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31
5
DER EVANGELISCH-REFORMIERTEN KIRCHE DES KANTONS ST.GALLEN
www.kirchenbote-sg.ch
THEMA: SEITEN 4–5
Weniger für uns.
Genug für alle.
ZUR ÖKUMENISCHEN KAMPAGNE
IN DER PASSIONSZEIT
SEITE 3
SEITE 11
SEITE 15
UNBEKANNTER STAR
SPANIEN SUCHT JUDEN
DER ARAMÄERPFARRER
Vadian
Sepharden
Alte Liturgie
EDITORIAL
IM ANFANG
Liebe Leserin,
lieber Leser
Unsere Märzausgabe erreicht Sie inmitten
der Fastenzeit, resp. der Passionszeit, wie
Reformierte lieber sagen – wegen dem
kritischen Verhältnis zum Fasten.
Aber verachten wir nicht das Fasten. Schon
im Judentum hatte es seinen festen Platz.
Jesus soll vor seinem öffentlichen Auftreten
40 Tage gefastet haben – entsprechend den
40 Tagen, die Moses auf dem Berg Sinai war.
Jesus fastete auch mit seinen Jüngern, aber
in recht freier Interpretation der Regeln.
Der Islam kennt den Fastenmonat Ramadan.
Detailliert wird aus dem Koran abgeleitet,
wie dieses Fasten als gnadenreiche Zeit
eingehalten und erlebt werden kann.
Das Neue Testament gibt keine genauen
Fastentraditionen vor, was uns grosse Freiheiten gibt und zu Kreativität verpflichtet.
Schon früh hat sich aus der Vorbereitungszeit
auf die Taufe in der Osternacht ein 40-tägiges Fasten vor Ostern entwickelt, wobei man
primär auf Fleisch, Alkohol und weltliche
Feiern (heidnische Bindungen) verzichtete.
Zur Läuterung von Leib und Seele durch
Fasten und Beichte gehörte aber auch die
Liturgie, die geistliche Kontemplation biblischer Texte zum Kommen des Messias.
Die Kampagne unserer Hilfswerke während
der Fastenzeit ist ein zeitgemässes Angebot,
globale Menschheitsthemen zu bedenken,
2015 unsere Ernährung. Es geht um Selbst­
beschränkung, Spenden, Busse und Einsicht.
Die alte Kirche konnte den Gläubigen die
persönliche Schriftlektüre nicht empfehlen.
Nur wenige besassen eine Bibel. Uns aber
sind die Evangelien zugänglich.
Die Begegnung mit der Schrift fördert das
eigene Verhältnis zu Jesus, zu seinem Leben
und Sterben, auch zu dogmatischen Fragen,
wie sie in diesem Kirchenboten in Leserbriefen verhandelt werden. «Komm und sieh»
(Joh. 1, 46), sagte ein Jünger zum andern,
als er Jesus kennengelernt hatte. ■
Andreas Schwendener
2 AUSGABE 3/2015
Um die Schlachttiere in Europa mit Soja mästen zu können, werden immer mehr Wälder abgerodet, hier in Brasilien.
Nicht nur Liebe
geht durch den Magen
Text: Jens Mayer, St.Gallen und Balgach | Foto: Fastenopfer, Oswald Iten
«Besser ein Gericht von Gemüse mit
Liebe, als ein gemästetes Rind mit
Hass.» Sprüche 15, 17
Im Buch der Sprüche finden sich gute Beobachtungen über das menschliche Zusammenleben.
Man liest die Verse und kann ihnen von der Logik und vom Gefühl her nur zustimmen. Denn
wie könnte ich ein saftiges Steak geniessen,
wenn ich dabei mit jemandem zusammensitzen
muss, der mir total zuwider ist? Da schmeckt
das Essen nicht mehr, egal wie edel und erlesen
Fleisch und Beilagen sind. Denn ich weiss genau,
dass mir der oder die andere nur durch die blosse Anwesenheit das Essen vergrault.
Dann geniesse ich doch lieber ein einfacheres
Gericht in froher Runde, wo ich mich wohlfühle,
über den Löffel hinweg schwatzen, lachen und
scherzen kann – weil mir die anderen so sympathisch und vertraut sind.
Solange ich diese Weisung nur auf mich beziehe,
erscheint sie mir logisch und sinnvoll – und in
ihrer Umsetzung gar nicht so schwierig. Wenn
ich weiss, dass ich etwas Feines kochen oder
­essen will, dann suche ich mir meine Gesellschaft schon dementsprechend aus. Doch
dieser Satz aus dem Buch der Sprüche macht
durchaus Sinn, auch wenn die Begriffe «Liebe»
und «Hass» recht übertrieben zu sein scheinen.
ÜBER DEN TELLERRAND HINAUSSCHAUEN
Aber was bedeutet der Vers, wenn ich im wahrsten Sinne des Wortes über meinen eigenen Tellerrand hinausschaue? Wenn ich nicht nur das
Fleisch sehe, sondern alle Entwicklungsschritte
des Tieres, bis es auf meinem Teller gelandet ist?
Da scheinen die Begriffe «Liebe» und «Hass»
plötzlich gar nicht mehr so weit entfernt. Denn
für die Mast von unserem europäischen Fleisch
wird in Südamerika in grossem Stil Soja als Futter angebaut. Um genügend Anbauflächen zu bekommen, roden multinationale Konzerne Regenwälder ab, jedes Jahr eine Fläche so gross wie
drei Viertel der Schweiz. Die dortige Bevölkerung bleibt land- und mittellos zurück, in einer
«Monokultur-Wüste», über die Flugzeuge ihren
Pestizid-Cocktail verspritzen. Sie haben nichts
davon, dass ich mein Steak geniesse, welches
mit der Nahrung ihres Landes gross und stark
wurde. Da wird aus ohnmächtiger Liebe zum
eigenen Land schnell Hass auf das europäische
Rind – und den, der es verzehrt.
«Wer unter euch gäbe seinem Sohn,
wenn er ihn um Brot bittet, einen
Stein, und wenn er ihn um einen
Fisch bittet, eine Schlange?» Mt. 7, 9–10
Jesus sagt uns deutlich, was die Weisung aus
dem Buch der Sprüche für uns bedeutet: Schaut
nicht nur für euch, sondern achtet auf diejenigen, die um euch sind. Denn es ist den Menschen gegeben, einander zu helfen und auf alle
zu achten, mit denen ich zu tun habe und die
mir nahe sind. Und in einer global gewordenen
Welt heisst das für mich als Christ, auch auf den
zu schauen, der mir durch meine Essgewohn­
heiten unerwartet nahe gekommen ist. Denn erst
wenn ich auch nur halbwegs sicher sein kann,
dass durch meinen vollen Bauch andere nicht
hungern müssen, kann ich mein Essen wirklich
in Liebe geniessen, egal wie einfach oder aufwendig es auch sein mag. ■
IM BRENNPUNKT
dazu die Kritik am Reichtum der Kirche und dem
Reliquienkult gehörte.»
VADIAN TAUCHT AB
Als offizielles Datum der Reformation in St.Gallen
gilt Ostern 1527, in der Kirche St. Laurenzen feiert
die Gemeinde zum ersten Mal das evangelische
Abendmahl. In dieser Zeit ist nicht klar, wie die
religiöse Zukunft St.Gallens aussieht. «Für kurze
Zeit war St.Gallen als Ganzes reformiert, die
Stadt kaufte das Kloster», sagt Gamper. Bereits
1531 kommt es zum nächsten markanten Einschnitt mit der Niederlage der Reformierten in
der Schlacht in Kappel am Albis gegen das katholische Heer. «Durch diese Niederlage wurde die
reformierte Herrschaft rückgängig gemacht und
es entstand die konfessionelle Zweiteilung der
Stadt. Hätten die Reformierten damals gewonnen, wäre St.Gallen ganz reformiert geworden.»
2013/2014 wurde die Vadianstatue am St.Galler Marktplatz vom Sockel gehoben und einer Renovation unterzogen.
Der unbekannte Star
Rudolf Gamper will mit einer neuen Vadian-Biographie dem St.Galler Reformator Leben einhauchen
Text: Daniel Klingenberg | Foto: Michel Canonica
In der Öffentlichkeit ist von Vadian fast nur
sein Denkmal in der Stadt St.Gallen bekannt.
Dabei kam er als preisgekrönter Dichter aus
Wien nach St.Gallen. Und fast hätte er es
geschafft, dass ganz St.Gallen reformiert
geworden wäre.
STEILE ST.GALLER KARRIERE
Joachim von Watt lebte von 1484 bis 1551. Mit
Ausnahme der Jahre von 1502 bis 1518, in denen
er in Wien studierte und lehrte, war er in St.Gallen. Sein Wissen hat eine beeindruckende Breite,
das er fortlaufend erweiterte und so als humanistischer Tausendsassa zu vielen Rollen kam.
Er ist preisgekrönter Dichter, Lehrer, Geograf,
Seit letztem Sommer steht ein frisch restaurierGeschichtsschreiber, Arzt, Politiker, Reformator.
ter 3,75 Meter grosser Vadian in der Stadt St.Gal1518 kommt er aus der Weltstadt Wien in die
len. Das Denkmal ist ein Zeuge des konfessionelProvinz zurück. Dies durchaus mit dem Gedanlen Kulturkampfes. Der Blickkontakt mit der Kaken, sich hier zu etablieren. «Vadian hat seine
thedrale bedeutet: Die damaligen Reformierten
Karriere geschickt vorannahmen es durchaus mit
den Katholiken auf.
«Eine neue Biographie soll Vadian als getrieben. Als die humanistische Richtung an der UniDiese blieben denn auch
Persönlichkeit in seiner Geschichte
versität Wien an Einfluss
der Einweihung im Jahr
beschreiben und aufzeigen, wie
verlor, brachte er sich in
1904 demonstrativ fern.
‹seine Reformation› speziell für die
St.Galler Kirche prägend und bedeut- St.Gallen mit seiner umfassenden Bildung ins GeWie das Denkmal sind
sam geworden ist.»
spräch. Er kam als Star
auch die Vadian-BiograKirchenratspräsident Martin Schmidt
nach St.Gallen, verlieh
phien in die Jahre gekomdem Klosterstädtchen etwas Promi-Glanz aus
men. Das 800-Seiten-Werk von Werner Näf aus
der weiten Welt», sagt Gamper.
der Mitte des letzten Jahrhunderts will man keinem Leser von heute zumuten. Frühere Biogra1521 wird er Mitglied es Kleinen Rates, ein Jahr
phien sind weniger am geschichtlichen Vadian
später wendet er sich unter dem Einfluss
als am Helden interessiert. Der Historiker Rudolf
Luthers der Reformation zu.
Gamper will nun eine gut lesbare und bebilderte
An der schrittweisen Einführung der neuen LehVadian-Biographie von verdaubarem Umfang auf
re ab 1525 ist Vadian massgeblich beteiligt, 1526
den Markt bringen. Und mit einem Ansatz von
ist er erstmals Bürgermeister. Allerdings sagt
heute: «Eine neue Fragestellung meiner geplanGamper: «Seine genaue Rolle bei der Reformatiten Biographie lautet: Wer war Vadian als
on in St.Gallen ist nicht geklärt. Klar ist, dass er
Teamplayer? Bisher wurde er beispielsweise in
ein Netzwerk mit anderen Reformatoren unterden Rollen als Lehrer oder Bürgermeister gehielt. Klar ist auch, dass er aus einer humanistischildert. Eine Biographie, die auch Mitarbeiter
schen Haltung die Reformation beförderte und
einbezieht, fehlt», sagt Rudolf Gamper.
Der Kappeler Rückschlag traf Vadian schwer. «Er
hatte nach dem Sieg der Katholiken einen totalen Zusammenbruch und verschwand für einige
Wochen aus der Öffentlichkeit», sagt Gamper.
Danach geht es um die Ausgestaltung der konfessionellen Zweiteilung St.Gallens, Vadian ist federführend dabei. Zudem wird er zur nationalen
Grösse. «In seinen späten Jahren war Vadian ein
eidgenössischer Politiker, auf den man hörte.
Dies obwohl St.Gallen keine grosse Rolle spielte
in der Eidgenossenschaft.»
Erstaunlich ist: Vadian ist zwar Reformator, aber
was er theologisch genau vertritt, ist unklar. «Eine theologische Haltung von Vadian im engeren
Sinn ist bisher nicht bekannt. Denn er ist weder
Prediger noch sind seine reformatorischen
Schriften hinreichend erforscht», sagt Gamper.
NEUE BIOGRAPHIE IST EIN BEDÜRFNIS
Eine neue Darstellung von Vadian stösst bei der
reformierten St.Galler Kirche auf offene Ohren.
«Ich würde erwarten, dass eine solche Biographie ihn als Persönlichkeit in seiner Geschichte
beschreibt und aufzeigt, wie ‹seine Reformation›
speziell für die St.Galler Kirche prägend und bedeutsam geworden ist», sagt Kirchenratspräsident Martin Schmidt. «Gerade wenn andere Kantonalkirchen Zwingli so stark beanspruchen, ist
es wichtig, zu zeigen, dass es noch andere Reformatoren gegeben hat, die prägend waren.» Auch
Arno Noger, Präsident der Ortsbürgergemeinde
St.Gallen, begrüsst eine neue Vadian-Biographie.
