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Leseprobe zum Titel: Stuttgarter Zeitung (25.02.2015)

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Die unabhängige Zeitung für Baden-Württemberg
1,70 €
Mittwoch, 25. Februar 2015
Nr. 46 | 9. Woche | 71. Jahrgang | E 4029
Eiskalt
umgebucht
Fußball-WM wird verschoben
Fotos: firo, StZ Montage: Stecker
Winterspiele
in Katar
Die Weltmeisterschaft 2022 soll im November und
Dezember stattfinden. Es hagelt Kritik an der Fifa. SEITE 2
Die Dritte Seite
Wirtschaft
Kultur
Hugos Geist hilft nicht mehr –
Venezuela steht am Abgrund SEITE 3
Erfolgreiches Verlagskonzept:
Mairdumont und Marco Polo SEITE 10
Findet den besten Baubürgermeister!
Plädoyer für eine Ausschreibung SEITE 25
Grünes Licht für
Hellas-Hilfen
Nach der Verständigung der Euro-Finanzminister wirbt Bundesfinanzminister
Wolfgang Schäuble (CDU) in der schwarzroten Koalition um Zustimmung zur einer
Verlängerung der Griechenland-Hilfen. In
der Sitzung der Unionsfraktion in Berlin
sprach sich Schäuble nach Angaben von
Teilnehmern für eine Verlängerung des
laufenden Programms um vier Monate aus.
Der Bundestag soll am Freitag über die Verlängerung bis Ende Juni abstimmen. Es
wird mit großer Mehrheit gerechnet.
Griechenland hatte zuvor in letzter Minute die geforderte Liste mit Reformvorhaben an die Europartner geschickt, die Voraussetzung für die Verlängerung des Hilfsprogramms sind. Darin geht es auch um
die Bekämpfung der Steuerhinterziehung.
Man werde dafür moderne Technik einsetzen, heißt es in dem Papier.
dpa/AFP
– Athen nimmt die Reichen ins Visier SEITE 6
Eltern dürfen wählen
Soll ein behindertes Kind auf eine Sonderoder auf eine Regelschule gehen? In BadenWürttemberg bekommen die Eltern künftig ein Wahlrecht. Ein Recht auf eine
Wunschschule erhalten sie laut Gesetz allerdings nicht. SEITEN 3, 5
Wann tritt der Tod ein?
Der Hirntod ist nach Auffassung des Deutschen Ethikrats ein ausreichendes Kriterium für die Entnahme von Organen. Ganz
einig waren sich die Experten jedoch nicht
darüber, wann ein Mensch wirklich für tot
erklärt werden kann. SEITE 4
Das Schaulaufen beginnt
Im März 2016 wird in Baden-Württemberg
ein neuer Landtag gewählt. Schon jetzt laufen sich auch in Stuttgart die Kandidaten
für einen der vier Wahlkreise warm. Die StZ
gibt einen Überblick über das Tableau der
Bewerber. SEITE 17
Donnerstag
7°/2°
Freitag
5°/0°
Börse SEITEN 13, 14
Dax 11 205,74 Punkte (+ 0,67 %)
Dow Jones 18 209,19 Punkte (+ 0,51 %)
Euro 1,1328 Dollar (Vortag: 1,1298)
Ausführliches Inhaltsverzeichnis SEITE 2
36009
4 190402 901701
Nils Schmid lobt den Kompromiss. Die Gewerkschaft
räumt Abstriche bei der Weiterbildung ein. Von Matthias Schiermeyer
Piloteinigung
ach dem Böblinger Tarifabschluss
für 3,7 Millionen Beschäftigte der
Metall- und Elektroindustrie ernten IG Metall und Arbeitgeberverband viel
Lob, aber auch Kritik. Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Nils Schmid
(SPD) begrüßte die Einigung als „verantwortlichen Kompromiss“. Die Tarifpartner
im Südwesten hätten erneut bewiesen, dass
sie „ohne langwierige Arbeitskämpfe verlässliche Rahmenbedingungen schaffen
können“. Die verstärkte Qualifizierung anund ungelernter Beschäftigter sei ein wichtiger Beitrag zur Fachkräftesicherung.
