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Frühjahrsbestellung Kartoffeln - Landwirtschaftliches Wochenblatt

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FRÜHJAHRSBESTELLUNG KARTOFFELN
Landwirtschaftliches Wochenblatt
INHALT
Frühe Ware
mit hoher Qualität . . . . . . . . . 21
Die Beizung
ist unverzichtbar . . . . . . . . . . 24
Foto: Große Enking
Schwerpunkt Vorauflauf . . . . 28
Frühe Ware mit hoher Qualität
Nur mit frühem Pflanzen ist es noch lange nicht getan. Wer im
Frühkartoffelanbau beste Qualitäten zeitig auf den Markt bringen will,
muss in der gesamten Saison alle Register des Anbaus ziehen.
Im Detail ist die Sache schon
schwieriger. Um sehr frühe Ware
zu produzieren, muss die Sorte bestimmte Eigenschaften mitbringen. Zuerst ist eine hohe Keimfreudigkeit zu nennen, damit das
Pflanzgut schnell in Keimstimmung kommt und man gut vorbe-
1 Schnelle Sortentypen sind gefragt
Ertragsparameter zweier Sortentypen (A+B) 2014 im Zeitverlauf, sehr frühe
Speisesorten
14
10
9
12
% Stärke
Die gute Frühkartoffelsorte
Der Grundstein für einen erfolgreichen Anbau von Frühkartoffeln
wird mit der sorgsamen Auswahl
der zum Produktionsziel passenden Sorte gelegt. Um einen reibungslosen Saisoneinstieg zu erreichen, muss man sich zuerst die
Frage stellen, was denn eine gute
Frühkartoffel ausmacht.
Grob ist das schnell gesagt: Möglichst früh eine optisch ansprechende, geschmacklich überzeugende und gut handelbare Ware zu
produzieren.
reitete Knollen auspflanzen kann.
Darüber hinaus sollte die Sorte
aber auch über eine kurze Wachstumszeit verfügen, damit sie zügig
abreift und gut erntbare Ware liefert. Zusätzlich zu diesen „Sprintereigenschaften“ sollte der Knollenansatz früh und nicht zu hoch
8
10
7
8
6
6
4
5
3
4
2
2
0
Boniturnote *
D
ie Kartoffel eignet sich wie
kaum ein anderes landwirtschaftliches Produkt für die
Direktvermarktung. Daher sollte
ihr eine besondere Rolle im Betrieb
zukommen. Gute innere wie äußere Qualitäten sind Bedingung, aber
auch eine frühe Ernte bedeutet einen Vermarktungsvorsprung. Allerdings kann dieses nur mit der
richtigen Wahl einer sehr frühen
Sorte und zeitiger Pflanzung nicht
erreicht werden. Auch viele ackerbauliche und produktionstechnische Grundsätze müssen beachtet
werden.
sein, damit in der kurzen Wachstumszeit alle Knollen eine bestimmte Mindestgröße erreichen.
Es macht wenig Sinn, spät viele
Knollen anzusetzen, die dann zu
viel Zeit zum Dickenwachstum benötigen, oder wegen einer schnellen Abreife keine Chance haben,
überhaupt eine akzeptable Sortierung zu erreichen. Damit bei allen
Ertrags- und Sortierungsvorgaben
der Geschmack nicht zu kurz
kommt, ist ganz wichtig, dass die
Sorte schnell Stärke einlagert und
früh einen gewissen Mindeststärkegehalt erreicht.
Ein weiteres, ursprünglich vom
Handel gefordertes Kriterium ist
eine frühe Festschaligkeit. Dieser
Parameter erlaubt eine Aussage
über die Stabilität des Ernteguts.
Festschalige Ware lässt sich einfacher lagern, ohne große Feuchtigkeitsverluste und Veränderung der
Schalenfarbe, was auch in der Direktvermarktung von Bedeutung
sein kann.
1
1. Rod
A % Stärke
2. Rod
B % Stärke
A Schalenfestigkeit Note
Rodetermine
3.Rod
A Reife Note
4. Rod
0
B Reife Note
B Schalenfestigkeit Note
* Schalenfestigkeit: 9 = losschalig, 5 = Schale lässt sich leicht abschälen, 3 = Schale mit Daumendruck lösbar;
Abreife: 9 = Bestand tot, 5 = 50 % der Blätter vergilbt oder tot, 3 = Pflanze vergilbt zunehmend
Große Sortenunterschiede
Anhand ihrer Wachstumszeit werden die Kartoffeln in sehr frühe,
frühe, mittelfrühe und späte Sorten unterteilt. Aber bereits in dem
ersten Segment „sehr früh“ bestehen deutliche Sortenunterschiede.
Wie stark sich Speisekartoffeln im
Segment sehr frühe Reife unterscheiden können, soll am Beispiel
zweier Sorten dieser Kategorie aufgezeigt werden (Übersicht 1). Sortentyp A zählt zu den sogenannten
Sprintern. Bereits früh werden
10 % Stärke erreicht, lange bevor
9 / 2015
21
FRÜHJAHRSBESTELLUNG KARTOFFELN
Kurze Frostperioden überstehen
Frühkartoffeln
besser, wenn sie
mit Folie oder
Vlies abgedeckt
werden. Nicht zu
unterschätzen ist
der Arbeits- und
Kostenaufwand.
die Sorte in die Reife übergeht. Die
Abreife findet kontinuierlich statt,
bei gleichzeitig zunehmender
Schalenfestigkeit. Anders der Sortentyp B, der die 10-%-Stärkegrenze etwa 14 Tage später erreicht. Die
Abreife ist deutlich später als beim
Typ A und verläuft auch langsamer. Ähnlich verhält es sich mit
der Schalenfestigkeit, die ebenfalls
etwa 14 Tage später einsetzt. Es ist
leicht abzulesen, dass sich eine
frühzeitige Ernte mit Sortentyp A
leichter erreichen lässt.
An dem obigen Beispiel sieht man,
dass die richtige Sorte bereits eine
ganze Menge an wichtigen Eigenschaften mitbringen muss, um sich
als eine „Frühkartoffel“ zu empfehlen. Im nächsten Schritt liegt es
nun am Landwirt, dieses im Anbau
auch umzusetzen.
Standort gezielt wählen
Mit Auswahl des geeigneten
Standorts beginnt das neue Kartoffeljahr. Er sollte zügig bearbeitbar
sein, damit man im Frühjahr den
Boden schnell für die Auspflanzung bereiten kann. Ebenso muss
er leicht erwärmbar sein, damit
sich die gepflanzten Knollen rasch
entwickeln können. Das spricht alles für einen eher leichten sandigen Boden oder mindestens einen
sandigen Lössboden. Die reinen
Sandböden haben zwar den Vorteil
der schnellen Erwärmung, belasten aber wegen ihrer scharfen Körner die junge Schale, sodass es hier
oft zu losschaliger Ernte und deswegen bei empfindlichen Sorten
wie Annabelle sogar zu Fäulnis
kommen kann.
Vorkeimen ist Pflicht
Einen schnellen Auflauf erreicht
man, indem man das Pflanzgut gut
konditioniert. Ein Vorkeimen sollte Pflicht beim Anbau von Frühkartoffeln sein. Richtig durchgeführt spart das sieben bis zehn Tage
an Wachstumszeit. Besonders bei
kühlen Pflanzbedingungen beginnen vorgekeimte Kartoffelknollen
bereits mit Wurzel- und Trieb-
Landwirtschaftliches Wochenblatt
wachstum, während unvorbereitetes Pflanzgut untätig im Boden
bleibt.
