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Masterarbeit im Studiengang Master Intercultural Education

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Masterarbeit im Studiengang Master Intercultural Education Jahrgang 2012/2013
Joanna Lundt - Diversity Issues in Japan with a Focus on the Buraku Minority
Abstract
Eine globalisierte Welt, die sich im weltweiten Wettbewerb auf die Reduzierung von internationalen
Handelsbarrieren sowie das Steigern von Reichtum, Gütern und Dienstleistungen fokussiert, führt
zu einem internationalen Austausch von Meinungen, Wissen, Produkten, Ideen, und Kultur. Als
natürliche Folge dieser Entwicklungen kommt es zu Migration und dadurch ein Zusammentreffen
verschiedener kultureller und ethnischer Identitäten. Dies kann große Dilemmata für die
Gesellschaft, Politik, und Legislative in den Ländern führen, die bisher nicht auf Immigration
eingestellt sind. In einem Land wie Japan, das sich jahrzehntelang sogar stolz als einzigartig und
monoethnisch dargestellt hat, sind die aktuellen Herausforderungen besonders groß. In wieweit
Japan mono- oder multikulturell ist, wird gerade in der Politik, in den Medien und unter
Akademikern heiß diskutiert.
Lundt setzt sich mit dieser monokulturell-multikulturellen Debatte im heutigen Japan auseinander,
und stellt die Frage: „Wie vielfältig ist Japan wirklich?”. In diesem Zusammenhang wird auch die
Rolle der buraku Minderheit analysiert; ihre Geschichte, der lange Kampf gegen Diskriminierung,
und welchen gesellschaftlichen sowie pädagogischen Herausforderungen sie sich im heutigen
Japan gegenübersieht. Die methodische Vorgehensweise dieser Arbeit ist eine Kombination von
Literatur- und Internetrecherche. Induktive Methoden werden angewendet, um Theorien und Daten
zu untersuchen, zu analysieren und zu diskutieren. Um Orientalismus zu vermeiden, wurde
Literatur von Autorinnen und Autoren aus verschiedenen Ländern mit unterschiedlichen
Hintergründen und Ethnizitäten verwendet.
Zuerst untersucht Lundt die Darstellung Japans als kulturell homogenes Land, die innerhalb und
außerhalb Japans weit verbreitet ist. Das Bild der JapanerInnen ist oft das eines einheitlich
aussehenden Volkes, das die gleiche Sprache, die gleichen Sitten, und die gleichen Lebens- und
Arbeitsgewohnheiten teilt; es wird angenommen, dass alle JapanerInnen einem einzigen
ethnischen Hintergrund entstammen und eine exklusive Familie mit gemeinsamen Vorfahren
bildet, die über eine besondere und einzigartige Kapazität für Harmonie und Disziplin verfügt. Die
klaren Indizien für Multikulturalität in der Gesellschaft scheinen diesen Glauben nicht zu
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beeinflussen. Die Mehrheit der JapanerInnen ist sich dieses Widerspruches nicht bewusst und es
wird weiterhin behauptet, dass Japan ein homogenes und einzigartiges Land sei.
Im ersten Teil der Arbeit setzt sich Lundt mit den möglichen Ursprüngen dieser Ideologie
auseinander. Konfuzianische Werte, wie Famililentreue, Harmonie, und hierarchische Aufteilungen,
spielen noch eine große Rolle im modernen japanischen Leben und haben dazu beigetragen, dass
der gemeinsamen Familienlinie sowie gesellschaftlichen Trennungen zwischen Eigengruppen und
Außengruppen viel Gewicht beigemessen wird. Die Ideologie einer nationalen Identität sowie
Patriotismus förderten in der Meiji-Zeit sowie im zweiten Weltkrieg das Bild einer inklusiven
japanischen Identität und den Glauben an eine monokulturelle japanische Bevölkerung mit
gemeinsamen Vorfahren. Zur gleichen Zeit versuchten Diskussionen über Rasse sowie die
Beliebtheit von Sozialdarwinismus Kriterien für „Japanität” zu definieren, was dazu führte, dass
bestimmte Gruppen in der Mehrheitsgesellschaft untergeordnet oder sogar ausgeschlossen
wurden. Wohl der größte Einfluss auf die Darstellung Japans als monokulturelles Land ist das
beliebte Genre der nihonjinron Literatur, der das Bild der JapanerInnen als homogenes Volk
untermauert. Diese Literatur betont die Verbindungen zwischen Land, Volk und Kultur durch die
Darstellung Japans als ein hierarchisches und gruppenorientiertes Volk, das einzigartig ist. Dieses
Bild wird bis heute immer wieder durch japanische PolitikerInnen und die Medien gefördert. Lundt
analysiert diese Einflüsse und zeigt, wie sie in Japan Meinungen von Vielfalt geprägt haben.
