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7/2015 Liebe Leserin, lieber Leser! Ihre pro-Redaktion

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7/2015
Das pdf-Magazin des Christlichen Medienmagazins pro | www.pro-medienmagazin.de
456. Ausgabe
Liebe Leserin, lieber Leser!
„Indiskutabel“. Dieses Zauberwort ist heute gebräuchlich, um Debatten zu beenden, denen man sich nicht stellen will. Die Bremische Bürgerschaft beschreibt mit diesem Wort
nun offiziell die Predigt von Pfarrer Olaf Latzel, in der er mit teils unfreundlichen Worten
gegen Religionsvermischung gewettert hat. SPD, Grüne und Linkspartei haben den Antrag verabschiedet, in dem auch Konsequenzen für den Pfarrer gefordert werden.
Zu Recht kann man nun fragen, auf welcher Grundlage ein Landesparlament Inhalte bewertet, die in einer Kirche vorgebracht werden. Das ist ein beispielloser Vorgang, der
gegen die Trennung von Kirche und Staat verstößt und den Eindruck verstärkt, dass es
in Deutschland immer wieder zur Diskriminierung von Christen kommt.
Beispiele dafür gibt es genug. In München darf ein Christ nicht Umweltreferent werden,
weil er Mitglied in zwei christlichen Vereinen ist. In Köln muss ein Hotelier Schadenersatz zahlen, weil er in seinem Haus keine schwule Hochzeit ausrichten will. Wer gegen
Abtreibung demonstriert, wird mit Eiern beworfen – von linksextremen Gruppen, die
sich teils durch Fördermittel aus Steuergeldern finanzieren. Dass nun ein Landesparlament die Inhalte einer Predigt per Resolution für falsch befindet, verwundert deshalb
leider kaum – es ist nur der nächste logische Schritt. Und sicherlich nicht der letzte.
Eines muss man den Politikern in Bremen zugutehalten: Es ist nachvollziehbar, dass
sie von der Predigt Latzels überrascht waren. Dass ein Pfarrer der Evangelischen Kirche
Jesus Christus für den einzigen Weg zu Gott hält und dies auch noch öffentlich sagt,
kommt mittlerweile so selten vor, dass die Möglichkeit dieses Gedankens mehr und
mehr aus der Öffentlichkeit verschwindet. Latzel selbst kritisiert diese Tendenz in der
EKD, dass 70 Pfarrer auf den Stufen des Bremer Doms gegen ihn und seinen „Fundamentalismus“ demonstriert haben, gibt ihm recht. Die Kirche scheint sich heute um alles zu kümmern: nachhaltige Energiegewinnung und Gender-Gerechtigkeit, Stuhlkreise
gegen böse Banker und böse Drohnen, Dialoge mit Muslimen bis hin zum Gebetsruf
eines Imams in einer christlichen Kirche – nur für eine Sache scheint die Kirche keine
Zeit mehr zu haben:
Die klare Verkündigung biblischer Lehre zur Erlösung. Die klare Verkündigung biblischer Richtlinien für ein gottgefälliges Leben. Die klare Verkündigung der christlichen Botschaft.
Dass Olaf Latzel so laut gehört wurde, liegt daran, dass seine Kollegen so leise sind.
MORITZ BRECKNER
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proKOMPAKT ist ein Nachrichtenservice des Christlichen Medienmagazins pro. Wenn nichts anderes vermerkt ist, liegen alle Rechte beim Christlichen Medienmagazin pro.
Nachdruck und weitere Veröffentlichung nur auf Anfrage bei der Redaktion.
proKOMPAKT 7| 2015
2
„ ... “
„Die Menschen haben dieser Geschichte zufolge also schon im Garten
Eden begonnen, Kleider zu tragen. Warum? Sie fühlten sich unnatürlich in ihrer Nacktheit. Das ist der Moment, in dem sich meiner Ansicht
nach in gewisser Weise die Wirtschaft herauszubilden begann.“
Der Ökonom Tomáš Sedláček in seinem Buch „Revolution oder Evolution. Das Ende des Kapitalismus?“
„Betriebsnachfolge ist so wichtig. Man muss sich nur ansehen, was passierte,
als Jesus und Mohammed aus dem operativen Geschäft ausstiegen.“
Peter Breuer auf Twitter
„Wir sind nicht im Krieg mit dem Islam. Wir sind im Krieg mit Menschen, die den Islam pervertiert haben.“
US-Präsident Barack Obama auf einer Konferenz gegen gewaltsamen Extremismus am Mittwoch im Weißen Haus in Washington
proKOMPAKT 7| 2015
3
Größtes Bibel-Museum öffnet 2017
Ein privater Sammler will im Herzen der amerikanischen Hauptstadt Washington D.C. das „Wort Gottes zum Leben
erwecken“. Für 400 Millionen Dollar baut er das größte Bibel-Museum der Welt. 2017 soll es fertig sein.
Foto: pro
Hochzeitsshow: Dreyer steigt aus
Der Jesus Freaks-Gründer Martin Dreyer wirkt nicht bei der zweiten Staffel der Sat.1-Sendung „Hochzeit auf den ersten
Blick“ mit. Für seine Auftritte in der Sendung war er von vielen Christen kritisiert worden. Das sei aber nicht der Grund für
seinen Ausstieg, sagte er gegenüber pro.
Foto: Sat.1|Claudius Pflug
Halbiert: Fast jede zweite Weltbild-Filiale verkauft
Der Überlebenskampf des einstigen „katholischen Aldis“ dauert an. Der neue Gesellschafter des angeschlagenen Medienhändlers Weltbild hat sich nun von fast der Hälfte der Filialen getrennt.
Foto: pro
Streit ums Kirchenasyl
Es gibt Streit um das Kirchenasyl. Innenminister de Maizière kritisierte, es unterwandere geltendes Recht. Die Kirchenasyl-Bewegung sagt jedoch, sie setze sich für das Recht der Asylbewerber ein. Doch was ist Kirchenasyl überhaupt?
Foto: shalomshalomjerusalem | CC BY 2.0
proKOMPAKT 7| 2015
4
Bremer Parlament verurteilt
Predigt von Latzel
Die Bremische Bürgerschaft hat die umstrittene Predigt des Pfarrers Olaf Latzel verurteilt. In der am Mittwoch verabschiedeten Entscheidung werden Konsequenzen für den Kirchenmann gefordert.
M
it den Stimmen der Fraktionen von
SPD, Grünen und der Linkspartei
verabschiedete die Bürgerschaft
einen Antrag der Linkspartei, in dem es heißt:
„Die Äußerungen in der Predigt vom 18. Januar 2015 sind absolut indiskutabel und dürfen
nicht ohne Konsequenzen bleiben.“ Das Parlament begrüße daher die Distanzierung der
Bremischen Evangelischen Kirche gegen die
„aufwiegelnde und herabwürdigende“ Predigt Latzels. Die Predigt schüre Hass gegen
Anders- und Nichtgläubige. Die CDU hatte
gegen den Antrag gestimmt, Fraktionschef
Thomas Röwenkamp bezeichnete die Predigt aber als „krudes Ergebnis einer Eiferei“.
Mehr zum Thema:
»» Ich bin Pfarrer Olaf Latzel
dankbar
»» Kein Disziplinarverfahren
gegen Pastor Latzel
Auch die Abgeordneten der rechtsgerichteten „Bürger in Wut“ lehnten den Antrag ab.
Latzel, Pfarrer der St.-Martini-Gemeinde in
Bremen, hatte sich in einer Predigt am 18.
