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Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (01.03.2015)

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NR. 9 R
D3499C
HER A U S GEGEB EN VON W ER NER D’ INK A , JÜ RGEN KAUBE, B ER T H O LD KO H LER , H O LG ER ST ELT ZN ER
1.3.2015
Tinder
Zentralbanken
Vorbild für Europa
Extrem-Skifahrer
Revolution in
der Partnersuche
Die Vierte
Gewalt
Bismarck und
seine Griechen
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am Limit
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Krankheiten, Kriege,
Katastrophen: Die schöne
heile Welt wird immer
kleiner. Trotzdem bleiben
wir nicht daheim. Ein
Reise-Spezial über Urlaub
in gefährlichen Zeiten.
Erwachsene sollen
sich impfen lassen
Masern: Eltern bis Mitte vierzig gefährden Kinder
VO N U TA R A S C H E
Angesichts der grassierenden Maserninfektionen ruft das RobertKoch-Institut dazu auf, dass sich Jugendliche und Erwachsene bis Mitte vierzig impfen lassen. Denn die
besonders gefährdeten Säuglinge
und Kleinkinder sind nur dann geschützt, wenn kein Mensch in ihrer Umgebung die Krankheit übertragen kann. Mediziner nennen
das „Herdenschutz“. In Berlin sind
seit dem Ausbruch der Masern im
Oktober 652 Menschen erkrankt.
Ein nicht geimpftes Kleinkind
starb. Für die aktuelle Verbreitung
der Masern sind nicht die vier bis
fünf Prozent Impfgegner in der Bevölkerung das größte Problem, sondern ungeimpfte Erwachsene.
Der Grund: Erst Anfang der
siebziger Jahre wurde die Impfung
gegen Masern, Mumps und Röteln Standard. Doch nahm daran
anfangs nur eine Minderheit teil –
mit dem Ergebnis, dass unter den
heute Vierzigjährigen nur ein Viertel Impfschutz genießt, bei den
Dreißigjährigen weniger als die
Hälfte. In den jüngeren Jahrgängen wird der Impfschutz immer
besser. Heute wird die erste Masernimpfung für Kinder im Alter
von elf bis 14 Monaten empfohlen,
die zweite für Kinder im Alter von
15 bis 23 Monaten. Erst danach
sind mit Sicherheit genug Antikörper entstanden. Die zweite Masernimpfung wurde erst seit der
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Jahrtausendwende kinderärztliche
Routine.
Bei den Erwachsenen, die vor
1970 geboren sind, geht man davon aus, dass sie immun sind.
Denn bis zur Einführung der Standardimpfung bekam fast jedes
Kind die Masern. „Wer nach 1970
geboren ist und nur einmal
geimpft wurde, seinen Impfpass
nicht mehr findet oder nicht weiß,
ob er die Masern hatte, sollte sich
impfen lassen“, empfiehlt das Robert-Koch-Institut. „Eine überzählige Impfung schadet nicht.“
Nicht impfen lassen sollten sich
Schwangere oder Patienten, deren
Immunsystem geschwächt ist –
etwa durch eine Erkältung oder
eine Chemotherapie. Zu harmlosen Reaktionen auf die Impfung
kann es auch bei Gesunden kommen. Typische Beschwerden sind
die Rötung oder Schwellung der
Einstichstelle. Auch Fieber, Kopfund Gliederschmerzen sind möglich. Diese Symptome klingen
nach wenigen Tagen ab.
Unter Impfgegnern hält sich
hartnäckig das Gerücht, dass eine
Masernimpfung Autismus verursachen könne. Es geht zurück auf einen Aufsatz, den der britische Arzt
Andrew Wakefield 1998 in der
Fachzeitschrift „The Lancet“ veröffentlichte. In der Folge fielen die
Impfraten in Großbritannien. 2004
wurde bekannt, dass Anwälte von
Eltern autistischer Kinder dem
Arzt 55 000 Pfund gezahlt hatten.