«Sie soll leicht verständlich sein und somit ein
breites Leserpublikum ansprechen können. Dazu
gehört auch eine entsprechende grafische Aufmachung und Bebilderung.» ■
Der Historiker Rudolf Gamper
war von 1995 bis 2014 Leiter
der Vadianischen Sammlung
der Ortsbürgergemeinde
St.Gallen. Ihr Kern ist die Bibliothek und der hanschriftliche Nachlass von Vadian.
Gamper lebt in Winterthur.
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THEMA
THEMA
AKTIONEN
Abenteuer Klimamenü
Wie Fleischkonsum, Klimawandel und Hunger in Entwicklungsländern zusammenhängen
Text: Petra Meyer, korrektorium.ch | Fotos: Simon Meyer, foto-x.ch
Der Klimawandel ist in aller Munde, und dies
buchstäblich: Rund ein Drittel der weltweiten
CO2-Belastung wird durch die Ernährung verursacht. Wir haben es in der Hand, diese Zahl
zu senken – durch umsichtiges Einkaufen und
bewusstes Verarbeiten von Lebensmitteln.
Weltweit machen sich die Folgen des Klimawandels deutlich bemerkbar – Bäuerinnen in Senegal bei der Feldarbeit mit ihren Kindern.
Unsere Ernährung heizt das Klima auf
Zur Ökumenischen Kampagne 2015: Weniger für uns. Genug für alle.
Text: Tina Goethe, Teamleiterin Recht auf Nahrung, Brot für alle | Foto: Fastenopfer / Jean-Claude Gadmer
Als Hauptverursacherin des Klimawandels
gefährdet die industrielle Landwirtschaft die
globale Ernährungssicherheit. Setzt die
Landwirtschaft jedoch vermehrt auf ökologische Methoden und kleinbäuerliche Betriebe,
kann sie gar Teil der Lösung werden.
Pflanzen brauchen zum Wachsen fruchtbaren
Boden, Wasser, Sonne und Wärme – und das alles in der richtigen Menge, im richtigen Verhältnis und zur richtigen Zeit. Dieses Gefüge bringt
der Klimawandel durcheinander. Es ist zu heiss,
es ist zu trocken, dann wieder regnet es zu viel,
zu heftig und zum falschen Zeitpunkt. Die Auswirkungen auf den Anbau von Grundnahrungsmitteln wie Reis, Weizen und Mais sind dramatisch. Die globale Ernährungssicherheit ist in
Gefahr.
Der Weltklimarat geht davon aus, dass in einigen
afrikanischen Ländern die Mehrheit der Bäuerinnen und Bauern, die auf Regen als Bewässerung
angewiesen sind, im Jahr 2020 nur noch halb so
viel ernten können wie heute. Das ist in fünf Jahren. In Südasien ist die Reisproduktion bedroht
und weltweit droht die Weizenernte um fast die
Hälfte zurückzugehen.
OPFER UND TÄTER GLEICHERMASSEN
Kein Zweifel: Die Landwirtschaft ist Opfer des
Klimawandels. Doch sie ist auch «Täter»: Über
30 Prozent der menschengemachten Treibhausgase gehen auf ihr Konto. Wenn Wälder gerodet
und Hochmoore trocken gelegt werden, um neues Ackerland zu gewinnen; wenn aus Erdöl pro4 AUSGABE 3/2015
duzierter Kunstdünger massenhaft auf die Felder gelangt; wenn schwere Maschinen den Boden umpflügen und Pflanzengifte aus Flugzeugen
versprüht werden, dann ist die Landwirtschaft
Klimakiller Nummer eins. Nach der Ernte geht es
weiter: Weitere 10 Prozent der Treibhausgase
werden durch Verarbeitung, Transport, Kühlung,
Erhitzung, Zubereitung und Entsorgung von Lebensmitteln verursacht. Konsum und Produktion von Rind-, Schweine- und Pouletfleisch fallen
dabei besonders ins Gewicht: 80 Prozent der
Emissionen aus der Landwirtschaft werden
durch die Fleischproduktion verursacht.
ESSEN TROTZ KLIMAWANDEL
Noch immer werden rund 70 Prozent der Lebensmittel von Bäuerinnen und Bauern in Handarbeit und mit traditionellem Wissen hergestellt,
für den lokalen Markt und die eigene Versorgung. Doch auch wenn sie wenig zum Klimawandel beitragen, sind die kleinen Betriebe seinen
Folgen oft schutzlos ausgeliefert. In Entwicklungsländern kommen weder der Staat noch
private Versicherungen für den Verlust der Ernte
durch Überschwemmungen auf. Wer bereits am
Rand des Existenzminimums lebt, steht auch bei
kleineren Verlusten schnell vor dem Nichts.
ES GIBT ALTERNATIVEN
Um sich gegen die Risiken des Klimawandels zu
wappnen, schöpfen schon jetzt viele Kleinbetriebe aus dem reichen Fundus der ökologischen
Landwirtschaft. Sie experimentieren mit lokalen
Saatgutsorten, die sie an die veränderten Regen-
zeiten anpassen. Sie pflanzen Obstbäume, die
gleichzeitig Schatten spenden, den Boden vor
dem Austrocknen und vor Erosion schützen. Das
Pflegen des fruchtbaren Bodens ist das A und O
einer klimafreundlichen Landwirtschaft.
Heute fördern die Rahmenbedingungen eine
Landwirtschaft, die so schnell und so viel wie
möglich mit möglichst wenig Arbeit produziert.
Dafür werden natürliche Kreisläufe in Einzelteile
zerlegt, rationalisiert und einer industriellen
Logik unterworfen. Soll hier etwas ändern, muss
auch die Handelspolitik der Staaten, die Preis­
politik von Lebensmittelkonzernen und die Einkaufspolitik der Supermärkte sowie unser Konsumverhalten ändern. Nur dann können bäuerliche Betriebe gesunde Lebensmittel herstellen,
die Artenvielfalt erhalten und dem Klimawandel
entgegenwirken. ■
Zugegeben, es gleicht einem Abenteuer, sich im
riesigen Dschungel an Lebensmitteln zu orientieren, die bei uns angeboten werden – alles ist zu
jeder Jahreszeit erhältlich. Exotische Früchte
und Gemüse sind aus der heutigen Küche nicht
mehr wegzudenken. Kein Wunder, dass man
kaum mehr weiss, was bei uns gerade Saison hat
und was aus der Region stammt. Doch wer sich
bewusst informiert und sich auf die Herausforderung Klimamenü einlässt, schont die Umwelt
und das Klima – und kann dabei erst noch echte
kulinarische Hochgenüsse entdecken.
Ist der saftige Apfel in der Region gereift oder
wurde er aus Afrika importiert? Hat die Tomate
die Sonne gesehen oder wurde sie in ölgeheizten
Treibhäusern gezogen? Kommt das Rindfleisch
aus riesigen Weiden in Südamerika, wo dafür Regenwald abgeholzt wird – der wiederum für die
CO2-Aufnahme so wichtig ist? Wer sich diesen
Fragen stellt, braucht natürlich mehr Zeit zum
Einkaufen, denn er muss die oft klein gedruckten
Texte sorgfältig studieren. Im Zweifelsfall gilt es
Alternativen zu finden oder die Menüplanung
kurzerhand auf den Kopf zu stellen.
Viele Lebensmittel werden heute in Bio-Qualität
angeboten. Nicht immer allerdings ist der Griff
zu Bio-Gemüse oder Bio-Fleisch angebracht: Ein
Bio-Steak aus Argentinien schadet dem Klima
mehr als das Rindsplätzli vom Bauern nebenan.
Auf eine fade Bio-Peperoni aus dem Gewächshaus kann man im Winter verzichten, denn es
gibt regionale, gehaltvolle Gemüse wie Rüebli,
Sellerie, Rosenkohl, Lauch, Randen, Kabis usw.
UNSER KLIMAMENÜ
Wir nahmen die Herausforderung an und stellten
ein saisongerechtes Menü zusammen, das auch
ohne Fleisch einen schmackhaften, farbenfrohen
und gesunden Genuss bietet. Krautstiel und
Zwiebeln kommen aus unserem Garten. Die Hühnerbrühe ist selbstgemacht – von einem unserer
Hühner, das lange Jahre ein friedliches Leben geführt und unzählige Eier gelegt hat. Rüebli und
Äpfel kauften wir zwar im Supermarkt – manche
verkaufen inzwischen Produkte von Bauern der
Umgebung. Rapsöl und Zucker werden ebenfalls
in der Schweiz produziert, aber bereits für Kirchererbsen, Zitronen und Haselnüsse müssen
wir «regional» auf Italien ausdehnen.
Um unser Klimamenü zu testen, luden wir Freunde zum gemeinsamen Kochen und Essen ein. Dabei ergaben sich spannende Diskussionen über
unsere Einkaufs- und Kochgewohnheiten und die
Herkunft und den Geschmack unserer Lebensmittel. Und natürlich auch über die Möglichkeit,
einfacher oder sogar fleischlos zu kochen und
damit persönlich einen Beitrag gegen weitere
Klimaerwärmung zu leisten. Das Rezept eignet
sich übrigens auch für grosse Gruppen – zum Beispiel für Suppentage während der Fastenzeit. ■
www.sehen-und-handeln.ch/klimamenu3
ÖKUMENISCHE KAMPAGNE 2015
Wirbelstürme, Überschwemmungen, Dürren
– die Folgen des Klimawandels bedrohen
­bereits Millionen Menschen. Brot für alle und
Fastenopfer fordern als Mitglieder der Klima­
allianz mit einer Petition an Bundesrätin
Leuthard, dass die Schweiz ihre Treibhausgase stärker reduziert und sich an der Finanzierung von Klimaschutzmassnahmen im Süden
beteiligt. Unterschreiben Sie die Petition:
www.sehen-und-handeln.ch/klimapetition
oder verlangen Sie Unterschriftenbogen bei
Fastenopfer 041 227 59 59.
Die Zutaten für das oben beschriebene Klimamenü 3: Rüeblisalat, Krautstiel-Eintopf und Nusstorte.
Arbeiterin auf der Blumenfarm Kiliflora in Tansania
ROSENAKTION 2015
Am Samstag, dem 14. März 2015, werden in der
ganzen Schweiz erneut rund 160 000 Fair-Trade-Rosen von Freiwilligen verkauft. Der Erlös
geht an Projekte von Fastenopfer und Brot für alle im Süden. Das Max-Havelaar-Gütesiegel steht
für fairen Handel mit Kleinproduzentinnen und
-produzenten im Süden und für wirkungsvolle
Massnahmen gegen Armut. ■
Information: www.sehen-und-handeln.ch/rosen
Brot mit Fähnchen: 50 Rappen gehen an Hilfsprojekte
BROT ZUM TEILEN 2015
Das «Brot zum Teilen» ist seit mehreren Jahren
ein fester Bestandteil der Ökumenischen Kampagne. 2014 wurde von Bäckerinnen und Bäckern
an über 660 Orten Brot zum Teilen verkauft.
Pro verkauftes Brot mit dem Fähnchen von
Fastenopfer und Brot für alle fliesst eine Spende
von 50 Rappen an die Projekte der beiden Werke
in Afrika, Asien und Lateinamerika. Kaufen Sie
Ihr Brot in einer Bäckerei, die sich für Benach­teiligte engagiert. ■
Verkaufsorte: www.sehen-und-handeln.ch/brot
REZEPTE FÜR EINE GERECHTERE WELT
Der Fastenkalender kommt 2015 als Rezeptbuch
daher. Rezepte für ein besseres Klima, für mehr
Gelassenheit, gegen die Ausbeutung und für die
Gestaltung einer gelingenden Fastenzeit fügen
sich zusammen zu einem Rezeptbuch der anderen Art. Dazu gehören immer auch Meditationen
und Gedanken zur Karwoche. Ein idealer Begleiter für eine besinnliche Fastenzeit.
Falls Sie keinen Kalender erhalten haben, können Sie ihn hier bestellen: www.fastenopfer.ch/
shop oder Fastenopfer 041 227 59 59.
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FORUM DER LESERSCHAFT
Zum Dogma der Trinität
Zwei Offene Briefe an Pfarrer Dr. theol. Till Mohr zu dessen Ablehung der Trinität (Kibo 2/2015)
Sehr geehrter Till Mohr
Ich muss gestehen, dass mich Ihr Text zum
Thema Trinität im Kirchenboten erstaunt hat.
Selbstverständlich steht es Ihnen frei, Ihre eige­
ne theologische Position zu vertreten. Und Sie
sind in Ihrer Ablehnung der Trinitätslehre ja
keineswegs allein. Aus der Antike erinnere ich an
die Arianer, aus der Reformationszeit nicht nur
an Michael Servet, sondern auch an Ludwig Hät­
zer, den «Ketzer» aus Bischofszell, über den ich
unlängst ein Buch geschrieben habe. Es folgten
die Socinianer und dann die Unitarier, die heute
noch in Harvard eine Rolle spielen. Auch die gros­
sen Adolf von Harnack und Albert Schweitzer
hielt nichts von der Trinität.
Trotzdem habe ich Fragen gegenüber Ihrem Text.
Zunächst: Stellen Sie Kaiser Konstantin den Gros­
sen nicht zu negativ dar? Ich weiss wohl: Jacob
Burckhardt hat ihn in seiner Biographie als zyni­
schen Machtpolitiker geschildert. Im 20. Jh. erar­
beiteten bedeutende Gelehrte wie Kurt Aland und
weitere ein anderes Bild des Kaisers. Es zeigt ihn
als engagierten Christen. Ausserdem kommt dazu:
Anders als Sie es darstellen, wurde die Trinitäts­
lehre der christlichen Kirche seinerzeit nicht von
aussen gewaltsam übergestülpt. Weder die grie­
Lieber Till,
als dein Nachfolger in St. Peterzell kennen wir uns,
und Du kannst meiner persönlichen Wertschät­
zung gewiss sein. Dein Artikel wirft bei mir aber
Fragen auf, die ich gerne in der gleichen Öffent­
lichkeit, die du gewählt hast, aufgreifen möchte.
