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Limmattaler Zeitung, vom: Donnerstag, 26

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LIMMATTAL 3
LIMMATTALER ZEITUNG
DONNERSTAG, 26. FEBRUAR 2015
FORTSETZUNG VON SEITE 1
nachhaltig. Auf der zweiten OccasionsBrache auf dem Färbiareal, die 2003 geschlossen und später mit einer Wohnsiedlung überbaut worden ist, hatten
sich Drogenhändler die Unübersichtlichkeit der Standplätze zunutze gemacht, um ihre Geschäfte abzuwickeln.
1998 kam es im «Autohandels-Zentrum»
zu einer Schiesserei, die einen Toten
und zwei Schwerverletzte forderte. Und
zuletzt brannte es dort im Jahr 2013
gleich zweimal innert dreier Wochen.
Bereits im Jahr 2000 versuchten Stadt
und Gemeinderat, wegen solcher Vorkommnisse den Occasionshandel über
Einschränkungen in der Bauordnung zu
verdrängen, sie scheiterten schliesslich
aber an der Gewerbefreiheit. Nun erledigt also der Immobilienmarkt, was gesetzlich nicht möglich war.
Von den Behörden gegängelt
An den Kampf der Stadt kann sich Kurt
Brunner erinnern. Er ist seit mehr als
sechs Jahren Inhaber der Araco AG und
Hauptmieter der Badenerstrasse 90. Die
Firma führte vor seiner Übernahme 19
Jahre lang sein Schwiegervater. Man habe
zwar mit den Behörden immer gute Kontakte gepflegt, sagt Brunner, während er
auf dem Vorplatz seines Büro-Containers
steht und an einem Zigarillo zieht. Dennoch seien er und seine Untermieter von
den Ämtern gegängelt worden. «Wir
mussten etwa aus unerfindlichen Gründen mehrfach die Kabelführungen für
unsere oberirdisch verlaufende Stromversorgung auswechseln», erinnert er
sich. Für ihn sei es nicht dramatisch, dass
das Areal nun geschlossen werde, sagt
der 62-Jährige, aber für viele der jüngeren Händler schon: «Das hier ist derzeit
der bekannteste Occasions-Verkauf der
Schweiz. Man findet heute keine solchen
Handelsflächen mehr», so Brunner.
Zu den Leidtragenden gehört etwa der
junge Libanese M. C. (Name der Redaktion bekannt). Seit vier Jahren verkauft er
auf dem Areal Gebrauchtwagen an Exporteure: Diese kaufen auf Internetplattformen meist gleich mehrere Autos von
verschiedenen Händlern auf dem Areal
und holen diese selbst vor Ort ab. Anschliessend werden sie nach Osteuropa
oder über Belgien per Frachtschiff nach
Nordafrika verfrachtet. Weil sich so viele
Händler am Platz befinden, müssen ihre
Kunden nur einen Ort anfahren, um
gleich mehrere gekaufte Wagen aufzula-
Wo einst Hunderte von Auto-Occasionen standen, steht heute eine grosse Wohnsiedlung – das Färbi-Areal um die Jahrtausendwende.
den. Das sei ein wirtschaftlicher Vorteil
gegenüber anderen Verkäufern, sagt der
30-Jährige: «Wenn wir hier wegmüssen,
sind die meisten von uns gezwungen, unser Geschäft aufzugeben.»
Es ist nicht alles Schrott ...
