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Katholische Stadtteilkirche Altenerding

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VL WiVerwR für ReWiTech
Berufsrecht der Ziviltechniker im Überblick
Carsten Roth
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A. Begriff „Ziviltechniker“
§ 1 Abs 1 ZTG
natürliche Person (Achtung: ZT-Gesellschaft möglich, dazu unten G. )
Freiberufliche Tätigkeit (dazu unten C.)
Ingenieur- oder naturwissenschaftliches Fachgebiet
Problem: Studienrichtung mit mehreren Studienzweigen
Studienrichtung oder nur für Studienzweig?
Befugnis für
VwGH 95/06/0097
§ 1 Abs 2 ZTG
Architekten
Ingenieurkonsulenten
Ziviltechniker als „Berater“ nicht „Handwerker“
Frühere Zivilingenieure (Befugnis bis 1994 verliehen)
Leistungen berechtigt; Befugnis bleibt aufrecht, § 40 ZTG
auch zu ausführenden
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B. Berufsspezifische Rechtsgrundlagen
Bundesgesetz über Ziviltechniker (Ziviltechnikergesetz 1993 – ZTG),
BGBl 1994/156 idgF
Bundesgesetz über die Kammern der Architekten und Ingenieurkonsulenten
(Ziviltechnikerkammergesetz 1993 – ZTKG), BGBl 1994/157 idgF
Bundesgesetz über die Standesbezeichnung „Ingenieur“ (Ingenieurgesetz 2006 – IngG 2006),
BGBl. I 2006/120 idgF
Verordnung des Bundesministers für wirtschaftliche Angelegenheiten über die
Ziviltechnikerprüfung (ZT-Prüfungsverordnung), BGBl 1994/750 idgF
Verordnung des Bundesministers für wirtschaftliche Angelegenheiten über die Wahlen der
Organe der Ziviltechnikerkammern (Ziviltechnikerkammer-Wahlordnung), BGBl 1997/457 idgF
Standesregeln der Ziviltechniker (= Verordnung der BKArchIng),
http://www.arching.at/baik/berufs-und-kammerrecht/verordnungen-baik/content.html
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C. Ziviltechniker als „freier Beruf“
Merkmale klassischer freier Berufe
Hoher Ausbildungsgrad
Überwiegend geistige Tätigkeit
Persönliche Leistungserbringung
Wirtschaftliche / fachliche Unabhängigkeit
idR eigenes Standesrecht (dazu unten H.)
idR berufliche Selbstverwaltungsorganisation mit Kammerzwangsmitgliedschaft und
Disziplinargewalt der Kammer (dazu unten I.)
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C. Ziviltechniker als „freier Beruf“
Insbesondere: Selbstverwaltung
Verwaltung vs Selbstverwaltung
Berufliche Selbstverwaltung als „sonstige Selbstverwaltung“ iSv Art 120 a ff B-VG
Eigener Wirkungsbereich (Art 120 a Abs 1) vs übertragener Wirkungsbereich (Art 120 b Abs 2)
Berufliche Selbstverwaltung als staatliche Verwaltung? (zB Art 18 B-VG?)
Ablehnend zB Binder/Trauner, Öffentliches Recht – Grundlagen 3 Rz 1107: berufliche
Selbstverwaltung ist öffentliche, aber nicht-staatliche Aufgabe
Selbstverwaltung in der Gesellschaft
Bejahend zB Adamovich/Holzinger/Funk/Frank, Österreichisches Staatsrecht, Bd II2, Rz 32.002 f::
zumindest Teil der eigenständig zu besorgenden Aufgaben ist Verwaltungstätigkeit (nicht aber
Interessenvertretung nach außen)
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C. Ziviltechniker als „freier Beruf“
„Memo Ziviltechnikerkammern“
Körperschaften des öffentlichen Rechts, § 1 Abs 1 ZTKG
Organe: §§ 7 ff (Länderkammern); §§ 20 ff ZTKG (Bundeskammer)
ZB Präsident: § 8 Abs 2 ZTKG (Länderkammern); § 21 Abs 2 ZTKG (Bundeskammer)
Unterteilung in Sektionen
LK: § 3 ZTKG; BK § 25 ZTKG
Architekten; Ingenieurkonsulenten
Wahl von Kammerorganen nach demokratischen Grundsätzen
zB Länderkammern: Wahlen der Sektionsvorstände (§ 13); diese bilden
Kammervorstand (§ 10), Kammervorstand wählt Präsident/Vizepräsident (§ 8)
Einzelheiten: ZT-Wahlordnung
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C. Ziviltechniker als „freier Beruf“
Weisungsfreiheit im eigenen („selbständigen“) Wirkungsbereich
vgl § 2 Abs 2 (LK) sowie § 18 Abs 2 (BK); aber: staatliche Aufsicht
Satzungsrecht (= Verordnungsrecht) im Rahmen der Gesetze
zB BArchIng-Kammer: Standesregeln gem § 32 ZTKG
Insbes auch Vertretung der Interessen des Berufsstandes nach außen
Weisungsbindung im übertragenen Wirkungsbereich (