Denn sie brauchten Argumente,
um die Hersteller des Impfstoffes
zu verklagen. Im Jahr 2010 entschied die britische Ärztekammer,
dass Wakefield „unethische Forschungsmethoden“ angewandt hatte. Er erhielt ein Berufsverbot.
Eine seriöse Untersuchung der
Impfrisiken stammt vom Paul-Ehrlich-Institut, das Medikamente
und Impfstoffe prüft. Weniger als
ein Prozent der Kinder bekamen
nach der Impfung Husten. Weni-
ger als zwei Prozent mussten sich
erbrechen. Weniger als drei Prozent bekamen Ausschlag. Bei diesen Beschwerden konnte nicht klar
bewiesen werden, dass die Impfung tatsächlich der Grund war.
Zehn Prozent der Kinder fieberten. Angesichts der „schweren und
häufigen Komplikationen, die mit
einer Maserninfektion einhergehen, ergibt sich eine uneingeschränkt positive Nutzen-RisikoBewertung des Masernimpfstoffs“,
schreiben die Forscher. Sie fanden
keine einzige Komplikation mit Todesfolge, die sich einer Masernimpfung eindeutig zuordnen ließe,
und keinen Zusammenhang mit anderen schweren Erkrankungen, die
von Impfgegnern der Masernimpfung angelastet werden.
Die Risiken einer echten Maserninfektion sind im Gegensatz
zur Impfung hoch: Einer von 1000
Erkrankten stirbt. Folgen von Masern sind Lungenentzündungen,
Mittelohrentzündungen und Gehirnentzündungen. Besonders gefürchtet ist die chronische Maserngehirnentzündung. Sie tritt mit
zum Teil jahrelanger Verzögerung
bei Kindern auf, die im jungen Alter Masern hatten. Sie geht mit Gedächtnisverlust, epileptischen Anfällen und Muskelkrämpfen einher
und führt unweigerlich zum Tod.
Schon im Jahr 2012 hat die Bundeszentrale für gesundheitliche
Aufklärung daher die Kampagne
„Deutschland sucht den Impfpass“
gestartet. Sie umfasst Plakate, Postkarten sowie Kino-, Fernseh- und
Radiospots. Zwei Millionen Euro
im Jahr stehen dafür zur Verfügung. Zum Vergleich: Das Internetmodehaus „Zalando“ hatte bei
seinem Markteintritt knapp acht
Millionen Euro allein für Fernsehwerbung zur Verfügung – pro Monat. Fernsehspots darf die Bundeszentrale allerdings nicht gegen Bezahlung schalten – denn jede Bundesbehörde muss die Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen und
privaten Sender achten.
„Wir sind darauf angewiesen,
dass die Sender unsere Spots unentgeltlich zeigen“, heißt es aus
der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Bisher haben
das nur Privatradios getan, Fernsehsender nicht. In der vergangenen Woche hat die Bundeszentrale ihre Spots abermals verschickt,
weil sie hofft, dass die Sender nun
anders entscheiden. Der gesundheitspolitische
Sprecher
der
CDU-Fraktion im Bundestag,
Jens Spahn, fordert die öffentlichrechtlichen Sender dazu auf:
„Eine breit angelegte Kampagne
für das Impfen sollte auch im Fernsehen stattfinden. Da müssen die
öffentlich-rechtlichen Sender ihren Auftrag erfüllen.“
Eigentlich war es das Ziel der
Weltgesundheitsorganisation, die
Masern bis 2015 in Europa auszurotten. Sie erachtet eine Impfquote
von 95 Prozent in der Bevölkerung
für nötig, um die Krankheit zu besiegen. Deutschland erreicht diese
Quote nur bei Kindern: Bei den
Schuleingangsuntersuchungen 2011
zeigte sich, dass 97 Prozent der
Kinder zumindest einmal gegen
Masern geimpft waren. 92 Prozent
hatten auch die zweite Impfung
hinter sich. „Eltern müssen jetzt
noch sorgfältiger die zweite Impfung wahrnehmen“, mahnt das Robert-Koch-Institut. Wissenschaft
Illustration Kat Menschik
Wohin
kann man
noch
reisen?