Januar gegen Religionsvermischung ausgesprochen und dabei von katholischem „Reliquiendreck“ und „Blödsinn“ im Zusammenhang mit dem muslimischen Zuckerfest gesprochen. Stimmen aus Medien und Politik
hatten ihn daraufhin als „Hassprediger“
bezeichnet. Die Evangelische Allianz
Bremen distanzierte sich von der Wortwahl und dem Stil der Predigt.
Parzany: „Jetzt erst recht
nicht distanzieren“
Der Theologe und Autor Urlich Parzany zeigte sich auf seiner Facebook-Seite empört über
die Entscheidung der Bremi-
schen Bürgerschaft. „Dass ein Parlament
beschließt, was wir diskutieren sollen oder
nicht, ist allerdings ziemlich unverschämt“,
schrieb Parzany im Bezug auf den Passus,
dass die Predigt Latzels „indiskutabel“ gewesen sei. „Da mein Bruder Olaf Latzel in seiner Predigt ein paar rotzige Wörter benutzt
hat, wird man sich wahrscheinlich auch weiter von ihm vornehm distanzieren. Ich jedenfalls jetzt erst recht nicht. Begreift Ihr denn
nicht, dass es hier tatsächlich um das Erste
Gebot geht? ,Man muss Gott mehr gehorchen
als den Menschen.’“
Bereits am Mittwoch hatte der Pfarrer Theo
Lehmann darauf hingewiesen, dass auch Jesus nicht immer nur freundlich gepredigt
habe. „Als Jesus lebte, war der Begriff einer irgendwie gearteten ,Korrektheit’ noch nicht erfunden; und wenn er ihn gekannt hätte, hätte
er ihn vermutlich genauso ignoriert wie ich“,
schrieb Lehmann in einem Kommentar für das
evangelische Wochenmagazin ideaSpektrum.
Jesus habe seine Jünger angewiesen, ihre Reden mit Salz zu würzen, nicht mit Honig.
VON: MB
In der St.-Martini-Kirche in Bremen hat Pastor Olaf Latzel
seine umstrittene Predigt gehalten
Foto: Jürgen Howaldt / Wikipedia | CC BY-SA 2.0
proKOMPAKT 7| 2015
„Der
Westen
hat die
Wahrheit
verloren“
Der christliche Westen schafft sich ab,
weil er nicht mehr nach der Wahrheit
sucht. Das sagt der indische Philosoph
und Christ Vishal Mangalwadi. Die Demokratie sei deswegen in Gefahr.
W
as ist Wahrheit? Danach zu fragen
und Antworten zu suchen ist eine
Geisteshaltung, die der Protestantismus geprägt hat. Das war der Zweck von
Universitäten, auch säkulare Humanisten
und Atheisten wollten erkennen, was wahr
und gut ist. Diese Zeiten sind vorbei. Das ist
die Kernthese des indischen Intellektuellen
Vishal Mangalwadi. In einem Vortrag in Marburg erklärte er am Mittwoch: „Heute sagt
an den Universitäten niemand mehr, dass
es die Wahrheit gibt oder dass sie erkennbar
ist. Jeder, der behauptet, es gebe eine Wahrheit oder er kenne sie, gilt als Fundamentalist.“ Diese Haltung hält Mangalwadi für die
größte Bedrohung der christlich geprägten
5
Zivilisation. „Der Islam ist nicht euer Problem: Ihr habt die Wahrheit verloren, deshalb
werdet ihr die Freiheit verlieren“, sagte er.
Das beobachtet Mangalwadi bereits. Echte Freiheit im Denken und Reden gebe es in
der westlichen Welt nicht mehr. So könne
ein Uniprofessor heute nicht mehr sagen,
die Homo-Ehe sei verkehrt, denn dann würde er seine Anstellung riskieren. Ähnlich sei
es, wenn jemand öffentlich behauptet, dass
angesichts des Klimawandels kein Grund
zu Alarmismus bestehe, oder wenn Evolution als Theorie statt als Tatsache behandelt
wird. Selbst in evangelischen Gemeinden
der USA spreche heute kaum noch ein Prediger über die Wahrheit des Evangeliums, nur
von Geschichten aus der Bibel.
Die Demokratie ist in Gefahr
Demokratie beruhe darauf, dass Menschen
mit Hilfe ihres Verstandes Debatten führen
und Beweise suchen, um zu erkennen, „was
gut, wahr und richtig ist“. Menschen sollten
damit auch die Freiheit haben, etwas zu sagen, was nicht wahr ist – weil man dann darüber debattieren könne. Gehe man aber davon
aus, dass der menschliche Geist die Wahrheit
gar nicht finden kann, sei das das Ende der
Demokratie, sagte Mangalwadi. Ohne eine
Wahrheit würden auch Meinungen und Werte beliebig. „Wenn die Zeit der freien Debatte
vorbei ist, werden diejenigen, die Macht haben, über andere bestimmen.“ Das könne im
schlimmsten Fall auch mit Waffen geschehen.
Jesus selbst sei es um Wahrheit gegangen,
nicht in erster Linie um Glaube, führte Man-
Das Christentum in Europa ist am
Ende, wenn es nicht zur Wahrheit
zurückfindet, sagt der indische
Philosoph Vishal Mangalwadi
Foto: pro
galwadi aus. Jesus sagte von sich selbst, er
sei die Wahrheit. Seine Wunder und auch die
prophetischen Texte der Juden bestätigten
das. Seine Jünger sollten später bezeugen,
was sie von ihm gesehen und gehört hatten.
So sei die Suche nach Wahrheit ein zentrales christliches Motiv. Dabei sollten die Menschen auch ihren Verstand bemühen.
Zurück zur Wahrheit?
Die Lehren des postmodernen Christentums
führt Mangalwadi auf den deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche zurück. „Europa und der Westen fallen auseinander, weil
sie ihr christliches Markenzeichen, die Kategorie der Wahrheit verloren haben. Es wird
heidnisch, weil es um Geschichten und Mythen geht. Es geht um Meinungen, um eige-
ne Überzeugungen.“ Der Westen müsse sich
entscheiden, ob er wieder zu seinen christlichen Wurzeln zurückkehrt oder heidnischen
Traditionen folgt. Das Christentum brauche
eine neue Reformation. Mangalwadi äußerte
sich gegenüber pro zuversichtlich, dass dies
möglich ist, auch wenn Europa gerade eine
„schlechte Zeit“ durchmache. „Reformen beginnen mit einer Person, die etwas verstanden hat und dafür gerade steht“, sagte er.
Sowohl Mose als auch Luther seien Einzelkämpfer gewesen.
Seine Diagnose über das westliche Christentum und die Bedeutung der Bibel für die
Entwicklung des Westens hat Mangalwadi
ausführlich in seinem Buch „Das Buch der
Mitte“ entfaltet, das im vergangenen Jahr bei
fontis erschienen ist.
VON: JST
proKOMPAKT 7| 2015
6
Porno, Bibel, Sado-Maso
Mit dem Erfolg von Fifty Shades of Grey
ist Sado-Maso-Literatur salonfähig geworden. Doch das Problem sitzt noch
viel tiefer in einem Land, in dem Kinder
mit elf Jahren den ersten Porno sehen.
