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Flyer A4 Sonntag - Welt-Autismus

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Engelskirchen, 21. 10. 2014
Durch das Agger – Wanderfischprogramm kann im Oberbergischen wieder
eine lebendige Fließgewässer – Landschaft entstehen
Im letzten Monat ist vom MKULNV – NRW der Erlass „Förderung von Durchgängigkeitsmaßnahmen
zur Umsetzung des NRW – Bewirtschaftungsplans“ veröffentlicht worden. Der Erlass schafft wichtige
Voraussetzungen zur Renaturierung der Agger und der Wandlung des Oberbergischen, insbesondere
von Engelskirchen, von einer Staustufenlandschaft zu einer Fließgewässerlandschaft. Die Vision, dass
die Wanderfische wieder in ihre traditionellen Laich- und Jungfischhabitate in der Äschen- und
Forellenregion und nicht nur bis zum Stau Ehreshoven 1 in Engelskirchen kommen, rückt näher.
Stauanlage Ehreshoven 1 bei Engelskirchen - Loope
Meerforelle – ihr Weg aus der Nordsee endet vor Ehreshoven 1
Bilder: Horst Stolzenburg
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Für uns bedeutet der Fördererlass für die Agger den Rückbau der WKA
Der Erlass sieht an Standorten mit Wasserkraftanlagen sowohl die Förderung von technischen Aufund Abstiegsanlagen, als auch den Rückbau der WKA vor, „soweit er zur Zielerreichung notwendig
ist“. Die Entscheidung, welcher Weg gegangen werden soll, muss zeitnah und im Rahmen eines
Gesamtkonzeptes getroffen werden. Nach gründlicher Auseinandersetzung mit den örtlichen
Gegebenheiten kommen wir zu dem Schluss, dass die WKA Ehreshoven 1, Ohl – Grünscheid, Haus
Ley, Wiehlmünden und Osberghausen rückgebaut werden sollten. Auch die Stauanlage Bieberstein
an der Wiehl, die nach unseren Informationen wieder im Schwallbetrieb gefahren wird, sollte
zurückgebaut werden. Die entsprechenden freiwerdenden Talsperrenbereiche sollten für die
Auenentwicklung / Auwald - Bildung genutzt werden. Der Stau Ehreshoven 2 sollte vom Aggerbett
abgetrennt werden und die Talsperre als Biotop für Wat- und Wasservögel erhalten bleiben.
Mit diesen Maßnahmen wären die wesentlichen Schritte zur Durchgängigkeit und Renaturierung der
Agger hergestellt. Eine befriedigende Durchgängigkeit und Dynamik des Flusses, als auch seine
Funktion als Laich- und Jungfischhabitat für Lachse, erfordert allerdings neben dem Rückbau der
WKA, dass die Sedimente in den Talsperren gebunden und Schäden für den Fluss vermieden werden.
Erreicht wird dies vor allem durch die spontane Vegetation im Rahmen der Auwald - Bildung.
Erforderlich sind noch konzeptionelle Maßnahmen für die einzelnen Staus, insbesondere zum
Zeitablauf. Notwendig wird sein, dass in der unmittelbaren Nähe der ehemaligen Fließrinne nahe den
Wehren die Sedimente teilweise modelliert werden, damit der Fluss dort wieder Raum bekommt.
Diese Maßnahmen müssen so durchgeführt werden, dass möglichst wenige Sedimente, vor allem bei
Hochwassern, abgeschwemmt werden.
Konzeptionelle Maßnahmen sind generell für die Hochwasserproblematik erforderlich. Die
entstandenen Retentionsflächen mit anschließender Bruchwaldbildung müssen so weit wie möglich
Hochwasser auffangen.
Mangelnde Wirtschaftlichkeit der WKA begünstigt volle Durchgängigkeit
Für die Förderung des Rückbaus der WKA und die Ablösung der entsprechenden Wasserrechte sieht
der Erlass zwei Voraussetzungen vor: diese können nicht mehr wirtschaftlich betrieben werden und
es muss ein hohes Landesinteresse an der Herstellung der vollen Durchgängigkeit an diesen
Standorten bestehen.
