close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

Kamagra 100mg Buy Paypal (Kamagra

EinbettenHerunterladen
Mittelstand.
DER
05 / 2014 | Oktober/November 2014 | 4,90 Euro
Das Unternehmermagazin
Themenschwerpunkt: Mittelstand und Finanzen
mne
u
l
o
k
z
n
a
n
i
Jetzt mit F
Finanzierung:
Der Mix macht´s
Nachhaltig, gerecht
und europäisch
Cem Özdemir
Bundesbank
auf Abwegen
Dr. Hans-Jürgen Völz
.11.2014
bis zum 16 nd
en u
buch
eil
1 preisvort
94 €
sichern
TM und © 2014 Apple Inc. Alle Rechte vorbehalten.
ein angebot fÜr verbandsmitglieder des bvmw
business mobile data m box
 HotSpot Flat
 Daten Flat mit 3 GB und bis zu 21,6 MBit/s
 100 GB Speicherplatz
 Bis zu 10 Nutzer
 Mobiler Zugriff
 Dokumente gemeinsam bearbeiten
nur
iPad mini (16 GB) mit Retina Display
92,40 €
2
einmalig nur
im Tarif Business Mobile Data M Box
31,89 €/Monat , 3 Monate Grundpreis sparen
2
Wir beraten Sie gerne: telefonisch unter 0800 3306009 oder per E-Mail an Verbaende-Vorteil@telekom.de
Alle Preisangaben netto. Änderungen und Irrtümer vorbehalten. Nur solange der Vorrat reicht. Das Angebot ist im Rahmenvertrag RV 21754 gültig.
1) Die Ersparnis von 94 € netto/112 € brutto errechnet sich aus der kostenlosen Überlassung des Produkts Box Starter bei gleichzeitiger Beauftragung von Business Mobile Data M und Box Starter.
2) Der mtl. Grundpreis für Business Mobile Data M mit Endgerät beträgt 31,89 € netto/37,95 € brutto. Der einmalige Bereitstellungspreis beträgt 25,17 € netto/29,95 € brutto. Mindestvertragslaufzeit 24 Monate. Gilt für nationalen Datenverkehr
im Mobilfunknetz der Telekom. Ab einem Datenvolumen von 3 GB pro Monat wird die Bandbreite im jeweiligen Monat auf max. 64 KBit/s (Download) und 16 KBit/s (Upload) beschränkt. Die HotSpot Flat ist inklusive und gilt nur an dt. HotSpots
(WLAN) der Telekom. Die Flatrate kann nicht für BlackBerry ® Optionen, VoIP, Instant Messaging und Peer-to-Peer-Verkehre genutzt werden. Nicht in Verbindung mit MultiSIM buchbar. Mit Abschluss des Tarifs erhält der Kunde per SMS einen
Aktionscode, der dem Wert der monatlichen kostenfreien Nutzung des Produkts Box Starter durch einen Nutzer auf dem Telekom Business Marketplace der Deutschen Telekom AG entspricht. Die Einlösung des Aktionscodes erfolgt auf
dem Telekom Business Marketplace und setzt gegebenenfalls eine vorherige Registrierung des Kunden voraus. Der Aktionscode gilt ab Einlösung und ist auf die Laufzeit des Vertrags mit dem Kunden über den Tarif begrenzt. Der Kunde ist
berechtigt, den Aktionscode alternativ im Rahmen eines anderen auf dem Telekom Business Marketplace verfügbaren Box Produkts zu verwenden. Das Angebot ist bis zum 16.11.2014 befristet. Bei Abschluss eines Neuvertrages im Tarif
Business Mobile Data M Box bis zum 16.11.2014 entfallen der einmalige Bereitstellungspreis und der monatliche Grundpreis für 3 Monate. Ein Angebot von: Telekom Deutschland GmbH, Landgrabenweg 151, 53227 Bonn.
Der Mittelstand. | 5 | 2014
E
Auf der anderen Seite sieht die Bundeskanz­
lerin keinen Spielraum für eine finanzielle
Entlastung. Und das, obwohl Deutschland mit
einer Abgabenquote von 49,4 Prozent im welt­
weiten Steuervergleich auf Rang 89 von ins­
gesamt 189 steht. Ein Durchschnittsverdiener
büßt bei uns derzeit durch Steuern und Abgaben
51,5 Prozent seines Einkommens ein. Selbst ein
Brief aus Brüssel konnte Angela Merkel nicht
erweichen. Darin forderte die EZB die Bundes­
regierung auf, Arbeitnehmer in Deutschland
durch eine Steuersenkung zu entlasten.
Nicht einmal ein Abbau der „kalten Progression“
ist mit der Kanzlerin zu machen. Laut Bundes­
finanzministerium spült die kalte Progression in
dieser Legislaturperiode 17,5 Milliarden Euro in
die Staatskasse. Steuern, die vor allem Normalund Geringverdiener aufbringen. Die tatsäch­
lichen Mindereinnahmen fallen geringer aus.
Würde der Einkommensteuertarif um die Infla­
tionsgewinne bereinigt, gingen die Steuereinnah­
men in den nächsten zwei Jahren jeweils um 3,8
Milliarden Euro zurück. Unter Berücksichtigung
der Anpassung des steuerlichen Frei­betrags an
das Existenzminimum, würde der Fehlbetrag auf
je 2,2 Milliarden Euro schrumpfen.
Wohin die steuerpolitische Reise der Großen
Koalition geht, zeigt die Debatte um den Soli­
daritätszuschlag, kurz: Soli. Zunächst sah es so
aus, als wolle der Bundesfinanzminister den Soli
2019 auslaufen lassen. Doch Wolfgang Schäuble
wäre nicht Wolfgang Schäuble, würde er nicht
3
Mario Ohoven
Berlin muss
um-Steuern!
s scheint paradox: Einerseits sprudeln
die Steuern wie nie zuvor. Nach Rekord­
einnahmen von knapp 620 Milliarden Euro
im Vorjahr dürfte der Fiskus Betrieben und
Bürgern 2014 noch mehr aus der Tasche ziehen.
So hat Vater Staat im ersten Halbjahr erneut
mehr Geld eingenommen als ausgegeben.
Bund, Länder, Kommunen und Sozialversiche­
rungen erzielten einen Überschuss von 16,1 Mil­
liarden Euro.
EDITORIAL
Präsident Bundesverband
mittelständische Wirtschaft
(BVMW) und Europäischer
Mittelstandsdachverband
(CEA-PME), Herausgeber
„Der Mittelstand“
auch beim Soli tricksen. Wie beim Haushalt 2014
etwa: Dort hat er für die schwarze Null die Risi­
ken runter- und das Wachstum hochgerechnet.
Beim Soli funktioniert der Trick anders. Hier will
der Bundesfinanzminister auf dem Umweg über
die Einkommen- und Körperschaftsteuer wieder
reinholen, was beim Soli wegfällt. Im Ergebnis
drohen gerade den Beziehern geringer Einkom­
men höhere Belastungen. So muss ein Single mit
monatlich weniger als 1.445 Euro brutto bisher
keinen Soli zahlen. Wird der Soli dagegen in den
Einkommensteuertarif eingebaut, steigt für ihn
die Abgabenlast.
Doch wofür braucht die Groko all die Milliarden?
Für soziale Wohltaten, wie das Rentenpaket.
Es belastet die Rentenversicherung bis 2030
mit über 230 Milliarden Euro zusätzlich.
Im Vorjahr wurden fast 30 Prozent des BIP oder
812,2 Milliarden Euro für sozialpolitische Zwe­
cke ausgegeben. Die Sozialausgaben wachsen
schneller als die Wirtschaft. Anders gesagt:
Deutschland lebt über seine Verhältnisse.
Lange können wir uns diese Sozial- und Steuer­
politik nicht mehr leisten. Der Anteil von Steuern
und Abgaben an den Arbeitskosten macht heu­
te schon fast 50 Prozent aus, in den USA sind es
30 Prozent. Im internationalen Wettbewerbs­
ranking des Weltwirtschaftsforums ist Deutsch­
land auf den fünften Platz zurückgefallen.
Berlin muss um-Steuern, und zwar jetzt!
Bricht die Wirtschaft ein, gibt es auch nichts
mehr umzuverteilen.
Der Mittelstand. Ausgabe 4/2014
Finanzierung:
der Mix macht´s
Themenschwerpunkt:
Mittelstand und Finanzen
Ihr
Mario Ohoven
Scannen Sie diesen
QR-Code mit Ihrem
Smartphone und
lesen Sie die
mobile Variante
dieser Ausgabe
4
INHALT
Der Mittelstand. | 5 | 2014
24 Malta – Drehscheibe
für den Mittelmeerraum
26Russland-Sanktionen
belasten Mittelstand
27 Alternative zu China
28 Kooperation mit dem
südkoreanischen Mittelstand
ANGEZÄHLT
29 Finanzierung in Zahlen
KOLUMNE
48
Crowdlending
POLITIK
06Deutschland-News
30 Wer schützt uns von den
Datenschützern?
IBWF
08 Vertrauen ist der Schlüssel
32 Verträge gründlich prüfen
10 Nachhaltig, gerecht und europäisch
33 Hauptsache unabhängig
12 Weichenstellung für die Wirtschaft
34 Schlanke Leitung
14 Bundesbank auf Abwegen
35 Schnelltest auf Schadensersatz­
ansprüche für Unternehmen
15 Flexibler Strommarkt
statt neuer Subventionen
16 Schäubles frohe Botschaft
18 Innovationen retten
19 Starkes Bündnis –
32 Branchenverbände
UNTERNEHMERSERVICE
36News
38 Auf die Mischung kommt es an
40Finanzierungsbaukasten
20 Gespräche mit hochrangigen
Vertretern aus Politik,
Diplomatie und Medien
42 Günstige Finanzierungssituation
22Europa-News
47 Offen für Kredit?
Vertrauen ist der Schlüssel
8
46 Bessere Bonität
Der Mittelstand. | 5 | 2014
INHALT
48Crowdlending
50 „Die Schere geht auseinander“
52 Förderwesen in Gefahr
54 Mehr Zeit zum Lernen
56 Kleine Helfer
58 Planen statt Hoffen
60 Working Capital Management
62 Compliance erreicht
den Mittelstand
63Finanzkolumne
64BVMW-Veranstaltungskalender
33
KULTUR
66Filmtipps
68Buchtipps
70 Heilquellen und Rennautos
BVMW
82 Weinbau in der Idylle –
aber nicht idyllisch
84 Tradition und Genuss
aus Düsseldorf
85 Potenziale nutzen,
Risiken minimieren
72News
86 Guter Antrieb mit 50plus
74 Sauer, seifig oder doch neutral?
88 BVMW – fit für die Zukunft
76 Getriebetechnik 2.0
90 Der BVMW trauert um Senator
h. c. Prof. Dr. Dr. Peter Scholl-Latour
78 Säule des Internets
80 Von der Handgravur
zur Lasertechnik
Heilquellen und Rennautos
70
Säule des Internets
78
Hauptsache
unabhängig
5
POLITIK
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Deutschland-News
BVMW-Unternehmerin
berät Bundesregierung
Eine Milliarde für
Deutschlands
Brücken
Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel, MdB,
hat jetzt die Geschäftsführende Gesellschafterin
der VACOM Vakuum Komponenten und Mes­
stechnik GmbH, Jena, Dr. Ute Bergner, in den Mit­
telstandsbeirat der Bundesregierung berufen.
Der Mittelstandsbeirat für Fragen des gewerb­
lichen Mittelstands und der freien Berufe beim
Bundesminister für Wirtschaft und Energie
(BMWi) berät die Bundesregierung in wirt­
schaftspolitischen Fachfragen zur Lage und Perspektive kleinerer und mittlerer
Unternehmen. Die Mitarbeit in dem Beirat erfolgt ehrenamtlich.
Mit dem Sonderprogramm „Brücken­
modernisierung“ investiert das Ver­
kehrsministerium zwischen 2015 und
2017 rund eine Milliarde Euro. Damit
sollen 78 Sanierungsprojekte finanziert
werden. Doch das ist nur ein Bruchteil
der geschätzten 6.000 maroden Brü­
cken in Deutschland. Der Investitions­
stau nimmt weiter zu.
Das 1992 von der Jenaer Physikerin gegründete Unternehmen VACOM ist führender
europäischer Anbieter von Vakuumtechnik und hat Geschäftspartner in aller Welt. In
einer Studie der Munich Strategy Group für die „WirtschaftsWoche“ wurde VACOM
in die TOP 30 der innovativsten deutschen Mittelständler aufgenommen. Dr. Ute Ber­
gner hat zahlreiche Preise erhalten, darunter den ZIM-Preis des BMWi.
Neuregelung des
Länderfinanzausgleichs
Länder und Kommu­
nen benötigen dreißig
Milliarden Euro. Der
Bund lehnt die Milliar­
den-Forderungen
ab.
Das Bundesfinanzminis­
terium möchte vielmehr
die Länder in die Pflicht
nehmen. Da Solidar­
pakt II und der Länderfinanzausgleich 2019 auslaufen, verhan­
deln Bund und Länder nun über die zukünftige Verteilung der
Finanzen. Während die Länder die Hand aufhalten und mehr
vom Solidaritätszuschlag haben wollen, denkt das Bundes­
finanzministerium über mehr Steuerautonomie der Länder nach.
Je nach Finanzlage der Länder sollen sie Ab- und Zuschläge auf
die Einkommmen-, Kapitalertrag- und Körperschaftsteuer erhe­
ben können. Bundesländer wie Bayern und Baden-Württemberg
begrüßen diesen Vorschlag, finanzschwächere Bundesländer
lehnen diesen Vorstoß ab. Sie befürchten Wettbewerbsnach­
teile, wenn bessergestellte Regionen durch Steuerabschläge
zum Anziehungspunkt für Unternehmer und Arbeitnehmer
werden. Auch die SPD-Bundestagsfraktion lehnt die Steuer­
autonomie ab. Noch ist nichts entschieden, doch eine Neu­
ordnung der Finanzströme zwischen Bund und Ländern ist
unausweichlich.
Renminbi wird in
Frankfurt am Main
gehandelt
Große Erleichterungen für ihre Geschäfte im chinesischen
Raum dürfen sich mittelständische Unternehmen am Handels­
platz Frankfurt erhoffen, an welchem nun auch in Renminbi ge­
handelt werden kann. Seitdem die Bank of China Anfang Sep­
tember in der Handelsmetropole am Rhein lizensiert wurde,
können deutsche Unternehmen und Banken Kontos anlegen,
die in der chinesischen Währung geführt werden. Transaktionen
und Geschäfte mit Partnern in Fernost dürften sich nun deut­
lich vereinfachen, fallen doch Handelshindernisse, wie Wech­
selgebühren für beide Handelspartner oder Un­sicherheiten
im Wechselkurs, weg.
2013 erreichten deut­
sche Unternehmen ein
Handelsvolumen in Höhe
von 140 Milliarden Euro.
Foto oben rechts: © Noppasinw - Fotolia.com, Foto links: © pfpgroup - Fotolia.com, Foto unten rechts: © ryanking999 - Fotolia.com
6
Der Mittelstand. | 5 | 2014
POLITIK
BVMW bei Verbändeanhörung
im Bundeswirtschaftsministerium
EZB-Appelle:
Steuern senken
Foto oben rechts: © Corgarashu - Fotolia.com, Foto Mitte links: © contrastwerkstatt - Fotolia.com, Foto unten links: © Sebastian Kaulitzki
Die Europäische Zentralbank fordert
die deutsche Bundesregierung in ei­
nem Schreiben auf, Arbeitnehmer
durch Steuersenkung zu entlasten.
Die Schwächen des Euroraums könne
die EZB nicht alleine lösen und ist auf
die Euro-Länder angewiesen. So solle
auch Deutschland seinen Beitrag dazu
leisten, das Verhältnis von Angebot
und Nachfrage zu verbessern, und der
Konjunktur neuen Aufwind geben.
Der BVMW hat an der Verbändeanhörung der Monopolkommission im
Bundes­
wirtschaftsministerium teilgenommen. Der BVMW übte scharf Kritik
am derzeitigen Trend zur Rekommunalisierung. Laut einer Studie der Unter­
nehmensberatung Roland Berger wird die Insolvenz der Stadtwerke Gera kein
Einzelfall bleiben. So sind 100 der 500 untersuchten Stadtwerke von der Insolvenz
bedroht. Die ausführliche Stellungnahme
des BVMW zu den Themen Energie, Re­
kommunalisierung und Finanzmärkte ist
erhältlich unter www.bvmw.de/politik.
Alle zwei Jahre erstellt die Monopol­
kommission ein Gutachten, in der sie zu
aktuellen wettbewerbspolitischen Fragen
Stellung nimmt. Dieses Jahr fertigt die
Kommission ihr 20. Hauptgutachten seit
Bestehen der Kommission an.
Investitionsalternative für
zinsarme Staatsanleihen
Um an Finanzmittel für Investitionen in die Infrastruktur
Deutschlands zu gelangen, geht Wirtschaftsminister Sigmar
Gabriel neue Wege: Ein Expertenbeirat, bestehend aus 13
Mitgliedern, darunter Marcel Fratzscher als Vorsitzender des
Beirats und Chef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsfor­
schung und Jürgen Fitschen, Co-Vorstandschef der Deutschen
Bank, sowie weiteren hochrangigen Vertretern aus Gewerk­
schaften, Versicherungen und Industrie, soll Ansätze finden,
mit denen das Modell der öffentlich-privaten Partnerschaften
(ÖPP) im Bereich der Infrastruktur etabliert und ausgeweitet
werden kann.
Mehr Geld für Hochschulen
Das seit 2006 bestehende Kooperationsverbot, das die ge­
meinsame Bildungsfinanzierung von Bund und Ländern unter­
sagt, steht vor einer Korrektur. In seiner ersten Sitzung nach
der Sommerpause hat der Bundesrat den Gesetzesentwurf
von Bildungsministerin Johanna Wanka begrüßt. Das Gesetz
sieht eine Lockerung des Kooperationsverbots im Hochschul­
bereich vor. Bereits ab 2015 soll es dem Bund wieder mög­
lich sein, dauerhafte Projekte an Hochschulen zu finanzieren.
Die Verabschiedung der Grundgesetzänderung ist für den 19.
Dezember geplant. Das Erreichen der dafür notwendigen
zweidrittel Mehrheit gilt als sicher. Die Finanzierung von
Schulen und Kitas bleibt trotz zahlreicher anderslautender
Experten­empfehlungen weiterhin ausschließlich Ländersache.
Mit ÖPP soll eine Investitionsalternative zu den zinsarmen
Staatsanleihen geschaffen werden, um das bei Unternehmen und
Banken verfügbare Kapital für Investitionen in Infrastruktur und
Energiewende zu mobilisieren. Die Zeichen der Zeit erkannt hat
auch der NRW-BVMW, der Steuerersparnisse für reinvestierte
Unternehmensgelder und den Abbau bürokratischer Hindernis­
se fordert, um ÖPP langfristig attraktiv zu machen.
7
POLITIK
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Vertrauen ist
der Schlüssel
Verlässliche Finanzpolitik für den Mittelstand
„„
Wir brauchen vor allem private
Investitionen, um die wirtschaftliche
Leistungsfähigkeit unseres Landes
auf Dauer zu erhalten.
Dr. Wolfgang Schäuble
Bundesminister der Finanzen
Die Nachrichtenlage der letzten Monate hat für
Verunsicherung gesorgt: Krieg in der Ukraine,
im Nahen und Mittleren Osten und in Afrika, von
dort aus kommend auch noch die Ebola-Bedrohung. Dazu Reformstau und daher wirtschaftliche Stagnation in wichtigen europäischen Ländern. Schließlich ein Auf und Ab in wichtigen
Exportmärkten in China und Amerika – all dies
wirkt sich auch auf die deutsche Wirtschaft aus.
In dieser Situation müssen wir umso mehr das
Vertrauen der Investoren und Verbraucher in
unseren Wirtschaftsstandort erhalten und stär­
ken. Dieses Vertrauen ist eine der wichtigsten
Grundlagen des Erfolges der vielen leistungsfähi­
gen mittelständischen Unternehmen in Deutsch­
land. Indem sie ihre Kraft, ihre Fähigkeiten und
ihr Kapital in unserem Land einsetzen, schaffen
die kleinen und mittelständischen Unternehmen
über siebzig Prozent der Arbeitsplätze und bil­
den mehr als achtzig Prozent der Auszubildenden
aus. Sie haben großen Anteil daran, dass unser
Land die globale Finanz- und Wirtschaftskrise der
letzten Jahre so gut überstanden hat und auch ge­
genwärtig gut dasteht. Der Mittelstand ist einmal
mehr der Motor unserer Wirtschaft.
Wir müssen dafür sorgen, dass dies so bleibt.
Die Bundesregierung wird daher ihre solide und
stabilitätsorientierte Finanzpolitik beibehalten.
Foto: © 2jenn - Fotolia.com
8
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Dafür steht unsere konsequente Haushaltssanie­
rung: Der Bund wird im nächsten Jahr ganz ohne
neue Schulden auskommen. Auch für die Jahre bis
2018 sieht der Finanzplan des Bundes keine neu­
en Schulden vor. Damit können wir die Schulden­
quote zügig wieder auf sechzig Prozent des Brut­
toinlandsproduktes senken. Wir halten dadurch
nicht nur die Regeln des europäischen Stabilitätsund Wachstumspaktes ein, sondern verbessern
zugleich die Handlungsfähigkeit des Staates.
„„
Diese Politik steht für Verlässlichkeit. Sie stärkt
das Vertrauen der Unternehmen und Verbrau­
cher in Deutschland. Sie ist damit
die beste Politik für Wachstum
und Beschäftigung. Sie regt un­
ternehmerisches Handeln an und
mobilisiert private Investitionen.
Dies ist volkswirtschaftlich wir­
kungsvoller als jeder Ausgaben­
schwerpunkt im Bundeshaus­
halt. Wir brauchen vor allem
private Investitionen, um die
wirtschaftliche Leistungsfähigkeit unseres Lan­
des auf Dauer zu erhalten. Die Bundesregierung
arbeitet auch mit ihren internationalen Partnern
daran, Standards zu entwerfen, um privates Kapi­
tal etwa in die Finanzierung von Infrastrukturin­
vestitionen zu lenken.
werden unser international wettbewerbsfä­
higes Steuersystem erhalten und schrittweise
weiterentwickeln. Wir prüfen in Abstimmung
mit unseren europäischen Partnern Formen
der steuerlichen Förderung von Forschung und
Entwicklung im Zusammenhang mit der Nut­
zung von Patenten aus eigener Forschung. Wir
wollen vor Ort erbrachte, echte Forschungsleis­
tungen begünstigen. Zudem haben wir bessere
steuerliche Rahmenbedingungen für Wagniska­
pitalfinanzierungen auf den Weg gebracht: Wir
wollen den öffentlichen Investitionszuschuss
steuerfrei stellen.
Quelle Print: Bundesministerium der Finanzen, Foto: Ilja C. Hendel
Zu guten Rahmenbedingungen
für unsere Wirtschaft zählt
auch eine verlässliche
Steuerpolitik.
Dies flankieren wir mit gezielten staatlichen In­
vestitionen: Wir investieren weiter in den Ausbau
der Kinderbetreuung und in die Hochschulen. Wir
reformieren das BAföG und übernehmen von den
Ländern die vollständige Zahlung der Leistungen.
Damit verschaffen wir den Ländern Spielräume
für Investitionen in Schulen und Hochschulen. Und
wir steigern die Ausgaben für Wissenschaft und
Forschung: Über die gesamte Legislaturperiode
sind für die Forschung zusätzliche Mittel in Höhe
von drei Milliarden Euro eingeplant. Mit der neuen
Hightech-Strategie der Bundesregierung wollen
wir kleine und mittlere Unternehmen sowie tech­
nologieorientierte Unternehmensgründungen da­
bei unterstützen, gute Ideen schnell in innovative
Produkte und Dienstleistungen umzusetzen.
Damit unterstützen wir innovative Start-up-Un­
ternehmen. Sie sind wie alle kleinen und mittleren
Unternehmen auf gute Finanzierungsbedingun­
gen angewiesen. Es ist deswegen sinnvoll, die
Kapitalmärkte auszubauen, damit zusätzliche Fi­
nanzierungsquellen für Investitionen erschlossen
werden können. Wir wollen den Markt für Hoch­
qualitätsverbriefungen in Europa wiederbeleben
und einen robusten Rahmen für Unternehmens­
anleihen schaffen.
Wir setzen mit dieser Politik eine bewährte Ar­
beitsteilung fort: Der Staat sorgt für stabile Rah­
menbedingungen. Und die Unternehmen – allen
voran der Mittelstand – nutzen diese, um ihre
Stärken und Potenziale zu entfalten. Darin liegt
der Schlüssel zum weiteren Erfolg unseres Mittel­
stands und damit zum Erhalt der wirtschaftlichen
Leistungsfähigkeit zum Wohle unseres Landes
und Europas.

Darüber hinaus investieren wir in dieser Legisla­
turperiode zusätzliche fünf Milliarden Euro in die
Verkehrsinfrastruktur. Und wir stärken die Inves­
titionskraft von Ländern und Kommunen: Alleine
durch die vollständige Übernahme der Kosten für
die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsmin­
derung entlasten wir Länder und Kommunen in
diesem Jahr um fast 5,5 Milliarden Euro.
Zu guten Rahmenbedingungen für unsere Wirt­
schaft zählt auch eine verlässliche Steuerpoli­
tik. Wir verzichten auf Steuererhöhungen. Wir
Dr. Wolfgang Schäuble, MdB
Bundesminister der Finanzen
www.bundesfinanzministerium.de
POLITIK
9
POLITIK
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Nachhaltig,
gerecht und europäisch
Bei der Unternehmensbesteuerung
darf der Mittelstand gegenüber
Konzernen nicht benachteiligt werden
„„
Wir brauchen eine steuerliche
Forschungsförderung für kleinere
und mittlere Unternehmen.
Die Besteuerung der Unternehmen bewegt sich
im Spannungsfeld zwischen der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und notwendigen
Steuereinnahmen für den Staat. Die Besteuerung muss den Bestand der Unternehmen sowie
die Planungssicherheit für Investitionen im Blick
haben. Bei allen Maßnahmen gilt es, die ökologische Zielsetzung zu beachten, gerade beim
schrittweisen Abbau umweltschädlicher Subventionen. Ich will hier auf drei Aspekte näher
eingehen.
Cem Özdemir
MdB,
Bundes­vorsitzender
von BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN.
Er ist Mitglied im
Politischen Beirat
des BVMW.
www.oezdemir.de
Wir brauchen eine steuerliche Forschungsför­
derung für kleinere und mittlere Unternehmen.
Die bisherige Innovationsförderung in Deutsch­
land erreicht den Mittelstand nur unzureichend
und benachteiligt ihn im Vergleich zu großen Un­
ternehmen. Die Konzentration der Projektförde­
rung auf bestimmte Technologiefelder schließt
viele kleine und mittlere Unternehmen von ei­
ner Förderung aus. Zudem wirkt der hohe büro­
kratische Aufwand bei der bisherigen Projekt­
förderung abschreckend. Eine unbürokratische
Förderung in Form einer Steuergutschrift von
15 Prozent auf alle Forschungs- und Entwick­
lungsausgaben für Unternehmen bis 250 Mit­
arbeiter wäre eine sinnvolle Ergänzung.
Die EU schätzt, dass ihren Mitgliedsländern jähr­
lich 1.000 Milliarden Euro durch Steuerhinterzie­
hung und Steuergestaltung verloren gehen. Auf
Deutschland entfallen dabei rund 150 Milliarden
Euro. Ein großer Teil dieser Ausfälle
geht zurück auf die aggressive Steu­
ergestaltung multinationaler Kon­
zerne, etwa durch die Verrechnung
von Lizenzgebühren an Töchter in
Niedrigsteuerländern. Kleine und
mittlere, lokal wirtschaftende Un­
ternehmen haben diese Möglichkeiten nicht. Sie
zahlen überproportional für die Infrastruktur,
die von allen Unternehmen genutzt wird. Um die
Steuergestaltung durch multinationale Konzerne
wirksam einzudämmen, brauchen wir nicht nur
einen europäischen Mindeststeuersatz, sondern
auch mehr Transparenz. Die gezahlten Steuern
müssen für jedes Land, in dem ein Konzern einen
Sitz hat, separat ausgewiesen werden. So würde
es auffallen, wenn die Umsätze in einem Land
erwirtschaftet, Steuerzahlungen durch Gewinn­
verlagerung jedoch vermieden werden. Dagegen
vorzugehen, ist ein Gebot der Steuergerech­
tigkeit und Steuerakzeptanz.
Voraussichtlich im Herbst steht ein Urteil des
Bundesverfassungsgerichts zur Erbschaftsteuer
an. Bei der mündlichen Verhandlung hat das Ge­
richt Zweifel erkennen lassen, ob die Verschonung
von Betriebsvermögen bei der Erbschaftsteuer
verfassungskonform ist. Es muss damit gerechnet
werden, dass Karlsruhe verlangt, privates und be­
triebliches Vermögen gleich zu behandeln. Dann
gilt es, eine verfassungsfeste Lösung zu finden,
die Arbeitsplätze nicht gefährdet, den Betriebs­
übergang ermöglicht und die Leistungsfähigkeit
der Erben berücksichtigt. Wichtig ist jedoch auch:
Eine neue Regelung sollte sich nicht an abstrakten
Einnahmezielen orientieren, die man auf Biegen
und Brechen erreichen will. So liefe man nur Ge­
fahr, dass ein Gesetz abermals beim Bundesver­
fassungsgericht landet.

Foto:© Sergey Nivens - Fotolia.com
10
Wir fördern
das Gute in NRW.
Nils und Julian Stentenbach, zukunftsorientierte Unternehmer
dank der Fördermittel der NRW.BANK
Weitsicht ist die Basis für eine aussichtsreiche Zukunft unserer Region. Für die NRW.BANK
Grund genug, neue Wege mitzugehen. Zum Beispiel mit attraktiven Fördermitteln für
Elektromobilität und mehr Energieeffizienz in der Produktion. Die Vermittlung eines
maßgeschneiderten Förderangebotes erfolgt über Ihre Hausbank. Sprechen Sie
mit Ihrem Berater, damit die Energiewende Realität wird.
www.nrwbank.de/weitsicht
12
POLITIK
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Weichenstellung
für die Wirtschaft
Klare Signale des Mittelstands an die Landespolitik
Unternehmertum weckt. In Brandenburg brau­
chen wir dringend eine Unternehmensgrün­
dungs- und -wachstumskultur, die schon in der
Schule beginnt und sich nicht auf das Verteilen
von Fördermitteln beschränkt.“
Auch in Thüringen und Sachsen hat sich in den
vergangenen Jahren ein innovativer und leis­
tungsstarker Mittelstand herausgebildet. Für
Günther Richter, Landesgeschäftsführer Poli­
tik des BVMW Thüringen, ist dies auf die vor­
herige Landesregierung zurückzuführen. „Hier
wurden die Interessen von Unternehmen wie
Gewerkschaften ausgewogen berücksichtigt.
Dieses Gleichgewicht könnte bei Rot-Rot-Grün
aufgegeben werden.“
Aus Sicht der Unternehmerinnen und Unter­
nehmer aus allen drei Bundesländern ist es vor
allem wichtig, dass die Parteien zeitnah stabile
Regierungsmehrheiten bilden. Oberste Priorität
muss das Wirtschaftswachstum haben. Klar ist,
dass die Landespolitik über die Attraktivität der
Betriebsstandorte entscheidet und investitions­
freundliche Rahmenbedingungen schaffen muss.
Bettina Lengwenat
Friederike Zimmermann
BVMW
Beispiel Brandenburg: Auch wenn die Unter­
nehmensgründungen in den letzten Jahren
gestiegen sind, liegt das Land im deutschland­
weiten Vergleich nur im unteren Mittelfeld.
Der BVMW-Repräsentant in Südbrandenburg,
Ralf Henkler, fordert daher von der neuen Lan­
desregierung, „dass sie wieder mehr Spaß am
Der Aufforderung des BVMW, sich zu den Mittel­
standsthemen zu positionieren, kamen die meis­
ten Kandidatinnen und Kandidaten in Sachsen,
Brandenburg und Thüringen nach. So versicherte
der SPD-Spitzenkandidat und Landesvorsitzende
der SPD Sachsen, Martin Dulig, MdL, „die SPD
[werde sich] nachdrücklich für eine neue Grün­
deroffensive“ einsetzen. Auch die „CDU wird das
Wachstum kleiner und mittlerer Unternehmen
durch eine kluge Innovationspolitik unterstüt­
zen“, beteuerte Michael Kretschmer, MdB, Gene­
ralsekretär des CDU Landesverbandes Sachsen
und Vorsitzender der CDU-Landesgruppe im
Deutschen Bundestag. Der Mittelstand wird die
neuen Landesregierungen beim Wort nehmen. 
Foto: © kebox - Fotolia.com
Die Wahlen im Spätsommer 2014 in drei
ostdeutschen Bundesländern brachten uner­
wartete Wahlsieger hervor. Eine Gemein­
samkeit in Brandenburg, Thüringen und Sachsen wird sein, dass die neuen Parlamente ohne
FDP-Abgeordnete, dafür mit einer teilweise
starken AfD-Fraktion auskommen müssen.
Doch was bedeutet der Wahlausgang für den
Mittelstand?
Vor den Landtagswahlen prüften die BVMW-Ver­
bandsbeauftragten ihre Kandidaten auf Herz
und Nieren. So fühlte BVMW-Repräsentant
Dietmar Winter den Kandidaten aus Jena in ei­
ner Podiumsdiskussion auf den Zahn und stellte
den Politikern vor Mitgliedsunternehmen und
Lokalpresse die Fragen, die den Unternehmern
auf den Nägeln brennen. Basis der Fragen an die
Kandidaten war der BVMW-Wahlcheck Mittel­
stand. Nicht nur politische Forderungen, son­
dern auch Lösungen aus Sicht des Mittelstands
zu den zentralen Themen, wie Steuern, Energie
und Fachkräftesicherung, beinhalten die Wahl­
prüfsteine des BVMW.
Die Toyota
BusinessPlus Wochen.
Der Auris Touring Sports – eines unserer Aktionsmodelle bei den Toyota BusinessPlus
Wochen. Nur bis zum 31.12.2014 bekommen Sie 3 Jahre den Servicebaustein Wartung,
Verschleißteile und -reparaturen gratis* – für viele Modelle als Hybrid, Benziner oder Diesel.
• Wegweisende Antriebe
• Niedrige Betriebskosten
• Qualität und Service erleben
Yaris
Avensis
Prius
Verso
Proace
Kraftstoff verbrauch der hier beworbenen Modelle kombiniert 8,6–3,3 l/100 km, CO-Emissionen kombiniert 227–75 g/km (nach
EU-Messverfahren). *Unser „3-Jahre-Wartung-und-Verschleiß-gratis“ Angebot für alle hier gezeigten Toyota Modelle sowie den Toyota Hilux und Prius+.
Gilt bei Abschluss eines Leasingvertrags über die Laufzeit von 36 Monaten, Gesamtlaufleistung 45.000 km (Yaris 30.000 km), wobei monatliche Leasingraten und ggf.
eine Mietsonderzahlung anfallen. Der Leasingvertrag umfasst auch Technik-Service (Wartung, Verschleißteile und -reparaturen). Für diese Inklusivleistungen
fallen jedoch keine zusätzlichen Kosten an. Ein Angebot der Toyota Leasing GmbH, Toyota-Allee 5, 50858 Köln. Nur bei teilnehmenden Toyota Vertragshändlern.
Dieses Angebot ist nur für Gewerbekunden gültig. Gilt bei Anfrage und Genehmigung bis zum 31.12.2014.
14
POLITIK
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Bundesbank auf Abwegen
Die Nicht-Einmischung in
Tarifverhandlungen hat sich bewährt
Deutliche Lohnsteige­rungen
beeinträchtigen über steigende
Arbeitskosten die Wett­bewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen.
Dr. Hans-Jürgen Völz
Chefvolkswirt BVMW
Was steckt hinter dem Kurswechsel? Jens
Weidmann, Bundesbank-Präsident und zuvor
enger Berater Angela Merkels, beziffert den
Spielraum für Lohnzuwächse in diesem Jahr auf
rund drei Prozent. Diese von ihm „geldpoliti­
sche Einordnung“ genannte Äußerung wirft die
Frage auf, warum er entgegen bisheriger Praxis
dieses Thema aufgegriffen hat. Die Antwort:
Um der angeblich bestehenden Gefahr einer
Deflation vorzubeugen, müssten Löhne und
Gehälter in Deutschland stärker steigen.
Bescheren deutsche Unternehmen ihren
Mitarbeitern ein kräftiges Lohnplus, so die
Hoffnung, springe die Binnenkonjunktur an.
Die Beschäftigten würden mehr konsumieren,
die Unternehmen mehr investieren. Den viel­
fältigen Wechselwirkungen einer eng mit der
Welt­
wirtschaft verflochtenen Exportnation
wie Deutschland trägt diese Sichtweise jedoch
nur unzureichend Rechnung.
Lohnpolitik für
Deflationsbekämpfung ungeeignet
Der Grund für die niedrige Inflationsrate liegt in
der Niedrigzinspolitik der EZB. Die Inflation über
stärkere Lohnsteigerungen antreiben zu wollen,
ist daher verfehlt. Der private Verbrauch wächst
in Deutschland äußerst dynamisch – trotz niedri­
ger Inflation. Offenbar verhindert der intensive
Wettbewerb im Handel die erwarteten Preisstei­
gerungen. Auch in der Vergangenheit lässt sich
kein Zusammenhang zwischen der Tariflohnent­
wicklung und der Inflationsrate erkennen. In Jah­
ren mit hohen Lohnabschlüssen stieg die Infla­
tionsrate nicht signifikant, in Jahren mit niedrigen
Lohnabschlüssen war keine Deflationstendenz zu
erkennen.
Exportsektor könnte
Preisdruck nicht standhalten
Deutliche Lohnsteigerungen beeinträchti­
gen über steigende Arbeitskosten die Wett­
bewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen.
Schließlich beruht der Erfolg der deutschen
Wirtschaft in besonderem Maße auf ihrer Ex­
portstärke. Die Folge des Preisdrucks: Die
Kunden kaufen bei der Konkurrenz aus dem
Ausland. Eine reine Betrachtung des deutschen
Binnenmarktes greift für eine globalisierte
Wirtschaft wie die deutsche mit einer Export­
quote von vierzig Prozent im vergangenen Jahr
zu kurz. Deutschland ist keine abgeschottete
Insel, die unabhängig von der Weltwirtschaft
agieren kann. Stark steigende Gehälter wür­
den besonders die exportorientierten heimi­
schen Betriebe im internationalen Wettbewerb
schwächen und notwendige Investitionen blo­
ckieren. Der Maßstab für Lohnsteigerungen
muss auch weiterhin der Produktivitätsfort­
schritt bleiben. Lohnabschlüsse jenseits die­
ser Orientierungsmarke verschlechtern die
Investitions­
b edingungen und gefährden Ar­
beitsplätze.