Ticken wir eigentlich noch richtig? EIN
KOMMENTAR VON NICOLAI FRANZ
A
ls der Trailer der schlüpfrigen Buchverfilmung Fifty Shades of Grey erschien, kam der amerikanische Comedian Jimmy Fallon auf eine Idee: Er ließ
einen Reporter die Passanten fragen, ob sie
den Trailer gesehen hätten. Allerdings fragte der Mitarbeiter nicht nach Fifty Shades of
Grey, sondern nach allerhand ähnlich klingenden, völlig absurden Titeln, zum Beispiel: „Have you seen the trailer of Fifty Shapes of Grape?“ („Haben Sie den Trailer von
Fünfzig Weintraubenformen gesehen?“).
Kein Passant wunderte sich über „Fizzy Snakes Are Great“ („Zischende Schlangen sind
toll“), selbst „Cliffy Shaves a Greek“ („Cliffy
rasiert einen Griechen“) sorgte nicht für Stirnrunzeln. Die schlichte Reihenfolge der Vokale
war den Befragten schon so vertraut, dass sie
„Fifty Shades of Grey“ verstanden.
Anleitung zur häuslichen Gewalt
Quadratisch, profiliert und in einem stabilen
Rahmen: 50 verschiedene Grautöne
Foto: pro
Die enorme Popularität des schlüpfrigen Buches ist deshalb bemerkenswert, weil es kei-
ne normale Liebesgeschichte ist, sondern
unverblümte Darstellung von Sado-MasoPraktiken enthält. Lack und Leder, sexuelle
Erregung durch Dominanz, Erniedrigung und
Unterordnung: „Du gehörst mir“, wie es der
Protagonist Christian Grey über seine unterwürfige Partnerin Ana Steele sagt.
Manche Frauenrechtler sehen in Fifty Shades of Grey keine harmlose Romanze, sondern die Anleitung zur häuslichen Gewalt.
Das Buch verhelfe, so die Kritiker, einer
Spielart von Sexualität zur Popularität, die
das Zeug habe, besonders Frauen zu erniedrigen.
Quiz mit Bibel und SM-Literatur
Das Buch veranlasste die beiden christlichen „Sexpertinnen“ Danna Gresh und Juli
Slattery, ein Gegenbuch zu schreiben: „Pulling Back the Shades“ („Die Vorhänge zurückziehen“). Die Autorinnen wollen zeigen,
dass Gott sich die Intimität zwischen Mann
und Frau anders vorgestellt hat als bei Fifty
Shades of Grey. Jeder, der den beiden Amerikanerinnen seine Ausgabe zuschickt, bekommt deren Buch zum Tausch. Die Leser
sollen erfahren, „warum Erotik die Bedürfnisse von Frauen eher ausnutzt als sie befriedigt“, schreiben Gresh und Slattery auf
ihrer Website.
Lesen Sie hier weiter ...
proKOMPAKT 7| 2015
7
Evangelikale kritisieren
katholische FlüchtlingsBroschüre
Eine Broschüre der Diözese Würzburg
zur Arbeit mit Flüchtlingen erwähnt
den missionarischen Aspekt evangelikaler Flüchtlingshelfer. Der Arbeitskreis Migration & Integration der Deutschen Evangelischen Allianz (AMIN)
kritisierte die Broschüre, die Diözese
dementiert die Anschuldigungen.
A
ngehörige von Freikirchen im versuchten immer wieder, Asylbewerber in ihren Unterkünften für den christlichen
Glauben zu gewinnen, heißt es unter der Überschrift „Wenn Freikirchen missionieren...“.
Weiter ist zu lesen: „Muslime und Angehörige
anderer Religionen erhalten von ihnen Medien evangelikaler Prägung (Bücher, Kalender,
DVDs und Bibeln in deren Heimatsprache),
besondere persönliche Zuwendungen, Freikarten für Verkehrsmittel und Einladungen in
Gemeinderäume regionaler Freikirchen zu Feiern, Bibeltreffen und Gottesdiensten.“
Oft werde eine schnelle Taufe versprochen,
die manchmal auch als Hilfe für eine Anerkennung im Asylverfahren oder als Abschiebehindernis missverstanden werden könne. Die
Asylseelsorge des Bistums Würzburg stellt
daher einen mehrsprachigen Text zur Verfü-
gung, der „betroffenen Asylbewerbern und
katholischen Christen hilft, zwischen katholischer Kirche/Caritas und der Mission Evangelikaler zu unterscheiden“. Kontakt zu den
Flüchtlingen fänden Evangelikale – aber auch
für diese Mission ausgebildete Katholiken
wie vom Justinus-Werk in Österreich – über
Helferkreise für Asylbewerber.
Christlichen Glauben „anbieten“
AMIN-Referent Horst Pietzsch empfindet diese
Worte als Unterstellung gegen die Evangelikalen. Zwar habe er auch schon von Leuten gehört, die verstärkt unter Asylbewerbern missionieren und sehr „geschäftstüchtig“ seien. Sie
seien aber nicht repräsentativ für alle Evangelikalen und könnten keiner bestimmten Gruppe
zugeordnet werden. Diesen Eindruck erwecke
aber der Absatz in der Broschüre der Diözese.
Wichtig für die Arbeit mit Asylbewerbern sei
es, eine Beziehung zu ihnen aufzubauen und
auf natürliche Weise den christlichen Glauben
vorzustellen. „Die Leute müssen durch unseren bedingungslosen Einsatz überzeugt werden und müssen merken, wofür wir stehen“,
sagte er gegenüber pro. Falsch hingegen sei
es, Flüchtlinge zu „bearbeiten“ und sie zum
christlichen Glauben zu drängen. Pietzsch
fügt aber auch hinzu, dass alle Flüchtlinge
häufig nicht nur materielle Bedürfnisse hätten, wenn sie in Deutschland ankämen: „Sie
sind religiös und kommen in einen in ihren Augen fast gottlosen Staat.“ Die Ankömmlinge
hätten oft viele Fragen. Es sei gerechtfertigt,
ihnen den christlichen Glauben nahe zu bringen. Dabei gehe es jedoch um ein „Anbieten“.
Diözese: „Kein Vorwurf an
Freikirchen“
In einer Broschüre des AMIN zum Thema
„Flüchtlinge willkommen heißen“ sind diese
Prinzipien seiner Organisation nachzulesen.
Zudem dürften Taufen nicht vorschnell praktiziert werden. Eine „intensive und ausführliche Taufunterweisung“, in der die Grundsätze des christlichen Glaubens erklärt würden,
sei wichtig.
Der Asylseelsorger der Diözese Würzburg,
Pastoralreferent Rainer Behr, dementierte die
Anschuldigungen gegen die katholische Broschüre. In der erwähnten Textpassage „sind
keine Inhalte vorhanden, die Evangelikale
und Hilfsangebote kritisieren“, teilte er mit.
„Wir sehen keine Anschuldigungen, Unterstellungen, Angriffe oder gar einen Generalverdacht darin, dass kurz und ohne Wertung
beschrieben wird, wie Mitglieder von mehreren (bekannten) Freikirchen im unterfränkischen Raum in vielen großen und kleinen
Unterkünften für Asylbewerber aktiv sind –
auch mit der Weitergabe von Medien evangelikaler Prägung, persönlichen Zuwendungen
und Einladungen.“ Die wertfreie Darstellung
in der Broschüre sei kein Vorwurf an Freikirchen, ebenso wenig der Verweis, dass auch
ein katholisches Missionswerk aus Österreich den Kontakt zu Muslimen suche.
