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Ziviler und bewaffneter Widerstand in Südfrankreich 1940-1944. Seminar vom 28. März bis 4. April 2015.
Sonntag
Dienstag
Donnerstag
Erinnerungskultur
Widerstand an der südlichen Rhône
Das Wunder von Dieulefit
Der Sonntag dient dem Kennenlernen des F.I.E.F., seiner
Umgebung, also der Annäherung an den Ort und an das
Thema. Der Stellenwert von Geschichte, Geschichtsbewusstsein und Geschichtlichkeit für Bildung wird in
Deutschland und Frankreich vor dem
Hintergrund unterschiedlicher historischer
Erfahrungen thematisiert. Die Geschichte
des Widerstands ist in Frankreich die
Geschichte des Sieges über den
Faschismus, in Deutschland vor allem eine
Geschichte des Terrors und der
Verfolgung. Diese Differenz spiegelt sich
sowohl in unterschiedlichen Erinnerungskulturen, die Thema
unseres Seminars sein werden, als auch in Lebensläufen.
Exemplarisch erinnern wir an Ernest Jouhy den Gründer des
F.I.E.F. und dessen widerständiges Leben zwischen Deutschland und Frankreich. Als bürgerlicher deutscher Jude, als
kommunistischer Widerstandskämpfer in Frankreich während der deutschen Okkupation, als Leiter von Kinderrepubliken, als Lehrer an der Odenwaldschule, und als Hochschullehrer an der Goethe Universität in Frankfurt war sein
Leben geprägt von dieser widersprüchlichen deutschfranzösischen Geschichte.
Am Dienstagvormittag fahren wir in das auf der westlichen
Seite der Rhône gelegene Örtchen „Le Teil“. Hier heißt eine
Hauptstraße „Boulevard Stalingrad“ und das „Musée de la
Résistance et de la Déportation en Ardèche“ thematisiert in
einer eher einfachen Ausstellung den „militanten“ Widerstand an der südlichen Rhône. Die Nachmittagsrunde beginnt mit dem Film „Les Milles – Gefangen im Lager“. Der
Film schildert den Versuch des Lagerkommandanten Perrochon gegen offizielle Befehle in Les Milles inhaftierte Gegner
des Naziregimes, unter ihnen Lion Feuchtwanger, Walther
Hasenclever und andere berühmte Künstler und Schriftsteller in einem Zug an die französische Atlantikküste nach
Bayonne zu bringen, wo ein Schiff nach Casablanca auf die
Flüchtlinge wartete. Uns interessiert an diesem Film auch die
Darstellung der unterschiedlich agierenden Militärs. Ein
Gespräch zu Film und Museumsbesuch schließt sich an.
Der Vormittag knüpft an die bisher gewonnenen Erkenntnisse
an, die durch eine Spurensuche in Dieulefit und den Besuch
der Schule von Beauvallon vertieft werden sollen. Es geht
darum, in die Atmosphäre eines Ortes einzutauchen, der die
Rettung von so vielen Menschen trotz der Zumutungen des
Vichy-Regimes ermöglichte. Ein Ort, an dem die Flüchtlinge
sich sicher fühlen und am Alltagsleben teilnehmen konnten.
Ein Ort, an dem niemand verraten wurde. Dieser ungewöhnliche und sehr erfolgreiche zivile Widerstand wurde entscheidend geprägt von einzelnen Individuen, wie etwa Jeanne
Barnier, die auf der Bürgermeisterei unzählige „echte“ gefälschte Papiere ausstellte oder den „Damen von Beau-vallon“,
Catherine Krafft, Marguerite Soubeyran und Simone Monnier,
die im Internat ihrer Reformschule geflüchteten Kindern
ebenso Unterkunft gewährten wie Kämpfern der Résistance.