Du berufst dich auf eine historisch-kritische Argu­
mentation und die reformatorischen Grundsätze.
Ich stimme dir ausdrücklich zu, dass wir unseren
Glauben und unsere Verkündigung auf diese Wei­
se verantworten müssen: Der historischen Situa­
tion unserer Quellen und unserer heutigen Situa­
tion müssen wir gerecht werden und die Quellen
mit kritischer Vernunft auslegen.
chischen Kirchenväter Athanasius, Gregor von
Nazianz, Gregor von Nyssa und Basilisus noch ihr
lateinisch schreibender Kollege Augustinus befür­
worteten die Trinitätslehre, weil man sie dazu
zwang. Sie waren überzeugt davon, dass sie hilft,
das Neue Testament besser zu verstehen.
Und jetzt zum 20. Jh.: Der Zürcher Theologe Emil
Brunner schrieb 1927 in seinem damals epoche­
machenden Buch «Der Mittler» ein glühendes Plä­
doyer für die altkirchliche Christologie. Karl
Barth entfaltete seine «Kirchliche Dogmatik», die
ab 1932 erschien, auf der Basis der Trinitätslehre.
Er war der Meinung, nur so das Wesentliche des
christlichen Glaubens zur Sprache bringen zu
können. Auch Paul Tillich, ein anderer Vertreter
der Generation nach dem Ersten Weltkrieg, befür­
wortete die Lehre von der Trinität. Im ersten
Band seiner «Systematischen Theologie», auf Eng­
lisch erschienen 1951, schreibt er: «Die Lehre von
der Trinität ist keineswegs die Bestätigung des
logischen Unsinns, dass 3 = 1 und 1 = 3 ist; viel­
mehr erläutert sie in dialektischen Begriffen die
innere Bewegung des göttlichen Lebens.» Weiter
führt er aus, beim «trinitarischen Monotheismus»
gehe es nicht um die Zahl drei. Er sei eine qualita­
tive und keine quantitative Symbolisierung Got­
tes, ein Versuch, vom lebendigen Gott zu reden.
Weiter berufst du dich auf Jesaja 9, 5f. Nur frage
ich mich auch hier: Warum liest du dies als eine
ewig gültige Aussage über den erwarteten Messi­
as? Zunächst ist es Ausdruck der Hoffnung Israels
auf einen neuen Davididen, einen König, dessen
Herrschaft nicht mehr durch ein Exil beendet
würde und der einen immerwährenden Frieden
bringe. Ob ein Hoheitstitel, wie du übersetzen
willst, «mein Vater ist ewig» lautet oder wie alle
anderen Hoheitstitel in dritter Person «Ewig-Va­
ter», spielt vielleicht gar keine so grosse Rolle,
Du übersetzt Joh. 10, 30 «Ich und der Vater sind
eins in der Gesinnung». Nun hast du Recht, dass
Griechisch hen dort steht, «eins», nicht eis, «ei­
ner». Von Gesinnung aber ist dort wahrlich keine
Rede. Die Einheit zwischen Vater und Sohn wird
dort nicht auf eine übereinstimmende Gesinnung
reduziert. Das erst ist deine Auslegung.
Du berufst dich häufig auf Stellen aus dem Johan­
nesevangelium. Dieses spricht von Jesu Kreuzes­
tod als seiner Erhöhung zum Vater. In der histo­
risch-kritischen Auslegung dieses Evangelisten
muss es also gar nicht verwundern, wenn eine
Unterordnung des Sohnes unter den Vater für den
noch nicht erhöhten Jesus vorausgesetzt wird.
6 AUSGABE 3/2015
Im Kibo 2/2015 hat Till Mohr das im 4. Jh. entstandene
Dogma der Dreieinigkeit mit biblischen Texten in Zweifel
gezogen. Jesusstatue der Kirche St. Leonhard, St.Gallen.
Erwähnen möchte ich wichtige evangelische
Theologen in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhun­
derts: Gerhard Ebeling, Jürgen Moltmann und
Wolfhart Pannenberg – für sie alle ist der Glaube
an den dreieinigen Gott selbstverständlich. Eben­
so verhält es sich auf römisch-katholischer Seite
nicht nur mit Joseph Ratzinger, sondern auch mit
Karl Rahner und vielen anderen, von der grie­
chisch-, rumänisch- oder russisch-orthodoxen
Theologie zu schweigen. Die sogenannte Basisfor­
mel des Ökumenischen Rats der Kirchen (von
1948 und 1961) lautet nicht umsonst:
«Der ÖRK ist eine Gemeinschaft von Kirchen, die
den Herrn Jesus Christus gemäss der Heiligen
Schrift als Gott und Heiland bekennen und darum
gemeinsam zu erfüllen trachten, wozu sie berufen
sind, zur Ehre Gottes, des Vaters, des Sohnes und
des Heiligen Geistes.»
Sehr geehrter Till Mohr, sind alle die Genannten
und viele andere – wie Sie schreiben – Polytheis­
ten und Götzendiener? Geht man so in unserer
evangelisch-reformierten Landeskirche miteinan­
der um? Wäre ein sachlicherer Ton nicht ange­
zeigt? Als Theologinnen und Theologen haben wir
die selbstgewählte Aufgabe, das Geheimnis des
christlichen Glaubens nach bestem Wissen und
Gewissen in Worte zu fassen, auch wenn uns dies
selbstverständlich nie restlos gelingt. Wie Ignati­
us von Loyola es sagte: «Gott ist immer grösser.»
Mit kollegialen Grüssen, Ihr Frank Jehle ■
wenn denn seine Herrschaft gross und der Frie­
den endlos ist.
Die Trinitätslehre darf und muss hinterfragt wer­
den wie alle menschliche Lehren!
Mit der Alten Kirche und auch mit allen Reforma­
toren möchte ich aber daran festhalten, dass in
Jesus mir nicht nur ein vorbildliches Geschöpf
vorgestellt wird. Wenn dieser Jesus am Kreuz die
Verlassenheit Gottes beklagt und tatsächlich so
klagend zu Gott betet, so möchte ich darauf ver­
trauen, dass für mich unfassbar und mit meinen
Worten kaum beschreibbar tatsächlich Gott
selbst die Gottverlassenheit auf sich genommen
hat, so dass kein Mensch mehr von Gott verlas­
sen sein kann. Auch in grösster Not ist der Schrei
zu Gott möglich. Aber noch mehr: Gott selbst
schreit auch dann noch, wenn die Stimme der
Opfer verstummt.
Dass Gott also nicht nur mein Leben einmal ge­
wollt und ins Dasein gerufen hat, sondern dass er
in Jesus Christus an meiner Seite steht und diese
Welt auch nach der Himmelfahrt Jesu Christi
nicht sich selbst überlässt, sondern in seinem
Geist Hoffnung gibt, dass ist und bleibt mein
Trost im Leben und im Sterben.
Ob ich damit in den Augen aller Philosophen
noch Monotheist bin? Egal! Das überlasse ich
gern dem Urteil des einen Gottes.
Pfr. Dr. theol. Johannes Jung, Fürstentum Liech­
tenstein ■ (Text von der Redaktion gekürzt)
FOKUS
Titelseiten der ersten beiden Kirchenboten im neuen Layout, in der Mitte drei Typen von Aufschlagseiten des neu gestalteten Gemeindebundes in der Mitte des St.Galler Kirchenboten.
Neuer Kirchenbote – herzlichen Dank
für unzählige Rückmeldungen
Stellungnahme des Präsidenten
der Verlags- und Redaktionskommission,
Hans-Paul Candrian
Überglücklich reagierte ich im Dezember 2014
auf ein Telefon des Verantwortlichen der Druckerei galledia, er halte nun die 1. Ausgabe des neuen KIRCHENBOTEN in den Händen.
Unzählige Zusatzanstrengungen im November
und Dezember des letzten Jahres auf verschiedenen Stufen ermöglichten erst diese termingerechte Neugestaltung des KIRCHENBOTEN.
Was in rund 2 Jahren geplant, neu konzipiert,
diskutiert, in Betracht gezogen und wieder verworfen wurde, lag nun konkret vor. Ab sofort
musste alles, was am «grünen Tisch» entschieden wurde, sich im Alltag bei den Leserinnen
und Lesern bewähren.
Da wir als Kommission nie die Illusion hatten,
dass ab der 1. neuen Ausgabe zum Thema
«Adam und Eva» alles schon perfekt sein könnte,
forderten wir Sie auf, uns Eindrücke und kon­
krete Verbesserungsmöglichkeiten bekannt zu
geben.
Die vielen Rückmeldungen Ihrerseits sind uns
Beweis, dass sie ein grosses Interesse an einem
neuzeitlich gestalteten KIRCHENBOTEN haben.
Dafür danke ich Ihnen herzlich.
Nachfolgend werde ich auf einzelne Punkte Ihrer
Rückmeldungen kurz eingehen.
NEUES LAYOUT
Eine überwiegende Zahl von Leserinnen und
Lesern begrüssen ausdrücklich das neue Layout
etwa mit folgenden Bemerkungen:
«Gelungenes Design, leicht leserlich» (WL),
«Übersichtliche Ordnung bei Kapiteln/Themen»
(HA), «Die Aufmachung, Gliederung sowie Struktur gefällt mir sehr gut» (AR), «Einladende Titelseite und erst noch ungefaltet» (UP), «Handfreundliches Papier, besseres Format, ansprechende Rubriken – kurz: einfach ein Hit!» (RB).
FOLIERUNG
Auf der Seite der negativen Meldungen ist der
neue Versand in der adressierten Folie eindeutig
Spitzenreiter. Viele besorgte Leserinnen und
Leser können den Kommissions-Entscheid unter
dem Aspekt des Umweltschutzes nicht nach­
vollziehen.
Nach vielen Diskussionen und fachlichen Abklärungen meinerseits kann ich Ihnen aber folgendes sagen:
Die heute verwendete Folie ist aus 100% biologisch abbaubarem Material gefertigt.
Aber es gilt auch Versandvorschriften der Post
zu beachten. Betreffend Offenversand erhielt ich
von der Post-Annahme- und Logistikberatung in
Zürich folgende Auskunft:
«Ein Offenversand im Format B4 hängt von folgenden Faktoren ab: Papierbeschaffenheit und
Gewicht. Im Falle des KIRCHENBOTEN ist das
Papier in Ordnung, das Mindestgewicht für einen Offenversand beträgt 100 Gramm, was im
vorliegenden Fall nicht gegeben ist. Aus diesem
Grunde wäre die Sendung zu falzen und durch
Anpassung beim Layout ein Adressfeld bereit­
zustellen.»
Aber genau das wollten wir nicht mehr, einen
gefalzten KIRCHENBOTEN!
Was sich nicht verändert hat, ist die Postvorschrift, dass Beilagen ausschliesslich in folierten
Zeitschriften verschickt werden. Mit unserer
generellen Folierung haben wir eine einheitliche
Lösung angestrebt.
Einzelne Leser haben auch die möglichen höheren Kosten des folierten Versandes angespro-
chen. Die Post-Antwort ist in dieser Frage eindeutig: Es entsteht kein Porto- Kosten-Unterschied zwischen dem aktuell folierten KIRCHENBOTEN und einer gefalzten Ausgabe ohne Folie.
SCHRIFTGRÖSSE
Nicht ganz überraschend taucht der Wunsch
nach einer generell grösseren Schrift auf. Ich
habe die Layout-Abteilung unserer Druckerei
beauftragt, zu prüfen, welche Massnahmen das
Lesen erleichtern könnten (grössere Schrift, Zeilen-Zwischenräume vergrössern, Gliederung in
grösseren Textblöcken usw.) Sind die Ergebnisse
dieser Abklärungen bekannt, wird die Kommission auf diesen Fakten basierend neu entscheiden.
GEMEINDESEITEN
Neu sind die Gemeindeseiten der jeweiligen
Ausgaben wie bisher in der Mitte, aber geheftet
eingefügt. Die erheblichen Mehrkosten für das
blosse Einlegen der Gemeindeseiten konnten wir
nicht verantworten.
Nun gilt es aber eine Möglichkeit zu finden, diesen Teil optisch deutlicher gegenüber dem restlichen Inhalt des KIRCHENBOTEN abzuheben.
Auch dazu ist ein Auftrag erteilt.
Neben diesen Hauptpunkten gibt es aber noch
weitere kleinere Punkte im neuen KIRCHENBOTEN zu diskutieren und zu entscheiden, wie zum
Beispiel Qualitätsansprüche an Farbbilder, das
Verhältnis von Bildern und Texten, die Vielzahl
der verwendeten Schriften usw.
Nebst Layout-Fragen werden wir uns als Kommission in Zukunft auch vermehrt den Inhalten
der einzelnen Ausgaben widmen können.
Wir von der Kommission, liebe Leserin, lieber
Leser, sind überzeugt, dass der Start des neuen
KIRCHENBOTEN grundsätzlich gelungen ist; nun
stehen aber noch diverse «Reparaturarbeiten»
an, die wir umgehend angehen werden.