VON: SZ
Die Broschüre er
wecke einen fa
lschen Eindruck
Flüchtlingshelfe
von evangelikal
rn, meint AMIN
en
-Referent Horst
Foto: pro
Pietzsch (Symbo
lbild)
proKOMPAKT 7| 2015
8
den und zugleich jedem Einblick in biologische Abläufe geben. 40 Millionen Menschen
in 23 Ländern haben die „Körperwelten“Wanderausstellung bereits gesehen. Im Betonfuß des Fernsehturms am Berliner Alexanderplatz hat Kuratorin Angelina Whalley, zugleich Ehefrau des „Plastinators“, nun
dauerhaft Ausstellungsobjekte arrangiert.
Zu sehen sind ganze Körper, aber auch einzelne Organe und sogar Föten in den unterschiedlichen Schwangerschaftswochen.
Exponate im „Menschenmuseum”: Gunther von Hagens will den Besuchern
den Spiegel vorhalten. Durch seine Plastinate sollen sie sich selbst kennenlernen
Foto: pro
Körperwelten öffnet –
Kirchen protestieren
Ausgerechnet am Aschermittwoch öffnet das erste Museum des Leichenplastinators Gunther von Hagens in Berlin. Die Kirchen protestieren und wollen für die
Seelen der ausgestellten Toten beten.
E
in Mann springt mit seinem Skateboard in die Luft, mit einer Hand stützt
er sich ab, mit der anderen hält er das
Brett. Ein Turner stützt sich auf zwei in der Luft
hängende Ringe, alle Muskeln angespannt
schwebt er im Raum, die Beine kerzengerade nach vorne ausgestreckt. Eine Frau
tanzt, an ihrem Rücken spreizen sich Flügel aus Sehnen und Haut. Der Boarder, der
Turner, die Tänzerin: Sie alle sind tote Menschen, aufbereitet und in Szene gesetzt. Ab
Mittwoch sind sie im „Menschenmuseum“
in Berlin zu sehen, der ersten Dauerausstellung des „Körperwelten“-Erfinders Gunther
von Hagens.
Seit 20 Jahren konserviert von Hagens
Leichen. Das von ihm erfundene Verfahren
nennt er „Plastination“. Es erlaubt ihm, aus
den Verstorbenen Exponate zu machen und
sie in Positionen zu zeigen, die sie zu Lebzeiten vielleicht gar nicht eingenommen haben. Der tote Körper soll so zur Kunst wer-
„Sensationslust und
Grenzüberschreitung“
Das gefällt nicht jedem in Berlin. Der Bezirksbürgermeister von Berlin-Mitte, Christian
Hanke (SPD), hatte bis zuletzt und gerichtlich versucht, die Eröffnung zu verhindern. Er
berief sich auf das Bestattungsgesetz, nach
dem Leichen nicht öffentlich ausgestellt werden dürfen, scheiterte damit aber mehrmals
vor Gericht. Plastinate fielen nicht unter dieses Gesetz, hieß es. Auch der evangelische
Kirchenkreis Berlin Stadtmitte protestiert
gegen die Ausstellung. Am Aschermittwoch
soll die traditionelle Prozession der Christen deshalb auch am Museum vorbeiführen.
Dort wollen die Teilnehmer für die Seelen der
Toten beten.
Pfarrerin Cordula Machoni erklärte gegenüber pro: „Tote Menschen sind definitiv keine Ausstellungsstücke!“ Das Menschenmuseum missachte die Menschenwürde. Außerdem suggeriere das Arrangement der Exponate in lebensnahen Positionen, dass die Toten
weiterlebten. „Das ist eine Grenzüberschrei-
tung“, findet Machoni. Auch der Ort der Ausstellung sei fragwürdig, immerhin handele es
sich beim Alexanderplatz um den „prominentesten Platz in ganz Berlin“. Das zeige, dass
die Veranstalter „pure Sensationslust“ antreibe. Stattdessen plädierte die Pfarrerin für
eine gesellschaftliche Auseinandersetzung
mit dem Thema Tod. Allerdings nicht öffentlich, sondern an Orten, die Rückzugsmöglichkeiten und Raum für Reflektion böten. In einer Ausstellung mitten in der Stadt jedenfalls
könne dies nicht geschehen.
Von Hagens will sich plastinieren
lassen
Bei der Vorstellung des „Menschenmuseums“ am Dienstag wehrten sich die Veranstalter gegen solcherlei Kritik. Die Ausstellung sei keine „Anatomieschau“, sondern
eine „Anregung zum Nachdenken“, sagte Angelina Whalley. Der Philosophieprofessor Franz Josef Wetz betonte die weltanschauliche Neutralität des Projekts. Katholiken und Protestanten könnten in den Exponaten das christliche Menschenbild entdecken. Die Proteste gegen das Museum
nannte er „leichtfertig“, „unverantwortlich“
und „irreführend“. Ob die Plastination weniger würdig sei als beispielsweise eine Einäscherung, sei Ansichtssache. Whalley fügte
hinzu, dass die Reaktion der Besucher auf
die Exponate stets angemessen sei und die
Menschen nachdenklich stimme.
Lesen Sie hier weiter ...
VON: AL
proKOMPAKT 7| 2015
9
DJV-Sprecher Hendrik Zörner keine akute Bedrohung für Publizisten in Deutschland. „Es
gibt keine Vorsichtsmaßnahmen, die Journalisten nun einhalten müssen. Wir leben immer noch in einem freien Land, in einer Demokratie. Journalisten müssen sich auf der
Straße nicht ständig umdrehen in der Angst,
jemand könnte ihnen folgen“, sagte er gegenüber pro. Trotzdem habe sich die Lage seit
den Anschlägen auf Charlie Hebdo merklich
verändert. Mehrere große Medienhäuser in
Deutschland würden nun stärker überwacht,
etwa durch Polizeistreifen: „In Berlin gibt es
zum Beispiel vor dem Gebäude der taz eine
dauerhafte Polizeipräsenz.“
Blumen vor der Kopenhagener Synogoge, wo der Täter nach dem Anschlag auf ein Café einen jüdischen Wachmann erschoss. Einer der beiden Anschläge soll
auch einem schwedischen Karikaturisten gegolten haben
Foto: Kim Bach / flickr | CC BY-SA 2.0
„Journalisten sollen mutig
weiterschreiben“
Erst Paris, dann Kopenhagen: Auch in der dänischen Hauptstadt soll einer der Anschläge einem Karikaturisten gegolten haben.
Besteht für Publizisten auch in Deutschland Anlass zur Sorge? Nicht wirklich, meint der Sprecher des Deutschen JournalistenVerbandes (DJV), Hendrik Zörner. Angespannt sei die Lage seit dem Anschlag auf die Charlie Hebdo-Redaktion dennoch.
M
indestens einer der Anschläge in
Kopenhagen soll dem schwedischen Karikaturisten Lars Vilks gegolten haben. Ähnlich wie die Satirezeitschrift Charlie Hebdo hatte er den Propheten
Mohammed aufs Korn genommen. Seit der
Veröffentlichung einer Karikatur im Jahr 2007,
die Mohammed als Hund darstellt, habe es
immer wieder Todesdrohungen und versuchte Attentate gegen ihn gegeben, berichtet der
Kölner Stadtanzeiger. Vilks ist mittlerweile
untergetaucht. Der Anschlag in Dänemark ist
nach dem in Paris nun erneut einer, der sich
gegen Karikaturisten und Satire richtet.
Trotz der aktuellen Ereignisse sieht
Jetzt erst recht?!
