inspirationsquelle dar. Mozarts Klavierkonzerte stellen einen ersten Höhepunkt der Gattung dar und weisen in die Zukunft. Den Ausdrucksgehalt des zuvor hauptsächlich unterhaltenden Genres hat
Mozart vertieft und bis hin zu den dunklen Bereichen erweitert, wenn man z.B. an seine Konzerte in d-Moll KV 466 bzw. in c-Moll KV 491 denkt. Diesen Weg hat Beethoven fortgesetzt und
weiterentwickelt. Trotzdem sind die Unterschiede zwischen Mozart und Beethoven letztlich
signifikanter als die Gemeinsamkeiten.
(Quelle: W. Osthoff. Meisterwerke der Musik. Beethoven 3. Klavierkonzert c-Moll. Wilhelm Fink
Verlag 1965, S. 3)
Das 3. Klavierkonzert hebt sich in seiner Dreisätzigkeit zwar nicht von seinen Vorgängern ab,
unterscheidet sich aber doch in einem wichtigen Punkt: es will nicht mehr den brillierenden
Virtuosen in den Mittelpunkt stellen, der sich in Laufwerk und Akkordpassagen ergeht, sondern
es bemüht sich, den Solopart und die Tuttipassagen auszubalancieren und leistet auf diese Weise eine Beitrag zur Emanzipation des Orchesters im Rahmen der Gattung.
3
II. Musikalische Akademien
Ludwig van Beethoven führte sein 3.Klavierkonzert in c-Moll im Rahmen einer seiner musikalischen Akademien am 5. April 1803 im Theater an der Wien, seiner damaligen Wohnstätte, das
erste Mal auf.
„Als besondere Weise öffentlicher musikalischer Darbietung im sich ausprägenden bürgerlichen
Konzertwesen Wiens gelten die sogenannten Akademien. Diente die Akademie zunächst nur
der privaten Unterhaltung der kaiserlichen Familie und des Hofadels, so ging ihre Bedeutung
mit der Wende vom 17. zum 18.Jahrhundert vom Kaiserhof auf den Adel und später vom Adel
auf das Bürgertum über. Zuerst fanden Akademien in den Palais der Wiener Aristokratie statt,
seit den 1750er Jahren steht der Begriff „musikalische Akademie“ für ein öffentliches Konzert.
1772 gab es in Wien die erste Akademie der Tonkünstler-Sozietät im Kärntnertortheater. Öffentliche Akademien gab es als Benefiz- bzw. Wohltätigkeitsveranstaltungen zugunsten von
Sozialeinrichtungen oder für bedürftige Kreise Wiener Bürger, aber auch als Virtuosenkonzerte
und Konzerte zugunsten des Veranstalters (Komponist oder Musiker). Sie wurden zunächst in
Theatern und Mehrzwecksälen oder im Sommer im Freien abgehalten, nach 1810 aber wegen
ihrer zunehmenden Beliebtheit in den großen Festsälen der Stadt. Da Wien nicht vor 1831 mit
der Eröffnung des neuen Gebäudes der „Gesellschaft der Musikfreunde“ den ersten Konzertsaal erhielt, waren die auch als Konzertstätten fungierenden Theater der Stadt von großer Bedeutung für das Konzertleben. Beispielsweise wurden die Symphonien 1-6 und das
3.Klavierkonzert von Beethoven im Rahmen von Theater-Akademien öffentlich uraufgeführt.“
(aus: Das Beethoven-Lexikon, Laaber-Verlag)
4
Beethoven veranstaltete, wie der Kapellmeister des Theaters, Ignaz von Seyfried später in seinen Erinnerungen berichtet, im Theater an der Wien „mehrere Akademien, die sowohl durch
die Einführung seiner neuesten Geistesproducte, als durch das eigene Meisterspiel das höchste
Kunstinteresse gewannen. Beim Vortrag der Pianoforte-Concerte in C-moll, G und Es, lud er
mich…freundschaftlich zum Umwenden ein, und ergötzte sich an meiner Verwunderung, als ich
in der aufliegenden Stimme trotz der bewaffneten Augen ausser dem Schlüssel, der Vorzeichnung und verschieden über das Blatt hinlaufenden Kreuz- und Querstrichen wenig mehr als
Nichts zu gewahren im Stande war. Er hatte sich nämlich, einzig zur Erinnerung, blos die Ritornelle und die Eintritte der Solos mittelst nur ihm verständlicher Zeichen notirt und das Niederschreiben für den zukünftigen Druck auf einen gelegeneren, mehr Musse gewährenden Zeitpunkt prolongirt. Bei solcher Gestalt der Sachen wurde also zwischen uns der Accord geschlossen, gemäss welchem ich jedes Mal vor Beendigung einer Seite zum Vertiren avisirt werden
sollte. Während der Production jedoch konnte der damals noch so lebenslustige, für jeden
harmlosen Scherz und unschuldige Neckerei immerdar gestimmte Meister sich die Lust nicht
5
versagen, mich recht in die Enge zu treiben und das verabredete Signal so lange als möglich,
meistens bis zum letzten Entscheidungsmoment hinauszuschieben.“ 1
Die Akademie, in der Beethoven das 3.Klavierkonzert zum ersten Mal spielte, fand am 5.April
1803 statt.
Dienstag den 5.April 1803
Theater an der
Wien
Große musikalische Akademie (Wohltätigkeitskonzert)
von
Herrn L.van Beethoven
Sämtliche Stücke sind von Beethovens Komposition
1. Eine neue Symphonie in D-Dur
2. Klavierkonzert, von ihm selbst gespielt
3. Symphonie in C-Dur
4. Oratorium „Christus am Oelberge“
Herr Ludwig van Beethoven selbst wird den Klavierpart übernehmen
trittspreise sind wie gewöhnlich.)
ungültig.
(Die EinFreybillets sind heute
Der Anfang ist um 6 Uhr.
Aufgaben:
1. Vergleicht das Programm mit einem heutigen Sinfoniekonzert!
2. Was verstand man um 1800 unter einer „musikalischen Akademie“?
3. Beethovens Freund Ignaz von Seyfried blätterte Beethoven öfter in Konzerten um. Was
berichtet er über die Noten, die Beethoven benutzte?
Über die Generalprobe am Vormittag berichtet Beethovens Schüler Ferdinand Ries: „Die Probe
fing um acht Uhr morgens an… . Es war eine schreckliche Probe und um halb drei Uhr Alles erschöpft und mehr oder weniger unzufrieden. Fürst Karl Lichnowsky, der von Anfang der Probe
beiwohnte, hatte Butterbrot, kalten Fleisch und Wein in großen Körben holen lassen. Freundlich ersuchte er Alle, zuzugreifen, welches nun auch mit beiden Händen geschah und den Erfolg
hatte, dass man wieder guter Dinge wurde. Nun bat der Fürst, das Oratorium noch einmal
1
Ignaz Ritter von Seyfried. „Ludwig van Beethoven´s Studien im Generalbass, Contrapunkt und in der
Compositionslehre, aus dessen handschriftlichem Nachlass gesammelt und herausgegeben.“ Leipzig, Hamburg,
New York 1832, 2.Ausgabe 1853.