Oberstes Ziel des Vorkeimens sind
stabile, 1 bis 2 cm lange Lichtkeime, die in der Pflanzmaschine
nicht abbrechen. Diese erreicht
man nur durch intensive Belichtung mittels natürlichem oder
künstlichem Licht. Dabei ist die
Lichtfarbe von geringerer Bedeutung als die Lichtintensität und die
gleichmäßige Ausleuchtung aller
Kisten. Hier bieten künstliche
Lichtquellen Vorteile, da sie so
platziert werden können, dass alle
Kisten gleichmäßig ausgeleuchtet
werden können. Bei natürlicher
Belichtung wie in klassischen Vorkeimhäusern kann es notwendig
sein, die Kistenstapel von unten
nach oben umzuschichten, damit
alle Knollen gleichartige Keime bekommen. Nicht zu vernachlässigen ist eine ausreichende Lüftung
der Vorkeimräume, um eine zu
hohe Luftfeuchte und Sauerstoffmangel zu vermeiden.
Vlies und Folie gegen Frost
Ein zusätzlicher Wachstumsvorsprung bietet die Auflage von Folie
oder Vlies. Die isolierende Wirkung der Auflage führt zu einer
besseren Erwärmung des Bodens
und einer erhöhten Isolation gegenüber kühlen Nachttemperaturen. Bei kurzen Frostperioden
bietet die reine Folie Schutz bis
–1 °C, Vlies bis –3 °C und bei Doppelabdeckung von Folie und Vlies
kann man die Bestände bis –5 °C
schützen.
Vlies hat den Vorteil der besseren
Wasserdurchlässigkeit, was in trockenen Jahren eine Beregnung zulässt und eine erhöhte Bodenherbizidwirkung verspricht. Die
Durchlüftung ist besser, es kommt
daher bei sehr hoher Sonneneinstrahlung weniger zu Überhitzung
und das Vlies kann länger auf dem
Bestand verbleiben. Dafür ist Vlies
teurer als Folie, ist schwerer aufzulegen und birgt in feuchten Jahren ein höheres Krautfäulerisiko.
Dennoch können bei richtigem
2 Sortenempfehlung für den frühen Anbau
Eigenschaften von Frühkartoffelsorten; Erfahrungen aus dem Anbau 2013–2014
Keimschnelle
schnelle
frühe Schageringer
KocheigenSorte
freudigkeit Stärkebildung
Abreife
lenfestigkeit Knollenansatz Geschmack
schaft
Solist
+
++
++
++
+
+
vorwieg. fest
Nandina
+
++
++
+(+)
+
+
vorwieg. fest
Annabelle
++
0*
+
–
–
++
fest
Alexandra
–
+
–
–
0
++
fest
Suzan
0
+
–
0
++
+
fest
Colomba
++
–
++
–
0
+
fest
* Endstärkegehalt sortenbedingt niedrig
22
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Ertrag
0
+
+
0
++
++
Auf den Punkt gebracht
•
Eine gute Frühkartoffelsorte
produziert möglichst früh eine
optisch ansprechende, geschmacklich überzeugende und
gut handelbare Ware.
• Vorkeimen sollte Pflicht beim
Anbau von Frühkartoffeln sein.
Richtig durchgeführt spart das
sieben bis zehn Tage an Wachstumszeit.
• Die Stickstoff-Düngung muss
begrenzt werden. Bei zu hohem
N-Angebot wird mehr Wasser
eingelagert, was wiederum den
Stärkegehalt in der Knolle senkt.
• Für die allerfrüheste Rodung
gut geeignet sind die Sorten Solist und Nandina. Beide Sorten
überzeugen bei Stärkebildung,
Abreife und Schalenfestigkeit.
Einsatz von Vlies oder Folie im
besten Fall weitere sieben bis zehn
Tage Ernteverfrühung erzielt werden. Der Effekt ist umso größer, je
stärker die Temperaturdifferenz
zwischen Tag- und Nachttemperaturen ist, und wenn es dabei tagsüber durch Sonneneinstrahlung zu
einer Erwärmung der abgedeckten
Bestände kommt. Nicht zu unterschätzen ist aber auch der zusätzliche Kostenaufwand von bis zu
1000 €/ha, der sich nur bei hochpreisiger Vermarktung rechnen
dürfte.
Wenige große Knollen
Auch wenn der Knollenansatz einer Sorte genetisch fixiert ist, kann
man diesen doch durch verschiedene pflanzenbauliche Maßnahmen beeinflussen. Da man im
Frühkartoffelanbau tendenziell
eher schnell, dafür aber wenige
große Knollen erzielen möchte,
sollte man die entsprechenden Parameter steuern. Dazu kann man
bereits bei der Vorkeimung darauf
achten, dass es zu einer apikalen
Keimung kommt, in der nur wenige Augen einer Knolle zum Öffnen
gebracht werden. Das lässt sich
durch Temperaturhöhe und Dauer
der Aufwärmphase variieren. Alternativ kann man die Anzahl der
Augen, später Stängel je Fläche
verringern, indem man die Knollen weiter (bis auf 38 cm Abstand
in der Reihe) ablegt oder kleineres
Pflanzgut verwendet. So bietet
man der Einzelpflanze mehr Platz,
Wasser und Nährstoffe, was zu größeren Knollen führt.
Eine flachere Ablage bedeutet
schnelleren Auflauf und damit
auch schnellere Ernte. Interessant
FRÜHJAHRSBESTELLUNG KARTOFFELN
Fotos: Lövenich
bei früher Rodung am unteren Level der Empfehlung. Chlorhaltige Kalidünger können aktuell nicht mehr zu Frühkartoffeln eingesetzt
werden.
Magnesium ist ein weiterer, nicht zu unterschätzender Nährstoff, der auch im Frühkartoffelbau
zu beachten ist. Neben seiner Bedeutung für die
Fotosynthese ist eine ausgeglichene Magnesiumversorgung Garant für einen raschen Abtransport der Assimilate und schnelle Stärkeeinlagerung in die Knolle. Achten Sie besonders
darauf, dass das K : Mg-Verhältnis im Bodenvorrat nicht wesentlich weiter als 3 : 1 wird.
Vorkeimen ist Pflicht. Ziel sind 1 bis 2 cm lange
Lichtkeime, die nicht so schnell abbrechen.
kann eine flache Ablage bei früher Rodung grüner Bestände sein, wo die Gefahr des Ergrünens
der Knollen bei reiferegulierten Beständen
nicht so sehr gegeben ist. Daher kann man kleine Mengen für die erste Vermarktung etwas flacher ablegen.
Sparsam mit Stickstoff
Im nächsten Schritt gilt es nun, die Abreife zu
beschleunigen, ohne dabei die notwendige
Wachstumszeit für Ertrags- und Qualitätsbildung zu vernachlässigen. Eine größere Bedeutung kommt hierbei der Düngung, besonders
den Hauptnährstoffen Stickstoff und Kalium
zu. Stickstoff regt das vegetative Wachstum an
und lässt die Bestände länger grün bleiben. Das
hat zur Folge, dass die Abreife des Laubs, ebenso wie die Schalenfestigkeit, verzögert ist. Gerade bei der Reiferegulierung sollte die natürliche Abreife bereits eingesetzt haben, das heißt,
die Bestände sollten schon aufhellen. Dann wirken reiferegulierende Maßnahmen deutlich
schneller.
Bei hohem N-Angebot werden die Zellen weiter
gestreckt und es wird mehr Wasser eingelagert,
was wiederum den Stärkegehalt in der Knolle
senkt. Will man das alles nicht, muss die N-Düngung begrenzt werden. Das ist bei der Zufuhr
über Mineraldünger noch leicht zu kontrollieren, die Nachlieferung aus dem Boden stellt uns
da schon vor größere Probleme. Daher sollte
man seine Frühkartoffeln nur auf Standorten
anbauen, wo die Stickstoffnachlieferung bekannt und eher gering ist.