Auf die Frage, ob er sich auch in Deutschland vor ähnlichen Anschlägen sorge, erklärt
Zörner: „Ob man sich Sorgen machen muss,
weiß man ja nicht genau. Ich hoffe aber, dass
Sorgen nicht nötig sind und sich die Lage in
Zukunft wieder entspannt.“ Zudem vertraue
er den deutschen Sicherheitsbehörden, die
notfalls die nötigen Vorkehrungen träfen.
Publizisten sollten ihre Arbeit angesichts
der aktuellen Ereignisse nicht einschränken.
„Wir sagen den Journalisten, sie sollen mutig
weiterschreiben und sich nicht einschüchtern lassen“, sagte Zörner. Eine Einschüchterung von Journalisten habe er zudem noch
nicht wahrnehmen können. Die Stimmung
tendiere eher dahin, nun erst recht kritische
Themen aufzugreifen und öffentlich seine
Meinung zu sagen.
VON: SZ
proKOMPAKT 7| 2015
Zwischen den Musikern Oliver und Siegfried Fietz kommt es selten zu Misstönen
Foto: ABAKUS Musik
Von guten Mächten …
Im pro-Interview berichtet Oliver Fietz, warum er gerne mit seinem Vater
Siegfried auf der Bühne steht.
Lesen Sie in der Ausgabe 1/2015 des Christlichen Medienmagazins pro was es
bedeutet, wenn der Vater neben Genen und Gütern auch Bekannheit weitergibt –
und wie der populäre Vater den Lebensweg der Kinder beeinflusst hat. Sie können
pro kostenlos und unverbindlich bestellen unter der Telefonnummer 06441/915151,
via E-Mail an info@pro-medienmagazin.de oder .
10
Christoph und Horst Waffenschmidt verband ihre Leidenschaft für Politik und Menschen
Foto: privat, pro
Christ mit
Handlungsauftrag
Die Liebe zur Politik hat Horst Waffenschmidt vererbt. Im pro-Interview
berichtet Sohn Christoph Waffenschmidt, welche Bedeutung der gemeinsame Besuch eins Fußballspiels haben kann.
Mehr zum Thema:
»» Daniel Parzany: „Liebesboten Gottes“
»» Schwestern mit bekanntem Vater
proKOMPAKT 7| 2015
11
„Vergeben kann nur,
wer das Leid erlebt hat“
Irene Gilbert-Loh
wurde 96 Jahre alt
Foto: privat
Irene
Gilbert-Loh
ist tot
Die christliche Unternehmerin Irene
Gilbert-Loh ist am Mittwoch im Alter
von 96 Jahren verstorben. Sie und ihre
Familie sind als große Förderer christlicher Werke bekannt.
I
rene Gilbert-Loh war die Ehefrau des bereits 1971 verstorbenen hessischen Unternehmers Rudolf Loh. Mit ihm gemeinsam gründete sie 1947 die Metallwarenfabrik „Hailo“ und 1961 das „Rittal-Werk“, eine
Firma für Schaltschränke. Das Paar hatte vier
Kinder. Joachim und Friedhelm Loh übernahmen nach dem Tod des Vaters die Familienunternehmen. Die jüngste Tochter, Margarete Hühnerbein, ist die Vorsitzende des
Christlichen Medienverbundes KEP, zu dem
das Christliche Medienmagazin pro gehört.
Gilbert-Loh war in zweiter Ehe mit dem
langjährigen Vorsitzenden der Deutschen
und Europäischen Evangelischen Allianz,
Wilhelm Gilbert, verheiratet. Sie ist Mitbegründerin der Evangelischen Nachrichtenagentur Idea und der Arbeitsgemeinschaft
Biblische Frauenarbeit. Außerdem war sie
zeitweise Teil der Leitungsgremien in der
christlichen Ausbildungsstätte „Forum Wiedenest“ und bei ERF Medien. Gilbert-Loh
starb am Mittwoch in ihrer Heimat in Mittelhessen im Beisein ihrer Familie.
VON: AL
Im pro-Interview outet sich Thüringens Ministerpräsident Bodo
Ramelow (Die Linke) als Papst-Fan, Andachtsbesucher, EvangelikalenKenner – und zeigt Verständnis für Christen, die seiner Partei mit
großer Skepsis gegenüberstehen.
VON: PRO
Das und mehr lesen Sie in der aktuellen Ausgabe 1|2015 des Christlichen Medienmagazins pro, das Sie kostenlos unter der Telefonnummer 06441/915-151, via E-Mail an info@
pro-medienmagazin.de oder online .
proKOMPAKT 7| 2015
12
Volx-Luther
Leicht zerknittert und doch gestylt
kommt der alte Luther auf dem Buchcover daher, wie ein aus dem Papierkorb
geretteter Brief, der seine Kostbarkeiten dem verdutzten Leser neu entfaltet. EINE REZENSION VON GERRIT HOHAGE
W
„Martin Reloaded. Luthers Schriften für alle“
heißt das neue Buch von Jesus Freaks-Gründer
Martin Dreyer
Foto: SCM R.Brockhaus
Martin Dreyer: „Martin Reloaded.
Luthers Schriften für alle“, 14,95 Euro,
SCM R. Brockhaus Verlag,
ISBN: 978-3-417-26585-9
ie oft hatte ich schon gedacht: Das
alte Luther-Deutsch ist schwer verdaulich; man müsste die wichtigsten Schriften Luthers mal in heutiges
Deutsch übertragen und damit dem Kirchenvolk neu zur Verfügung stellen. Martin
Dreyer, der Herausgeber der „Volx-Bibel“,
hat dieses Vorhaben auf seine eigene Weise
umgesetzt. „Volx-Luther“ spricht Umgangssprache – einfach, direkt, salopp, untheologisch, ab und zu pampig und ohne fäkalsprachliche Berührungsängste: die Sprache
des Menschen von Nebenan.
Gelegentlich stört das redundante Kokettieren mit umgangssprachlichen Unglücksfällen
wie dass Luther sich „wie blöd darüber freute“. Das Ergebnis liest sich trotzdem locker,
flüssig und merkwürdig verständlich, und es
lädt ein zum Wiederentdecken, manchmal
auch zum Schmunzeln. Und es ist auch für den
einen oder anderen Aufreger gut, vor allem
im Blick auf die Ökumene. Es wird klar, was
Luther wollte, aber auch, warum er mit seiner
kompromisslosen Art nicht immer gut ankam.
Die Auswahl umfasst unter anderem
Luthers Schriften über die christliche Freiheit, die Obrigkeit, die Messe, den Kleinen
Katechismus und „was das mit der Ehe soll
und wie man sie auf die Reihe kriegt“. Der
Vergleich mit den Originalschriften zeigt dabei, dass die Übertragung teilweise ein kreatives Nachverfassen ist – „reloaded“ eben.
Hinter manchen Begriffen Luthers verbirgt
sich eine ganze Welt, und wo das so ist,
überträgt Dreyer nicht nur den Begriff, sondern entfaltet auch die mit ihm verbundenen
Gedanken. Gerade hier beweist er eine eingehende Kenntnis von Luthers Theologie.
Das Buch wird dadurch zur modellhaften
Anregung, wie man in der heutigen Zeit ausdrücken kann, was evangelisch ist. Das hilft
hoffentlich manchen Pfarrern und Ehrenamtlichen bei der Überwindung der protestantischen Sprachlosigkeit, und zwar auch
dann, wenn man das ein oder andere zwar
einfach, aber doch etwas gehobener ausdrücken möchte.