Hans-Paul Candrian,
Präsident der Verlags- und Redaktionskommission
des KIRCHENBOTEN
WWW.KIRCHENBOTE-SG.CH 7
PANORAMA GEMEINDEN
Jakob Brassel zum Gedenken
Text: Hans Ruedi Fischer | Foto: as
PANORAMA KANTON
Ostermontag: Friedensufer in Bregenz
PANORAMA SCHWEIZ
Pfarramt-Quereinstieg: Informationen für Start im Herbst 2015
Text: pd | Foto: as
Am 12. Januar 2014 hat sich
in St.Gallen der irdische Lebenskreis von alt Pfarrer Jakob Brassel-Meier geschlossen. Der frühere Seelsorger
von Mogelsberg, Romans­
horn-Salmsach, St.Moritz
und Wildhaus starb in seinem 71. Lebensjahr. Weil er
an Multipler Sklerose erkrankt war, hatte er seinen geliebten Beruf vor
zwölf Jahren aufgeben müssen. In einer berührenden Abschiedsfeier in der Kirche St.Gallen-Bruggen durfte die Pfarrfamilie erfahren,
dass die Arbeit des Verstorbenen in jeder «seiner» vier ehemaligen Gemeinden nicht vergessen
gegangen ist.
1944 geboren, wuchs Jakob Brassel zusammen
mit zwei Schwestern und einem Bruder in
Rheineck auf. Der Kantonsschulzeit in St.Gallen
schloss sich das Theologiestudium an der Uni
Zürich an; Aufenthalte in Basel und Berlin dienten der Horizonterweiterung. Am Reformationssonntag 1969 wurde Jakob Brassel zum Diener
am Wort Gottes ordiniert. Zusammen mit Ruth
Meier aus Bülach gründete er in Mogelsberg eine
Familie, zu der im Lauf der Zeit die Söhne Daniel,
Markus und Christian zählten. Es folgten dreizehn Jahre Pfarramt in Romanshorn-Salmsach,
von wo aus er Bundesobmann für die «Junge Kirche Schweiz» war. Im Kurort St. Moritz wartete
ab 1989 eine neue Herausforderung in der ihm
vorher kaum bekannten «Welt der Schönen und
Reichen». Freudig kamen Ruth und Jakob Brassel-Meier 1997 in die Kirchgemeinde Wildhaus;
in Zwinglis Jugenddorf wurde das Pfarrehepaar
bald heimisch und nur allzu gerne wären die beiden bis zur Pensionierung dort geblieben. 2003
zog die Familie nach St.Gallen. ■
Thal-Lutzenberg: Neue Pfarrerin
Friedensweg vom Jahr 2014 in Lindau
8 AUSGABE 3/2015
Den neuen Studiengang verantworten – bis auf
die reformierte Kirche Bern – die reformierten
Deutschschweizer Kirchen. Damit wird Quereinsteigerinnen und Quereinsteigern die Möglichkeit
geboten, in vier Jahren zum Pfarrer oder zur Pfarrerin zu werden. Drei Jahre dauert das berufsbegleitende Quest-Theologiestudium, gefolgt von
der einjährigen praktischen Ausbildung. Die Ausbildung wird mit der Ordination abgeschlossen.
Fusion im Toggenburg auf dem Weg
Text: Reto Neurauter
An einer Veranstaltung im Januar wurden die
Kirchgemeinden Nesslau, Krummenau-Ennetbühl und Stein über den Stand der Fusions­
arbeiten informiert.
Rolf Hanselmann, Leiter und Begleiter, betonte
anhand der Botschaft der Arbeitsgruppen: «Das
Gerüst steht, die Details werden diskutiert und
laufend umgesetzt.»
Die Seelsorge bleibt demnach eine wichtige Aufgabe. Pfarrpersonen und diakonische Mitarbeitende werden in Kirchkreisen wie auch in der
ganzen Gemeinde wirken. Lokale Gemeindetraditionen, die ökumenische Zusammenarbeit und
der offene Dialog mit Freikirchen sollen weitergeführt. Es werden nicht mehr an jedem Sonntag
in allen vier Kirchen Gottesdienste gefeiert. Taufen, Trauungen, Abdankungen und spezielle Gottesdienste finden aber in allen Kirchen statt. Alle
Liegenschaften werden in die neue Kirchgemeinde übernommen. Alle gewählten und angestellten Mitarbeitenden werden in die neue Kirchgemeinde übernommen, auch die beiden Kirchenchöre. Die erste Kirchenvorsteherschaft setzt
sich aus einem Präsidium und je zwei Vertretern
der «alten» Kirchgemeinden zusammen. Wobei
Pfarrpersonen vom Amtes wegen Vorsteherschaftsmitglieder sind.
Wie soll die neue Kirchgemeinde heissen? Nach
einer Konsultativabstimmung lag der Name
«Nesslau» vor «Oberes Toggenburg». An den Versammlungen vom 29. März wird über den Zusammenschlussvertrag abgestimmt. Nur wenn
alle drei Gemeinden zustimmen, besiegelt die
Gründungsversammlung im Herbst die neue
Kirchgemeinde. ■
Text und Foto: Kurt Zaugg-Ott
Während des zentralen Ostschweizer ökumenischen Gottesdienstes zur Gebetswoche der
Einheit der Christen in der katholischen Kirche Balgach vom 18. Januar 2015 hat der
Präsident der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen der Schweiz, der christkatholische Bischof Harald Rein, dem Präsidenten
der GFS-Kommission St.Gallen/Appenzell,
Martin Bieder, Au, das Oecumenica-Label
übergeben.
Die Veruntreuungen bei der Kirchgemeinde Bad
Ragaz-Pfäfers sind nur der eine Teil. Weit grösser
ist der Schaden beim Churer Treuhandunternehmen Allemann, Zinsli & Partner AG. Dort sind
nach neusten Erkenntnissen rund 10 Millionen
Franken verschwunden. Hummel ist Mitinhaber
und ehemaliger Verwaltungsratspräsident des
seit über 50 Jahren bestehenden Treuhandunternehmens. Nun ist dieses in Konkurs. Aber: Für
fast alle 15 Mitarbeitenden konnte eine Lösung
gefunden werden. Niemand stehe auf der Strasse
oder beziehe Arbeitslosengeld. ■
BEWAHRUNG DER SCHÖPFUNG
Bischof Harald Rein führte aus, dass die Bewahrung der Schöpfung in der Charta oecumenica
als Verpflichtung angesehen werde – die Charta
ist ein auch von den Schweizer Kirchen unterzeichnetes ökumenisches Grundlagenpapier.
Seit dem Jahr 2008 rege die GFS-Kommission Anfang September mit einer Auftaktveranstaltung
zum Nachdenken über die Schöpfung an. Sie tue
dies auf unterschiedliche Weise. Die Breite der
gewählten Themen sei eindrücklich. Durchgeführt würden die Veranstaltungen an speziellen
Text: Reto Neurauter | Foto: Andreas Schwendener
Die Kirche von Bad-Ragaz mit Bergen im Abendlicht
Oecumenica-Label in die Ostschweiz
de, das Geld bei ihm einzutreiben. Hummel gehörte erst seit 2013 der Kirchenvorsteherschaft
an, ist nach Bekanntwerden des Falls aber sofort
zurückgetreten. Die Kirchgemeinde kann dennoch ihren Aufgaben nachkommen. Abgeklärt
wird noch, wie hoch der Deckungsumfang der
entsprechenden Versicherung bei der St.Galler
Amtsbürgschaftsgenossenschaft ist.
Bad Ragaz: Viel Geld unterschlagen
In der Kassa der Kirchgemeinde Bad Ragaz-Pfäfers klafft ein Riesenloch: Christian Hummel soll
in seiner Funktion als Kassier rund 800 000 Franken «abgezweigt» haben. Die Kirchgemeinde hat
Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft Graubünden eingereicht, nachdem erst versucht wur-
Martin Bider, Au, empfängt von Bischof Harald Rein das Oecumenica-Label. Dieses ehrt die Verdienste der ökumenischen St.Galler Kommission für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.
In seiner Dankesrede erinnerte Martin Bieder an
die Entstehung der Kommission für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung der
Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in den
Kantonen Appenzell und St.Gallen im Anschluss
an die erste Europäische Ökumenische Versammlung von Basel im Jahr 1989.
Zu der von den Kirchen Europas initiierten
SchöpfungsZeit regt die GFS-Kommission jährlich Interessierte und Kirchgemeinden an, die
SchöpfungsZeit in ihrer Kirchgemeinde bewusst
zu begehen, die Schöpfung vertieft zu beachten
und entsprechend zu handeln.
Text: Reto Neurauter | Foto: Gisela Tobler
Die neue Pfarrerin von Evangelisch Thal-Lutzenberg
heisst Barbara Christina Köhler. Ihre Wahl erfolgte Mitte
Januar, ihr neues Amt tritt sie
am 1. März an, die feierliche
Amtseinsetzung folgt dann
am 26. April.
Sie löst damit Pfarrer Richard
Bloomfield ab. Barbara Christina Köhler ist 53jährig, Bürgerin von Teufen und
hat an der Kantonsschule Romanshorn die Matura gemacht.
Sie ist Mutter von zwei erwachsenen Kindern,
geschieden, war mehrere Jahre als Religionslehrerin tätig, übernahm Gottesdienststellvertretungen und hat nach der Familienphase 2009 das
Theologiestudium an der Universität Zürich abgeschlossen. Bisher war sie im zürcherischen
Rümlang als Pfarrerin tätig. ■
Im Herbst 2015 startet der erste Studiengang «Quest». Damit besteht für die Chemikerin, den Gymniasallehrer oder die Juristin
die Möglichkeit, in vier Jahren als Pfarrperson ordiniert zu werden. Am 17. März informieren die reformierten Deutschschweizer
Kirchen in Zürich über das neue Angebot.
Zum Internationalen Bodensee-Friedensweg
2015 lädt Bregenz ein, am Ostermontag, 6. April,
von 11 bis 16.15 Uhr. Nach einem Friedensweg
durch die Stadt und dem Picknick am «Friedensufer» werden auf «Friedensinseln» Zugänge
zum Friedensthema angeboten. Den Schlusspunkt setzen Reden von Andreas Zumach,
Uno-Korrespondent, Genf, und Davorka Lovrekovic, Präsidentin des Internationalen Versöhnungsbundes. Treffpunkt: Bahnhof Bregenz um
11 Uhr. Es werden wieder über 400 Leute aus
den drei Ländern um den Bodensee erwartet. ■
Orten mit zum Teil überraschenden Schwerpunkten. Fachwissen und Spiritualität würden
so gekonnt kombiniert und es werden das Nachdenken über den eigenen Lebensstil und mögliche Veränderungen angeregt.
Bischof Rein zitierte Hermann Battaglia, den
Präsidenten der Label-Kommission: «Mir imponieren an der Auftaktveranstaltung die Selbstverständlichkeit der ökumenischen Zusammenarbeit, die Balance zwischen fachlichem und
spirituellem Angehen der Themen und das
Hineinwirken in die Gesellschaft und in den
persönlichen Alltag.»
Das Oecumenica-Label ist ein nationales Gütesiegel für beispielhafte ökumenische Arbeit. Es besteht aus einer Urkunde, einem Logo, also einem
Markenzeichen, das für die Kommunikation eines ausgezeichneten Projektes verwendet werden darf, und aus einem Eintrag auf der Webseite der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen
der Schweiz AGCK. ■
INFORMATIONSABEND IN ZÜRICH
Wie die reformierten Kirchen in einer Mitteilung
schreiben, sei die Ausschreibung erfolgt. Die
Bewerbungsfrist endet Mitte April 2015. Um Interessierte bei ihrer Entscheidung zu unterstützen,
wird am 17. März in Zürich ein Informationsabend durchgeführt. Bewerberinnen und Bewerber durchlaufen ein Auswahlverfahren, das ein
Aufnahmegespräch und ein Assessment umfasst.
Angeboten wird das Studium gemeinsam von
den Theologischen Fakultäten in Zürich und
Basel. Dabei können Studierende im Rahmen der
vorgesehenen Module frei zwischen Veranstaltungen der beiden Fakultäten wählen. Zusätzlich
zu Veranstaltungen des regulären Studienbetriebs besuchen Quest-Absolventen insgesamt
acht einwöchige Blockkurse, die speziell für
Quest konzipiert wurden.
Informationsabend am Dienstag, 17. März 2015,
um 18.30 Uhr im Hirschengraben 50
Theologie schnuppern
Vom 13. bis zum 17. Juli 2015 findet der dritte
Campus Kappel statt. Die Theologiewoche
richtet sich an junge Menschen kurz vor und
nach der Matura oder Berufsmatura.
Der Campus Kappel zieht jedes Jahr rund 40 junge Menschen ins Kloster Kappel in der Nähe von
Baar (ZG). Die Theologiewoche leistet einen
wichtigen Beitrag gegen den anstehenden Pfarrermangel: www.campuskappel.ch
WWW.KIRCHENBOTE-SG.CH 9
IN KÜRZE
PANORAMA SCHWEIZ
PANORAMA WELT
Spanien und Portugal: Pässe für
Nachfahren vertriebener Juden
Text: ref.ch/Hubert Kahl/ sda/dpa | Foto: as/ Wikimedia
Amira Hafner-Al Jabaji
Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem
Amira Hafner-Al Jabaji moderiert
neu «Sternstunde Religion»
Israel-Kritik: Heks Bundesgericht
wird gestützt von entscheidet über
Berner Kirche
Kopftuch-Verbot
an Schule
Text: kath.ch| Foto: facebook
Seit dem 15. Februar 2015 gehört Amira Hafner-Al Jabaji zum Moderationsteam von «Sternstunde Religion». Sie moderiert die Sendung im
Wechsel mit Hauptmoderator Norbert Bischofberger.