6
durchzuprobiren, damit es Abends recht gut ginge und das erste Werk dieser Art von Beethoven, seiner würdig, ins Publikum gebracht würde. Die Probe fing also wieder an. Das Concert
begann um sechs Uhr, war aber so lang, dass ein Paar Stücke nicht gegeben wurden.“
In der „Zeitung für die elegante Welt“ stand dann auch zu lesen: „Weniger gelungen war das
folgende Konzert aus C moll, das auch Hr.v.B., der sonst als ein vorzüglicher Klavierspieler bekannt ist, nicht zur vollen Zufriedenheit des Publikums vortrug.“
Offenbar erst die zweite Aufführung mit Beethovens Schüler Ferdinand Ries am Klavier verhalf
dem Werk zum Durchbruch. In der Allgemeinen Musikalischen Zeitung vom Juli 1804 berichtet
der Rezensent über eine Aufführung von Beethovens 3.Klavierkonzert im Rahmen eines Donnerstagskonzertes im Wiener Augarten:
„Das Konzert begann mit Beethovens grosser Sinfonie in D dur, einem Werke voll neuer, origineller Ideen, von grosser Kraft, effektvoller Instrumentirung und gelehrter Ausführung, das aber
ohne Zweifel durch Abkürzung einiger Stellen, so wie durch Aufopferung so mancher, denn
doch gar zu seltsamer Modulationen, gewinnen würde. Auf diese Sinfonie folgte ein Konzert
von Beethoven aus C moll. Dies Konzert gehört ohnstreitig unter Beethovens schönste Kompositionen. Es wurde meisterhaft ausgeführt. Hr.Ries*, der die Solostimme hatte, ist gegenwärtig
Beethovens einziger Schüler, und sein leidenschaftlicher Verehrer; er hatte das Stück ganz unter seines Lehrers Leitung geübt, und zeigte einen sehr gebundenen, ausdrucksvollen Vortrag,
so wie ungemeine Fertigkeit und Sicherheit in leichter Besiegung ausgezeichneter Schwierigkeiten. Ferner wurde die Overtura der Zauberflöte und dann ein Violoncellkonzert gegeben, welches Herr Schindleker, …mit vieler Geläufigkeit und Präcision spielte. Den Beschluss machte
Mozarts Sinfonie aus g moll… “
* Ferdinand Ries (1784-1838), deutscher Pianist und Komponist, war Klavierschüler Beethovens; er verfasste später in Frankfurt/ Main zusammen mit F.G. Wegeler „Biographische Notizen über L.van Beethoven“
7
III. Beethovens persönliche Lebenssituation zur Entstehungszeit des
3. Klavierkonzertes
Bereits um 1797, da war Ludwig van Beethoven gerade einmal 27 Jahre alt, stellten sich erste
Anzeichen seiner Ertaubung ein und die Gewissheit, dass seine zunehmende Schwerhörigkeit
keinesfalls eine vorübergehende, sondern eine chronische Erscheinung war, die ihn zeitlebens
in der Kommunikation mit seinen Mitmenschen einschränken und sich auf seine musikalischen
Tätigkeiten auswirken würde. Die ersten Symptome eines Gehörverlusts zeigten sich wahrscheinlich 1798, denn am 29.Juni 1801 schüttete Beethoven seinem langjährigen Freund Franz
Gerhard Wegeler in einem Brief2 sein Herz aus:
2
In: Die Briefe Beethovens , hrsg. von Kurt Sachs (1919), S.17-24
8
„Mein guter lieber Wegeler, wie sehr danke ich dir für dein Andenken an mich, ich habe es so wenig verdient und um dich zu verdienen
gesucht, und doch bist so sehr gut, und läßt dich durchnichts, selbst durch meine unverzeihliche Nachlässigkeit nicht abhalten, bleibst
immer der treue, gute biedere Freund. …Von meiner Lage willst du was wissen, nun sie wäre eben so schlecht nicht, seit vorigem Jahr
hat mir Lichnowsky3, der, so unglaublich es dir auch ist, wenn ich dir sage, immer mein wärmster Freund war und geblieben, (kleine
Mißhelligkeiten gab´s ja auch unter unß), (und haben nicht eben diese unsere Freundschaft mehr bestetigt?-) eine sichere Summe von
600 fl. ausgeworfen, die ich, so lang ich keine für mich passende Anstellung finde, ziehen kann, meine Compositionen tragen mir viel
ein, und ich kann sagen, daß ich mehr Bestellungen habe, als es fast möglich ist, daß ich machen kann. Auch habe ich auf jede Sache 6,7
Verleger, und noch mehr, wenn ich mir´s angelegen seyn lassen will, man accordiert nicht mehr mit mir, ich fordere und man zahlt, du
siehst, daß es eine hübsche Lage ist. … Nur hat der neidische Dämon, meine schlimme Gesundheit, mir einen schlechten Stein ins Brett
geworfen nemlich: mein Gehör ist seit 3 Jahren immer schwächer geworden, und das soll sich durch meinen Unterleib, der schon damals
wie du weißt elend war hier aber sich verschlimmert hat indem ich beständig mit einem Durchfall behaftet war, und mit einer dadurch
außerordentlichen Schwäche, ereignet haben. Frank4 wollte meinem Leib den Ton wiedergeben durch stärkende Medizinen und mein
Gehör durch Mandelöhl, aber prosit, daraus ward nichts, mein Gehör ward immer schlechter… . Vering5 gab mir gar keine Medizin, bis
vor ungefähr 4 Tagen Pillen für den Magen und einen Thee für´s Ohr und darauf kann ich sagen befand ich mich stärker und besser
nur meine Ohren, die sausen und brausen Tag und Nacht fort, ich kann sagen, ich bringe mein Leben elend zu, seit 2 Jahren fast meide
ich alle Gesellschaften, weils mir nun nicht möglich ist, den Leuten zu sagen, ich bin Taub, hätte ich irgend ein anderes Fach, so giengs
noch eher, aber in meinem Fach ist das ein schrecklicher Zustand, dabey meine Feinde, deren Anzahl nicht geringe ist, was würden diese
hiezu sagen- um dir einen Begriff von dieser wunderbaren Taubheit zu geben, so sage ich dir, daß ich mich im Theater ganz dicht am
Orchester anlehnen muß, um den Schauspieler zu verstehen, die hohen Töne von Instrumenten und Singstimmen, wenn ich etwas weit
weg bin höre ich nicht, im Sprechen ist es zu verwundern, daß es Leute giebt, die es niemals merkten, da ich meistens Zerstreuungen
hatte, so hält man es dafür, manchmal, auch hör ich den Redenden der leise spricht kaum, ja die Töne wohl, aber die Worte nicht, und
doch sobald jemand schreit ist es mir unausstehlich, was es nun werden wird…Vering sagt, daß es gewiß besser werden wird aber nicht
ganz… Ich will wenn es nicht anders möglich ist, meinem Schicksal trotzen, obschon es Augenblicke meines Lebens geben wird, wo ich
das unglücklichste Geschöpf Gottes seyn werde. … Ich bitte dich von diesem meinem Zustand niemandem etwas zu sagen, nur als
geheimniß vertrau ich dirs an. … ich lebe nur in meinen Noten, und ist das eine kaum da so ist das andere schon angefangen, so wie ich
jetzt schreibe mache ich oft 3 oder 4 Sachen zugleich- schreibe mir jetzt öfter, ich will schon Sorge tragen, daß ich Zeit finde, dir zuweilen zu schreiben… . “
Leb wohl guter treuer Wegeler sey versichert von der Liebe und Freundschaft deines Beethoven
3
Anm.: Fürst Karl von Lichnowsky, aus einem alten Adelsgeschlecht, Schüler von W.A.Mozart, Musikliebhaber,
veranstaltete viele Konzerte in seinem Haus, der Fürst und seine Frau setzten sich sehr für Beethoven ein, 1800
garantierte er Beethoven eine jährliche Zuwendung von 600 fl., bis dieser selbst für einen Lebensunterhalt aufkommen konnte, Beethoven widmete dem Fürsten etliche seiner Werke, u.a. die Grande Sonate pathétique op.13