Angriff auf Kulturerbe
Wollen die Islamisten eine Bodenoffensive erzwingen?
mwe. Berlin. Die Zerstörung von
Kulturschätzen im Nordirak ist
Teil einer gezielten Strategie der
Provokation des „Islamischen
Staats“. So sehen es Sicherheitsfachleute und Islamwissenschaftler,
mit denen die F.A.S. gesprochen
hat. Ziel des IS ist es demnach,
den Westen zu weiteren Militärschlägen und zu einer Offensive
mit Bodentruppen zu bewegen.
„Durch die Vernichtung der Kulturgüter will der IS erreichen, dass
ausländische Truppen am Boden
im Irak kämpfen“, sagt Bernd Köpfer vom baden-württembergischen
Verfassungsschutz. Auch grausame
Tötungen wie zuletzt die Enthauptung koptischer Christen dienten
dazu, solche Reaktionen zu provozieren. Der IS wolle im Irak eine
Endschlacht gegen die „Römer“
schlagen, wie die Christen in der
IS-Propaganda immer wieder genannt werden. So hofften die Terroristen, weitere Anhänger rekrutieren zu können.
Am Donnerstag hatte der IS ein
Internetvideo veröffentlicht, das
die Zerstörung von Statuen aus
der Antike im Museum von Mossul und in einer Grabungsstätte in
Ninive im Irak zeigt. Kämpfer des
IS warfen Standbilder um und zertrümmerten sie mit großen Hämmern und Bohrmaschinen. Zerstört wurde auch die assyrische Fi-
gur eines Türhüters, die mehr als
2600 Jahre alt ist. Ein IS-Sprecher
sagte, der Prophet Mohammed
habe seinerzeit dazu aufgefordert.
Die Vernichtung der Kulturgüter ist aber nicht allein dem fundamentalistischen Islam-Verständnis
des IS geschuldet, nach dem es keine von Menschen geschaffenen „falschen Götzen“ geben darf. Der IS
betreibt seit Monaten eine mediale
Schock-Kampagne, um weltweit
Aufmerksamkeit zu erringen. „Dabei geht es ihm auch darum, in einem Wettkampf mit Al Qaida
Punkte dafür zu sammeln, wer die
legitime Führungsmacht im Dschihad ist“, sagt der Hamburger Islamwissenschaftler Stephan Rosiny.
Rosiny glaubt, dass die Zerstörung der Kulturschätze einen raschen Angriff der irakischen Truppen auf Mossul provozieren soll.
Die Vereinigten Staaten haben
eine Offensive für die kommenden
Monate angekündigt, um die zweitgrößte Stadt des Iraks zurückzuerobern. Dabei sollen 25 000 Kämpfer der irakischen Armee eingesetzt werden, von denen ein Teil gerade ausgebildet wird. Der IS, der
mutmaßlich bis zu 2000 Kämpfer
in Mossul hat, baut die Stadt deshalb seit Wochen zu einer Trutzburg aus, mit Bunkern, Gräben
und Sprengfallen. Gegenwärtig
könnte der IS seinen Gegnern
noch größere Verluste in Mossul
zufügen als in einigen Monaten,
wenn die Truppen stehen. Nach
der Niederlage von Kobane in
Nordsyrien müsse der IS den Mythos einer erfolgreichen Entscheidungsschlacht wiederbeleben, um
neue Kämpfer zu mobilisieren, so
Rosiny.
