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Drogen - Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim

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Drogen
Prof. (apl.) Dr. Derik Hermann
Klinik für Abhängiges Verhalten und Suchtmedizin Zentralinstitut für Seelische Gesundheit Mannheim, Universität Heidelberg
Inhalt
• Amphetamine
• Heroin
In breaking bad geht es um einen biederen Chemielehrer, der an
Lungenkrebs erkrankt. Um seine Krebstherapie zu bezahlen und
Rücklagen für seine schwangere Ehefrau anzusparen, nutzt er seine
Chemielehrerkenntnisse, um die Droge Methamphetamin herzustellen.
‐ 2014 als beste Serie der Welt ins Guinness‐Buch der Rekorde
eingetragen ‐
Wie werden Amphetamin‐ähnliche Drogen hergestellt?
Grundformel: Phenylethylamin
Amphetamine
• Akute Intoxikation: Euphorie, Unruhe, Hypervigilanz, Hyperaktivität,
erhöhte Libido, vermindertes Schlafbedürfnis, Selbstüberschätzung
• Danach: dysphorische Verstimmung, Niedergeschlagenheit,
Antriebslosigkeit, Müdigkeit und Erschöpfung
• Rasche körperliche und pharmakodynamische Toleranz
bzgl. Euphorie und RR↑
• Bei chronisch: aggressives Verhalten, Stereotypien, Psychose
• Lange Wirkung (HWZ 10-30 Std)
Amphetamine
Komplikationen:
•
Aggressivität
•
Schlafmangel
•
Psychose
•
Morbus Parkinson
•
Bewusstseinstrübungen bis zum Koma
•
Kardiale Arrhythmien
•
Herzinfarkte
•
hypertensive Krisen mit intrazerebralen
Hämorrhagien
•
Atemdepression
•
ampfanfälle
•
Dyskinesien, Dystonien
Opiate
24.02.2015
Prof. Dr. Vorname Nachname Themennennung
Seite 10
Heroin
Injektion:
Heroinpulver wird mit Wasser und Zitronensäure durch
Erhitzen gelöst und durch Watte oder Zigarettenfilter
filtriert aufgezogen.
Rauchen:
auf Aluminiumfolie von unten langsam erhitzt.
Schnupfen: durch ein Röhrchen in die Nase eingezogen
• 0,5 bis 3 g Heroin pro Tag
• drei oder mehr Injektionen/d,
• bei Nichtgewöhnung wäre diese Dosis mehrfach tödlich
Wirkung:
beruhigend, entspannend, schmerzlösend,
bewußtseinsmindernd, stark euphorisierend
Wer wird heroinabhängig?
• Mißbrauch im Kindesalter
• Aufgewachsen im Heim
• Migranten aus Russland und anderen Ländern ohne funktionierendes
Drogenaufklärungssystem und harten sozialen Umständen
Behandlung Opiatabhängigkeit
Stationäre Entzugsbehandlung:
a) „kalter Entzug“ = abruptes Beenden → 5-15 Tage starke
Entzugssymptome
b) Fraktionierter Entzug = Ersatz des Heroins durch Methadon oder
Buprenorphin → schrittweise Dosisreduktion
c) Cave: nach Entzug hat sich die Toleranz zurückgebildet → bei
Rückfall ist die „gewohnte“ Menge eine Überdosis → häufigste
Todesursache bei Opiatabhängigen
d) Behandlung anderer körperlicher und psychischer
Erkrankungen
e) Arbeit, Wohnung, Familie, Partnerschaft, Finanzen
Behandlung Opiatabhängigkeit
Substitutionsbehandlung
D-L-Methadon (1 ml = 10 mg) = L-Polamidon ( 1ml = 5 mg), Übliche
Substitutionsdosis 3-10 ml
Buprenorphin = partieller Agonist am μ-Opiat-Rez. und Antagonist am κOpiat-Rez., übliche Substitutionsdosis 4-16 mg
Erstdosis Buprenorphin darf nur gegeben werden, wenn bereits
Opiatentzugssymptome vorliegen. Sind noch andere Opiate im
Körper (z.B. Heroin od. Methadon) führt Buprenorphin zu
Entzugssymptomen
Vorteile Buprenorphin:
•
Opiat-Rez sind für andere Opiate blockiert, daher wirkt
Heroin nicht mehr
•
lange HWZ, daher Einnahme jeden 2. Tag möglich
•
Weniger Entzugssymptome bei Entzug, aber teuerer
Cochrane Review 2009: Substitution versus keine Substitution
• Methadonbehandlung reduzierte Heroingebrauch (Urin/HaarAnalysen und Selbstangabe; RR 0,66) und hielt Patienten in
Behandlung
• Nicht signifikante Reduktion krimineller Aktivitäten (3 RCTs, RR
0,39) und der Mortalität (4 RCTs, RR 0,48)
• Die substitutionsgestützte Behandlung Opiatabhängiger ist „state of
the art“, entspricht dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft
Mattick RP, Breen C, Kimber J, Davoli M. Methadone maintenance therapy versus no opioid replacement therapy for opioid dependence.Cochrane Database Syst Rev. 2009 Jul 8;(3):CD002209
Stigmatisierung von Opiatabhängigen verhindert Inanspruchnahme von Therapie •
•
•
63% von 106 Substitutionspatienten fühlen sich diskriminiert, in der Vergleichsgruppe nur 16% von 144 Personen.