für Klavier
4
Wiener Arzt
5
Wiener Arzt
9
Aufgaben
1. Wie beschreibt Beethoven seine wirtschaftliche Situation um 1800?
2. Recherchiere, wie Ludwig van Beethoven seinen Lebensunterhalt in Wien verdiente.
Vergleiche seine Tätigkeiten mit denen Johann Sebastian Bachs und Wolfgang Amadeus
Mozarts.
3. Was erfahren wir über Beethovens gesundheitlichen Zustand?
4. Warum fürchtete Beethoven sich davor, andere Menschen könnten von seiner fortschreitenden Ertaubung erfahren und weihte deshalb nur seine engsten Freunde in sein
Schicksal ein?
5. Ein Musiker, der schlecht hört- ist das vorstellbar? Wie kann er sein eigenes Spielen kontrollieren, wie kann er mit anderen Musikern zusammenspielen, ein Orchester leiten,
Werke komponieren? Um eine solche Behinderung für gesunde Menschen erfahrbar
und nachvollziehbar zu machen, haben Wissenschaftler 2002 in Experimenten rekonstruiert, was Beethoven zu den verschiedenen Zeiten bis zu seiner vollständigen Ertaubung noch hören konnte und was nicht mehr. Höre dir das im Internet an unter
http://www.beethoven-haus-bonn.de/sixcms/detail.php/5622
10
IV. Zum 1.Satz: Unterrichtsverlauf
(nach einer Unterrichtsreihe „Konflikte- Widerstreit und Zwiespalt.
Die klassische Sinfonie als Spiegel des dualistischen Prinzips“ von Markus Sauter)
1. Stunde: Die musikalischen Themen
Kreatives Schreiben zur Musik: alle Schülerinnen und Schüler schreiben zu den ihnen zuvor unbekannten Hörbeispielen (Hauptthema/Seitenthema der Orchesterexposition) jeweils eine Farbe, ein Substantiv, ein Adjektiv und ein Verb auf, von dem sie meinen, dass es zur Musik passt,
welches sie mit der erklingenden Musik assoziieren, auf. Im Anschluss Sammeln der Assoziationen.
Die gefundenen eigenen Wörter sollen dann in einem 2.Schritt in die Form eines Satzes gebracht werden. Es entsteht ein kurzer Text in der Art des literarischen Symbolismus, also einer
frühexpressionistischen Sprache, dadurch erfahren die Einzelassoziationen eine Intensivierung.
Präsentation: Vortrag zum entsprechenden Hörbeispiel.
Standbilder zur Musik: Sensibilisiert durch das Sprachspiel sollen die Schüler im zweiten Teil der
Stunde in Gruppen zu 6-8 Schülern Standbilder zur Musik beider Themen bauen. Arbeitsteilige
Vorgehensweise: die eine Gruppenhälfte übernimmt das Standbild zum Hauptthema, die andere verbessert und modelliert ggfs. um, dann umgekehrte Vorgehensweise mit dem Seitenthema. Präsentation: alle Standbilder zum Hauptthema nacheinander zur Musik, dann zum Seitenthema. Anschließend Reflexion der Ergebnisse, Vergleich der Versionen (Gemeinsamkeiten/
Unterschiede der Gestaltungsmittel u.a.).
2. Stunde: Der Themenkontrast
Rekonstruktion je eines Standbildes zu jedem Thema zur erklingenden Musik. Erarbeitung der
musikalischen Mittel, die für den Themenkontrast verantwortlich sind. Ergebnissicherung auf
Arbeitsblatt 1.
3. Stunde: Die Exposition
Die Standbildgruppen der 1.Stunde finden sich wieder zusammen und führen nun zum Hörbeispiel der Orchesterexposition die beiden Themenstandbilder entsprechend der Entwicklung
ineinander über. Es entsteht eine kleine Szene- Vorstellung des Hauptthemas, nach einer kurzen Überleitung Bestätigung des Hauptthemas im Forte, nach einem Zwischengedanken geht
die Aktion an die 2.Hälfte der Gruppe über, die wiederum so lange in ihrem Standbild verharrt,
11
wie das Thema zu hören ist (an das Seitenthema schließt sich unmittelbar seine variierte Wiederholung an). Präsentation: zum Hörbeispiel, Vergleich der Fassungen.
Im Anschluss Analyse der Exposition (Exposition I Orchester). Ergebnissicherung auf dem Arbeitsblatt.
4. Stunde: Vergleich der Orchesterexposition mit der Exposition des Soloinstrumentes (mit dem Orchester)
Exemplarischer Vergleich des Zwischengedankens (T.36-44, 1.Violinen der Exposition mit b)
T.146-154, rechte Hand des Klaviers in der modifizierten Wiederholung der Exposition), Ergebnissicherung auf Arbeitsblatt
Im Anschluss Hören der gesamten Exposition unter Zuhilfenahme des Notentextes, die Schüler
haben die Aufgabe, im Vergleich exemplarisch weitere Varianten zu entdecken, im Notentext
zu markieren und zu beschreiben
5. Stunde: Weiterer Formverlauf
Analyse des weiteren Verlaufs des Satzes mit Notentext (Durchführung, Reprise, Kadenz, Coda).
Erarbeitung der Durchführung gemeinsam, Ergebnissicherung auf Arbeitsblatt; Reprise/Kadenz/Coda arbeitsteilig in Gruppen, abschnittsweises Hören der Gruppen mit MP3Playern, im Anschluss an Arbeitsphase Zusammentragen der Ergebnisse im Plenum, Einführung
bzw. Wiederholung der Begriffe Reprise, Kadenz, Coda, Ergebnissicherung auf Arbeitsblatt.
