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Aufstieg vom Zeitungsjungen zum Millionär

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S E I T E 10
D I E W E LT
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D I E N S TAG , 2 4 . F E B RUA R 2 015
WIRTSCHAFT
KOMPAKT
CTS EVENTIM
Kartellamt prüft Tickethändler
Das Bundeskartellamt nimmt Europas größten Ticketvermarkter CTS Eventim unter
die Lupe. Hintergrund sei der Verdacht des Missbrauchs einer marktbeherrschenden
Stellung, sagte ein Sprecher der Behörde. Es handele sich nicht um ein Bußgeld-,
sondern um ein Verwaltungsverfahren. Dabei werde die kartellrechtliche Zulässigkeit verschiedener Geschäftspraktiken von CTS geprüft. Auslöser seien Informationen aus Fusionsprüfungen unter Beteiligung von CTS in der Vergangenheit gewesen.
CTS Eventim erklärte, das Unternehmen sei überzeugt, die rechtlichen Rahmenbedingungen in jeder Hinsicht eingehalten zu haben. „Es ist allgemein bekannt, dass
wir in Deutschland eine sehr gute Marktposition haben“, erklärte Vorstandschef und
Großaktionär Klaus-Peter Schulenberg. „Unlautere Methoden wenden wir nicht an.“
Index hellt sich den vierten
Monat in Folge auf
Die Stimmung in der deutschen Wirtschaft hat sich im Februar trotz Griechenland-Krise und Ukraine-Krieg den
vierten Monat in Folge aufgehellt –
allerdings nur minimal. Das Ifo-Geschäftsklima-Barometer kletterte von
106,7 auf 106,8 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut unter Berufung auf seine
Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. „Die deutsche Wirtschaft zeigt
sich robust gegenüber den geopolitischen Unsicherheiten“, erklärte IfoPräsident Hans-Werner Sinn. Die Führungskräfte beurteilten ihre Lage etwas
schlechter als im Vormonat, ihre Geschäftsaussichten hingegen optimistischer. Die gesunkenen Ölpreise und der
schwächere Euro wirken derzeit wie ein
zusätzliches Konjunkturprogramm für
Europas größte Volkswirtschaft.
TELEKOM-FIRMEN
Datendienste erstmals mit
mehr Umsatz als Gespräche
Mobile Datendienste entwickeln sich
zum wichtigsten Umsatzmotor für Telekom-Firmen und werden in diesem Jahr
in Deutschland erstmals das Geschäft
mit mobilen Sprachdiensten übertreffen. Der Branchenverband Bitkom geht
von einem Zuwachs von 6,3 Prozent auf
10,3 Milliarden Euro aus, die TelekomFirmen 2015 mit mobilen Datendiensten
einnehmen werden. Dagegen werde der
Umsatz mit Handy-Gesprächen um acht
Prozent auf 9,7 Milliarden Euro zurückgehen, prognostizierte Bitkom.
FOODWATCH
POSTBANK
Ende der „Schleichwerbung“
in Schulen gefordert
Viele Filialen bleiben
Dienstag geschlossen
Die Verbraucherorganisation Foodwatch
fordert eine kostenlose Abgabe von
staatlich finanzierten Unterrichtsmaterialien über Ernährungsbildung an Lehrer und Schulen. Zwar gebe es zum
Thema Ernährung über alle Klassenstufen hinweg hervorragendes, unabhängig erstelltes Material, beispielsweise
von dem von der Bundesregierung finanzierten „aid Infodienst“, erklärte die
Organisation. Dieses könnten Lehrer
jedoch in der Regel nur gegen Gebühr
bestellen – Lebensmittelhersteller und
Wirtschaftsverbände gäben hingegen
ihre oft stark werblichen oder interessengeleiteten Broschüren kostenfrei ab.
Durch die kostenlosen Unterlagen würden aber schon kleine Kinder in den
Schulen direkten oder subtilen Werbeund Lobbyeinflüssen ausgesetzt.
Die meisten Filialen der Postbank sollen
nach Angaben der Gewerkschaft Ver.di
am Dienstag geschlossen bleiben. Die
Gewerkschaft wolle die Beschäftigten in
Betriebsversammlungen über den Stand
der laufenden Tarifverhandlungen informieren, teilte Ver.di mit. Die zweite
Verhandlungsrunde für die 9500 Beschäftigten der Postbank Filialvertrieb
AG sei am 17. Februar ohne Ergebnis
geblieben. Die Tarifparteien sind sich
unter anderem uneinig über den Kündigungsschutz und die Gehälter.