Die in Bern geborene Islam- und Medienwissenschaftlerin Amira Hafner-Al Jabaji, 43, ist seit vielen Jahren journalistisch und publizistisch tätig.
Sie ist Mitbegründerin und Präsidentin des Interreligiösen Think-Tanks und war während acht
Jahren Mitglied im Publikumsrat der SRG
Deutschschweiz. 2011 erhielt sie den Anna-Göldi-Preis für ihr Engagement im Dialog zwischen
den Religionen. Sie ist verheiratet und lebt mit
ihrer Familie in Grenchen SO.
Ihre erste «Sternstunde Religion» moderierte sie
am 15. Februar 2015 zum Thema «Religion –
Hemmschuh oder Hilfe zur Integration? ■
Die Drähte beim Sorgentelefon 143
liefen 2014 heiss
Text: ref.ch | Foto: pd
Heks steht in der Kritik, mit Spendengeldern
eine «antiisraelische» Organisation zu unterstützen. Stimmt so nicht, schreiben nun die
Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn.
Zu Beginn stand ein offener Brief an den Rat des
Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes
(SEK), unterzeichnet vom emeritierten Theologieprofessor Ekkehard Stegemann. Darin kritisiert der Professor das Heks wegen seiner Unterstützung der Organisation «Zochrot». Im offenen
Brief wirft Stegemann dem Heks vor, «finanziell
und ideologische Unterstützung» an «obsesessiv
anti-israelische Kampagnen» zu leisten. Als Beispiel nennt er Akteure aus dem Umfeld von «Zochrot», welche im April 2014 bei einer umstrittenen Performance vor der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem mitgewirkt haben
sollen.
Text: ref.ch
Bei der von den Landeskirchen mitfinanzierten
«Dargebotenen Hand» klingelte im vergangenen
Jahr über 226 000 mal das Telefon. Gegenüber
dem Vorjahr wurden 6000 Gespräche mehr geführt. Einen regelrechten Einbruch erlebte die
Institution bei den Beratungen per E-Mail. ■
Geissenpeter aus Syrien
Text: ref.ch
In einem Pilotprojekt wollen kirchliche Kreise
und das Kloster in Cazis Flüchtlingen die moderne Ziegenhaltung in der Schweiz zeigen. Einsätze
auf Ziegenalpen sind eine Option. Das Geissenprojekt richte sich vor allem an Flüchtlinge aus
Ländern, in denen Ziegen wirtschaftlich eine
wichtige Rolle spielen, zum Beispiel Eritrea oder
Syrien.
Gestartet wird bescheiden, mit zwei bis drei
Flüchtlingen, die in Präz am Heinzenberg auf
einem Hof die Ausbildung in Angriff nehmen.
Führend im Geissenprojekt ist die Evangelisch-reformierte Kirche Cazis mit Pfarrer Wuttge. Die Kirche wählt mit dem Sozialamt in Thusis
jene Flüchtlinge aus, die ein Praktikum absolvieren können. ■
10 AUSGABE 3/2015
Aus einem Workshop der Islamtagung von SOSOS 2011
Stegemann forderte wegen der seiner Meinung
nach «einseitigen Parteinahme» des Heks eine
grundlegende Debatte im SEK und seinen Gliedkirchen. Heks wies die Vorwürfe zurück, die Organisation «Zochrot» habe die umstrittene Performance weder produziert noch unterstützt.
HEKS «IDEELL UND FINANZIELL SCHADEN»
Nun haben sich die Reformierten Kirchen
Bern-Jura-Solothurn zur Causa geäussert, direkt
adressiert an Professor Stegemann (eine Kopie
des Schreibens liegt ref.ch vor).
Darin bezeichnet der Unterzeichner Heinz Bichsel, Bereichsleiter «OeME-Migration der Reformierten Kirchen Bern-Jura-Solothurn» die von
Stegemann vorgetragenen Vorwürfe, das Heks
betreibe eine «obsessiv anti-israelische Kampagne», als «Polemik». Das Ziel sei, Heks «ideell und
finanziell zu schaden», so Bichsel. Die Arbeit des
Heks in Israel und Palästina sei aber breit abgestützt in internationalen Netzwerken. Stegemanns Versuch, Heks ein «Extremismus-Label»
aufzudrücken, werde keiner Prüfung standhalten. Weiter schreibt Bichsel, dass mit den Vorzeichen, welche Stegemann in seinem offenen Brief
setze, leider auch für die geforderte Debatte unter den Mitgliedskirchen des SEK keine gute Prognose gegeben werden könne. ■
Text: ref.ch/sda | Foto: as
Das Bundesgericht muss entscheiden, ob eine muslimische Schülerin aus St. Margrethen
SG mit Kopftuch zur Schule gehen darf. Der
Schulrat St. Margrethen zieht den Streitfall
ans Bundesgericht weiter
Das Tragen eines Kopftuchs sei «ein Symbol für
eine fundamentalistische Auslegung des Islam
und damit ein Integrationshindernis». Das öffentliche Interesse an der Integration sei höher zu
gewichten als das private Interesse der Eltern
«am zur Schau Stellen religiöser Symbole durch
ihre Kinder», schreibt die Behörde.
Das verfassungsmässige Recht auf Religionsfreiheit sei selbstverständlich ein wertvolles Gut,
das es zu respektieren gelte. Wenn damit aber
die Integrationsbemühungen torpediert würden,
sei dies «falsch verstandene Toleranz». Das
St.Galler Verwaltungsgericht habe diese Argumente zu wenig gewichtet.
Das Verwaltungsgericht hatte im vergangenen
November entschieden, das 13-jährige Mädchen
dürfe das islamische Kopftuch (Hijab) im Unterricht tragen. Dieser Wunsch sei durch die Glaubens- und Gewissensfreiheit geschützt. Ein Verbot wäre zurzeit unverhältnismässig, so das Urteil.
Ende des 15. Jahrhunderts stellten Spanien
und Portugal die Juden vor die Wahl, katholisch zu werden oder ins Ausland zu gehen.
Mehr als fünf Jahrhunderte danach stellen
beide Länder den Nachfahren eine Wiedereinbürgerung in Aussicht.
Die Vertreibung der Juden aus Spanien und Portugal liegt über 500 Jahre zurück. Heute sehen
Madrid und Lissabon in der damaligen Entscheidung ihrer Königshäuser einen «historischen Irrtum» und wollen mehr als ein halbes Jahrtausend danach eine Art von Wiedergutmachung
leisten. Beide Länder bieten den Nachkommen
der Vertriebenen an, die spanische oder portugiesische Staatsangehörigkeit beantragen zu
können.
Spaniens Katholische Könige – Königin Isabella
und König Ferdinand – hatten die Juden 1492 ultimativ vor die Wahl gestellt, zum Katholizismus
zu konvertieren oder das Land zu verlassen.
Ein Teil der Vertriebenen zog nach Portugal.
Dort verfolgte König Manuel I. anfangs eine tolerante Linie, gab diese aber bald auf, als er die
Tochter Isabel des spanischen Königspaars heiraten wollte. 1497 verfügte er die Ausweisung
der Juden aus Portugal, die nicht zum katholischen Glauben überwechseln wollten.
DOPPELNATIONALITÄT ERLAUBT
In Spanien liegt dem Parlament seit Monaten ein
Gesetzentwurf vor, der Juden spanischer Abstammung die Möglichkeit einräumt, spanische
ERZIEHUNGSRAT EMPFAHL VERBOT
Das Mädchen hatte als Sechstklässlerin im Sommer 2013 damit begonnen, mit Kopftuch zur
Schule zu gehen. Darauf erliess die Schulgemeinde, gestützt auf eine Empfehlung des Erziehungsrats des Kantons St.Gallen, ein Kopfbedeckungsverbot. Die Familie erhob dagegen Beschwerde.
Das Bundesgericht hat sich bisher noch nie zur
verfassungsrechtlichen Zulässigkeit eines Kopftuchverbots an Schulen geäussert. In einem Fall
aus der Thurgauer Gemeinde Bürglen liess es
Mitte 2013 diese Frage offen. Es stellte lediglich
fest, dass in Bürglen eine gesetzliche Grundlage
für ein Verbot fehle. ■
König Ferdinand und Königin Isabella haben die Juden
1492 zur Konversion oder zur Emigration gezwungen.
IN KÜRZE
Reformationsstädte jetzt online
Text: ref.ch
Das Projekt «Reformationsstädte Europas» der
Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa
GEKE ist mit einem eigenen Webauftritt online.
Die GEKE war es auch, welche 17 Städte in Europa mit «Reformationsstadt Europas» ausgezeichnete. Aus der Schweiz sind dies Zürich, Genf, Basel und St.Gallen. Die neue Website will aktuelle
Informationen zu den 17 Städten aus sieben europäischen Ländern zur Verfügung stellen. Ab
dem zweiten Halbjahr 2015 sollen bereits viele
Veranstaltungsankündigungen auf der Website
zu finden sein. ■
Erster Kirchenneubau seit 50 Jahren in Kuba
Text: kath.ch
Pässe zu beantragen. Die Antragsteller müssen
dazu nicht auf ihre jetzige Staatsbürgerschaft
verzichten. Die Linksopposition unterstützt das
Vorhaben, will aber erreichen, dass auch die
Nachfahren der – im 17. Jahrhundert vertriebenen – Mauren eine ähnliche Offerte erhalten.
In Portugal verabschiedete die Regierung in der
vorigen Woche eine Verordnung, wonach Juden
portugiesischer Abstammung die Staatsbürgerschaft erhalten können. «Wir haben lange gebraucht, bis wir uns mit diesem Thema beschäftigt haben», räumte Justizministerin Paula
Teixeira da Cruz ein und fügte hinzu: «Wirklich
reparieren kann man den historischen Schaden
nicht mehr.»
Der erste Kirchenneubau in Kuba seit mehr als
50 Jahren soll noch in diesem Jahr beginnen. In
der im Südwesten der Karibikinsel gelegenen
Stadt Sandino solle ein Gotteshaus für insgesamt
250 Gläubige entstehen, teilte Bischof Jorge
Enrique Serpa Perez mit. Die Baukosten würden
von der Sankt Lawrence-Kirche in Tampa im
US-Bundesstaat Florida getragen.
Die Genehmigung für den Kirchenbau gilt als
weiterer Beleg für die Entspannung zwischen der
kommunistischen Regierung und der katholischen Kirche. Den Grundstein dafür hatte der
frühere Papst Benedikt XVI. bei seinem KubaBesuch 2012 gelegt. ■
ETWA 3,5 MILLIONEN SEFARDEN
Nach Schätzungen von Historikern hatten Ende
des 15. Jahrhunderts mehr als 100 000 spanische
Juden die Iberische Halbinsel verlassen. Wie viele zum Katholizismus konvertierten, ist nicht bekannt. Die Vertriebenen liessen sich in Nordafrika, auf dem Balkan – vor allem in Thessaloniki –,
in Italien sowie in Amsterdam, Antwerpen oder
Hamburg nieder. Viele von ihnen behielten über
Generationen eine enge Bindung zur spanischen
Kultur, einige bewahrten gar die Schlüssel zu
den Häusern auf, aus denen sie vertrieben worden waren.
Chiara Lubich, Pionierin der Ökumene.
Heute wird die Zahl der Sefarden, der Juden spanischer Abstammung, weltweit auf über 3,5 Millionen geschätzt. Wer einen spanischen oder portugiesischen Pass beantragen möchte, muss den
Nachweis einer Bindung zur Iberischen Halbinsel erbringen. Dies kann durch Bescheinigungen
der jüdischen Gemeinden sowie durch Kenntnisse der Sprache «Ladino» erbracht werden, die im
Mittelalter von den Juden auf der Iberischen
Halbinsel gesprochen wurde.
Eine von mehreren Synagogen in Toledo, Spanien: Jetzt
ein Museum, da es vor Ort kaum mehr Juden gibt.
«Wir werden jeden Test bestehen, denn wir tragen Spanien im Herzen», sagte der Anwalt Elías
Laredo zur Zeitung «El País» in Jerusalem. Isaac
Querub, Präsident des Verbandes der jüdischen
Gemeinden in Spanien, meinte: «Spanien ist zusammen mit Israel unser Zuhause.» ■
Ökumene-Pionierin soll selig­
gesprochen werden
Text: kath.ch | Bild: focolare.org
Die Gründerin der katholischen Fokolar-Bewegung, Chiara Lubich, ist auf dem Weg zur Seligsprechung. Der Prozess startete Ende Februar
im Dom von Frascati mit einer Gottesdienstfeier.
Lubich gilt als Pionierin des ökumenischen und
interreligiösen Dialogs.
Die aus Trient stammende Chiara Lubich (1920–
2008) war eine der grossen spirituellen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Die von ihr geprägte «Spiritualität der Einheit» machte Lubich
zu einer Pionierin des interreligiösen Dialogs. ■
WWW.KIRCHENBOTE-SG.CH 11
PALETTE
Eine Welt
Kasem Jakup Kocerri, Yad-Vashem-Ausstellung «Besa –
ein Ehrenkodex», Fotograf: Norman H. Gershman.
