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Österreichischen Biomassetag am 20. Oktober 20014 in Salzburg
"Biookonomie - Konkurrent der energetischen Biomassenutzung?"
Manfred Wörgetter,
Bioenergy2020+ Wieselburg
Die großen Herausforderungen
Die Vereinten Nationen erwarten mit Stand 2010 bis 2025 eine Weltbevölkerung von 8 Milliarden
und bis 2100 von 11 Milliarden Menschen. 1975 betrugen die Prognosen für 2100 12 Milliarden. Bei
der aktuellen Prognose gehen die UNO davon aus, dass die Fertilitätsrate) von 2,5 Kindern pro Frau
bis 2100 auf zwei Kinder pro Frau sinken wird.1 Ganz oben auf der Liste der „Millenium Development
Goals“ der UN steht die Verringerung von Armut und Hunger in der Welt2. Um in Menschenwürde zu
überleben, ist ein globaler Wandel in Richtung Nachhaltigkeit unumgänglich.
Der Europäische Rat und der „Copenhagen-Accord3“ haben 2009 eine Einigung auf das „2OC-Ziel“ gebracht. Um die globale Klimaerwärmung nicht darüber hinaus ansteigen zu lassen, braucht es bis
2050 eine Halbierung der globalen Treibhausgasemissionen. Die Industrieländer müssen ihre THGEmissionen um insgesamt mindestens 80 bis 95 % gegenüber dem Niveau von 1990 senken.
Ebenfalls nicht zu unterschätzen ist der Energiehunger der Welt. Das Wirtschaftswachstum in den
BRIC-Staaten und in den Entwicklungsländern ist eng mit stark wachsendem Energieverbrauch verbunden, die Vervielfachung des globalen Verbrauchs fossiler Energie droht.
Auf dem Weg zur Nachhaltigkeit
Immanuel Kant brachte es bereits 1785 in seinem kategorischen Imperativ auf den Punkt: "Handle
so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könnte."
Der Brundtland-Report hat daraus 1987 einen Auftrag an die Politik abgeleitet und ruft nach einer
dauerhaften Entwicklung, die die Bedürfnisse der jetzt lebenden so befriedigt, dass die der nachfolgenden Generationen nicht beeinträchtig werden. Zur gleichen Zeit hat Josef Riegler sein Modell einer ökosozialen (Land-) Wirtschaft, die im Interesse der Gesellschaft und im Einklang mit der Natur
wirtschaftliche Erfolge anstrebt.
Start für die Entwicklung „weg von Kohle und Erdöl, hin zu erneuerbare Energie“ war die Erdölkrise
im Jahr 1973. Das Embargo hat die Abhängigkeit vom Erdöl weltweit schmerzlich erkennbar und die
Notwendigkeit einer nachhaltigen Entwicklung des globalen Energiesystems deutlich gemacht.
Die Bedeutung erneuerbarer Rohstoffe für eine nachhaltige Wirtschaft wurde frühzeitig erkannt. Im
Jahr 1992 hat das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft (BMLFUW) an der Bundesanstalt
für Landtechnik die AG "Nachwachsende Rohstoffe" installiert. Aufgabe war, den wissenschaftlichen
1
http://de.wikipedia.org/wiki/Weltbev%C3%B6lkerung
http://www.un.org/millenniumgoals/
3
www.consilium.europa.eu/uedocs/cms_data/docs/pressdata/en/ec/110889.pdf
2
Status quo zu sichten und aktuelle Problemstellungen zu bearbeiten. Von 1996 bis 2011 hat die Arbeitsgruppe ein Mitteilungsblatt „Nachwachsende Rohstoffe“ herausgebracht.4 1998 ist das BMLFUW im Projekts „Agrarzukunft Österreich“ auf die nachwachsenden Rohstoffe eingegangen und
Vorschläge für die AGENDA 2000 gemacht. Wesentliche Treiber sind:





Entwicklung der ländlichen Regionen
Neue Arbeitsplätze
Neue Märkte
Sicherung der Energie- und Rohstoffbasis
Sicherung der Landwirtschaft





Sicherung der Lebensmittelproduktion
Verbesserung der Zahlungsbilanz
Vielfalt der Landwirtschaft
Schutz der Kulturlandschaft
Verringerung der Umweltbelastung5
Im gleichen Jahr veranstaltete das Ministerium in Gmunden die Europakonferenz für Nachwachsende
Rohstoffe „Crops for a Green Industry“, in der ein Überblick über den technischen und wirtschaftlichen Status quo und ein Ausblick auf eine wünschenswerte Entwicklung gegeben wurde. U.a. wies
EU-Kommissar Franz Fischler auf die Multifunktion der Landwirtschaft hin. Die Teilnehmer forderten
in der „Gmunden-Deklaration“ eine Verbesserung der politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, eine Verankerung der nachwachsender Rohstoffe in der Agrarpolitik, ein europäisches
Industrierohstoffprogramm für die energetische und stoffliche Nutzung, sowie einen Impulsfonds für
notwendige Investitionen und absatzseitige Fördermaßnahmen6.
