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Fern-Uni für alle?

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Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 25.02.2015
Seite:
Ressort:
Seitentitel:
N4
Natur und Wissenschaft
Forschung und Lehre
Gattung:
Nummer:
Auflage:
Serientitel:
Ausgabe:
Glosse Forschung und Lehre
Hauptausgabe
Reichweite:
Tageszeitung
47
356.208 (gedruckt) 305.257 (verkauft)
320.864 (verbreitet)
0,76 (in Mio.)
Fern-Uni für alle?
Das neue Hochschulgesetz in Nordrhein-Westfalen verändert auch die
Lehre: Anwesenheitspflichten wurden
verboten, die regelmäßige Teilnahme an
Lehrveranstaltungen ist nicht mehr notwendig, um zur Prüfung zugelassen zu
werden. Muss ein Student also gar nicht
mehr in die Universität gehen, um zu
studieren? Nun, ganz so ist es nicht. Die
Regelung gilt nicht ohne Ausnahmen,
und um zu verstehen, wie diese aussehen und warum es sie gibt, hat Prof. Dr.
Joachim Goebel, Leiter der Abteilung
Recht im NRW-Wissenschaftsministerium, eine dreizehnseitige Handreichung vorgelegt, die "versucht, auf zu
erwartende Fragen eine Antwort zu
geben". Eine? Sechzehn Antworten und
36 Randnummern enthält das Papier,
denn dass es Lehrveranstaltungen gibt,
"bei denen ausnahmsweise Anwesenheitspflichten zulässig sein können",
Wörter:
© 2015 PMG Presse-Monitor GmbH
313
benennt nur den Kern des Orientierungsbedarfs: "Es handelt sich um
Exkursionen, Sprachkurse, Praktika,
praktische Übungen sowie um vergleichbare Lehrveranstaltungen", wo es
"für jeden Verständigen sozusagen auf
der Hand liegt, dass dort die Studierenden zumeist nur dann ihr Lernziel erreichen können, wenn sie anwesend sind".
Im Umkehrschluss heißt das, dass Studierende ihr Lernziel sonst auch dann
erreichen können, wenn sie nicht anwesend sind. Doch es geht um wesentlich
mehr. Flexibilität heißt das Schlüsselwort, und wenn diese "in der Studienorganisation fehlt, können einkommensschwache Studierende häufig nicht mehr
zielgerichtet studieren, da sich dann Studium und Nebenjobs zur Studienfinanzierung nicht mehr miteinander vertragen". Aber womöglich taugt das Verbot
der Anwesenheitspflicht ja noch zu ganz
anderem. Kann es doch der Überlastung
der Hochschulen, gerade in den Geisteswissenschaften, die damit noch einmal
abgewertet werden, selbstregulierend
entgegenwirken. Wer das zu Ende
denkt, mag zu dem nicht nur anwesenheits-, sondern auch kostensparenden
Schluss kommen, alle Hochschulen des
Landes der Fern-Universität Hagen
anzugliedern. Ganz so weit ist das
NRW-Wissenschaftsministerium zwar
noch nicht, das zentrale Argument dafür
hält es aber bereits parat: "Das mit
Seminaren oftmals verfolgte Ziel der
Einübung in den wissenschaftlichen
Diskurs lässt sich auf vielfältige Weise
und angesichts heutiger Medien nicht
ausschließlich bei Anwesenheit vor Ort
erreichen."
aro.
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