FOTO-AUSSTELLUNG:
«BESA – EIN EHRENKODEX»
3.–13. März
Die Ausstellung «Besa – ein Ehrenkodex» des Holocaust-Museums und Forschungs- und Gedenkzentrums Yad Vashem in Jerusalem zeigt die
eindrückliche und weitgehend unbekannte
Geschichte der Rettung jüdischer Flüchtlinge
während des Zweiten Weltkrieges in Albanien.
Anhand von ergreifenden Porträtaufnahmen
werden die eindrucksvollen Lebensgeschichten
von Albanern präsentiert, die ihren jüdischen
Landsleuten und jüdischen Flüchtlingen aus
ganz Europa während des Zweiten Weltkrieges
in schlichter Selbstverständlichkeit das Leben
retteten. www.besa-expo.ch
Veranstalter: Projektteam Besa-Ausstellung und
Pädagogische Hochschule St.Gallen (PHSG)
ANA MERCEDES AUS KOLUMBIEN
Dienstag, 24. März, 19.30 Uhr
Ana Mercedes Pereira ist Leiterin des «Netzes
der Frauen für den Frieden» mit Sitz in Bogota.
Durch ihre selbstkomponierten Lieder und die
Begleitung von Flüchtlingen im eigenen Land
lebt sie mit ihrem Volk die Botschaft der Auferstehung. Das gibt mitten in Leid und Gewalt
neue Hoffnung. Lieder, Berichte aus ihrer Realität und Begegnungen untereinander prägen diesen Abend. Ort: Kirche Halden, St.Gallen
«KRIEG ÄCHTEN – FRIEDEN SCHAFFEN»
Ostermontag, 6. April, 11–16.15 Uhr
Internationaler Bodensee-Friedensweg in Bregenz: Verschiedene Workshops am «Friedens­
ufer». Abschluss mit Andreas Zumach, Uno-­
Korrespondent, Genf, und Davorka Lovrekovic,
Präsidentin des Internationalen Versöhnungsbundes. Programm: www.friedensrat.ch
Besinnung
EGLISE FRANÇAISE
Eglise au Centre de Saint-Mangen: Cultes à 10 h
sauf le premier dimanche du mois. Cultes du soir
mensuels à Rorschach, Rapperswil et Glaris.
Renseignements auprès de Simone Brandt,
pasteur, tél. 071 277 08 56 ou www.ref-sg.ch/église
12 AUSGABE 3/2015
PALETTE
Pilgern
Weiterbildung
PILGERN AUF DEM JAKOBSWEG
FRAUEN IM PFARRAMT
Von Konstanz nach Einsiedeln – von Johannes Hus zu Huldrych Zwingli
Montag, 2. März, 19 Uhr
Zum 600. Todesjahr von Hus und zu den
Reformationsjubiläen von 2017–2019
Wir gehen den Weg in fünf Etappen. Unterwegs
Einkehr in Kapellen und Kirchen. Kurze Impulse
aus der Bibel, aus den Schriften von Hus, Luther
und Zwingli. Etwa die Hälfte des Weges gehen
wir schweigend. Wanderzeit je vier Stunden.
26. März: Konstanz–Märstetten, in Konstanz
­Besuch des Münsters und des Hus-Hauses.
23. April: Tobel–Fischingen
12. Mai: Fischingen–Hörnli–Steg
27. August: Steg–Rüti ZH–(evtl. Rapperswil)
17. Sept.: Rapperswil–Einsiedeln (evtl. verkürzt)
Leitung: Walter Hehli, Wattwil, Autor des Buches
«Man muss wie Pilger wandeln. Auf dem Jakobsweg vom Toggenburg bis ans Ende der Welt».
Unkostenbeitrag: Fr. 5.– pro Strecke.
Auskunft und Anmeldung: Walter Hehli,
Tel. 071 988 12 14, E-Mail: whehli@thurweb.ch
REGIONALER PILGERGOTTESDIENST FÜR
JAKOBSPILGER
Freitag, 27. März, 19.30 Uhr
Eröffnung der Pilgersaison mit einem ökumenischen offenen Pilgergottesdienst in der Schutzengelkapelle am Klosterplatz St.Gallen. Jakobs­
pilgerinnen und -pilger können den Pilgersegen
empfangen. Ebenso sind deren Angehörige
und der Freundeskreis eingeladen. Gestaltung:
­Rosmarie Wiesli und Josef Schönauer
Musik: Simone Anderwert, Violine; Rumi Hatt, Gitarre; Alexander Sennhauser, Orgel und E-Piano.
Anschliessend Apéro im Hofkeller.
Organisation und Trägerschaft: Verein Pilgerherberge Sankt Gallen, www.pilgerherberge-sg.ch
STADTPILGERN ST.GALLEN
Samstag, 21. März, 9.30–18 Uhr
Besammlung: 9.30 Uhr, ref. Kirche Laurenzen.
Mitnehmen Lunch, gute Schuhe.
Findet bei jedem Wetter statt. Kosten Fr. 50.–
Leitung: Regina Pauli, Pilgerbegleiterin EJW
Infos: info@lebenwirken.ch. Tel. 071 460 29 67
Kunst
PARZIVAL UND DAS ATOM
So., 15. März, 17 Uhr, Fr., 20. März, 20 Uhr
Schauspiel mit Nathalie Hubler, Regie: Pierre
Massaux. Eine alte, aber zeitlose Erzählung trifft
auf jüngste Geschichte: Der junge Parzival verlässt seine Mutter und will Ritter werden. Er
unterlässt eine wichtige Frage und irrt lange in
der Welt herum, bis er schliesslich sein Ziel, den
Gral findet. Im Jahr 1945 werden über Hiroshima
und Nagasaki Atombomben gezündet. Ein neues
Zeitalter beginnt. Der Atomkraft als «Sog des Todes» wird im Stück die Suche nach dem Gral als
Symbol des Lebens gegenübergestellt. 28.– /20.–Ort: Theater 111, Grossackerstrasse 3, 9000 St.
Gallen, info@theater111.ch oder 071 222 10 59
Vortrag von Angela Berlis, Professorin für
Kirchengeschichte in Bern. Frau Angela Berlis ist
eine der weltweit ersten christkatholischen
Priesterinnen.
Ort: Kirche Haldenbüel, Gossau SG.
www.evanggossau.ch
DIE WÜRDE DES MENSCHEN
IST UNANTASTBAR
Öffentliche Vorlesungen an der Universität
St.Gallen, Dienstag, 20.15 Uhr, Raum HSG 01-014
Dienstag, 3. März: VDM Matthias Bosshard, Psychoanalytiker und Psychotherapeut ASP, Altstätten: emotionale und tätliche Grenzverletzungen
Dienstag, 10. März: Pfarrer Reinhold Meier,
Pfäfers: Würde des Menschen in Psychiatrie und
Gefängnis – Beitrag der Seelsorge zur Entstigmatisierung
Dienstag, 17. März: Pfarrerin Renata Aebi, Sevelen, und Nicole Dobmann, Sozialpädagogin:
Kontakte und das Respektieren von Grenzen bei
Menschen, die nicht mehr sprechen können.
Dienstag, 24. März: Lic. phil. Sabina Kunz, Psychotherapeutin FSP, St. Gallen: Körperpsychotherapeutisches Arbeiten mit Grenzen
Leitung: Dr.phil. Ursula Germann, Psychotherapeutin FSP, Sargans, Lehrbeauftragte für öffentliche Vorlesungen im Bereich Psychologie und
Psychotherapie an der Universität St.Gallen
Gegenteil. Wie kam das Symbol grausamer Folterung dazu, zu einem Hoffnungszeichen zu werden? Und wie veränderte sich die Darstellung
der Kreuzigung von den Anfängen bis heute?
Ort: evang. Kirchgemeindehaus
Demutstrasse 20, 9000 St. Gallen
5AB5I–GOTTESDIENST
29. März, 17.05 Uhr
Junge Erwachsene
RISE-UP-GOTTESDIENST FLAWIL
1. März, 10 Uhr
Ein spezielles Thema wird zusammen mit modernen Melodien, Rhythmen und Texten verwoben.
Dabei dient das ökumenische Liederbuch «Rise
Up» zur Inspiration. Es gibt einen Kinderhort für
die Kleinen. Ort: Kirche Feld, Flawil
Veranstalter: Kirchgemeinde Flawil
ST.GALLER STADTGEBET
12. März und 26. März,
Einsingen 19.15 Uhr, Beginn 19.30 Uhr
Das St.Galler Stadtgebet für junge Leute ist eine
Ermutigung zur Begegnung mit der eigenen Spiritualität.
Ort: Kathedrale St.Gallen, Chorraum (vorne)
Veranstalter: Safranblau
Regionaler, moderner Eventgottesdienst mit
Band, Kreativteil, Predigt, Moderation und Bar.
Ort: Evang. Kirche Rorschach, Signalstrasse 34,
9400 Rorschach
Veranstalter: Kirchgemeinde Rorschach
Mittwoch, 25. März, 20 Uhr
Die Darstellung des Kreuzes und der Kreuzigung
in der christlichen Kunst: Seit vielen Jahrhunderten ist das Kreuz das Symbol des christlichen
Glaubens. Doch das war nicht immer so, ganz im
Moderner Gottesdienst mit Band, Theater, Kurzpredigt, Diskussionen, Kinderprogramm und
­anschliessender Gemeinschaft bei Kaffee und
Kuchen. Dieses Mal zum Thema «Moment – Mal
… Stille aushalten …» mit Pfr. Koni Menet.
Ort: Evang. Kirche Brunnadern
Beratung
EVANGELISCH-REFORMIERTE PAAR UND
FAMILIENBERATUNG ST.GALLEN
Oberer Graben 31, St.Gallen
Pfr. Menges Achim, Psychotherapeut ASP,
Tel. 071 220 88 00
Imper Andrea, Psychologin FSP,
Tel. 071 220 88 02
EVANGELISCHE FRAUENHILFE
Beratungsstelle für Frauen
Oberer Graben 42, 9000 St.Gallen
Tel. 071 220 81 80, Fax 071 220 81 84
DIE DARGEBOTENE HAND
Telefonseelsorge, Telefon 143, www.143.ch
15. März, 18 Uhr
GOSPECIAL
BLAUES KREUZ SG-APPENZELL
Fachstelle Alkoholberatung
Kugelgasse 3, Postfach 28,
9004 St.Gallen, Tel. 071 231 00 31
info-sg-app@blaueskreuz.ch
www.blaueskreuz-sg-app.ch
Gespräche nach Vereinbarung
15. März, 10 Uhr
Mit Moderation, Theater, Live-Musik, Predigt,
Kreuzverhör, Fürbitte, GoSpecialBar und Kinderprogramm und -hort.
Ort: Evang. Kirche Goldach, Schulstrasse 20
Veranstalter: Kirchgemeinde Goldach
PUNKT-8-GOTTESDIENST
20. März, 20 Uhr
Historische und medizinische Erkenntnisse zur
Kreuzigung: Die biblischen Schilderungen der
Kreuzigung Jesu sind wohlbekannt. Doch wie
plausibel sind sie im Lichte neuerer historischer
und medizinischer Erkenntnisse zur römischen
Hinrichtungspraxis der Kreuzigung?
Und woran starb Jesus eigentlich?
JOY! Das Frühlingskonzert vom Gospel im Centrum. Für einmal wird der Chor von Bass und
Schlagzeug unterstützt, damit das Mitgooven
noch leichter fällt!
Ort: Kirche St. Laurenzen, St.Gallen
Informationsanlass für Interessierte
Ort: Evang. Kirchgemeindehaus Uznach, Zürcherstrasse 18 (keine Anmeldung erforderlich)
Sonntag, 8. März 2015, 17 Uhr
Montag, 9. März, 20 Uhr
29. März, 10 Uhr
Freitag, 13. März, 9–11 Uhr
DANKSTELL AM SEE
KULTURGESCHICHTE DER KREUZIGUNG
Zwei ökumenische Bildungsabende mit
Dr. theol. Karin Scheiber
GOSPEL IM CENTRUM
SEMINAR SOZIALES ENGAGEMENT
EINBLICKE IN DIE LITURGISCHEN GESÄNGE
DER SYRISCH-ARAMÄISCHEN KIRCHE
Abrahim Lahdo aus Wiesbaden D, von Beruf Arzt, ist ein
Bewahrer der ältesten christlichen Liturgie. Er erklärt die
Gesänge der frühesten Christenheit zusammen mit Ortspfarrer Georg Isik aus Wil.
Es singen der syrisch-aramäische Frauenchor Amriswil
und ausgebildete Diakone Teile der Liturgie in
der Sprache Jesu. Die Exilkirche freut sich an
reger Anteilnahme an ihrer «Kirchenmusik»
Veranstalter: Evang.-ref. Forum St.Gallen
Ort: Kirche St. Mangen, St.Gallen
TIPP DES MONATS
Zeitgemässe Gottesdienstkultur (moderne
Musik, Theater, Film …) für alle, welche sich mit
den bisherigen Gottesdienstformen nicht
anfreunden konnten. Dabei wird eine für alle
verständliche Sprache und Form eingesetzt.
Ort: Evang. Kirchgemeindehaus Altstätten
Veranstalter: Kirchgemeinde Altstätten
GO2BE
22. März, 18.30–19.30 Uhr
Im Zentrum steht das Lob Gottes mit modernen,
populären Liedern, Gebeten, Gottes Wort und
der kreativen Bearbeitung des Gottesdienstthemas mit Theater oder Kurzfilm.