Dabei hat Dreyer der Versuchung widerstanden, im Zuge der Übersetzung Inhaltliches einzuebnen. Dass es zwischen Gott und
Satan nichts geben kann, findet sich genauso wie die Jungfrauengeburt, die Hölle, das
ewige Leben. Luther ungefiltert, feigenblattlos und damit authentischer als mancher
Vortrag in gehobener Kirchensprache. Fazit:
Für Sprachästheten des Hochdeutschen ein
völliger Angang, für Konfirmanden und interessierte Gemeindeglieder vor allem jüngeren Alters eine Fundgrube, für Pastoren eine
Herausforderung an verständliche Predigtsprache, für das Lutherjahr 2017 ein großartiger Beitrag!
proKOMPAKT 7| 2015
Am Sonntag ist das Filmfestival Berlinale zu Ende gegangen. Ausgezeichnet wurden in diesem Jahr die RegimeKritik „Taxi“ und der Film „El Club“,
der die Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche aufgreift.
D
ie Bären sind vergeben, die roten Teppiche eingerollt, die Stars abgereist.
Es war keine besonders herausragende Berlinale. Der für sein Lebenswerk ausgezeichnete Wim Wenders bot einen eher mittelmäßigen Film („Every Thing will be fine“),
die großen Stars des Wettbewerbs wie Werner Herzog („Queen of the Desert“) oder Terrence Malick („Knight of Cups“ ) wurden
von den Kritikern mehrheitlich abgekanzelt.
So waren es gerade die kleinen Filme, die in
den zehn Tagen des Festivals für großes Kino
sorgten.
Der goldene Bär der internationalen Jury
ging an Jafar Panahis „Taxi“, einen Film, den
der im Iran mit einem Berufsverbot belegte Regisseur heimlich drehen musste. Darin mimt er selbst einen Taxifahrer, der mit
einer Bordkamera die Gespräche seiner Insassen aufzeichnet. Natürlich geht es dabei
um die politischen Verhältnisse im Land und
vor allem die ständige Zensur der Filmkunst.
13
Panahi erzählt mit einer fröhlichen Leichtigkeit von den tragischen Momenten im Leben
vieler Iraner – das allein ist schon preiswürdig, auch wenn die Jury „Taxi“
wohl vor allem ausgewählt hat, um ein politisches Zeichen zu setzen. Denn Panahi darf nicht aus
dem Iran ausreisen. Obwohl die BerlinaleVeranstalter ihn unablässig einladen, kann
er jedes Jahr aufs neue nicht erscheinen.
Sein Film wurde heimlich aus dem Land und
nach Berlin geschmuggelt.
Silberner Bär für katholischen
Sünder-Club
Mit dem silbernen Bären zeichnete die Jury
den chilenischen „El Club“
von Pablo
Larrain aus. Darin begleitet die Kamera vier
Priester, die von ihrer Kirche wegen unterschiedlicher Vergehen in eine WG auf dem
Land ausgesondert wurden. Als ein neuer
Mitbewohner einziehen soll, kommt es zu einem Suizid. Denn der Priester ist deshalb von
seiner Kirche in die Provinz geschickt worden, weil er mindestens ein Kind missbraucht
hat. Dieses Opfer, mittlerweile ein erwachsener und geistig verwirrter Mann, reist seinem
Peiniger hinterher und beschimpft ihn am
Tag seines Einzugs. Daraufhin erschießt der
Geistliche sich. Das ist erst der Anfang der
Geschichte, nach und nach deckt ein mit der
Untersuchung des Falls betrauter Seelsorger
die Vergehen der anderen Einwohner auf. „El
Club“ ist eine Geschichte über eine Kirche,
in deren Reihen Unrecht geschehen ist und
noch geschieht, die sich aber beständig weigert, die Verbrechen öffentlich aufzuarbeiten. Stattdessen verfrachtet sie die Sünder in
ihrer Mitte an einen geheimen Ort, frei nach
dem Motto: Aus den Augen, aus dem Sinn.
Es hätte der Ökumenischen Jury, einer von
vielen unabhängigen Jurys im Festival, gut
gestanden, „El Club“ ebenfalls mit einem
Preis zu würdigen. Stattdessen gingen deren Auszeichnungen an „El Boton de Nacar“, eine künstlerische Auseinandersetzung
mit dem Meer als Lebensraum, an den dritten Teil einer Mordgeschichte um „Ned Rifle“
und an „L‘Histoire de Judas“ . Letzter langsam und in stillen Wüstenbildern erzählte
Kostümfilm fragt, ob die Figur Judas nicht von
den Geschichtsschreibern verkannt wurde.
Regisseur Rabah Ameur-Zaimeches zeigt den
Jünger als engen Vertrauten des Gottessohnes, der mit dessen Tod rein gar nichts zu tun
hat. Bemerkenswert daran ist vor allem, wie
detailliert der Film die Taten und Gleichnisse Jesu zum Teil schrifttreu wiedergibt, auch
wenn der Messias eher als politischer Aktivist denn als religiöse Figur gewürdigt wird.
Religion – ein Thema auf der
Berlinale
Neben diesen Filmen bot die Berlinale in diesem Jahr für religiös Interessierte durchaus einiges. Da wäre zum einen der außer Konkurrenz gezeigte Martin Luther King-Film „Selma“ , der auf die Zweifel und auch das Glaubensleben des Bürgerrechtlers fokussiert.
Ebenfalls außer Konkurrenz lief die Lebensgeschichte „Elser“, nach dem Hitler-Attentäter
Georg Elser benannt. Regisseur Oliver Hirschbiegel und Drehbuchautor Fred Breinersdorfer
lassen den Christen in seiner Zelle zu Jesus beten und mit seinem Glauben ringen.
Fernab des Wettbewerbs zeigte „I am Michael“
die Bekehrung des SchwulenAktivisten Michael Glatze, der heute als Pastor in den USA arbeitet und eine Frau geheiratet hat. Der Film „Superwelt“ erzählt von
der Supermarktkassiererin Gabi, die eines
Tages beginnt, die Stimme Gottes zu hören,
und daraufhin ihr Leben gänzlich umkrempelt. Allerhand Stoff für Gespräche über Gott
und die Welt bleibt nach dieser Berlinale also
übrig. Neben der altbewährten Kirchen- und
Religionskritik zeigten die Filmemacher den
Glauben erstaunlich oft in positiven Zusammenhängen. Das zeigt: Kunst und Kirche, das
kann sehr wohl zusammengehen.
VON: AL
Berlinale: Preise für
Iran- und Kirchenkritik
Mehr zum Thema:
»» Glaube in Zeiten der Nazis
proKOMPAKT 7| 2015
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DER ISRAELNETZ
KALENDER 2015
Sieben
schöne
Wochen
Die Suche nach Deutschlands nächstem Topmodel fördert einen „verheerenden Perfektionismus“. Das kritisiert der Diakonie-Präsident Ulrich
Lilie. Die Fastenaktion der Evangelischen Kirche vermittle das Gegenteil.
D
ie Ideale der Fernsehshow „Germany‘s Next Topmodel“ seien „lebensfeindlich und menschenunfreundlich“. In einer Presseerklärung beschreibt
Lilie, was bei der Model-Suche als „schön“
gelte: „Schön ist, wer schlank ist und sich
anpasst, wer ständig über seine Grenzen
geht.“ Das jedoch gehe „an der Realität und
der Würde des Menschen vorbei“. Wenn
junge Menschen darauf fixiert seien, nur
nicht zu viel Körperfett zu haben, und sich
auf eine Weise kleideten, die dies unterstütze, führe das in eine „Abwärtsspirale“.