Anekdote zur Kadenz des 1.Satzes (Infoblatt zur Kadenz des 1.Satzes, zeitgenössischer Bericht
von Beethovens Schüler Ferdinand Ries)
6. & 7. Stunde: Biographische Spurensuche- Stationenarbeit zu Ludwig van Beethoven
5 Stationen á 15 Minuten, 4-6 Schüler pro Gruppe
8. Stunde: Präsentation von Ergebnissen der Stationenarbeit
z.B. Station Kreatives Schreiben- Briefe oder Malstation- Ausstellung der entstandenen Bilder,
evt. Reflexion mit Schülern…
12
Die musikalischen Themen (Arbeitsblatt)
Hauptthema T.1-16 Gliederung:
Seitenthema T.50-57 Gliederung:
13
Melodik:
Rhythmik:
Artikulation:
Dynamik:
Harmonik:
Besetzung:
Wirkung, Ausdruck:
14
Exemplarischer Vergleich der Orchesterexposition Soloexposition
In der Wiederholung der Exposition durch Klavier und Orchester (T.111-227) variiert Ludwig van
Beethoven die in der Orchesterexposition vorgestellten Themen.
Aufgabe:
Un-
tersuche, mit welchen musikalischen Mitteln Beethoven den Zwischengedanken (Takte 36-44),
der in der Orchesterexposition von den 1.Violinen vorgestellt wird, in der Wiederholung der
Exposition in der rechten Hand des Klaviers (T.146-154) abwandelt. Markiere in jedem der drei
Beispiele mindestens zwei Veränderungen und beschreibe sie kurz.
Beispiel 1: __________________________________________________________________
______________________________________________________________________________
________________________________________________________________________
Beispiel 2:
______________________________________________________________________________
______________________________________________________________________________
_____________________________________________________________________
Beispiel 3:
______________________________________________________________________________
______________________________________________________________________________
______________________________________________________________________________
15
Ludwig van Beethoven
Exposition I
Orchester
T.1-111
3.Klavierkonzert c-Moll, op.37
Exposition II
Formverlauf des 1.Satzes
T.111-227
Soloinstrument +
Orchester
16
Durchführung T.250-309
Soloinstrument + Orchester
Themenverarbeitung:
Reprise
Soloinstrument + Orchester
T.309-416
Kadenz T. 417-480
Coda T.481-507
Soloinstrument
Soloinstrument+ Orchester!
17
Ludwig van Beethoven
Exposition I
Orchester
T.1-111
Hauptsatz
(T.1-49)
Hauptthema
(T.1-16, c-Moll)
Seitensatz
(T.50-85)
Seitenthema
(T.50-57, Es-Dur)
Überleitungsgedanke
(T.17-23)
Var. Wdh. Sth.
(T.58-74, MollEintrüb.)
Ausspinnung T.1/2
des Hauptthemas
(T.24-36, Es-Dur)
Zwischengedanke
(T.36-49, es-Moll)
Überleitung zur
Schlussgruppe
(T.74-85, T.1/2 des
Hth.)
3.Klavierkonzert c-Moll, op.37
Schlussgruppe
(T.86 m.A.-111)
Schlussgruppe
(T.86 m.A.-111, EsDur- c-Moll)
Formverlauf des 1.Satzes
Exposition II
Soloinstrument +
Orchester
Hauptsatz
(T.112 m.A.-163)
Hauptthema variiert
(T.111-130, c-Moll)
T.111-227
Überleitungsgedanke
variiert (T.131-137)
Var. Wdh. Sth.
(T.172-186, Es-Dur)
Seitensatz
(T.164-186)
Seitenthema
(T.164-171, Es-Dur)
Schlussgruppe
(T.187 m.A.-249)
Schlussgruppe variiert (T.186-227, Es-esEs)
Überleitung zur
Durchführung
(T.227-249)
Ausspinnung T.1/2
des Hauptthemas
variiert (T.138-145,
Es)
Zwischengedanke
variiert (T.146-163,
B/es)
18
Durchführung T.250-309
Soloinstrument + Orchester
Themenverarbeitung:




Durchführung wird durch Oktavläufe im Klavier eingeleitet
Thematisches Material, welches in der Durchführung verarbeitet wird:
„Pochmotiv“ (T.3 bzw. T.7 aus dem Vordersatz des Hauptthemas)
Anfang des Hauptthemas (T.1/2, aufsteigender gebrochener Dreiklang mit sich anschließender im Quintraum abfallender Melodielinie)
Zudem:
 Einführung eines neuen Themas (T.260/261, espressivo zu spielende Kantilene im Klavier)
Reprise
Soloinstrument + Orchester
Hauptsatz
(T.309-339)
Hauptthema
(T.309-316 = T.1-8, c-Moll)
Verarbeitung “Pochmotiv“
(neuer Teil) (T.317-325)
Zwischengedanke variiert
(T.326-334 = 146-154)
Verarbeitung „Pochmotiv“
(neuer Teil) (T.334-339)
T.309-416
Seitensatz
(T.340-362)
Seitenthema
(T.340-347= 164-171), CDur)
Var. Wdh. Sth.
(T.348-362= 172-186), CDur)
Schlussgruppe
(T.362-416)
Schlussgruppe
(T.363 m.A.-403)
Ursprüngliche Überleitung
zur Schlussgruppe aus der
Exposition I (= T.74-82)
nun mit Überleitung zur
Solokadenz
(T. 403-416)
Kadenz T. 417-480
Soloinstrument
Coda T.481-507
Soloinstrument+ Orchester!
„Zerstörung“ des Hauptthemas, Auflösung in virtuosen Läufen
Emanzipation des „Pochmotives“ (T.481-488)
Dialog Klav.-Vc./Kb(489492)
Verdichtung ((493-500)
Dreiklangsbrechungen/
aufsteigende Skalen Klavier in Schlusston c (501507)
Var. des Seitenthemas
19
Zur Kadenz des 1.Satzes
Die 1.Aufführung des 3.Klavierkonzertes war kein großer Erfolg, erst die 2.Aufführung im Juli
1804 im Wiener Augarten verhalf dem Werk zum Durchbruch. Dieses Mal dirigierte Beethoven das Klavierkonzert, Solist war sein Schüler Ferdinand Ries.
Dieser äußert sich unter anderem auch zur von Beethoven selbst verfassten Kadenz zum
1.Satz:
„Beethoven hatte mir ein schönes Konzert in C moll (Opus 37) noch als Manuscript gegeben, um damit zum ersten Male öffentlich
als sein Schüler aufzutreten; auch bin ich der Einzige, der zu Beethoven´s Lebzeiten je als solcher auftrat… Beethoven selbst dirigirte
und drehte nur um und vielleicht wurde nie ein Concert schöner begleitet. Wir hielten zwei große Proben. Ich hatte Beethoven
gebeten, mir eine Cadenz zu komponieren, welches er abschlug und mich anwies, selbst eine zu machen, er wolle sie corrigiren.