Dafür, dass die Anlagen nicht wirtschaftlich betrieben werden können, spricht der vierfache
Eigentümerwechsel in den letzten Jahren (Ausnahme: Osberghausen – Eigentümer Aggerverband).
Der letzte Eigentümer, der die Anlagen an verschiedene Käufer im vorigen Jahr verkauft hat,
versicherte glaubhaft, dass er über die Jahre Verlust gemacht hat. Auf die Frage, warum er neue
Käufer gefunden hat, nannte er als einzigen Grund, dass die Käufer durch den Einbau von
Fischschutzmaßnahmen nunmehr einen 25% höheren Stromverkaufspreis erzielen können. Diese
Einnahmequelle, die bis Ende letzten Jahres noch beantragt werden musste, kann aber die
Wirtschaftlichkeit nicht herstellen. Die Anlagen kranken daran, dass sie für den Schwallbetrieb
ausgelegt worden sind, und bei Niedrigwasser abgeschaltet werden müssen. Nicht zuletzt die
Durchgängigkeitsmaßnahmen würden die Investitionskosten in die Höhe treiben und die
Wirtschaftlichkeit verschlechtern. Warum die Käufer die Anlagen gekauft haben entzieht sich unserer
Kenntnis. Spekuliert werden darf, ob sie Abschreibungsobjekte sind oder ob gar mit der Hoffnung auf
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Ablösezahlungen spekuliert wird. Für letzteres spricht, dass zwischen den Käufern und dem
Verkäufer strenges Stillschweigen über den Kaufpreis vereinbart worden ist.
„ Hohes Landesinteresse an der Herstellung der vollen Durchgängigkeit“ ergibt sich aus der
Abwägung „Gewinn an Biodiversität / Verlust an regenerativer Energie“
Die zweite Voraussetzung, das hohe Landesinteresse an der Herstellung der vollen Durchgängigkeit,
ergibt sich aus der Biodiversitätsstrategie der Landesregierung für Gewässer und Auen, deren Inhalt
hier nicht noch einmal dargelegt werden muss. Dass der Rückbau der WKA mit einem Verlust an
Energie in der Größenordnung von etwa 2 – 3 modernen Windkraftanlagen einhergehen würde, ist
zwar schmerzhaft. Gemessen an dem Gewinn an Artenschutz und Naturlandschaft ist der Verlust an
regenerativer Energie durch die WKA aber vertretbar. Der Gewinn an Artenschutz lässt sich nicht in
Eurobeträgen beziffern. Er wird aber deutlich, wenn man sich die Vorteile einer Renaturierung der
Agger vor Augen führt:
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Lachse kommen wieder in ihre alten Laich- und Jungfischhabitate und die Smolts ohne
Verletzungsgefahr wieder in den Rhein. Der Aal hat sein angestammtes Habitat zurück und
wieder eine größere Chance, zur Reproduktion in die Saragossasee zu gelangen.
Das Ziel des NRW – Wanderfischprogramms, die Etablierung einer sich selbst tragenden
Lachspopulation im Teileinzugsgebiet Sieg, wird durch die Befreiung der Agger und dadurch
die Vergrößerung des für die Reproduktion wertvollen Habitats wesentlich befördert.
Die Agger wird wieder ein Fluss. Von der Staustufenlandschaft zur Fließgewässerlandschaft.
Die volle Durchgängigkeit befördert die Verbreiterung und Bestandssicherung insbesondere
der Äschen, die nur noch in Resten zwischen einzelnen Stauabschnitten vorhanden sind.
Die biologische Durchgängigkeit wird hergestellt.
In weiten Teilen können sich in den jetzigen Talsperren (Stauseen) wieder wertvolle
Auwaldzonen bilden.
Die bislang vom Ministerium vorgestellten Prüfergebnissen der Zielartengewässer Lachs und Aal (13.