Am Nachmittag soll die zentrale Frage
des Seminars nach dem Verhältnis von
zivilem und militärischem Widerstand
aufgegriffen und ein Vergleich der
Gedenkstätten in Le Teil und im
Vercors mit dem Projekt „Dieulefit –
Citoyenneté“ gewagt werden.
Mittwoch
Montag
Die Résistance
Militärischer und ziviler Widerstand in
Frankreich werden am Beispiel der
Region Drôme Provençale und der
Geschichte des Kantons Dieulefit
thematisiert. Die Region Dieulefit hat
eine Widerstandsgeschichte, die bis in
die Tage der Hugenottenkriege zurückführt. Geflohenen und
Verfolgten zu helfen, hat hier Tradition. In der abgelegenen
und für die NS-Besatzer nur schwer zugänglichen Gegend
wurden während des Krieges Menschen vor dem Zugriff
ihrer Verfolger beschützt, auf dem Hochplateau des Vercors
sammelte die Résistance bewaffnete Widerstandskämpfer
und in den Städten und Dörfern entlang der Rhône agierten
Partisanen. Die regionale Geschichte des Widerstandes
gegen die faschistische Besatzung wird in ihren unterschiedlichen Dimensionen thematisiert und lokale
Forschungsprojekte werden vorgestellt.
Exkursion in den Vercors
Der Vercors ist einer der symbolträchtigen Orte der
französischen Résistance. Seine Tragik thematisiert E. Jouhy
u.a. in der Kurzgeschichte „Identität“. Kurz vor Kriegsende
richtete die Wehrmacht auf dem Hochplateau ein Massaker
an. Die Soldaten machen selbst vor einer Grotte für Verwundete nicht Halt - das Rotkreuzzeichen ignorieren sie. 639 tote
Widerstandskämpfer, 201 tote Zivilisten, Frauen, Kinder, Alte
sind die Bilanz des Einsatzes.
Die Erkundung des Vercors vermittelt einerseits ein Verständnis vom geografischen Raum, in dem Widerstand
stattfand und andererseits ermöglicht der Besuch der
örtlichen Gedenkstätten die Auseinandersetzung mit den
gegebenen Formen der Präsentation. Angestrebt wird eine
Auseinandersetzung mit den sehr unterschiedlichen
Konzepten der zentralen Gedenkstätte für den französischen
Widerstand dem „Mémorial de la Résistance“ und dem von
Widerstandskämpfern begründeten und zum Teil neu
gestalteten „Musée de la Résistance“.
Freitag
„Erinnern“ - auf eine humanere
Zukunft gerichtet
Der Vormittag steht zur freien Verfügung. Es gibt z.B. die
Möglichkeit, den durchaus interessanten Markt in Dieulefit zu
besuchen. Am Nachmittag wollen wir den Versuch
unternehmen, die im Seminar gewonnenen Erkenntnisse auf
die Praxisfelder der Teilnehmer/innen zu beziehen. Kann ein
„Erinnern“ Schule, Öffentlichkeit, Gedenkstätten und
Weiterbildung zu einem kritischen Geschichtsbewusstsein
führen und zu einer humaneren Zukunft beitragen? Es gab
schon immer einen engen Zusammenhang zwischen der
Wahrnehmung historischer Erfahrung, der Begegnung mit
Geschichte und dem Blick auf die nächste Zukunft. Der
„utopische Vorrat“, von dem jede Gesellschaft zehrt, ist in der
Geschichte eingelagert und wird über die Wahrnehmung der
Geschichte mobilisiert. Das soll uns zum Ende des Seminars
beschäftigen und - soweit es möglich ist - an konkreten
Bespielen Schule und Weiterbildung anschaulich werden.
Widerstand in
Südfrankreich
Vorbereitungstreffen
Samstag 21.3.2015, 10.00-15.00 Uhr
Ort wird noch bekannt gegeben
Das Vorbereitungstreffen dient dem Kennenlernen der
Gruppe.