Beethoven war mit meiner Composition sehr zufrieden und änderte wenig; nur war eine äusserst brillante und schwierige Passage
darin, die ihm zwar gefiel, zugleich aber zu gewagt schien, weshalb er mir auftrug, eine andere zu setzen. Acht Tage vor der Aufführung wollte er die Cadenz wieder hören. Ich spielte sie und verfehlte die Passage; er hieß mich noch einmal, und zwar etwas unwillig, sie ändern. Ich that es, allein die neue befriedigte mich nicht; ich studirte also die andere auch tüchtig, ohne ihrer jedoch ganz
sicher werden zu können. - Bei der Cadenz im öffentlichen Concerte setzte sich Beethoven ruhig hin. Ich konnte es nicht über mich
gewinnen, die leichtere zu wählen; als ich nun die schwerere keck anfing, machte Beethoven einen gewaltigen Ruck mit dem Stuhle;
sie gelang indessen ganz und Beethoven war so erfreut, daß er laut: bravo! Schrie. Dies electrisirte das ganze Publikum und gab mir
gleich eine Stellung unter den Künstlern. Nachher, als er mir seine Zufriedenheit darüber äußerte, sagte er zugleich: `Eigensinnig
sind Sie aber doch! – Hätten Sie die Passage verfehlt, so würde ich Ihnen nie eine Lection mehr gegeben haben.` Die Clavierstimme
des C Moll Concerts hat nie vollständig in der Partitur gestanden, Beethoven hatte sie eigens für mich in einzelnen Blättern niedergeschrieben.“6
Die Kadenz war also ursprünglich nicht auskomponiert, sondern blieb dem Virtuosen überlassen. Nachträglich hat Beethoven – wahrscheinlich für Erzherzog Rudolph- eine Kadenz zu
diesem Satz fixiert. Weitere gedruckte Kadenzen zum 3.Klavierkonzert gibt es von Ignaz
Moscheles, Clara Schumann und Carl Reinicke.
6
Osthoff, Wolfgang. Meisterwerke der Musik. Beethoven Klavierkonzert c-moll. S.27, Fink Verlag München
1965,
V. Informationen zum 2. und 3.Satz
Der 2.Satz „Largo“ trägt den Hörer durch seine von c-Moll weit entfernte Tonart E-Dur aus
der ernsten Grundstimmung des 1.Satzes in eine vollkommen andere, friedvolle Sphäre.
Der 2.Satz weist eine klare dreiteilige Form auf: 1.Teil (T.1-37) E-Dur-H-Dur, 2.Teil (T.39-52)
G-Dur-E-Dur, 3.Teil (T.53-90, Reprise des 1.Teils), E-Dur. Es ist von liedhaften 12-TaktPerioden durchzogen. „Das Thema des 2.Satzes entführt den Hörer in den Frieden ländlicher
Stille. Im Mittelteil entspinnt sich ein schöner Zwiegesang zwischen Flöte und Fagott, von
harfenähnlichen Klängen des Klaviers umrankt. In der abschließenden Wiederkehr des
Hauptteiles entzücken die verspielten, nirgends virtuos aufdringlichen Ornamente des begleitenden Klaviers.“7
Carl Czerny berichtet zum eröffnenden Solo: “Beethoven liess das Pedal durch das ganze
Thema fortdauern, was auf den damaligen schwachklingenden Clavieren sehr wohl anging,
besonders, wenn auch das Verschiebungspedal dazu genommen war. Aber jetzt, wo der Ton
weit kräftiger geworden, würden wir rathen, das Dämpfungspedal bei jedem bedeutendern
Harmoniewechsel immer wieder von Neuem zu nehmen, jedoch so, dass im Klange keine
Lücke merkbar sei. Denn das ganze Thema muss wie eine ferne, heilige und überirdische
Harmonie klingen.“8
7
Renner, Hans. Reclams Konzertführer. Reclam Stuttgart
8
Czerny, Carl. Über den richtigen Vortrag der sämtlichen Beethoven´schen Klavierwerke
Der 3.Satz ist ein Rondo, d.h. es besteht aus wiederkehrenden Refrains (Hauptthema) und
wechselnden Couplets (Zwischenteilen). Innerhalb der Refrains und Couplets wechseln sich
Solo und Tutti ständig ab. Mit diesem Rondo verbinden sich Elemente der Sonatensatz- anlage.
Formale Anlage 9
1.Refrain (Haupt-
1.Couplet
thema)
2.Refrain
2.Couplet
mit modifizierter
Kadenz (T.152)
T.1-55
T.56-126
T.127-181
T.182-229
Expositionscharakter
3.Refrain
4.Refrain
1.Couplet
Kurze Solo-
Presto-
(Fugato des Hth.)
(verkürzt)
(Wiederholung)
kadenz
Coda
T.230-318
T.298-318
T.319-364
Durchführungscharakter: Reprisencharakter
Verarbeitung des Hth.
9
Nach: Osthoff, Wolfgang. Beethoven Klavierkonzert c-moll, Wilhelm Fink Verlag
Coda
Rondothema:
Die Couplets führen eigenes motivisches Material ein, sind aber mit ihrem Sechzehntelmotiv
eng mit dem Rondothema verwandt.
2.Couplet:
Eine ausführliche Analyse des 2. und 3.Satzes findet sich in Wolfgang Osthoffs Heft Beethoven Klavierkonzert c-moll.
VI. Biographische Spurensuche- Stationenarbeit zu Ludwig van
Beethoven (Ausarbeitung und Zusammenstellung durch Referendare
des Seminars Stuttgart)
Informationen zur Stationenarbeit:
Das Material umfasst insgesamt 8 Stationen zur Auswahl. Jede Station ist so konzipiert, dass
sie ca. 15 Minuten für die Bearbeitung beansprucht. Die Stationen versuchen verschiedene
Sinne und Lerntypen anzusprechen und verfolgen damit einen ganzheitlichen Ansatz. Zudem
sind sie unterschiedlich anspruchsvoll gestaltet, eine Auswahl kann sich also auch am
Schwierigkeitsgrad orientieren.
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
Musik erfinden- Eine Melodie entsteht
Kreatives Schreiben
Malstation
Rätsel- und Spielstation
Steckbrief
Hörstation
Beethoven in Wien
„Ode an die Freude“- die Hymne der Europäischen Union
1. Station: Eine Melodie entsteht
Mit zunehmender Taubheit entwickelte Beethoven einen ganz eigenen Stil, zu komponieren. Sein Schüler Ferdinand Ries berichtet davon:
„Bei einem Spaziergange […] hatte er den ganzen Weg über für sich gebrummt oder
theilweise geheult, immer herauf und herunter, ohne bestimmte Noten zu singen. Auf
meine Frage, was das sei, sagte er: ‚Da ist mir ein Thema zum letzten Allegro der
Sonate eingefallen‘. Als wir ins Zimmer traten, lief er, ohne den Hut abzunehmen,
an's Klavier. Ich setzte mich in eine Ecke, und er hatte mich bald vergessen.“10
Aufgabe:
An dieser Station sollst du selbst eine Melodie entstehen lassen. Die Noten, die du
unten siehst, sind ein Thema aus Beethovens Klaviersonate Nr. 8 c-Moll op. 13
(Pathétique) von 1799. In der Melodie fehlen ein paar Töne (angezeigt durch die
Pausen).