12, 2013) sehen für den Lachs noch lediglich die Zielartengewässer Wupper und Sieg sowie Eifelrur
vor. Das entspricht nur noch 11% aller ehemaligen Lachsgewässer in NRW. NRW hat sich durch die
Vereinbarungen aus den internationalen FGG Rhein und Maas verpflichtet, den schlechten Zustand
des Lachses als FFH – Art zu verbessern. Dies gelingt vor allem dadurch, dass innerhalb der
Zielartengewässer, die weitgehend nur Wanderstrecken bilden, die Oberläufe erreicht werden. Hier
in der Äschen- und Forellenregion befinden sich die eigentlichen Laich- und Jungfischhabitate für den
Lachs. Dies wäre bei der Agger oberhalb Ehreshoven 1 der Fall.
Die Förderung der technischen Durchgängigkeit macht ökonomisch und ökologisch keinen
Sinn
Alternativ zur Förderung der Durchgängig durch Rückbau, sieht der Erlass noch zwei Varianten der
technischen Durchgängigkeit vor, je nachdem ob es sich um ein Zielartengewässer für diadrome
Fische (Aal und Lachs entsprechend dem aktuellen WRRL – Bewirtschaftungsplan) handelt oder nicht.
Ob man die Agger ab dem Wehr Ehreshoven 1 zu einem Zielartengewässer erklärt oder nicht, ist eine
politische Entscheidung. Bis zum Wehr Ehreshoven 1 ist die Agger Zielartengewässer und eines der
produktivsten Lachsgewässer im Rheinsystem überhaupt. Ab der Wanderfischsperre Ehreshoven 1
aufwärts ist die Agger nicht als Zielartengewässer ausgewiesen und bislang für den
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Bewirtschaftungsplan 2015 – 2021 vom Ministerium auch nicht als solches vorgesehen. Die
Begründung, dass der Aufwand für die Herstellung der technischen Durchgängigkeit bei den WKA
unter Beibehaltung der bisherigen Nutzung in keinem Verhältnis zu den Ergebnissen steht, teilen wir.
Ergebnis wäre eine höchst suboptimale, aber teure Durchgängigkeit mit langen Staus, in denen noch
obendrein die Smolts von Prädatoren auf ihrem Weg ins Meer gefressen werden. Der fortwährende
Bestand der langen Staus würde vor allem eingeschränkte Laich- und Jungfischhabitate nach sich
ziehen. Resultat wäre kein lebendiger Fluss mit guten Reproduktionsbedingungen sondern ein Fall für
den Bund der Steuerzahler. Wir teilen stattdessen die Auffassung der Mitarbeiter des NRW –
Wanderfischprogramms, die sich gegen den Status „Zielartengewässer“ ausgesprochen haben,
solange vom Bestand der WKA ausgegangen wird: „So können wir die Forderung nach einer
Stilllegung der WKA – Betriebe als eine kosteneffiziente Lösung des Konfliktes sehr gut mittragen,
zumal die „kleine Wasserkraft“ ob ihres unbedeutenden Beitrages zum Klimaschutz aber nachhaltig
schädigenden Wirkung auf die Gewässerökologie sehr kritisch sehen.“ ( Nemitz 8. 9. 2014)
Falls die Agger ab Ehreshoven 1 jetzt schon Zielartengewässer wäre , so hätten die die WKA –
Betreiber nicht nur Anspruch auf eine 80% - Förderung der Anlagen (bis 2018 danach bis 2021 bis zu
70%) für den Fischschutz und die Auf- und Abstiegsmaßnahmen sondern einen ebenso hohen
Anspruch auf Förderung der Wasserverluste für den Betrieb der Bypasseinrichtungen.
Voraussetzung und das gilt auch für die zweite Variante der Förderung der technischen
Durchgängigkeit, wäre allerdings, dass der Konzeption, Lage und Dotierung von der LANUV
zugestimmt würde. Außerdem müsste die Bezirksregierung als zuständige Behörde erklären, dass der
Rückbau der Querbauwerke „zur Erreichung der Bewirtschaftungsziele nach Maßgabe der §§ 27 bis
31 WHG auch langfristig nicht vorgesehen ist“. Eine Landesregierung die das Ziel der Biodiversität
verfolgt, wird eine solche Erklärung nicht abgeben.