Foto: © fotogestoeber - Fotolia.com
„„
Jahrzehntelang hat die Deutsche Bundesbank
aus guten Gründen keine Empfehlungen für
Lohnsteigerungen gegeben. Die selbst auferlegte Zurückhaltung der Zentralbank in Fragen,
die nicht die Geldwertstabilität betreffen, war
allseits akzeptiert. Davon scheinen die Währungshüter nun abzurücken. Eine Schwächung
der Tarifautonomie ist jedoch kontraproduktiv,
wie Erfahrungen aus Ländern ohne dieses Instrument belegen. Die Bundesbank wäre deshalb
gut beraten, den bewährten Kurs der Nichteinmischung in Tarifverhandlungen beizubehalten.
Der Mittelstand. | 5 | 2014
POLITIK
Flexibler Strommarkt
statt neuer Subventionen
Wie Betreiber mit konventionellen
Kraftwerken Kohle machen wollen
Kurz vor der parlamentarischen Sommerpause
sind neue Regeln zur Förderung der Erneuerbaren
Energien beschlossen worden. Kaum ist nun die
Sommerpause vorbei, ist der nächste energiepolitische Streit in vollem Gange. Diskutiert wird,
ob künftig zur Gewährleistung einer sicheren
Stromversorgung Subventionen für konventionelle Kraftwerke gezahlt werden sollten.
„„
Foto: © davis - Fotolia.com, © Stefan Körber - Fotolia.com
Hintergrund sind Klagen der Kraftwerks­
betreiber, dass sich die bestehenden
Gas- und Kohlekraftwerke immer weni­
ger rentieren. Der Boom der Erneuerba­
ren und die Fehlanreize des Erneuerba­
re-Energien-Gesetzes (EEG) lassen seit
Jahren die Strompreise für Endverbrau­
cher steigen – bei gleichzeitig fallenden
Preisen an den Strom­börsen. Die kon­
ventionellen Gas- und Kohlekraftwerke
werden aber immer dann gebraucht, wenn der
Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint.
Nun wird, wie im Koalitionsvertrag vereinbart,
über zusätzliche Zahlungen an die Betreiber
dieser konventionellen Kraftwerke nachgedacht.
Die Kraftwerksbetreiber erkennen die Gunst
der Stunde, sich ihre alten Kraftwerke über einen
Kapazitätsmarkt versilbern zu lassen. Dabei sind
Kapazitätsmechanismen umstritten. Kritiker
warnen vor steigenden Strompreisen durch
neue Subventionen. Zudem zeigt die internati­
onale Erfahrung mit Kapazitätsmärkten, dass
die Ausgestaltung der Mechanismen mit vielen
Unsicherheiten verbunden ist. Weitere staat­
liche Eingriffe sind wahrscheinlich; eine teure
Interventionismusspirale droht.
Sind Kapazitätsmechanismen überhaupt not­
wendig? Faktum ist, dass die Erzeugungskapazi­
täten ausreichen, um die Versorgungssicherheit
gegenwärtig zu gewährleisten. Laut Bundes­
netzagentur gab es im Vorjahr Versorgungs­
Die Kraftwerksbetreiber erkennen
die Gunst der Stunde, sich ihre alten
Kraftwerke über einen Kapazitätsmarkt versilbern zu lassen.
unterbrechungen von durchschnittlich 15,32
Minuten je ange­schlossenem Letztverbraucher.
Das ist nicht nur im internationalen Vergleich ein
sehr guter Wert, sondern auch eine Verbesse­
rung gegenüber den Jahren zuvor. Die Notwen­
digkeit neuer Subventionen für alte Kraftwerke
ist demnach nicht erkennbar.
Um die Versorgungssicherheit auch langfristig
gewährleisten zu können, sind jedoch Maß­
nahmen zur Flexibilisierung des vorhandenen
Strommarktes erforderlich. Zu diesem Ergebnis
kommen zwei Studien im Auftrag des Bundes­
wirtschaftsministeriums. Angebot und Nachfrage
müssen auch bei wachsendem Anteil volatiler
Erneuerbarer Energien am Strommix besser in
Übereinstimmung gebracht werden können.
Die in den Studien vorgeschlagenen Maß­nahmen
sind vielfältig und zeigen, dass es marktnahe und
kostengünstige Möglichkeiten gibt, die Versor­
gungssicherheit
langfristig
sicherzustellen.
Neue Subventionen für alte Kraftwerke sind
daher umso fragwürdiger.

Philipp Behm
BVMW
15
POLITIK
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Schäubles frohe Botschaft
Der Weg in die Verschuldung wird nur scheinbar gebremst
Deutschland auf 65,9 Prozent des Bruttoinlands­
produkts. Diese Schuldenstandsquote zog bis
2010 auf über 83 Prozent an. Ebenso kontinu­
ierlich stiegen die Belastungen der öffentlichen
Kassen durch den Schuldendienst. In der Folge
nahm der Spielraum für investive Ausgaben ab,
was vor allem die mittelständische Wirtschaft
traf. Die Verschuldung von Bund, Ländern, Ge­
meinden und Sozialversicherungen liegt aktuell
bei über zwei Billionen Euro, mit einem Anteil des
Bundes von zwei Dritteln. Dieser Entwicklung soll
die Schuldenbremse nach dem Willen der Politik
einen Riegel vorschieben.
Verschuldungsregel schränkt
Länder und Gemeinden ein
Die Meldung des Statistischen Bundesamtes,
wonach die öffent­lichen Schul­den in Deutschland im Jahr 2013 erstmals seit 1950 gesunken
sind, erscheint auf den ersten Blick positiv. Die
Hoffnung vieler Unternehmer, dass durch den
Beschluss der Bundesregierung im Jahr 2009
der fortgesetzten Verschuldung des Bundes mit
der Schuldenbremse ein Ende bereitet wurde, ist
jedoch verfrüht. Auch die vollmundige Behauptung der Politik, diese sei grundgesetzlich abgesichert, ist nur die halbe Wahrheit. Tatsächlich
darf der Bund mit Beginn des kommenden Jahres immer noch 0,35 Prozent des Bruttoinlandsprodukts als neue Schulden aufnehmen. Damit
handelt es sich bei der Schuldenbremse streng
genommen um eine Defizitbremse, die lediglich
das Anwachsen der Schulden begrenzt, nicht jedoch die Verschuldung selbst.
Warum Schuldenbremse?
Vor der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise
beliefen sich die gesamtstaatlichen Schulden in
Mit der gesetzgeberischen Umsetzung der Fö­
deralismusreform II ist eine Verschuldungsregel
mit Verfassungsrang in Kraft getreten. Sie soll
sicherstellen, dass die öffentlichen Haushalte
nach dem Ende des größten Wirtschaftsein­
bruchs seit Bestehen der Bundesrepublik wie­
der zügig auf den Konsolidierungspfad zurück­
kehren. Bund und Länder bekamen hinreichend
lange Übergangsfristen, um ihre Budgets dem
neuen Grundsatz des Haushaltsausgleichs ohne
Kreditaufnahme anzupassen. Jedoch nur Länder
und Gemeinden dürfen ab 2020 keine Schulden
mehr machen. Niedrige Zinsen und sprudelnde
Steuereinnahmen helfen den Ländern dabei, ihre
Haushalte zu sanieren. Von den sechzehn Bun­
desländern müssen nur noch sechs in den kom­
menden Jahren Ausgaben streichen, um bis zum
Jahr 2020 die Vorgaben der Schuldenbremse
zu erfüllen. Sachsen und Bayern sind praktisch
schuldenfrei.
Ausnahmeregelung für den Bund
Die vom Bundestag beschlossene Regelung ist so
flexibel, dass für außergewöhnliche Situationen
eine Kreditfinanzierung des Bundes weiter mög­
lich ist. So soll der strukturelle Verschuldungs­
spielraum Maßnahmen ermöglichen, die der
Stärkung nachhaltigen Wachstums dienen. Dazu
zählen nicht nur Investitionen im herkömmlichen
Sinne, sondern auch Investitionen für Bildung,
Forschung und Entwicklung. Um die staatliche
Handlungsfähigkeit in Ausnahmesituationen
sicherzustellen, hat der Gesetzgeber eine Aus­
nahmeklausel integriert. Diese erlaubt es, bei Na­
Foto: © M. Schuppich - Fotolia.com
16
POLITIK
Foto: © Marco2811 - Fotolia.com
Der Mittelstand. | 5 | 2014
turkatastrophen oder außergewöhnlichen Notsi­
tuationen, die sich staatlicher Kontrolle entziehen
und die Staatsfinanzen erheblich beeinträchtigen,
die Kreditobergrenze zu überschreiten. Für die
Inanspruchnahme sind allerdings ein Bundestags­
beschluss mit Kanzlermehrheit und ein Tilgungs­
plan mit Rückführung der oberhalb der Regelg­
renze liegenden Kreditaufnahme erforderlich. Im
Grundsatz können damit die Staatsschulden wei­
ter steigen, wenn auch die Hürden höher sind als
vor Einführung der Schuldenbremse.
Ziel Stabilitätskultur
Übergeordnetes Ziel der Schuldenbremse ist die
Schaffung einer gemeinsamen Stabilitätskultur.
Ob dies gelingt, wird ganz wesentlich auch davon
abhängen, wie streng
s i c h
der Bund selbst an die
Einhaltung der Verschul­
dungsobergrenze hält. Denn
die Schuldenbremse enthält Schwach­
punkte. Ob und inwieweit die Politik die­
se ausnutzt und damit die Glaubwürdigkeit der
Fiskalregel beschädigt, wird zeigen, wie ausge­
prägt der Konsolidierungswille ist. Nicht zuletzt
die kritische Öffentlichkeit ist aufgefordert, die
politisch Verantwortlichen in die Schranken zu
weisen, sollten sie die Ausnahmeregeln unnötig
strapazieren. Ein erster wichtiger Schritt zur Be­
kämpfung ausufernder Staatsschulden ist mit der
Einführung der Schuldenbremse zwar getan, jetzt
muss sie sich bewähren.

17
Dr. Hans-Jürgen Völz
Chefvolkswirt BVMW
Anzeige
n
i
e
n
i
b
h
ic
r
e
y
l
f
hter
c
e
n
i
e
d
un
ck
u
r
d
e
n
i
l
on
10 €
sparen
,
pünktlich
n. Ich b in
gute Seite
h
ei
Ic
t.
zw
u
e
b
re
a
s bet
Ich h
de besten
on g und wer
Ich kann S
hochwer ti
.
0
0
.0
b is zu 200
n
er.
w
vo
h
er
sc
n
²
m
b in ei
zu 400 g/
d b in b is
n
u
en
rb
der fa
-L ack.
ich mit U V
Es gib t m
Gutschein
code* S XP
Ihre Vorteile
Kauf auf Rechnung
Basis-Datencheck inklusive
Druckbrillanz
Umweltbewusst drucken
10DM
*Dieser Gutschein im Wert von 10 € ist einmalig bis 10.11.2014 gültig
für das gesamte Produktsortiment. Mindestbestellwert 25 €. Nicht mit
anderen Rabatten kombinierbar, keine Barauszahlung möglich.
www.saxoprint.de
18
POLITIK
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Mitglied der
Mittelstandsallianz
Innovationen retten
Für eine bessere Finanzierung von
Forschung und Entwicklung im Mittelstand
Geprüft wurde eine Befreiung
von der Abgeltungssteuer
für Kapitaleinkünfte
der Investoren.
Die Rahmenbedingungen für die Finanzierung
junger Wachstumsunternehmen sind in Deutsch­
land vergleichsweise schlecht. Bei VentureCapital-Investitionen (VC) in Biotechnologie­
unternehmen belegt Deutschland im europä­
ischen Vergleich den zehnten Platz mit 0,55 Mil­
lionen US-Dollar pro Unternehmen, während die
Firmen in den USA fast viermal so viel Kapital zur
Verfügung haben. Börsengänge von Biotechfirmen
finden hierzulande nicht mehr statt, was das
Fehlen von VC erklärt. Das kann schnell zu einem
Teufelskreis mangelnder Finanzierung führen.
Vor allem Firmen aus dem Bereich der medizini­
schen Biotechnologie beklagen große Probleme,
Eigenkapital für die Wachstumsphase einzuwer­
ben. Viele reden von „Marktversagen“.
Dr. Claudia Englbrecht
Biotechnologie-IndustrieOrganisation Deutschland
(BIO Deutschland e. V.)
www.biodeutschland.org
Der BIO Deutschland e. V. hat daher in einer
Analyse die Möglichkeiten untersucht, Anreize
für VC-Investitionen in Deutschland zu schaffen.
Geprüft wurde eine Befreiung von der Abgel­
tungssteuer für Kapitaleinkünfte der Investoren.
Diese Maßnahme würde allerdings die Rendite
ausschließlich im Erfolgsfall erhöhen. Als eta­
blierte Maßnahme wurde das Programm „IN­
VEST – Zuschuss für Wagniskapital“ ebenfalls in
die Analyse eingeschlossen. Außerdem wurde
die Einführung eines deutschen Innovationsfonds
analog zu französischen und englischen Bürger­
innovationsfonds erwogen, der die Effekte der an­
deren Maßnahmen bündelt. Als letzte Maßnahme
wurde die Einführung von Steuergutschriften (Tax
Credits) in unterschiedlicher Höhe für innovative
kleine und mittlere Unternehmen in den Vergleich
einbezogen. Jeder dieser Vorschläge birgt indivi­
duelle Vor- und Nachteile sowohl für Investoren
und Biotechunternehmen als auch für den Staat.
Im Ergebnis schlägt der Verband vor, das be­
stehende Programm „INVEST – Zuschuss für
Wagniskapital“ zu erweitern. Sinnvoll wäre es,
den Zuschuss allen Investoren, die in innovative
Unternehmen investieren, zu gewähren, sowie
das Programm auf eine Milliarde Euro aufzusto­
cken. In der BIO Deutschland Analyse zeigt sich
außerdem, dass ein deutscher Innovationsfonds
für Investoren unter dem untersuchten RenditeRisiko-Verhältnis die vorteilhafteste aller unter­
suchten Maßnahmen darstellen würde. Unter
Effizienzgesichtspunkten aus staatlicher Sicht ist
jedoch eine Erweiterung des INVEST-Programms
vorzuziehen.
Es liegen also konkrete Konzepte für eine Fortent­
wicklung bestehender sowie für neue Maßnah­
men vor, die geeignet sind, die schlechte Finan­
zierungssituation in Deutschland zu verbessern.
BIO Deutschland setzt sich für eine schnelle Um­
setzung dieser Vorschläge ein, um Innovationen
„Made in Germany“ zu sichern.

Foto: © Lev Dolgachov - ingimages.com
„„
Nur durch konsequente Innovation kann die
deutsche Wirtschaft stark bleiben und sich im
internationalen Wettbewerb durchsetzen. Was
aber, wenn die Finanzierung dieser Innovationsanstrengungen nicht hinreichend funktioniert?
Der Mittelstand. | 5 | 2014
POLITIK
19
Starkes Bündnis –
32 Branchenverbände
Foto: Christoph Schöning
BVMW-Mittelstandsallianz legt Fahrplan vor
Präsidenten und Hauptgeschäftsführer der Mittelstandsallianz bei der BVMW-Bundestagung in Berlin.
Innerhalb eines Jahres hat die Mittelstands­allianz des BVMW
32 mittelständisch geprägte Branchenverbände als Mitglieder
gewonnen. Der Mittelstand in Deutschland beschäftigt mehr als
60 Prozent aller Erwerbstätigen und rund 83 Prozent der Auszubildenden. Die Mittelstandsallianz verschafft ihm das seiner
wirtschaftlichen Bedeutung entsprechende Gehör in der Politik.
Auf der jüngsten Bundestagung des BVMW berichteten Ver­
treter der Mittelstandsallianz über ihre Motivation, sich der
Initiative des BVMW anzuschließen, und welche Win-win-Si­
tuation dadurch für den Mittelstand entsteht. Im Fokus einer
Diskussionsrunde standen sowohl die Bedeutung der innova­
tiven kleinen und mittelständischen Unternehmen (KMU) für
die deutsche Wirtschaft, als auch die Möglichkeiten einer noch
intensiveren, verbandsübergreifenden regionalen Zusammen­
arbeit. Die Vertreter der Mittelstandsallianz sind sich einig, dass
Deutschland als Innovationsstandort weiter gestärkt werden
muss. Dazu ist es notwendig, das Gründungsklima zu verbessern
und die Finanzierung von Forschung und Entwicklung weiter zu
vereinfachen und steuerlich zu fördern. Überbordende büro­
kratische Vorschriften und Informationspflichten schrecken
potenzielle Gründer ab und sind ein klarer Standortnachteil.
Neben Erhalt und Ausbau der Projektförderung bedarf es einer
steuerlichen Forschungsförderung für KMU als nachhaltige In­
vestition in Wirtschaftswachstum und Haushaltssanierung.
unter anderem mit den Bundesministerinnen Andrea Nahles und
Johanna Wanka sowie Kanzleramtschef Peter Altmaier austau­
schen. Die Anliegen des Mittelstands werden darüber hinaus auf
Staatssekretärsebene besprochen.
Die Botschaft: Die Mittelstandsallianz setzt auf sukzessives qua­
litatives Wachstum. Im Fokus steht branchenübergreifend der
Mittelstand, die tragende Säule der deutschen Wirtschaft.

Max Kettner
BVMW
Die Mittelstandsallianz diskutiert regelmäßig die Themen Arbeits­
markt, Bildung und Innovationsstandort Deutschland, die Digitale
Agenda sowie Energiepolitik, Steuern und Finanzierung mit hoch­
rangigen Spitzenpolitikern. Dafür wird sie sich in nächster Zeit
„„
Weitere Informationen:
www.mittelstandsallianz.de
Neben Erhalt und Ausbau
der Projektförderung bedarf
es einer steuerlichen
Forschungs­f örderung für KMU.
Anzeige
Marken erlebbar machen
10. puls Unternehemertag am 22. Oktober 2014
Markenstrategien 3.0:
Warum Erlebnisqualität Differenzierung und Price Premium schafft?
Wie Marken aktivierende Erlebnisse schaffen:
Neue puls Studie und erfolgreiche Praxisbeispiele
Prof. Jürgen Bachmann (Rudolf Wöhrl AG)
Jürgen Gietl (Brand Trust GmbH)
Sebastian Kemmler (KEMMLER KEMMLER)
Hanns-Thomas Schamel (Schamel Meerrettich GmbH & Co. KG)
Karl Matthäus Schmidt (quirin bank AG)
Dr. Bernhard Wandernoth (HbiMed Brain Diagnostics AG)
Dr. Konrad Weßner (puls Marktforschung GmbH)
Details und Anmeldung:
www.puls-marktforschung.de/unternehmertag.html
20
POLITIK
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Gespräche mit hochrangigen
Vertretern aus Politik …
Als Spitzenverband der Wirtschaft führt der BVMW Gespräche mit Spitzenvertretern aus allen
politischen und gesellschaftlichen Bereichen. Das Ziel: bessere (wirtschafts-) politische Rahmen­
bedingungen für den Mittelstand und die Vermittlung von Kontakten der Unternehmer zu den
Entscheidern im Land.
Bündnis für Bildung: Patricia Lips, MdB (mi.), und BVMW-Vorstand Arthur Zimmermann (3. v. li.) mit der BVMW-Delegation.
¡
I
n Berlin trafen sich Mittelstandspräsident
Mario Ohoven und der Düsseldorfer Bundes­
tagsabgeordnete Thomas Jarzombek (CDU).
Dabei ging es vor allem um die Digitalisierung
der deutschen Wirtschaft aus dem Blickwin­
kel des Mittelstandes. Jarzombek ist Obmann
seiner Partei im Bundestagsausschuss Digi­
tale Agenda und damit bestens vertraut mit
der Internetstrategie der Bundes­
regierung.
Ohoven machte in dem Gespräch deutlich,
Mario Ohoven und Thomas Jarzombek, MdB.
wie wichtig eine leistungsfähige IT-Infrastruktur
und der Bürokratieabbau im Bereich der Digi­
talen Wirtschaft für den Mittelstand sind. Sein
Angebot, den Dialog zu intensivieren, nahm
Jarzombek, der selbst lange Zeit unternehme­
risch in der IT-Branche tätig war, dankend an.
¡
D
ie Fachkräftesicherung kann nur durch ein
breit angelegtes Maßnahmenpaket gelingen,
bei dem alle Akteure eingebunden werden.
Der BVMW diskutierte darüber mit Patricia
Lips, Vorsitzende des Bundestagsausschusses
für Bildung, Forschung und Technikfolgen­
abschätzung, und stellte der CDU-Politikerin
seine bildungs­
politische Positionen und die
Kernforderungen des Mittelstandes vor:
• Mehr Praxisnähe bei der Ausbildung
• Verbesserte Mittel- und Personalausstattung
von Bildungseinrichtungen
• Anpassung der dualen Ausbildung an die Anfor­
derungen des modernen Arbeitslebens.
Arthur Zimmermann, Vorstandsmitglied des
BVMW und Aufsichtsrat der Klett-Gruppe, be­
tonte die Notwendigkeit, das Bildungsniveau bei
den Schulabgängern zu erhöhen. Patricia Lips un­
terstützt die Positionen des BVMW und wird eng
mit dem Verband kooperieren.
Der Mittelstand. | 5 | 2014
POLITIK
… Diplomatie …
¡
D
er Präsident der Philippinen, Benigno S. Aqui­
no III., machte seinen ersten Deutschlandbe­
such in Berlin. Hier traf er Bundeskanzlerin
Angela Merkel, Mittelstandspräsident Mario
Ohoven sowie weitere Spitzenvertreter
der Wirtschaft. Die philippinische Wirtschaft
weist die für viele Entwicklungsländer
typische Zweiteilung auf: einerseits moder­
ne Elektronik-Industrie und ein boomender
Dienstleistungssektor, andererseits Armut
und Subsistenzlandwirtschaft. Der Präsident
unterstrich das Interesse seiner Regierung an
mehr ausländischen Investitionen und ver­
sprach, sich verstärkt für mehr Transparenz
und weniger Korruption einzusetzen. Für 2014
erwarten die Philippinen ein Wirtschafts­
wachstum von sechs Prozent.
Staatsbesuch: Philippinen-Präsident Benigno Aquino III. mit Mario Ohoven.
¡
Z
u einem vertraulichen Gespräch empfing Ihre
Exzellenz, die Botschafterin Mexikos, Patricia
Espinosa Cantellano, den deutschen und eu­
ropäischen Mittelstandspräsidenten Mario
Ohoven in der Botschaft Mexikos in Berlin.
Die Gastgeberin war zwischen 2006 und 2012
Außenministerin Mexikos und ist seit Septem­
ber letzten Jahres als Botschafterin in Berlin
akkreditiert. Gegenstand des Treffens war die
zukünftige Zusammenarbeit bei gemeinsamen
Veranstaltungen, der Abschluss von Koopera­
tionsverträgen mit mexikanischen Institutio­
nen und Unternehmen sowie die Einbindung
des BVMW in den Besuch des mexikanischen
Staatspräsidenten im kommenden Jahr.
Deutsch-mexikanischer Dialog: I. E. Botschafterin
Patricia Espinosa Cantellano und Mario Ohoven.
Foto: Kai Uwe Oesterhelweg
… und Medien
¡
M
edien treffen den Mittelstand: Zu einem
hochkarätigen Event hatten Liz Mohn und
der Vorstandsvorsitzende von Bertelsmann,
Dr. Thomas Rabe, in die Bertelsmann-Re­
präsentanz Unter den Linden in Berlin ein­
geladen. Handverlesene Gäste aus Politik,
Wirtschaft, Gesellschaft, Medien und Kultur
waren ihrer Einladung gefolgt.

Bertelsmann-Vorstandsvorsitzender Dr. Thomas Rabe; Liz Mohn, Vorstand
Bertelsmann Stiftung; Unesco-Sonderbotschafterin Ute-Henriette Ohoven;
Mittelstandspräsident Mario Ohoven (v. li.).
21
POLITIK
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Europa-News
Jugendarbeitslosigkeit in Europa
Seit Anfang April liegt das Förderprogramm berufliche Mobilität von ausbildungsinteres­
sierten Jugendlichen aus Europa (MobiPro-EU) auf Eis. Bundesarbeitsministerin Andrea
Nahles hat den Stopp veranlasst, weil sie das Programm neu ausrichten will. Sinn des Programms
war es, arbeitslosen Jugendlichen aus südeuropäischen Ländern hierzulande einen Ausbil­
dungsplatz zu vermitteln oder jungen Fachkräften den beruflichen Einstieg zu ermöglichen.
Finanziert wurden daraus Deutschkurse, Praktika, Ausbildungen oder Reisen zu potenziellen
Arbeitgebern. Nun soll es ab 2015 einige Änderungen geben, die aber für viele Unternehmen
nicht nachvollziehbar sind. So bleiben künftig Fachkräfte von der Förderung ausgeschlossen.
Mittel erhalten nur noch ausbildungsinteressierte Jugendliche. Die Altersgrenze sinkt von 35
auf 27. Das Mindestalter bleibt bei 18 Jahren. Das Finanzvolumen soll bis 2018 insgesamt 448
Millionen Euro betragen. Während Berlin sich mit den neuen Bestimmungen bis Ende des Jah­
res Zeit lassen will, wächst die Jugendarbeitslosigkeit in den südlichen Ländern dramatisch.
In Portugal stehen 33 Prozent der Jugendlichen ohne Job da, in Italien 44 und in Spanien 54
Prozent. In Griechenland haben sogar 56 Prozent der jungen Menschen keine Arbeit.
www.ec.europa.eu/social/>Jugendarbeitslosigkeit
Sicherheit am Arbeitsplatz
Die EU-Kommission will mit einer neuen Strategie für Gesundheit und Sicherheit am
Arbeitsplatz (2014 – 2020) die Arbeitnehmer in Europa besser vor arbeitsbedingten
Unfällen und Krankheiten schützen. Dabei sollen zwei Aspekte im Vordergrund ste­
hen: Es geht einmal um die Fähigkeit von kleinen und mittleren Unternehmen zur Ein­
führung wirksamer Prävention bei Arbeitsunfällen und andererseits um Instrumente
zum Schutz älterer Erwerbstätiger vor Erkrankungen. Brüssel hat herausgefunden,
dass jedes Jahr über drei Millionen Menschen in der EU einen Arbeitsunfall erleiden
und 4.000 bei Arbeitsunfällen sterben. Um diese Zahlen zu reduzieren, gibt es bereits
wirksame Vorschriften auf nationaler Ebene. Aber nach EU-Logik kann auch hier nur
ein europaweit einheitliches Programm helfen.
www.europa.eu/rapid/press-release_IP-14-641_de.htm
Illegale Einwanderung
Seit 2013 verzeichnet Deutschland EUweit die meisten illegalen Einreisen. Im
vergangenen Jahr griff die Bundespoli­
zei über 32.500 unerlaubt Einreisende
auf. Das ist ein Anstieg von 27 Prozent
im Vergleich zum Vorjahr. Sie kommen
in überfüllten Flüchtlingsbooten über
den Seeweg aus Afrika und reisen von
Italien über Österreich nach Deutsch­
land. Nach Angaben der Internationa­
len Organisation für Migration kamen
allein von Januar bis Mai 2014 mehr
als 40.000 Menschen auf diesem Weg
nach Europa. In der Regel werden sie
von Schleusern in Transportern über die
Autobahn oder mit der Bahn über die
Grenzen gebracht. Auf EU-weit gelten­
de Regeln zur Aufnahme der Flüchtlinge
konnte man sich in Brüssel bisher nicht
verständigen. Besonders die Länder
Italien, Malta und Spanien sind mit der
Situation überfordert. Die Bundesrepu­
blik ist für viele Flüchtlinge nur eine Zwi­
schenstation. Sie wollen entweder nach
Skandinavien oder in die Niederlande.
www.bmi.bund.de
Foto: oben links: © aurora - Fotolia.com, unten links: © Kzenon - Fotolia.com, mitte rechts: © Reimer - Pixelvario - Fotolia.com
22
Der Mittelstand. | 5 | 2014
POLITIK
Schmuggeln für
das BIP
Bislang zählten Schattenwirtschaft, Rauschgifthandel oder
Tabakschmuggel nicht zum Bruttosozialprodukt (BIP) in
Deutschland. Das hat sich aufgrund einer EU-Verordnung zum
1. September 2014 geändert. So werden nun auch diese ille­
galen Geschäfte in die Berechnungen des Statistischen Bun­
desamtes aufgenommen. Die Behörde kritisiert an der neuen
EU-Regelung vor allem, dass jetzt auch Waffengeschäfte mit
eingerechnet werden. Bisher wurden nur zivil genutzte Mili­
täranlagen als Investitionen betrachtet, jetzt gilt dies auch für
Panzer und Raketen, die trotz ihrer zerstörerischen Wirkung
zur Kapitalbildung dienen sollen. Noch wichtiger für das BIP
sind Neuverbuchungen von Forschung und Entwicklung. Sie
galten bislang als Vorleistung, die das Sozialprodukt mindern.
Ab sofort werden sie den Investitionen zugerechnet und erhö­
hen das Bruttosozialprodukt. Experten glauben, dass die neue
Regelung vor allem den hoch verschuldeten EU-Ländern mit
einer großen Schattenwirtschaft nutzt. Denn gleichbleibende
Schulden bei einem höheren BIP bedeuten eine bessere Kre­
ditwürdigkeit.
www.enzyklo.de/Begriff/investition
Foto: ooben rechts: © vege - Fotolia.com, unten rechts: © Grecaud Paul - Fotolia.com
EU konsultiert
Unternehmen
Die EU-Kommission überprüft, ob die
Handelsvertreter-Richtlinie angepasst
werden sollte. Dafür konsultiert sie bis
zum 31. Oktober 2014 auch Bürger und
Unternehmen.
Handelsvertreter sind selbstständige
Vermittler, die gegen Provision Verträge
über den Verkauf von Waren im Namen
und auf Rechnung einer anderen Person
vermitteln oder abschließen. Die Richt­
linie sollte einen Binnenmarkt für Han­
delsvertretungen schaffen. Da sie aber
von den EU-Staaten in nationales Recht
umgesetzt werden musste, gibt es fak­
tisch auch heute noch einen Wettbewerb
der europäischen Rechtsordnungen.
Die Teilnehmer der Konsultation können
die Rechtsetzung beeinflussen. Die Kom­
mission führt die Konsultation über ein
Internetformular durch und bietet weite­
re Informationen.
www.ec.europa.eu/internal_market/
qualifications/other_directives/commercial_agents/index_de.htm
Zusätzlich unterstützt der BVMW
mit externen Experten:
www.osborneclarke.com/
hv-konsultation
Brüssels Botschaften in der Kritik
Die neue EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini wird sich nicht nur mit der Uk­
raine-Krise befassen müssen, auch die Lösung hausinterner Probleme wartet auf sie.
Denn vier Jahre nach Gründung des Europäischen Auswärtigen Dienstes (EAD) ist
die Stimmung in der Zentrale am Brüsseler Rond-Point-Schuman miserabel. Niemand
dort bedauert den Abschied ihrer Vorgängerin Catherine Ashton, die mit ihrer Perso­
nalpolitik qualifizierte Beamte verprellt hat. „Eine Kultur der Vetternwirtschaft“ hielt
ihr zuletzt die hausinterne Gewerkschaft in einem Brief vor. Botschafterposten für
die 140 EU-Vertretungen seien nicht an Mitarbeiter der Behörde, sondern an natio­
nale Diplomaten aus den 28 Mitgliedsstaaten vergeben worden. „Übereilt“ und „nicht
ausreichend vorbereitet“ sei es bei der Gründung zugegangen, moniert jetzt auch der
Europäische Rechnungshof in einem „Special Report“ über die EU-Außenpolitik. Die
Haushaltsexperten kritisieren, dass in keiner anderen EU-Institution so viele hohe und
teure Beamte für so wenig Personal zuständig seien.
www.de.wikipedia.org/wiki/
Europäischer_Auswärtiger_Dienst
23
POLITIK
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Malta – Drehscheibe
für den Mittelmeerraum
Der Mittelstand. im Interview mit
S. E. Dr. Albert Friggieri, Botschafter von Malta
Die ehemalige britische Kronkolonie Malta ist
seit 50 Jahren politisch unabhängig. Am 1. Mai
2004 trat das Land der EU und im Jahre 2007
dem Schengenraum bei, 2008 führte es den
Euro ein. Im Jubiläumsjahr sprachen wir mit
dem Botschafter von Malta in Deutschland,
S. E. Dr. Albert Friggieri, über die wirtschafts­
politische Entwicklung des Inselstaates.
Der Mittelstand.: Herr Botschafter, welche
politische Bilanz ziehen Sie nach zehn Jahren
Mitgliedschaft in der Europäischen Union?
Dr. Albert Friggieri: Politisch, sozial und
wirtschaftlich ist Malta eines der stabilsten
Länder der Welt. So haben wir 2009 die
Rezession
relativ
schnell
überwunden.
Der Bankensektor ist, wie die EU-Kommission
bestätigte, gesund und widerstandsfähig. Das
BIP wächst schneller als im EU-Durchschnitt.
Die Arbeitslosigkeit ist mit 6,5 Prozent euro­
paweit eine der niedrigsten. Die herstellenden
Industriebetriebe überstanden die Krise gut und
konsolidierten ihre Position. 2013 war absolutes
Rekordjahr für den Tourismus, und dieses Jahr
verläuft noch besser. Der große Containerha­
fen, die Firmen im Aviationssektor, z. B. Luft­
hansa Technik Malta, der maritime Bereich, die
Hersteller von Medizintechnik oder Fein­
mechanik, die Softwareentwick­
ler sowie das Finanzzentrum sind
weitere solide Bestandteile einer
breit gefächerten Wirtschaft.
Trotz der soliden
Wirtschaft sieht die
neue Labour-Regierung
das kleinste EU-Land vor
großen Herausforderungen.
Welche sind das?
Diese Herausforderungen haben sich
über Jahre angehäuft. Sie betreffen den
Energiesektor, den öffentlichen Verkehr,
die niedrige Frauenerwerbsquote, lange
Wartezeiten in der öffentlichen Kranken­
versorgung, illegale Einwanderung und die Ziele
bei den Erneuerbaren Energien. Nach der Wahl
im letzten Jahr hat die Regierung die Probleme
energisch angepackt. An der Problemlösung
mancher Bereiche sind auch deutsche Firmen
interessiert. Siemens z. B. ist am neuen Erdgas­
kraftwerk beteiligt.
Die maltesische Wirtschaft braucht
ausländische Investoren. Wie hat sich
dieses Engagement entwickelt?
Konkret: Wie stark ist die deutsche
Beteiligung bei diesen Investitionen,
und welche Erwartungen haben Sie?
Malta gilt im Fertigungsbereich als exzellenter
Industriestandort. Führende Firmen produzie­
ren seit Jahrzehnten in Malta. Nicht alle wissen,
dass Weltklasseprodukte in Malta entworfen,
getestet, hergestellt und von dort aus in die
ganze Welt exportiert werden. Mehr als 200
Firmen sind in ausländischem Besitz, 55 davon
sind deutsche Firmen mit rund 2500 Mitarbei­
tern, darunter auch Global Player. Immer mehr
Firmen benutzen Malta als Sprungbrett, um
ihre Produkte und Dienstleistungen im ganzen
Mittelmeerraum zu vermarkten. Mit unserer
geografischen Bestlage, der hoch entwickelten
IT-Infrastruktur und den guten Beziehungen zu
allen Mittelmeernationen ist Malta prädestiniert
dazu, als Drehscheibe für jegliche Art von wirt­
schaftlichen Aktivitäten zu fungieren.
Welche Anreize bietet Malta Unternehmen,
die dort produzieren wollen?
Malta Enterprise, die für Investitionsförderung
zuständige
Regierungsagentur,
unterstützt
Investoren mit einem breiten Spektrum an
Maß­
nahmen, u. a. mit der Bereitstellung von
Fabrikräumen, zinsgünstigen Krediten, Darle­
henszuschüssen und -garantien. Sie hilft Firmen,
neue Märkte zu ergründen, unterstützt deren
F&E Projekte, die Aus- und Weiterbildung ihrer
Arbeitskräfte und koordiniert EU-finanzierte För­
derprogramme. In Malta findet man qualifizierte
Foto: © ijacky - Fotolia.com
24
„„
englischsprachige Ingenieure und
Techniker sowie gut ausgebildetes
Personal in grundlegenden Berei­
chen der Industrie, wie Logistik und
Buchhaltung. Geschäfts- und Ban­
kensprache ist Englisch, die zweite
offizielle Sprache. Mit mehr als 60
Ländern hat Malta Doppelbesteue­
rungsabkommen und bietet Firmen
sehr attraktive Steuersätze. Gehälter und Löhne
sind moderat, und die Sozialkosten sind niedrig.
Gut ausgebildete Fachkräfte sind heute wichtiger denn je. Könnte das bei uns praktizierte
„Duale Berufsbildungssystem“ für Malta ein
Modell sein?
Wir wissen, dass man ein in einem Land seit lan­
gem bewährtes System nicht ohne weiteres auf
ein anderes Land übertragen kann. Wir wissen
aber auch, dass wir vom deutschen System viel
lernen können und wir sind dabei, dies zu tun.
Unser Erziehungs- und Arbeitsministerium steht
seit einigen Monaten mit dem Bundesinstitut für
Berufliche Bildung in Bonn in Kontakt, und wir
werden die Zusammenarbeit in den kommenden
Monaten intensivieren.
Der Mittelstand. | 5 | 2014
25
Immer mehr Firmen benutzen Malta
als Sprungbrett, um ihre Produkte
und Dienstleistungen im ganzen
Mittelmeerraum zu vermarkten.
Gemessen an der Einwohnerzahl, nimmt kein
EU-Mitglied mehr Flüchtlinge auf als Malta.
Was erwartet Ihre Regierung von Brüssel, um
das Problem der Bootsflüchtlinge zu lösen?
Die maltesische Regierung erwartet, dass alle
EU-Mitglieder sich dieser Herausforderung stel­
len. Das bedeutet konkret, in Seenot geratenen
Flüchtlingen zu helfen und sie in allen Mitglieds­
ländern unterzubringen, je nach Größe, Bevöl­
kerungszahl und Wohlstand des jeweiligen Auf­
nahmelandes. Wir brauchen ein System, das es
unnötig für Flüchtlinge macht, ihr Leben zu ris­
kieren und große Summen an skrupellose Men­
schenschmuggler zu bezahlen.
Herr Botschafter, haben Sie vielen Dank
für dieses Gespräch.
Anzeige
∆Ich habe mein Unternehmen
erweitert. Und unsere Marktchancen gleich mit.
1/2 Anz.
kfw
Mit einer KfW-Förderung für den Mittelstand.
Wachstum, Energieeffizienz oder Innovation: Als größte deutsche Förderbank unterstützt Sie die KfW dabei, Ihrem Unternehmen langfristig Wettbewerbsvorteile zu sichern. So erhält
der Mittelstand günstige Finanzierungsangebote, um Erweiterungen zu ermöglichen und in Forschung und Entwicklung
zu investieren. Oder mit Ressourceneffizienz und dem Einsatz
neuester Technologien wichtige unternehmerische Weichen
in Richtung Zukun zu stellen. Mehr Infos bei Ihrem Finanzierungspartner* oder direkt Beratungstermin anfragen unter:
www.kfw.de/beratungstermin
* Finanzierungspartner sind Geschä sbanken, Sparkassen,
Genossenscha sbanken und Direktbanken.
POLITIK

