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Brandenburger Kurier vom 26. Februar 2015

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MAZ
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Brandenburger Kurier
Do, 26.02., 19 Uhr
OLIVER
BOTTINI
Lesung & Signierstunde
im MAZ Media Store
Eintritt: 5 € • Reservierung: direkt im Media Store •
veranstaltungen@MAZ-online.de • 0331 2840-136
Redaktion: 0 33 81/5 25 60
Leserservice: 0 33 81/52 56 90
Anzeigen: 0 33 81/52 56 80
GUTEN TAG!
Thomas Wachs
Thomas.Wachs@MAZ-online.de
Brüderlich
geteilt
J
POLIZEIBERICHT
Verwirrter Autodieb
stellt sich
Lehnin – Ein 35-jähriger Mann
meldete sich am Dienstag offenbar verwirrt im Lehniner Krankenhaus. Er gab an, in Leipzig ein
Auto gestohlen zu haben und mit
diesem nach Brandenburg gefahren zu sein. Die herbeigerufenen
Beamten fanden bei der Durchsuchung des Autos eine Schreckschutzpistole. Der Mann kam
wegen geäußerter Selbstmordgedanken anschließend in ein Brandenburger Klinikum.
Unfallfahrerin
flüchtet
Groß Kreutz – Am Dienstagabend
durchbrach der Fahrzeuglenker
eines Audis den Zaun eines Einfamilien-Grundstückes in der
Neuen Chaussee. Anschließend
flüchtete die Person und ließ den
Wagen an der Unfallstelle zurück.
Polizisten fanden in dem Auto die
persönlichen Dokumente einer
33-Jährigen aus Mittelmark, die
bei der anschließenden Befragung an ihrer Haustür nichts zum
Vorfall zu sagen hatte. Sie hatte
zum Zeitpunkt der Befragung
1,37 Promille im Blut. Ihr Führerschein wurde von den Beamten
beschlagnahmt und das Auto zur
Spurensicherung sichergestellt.
Es entstand ein Schaden von
15 000 Euro.
Lebensmittel aus
Imbisswagen gestohlen
Brandenburg/H. – Unbekannte
haben in der Nacht zu Dienstag
einen Imbisswagen in der Brielower Straße aufgebrochen. Die
Täter verschwanden unerkannt
mit ihrer Beute – diversen Lebensmitteln.
Donnerstag,
26. Februar 2015
Warnstreik:
Heute fahren
Bahnen und
Busse nicht
IHRE REDAKTION
a, es gibt sie wirklich noch,
die gegenseitige Aufmerksamkeit zwischen wildfremden Menschen. Sie trotzt der
vermeintlichen Ellenbogengesellschaft und wachsendem Egoismus. Ich hab' es erlebt. Einfach so,
mitten am Tag. Wieder zeichnet
sich ab, dass ein Sitzungstermin
den Arbeitstag in die Länge ziehen würde. Also gilt es, kulinarisch vorzubeugen. Ein paar
Schritte zum Bäckereigeschäft um
die Ecke können nicht schaden,
um dem kleinen Hunger zwischendurch zu begegnen. Auch
die Kollegen sind nicht abgeneigt.
Ein paar Quarkbällchen könnten
neue Kraft spenden. Doch erinnert die magere Auslage des
Ladens schon an Zeiten, als Kuchen und Brötchen noch vorbestellt werden mussten. Dabei war
gerade erst beste Kaffeezeit. „Ich
hätte gerne die gesamten Quarkbällchen da“, sagt der Herr vor
mir. „Oder wollten Sie auch noch
davon“, fragt er mich spontan. Ich
muss wohl sehr bedürftig und
erschrocken dreingeschaut haben. Gesagt, getan. Wir teilen
brüderlich. Solch eine klitzekleine Freude am Tag kann richtig glücklich machen.