Kali und Magnesium
Eine andere Rolle spielt der Nährstoff Kalium,
der die Stärkebildung und -einlagerung unterstützt. Hierbei ist sowohl die Kaliform als auch
die Höhe der Kaligabe zu berücksichtigen.
Kornkali mit seinem hohen Chloranteil senkt
die Stärkebildung, wenn es zeitnah zum Pflanzen ausgebracht wird. Das Gleiche gilt für zu
hohe Kaligaben, die sich ebenfalls negativ auf
die Stärkeeinlagerung auswirken. Frühkartoffelstandorte werden daher bereits im Herbst
mit Kali gedüngt oder, falls die Flächen der Auswaschung unterliegen, im Frühjahr mit Patentkali. Die Höhe der Kalidüngung orientiert sich
Kartoffeln brauchen
Qualität!
Phospor an die Knolle
Phosphor zählt nicht zu den mengenmäßig
größten Nährstoffen im Kartoffelbau. Bei kaltem, untätigen Boden ist die natürliche P-Verfügbarkeit eingeschränkt, sodass eine kleine
Menge an leicht löslichem Phosphor in Knollennähe platziert auch bei guter Grundversorgung sinnvoll ist. Dadurch wird die Wurzelentwicklung gefördert und damit die gesamte Jugendentwicklung. Wenn man nicht über die
technischen Möglichkeiten verfügt, den Dünger
in die Nähe der Knolle zu legen, sollte man zumindest zeitnah zum Pflanzen den Dünger so
ausbringen, dass er mit wenigen Arbeitsgängen
in den Knollenbereich zu liegen kommt.
Welche Sorten?
Bei der Auswahl der passenden Sorte sind die
Ergebnisse der sehr frühen Landessortenversuche hilfreich. Dabei sollte aber nicht nur die Ertragsleistung abgefragt werden, sondern vielmehr die zuvor beschriebenen Kriterien der
Frühzeitigkeit. Wie unterschiedlich diese Eigenschaften bei den zugelassenen, sehr frühen
Speisesorten sind, zeigt eine Auswahl der 2013
und 2014 geprüften Sorten aus den Landessortenversuchen (Übersicht 2).
Echte Sprinter, und damit für die allerfrüheste
Rodung gut geeignet, sind die Sorten Solist und
Nandina. Beide Sorten überzeugen bei der Stärkebildung, der schnellen Abreife und einer frühen Schalenfestigkeit. Ihre Kocheigenschaft ist
vorwiegend fest und der Geschmack gut. Mit
ihnen lässt sich früh ein Markteinstieg finden
und sie bilden so lange das alleinige Angebot,
bis geschmacklich bessere Sorten mit fester
Kocheigenschaft zur Verfügung stehen. Welche
Rolle diese Startsorten im weiteren Verlauf der
Vermarktung spielen, liegt auch an den Kundenwünschen und der Nachfrage. In Regionen,
wo der Verbraucher den langovalen, gelbfleischigen Salattyp bevorzugt, stellen die Sprinter
nur die Vermarktungsmengen für die ersten
beiden Rodewochen, ehe auf den anderen Typen umgestellt wird. Stellen die Salattypen
nicht die Hauptpräferenz der Kundschaft dar,
können sie bis zu den Anschlusssorten vermarktet werden.
Es ist deutlich geworden, dass der Anbau von
Frühkartoffeln zur hohen Schule des Kartoffelanbaus zählt. Die Basis legt man mit der Auswahl der richtigen Sorte. Standortwahl und die
richtige Produktionstechnik begleiten den
Anbau bis zur frühen Ernte. Spielt dann noch
das Wetter mit, hat man ein hochwertiges Produkt, das von der Kundschaft sehnlichst erwartet wird.
Peter Lövenich,
Landwirtschaftskammer NRW
MARTIN REIMANN
Anwendungsberater
für NRW, Weser-Ems
und Bremen
T 05245 6929
M 0160 9065 2974
„Meine Empfehlung:
Streuen Sie entweder 300 bis 500 kg/ha
Kalkstickstoff breitflächig vor dem Legen
oder vor dem Auflaufen bzw. 200 bis 300
kg/ha als Reihendüngung zum Legen. Die
ausgeglichene Ernährung mit Stickstoff
und Calcium sorgt für eine bessere
Knollenqualität.
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Weniger Schadfraß durch Schnecken und
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9 / 2015
23
FRÜHJAHRSBESTELLUNG KARTOFFELN
Landwirtschaftliches Wochenblatt
Die Beizung ist unverzichtbar
Foto: Große Enking
Wer qualitativ hochwertige Kartoffeln erzeugen will, kommt um eine Beizung
nicht herum. Das ist 2014 wieder deutlich geworden. Beizverfahren und
Mittel müssen dabei in Abhängigkeit vom Erreger gewählt werden.
Noch ist die Flüssigbeizung beim Legen an der Legemaschine das am weitesten verbreitete Beizverfahren. Dies könnte
schon bald von der Furchenbehandlung abgelöst werden. Neue Mittel sind in Sicht.
D
as Jahr 2014 war wieder einmal ein Jahr der Extreme.
Ein fehlender Winter, ein
zunächst zu warmes und trockenes
Frühjahr mit schneller Vegetationsentwicklung und anschließend
über viele Wochen andauernde
Starkniederschläge und Gewitter-
schauer beeinflussten die Pflanzenentwicklung deutlich. Durch
die feuchtwarme Witterung wurden zahlreiche Schaderreger gefördert, wodurch anschließend viele
Flächen Auflaufprobleme aufwiesen. Zunächst gut entwickelte Bestände blieben in ihrer Entwick-
lung stehen. Diese Pflanzen hatten
häufig kaum Feinwurzeln, wodurch die notwendigen Nährstoffe
nicht aufgenommen werden konnten. Die Ursachen hierfür waren
vielfältig. Zum Beispiel wiesen Bestände trotz Beizung starken Rhizoctonia-Befall an den Stängeln
auf. Weitere Auflaufprobleme
wurden durch Nassfäulen oder
Fusarium verursacht. Auf vielen
Flächen führte eine überdurchschnittlich hohe Anzahl an freilebenden Nematoden im Boden zu
Wurzelschäden und hierdurch zu
reduziertem Pflanzenwachstum
und zu Nährstoffmangelsymptomen. Die hohen Bodenfeuchten
führten außerdem zu offenen Lentizellen. Diese bereiteten nicht nur
Probleme bei der Krautregulierung, Schaderreger wie Nass- und
Braunfäulen, Rhizoctonia (Sklerotien, dry core) sowie Fusariumund Phoma-Trockenfäulen nutzten sie als Eintrittspforten. Die Witterung war außerdem sehr
förderlich für Colletotrichum und
Silberschorf. In diesem Jahr zeigte
sich deutlich, was die einzelnen
Beizverfahren und -mittel wirklich
können und warum eine Beizung
so wichtig ist.
Welches Beizverfahren?
Im Kartoffelanbau werden vier
Beizverfahren genutzt:
■ Bei der Puderbeizung wird das
Pflanzgut mit haftfähigen Trockenbeizmitteln beim Befüllen der Le-
24
9 / 2015
gemaschine schichtweise manuell
oder über eine Dosiereinrichtung
eingepudert, wobei die Knollen oft
ungleichmäßig gebeizt werden.
Dieses älteste Verfahren einer
Pflanzgutbehandlung kommt heute aber immer weniger zum Einsatz. Es gibt zurzeit mit Risolex nur
noch ein zugelassenes Puderbeizmittel das eine begrenzte Wirkung
gegen Rhizoctonia hat.
■ Auch die Ultra Low Volume-Technik (ULV) mit Mantis- oder Mafex-Geräten befindet sich auf dem
Rückzug. Bei dieser Beiztechnik
werden die Knollen beim Laufen
über ein Rollenband oder einen
Enterder mit Beizbrühe besprüht.