Langsam ändert sich aber das Bewusstsein der JapanerInnen. Mit der Realisierung des wichtigen
Beitrages, den Minderheiten und Migranten zur Entwicklung der zukünftigen japanischen
Gesellschaft leisten, wird diese traditionelle Darstellung angefochten. Lundt untersucht den neuen
Diskurs, der erkennt, dass die japanische Gesellschaft aus verschiedenen gesellschafts- und
ethnischen Gruppen besteht, und dass ein Großteil der Bevölkerung heterogenen Ursprungs ist.
Minderheiten wie die ainu, buraku, und zainichi Koreaner werden immer aktiver und von der
Regierung sowie großen Menschenrechtsorganisationen unterstützt, damit sie effektiver gegen
Diskriminierung in der Ehe, im Wohnungswesen, bei der Arbeit und in der Schule vorgehen
können. Mit einem wachsenden Bedarf an ausländischen Arbeitskräften sowie immer
„sichtbarerer” Vielfalt, implementiert die japanische Regierung neue Immigrationspolitik und fördert
interkulturelles Bewusstsein dadurch, dass neue Immigrationsmöglichkeiten geöffnet und
interkulturelle Projekte gefördert werden.
Lundt weist darauf hin, dass die Multikulturalität in Japan ein zweischneidiges Schwert ist. Auf
der einen Seite reflektiert sie die reiche multikulturelle Geschichte Japans, die linguistische Vielfalt
sowie positive politische Änderungen und innovative kommunale interkulturelle Projekte. Auf der
anderen Seite wird jedoch festgestellt, dass diese Entwicklungen oft unstrukturiert, verwirrend und
widersprüchlich sind: die Politik ist mal migrantenfreundlich, mal mirgantenunfreundlich; ein
anscheinend homogenes Land zeigt, dass es reich an „Vielfaltszentren” ist; die „sichtbaren”
MigrantInnen haben wesentlich weniger Rechte als die „unsichtbaren”; Basisorganisationen
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erreichen viel mehr mit ihren interkulturellen Basiskampagnen als die zentrale Regierung mit ihren
mangelhaften und widersprüchlichen Maßnahmen; ein Bild eines multikulturellen Japans, das
wiederum gar nicht multikuturell ist. Lundt stellt dann die Frage, was für Maßnahmen in Japan
ergriffen werden müssten, um diesen Widersprüchen entgegenzuwirken.
Im Zusammenhang der mono-/multikulturellen Debatte wird schließlich die Position der buraku
Minderheit, die Nachkommenschaft der „Ausgestoßenenklasse” in der japanischen Gesellschaft
untersucht. Mit ihrer langen Geschichte von Diskriminierung und eine starke Freiheitsbewegung,
ist die buraku Minderheit eine der größten Einflüsse auf die japanische Regierung bezüglich der
Anerkennung von Vielfalt und Minderheitsrechten. Sie sind führend in der Bildungsreform,
verlangen inklusive Vielfaltsbildung und Gleichberechtigung für alle, und befürworten Änderungen
der Menschenrechtsgesetzgebung in Japan. Sie kämpfen für die Verbesserung des Schulsystems,
damit Lösungen für Probleme bezüglich Identität und interkultureller Kommunikation gefunden
werden können. Wegen mangelnder Gesetzgebung, restriktiver und traditioneller Schulmodelle,
und
allgemeinen
Desinteresses
der
japanischen
Bevölkerung
bleibt
der
Kampf
für
Gleichberechtigung und Menschenrechte jedoch hart. Wichtig ist, dass der monokulturelle Mythos
nicht einfach mit einem multikulturellem ersetzt wird und dadurch Realitäten und Verantwortungen
ignoriert. Mit dem wachsenden Druck der Globalisierung auf Japans Gesellschaft und
Binnenwirtschaft sind die Buraku Liberation League und andere japanische Minderheiten- und
Menschenrechtsgruppen entschlossen, Japan dazu zu bringen, sich für die Vielfalt zu öffnen und
eine wahrhaft multikulturelle und gleichberechtigte Gesellschaft zu werden.
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