Die zweite Variante der Förderung der Durchgängigkeit bezieht sich auf Durchgängigkeitsmaßnahmen in Gewässern, die nicht zu Zielartengewässern erklärt worden sind. Diese Förderrung
träfe zurzeit bei den WKA unter den oben genannten Voraussetzungen vor. Hier werden
Fischaufstieg und Fischabstieg bis 2018 mit 50%, danach bis 2021 mit 40% gefördert. Die Anlagen
müssten nicht für Lachs und Aal passierbar sein. Diese Variante kommt unseres Erachtens für die
Agger ab Ehreshoven 1 allein deshalb nicht in Frage, weil sie die Aufgabe der wertvollen Äschen- und
Forellenregion als Laich- und Jungfischhabitat für den Lachs bedeuten würde.
Bestehende Natur- und Landschaftsschutzvorgaben können erhalten und angepasst
werden
Eine Entscheidung für die Renaturierung der Agger bedeutet nicht nur eine Entscheidung im
Zielkonflikt“ Biodiversität / Regenerative Energie“ sondern auch eine Entscheidung im Zielkonflikt
„Biotopschutz für Wasser- und Watvögel in den Stauseen / Wiederherstellung des natürlichen
Fließgewässers mit seiner Fauna“. Als Mitte der 90ger Jahre der RP als Voraussetzung für die
Förderung eines Aggerauen - Programmes die Schleifung der Wehre forderte, gab es auch von Seiten
des Naturschutz Widerstand. Im Kreisumweltausschuss wurde einstimmig in Hinblick auf die
entstandenen Wasservögel – Biotope beschlossen, auf die Beseitigung der Staustufen zu verzichten
und einen „ökologischen Umbau“ mit der Möglichkeit der Passierbarkeit von Fischen verlangt.
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Folglich wurden die Staus „Ehreshoven 2“ und „Ohl – Grünscheid“ unter Naturschutz gestellt. Die
übrigen Staus wurden im Landschaftsplan als Landschaftsschutzgebiete Zone 2 ausgewiesen.
Das Naturschutzgebiet „Aggeraue Ehreshoven mit Weinberg“, in dem der Stau Ehreshoven 2 liegt,
würde durch die Abtrennung des Staubereichs von der Agger seinen Schutzzweck „Erhaltung und
Entwicklung naturnaher Auenlebensräume an Fließgewässern mit überregional bedeutsamen
Überwinterungsgewässern für Wasser- und Watvögel…“ behalten. Im Naturschutzgebiet „Aggeraue
Ohl – Grünscheid“ könnte die Auwaldzone erweitert werden. Der Zweck „Überwinterungsgewässer
für Wasser- und Watvögel“ wäre hingegen bei einer Renaturierung, bei der auf Grund der
Topographie zumindest im unteren Bereich auch keine Stillgewässer gebildet werden können, in
seinem gegenwärtigen Ausmaß nicht mehr gegeben. Ähnliches gilt für die übrigen Staubereiche in
denen Schutz nach LSG 2 besteht. Auf den bisherigen Wasserflächen soll sich eine Flussaue
entwickeln. Dies erfolgt in einem rasanten Tempo, wie es sich im Stau Wiehlmünden, der längere Zeit
wegen der Reparatur des Damms abgesenkt werden musste, verfolgen lässt.
Wir setzen uns dafür ein, dass NRW durch ein Agger -Wanderfischprogramm ein
vorzeigbares Biodiversitätsprojekt bekommt, das auch dazu beiträgt, dass die LANUV
künftig nicht mehr bei der FFH – Einstufung von einem „aktuell schlechten
Erhaltungszustand des Lachses“ (2013) sprechen muss.
Paul Kröfges, Windeck
paul.kroefges@bund.net
Friedrich Meyer, Engelskirchen
efmeyer@gmx.de
Ansprechpartner des Wassernetz NRW (www.wassernetz-nrw.de ) für das Einzugsgebiet der Agger
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