Das Beizmittel wird ohne oder mit
nur geringem Wasserzusatz durch
eine Rotationsdüse in feinsten
Tröpfchen auf die Knollen aufgebracht. Diese Beiztechnik eignet
sich gut, wenn sich die Erreger, wie
etwa Rhizoctonia-Pocken oder Silberschorf, direkt auf der Oberfläche der Pflanzknollen befinden
und keine Infektionen vom Boden
ausgehen. Dieses Beizverfahren ist
auch zu bevorzugen bei mit Nassoder Braunfäulen vorbelastetem
Pflanzgut, mit dem Ziel, möglichst
viel Wirkstoff auf die Knolle zu
bekommen. Es sollten maximal
60 bis 100 ml/dt Flüssigkeit verwendet werden. Die Knollen dürfen nicht zu nass gebeizt werden,
denn die Beizflüssigkeit kann in
den Augen stehen bleiben, dort
eine phytotoxische Wirkung auslösen, wodurch Auflaufschäden
möglich sind. Das Pflanzgut muss
nach einer ULV-Behandlung auf
jeden Fall abtrocknen und anschließend langsam heruntergekühlt werden.
Mantis- oder Mafex-Geräte werden
auch zur Keimhemmung mit
CIPC-Produkten im Lager eingesetzt. Diese einmal mit CIPC in
Auf den Punkt gebracht
•
Beiz- bzw. Furchenbehandlungen sind unverzichtbar zur
Erzeugung von qualitativ hochwertigen Kartoffelknollen.
• Die Ortiva-Furchenbehandlung ist das wirksamste Verfahren gegen Rhizoctonia, Colletotrichum und Silberschorf.
• Die Furchenbehandlung
wird, unabhängig vom Beizmittel, das Verfahren der Zukunft
sein.
• Langfristig lohnt eine Umrüstung der Legemaschine, da verträglichere Fungizide zur Furchenbehandlung in der Zulassung stehen.
FRÜHJAHRSBESTELLUNG KARTOFFELN
Fotos: Dr. Benker
Zwei Krankheiten auf
einer Knolle: links der
silbrig glänzende
Silberschorf mit scharf
abgegrenztem Rand;
rechts Colletotrichum mit
großen schwarzen
Fruchtkörpern.
Kontakt gekommenen Geräte dürfen, auch
wenn sie gereinigt wurden, nicht mehr zur Beizung eingesetzt werden, ansonsten sind Auflaufprobleme vorprogrammiert!
■ In der Praxis am weitesten verbreitet ist die
Flüssigbeizung beim Legen an der Legemaschine.
Hierbei wird die herunterfallende Knolle über
zwei Vollkegeldüsen mit dem Beizmittel besprüht. Auch bei diesem Verfahren gilt: Nicht
zu nass beizen. Maximal 80 bis 120 l/ha sollten
bei der Beizung an der Legemaschine eingesetzt
werden.
■ Bei der Furchenbehandlung handelt es sich um
ein „neues“ Applikationsverfahren (seit 2012)
an der Legemaschine zur Bekämpfung von Rhizoctonia, Colletotrichum und Silberschorf. Bei
der Furchenbehandlung wird das Fungizid
nicht auf die Pflanzknolle gesprüht, sondern die
vordere Düse appliziert ein Drittel der Spritzbrühe senkrecht nach unten in die offene Furche direkt hinter dem Furchenzieher und die
zweite, hintere Düse, die über den Zudeckscheiben angebracht ist, sprüht zwei Drittel der
Spritzbrühe in die dammbildende Erde. Somit
entsteht um die Mutterknolle herum ein Behandlungshorizont. Die Zungendüsen müssen
aber so eingestellt sein, dass das Fungizid die
Knollen nicht benetzt, da sonst bei empfindlichen Sorten Auflaufprobleme möglich sind. Bei
einer Fahrgeschwindigkeit von 6 km/h sollten
die Zungendüse DT 0,75 vorn und die Düse
DT 1,5 hinten eingesetzt werden. In den Niederlanden werden drei Düsen gleicher Größe eingesetzt: eine vorn und zwei hinten. Hierdurch
besteht scheinbar weniger die Gefahr einer
Knollenbenetzung.
Zugelassen für die Furchenbehandlung ist zurzeit nur Ortiva mit 3 l/ha. Auf leichten Sandböden (<30 Bodenpunkte) und bei Sorten mit
schwierigem Auflaufverhalten sollten zur
Vermeidung von Auflaufschäden lediglich 1 bis
2 l/ha eingesetzt werden. Um eine optimale
Wirkstoffverteilung im Boden zu gewährleisten,
wird eine Wasseraufwandmenge von 150 bis
200 l/ha empfohlen. Bei Einsatz der Ortiva-Furchenbehandlung sollte unbedingt ein unbehandelter Kontrollstreifen eingeplant werden, damit bei Auflaufproblemen geklärt werden kann,
ob Ortiva dafür verantwortlich war.
Bei der Furchenbehandlung unbedingt zu beachten sind die folgenden NG-Auflagen:
NG 340-1: Auf derselben Fläche im folgenden
Kalenderjahr keine Anwendung von Pflanzenschutzmitteln mit dem Wirkstoff Azoxystrobin.
NG 405: Keine Anwendung auf dränierten
Flächen.
Prüfpflicht beachten!
Die für die Ortiva-Furchenbehandlung umgebauten Pflanzmaschinen zählen zur Gruppe der
Bandspritzgeräte und unterliegen damit der
Prüfpflicht für Pflanzenschutzgeräte (Julius
Kühn-Institut).
Eine für die Ortiva-Furchenbehandlung
umgerüstete
Pflanzmaschine muss
spätestens sechs Monate nach der erstmaligen Ingebrauchnahme zur Gerätepflichtkontrolle. Das
bedeutet, dass Landwirte, die 2014 ihre
Pflanzmaschinen für
eine Ortiva-Furchenbehandlung umgerüstet und verwendet
haben, spätestens in
der Saison 2015 vor
der nächsten Ortiva-Furchenbehand-
1 Furchenbehandlung schützt Knollennest
Wirkbereiche der Beizverfahren im Vergleich
9 / 2015
25
FRÜHJAHRSBESTELLUNG KARTOFFELN
lung mit der Pflanzmaschine zur
Gerätekontrolle müssen.
Wirkbereiche der Verfahren
Die verschiedenen Beizverfahren
unterscheiden sich deutlich in ihrem Wirkbereich wie Übersicht 1
zeigt. Die Puderbeizung oder die
Mantis-/Mafex-Technik sichern lediglich die Pflanzknolle ab. Das Infektionspotenzial im Boden kann
damit nicht reduziert werden.
Beim Beizen an der Legemaschine
werden nur in einem kleinen Bereich um die Pflanzknolle herum
die Schaderreger reduziert. Unter
hohem
Bodeninfektionsdruck
reicht die Wirkung aber häufig
nicht aus.
Die Furchenbehandlung ist das
zurzeit wirksamste Verfahren.
Denn nur die Furchenbehandlung
sichert das ganze Knollennest gegen Schaderreger ab. Bislang kann
nur Ortiva damit ausgebracht werden. Aber seit einigen Jahren wer-
Landwirtschaftliches Wochenblatt
den auch andere, erfolgversprechende Fungizide mit dem Verfahren
der
Furchenbehandlung
geprüft. Ein großer Vorteil ist die
bessere Verträglichkeit dieser Fungizide im Vergleich zu Ortiva.
Warum und womit beizen?
Der wichtigste Schaderreger im
Kartoffelanbau, der sowohl den
Feldaufgang, insbesondere aber
verschiedene Qualitätsparameter
der Kartoffel negativ beeinflussen
kann, ist die Wurzeltöterkrankheit
Rhizoctonia solani. Es bestehen zwei
Infektionswege: der Pflanzgutbefall und die Bodeninfektion. Eine
Beizung gegen Rhizoctonia ist
sinnvoll bei der Produktion von
Pflanzkartoffeln oder wenn ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht.
