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I N T E R V I E W 31
Selbstbestimmt
leben
Warum Patientenverfügung
und Vorsorgevollmacht
so wichtig sind
Aufmacher: ©Squaredpixels/iStockphoto.com
Christian Schürmann
(48) ist Rechtsanwalt
und leitet eine Kanzlei
in Görwihl-Stritt
Görwihl-Strittmatt
(Baden-Württem
(Baden-Württemberg).
Der Baptist gehört
zum Netzwerk „Christ
und Jurist“. Er ist verheiratet und Vater von drei Kindern.
www.ra-schuermann.eu
Tel. 07754 929458
Testamente, Patientenverfügungen
oder Vorsorgevollmachten sind in Familien oft ein Tabuthema. Warum fällt
es so schwer, sich damit zu befassen?
Weil es mit Krankheit und Tod zu tun
hat. Wir leben in einer Gesellschaft, in der
Gesundheit und Wohlergehen das höchste Gut sind. Es sind übrigens vor allem
Männer, die sich damit sehr schwer tun.
Solange sie noch halbwegs fit sind, sehen
sie keinen Handlungsbedarf. Ich halte es
lieber mit dem Psalm 90, Vers 12 – „Lehre
uns bedenken, dass wir sterben müssen,
auf dass wir klug werden“: Wir müssen davor keine Angst haben, sondern es macht
uns weise, sich mit den letzten Dingen zu
beschäftigen. Denn dann leben wir das Leben mehr vom Ende her.
Was wird in einer Patientenverfügung
festgelegt?
Eine Patientenverfügung kommt in der
Regel nur dann zum Tragen, wenn mehre-
ideaSpezial 3.2014
Selbstbestimmt bis ins hohe Alter leben zu können ist ein
hohes Gut. Doch was passiert, wenn man wegen eines Unfalls
oder einer schweren Erkrankung seine Wünsche und seinen
Willen nicht mehr mitteilen kann? Rechtsanwalt Christian
Schürmann erklärt, wie wichtig deswegen Patientenverfügung
und Vorsorgevollmacht sind. Er erläutert, was beim Verfassen
zu beachten ist, damit nicht andere die notwendigen
Entscheidungen treffen. Ein Interview von Daniela Städter.
re Voraussetzungen erfüllt sind: Bei einem
Menschen muss zum einen, bestätigt von
zwei Ärzten, entweder durch eine Krankheit oder einen schweren Unfall in absehbarer Zeit und nach menschlichem Ermessen unaufhaltbar der Tod eintreten oder
das Bewusstsein unumkehrbar verloren
sein. Zum anderen muss er nicht mehr in
der Lage sein, seinen Willen dahingehend
zu äußern, wie die Behandlung erfolgen
soll. Wenn der Patient dann in seiner Verfügung festgelegt hat, dass der Eintritt
des Todes mit allen Mitteln hinausgeschoben werden soll, so wird der Arzt alles versuchen, das Leben zu verlängern. Dies
kann etwa durch künstliche Ernährung,
Anschluss an eine Herz-Lungen-Maschine
oder durch Reanimation erfolgen. Wenn
der Patient aber in seiner Patientenverfügung beispielsweise erklärt hat, dass er
auf lebensverlängernde Maßnahmen verzichtet und etwa geschrieben hat: „Ich
bin bekennender Christ und werde, wenn
es mit meinem Leben hier auf Erden zu
Ende geht, endlich schauen, was ich geglaubt habe“, dann wird und darf der behandelnde Arzt keine lebensverlängernden Maßnahmen ergreifen. Es geht in der
Regel immer nur um eine Situation, in der
klar ist, dass der Tod früher oder später sowieso eintreten wird bzw. bei einer Gehirnschädigung, bei der das Bewusstsein
unumkehrbar verloren ist.
Wer sollte eine Patientenverfügung
ausfüllen?
