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Ärzte Zeitung, Ausgabe: 38, vom: 25.02.2015

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Praxis & Wirtschaft
Mittwoch, 25. Februar 2015 Nr. 21-38D
TOP-THEMA » JUNGE ÄRZTE
Die „LandArztMacher“ aus Bayern
tersuchen und behandeln. Parallel dazu bekamen sie beispielsweise EKGund Ultraschall-Kurse und Fortbildungen in HNO-ärztlicher Untersuchung. Die Universität Erlangen evaluiert das Projekt.
„Wir wollen den Studenten helfen,
gute Ärzte zu werden, indem sie sich
erproben können“, sagt Blank. Das
soll auch dazu führen, dass die angehenden Mediziner Freude an der Arbeit, am Arztsein haben. „Während
des Studiums verlieren Studenten oft
den Spaß am Medizinersein. Das liegt
daran, dass die Unis sehr spezialisiert
sind. Die Studenten lernen nur einen
Bruchteil dessen kennen, was das
Arztsein ausmacht“, so der Hausarzt
aus Kirchberg im Wald.
Vier Ärzte aus Niederbayern
zeigen Medizinstudenten,
wie viel Spaß sie am
Arztleben jenseits der
Großstadt haben können.
Mittelbar hoffen sie dabei
auch, dass der ein oder
andere Student den Weg in
die Niederlassung auf dem
Land findet.
VON JULIA FRISCH
REGEN. Am Fuße des Großen Arbers,
dem höchsten Berg im Bayerischen
Wald, arbeiten und leben die vier engagierten Ärzte, die vor eineinhalb
Jahren das Projekt „Exzellent“ ins Leben riefen. Die „LandArztMacher“,
wie sie sich selbst nennen, sind ein gemischtes Team aus zwei Niedergelassenen und zwei Klinikern. Sie leben
die enge Verzahnung zwischen ambulant und stationär vor, die sie auch ihren jungen Kollegen vermitteln
möchten: Dr. Jana Riedl, Internistin
und leitende Oberärztin am Kreiskrankenhaus Viechtach, Dr. Martin
Kammerl, Hausarzt und Nephrologe
in Zwiesel, Dr. Wolfgang Blank, Hausarzt in Kirchberg im Wald, sowie der
Orthopäde und Unfallchirurg Dr.
Martin Müller, Oberarzt am Kreiskrankenhaus in Zwiesel.
Praxiserfahrung und Land(er)leben
Die Idee des Quartetts: Sie bieten Medizinstudenten ein vierwöchiges Praktikum im Landkreis Regen an. Dabei
Die Nachfrage ist groß
Reale Behandlungssituation: Dr. Jana Riedl (Mitte) unterstützt die Studenten bei der Sonografie. © PRIVAT
sollen die angehenden Mediziner sich
fortbilden und sowohl in Praxen als
auch in Kliniken Erfahrungen sammeln, „sich ausprobieren“, wie Dr.
Wolfgang Blank sagt. Daneben lernen
die Studenten, die dank Unterstützung
durch den Landkreis, durch Firmen
und Krankenkassen freie Kost und Logis genießen, bei Ausflügen und verschiedenen Unternehmungen auch die
Arberregion kennen. „Im ersten
Schritt zeigen wir, wie toll das Arztsein
in der Niederlassung ist. Im zweiten
Schritt lernen die Studenten, dass die
Hausärzte sind ganz
bestimmt keine Mediziner
„zweiter Klasse“
Johannes Gorkotte hat im
Praktikum auf dem Land
nicht nur viel gelernt, sondern auch Vorurteile abgebaut. Und ein positives Bild
vom Landarzt erhalten.
ÄRZTE ZEITUNG:Was hat Ihnen das
Praktikum an Erfahrungen und
Kenntnissen gebracht?
JOHANNES GORKOTTE: Im Peer-Teaching haben wir uns Theorie und anschließend Praxis näher gebracht. Für
mich ist dieses Konzept zum Beispiel
ideal beim Ultraschall aufgegangen.
