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MA NAG E M E N T
Mindestlohn
Mindestlohngesetz (MiLoG)
So reagiert die Branche
© Karin & Uwe Annas / Fotolia.com
Das Gesetz gilt –
jetzt geht es um
die Umsetzung.
Wir befragten
Tankstellengesellschaften,
mit welchen
Maßnahmen sie
und Ihre Partner
die gestiegenen
Personalkosten
auffangen wollen.
Kommentar
Rechnung ohne den Wirt gemacht!
Jörg Helmling ist Rechtsanwalt in Nürnberg. Der Experte im Tankstellenrecht empfiehlt, die
durch den Mindestlohn verursachten Mehrkosten auf alle Beteiligten gerecht zu verteilen.
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dies allein Sache des Pächters
sei. Schließlich hätten die Gesellschaften keinen Einfluss auf
den Gesetzgeber gehabt. Teilweise wurde empfohlen, doch
die Preise im Shop anzuheben,
um damit die gestiegenen Personalkosten auszugleichen.
Das ist sicher zu banal betrachtet. Andererseits kann man zumindest
nicht pauschal die Auffassung vertreten,
die Mineralölgesellschaften hätten hier
einen vollständigen Ausgleich zu schaffen.
Jedenfalls ist die Mineralölgesellschaft
nicht unbetroffen, denn die Möglich-
keiten zur Gewinnerzielung an
einer Tankstelle werden genau
um die erhöhten Personalkosten verringert. Man muss also
sein Augenmerk auf die Pacht
richten, die ja noch zu Zeiten
festgelegt worden sein dürfte,
als diese Zusatzbelastung der
Pächter nicht absehbar war.
Wer hier bei der Geschäftsplanung für
2015 mit der Gesellschaft zu seinen Gunsten verhandeln konnte, ist im Vorteil! In
den anderen Fällen könnte man durchaus
darüber nachdenken, ob nicht eine angemessene Reduzierung der Pacht aufgrund
© Helmling
Leider hat die Einführung des Mindestlohngesetzes erhebliche Auswirkungen
auf die Tankstellenbranche, da es in einigen Gebieten von Deutschland eine Anhebung des Lohnes – gerade für Minijobber und Teilzeitkräfte – erforderlich
macht. In den Geschäftsergebnissen für
das Jahr 2015 führt das zur Anhebung der
Personalkosten. Es ist nicht verwunderlich, dass die Tankstellenpächter nach
einem Ausgleich dieser Mehrkosten suchen. Prompt wird nach Unterstützung
durch die Mineralölgesellschaft gerufen.
In einigen Fällen haben die Gesellschaften bei Pächter-Tagungen verkündet, dass
tankstellenWelt
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Mindestlohn MAN AGEM E N T
der von außen einwirkenden Gesetzeslage verhandelt werden muss.
Kein vernünftiger Weg ist eine Zuschussgewährung durch die Mineralölgesellschaft, die später zurückgezahlt werden muss oder angerechnet werden kann.
Auch wenn es Gesellschaften gibt, die
solche Konzepte ihren Pächtern anbieten,
ist das doch nur eine Verlagerung des
Problems und keine Lösung. Von solchen
„Hilfen“ kann man nur abraten beziehungsweise davor warnen.
Eine Pachtreduzierung wird aus meiner
Sicht nicht in vollem Umfang zu erreichen
sein. Die Mehrkosten müssen daher auch
über eine Reduzierung der Personalkosten – zum Beispiel durch längere Nachtschließungen – und wohl auch über eine
Anhebung der Shop-Preise ausgeglichen
werden. Das sollte auch der Politik klar
sein: Wenn Lohnkosten steigen, ist es betriebswirtschaftlich normal und damit
auch vorhersehbar, dass Mehrkosten in
Form von Arbeitsplatzverlusten aufgefangen oder durch Preissteigerungen vom
Verbraucher getragen werden müssen.
Auch die Mineralölgesellschaften werden ihre durch die reduzierten Pachten
verschlechterten Einnahmen über höhere
Verkaufspreise wieder wettzumachen versuchen. Sie sind also durchaus an der
Problembewältigung beteiligt. Tatsächlich
treffen die Auswirkungen des Mindestlohngesetzes also alle Beteiligten gleichermaßen. Jeder muss daher auch seinen
Beitrag leisten. Wäre dies nicht so, so
hätte die Bundesregierung mit ihrem
Mindestlohngesetz tatsächlich die Rechnung ohne den Wirt gemacht. 〱
Jörg Helmling
office@kanzlei-helmling.de
Umfrage unter Mineralölgesellschaften
Mindestlohn als Branchenaufgabe
Wie Tankstellengesellschaften das Thema Mindestlohn (MiLoG) angegangen sind. Und
welche Lösungen sie mit ihren Partnern verfolgen, um die Mehrkosten aufzufangen.