Das muss jeder selbst entscheiden. Man
kann nie wissen, wann etwas passiert. Es
kann ja zum Beispiel auch ein 30-Jähriger
einen so schweren Unfall erleiden, dass er
nur noch künstlich am Leben erhalten werden kann. Dann stellt sich die Frage, ob die
Geräte abgeschaltet werden sollen oder
nicht. Deswegen macht es durchaus Sinn,
auch als junger Erwachsener eine Patientenverfügung zu verfassen. Ab einem Al-
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ter von 60 bis 70 Jahren sollte allerdings
jeder eine Patientenverfügung formuliert
haben.
Wie verfasst man eine Patientenverfügung?
Es gibt im Internet unzählige Vordrucke,
auf die man zurückgreifen kann. Aber Vorsicht: Nicht alle sind rechtlich bindend formuliert und gut erklärt. Man sollte sich
über eines immer im Klaren sein: Ein falsch
gesetztes Kreuz kann weitreichende Folgen haben. Ein Beispiel: Die Mutter einer
Mandantin lag jahrelang im Koma. Es war
klar, dass sie niemals wieder daraus erwachen würde. Alle waren sich einig, dass es
niemals ihr Wunsch gewesen wäre, so lange künstlich am Leben erhalten zu werden. Von dieser Frau lag eine Patientenverfügung vor. Sie hatte aber, möglicherweise weil sie die Fachbegriffe nicht einordnen konnte, an einer Stelle im Formular
das Kreuz falsch gesetzt. Deswegen durfte sie, so sah es das Betreuungsgericht in
dieser konkreten Situation, nicht sterben.
Vor diesem Hintergrund empfehle ich, sich
von einem Hausarzt, Anwalt oder Notar beraten zu lassen. Wenn aber jemand sagt,
er möchte das partout nicht, sondern er
will die Patientenverfügung selbstständig
aufsetzen, dann rate ich zu der Vorsorgebroschüre des Bayerischen Staatsministeriums der Justiz. Sie lautet „Vorsorge für Unfall, Krankheit, Alter durch Vollmacht, Betreuungsverfügung, Patientenverfügung“.
Sie kann über die Internetseite des Ministeriums, www.justiz.bayern.de, beim C. H.
Beck-Verlag oder im Buchhandel bezogen
werden. Diese Veröffentlichung enthält
ausführliche und sinnvolle Erläuterungen
zu den entsprechenden Formularen.
Wie bindend ist überhaupt eine
Patientenverfügung?
Sie verpflichtet rechtswirksam den behandelnden Arzt, wenn sie erstens individuell und zweitens aktuell ist. Individuell
ist sie nicht unbedingt, wenn man nur ein
Standardformular unterschreibt. Man muss
schon selbst formulieren, welche persönliche Einstellung man zum Leben, zum Sterben, zum Tod und etwa zum Leben nach
dem Tod hat. Diese persönlichen Angaben
sind auch deswegen so wichtig, weil eine
normale Patientenverfügung nicht alle
Details umfasst, welche Behandlung man
sich bei welchem konkreten Krankheitsbild im Einzelfall wünscht. Wenn man jede
einzelne Konstellation regeln wollte, würde die Patientenverfügung den Umfang
eines „Brockhaus“ haben. Es werden in einer Patientenverfügung bestimmte Krankheitsfälle zusammengefasst und abstrahiert. Gerade bei Grenzfragen ist eine genaue Formulierung der persönlichen Einstellung so wichtig, damit die behandelnden Ärzte in jeder Situation die vom Patienten gewollte Behandlung wählen können.
Der zweite Punkt ist die Aktualität. Man
sollte sie alle zwei Jahre neu ausfüllen
oder erneut unterschreiben. So ist etwa
die Einstellung, die man vor zehn Jahren
zum Leben und Tod hatte, nicht mehr aussagekräftig. Auch wenn zwischendurch
eine Krankheit diagnostiziert wird, sollte
man die Patientenverfügung überprüfen,
ob sie wirklich noch aktuell ist.