Versuche, am Keyboard die fehlenden Noten neu zu erfinden! Dabei kann in eine
Pause auch mehr als eine Note gesetzt werden. Vergleiche anschließend deine Ergebnisse mit denen deiner Gruppe – habt ihr ähnliche oder völlig verschiedene Melodien erfunden?
10
Aus Barry Cooper: Das Beethoven Kompendium. München 1992, S. 157.
Information und Anregungen
Das Anfangsthema des 2. Satzes aus der Klaviersonate Nr. 8 (Pathetique) op. 13
wurde zur Verwendung für diese Stationenarbeit von As-Dur nach C-Dur transponiert, um pianistisch weniger erfahrenen SuS die Bearbeitung zu erleichtern. Der Beginn des Satzes ist in der Originaltonart unten zu finden.
Zur Durchführung der Station sind einige Keyboards (optimaler Weise mit Kopfhörer)
nötig, damit die SuS in Ruhe für sich ausprobieren können.
Als Binnendifferenzierungsmöglichkeit bietet sich das Weglassen weiterer Noten aus
der Melodiestimme an. Zudem kann ein Thema eines anderen Satzes / einer anderen Klaviersonate ausgewählt werden (mit schnellerem Tempo).
Beginn des 2. Satzes in der Originaltonart.11
11
http://imslp.org/wiki/Special:ImagefromIndex/30364
2. Station: Kreatives Schreiben
1795 begann Beethovens Gehörleiden. Er wurde schwerhörig und später sogar völlig
taub. Für Beethoven als Musiker war dies ein Schicksalsschlag, mit dem er in seinen
späten Lebensjahren schwer zu kämpfen hatte. Man weiß bis heute nicht genau, um
welche Erkrankung es sich bei Beethoven handelte, aber sie zwang ihn, sich nach
und nach immer mehr aus dem öffentlichen Leben zurückzuziehen.
Versetze dich nun in die Lage Beethovens und schreibe einen Brief an deinen besten
Freund, in dem du ihm deine Ängste, Sorgen und Probleme bezüglich des Gehörleidens anvertraust.
3. Station: Malstation
Aufgabe: Höre der Musik aufmerksam zu und male ein zur Musik passendes Bild auf
ein großes Papier.
Für die Lehrerin/den Lehrer:
Material: Zeichenblock oder Papier (DinA3), Wasserfarben, Pinsel, (Marmeladen-)
Gläser mit Wasser
Musikbeispiel op. 31, Nr. 2: Klaviersonate Nr. 17 (Sturm), 3. Satz: Allegretto 12
Interpret: Daniel Barenboim
Das Musikbeispiel sollte während der gesamten Arbeitsphase erklingen.
12
Quelle: http://www.mp3cool.eu/index.php?q=tempest+third+movement
4. Station: Lesen und Rätseln
Lesen:
Ludwig van Beethoven wurde 1770 in Bonn geboren und ist eine sehr wichtige Persönlichkeit in der deutschen und europäischen Musikgeschichte. Noch heute haben
seine Kompositionen eine bedeutende Rolle im internationalen Konzertrepertoire.
Beethoven hinterließ ein sehr umfangreiches Werk verschiedener Gattungen (Sinfonien, Konzerte, Kammermusik, Sonaten, Streichquartette, Klaviertrios, Lieder,
Oper,…). Bis zum Alter von 50 Jahren wirkte er außerdem als gefeierter Pianist.
Beethovens Vater ging schon früh davon aus, dass sein Sohn eine Karriere als Pianist anstreben würde, da der kleine Ludwig als Wunderkind am Klavier galt. Mit ungefähr 10 Jahren bekam Beethoven Unterricht bei C.G. Neefe, der ihm Komposition,
Generalbass und Orgelspiel lehrte. Im April 1787 war Beethoven für kurze Zeit auch
Schüler von Mozart. Ein Jahr nach Mozarts Tod reiste Beethoven ins musikalische
Zentrum Europas: Wien. Die Stadt Wien blieb schließlich Beethovens Domizil. Beethoven wurde von verschiedenen Förderern und Gönnern unterstützt, sodass er als
Komponist und Pianist großen Erfolg hat. Seine Musik wurde von einem breiten Publikum mit Begeisterung aufgenommen. Beethoven war einer der ersten Komponisten
ohne feste Anstellung. Er lebte allein von seinen Kompositionen und der freundschaftlichen und finanziellen Unterstützung reicher Adliger. Beethoven besaß einen
unbeugsamen Freiheitswillen, was sich auch daran zeigte, dass er sich nie als Unterlegener oder Bittsteller empfand, sondern gegenüber Fürsten und Adliger sich als
Ebenbürtiger einordnete. Die Französische Revolution von 1789 mit den Forderungen „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ spielte für Beethoven in diesem Zusammenhang gleichfalls eine große Rolle
Im Alter von etwa 27 Jahren wurden erste Anzeichen eines Gehörleidens deutlich.
Ab 1808 wurde Beethoven schwerhörig und etwa 1819 ertaubte er völlig. Diese
Krankheit war für Künstler und Komponist eine persönliche schicksalhafte Katastrophe, die auch gesellschaftliche Isolation mit sich brachte. Nachdem seine Auftritte als
Pianist und Dirigent durch das Gehörleiden zunehmen erschwert wurden, stürzte der
Komponist in eine gesundheitliche und persönliche Krise. Durch sein inneres Vorstellungsvermögen und eine überwältigende Fantasie wurde sein Leiden aber aufgewo-
gen, sodass ihm seine künstlerische Gestaltungskraft als Komponist trotz Krankheit
erhalten blieb.
Nach seinem Tod im März 1827 blieb seine Musik weiterhin als Ideal bestehen und
wurde zum Vorbild für nachfolgende Komponisten und Interpreten. Zum Begräbnis
Beethovens kamen ungefähr 20.000 Menschen.13
13
DTV-Atlas zur Musik Band 2, München 1985; Harenberg Komponistenlexikon, Dortmund
2001; Soundcheck 2/3, Hannover 2002
Rätsel zum Leben und Wirken von Ludwig van Beethoven
1. Beethoven war … von Mozart
2. Wohnort Beethovens
3. Name eines Lehrers von Beethoven
4. Eine Gattung, die in Beethovens Komposition neun Mal vorkommt
5. Diese hat Beethoven gerne fürs Klavier geschrieben
6. Beruf Beethovens
7. Ein sehr begabtes musikalisches Kind
8. Eine Krankheit, die dem Komponisten widerfuhr
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
8.