Weisung und Aufsicht)
Pflichtmitgliedschaft, § 5 ZTKG
mit Verpflichtung zur Entrichtung eines Kammerbeitrags (Umlage, § 6 ZTKG)
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D. Berufsantritt
Echtes Konzessionssystem: Verleihung der Befugnis durch BMin WiFoWi
nach Anhörung der jeweiligen LKArchIng
Antrittsvoraussetzungen: §§ 5 ff ZTG
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E. Berufsausübung
Allgemeine ZT-Befugnisse, § 4 Abs 1 ZTG
Besondere Fachgebietsbefugnisse, § 4 Abs 2 ZTG
Keine ausführenden Tätigkeiten, § 4 Abs 4 ZTG
Ausstellung öffentlicher Urkunden, § 4 Abs 3 ZTG
ZT als mit öffentlichem Glauben versehene Personen nach § 292 ZPO
Abgrenzung private Urkunden vs öffentliche Urkunden
Voraussetzungen für Öffentliche Urkunde nach ZTG
Reichweite der Befugnis als Grenze des Öffentlichen Glaubens
Mediative Tätigkeiten
Ausübung der Befugnis, § 14; Verschwiegenheitspflicht, § 15; „Sammelbecken“, § 16; Erlöschen/Ruhen der Befugnis, § 17; ZT-Ausweis, § 19 ZTG
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F. Konkurrierende Berufe nach GewO
§ 4 Abs 5: „Die zur Berufsausübung der Ziviltechniker zählenden Tätigkeiten unterliegen nicht GewO;
Berechtigungen anderer Personen […] insbesondere aus der Gewerbeordnung […] werden durch
dieses Bundesgesetz nicht berührt.“
Teilweise Überschneidungen mit
Ingenieurbüros (beratende Ingenieure), § 94 Z 69, § 134 GewO
− Befähigungsnachweis: Ingenieurbüro-Verordnung, BGBl II 2003/89 idgF
− Standesregeln: VO des BMin für wirtschaftliche Angelegenheiten über Standesregeln für
Betreiber von technischen Büros, BGBl 1990/726 idgF
Baumeister / Baugewerbetreibender / gewerblicher Architekt, § 94 Z 5, § 99 GewO
− Befähigungsnachweis: Baumeister-Verordnung, BGBl II 2003/30 idgF
− Eingeschränkte Substitutionsmöglichkeit nach § 19, vgl § 99 Abs 3 GewO
[Brunnenmeister, § 94 Z 5, § 100 GewO; Steinmetzmeister, § 94 Z 66, § 133; Holzbaumeister, § 94 Z 82, § 149]10
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F. Konkurrierende Berufe nach GewO
Vertiefung: gewerblicher Architekt
Der gewerbliche Architekt ist ein Baumeister,
der
−
zur umfassenden Planung und Berechnung von Bauten aller Art berechtigt ist,
−
die Voraussetzungen von Art 49 BerufsanerkennungsRL erfüllt,
−
(nur) mangels Berechtigung zur Führung der Bezeichnung Architekt“ von Auftragsvergaben im
EU/EWR-Raum ausgeschlossen ist
und dem
−
aufgrund Feststellungsbescheids des BMin WiFoWi die Berechtigung zur Führung dieser
Bezeichnung zusteht
Kein Architekt iSd ZTG, sondern Baumeister nach der GewO!
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G. Ziviltechnikergesellschaften
Geregelt in §§ 21 ff ZTG
OG, KG, GmbH, AG = eigene Befugnis
die ZT-Gesellschaft ist selber ZT iSd ZTG!
GbR mit Gewerbetreibenden nur eingeschränkt möglich, § 21 Abs 3
Gesellschafter: nur natürliche Personen und berufsbefugte ZT-Gesellschaften
Durchmischungsverbot, § 26 Abs 2
Einzelheiten: Selbststudium
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H. Berufs- und Standesregeln
Teilw. in ZTG selbst geregelt (zB §§ 14, 15 ZTG)
Teilw. in Standesregeln der BKArchIng
Verordnung (Satzung) aufgrund § 32 ZTKG
Besondere Kundmachungsregel, § 32 Abs 3 ZTKG
Inhalte, § 32 Abs 1 Satz 2 ZTKG
zT Konkretisierung von „Ehre und Würde des Standes“ iSv § 14
zT Überschneidung mit speziellen Pflichten nach ZTG
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I. Disziplinarrecht, §§ 55 ZTKG
Disziplinargewalt der Kammer
Disziplinarausschuss, § 57 ZTKG
Weisungsfreiheit, § 58 Abs 7 ZTKG
Verfahrensablauf, §§ 60 – 75 ZTKG [Anlehnung an Strafprozess]
Disziplinarstrafen, § 56
Disziplinartatbestand, § 55 ZTKG
Problem: Bestimmtheit?
VfGH 17.713/2005: Konkretisierungspflicht d. Disziplinarorgans
„Ehre und Würde des Standes“
zB BKD 065/12: wissentliche Falscherstellung eines
Lageplans durch Ingenieurkonsulent für Vermessungswesen
Standesregeln vs Meinungsfreiheit
Problem: ne bis in idem?
zB BKD 063-1/11
VfGH11.543/1999: „disziplinarrechtlicher Überhang“
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