MASCHINENBAU
US-Nachfrage kurbelt
deutschen Export an
Der Export von Maschinen „Made in
Germany“ ist im vergangenen Jahr trotz
eines Nachfrageeinbruchs in Russland
leicht gestiegen. Rückenwind verliehen
die Märkte in Südostasien und den USA,
deren Bestellungen um 8,1 und 7,2 Prozent zulegten, wie der Branchenverband
VDMA mitteilte. „Allein in die USA
wurden 2014 für eine Milliarde Euro
mehr Maschinen verkauft als im Vorjahr“, erklärte der VDMA. Insgesamt
exportierte die mittelständisch geprägte
Branche Maschinen im Wert von 152
Milliarden Euro und damit 2,5 Milliarden Euro oder 1,7 Prozent mehr als im
Jahr zuvor. Die Importe stiegen um 6,3
Prozent auf rund 59 Milliarden Euro.
AREVA
Atomkonzern rechnet mit
fünf Milliarden Euro Verlust
Der französische Atom-Konzern Areva
hat im vergangenen Jahr nach vorläufigen Zahlen einen Nettoverlust von 4,9
Milliarden Euro erlitten. Vor allem Abschreibungen und Rückstellungen hätten dazu geführt. Dann soll auch ein
neue Strategie präsentiert werden. Areva
leidet unter den Nachwehen der Fukushima-Atomkatastrophe, die zu weniger
AKW-Neubauten führte. Zudem belastet
die gespannte Lage auf dem Strom-
TELEFONTARIFE
Die Vorwahlen der günstigsten Call-by-Call-Anbieter
(ohne Anmeldung) in Cent/Minute, Abrechnung im Minutentakt
FESTNETZ INLAND MONTAG BIS FREITAG
Zeit
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7-8
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8-9
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9-10
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01068
19-24
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0,99
1,05
1,05
1,05
1,05
0,99
0,60
Ferngespräche
0,44
0,44
01052
01088
1,05
01028
1,06
01011
1,06
1,10
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1,05
1,10
1,06
1,27
1,48
1,06
1,27
1,10
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1,27
1,10
0,61
1,32
01038
1,32
01052
01038
1,27
010033
1,32
01052
0,99
01013
1,32
01038
01052
010033
01011
1,32
01038
01052
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01038
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01041
1,32
01052
010033
01041
01052
1,05
01041
01041
Ortsgespräche
0,31
0,10
01038
0,64
01068
0,68
01097
01070
0,31
01088
1,37
01028
1,37
0,10
0-7
01028
7-8
8-19
Ferngespräche
0,44
0,44
01028
01028
01041
01020
0,89
0,89
0,99
Ortsgespräche
0,31
0,10
01088
0,72
1,37
01028
1,37
01028
1,37
01028
0,87
01013
0,31
01052
01028
01038
01088
0,86
0,86
0,87
0,87
1,49
01020
010033
01068
01038
01088
01079
19-21
01070
01013
01068
01070
01038
01013
21-24
01070
01013
01068
01070
01028
01097
01011
01060
0,58
0,58
0,61
0,99
0,61
0,83
0,99
0,86
0,61
0,61
0,87
0,64
FESTNETZ ZU MOBILFUNK MONTAG BIS SONNTAG
Zeit
0-24
01068
2,33
01041
01069
3,85
010012
3,95
3,96
3,97
4,94
AUSLAND (2 ANBIETER JE LAND) MONTAG BIS SONNTAG
Zeit
0-24
Quelle:
Frankreich
0,83
GB
0,95
Italien
1,16
Österreich
1,60
0,96
1,17
1,61
01068
01068
01069
01069
0,84
biallo.de Anbieter mit Tarifansage
01068
01069
in Laufband für Hunde. Das
klang im ersten Moment
nach einem guten Witz. Die
Jury der Gründerserie Dragons’ Den lachte herzlich,
als Gründerin Sammy French ihre Idee
präsentierte. Die Hundehalterin hatte
sich beim Sport verletzt und konnte ihre
Tiere deshalb nicht ausführen. Ein Laufband sollte die Lösung sein. Die Jurymitglieder waren skeptisch – alle, bis auf
James Caan. Der Unternehmer sah die
Begeisterung, mit der die Britin ihr Projekt vorstellte und investierte 100.000
Pfund (rund 135.355 Euro). „Die anderen
trauten den Laufbändern nicht viel Potenzial zu“, sagt Caan, „ich aber glaubte
an sie und die Idee.“ Er beriet sie, half
dabei, Händler in den USA zu finden und
das Marketingkonzept zu überarbeiten.
„Innerhalb kurzer Zeit gingen die Verkäufe durch die Decke, wir machten ein
Jahr später 800.000 Pfund Umsatz mit
den Laufbändern“, sagt er und lächelt.