Dies ist gegeben bei sichtbarem Befall (Sklerotien) auf der Knollenschale oder bei hohem Infektionspotenzial im Boden. Weiterhin ist
eine Beizung angeraten bei frühem
Pflanztermin, ungünstiger Witterung und sich schwer erwärmenden Böden, also einer langen Dauer
zwischen Pflanzung und Auflauf.
In fünfjährigen Kammerversuchen
erzielte die Ortiva-Furchenbehandlung immer die besten Wirkungsgrade. Weist lediglich das
Pflanzgut einen Vorbefall auf und
ist von einer Bodeninfektion nicht
auszugehen, können mit der Beizung an der Legemaschine oder mit
der ULV-Technik (Mantis/Mafex)
mit den Beizmitteln Moncut und
Monceren Pro ebenfalls gute Ergebnisse erzielt werden.
Eine Beizung gegen Silberschorf ist
sinnvoll, wenn Pflanzgut erzeugt
werden soll, Pflanzgut mit Silberschorf-Vorbefall verwendet wird,
hochwertige, besonders hellschalige Speisekartoffeln produziert
werden sollen oder eine längere
Einlagerung (mehr als sechs Wochen) vorgesehen ist. Allerdings
ist die Wirksamkeit der Pflanzgutbehandlung grundsätzlich von be-
grenzter Dauer, da der Pilz sich
hauptsächlich während der Lagerung entwickelt. Dennoch kann
die Befallsstärke bzw. Sporenbildung am Erntegut und somit der
Sporeneintrag ins Lager durch eine
Beizung maßgeblich reduziert
werden. Die beste Wirkung gegen
Silberschorf weist die Ortiva-Furchenbehandlung auf. Die Beizmittel Moncut und Monceren Pro mit
der ULV-Technik (Mantis/Mafex)
ausgebracht, können gute bis befriedigende Wirkungsgrade erzielen. Das Beizverfahren an der Legemaschine ist zur Bekämpfung
von Silberschorf, unabhängig
vom Beizmittel, häufig nicht ausreichend.
Der wärmeliebende, bodenbürtige
Pilz Colletotrichum coccodes ist eigentlich ein Schwächeparasit, der
aber seit einigen Jahren in Deutschland zunehmend an Bedeutung gewinnt. Hauptinfektionsquelle für
den Erreger ist der Boden, deswegen wurden in den durchgeführten
Cuprozin
Kupferhydroxid
progress4+5 (383 g/l)
Dantop6+7 Clothianidin
(500 g/kg)
Funguran Kupferhydroxid
progress4+5 (537 g/kg)
Pencycuron
Monceren (250 g/l)
(6)
G
Imidacloprid
(120 g/l)
14 ml/dt
14 ml/dt
(max. 476
ml/ha)
Pencycuron
(250 g/l)
Prothioconazol
(8 g/l)
Ortiva
9+10+11
Risolex
flüssig
Risolex
Flutolanil
(460 g/l)
9 g/dt (max.
306 g/ha)
60 ml/dt
max. 34 dt/ha
1,5 l/ha
60 ml/dt
20 ml/dt8
3 l/ha
(2 l/ha)13
(1 l/ha)13
Tolclophosmethyl 60 ml/dt
(250 g/l)
1,5 l/ha
Tolclophosmethyl 200 g/dt
(100 g/kg)
Azoxystrobin
(250 g/l)
1
max. 34 dt/ha
max. 25 dt/ha
1,5 l/ha
Moncut8
26–36 ml/dt
300 g/ha
80 ml/dt
Monceren
Pro
100 l/ha
100 l/ha
60–80 l/ha
max. 25 dt/ha
max. 50 dt/ha
0
= nur zur Pflanzgutproduktion
max. 25 dt/ha
max. 50 dt/ha
0
= nur zur Pflanzgutproduktion
max. 25 dt/ha
60–80 l/ha
abhängig vom
200–300
Pflanzgutgewicht =
ml/dt
keine Hektaraufwandmengenbegrenzung! 60–80 l/ha
Aufwandmenge
unabhängig von
150–200 l/ha
Pflanzgutmenge
0
max. 25 dt/ha
80 l/ha
max. 25 dt/ha
(Drahtwurm)
Kartoffelkäfer
vorm Legen
Blattläuse
Blattläuse als
Virusvektoren
ULV-Technik
(Phytophthora)
Zeitpunkt
X X12
Legemaschine beim Legen
–
84
Legemaschine beim Legen
ULV-Technik
Legemaschine beim Legen X
vorm Legen
ULV-Technik
vorm Legen
X6
X12
X6
X X12
4
X X12
vorm Legen
ULV-Technik
Kosten
€/ha3
10
60–100 l/ha Legemaschine beim Legen
0
max. 25 dt/ha
Ausbringung
Schwarzbeinigkeit
Zugelassene PflanzgutWasseraufwandmenge zur Berechnung
menge
der Hektaraufwandmenge
Colletotrichum
Aufwandmenge
Silberschorf
Wirkstoffe
(Wirkstoffgehalte)
Präparate
Rhizoctonia
2 Beizmittel für Pflanzkartoffeln 2015
X
X
X
128
67
50
Legemaschine beim Legen
ULV-Technik
vorm Legen
X
X
41
Legemaschine beim Legen
Furchenbeh.
12 X
Legemaschine beim Legen X X
160
(107)
(53)
ULV-Technik vorm Legen
X
Legemaschine beim Legen
Puderbeizung vorm Legen X
= Fungizidresistenzklassen; 2 = Insektizidresistenzklassen; 3 = pro ha wurden 25 dt gerechnet; 4 = NT 620: Max. Aufwandmenge von 3.000 g Reinkupfer pro Hektar und Jahr auf derselben Fläche
darf nicht überschritten werden; 5 = VA 213: Anwender dürfen pro Arbeitstag nicht mehr als 50 t Kartoffeln behandeln; 6 = nur zur Pflanzguterzeugung zugelassen; 7 = NG 321: Max. Aufwandmenge
von 150 g Wirkstoff pro Hektar und Jahr darf nicht überschritten werden; 8 = Keine Hektaraufwandmengenbegrenzung, d. h. 20 ml/dt Pflanzgut beim Beizen an der Legemaschine; 9 = NG 340-1: Auf
derselben Fläche im folgenden Kalenderjahr keine Anwendung von Azoxystrobin; 10 = NG 405: Keine Anwendung auf dränierten Flächen; 11 = max. 3 Anwendungen für die Kultur bzw. je Jahr;
12 = Nebenwirkung, keine Zulassung; 13 = bei empfindlichen Sorten reduzierte Aufwandmenge
26
9 / 2015
FRÜHJAHRSBESTELLUNG KARTOFFELN
Landwirtschaftliches Wochenblatt
Versuchen die höchsten Wirkungsgrade mit der Ortiva-Furchenbehandlung erzielt. Diese sollte
durchgeführt
werden,
wenn
Pflanzgut mit Vorbefall verwendet
wird oder mit einer Bodeninfektion zu rechnen ist.