In einer vom BMLFUW beauftragten Studie hat das Industriewissenschaftlichen Instituts 2001 die
nachwachsenden Rohstoffe analysiert. Es wurden Zukunftsmärkte identifiziert und Handlungsempfehlungen erarbeitet. Dabei wurden sämtliche pflanzliche Rohstoffe aus der Land- und Forstwirtschaft, die nicht für die Ernährung bestimmt sind, behandelt.7 Während zum Zeitpunkt der Erstellung
der Studie die “klassischen” Rohstoffe Holz und Stärke sowie Energie aus Biomasse eine beachtliche
volkswirtschaftliche Rolle spielten, befanden sich “neuen” nachwachsenden Rohstoffe am Anfang der
Entwicklung. Leider hat sich seither wenig geändert und die Diagnose aus dem Jahr 2001 gilt auch
heute noch.
Die Austrian Bioenergy Centre GmbH, Vorläufer von Bioenergy 2020+ hat 2006 Die Treibhausgasrelevanz nachwachsender Rohstoffe untersucht8, relevanten Player und deren Kompetenzen erhoben das THG-Minderungspotential abgeschätzt und Maßnahmen zur Förderung von Investitionen
vorgeschlagen. Rohstoffseitig wurden Fasern, Öle und Fette, Farb- und Gerbstoffe und Stärke, produktseitig Baustoffe, Polymilchsäure und biologisch abbaubare Werkstoffe behandelt. Nicht behandelt wurden Holz und Zellstoff wegen der etablierten Verarbeitungslinien, pflanzliche Wirkstoffe wegen der geringen Mengen sowie die energetische Nutzung der Öle und Fette.
In Folge erstellt Bioenergy2020+ eine Studie „Bestandserhebung zur stofflichen Nutzung von nachwachsenden Rohstoffen in Österreich“9. Beinhaltet sind:
4
Unter dem „Nachwachsende Rohstoffe“ hier zu finden: www.josephinum.at/no_cache/blt/forschung/publikationenneu/publikationen-suche.html
5
M. Wörgetter, R. Mang: „Die Rolle der Nachwachsenden Rohstoffe in Österreich“, Bundesministerium für Land- und
Forstwiertcshaft, Wien 1998
6
http://www.inaro.de/Deutsch/ROHSTOFF/gmunden.htm
7
Nachzulesen in www.ifip.tuwien.ac.at/publ/oes/oes_pdf/oes_2004_1-2.pdf Seite 51 ff.