Caan erzählt diese Geschichte gern.
Nicht nur, weil er das Potenzial der Geschäftsidee erkannte und seine Jurykollegen nicht, sondern weil sie das illustriert, woran der in Pakistan geborene
Selfmade-Millionär glaubt: „Wer etwas
erreichen will und von seiner Idee überzeugt ist, der schafft es auch“, sagt Caan.
Der 54-Jährige, der seine Karriere in der
Brick Lane im Londoner Osten begann,
hat genau das selber erlebt. „Als ich im
Alter von 16 die Schule abbrach, wollte
mein Vater, dass ich in seinem Ledergeschäft arbeite“ sagt Caan. „Das kam für
mich nicht in Frage – deshalb musste ich
mir etwas Eigenes suchen und damit erfolgreich sein. Ich entschied, meinen eigenen Weg zu gehen.“
Caan gründete Alexander Mann, eine
Personalvermittlung, ein paar Jahre später kam Humana dazu, eine internationale Headhunting-Firma. Als Jury-Mitglied der BBC-Talentsendung „Dragons’
Den“ lernte Caan Hunderte Gründer
kennen. Heute investiert er mit seiner
Private-Equity-Gesellschaft
Hamilton
Bradshaw in vielversprechende Firmen
und ist Vorstand des Start-up-Förderprogramms der britischen Regierung.
„Verglichen mit der Zeit, als ich mein erstes Unternehmen gründete, sind die
Rahmenbedingungen heute sehr viel
besser“, sagt Caan. „Als ich anfing, gab
es kein Förderprogramm von der Regierung.“ Trotzdem seien viele junge Unternehmer heute zu risikoscheu. „Die Angst
vor dem Scheitern ist riesengroß. Dabei
Der Brite James Caan verdiente mit
Personalvermittlung ein Vermögen. Er
ist Chef des Start-up-Programms der
britischen Regierung – und sagt: Wer
an seine Idee glaubt, der schafft es auch
ist es ein Teil des Weges, Misserfolge zu
akzeptieren. Ihre erste Idee muss nicht
die Beste sein.“ Genau das will er Gründern vermitteln – mit TV-Shows wie
„The Business Class with James Caan“,
Büchern und Zeitungskolumnen.
Caan glaubt, dass jetzt die richtige
Zeit ist, ein Unternehmen zu gründen.
London hat ausreichend Wagniskapital
und internationale Investoren, amerikanische Konzerne wie Google und andere
haben zuletzt viel Geld für junge, zukunftsorientierte Firmen in Großbritannien bezahlt. Internationale Studien sehen London als führende Geschäftsstadt
Europas, im „Global Entrepreneurship
Index“ landete das Vereinigte Königreich
zuletzt auf Platz 4 der unternehmerfreundlichsten Länder der Welt.
Dieses Potenzial sollten Briten und
andere Europäer noch viel stärker nutzen: „Früher war Unternehmertum
etwas, das für die meisten unerreichbar
war“, sagt Caan. „Heute dagegen werden
Unternehmer öffentlich gefeiert, die
Gründer sind die Helden ihrer Generation, sie sind die Rockstars unserer Zeit.“
Gründertum, so Caan, werde immer
wichtiger. „Millionen von Jobs werden
durch den technologischen Fortschritt
überflüssig werden. Darauf gibt es nur
eine Antwort: Firmengründungen.“
Obwohl er selber aus dem Bereich der
Personalvermittlung kommt, ist Caan
nicht auf einzelne Branchen festgelegt.
Digitale Technologien und soziale Medien seien wichtige Zukunftsfelder, junge Unternehmer sollten sich aber nicht
nur auf sie beschränken. Die deutsche
Wirtschaft, so Caan, dürfe nicht den
Fehler machen, sich zu sehr auf den Maschinenbau und die Autoindustrie zu
konzentrieren. „Jede Wirtschaft muss
Polen
0,76
Spanien
1,16
1,27
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01069
eine Balance haben“, sagt Caan. Großbritannien habe inzwischen begriffen, dass
die Wirtschaft nicht nur auf Banking und
Dienstleistungen beruhen dürfe. „Ich
glaube, dass der Erfolg eines Unternehmens von der Person des Gründers abhängt, nicht von der Industrie“, sagt er.