Weniger skeptisch blickt Samir Saracevic in die Zukunft. Der 50-Jährige wohnt
in Oerlikon und handelt auf dem Areal in
Schlieren bereits seit 1999 mit Occasionen deutscher Marken – «aber nicht für
das Ausland», wie er betont. Niemand
auf «dem Platz», wie der Bosnier das Areal liebevoll nennt, ist länger Untermieter
der Araco AG als er. Als sich vor zwei Jahren abgezeichnete, dass die Ära des Gebrauchtwagenverkaufs in Schlieren zu
Ende geht, hat sich der gebürtige Bosnier
nach Alternativen umgeschaut. Bald wird
er nun in Unterengstringen auf dem Gelände eines befreundeten Autohändlers
jeweils 20 bis 25 Autos feilbieten. Damit
ist er glücklich: Die Arbeitsumstände hätten sich stark zum Schlechten entwickelt,
nachdem Brunner die Nachfolge seines
Schwiegervaters als Vermieter angetreten
habe, sagt Saracevic. «Früher waren wir
etwa ein Dutzend Verkaufsfirmen. Fast
alle boten hochwertige Occasionen für
den Schweizer Markt an. Das Geschäft
lief gut.» Noch heute sei zwar nicht alles
Schrott, was hier in der Februarsonne
glänze. In den letzten Jahren hätten sich
aber viele neue Händler angesiedelt, die
Autos in schlechterem Zustand für den
Export anbieten. «Das wirkt sich automatisch negativ auf den ganzen Verkaufsstandort aus.»
Auch wenn ihm die Veränderungen
in der jüngsten Vergangenheit zu schaffen machen: Wenn Saracevic an seine
Anfänge als Occasionshändler zurückdenkt, gerät er ins Schwärmen. Er erzählt von Kundenkolonnen, die sich
Beim Mehrwert der Einheitsgemeinde
gehen die Meinungen auseinander
Urdorf Mit dem Gossauer Gemeindepräsidenten Jörg Kündig und seinem Oberengstringer Amtskollegen André Bender äussern
sich ein Befürworter und ein Kritiker an einer Podiumsdiskussion – die Konstellation ist speziell
VON SANDRO ZIMMERLI
Es ist lange her, dass in Urdorf ein Thema
so kontrovers wie die Einheitsgemeinde
diskutiert wurde. Dabei befinden die
Stimmberechtigten am 8. März noch gar
nicht darüber, ob sich die politische Gemeinde und die Schulgemeinde vereinigen
sollen. Es wird erst darüber entschieden,
ob eine Initiative, welche die Bildung einer
Einheitsgemeinde verlangt, für erheblich
erklärt wird.
Bei der Entscheidungsfindung helfen
sollte ein von der SVP, der FDP und der
CVP organisiertes Podium unter der Leitung von Jürg Krebs, Chefredaktor der
Limmattaler Zeitung. Dieses wartete mit
einer durchaus interessanten Konstellation auf. Zum einen war da Jörg Kündig
(FDP), Gemeindepräsident von Gossau,
Kantonsrat und Präsident des Gemeindepräsidentenverbands des Kantons Zürich.
Er ist ein Befürworter der Einheitsgemeinde. Trotzdem ist sie in Gossau noch
nicht realisiert, weil die Stimmberechtigten 2009 eine entsprechende Vorlage ablehnten. Zum anderen nahm André Bender (SVP), Gemeindepräsident von Oberengstringen, auf dem Podium Platz. In
seiner Gemeinde ist die Einheitsgemeinde
seit 2006 Realität. Dennoch ist er ihr gegenüber äusserst kritisch eingestellt.
«Es ist nicht so, dass ich die Einheitsgemeinde nicht mehr will», erklärte Bender.
Der Mehrwert bewege sich jedoch nicht in
dem Rahmen, der den Leuten im Vorfeld
der Abstimmung versprochen worden sei.
«Dass durch eine Einheitsgemeinde Synergien genutzt und damit Einsparungen gemacht werden könnten, stimmt in dieser
Art nicht», so Bender. Dies zeige sich beispielsweise im Beschaffungswesen. Dort
heisse es, man könne Geld sparen, da man
etwa das Putzmittel oder das Papier gemeinsam und in grösseren Mengen einkaufe. «In der Praxis zeigt sich dann aber,
dass der eine dieses Putzmittel bevorzugt
und der andere ein anderes», hielt er fest.
Wolle man tatsächlich Geld einsparen,
müssten politische Gemeinden oder
Schulgemeinden miteinander fusionieren.