Eine Beizung gegen Schwarzbeinigkeit und Nassfäule ist sinnvoll bei
problematischer Lagerware, das
heißt, wenn einzelne nassfaule
Knollen in der Pflanzgutpartie enthalten sind, bei zu erwartender ungünstiger Witterung nach dem
Pflanzen oder auf zur Vernässung
neigenden Standorten. Die Kupferbeizmittel Cuprozin progress und
Funguran progress bieten einen guten Schutz gegen Schwarzbeinigkeit und Nassfäulen. Gleichzeitig
besitzen sie eine Nebenwirkung gegen Stängel-Phytophthora, die
durch latent infizierte Knollen verursacht wird. Allerdings kann die
Kupferbeizung hier nur die Sporulation auf der Knollenoberfläche im
Boden verhindern. Das Hochwachsen des Krautfäuleerregers im Stängel kann nicht unterbunden werden, weil Kupfer keine systemische
Wirkung hat. Da in Nordrhein-
Westfalen im Jahr 2014 massiv
Schwarzbeinigkeit, Nassfäulen und
Braunfäule auftraten, ist eine Kupferbeizung belasteter Partien für
2015 dringend angeraten. Funguran progress sollte nur an der Legemaschine eingesetzt werden, da das
Produkt aufgrund der hohen Konzentration in dieser Anwendung in
Schwebe gehalten werden muss,
was bei der Verwendung der
ULV-Technik nicht gegeben ist.
Beizung gegen Blattläuse
Eine insektizide Beizung ist sinnvoll, wenn Pflanzgut produziert
werden soll. Imidacloprid- oder
Clothianidin-haltige Beizen (Monceren G, Dantop) können einen
Blattlausfrühbefall wirkungsvoll
unterdrücken. Da sie eine frühe
Vermehrung (Koloniebildung) im
Bestand verhindern, bieten sie einen wirksamen Schutz gegen persistente Viren, allerdings keinen
ausreichenden gegen nicht persistente (etwa Y-Virus). Beide Insektizide weisen eine gewisse, aber
nicht ausreichende Nebenwirkung
auf Drahtwurm aus.
Die Dry-core-Symptome der Rhizoctonia reichen etwa 5 mm ins Knollenfleisch
hinein und sind leicht mit Drahtwurm-Schäden zu verwechseln.
Monceren G darf gegen Rhizoctonia, Blattläuse und Kartoffelkäfer
in allen Produktionsrichtungen
eingesetzt werden. Gegen Blattläuse als Virusvektoren aber nur zur
Erzeugung von Pflanzkartoffeln.
Dantop ist als Beizmittel nur zur
Produktion von Pflanzkartoffeln
mit einer maximalen Aufwandmenge von 300 g pro Hektar und
Jahr zugelassen, das heißt, nach
einer Pflanzgutbehandlung mit
Dantop ist später keine Spritzbehandlung mehr erlaubt.
Dr. Marianne Benker,
Landwirtschaftskammer NRW
9 / 2015
27
FRÜHJAHRSBESTELLUNG KARTOFFELN
Landwirtschaftliches Wochenblatt
Auf den Punkt gebracht
Fotos: Klockenbusch
•
Unkräuter in Kartoffeln müssen schwerpunktmäßig vor dem Auflauf der Kultur verträglich bekämpft werden. Produkte für
den Nachauflauf gibt es nur wenige. Besonders bei Auftreten von Problemunkräutern sind Spritzfolgen notwendig.
Schwerpunkt Vorauflauf
Nicht alle Unkräuter lassen sich verträglich für die Kartoffel bekämpfen,
wenn diese bereits aufgelaufen ist. Daher muss man mit den Maßnahmen
für unkrautfreie Bestände rechtzeitig beginnen.
D
ie Unkrautbekämpfung in
Kartoffeln stellt die Anbauer jedes Jahr wieder vor
neue Herausforderungen. Besonders die engen Maisfruchtfolgen
haben dazu beigetragen, dass sich
das Unkrautspektrum im Kartoffelbau auf vielen Flächen nachteilig verändert hat. Eine übermäßige
1 Schäden möglich
Metribuzin-sensible Sorten
leichtere Schäden stärker empfindmöglich
liche Sorten
Agila
Adelina
Agria
Albatros
Allians
Amado
Atica
Annabelle
Belinda
Arcade
Birgit
Arnika
Edelstein
Aspirant
Gala
Fambo
Jelly
Frieslander
Lady Rosetta
Innovator
Marabel
Kuba
Markies
Lady Felicia
Melody
Laura
Mirage
Marlen
Miriam
Megusta
Princess
Red Fantasy
Selma
Rosella
Shepody
Salome
Solist
Vallery
Ukama
Venezia
Vienna
Vitesse
Kein Anspruch auf Vollständigkeit! Bei
neueren Sorten beim Züchter anfragen.
28
9 / 2015
Verwendung von Herbiziden aus
der Gruppe der Triazine in Kartoffeln, Mais, aber auch Zuckerrüben haben in der Vergangenheit die
Ausbreitung resistenter Biotypen
bei Unkräutern wie Melde- und
Gänsefußarten,
Nachtschatten,
Kreuzkraut oder Amarantarten
gefördert. Neben Metribuzin sind
auch die Wirkstoffe Metamitron
(Rüben) und Terbuthylazin (Mais)
nach der HRCA-Einordnung in die
gleiche Wirkklasse C1 (mittleres
Resistenzrisiko) eingestuft. Neuere Untersuchungen zeigen, dass
auf betroffenen Standorten bei den
genannten Unkräutern aufgrund
von Kreuzresistenzen keine volle
Wirkung mehr zu erwarten ist. Auf
diesen Standorten sind vorrangig
Mittel wie Bandur oder Boxer die
wesentlichen Bausteine bei der
Unkrautbekämpfung.
Neue Mittel, alte Wirkstoffe
Für die anstehende Saison wird
mit Metric ein neues Vorauflaufherbizid mit Blatt- und Bodenwirkung zur Verfügung stehen. Metric
enthält den mikroverkapselten
Wirkstoff Clomazone (60 g/l) und
Metribuzin (233 g/l) in einem
Suspensionskonzentrat. Die Auf-
2 Doppelt gegen Problemunkräuter
Herbizidversuch in Kartoffeln – Warendorf 2014
Sorte: Fontane
Auflauf: 2.5.14
29.4.14
k. v. d. Durchstoßen
Bandur 2,5 l
+ Artist 1,5 kg
13.5.14
5–10 cm Wuchshöhe
Wirkung in % am 6.6.14
Windenknöterich
Nachtschatten
Bandur 2,5 l
+ Boxer 2,5 l
Boxer 3,0 l
+ Metric 1,2 l
Boxer 3,5 l
+ Sencor Liquid 0,6 l
Bandur 2,5 l
+ Artist 1,5 kg
Bandur 2,5 l
+ Boxer 2,5 l
Boxer 3,0 l
+ Metric 1,2 l
Boxer 3,5 l
+ Sencor Liquid 0,6 l
Boxer 1,5 l
+ Sencor Liquid 0,3 l
Boxer 1,5 l
+ Sencor Liquid 0,3 l
Boxer 1,5 l
+ Sencor Liquid 0,3 l
Boxer 1,5 l
+ Sencor Liquid 0,3 l
85
90
95
100
Mit der Neuzulassung von
Metric wurde das Portfolio für
den Vorauflauf mit bereits zugelassenen Wirkstoffen nicht wirklich ergänzt.
• Daher liegt nach wie vor der
Schwerpunkt der Unkrautbekämpfung vor dem Auflaufen
der Kartoffeln.
• Bei frühen Vorauflaufanwendungen kann nur gezielt vorgegangen werden, wenn Kenntnisse über die zu erwartenden Unkräuter des Standortes vorliegen.
• Spritzungen im Nachauflauf
dienen in der Regel nur als Ergänzung zur Unkrautbekämpfung unter schwierigen Standortbedingungen.
• Einschränkungen bei der
Mittelwahl sind bei metribuzinunverträglichen Sorten zu beachten. Sonst drohen Pflanzenschäden und Ertragsausfälle.
wandmenge beträgt 1,5 l/ha, der
Einsatz sollte rund sechs Tage vor
dem Auflaufen der Kartoffeln abgeschlossen sein. Um die Wirkung
gegen Gänsefuß, Melde und Knöterich abzusichern, empfiehlt der
Zulassungsinhaber eine Kombination von 1,2 l/ha Metric und 2 l/
ha Bandur. Da in Metric der Wirkstoff Clomazone enthalten ist, sind
die Auflagen NT 127 und NT 149
(siehe Kasten „Auflagen“) zu beachten.