Gewerkschaft und Arbeitgeber hatten
sich am frühen Dienstagmorgen auf eine
Entgelterhöhung von 3,4 Prozent sowie
eine Einmalzahlung von 150 Euro für insgesamt 15 Monate verständigt. Der von der
IG Metall geforderte Anspruch auf eine
bezuschusste individuelle Bildungsteilzeit
wurde von Südwestmetall abgewehrt. Der
zuletzt gültige Tarifvertrag zur Altersteilzeit wird in veränderter Form wieder in
Kraft gesetzt und an die Rente mit 63 angepasst. Dabei soll der Übergang in die Rente
für die Unternehmen vereinfacht und stärker nach der individuellen Belastbarkeit
der Beschäftigten differenziert werden.
IG-Metall-Chef Detlef Wetzel bekannte
im Deutschlandfunk, dass die Gewerkschaft bei der Forderung nach einer geförderten Bildungsteilzeit Abstriche habe machen müssen. Den Arbeitgebern hielt er
eine falsche Strategie vor. „Man muss bei
der Weiterbildung keine Vetoposition auf-
N
bauen“, sagte er. „Man muss nicht ein Instrument wie die Altersteilzeit, die die
Arbeitgeber auch haben wollen, im Volumen halbieren wollen.“ Die Arbeitgeber
hätten sich „etwas lockerer machen können im Rahmen der Tarifbewegung“. Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger zeigte
sich zufrieden mit dem Verlauf. „Im Vergleich mit anderen Branchen haben wir gezeigt, wie man verantwortungsvolle Tarifpolitik macht“, sagte er in Böblingen.
Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer
nannte den Lohnabschluss einen „sehr
schwierigen Kompromiss“. Er sei für viele
Betriebe in unsicherer werdenden Zeiten
nur schwer zu verkraften und keineswegs
auf die ganze Wirtschaft übertragbar, so
Kramer mit Blick auf andere laufende Tarifverhandlungen: In der Chemieindustrie
wurden die Gespräche am Dienstag auf den
12./13. März vertagt – dann könnte es schon
zur finalen Runde kommen. Die Chemiegewerkschaft fordert 4,8 Prozent mehr Geld.
Der in der Vergangenheit nach Metalltarifabschlüssen meist kritische Maschinenbauverband VDMA nannte das Pilotabkommen tragfähig. Es lasse den Bedürfnissen der Unternehmen ausreichend
Spielraum, die Entgelterhöhung überschreite allerdings für viele Betriebe eine
Schmerzgrenze.
Die Tarifparteien in den Bezirken Nordrhein-Westfalen und Bayern entschieden
noch am Dienstag, den Abschluss aus Böblingen zu übernehmen.
– Die Details des Pilotabschlusses auf SEITE 9
Land fordert milde
Erbschaftsteuer
Der baden-württembergische Finanzminister Nils Schmid (SPD) hat sich für eine
milde Besteuerung von Firmenerben ausgesprochen. Wie aus den Eckpunkten zur
Reform der Erbschaftsteuer hervorgeht,
die der StZ vorliegen, tritt Schmid für weniger restriktive Regelungen ein als Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).
Das Land will erreichen, dass große Familienunternehmen bis zu einem Wert von
100 Millionen Euro wie bisher von der
Steuer verschont werden, wenn sie die Bedingungen erfüllen. Die Bundesregierung
plant, die Grenze bei 20 Millionen Euro zu
ziehen. Kleinbetriebe mit bis zu fünf Mitarbeitern wären ebenfalls befreit.
rop
– Hintergrund und Kommentar SEITE 11
Luff
Das Ende der Fahnenstange
Ein Islam österreichischer Prägung
er auf Österreichs Vergangenheit als Muslime Das Parlament Der bis 1932 amtierende Islamische Kulturbund
hatte im Kaffeehaus getagt.