Stigmatisierung reduziert Lebensqualität
Enger Zusammenhang mit Depressivität, Ängstlichkeit und Selbstwertgefühl
Frischknecht U, … Hermann D, Eur Addict Res. 2011
Frischknecht U, Hermann D, et al. Eur Arch Psychiatry Clin Neuroscience 2012
PREMOS-Studie 2011:
Predictors
Moderators
and Outcome
of Substitution
Treatments
Nicht in Substitution zu sein, ist ein hohes Risiko!
Todesursachen differenziert
nach Geschlecht,
Substitutionsstatus und –mittel
zum Todeszeitpunkt bzw.
beim letzten Kontakt
Methadon / Buprenorphin – Einnahme unter Sicht
Unangekündigte Drogenurinkontrollen unter Sicht 2 x/Monat
Gesetzliche Grundlage
• Welche Mittel verordnet werden dürfen, entscheidet der Gesetzgeber
• Betäubungsmittelgesetz
• Betäubungsmittelverschreibungsverordnung
• Richtlinien der Bundesärztekammer
• Richtlinien des Bundesausschusses der Ärzte und Krankenkassen
• Arzneimittelgesetz
• EBM (Vergütung)
„Früher litten wir an Verbrechen, heute an Gesetzen“ Tacitus, ca. 55n Chr
Zahl der Drogentoten 2012: 944
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•
Monovalente Vergiftungen durch Opioide/ Opiate: 241
Polyvalente Vergiftungen durch Opioide/ Opiate: 375
Kokain/ Crack: 53
Amphetamin/ Methamphetamin: 65
Suizide 48
Langzeitschäden 110
Unfälle 18
Cannabis 0
Alkohol 20.000 (Alkohol+Tabak: 55.000)
Tabak 120.000
Opiatintoxikation als akuter Notfall
Die conditio sine qua non für eine Opiatintoxikation ist die Atemdepression
Eine Atemdepression ist definiert als eine Atemfrequenz ˂ 12/min
Weitere typische klinische Zeichen
 Miosis („stecknadelkopf große Pupillen“)
 Stupor
 Fehlende Darmgeräusche
Ferner:
 Compartementsyndrom
 Rhabdomyolyse
 ANV durch Crushniere
Unerwünschte Heroin‐Überdosis ist selten!
40% von 132 Pat im stat. Opiatentzug hatten unerwünschte Überdosis in Vorgeschichte (Strang et al. 2003, BMJ)
300 norwegische Heroinabhängige wiesen durchschnittl. 4,8 Überdosierungen auf (Ravndal & Amundsen 2010)
•…daher (para)suizidale Überdosis in Betracht ziehen
• Überdosis als Symptom massiver Probleme → psychiatrische
Behandlung einleiten!
• 4-Wo Mortalität nach behandelter Überdosis erhöht
• Stationäre psychiatrisch-suchtmedizinische Behandlung anstreben
• Ähnliches gilt für massive, lebensgefährliche Intoxikationen mit
anderen Substanzen (Alkohol, Pregabalin, GHB, Kokain,
Amphetamine)
• Akut: Patient wach halten und auffordern zu atmen!
Antidote Intoxikation
 Opiat-Intoxikation:
Naloxon
0,4-2mg i.v.(s.c., i.m.) initial
falls nötig alle 2-5 min wdh.
cave: wg kurzer HWZ rasches Wieder-Eintrüben
 Benzodiazepin-Intoxikation:
Flumazenil
0,2mg i.v. in 15 sec initial,
ggf. alle 60 Sek. 0,1mg,
maximal 1mg
cave: sofortiger epileptischer Anfall
 Anticholinergica-Intox.: Physostigmin 1-2mg langsam i.v. unter
Monitor-Kontrolle
 Besser: Intensivmedizinische Überwachung, ggf. Beatmen, bis
Wirkung der Droge wieder abgeklungen ist
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