Vorsicht mit Metribuzin
Da die Möglichkeiten einer gezielten Unkrautbekämpfung im
Nachauflauf begrenzt sind, liegt
der Schwerpunkt des Herbizideinsatzes nach wie vor im Vorauflauf. Besonders beim Anbau von
Vermehrungskartoffeln sollte die
Unkrautmaßnahme im Vorauflauf
abgeschlossen sein, damit beim
Anerkennungsverfahren Herbizidsymptome nicht mit einem Virusbefall verwechselt werden. Der
Einsatz von Metribuzin spielt auch
im Vorauflauf als Ergänzung zu anderen Mitteln in vielen Fällen immer noch eine wichtige Rolle, obwohl dessen Einsatz in den letzten Jahren häufiger infrage gestellt
wird. Zum einen lässt das Auftreten resistenter Unkrautarten keine
sichere Wirkung mehr zu und zum
anderen sind gerade viele neuere
Sorten gegenüber Metribuzin empfindlich (Übersicht 1). Vor allem
bei witterungsbedingten Stresssituationen reagieren manche Sorten auf Metribuzin sehr empfind-
FRÜHJAHRSBESTELLUNG KARTOFFELN
Landwirtschaftliches Wochenblatt
lich, auch wenn rechtzeitig im
Vorauflauf behandelt wird. Diese Schäden in Form von Wuchsdepressionen und Aufhellungen
am Blattapparat wachsen sich in
der Regel im weiteren Vegetationsverlauf wieder aus, dennoch sind
die Ertragseinflüsse nicht kalkulierbar.
Vorauflauf ist Standard
Besonders bei frühen Vorauflaufanwendungen ist die Kenntnis
über die zu erwartende Unkrautflora des jeweiligen Standortes
von entscheidender Bedeutung.
Dies ist gerade bei Tauschflä-
chen nicht immer der Fall. Besonders, wenn Problemunkräuter wie
Nachtschatten oder Windenknöterich vorkommen können, müssen schon im Vorfeld richtige Entscheidungen getroffen werden, um
gezielt und effektiv dagegen vorzugehen. Werden die Kartoffeln früh
angehäufelt, kann sich der Damm
gut absetzen und die Unkräuter können vor dem Durchstoßen
der Kartoffeln auflaufen. Bei einer
Maßnahme kurz vor dem Auflaufen der Kartoffeln kann dann auch
die Blattwirkung der Herbizide genutzt werden.
Besonders beim Anbau metribuzinunverträglicher Sorten ist ein
Bei stärkerem
Unkrautbesatz
kann die Blattaktivität der Herbizide
durch Additive
verbessert
werden.
9 / 2015
29
Auflagen
beachten
FRÜHJAHRSBESTELLUNG KARTOFFELN
frühzeitiger Dammaufbau unverzichtbar, da in diesem Fall fast
ausschließlich die Bodenherbizide im Vorauflauf die Wirkung absichern müssen. Eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit unmittelbar
bei und nach dem Herbizideinsatz
trägt wesentlich zur Wirkungssicherheit der Mittel bei. In metribuzintoleranten Kartoffelsorten
hat sich in der Vergangenheit bei
normaler Verunkrautung mit Gänsefuß, Melde, Kamille, Klette oder
Vogelmiere die Mischung aus Boxer plus Sencor bewährt. Diese Mischung ist recht flexibel einzusetzen, da das Anwendungsfenster
vom Vorauflauf bis zum Durchstoßen der Kartoffel reicht. So kann
der Anwendungstermin nach Niederschlägen ausgerichtet werden.
Bei Kartoffelsorten, die empfind-
Landwirtschaftliches Wochenblatt
mer NRW im vergangenen Jahr in
Warendorf auf einem humosen
Sandstandort in der Sorte Fontane
einen Herbizidversuch durchgeführt. Begünstigt durch die regelmäßigen Niederschläge unmittelbar zu und auch nach den Anwendungsterminen konnten gegen
Nachtschatten und Windenknöterich Wirkungsgrade zwischen 90
Problemunkräuter erfassen und 100 % erzielt werden. Die Erfahrungen aus den Vorjahren maBei stärkerem Besatz von Problemchen jedoch deutlich, dass bei trounkräutern wie Nachtschatten
ckenen Bodenverhältnissen nicht
oder Windenknöterich reicht die
immer so gute Wirkungen zu erzieBodenwirkung der zur Verfügung
len sind. Da die Kartoffeln 2014 auf
stehenden Herbizide in der Regel
sandigen Standorten witterungsbedingt in der Regel eine stressnicht aus. In solchen Fällen sind
Spritzfolgen einzuplanen. Um die
freie Jugendentwicklung durchWirkung und Verträglichkeit der
laufen konnten, traten auch in
Mittel besser einschätzen zu köndem Versuch keine nennenswernen, hat die Landwirtschaftskamten Kulturschäden auf.
An den dargestellten Wirkungsgraden in Übersicht
2 ist zu erkennen, dass
die Spritzfolgen aus BoMittelwahl und Einsatztermine gegen unterschiedliche Unkrautgesellschaften
xer/Metric oder Boxer/
Sencor – jeweils gefolgt
Leitunkräuter
von Boxer/Sencor – geGänsefuß, Melde,
Boxer 3,0 l + Sencor Liquid 0,5 l
Blattwirkung
Bodenwirkung
gen Nachtschatten die siKamille, Klette,
Vogelmiere,
cherste Wirkung in dem
Versuch zeigen konnten.
Bandur 2,5 l + Boxer 2,5 l metribuzinfreie
Möglichkeit
Auch wenn Metric, kurz
vor dem Durchstoßen
Boxer 3,0 l +
Boxer 1,5 +
besonders bei
Spritzfolge
Nachtschatten
eingesetzt, in dem VerMetric 1,2 l
Mistral 0,3 kg
such keine Schäden verbesonders bei
Mistral 0,2 kg +
ursachte, sollte die BeBandur
2,5
l
+
Artist
1,5
kg
Spritzfolge
Windenknöterich
Cato 30 g + FHS
handlung in der Praxis
rund sechs Tage vor dem
Mistral
0,5
l
+
besonders bei
Mistral 0,2 kg +
Auflaufen der KartofSpritzfolge
Trockenheit /
Quickdown 0,3 l +
Cato 30 g + FHS
humosen Böden
Toil 0,75 l
feln abgeschlossen sein.
Seitdem das Spezialmittel Tacco nicht mehr zur
Verfügung steht, ist die
Bekämpfung von Nachtschatten beim Anbau meTage vor dem Auflaufen
tribuzinunverträglicher
Nachauflauf
Sorten nur noch einge10
8
6
4
2
5 cm
15 cm
20 cm
schränkt möglich. Unter
lich auf Metribuzin reagieren,
kann die Mischung aus Bandur
plus Boxer eine gute Breitenwirkung erzielen. Allerdings sollte
der Einsatz von Bandur spätestens vier Tage vor dem Auflaufen
der Kartoffeln abgeschlossen sein,
um ein zügiges und stressfreies
Wachstum sicherzustellen.
Für clomazonehaltige Mittel gelten unter anderem folgende Auflagen:
NT127 – Die Anwendung des Mittels darf ausschließlich zwischen
18 Uhr abends und 9 Uhr morgens erfolgen, wenn Tageshöchsttemperaturen von mehr als 20 °C
Lufttemperatur vorhergesagt sind.
Wenn Tageshöchsttemperaturen
von über 25 °C vorhergesagt sind,
darf das Mittel nicht angewendet
werden.