Vielvölkerstaat blickt, hat öfter schon
frischt ein Gesetz zur
Nach Jahrzehnten unregulierter Einflussnahein bisschen in die Zukunft geschaut.
Integration auf.
me aus dem Ausland will das erweiterte IslamWenn zum Beispiel heute im Parlament das neue
Von Mirko Weber
gesetz eine neue Rechtsgrundlage für die rund
Islamgesetz beschlossen wird, dessen Zustande560 000 Muslime in der Alpenrepublik schaffen
kommen maßgeblich vom Außen- und Integrationsminister Sebastian Kurz (ÖVP) vorangetrieben wurde, und zugleich einen Islam österreichischer Prägung respektive
knüpft sich eine Verbindungslinie zurück bis mindestens 1912, Punzierung etablieren, wie das so schön heißt. Dazu gehört,
dass Imame in Österreich ausgebildet werden, Deutsch spreals die erste derartige Gesetzgebung erfolgte.
Nach der Annexion von Bosnien und Herzogowina war das chen und innerösterreichisch finanziert werden. Staatliches
Islamgesetz eine schnell und fortschrittlich ausgearbeitete Re- Recht gilt, wie bereits 1912, vor religiösem Recht. Im Gegenzug
aktion auf die staatsrechtliche Integration: Muslime in der Mo- steht Muslimen unter anderem erstmals das Recht auf eine relinarchie wurden mit den Anhängern der anerkannten Kirchen – giöse Betreuung zu, etwa bei der Krankenhausseelsorge. Wähvon der römisch-katholischen bis zur evangelisch-methodisti- rend die Türkisch-Islamische Union (Atib) das Gesetz vor dem
schen – gleichgestellt. Es war das erste Mal auf europäischem Verfassungsgerichtshof anfechten will, sieht die Islamische
Boden, dass eine vorwiegend muslimische Bevölkerung in ein Glaubensgemeinschaft insgesamt die Vorteile klarer Regelunwestliches Staatensystem integriert wurde. Der damalige Wie- gen, mit denen Fehlentwicklungen vorgebeugt werden kann.
ner Bürgermeister Karl Lueger stellte den Bau einer Moschee in Die deutschen Parteien CDU und CSU, aber auch die Schweiz
Aussicht, was freilich bis 1979 dauern sollte. Das Geld für das und Frankreich, haben, so Sebastian Kurz, bereits großes InteAreal an der Florisdorfer Brücke kam dann von Saudi-Arabien. resse an der neuen Gesetzgebung signalisiert.
W
Wetter SEITE 8
Mittwoch
7°/-3°
Erleichterung nach
Metall-Abschluss
www.stuttgarter-zeitung.de
// FuPa
Stuttgart Torshow der VfB-A-Junioren
// Killer
Fußball Die WM in Katar
wird verlegt. Dies gehört
zum skandalösen Plan der
Fifa. Von Peter Stolterfoht
er Fifa und ihrem Chef Sepp Blatter
ist viel, sehr viel vorzuwerfen. Nur
eines sollte man der Regierung des
Weltfußballs nicht unterstellen: Naivität.
Diesen Anschein wollen sich die Funktionäre rund um den Schweizer Sonnenkönig
nun aber geben, nach dem Motto: Ups, uns
war gar nicht klar, dass es in Katar im Sommer bis zu 50 Grad heiß wird und dass bei
diesen Temperaturen an Fußball nicht zu
denken ist. Woher soll man das wissen?
Sie haben es selbstverständlich alle gewusst und trotzdem die Weltmeisterschaft
2022 an den Wüstenstaat Katar vergeben –
der Bewerbungsvoraussetzung, das Turnier im Sommer auszurichten, zum Trotz.