Die Organisatoren haben dafür Leihgeräte beschafft. So konnten wir uns
gegenseitig unter Anleitung schallen.
Diese Fähigkeiten konnte ich auch in
der Praxis nutzen und durfte viele Patienten vorab schallen. In der Praxis
selbst konnte ich die Anamneseerhebung sehr gut lernen. Besonders eindrucksvoll waren aber auch die Hausbesuche und das Verhältnis der Patienten zum Arzt auf dem Land.
Während des Studiums möchte
man häufig den Eindruck gewinnen,
dass Hausärzte Mediziner zweiter
Klasse und reine „Überweiser“ sind.
Diesen Punkt konnte die Famulatur
ganz klar widerlegen. Der Hausarzt
besitzt für viele Patienten die Rolle
des ersten Ansprechpartners und ist
eine Vertrauensperson in allen (nicht
nur) medizinischen Belangen. Damit
steht der Hausarzt in der ultimativen
Verantwortung gegenüber dem Patienten. Ein weiteres Vorurteil, dass der
Hausarzt als Einzelkämpfer rund um
die Uhr verfügbar sein muss, wurde
am Beispiel der Praxis von Dr. Blank
ebenfalls widerlegt. Für mich ist die
Gemeinschaftspraxis die moderne
Praxisform. Der Draht zur zweiten
Meinung ist hier besonders kurz. Die
Dienste lassen sich je nach Praxisgröße auch sehr flexibel einteilen.
War es für Sie das erste Mal, dass Sie
Patienten „richtig“ behandeln durften?
Ich fahre ehrenamtlich Rettungsdienst
und hatte so auch schon früher Patientenkontakt. Neu war für mich allerdings, Patienten so langfristig zu behandeln. Viele Elemente habe ich in der
Hausarztpraxis zum ersten Mal erlebt:
zum Beispiel die Überwachung und
Einstellung der Gerinnungshemmung.
Wie war es, so viel Verantwortung
übernehmen zu dürfen?
Es war nicht so, dass fahrlässig Patienten von den Studenten behandelt
wurden. Wir bildeten eher die Vorhut
der Ärzte und konnten dann unsere
Entscheidungsvorschläge den Ärzten
präsentieren und gegebenenfalls umsetzen. Jede Zustimmung hat dort natürlich sehr gut getan. ( juk)
Johannes Gorkotte, 22 Jahre, hat das
7. Semester an der TU München (Klinikum
Rechts der Isar) abgeschlossen und ist im
zweiten klinischen Jahr.
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Das Konzept
Die Studenten dürfen den Ärzten
in den zwei Kreiskrankenhäusern
und Hausarztpraxen nicht nur über
die Schulter schauen, sondern
auch selbst Patienten behandeln.
Parallel erhalten sie Fortbildungen,
etwa Ultraschall-Kurse, und erkunden in Ausflügen die Region.
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Besonders
eindrucksvoll
waren die
Hausbesuche und
das Verhältnis der
Patienten zum Arzt
auf dem Land.
Johannes Gorkotte
Medizinstudent und Teilnehmer des
Projekts „Exzellent“
Durch das ExzellentProjekt wurde mir
die Möglichkeit
gegeben, das theoretische Wissen aus
unzähligen Vorlesungen in die Praxis
umzusetzen.
Konstantin Lieb
Medizinstudent und Teilnehmer des
Projekts „Exzellent“
Region hier eine Option fürs spätere
Berufsleben sein könnte“, sagt Blank.
Er selbst findet, dass es „rattenscharf“
ist, auf dem Land zu arbeiten.