8
www.bioenergy2020.eu/files/publications/pdf/Endbericht_nawaro_aktiv.pdf
9
www.bioenergy2020.eu/app/webroot/files/file/Endbericht_nawaro_markt_Bestandserhebung_zur_Ver%C3%B6ffentlichun
g%20368%20TR%20nK-I-1-66%2003.pdf



Eine Übersicht der Märkte inklusive Proponenten aus Landwirtschaft, Industrie, Wirtschaft
und Handel sowie und Rohstoffe und Produkte
Die Erhebung relevanter Forschungsprojekte in Programmen wie Fabrik der Zukunft“, Erfahrungen aus europäischen Initiativen
Ein Konzept für die Leitlinien des NAWARO-Programms auf Basis von Vision und Nachhaltigkeitskriterien sowie allgemeine und spezifische Leitsätze
Über aktuelle Entwicklungen berichtet Bioenergy2020+ im Auftrag des bmvit im Mitteilungsblatt
„Biobased Future“.10
Die Austrian Energy Agency vernetzt im nawaro markt Programm Akteure am österreichischen
Markt. 11 Auf einer interaktiven Landkarte sind Unternehmen, Institutionen und Organisationen erfasst, die in diesem Bereich aktiv sind. 12 Schwerpunkte der Plattform sind Produkte aus nachwachsenden Rohstoffen - Dämmstoffe, Verbundwerkstoffe, Biopolymere in ihrer Anwendung, (Druck)farben/Lacke/Öle auf pflanzlicher Basis und sonstige Wertstoffe.
Das Institut für industrielle Ökologie hat im Auftrag des bmvit eine Research Agenda „Am Weg zu
einer biobasierten Industrie-Chancen für Österreich“ erstellt.13 Als Rohstoffe wurden Reststoffe und
Rückstände von Produktionsprozessen sowie innovative Rohstoffe wie Biomasse aus Algen untersucht. Bei der Konversion wurden neue Wege für die Papier- und Zellstoffindustrie sowie chemische
und biotechnische Umwandlungen zu Plattformchemikalien berücksichtigt.
Die österreichische Wasserstraßengesellschaft via donau widmet sich seit 2012 dem Thema Nachwachsende Rohstoffe mit dem Binnenschiff“. In Branchenanalysen hat man das Potenzial dieser Gütergruppe für die Verlagerung von der Straße auf die Wasserstraße identifiziert. In Expertenworkshops wurden Themen wie Holz und Zellulose, Ölsaaten und Biodiesel, Zucker, Stärke und Bioethanol
sowie die Vorteile des Transports mit dem Schiff mit VertreterInnen aus allen Bereichen des Sektors
behandelt.14
Bioenergie und Holzwirtschaft – eine österreichische Erfolgsstory
Der Bruttoinlandsverbrauch von Energie stieg von 797 PJ im Jahr 1970 auf 1.427 PJ 2011 an. Parallel
dazu hat sich erneuerbare Energie seit 1970 von 124 PJ auf 373 PJ im Jahr 2011 gesteigert. Der Bruttoinlandsverbrauch von Bioenergie hat sich seit 1970 beinahe verfünffacht. Biogene Brenn- und
Treibstoffe (Hackschnitzel, Sägenebenprodukte, Biodiesel, Bioethanol etc.) erfuhren in der vergangenen Dekade einen steilen Anstieg von 62,8 PJ im Jahr 2002 auf 168 PJ im Jahr 2011. 15
Der Wertschöpfungskette Forst – Holz – Papier hat sich in den letzten vier Dekaden in Österreich
höchst erfolgreich etabliert. Von 1971 bis 1980 wurden jährlich durchschnittlich 14,5 mio. fm Holz
eingeschlagen, von 2007 bis 2009 waren es fast 26 mio. fm. Da der Nutzung ein Zuwachs von 30 mio.
fm gegenüber steht, wächst der Holzvorrat in Österreichs Wäldern ständig. 2011 wurde fast so viele
Holz energetisch genutzt wie der österreichische Wald geliefert hat; mehr als die Hälfte davon
stammt aus einer Nutzungskaskade, 18 % davon nutzt die Industrie selbst.
10
http://www.bioenergy2020.eu/content/publikationen/publikationen/andere_druckwerke
www.klimaaktiv.at/nawaro
12
http://maps.klimaaktiv.at/Nawaro.201.0.html
13
www.nachhaltigwirtschaften.at/iea_pdf/newsletter/iea_bioenergy_mitteilungsblatt_biobased_future_01_2014.pdf
14
http://www.oevg.at/aktuell/veranstaltungen/Nawaro_Newsletter_1_final.pdf
15
Bioenergie Basisdaten 2013, Österreichischer Biomasseverband
11
Holzbilanz Österreich 2011 (in Mio. fm)16
Abflüsse
Zuflüsse
Exporte SRH,SH, SNP
8,1
Holznutzung Wald
24,8 Holzprodukte
4,4
Importe SRH
9,5 Produkte Plattenindustrie 3,4
Sonstiges Aufkommen
7,9 Produkte Sektor Papier
4,6
Importe Halbfertigprodukte 2,8 Energie
24,0
Importe SNP
2,5 Abgang und Rücklass
3,0
Gesamt
47,5
47,5
Die Erfolge gründen auf einem vorteilhaften politischen Rahmen, der Zusammenarbeit der Forstwirtschaft mit der Industrie (Säge, Platte, Papier), der Wettbewerbsfähigkeit der Bioenergie und der Bioenergietechnolgie und nicht zuletzt dem Engagement der Proponenten der Bioenergie.