Vom Problem der zwei Kulturen
In diesem Punkt pflichtete ihm Kündig
bei. «Die Einheitsgemeinde ist keine Sparvorlage», sagte er. Berechnungen in Gossau zeigten, dass jährlich 250 000 Franken
eingespart werden könnten. Das bei einem
Gesamtbudget von 50 Millionen Franken.
Heute sei es so, dass sich die Finanzvorstände der politischen Gemeinde und der
Schule zweimal jährlich treffen würden.
Am Schluss sei es aber so, dass jeder für
sich ein Budget erstelle. «In einer Einheitsgemeinde muss man gemeinsam die Finanzen optimieren. Das ist bereits ein
Mehrwert», so Kündig. Ihm sei wichtig,
dass die Gemeinde als Einheit auftreten
würde.
Kündig glaubt auch nicht daran, dass
die Schule in einer Einheitsgemeinde an
Autonomie verlieren werde, wie das viel-
«Im Gemeinderat gibt
es keine Aversion
gegen die Schule.»
Jörg Kündig Gemeindepräsident
Gossau
fach geäussert wird. «Die Bildung ist eines
der wichtigsten Güter. Im Gemeinderat
gibt es keine Aversion gegen die Schule.
Es wäre falsch, wenn ein Gemeinderat
sich vorwerfen lassen müsste, nicht an
der Schule interessiert zu sein», so
Kündig. Es sei kein unüberbrückbares
Problem, die zwei verschiedenen Kulturen zusammenzuführen, entgegnete er
seinem Gegenüber. Denn Bender verwies
auf die unterschiedlichen Arbeitsweisen
in den beiden Behörden. «Der Gemeinderat funktioniert wie ein Verwaltungsrat.
Er gibt die Richtung vor und die Verwaltung führt die Vorgaben aus», so Bender.
In der Schule hätten die Lehrer hingegen
ein sehr hohes Mitbestimmungsrecht. Zudem könne die Gefahr bestehen, dass im
Gemeinderat Leute vertreten seien, die
nie in der Schulpflege tätig waren und die
Schule dadurch nicht kennen würden.
Lehrern etwas bieten
«Will man Geld sparen,
müssen Schulgemeinden fusionieren.»
André Bender Gemeindepräsident
Oberengstringen
Zuletzt wurde auch das Thema Qualität
gestreift. Beide waren sich einig, dass man
den Lehrern eine gute Infrastruktur bieten
muss. Denn egal, ob sie in Oberengstringen, Gossau oder Urdorf arbeiten würden,
der Lohn sei derselbe, da er kantonal geregelt ist. Kündig zeigte sich überzeugt, dass
dies in einer Einheitsgemeinde genauso
gut möglich ist wie in einer autonomen
Schule. Er plädierte aber dafür, dass zuerst alle vorhandenen Ängste aus der Welt
geschafft werden müssten, bevor man sich
an das Projekt Einheitsgemeinde mache.
ZVG/ARCHIV
durch das Areal schlängelten, von Fussballspielen mit den Konkurrenten auf
dem Schlierenberg und nationenverbindenden Freundschaften, die in dieser Zeit entstanden sind. Heute wäre
dies alles nicht mehr möglich, ist er
sich sicher. Dennoch findet er es schade, dass das «Autohandels-Zentrum»
nun einer Wohnsiedlung weichen
muss: «Mit uns verschwindet auch ein
Teil des Lebens in dieser Stadt.»
Mehr Bilder finden Sie auf
www.limmattalerzeitung.ch
Limeco
Thomas di Lorenzo
wird neuer Leiter
Die Abwasserreinigungsanlage in Dietikon bekommt am 1. März einen neuen
Leiter. Der 42-jährige Thomas di Lorenzo tritt die Nachfolge von Christian Bühler an und nimmt in dieser Funktion
auch Einsitz in die Limeco-Geschäftsleitung. Der Betriebstechniker mit Nachdiplomstudium in Unternehmensführung
habe eine «Leidenschaft für den Umweltschutz» und wolle innovative Projekte verfolgen, teilt die Limeco mit. (AZ)
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