Ein „exzellenter Sommer“
Unter dem Namen „exzellenter Sommer“ fand im vergangenen August das
erste Praktikum statt. 16 Studenten
aus ganz Deutschland durften in den
zwei Kreiskrankenhäusern in Viechtach und Zwiesel und in Hausarztpraxen Ärzten nicht nur über die Schulter schauen, sondern auch selbst un-
Im Frühjahr bieten die „LandArztMacher“ wieder ein vierwöchiges Praktikum an, die Plätze für den „exzellenten Winter“ waren sofort weg. „Das
hat sich unter den Studenten schnell
herumgesprochen“, so Blank. Dass die
vier Ärzte in Niederbayern gute Arbeit leisten, wird auch in München inzwischen gesehen. In der Kategorie
„Ambulante Versorgung“ bekamen
die Mediziner Ende vergangenen Jahres den Bayerischen Gesundheitspreis der KV Bayerns. Das Preisgeld
von 4000 Euro fließt natürlich in die
„Exzellent“-Projekte.
Acht Studenten finden es nach den
vier Wochen Sommer-Praktikum in
der Arberregion vorstellbar, später
auf dem Land zu arbeiten. Für Dr.
Wolfgang Blank kommt nichts anderes infrage, als Hausarzt zu sein: „Das
heißt, Verantwortung zu übernehmen
und Arztsein auszuleben.“
Raus aufs Land?
Das ist auf jeden Fall
vorstellbar
Für Konstantin Lieb war es
eine wichtige Erfahrung,
dass er während des Exzellent-Praktikums Verantwortung übernehmen konnte.
Aber auch, dass er ernst
genommen wurde.
ÄRZTE ZEITUNG: Was hat Ihnen das
Praktikum an Erfahrungen und
Kenntnissen gebracht?
KONSTANTIN LIEB: Durch das Praktikum habe ich viele Facetten des späteren Arztberufes kennengelernt. Ich
durfte selbstständig Patienten untersuchen und Vorschläge zu Diagnose
und auch Behandlung anbringen. Die
Möglichkeit, den weiteren Weg der
Patienten – aus der Praxis in die Klinik und wieder zurück – zu verfolgen,
war sehr interessant. Durch die PeerTeaching-Programme hatte ich zudem die tolle Möglichkeit, Wissen mit
anderen Projektteilnehmern zu teilen
und auch von ihnen sehr viel zu lernen.
War es für Sie das erste Mal, dass
Sie Patienten „richtig“ behandeln
durften?
Ich habe bereits eine Famulatur in der
Chirurgie absolviert, während der ich
zwar bei Operationen assistieren, jedoch nur sehr wenig Verantwortung
übernehmen durfte. Durch das Exzel-
lent-Projekt wurde mir die Möglichkeit gegeben, das theoretische Wissen
aus unzähligen Vorlesungen in die
Praxis umzusetzen.
Wie war es, so viel Verantwortung
übernehmen zu dürfen?
In den ersten Tagen war es ungewohnt, dass eine seit vielen Jahren
praktizierende Hausärztin, meine
Ideen, Fragen und Vorschläge allesamt offen aufnahm und meine Meinung auch zählen ließ. In vielen Praktika oder Vorlesungen hatte ich zuvor
nicht den Eindruck bekommen, dass
eine studentische Meinung besonders
hoch gewertet wird.
Können Sie sich vorstellen, später auf
dem Land zu arbeiten, dazu vielleicht
noch in einer Hausarztpraxis?
Ich kann es mir auf alle Fälle vorstellen, später auf dem Land zu arbeiten.
Und ich kann jeden verstehen, der
später als Hausarzt praktizieren
möchte.
Aus persönlichen Gründen zieht es
mich momentan weniger in die
Selbstständigkeit. Ich strebe eher eine
Karriere an einer Klinik an, die aber
sehr gerne auf dem Land sein darf. Ob
ich mich nach meiner Assistenzzeit in
der Klinik später vielleicht doch für
die Selbstständigkeit entscheide,
bleibt allerdings offen. ( juk)
Konstantin Lieb, 22 Jahre , ist ab dem
Sommersemester im 7. Fachsemester an der
Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen.
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