7
Rettet die Flutlichtmasten: Während im Rathaus gerade die Stadtverordneten tagen, versammeln sich unter diesem Motto am Ende rund 60 zumeist
junge Leute auf dem Altstadt Markt. Sie fordern den Erhalt der rund zwanzig Jahre alten Flutlichtmasten des Stahlstadions. FOTO: VOLKMAR MALOSZYK
Flüchtlinge, Flutlicht und neues
Ziel: Zehn Prozent Arbeitslose
Brandenburg/H. – Seit heute früh
um 3.30 Uhr sind die Straßenbahn- und Busfahrer der Verkehrsbetriebe Brandenburg (VBBr) befristet bis nachmittags gegen
15 Uhr im Ausstand. Daher fahren
keine Straßenbahnen und Busse
des städtischen Verkehrsunternehmens. Auch der Schülerverkehr ist
davon betroffen.
Die Gewerkschaft Verdi informierte gestern Abend über den
Warnstreik in der Stadt Brandenburg. Verkehrsbetriebechef Werner Jumpertz hatte die Fahrgäste
schon in den Vortagen darauf eingestimmt, dass es zu diesem Warnstreik kommen könnte. Betroffen
sind alle Linien.
Die Gewerkschaft will mit der
Aktion Druck auf die Arbeitgeber
in den laufenden Tarifverhandlungen machen. Verdi-Verhandlungsführer Marco Pavlik benennt als
Hauptforderung, dass bei einer
Laufzeit von zwölf Monaten alle
Entgelte in den Unternehmen des
Tarifgebiets um 120 Euro brutto erhöht werden. Diese Forderung sei
angemessen, weil viele Bus- und
Straßenbahnfahrer ohne die Zuschläge für Wochenend- und Feiertagsdienste nur 1808 Euro brutto
verdienten.
Der letzte Warnstreik bei den
Verkehrsbetrieben liegt zwei
Jahre zurück. Seinerzeit hatten
sich die Tarifpartner schon wenige
Tage später drauf einen Abschluss
verständigt.
jl
Draußen vor der Stadtverordnetensitzung fordern Bürger den Erhalt der Masten im Stahlstadion
Von Jürgen Lauterbach
Brandenburg/H. – Unter zehn Prozent sieht Oberbürgermeisterin
Dietlind Tiemann (CDU) die Arbeitslosenquote in der Stadt Brandenburg bis zum Jahr 2020. Im Jahresdurchschnitt 2014 hatte die
Quote bei 12,9 Prozent gelegen.
Die weitere Senkung in fünf Jahren soll mit Hilfe eines Aktionsplanes gelingen, „der eine Vielzahl
einzelner Aktivitäten bündelt und
abrechenbare Maßnahmen enthält“, sagte sie gestern in der Stadtverordnetenversammlung (SVV).
Mit der Chefin der Arbeitsagentur Potsdam Ramona Schröder
habe sie sich auf den „Aktionsplan“ verständigt, im März sollen
ihn die Stadtverordneten erhalten.
Die Arbeitsagentur sei bereit, die
klare Zielmarke von zehn Prozent
fürs Jahr 2020 zu setzen.
Im Mittelpunkt der Eingangsrede
von Dietlind Tiemann (CDU)
stand das Flüchtlingsthema. Die
Oberbürgermeisterin
kündigte
an, dass in diesem Jahr mit etwa
220 neuen Asylbewerbern zu rechnen sei, also etwa 40 mehr als im
vergangenen Jahr. Allerdings
habe die Stadt im 2014 ihr Aufnahmesoll um 63 Personen verfehlt.
Die Stadtchefin sprach von einer
angespannten Situation, rechnet
aber mit einer Verbesserung,
wenn das Obergeschoss des
Flüchtlingsheims Flämingstraße
bis Ende Mai saniert ist. Im Juni
sollen die neuen Unterkünfte in
der Fohrder Landstraße 11 (105
Plätze) und am Neuendorfer Sand
33 (80 Plätze) fertiggestellt sein.