S. E. Dr. Albert Friggieri
Botschafter der Republik
Malta in Berlin
Das Interview führte
Rotger H. Kindermann.
POLITIK
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Russland-Sanktionen
belasten Mittelstand
Statt den Konflikt weiter zu eskalieren,
sollte die Politik mit Putin verhandeln
Der BVMW verfolgt die Entwicklung rund um
den Ukraine-Russland-Konflikt mit wachsender
Sorge. BVMW-Präsident Mario Ohoven hat sich
seit Beginn der Krise immer wieder in Interviews
für nationale und internationale Medien zu Wort
gemeldet und nachdrücklich auf die Verletzung
von Menschenrechten und Verstöße gegen das
Völkerrecht hingewiesen, die vom Westen und
der gesamten Völkergemeinschaft nicht hin­
genommen werden dürfen.
Allerdings, und auch darauf hat Mario Ohoven
eindringlich und deutlicher als andere Vertreter
von Wirtschaftsverbänden hingewiesen: Wir
dürfen die Augen nicht verschließen vor den gra­
vierenden Auswirkungen des Konflikts auf die
deutsche Wirtschaft und speziell den deutschen
Mittelstand.
Rainer Ptok
BVMW
Dazu einige Fakten:
1. Jüngste Daten des Statistischen Bundesamtes
zeigen, dass die Sanktionen gegen Russland die
deutschen Exporteure immer mehr Geld kosten.
Im ersten Halbjahr nahmen sie dort fast drei Milli­
arden Euro weniger ein als im Vorjahreszeitraum –
die Ausfuhren schrumpften um 15,5 Prozent auf
knapp 15,3 Milliarden Euro. Unter besonderem
Druck stehen die Exporte von Fahrzeugen und
Kraftwagenteilen, die um 24,4 Prozent einbrachen;
die Ausfuhr von Maschinen ging um 18,7 Pro­
zent zurück, bei Nahrungs- und Futtermitteln
schrumpfte die Ausfuhr sogar um knapp ein Drittel.
2.
Die kumulierten deutschen Direktinves­
titionen in Russland übersteigen die Direktin­
vestitionen Deutschlands in den USA, Japan,
China sowie in Europa in Italien, Frankreich und
Großbritannien zusammengerechnet.
3. Geplante Investitionen deutscher Unterneh­
men in Russland werden gestoppt, umgekehrt
lenken russische Einkäufer ihre Order bereits
in andere Länder um, insbesondere in den
asiatischen Raum und dort vor allem nach Chi­
na.
4. Der Konflikt in der Ukraine gefährdet 25.000
Jobs in der Bundesrepublik, bedingt durch den
Einbruch des Russland-Geschäfts stehen sogar
bis zu 300.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel.
Wandel durch Handel
Der BVMW appelliert an die politischen Ent­
scheidungsträger, mit Vernunft und Augen­
maß auf diplomatische Lösungen zu setzen.
Eine Lösung des Konflikts wird ohne oder gegen
Putin nicht möglich sein. Die Schraube der Sank­
tionen weiter zu drehen, löst auf Dauer nicht
das Problem, ganz im Gegenteil, Fronten verhärten
sich und ein Zurück ist für jede Seite nur mit einem
großen Gesichtsverlust möglich. „Wandel durch
Handel“ sollte gerade in so schwierigen politischen
Gemenge­lagen, wie wir sie aktuell in der Ukraine
und Russland erleben, das Leitmotiv politischen
Handelns sein und bleiben.

Foto: © nikolarakic - Fotolia.com
26
Der Mittelstand. | 5 | 2014
POLITIK
27
Alternative zu China
Vietnam als Fertigungsstandort für den deutschen Mittelstand
Der chinesische Markt kann und sollte von den
meisten Unternehmen nicht vernachlässigt werden, aber die Schwierigkeiten für neue Investitionsprojekte dort nehmen eher zu. Löhne und
Sozialversicherungskosten sind in den letzten
Jahren stark angestiegen. In letzter Zeit zeichnen sich Engpässe und neue Beschränkungen
bei der Landnutzung ab. Es lohnt sich daher,
Vietnam, ein aufstrebendes südostasiatisches
Land mit einer Bevölkerung etwa der Größe
Deutschlands, als mögliche Alternative genauer
zu betrachten.
Investitionsbeschränkungen
und Anreize in Vietnam
Die vietnamesische Regierung schreibt ausländi­
schen Investoren in der produzierenden Indust­
rie keine Joint Venture mit lokalen Partnern vor.
Projekte mit arbeitsintensiver Fertigung werden
in Vietnam grundsätzlich als geförderte Projekte
eingestuft. Steuerbefreiungen und Ermäßigun­
gen für neue Projekte und die Ausweitung be­
stehender Projekte sind auf breiter Basis noch
immer erhältlich, teilweise bis zu dreizehn Jahren.
Zudem beträgt der allgemeine Körperschaftsteu­
ersatz in Vietnam nur 22 Prozent und wird ab dem
1. Januar 2016 weiter auf 20 Prozent abgesenkt.
„„
Handel und Dienstleistungen
Vietnam ist seit 2007 Mitglied der WTO und hat
sich verpflichtet, auch den Handels- und Dienst­
leistungssektor zu öffnen. Bei der Lizensierung
ausländischer Dienstleister, die im Land tätig
werden wollen, werden teilweise unsachliche
Schwierigkeiten aufgebaut oder überhöhte Anfor­
derungen an den Nachweis der Qualifikation des
ausländischen Personals gestellt. Durch geduldi­
ge Verhandlungen mit den zuständigen Behörden
können diese Hindernisse oft aus­
geräumt werden.
Foto: © Konstantin Yolshin - Fotolia.com
Vietnam praktiziert wie
auch China ein System des
staatlichen Eigentums an
Grund und Boden.
Landnutzung
Vietnam praktiziert wie auch China ein System
des staatlichen Eigentums an Grund und Boden.
Ausländische Investoren können nur Nutzungs­
rechte am Land erwerben. Bei Zahlung der ge­
samten Miete für die Laufzeit eines Projekts im
Voraus kann ein ausländischer Investor ein lang­
fristiges Landnutzungsrecht zum Beispiel von ei­
ner Industriezone erwerben und darauf eine eige­
ne Fabrik errichten.
Bei der Gründung von Vertriebs­
gesellschaften
ausländischer
Unternehmen unterliegt der Ein­
zelhandel gewissen Einschrän­
kungen. Der Begriff wird dabei
weit ausgelegt und kann auch den
Verkauf von Industriegütern ein­
schließen. Alle Zusatztätigkeiten, die ein Unter­
nehmen im Vertriebsbereich erbringen will, zum
Beispiel Lagerhaltung am eigenen Standort, müs­
sen klar und eindeutig im Investmentzertifikat
vermerkt sein, sonst gibt es Schwierigkeiten.
Vietnam ist Mitglied von ASEAN und weiteren
regionalen Handels- und Investitionsabkommen.
Der Abschluss eines Freihandelsabkommens mit
der EU steht bevor.

Dr. Jörg-Michael Scheil
Partner, zugelassen als aus­
ländischer Rechtsanwalt in
China und Vietnam
Schulz Noack Bärwinkel
Rechtsanwälte PartmbB
Ho Chi Minh City Branch
www.snb-law.de
28
POLITIK
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Mittelstand international: Die Spitzen der Mittelstandsverbände (Mario Ohoven und Kim.Song Jae-hee) vereinbaren konkrete Zusammenarbeit.
Kooperation mit dem
südkoreanischen Mittelstand
Globaler Wettbewerb und die Herausforderungen
der vierten industriellen Revolution
Von Deutschland lernen:
Mario Ohoven beim Zukunfts­
kongress Global Green Growth
Forum in Seoul.
Auf Einladung der Regierung Südkoreas
reiste BVMW-Präsident Mario Ohoven
nach Seoul. Im Rahmen des Zukunfts­
kongresses „Global Green Growth Fo­
rum“ hielt er die vielbeachtete Key-Note
zu Industrie 4.0, der Hightech-Strategie
der Bundesregierung. Vor zahlreichen
Spitzenpolitikern und Wirtschaftsfüh­
rern des Landes machte Ohoven bei
dem großen Wirtschaftssymposium
deutlich, dass die deutsche Regierung
alles unternehmen müsse, um den Pro­
duktionsstandort Deutschland zu si­
chern. Voraussetzung sei der zügige
Ausbau der Breitbandinfrastruktur, In­
vestitionen in Bildung, Forschung und
Entwicklung und vor allem die finanzi­
elle Förderung von Start-ups. Südkorea
zeige mit einer Breitbandabdeckung
von nahezu 100 Prozent sowie einer
fast doppelt so hohen Absolventenzahl in den
Fächern Mathematik, Informatik, Naturwis­
senschaften und Technik (sog. MINT-Fächer),
dass ein ernstzunehmender Wettbewerber auf
dem Markt zu erwarten sei.
Neben der Teilnahme an der Konferenz konnten die
bereits vor einigen Monaten in Berlin geknüpften
Kontakte zu dem größten Mittelstandsverband Süd­
koreas KBIZ im Rahmen eines Gesprächs mit dem Vi­
ze-Präsidenten Song Jae-hee ausgebaut werden. Ein
GegenbesuchinDeutschlandunddieDurchführungeines
gemeinsamen Wirtschaftskongresses wurden da­
bei vereinbart.
Insgesamt bot die Veranstaltung Gelegenheit,
den BVMW als Mittelstandsverband in Süd­
korea bekannt zu machen, und Voraussetzungen
für beiderseitige Wirtschaftsbeziehungen auf
Unternehmensebene zu schaffen. 
ANGEZÄHLT
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Finanzierung in Zahlen
15,3 %
der gesamtwirtschaftlichen Anlagen­
investitionen in Deutsch­land erfolgen
durch Leasing. Jährlich werden über
eine Million Verträge abgeschlos­
sen. Zu 85 Prozent handelt es sich
um mittelständische Unternehmer.
Im Bereich der Maschineninves­
titionen nutzen sie überwiegend diese
Finanzierungsform.
Quelle: Bundesverband
deutscher Leasing-Unternehmen
Foto links unten: © WonderfulPixel - Fotolia.com, Foto rechts unten: www.wikimedia.org, Foto mitte links: © sester1848 - Fotolia.com
102 Mrd.
betrug der Kreditbedarf kleiner und mittelständischer Unternehmen
im Jahr 2012. Über die Hälfte des Investitionsvolumens konnte aber
mit Eigenkapital gedeckt werden.
Quelle: KfW-Mittelstandspanel 2005-2013
12.032
Unternehmensinsolvenzen
verkündeten die Amtsgerichte in Deutschland für das erste
Halbjahr 2014. Immerhin, das sind knapp 9 Prozent weniger als
im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Der Handel, gefolgt vom
Baugewerbe, musste die meisten Rückschläge hinnehmen.
Quelle: Statistisches Bundesamt
136.000.000.000 Euro
wollen deutsche Mittelständler bis zum ersten Quartal 2015 in­
vestieren. Im Vergleich zum Vorjahr ist damit die Investitionsbe­
reitschaft um 18 Prozent gesunken. Dennoch gehört Deutschland
im europäischen Vergleich
weiterhin zu den Spitzen­
reitern. Geplant sind vor
allem Investitionen in Bü­
roausstattung sowie Hardund Software. Ausgaben für
Maschinen oder Firmenfahr-­­­
zeuge werden von den Unter­
nehmen dagegen reduziert.
Quelle: CAPEX-Report 2014
29.000.000.000 Euro
Subventionen erhielten deutsche Unternehmen aus den
Fördertöpfen der Europäischen Union und des Bundes im
Jahr 2012. Nur ein Fünftel davon kommt produzierten und
eingeführten Waren sowie Dienstleistungen zu gute.
Quelle: Statistisches Bundesamt
45
PROZENT
der deutschen Unterneh­
men investieren 2014 im
Ausland. Während davon
54 Prozent ein gleichblei­
bendes Budget für ihre
Auslandsaktivitäten im
Vergleich zum Vorjahr
einsetzen, stocken 33 Pro­
zent der Unternehmer ihr
Budget auf. Primäres Ziel
ist die Erschließung neuer
Märkte durch Produkti­
onsstätten, Vertrieb und
Kundendienst. Gleichzeitig
wollen Unternehmen mit
Auslandsinvestitionen auch
mehr im heimischen Markt
investieren als solche ohne.
Quelle: DIHK
34 Länder,
darunter 28 EU-Staaten,
nehmen seit dem 1. August an dem grenzüberschreitend
standardisierten europäischen Zahlungsverfahren
SEPA (Single Euro Payments Area) teil.
Bereits im Juli wurden 94 Prozent des
Zahlungsverkehrs mit dem neuen
Verfahren abgewickelt.
Quellen: Deutsche Bundesbank,
Handelsblatt
29
30
KOLUMNE
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Wer schützt uns vor
den Datenschützern?
Guido Augustin macht sich Gedanken
über unsere Welt und ihre Bewohner
Eigentlich ist jede Facebook-Firmenseite ein
Verstoß gegen den Datenschutz, weil schon
beim bloßen Aufruf Daten erfasst werden,
ohne dass der Besucher dies genehmigen konnte.
Die Reali­tät überholt einmal mehr die Juri­spru­
denz. Das ist, als wolle man Jörg Kachelmann den
Älteren, Uwe Wesp und Claudia Kleinert persön­
lich dafür haftbar machen, wenn man bei Regen
vor die Tür geht und nass wird.
Guido Augustin
BVMW-Pressesprecher
Rheinhessen,
Social Media-Experte
und PR-Berater
www.guidoaugustin.com
Und jetzt mein Favorit: Das „Recht auf Vergessen“,
genauer: auf „Vergessen werden“. Damit hat der Eu­
ropäische Gerichtshof (EuGH) der Bewahrung des
Wissens der Menschheit einen dicken Stock
in die Speiche gesteckt. Worum geht es dabei?
Ich muss nicht hinnehmen, dass eine Suchma­
schine auf eine Webseite verweist, auf der über
mich berichtet wird. Das kann schließlich meine
Persönlichkeitsrechte verletzen Klingt erst­
mal prima, oder? Dumm nur, wenn mehrfach
vorbestrafte Wirtschaftskriminelle so die ein­
malige Gelegenheit bekommen, Hinweise auf
aufklärende Berichte zu löschen.
Heute finden wir Zugang zum digital gespeicher­
ten Wissen über Suchmaschinen. Wenn ein Ein­
trag dort verschwindet, ist es, als verräume man
ein Buch in einer Bibliothek in ein falsches Regal.
Ohne Karteihinweis gibt es nur noch eine
theo­retische Chance, es jemals wiederzufinden.
Moment mal, rufen die Aktivisten, der EuGH hat
den Suchmaschinenbetreibern doch auferlegt,
das Persönlichkeitsinteresse gegen das Recht
der Öffentlichkeit auf Information abzuwägen.
Das stimmt. Aber im Gegensatz zu unserem dick­
flüssigen Rechtssystem können sich Google &
Co. nicht beliebig viel Zeit lassen, Anträge abzu­
arbeiten. Das führt in der mehrfach berichteten
Praxis dazu, dass Löschanträge durchge­wunken
werden.
Google wird so ungewollt zum Datenschützer
und Zensor zugleich, der mit einer solchen Auf­
gabe schlicht überfordert sein muss – ganz un­
abhängig von der Frage, ob diese Gewalt in die
Hand eines Privatunternehmens gehört.
Jetzt kommt’s: Google hat eine Prüfkommissi­
on eingesetzt, die über Löschanträge entschei­
det und den Umgang mit solchen überhaupt.
Wenn ich also einen Eintrag weg haben will,
schreibe ich das Google, und dann wird ge­
löscht oder die Kommission tritt zusammen.
Darin sitzen: Googles Chef und Gründer Eric
Schmidt, Chef-Justiziar David Drummond,
Wikipedia-Gründer Jimmy Wales, Luciano
Floridi, Professor für Philosophie an der Oxford
University, der frühere Chef der spanischen Da­
tenschutzbehörde José-Luis Piñar und die ehe­
malige Bundesjustizministerin Sabine Leutheus­
ser-Schnarrenberger. Wer hat da gelacht,
bitte? Einem Kolumnisten, der sich so etwas
ausdenkt, gehört der Hintern versohlt –
mit Recht.

Foto: Heike Rost
Als ich kürzlich meinen Wagen in der Werkstatt
zur Inspektion abgab, musste ich eine Erklärung
unterschreiben, dass die Werkstatt mich anrufen
darf, wenn der Wagen fertig ist: „Sie wisse schon,
wege dem Daadeschutz!“
Mit erfahrenen Experten
schnell und sicher ans Ziel!
Für Ihr mittelständisches
Unternehmen finden Sie
den spezialisierten
Mittelstandsberater
im Beraternetzwerk des
IBWF Institut e.V.
Mitglieder sind etwa 1.000 geprüfte
Unternehmensberater Rechtsanwälte/
Notare, Steuerberater/Wirtschaftsprüfer.
Das IBWF ist das größte fachübergreifende und flächendeckende
Beraternetzwerk aus diesen Berufsgruppen in Deutschland.
Mitglieder sind qualifizierte, in der Beratung mittelständischer Unternehmen
besonders erfahrene Berater.
Das IBWF benennt als Mitglieder seines Beraternetzwerks nur solche
Berater, die hinsichtlich Ausbildung und Beratungsqualität besondere
Kriterien erfüllen.
Die IBWF-Netzwerkstrategie macht es auch spezialisierten Kanzleien
und Beratungsunternehmen möglich, ein für Ihr Unternehmen und Ihre
Aufgabe optimal zugeschnittenes und/oder umfassendes Beratungsangebot
bieten zu können. Durch die über den jeweiligen Fachbereich hinausgehende
Zusammenarbeit Ihrer Berater profitieren Sie – so gewünscht – stets vom
aktuellsten Fachwissen in allen beteiligten Disziplinen.
Weitere Informationen und Beraterdatenbank unter
www.mittelstandsberater.de
®
IBWF Institut
In Kooperation mit dem BVMW – Bundesverband mittelständische Wirtschaft e.V.
für Betriebsberatung, Wirtschaftsförderung und -forschung e.V.
Bundesgeschäftsstelle: Theaterstraße 22 · 53111 Bonn
Tel. 0228/ 6 04 77– 0 · www.mittelstandsberater.de · Unternehmerhotline freitags von 9.00–12.00 Uhr: 0228 / 6 04 77– 46
IBWF
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Verträge gründlich prüfen
Vorsicht vor Fallen im Darlehensgeschäft
Ralph Hans Brendel
Zertifizierter
Kreditsachverständiger
Fachlicher Leiter
zinspruef GmbH
www.zinspruef.de
Mitglied im IBWF –
Institut für
Betriebs­beratung,
Wirtschafts­förderung
und -forschung e. V.
Häufig und in den Auswirkungen völlig unterschätzt ist eine Form der Kreditgewährung,
die ein realer Fall aufzeigt:
50.000 Euro Zinsen zahlte. Das entsprach einer
durchschnittlichen Verzinsung von 62 Prozent
nominal und 84 Prozent effektiv.
Ein Unternehmer beantragte bei seinem Kredit­
institut ein Tilgungsdarlehen in Höhe von 170.000
Euro. Das Darlehen wurde genehmigt und ausge­
zahlt. Als Sicherheit wurden von diesem Kredit
120.000 Euro in die Festgeldanlage umgebucht.
Als Zins für das Darlehen wurden 8,5 Prozent ver­
einbart, über die Verzinsung der Festgeldanlage
wurde in der Kreditvereinbarung keine Aussage
getroffen.
Vor Gericht wurde die gesamte Konstruktion des
Darlehens in Verbindung mit der daraus finan­
zierten Geldanlage verhandelt, auch die Frage
der Sittenwidrigkeit.. Es wurde ein Vergleich über
112.000 Euro geschlossen, mit der der Kunde nicht
nur seinen Schaden aus diesem Darlehensgeschäft
in Verbindung mit der Festgeldanlage und aus dem
überhöht abgerechneten Kontokorrentkonto von
dem Kreditinstitut erstattet erhielt, sondern sogar
die regulären Zinsen einsparte.
Auf den tatsächlich zur Verfügung stehenden
Kreditbetrag in Höhe von 50.000 Euro (170.000
Darlehen minus 120.000 Festgeldanlage) wurden
monatlich 1.204,17 Euro fällig. Abzüglich der 250
Euro monatlich für die Festgeldanlage verblieben
dem Darlehensnehmer 954,17 Euro Zinsbelastung
pro Monat für den Kredit: mehr als 22 Prozent
nominal und mehr als 25 Prozent effektiv.
Dieses Beispiel zeigt, dass es sich schnell
und effektiv lohnen kann, alle Darle­
hensverträge und die dazuge­hörigen
Konstruktionen zu überprüfen,
vor allem unter dem Aspekt der
von der Bank geforderten
Sicherheitsleistungen. 
Die Zinsbelastung erhöhte sich aber noch weiter,
weil die Zinszahlungen über einen teuren Konto­
korrent abgewickelt wurden, dessen Sollsaldo
dadurch unnötig in die Höhe getrieben wurde.
In dem realen Fall stand dem Unternehmer
im Durchschnitt aus dem Gesamtdar­
lehen von 170.000,00 Euro lediglich
ein Betrag von etwas mehr als 25.000
Euro als Liquidität zur Verfügung,
wofür er in einem Zeitraum von
etwa drei Jahren insgesamt knapp
Foto: © ratch0013 - Fotolia.com
32
Der Mittelstand. | 5 | 2014
IBWF
33
Hauptsache
unabhängig
Nur Bankkredit ist heute
nicht mehr ausreichend
Es gibt zahlreiche Gründe, warum sich Mittel­
ständler neben dem Bankkredit eine weitere
Finanzierungsquelle erschließen sollten. Die
Er­
gebnisse einer Weltbank-Studie regen dies­
bezüglich zum Nachdenken an: Im Unterschied zu
Großunternehmen zahlt der – vom Bankkredit abhängige – Mittelständler mehr für seine Kredite,
trotz höherer Besicherung. Kein Wunder also, dass
sich mehr als 80 Prozent der Banken mit diesem
Geschäftsbereich zufrieden zeigen.
Darüber hinaus weiß jeder Unternehmer, dass Ab­
hängigkeiten zu vermeiden sind, beim Einkauf wie
bei der Finanzierung. Ausschließlich auf Bankkre­
dite zu setzen, ist mit Verfügbarkeit der KMU-An­
leihe ein unnötiges Risiko – und dies nicht nur mit
Blick auf die unsichere Zukunft der Kreditversor­
gung.
Die KMU-Anleihe – ein mittelstands­
tauglicher Finanzierungsbaustein
Auf Basis des Mindestvolumens einer typischen
Kapitalmarktanleihe in Höhe von rund 20 Millio­
nen Euro verfügen lediglich etwa 0,3 Prozent der
Unternehmen über einen Kapitalmarktzugang.
Foto: © lassedesignen - Fotolia.com
Mit der KMU-Anleihe steht nun deutlich mehr
Unternehmen der Zugang zum Kapitalmarkt offen.
Seit wenigen Monaten bietet die WIR Finanzierer
Gruppe mit der KMU-Anleihe Unternehmen den
Kapitalmarktzugang bereits mit Beträgen ab
500.000 bis circa zehn Millionen Euro an.
Um in Summe dennoch auf ein für Investoren attrak­
tives Gesamtvolumen zu kommen, werden rund
25 KMU-Anleihen zu einem größeren Paket gebün­
delt. Finanziert wird dieses Paket dann mittels ei­
ner gerateten und börsengelisteten Kapitalmarkt­­anleihe (Zielvolumen: 120 Millionen Euro).
Der Anteil einer KMU-Anleihe am Gesamtvolumen
ist auf fünf Prozent beschränkt. Hierdurch kommt
es für Investoren zu einer attraktiven Risikostreu­
ung. Für KMU-Anleihe Emittenten reduziert dies
– im Vergleich zu einer Anleihe in Eigenregie –
die Zinskosten.
„„
Mit der KMU-Anleihe
steht nun deutlich mehr
Unternehmen der Zugang
zum Kapitalmarkt offen.
Da die einzelnen KMU-Anleihe Emittenten keinen
eigenen Wertpapierprospekt erstellen müssen,
entfallen die sechsmonatige Projektarbeit wie
auch die substantiellen Kosten für Berater und
Rechtsanwälte. Alternativ basiert die KMU-Anlei­
he auf einer mittelstandstauglichen Standarddo­
kumentation.
Dass dadurch auch der Umfang der geschaffenen
Transparenz etwas eingeschränkt wird, kommt
den meisten Mittelständlern entgegen.
Anforderungsprofil
Neben dem Eintrag im Handelsregister und der
mindestens fünfjährigen Unternehmenshistorie
beschränken sich die Anforderungen im Wesentli­
chen auf die qualifizierenden Bonitätseinschätzun­
gen der Bundesbank, der Euler Hermes und dem
größten Kreditgeber – jeweils mindestens (korre­
spondierend) mit einem BB- Rating.
Fazit
Die KMU-Anleihe steigert denkbar einfach die
finanzielle Unabhängigkeit des Mittelstands und
erweitert seinen finanziellen Spielraum – für mehr
unternehmerische Entfaltung.

Mark H. van den Arend
Gründer und
Geschäftsführer der
WIR Finanzierer GmbH
Mitglied im IBWF-Institut
für Betriebsberatung,
Wirtschaftsförderung
und -forschung e. V.
34
IBWF
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Schlanke Leitung
Die Europäische Aktiengesellschaft hat sich
als Rechtsform für den Mittelstand etabliert
Dr. Marcel Hagemann
Seit zehn Jahren etabliert
Seit mittlerweile zehn Jahren ist es möglich, eine
Europäische Aktien­gesellschaft (SE) in Deutsch­
land zu gründen. Diese ursprünglich für multina­
tional tätige Konzerne konzipierte Rechtsform
erfreut sich gerade im deutschen Mittelstand
größter Beliebtheit, wie eine jüngst zur SE ver­
öffentlichte Studie von CMS Hasche Sigle belegt.
Dr. Dirk Jannott
Rechtsanwälte und
Partner bei CMS
Hasche Sigle
in Düsseldorf
CMS Hasche Sigle Partner­
schaft von Rechtsanwälten
und Steuerberatern mbB
www.cms-hs.com
Mitglied im IBWF-Institut
für Betriebsberatung,
Wirtschaftsförderung und
-forschung e. V.
www.cms-hs.com
Die Studie ist
abrufbar unter:
www.cms-hs.com/CMS_
Societas_Europaea_1407
Diese Popularität kommt nicht von ungefähr:
Denn nur mit der SE ist es möglich, ein monisti­
sches Leitungssystem in eine kapitalmarktfähi­
ge Gesellschaftsform zu implementieren. Das
monistische Leitungssystem entspricht im We­
sentlichen dem amerikanischen Board-System
und hat daher keinen Aufsichtsrat, sondern als
zentrales Leitungsorgan einen Verwaltungsrat.
Diese gerade für mittelständisch geprägte
Unternehmen und Familienunternehmen interes­
­
sante Form ermöglicht schlankere Verwal­
tungs­
strukturen und hilft auch im Falle
der Nachfolgeplanung, einen gleitenden Über­
gang auf die nächste Generation zu schaffen.
Mitbestimmung
Auch in mitbestimmungsrechtlicher Hinsicht
eröffnet die SE erhebliche Spielräume. Anders
als bei den klassischen deutschen Gesellschafts­
formen, wird bei der SE die Mitbestimmung
zwischen der Unternehmensleitung und den
Arbeitnehmern ausgehandelt und kann dabei
auf dem bestehenden Niveau festgeschrieben
werden. Dieser Effekt, der vielfach bildhaft als
„Einfrieren“ der Mitbestimmung bezeichnet
wird, ist nicht selten maßgebliches Motiv für den
Wechsel in die SE. Auch die CMS-Studie belegt,
dass größtenteils die in eine SE umgewandelten
Gesellschaften einen geringeren Grad an Mitbe­
stimmung aufweisen, als sie ohne diesen Rechts­
formwechsel heute hätten.
Die SE hat sich als Rechtsform für den Mittel­
stand etabliert und ermöglicht wie keine andere
Rechtsform in Deutschland die Kombination von
Internationalität und Flexibilität.