Darunter litten Kinder ebenso wie Eltern.
Das erlebten die Erziehungsberater der Diakonie. Auf seinem Blog
schreibt Lilie,
Was ist schön?
Foto: flickr | Nadja Amireh | CC BY-SA 2.0
dass auch immer mehr Männer an Magersucht erkranken.
Die Fastenaktion
der Evangelischen
Kirche, die am Aschermittwoch begonnen
hat, steht dieses Jahr unter dem Motto „Du
bist schön! Sieben Wochen ohne Runtermachen“. Das sei – im Gegensatz zur Idee der
Castingshow von Topmodel Heidi Klum –
„ein menschenfreundliches Motto“. Jemandem zu sagen „Du bist schön“, sei „das beste Gegengift gegen die um sich greifende
Optimierungswut des eigenen Körpers“.
VON: JST
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proKOMPAKT 7| 2015
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Mehr zum Thema:
»» Auch im Buddhismus ist Gewalt zu finden
»» Buschkowsky: „Islamismus auf dem Vormarsch“
»» Focus-Titelthema: Passt der Islam zu Deutschland?
Koptische Christen in Ägypten beklagen seit längerem eine immer schärfere Verfolgung. Libysche IS-Terroristen haben nun die Hinrichtung von 21 ägyptischen
Kopten gefilmt und das Gräuelvideo ins Netz gestellt
Foto: Open Doors
IS enthauptet 21 ägyptische Christen
Ein Ableger der Terrormiliz Islamischer
Staat (IS) in Libyen hat am Sonntag ein
Video veröffentlicht, in dem die Hinrichtung von 21 Geiseln zu sehen ist.
Dabei handelt es sich um ägyptische
Christen, die als Gastarbeiter in dem
Nachbarland waren.
D
er Generalbischof der koptischorthodoxen Kirche in Deutschland,
Anba Damian, bestätigte gegenüber
der Bild-Zeitung am Montag, dass die Getöteten zu einer Gruppe ägyptischer Christen gehörten, die zwischen Ende Dezem-
ber und Anfang Januar in Libyen verschwunden sind. Die Terroristen hätten den Bus der
Gastarbeiter aufgehalten, als diese sich gerade auf dem Heimweg nach Ägypten befanden. „Zuerst dachten wir an eine Entführung,
doch eine Lösegeld-Forderung wurde nie gestellt“, erklärte Bischof Damian weiter.
Angehörige der Kopten hätten sich nach
deren Verschwinden vergeblich an die ägyptische Regierung gewandt und um Hilfe gebeten. Die Geiseln seien nun getötet worden, „nur weil sie Christen sind“. Der Bischof beklagte zudem die immer schärfere
Christenverfolgung in Nordafrika: „Männer
werden systematisch gesucht, verfolgt, ermordet! Unsere Frauen und Mädchen werden auf offener Straße attackiert, weil sie
kein Kopftuch tragen.“
Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi
verurteilte die Tat in einer Fernsehansprache
beim Sender Al-Ahram und versprach eine
„angemessene Reaktion“. Er ordnete zudem
eine siebentägige Staatstrauer an. Am frühen
Montagmorgen bombadierten die ägyptische und die libysche Luftwaffe unterdessen
gemeinsam Stellungen sowie Waffen- und
Munitionslager des libyschen IS-Ablegers,
wie das ägyptische Militär mitteilte.
IS richtet sich erstmals direkt an
Christen
Am Sonntagabend verbreitete die libysche
Terrorgruppe „Schura-Rat der Jugend des Islams“ einen fünfminütigen Film mit dem Titel „Eine in Blut geschriebene Nachricht an
die Nation des Kreuzes“ im Internet. In dem
Film ist Medienberichten zufolge zu sehen,
wie schwarz gekleidete Männer die 21 Geiseln in orangefarbenen Overalls an einem
Strand enthaupten. Nach Aussage der Terroristen handelt es sich dabei um die libysche
Mittelmeerküste. „Wir werden das Meer mit
eurem Blut tränken“, sagt ein Sprecher in
dem Gräuelvideo an Christen und den Westen gerichtet.
Die für das Video verantwortliche Miliz
aus dem ostlibyschen Derna hat sich erst im
Oktober dem IS unterstellt. Der IS ringt mit
Al-Kaida um die Vorherrschaft im weltweiten
Islamismus. Der IS rief nach großen Gebietsgewinnen in Syrien und im Irak im vergangenen Jahr einen Kalifatsstaat aus. Seitdem
haben mehrere dschihadistische Gruppen in
Nordafrika dem IS die Treue geschworen.
Papst Franziskus verurteilte die Enthauptung der koptischen Geiseln scharf. „Das
Blut unserer christlichen Brüder ist ein Zeugnis des Aufschreis. Seien es Katholiken, Orthodoxe, Kopten oder Lutheraner, das ist
nicht wichtig: Es sind Christen! Das Blut ist
dasselbe, das Blut bekennt Christus“, sagte
das Oberhaupt der katholischen Kirche am
Montag bei einer Audienz im Vatikan.
VON: SES
proKOMPAKT 7| 2015
Jetzt in der neuen pro
Titel: Was du ererbt von deinen Vätern, ...
Bekannte Eltern – Last oder Segen?
„Wir treten nicht als Anwalt des Islams auf“
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pro
Christliches Medienmagazin
1 | 2015
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Der Ratsvorsitzende der EKD im Interview
Königin der Bretter
Olympiasiegerin Kelly Clark fährt mit Jesus Snowboard
Erst Jesus, dann Fußball
Profi-Fußballer Reinhold Yabo setzt Prioritäten
„Vergeben kann nur, wer das Leid erlebt hat“
Ministerpräsident Bodo Ramelow im Interview
Wer wirft den ersten Stein?
Impuls von Birgit Kelle
Ein Leben für die Müllkinder
Die Ägypterin Maggie Gobran ist für die Ärmsten da
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Medien
Kelly Clark
Olympia­
siegerin findet
Lebenssinn
Bodo Ramelow
Minister­
präsident will
Versöhnung
proKOMPAKT 7| 2015
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Andreas Malessa:
Irrtümer über Luther
Martin Luther hat der Nachwelt Werke
mit insgesamt 80.000 Seiten hinterlassen. Seine 95 Thesen haben die Reformation ins Rollen gebracht. Der Theologe und Journalist Andreas Malessa
räumt mit seinem Buch „Hier stehe ich,
es war ganz anders“ mit den häufigsten
Irrtümern über Martin Luther auf. EINE
REZENSION VON JOHANNES WEIL
Andreas Malessa, „Hier
stehe ich, es war ganz anders: Irrtümer über Luther“,
SCM Hänssler, 14,95 Euro,
9-783773-156103
Das Buch ist bei SCM Hänssler erschienen und kostet 14,95 Euro
Foto: SCM Hänssler
Andreas Malessa hat
sich in seinem neuesten Buch mit dem
Reformator Martin
Luther und den häufigsten Irrtümern über
den Theologen beschäftigt
Foto: www.
andreas-malessa.de
M
alessa möchte mit seinem Buch
„Hier stehe ich, es war ganz anders“ die Neugier wecken, welche
„Lebens- und Gotteserfahrungen Luthers“
den Menschen heute nahekommen. Über
jedem der 24 Kapitel steht eine These, mit
der sich Malessa auf maximal zehn Seiten
beschäftigt. Vor allem für geschichtsinter-
essierte Leser sind die historischen Hintergrundinformationen wertvoll.