Nach der Vorstellungsrunde wollen wir uns mit dem
Begriff des „Heroischen“ auseinandersetzen und hier
den Blick insbesondere auf die Erinnerungskultur in
Deutschland legen. Das Programm des Seminars wird
besprochen und es werden ggf. Fahrgemeinschaften für
die Anreise gebildet.
Zielgruppe:
Zunächst einmal richtet sich das Seminar an alle
diejenigen, für die die Geschichtlichkeit ihrer eigenen
Existenz ein Thema ist und die sich insbesondere für die
deutsch-französische Geschichte und die aktuelle
Auseinandersetzung mit Erinnern und Gedenken
interessieren. Neben Lehrerinnen und Lehrern könnten
dies Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter lokaler Initiativen
(Gedenkstätten, Stolpersteine,
Geschichtswerkstätten, Studienkreis deutscher Widerstand,
Gewerkschaften...) oder von
Museen sein.
Den Seminarteilnehmerinnen
und -teilnehmern wird ein
Reader mit ausgewählten Texten
zum Thema zur Verfügung
gestellt. Wie im F.I.E.F. üblich
werden französische Gesprächspartner/innen in die
Seminargestaltung einbezogen. Bei Bedarf wird
Kinderbetreuung organisiert. Änderungen im
Seminarprogramm sind noch möglich.
Seminarleitung: Helga Roth, Edgar Weick, Bernd Heyl
Ziviler und bewaffneter Widerstand
1940-1944
Ein Seminar im F.I.E.F.
La Bégude-de-Mazenc / Provence
Vom 28. März bis 4. April 2015
Informationen zum Seminar
Das Seminar findet in La Bégude-de-Mazenc, einem
malerischen mittelalterlichen Dorf der Haute-Provence,
statt. Die Unterkunft erfolgt in einfachen
Zweibettzimmern, das Essen ist vorzüglich und die
provençalische Atmosphäre verspricht den Teilnehmer/
innen eine neue Sicht der Dinge. Die Anerkennung als
Lehrerfortbildung wird beantragt.
Weitere Informationen unter: www.lea-bildung.de und
www.fieflabegude.com
Kosten für Unterkunft und Verpflegung:
Entgelt (DZ)
590,00 Euro
Einzelzimmer (EZ)
660,00 Euro
Bei Bedarf wird Kinderbetreuung organisiert.
Anmeldung:
Einfach anrufen: 069-97129327
Oder faxen: 069-97129397
Online-Buchung: www.lea-bildung.de
E-Mail: anmeldung@lea-bildung.de
Das lea-Büro ist in der Regel montags bis freitags von
9.00 bis 16.00 Uhr besetzt.
Beim Begriff des „Widerstands“ denken wir zuerst einmal an die mutige, die kämpferische Tat. Auflehnung
und Aufstand sind auf das Engste mit diesem Bild
verbunden. Die unauffällige Rettung von Menschen, der
„stille“ zivile Widerstand steht - auch im kollektiven
Gedächtnis - im Schatten des bewaffneten Kampfes.
In der Kleinstadt Dieulefit fanden 1500 Menschen eine
sichere Zuflucht und überlebten so die Zeit der deutschen Besetzung. In der Erinnerung an die Résistance
hat das „Heroische“ dennoch eine besondere Bedeutung, sie gibt dem Widerstand nationale Größe.
Der militärische Kampf um den Vercors und die von
Partisanen gegründete „République du Vercors“
repräsentieren für Frankreich diese „heroische“ Seite des
Widerstands. Wir besuchen die Gedenkstätten des
Vercors, Dieulefit und das Musée de la Résistance in Le
Teil bei Montelimar und setzen uns mit den jeweiligen
Darstellungen und
Konzepten
auseinander.
Wir fragen nach den
„Geschichtsbildern“,
die den jeweiligen
Gedenkstätten und
Gedenkorten
zugrunde liegen und
welche zunehmende
Bedeu-tung
„Heroisierungen“ auch
bei uns heute haben.
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