Foto: © fotogestoeber - Fotolia.com
Die Wahl der Rechtsform bestimmt die Handlungsoptionen eines Unternehmens und ist
eine der wesentlichen Weichenstellungen.
Traditionell lief sie in Deutschland auf eine
Entscheidung zwischen AG, GmbH und GmbH
& Co. KG hinaus. Da sich in den letzten Jahren
das Spektrum deutlich erweitert hat, lohnt ein
Blick auf eine der neuen Rechts­formen, die für
den Mittelstand und für Familienunternehmen
interessante Gestaltungsspielräume eröffnen.
Der Mittelstand. | 5 | 2014
IBWF
35
Schnelltest auf
Schadensersatz­ansprüche
für Unternehmen
Keine Ahnung von Swaps?
Foto: © Gina Sanders - Fotolia.com
Leider gehört eine falsche Beratung von Bankkunden seit Jahrzehnten zur Bankenpraxis. So
auch im Bereich der Zinsoptimierung oder der
Zinsverbilligung. Hier wurden gerade mittelständischen Unternehmen oftmals Produkte aufgedrängt, die zum Teil zu existentiellen
Schäden führten und die mit der Einsparung
von Zinsen nicht einmal theoretisch etwas zu
tun hatten.
Im Moment bekommen zahlreiche Steuerberater
und Wirtschaftsprüfer die aus diesen Geschäften
resultierenden Folgen im Rahmen ihrer Beratung
oder Prüfung auf den Tisch. Dabei kennen sie
möglicherweise nur die Argumentation der Ban­
ken, dass die eingetretenen Verluste einer für den
Kunden negativen Marktentwicklung zuzuschrei­
ben seien. Das ist häufig ein vorgeschobenes Ar­
gument, das Prüfer intensiv hinterfragen sollten.
Wird einem Steuerberater oder Wirtschafts­
prüfer im Rahmen seiner Beratung oder
Prüfung ein „toxisches“ Finanzprodukt bekannt,
stellt sich nicht nur die Frage, wie damit steu­
errechtlich oder bilanziell umzugehen ist. Viel­
mehr sollte gegenüber der beratenden Bank
eine Prüfung von Schadensersatzan­sprüchen in
Erwägung gezogen werden. Ob es sich um toxis­
che Swaps oder um sinnvolle, einfache Absiche­
rungsgeschäfte handelt, kann anhand folgen­
der Checkliste in einem ersten Schritt beurteilt
werden:
ƒƒ Nutzung positiv besetzter
Bezeichnungen wie „Swap mit Bonus“
oder „Zinsswap mit Chance“
ƒƒ Banken nutzen gern den Begriff
der „Zinsoptimierung“ oder der
„Flexibilisierung von Finanzen“
ƒƒ Rekursive Zinsberechnung („Memory-Effekt“)
ƒƒ Zinsberechnung über Formeln mit Hebeln
ƒƒ Zinsberechnung ohne inhaltlichen
Bezug zum Grundgeschäft
ƒƒ Nachträgliche Zinsfeststellung
(„in Arrears“ – hier wird der Zinssatz
am Ende einer Zahlungsperiode und nicht am
Beginn festgelegt – Abkürzung häufig „i.A.“)
ƒƒ Anfängliche „Lockzinsperiode“
mit garantierten Überschüssen
ƒƒ Einseitige Wandlungs- oder
Kündigungsrechte der Bank
ƒƒ Keine Offenlegung des anfänglichen
negativen Marktwertes oder
Margen zulasten des Kunden
ƒƒ Rücksimulation von Basiswerten
ƒƒ Prognosen aufgrund
von Rückberechnungen
ƒƒ Erste Zahlung nach drei Jahren
(Verjährungsproblematik)
Wenn alle oder einige dieser Punkte auf ein ab­
geschlossenes Produkt zutreffen, ist die Wahr­
scheinlichkeit, von der Bank geschädigt worden
zu sein, sehr groß und damit die Möglichkeit zu
Schadensersatzforderungen gegeben.

Dr. Jochen Weck
Rössner Rechtsanwälte
Mitglied im IBWF-Institut
für Betriebsberatung,
Wirtschaftsförderung
und -forschung e. V.
www.roessner.de
UNTERNEHMERSERVICE
Der Mittelstand. | 5 | 2014
News
Aufsichtsräte und
Beiräte im Mittelstand
Unternehmerpreise
Mitmachen lohnt sich – gute Presse ist Wettbewerbsgewinnern sicher!
Und Unternehmensgründern winken Fördergelder. Hier stellen wir Ihnen
einige der aktuellen Unternehmerpreise vor.
Der Deutsche Innovationspreis
Gerade der Mittelstand ist einer der tüchtigsten Innovationsmotoren der deutschen
Wirtschaft. Eben solche Innovationen möchte die Initiative Deutscher Innovations­
preis honorieren und zeichnet einmal jährlich bis zu drei mittelständische Unterneh­
men aus. Die Preisträger können das prestigeträchtige Logo der Initiative werblich
nutzen, werden im Rahmen der Preisverleihung in einem kurzen Filmbeitrag vorge­
stellt und werden ausführlich in der WirtschaftsWoche portraitiert.
Bewerbungen bis 14. November 2014
www.der-deutsche-innovationspreis.de
Gründerwettbewerb – IKT Innovativ
Mit dem „Gründerwettbewerb – IKT Innovativ“ unterstützt das Bundesminis­
terium für Wirtschaft und Energie bis zu sechs innovative Geschäftsideen von
Gründern und Gründerinnen im Bereich der Informations- und Kommunikati­
onstechnologie mit 30.000 Euro Startkapital. Bewerben können sich angehende
Unternehmer aus allen Branchen, deren Geschäftsidee mit dem Thema IKT zu
tun hat. Alle Teilnehmer erhalten ein schriftliches Feedback zu ihrer Bewerbung,
unabhängig davon, ob ihre Gründungsidee ausgezeichnet wurde.
Bewerbungen bis 30. November 2014 www.gruenderwettbewerb.de
Eine
interes­
sante Studie zur
Situation
von
Aufsichtsund
Beiräten in mit­
telständischen
Unternehmen
legen Prof. Dr.
Frank Wallau und
Prof. Dr. Jürgen
Thömmes von der Fachhochschule für
Wirtschaft (FHDW) vor. Während die
Aufsichtsräte der großen Aktiengesell­
schaften wohlausgeleuchtete Gremien
sind, lagen bis dato wenig verlässliche
Daten zur Zusammensetzung, Arbeits­
weise und Zufriedenheit von Aufsichts­
räten und Beiräten in mittelständischen
Unternehmen vor. Wallau und Thöm­
mes befragten 118 aktive Aufseher des
Mittelstands und erhielten tiefgehende
Einblicke, welche sie nun auf knapp sieb­
zig Seiten veröffentlicht haben.
Für eine Schutzgebühr von 25 Euro ist
die Studie über den Bundesanzeiger
Verlag erhältlich.
www.bundesanzeiger-verlag.de
Kostenlose Bonitätsprüfung
durch die Deutsche Bundesbank
Unternehmenspreis für Willkommenskultur
Die deutsche Wirtschaft braucht qualifizierte Fachkräfte. Sie sichern Innovation
und Erfolg einzelner Unternehmen sowie der Gesamtwirtschaft.
Das Bundeswirtschaftsministerium prämiert mit dem Wettbewerb „Mit Vielfalt
zum Erfolg“ Unternehmen, die sich bei der Gewinnung und Integration von in­
ternationalen Fachkräfte besonders hervorgetan haben und einen Beitrag zur
Willkommenskultur in ihrem Unternehmen und in Deutschland geleistet haben.
Bewerbungen bis 31. Dezember 2014
www.bmwi.de/DE/Service/wettbewerbe,did=493598.html
Green Brands Siegel
Immer mehr Unternehmen leisten durch nachhaltiges Wirtschaften einen Bei­
trag für Umwelt und Natur. Anerkennung findet derartiges Engagement im
Green Brands Gütesiegel. Jedes Unternehmen kann unter anderem von NGO,
Interessenverbänden und Jury-Mitgliedern nominiert werden und so die eigene
Reputation als grüne Marke noch steigern.
Nominierungen ab sofort bis Juni 2015.
www.green-brands.org
Einen für mittelständische Unter­
nehmen nützlichen Service bietet die
Deutsche Bundesbank: Auf Basis der
Jahresabschlüsse der letzten beiden
Jahre erstellen die Experten der Bun­
desbank übersichtliche Einschätzungen
der Finanz- und Bonitätslage des An­
tragstellers. So gewinnt dieser nicht nur
wertvolle Informationen zu Stärken und
Schwächen des eigenen Betriebs, son­
dern auch ein schlagkräftiges Argument
für Verhandlungen mit der eigenen
Hausbank.
Zu kontaktieren ist die jeweilige Nieder­
lassung der Bundesbank in den einzel­
nen Bundesländern.
www.bundesbank.de
Foto: © yuliaglam - Fotolia.com
36
Der Mittelstand. | 5 | 2014
UNTERNEHMERSERVICE
37
Initiative gegen Fachkräftemangel
Addison-Software, ein Produkt der
Wolters Kluwer Service und Vertriebs
GmbH, gibt mittelständischen Unter­
nehmen Lösungen für das betriebliche
Finanz-, Rechnungs- und Personalwe­
sen sowie Controlling an die Hand. Mit
dem ADDISON Online-Portal werden
Zeit und Kosten gespart und es stellt
eine sicherere Kommunikationsplatt­
form dar als E-Mails. Ob Übermittlung
von
Sozialversicherungsmeldungen,
Online-Bereitstellung von Lohnabrech­
nungen oder schlicht der Austausch von
sensiblen Dokumenten mit dem Steuer­
berater – durch verschlüsselte Verbin­
dungen ist der Mittelstand im digitalen
Zeitalter angekommen.
www.addison.de
Foto oben rechts: © vege - Fotolia.com
ZUGFeRD für
„Elektronische Rechnungen“
Das Forum elektronische Rech­
nung Deutschland (FeRD) hat mit
ZUGFeRD ein Format vorgestellt,
welches eine menschenlesbare
PDF-Datei mit einer maschinen­
auslesbaren XML-Datei kombiniert.
Dieses Format wird eRechnungen
für KMU wegen der besseren digi­
talen Les- und Archivierbarkeit noch
attraktiver machen. ZUGFeRD kann
jedoch das für die Anerkennung des
Vorsteuerabzugs notwendige inner­
betriebliche Kontrollverfahren nicht
ersetzen.
www.ferd-net.de
Erneuerbare Energien:
Meldepflicht für neue Anlagen
Neu in Betrieb genommene Anlagen zur Erzeugung von Strom aus Erneuerbaren Ener­
gien müssen seit 1. August 2014 an die Bundesnetzagentur gemeldet werden. Die Mel­
dung muss spätestens drei Wochen nach Inbetriebnahme erfolgen, ansonsten entfällt die
EEG-Förderung bis zur Registrierung der Anlage. Es gibt sieben weitere meldepflichtige
Ereignisse – etwa die endgültige Stilllegung der Anlage. Bis zum 1. Dezember 2014 gilt
eine Übergangsregelung. Anlagen, die bis zu diesem Datum gemeldet werden, gelten als
rechtzeitig registriert. Die Verordnung sowie weitere Informationen über meldepflichtige
Ereignisse und das Meldeverfahren gibt es bei der Bundesnetzagentur unter
www.bundesnetzagentur.de (Rubrik „Anlagenregister“).
Qualität von Berufs wegen
Die in Berlin ansässige Zer­
tifizierungsstelle für Qua­
litätsmanagementsysteme
erweitert ihr Angebot. Künf­
tig können sich Beschäftig­
te von Unternehmen aller
Branchen in ein- bis zweiwö­
chigen Lehrgängen auf Auf­
gaben im Bereich Qualitäts­
management
vorbereiten
und erhalten nach bestan­
dener Prüfung das weltweit
anerkannte Personenzertifikat. EUROPANOZERT reagiert damit auf einen Trend,
denn Qualitätsmanagement-Fachkräfte werden bundesweit und branchenübergrei­
fend gesucht wie selten zuvor. Besonders attraktiv für Mitglieder des BVMW sind die
Seminargebühren für das Eröffnungsangebot.
www.europanozert.de
Foto: Kelly Young – shutterstock.com
Software­
innovationen –
Addison
Studenten der Universität
Witten/Herdecke
haben
sich im Rahmen einer For­
schungsarbeit am Entrepre­
neurship Zentrum Witten
mit
zukunftsweisenden
Problemlösungsstrategien
zur Personalrekrutierung
im Mittelstand befasst und
nun erste Ergebnisse ihrer Moritz ter Haar, Vertrieb & Organisation;
Oliver Meywirth, Personal & Marketing;
Analyse präsentiert. Ziel Tobias Könnecke, IT & Verwaltung (v. li.).
war es, auch dort Lösungen
im Personalbereich zu finden, wo es erfahrungsgemäß besonders schwierig ist: im länd­
lichen Raum und in strukturschwachen Regionen. „Expedition Management“ heißt das
Traineeprogramm, das sich vor allem an Mittelständler richtet und die Unternehmen
dabei unterstützt, die richtige Person zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu finden. Das
außergewöhnliche Rekrutierungsverfahren setzt dabei konsequent auf schlanke Struk­
turen und individuelle Bedürfnisse: Drei Bewerber werden in einem Rekrutierungsver­
fahren für jeweils sechs Monate über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren in den je­
weiligen Betrieb integriert, wobei Rekrutierungs- , Verwaltungs- und Schulungsschritte
vollständig übernommen werden und das Unternehmen entlastet wird.
oliver.meywirth@capitalheads.de • www.capitalheads.de
UNTERNEHMERSERVICE
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Auf die Mischung kommt es an
Maßgeschneiderte Finanzierung für den Mittelstand
Mittelständische Unternehmer klopfen nicht
mehr so häufig wie früher bei Banken und Sparkassen an. Sie suchen stattdessen nach Alternativen, probieren es mit Factoring oder zapfen
öffentliche Fördertöpfe an. Der gute alte Schuldschein steht derzeit wieder hoch im Kurs, aber
auch neue Online-Plattformen, über die man sich
Geld bei privaten Investoren beschaffen kann.
Weil die Wirtschaft brummt, werden die Mittelständler selbstbewusster und erfinderischer.
„„
Die Daumen zeigen nach oben: In diesem Jahr
rechnet die Bundesregierung mit einem Wachs­
tum von 1,4 Prozent, 2015 mit 2,0 Prozent. Vor
allem dem deutschen Mittelstand geht es gut. Die
rund 3,65 Millionen kleinen und mittleren Un­
ternehmen in Deutschland bilden den volkswirt­
schaftlichen Grundstock der Republik und steu­
ern nach einer Schätzung des Bonner Instituts für
Mittelstandsforschung knapp 55 Prozent zur ge­
samten Wirtschaftsleistung aller Unternehmen
bei. Die meisten dieser Firmen sind liquide, nur
14 Prozent haben Probleme mit der Finanzierung
ihrer Geschäftstätigkeit. Jeder vierte Betrieb ist
Für einzelne Unternehmen
sind flexible Finanzierungen
die einzige Möglichkeit, der
Kreditklemme zu entkommen.
gut kapitalisiert und hat derzeit überhaupt keinen
Bedarf an externer Finanzierung – Investitionen
können somit auch aus eigener Kraft gestemmt
werden. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Ge­
schäfte haben sich auch im vergangenen Jahr or­
dentlich entwickelt. Und damit sind nicht nur die
Eigenkapitalquoten gestiegen, sondern auch die
Liquiditätsreserven.
Mit diesen positiven Trends haben sich auch die
Verhandlungspositionen mittelständischer Unter­
nehmen gegenüber den Banken deutlich verbes­
sert. Auch wenn dem klassischen Bankkredit immer
noch eine herausragende Bedeutung im Finanzie­
rungsmix, vor allem bei Innovationsprojekten ab
200 000 Euro, zufällt, halten die Mittelständler mit
wachsendem Erfolg Ausschau nach alternativen Fi­
nanzierungsmöglichkeiten. Damit begegnen sie der
abnehmenden Risikobereitschaft vieler Banken
und Sparkassen, die zu einer restriktiveren Kredit­
vergabepolitik der Institute geführt hat.
Investitionshindernis „Basel III“
Denn die Kreditinstitute sind an das Regelwerk
„Basel III“ gebunden, das der Baseler Ausschuss
der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich
(BIZ) nach der weltweiten Finanz- und Wirt­
schaftskrise aufgelegt hat. Es sieht strengere Vor­
gaben vor allem für die Eigenkapitalausstattung
und Liquidität von Banken vor, die dazu führen,
dass die Institute bei der Vergabe längerfristiger
Kredite zurückhaltender agieren und noch stär­
ker auf die Bonität ihrer Kunden achten.
Foto: © pogonici - Fotolia.com
38
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Obwohl die Konjunktur brummt wie selten, und
die Zinsen weiterhin auf einem Rekordtief liegen,
halten mittlerweile auch Mittelständer mit aus­
gezeichneter Bonität Abstand zu den klassischen
Geldhäusern. Noch nie zuvor wurden weniger
Unternehmenskredite angefragt wie derzeit, und
gleichzeitig buhlen die Banken um mittelständische
Kunden. Da das Angebot die Nachfrage übersteigt,
locken sie mit extrem günstigen Konditionen.
„„
Die aktuelle
Struktur und der
Ist-Zustand des
Unternehmens
müssen realistisch
bewertet werden.
Finanzierung über Fördermittel
Foto: © Stauke - Fotolia.com
Trotzdem sind diese herkömmlichen Bankkredite
immer noch relativ teuer; auch an der Kündigungs­
möglichkeit von Kontokorrentkrediten, die beson­
ders von kleineren und mittleren Unternehmen
als Finanzierungsinstrument bevorzugt werden,
gibt es zunehmend Kritik. Vor allem bei der Finan­
zierung von Innovationsvorhaben spielen Banken
nur noch selten mit. Was zur Folge hat, dass gera­
de innovative Unternehmen auf Expansionspläne
verzichten müssten, wenn sie sich nicht nach alter­
nativen Finanzierungslösungen umsähen. Deshalb
raten Wirtschaftsexperten schon seit langem, die
Firmenfinanzierung zu diversifizieren und die Ab­
hängigkeit von einer einzigen Finanzierungsquelle
zu vermeiden – zum Beispiel durch den Aufbau
einer zweiten Hausbankverbindung, mit der man
sich weitere Finanzierungsspielräume und einen
Wettbewerbsvorteil schafft.
Für einzelne Unternehmen sind flexible Finanzie­
rungen die einzige Möglichkeit, der Kreditklemme
zu entkommen und damit die eigene Existenz zu si­
chern. Wer selbst initiativ wird und sich nicht allein
auf die Bank verlässt, wird auch auf die Möglichkeit
öffentlicher Fördermittel stoßen – mit denen ge­
zielt Innovationsvorhaben in den Bereichen For­
schung und Entwicklung finanziert werden können
und die nicht zurückgezahlt werden. Sie gelten
häufig als Investitionszuschuss im Rahmen der
Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der regi­
onalen Wirtschaftsstruktur. Zudem wird der Mit­
telstand prozentual höher gefördert als größere
Unternehmen. Es gibt sogar Zinszuschüsse für
bereits bestehende Darlehen.
UNTERNEHMERSERVICE
39
Bei der großen Vielzahl von Finanzierungsmög­
lichkeiten sollte ein Unternehmen stets dar­
auf bedacht sein, die für sich
passenden Lösungen zu fin­
Nach dem KfW-Mittelstands­panel
den. Egal, ob Bankkredit, För­
wurde 2012 die Investitions­
dermittel oder Kapitalmarkt:
finanzierung im Mittelstand
Die aktuelle Struktur und der
so vorgenommen:
Ist-Zustand des Unternehmens
müssen realistisch bewertet
werden, weil Wachstum finan­
zierbar bleiben muss und Be­
triebe nicht in gefährliche
Abhängigkeiten
geraten
dürfen. Ob Leasing, das
Eigenkapital und Kreditli­
nie schont, Factoring, mit
dem Forderungen aus
Warenlieferungen oder
Dienstleistungen vor Fäl­
ligkeit an ein Kredit- oder
Spezialinstitut übertragen
werden, Private Equity oder
Business Angels-Kapital, mit
dem sich Privatinvestoren an ei­
nem Unternehmen beteiligen, Liefe­
rantenkredite, die Verkäufer von Waren
oder Dienstleistungen gewähren, Schuldschei­
ne, die immer mehr Mittelständler als Eintritts­
28 % Bankkredite
karten für den erweiterten Kapitalmarkt nut­
53 % Eigenkapital
zen, Genussscheine, die ebenfalls hoch im Kurs
14 % Fördermittel
stehen, Mezzanine-Kapital, eine Mischform aus
5
% Sonstige
Fremd- und Eigenkapital, Crowdlending-Platt­
(wie Mezzanine u. a.).
formen wie Zencap, die Unternehmen mit pri­
vaten Investoren zusammenbringen, oder der
klassische Bankkredit: Es ist der optimale Mix,
Almut Friederike
der Deutschlands Mittelstand eine erfolgreiche
Kaspar
Zukunft sichern wird.

Journalistin
UNTERNEHMERSERVICE
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Finanzierungsbaukasten
So geht es auch – neben dem klassischen Bankdarlehen
gibt es bedenkenswerte Alternativen
Almut Friederike
Kaspar
Journalistin
Business Angels:
Vermögende Privatpersonen, die sich mit
Eigenkapital und unternehmerischem
Know-how vor allem an jungen und inno­
vativen Firmen beteiligen und auf hohe
Renditen hoffen.
Crowdlending:
Eine noch recht junge Form der Schwarm­
finanzierung (Crowdfunding), bei der
Unternehmen über digitale Plattformen
ihre zu finanzierenden Projekte präsen­
tieren. Nach Prüfung der Bonität kön­
nen private Investoren das nötige Geld
aufbringen und dann von den Zinsen
profitieren.
Factoring:
Offene Rechnungen werden Banken oder
Spezialinstituten übertragen, die die­
se Forderungen übernehmen und gegen
Gebühr die fälligen Beträge
sofort auszahlen. Die­
se
Finanzierungsform
lagert das Forderungs­
management aus und
schafft administrative
Erleichterung.
Leasing:
Anmietung von mobilen
Investi­tionsgütern wie
Fahrzeugen,
Maschinen und EDV gegen eine monatliche Lea­
singrate. Das Unternehmen kann nach Vertrag­
sablauf entscheiden, ob ein Eigentumsübertrag
gegen Zahlung einer Restsumme stattfindet
oder ein neuer Vertrag abgeschlossen wird.
Lieferantenkredit, auch
Handels- oder Warenkredit:
Ein meist kurzfristiger Zahlungsaufschub,
den ein Lieferant seinem Kunden gewährt,
gehört zu den wichtigsten Finanzierungs­
quellen deutscher Unternehmen – aller­
dings mit hohem Effektivzins.
Mezzanine:
Eine Mischform zwischen Eigen- und
Fremdkapital, wobei einer Firma wirt­
schaftliches oder bilanzielles Eigenkapital
(zum Beispiel über stille Beteiligungen,
Wandelanleihen oder Nachrangdarlehen)
zugeführt wird, ohne dafür Stimm- oder
Einflussnahmerechte abzugeben.
Private Equity:
Kapitalgeber können private oder insti­
tutionelle Anleger sein, die sich dadurch
außerbörslich an einem Unternehmen
beteiligen – mit Stimmrechten und Gesell­
schafteranteilen. Durch die damit verbun­
dene Erhöhung der Eigenkapi­talquote kann
die Aufnahme von Fremdkapital erleichtert
werden. Nachteil ist die absolute Unterneh­
menstransparenz.
Schuldscheindarlehen:
Langfristige Kredite, die in der Regel von
Banken ausgegeben und dann meist an
Versicherer oder Pensionskassen übertra­
gen werden. Der Schuldschein beinhaltet
die Verpflichtung zur Rückzahlung und zur
Entrichtung von Zinsen und ist der Beweis
für die Vergabe des Darlehens. 
Foto: © Trueffelpix - Fotolia.com
40
Auf der Zukunft Personal 2014 in Köln
vom 14. - 16. Oktober
Noch bis 10. Oktober unter www.events.monster.de kostenfreies
Messeticket sichern und die neue Art des Recruitings entdecken
UNTERNEHMERSERVICE
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Günstige Finanzierungssituation
Mittelständler werden momentan von Kreditinstitutionen umworben
Umfragen lassen keinen Zweifel: Mittelständische Unter­
nehmen kommen derzeit gut an Kredite ihrer Hausbank.
Doch was erwarten die Banken von ihren Firmenkunden?
Und welche Alternativen gibt es zum klassischen Bankkredit?
Der Mittelstand. hat dazu Topbanker befragt.
Wie schätzen Sie die gegenwärtige
Finanzierungssituation im deutschen Mittelstand ein?
Was muss ein mittelständischer Unternehmer mitbringen,
um bei Ihnen einen Kredit (verlängert) zu bekommen?
Welchen Stellenwert haben alternative
Finanzierungsformen?
Holger Wessling
Bereichsleiter Firmenkundengeschäft für die Region Nord/Ost der DZ BANK
1.
www.dzbank.de
Die Eigenkapitalquote im Mittelstand hat
sich in den letzten Jahren deutlich verbes­
sert, so dass Investitionen oftmals mit eigenen
Mitteln gestemmt werden können. Auch ist die
Investitionstätigkeit der Unternehmen weiterhin
verhalten, was nicht zuletzt der nachlassenden
Konjunktur und den Verunsicherungen durch die
aktuellen geopolitischen Krisen geschuldet ist. Die
Finanzierungssituation ist weiterhin grundsätzlich
positiv zu beurteilen, die Finanzierungsnachfrage
zunehmend zurückhaltend.
2.
Wichtig ist ein nachhaltiges, stabiles
und überzeugendes Geschäftsmodell
und eine klare strategische Ausrichtung. Da­
bei ist die Analyse des Ratings oder der Boni­
tätskennzahlen nicht das einzige Kriterium.
Die Kompetenz des Managements wird eben­
so bewertet wie die Eigentumsstruktur. In der
genossenschaftlichen FinanzGruppe setzen
wir auf eine ganzheitliche Betreuung bzw. Ein­
wertung des Kunden, etwa indem wir zum Bei­
spiel auch prüfen, ob die Nachfolge geregelt ist,
oder ob ein etwaiger Verkauf ansteht.
3.
Seit 2011 fragen wir im Rahmen unserer
repräsentativen Mittelstandsumfrage nach
dem Finanzierungsbedarf im Mittelstand und nach
den Instrumenten zur Deckung dieses Finanzie­
rungsbedarfs. Danach ist die klassische Kreditfi­
nanzierung neben der Innenfinanzierung nach wie
vor die tragende Finanzierungssäule. Leasing und
Factoring sind wichtige Ergänzungsprodukte zum
Kredit und bei vielen Unternehmen auch schon
lange bekannt. Insbesondere die Bedeutung des
Factorings hat in den vergangenen Jahren zuge­
nommen.
Die DZ BANK ist die viertgrößte Bank in
Deutschland und Zentralbank für rund 900
Volksbanken und Raiffeisenbanken und de­
ren rund 12.000 Zweigstellen. Innerhalb der
Genossenschaftlichen FinanzGruppe Volks­
banken Raiffeisenbanken, die gemessen an
der Bilanzsumme eine der größten privaten Fi­
nanzdienstleistungsorganisationen Deutsch­
lands ist, unterstützt die DZ BANK AG die
Geschäfte der vielen eigenständigen Genos­
senschaftsbanken vor Ort und stärkt deren
Position im Wettbewerb.
Volumen Mittelstandskredite:
Im Geschäftsjahr 2013 lag das Kreditvolumen
im Firmenkundenkreditgeschäft bei 26,5 Mil­
liarden Euro.
Foto oben: © Tiberius Gracchus - Fotolia.com
1.
2.
3.
Foto: © DZ Bank
42
Der Mittelstand. | 5 | 2014
UNTERNEHMERSERVICE
Uwe Fröhlich
Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR)
1.
Die Finanzierungslage ist insgesamt aus­
gesprochen günstig. Unternehmen in
Deutschland verfügen über einen sehr guten Kre­
ditzugang, was auch die Kredithürde des ifo-In­
stituts von unter 20 Prozent bestätigt. Darüber
hinaus hat der Mittelstand in den vergangenen
Jahren seine Eigenkapitalausstattung merklich
erhöht und damit seine Finanzkraft gestärkt. So
registrierten die Volksbanken und Raiffeisenban­
ken, dass bei ihren mittelständischen Firmenkun­
den die durchschnittliche Eigenkapitalquote von
knapp acht Prozent im Jahr 2001 auf rund 24 Pro­
zent in 2012 gestiegen ist.
Foto: © BVR
2.
Wichtige Erfolgsfaktoren bei der Kre­
ditvergabe sind ein schlüssiges und aus­
sichtsreiches Geschäftsvorhaben mit positiven
Zukunftsperspektiven, eine ausreichende Ka­
pitaldienstfähigkeit des Unternehmens sowie das
Vorliegen werthaltiger Kreditsicherheiten. Für
eine erfolgreiche Finanzierung bedarf es einer
umfassenden Vorbereitung der Unternehmer auf
das Bankgespräch, um so das zu finanzierende
Geschäftsvorhaben überzeugend vertreten und
durch Unterlagen, beispielsweise einen Business­
plan, Jahresabschluss beziehungsweise Einnah­
men-Überschuss-Rechnungen, Informationen zu
Besitz- und Beteiligungsverhältnissen, Angaben
zur Geschäftsleitung und Nachfolgeregelungen
sowie Belegen zu Sicherheiten, untermauern zu
können. Grundsätzlich ist eine offende Finanz­
kommunikation des Unternehmers wichtig.
3.
Für mittelständische Unternehmen in
Deutschland bleibt der Bankkredit die
Hauptfinanzierungsform. Alternative Finanzie­
rungsformen wie Leasing und Factoring gewinnen
weiter an Bedeutung. Kapitalmarktfinanzierun­
gen spielen für kleine und mittlere Unternehmen
aufgrund der hohen Anforderungen und Kosten
eine eher untergeordnete Rolle.
www.bvr.de
Der Großteil des genossenschaftlichen Kreditbestands an nichtfinanzielle
Unternehmen und Selbstständige (Juni 2014: 207 Milliarden Euro) entfällt
auf mittelständische Unternehmen.
Auch in den ersten sechs Monaten 2014 blieben die Genossenschaftsban­
ken mit einem Marktanteil von 41,2 Prozent Marktführer in der KfW-Mit­
telstandsförderung nach der Anzahl der Förderkreditzusagen.
Zahl der Banken und Filialen: 1.078 Genossenschaftsbanken; rund 13.000
Bankstellen
Ludger Gooßens
Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes
1.
Die Situation ist für die Mittelständler
derzeit recht gut. Die Eigenkapitalquoten
erreichen neue Rekordwerte, die Ertrags- und
Liquiditätslage ist in den meisten Unternehmen
sehr gut. Daraus erwächst eine hohe Innenfinan­
zierungskraft, welche die meisten Investitions­
gelegenheiten bereits abdeckt. Die verbleiben­
de Kreditnachfrage ist deshalb relativ verhalten
und dürfte es selbst bei einer weiteren Belebung
der Investitionstätigkeit auch bleiben. Das ist
aus Sicht der kreditwirtschaftlichen Anbieter
bedauerlich; zumindest die Institute der Spar­
kassen-Finanzgruppe würden gerne noch mehr
Mittelstandskredite vergeben.
Foto: © Sparkassengiroverband
2.
Wie bereits erwähnt, ist das gesamtwirt­
schaftliche Umfeld für Kredite und Kredit­
verlängerungen derzeit sehr gut. Im Einzelfall gel­
ten die klassischen Kriterien: ein überzeugendes
Geschäftsmodell, gesunde betriebswirtschaftliche
Kennzahlen, wie Eigenkapital oder die Ertragslage,
je nach Kredittypus geeignete Sicherheiten. Viel
wichtiger ist jedoch der persönliche Kontakt und
die vertrauensvolle langjährige Zusammenarbeit
unserer Geschäftskunden mit den Sparkassen-Be­
ratern vor Ort.
3.
Andere Instrumente als der klassische
Kredit können in Sonderfällen durchaus
ihre Berechtigung haben. Für die meisten Mittel­
ständler sind Kapitalmarktlösungen aber schon
aus Erwägungen der Losgröße ungeeignet und
im Ergebnis zu teuer. Viele Mittelständler wollen
auch vermeiden, über Kapitalmarktfinanzierun­
gen in allzu große Abhängigkeiten oder Offenle­
gungspflichten zu geraten. Da ist eine Hausbank­
beziehung das bevorzugte Modell. Gerade in dem
herrschenden Niedrigzinsumfeld und bei dem gu­
ten Kreditzugang gibt es noch weniger Grund als
sonst, den traditionellen Kredit zu umgehen.
Insgesamt über 50 Millionen Kunden (der An­
teil der Mittelständler an den Geschäftskunden
lässt sich nicht genau beziffern, zwei von drei
Mittelständlern haben jedoch nachweislich
Geschäftsbeziehungen zur Sparkasse)
Zahl der Filialen: circa 20.000
Volumen Mittelstandskredite: Im Jahr 2013
wurden 344 Milliarden Euro an Unter­
nehmenskrediten vergeben.
www.dsgv.de
43
UNTERNEHMERSERVICE
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Dr. Andre Carls
Bereichsvorstand Mittelstandsbank der Commerzbank AG
www.commerzbank.de
Grundsätzlich ist der Zugang zu Krediten
für Unternehmen weiterhin sehr gut. Eine
Verschärfung der Kreditrichtlinien steht nicht zur
Debatte. Der zunehmende Wettbewerb in- und
ausländischer Kreditinstitute um die begehrte
mittelständische Kundschaft trägt seinen Teil
dazu bei. Jedoch ist die Kreditnachfrage für In­
vestitionen unseres Erachtens seit einiger Zeit zu
niedrig, das zeigt auch die aktuelle Infratest-Stu­
die unserer Initiative UnternehmerPerspektiven.
Im Zuge von Basel III wird vielfach befürchtet,
dass Finanzierungen erschwert werden könnten.
Das ist jedoch unbegründet. Für Kredite an Mit­
telständler sind die Eigenkapitalvorschriften für
die Banken nach Basel III gezielt abgeschwächt
worden, damit es keinen Finanzierungsengpass
geben wird.
2.
Die Unternehmen müssen das Rad nicht
neu erfinden. Wichtig sind eine offene Fi­
nanzkommunikation und ein früher Kontakt mit
der Hausbank. Entscheidend ist nach wie vor
der Nachweis der Tragfähigkeit einer geplanten
Investition. Dazu sind keine anderen Unterlagen
als früher notwendig, die auf die gängigen Fragen
Antwort geben: Wie hoch sind die Investitions­
kosten? Welche Laufzeit ist vorgesehen? Wie soll
die Rückzahlung ablaufen? Welche Umsatzer­
wartungen liegen zugrunde? Welche zusätzlichen
Umsätze und Erträge können mit dieser Investiti­
on erreicht werden? Zudem gibt es zu einer mög­
lichen Verteuerung von langfristigen Krediten ef­
fiziente Gegenmittel. Eines der wirkungsvollsten
ist die Einbindung von öffentlichen Fördermitteln
über die KfW-Förderbank und die Europäische
Investitionsbank (EIB) in den Finanzierungsmix.
3.
Alternative Finanzierungsformen jenseits
des klassischen Bankkredites sind auch ein
Ausdruck des Wunsches nach Unabhängigkeit.
Mittelständische Unternehmen fragen schon seit
mehreren Jahren verstärkt nach individuell struk­
turierten Finanzierungslösungen. Dazu gehören
beispielsweise Borrowing-Base-Finanzierungen.
Diese spezielle Form des Betriebsmittelkredits
bietet Flexibilität bei der Generierung von Liqui­
dität aus dem Umlaufvermögen und eine hohe
Anpassungsgeschwindigkeit an sich verändernde
Marktbedingungen.
Grenzübergreifend einsetzbare Konzepte er­
öffnen auch dort Möglichkeiten, wo Lösungen
von der Stange nicht mehr weiterhelfen – und
das schon bei kleineren Grundgeschäften. Ty­
pisch dafür sind strukturierte Export- und Han­
delsfinanzierungen, die einen zeitnahen Liqui­
ditätsfluss sicherstellen. Das Spektrum einer
guten Hausbank reicht hier vom klassischen
Bestellerkredit für ausländische Abnehmer über
Pre-Export-Financing und den Ankauf von For­
derungen bis zu individuell strukturierten Han­
delsfinanzierungen.