_______
____
_____
________
______
_______
__________
_ _ _ _ _ _ _ _ _ __
Lösungen:
1.
2.
3.
4.
5.
6.
7.
Schüler
Wien
Neefe
Sinfonie
Sonate
Pianist
Wunderkind
8. Gehörleiden
Spiel: Tabu
Vorbereitung:
Tabukarten ausschneiden und ggfls. laminieren.
Das wird benötigt:
 Eine Sanduhr oder Stoppuhr,
 Signalton (Wecker, Hupe, Klingel o.ä.)

Ausgeschnittene Tabukarten
Spielregeln
„Dazu wird ein Zeitmeister benötigt (er misst die Zeit und schreit STOP, wenn die
Sanduhr leer ist). Weiterhin wird ein Quietschmeister benötigt (er quietscht, wenn ein
Gegner einen Begriff sagt, welchen er nicht benutzen darf; siehe unten).
Das Spiel dreht sich um das Erklären von Begriffen. Bei dem beliebten Partyspiel, an
dem beliebig viele Personen teilnehmen können, erklärt ein Spieler seiner Mannschaft einen Begriff und darf dabei weder eines der fünf [drei] Tabuwörter verwenden, noch einen Bestandteil des gesuchten Wortes (Bei „Eisbär“ darf beispielsweise
weder „Eis“ noch „Bär“ gesagt werden). Außerdem beginnt der Zeitmeister das Spiel,
indem er die Sanduhr umdreht. Hierüber wacht ein Spieler der gegnerischen Mannschaft mit einer Hupe in der Hand, die er bei Regelverletzung oder bei Verstreichen
der Zeit betätigt. Der Spieler versucht, innerhalb einer vorgegebenen Zeit so viele
Begriffe wie möglich zu erklären. Pro erratenen Begriff gibt es einen Punkt. Kann ein
Spieler einen Begriff nicht erklären, weil es zu schwierig ist oder es zu viel Zeit kostet, darf er die Karte auslassen. Dabei wird kein Punkt abgezogen. Wird ein Tabuwort
benutzt, muss der Spieler zum nächsten Begriff übergehen und bekommt einen
Punkt abgezogen. Es wird abwechselnd geraten, bis eine Mannschaft […] Punkte
erreicht.“14
14
http://de.wikipedia.org/wiki/Tabu_%28Spiel%29
C.G Neefe
9. Sinfonie
____________________________
________________________
Lehrer
Sinfonie
Klavier
Orchester
Komposition
Chor
Freiheitswillen
Wunderkind
_______________________
__________________________
Anstellung
Klavier
Risiko
Vater
Französische Revolution
Pianist
Wien
____________________________
Begräbnis
____________________________
Stadt
Tod
Österreich
Beerdigung
1827
5. Station: Steckbrief
6. Station: Hörstation
Aufgabe 1:
Höre dir die Hörbeispiele A und B an (A=Spur 1, B=Spur 2). Höre von jedem Beispiel
etwa 2 Minuten, um einen Höreindruck zu bekommen. Ein Beispiel davon ist aus der
Zeit vor seiner Taubheit, das andere aus der Zeit nach seiner Taubheit – wie wirkt sich
seine Gehörlosigkeit auf die Musik aus? Was empfindest du? Wie wirkt die Musik auf
dich? Fülle die beiden Adjektiv-Listen aus – bei jedem Begriff gibt es drei Möglichkeiten
(-1, 0, 1) kreuze eine davon an, je höher die Zahl, desto stärker der Eindruck (z.B. 1 für
sehr schnell). Benutze zwei unterschiedliche Farben zum Ausfüllen der Tabelle (z.B. rot
für Hörbeispiel A und grün für Hörbeispiel B), so kannst du die gleiche Tabelle verwenden ;-)
-1
0
1
schnell
melodisch
kompliziert
kontrastreich (laut, leise, viele spielen, wenige spielen)
variationsreich (gleiches Thema mit Änderungen)
melancholisch (traurig, wehmütig)
effektreich (viele Spieltechniken)
kanonartig
unruhig
ausdrucksvoll
ernst
verspielt
anstrengend
in sich gekehrt
fröhlich
geordnet
vertraut
virtuos
Aufgabe 2:
Was denkst du? Welches Hörbeispiel ist früher entstanden, welches später? Orientiere
dich dabei an deinen Hörergebnissen aus der Adjektiv-Liste.
früh: ______________________________________________________________
spät: ______________________________________________________________
und begründe kurz weshalb du dich so entschieden hast! (Denke daran, was für Folgen seine Taubheit auf seine Musik haben könnte)
______________________________________________________________________
______________________________________________________________________
______________________________________________________________________
Infoblatt
Station: Hörbeispiele
Beethovens Taubheit hatte zur Folge, dass dieser nicht mehr als Pianist arbeiten
konnte. Er hat aber deshalb nicht aufgehört zu komponieren. Im Gegenteil: einige
seiner berühmtesten Werke entstanden in der Zeit als ihm klar wurde, dass er sein
Gehör wohl ein für alle Mal verlieren würde oder schon gar nichts mehr hören konnte,
wie z.B. die Fünfte Sinfonie (nicht umsonst auch Schicksalssinfonie genannt), die
Neunte Sinfonie, die Missa Solemnis und einige seiner Streichquartette.
Durch sein Gehörleiden änderte sich einiges in seinem Umfeld. Er wurde einsamer,
misstrauisch und zog sich zurück.
Seine Musik allerdings war in ihm. Im Gegensatz zu anderen Komponisten komponierte
er recht wenig am Klavier - er saß meistens am Tisch und schrieb vieles aus dem Kopf
heraus. Trotzdem lassen sich gewisse Unterschiede zu seinen früheren Werken
erkennen.
Bearbeite die beiden Aufgaben auf dem Arbeitsblatt an dieser Station.
Für LehrerIn:
Als Hörbeispiele eignen sich
Streichquartette
Früh:
Op. 18 N°2, 1. Satz
Spät:
Op. 131 N° 14, 5. Satz
7. Station: Beethoven in Wien
8. Station „Ode an die Freude“ - die Hymne der Europäischen Union
Ludwig van Beethovens Musik kennt man in jedem Land der Europäischen Union: Die
Melodie der Europahymne stammt von ihm. Beethoven komponierte die Musik ursprünglich für das Hauptthema des 4. Satzes seiner 9. Symphonie. Die Komposition
entstand zwischen 1822-24 in Wien für Chor und großes Symphonieorchester. Der Text
stammt von Friedrich Schiller, der 1785 die „Ode an die Freude“ verfasst hatte. Mit ihr
brachte Schiller seine idealistische Vision, dass alle Menschen zu Brüdern werden, zum
Ausdruck – eine Vision, die Beethoven teilte.