Ort: Evang. Kirche Buchs, Kirchgasse 1
Veranstalter: Kirchgemeinde Buchs
BÜRGSCHAFTEN UND DARLEHEN
Für Familien und Alleinerziehende, Landwirte
und Selbstständige. Gesuche sind zu richten an:
Evang. Bürgschafts und Darlehensgenossenschaft des Kantons St.Gallen, c/o Bonfida Treuhand AG, Davidstrasse 38, CH-9001 St.Gallen
Tel. 071 226 91 91, kontakt@ebdg-sg.ch
www.ebdg-sg.ch
PFARRAMT FÜR GEHÖRLOSE
Pfrn. A. Leupp-Meierhofer, Tel. 071 227 05 72,
und Pfr. R. Hofer, Tel. 071 227 05 70,
Oberer Graben 31, St.Gallen,
gehoerlosenseelsorge@ref-sg.ch
PERSÖNLICHKEITSSCHUTZ
Fühlen Sie sich im Rahmen des kirchlichen
Lebens diskriminiert oder in Ihrer Integrität
verletzt, seelisch oder körperlich ausgenutzt,
sexuell bedrängt, gemobbt oder belastet Sie ein
Abhängigkeitsverhältnis? – Die Kirche bietet
Ihnen die Möglichkeit, sich von einer neutralen
Fachperson kostenlos beraten zu lassen.
www.ref-sg.ch/persoenlichkeitsschutz
Rosette an der Hauptkirche von Assisi in Umbrien
Kunst erwandern: Kunstwander­
reisen 2015 mit Pfr. Dieter Matti
Auch in diesem Jahr bietet Dieter Matti verschiedene Kunstwander-Reisen an. Sie führen von Ende April bis Ende Oktober nach Frankreich und
Italien. «Noch einmal möchte ich Sie in einige
der für mich schönsten Kunst-Landschaften begleiten», wie Matti schreibt. Dazu gehören für ihn
das katalanische Grenzland im südfranzösischen
Roussillon mit seiner archaischen Kunst, das
Loiretal mit seiner mäandernden Flusslandschaft
und einer Fülle von Kunstdenkmälern. Ebenso
stehen italienische Kostbarkeiten auf dem Programm: Assisi mit seiner blühenden Schönheit,
wo Franziskus gewirkt hat, und die Valnerina im
südlichen Umbrien an der Grenze zu den sibyllinischen Bergen. Die spannende Region des Piemont erwartet die Besucher mit «Gaumenfreuden» für Körper, Geist und Seele. Und als krönender Abschluss führt die letzte Reise zur Kunst
der Mosaiken von ihren ersten Anfängen im
frühchristlichen Aquileia bis zu ihren absoluten
Höhepunkten in Ravenna.
Bestellungen und nähere Auskünfte bei: Dieter Matti,
Veja Megstra 43 B, CH-7484 Latsch ob Bergün.
Tel. 081 420 56 57, dieter.matti@bluewin.ch,
www.kunstwanderungen.ch
Frühlingswoche in der Provence
2. bis 9. Mai 2015
Religions- und kulturgeschichtliche Exkursionen
von Carpentras aus, mit Walter und Ernestine
Frei. Ein Hauptthema diesmal: Juden wohnten
seit der Römerzeit fast ständig in Carpentras
und Umgebung, bis zur Zeit der Nazis. Wir besuchen u.a. in Carpentras die älteste Synagoge von
Frankreich. Aber auch sonst: Wir wollen die
Provence im Frühling geniessen!
Übernachtungen im Hotel oder im Ferienhaus
(Mehrbettzimmer). Kosten für Frühstück und
Tagesausflüge Fr. 500.–. Prospekt für die Ferienwoche verlangen! www.carpentras.ch
www.stgaller-geschichten.org
WWW.KIRCHENBOTE-SG.CH 13
FORUM DER LESERSCHAFT
Reaktionen zum Dogma der Trinität
Annäherungen an die Trinität
Im Kirchenboten Ausgabe 2/15 nimmt Pfr. Dr.
theol. Till Mohr Stellung zum Artikel von Frank
Jehle «War Jesus (k)ein Monotheist?» (Kibo
1/15). Da wird von Dr. Till Mohr (nachfolgend
T.M.) Jesus Christus als Sohn Gottes anerkannt, seine Gottgleichheit aber bestritten. – Damit flammt der Arianische Streit nach 1700 Jahren wieder auf, diesmal ausgetragen im
Kirchenboten. Die Argumentation von T.M. ist interessant und
bedarf weiterer Diskussion.
Das vom römischen Kaiser Konstantin 325 n. Chr. einberufene Konzil von Nicäa sollte den Streit zwischen Arianern und den Anhängern der
Trinität schlichten. Die Arianer vertraten die Ansicht, Jesus sei auch nach der Auferstehung
nicht gottgleich, sondern eine Art Mittelwesen
zwischen Gottheit und Menschheit. Beim Konzil
von Nicäa ging es also in erster Linie um die Frage Trinität ja oder nein. …
Wie können drei Subjekte eine Einheit sein?
Schwer vorstellbar, jeder Pfarrer kennt die Frage
von engagierten Konfirmanden. Auf langfädige
Erwägungen wird verzichtet, nur so viel. Eine
Münze hat zwei Seiten und ist doch ein und dieselbe Münze. Ein Dreieck hat drei Seiten, auch
wenn Innenwinkel und Schenkellängen variieren,
es bleibt immer ein Dreieck, eine Einheit. Vielleicht hilft dieser Gedanke, dass der dreieinige
Gott halt doch möglich sei, etwas weiter.
Konzilien können irren
Keine Frage, natürlich hat T.M. in diesem Punkt
Recht, nur die Berufung auf Martin Luther als
Kronzeugen ist in diesem Kontext mehr als nur
verfehlt. Hierzu sei aus der Augsburgischen Konfession (das ist sozusagen die «Verfassung» der
Kirche AB, also der Lutheraner) zitiert:
«1. Von Gott: Zuerst wird in Übereinstimmung
mit dem Konzil von Nicäa einträchtig gelehrt,
dass ein einziges göttliches Wesen ist, welches
genannt wird und wahrhaftig ist Gott, und dass
doch drei Personen in demselben einzigen göttlichen Wesen sind, jede gleich gewaltig und gleich
ewig, Gott Vater, Gott Sohn, Gott Heiliger Geist.
Alle drei sind ein göttliches Wesen, ewig, ungeteilt, ohne Ende, mit unermesslicher Macht,
Weisheit und Güte, ein Schöpfer und Erhalter
aller sichtbaren und unsichtbaren Dinge. Unter
dem Wort Person wird aber nicht ein Teil oder
eine Eigenschaft in der Gottheit verstanden,
­sondern etwas, das für sich selbst besteht.
Deshalb werden verworfen alle Ketzereien, die
diesem Artikel zuwider sind.»
(Vorgelegt am Reichstag in Augsburg 1530)
Ein Wort zu den Kirchenvätern in Nicäa. Als Naturwissenschaftler kann ich nur staunen über
Einsichten und Weitsicht dieser Männer. Auch
ohne unsere moderne Naturwissensschaft konnten sie formulieren … «Schöpfer aller sichtbaren
und unsichtbaren Dinge …» und zu Jesus «… aus
14 AUSGABE 3/2015
dem Vater geboren vor aller Zeit, Gott von Gott,
Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott,
gezeugt, nicht geschaffen, eines Wesens mit dem
Vater … hat Fleisch angenommen durch den
­Heiligen Geist von der Jungfrau Maria und ist
Mensch geworden …» und zum Heiligen
Geist, «… der aus dem Vater und dem
Sohn hervorgeht, der mit dem Vater und dem Sohn angebetet und
verherrlicht wird …»
Präzis, in wenigen Worten, alles
umfassend. Bevor man die Trinität in den Mistkübel wirft, sollte man nochmals genau hinhören. Vielleicht sollte man das «eines Wesens mit dem Vater» nochmals hinterfragen. Kann sein, T.M.
hat Recht, womöglich hatte aber das
Konzil von Nicäa Recht.
Ein Blick auf andere christliche Kirchen
Räumlich von uns weit getrennte Bruderkirchen
sind eigene Wege gegangen, haben wesentliche
Elemente von Judentum übernommen und sind
damit dem Islam näher. Man denke beispielsweise an die koptische, die äthiopische, die eriträische Kirche. Aber die Wege haben sich erst nach
dem Konzil von Nicäa bzw. dem Folgekonzil von
Konstantinopel getrennt. Bricht die gemeinsame
Basis der Trinitätslehre weg, bleibt da nicht
mehr viel an Gemeinsamkeiten. Dieser Aspekt
sollte vielleicht nicht ganz aus den Augen verloren werden. – So ein Beitrag eines Theologen im
Kirchenboten geht an die Substanz. Ich wünsche
mir, und dies ist eine Minimalforderung, eine
vertiefte Diskussion zu den von T.M. angesprochenen Aspekten. ■ (Von der Redaktion gekürzt)
Peter Link, Naturwissenschaftler, Zuzwil SG
Jesus, unser grosses Vorbild
Als ich mich mit 23 Jahren in Amsterdam vom
damaligen Pasteur Roth, Pfarrer der dortigen
Gemeinde der Eglise Wallone, habe konfirmieren
lassen – nach eingehenden Vorbereitungen, hat
mich seitdem seine Sicht auf die Person Christi
nun gut 50 Jahre begleitet. Für ihn war Jesus der
Mensch, der Gott am nächsten war, aber er war
ein Mensch wie wir alle.
Dieser Sicht bin ich später nie mehr begegnet;
umso dankbarer bin ich über die klare, mit
Bibeltexten erläuternde Darlegung von Pfarrer
Mohr! Bei ihm finde ich wieder, was Pasteur
Roth gar bescheiden, ja fast zaghaft uns Bibelkreis-Studenten damals bekannte, als wir ihn danach fragten. Ja, Christus ist und bleibt unser
grosses Vorbild, gerade als Mensch, und so
schliesse ich mich ganz dem Wunsch Pfr. Mohrs
an, wenn er schreibt: «Nahe bei Gott, nahe bei
den Menschen und Christus in unserer Mitte». ■
Cile Mühlethaler-Tilanus, Krinau
Zur Grafik von Thomas Steiner oben: Blau: Dreifaltigkeit, türkis: Dreieinigkeit, grün: Monotheismus.
Die Bibel spricht für sich
Die persönliche Stellungnahme von Pfr. Dr. theol.
Till Mohr im Kirchenboten 2/2015 hat mir aus
dem Herzen (und dem Verstand!) gesprochen.
Seinen fundierten Darlegungen gibt es nur noch
eines beizufügen: Es sind nicht zuletzt diese von
Menschen, nicht selten Machtmenschen, eingeführten bibelfremden Dogmen, die einzelnen
christlichen Konfessionen, aber auch dem Christentum als Ganzes zu schaffen machen. Es ist
wie beim Lügen: Bei der Begründung verstrickt
man sich früher oder später in Widersprüche,
und dann ist es mit der Glaubwürdigkeit dahin.
Unter diesem Glaubwürdigkeitsverlust leide ich
als denkender Christ. Die Botschaft des Evangeliums braucht keine Dogmen, sie spricht für sich
selbst. ■ Hannes Kunz, Schmerikon
«LANDESRECHT VOR VÖLKERRECHT»
Laut Kirchenbote vom Dezember 2014 soll ein
katholischer Theologe sich im Rahmen der Kurz­
andacht «das Wort zum Sonntag» zu obigem
­Thema geäussert haben; er vertrat dabei die Ansicht, Völkerrecht komme vor Landesrecht. Diese Meinungsäusserung bei der erwähnten Gelegenheit störte nun Nationalrat Mörgeli von der
SVP dermassen, dass er jenen Geistlichen verklagen will. Mörgelis Kommentar dazu: «Schuster
bleib’ bei deinen Leisten.» Der Politiker soll nicht
in kirchliche und der Kirchenmann nicht in politische Dinge hineinreden. Dies ist eine Äusserung, welche Theologen seit vielen Jahrzehnten
immer dann zu hören bekommen, wenn der politischen Seite eine theologische Äusserung nicht
ins Konzept passt – nur dann.
Ich möchte dem katholischen Theologen zunächst gratulieren zu seinem Mut. Und ich wünsche diesen Mut und diese Weitsicht all denjenigen, welche «das Wort zum Sonntag» sprechen.
Indessen habe ich gewisse Bedenken: Was, wenn
Mörgeli nun mit seiner Klage auch nur einen Teil­
erfolg einfährt? Wenn nämlich der Eindruck entsteht, hier sei die politische Meinung das Primäre und die biblische Botschaft lediglich sekundär. Dann werden fortan noch weniger Theologen den Mut haben, gesellschaftsethische Themen anzugehen. Das aber müssten sie eigentlich
tun, denn die Bibel, zumal das Alte Testament,
bringt uns eine in hohem Masse gesellschaftsethische Botschaft.