Foto oben: © Tiberius Gracchus - Fotolia.com
1.
Anteil der Mittelständler an den Geschäftskunden:
Mehr als 100.000 Kunden in der bereits vor zehn Jahren gegründeten Mittelstandsbank.
Zahl der Filialen:
150 Standorte in Deutschland, 60 Standorte weltweit in mehr als 50 Ländern.
Volumen Mittelstandskredite:
Keine andere Großbank hat mehr Kredite an Unternehmen vergeben als die Commerzbank. Sie ist
Marktführer in der Abwicklung des deutschen Außenhandels, bezogen auf die im Jahr 2013 im Aus­
land zugunsten deutscher Exporteure eröffneten Akkreditive.
Foto: © Commerzbank
44
Die Reihe – Forum Führung
„Forum Führung“ will Impulse geben, für zündende Dialoge sorgen und eine Neuorientierung
ermöglichen. In einem insgesamt 3-stündigen Vortrag eines hochkarätigen Referenten erhalten
Sie wertvolle Information zur Führung Ihres Unternehmens und nutzen Sie das hervorragende
Netzwerk des BVMW beim Get-together für den wichtigen Erfahrungsaustausch.
| KLAUS KOBJOLL
| PROF. DR.
ARNOLD WEISSMAN
ag, Getränke un
d Buffet
Mw St. p. Per s.
9,0 0 EU R, zzgl.
* Teilnehmergebühr: 29
l. Mw St. p. Per s.
zzg
R,
EU
,00
er: 159
BV MW-Mitglied
09 | OKT
2014
BREMEN
Klaus Kobjoll
Wa(h)re Herzlichkeit
15 | OKT
2014
MAINZ
Jörg Löhr
Erfolgreich Führen in Zeiten der Veränderung
23 | OKT
2014
BIELEFELD
Dr. Pero Mi´ci´c
Zukunftsradar 2025
2014
28 | OKT
MERSEBURG bei Halle / Saale
Klaus Kobjoll
Wa(h)re Herzlichkeit
30 | OKT
2014
HANNOVER
Dieter Lange
Die Führungspersönlichkeit
2014
05 | NOV
ERFURT
Dieter Lange
Die Führungspersönlichkeit
06 | NOV
2014
STUTTGART
Prof. Dr. Arnold Weissman
Strategische Unternehmensführung
19 | NOV
2014
OSNABRÜCK
Prof. Dr. Arnold Weissman
Strategische Unternehmensführung
| JÖRG LÖHR
| DR. PERO MICIC
Bild: Campus Verlag · Foto: Sabine Felber
| DIETER LANGE
Leistungen: Vortr
‘
‘
| BORIS GRUNDL
159,– EUR
*
VERANSTALTUNGSTERMINE UND -ORTE
UNSERE REFERENTEN IN 2014
| JENS CORSSEN
Pro Person ab
(zzgl. Mw St.)
Forum Führung.
Impulse – Dialoge – Orientierung.
| DR. REINHARD K.
SPRENGER
Weitere Infos unter: www.forum-fuehrung.bvmw.de
Die Veranstaltungsreihe „Forum Führung“ wird unterstützt von unseren Partnern
Weitere Informationen und Anmeldungen unter www.forum-fuehrung.bvmw.de
BVMW - Bundesverband mittelständische Wirtschaft · Unternehmerverband Deutschlands e.V.
Leipziger Platz 15 · 10117 Berlin · Tel.: 030 533206-0 · Fax: 030 533206-50 · E-Mail: forum-fuehrung@bvmw.de
www.bvmw.de
46
UNTERNEHMERSERVICE
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Bessere Bonität
Der Schlüssel liegt in der Bilanz
genkapitalquote. Neben dem debt equity swap
(Gläubigerbeteiligung) auf der Passivseite ist es
vor allem die Aktivseite, die eine Vielzahl von
Ansätzen zur Verbesserung der Bilanzstruktur
bietet. So kann sehr oft das Anlagevermögen
durch Veräußerung des nicht betriebsnotwen­
digen Vermögens, durch das Outsourcen gan­
zer Unternehmensbereiche (z. B. durch Verkür­
zung der Wertschöpfungskette), sowie durch
Leasing oder Sale-and-Lease-back (Sonder­form
des Leasings) von maschinellen Anlagen ganz we­
sentlich entlastet werden. Sehr oft lässt sich auch
durch ein spezifisches Management des Vorrats­
vermögens sowie der Forderungen ein deutlicher
Abbau des Umlaufvermögens erreichen.
Einerseits ist der freie Kapitalmarkt in Deutsch­
land noch immer wenig erschlossen. Anderer­
seits wird eine solche Vielzahl von Finanzierungs­
alternativen angeboten, dass mittelständische
Unternehmen ohne externe Hilfe große Schwie­
rigkeiten haben, die passenden auszuwählen.
Schmerzliche Fehlentscheidungen bleiben oft
nicht aus. Bevor sich also ein mittelständischer
Unternehmer auf den Weg macht, das Di­
ckicht der vielfältigen Privatemissionen
für sein Haus zu erschließen, sollte
er zunächst einmal sämtliche
internen Möglichkeiten
nutzen, die sich ihm allein
durch Verbesserung seiner
Bilanzstruktur eröffnen.
Prof. Manfred Bohnen
President Equicon
Holding Ltd., London
www.equicon-holding.com
Eine Verkürzung der Bi­
lanzsumme führt au­
tomatisch zu einer
Erhöhung der Ei­
Durch seine Grundveranlagung ist der mit­
telständische Unternehmer eher geneigt, die
Lösung seiner Finanzierungsprobleme über
Produktions-, Vertriebs- und Marketingmaß­
nahmen oder sonstige Kostensenkungsaktivi­
täten zu suchen als über Veränderungen seiner
Bilanzstruktur.
Schöpfen Sie zunächst alle Möglichkeiten der
Verbesserung Ihrer Eigenkapitalquote durch
strukturelle Verbesserungen Ihrer Bilanz aus,
und erst dann suchen Sie die Rettung über
eine Erschließung des freien Kapitalmarktes.
Beides ist inzwischen so komplex, dass eine
optimale Lösung wahrscheinlich nicht ohne
fremde Hilfe erreicht werden kann.

Foto oben: © everythingpossible - Fotolia.com, Foto unten: © Dreaming Andy - Fotolia.com
Die Eigenkapitalausstattung mittelständischer Unternehmen in Deutschland lässt im
internationalen Vergleich trotz erheblicher
Verbesserungen der letzten Jahre noch immer
zu wünschen übrig. Gleichzeitig hat die Eigenkapitalquote aufgrund der Basel-Bestimmungen für die Beurteilung der Bonität eines Unternehmens an Bedeutung gewonnen. Dadurch
steht der mittelständische Unternehmer vor
immer größeren Schwierigkeiten, seine notwendigen Finanzierungen sicherzustellen.
Der Mittelstand. | 5 | 2014
UNTERNEHMERSERVICE
Offen für Kredit?
Mit Daten, Zahlen und Fakten die Hausbank überzeugen
Die Kreditversorgung scheint auf absehbare
Zeit gesichert: Immer mehr Institutsgruppen
bekennen sich zum Mittelstandsgeschäft und
betonen die Bedeutung des Hausbankprinzips.
Bedeutet das auch rosige Zeiten für mittelständische Unternehmen? Ein Blick hinter die Kulissen der Finanzwirtschaft ergibt ein klares „Das
kommt ganz darauf an …“.
Insbesondere größere Unternehmen nutzen
den zunehmenden Wettbewerb zwischen den
Institutsgruppen, um die Finanzierungserfor­
dernisse der nächsten Jahre bereits heute zu
den aktuell niedrigen Zinssätzen und verbes­
serten Rahmenbedingungen abzusichern. Dies
führt bei den Banken zwar zu tendenziell sin­
kenden Margen, die absoluten Erträge pro Ein­
zelabschluss bleiben jedoch häufig immer noch
attraktiv.
Damit wächst der Wettbewerb zwischen den
kreditsuchenden Kunden um die Ressource Li­
quidität. Insbesondere die kleineren und weniger
bonitätsstarken mittelständischen Unternehmen
konkurrieren damit auch um die Zeit ihrer Kun­
denbetreuer und die Kapazitäten in den Kredit­
abteilungen.
Einige Mittelständler haben sich aus diesem
Wettbewerb zurückgezogen, finanzieren ihre
Vorhaben, wenn möglich, ausschließlich durch
Eigenkapital oder verzichten auf die Realisierung
ihrer Projekte und somit auch auf künftige Erträ­
ge und Wachstum.
Finanzkommunikation optimieren
Foto: © vege - Fotolia.com
Im täglichen Wettbewerb um Marktanteile zeich­
nen sich mittelständische Unternehmen durch
ihre Zuverlässigkeit, Kundenorientierung und Fle­
xibilität aus. Übertragen auf den Wettbewerb um
Bankkredite muss auch die mittelständische Fi­
„„
nanzkommunikation
adressatengerecht
aufbereitet
sein.
Sie muss belastbare
Zahlen, Daten und
Fakten sowie beglei­
tende Erläuterungen
und Hintergrundinfor­
mationen liefern.
Erst die zielgerichtete
und unaufgeforderte
Darstellung
sowohl
der wirtschaftlichen
Entwicklung als auch
der
geschäftlichen
Pläne ermöglicht es
den Kundenbetreuern
und Kreditentschei­
dern, die Besonderhei­
ten des Unternehmens in
kurzer Zeit sachgerecht zu
beurteilen sowie die mit dem
Finanzierungsvorhaben verbunde­
nen Ziele nachzuvollziehen. Es versteht sich von
selbst, dass dazu Vorarbeiten und häufig auch
externe Expertise erforderlich sind, die teilweise
deutlich über die frühere Weitergabe von Ge­
schäftszahlen hinausgehen.
Die „erzwungene“ intensive Beschäftigung mit
dem eigenen Unternehmen – auch mithilfe eines
qualifizierten externen Sparringspartners – führt
immer wieder zur Identifizierung vormals verbor­
gener Optimierungspotenziale. Verlässlichere
Entscheidungsgrundlagen sichern die Unterneh­
mensfinanzierung und steigern die unternehme­
rische Freiheit.
Und auch die Hausbank wird erst positiv über­
rascht und dann begeistert sein.

Dipl.-Kfm.
Carsten Clüsserath
Prokurist
EFFIZIENZA GmbH
www.effizienza.de
Im täglichen Wettbewerb um Marktanteile zeichnen sich
mittelständische Unternehmen durch ihre Zuverlässigkeit, Kundenorientierung und Flexibilität aus.
47
UNTERNEHMERSERVICE
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Crowdlending
Wie Anleger und Unternehmer
von Online-Krediten
profitieren können
Gründer und Geschäftsführer
der Zencap Deutschland GmbH:
Dr. Christian Grobe (li.),
Dr. Matthias Knecht.
Crowdlending heißt eine
neue Finanzierungsform, in
der mehrere Investoren für
ein Darlehen aufkommen,
das sie entweder Unternehmern oder Privatpersonen
gewähren. Vermittelt werden diese für beide Seiten
attraktiven Geschäfte über
Digitalplattformen wie Zencap oder Lendico aus Berlin.
Wer nicht mehr damit einverstanden ist, dass
Banken die Sparguthaben ihrer Kunden nur noch
mit weniger als zwei Prozent verzinsen, das Geld
ihrer Sparer aber oft für Zinssätze über acht Pro­
zent verleihen, wird irgendwann auf einer Crowd­
lending-Plattform wie Zencap, Smava, Auxmoney
oder Bergfürst landen. Hier werden Kreditsu­
chende an Anleger und Investoren vermittelt, die
ihnen – in der Regel gemeinsam – ein Darlehen
zu attraktiven Zinsen gewähren. „Crowdlending
ist in Deutschland eine noch recht junge Finan­
zierungsform, für die wir eine enorme Nachfrage
sehen“, sagt Dr. Christian Grobe, Mitbegründer
und Geschäftsführer der Berliner Digital-Platt­
form Zencap. „Seit unserem Start vor vier Mona­
ten konnten wir bereits Kreditprojekte mit einem
Volumen von über einer Million Euro finanzieren.“
In den USA und Großbritannien ist Crowdlending
schon überaus erfolgreich, dort vergeben solche
Plattformen mittlerweile dreistellige Millionen­
beträge, und zwar pro Monat.
„Wir richten uns mit unserem Angebot an kleine
und mittlere Unternehmen mit guter Bonität und
einem Kreditbedarf von unter 150 000 Euro“,
erläutert Dr. Matthias Knecht, ebenfalls Mitbe­
gründer und Geschäftsführer von Zencap, „und
bringen sie ohne Umweg über Bankberater mit
Investoren zusammen.“ Damit gewinnen beide
Seiten: Unternehmen erhalten günstigere Kredi­
te und Anleger bessere Renditen.
Bonitätsprüfung
innerhalb von 48 Stunden
Nach der erfolgreichen Bonitätsprüfung durch ein
Zencap-Team aus ausgewiesenen Experten stel­
len Kreditnehmer auf der Plattform ihre Projekte
online, möglichst ausführlich und präzise. „Unsere
Berater geben dabei nützliche Tipps, weil Inves­
toren natürlich wissen wollen, wo und wie genau
sie ihr Geld anlegen“, so Geschäftsführer Grobe.
„Während eines Investitionszeitraums können
die bei uns registrierten Investoren jederzeit Un­
ternehmensinfos einsehen und Beträge ab 100
Euro in diesen Projekten anlegen.“ Um das Risiko
auf Investorenseite zu minimieren, wird Anlegern
Foto: Zencap, Foto oben: © Sergey Nivens - Fotolia.com
48
Der Mittelstand. | 5 | 2014
geraten, beispielsweise 5.000 Euro nicht in einen
Kredit zu investieren, sondern auf verschiedene
Darlehen zu verteilen. Die Bonitätsprüfung der
kreditsuchenden Unternehmen läuft ähnlich ab
wie bei den Banken, jedoch deutlich schneller und
effizienter. „Bei uns werden Kreditanfragen nicht
erst nach zwei Wochen beantwortet, sondern in­
nerhalb von 48 Stunden.“ Kredite werden zu Zin­
sen ab 3,99 Prozent pro anno vergeben, zwischen
10.000 und 150.000 Euro mit Laufzeiten zwi­
schen sechs Monaten und fünf Jahren. Eine vor­
zeitige Ablösung ist jederzeit kostenfrei möglich,
die Investoren erhalten ihre Zinsen monatlich.
Foto: Lendico
Und mit welchen Kosten müssen interessierte Kun­
den bei Zencap rechnen? Mitbegründer Knecht:
„Für die Qualitätskontrolle und die Betreuung von
Kreditprojekten erhält Zencap während der Lauf­
zeit ein minimales Entgelt von Investoren und Un­
ternehmern. Unternehmer zahlen eine einmalige
Gebühr zwischen einem Prozent und 4,5 Prozent
des Nettokreditbetrages, Investoren zahlen ein
Prozent auf jede erhaltene Zahlung.“
Schon 1000 Kreditanfragen
an einem Tag
Unter einem Dach mit Zencap firmiert der Kre­
ditmarktplatz Lendico, der Darlehen zwischen
1.000 und 25.000 Euro von Privatpersonen an
UNTERNEHMERSERVICE
Privatpersonen (P2P) vermittelt.
Das 2013 gegründete Unterneh­
men hat an einzelnen Tagen bereits
mehr als 1000 Kreditanfragen –
für Mitgründer Dr. Dominik Stein­
kühler „der Nachweis, dass wir mit
Lendico den Mainstream erreicht
haben“. Zudem steht Lendico auch
für mehr Qualität im deutschen
Kreditmarkt. Steinkühler: „Wir
haben als erster Kreditmarkt­
Geschäftsführer der Lendico Global
Services GmbH: Dr. Dominik Steinkühler.
platz das Scoring, die Bewertung
von Kreditrisiken, in Deutschland
eingeführt.“ Nur zehn Prozent aller beantragten
Kreditprojekte erfüllen die Voraussetzungen
und schaffen es, ein Kreditprojekt zu werden, in
das Anleger investieren können. Was sie dabei
verdienen, können sie selbst steuern. Wer auf
Nummer Sicher gehen will, investiert in konser­
vative Kredite der Klasse A, wer mehr will, kann
bis zur riskanten Klasse E einsteigen. Ein Restrisi­
ko bleibt aber immer. Kommt der Kreditnehmer in
Verzug oder kann gar nicht mehr zahlen, wird der
Fall an ein Inkassounternehmen abgegeben.
Almut Friederike
Kaspar
Im Gegensatz zu Zencap bleiben Kreditnehmer
Journalistin
und Anleger anonym: „Sie sollen sich ja nicht an
der Bar begegnen und eventuelle Unstimmigkei­
www.lendico.de
ten klären“, so Steinkühler.

www.zencap.de
49
UNTERNEHMERSERVICE
Der Mittelstand. | 5 | 2014
„Die Schere geht auseinander“
Der Mittelstand. im Gespräch mit Stefan Schneider, Geschäftsführer der Bürgschaftsbank Thüringen
GmbH (BBT) und der Mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Thüringen mbH (MBG T).
Der Mittelstand.: Können Sie uns das Geschäftsmodell der BBT und der MBG T kurz erläutern?
Stefan Schneider: Bei der Bürgschaftsbank stel­
len wir kleinen und mittleren Unternehmen sowie
Gründern werthaltige Sicherheiten für Finanzie­
rungen bereit, die ansonsten mangels Sicherheiten
nicht zustande kämen. Das heißt, kein wirtschaft­
lich sinnvolles Vorhaben von mittelständischen
Unternehmen darf an mangelnden Sicherheiten
scheitern. Bei der Mittelständischen Beteiligungs­
gesellschaft stellen wir als neutraler Partner auf
Zeit wirtschaftliches Eigenkapital in Form von
typischen stillen Beteiligungen zur Verfügung
– ohne jedoch unternehmerischen Einfluss aus­
zuüben. Wir ermöglichen damit direkt Wachs­
tumsinvestitionen; mittelbar erweitern wir die
Kreditvergabemöglichkeiten der Banken und
schonen vorhandene Sicherheiten.
Welche Idee steckt hinter BBT und MBGT ?
Wir sind von der Wirtschaft für die Wirtschaft
gegründet worden. Die staatlichen Rückbürg­
schaften nehmen den Bürgschaftsbanken einen
erheblichen Teil des Risikos ab und verleihen da­
mit ihren Bürgschaften aus der Sicht der Kreditin­
stitute den Charakter einer erstklassigen Sicher­
heit. Durch minimalen Einsatz öffentlicher Mittel
wird ein maximaler wirtschaftspolitischer Effekt
erreicht. Diese Art der öffentlichen Förde­
rung hat im Gegensatz zu direkten Kapital- und
Zinssubventionen den Vorzug der größtmög­
lichen wirtschaftlichen Neutralität. Übrigens:
Bürgschaftsbanken und Mittelständische Betei­
ligungsgesellschaften gibt es in allen Bundeslän­
dern.
Mit welchen Partnern arbeiten Sie zusammen?
Wir arbeiten mit allen Banken und Sparkassen
im gesamten Freistaat Thüringen zusammen,
die Finanzierungslösungen für die mittelstän-­­
dische Wirtschaft anbieten. Daneben stehen
wir mit den Betriebsberatern der Kammern und
Wirtschaftsverbände sowie Steuerberatern,
Wirtschaftsprüfern und Unternehmensbe­
ratern
in Kontakt. Selbstverständlich sprechen wir
auch mit den Unternehmern direkt, um uns
ein eigenes Bild zu machen – häufig vor Ort.
Nicht zu vergessen: den Freistaat Thüringen
und den Bund als Rückbürgen.
Wie beurteilen Sie die Finanzierungssituation
kleiner und mittelständischer Unternehmen?
Die Finanzierungssituation von wirtschaftlich er­
folgreichen, gut geführten Unternehmen ist gut.
Die Eigenkapitalbasis hat sich in den vergange­
nen Jahren deutlich verbessert, die Zinsen sind
historisch niedrig, und die Banken und Spar­
kassen konkurrieren intensiv um diese Adressen.
Dennoch geht die Schere zwischen den
Unternehmen bei der Finanzierung immer weiter
aus­einander. Auf der einen Seite gibt es Unter­
nehmen, die über ausreichend Eigenkapital und
Sicherheiten verfügen und keine Finanzierungs­
schwierigkeiten haben. Auf der anderen Seite
Foto oben: © Pixelot - Fotolia.com
50
Der Mittelstand. | 5 | 2014
UNTERNEHMERSERVICE
Stefan Schneider
Geschäftsführer der
Bürgschaftsbank
Thüringen GmbH
und der Mittelständischen
Beteiligungsgesellschaft
Thüringen mbH,
Mitglied im Landeswirt­
schaftssenat Thüringen
stehen Unternehmen, für die es schwierig ist,
an Kredite zu kommen. Das sind vor allem kleine
Unternehmen und Existenzgründer. Besonders
hier helfen Bürgschaftsbanken und Mittelstän­
dische Beteiligungsgesellschaften mit Bürgschaf­
ten und Beteiligungen.
Was sind die typischen Anlässe,
bei denen Sie eingeschaltet werden?
www.bb-thueringen.de
www.mbg-thueringen.de
Unverändert
bilden
Bürgschaften
für
Investitions­finanzierungen den Hauptteil ab.
In den letzten zwei Jahren sind jedoch
zuneh­
mend Veränderungen auf der Gesell­
schafterseite, wie Nachfolgefinanzierungen,
zu beobachten. Diese begleiten wir sowohl
auf der Bürgschafts- als auch auf der Betei­
ligungsseite.
Was sind die größten Herausforderungen
für die Bürgschaftsbank?
Als Kreditinstitut müssen auch wir sämtliche
regulatorischen Anforderungen erfüllen. Dies ist
gerade für eine kleinere Bank eine wirklich große
zeitliche und auch finanzielle Herausforderung.
Dies alles vor dem Szenario extrem niedriger
Zinsen mit entsprechenden Ertragsperspektiven.
Eine permanente Herausforderung für uns stellt
die Information der Unternehmen hinsichtlich der
Vorteile unserer Bürgschaften als auch Beteiligun­
gen dar. Nach einer bundesweiten Umfrage aus
dem vergangenen Jahr nennen knapp 80 Prozent
der Unternehmen die Forderung der Banken nach
Sicherheiten als Erschwernis für die Kreditauf­
nahme. Der wichtigste Kreditablehnungsgrund
mit rund 60 Prozent sind unzureichende Sicher­
heiten! Bei den Erwartungen an die Hausbank
wird jedoch die Einbindung von Bürgschaften
nur mit 20 Prozent genannt. Dabei wiegen die
verschiedenen Vorteile für die Unternehmen die
Kosten, insbesondere im Verhältnis zum Umsatz,
deutlich auf. 
Anzeige
Rechtsanwälte – Steuerberater – Wirtschaftsprüfer
Düsseldorf│Berlin│Dresden│Frankfurt am Main│Freiburg│Leipzig│München│Mailand
Josephinenstraße 11-13
40212 Düsseldorf
Fon 0211 537 537 30│Fax 0211 537 537 337
christian.lentfoehr@snp-online.de
www.snp-online.de
51
Fachanwälte
Arbeitsrecht, Familienrecht, Handels- und
Gesellschaftsrecht, Informationstechnologierecht,
Gewerblichen Rechtsschutz, Miet- und Wohnungseigentumsrecht, Steuerrecht, Versicherungsrecht
Das Interview führte
Günther Richter,
BVMW Thüringen.
UNTERNEHMERSERVICE
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Förderwesen in Gefahr
Stiftungen in Deutschland leiden unter Niedrigzinspolitik
„„
Deutschland ist bekannt für seine Vielzahl
gemeinnütziger Stiftungen. Mit Hilfe ihres
Vermögens finanzieren und fördern diese
Stiftungen zum Beispiel Forschungs- und Wissenschaftsprogramme, Bildungsprojekte, Studenten und Hochbegabte sowie soziale Einrichtungen. Was für Kreditnehmer ein Segen
ist, ist für langfristige Anleger ein Fluch: das
niedrige Zinsniveau, von dem zukünftig auch
das gesellschaftliche Engagement der Stiftungen abhängen könnte.
in Zeiten von niedrigen Zinsen zu Verlusten. Durch
die Niedrigzinspolitik reichen die Renditen teilwei­
se nicht mal mehr dazu, die Inflation auszugleichen.
Das lässt einzelne Vermögens- und damit Subs­
tanzwerte schrumpfen und droht die Stiftungsar­
beit zu beeinflussen. Stiftungen berichten aktuell
von Renditen im Durchschnitt um die 0,3 Prozent,
was eine alarmierende Botschaft für das deutsche
Förderungswesen bedeutet. Für die vielen kleinen
Stiftungen in Deutschland, die unter 100.000 Euro
zur Verfügung haben, bilden niedrige Renditen
schon jetzt ein großes Konfliktpotenzial.
Sollten sich die Finanzmärkte nicht er­
holen, wird dies zu einer Belastung auch
für größere Stiftungen. Finanzierungs­
probleme beim stetigen Stiftungs­
vermögen führen letztendlich dazu,
dass weniger Projekte gefördert werden
oder gar Mitarbeiter entlassen werden
müssen. Langfristig gesehen wird damit der Zweck
von Stiftungen ausgehebelt.
Durch die Niedrigzinspolitik reichen
die Renditen teilweise nicht mal mehr
dazu, die Inflation auszugleichen.
Diana Scholl
BVMW
Die Zahl der Stiftungen in Deutschland nimmt
beständig zu, annähernd 20.000 Stiftungen bür­
gerlichen Rechts gibt es mittlerweile in Deutsch­
land, und jährlich kommen hunderte dazu. Im
Bereich der Neugründungen ist Deutschland
damit weiterhin Spitzenreiter. Und auch das
Vermögen ist beachtlich, denn das Gesamtver­
mögen dieser Stiftungen wird auf mehr als 100
Milliarden Euro geschätzt. Trotz der enormen
Vermögenssummen haben Stiftungen vermehrt
Probleme bei der Finanzierung und Substanzer­
haltung. Für gewöhnlich gelten Stiftungen als kri­
senfester und sicherer Anlagewert, da sie nicht
das Ziel möglichst hoher Renditen verfolgen.
Die Vermögenswerte von Stiftungen liegen vor
allem im Bereich von Unternehmensanleihen
und langfristigen Renten, doch auch diese führen
Dementsprechend sind im deutschen Stiftungs­
wesen vermehrt kritische Überprüfungen der An­
lagestrategien zu beobachten. Zeigen kleine Stif­
tungen vermehrt den Hang zu Kooperationen und
Fundraising, so zeigen großen Stiftungen einen
Trend zum Immobilieninvestment, da auch Aktien
für Stiftungen als wenig ertragreiche Anlage gel­
ten. Einer Studie zufolge bewerten mittlerweile
70 Prozent der Stiftungen Immobilienanlagewer­
te als attraktiv, besonders in Bezug auf den Infla­
tionsschutz und die Nachhaltigkeit. Besonders
beliebt bei Stiftern sind vor allem Wohnimmobi­
lien, welche im Durchschnitt zwischen 30 und 60
Prozent des Anlagenport­folios ausmachen.

Foto: © Fredrik von Erichsen - picture-alliance.com
52
Aktuelles vom
UnternehmerService
Ihre Einkaufsvorteile als BVMW Mitglied
Die BVMW UnternehmerCard
Mit der BVMW UnternehmerCard können Sie die Großabnehmerkonditionen des Bundesverbandes
mittelständische Wirtschaft in allen für Sie wichtigen Kostenbereichen nutzen. Alle Konditionen
gelten exklusiv nur für BVMW-Mitglieder.
10 %
10 %
OTTO Office Bürobedarf
10% dauerhafter Sofortrabatt
auf alle Büroartikel von OTTO Office
Viking Bürobedarf
10% dauerhafter Sofortrabatt
auf alle Büroartikel von Viking
10 %
10 %
Strom
Bis 10% Einsparung Stromkosten
durch BVMW-Verträge mit Versorgern
Gas
Bis 10% Einsparung Gaskosten
durch BVMW-Verträge mit Versorgern
Wir berechnen kostenlos für Sie Ihre mögliche Ersparnis
Wir berechnen kostenlos für Sie Ihre mögliche Ersparnis
3,5 Cent
3,0 Cent
ESSO Tanken
3,5 Cent Nachlass pro Liter auf Diesel
20 %
Sonderkonditionen
GEMA
20% Nachlass auf die GEMA Gebühren
Die BVMW
Tankkarte
TOTAL Tanken
3,0 Cent Nachlass pro Liter auf Diesel
1,5 Cent Nachlass pro Liter auf Super
Autokauf
Abrufscheine/Sonderkonditionen
für viele Marken
DKV Tanken
Die BVMW Flottentankkarte – Tankrabatte an über 10.000 Tankstellen
SHELL, TOTAL, ESSO
2,1 Cent Nachlass/Liter auf Diesel
OMV, PKN/STAR
1,7 Cent Nachlass/Liter auf Diesel
JET, AVIA, ORLEN, BFT, etc. 1,0 Cent Nachlass/Liter auf Diesel
UNTERNEHMERSERVICE
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Thi Tuong Vy Bui studiert an der Magdeburger Uni Verfahrenstechnik.
Mehr Zeit zum Lernen
Vom Deutschlandstipendium profitieren künftige Fachkräfte
Ihre Nebenjobs hat Thi Tuong Vy Bui an den
Nagel gehängt. Das letzte Jahr ihres Studiums
kann die junge Frau finanziell unbelastet angehen. Zum zweiten Mal kommt sie in den Genuss eines Deutschlandstipendiums. 300 Euro
im Monat, das sei schon „eine riesige Hilfe“.
So bleibe mehr Zeit zum Lernen und auch
zur Entspannung. Die Freude über die Unter­
stützung ist ihr deutlich anzumerken.
An der Magdeburger Otto-von-Guericke-Uni­
versität will die Studentin mit biografischen
Wurzeln in Vietnam den Master in Verfahrens­
technik erwerben. „Das ist meine Sache, ich
interessiere mich schon immer für solche prak­
tischen Aufgaben“, versichert sie.
Zum Sommersemester hatte die Uni erneut 25
Deutschlandstipendien für exzellente Studien­
leistungen und großes soziales Engagement
vergeben. Mittlerweile beteiligten sich mehr als
sechzig Unternehmen, Stiftungen, Vereine aber
auch Privatpersonen an der Finanzierung, zeigt
sich Rektor Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan zufrie­
den. Auf diese Weise werde den jungen Leuten
geholfen, sich erfolgreich auf ihre Hochschulaus­
bildung zu konzentrieren.
Die PERGANDE Group in Weißandt-Gölzau
(Landkreis Anhalt-Bitterfeld) hat sich ganz be­
wusst der Förderung von Nachwuchskräften
verschrieben. Geschäftsführer Wilfried Pergan­
de engagiert sich seit 1990 in Sachsen-Anhalt.
„Damals war ich von der Leistungsfähigkeit des
einstigen Anlagenbauers des fotochemischen
Kombinats ORWO überzeugt“, berichtet er. Dort
entstanden technische Lösungen, die die DDR
im Westen nicht kaufen konnte. Heute arbeiten
unter dem Dach der Pergande Group drei Fir­
men mit gut 200 Mitarbeitern. In einer Lohnfer­
tigung werden Granulate für Pflanzenschutzmit­
tel und Waschpulver produziert, es gibt einen
Foto: Klaus-Peter Voigt
54
Der Mittelstand. | 5 | 2014
„„
Blick in die modernen Fertigungsstätten von Pergande.
UNTERNEHMERSERVICE
55
Die Geschäftsführer der Pergande
Group Prof. Dr.-Ing. Mirko Peglow (li.)
und Wilfried Pergande.
Mittlerweile beteiligen sich mehr als 60
Unternehmen, Stiftungen, Vereine aber auch
Privatpersonen an der Finanzierung.
Fotos: Pergande
Apparatebau, der sich auf Entstaubungstechnik
spezialisiert hat. Als weiteres Standbein wird
Granuliertechnik entwickelt und gebaut.
Ohne Spezialisten sei man nicht zukunftsfähig,
erklärt Geschäftsführer Prof. Dr.-Ing. Mirko Pe­
glow. Um den Nachwuchs zu sichern, engagiert
sich Pergande deshalb vielfältig an Hochschulen
und Universitäten vor allem in Sachsen-Anhalt,
bietet Praktikanten einen Arbeitsplatz, vergibt
Themen für Abschlussarbeiten. Das zahlt sich
aus. „Wir sind zufrieden damit, dass sich Studen­
ten mit Diplom oder Master in der Tasche für
Anzeige
einen Arbeitsplatz in unserer Region ent­
scheiden“, sagt der Hochschulprofessor, der
selbst noch an der Magdeburger Uni Aufgaben
übernimmt. Wenn man sich für die Übernahme
von zwei Deutschlandstipendien entschieden
habe, so sei das nur folgerichtig. Peglow nennt
es zudem sehr gut, dass beide Stipendiaten
von sich aus den Kontakt zum Betrieb gesucht
haben. Das sei nicht selbstverständlich.
Thi Tuong Vy Bui kann sich auch vorstellen, bei
Pergande ein Praktikum zu absolvieren. Das
Unternehmen biete schließlich „tolle Mög­
lichkeiten“.