© Allguth
„Die Einführung des Mindestlohngesetzes hat uns sehr
beschäftigt. Als Mineralölgesellschaft sind wir zwar nicht
unmittelbar betroffen, da die Folgen primär unsere selbständigen Tankstellenpartner zu tragen
haben. Dennoch sitzen wir zusammen in
einem Boot. Mit Themen unserer Partner
haben auch wir uns zwingend auseinanderzusetzen.
Frühzeitig haben wir deshalb, zusammen
mit den jeweiligen Steuerberatern unserer
Partner, die zu erwartenden Auswirkungen des Mindestlohnes auf die
Geschäftspläne 2015 analysiert. Dabei
haben wir sehr schnell festgestellt, dass sich die Situation
von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich darstellte.
In etlichen Fällen gab es keine Maßnahmen zu treffen, da
die Löhne in Süddeutschland, vornehmlich im Münchner
Raum, weit über dem Bundesdurchschnitt liegen. Die
Lohnstruktur bei den meisten Tankstellenmitarbeitern liegt
über dem gesetzlich festgelegten Mindestlohn.
Bei einzelnen Betrieben, hauptsächlich im Waschstraßenbereich, war erkennbar, dass Personal-Mehrkosten aufgefangen werden müssen. Hier erarbeiteten wir unterschiedliche Lösungsansätze. In erster Linie stand die Stärkung der
Ertragspotentiale im Vordergrund. Wir haben im abgelaufenen Jahr Millionenbeträge in die Erweiterung unserer
Shops und Bistros investiert, um die Verdienstmöglichkeit
unserer Partner zu stärken. Daneben haben wir auch über
Öffnungszeiten und Einsparpotentiale diskutiert. Nur als
allerletzte Möglichkeit erwägen wir, unseren Partnern 〱
tankstellenWelt
2015 (3)
Stand: FN04
... und mehr: - Preismelder (MTS)
- Nassdatenverarbeitung
- Händlerkonzentrator für geringere
girocard- Autorisierungsgebühren
- automatisiertes Pricing mit MTS-Daten ...
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Mindestlohn
eine Preiserhöhung zu empfehlen.
Nach dem momentanen Stand der
Dinge scheinen wir hiervon aber Abstand nehmen zu können.
gen Tankstellenbetreibern
durch partnerschaftliche
Vertragsstrukturen seit jeher eine stabile Einkommensbasis. Flankiert wird
dies zusätzlich durch die
fortlaufende Entwicklung
und Bereitstellung wirtschaftlich attraktiver Konzeptionen für an Stellenwert gewinnende Geschäftsbereiche (zum Beispiel Shop, Bistro) durch die AVIA Zentrale in München.
Mitgliedsfirmen der AVIA bieten ihren unternehmerisch selbständig täti-
Vor diesem Hintergrund werden
Auswirkungen des MiLoG – im Be-
darfsfall – in Form von Einzelfallbetrachtungen analysiert und münden in
einen konkreten, gemeinsam abgestimmten Maßnahmenplan, der erfahrungsgemäß die Nachjustierung der
Bereiche Personalstruktur, VK-Preise
Shop/Bistro/Wash sowie der Randöffnungszeiten beinhaltet. Wie die Praxis
zeigt, führt dies zu einer sehr weitgehenden Deckung prognostizierter
(MiLoG) Zusatzkosten. Darüber hinausgehender Handlungsbedarf wäre stets
Gegenstand individueller Verhandlungen.“
„Grundsätzlich ist es uns sehr
wichtig, ein verlässlicher und
fairer Partner für unsere
Tankstellenunternehmer zu
sein. Denn es ist unser Ziel,
langfristig mit den Tankstellenunternehmern zusammenzuarbeiten. Das funktioniert nur, wenn wir Rahmenbedingungen schaffen, die den Tankstellenunternehmern ein wettbewerbsfähiges Einkommen ermöglichen. Deshalb lassen wir die Unternehmer auch bei der Bewältigung der He-
rausforderungen, die sich
aus dem gesetzlichen Mindestlohn ergeben, nicht allein. Wir haben hierzu bereits frühzeitig das Gespräch
mit den Tankstellenunternehmern gesucht und auch
auf Informationsveranstaltungen unsere Herangehensweise erläutert.