Der Sozialbeigeordnete Wolfgang
Erlebach (Linke) meldete allerdings Zweifel an, dass das im Falle
den Neuendorfer Sands gelingt.
Ehrenmedaille
Einstimmig haben die Stadtverordneten gestern beschlossen, dass die
beiden Wassersportler und führenden
Kanu- beziehungsweise Ruder-Funktionäre Michael Kenzler und Hartmut
Duif die Ehrenmedaille der Stadt
Brandenburg verliehen bekommen für
ihre außerordentlichenVerdienste, die
Stadt zu präsentieren.
Kritisch bewertet die Oberbürgermeisterin das Vorgehen des Landes, das das erfolgreiche Verfahren „Zuweisung nach Freimeldung“ verlassen habe. Nun werde
das Land der Kommune Flüchtlinge direkt und ohne Vorabfragen zuweisen. Die Stadt wisse
dann also nicht mehr, ob Familien,
alleinerziehende Frauen oder al-
leinstehende (junge) Männer kommen. In dieser und den folgenden
Wochen seien 21 Flüchtlinge angekündigt. Schon an diesem Freitag
kämen zehn weitere fremde Menschen in die Stadt.
Während im Rathaus die Stadtverordneten tagten, versammelten sich auf dem Altstadt-Markt 50
bis 60 meist junge Menschen und
forderten bei Cupcakes und Pflaumenkuchen: „Rettet die Flutlichtmasten des Stahlstadions.“ Die
Stadtverwaltung hält die Masten
für so marode, dass sie sie abreißen will. Thomas Hilsewitz widerspricht. Die Anlage sei in Ordnung, die Stadt vernachlässige
nur die Pflege. Er äußerte sich enttäuscht von der „desinteressierten“ Oberbürgermeisterin, die es
sich sparen könne, ihn wegen seines ehrenamtlichen Engagements
im Sportverein zu ehren.
Kupferklau:
Einbrecher
erwischt
Brandenburg/H. – Nach einem Zeugenhinweis haben Polizisten am
Dienstagmorgen in der Wilhelmsdorfer Landstraße zwei Einbrecher gestellt. Die 27 und 36 Jahre
alten Brandenburger waren in ein
leer stehendes Gewerbeobjekt eingedrungen, um Buntmetall zu stehlen. Das Diebesgut hatten sie
schon zum Abtransport bereitgestellt, als die Polizei sie überraschte. Bei der Kripo räumten die
polizeibekannten Männer die Tat
ein. Der Jüngere kam wegen eines
offenen Haftbefehls in die JVA.
2 Jahre, 8 Monate Haft für Überfall auf 90-Jährige
Dreister Handtaschenräuber beleidigt die Richterin nach dem Urteilsspruch unflätig und erhält prompt die nächste Anzeige
Von Jürgen Lauterbach
Brandenburg/H. – Dass ein Angeklagter im Gerichtssaal Reue äußert und sich bei seinem Opfer entschuldigt, kommt häufig vor. Der
Brandenburger Toni N. (28), der
zwei Rentnerinnen überfallen hat,
ist aus anderem Holz geschnitzt.
Der sportliche junge Mann mit
dem hageren blassen Gesicht
gähnt, lacht verächtlich, ruft dazwischen und tut nichts, um seine
Richter gnädig zu stimmen.
Nach dem Urteilsspruch im
Amtsgericht Brandenburg– zwei
Jahre und acht Monate Gefängnis
– steigert er sein Verhalten, beschimpft Richterin Susanne Götsche mit einem Wort aus der untersten Schublade und empfiehlt
ihr, sich „lieber um Kinderficker
zu kümmern“. Doch dazu besteht
am Dienstag kein Grund. Denn
auf dem Zeugenplatz nimmt eine
kleine, schmächtige inzwischen
91 Jahre alte Brandenburgerin
Platz, die sichtbar Mühe hat mit
dem Gehen. Es handelt sich um
die Frau, die am 18. Januar, also
erst vor rund fünf Wochen, arglos
durch die Nikolaus-von-HalemStraße nach Hause gegangen war.