Klaus-Peter Voigt
BVMW- Pressesprecher
Sachsen-Anhalt
UNTERNEHMERSERVICE
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Kleine Helfer
swivelCard – Visitenkarte mit Inhalt
USB-Speicher finden Lebenslauf, Fotos
oder Kontaktdaten in digitaler Form
Platz. Von der handelsüblichen Vis­
itenkarte zum USB-Stick wird die swiv­
elCard durch einen einfachen Faltmech­
anismus. Noch befindet sich das Projekt
in der Kickstarter-Phase, die swivelCard
dürfte jedoch bald in Produktion gehen.
www.swivelcard.info
Samtweiches Porzellan
als Werbeträger
Über die Gestaltung und das Design ein­
er guten Visitenkarte lassen sich ganze
Bibliotheken füllen. Einig dürfte man
wohl darüber sein, dass es Schlichtheit
und Übersichtlichkeit sind, die einen
gelungenen Eindruck in Kartenform
hinterlassen. Für all jene, die jedoch ein
wenig mehr zu erzählen haben, soll nun
die USB-Visitenkarte „swivelCard“ auf
den Markt kommen. Auf dem internen
Der Porzellanhersteller KAHLA aus
Thüringen hat mit touch! das erste
Porzellan mit einer samtartigen Ober­
flächengestaltung entwickelt.
ICM-Ergebnisrechner von GMVK ermittelt
kostenlos Einsparpotenzial für Mittelstand
Die
dreidimensionale,
patentierte
Struktur isoliert Wärme, dämpft
Geräusche und verführt zum Anfassen.
Dank innovativer Technologie werden
Motive oder Schriftzüge in die touch!
Banderole integriert oder dreidimen­
sional erhaben dargestellt. Perfekt
ge­eignet als Werbegeschenk oder als
individuell gebrandetes Geschirr für
Gäste und Mitarbeiter. Und natürlich
ist der Aufdruck spülmaschinen- und
mikrowellenfest sowie lebensmittel­
tauglich.
www.kahlaporzellan.com
Speziell für produzierende Unter­nehmen
ab 50 Millionen Euro Jahres­umsatz bi­
etet die GMVK Procurement Group ein
neues wirksames Prognosetool: Den
ICM-Ergebnisrechner, der ab sofort on­
line unter www.gmvk.de zur Verfügung
steht. Praxisnah und realistisch zeigt
er, wie hoch die Einspar­
potenziale im
Einkauf tatsächlich sind und in welchen
Bereichen sie sich befinden.
Der Mittelstand.
für Smartphone und Tablet
Der ICM-Ergebnisrechner unterscheidet
sich von herkömmlichen Einsparrech­
nern vor allem durch seine Aussagekraft
und die Vielzahl der untersuchten Krit­
erien. Er systematisiert ausschließlich
Kategorien, die für den Einkaufserfolg
tatsächlich relevant sind und bewertet
die Einkaufsqualität auf Warengrup­
Der Mittelstand. Ausgabe 4/2014
Finanzierung:
der Mix macht´s
Themenschwerpunkt:
Mittelstand und Finanzen
Der Independent Chip Model Rech­
ner basiert auf fundierten wissen­
schaftlichen Erkenntnissen so­
wie den
jahrelangen Erfahrungen der GM­
VK-Berater in der Einkaufs­opti­mierung.
Seit kurzer Zeit erscheint das Magazin „Der Mittelstand.“
auch digital für Smartphone und Tablet.
Sie erreichen diese Ausgabe unter:
http://mittelstand-mobil-5-2014.bvmw.de.
Alle Ausgaben seit Dezember 2013 finden Sie im Archiv
unter:
http://mittelstand-mobil.bvmw.de.
penbasis und nicht nur für die Gesamt­
organisation. Somit ist der ICM-Ergeb­
nisrechner für Geschäftsführer und
Einkaufsleiter ein wertvolles Werkzeug,
um eigenständig mögliche Schwachstel­
len im Einkauf zu identifizieren.
Der Rechner steht in zwei Varianten
kostenlos zur Verfügung: als Light-Version
mit 13 exemplarischen Untersuchungskrit­
erien sowie als Advanced-Version mit über
50 spezifischen Fragestel­lungen.Noch
mehr in die Tiefe geht die Assessment-Ver­
sion, deren volle Ana­lysemöglichkeiten im
Rahmen eines emeinsamen Assessments
mit den Experten der GMVK genutzt
werden können.
www.gmvk.de
Noch einfacher geht es mit dem QR-Code.
Dazu brauchen Sie eine App, einen
QR-Code-Scanner. Nach dem Öffnen
aktiviert die App die Kamera des Smart­
phones oder des Tablets. Halten Sie nun die
Kamera über den QR-Code,
um diesen einzuscannen.
Automatisch öffnet sich
die mobile Ausgabe von
„Der Mittelstand.“
Foto: © Rido - Fotolia.com
56
Weihnachtsgeschenke
für Kunden?
Für ärzte ohne
grenzen Spenden!
Menschen in
Not helfen!
Kunden ihr Soziales
Engagement zeigen!
Juh
u!
Ärzte ohne grenzen
Weihnachtsaktion:
Ihr Unternehmen rettet Leben!
Überraschen Sie Ihre Kunden mit einem besonderen Präsent eine Spende für Menschen in Not! Mehr Infos und
Aktionsmaterial erhalten Sie unter 030 700 130-144
www.aerzte-ohne-grenzen.de/weihnachtsspende
SPENDENKONTO
Bank für Sozialwirtschaft
IBAN: DE72 3702 0500 0009 7097 00
BIC: BFSWDE33XXX
Stichwort: Firmenweihnachtsspende
Träger des Friedensnobelpreises
58
UNTERNEHMERSERVICE
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Planen statt Hoffen
Warum erfolgreiches Marketing im Mittelstand einen Plan braucht
Wie hoch ist das optimale
Marketingbudget? Schon bei der Frage, wie viel jährlich in das Mar­
keting investiert werden sollte, gibt es Unsicher­
heiten. Ideal wäre es natürlich, sich ausschließ­
lich davon leiten zu lassen, welche Summe
benötigt wird, um die gewünschten Ziele zu er­
reichen. Für viele Unternehmer ist dieses Vorge­
hen jedoch aus Kapitalmangel nicht möglich und
sie orientieren sich lieber am bisherigen Umsatz.
Aber was ist der richtige Wert? Drei Prozent
vom Umsatzvolumen, wie bei den Zulieferern
der Automobilindustrie? Oder sogar 30 Prozent
wie z. B. bei Red Bull?
Laut einer Umfrage des Hightech-Verbands
BITKOM im August 2014 investieren Mit­
telständler durchschnittlich sechs Prozent
ihres Umsatzes ins Marketing. Dabei tei­
len sich die Marketing­
budgets wie folgt auf:
- 35 % Messen und Events
- 30 % Online
- 17 % Direktmarketing
- 13 % Print
- 3 % Marktforschung
- 2 % Sonstiges inkl. TV, Radio, Außenwerbung
Foto: © Rawpixel - Fotolia.com
Jetzt ist die Zeit, in der Konzerne traditionell
über die Marketingbudgets für das nächste Jahr
nachdenken. Mittelständische Unternehmen
dagegen sparen sich oft einen Marketingplan
und agieren lieber spontan im laufenden Geschäftsjahr, z. B. wenn sich die Flyer dem Ende
neigen, oder der nette Anzeigenverkäufer vom
Regionalblatt Restplätze zu Sonderkonditionen
anbietet. Da kann es leicht passieren, dass einzelne – oft nur vermeintlich günstige Aktionen
– wirkungslos verpuffen. Warum ein Marketingplan also gerade bei kleineren Budgets wichtig
ist, und worauf Sie dabei achten sollten, erfahren Sie in diesem Beitrag.
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Gründe für einen Marketingplan
Gerade bei Unternehmern bestimmt oft das Ta­
gesgeschäft das Handeln. Doch erfolgreiches
Marketing ist kein Zufall, sondern bedarf struk­
turierter Planung und täglicher Arbeit. Mit einem
Marketing-Jahresplan wissen Sie und Ihre Mitar­
beiter immer ganz genau, wer bis wann was mit
welchem Ergebnis machen soll. Ein Plan schützt
Sie zudem vor ungeplanten Ausgaben und Spon­
tanaktionen, die nicht zu Ihren Zielen passen.
Und doch sollten Sie immer auch flexibel bleiben:
Wenn es im laufenden Jahr nötig wird, eine Maß­
nahme zu streichen oder etwas völlig Neues zu
planen, dann tun Sie dies.
Der Weg zum Marketingplan
Um Ihr Marketing erfolgreich
klären Sie folgende Fragen:
zu
planen,
• Wie war der Erfolg der
bisherigen Werbemaßnahmen?
Wie viele neue Kunden kamen nach
der letzten Anzeige oder dem Mailing?
Wie sind die Zugriffszahlen auf Ihre Webseite?
•W
ie werben Ihre Wettbewerber?
Beobachten Sie permanent den Markt und
sammeln Sie möglichst viele Informationen.
•W
elche Ziele verfolgen
Sie mit Ihrer Werbung?
Wie viele Neukunden wollen Sie z. B. gewinnen
oder welche Umsatzsteigerung
möchten Sie erreichen?
Foto: © bramgino - Fotolia.com
•W
elche Zielgruppen wollen
Sie mit welchen Angeboten erreichen?
Wenn Sie mit Ihren Produkten
unterschiedliche Zielgruppen ansprechen,
dann müssen Sie dies in Ihrer Werbung
berücksichtigen. Ein Tischler kann sowohl
Privatleute als auch Architekten und
Hausverwaltungen als Kunden ansprechen.
UNTERNEHMERSERVICE
59
•W
ie ist Ihr Zeitplan für das Jahr?
Berücksichtigen Sie z. B. Messen oder
besondere Anlässe wie Jubiläen, Sonderaktionen
oder neue Produkte, die Sie bewerben wollen.
Und überlegen Sie, wann der richtige Zeitpunkt
für die einzelnen Werbemaßnahmen ist, um Ihre
Zielgruppe tatsächlich zu erreichen. Verteilen
Sie dann Ihr Werbebudget auf die Monate oder
sogar Wochen beziehungsweise Tage.
•W
ie organisieren Sie den
Ablauf der Werbeaktionen?
Planen Sie die notwendigen Ressourcen
(z. B. Zeit, Technik und Wissen) bei Ihren
Mitarbeitern. Oder überlegen Sie,
für welche Maßnahmen Sie eine
Werbeagentur beauftragen wollen.
•W
ie kontrollieren Sie
den Erfolg Ihrer Werbung?
Befragen Sie neue Interessenten, ob diese
aufgrund Ihrer Werbung kamen. Integrieren
Sie eine Besucherstatistik in Ihre Webseite, um
Seitenaufrufe zu kontrollieren. Fügen Sie Ihrer
Printwerbung Feedbackformulare bei und
kontrollieren Sie den Rücklauf.
•W
as gehört in die geschätzen Kosten?
Kalkulieren Sie die Kosten für Kreativleistun­
gen (z. B. Grafik, Text, Fotos, Übersetzung,
Künstlersozialkasse), Herstellung (Druck,
Produktion, Standbau, etc. ) und Medien (z. B.
Schaltkosten, Versand). Berücksichtigen Sie
auch Aufwendungen für Schrift- und Bildlizen­
zen oder ggf. Kosten für Markeneintragungen.
•W
elche Werbemaßnahmen wollen Sie planen?
z. B. Basics: Logo, Corporate Design; Pressear­
beit: Presseartikel, Fachartikel; Print-Werbung:
Anzeigen, Advertorials; Case-Studies, Broschü­
ren, Flyer, Preislisten; Werbeartikel: Streuarti­
kel, Werbegeschenke für besondere Anlässe;
Onlinemarketing: Webseite (Erneuerung,
Pflege, Erweiterung), Webcontent, SEO, Social
Media, AdWord-Kampagnen, Online-Banner,
Newsletter, Mailsignaturen; Messen & Events:
Hausmessen, Messeteilnahmen, Messestand;
Sonstiges: Präsentationen.
Und denken Sie immer daran: Planung alleine
garantiert noch keinen Erfolg, aber Planlosigkeit
einen Misserfolg!

Claudia Mattheis
Geschäftsführerin
mattheis.
Werbeagentur GmbH
www.mattheis-berlin.de
60
UNTERNEHMERSERVICE
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Working Capital Management
Wie sich wertvolle Ressourcen im Unternehmen freisetzen lassen
Kaum ein Unternehmen, das sich nicht Wachstum auf die Agenda geschrieben hätte. Doch
ohne ausreichend liquide Mittel ist dies nicht realisierbar. Auf der Suche nach Potenzialen wird
hierbei in der Regel nur die Erfolgsrechnung
geprüft. Dabei lohnt sich ein Blick auf einzelne
Bilanzpositionen. Durch eine Verbesserung der
Kapitalstrukturen können wertvolle Ressourcen freigesetzt werden. Beschrieben wird dieser
Prozess als Working Capital Management.
Rudolf Gellrich
Geschäftsführer
BFS finance GmbH,
ein Unternehmen von
arvato Financial Solu­
tions, dem mittelstands­
orientierten und banken­unabhängigen Finanz­
dienstleister aus dem
Hause Bertelsmann
Working Capital wird häufig als „brachliegendes“
Kapital bezeichnet. Es umfasst das gebundene
Umlaufvermögen aus der operativen Geschäfts­
tätigkeit eines Unternehmens. Es setzt sich aus
Forderungen und Vorräten auf der Aktivseite und
Lieferantenverbindlichkeiten auf der Passivseite
zusammen. Eine ineffiziente Bindung potenzieller
Liquidität führt zu schlechteren Ratings, ungünsti­
geren Zinskonditionen bei externen Kapitalgebern
und unnötigen Kreditaufnahmen.
www.finance.arvato.com
Ein Ansatzpunkt, das Working Capital so nied­
rig wie möglich zu halten, ist die Optimierung des
Cash-to-Cash Conversion Cycles. Dieser Zyklus
beschreibt den Zeitraum vom Zahlungsausgang
an Zulieferer bis zum Zahlungseingang durch den
Kunden. Hierzu sollten folgende Punkte berück­
sichtigt werden:
1. Vorratsmanagement
Für ein optimales Lagermanagement sind eine
möglichst produktionssynchrone Anlieferung der
Beschaffungsobjekte (Just-In-Time), die Reduktion
interner Durchlaufzeiten (z. B. durch Parallelbear­
Vorproduktlieferung /
Vorleistung
beitung) sowie das Einführen von Konsignationsla­
gern (Lager des Zulieferers in unmittelbarer Nähe,
Ware geht erst zum Zeitpunkt der Entnahme in
den Besitz der Firma über) ratsam.
2. Forderungsmanagement
Der Forderungsbestand und die hiermit verbunde­
nen Risiken sollten minimiert werden. Besonders
geeignete Maßnahmen hierzu sind ein adäquates
Debitorenmanagement sowie ein konsequentes
Mahnwesen mit verkürzten Mahnintervallen. Als
weitere Möglichkeiten sind der Forderungsverkauf
(Factoring) oder bei größeren Volumina die Ver­
briefung von Forderungsbeständen mittels einer
ABS-Struktur (Asset Backed Securities) zu nennen.
3. Management
von Verbindlichkeiten
Mit Blick auf die Verpflichtungen des Unterneh­
mens ist zu klären, ob der Umfang der Außenstände
in entsprechender Höhe notwendig ist, oder einzel­
ne Verbindlichkeiten ganz vermeidbar sind. Zudem
sollten Beschaffungsprozesse, Preise und Zahlungs­
konditionen optimiert werden. Im Vergleich zu den
Maßnahmen im Forderungsbestand entfalten diese
jedoch eher mittel- bis langfristig ihre Wirkung.
Durch die Verbesserung der Bilanzrelationen und
damit des Ratings können geringere Kosten für die
Fremdkapitalisierung erzielt werden. Aktives Wor­
king Capital Management setzt wichtige Liquidität
frei, das Unternehmen nutzt die eigene Finanzie­
rungskraft, und dies führt folglich zu einer verbes­
serten Kapitalrendite und zu mehr unternehmeri­
schem Handlungsspielraum.

Leistung- oder
Waren-Lieferung
Lagerung
Kundenzahlung
(Lagerdauer in Tagen)
(Zahlungsziel der Debitoren)
Zahlungseingang
Zeitverlauf
Lieferantenzahlung
(Zahlungsziel der Kreditoren)
Cash-to-Cash Conversion Cycle
Zahlungsausgang
Rohmaterial
UNTERNEHMERSERVICE
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Compliance erreicht
den Mittelstand
Strafvorschriften werden verschärft
„„
Voraussichtlich noch in diesem Herbst wird
von den SPD-geführten Ländern ein Entwurf
eines Verbandsstrafgesetzbuches in den Bundestag eingebracht, wonach Unternehmen im
Falle von mangelnden Compliance-Strukturen
strafrechtlich belangt werden könnten.
Schon heute kennt das deutsche
Recht durchaus die Möglichkeit,
Unternehmen zu bestrafen.
Compliance, also das Einhalten von Gesetzen,
Regeln und unternehmensinternen Standards,
sollte eigentlich selbstverständlich sein, zumal
die Pflicht zur Schaffung und Überwachung
eines wirksamen Compliance-Systems bereits
jetzt gesetzlich vorgeschrieben ist. Die Realität
sieht indes anders aus. Während Großkonzerne
inzwischen mit großem Aufwand ComplianceSysteme eingerichtet haben, trifft es jetzt auch
verschärft den Mittelstand. Wird dieses Ge­
setz eingeführt, werden künftig in Deutschland
nicht nur Personen, sondern auch Unternehmen
strafrechtlich belangt werden können, wenn
Mitarbeiter durch Tun oder Unterlassen Straf­
gesetzen mit unternehmerischem Bezug zu­
widerhandeln und die Geschäftsführung nicht
nachweisen kann, dass ein ausreichendes
Compliance-System zur Verhinderung existiert.
Compliance-relevant sind nicht nur Schwarze
Kassen, Bestechung, Kartellverstöße oder
Steuervergehen, sondern auch Verstöße gegen
das Exportkontrollrecht, Datenschutzrecht,
Produktsicherheit, Arbeitsrechts- und Arbeits­
schutzvorschriften.
Dr. Benjamin Weiler
Rechtsanwalt
Mitglied im IBWF
Das Gesetz soll für zahlreiche Verbandsformen
gelten, namentlich AG, GmbH, GmbH & Co. KG,
KG und oHG, nicht aber für Einzelkaufleute.
Der Katalog der geplanten Sanktionen reicht
von einer Verwarnung über die öffentliche
Bekanntmachung und den Ausschluss von öf­
fentlichen Aufträgen und Subventionen bis hin
zu zehn Prozent des (Konzern-)Umsatzes als
Geldbuße und sogar – bei wiederholt illegaler
Geschäftstätigkeit – zur Auflösung des Unter­
nehmens. In Bagatellfällen oder wenn eingetre­
tene Schäden wiedergutgemacht sind, kann aus­
nahmsweise von Sanktionen abgesehen werden,
wenn das Unternehmen die Etablierung eines
Compliance-Systems nachweislich nachholt.
Schon die Diskussion über den Gesetzentwurf wird
zu einer verschärften Beobachtung der Unterneh­
men und zu einer konsequenteren Anwendung der
bereits bestehenden Sanktions­möglichkeiten füh­
ren. Denn schon heute kennt das deutsche Recht
durchaus die Möglichkeit, Unternehmen zu be­
strafen. Nach § 130 des Ordnungswidrigkeitenge­
setzes (OWiG) handelt etwa ordnungswidrig, „wer
als Inhaber eines Betriebes oder Unternehmens
vorsätzlich oder fahrlässig die Aufsichtsmaßnah­
men unterlässt, die erforderlich sind, um in dem
Betrieb oder Unternehmen Zuwiderhandlungen
gegen Pflichten zu verhindern, deren Verlet­
zung mit Strafe oder Geldbuße bedroht ist.“
Obwohl danach schon heute Geldbußen bis
zehn Millionen Euro drohen, ist diese Vor­
schrift im Mittelstand weitgehend unbekannt,
was wohl auch daran liegt, dass dieser Paragraph
bisher nur in weniger als zehn Prozent aller Fälle
angewandt wird, die geahndet werden könn­
ten. Es steht zu erwarten, dass allein die Diskus­
sion über das Gesetzesvorhaben diesen Anteil
merklich ansteigen läßt. 
Die BVMW-IBWFRechtshotline erreichen Sie:
Mo bis Fr 10.00 – 17.00 Uhr
Tel.: 030. 533206-963
(bitte beachten Sie die neue Telefonnummer)
Fax: 030. 533206-50
rechtshotline@bvmw.de
Foto: © AllebaziB - Fotolia.com
62
Der Mittelstand. | 5 | 2014
UNTERNEHMERSERVICE
Finanzkolumne
„Über Ihr Geld“
Foto: © photocrew - Fotolia.com
8.2 Billionen Euro liegen laut EZB auf
Bankkonten. Damit könnten die aktuellen
Staatsschulden zurückbezahlt werden. Doch
keine Angst – die Enteignung unserer Ver­
mögen findet viel subtiler statt, langsam und
oft unbemerkt. Richtig, Zypern mit einer
direkten Enteignung der Geldbesitzer war
ein Testfall. Wann müssen wir mit der Fortsetzung rechnen? An einem Wochenende,
aber ich weiß noch nicht, wann. Wer vorsichtig ist, vertraut nicht dem 100.000-EuroGarantie-­
Versprechen, sondern errichtet sich,
wenn Bargeld gehalten werden muss, bei mehreren Banken im In- und Ausland Konten mit
Guthaben bis zu 30‘000 Euro. Es ist zu erwarten,
dass sämtliche „Kleinkonten“ vor dem staatlichen Barbier ungeschoren davonkommen.
Noch weniger Angst muss man aktuell wegen
eines Staatsbankrotts haben. Schon der Name
ist falsch: Staaten gehen nicht bankrott, sondern
nur die Bürger, die sich nicht haben schützen
können. Staaten erklären sich zwar gelegent­
lich für zahlungsunfähig, aber haben zuvor noch
viele Möglichkeiten, zum Beispiel erzwungener
Teilverzicht auf Rückzahlung der Staatsanleihen,
Senkung der Zinssätze für alte hochverzinsliche
Anleihen, Verlängerung der Laufzeit bestehen­
der Anleihen bis zu unendlich. Das alles hat vor
allem negative Auswirkungen auf die Kurse der
staatlichen Zinspapiere. Und folglich auf Ihre
Guthaben bei Versicherungen, Banken, Sozial­
werken und der betrieblichen Altersversorgung.
Man sollte damit rechnen, dass Staatsanleihen
auch weit unter Pari fallen können. Was ist das
alles, wenn nicht eine geplante „Entreicherung“
zu Ihren Lasten?
Immer wieder amüsiert mich, wenn sich
Experten zu den deutschen Goldbeständen
in den Tresoren des Fed in den USA äußern.
Wenn Sie auf Ihr Bankkonto 1.000 Euro ein­
zahlen, wird dieses Geld Eigentum der Bank.
Bei einer späteren Auszahlung werden Sie nicht
dieselben zwei 500-Euro-Scheine zurücker­
halten. Auch mit dem Bundesbank-Gold in
den USA ist es nicht anders. Wir haben keinen
Schlüssel zu einem eigenen Safe, nur einen
Anspruch auf Auszahlung. Nicht mehr und
nicht weniger. Was lernen wir für uns daraus?
Das meiste Gold, das Sie bei Ihrer Bank halten,
ist nur ein Anspruch auf Lieferung. Ergo: Effek­
tives Gold gehört nicht in ein Bankdepot, sondern
in eigene Schließfächer, am besten bei mehre­
ren Banken in mehreren Ländern. Nur dann sind
Sie wirklich Eigentümer Ihres Goldes. 
Hans-Peter Holbach
ist Herausgeber des
im 42. Jahrgang
erscheinenden
Informationsdienstes
Geldbrief
www.geldbrief.com
und Chefredakteur
beim Vertraulichen
Schweizer Brief
www.vertraulicher.li
63
UNTERNEHMERSERVICE
Der Mittelstand. | 5 | 2014
BVMW-Veranstaltungskalender
Der BVMW veranstaltet eine Vielzahl erstklassiger Veranstaltungen in den kommenden Monaten auf Bundes­ebene und in
den Regionen vor Ort. Unternehmer und Unternehmerinnen
sind herzlich eingeladen, sich zu informieren, Netzwerke zu
spannen, sich einzubringen und sich unterhalten zu lassen.
Eine Auswahl finden Sie hier.
BVMW Golf-CUP 2014
Sonntag, 19. Oktober 2014, 10.00 Uhr
Golf Club Paderborner Land e. V.
Im Nordfeld 25, 33154 Salzkotten-Thüle
Fokus.Vertrieb. Anruf=Termin
Donnerstag, 13. November 2014, 18.30 Uhr
Klostercafé Haus Hohenbusch (Priorensaal)
41812 Erkelenz
STEPS mit René Borbonus
Montag, 17. November 2014,
18.00 Uhr
Speicher No. 10
An den Speichern 10 , 48157 Münster
Unternehmer-Frühstück
Dienstag, 11. November 2014,
07.45 Uhr
Löhr-Audi-Zentrum Mainz
Hechtsheimer Str. 23, 55131 Mainz
Die Kunst des Destillierens –
Wie sieht Marketing der
Spitzenklasse aus?
Donnerstag, 13. November 2014,
18.00 Uhr
Brennerei Hubertus Vallendar
Hauptstraße 11, 56829 Kail
Umsatzsteigerung durch
erfolgreiche Kampagnen!
Freitag, 31. Oktober 2014, 18.00 Uhr
Enzianhütte / Hessische Rhön
Bornbergstraße, 36115 Hilders
Energiewende. Konsequenzen
für den Mittelstand
Freitag, 17. Oktober 2014, 12.30 Uhr
Rathaus Osterholz-Scharmbeck
Rathausstraße 1
27711 Osterholz-Scharmbeck
Norddeutscher Kongress für
Mitarbeiterbegeisterung
Dienstag, 11. November 2014, 07.30
Osnabrückhalle
Schlosswall 7-9, 49074 Osnabrück
Unternehmer treffen Unternehmer
(Pecha Kucha)
Mittwoch, 12. November 2014, 17.00 Uhr
TGO (Technologie- und
Gründerzentrum Oldenburg)
Marie-Curie-Str. 1, 26129 Oldenburg
Achtsames Wirtschaften – Wie geht das?
Donnerstag, 06. November 2014, 18.00 Uhr
Altes Dampfbad
Marktplatz 13, 76530 Baden-Baden
1. Mittelstands-Führungssymposium
Donnerstag, 20. November 2014, 10.00 Uhr
Römerkastell
Naststraße 3, 70376 Stuttgart
Mittelstandstag 2014 + Mittelstandspreis 2014
Dienstag, 14. Oktober 2014, 14.00 Uhr
Rathaus Gründau-Lieblos
Am Bürgerzentrum 1, 63584 Gründau-Lieblos
Klare Stärken-Positionierung –
unser Wettbewerbsvorteil
Mittwoch, 22. Oktober 2014, 14.00 Uhr
SAM Xlation, Darmstadt
Hilpertstraße 3, 64295 Darmstadt
Mittelstand trifft Politik
Polit-Talk mit Dr. Gregor Gysi
Mittwoch, 22. Oktober 2014, 18.00 Uhr
Frankfurt School of Finance & Management
Ericusspitze 2-4, 20457 Hamburg
Forum „Mittelstand & Außenwirtschaft“ –
mit Werksbesichtigung
Dienstag, 21. Oktober 2014, 16.30 Uhr
EMUGE GmbH & Co. KG
Nürnberger Str. 96-100, 91207 Lauf
Joey Kelly. NO LIMITS!
Donnerstag, 30. Oktober 2014, 18.00 Uhr
Hotel-Pyramide
Europa-Allee 1, 90763 Fürth
Mittelstandsempfang im Rathaus München
Montag, 3. November 2014, 19.00 Uhr
Rathaus München
Marienplatz 15, 80331 München
Illustration:
Stefan-Xp - wikipedia.org
64
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Abschlusskonferenz „CoRiSA“
Dienstag, 21. Oktober 2014,
10.30 bis Uhr
Hotel Jägerhof
Nikolaistraße 51, 06667 Weißenfels
Veränderungen im EEG –
Auswirkungen im Unternehmen
Dienstag, 21. Oktober 2014, 09.00 Uhr
Fliesen Ernst & Stieger
Silberbergweg 1a, 39128 Magdeburg
Unternehmerinnentag
Freitag, 24. Oktober 2014, 09.00 Uhr
IHK
Alter Markt, 39104 Magdeburg
UNTERNEHMERSERVICE
Kamingespräche Politik trifft Wirtschaft
mit MdB Sonja Steffen (SPD)
Mittwoch, 29. Oktober, 18.00 Uhr
Landhaus Schloss Kölzow
Am Park 5
18334 Dettmannsdorf-Kölzow
Unternehmerabend
Donnerstag, 20. November 2014,
18.00 Uhr
WISTRA GmbH
An der Trave 11, 23923 Selmsdorf
Life Science Day 2014
Donnerstag, 16. Oktober 2014, 10.00 Uhr
Henry-Ford-Bau der Freien Universität
Berlin
Garystraße 35, 14195 Berlin-Dahlem
Wirtschaft trifft Wissenschaft - Innovationstag an der HNE Eberswalde
Donnerstag, 16. Oktober 2014, 15.00 Uhr
Hochschule für nachhaltige Entwicklung
Waldcampus, Alfred-Möller-Straße 1
16225 Eberswalde
Der Notfallkoffer für den Ausfall
von Boss oder Chefin
Mittwoch, 22. Oktober 2014, 17.00 Uhr
TKWE GmbH
Türrschmidtstr. 7/8
10317 Berlin-Lichtenberg
Investieren, Planen, Finanzieren
Dienstag, 4. November 2014,
18.00 Uhr
Unternehmer- und
Technologiezentrum St. Wendel
Werschweilerstr. 40
66606 St. Wendel
Themenreihe Gesunde Arbeit „Gesunder Schlaf“
Donnerstag, 13. November 2014, 18.00 Uhr
Saegeling Medizintechnik
Ernst-Thälmann-Straße 30, 01809 Heidenau
10. MUT - Mittelständischer Unternehmer Tag
Mutiger Jubiläumskongress für Mittelständler
Dienstag, 18. November 2014, 08.00 Uhr
Congress Center Leipzig
Messe-Allee 1, 04356 Leipzig
BVMW-Fachgruppe
beim Fraunhofer-Institut
Donnerstag, 23. Oktober
2014, 14.00 Uhr
Fraunhofer-Institut für
Keramische Technologien
und Systeme (IKTS)
Michael-Faraday-Straße 1
07629 Hermsdorf
9. Jenaer Lasertagung
Donnerstag, 20. bis
Freitag, 21. November 2014,
Günter-Köhler-Institut und
Ernst-Abbe-Fachhoch­schule
Jena Campus Haus 4
Carl-Zeiss-Promenade 2
07745 Jena
21. Thüringer Wirtschaftsball
Freitag, 21. November 2014,
19.00 Uhr
Congresscentrum
Neue Weimarhalle
Unesco-Platz 1, 99423 Weimar
Der BVMW.
Die Stimme des Mittelstands.
Erfolgreich vernetzen
für den Mittelstand.
Der BVMW bündelt die
Kräfte des unternehmeri­
schen Mittelstands. National
und international vertritt er
erfolgreich die Interessen der
kleinen und mittleren Unter­
nehmen gegenüber der Politik
– branchenübergreifend und
parteipolitisch unabhängig.
Der BVMW
• repräsentiert mit seiner
Verbändeallianz rund
270.000 Unternehmen
aller Branchen, die über
neun Millionen Mitarbeiter
beschäftigen
• ist mit rund 300 Geschäfts­
stellen bundesweit vertreten
• hat mit den Repräsentanten
vor Ort mehr als 600.000
Unternehmerkontakte
jährlich
• bietet über 2.000
Veranstaltungen im Jahr
• ist führendes Mitglied in
der europäischen Dach­
vereinigung nationaler
Mittelstands­verbände.
Weitere zahlreiche Veranstal­
tungen werden unter
www.bvmw.de angekündigt.
In der Rubrik „Standorte“
können die Veranstaltungskalender
der jeweiligen Regionen abgerufen
werden.
Termine für die Veranstaltungs­
reihe Forum Führung finden Sie
auf Seite 45.
65
KULTUR
66
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Filmtipps
A Most Wanted Man
A Most Wanted Man
Regie:
Anton Corbijn
Drehbuch:
Andrew Bovel
Mit Philip Seymour Hoff­
man, Rachel McAdams,
Robin Wright, Grigori
Dobrygin, Nina Hoss, Da­
niel Brühl, Willem Dafoe,
Herbert Grönemeyer.
Diplomatie
Unter dem Titel „Marionetten“ erschien
2008 in Deutschland der Roman von John le
Carré, dem britischen Altmeister des intelligenten
Polit-Thrillers, der nun unter dem Originaltitel
A MOST WANTED MAN verfilmt wurde.