Manch ein Mensch, welcher «das Wort zum
Sonntag» spricht, wählt heute ein Thema und
glaubt wegen der sehr kurzen Zeit, welche ihm
zur Verfügung steht, seine geäusserte Ansicht
nicht noch zusätzlich fest an einen Text aus der
Bibel anbinden zu müssen oder zu dürfen. Er
sollte dies dennoch regelmässig tun. Durchdachte, knappe Auslegungen wirken ausserdem äus­
serst attraktiv, und die Person tritt angesichts
der aktualisierten biblischen Botschaft in den
Hintergrund. Und genau dadurch wird dann so
ein «Wort zum Sonntag» von aussen viel weniger
angreifbar und muss sehr ernst genommen werden. ■ Hanspeter Koch, Steinach
EXKURS
MONATSPORTRÄT
Älteste Liturgie
Text und Fotos: as
Die syrisch-antiochenische Liturgie ist eine der
frühesten Liturgien überhaupt, die auf die Anfänge des Christentums in Jerusalem und Antiochien
zurückgeht. Sie wird auf Jakobus, den Bruder
­Jesu, zurückgeführt. Bis heute wird an hohen
Feiertagen die «Jakobsanaphora», das Messformular des Jakobus, verwendet – in Aramäisch,
der Sprache Jesu.
Die Liturgie ist auch inspiriert vom Tempeldienst
in Jerusalem, denn die zum Christentum bekehrten Juden waren in den Anfängen des neuen Glau­
bens sehr aktiv, auch in der Ausgestaltung der
­Liturgie. So haben in der syrisch-aramäischen
­Liturgie alttestamentliche Bräuche überlebt.
Circis Isik aus Wil, Pfarrer der syrisch-aramäischen Exilgemeinde in der Ostschweiz, nach dem Gottesdienst in Flawil.
Ein Leben für Gott und
die aramäische Tradition
Text: N. Michelle Calan, St.Gallen | Foto: as
Über 300 syrisch-aramäische Familien in den
Kantonen Thurgau und St.Gallen hat Pfarrer
Circis Isik aus Wil im Januar besucht – um
frohe Weihnachten zu wünschen und in jedem
Haus zu beten. Der in der Osttürkei geborene
Pfarrer wurde im Jahr 2003 38-jährig
­geweiht und feiert seither die alte syrischara­mäische Liturgie abwechslungsweise in
Flawil, St.Gallen und Amriswil.
Gott einzugehen und als Pfarrer zu arbeiten. Am
12. Oktober 2003 wurde er in der Christkönigskirche in Nie­deruzwil während einer wunderschönen, traditionellen Zeremonie zum Pfarrer
geweiht. Kein Geringerer als Mor Julius Yeshu
Çiçek, der 2005 verstorbene Metropolit der
­syrisch-orthodoxen Diözese von Mitteleuropa,
erhob ihn in sein Amt. Circis Isik ist der letzte
Pfarrer, den der Metropolit geweiht hat.
Circis Isik hat am 8. November 1965 in der osttürkischen Stadt Anhel das Licht der Welt erblickt.
Die Liebe zu Gott und zum Pfarramt wurde ihm
bereits in die Wiege gelegt. Er stammt aus einer
Familie, deren priesterliche Wurzeln mehrere
­Generationen zurückreichen. Bereits in früher
Kindheit lernte er fleissig die syrische Sprache
und wurde durch seinen Grossvater zum Schamoscho, zum Diakon, ernannt. Im Alter von elf
Jahren entschloss er sich, Gottes Pfaden zu folgen, und studierte im Kloster Markus in Jerusalem Gottes Wort, die syrische Liturgie und lernte
Englisch, Deutsch und Arabisch.
DIE EIGENE TRADITION WEITERGEBEN
Circis Isik hat es sich zu seiner Lebensaufgabe
gemacht, sich intensiv für Gott und das syrische
Volk einzusetzen. Besonders die Jugend liegt
ihm am Herzen. Er will seine Zeit dafür einsetzen, den Geist und Glauben der Religion an die
junge Generation weiterzugeben. Sein Leitspruch:
«Wo der Geist des Herrn wirkt, da ist Freiheit»
2. Kor. 3, 17. Lange hat er in Wil Bibeltreffen
durchgeführt, um die Jugend und die Familien
über das Wort Gottes zu unterrichten. Derzeit ist
er wöchentlich in Mels für die Madrasse, eine
Art Religionsunterricht. Dabei versucht er die
syrisch-aramäische Tradition der heutigen Zeit
anzupassen, damit auch die heranwachsenden
Generationen sich mit Gottes Wort identifizieren
können. Er verfolgt den Traum, dass sein Volk,
auch wenn es in die ganze Welt zerstreut ist, Zusammenhalt pflegt und die wertvolle Tradition
weitergeben kann. ■
FAMILIENGRÜNDUNG UND PRIESTERTUM
Zurück in Anhel, besuchte er während drei Jahren die Mittelschule. 1983 heiratete er Hanime
Oz. Die beiden entschieden sich, in der Schweiz
zu leben. Im Laufe von fünf Jahren bekamen Isik
und seine Frau einen Sohn und zwei Töchter.
Aber auch diese Aufgabe hinderte den Vater
nicht daran, seinen Weg weiterzugehen und sein
Leben Gott und seinem Volk zu widmen. Er unterrichtete in Baden, Zürich und Flums die syrische Sprache und moderierte beim Radio Aarau
wöchentlich eine stündige Sendung zum Thema
syrischer Glaube, syrische Kultur und Sprache.
Die Liebe zu Gott fand ihren Höhepunkt, als
­Circis Isik sich entschloss, den ewigen Bund mit
EIN AUGENSCHEIN IN FLAWIL
Bei meinem Besuch einer syrischen Messe am
15. Februar in Flawil fiel mir die Bedeutung des
Räucherns auf. Das Räuchergefäss mit Glöcklein
tat während der zweistündigen Messe immer
wieder seinen Dienst. Der Tisch mit den eucharistischen Gaben wurde vom Priester und den
Diakonen an allen vier Ecken geküsst, bevor sich
die Diakone links und rechts davon aufstellten
und den heiligen Bezirk markierten. Der Priester
wandte dem Kirchenvolk den Rücken zu und
sang die Messformulare, teils unterstützt durch
den Gesang der Diakone, teils durch den Chor
der Frauen im linken oder den Chor der Männer
im rechten Kirchenschiff. Nur für die Textlesung,
die Predigt und die Präsentation des gesegneten
Brotes wandte sich der Priester zu den Gläubigen. Dieses Brot wurde am selben Morgen speziell zubereitet. Alle dürfen davon essen und auch
mit nach Hause nehmen. Die eigentliche Eucharistie wird in der syrischen Kirche nur etwa drei
Mal jährlich an grossen Feiertagen eingenommen. Auf Wunsch kann sie alle 40 Tage an einem
Sonntag nach einer Beichte empfangen werden. ■
Pfarrer Circis Isik umgeht räuchernd den Gabentisch.
Heiliger Sound – die Kirchen des Ostens:
die syrisch-aramäische Liturgie
Sonntag, 8.3., 17 Uhr in der Kirche St.Mangen, St.Gallen: mit Dr. Abrahim Lahdo, Wiesbaden, Pfarrer Circis Isik, Wil, und dem syrisch-orthodoxen Frauenchor Amriswil.
Mehr Infos: www.erf-ch
Gesungene Bibellesung, assistiert von zwei Diakonen.
WWW.KIRCHENBOTE-SG.CH 15
BIBLISCHE NAMEN
Noemi und die Ausländerin im Stammbaum des Messias
gen einer Hungersnot mit ihrem Mann und zwei
Söhnen aus Bethlehem ins östliche Moab, wo die
beiden Söhne Moabiterinnen heiraten, Ruth und
Orpa. «Die Hand des Herrn» trifft Noemi aber
hart: Ihr Mann und die beiden Söhne sterben.
Wie Noemi hört, dass es in Bethlehem wieder
Brot gibt, beschliesst sie heimzukehren. Wäh­
rend Orpa zu ihrer Familie zurückkehrt, geht
Ruth mit Noemi und sagt: «Dein Volk ist mein
Volk, und dein Gott ist mein Gott.»
Noemi kehrt mit ihren verwitweten moabitischen
Schwiegertöchtern zurück in die Heimat – während
­Orpa bleibt, folgt ihr Ruth nach Bethlehem, wo sie Urgrossmutter Davids und Stammmutter des Messias wird.
Text: Andreas Schwendener | Bild: William Blake
Im Stammbaum Jesu werden fünf Frauen erwähnt, unter ihnen Ruth. Ihre Schwiegermutter Noemi hat der Ausländerin Ruth geholfen, sich in Bethlehem zu integrieren.
Im kaum fünfseitigen Buch Ruth des Alten Testa­
ments ist Noemi die zentrale Figur. Sie flieht we­
kann. Diesen Anweisungen entsprechend wartet
Ruth, bis sich Boas nach dem Dreschen der Ern­
te und seinem Mahl hinlegt. Sie hebt die Decke
und legt sich zu seinen Füssen. Boas erwacht
und ist gerührt von der nächtlichen Besucherin.
Noch berührt er sie nicht, denn es gibt jeman­
den, der nach jüdischem Gesetz noch vor ihm
berechtigt ist, Ruth zu heiraten. Am selben
Morgen trifft er diesen Mann am Tor und unter
zehn Zeugen bestätigt dieser seinen Verzicht.
In Bethlehem wird Noemi wiedererkannt, aber
als Witwe mit einer Ausländerin ist das Über­
leben nicht einfach. Ruth sammelt auf einem
bereits geschnittenen Feld die liegengebliebenen
Ären. Dem Besitzer des Feldes, Boas, fällt die
Frau auf und er beginnt sie vor allfälligen Belästi­
gungen durch Feldarbeiter zu beschützen.
Noemi erkundigt sich nach dem Besitzer und fin­
det heraus, dass dieser mit ihrem verstorbenen
Mann verwandt ist und als «Löser» und künftiger
Ehemann in Frage kommt. Noemi leitet Ruth an,
wie sie sich Boas an einem Abend annähern
So kann Boas Ruth heiraten und bald ist sie
schwanger. Die Frauen um Noemi freuen sich mit
ihr, loben Gott und meinen, dass ihr das Kind
Lebenskraft zurück gebe und für sie im Alter
sorgen werde. «Denn deine Schwiegertochter,
die dich liebt, hat ihn geboren, die, die für dich
mehr wert ist als sieben Söhne. Und Noemi
nahm das Kind und hob es auf ihren Schoss und
wurde seine Pflegemutter. Und die Nachbarinnen
gaben ihm einen Namen und sagten: Der Noemi
wurde ein Sohn geboren. Und sie gaben ihm den
Namen Obed. Er ist der Vater von Isai, dem Vater
von David.» ■
NOEMI FREY, ROSSRÜTI
Meine Mutter las vom Namen Noemi in einer
Zeitschrift und war sogleich begeistert. Damit
war sie der Zeit voraus, denn der Name ist ja
erst vor etwa zehn Jahren richtig aufgekommen.
Vorher war er eher ein Exot. In meiner Jugend
fiel es vielen schwer, ihn richtig auszusprechen.
Einige sagten mir auch Naomi, ein Lehrer in der
Primarschule Noeimi. Er war so sehr auf diese
Aussprache fixiert, dass ich es irgendwann auf­
geben musste, ihn zu korrigieren. Heute ist es
so, dass die jungen Leute mich klar Noemi nen­
nen, ältere Leute sind immer noch unsicher. ■
NOËMI GANDER, WIL
Scheinbar war mein Name bei der älteren Gene­
ration kaum bekannt. Immer wieder habe meine
Oma den Opa gefragt: «Wie heisst schon wieder
das Kind?» – bis er sie getadelt habe, mit der Fra­
gerei aufzuhören, sie sollte das langsam wissen.
Dann rief einmal eine Verwandte meinen Opa an
und fragte nach dem Namen des Kindes. Da war
auch ihm der Name entfallen, er antwortete: «Äh,
so ähnlich wie Nairobi». Heute kennen die Leute
meinen Namen, auch wenn sie ihn teils verschie­
den aussprechen und betonen, mal auf o, mal
auf e. Aber für mich sind beide Varianten ok.
Ich heisse Noemi
NOEMI BÜRKI (11), UZNACH
Meinen Eltern hat der Name Noemi wegen dem
Klang und der Bedeutung (die Liebliche) gut ge­
fallen, sie kannten den Namen schon aus der Bi­
bel. Ich kenne die Geschichte selber auch. Ob­
wohl Ruth aus einem andern Land kam, ging sie
mit Noemi nach Bethlehem. Noemi sorgte dafür,
dass Ruth dort gut aufgenommen wurde und zu
einem Mann und einem Kind kam. Mir gefällt an
meinem Namen, dass er in der Bibel vorkommt.
In der Schule fragte die Lehrerin einmal, wer ein
A in seinem Namen hat. Ich war fast die einzige
ohne ein A im Namen. ■
Nachrichten aus Ihrer Kirchgemeinde im Mittelbund.
Adressänderungen bitte an Ihre Kirchgemeinde melden.
Titelbild
In Senegal werden
die Felder noch zu
grossen Teilen mit
Pferden beackert.
Wie lange noch?
Foto: Jean-Claude
Gadmer
16 AUSGABE 3/2015
Impressum
Herausgegeben im Auftrag der
Synode der Evangelisch-reformierten
Kirche des Kantons St. Gallen.
www.kirchenbote-sg.ch
Nächste Nummer
Thema: Martyrium –
Vom Leiden der Gerechten
erscheint am 2. April
Redaktionsschluss: 14. März
Redaktion
Pfr. Andreas Schwendener (as)
Rehweidstrasse 2
9010 St. Gallen
Tel. 071 244 34 64
kirchenbote.sg@ref.ch
Lokalredaktion
Reto Neurauter (nr), Grabs
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Claudia Schmid (cis), St. Gallen
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Auflage: 71 000
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(wird von den Kirchgemeinden bezahlt)
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