NT149 – Der Anwender muss in
einem Zeitraum von einem Monat
nach der Anwendung wöchentlich in einem Umkreis von 100 m
um die Anwendungsfläche prüfen, ob Aufhellungen an Pflanzen
auftreten. Diese Fälle sind sofort
dem amtlichen Pflanzenschutzdienst und der Zulassungsinhaberin zu melden.
3 Strategien für die Bekämpfung
4 Gezielt gegen die Gräser
optimalen Bedingungen zeigt in
diesem Fall die Mischung aus Boxer plus Centium noch eine einigermaßen zufriedenstellende Wirkung gegen Nachtschatten. Steht
die Bekämpfung von Windenknöterich im Vordergrund, besitzt die
Spritzfolge aus Bandur/Artist gefolgt von Boxer/Sencor die größten
Wirkungsreserven.
Verträglich im Nachauflauf
Für den Nachauflauf bieten sich
neben den metribuzinhaltigen
Mitteln Sencor WG, Sencor Liquid
und Mistral die rimsulfuronhaltigen Produkte Cato und ESCAP an.
Auf Standorten mit Sorten, die
im Nachauflauf Metribuzin tolerieren, kann auch die bewährte
Kombination aus 0,15 bis 0,2 kg
Mistral + 30 g/ha Rimsulfuron +
Formulierungshilfsstoff
(FHS)
Windenknöterich bis zum ersten
Wirkung der Gräserherbizide in Kartoffeln
Aufwand- Ackermenge fuchsje ha schwanz Flughafer
50 g
+++
Cato
30 g
+++
++(+)
Agil S
1,0 l
+++
+++
Aramo
2,0 l
+++
+++
2,0 l
+++
Focus Aktiv-Pack
1,5 l
++
+++
Fusilade Max
1,0 l
+++
+++
1,25
+++
+++
Paranex
2,25
Select 240 EC
+++
+++
+ Para Sommer 0,75 l
1,25 l
Targa Super
0,8 l
+++
+++
Mittel
Weizen
Roggen WeidelTriticale
gras
+++*
+++ ++(+)*
+++
++
+++
+++
+++
+++
++(+)
++
++(+)
++
++(+)
++
+++
Windhalm
Einj.
Rispe
+++
+++
+++
+++
+++
+++
+++
+++
+++
+++
+
++(+)
–
–
–
–
+++
++(+)
+++
++(+)
+++
–
–
+++
+++
++(+)
Gerste
+++
+++
+++
Trespe
–
–
++
+++
+++
++
++
++
+++
Hirse
+++
+++
+++
++
+++
++
+++
Anmerkung: +++ = gute Wirkung (über 90 %), ++ = befriedigende Wirkung (75–90 %), + = Teilwirkung (50–75 %)
Wirkung auf Gräser im 2- bis 3 -Blatt-Stadium (außer Quecke) *) = aus Samen auflaufend
30
9 / 2015
+++
+++
+++
+++
+++
+++
+++
Aufwandmenge
Quecke
(2x25g)
–
2,0 l
–
–
2,0 l
2,25 l
1,0 l
2,0 l
In empfindlichen Sorten kann
Metribuzin zu Wachstumsstörungen
und Blattaufhellungen führen.
Ein so starker Unkrautbesatz ist nur durch Spritzfolgen zu kontrollieren. Dies
gilt auch für Problemunkräuter wie Nachtschatten oder Windenknöterich.
Laubblatt erfassen. Diese Anwendung sollte bei einer Wuchshöhe
der Kartoffeln von etwa 5 cm erfolgen. Ein späterer Einsatz bis
15 cm Wuchshöhe ist zwar möglich, das Verträglichkeitsrisiko für
die Kartoffeln nimmt aufgrund der
erhöhten Wirkstoffaufnahme allerdings erheblich zu. Die Mischung
aus Sencor Liquid + Rimsulfuron
wird noch nicht im Nachauflauf
empfohlen. Der Einsatz rimsulfuronhaltiger Produkte bietet sich
auch dann an, wenn etwa noch gegen spät aufgelaufene Kletten, Kamillen, Hirsen oder Gräser nachbehandelt werden muss.
Wird im Nachauflauf behandelt,
sollten Stresssituationen unbedingt vermieden werden. Vor allem nach längeren Niederschlagsphasen hat die Kultur kaum mehr
eine Wachsschicht, sodass die Gefahr von Verbrennungen und Aufhellungen am Blattapparat droht.
In solchen Fällen sollten erst zwei
bis drei Tage helles Wetter abgewartet werden, damit sich die
Wachsschicht wieder stabilisieren kann. Auch bei einer Anwendung auf taunassen Beständen, bei
Nachtfrostgefahr und starken Temperaturschwankungen ist mit Beeinträchtigungen zu rechnen.
Additive bei Trockenheit
Auf trockenen, aber auch auf humosen Böden ist allein mit Bodenherbiziden keine effektive Unkrautbekämpfung möglich. Mittel
wie Bandur oder Centium halten
bei trockenen Bedingungen zwar
noch einigermaßen durch, aber
auch hier gibt es Grenzen. Unter
solchen speziellen Einsatzbedingungen muss auch die Blattwirkung der Herbizide genutzt werden. Das Ziel sollte sein, dass
durch frühes Anhäufeln bereits
möglichst viele Unkräuter schon
vor den Kartoffeln auflaufen. Dann
kann durch den Einsatz von Additiven (etwa Oleo FC) die Wirkung der Mittel verbessert werden, sodass auch Unkräuter mit
einer stärkeren Wachsschicht be-
kämpft werden. In solchen Situationen kann bis zum Durchstoßen die Zumischung von 0,3 l/ha
Quickdown plus 0,75 l/ha Toil zu
anderen Herbiziden die Wirkung
deutlich verbessern. Neben einer hohen Wasseraufwandmenge
von 300 l/ha begünstigt auch eine
hohe Lichtintensität die Wirkung
von Quickdown. Entscheidend ist,
dass die Unkräuter komplett beseitigt werden. Übersicht 3 zeigt
Lösungsmöglichkeiten und Beispiele, wie je nach Verunkrautung
und Standorteigenschaft bei der
Unkrautbekämpfung vorgegangen
werden kann.
Quecken und Hirsen im Griff
Bodenherbizide haben zwar eine
beachtliche Wirkung gegen Gräser,
die aber insbesondere in Fruchtfolgen mit Mais nicht immer ausreicht. Da Hirsearten auf humusreichen Böden in der Regel spät
und ungleichmäßig auflaufen,
ist häufiger eine gezielte Nachbehandlung erforderlich. Hirsen,
Ackerfuchsschwanz,
Flughafer
und Ausfallgetreide können mit
Gräserherbiziden im Nachauflauf sicher erfasst werden, wenn
der Einsatz der Gräsermittel im 2bis 3-Blatt-Stadium der Gräser erfolgt. Dann reicht je nach Mittel
50 bis 75 % der zugelassenen Aufwandmenge aus. Gegen Quecken
sind höhere Aufwandmengen nötig (siehe Übersicht 4). Damit eine
ausreichende
Wirkstoffaufnahme gewährleistet wird, sollten
die Quecken mindestens 20 cm
Wuchshöhe erreicht haben und
die Wasseraufwandmenge sollte
300 l/ha betragen. Effektiver sind
Quecken jedoch nach der Ernte der
Vorfrucht mit Glyphosat zu kontrollieren. Rimsulfuronhaltige Präparate wie Cato oder ESCAP sind
dann vorrangig gegen Gräser einzusetzen, wenn gleichzeitig auch
vorhandene Restverunkrautung
von Klettenlabkraut und Kamille
beseitigt werden muss.
Hermann Klockenbusch,
Landwirtschaftskammer NRW
9 / 2015
31
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