Seine Geschichte ist die eines Selfmade-Mannes. Der Sohn pakistanischer
Einwanderer hatte tatsächlich nichts –
nicht mal einen Schulabschluss –, als er
seinen Vater überzeugte, ihn für ein paar
Jahre sein eigenes Ding machen zu lassen. „Du wirst es niemals schaffen. Du
weißt nicht, was du tust“, sagte sein Vater damals, Caan beschreibt den Streit in
seinem Buch „The Real Deal – From
Brick Lane to Dragons’ Den“. Der junge
Mann setzte sich trotzdem durch und
entwickelte nach einigen Einstiegsjobs
das Modell, mit dem Headhunting-Agenturen bis heute arbeiten: Nur dann,
wenn eine Vermittlung gelingt, muss der
Auftraggeber zahlen. „Die großartige Sache in der Personalvermittlung ist, dass
Sie nichts anderes als ein Telefon brauchen, um anzufangen“, schreibt Caan.
Es macht ihm zufolge allerdings einen
Unterschied, wo dieses Telefon steht –
ob in einem Büro in 1A-Lage oder einem
schäbigen Viertel im Osten Londons.
Caan entschied sich für die erste Option
und mietete ein Büro in Pall Mall an,
einer der bedeutendsten Straßen Londons. Dort residiert das altehrwürdige
Institute of Directors, British Petroleum
ist ebenfalls nicht weit. Dass sein Büro
kein Fenster hatte, machte dem jungen
Gründer nichts aus. „Ich ließ meine ersten Visitenkarten drucken. James Caan,
Managing Director Alexander Mann, 50
Pall Mall. Es fühlte sich sehr gut an“,
schreibt er in „The Real Deal“.
Als Caan seine Personalvermittlung
Alexander Mann 1999 verkaufte, erzielte
es einen Jahresumsatz von 130 Millionen
Pfund – in 30 Niederlassungen weltweit.
Aus dem Zeitungsjungen war ein Millionär geworden. Schätzungen zufolge beläuft sich sein Vermögen auf über 70
Millionen Pfund, Caan äußert sich dazu
nicht. Heute residiert er nur knapp zwei
Kilometer von seinem ersten Büro entfernt, in der Grosvenor Street, ein historisches Gebäude mit hohen Decken und
aufwendiger Inneneinrichtung. Auch
wenn er seit 2011 nicht mehr in der Dragons’ Den-Jury sitzt, seine RecruitingFirmen verkauft hat und sich auf seine
Investments konzentriert, so arbeitet
Caan doch immer noch so viel wie in
den ersten Tagen seiner Unternehmertätigkeit. Der Vater zweier Töchter sieht
etwas müde aus, er hat Schatten unter
den Augen. „Den Erfolg eines Unternehmens macht zu fünf Prozent die Idee
aus. 95 Prozent sind Umsetzung, es gibt
keinen Ersatz für harte Arbeit. Unternehmer sein ist kein Halbtagsjob.“
Caan lernte bereits als Zwölfjähriger,
wie hart das Geldverdienen ist. „Ich war
Zeitungsjunge und trug von vier bis
sechs Uhr morgens Zeitungen aus“, erinnert er sich. Gleichzeitig verkaufte er zu
Schulzeiten Lederjacken aus der Fabrik
seines Vaters auf dem Schulhof. „Ich habe meine Leidenschaft für das Unternehmertum früh entdeckt“, sagt er. Gerade weil er als Kind in beengten Verhältnissen aufwuchs, genießt Caan heute
die Annehmlichkeiten des Erfolgs. Für
fünf Millionen Pfund kaufte Caan eine
Yacht, er sammelt darüber hinaus Autos.
Für einen Maybach legte er vor einigen
Jahren 350.000 Pfund auf den Tisch.
„Ich liebe es, Geld für schöne Dinge auszugeben“, sagte er dem „Telegraph“.
Caan gilt den Briten als Vorbild, er hat
viele Fans. Bei Twitter kommt Caan inzwischen auf 149.000 Follower, auf LinkedIn sogar auf 2,1 Millionen. Der Unternehmer gibt hier Tipps für den richtigen
Umgang mit Lampenfieber, für die nächste Gehaltsverhandlung mit dem Chef
und die Erstellung des Businessplans.
„Observe the masses and do the opposite“ – zu deutsch „Beobachten Sie die
Massen und tun Sie das Gegenteil“ – ist
einer seiner Lieblingssprüche.
Nach einer Dreiviertelstunde ist das
Interview zu Ende, die nächste Telefonkonferenz wartet. „Es ist viel Arbeit, die
richtigen Investments auszuwählen“,
sagt Caan und zieht entschuldigend die
Schultern hoch. Sekunden sitzt er wieder an seinem Konferenztisch, den Telefonhörer in der Hand.
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E
LONDON
Bundeswehr-Uniformlieferant in Not
Betreiberfirma der Kleiderkammer galt einst als Beispiel einer gelungenen Privatisierung
2013 gab es bei knapp 28 Millionen Euro
Umsatz gut 15 Millionen Euro Verlust.