Auf dem Weg ins Ministerium: Michael Axelrod
(Herbert Grönemeyer), Erna Frey (Nina Hoss) und
Günther Bachmann (Philip Seymour Hoffman).
Fotos: © Senator Filmproduktion
Deutschland/
Großbritannien 2012
Agententhriller,
123 Minuten, FSK ab 6
Der rätselhafte Flüchtling Issa Karpov (Grigori
Dobrygin), halb Russe, halb Tschetschene, taucht
in Hamburg auf. Er ist auf der Suche nach dem
illegal erworbenen Vermögen seines verstorbenen
russischen Vaters. Als er Kontakt zur islamis­
chen Gemeinde aufnimmt, läuten sowohl beim
deutschen als auch beim US-Geheimdienst die
Alarmglocken. Nichts an diesem jungen Mann
passt zusammen: Ist er Opfer, Täter, Betrüger
oder ein extremis­
tischer Fanatiker? Verwickelt
in seine Geschichte werden die idealistische An­
wältin Annabel Richter (Rachel McAdams), der
undurchsichtige Banker Thomas Brue (Willem
Dafoe) und der geniale Strippenzieher Günther
Bachmann (Philip Seymour Hoffman), Leiter ein­
er halboffiziellen Spionageeinheit, der innerhalb
der deutschen Nachrichtendienste seine eigenen
Kämpfe führt. Außerdem behält die CIA-Agentin
vor Ort Martha Sullivan (Robin Wright) die
Entwicklungen im Auge. Während die Uhr tickt, und
der explosive Höhepunkt immer näher rückt, wird
Issa Karpov zum meistgesuchten Mann der Welt.
Diplomatie
GAUMONT PRÄSENTIERT
E I N E
N AC H T ,
U M
„Eine großar tige Lektion
über die Kraft und Macht
der Diplomatie“
F BW
PA R I S
VO R
D E M
U N T E R GA N G
Z U
R E T T E N
„Fabelhaft!
Ein wunderschöner Film!“
LE PARI SI EN
Deutschland/Frankreich
2013, Polit-Drama,
84 Minuten, FSK ab 12
Regie:
Volker Schlöndorff
Drehbuch:
Cyril Gély,
Volker Schlöndorff,
nach dem gleichnamigen
Theaterstück von Cyril Gély.
Mit Niels Arestrup,
André Dussollier, Burkhart
Klaußner, Robert Stadlhober.
Paris – die Stadt der Träume und der Liebe.
Eine pulsierende Metropole, die mit ihren Mu­
seen, Brücken und Gärten jeden verzaubert.
Das historische Drama des Oscar®-Preisträgers
Volker Schlöndorff zeigt die letzte Nacht der
deutschen Besetzung von Paris im August 1944.
Die Alliierten stehen vor den Toren der Stadt.
Adolf Hitler hat den Befehl erteilt, die franzö­sische
Hauptstadt dürfe „nicht oder nur als Trümmerfeld
in die Hand des Feindes fallen.“ Kurz vor Tagesan­
bruch bereitet sich Dietrich von Choltitz (Niels Are­
strup), Kommandierender General von Groß-Paris,
in seinem Hauptquartier im Hotel Meurice darauf
vor, Hitlers Befehl auszuführen und die Stadt dem
Erdboden gleichzumachen. Alles ist vorbereitet: Die
Brücken über die Seine, die Kathedrale Notre-Dame,
der Louvre, Sacré-Coeur, die Place de la Concorde
und der Eiffelturm sind bereits vermint. In letzter
Minute versucht der schwedische Konsul Raoul
Nordling (André Dussollier), dieses Vorhaben zu ver­
hindern. Was könnte den als gnadenlos befehlstreu
geltenden General dazu bewegen, die Anordnung
des „Führers“ nicht auszuführen? Sind es mora­lische
Bedenken oder der Druck der Alliierten?
Wie wird es dem klugen Diplomaten Nordling
gelingen, den deutschen Stadtkommandanten von
seinem zerstörerischen Vorhaben abzubringen?
In einer Nacht von historischer Tragweite kommt
es zu einem verbalen Kräftemessen zweier unter­
schiedlicher Männer. 
Die Kraft der Diplomatie: Der schwedische
Konsul Raoul Nordling (André Dussollier, rechts),
kämpft mit verbaler Taktik, um General Dietrich
von Choltitz (Niels Arestrup) von seinem
Vorhaben abbringen, Paris zu zerstören.
Fotos: © Jérôme Prebois / film oblige
N U R
Aktuelles vom
UnternehmerService
Die Vorteile für BVMW-Mitglieder im Detail
Sie erhalten bei jeder Bestellung einen dauerhaften Sofortrabatt in Höhe von 10% des Nettowarenwertes
auf alle angebotenen Büroartikel. Innerhalb von 5 Tagen bekommen Sie Ihre spezielle Berechtigungsnummer,
mit der Sie sofort den BVMW Nachlass nutzen können.
Strom
Gas
Rund 95% aller mittelständischen Unternehmen zahlen deutlich zu viel Geld für Ihre Strom- und Gasrechnung.
Besonders Unternehmen über 10.000 Kilowattstunden Verbrauch sparen durch BVMW-Rahmenverträge mit
Energieversorgern erhebliche Beträge. Der BVMW UnternehmerService nennt Ihnen Ihre Ersparnis – natürlich
kostenlos. Schicken Sie uns einfach vertraulich eine Kopie Ihrer Strom- und Gasrechnung.
ESSO
Sie erhalten über die ESSO Tankkarte 3,5 Cent Nachlass brutto/Liter Diesel sowie 30% Nachlass brutto
auf ESSO Motorenöl. Deutschlandweit können Sie an über 1.100 ESSO Tankstellen bargeldlos bezahlen.
Rechnungslegung ist halbmonatlich. Es entstehen keine Karten-Festkosten, nur 0,5% Servicebeitrag
auf den Nettowarenwert.
TOTAL
DKV Tanken
Sie erhalten über die BVMW TOTAL Tankkarte 3,0 Cent Nachlass brutto/Liter Diesel, 1,5 Cent Nachlass
brutto/Liter Super sowie 25% Rabatt auf Autowäschen. Deutschlandweit können Sie an über 1.000 TOTAL
Tankstellen bargeldlos bezahlen. Rechnungslegung ist halbmonatlich. Die Servicepauschale für die
Kartennutzung und Abrechnung beträgt nur 0,50 Euro netto Monat/pro Karte.
Wenn Sie mehrere Fahrzeuge im Einsatz haben, ist die DKV-Karte die richtige Tankkarte für Sie.
Achten Sie auf das orangene DKV-Zeichen an (fast) jeder Tankstelle. DKV Euroservice ist einer der
europäischen Marktführer für Tankkartensysteme. Sie erhalten mit der BVMW DKV Card bargeldlos an
über 10.300 Tankstellen in Deutschland mit dem orangenen DKV-Zeichen folgende Nachlässe auf Diesel.
SHELL, TOTAL, ESSO
2,1 Cent/Liter brutto
STAR, ORLEN, OMV
1,7 Cent/Liter brutto
Weitere (BFT, Avia, ENI, etc.)
1,0 Cent/Liter brutto
Rechnungslegung ist halbmonatlich. Servicepauschale für Kartennutzung und Abrechnung: Sie können wählen
zwischen einer nutzungsabhängigen ServiceFee in Höhe von 0,7% netto des Bruttowarenwertes bei Diesel oder
einem Festbetrag in Höhe von 2,00 Euro netto Monat/Karte.
GEMA
Autokauf
Sparen Sie 20% Ihrer GEMA-Gebühren. Teilen Sie einfach Ihrer GEMA-Stelle mit, dass Sie Eigentümer der
BVMW UnternehmerCard sind. Der BVMW-Nachlass wird Ihnen dann einfach von der Rechnung abgezogen.
Nutzen Sie die BVMW Großabnehmerrabatte:
Senden Sie uns einfach ein Rückfax mit der von Ihnen gewünschten Automarke/Typ oder (wenn vorhanden)
direkt der Konfiguration Ihres Wunschfahrzeuges.
Bestellen Sie Ihre BVMW UnternehmerCard!
Die Jahresgebühr für die BVMW UnternehmerCard beträgt 22,- Euro/Jahr zzgl. gesetzl. MwSt. Wenn Sie nur eine Leistung
dieses Paketes nutzen, erzielen Sie im Regelfall bereits eine Einsparung, die höher ist als die Jahresgebühr.
Haben Sie noch Fragen? Dann rufen Sie unser UnternehmerCard Serviceteam unter der Rufnummer 0228 / 684 77 0 an oder
senden Sie den Antrag gleich an
BVMW UnternehmerCard, Heussallee 40, 53113 Bonn – Fax 0228 / 684 77 50
Firma
BVMW-Mitgliedsnummer (falls zur Hand)
Ansprechpartner
Straße, PLZ Ort
Telefon
Telefax
IBAN
BIC
Ja, ich möchte das Servicepaket
BVMW UnternehmerCard nutzen. Ich
ermächtige die SelectPartner GmbH
als Dienstleister des BVMW, widerrufl ich die Schutzgebühr für die
BVMW UnternehmerCard in Höhe
von 22,– Euro/Jahr zzgl. 19 % MwSt.
(4,18 Euro) von dem untenstehenden
Konto abzubuchen. Um die Kosten für
Sie möglichst gering zu halten, ist die
Teilnahme nur per Lastschrift möglich.
Datum, Unterschrift
Alle Angaben ohne Gewähr.
OTTO Office
Viking
68
KULTUR
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Buchtipps
Persönliche Empfehlung
von Mario Ohoven!
Nicht mit unserem Geld!
Die Krise unseres Geldsystems und die Folgen für uns alle
Wir befinden uns inmitten eines welt­
weiten Experiments, das es in dieser Di­
mension in der Wirtschaftsgeschichte
noch nie gegeben hat. Eine gut 40 Jahre
andauernde aggressive Geldpolitik fak­
tisch aller großen Notenbanken stößt an
ihre Grenzen. Wahrscheinlich erleben
nicht erst unsere Kinder die einschnei­
denden Folgen, sondern wir selbst.
Der ehemalige FDP-Abgeordnete Frank
Schäffler war einer der ersten, die sich im
Bundestag konsequent gegen diese als
»alternativlos« geadelten Experimente,
die angeblichen Rettungs­
maßnahmen
und die milliardenschweren Rettungs­
schirme gestellt hat. In diesem Buch
zeigt er, dass uns die falsche Politik des
beständig billigen Geldes nur wieder
in eine neue, noch schlimmere Krise
führen wird.
Dieses Buch will aufrütteln. Es ist nicht
zu spät für eine Umkehr. Es gibt immer
einen Weg zurück zu solidem Wirtschaf­
ten und zu gutem Geld. Es geht nicht
nur um unser Geld, es geht um viel, viel
mehr. Es geht um unsere Freiheit und die
unserer Kinder.
Frank Schäffler
Nicht mit unserem Geld!
Edition Debatte
Finanz Buch Verlag
272 Seiten
19,99 €
Bitte richten Sie Ihre Bestellungen an: BVMW-Servicegesellschaft mbH, Berlin
theresa.collberg@bvmw.de • Tel. 030-533206-26
Das Kapital im 21. Jahrhundert
Wie funktioniert die Akkumulation
und Distribution von Kapital, und
welche dynamischen Faktoren sind
dafür entscheidend?
Alle Bücher erhalten Sie versandkostenfrei!
Glück schlägt Geld
Generation Y:
Was wir wirklich wollen
Das Kapital des Staates
Eine andere Geschichte von
Innovation und Wachstum
Kerstin Bund
Mariana Mazzucato
Murmann
200 Seiten
Kunstmann
304 Seiten
Thomas Piketty
C.H. Beck (erscheint
am 17. Oktober)
912 Seiten
29,95 €
15,99 €
22,95 €
Der Mittelstand. | 5 | 2014
KULTUR
Wie Sie Produkte erschaffen,
die süchtig machen
Facebook, Twitter, Instagram, Pinterest, Amazon … zahlreiche
digitale Produkte haben Einzug in das tägliche Leben von Men­
schen gehalten. Wie kann das sein? Autor Nir Eyal weiß: Wir
entwickeln im Netz sehr schnell Gewohnheiten. Der Zugang ist
einfach, die Flut der Daten riesig und die Geschwindigkeit un­
schlagbar. Unternehmer haben damit heute schier unendliche
Möglichkeiten, ihren Kunden aufregende Produkte zu bieten
und das Leben von Millionen von Menschen zu beeinflussen.
Doch wie kommt es, dass manche Produkte sofort ein Erfolg wer­
den und andere völlig floppen? Dieser Frage geht der Ratgeber
auf den Grund. Anschaulich erklärt der Autor, worauf es bei der
Produktentwicklung ankommt, ergänzt durch viele Praxisbei­
spiele. Eine perfekte Lektüre also für Produktmanager, Designer
und Unternehmer, aber auch für
alle, die dem modernen Phäno­
men, dass Kunden zu abhängigen
Usern und Fans mutieren, auf die
Spur kommen wollen.
Nir Eyal
Hooked
Redline Verlag
208 Seiten
19,99 €
Foto: donatas1205 - Fotolia.com
Du bist, wen du kennst
Networking ist weit mehr als eine bloße Zeiterscheinung.
Gute Beziehungen zu den richtigen Kontakten verhelfen zum
begehrten Auftrag oder zur neuen Wohnung. Die MarketingExpertin Porter Gale macht in ihrem Buch deutlich, dass Kapi­
tal und Know-how längst nicht mehr ausreichen, um Erfolg zu
haben. Eine ordentliche Portion Vitamin B kann Wunder be­
wirken. Dabei geht es nicht um Opportunismus, sondern um
dauerhafte Beziehungen, die auf gemeinsamen Interessen und
oft auch ähnlichen Zielen basieren. Networking ist dabei viel
mehr als eine Ansammlung von Visitenkarten und Tausenden
Kontakten in sozialen Netzwerken. Anhand von witzigen Anek­
doten und anschaulichen Grafiken erklärt Porter Gale, wie man
ein Netzwerk sinnvoll aufbaut, es pflegt und davon profitiert.
In Führung gehen
Der erfolgreiche Wechsel vom
Kollegen zum Vorgesetzten
Das Buch bietet zudem Tipps zur
Verbesserung der Kommunika­
tion, für sicheres Auftreten und
den Umgang mit den sozialen
Medien.
Porter Gale
Du bist, wen du kennst
books4success
352 Seiten
19,99 €
Werde was du kannst!
Wie man ein ungewöhnlicher
Unternehmer wird
Hans-Jürgen Resetka
& Jörg Felfe
Kerstin Gernig
Haufe
216 Seiten
Murmann
286 Seiten
39,95 €
Preisheiten
Alles, was Sie über Preise
wissen müssen
Hermann Simon
24,99 €
Campus Verlag
287 Seiten
29,99 €
69
70
KULTUR
Der Mittelstand. | 5 | 2014
„Faites vôtre jeu!“, heißt es im ältesten
Spielcasino der Welt (seit 1763).
Stolz zeigt Gästeführer Gaetan Plein die restaurierte Trinkhalle „Pouhon Pierre le Grand“.
Tagen in privater Atmosphäre:
Business-Villen verbinden Arbeit
und Freizeit auf individuelle Weise.
Heilquellen und Rennautos
Spa: die Mutter aller Wellness-Oasen
„„
Der englische Ausdruck für Heilbad ist „Spa“. In
fast allen guten Hotels findet man die behaglichen Relax-Zonen. Drei Buchstaben, die für Heilung, Wellness und Gesundheit stehen. Tatsächlich kommt der Name aus Belgien, denn dort
liegt das 10.000 Einwohner zählende Städtchen
Spa im grünen Dreieck zwischen Aachen, Lüttich
und Malmedy. Auch das bekannte Mineralwasser verdankt der Stadt seinen Produktnamen.
dustrielle und Geldadel feierten rauschende Bälle,
wetteten beim Pferderennen oder amüsierten sich
im Casino. Während der letzten Schreckensmona­
te im Ersten Weltkrieg residierte hier der deutsche
Kaiser, bevor er ins niederländische Exil emigrierte.
Für Freunde schneller Autos
Nach Weltkriegen und Wirtschaftskrisen ge­
riet Spa bei den Reichen und Schönen allmählich
in Vergessenheit. Zum Glück
gab es im benachbarten Fran­
corchamps eine Rennstrecke,
auf der nach einigen Umbauten
seit 1983 wieder regelmäßig
Formel-1-Rennen gefahren wer­
den. Spa konnte vom großen
Rennzirkus immer mehr profi­
tieren. Highlight ist „Der Große Preis von Belgi­
en“, der meist im August stattfindet. Individuelle
Besichtigungen sind während der Saison möglich.
Auch die Mitfahrt als Kopilot in einem 450 PS star­
ken Rennwagen wird gegen Gebühr angeboten.
Nach Weltkriegen und Wirtschaftskrisen
geriet Spa bei den Reichen und Schönen
allmählich in Vergessenheit.
Dass Spa eine ganze Menge Geschichte auf dem
Buckel hat, merken Besucher auf Schritt und Tritt.
Schon zu römischen Zeiten soll es hier eine heilende
Quelle gegeben haben. Im 18. und 19. Jahrhundert
kamen Könige, Kaiser und Zaren zum Kuren, In­
KULTUR
Der Mittelstand. | 5 | 2014
71
Gut für die Fitness: Radtouren durch die
ausgedehnten Wälder im Naturpark Hohes Venn.
Infos über Spa und Ardennen-Region:
www.spa-info.be
www.villadesfleurs.be
www.radissonblu.com/palacehotel-spa
www.val-arimont.be
www.abbayedestavelot.be
Großer Rennzirkus auf der
Formel-1-Strecke Spa-Francorchamps
von April bis November.
Foto Gästeführer vor dem Casino: Office du tourisme Spa, Foto Casino: Marc Ryckaert,
Foto Koferezraum: R. Kindermann, Foto Formel Fahrraffahrer: Office du tourisme Spa
Alter Glanz kehrt zurück
Jahrzehntelang zerbröselte Spas Bekanntheit
als exklusiver Badeort wie der Putz an alten
Fassaden. Aber allmählich gelang es den Verant­
wortlichen von Stadt und Provinzregierung, den
exklusiven Bädertourismus wieder zu beleben.
Die klassizistischen Gebäude unterzog man einer
gründlichen Verschönerungs- und Verjüngungs­
kur. Auf einem Hügel über dem Zentrum wurde
ein neues Thermalbad errichtet. Inzwischen er­
strahlt die historische Trinkhalle „Pouhon Pierre
le Grand“ wieder im alten Glanz. Zahlreiche Villen
und Schlösser, die früher Industriellen und Adli­
gen als Zweitwohnsitz dienten, wurden von Inves­
toren erworben und zu Bed & Breakfast-Häusern
auf Luxusniveau umgebaut. Gelungenes Beispiel
ist das Hotel „Villa des Fleurs“, das seine Gäste in
einem vorbildlich restaurierten Herrenhaus aus
dem Jahr 1880 empfängt. Das Frühstück wird
in einem Speisezimmer englischen Stils oder im
Sommer auf der großen Terrasse mit Blick in den
blühenden Garten serviert. Porschefahrer, die auf
der nahe gelegenen Rennstrecke ihre schweiß­
treibenden Runden gedreht haben, können hier
mit allem Komfort entspannen.
Bewegen und Tagen in der Natur
Aber auch dank der reizvollen Umgebung ist die
Stadt dabei, an alte Glanzzeiten anzuknüpfen.
Die Abtei von Stavelot, die im Mittelalter zu den
www.business-etape.com
www.spa-francorchamps.be
reichsten und mächtigsten Klöstern Europas zähl­
te, beherbergt heute das „Museum der Rennstre­
cke Spa-Francorchamps“, ein Geheimtipp für
Liebhaber alter, restaurierter Rennautos.
Erhebliche Mittel flossen in den letzten Jahren in
den Ausbau der touristischen Infrastruktur Ost­
belgiens. Wanderer finden Ruhe und Einsamkeit
im Naturpark Hohes Venn. Neue Ausflugswege
wurden erschlossen und beschildert, für Radfah­
rer wurden spezielle Strecken angelegt, die ent­
lang von Bachläufen durch ausgedehnte Wälder
führen. Perfekt geeigneter Start für Biker-Fahrten
ist das Hotel Resort „Val d’Arimont“. In den 36 be­
haglichen Cottages kann man umgeben von erfri­
schender Natur neue Energien auftanken. Diesem
Ziel hat sich auch der Verbund „Business Etape“
verschrieben. Er vermittelt fünfzig versteckt gele­
gene Villen, Herrensitze, Bauernhöfe oder ehema­
lige Schulgebäude, die Teilnehmer von Vorstands­
konferenzen oder „Teambuilding-Gesprächen“ mit
einer unvergleichlichen Atmosphäre verwöhnen.
Solche modernen und maßgeschneiderten Kon­
zepte eröffnen Spielräume, um Arbeit und Freizeit
miteinander zu verbinden. In Spa und im Umland
hat man erkannt: Alte Gebäude zu restaurieren,
genügt auf Dauer nicht. Nur wer mit neuen touristi­
schen Angeboten auf den Plan tritt, kann im Wett­
bewerb mit anderen Bäderregionen punkten. 
Rotger H. Kindermann
Korrespondent
72
BVMW
Der Mittelstand. | 5 | 2014
News
Unternehmerlegende
Michael Dell neuer Senator h. c.
Neu: Kommission
Internet und Digitales
Der BVMW hat jetzt die Kommission Internet und Digitales
(KID) gegründet. Die KID setzt sich aus IT-Dienstleistern, An­
wendern und Wissenschaftlern zusammen und hat das Ziel,
politische Positionen aus Sicht des IT-anwendenden Mittel­
standes zu erarbeiten. Die Digitale Agenda der Bundesre­
gierung und die Pläne für einen europaweit einheitlichen Da­
tenschutz werden aus Sicht des Mittelstandes grundsätzlich
begrüßt, bedürfen aber noch Anpassungen, um zum Beispiel
den bürokratischen Aufwand praxistauglich und ökonomisch
zu gestalten. Die Themen EU-Datenschutzverordnung, Breit­
bandausbau und digitale Unternehmenskultur stehen daher
im Fokus der ersten Sitzungen der KID.
Mit dem milliarden­
schweren Rückkauf
des von ihm gegrün­
deten
Unterneh­
mens hat Michael
Dell herausragende
wirtschaftliche, per­
sönliche und gesell­
schaftliche Verant­
wortung bewiesen.
Nach jahrelangem
Kampf gegen Großaktionäre hat er das Unternehmen von der
Börse genommen und wieder privatisiert. Auf der Verleihung
der DELL-Awards 2014 zeichnete ihn deshalb Mittelstandsprä­
sident Mario Ohoven im Namen des Bundesverbandes mittel­
ständische Wirtschaft mit der Verleihung der Senatorenwürde
für sein Lebenswerk aus.
160 Jahre – Bohn Holz + Logistik im Schwalmtal
Die kleine Flotte vor 50 Jahren.
Heute ist Bohn Holz+Logistik mit einer hochausgerüsteten,
satellitengestützten LKW-Flotte in deutschen Wäldern unterwegs.
Im Jahre 1894 melden Graham Bell und Ernst Theodor Aman­
dus Litfaß ihre Erfindungen zum Patent an, und die Firma Bohn
wird erstmals erwähnt. Zu dieser Zeit dominieren Nationalis­
mus und Fortschrittsdenken die europäische Ideenwelt. Über
sieben Generationen hinweg hat die Firma Bohn sich technisch
ständig weiterentwickelt. Heute gliedert sich das Unternehmen
in drei Bereiche: Bohn Holz + Logistik GmbH für den Wald­
holztransport und den Handel und Transport von Holzpellets,
Bohn Naturenergie GmbH für den Handel und Transport mit
Biomasse, und die Umweltdienste Bohn GmbH für die Verwer­
tung von Abfall von der Mülltonne in die Steckdose.
www.hessen-pellets.de / www.bohn-holz-logistik.de
Stehr-Plattenverdichter sorgt weltweit für Furore
Der Stehr-Plattenverdichter kann an unterschiedliche
Fahrzeugtypen problemlos angebaut werden.
Der Unternehmer und Erfinder Jürgen Stehr aus dem hessischen Storndorf hat ei­
nen schwingungsarmen Hochfrequenz-Plattenverdichter mit gerichteten Schwin­
gungen erfunden. Die mobile Maschine ist für die Tiefbaubranche eine bahnbre­
chende Innovation mit hervorragenden Leistungsparametern. Beim Einsatz mit dem
Stehr-Plattenverdichter werden über 50 Prozent weniger Kraftstoff verbraucht,
daraus resultieren 50 Prozent weniger Schadstoffausstoß und in gleichen Teilen we­
niger schädliches Treibhausgas CO2. Das alles bei der mindestens dreifachen Leis­
tung. Damit dürfte es weltweit kein Verdichtungsgerät geben, das eine vergleichbare
Energieeffizienz bei kaum merkbaren Umgebungsschwingungen aufzuweisen hat.
www.stehr.com
Der Mittelstand. | 5 | 2014
BVMW
73
Telekom-Vorstandsvorsitzender Timotheus Höttges,
Mittelstandspräsident Mario Ohoven und
Box-Weltmeister Dr. Wladimir Klitschko
mit den Cloud Champions 2014.
BVMW-Mitglied
Helmut Heim und
die Waldpiraten
Spendenübergabe: Gabriele Geib, stell­
vertretende Geschäftsführerin der Deut­
schen Kinderkrebsstiftung und Leiterin
im Waldpiraten-Camp, mit Helmut Heim.
Bereits zum fünften Mal ist der Mana­
gementtrainer Helmut Heim als Be­
treuer für das Waldpiraten-Camp der
Deutschen Kinderkrebsstiftung in
Heidelberg tätig gewesen. Seit 2009
sind somit 45 Tage zusammengekom­
men. Das Honorar dafür spendet er an
die Waldpiraten. „Für mich ist es ein
Seitenwechsel. Was ich gebe, erlebe
und zurück bekomme, bereichert mein
ganzes Leben!“ so Helmut Heim. Im
Gesamten belaufen sich die Spenden
auf 3.825 Euro.
www.waldpiraten.de
www.helmutheim.de
Die Deutsche Telekom hat in Berlin die Gewinner ihres Mittel­
standswettbewerbs „Cloud Champions“ gekürt. Die Steuerbe­
ratung Gößmann-Schmitt aus Maßbach, die Aalener Firma RUD
Ketten Rieger & Dietz und das Unternehmen Ensinger aus Nufrin­
gen haben in ihrer Kategorie jeweils den ersten Platz belegt.
Für ihre eingereichte Cloud-Erfolgsgeschichte erhielten sie 10.000
Euro. Zur Jury gehörte der Leiter Marketing Geschäftskunden
bei der Telekom Deutschland, Dirk Backofen; Boxweltmeister und
Unternehmer Dr. Wladimir Klitschko; Präsident des Bundesver­
bands mittelständische Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven sowie
wei­tere prominente Teilnehmer aus Wirtschaft und Politik.
Unternehmerpreis des Jahres 2014
in Mecklenburg-Vorpommern
Im Rahmen des Wettbewerbs ging der Sonderpreis in der Katego­
rie Unternehmensentwicklung an das BVMW-Mitglied Katharina
Clausohm von der Clausohm-Software GmbH in Neverin (Landkreis
Mecklenburgische Seenplatte). Träger des Wettbewerbs sind das Mi­
nisterium für Wirtschaft, Bau und Tourismus, der Ostdeutsche Spar­
kassenverband, die IHK, Handwerkskammern und die Vereinigung der
Unternehmensverbände für Mecklenburg-Vorpommern e. V.
www.unternehmerpreis-mv.de. Katharina
Clausohm.
Brutkasten der Inklusionsinnovation
Das Düsseldorfer PIKLS-Labor (Mitglied im
NRW-Wirtschaftssenat) genießt den Ruf eines
„Brutkastens der Inklusion“. Der Ansatz des Teams
um Projektleiter Tobias Marczinzik ist wegweisend:
Auf engstem Raum entstand ein flexibler Lernraum
für Menschen mit Lernschwächen. Und dies alles in
Eigenregie, immer an den Bedürfnissen der Betei­
ligten ausgerichtet. Unlängst inspizierte NRW-Wis­
Ministerin Svenja Schulze im Gespräch
senschaftsministerin Svenja Schulze das Labor, das mit Besuchern des Labors und
sie 2012 als einen „Ort des Fortschritts“ ausge­ Projektleiter Tobias Marczinzik (re.).
zeichnet hatte und zeigte sich beeindruckt: Barrierefreie Content Management Systeme,
Warnroboter für den betreuten Wohnraum oder Hindernis-Apps – das Labor verbindet
Inklusion mit Innovation.
www.unternehmerpreis-mv.de
BVMW-Mitglied gewinnt
BAYERNS BEST 50-Award
Die 089 Immobilienmanagement GmbH aus München hat die be­
gehrte Auszeichnung BAYERNS BEST 50 erhalten. Damit gehört
das Unternehmen zu den 50 wachstumsstärksten Unternehmen im
Freistaat, die auch in diesem Jahr von Bayerns Wirtschaftsminis­
terin Ilse Aigner ausgezeichnet wurden. Über 2.100 Unternehmen
waren in der engeren Auswahl. In den vergangenen Jahren konnte
die 089 Immobilienmanagement GmbH sowohl ihren Umsatz als
auch die Zahl der Mitarbeiter überdurchschnittlich steigern.
www.089immobilienmanagement.de
Preisverleihung(v. li.): Prof. Dr. Thomas Edenhofer, Georg Angermeier
und Gunter Maisch, Geschäftsführer 089 Immobilienmanagement
GmbH, und Bayerns Wirtschaftsministerin Ilse Aigner.
Foto: Siegbert Heuser
Foto: Michael Woltering
Mittelstandswettbewerb Cloud Champions
74
BVMW
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Sauer, seifig oder doch neutral?
BVMW-Mitglied sorgt für eine Welt im Gleichgewicht
In jeder Ausgabe stellt Der Mittelstand. Mitgliedsunternehmen und
deren Produkte vor. Diesmal die Firma Endress+Hauser Conducta aus
Gerlingen bei Stuttgart mit ihren pH-Sensoren.
Bis zu acht Sensoren können
an den Messumformer
Liquiline CM44 gleichzeitig
angeschlossen werden.
Wichtig in fast jeder Branche:
der pH-Wert
Der pH-Wert gibt Auskunft darüber, ob sich eine Flüssigkeit eher
sauer, neutral oder basisch verhält. Am einfachsten nachzuvollzie­
hen ist das über die Änderung des Geschmacks: Säuren (pH-Wert
unter 7) schmecken sauer, Laugen (pH-Wert über 7) schmecken
seifig. Beide können Materialien zerstören und auflösen und
die Eigenschaften von Produkten massiv beeinflussen.
In den verschiedensten Branchen wird der pH-Wert
gemessen und damit die Qualität von Produkten und
Prozessen kontrolliert.
Zum Beispiel ist ein neutraler pH-Wert von 7 im
Auslauf von Kläranlagen wichtig, um die Fische und
Pflanzen in unseren Gewässern nicht zu gefährden.
Bei Medikamenten oder Impfstoffen können
geringe Veränderungen im pH-Wert die Wirk­
samkeit beeinflussen.
In der Kunststoffproduktion schließt man durch
pH-Messung aus, dass es zu unerwünschten Änderungen der
Kunststoff-Eigenschaften kommt, wie etwa zu Brüchigkeit
oder Farbänderungen.
Wie wird der
pH-Wert gemessen?
pH-Messtechnik von Endress+Hauser besteht auch in
anspruchsvollen Anwendungen, wie hier in einer Siliziumfabrik.
Der pH-Wert einer Flüssigkeit
hängt von der Konzentration der
enthaltenen Wasserstoff­ionen
ab: je mehr Ionen, desto niedri­
ger der pH-Wert. Sensoren wie
der Orbisint CPS11D „zählen“
die Ionen und liefern somit einen
Messwert. Sie sind stets an einen
Messumformer angeschlossen.
Dieser verarbeitet den Messwert,
visualisiert ihn und schickt ihn ans
Prozessleitsystem.
Der Mittelstand. | 5 | 2014
BVMW
Spitzentechnologie vom Weltmarktführer
In den pH-Sensoren von Endress+Hauser steckt patentierte Spitzentech­
nologie „Made in Germany“ – beispielsweise ausgeklügelte Glasrezepturen,
hochempfindliche Membranen und ein Sensorkopf, der Prozess- und Sen­
sordaten speichert und kontaktlos überträgt. Die Sensoren sind in hundert­
tausenden Messstellen weltweit im Einsatz und helfen dort, Mensch und
Umwelt zu schützen und die Qualität hochwertiger Produkte zu garantieren.
Dabei sind sie so gut, dass Endress+Hauser mittlerweile Weltmarktführer in
der pH-Messtechnik ist.
Die Firmenzentrale der Endress+Hauser
Conducta GmbH+Co. KG in Gerlingen bei Stuttgart.
Unternehmensprofil
Endress+Hauser Conducta zählt weltweit zu
den führenden Anbietern von Messstellen und
Komplettsystemen für die Flüssigkeitsanalyse
und ist Teil der Endress+Hauser Gruppe. Die
Produkte und Lösungen des Unternehmens
helfen den Kunden aus der Umwelt- und
Prozessindustrie, ihre Anlagen sicher, zuver­
lässig, wirtschaftlich und umweltfreundlich
zu betreiben. Neben pH umfasst das Portfolio
zahlreiche weitere Messparameter wie zum
Beispiel Leitfähigkeit, Sauerstoff, Trübung,
Chlor, Kohlen- und Nährstoffe.
In der Sensorproduktion kommt
es auf Präzision an. Endress+Hauser
produziert Sensoren in der firmen­
eigenen Glasbläserei.
Mitarbeiter: 700
Hauptsitz: Gerlingen bei Stuttgart
Weitere Standorte: Waldheim (Sachsen),
Groß-Umstadt (Hessen), Anaheim (Kalifornien,
USA) und Suzhou (China).
Geschäftsführer:
Dr. Manfred Jagiella
www.endress.com/fluessigkeitsanalyse
www.endress.com/conducta
Dank Speicher im Sensorkopf
lassen sich pH-Sensoren
von Endress+Hauser auch im
Labor kalibrieren.
75
76
BVMW
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Kammwalzgetriebe.
Getriebetechnik 2.0
Geschweißtes, einsatzgehärtetes Stirnrad.
Industriezulieferer in der vierten Generation
In den Werkshallen des Troisdorfer Unternehmens
entsteht ein breites Produktspektrum, von Zahn­
rädern mit Durchmessern von bis zu vier Metern
bis zu Sondergetrieben mit bis zu zweihundert
Tonnen Gewicht. Keller steht als innovativer Part­
ner Unternehmen der Zement-, Zucker-, Stahl- und
Kunststoffindustrie zur Seite und beliefert den
Tagebau sowie die Schifffahrt-Industrie.
Thomas Kolbe
BVMW Pressesprecher
Nordrhein-Westfalen
www.keller-getriebe.de
Für die Neustrukturierung, die zur Jahrtausend­
wende eingeleitet wurde, zeichnet der heutige
Geschäftsführer und BVMW-Wirtschaftssenator
Dr. Dirk Alexander Keller verantwortlich, der be­
reits mit 35 Jahren die Verantwortung übernahm
und seither den Familienbetrieb in der vierten Gene­
ration führt. Mut bewies der promovierte Maschi­
nenbauingenieur, als er vor fünf Jahren beschloss,
der allgemeinen Wirtschaftskrise zu trotzen und
18 Millionen Euro in die Zukunft des Traditions­­
unternehmens zu investieren, um das Herzstück
des Betriebs, den Maschinenpark, auf den neuesten
technologischen Stand zu bringen. Sein Mut sollte
sich auszahlen: Nach Jahren stabilen Wachstums
steht die Firma Keller ausgezeichnet da.
Mit einer Belegschaft von 170 Mitarbeiterinnen
und Mitarbeitern erwirtschaftete der Mittel­
ständler im vergangenen Jahr einen Umsatz von
29 Millionen Euro. Und Erfolg verpflichtet: Acht­
zehn Auszubildende eignen sich aktuell in tech­
nischen und kaufmännischen Berufsfeldern das
Handwerkszeug an für eine erfolgreiche Berufs­
laufbahn. Generell liegt dem Team um Dr. Keller
die junge Generation der Region am Herzen. Mit
regelmäßigen Spenden unterstützt das Unter­
nehmen die Fördervereine der Kinderklinik in
St. Augustin und des örtlichen Kinderheims, aber
auch den alljährlichen Girls Day.
Kellers Engagement findet auch gesellschaftli­
che Anerkennung. Das Unternehmen gewann
2010 den Unternehmerpreis von „proTroisdorf“,
im Jahr 2012 erhielt die Firma für ihre Investi­
tionen in Ressourceneffizienz den Titel „ÖKO­
PROFIT-Betrieb Troisdorf“ und zeigt mit ihrem
Engagement Mittel und Wege für das produzie­
rende Gewerbe auf, Energie einzusparen und die
Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

Foto: C. u. W. Keller GmbH & Co. KG
Der Spezialmaschinenbau zählt zu den Erfolgs­
geschichten des deutschen Wirtschaftsstandorts. Mit hochwertiger Getriebetechnologie hat
sich das mittelständische Unternehmen C.u.W.
Keller GmbH & Co.KG, dessen Wurzeln bis ins
Jahr 1901 zurückreichen, einen renommierten
Namen geschaffen.
tschland
u
e
ld
e
t
it
M
Von
direkt zu
len
über 40 Zie
mitteldeutsche-flughaefen.de
78
BVMW
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Säule des Internets
SpaceNet-Gründer Sebastian von Bomhard –
ein Pionier der ersten Stunde
Sebastian von Bomhard, Gründer und Vorstand
des Münchener Internet-Providers SpaceNet AG,
war 1993 einer der allerersten Internet-Anbieter in Deutschland und damit Wegbereiter der
digitalen Kommunikation in Deutschland. „Ich
wollte eigentlich nur selbst ins Internet, und das
war damals nur schwer möglich“, erinnert sich der
53-jährige an die frühen Neunziger Jahre.
„Außer Studenten hatte damals kaum jemand eine
Chance auf einen eigenen Internetzugang. Wir
gründeten den Verein Muc.de und durften uns mit
dem Leibniz-Rechenzentrum verbinden, natürlich
auf eigene Kosten. Binnen kürzester Zeit hatten
wir fünfhundert Nutzer.“ Die Internetnutzung
über den Verein war nur Privatleuten gestattet,
und so kam es bald zur Gründung der SpaceNet.
Nach ersten Versuchen, ein eigenes Netz mit sa­
tellitengestützten Standleitungen aufzubauen,
etablierte sich die Firma dann 1993 als einer der
ersten Internet-Provider in Deutschland. Viel Auf­
bauarbeit war zu leisten. Netzübergabepunkte
mussten gebaut werden, das Vergabesystem für
Domainnamen entstand, und schon in den ersten
Jahren musste das wachsende Netz regelmäßig
gegen Angriffe verteidigt werden, denn es hatte in
dieser Zeit einen denkbar schlechten Ruf.
Heute ist das Unternehmen spezialisiert auf
das Hosting und den Betrieb von Anwendungen
Für den Internet Pionier der ersten Stunde: Verleihung
der „Säule des Internets“ an Sebastian v. Bomhard
(Mitte) mit Arnold Nipper (li.) und Harald A. Summa.
für Online-Geschäftsmodelle, wie etwa E-Com­
merce-Lösungen, die hochverfügbare IT-Umge­
bungen voraussetzen. Als versierter Outsour­
cing-Partner betreibt SpaceNet für seine
Kunden sowohl einzelne Anwendungen und
Services in seinen Rechenzentren, übernimmt
aber auch den kompletten Betrieb der Unter­
nehmens-IT. Derzeit zählen etwa 1.200 Mittel­
ständler wie Antenne Bayern oder der Münch­
ner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) zu den
Kunden des Münchener Providers.
Noch immer engagiert sich von Bomhard auch
in den wichtigen Gremien der Internetbranche:
Das Unternehmen gehört beispielsweise der
deutschen IPv6-Taskforce an. Das Internet-Pro­
tokoll IPv6 soll in den nächsten Jahren die gegen­
wärtig noch überwiegend genutzte Version 4 ab­
lösen, da es eine deutlich größere Zahl möglicher
Adressen bietet.
IT ist immer auch Chefsache
Als viel zu gering bezeichnet Sebastian von Bom­
hard den Stellenwert der IT in vielen deutschen
Unternehmen: „Als Geschäftsführer muss ich
heute genau wissen, wo meine Kunden sind. Wir
wissen beispielsweise, dass E-Mails bei vielen
jungen Menschen als veraltet gelten. Manche
von ihnen bewegen sich überhaupt nicht mehr
aus Facebook heraus. Wenn ich diese Zielgruppe
erreichen will, muss ich also mit entsprechenden
IT-Konzepten reagieren.“
Das Thema Datensicherheit spielt ebenfalls
eine große Rolle bei SpaceNet. Der deutsche
Internet-Provider unterliegt zwar nicht den
problematischen US-Regelungen zur Offenle­
gung von Daten. Aber natürlich nutzt SpaceNet
bei der Übertragung von Daten auch Leitungen,
die nicht immer vor Abhörversuchen Dritter
sicher sind. Eine Reihe von Eigenentwick­
lungen sollen deshalb zusätzliche Sicherheit für
Kunden bieten.
Der Mittelstand. | 5 | 2014
BVMW
„„
Bei Strompreisunterschieden von tausend
Prozent werden vermutlich viele Rechenzentren
künftig ins Ausland abwandern.
Geballte Technologie im Rechenzentrum der Münchener SpaceNet AG
Mit innovativen Produkten und Konzepten
erhöht SpaceNet die Datensicherheit für mit­
telständische Unternehmen und senkt Kos­
ten beim Betrieb von IT-Infrastrukturen.
Dateien sicher teilen
Sync‘N‘Share ist eine Cloud-Lösung mit siche­
rem Verschlüsselungskonzept und Hosting
in Deutschland. Alle Daten liegen sicher und
verschlüsselt im ISO 27001 zertifizierten Re­
chenzentrum in München.
Fotos: SpaceNet AG
Exchange für alle
Virtual Exchange unterstützt Unternehmen
in der täglichen Kommunikation und ist ein
Werkzeug für Projektteams. Es bietet die
Funktionen eines Microsoft Exchange Mail­
servers, ohne selbst eine teure und kompli­
zierte technische Infrastruktur betreiben zu
müssen.
Virtuelle Standleitung
Hierbei werden mehrere Anbieter zu einer
Hochleistungs-Standleitung (VPN) gebün­
delt, was ein Höchstmaß an Ausfallsicherheit
garantiert.
www.space.net
Stromkosten treiben
Internet-Provider ins Ausland
Auch politisch ist der Internet-Pionier und
bayerische BVMW-Landeswirtschaftssenator
stark engagiert. So empörte er sich erst kürz­
lich öffentlich über die geplante Neuregelung
des EEG: „Wir verfolgen sorgfältig die Ankün­
digungen der Politik, angesichts der Besorgnis
der Bürger zum Datenschutz die heimische
IT-Branche zu fördern. Auf diese Lippenbe­
kenntnisse folgt nun die EEG-Novelle. Obwohl
das Betreiben von Rechenzentren äußerst
strom- und kostenintensiv ist, fallen wir mit
unter zwölf Prozent Stromanteil an der Brutto­
wertschöpfung durchs Raster der Ausnahme­
regelung und zahlen die volle EEG-Umlage. Bei
Strompreisunterschieden von tausend Prozent
werden vermutlich viele Rechenzentren künftig
ins Ausland abwandern.“
Für sein vielfältiges Engagement wurde
Sebastian von Bomhard häufig geehrt. Zuletzt
im Rahmen der 20-Jahrfeier von SpaceNet,
hier überraschte der Verband der deutschen In­
ternetwirtschaft den Firmengründer von Bom­
hard mit der Auszeichnung „Säule des Internets“.
Dieser Preis soll fortan an Persönlichkeiten
vergeben werden, die in den letzten 25 Jahren
das Internet mitgestaltet haben.