An diesem Sonntagmittag gefiel
es besagtem Toni N., sich die alte
Dame als Opfer auszusuchen, ihr
einen Schlag ins Genick zu versetzen und auf Beutejagd zu gehen.
Die Rentnerin stürzte zu Boden,
verletzte sich. Der Täter entriss ihr
noch schnell die Lederhandtasche
und verschwand dann mit dem
Mountainbike. Ein Zeitungsbote
war Zeuge und eilte der Frau zur
Hilfe, während der zweite Zeuge,
ein Hausmeister, in seinem T 5 die
Verfolgung aufnahm.
Der Räuber drehte sich auf derFlucht um, so dass sein Verfolger
ihn erkennen und bei der Polizei
beschreiben konnte. Weil er den
Hausmeister nicht abschütteln
konnte, ließ er die Tasche mit sämtlichen Inhalt fallen und entkam.
Sein Opfer hat mehr davon getragen als offene Knie und Schmer-
zen im Nacken, am Unterkiefer
und an der Nase. Nach der Behandlung im Krankenhaus ist die
Frau nun in der Kurzzeitpflege untergebracht. Alles deutet nach Darstellung von Angehörigen darauf
hin, dass sie in eine Pflegeheim ziehen muss, also nicht mehr zurückkehren kann in ihre eigene Wohnung, in der sie bisher ziemlich
selbstständig gelebt hatte.
Toni N. interessiert das alles
nicht oder er lässt sich nicht anmerken, dass ihn das etwas angeht. Er
bestreitet den Überfall, den sogar
sein Verteidiger in seinem Plädoyer später einräumen wird.
Der junge Arbeitslose, der keinen Beruf gelernt hat und wenig
soziale und familiäre Bindungen
hat, streitet auch den zweiten,
am12. Oktober vollbrachten Handtaschenraub ab. Wieder ist eine
Rentnerin in Nord, 74 Jahre alt,
das Opfer. Doch der Täter führt die
Polizei selbst auf seine Spur. Er erbeutet nämlich außer 65 Euro Bargeld diesmal auch eine EC-Karte
und die PIN-Nummer. Gut 25 Minuten nach dem Überfall in der
Willi-Sänger-Straße steht er vor
dem Geldautomaten der Sparkasse in der Hauptstraße, wie die
gestochen scharfen Bilder der
Überwachungskamera zeigen. Er
plündert das Konto der Rentnerin,
hebt ihr letztes Geld ab: 135 Euro.
Die geschädigte Rentnerin geht
daher tags darauf zum „Weißen
Ring“, einer Hilfsorganisation für
Kriminalitätsopfer. Die hilft ihr aus
der finanziellen Patsche.
Toni N. sagt, er habe EC-Karte
und PIN-Nummer im Vorbeiradeln hinter einem Bauzaun zufällig gesehen, mit dem Raub habe er
nichts zu tun. Doch die Geschichte
glaubt ihm das Schöffengericht
einfach nicht. Auch der Umstand,
dass die Rentnerin ihn im Zeugenstand nicht mehr erkennt, hilft ihm
nicht. Kurz nach der Tat hatte sie
ihn auf Lichtbildern identifiziert.
Das Schöffengericht verurteilt
den Mann, den der Staatsanwalt
als „Möchtergern-Outlaw“ (Möch-
Der Angeklagte geht nach dem Urteil auf die Richterin zu, um sie im
nächsten Moment zu beleidigen.
tegern-Gesetzloser) bezeichnet,
zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von
zwei Jahren und acht Monaten
ohne Bewährung. Eine zusätzliche Anzeige erwartet ihn wegen
Beleidigung. Auch der Staatsanwalt hat gehört, wie er die Richterin gleich zweimal titulierte.
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