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© JET Tankstellen Deutschland
© ORLEN Deutschland
„Unter Berücksichtigung aller uns vorliegenden Daten
und Kennziffern sowie der
neuen gesetzlichen Regelungen und nach intensiven
Beratungen mit unseren
selbständigen Tankstellenpartnern sind wir der Über-
Zugleich sind die Auswirkungen des
Mindestlohns und auch die bestimmenden Faktoren in der Geschäftsplanung der einzelnen Unternehmen sehr
zeugung, dass die Einflüsse
des Mindestlohnes wirtschaftlich eingrenzbar sind.
Schon lange vor Inkrafttreten der neuen gesetzlichen
Bestimmungen haben wir
uns sehr detailliert mit den
Herausforderungen des
© TOTAL / Lautenschläger
„Obwohl eine Mindestlohneinführung von uns weitgehend positiv gesehen wird,
birgt die Umsetzung des
Mindestlohngesetzes grundsätzlich auch für eine von
mittelständischen Strukturen geprägte Tankstellenorganisation, wie es die AVIA
ist, eine Reihe von Herausforderungen.
Dabei steht die Organisationsform der
AVIA-Gruppe pauschalen Lösungen jedoch gänzlich entgegen.
Es gilt nun für die kommenden Monate zeitnah Ertrags- und Kostenentwicklung im Blickfeld zu haben, um
eventuell schnell Adjustierungen vornehmen zu können. Unsere Partner
wissen, dass wir mit Rat und Tat jederzeit zur Verfügung stehen.“
© AVIA
sere weiteren Empfehlungen sind klar:
1.) Operative Kosten senken
2.) Struktureffizienz des Personaleinsatzes steigern;
3.) Energiekosten optimieren. Außerdem hat TOTAL
zur Finanzierung des Mindestlohns einen substantiellen Beitrag für seine Tankstellenpartner geleistet.“
Christian Amberger, Allguth GmbH,
Gräfelfing bei München
„Wir setzen unsere Wachstumsstrategie konsequent
fort. Dazu gehört das attraktive TOTAL Shopangebot
und ein modernes Tankstellendesign. Zusammen mit
gutem Service liegen hier
die Grundlagen für eine positive Geschäftsentwicklung.
Im Kaffeebereich bieten wir mit Lavazza eine starke Marke an, die gleichermaßen Kunden zieht und interessant
für unsere Tankstellenpartner ist. Un-
Guillaume Larroque, Direktor Tankstellen
bei TOTAL Deutschland
Holger Mark, Vorstand AVIA Mineralöl-AG
unterschiedlich. Aus diesem Grund haben wir gemeinsam mit den Unternehmern individuell und gründlich die
Situation der einzelnen Tankstellen betrachtet und dort, wo es notwendig
war, auch Konditionen angepasst. Unsere Erfahrung und der Austausch mit
den Tankstellenunternehmern in den
vergangenen Wochen zeigen uns, dass
diese individuelle und gezielte Herangehensweise als wertvolle Unterstützung empfunden wird.“
Jörg Biermann, Manager Retail Operations,
JET Tankstellen Deutschland GmbH
Mindestlohnes auseinandergesetzt. So
konnten wir dessen Auswirkungen in
den Planungen für 2015 berücksichtigen. In enger Zusammenarbeit mit unseren Partnern haben wir Ansätze erarbeitet, bei deren Umsetzung vor Ort
wir jederzeit unsere Unterstützung anbieten. Zudem ist es uns ein wichtiges
tankstellenWelt
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Mindestlohn MAN AGEM E N T
Stationen mit ihren unterschiedlichen
Ausstattungsmerkmalen, Öffnungszeiten und Personalstrukturen vor Ort
nicht um einen pauschalierten, netzweit anwendbaren Ansatz handeln. Es
ist uns aber in allen Fällen gelungen,
individuelle Ansätze mit unseren jewei-
ligen Partnern zu finden, die den speziellen standortabhängigen Bedürfnissen Rechnung tragen und bei der Gesamtwirtschaftlichkeit die Partner unterstützen.“
„Die Deutsche Tamoil GmbH
hat ihr Tankstellengeschäft in
den letzten Jahren modernisiert und gemeinsam mit den
Tankstellenpartnern eine
deutliche Verbesserung der
Geschäftsentwicklung für die
Betreiber erreicht. Wir wollen
diesen erfolgreichen gemeinsamen Weg auch in diesem Jahr mit unseren Partnern weitergehen. Dabei
kann man die Augen nicht vor den Aus-
wirkungen des Mindestlohngesetzes verschließen. Wir
haben sehr frühzeitig im
letzten Jahr begonnen, zusammen mit den Tankstellenpartnern und Steuerberatern, individuell für jeden
Standort die Auswirkungen
und die möglichen Maßnahmen zu analysieren. Grundsätzlich basiert der Lösungsansatz für steigende
Stundenlöhne auf drei Säulen: Optimie-
rung des Stundeneinsatzes. Stärkung
der Ertragskraft aus dem Umsatz. Finanzielle Stützungsmaßnahmen der Gesellschaft. Die Kombination dieser drei Säulen wurde auf jeden Standort individuell zugeschnitten und in den Geschäftsplänen der Steuerberater frühzeitig berücksichtigt. Insgesamt werden wir uns
mit einem deutlichen siebenstelligen
Betrag in 2015 engagieren.“
„Die Situation stellt sich je
nach Region und Umfeld unserer Stationen sehr unterschiedlich dar. Während beispielsweise im Raum Münster-Innenstadt in der Regel
bereits 8,50 Euro und mehr
Lohn pro Stunde gezahlt wurden, lagen unsere Tankstellen
in anderen Gebieten teilweise noch etwas darunter. Wettbewerber mit Tankstellen etwa in Ostdeutschland werden
sicherlich stärker betroffen sein. Unsere
Tankstellenpartner werden von uns
kontinuierlich unterstützt.