Was ist ein guter Aufbewahrungsort?
Manche haben die Patientenverfügung bei
ihrem Hausarzt hinterlegt. Das ist nur bedingt empfehlenswert. Es kann sein, dass
jemand ins Krankenhaus eingeliefert wird
und sein Hausarzt das gar nicht erfährt.
Sinnvoller ist es daher, einen Vorsorgeordner anzulegen und in der eigenen Wohnung zu deponieren. Dort können dann
alle wichtigen Unterlagen wie Lebensversicherungen, Vorsorgevollmacht, Testament und auch die Patientenverfügung
aufbewahrt werden. Den Ort sollte eine
Person, zu der man uneingeschränkt Vertrauen hat, kennen. Meistens ist dies der
Bevollmächtigte.
Ist man gut abgesichert, wenn man
eine Patientenverfügung ausgefüllt
hat? Oder sollte man beispielsweise
eine Vorsorgevollmacht aufsetzen?
Unbedingt! Bei einer Patientenverfügung regelt man, wie man in einer bestimmten gesundheitlichen Konstellation
behandelt werden will, wenn man selbst
nicht mehr ansprechbar ist. Wenn ich eine
Patientenverfügung habe, aber keine Vorsorgevollmacht erteilt habe, dann gibt es
oft niemanden, der dafür sorgt, dass meine Wünsche und mein Wille auch wirklich
umgesetzt werden. Da hilft die Verfügung
allein wenig. Wenn man keinen Bevollmächtigten einsetzt, dann muss in der Regel das Betreuungsgericht einen Betreuer
bestellen, der dann die notwendigen Entscheidungen trifft. Bei einer Vollmacht trägt
der Bevollmächtigte die Verantwortung
dafür, dass die Patientenverfügung dem
behandelnden Arzt überhaupt vorgelegt
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wird und dass sie dann auch bei der Behandlung umgesetzt wird.
Was sollte man bei der Auswahl des Bevollmächtigten beachten?
Man sollte dafür eine Person auswählen,
der man nach Möglichkeit zu 100 Prozent
vertraut. Schließlich geht es oft nicht nur um
die Regelung der gesundheitlichen Fragen,
sondern auch um die finanziellen Angelegenheiten. In den meisten Fällen können das
der Ehepartner oder die Kinder übernehmen. Wenn aber etwa die Ehepartner beide
schon über 80 Jahre alt sind, macht es wenig
Sinn den Partner zu nehmen, da dieser in der
IHR GUTES RECHT
konkreten Situation möglicherweise überfordert wäre. Im Gegensatz zur Patientenverfügung ist eine Vollmacht unbefristet so
lange wirksam, bis der Aussteller sie widerruft. Auch wenn es schwerfällt, sich mit diesen letzten Dingen zu beschäftigen: Ich kann
nur dazu ermutigen und habe immer wieder erlebt, dass Menschen dankbar und erleichtert waren, nachdem sie alle Dinge geregelt hatten.
Woher kam die Erleichterung?
Zum einen, weil nur so sichergestellt ist,
dass der eigene Wille auch in Notlagen umgesetzt wird. Zum anderen, weil man damit
seiner persönlichen Verantwortung gerecht
geworden ist. Aus meiner Sicht ist es ein Bestandteil der Würde des Menschen, eigenverantwortlich seine existenziellen Fragen
zu regeln. Wer dagegen die offenen Fragen
nicht klärt, macht sich entweder abhängig
von den Entscheidungen eines Betreuers,
der von außen kommt, oder aber er bürdet
seinen Angehörigen oftmals eine große Last
auf. Denn sie sind es dann, die Entscheidungen treffen müssen, manchmal sogar über
Leben und Tod. Ohne den erklärten Willen
des Betroffenen zu kennen, führt dies oft
zu Gewissensnöten und Überforderung.
l
Und das muss eigentlich nicht sein.
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Seele and Geist
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