Luther abergläubisch?
Malessa erklärt dem Leser etwa, in welchen
Situationen Luther – mit schlechtem Gewissen – abergläubisch war, und wann bei
ihm wiederum das kritisch-rationale Denken überwog, das er dem Wort Gottes entgegensetzte. Einen großen Irrtum sieht Malessa darin, dass Luther sich über den Sünden-Ablass aufgeregt habe. Der Reformator
habe selbst Ablässe ausgesprochen, lediglich über den Handel damit habe er sich aufgeregt. Der Ablassprediger Tetzel habe die
gesamte Erlösungslehre ausgehöhlt.
Luther habe zwar gerne gebechert, aber
Besäufnisse immer verurteilt und gegen Exzesse gewettert. Auch habe der Theologieprofessor keineswegs als Erster die Bibel
ins Deutsche übersetzt. Bereits zu Luthers
Lebzeiten habe es 72 deutschsprachige Teilübersetzungen gegeben, allerdings
meistens in „verquaster und verscherbelter
Sprache“, wie Malessa schreibt. Die einfache Familie auf der Gasse sollte jene Worte
lesen, die ihn begeistert haben.
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proKOMPAKT 7| 2015
Fastnacht und Religion
schließen sich nicht aus
Sind Witze über Religionen überhaupt noch erlaubt? Experten aus Kirche und der
Welt der Narren sagen: Auf jeden Fall! Doch es sollten gewisse Regeln eingehalten werden.
18
E
in Witz über den Papst? Warum nicht!
Eine Bütt über den ungeheuerlichen,
gewalttätigen Fanatismus in der Welt?
Na klar! Witze über die Toten des Anschlags
von Paris? Auf keinen Fall! Das meinen Experten der Faschingsszene und der Kirche.
Religion und Humor müssten sich nicht ausschließen. „Warum sollte man nicht auch
in einer Büttenrede Themen der Religion
mit ansprechen?“, fragt der Präsident des
Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef
Schuster. Es gelte jedoch, Gefühle von Menschen, die religiös und gläubig sind, nicht zu
verletzen.
Das sieht auch der Ratsvorsitzende der
evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, so. „Humor heißt ja, zu
sich selbst auf Distanz gehen und auch mal
über sich zu lachen und sich nicht so ernst zu
nehmen.“ Deshalb seien Satire und Kritik auch
über Religionen in Ordnung. „Ich wünsche mir,
dass wir eine Art von Satire oder auch Humor
haben, die andere Menschen nicht mies herabsetzt oder sie verletzt. Kritik muss immer
sein, auch bissige, scharfe Kritik. Aber nicht,
andere Menschen herabzusetzen.“
Bedford-Strohm ist seit Jahren einer der
prominenten Gäste der bayerischen FernsehPrunksitzung „Fastnacht in Franken“, die
von fast vier Millionen Menschen geschaut
wird. Dort beweist er immer wieder, dass er
gern lacht – auch über Witze, die die Kirche
betreffen.
Karneval und Religion müssen sich nicht ausschließen, wenn sie gewisse Grenzen wahren,
finden auch Vertreter der Kirche
Foto: flickr/barrabez_germany | CC BY-NC-SA 2.0
„Über Tote macht man keine
Witze“
Der Schweinfurter Büttenredner Peter Kuhn
gehört dabei zum Scharfzüngigsten, was die
fränkische Fastnacht zu bieten hat. In seiner
diesjährigen Bütt wetterte er intelligent über
den Fanatismus in dieser Welt. Auch für ihn
gibt es jedoch klare Grenzen: Über persönliche
Glaubensvorstellungen würde er nicht lästern,
weil das etwas sehr Persönliches, Eigenes sei.
Scharfe Kritik an den Taten der Fanatiker ja,
Witze über die Taten nein, sagt dazu der Präsident des Bundes Deutscher Karneval, Volker Wagner. Über die Gräueltaten der Fanatiker dürfe auch nicht im Namen der Meinungsfreiheit gewitzelt werden. „Der Anschlag von
Paris darf kein Thema sein, denn man kann
sich nicht über etwas lustig machen, wo es
zehn Tote gegeben hat. Über Tote macht man
keine Witze. Das Thema muss stattdessen
heißen: die Freiheit der Meinungsäußerung.
Darüber muss man sprechen.“
In Köln hatte das Festkomitee einen Karnevalswagen zurückgezogen, der nach dem Anschlag auf das Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in Paris geplant worden war. Das Motiv
zeigte einen Mann, der mit einem Bleistift
die Waffe eines Terroristen verstopft. Viele Karnevalfans hätten sich nach Gerüchten
über angebliche Risiken gemeldet und gesagt, sie trauten sich nicht zum Rosenmontagszug, erläuterte Zugleiter Christoph Kuckelkorn. Und spätestens an diesem Punkt
müsse ein Karnevalist sagen, man wolle in
erster Linie Fastnacht feiern.
VON: SZ / DPA
proKOMPAKT 7| 2015
19
IMPULS
FASTEN
W
U N D D O C H:
ER
H
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FASTEN
VERZICHT.
interspeck? Es gibt ihn weder im Supermarkt noch im Fachgeschäft. Winterspeck wächst zur kalten Jahreszeit auf
unseren Hüften. Ursprünglich als hilfreiche
Energiereserve für den Winter gedacht, ist
er heute ein hartnäckiges Problem. Die äußeren Lebensumstände passen nicht mehr
zur inneren Jahresuhr. Spätestens mit der
schweren Feldarbeit im Frühling gingen früher die Pfunde verloren. In unserer Zeit müssen Diäten helfen und unseren schlanken
Schönheitsvorstellungen dienen. So ist das
Fasten wieder Mode geworden. Die christliche Tradition kennt das Fasten in den Wochen vor Ostern. Als Zeichen innerer Einstellung auf den leidenden Christus wird gefastet und gebetet. Mit dem Aschermittwoch
begann die Besinnung auf den Leidesweg
des Herrn, der seinen Freunden gesagt hat-
te: „Seht, wir gehen hinauf nach Jerusalem,
und es wird alles vollendet werden, was geschrieben ist durch die Propheten von dem
Menschensohn.“ (Lukas 18,31).
Es ist der Weg zum Tod am Kreuz. Mit seinem Leiden und Sterben bringt Christus den
Menschen die Erlösung vom Bösen. Dramatisch heißt es in der Bibel: „Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des
Teufels zerstöre.“ (1.Johannes 3,8).
So gesehen ist das Fasten eine ernsthafte Angelegenheit. Es dient weniger dem Gewichtsverlust als vielmehr dem Glaubensgewinn.
Und doch: Fasten ist ein fröhlicher Verzicht.
Gemüse statt Fleisch, Obst statt Schokolade,
Bibel statt Fernsehen. Zeit für Gott. Wagen Sie
neue Wege und freuen Sie sich auf Ostern.
Gesegnete Zeit, Egmond Prill
proKOMPAKT 7| 2015
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Das A und O der Öffentlichkeitsarbeit
Termin: 17.-18. April 2015
Ort: Wetzlar
Referentin: Astrid Jaehn,
Medienagentur zeichensetzen
Flyer und Broschüren gestalten
Termin: 21. März 2015
Ort: Wetzlar
Referent: Hayo Eisentraut,
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Termin: 9. Mai 2015
Ort: Wetzlar
Referent: Michael Gutekunst,
Diakon und Öffentlichkeitsarbeiter
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Der Gemeindebrief
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