Achim von Michel
BVMW-Pressesprecher
Bayern
79
80
BVMW
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Von der Handgravur
zur Lasertechnik
Beschriftet wird fast alles – außer Wasser und Luft
Konzern, der Jenoptik AG und Analytik Jena AG
sowie zur Baseler AG. Diese langfristig gepflegten
Geschäftsverbindungen basieren auf der hohen
Flexibilität bei kurzfristig zu realisierenden Auf­
trägen und sind typisch für das mittelständische
Unternehmen.
Ein breit ausgelegtes Nischenspektrum und die
Gewährleistung höchster Qualitätsanforderun­
gen bei Einhaltung der gesetzten Termine sind das
Markenzeichen. Die Art der Ausführung der Be­
schriftung bestimmt die eingesetzte Technik und
richtet sich nach den Anforderungen der Produkte.
Sowohl Lasertechnik als auch digitaler Farbdruck
kommen dabei zum Einsatz. Die Schriftgrößen für
die spezielle Kennzeichnung reichen bis in den Mil­
limeterbereich.
Das Familienunternehmen Matthias Wetzel Industriebeschriftungen GmbH wurde 1999 in Jena
mit vier Mitarbeitern gegründet. Seitdem wuchs
es beständig und entwickelte sich zu einem weit
über Thüringen hinaus bekannten Oberflächenbearbeitungszentrum. Anlässlich des 15-jährigen
Jubiläums wurde ein wesentlich erweitertes neues Firmengebäude gemeinsam mit dem Anwenderzentrum der Firma OTEC offiziell eingeweiht
und der 48. Mitarbeiter begrüßt.
Firmengründer und BVMW-Wirtschaftssenator
Matthias Wetzel nutzt seine Berufserfahrungen
als Graveur bei der Gestaltung vielseitiger Kenn­
zeichnungen von gesetzlich vorgeschriebenen
Parametern für verschiedenste Produkte.
Darüber hinaus werden technische Artikel vie­
ler namhafter Hersteller mit werbewirksamem
Schriftdesign versehen. Industriebeschriftun­
gen finden zum Beispiel bei der Einstellung der
Bildschärfe von Ferngläsern oder bei Industrie­
kameras zur Prozess­überwachung Anwendung.
Günther Richter
BVMW Landes­
geschäftsführer Thüringen
Besonders enge Kundenbeziehungen bestehen
zu bedeutenden Produzenten wie dem Carl-Zeiss-
Die gegenwärtige und zukünftige Firmenentwick­
lung wird bestimmt durch eine neue Qualität in den
Kundenbeziehungen: Matthias Wetzel und sein
Team setzen konsequent auf gemeinsame Pro­
duktentwicklungen und die Entwicklung der dazu
erforderlichen Verfahren. Auf diese Weise entste­
hen wettbewerbsfähige Produkte und langfristig
angelegte innovative Lösungen.

Unternehmensphilosophie:
Für eine Sache brennen, ein Handwerk per­
fekt beherrschen – immer auf der Suche nach
Individualität und Unverwechselbarkeit. Mit
Phantasie und Können Werte schaffen, die
sichtbar, fühlbar oder lesbar sein können.
www.mwib.de
Unbeachtet
von
erfolglosen
Geschäftsführern
seit 1984.
Bleiben Sie erfolgreich.
Mit betriebswirtschaftlicher Software von Agenda.
Jetzt kostenlos testen auf agenda-software.de
RECHNUNGSWESEN
LOHN- UND GEHALTSABRECHNUNG
BVMW
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Weinbau in der Idylle –
aber nicht idyllisch
Der Mittelstand. im Gespräch mit dem baden-württembergischen
Winzer Kilian Graf von Bentzel-Sturmfeder
Weinbau wird gerne romantisch
verklärt. Für die überwiegend familiär geführten Betriebe ist es
aber ein arbeitsintensiver Kampf.
Ein typischer, mittelständischer
Betrieb ist das Weingut Sturmfeder in Schozach bei Heilbronn.
Wir sprachen mit dem Inhaber und
BVMW-Mitglied Kilian Graf von
Bentzel-Sturmfeder über die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.
Kilian Graf von Bentzel-Sturmfeder
(li.) mit Kellermeister Holger Matz.
Goldener Herbst für einen guten Jahrgang.
Die Freiherren von Sturmfeder (frän­
kische Abstammung) wurden erst­
mals 970 erwähnt. Graf Eberhard von
Württemberg schenkte 1396 der Fa­
milie das Schozacher Anwesen als Le­
hen. Durch Heirat entstand die gräfli­
che Familie von Bentzel-Sturmfeder.
Seit dem 19. Jahrhundert im Allein­
besitz der Lage „Roter Berg“, die mit
Keuper, Muschelkalk und Tuffstein
eine der besten Württembergs ist.
www.sturmfeder.de
Das Interview führte
Dr. Ulrich Köppen.
Der Mittelstand.: Der Durchschnittspreis in Deutschland
liegt bei unter drei Euro pro
Flasche. Wie gestaltet sich Ihre
Arbeit vor diesem Hintergrund?
Bentzel-Sturmfeder:
Deutscher
Wein gehobener Qualität ist ein
absolutes Nischenprodukt. Ein
Weinproduzent braucht heute zur
Vermarktung vor allem das mensch­
liche Gesicht des Erzeugers, er­
gänzende Themen wie Genuss,
Entschleunigung des Lebens, regi­
onal-spezifische, touristische Ak­
zente mit passenden Gourmetpro­
dukten. So befassen wir uns gerade
mit schwarzen Trüffeln, die man bei
uns züchten könnte. Unsere idylli­
sche Landschaft bietet Wanderern
und Radfahrern angenehme Wege,
aber die Chancen der überregio­
nalen Vermarktung sind noch in zu
wenigen Köpfen ange­kommen.
Und wie kommen Sie mit den
Weinpreisen zurecht?
Unsere Fixkosten beziehen sich zu
95 Prozent auf die Eigenprodukti­
on. Wir kaufen für das Produkt nichts dazu, außer
Flaschen, Korken und Etiketten. Nach dem Zweiten
Weltkrieg musste der Verbraucher für eine Flasche
Wein einen halben Tag arbeiten, so gesehen müss­
te eine Flasche heute über 100 Euro kosten. Aus
Qualitätsgründen produzieren wir heute jedoch
weniger Menge, was geringeren Ertrag bedeutet,
gleichzeitig bedingt diese höhere Qualität mehr
Handarbeit und damit höhere Kosten.
Spielt die adelige Herkunft Ihres
Weines bei Verbrauchern eine Rolle?
Wein war ein aus der christlichen Religion über­
liefertes Kulturgut, ist heute eher ein Symbol für
den besonderen Genuss. Einen Sissi-Effekt gibt
es nicht, aber ein Bewusstsein für Familientradi­
tion haben viele unserer Kunden. Unseren Wein
braucht aber keiner zum Leben. Wir müssen sehr
nachhaltig wirtschaften und auf Kosten und Prei­
se achten. Der übliche Lohn für die Erntehelfer
liegt unterhalb der Mindestlohngrenze von 8,50
Euro. Wir hoffen, dass es hier wie bei anderen
Branchen auch Sonder­regelungen gibt. Man darf
auch nicht vergessen, dass wir immer das Wetter
als Partner und Gegner haben. In den letzten 30
Jahren sind Hagel, Frost, aber auch subtropische
Feuchtigkeit immer unberechenbarer geworden.
Über den Zeitraum von 15 Jahren hinweg sind uns
zwei komplette Ernten ausgefallen, was 1,5 Milli­
onen Euro entspricht. Wir brauchen die Politik
stärker als bisher als verständnisvollen Partner.
Sie sind Mitglied im Verband der Prädikatswein­
güter, was bedeutet das für den Verbraucher?
Das bedeutet umweltschonende Bewirtschaftung
der Weinberge, reduzierte Erträge von 75 Hekto­
liter/Hektar, überdurchschnittlich hohe Mostge­
wichte, Handlese bei den „Ersten“ und “Großen“
Lagen wie etwa unser Schozacher „Roter Berg“ mit
einer Steigung von bis zu 45 Prozent. Das Kleinkli­
ma im Roten Berg kann zu Extremen neigen. Be­
dingt durch thermische Luftströmungen kommt es
hier tagsüber zu starker Erwärmung bei gleichzei­
tiger kräftiger Abkühlung in den Nächten. Das be­
wirkt einen ausgeprägten Sortencharakter und ein
hohes Potenzial zur Reife auf der Flasche.

Fotos: Weingut Graf von Bentzel-Strumfeder
82
DIE
SPIELMACHER
CLOUD.
Die perfekte Aufstellung – SAP ist Premiumpartner des DFB.
Das bedeutet: optimale Laufwege bei allen Prozessen, präzise Spielanalysen und enges Zusammenspiel mit den Fans.
Mehr über Teamwork in der SAP® Cloud: sap.de/dfb
MEHR ERREICHEN.
© 2014 SAP AG oder ein SAP-Konzernunternehmen. Alle Rechte vorbehalten. O&M SAP EU 21/14
BVMW
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Tradition und
Genuss aus Düsseldorf
TEEKANNE – eine der ältesten Marken Deutschlands
Thomas Kolbe
BVMW Pressesprecher
Nordrhein-Westfalen
www.teekanne.de
Eine wunderbare Legende erzählt von einem chinesischen Kaiser namens Shen Nung, der vor fast
fünftausend Jahren sein Trinkwasser erhitzte und
dabei unversehens einige verwehte Teeblätter
mitkochte. Überrascht vom besonderen Aroma
dieses Zufallsgetränks, sorgte er
dafür, dass sich diese Geschmacksinnovation wie ein Lauffeuer in
seinem Reich verbreitete. Heute
konkurriert Tee in seiner aromatischen Vielfalt und seiner Heilkraft
mit dem Kaffee um die Poleposition
der beliebtesten Heißgetränke.
Geschäftsführer Reinhold Schlensok.
Umsatzstarker Früchtetee: der Türkische Apfel.
Sie waren schon fast in Vergessenheit geraten, doch
heute bereichern Teehäuser immer öfter das Stadt­
bild der Metropolen. Denn Tee steht nach wie vor
für Kultur und Lebensstil. Teetrinken wird wieder
Kult, neue Geschmacksrichtungen sind gefragter
denn je. Und so wird im Probierraum der Düssel­
dorfer Firma TEEKANNE mit konzentrierter Hin­
gabe geschlürft, geschmatzt und gespuckt. Geübte
Zungen entscheiden hier über neue Teesorten und
sorgen mit ihren sensiblen Geschmacksnerven für
Qualität und geschmackliche Konstanz. Viel Zeit
und Geduld sind nötig, bis die Tester einer neuen
Sorte grünes Licht geben. Ein etabliertes Vertriebs­
netz bindet den Handel rechtzeitig mit ein und ga­
rantiert den Verkaufserfolg.
Von schwarzem über grünen Tee bis hin zu Kräuterund Früchtetees – die Düsseldorfer Teeprofis kom­
binieren die Expertise ihrer Geschmacksexperten
mit den Wünschen einer anspruchsvollen Kund­
schaft zur qualitativen Weiterentwicklung. Alle
Teesorten werden im Doppelkammerbeutel ange­
boten, den das Traditionshaus – ursprünglich seit
1882 in Dresden – in Deutschland populär machte.
Bereits 1888 wurden Wort und Bild gesetzlich ge­
schützt. Im Wandel der Zeiten ist Tee nicht mehr
nur das exklusive Stilelement der englischen TeaTime, sondern surft mittlerweile als neuartige Tee­
kultur auf der Bio-Welle mit, die den qualitativen
Strukturwandel des deutschen Handels in seiner
Vielfalt erfasst hat.
TEEKANNE hat sich zu einem entscheidenden
Player einer Branche entwickelt, der es gelungen
ist, ein jahrtausendealtes Nahrungs- und Heilmit­
tel erfolgreich in eine Zeit hinüberzuretten, die
allzu oft auf Fast Food setzt. Dieses Kunststück
ist nicht zuletzt TEEKANNE-Geschäftsführer
Reinhold Schlensok zu verdanken, der sich auch
im BVMW als Wirtschaftssenator engagiert. Das
Unternehmen steuert aktuell einen Jahresumsatz
von einer halben Milliarde Euro an und blickt in
eine rosige Zukunft: Das Traditionshaus ist breit
sortimentiert und fertigt mit seinen 1.500 Mitar­
beitern an sieben modernen Standorten für einen
wachsenden globalen Markt.

Fotos: TEEKANNE
84
Der Mittelstand. | 5 | 2014
BVMW
Potenziale nutzen,
Risiken minimieren
Zunkunft. Mittelstand – eine gemeinsame Roadshow
von BVMW und TÜV Rheinland
Welche Bedeutung hat nachhaltige Unternehmensführung für kleine und mittlere Unternehmen? Wie können ungenutzte Potenziale zu
mehr Wirtschaftlichkeit führen? Gemeinsam
mit dem TÜV Rheinland zeigte der BVMW auf
der Roadshow „Zukunft.Mittelstand“ anhand
praktischer Beispiele, wie der Mittelstand von
nachhaltiger Unternehmensführung profitieren
kann. Hun­derte Unternehmer informierten sich
über die ständig wachsenden Anforderungen
und die Themenbereiche, die für eine zukunftsorientierte Ausrichtung des Unternehmens im
Fokus stehen sollten.
In einer Zeit der Reizüberflutung, in der Infor­
mationen permanent und überall verfügbar
sind, und neue Geschäftsmodelle Bedarfslücken
schließen, von denen man vor einem Jahr noch
nicht wusste, dass sie überhaupt existieren,
ist es nicht verwunderlich, dass bestimmte
Bereiche aus dem Blick geraten können. Den
Teilnehmern wurde verdeutlicht, dass dieser
natürliche Selektionsmechanismus im Gehirn
auf Gewohnheiten, inneren Erwartungen und
bisherigen Erfahrungen beruht. Kommunika­
tionsforscher schätzen, dass der Mensch zwi­
schen 2.500 und 10.000 Werbebotschaften
täglich ausgesetzt ist. Würde hier nicht auto­
matisch Wichtiges von Unwichtigem getrennt,
wäre unser Gehirn allein mit deren Verarbeitung
ausgelastet oder gar überfordert.
Ähnlich verhält es sich auch im unternehmeri­
schen Umfeld. Risiken, die heute existieren, gab
es zu großen Teilen vor zwanzig Jahren noch gar
nicht. Sich über eine Website oder gefälschte
E-Mails Viren und Trojaner auf den Firmenserver
zu laden, kann heute unbemerkt passieren, wenn
der Server nicht adäquat abgesichert ist. Laut ei­
ner aktuellen Studie des TÜV Rheinland setzen
sich jedoch lediglich 48 Prozent der mittelständi­
schen Unternehmen mit Maßnahmen zur Risiko­
minimierung auseinander. Schlimmer noch: Mehr
als zwanzig Prozent kennen die zukünftigen Risi­
ken für ihr Unternehmen nicht oder können sie
nicht benennen.
Die Veranstaltungsreihe machte den Teilnehmern
klar, dass ein umfassendes Risikomanagement die
Basis einer nachhaltigen Unternehmensführung
ist. So ist es notwendig, regelmäßig zu überprü­
fen, ob sich an den Anforderungen an und den Ri­
siken für das Unternehmen Grundlegendes geän­
dert hat. Eine nachhaltige Unternehmensführung
sichert langfristig die Existenz des Unternehmens
durch die Minimierung von Risiken, bindet Mit­
arbeiter und Kunden und stellt die Wirtschaft­
lichkeit sämtlicher Prozesse in den Vordergrund.
Der TÜV Rheinland unterstützt in enger Zusam­
menarbeit mit dem BVMW kleine und mittlere
Unternehmen auf Grundlage der gesetzlichen
Anforderungen in Fragen des Qualitäts-, Umweltund Energiemanagements, wie auch der Informa­
tionssicherheit, des Arbeits- und Gesundheits­
schutzes sowie der sozialen Verantwortung .
„„
Laut einer aktuellen Studie
des TÜV Rheinland setzen sich
lediglich 48 Prozent der mittel­
ständischen Unternehmen
mit Maßnahmen zur Risiko­
minimierung auseinander.
Auch etablierte Unternehmen sind darauf ange­
wiesen, neue Trends zu beobachten und bei Bedarf
Veränderungen zu vollziehen, um sämtliche Poten­
ziale zu nutzen und Risiken zu minimieren.

Roadshow Zukunft. Mittelstand in Köln mit Referent
Olaf Seiche, Leitung Business Unit Service Sector.
Max Kettner
BVMW
85
BVMW
Der Mittelstand. | 5 | 2014
AEM-Geschäftsführer Reiner Storch (r.) im Gespräch mit Karl-Heinz Richter
und Ekkehard Ginzkey (l.), zwei Mitarbeitern aus der Generation „50plus“.
Guter Antrieb mit 50plus
Elektromotorenwerk Dessau setzt auf ausgewogene Altersstruktur
„„
„In jedem Unternehmen ist eine ausgewogene
Altersstruktur unverzichtbar und für eine kontinuierliche Entwicklung von Vorteil“, sagt Reiner
Storch, Geschäftsführer der AEM – Anhaltische
Elektromotorenwerk Dessau GmbH. Für ihn hat
sich in der Vergangenheit klar gezeigt, dass die
Zusammenarbeit von älteren und jüngeren Kollegen Früchte trägt. Es seien die unterschiedlichen
Denk- und Herangehensweisen, die eine Firma
voranbringen.
Wir wollten keine
Werkbank werden,
sondern mit eigener
Mannschaft etwas
erreichen.
Die Zahlen bei AEM
sprechen für sich.
Über vierzig Prozent
aller Beschäftigten
sind dort über fünfzig
Jahre alt, jeder fünfte
hat das 29. Lebensjahr
noch nicht erreicht.
Dazu kommen zwanzig Azubis in sieben verschie­
denen Berufen. Dieser Mix habe sich bewährt,
zeigt sich Storch zufrieden. Allein in den ver­
gangenen zwei Jahren fanden fünfzehn Frauen
und Männer aus der Generation 50plus eine neue
Beschäftigung bei AEM. Dieses Engagement
wurde auch vom Bundesministerium für Arbeit
und Soziales gewürdigt. Es prämierte im Rah­
men seines Programms „Perspektive 50plus –
Beschäfti­gungspakte für Ältere in den Regionen“
75 Unternehmen mit Weitblick, unter ihnen das
Dessauer Unternehmen.
Wenn Reiner Storch zurückblickt, dann zieht er
ein positives Fazit. Mit älteren Kollegen sei man
bislang nie hereingefallen. Deren berufliche Er­
fahrung, Qualitätsbewusstsein und Motivation
machten sich bezahlt, nicht zuletzt als Vorbild für
Jüngere. Karl-Heinz Richter steht dafür stellver­
Foto: Klaus-Peter Voigt
86
Der Mittelstand. | 5 | 2014
BVMW
Bei der Endmontage im Dessauer Elektromotorenwerk.
„„
Blick in die Versandabteilung von AEM.
In einem Unternehmen ist in allen
Fachbereichen eine ausgewogene
Altersstruktur für eine kontinuierliche
Entwicklung von Vorteil.
Reiner Storch, Geschäftsführer der AEM –
Anhaltische Elektromotorenwerk Dessau GmbH
www.aemdessau.de
Foto:s AEM
tretend. Der 56-Jährige arbeitete bis 2007 bei der
Deutschen Bahn als Fahrzeugschlosser und such­
te eine neue Aufgabe. Schnell fand er sich in seine
Tätigkeit als Bediener eines Laserschneidauto­
maten hinein. „Natürlich musste ich mich bemü­
hen, ein völlig neues Berufsfeld kennenzulernen“,
berichtet er, doch die Mühen hätten sich gelohnt.
Die AEM Dessau GmbH ist ein mittelständisches
Familienunternehmen mit über sechzig Jahren Er­
fahrung im Elektromaschinenbau. Mit ihren rund
230 Beschäftigten hat sich die Firma als welt­
weit erfolgreicher Sondermaschinenbauer für
Drehstrommotoren und Drehstromgeneratoren
für Antriebslösungen und zur Energieerzeugung
etabliert. Seit der Firmengründung 1993 verlief
die Entwicklung bis in die Gegenwart erfolg­
reich. Reiner Storch erinnert sich an die schweren
Anfangsjahre. Herausgelöst aus dem großen
volkseigenen DDR-Kombinat Elektromaschinen­
bau galt es, eigene Geschäftsfelder zu erschlie­
ßen. Das Konzept, mit einer starken Entwick­
lungsabteilung speziell für Kundenaufträge zu
agieren, ging auf.
„Wir wollten keine Werkbank werden, sondern
mit eigener Mannschaft etwas erreichen“, berich­
tet der Geschäftsführer.
Von der Planung über die Fertigung und
Montage bis zur Kontrolle auf dem hauseige­
nen Prüffeld erfolgen alle Produktionsschritte
ausschließlich am Standort Dessau. Seit der
Gründung steigerte AEM seinen Umsatz auf
mehr als das Dreifache und den Exportanteil auf
sechzig Prozent. Inzwischen liefert das Unter­
nehmen über zwölftausend Maschinen in mehr
als siebzig Länder der Erde. 
Klaus-Peter Voigt
BVMW-Pressesprecher
Sachsen-Anhalt
87
88
BVMW
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Mit gebündelten Kräften: Präsidenten und Hauptgeschäftsführer der Mittelstandsallianz stellen sich vor.
BVMW – fit für die Zukunft
Über 250 Kreisgeschäftsführer zur Bundestagung in Berlin
Mehrwert für den Mittelstand – im Dialog mit der Spitzenpolitik
„Die Zukunft hat begonnen“, mit seiner fundierten und inspirierenden Grundsatzrede eröffnete Mario Ohoven die 2. Bundestagung des
BVMW 2014 in Berlin. Der Verband biete den
Unternehmern konkreten Nutzen und vertrete ihre Interessen erfolgreich gegenüber der
Politik. „Ob TTIP, Flexi-Rente, Energiewende
oder Modernisierung der Dualen Ausbildung,
wir sind Rat- und Impulsgeber für die Politik in
Berlin und in Brüssel“, betonte der deutsche und
europäische Mittelstandspräsident.
se forderte die Politiker auf, ihr Freiheitsbild zu
überdenken. Wertvolle Anregungen gaben auch
die Top-Referenten mit auf den Weg in die Zukunft.
So sensibilisierte BVMW-Vorstandsmitglied Art­
hur Zimmermann, Aufsichtsratsmitglied der Ernst
Klett AG, für einen sorgsameren Umgang mit der
Ressource Bildung. Der Direktor des Krimino­
logischen Forschungsinstituts Niedersachsen,
Minister a. D. Prof. Christian Pfeiffer, wies nach,
dass elterliche Liebe im Kindesalter entscheidend
für die spätere Leistungsbilanz sind.
Der deutsche Mittelstand sei zu einem Erfolgs­
modell für Europa geworden, bestätigte auch
Rainer Wieland (CDU). Der Vizepräsident des
Europäischen Parlaments eröffnete den Reigen
der Spitzenpolitiker auf der BVMW-Bundestagung.
Ex-Bundesverkehrsminister
Wolfgang
Tie­
fensee, wirtschafts- und energie­
politischer
Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, warb
für eine sozialdemokratische Mittelstands­
politik und unterstützte die Forderung des
Mittelstands nach steuerlicher Entlastung.
Grünen-Chef Cem Özdemir, MdB, plädierte für die
Einführung einer steuerlichen Förderung bei der
ökologischen Gebäudesanierung. Linke-Fraktions­
vorsitzender Dr. Gregor Gysi, MdB, ging mit der
schwarz-roten Steuer-, Bildungs- und Außenpolitik
hart ins Gericht.
Mit seinen Visionen zur Arbeitswelt der Zu­
kunft lud Nick Sohnemann zu einer Zeitreise
ein. Bestsellerautor Edgar K. Geffroy stellte die
Chancen der digitalen Welt vor. Dazu müsse sich
jedes Unternehmen im Internet neu erfinden.
Eine kritische Analyse zur Steuerpolitik der al­
ten und der neuen Bundesregierung lieferte Dr.
Hans-Michael Pott, Vizepräsident und Leiter der
BVMW-Steuerkommission.
Dass die Bundesregierung von Pippi Langstrumpf
lernen kann, bewies Dr. Nikolaus Förster. Der
Chefredakteur des Unternehmermagazins impul­
Einen zweiten Schwerpunkt bildete der Erfah­
rungsaustausch. Im Pecha Kucha-Format stellten
Verbandsrepräsentanten ihre erfolgreichsten
Projekte vor. Von- und miteinander lernen war
auch das Motto der Workshops. Im Fokus stand
die Frage, wie der BVMW seinen Mitgliedern
maximalen Mehrwert bringen kann. Standing
Ovations bekam Mario Ohoven am Ende einer
überaus erfolgreichen Bundestagung für seinen
Ausblick zur Zukunft des Mittelstands in der
Globalisierung.

Der Mittelstand. | 5 | 2014
BVMW
Spitzenreferenten
Mahner und Motor: Mittelstandspräsident Mario Ohoven.
Wolfgang Tiefensee, wirtschafts- und
energie­politischer Sprecher der SPDFraktion im Bundestag, Mitglied im
Politischen Beirat des BVMW.
Für ein vereintes Europa: Rainer Wieland, CDU,
Vizepräsident des Europäischen Parlaments.
Cem Özdemir, MdB, Bundesvorsitzender
Bündnis 90/Die Grünen, Mitglied im
Politischen Beirat des BVMW.
Edgar K. Geffroy, Toprefe­
rent und Bestseller-Autor.
Dr. Nikolaus Förster, Chefredakteur
impulse – das Unternehmermagazin.
Dr. Gregor Gysi, MdB, Fraktionsvorsitzender Die Linke,
Mitglied im Politischen Beirat des BVMW.
In den Workshops: gemeinsam Stärke entwickeln.
Prof. Dr. Christian Pfeiffer,
Direktor des kriminologischen Forschungsinstituts
Niedersachsen, Innenminister Niedersachsen a. D.
89
BVMW
Der Mittelstand. | 5 | 2014
Der BVMW trauert um
Senator h. c. Prof. Dr. Dr.
Peter Scholl-Latour
Mit Bestürzung und tiefer Trauer hat der BVMW
den Tod von Prof. Dr. Dr. Peter Scholl-Latour aufgenommen. Der herausragende Journalist, Bestsellerautor und streitbare Publizist ist am 16. August
2014 im Alter von 90 Jahren nach schwerer Krankheit in
seinem Wohnort Rhöndorf bei Bad Honef verstorben.
Dem BVMW, und insbesondere seinem Präsidenten
Mario Ohoven, war Dr. Dr. Scholl-Latour stets eng ver­
bunden. Als Mitglied des Bundeswirtschaftssenates
wirkte der Jahrhundert-Journalist maßgeblich bei zahl­
reichen Veranstaltungen mit, inspirierte und faszinierte
durch seine Reden und Vorträge. „Ich habe in Peter SchollLatour einen väterlichen Freund und klugen Mentor
verloren“, fasste Mario Ohoven seine Trauer in Worte.
Auf der Adventsgala des Bundeswirtschaftssenats im
Dezember 2013 wurde Dr. Dr. Scholl-Latour in Wür­
digung seines Lebenswerkes durch die Ernennung
zum Senator h. c. geehrt. Im Rahmen der Gala hielt
er den Vortrag „Die Welt aus den Fugen“, eine beein­
druckende Bilanz seiner jahrzehnte­langen Arbeit als
Korrespondent in nahezu allen Ländern der Erde.
Der promovierte Politologe, Arabist und Islamwissen­
schaftler galt als führender Experte für den Nahen
und den Fernen Osten. Seine Bücher erreichten
Millionenauflagen. Seine letzte Monographie „Der
Einmaliges Lebenswerk: Senator h. c. Prof. Dr. Dr.
Peter Scholl-Latour bei seinem Vortrag beim
Bundes­wirtschaftssenat im Dezember 2013.
Fluch der bösen Tat. Das Scheitern des Westens im
Orient.“ erschien als eine Art Vermächtnis kurz nach
seinem Tode.
Mit Prof. Dr. Dr. Peter Scholl-Latour ist einer der
großen Denker und Welterklärer von uns gegangen.
Der BVMW wird ihn in dankbarer, respektvoller
Erinnerung behalten. 
Impressum
Der Mittelstand.
Unternehmermagazin des BVMW
Herausgeber
BVMW – Bundesverband
mittelständische Wirtschaft,
Unternehmerverband
Deutschlands e. V.
Präsident Mario Ohoven
Mosse Palais, Leipziger Platz 15
10117 Berlin
www.bvmw.de
Dieser Ausgabe liegen die Broschüren
„Der Bundeswirtschaftssenat im
Dialog“ mit Kai Furler und
Arthur Zimmermann bei.
Titelbild:
© iStock.com / eli_asenova
Redaktion
Tel.: 030 / 53 32 06-16
Fax: 030 / 53 32 06-50
mittelstand@bvmw.de
Eberhard Vogt (Chefredakteur)
Rotger H. Kindermann (Korrespondent)
Judith Blask
Chiara Ohoven
Friederike Pfann
Verlag
mattheis. werbeagentur gmbh
Kastanienallee 4
10435 Berlin
Tel.: 030 / 34 80 633-0
Fax: 030 / 34 80 633-33
info@mattheis-berlin.de
www.mattheis-berlin.de
Layout und Gestaltung, Mediadaten,
Vermarktung v. Anzeigen & Beilagen
mattheis. werbeagentur gmbh
Tel.: 030 / 34 80 633-0
Fax: 030 / 34 80 633-33
bvmw-anzeigen@mattheis-berlin.de
Rechnungsstelle
BVMW Servicegesellschaft mbH
Mosse Palais, Leipziger Platz 15
10117 Berlin
Tel.: 030 / 53 32 06-26
Fax: 030 / 53 32 06-50
theresa.collberg@bvmw.de
Druckerei
Möller Druck und Verlag GmbH
Zeppelinstr. 6, 16356 Ahrensfelde
Das Magazin „Der Mittelstand.” ist das
offizielle Organ des BVMW. Mitglieder
des Verbandes erhalten das Magazin
im Rahmen ihrer Mitgliedschaft. Die
Redaktion übernimmt keine Haftung
für unverlangt eingesandte Manu­
skripte, Fotos und Illustrationen.
Namentlich gekennzeichnete Beiträge
sowie Selbstdarstellungen von Unter­
nehmen müssen nicht der Meinung der
Redaktion entsprechen. Nachdruck
und Verbreitung mit Angabe der
Quelle gestattet.
Druckauflage: 30.000
3/2014
Foto: Thimo Napierski
90
Dell empfiehlt Windows.
Er ist nicht Ihr Zweit-PC.
Er ist Ihr einziger PC.
Der Dell Venue 11 Pro bietet die Mobilität eines TabletPCs und die Leistung eines Notebooks, kombiniert mit
der Benutzererfahrung eines Desktop-PCs. Dank Dell
ProSupport* und unseren Sicherheitslösungen können
Sie sich darauf verlassen, dass Ihre wertvollen Daten
jederzeit sicher sind.
Der 27,4 cm (10,8") große Dell Venue 11 Pro:
mobil wie ein Tablet, leistungsstark wie ein
Ultrabook™ und benutzerfreundlich wie ein
Desktop-PC. Schon ab
394 €
469 €
zzgl. MwSt. inkl. MwSt.
Preise zzgl. 25 € Versand
(30 € inkl. MwSt.)
Essenzielles Zubehör für unübertroffene Flexibilität
Dell Tablet-PC-Tastatur – mobile Ausführung
Dell Tablet-PC-Dockingstation
Targus Rugged Max Pro Schutzhülle
Diese Chiclet-Tastatur in Standardgröße
lässt sich völlig unkompliziert an den Dell
Venue 11 Pro anschließen und ist mit einem
Touchpad sowie einem integrierten Akku
ausgestattet.
Über die Dockingstation können Sie
schnell eine Netzwerkverbindung
aufbauen sowie bis zu zwei Monitore
(HDMI und DisplayPort), eine Tastatur,
eine Maus und andere Geräte anbinden.
Diese Schutzhülle wurde speziell für den
Dell Venue 11 Pro entworfen. Sie absorbiert
Stöße und bietet optimalen Schutz für Ihr
System, auch unter härtesten Umgebungsund Einsatzbedingungen.
Mehr Informationen unter Dell.de/tablet.
Angebote gültig bis zum 31.10.2014. Dell GmbH, Main Airport Center, Unterschweinstiege 10, 60549 Frankfurt am Main. Geschäftsführer: Doris Albiez, Jürgen Renz, Mark Möbius. Vorsitzende des
Aufsichtsrates: Benedikte Leroy. Eingetragen beim AG Frankfurt am Main unter HRB 75453, USt.-ID: DE 113 541 138, WEEE-Reg.-Nr.: DE 49515708. Es gelten die allgemeinen Geschäftsbedingungen
der Dell GmbH. Druckfehler, Irrtümer und Änderungen vorbehalten. Preise inklusive Mehrwertsteuer sind auf volle Euro gerundet. Produkte können von Abbildungen abweichen. Dell™, das Dell
Logo und Dell Venue 11 Pro sind eingetragene Marken von Dell Corporation oder ihrer Tochtergesellschaften in den USA und anderen Ländern. Ultrabook, Celeron, Celeron Inside, Core Inside,
Intel, Intel Logo, Intel Atom, Intel Atom Inside, Intel Core, Intel Inside, Intel Inside Logo, Intel vPro, Itanium, Itanium Inside, Pentium, Pentium Inside, vPro Inside, Xeon, Xeon Phi, und Xeon Inside sind
Marken der Intel Corporation in den USA und anderen Ländern. Microsoft®, Windows® und Windows 8 sind eingetragene Marken oder Marken der Microsoft Corporation in den USA und/oder in
anderen Ländern. *Die Verfügbarkeit und die Geschäftsbedingungen der Services von Dell™ sind je nach Region unterschiedlich. Weitere Informationen finden Sie unter Dell.de/prosupport.
Alles
mach’
Wichtige
ich selbst!
Erst recht, wenn es um meine Finanzen geht.
Einfach erfolgreich
Buchhaltung, Aufträge, Rechnungen oder Lohn und Gehalt: Mit Lexware haben Sie mit einem Klick alle
Geschäftszahlen selbst im Blick – im Büro, zu Hause oder unterwegs. Egal, ob Sie das erste Mal mit
Buchhaltung zu tun haben oder Vollprofi sind. Jetzt 4 Wochen kostenlos testen! www.lexware.de
Document
Kategorie
Kunst und Fotos
Seitenansichten
361
Dateigröße
9 555 KB
Tags
1/--Seiten
melden