Auch nach Ansicht des Direktors des Vorderasiatischen Museums in Berlin, Markus Hilgert, ist
die Zerstörung der Kulturgüter
Teil einer Strategie. Das Museum
von Mossul sei schon seit Monaten
von IS-Kämpfern besetzt gewesen,
doch zerstört worden sei es erst
jetzt. Offenbar wolle der IS gerade
jetzt den Westen provozieren. „Er
zeigt damit, dass er den Umgang
des Westens mit dem weltweiten
Kulturerbe und unsere kulturellen
Maßstäbe verachtet“, sagt Hilgert.
Die Zerstörung der Kulturgüter
sei auch ein Angriff auf das vorislamische Kulturerbe des Iraks. „Dieses Erbe könnte eine wichtige Rolle spielen, um den Irak zu einigen“, so Hilgert. Das Land ist gespalten in Konfessionen, Ethnien
und nach Stammeszugehörigkeit.
Das mesopotamische Erbe steht
historisch in Konkurrenz zum Kalifat, das der IS wiedererrichten will.
Die Vernichtung der archäologischen Kulturschätze, insbesondere
der antiken Stätte Ninive, sei „eine
Katastrophe“, so Hilgert.
Terrorwarnung Trauermarsch für Nemzow
in Bremen
Gedenken an ermordeten Putin-Gegner
F.A.S. Frankfurt. Die Bremer
Polizei hat am Samstag nach einer
Warnung vor gewaltbereiten Islamisten mehrere Personen festgesetzt. Dieses Vorgehen werde angewendet, wenn Gefahr drohe,
teilte die Polizei mit. Außerdem
habe es eine vorläufige Festnahme
gegeben. Den ganzen Tag über
war die Polizei im Bremer Stadtgebiet mit verstärkten Kräften im
Einsatz. Rund um die Bürgerschaft, das Rathaus und den Dom
waren Polizeibusse zu sehen.
Auch eine Synagoge erhielt zusätzlichen Schutz.
frs. Moskau. An diesem Sonntag
wollen Zehntausende in Moskau
des ermordeten Oppositionspolitikers Boris Nemzow gedenken. Die
Verwaltung genehmigte einen
Trauermarsch mit bis zu 50 000
Teilnehmern. Nemzow war in der
Nacht auf Samstag von Unbekannten erschossen worden, als er eine
Brücke in Moskau überquerte. Aus
Ermittlerkreisen hieß es, die Anzeichen sprächen für eine Tat „rechtsextremer Radikaler“. Nemzow, einer der prononciertesten Gegner
von Wladimir Putin, hatte noch
am Freitag für die Teilnahme an ei-
Hingucker
Auf Reisen
Ich bin nicht sexy
Politikerinnen zeigen ihre
Reize. Reagieren Männer
darauf, kriegen sie Ärger. Politik
Wie der Schriftsteller
Martin Mosebach sich seine Welt
erschafft. Rhein-Main
Wie Colin Firth mit
seinem Image als Traummann
umgeht. Leben
nem „Antikrisenmarsch“ an diesem Sonntag geworben, der sich
gegen die Wirtschaftskrise und
den Krieg in der Ukraine wenden
sollte. Die Mitorganisatoren sagten den Marsch nun ab. Putin
sprach der Mutter Nemzows in einem Telegramm sein Beileid aus.
Er versprach, „Organisatoren und
Ausführende“ des Verbrechens
würden bestraft. Botschafter mehrerer EU-Staaten besuchten den
Tatort. „Dieser hinterhältige und
kaltblütige Mord schadet Russland“, sagte der deutsche Botschafter Rüdiger von Fritsch.
Politik
Belgien 4,10 €; Griechenland 4,60 €; Luxemburg 4,10 €;
Niederlande 4,10 €; Österreich 4,10 € ; Frankreich 4,60 €; Italien
4,60 €, Portugal (Cont.) 4,60 €; Schweiz 5,30 sfrs; Spanien,
Balearen und Kanaren 4,60 €; Ungarn 1060 Ft
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