Fifa-Funktionäre sind nicht dumm, sie
sind vielmehr zum Großteil durchtrieben.
Ihnen war klar, dass an eine Katar-WM im
Juni nicht zu denken ist. Zu diesem Urteil
ist jetzt auch erwartungsgemäß eine sogenannte Task-Force der Fifa gekommen und
empfiehlt eine Austragung im November
und Dezember 2022. Diesem Vorschlag
wird die Fifa-Exekutive im März dann garantiert folgen. Ganz im Gegensatz zu einer
anderen Empfehlung. Vor der WM-Vergabe stellte eine Evaluierungskommission
den Bewerbern Russland und Katar die mit
Abstand schlechtesten Zeugnisse aus – mit
dem interessanten Ergebnis, dass diese
beiden Länder zu den Ausrichtern der Turniere 2018 und 2022 gewählt wurden.
Unzumutbare Temperaturen spielen
bei der Vergabe der neben den Olympischen Spielen wichtigsten Sportveranstaltung der Welt ebenso wenig eine Rolle wie
die Distanz der Bewerberstaaten zu demokratischen Grundprinzipien. In Nordkorea
sollte man sich deshalb auch mal ernsthaft
über eine Ausrichtung einer Fußball-WM
Gedanken machen. Bei der Vergabe ist es
jedenfalls kein K.-o.-Argument, ein totalitärer Staat zu sein. Die Fifa richtet sich
nach anderen Kriterien, die nichts mit Demokratie, Pressefreiheit und Menschenrechten zu tun haben.
Zurück nach Katar, also dorthin, wo der
Al-Thani-Herrscherclan mit einem Pfund
wuchern kann, dem in der Fifa die größte
Bedeutung beigemessen wird: Geld. Davon
bekommen dann auch viele etwas ab. Die
entsprechend wählenden Fifa-Mitglieder
genauso wie die Wirtschaft in den jeweiligen Herkunftsländern, der durch das riesige Bauprojekt Wüsten-Weltmeisterschaft
ein sehr lukratives Geschäft in Aussicht gestellt wird. Korruption, das hat der zurückgetretene Fifa-Chefermittler Michael Garcia herausgefunden, hat bei der Vergabe
wieder einmal eine große Rolle gespielt.
Über diesen Fakt geht Sepp Blatter ziemlich lässig hinweg. Schließlich sichert ihm
die WM in Katar bei der nächsten Präsidentenwahl im Mai wichtige Stimmen in der
arabischen Welt.
Und so geht es bei der Fifa immer weiter
wie bisher: mit dem dann 79-jährigen Sepp
Blatter und der Losung „Was nicht passend
ist, wird passend gemacht“. So wie jetzt das
Turnier in Katar, wo nun zum ersten Mal in
der Fußballgeschichte eine Weltmeisterschaft nicht dann stattfindet, wenn auf der
Nordhalbkugel Sommer ist. Tradition hat
für Sepp Blatter und seine Fifa-Mannschaft
ebenso wenig Bedeutung wie die Sorgen in
den großen europäischen Ligen. Der Spielplan muss infolge der Winter-WM komplett geändert werden, was mit einem immensen Aufwand und entsprechenden
Kosten verbunden ist. Der Standpunkt der
Fifa in diesem Fall ist auch wieder klar und
lautet: Das ist nicht unser Problem.
Dieser berechnende Weltverband wird
es aber trotzdem nicht schaffen, den Fußball kaputt zu machen. Obwohl es die aktuelle Fifa-Führung wirklich verdient hätte,
als Totengräber von Weltmeisterschaften
in die Fußballhistorie einzugehen.
Die Schönheit des Spiels wird sich am
Ende immer durchsetzen. Das wissen aber
leider auch die machtbesessenen und
korrupten Funktionäre im Weltverband.
Dumm sind sie schließlich nicht.
D
& Co. Die Kolumne für Krimifans
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