1972 erklärte der Europarat die Melodie von Beethovens „Ode an die Freude“ zu seiner
Hymne. Dies war zuvor auf einer Sitzung in Berlin im Schatten der Mauer beschlossen
worden. 1985 wurde sie von den Staats- und Regierungschefs der EU-Mitgliedstaaten
zur offiziellen Hymne der Europäischen Union erklärt. Ohne Worte, nur in der universellen Sprache der Musik, bringt sie die europäischen Werte Freiheit, Frieden und Solidarität zum Ausdruck. Die Hymne der Europäischen Union soll die Nationalhymnen der
Mitgliedstaaten nicht ersetzen; sie steht vielmehr für die Werte, die diese Länder teilen.
Der Dirigent Herbert von Karajan wurde beauftragt, drei Instrumentalversionen zu
schreiben, für Klavier, Symphonieorchester und Blasorchester.
Seit einiger Zeit wird darüber diskutiert, ob die Hymne auch mit Worten unterlegt werden sollte. Dabei stellt sich die Frage nicht nur nach der Sprache, sondern auch nach
dem Inhalt.
EU Parlament in Straßburg 2014:
Abgeordnete rechter Parteien verweigern bei der Konstituierung des
neuen EU-Parlaments die Europahymne
Foto: www.kurier.at
Aufgaben:
1. Wozu benötigen wir eine EU-Hymne?
2. Betrachte das Bild der EU-Parlamentarier. Warum haben sich 2014 einige Parlamentarier rechter Parteien beim Erklingen der Hymne abgewandt?
3. Vergleiche die Textvorschläge zur Europahymne.
a) Welcher der beiden Vorschläge erscheint Dir geeigneter?
b) Skizziere bei dem Textvorschlag von Peter Diem für jede
Strophe die grundlegende Idee, die dahinter steckt.
c) Entwerfe einen eigenen EU-Hymnen-Text. Achte darauf, dass er zur Musik Beethovens passt!
4. Bei der Einführung der Europahymne wurde bewusst auf einen Text verzichtet.
a) Was könnte der Grund dafür sein?
b) Sollte die Hymne der EU Deiner Meinung nach einen Text haben?
c) Vergleicht die Texte zur Europahymne mit dem Originaltext von Friedrich Schiller, den Beethoven für seine Melodie verwendete.
d) Warum war der Text von Schiller in der damaligen Zeit außergewöhnlich? Welche zeitgeschichtlichen Umstände könnten Beethoven bewogen haben, ihn zu
benutzen?
e) Vergleiche die Musik der EU-Hymne mit der deutschen Nationalhymne.
f) Auch andere Hymnen haben keinen Text.
Recherchiere, warum die Nationalhymne der DDR keinen Text hatte.
5. Nimm Stellung zu dem Zitat von Louis Spohr:
„Ich […] gestehe frei, daß ich den letzten Arbeiten Beethovens nie habe Geschmack
abgewinnen können. Ja, schon die viel bewunderte neunte Symphonie muß ich zu
diesen rechnen […], deren vierter Satz mir […] monströs und geschmacklos und in
seiner Auffassung der Schiller’schen Ode so trivial erscheint, daß ich immer noch
nicht begreifen kann, wie ihn ein Genius wie der Beethoven’sche niederschreiben
konnte. Ich finde darin einen neuen Beleg zu dem, was ich schon in Wien bemerkte,
daß es Beethoven an ästhetischer Bildung und an Schönheitssinn fehle.“
6. Der Dirigent Leonard Bernstein vertauschte bei der Aufführung der 9. Symphonie
von Ludwig van Beethoven in Berlin im Jahr 1989 das Wort Freude mit dem Wort
„Freiheit schöner Götterfunken“. Was wird der Grund dafür gewesen sein?
7. 1961 wurde darüber debattiert, statt der Musik von Beethoven den Schlusssatz der
Feuerwerksmusik von Georg Friedrich Händel als europäische Hymne zu nehmen.
Er hatte sich bei europäischen Hörfunksendungen etabliert.
Höre Dir den Schlusssatz der Feuerwerksmusik an und entscheide, welche Musik
passender wäre!
8. Die Melodie „Die Ode an der Freude“ von Beethoven erklang auch regelmäßig bei
den Geburtstagskonzerten von Adolf Hitler und wurde unter Zwang von Häftlingen in
Konzentrationslagern musiziert. Darf die Musik trotzdem als Europäische Hymne
benutzt werden? Begründe Deine Antwort.
Arbeitsmaterialien: Hörbeispiel Europahymne und „Ode an die Freude“
Text: 9. Symphonie Ludwig
van Beethoven von Friedrich
Schiller
Allegro assai
Freude, schöner Götterfunken,
Tochter aus Elysium,
Wir betreten feuertrunken,
Himmlische, dein Heiligtum!
Deine Zauber binden wieder,
Was die Mode streng geteilt;
Alle Menschen werden
Brüder,
Wo dein sanfter Flügel
weilt.
Wem der große Wurf gelungen,
Einen Freundes Freund zu
sein;
Wer ein holdes Weib errungen,
Mische seinen Jubel ein!
Ja, wer auch nur eine
Seele
Sein nennt auf dem Erdenrund!
Und wer’s nie gekonnt,
der stehle
Weinend sich aus diesem
Bund.
Freude trinken alle Wesen
An den Brüsten der Natur;
Alle Guten, alle Bösen
Folgen ihrer Rosenspur.
Küsse gab sie uns und
Reben,
Einen Freund, geprüft im
Tod;
Wollust ward dem Wurm
gegeben,
Und der Cherub steht vor
Gott!
Textvorschlag zur Europahymne von Dr. Peter Diem
Froh wie seine Sonne fliegen
Durch des Himmels
prächt’gen Plan,
Laufet, Brüder, eure Bahn,
Freudig, wie ein Held zum
Siegen.
Seid umschlungen Millionen.
Diesen Kuß der ganzen
Welt!
Brüder! Über’m Sternenzelt
Muß ein lieber Vater wohnen.
Ihr stürzt nieder, Millionen?
Ahnest du den Schöpfer,
Welt?
Such’ ihn über’m Sternenzelt!
Über Sternen muß er
wohnen.
Unser Herz schlägt für Europa
Und wir stehen dafür ein,
Dass dem Erdteil es gelinge,
In der Vielfalt eins zu sein.
Ewig währen in Europa
Friede und Gerechtigkeit,
Und die Freiheit seiner Völker
Sei verbrieft auf alle Zeit.
Blühe, Vaterland Europa,
Bringt das große Werk voran!
Sternengold im blauen Banner,
Dieses Zeichen führt uns an.
Textvorschlag II zur Europahymne Verfasser: Anonymus
Unity has come to Europe,
Unity is here to stay.
Unity is our future Long live Europe, come what
may!
North and South will work
together
Just as friends and neighbours should.
East and West will grow together Brotherhood and sisterhood!
Europe, may your peoples
flourish,
Let the common banner rise!
Stars of gold and blue of sky
Are the colours that we prize
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