Dabei geht es um vielfältige
Themen zur Optimierung
von Geschäftsabläufen. Darauf führen wir unsere jährlichen Zuwächse pro Tankstelle zurück, die deutlich
über dem Branchendurchschnitt liegen. Vor Einführung des Mindestlohns haben wir für
jede Station maßgeschneiderte Empfehlungen erarbeitet: zu Sortiment, Verkaufspreisen, Öffnungszeiten, Schichtplanungen, Personaleinsatz und Ar-
beitsverträgen. Etwa zwei Drittel der zuvor geschätzten Mehrkosten durch den
Mindestlohn lassen sich dadurch auffangen. Mittlerweile setzen unsere
Tankstellen diese Konzepte um und
erste Erfolge sind bereits sichtbar. So
steigen bei den Shopartikeln trotz moderater Preiserhöhungen in vielen Fällen auch weiterhin die Stückumsätze.
© Westfalen
© Deutsche Tamoil
Anliegen, unsere Partner regelmäßig
daran zu erinnern, ihren gesetzlichen
Pflichten nachzukommen. So lassen
wir sie auch im Alltag mit den neuen
Aufgaben, die der Mindestlohn mit
sich bringt, nicht allein. Selbstverständlich kann es sich bei der Vielzahl der
Wieslaw Milkiewicz, Geschäftsführer und
Pressesprecher ORLEN Deutschland GmbH
Carsten Pohl,
Geschäftsführer Deutsche Tamoil GmbH
In Einzelfällen werden wir die für den
Partner tatsächlich anfallenden Mehrkosten auch teilweise übernehmen.“
Andre Stracke, Leiter Bereich Tankstellen,
Westfalen Gruppe
Umfrage: Pachtreduzierung ja – aber nicht pauschal, sondern im Einzelfall
Grafik o.l.: Als Tankstellengesellschaft sind wir der Ansicht, dass die Folgen des MiLoG
allein Angelegenheit unserer Tankstellenpartner als selbständige Unternehmer sind ...
1. ... durch uns gibt es keine spezielle wirtschaftliche oder beraterische Unterstützung.
Keine von 12 Gesellschaft gab diese Antwort.
2. ... durch uns gibt es diesbezüglich keine wirtschaftliche Unterstützung. Allerdings
beraten wir unsere Partner auf deren Wunsch hin bezüglich betriebswirtschaftlicher
und organisatorischer Möglichkeiten, um evtl. negative Folgen des MiLoG zu mindern.
2 von 12 Gesellschaften gaben diese Antwort
3. ... doch unterstützen wir durch Beratung und – wenn die gefundenen / vom Partner
umgesetzten Maßnahmen allein nicht ausreichen – durch finanzielle Zuwendungen.
8 von 12 Gesellschaften gaben diese Antwort.
Die Unterstützung erfolgt durch (o.l.) Pachtsenkung (7), Ertragszuschuss (4),
höhere Kraftstoffprovision (1), sonstige finanzielle Zuwendung (3).
Die Lösungsansätze (u.l.) sind standortunabhängig (2), standortindividuell (11).
Problem hält/halten 1 MÖG für gelöst, 7 für weitgehend gelöst, 4 für nicht gelöst (u.r.)
Von den 30 wichtigsten Tankstellengesellschaften nahmen 13 an der Umfrage teil.
tankstellenWelt
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