In Branchenkreisen heißt es, dass die
teilprivatisierte Gesellschaft vor einer
Rückverstaatlichung und Aufspaltung
stehen könnte. Seit 2002 hält der Bund
übers Verteidigungsministerium 25,1
Prozent an der LHBw. Jeweils knapp 37,5
Prozent liegen bei den Familienunternehmen Lion Apparel (USA) und Hellmann Worldwide Logistics in Osnabrück. Auflage bei der Teilprivatisierung
war, neben der Bundeswehr ein tragfähiges Drittgeschäft aufzubauen. Gesucht
wurden neue Abnehmer für Berufsbekleidung und Uniformen. Die kostspielige Expansion reichte bis nach Asien.
Selbst die Feuerwehr in Hongkong wurde ausgestattet. Zugleich gingen die Inlandsumsätze durch den Wegfall der
Wehrpflicht zurück.
GERHARD HEGMANN
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NINA TRENTMANN
„Du weißt nicht, was du tust“,
sagte sein Vater einst zu ihm. Doch
James Caan wusste genau, was er wollte
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FESTNETZ INLAND SAMSTAG UND SONNTAG
Zeit
Aufstieg vom
Zeitungsjungen
zum Millionär
JAMES CAAN/JAMES CAAN
markt, weswegen viele Versorger bei
Wartungsaufträgen sparen. Im Zusammenhang mit Verzögerungen beim Bau
eines neuen Blocks für ein finnisches
AKW in Zusammenarbeit mit Siemens
hat Areva bereits Milliardenbeträge
zurückgelegt.
IFO-GESCHÄFTSKLIMA
USA
0,95
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Stand: 23.02.2015; 12.00 Uhr
V
or drei Jahren feierte sich die LH
Bundeswehrbekleidungsgesellschaft (LHBw) noch als Paradebeispiel einer gelungenen Privatisierung.
Aus der Kleiderkammer für Soldaten habe sich eine erfolgreiche, international
agierende Gruppe entwickelt, hieß es.
Doch 13 Jahre nach der Übertragung des
Managements der Bekleidungsgesellschaft auf die Privatwirtschaft steht die
Firma jetzt vor einem wirtschaftlichen
Fiasko. Nur mit einem Staatsdarlehen
über knapp elf Millionen Euro kann das
Unternehmen vor einer Insolvenzgefahr
gerettet werden, heißt es laut Nachrichtenagentur Reuters im Finanzministerium. Die Banken wollen die Kredite nicht
erhöhen. Nach Recherchen der „Welt“
schreibt die Firma seit 2010 rote Zahlen.
+
Zu den Kunden der LHD Group
GmbH als Tochter der LHBw gehören
viele prominente Namen, etwa der
ADAC, BASF, die Coop-Gruppe, Lufthansa und Germanwings, Galeria Kaufhof, Berufsfeuerwehren sowie mehrere
Kantons- und Stadtpolizeistationen in
der Schweiz, Hotels oder Vattenfall. Ihnen kann nicht egal sein, wie die Zukunft ihres Bekleidungs- und Uniformlieferanten aussieht. Ein Zukunftsmodell
könnte nun sein, das Geschäft mit den
Drittkunden außerhalb der Bundeswehr
abzuspalten. Die bisherigen Privatgesellschafter könnten es weiterbetreiben. Die
eigentliche Ausrüstung der Soldaten
würde wieder voll in den Händen des
Verteidigungsministeriums liegen. Der
Generalbevollmächtigte der HellmannGruppe, Karl Engelhard, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der LHBw ist,
versucht, die Wogen zu glätten. „Eine
Insolvenz der LHBw ist kein Thema.
Keiner der Großkunden muss sich Sorgen machen“, sagte er der „Welt“. Der
aktuelle Gesellschaftervertrag habe nur
noch eine Laufzeit bis Juli 2016.
Sollte es zur Rückverstaatlichung der
Kleiderkammer der Bundeswehr kommen, wäre dies der zweite Fall, in dem
eine Bundeswehr-Privatisierung zurückgenommen wird. 2013 wurde bereits die
Instandsetzung der Panzer und Fahrzeuge des Heeres wieder komplett unter
staatliche Regie gepackt und die Gesellschaft HIL neu geordnet. Vor rund 15
Jahren galt unter dem damaligen Verteidigungsminister Rudolf Scharping (SPD)
die Privatisierung von Bundeswehreinrichtungen und Serviceleistungen noch
als Königsweg, um die Effizienz zu verbessern und Kosten zu senken.
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