Auf dem Weg zu einer „Biobased Economy“
Die Europäische Kommission hat 2011 einen „Fahrplan für ein ressourcenschonendes Europa“ erstellt, in dem sie auf die Herausforderungen des Verbrauchs von Ressourcen hinweist. Der Abbau
von Bodenschätzen ist Laufe des 20. Jahrhundert auf das 34-fache gestiegen. Für das Wohlergehen
der Bürger ist sicherzustellen, dass die Qualität des Wachstums zu einer nachhaltigen Zukunft führt.
Die globale Ressourceneffizienz muss bis 2050 um das Vier- bis Zehnfache erhöhen müssen. Dazu ist
ein politischer Rahmen, der Ressourceneffizienz belohnt, notwendig. Die Entkopplung des Wachstums von der Ressourcennutzung erfordern Kohärenz und Integration in den politischen Strategien,
die unsere Wirtschaft und unseren Lebensstil gestalten.
Die Vision: Bis 2050 ist die Wirtschaft der EU so gewachsen, die die Ressourcenknappheit und die
Grenzen des Planeten respektiert, und trägt so zu einer weltweiten wirtschaftlichen Umgestaltung
bei. Unsere Wirtschaft ist wettbewerbsfähig und bietet einen hohen Lebensstandard bei deutlich geringerer Umweltbelastung. Alle Ressourcen werden nachhaltig bewirtschaftet.17 Diese Vision sollte
durch eine wissensbasierte Bioökonomie („Knowledge Based Bio-Economy“, KBBE) erreicht werden.18 Die neue Art des Wirtschaftens soll im globalen Kontext die Lebensqualität verbessern und
Umwelt und Gesellschaft schützen. Die KBBE adressiert Ernährung, erneuerbare Ressourcen, nachhaltige Landwirtschaft, Wohlstand in den Regionen und die Erfüllung der Wünsche der Konsumenten.
Zur Umsetzung ist eine Private-Public-Partnership (PPP) „Bio-Based Industries Initiative“ (BBI) entstanden. In der BBI wollen 60 große und kleine Firmen und Organisationen aus Industrie sowie Landund Forstwirtschaft gemeinsam biobasierte Technologien entwickeln und deren Markteignung demonstrieren.19 Dazu sollen 3,7 Milliarden Euro zugänglich gemacht werden.20
Die deutsche Bundesregierung hat in einer Forschungsstrategie für die Entwicklung hin zu einer wissensbasierten und wettbewerbsfähigen Bioökonomie prioritäre Handlungsfelder wie weltweite Ernährungssicherheit, nachhaltige Agrarproduktion, gesunde und sichere Lebensmittel, industrielle
Nutzung nachwachsender Rohstoffe und Energieträger aus Biomasse definiert.
16
Datenquelle: Bioenergie Basisdaten 2013, Österreichischer Biomasseverband
http://ec.europa.eu/environment/resource_efficiency/pdf/com2011_571_de.pdf
18
http://cordis.europa.eu/fp7/kbbe/about-kbbe_en.html
19
http://biconsortium.eu/about/about-bbi#sthash.WzLeGLoa.dpuf
20
http://ec.europa.eu/research/press/jti/factsheet_bbi-web.pdf
17
Ziel ist, mit Forschung und Innovation einen Strukturwandel zu einer bio-basierten Industrie zu ermöglichen. Ganzheitliche Maßnahmen müssen ökologische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Belange berücksichtigen; die globale Ernährungssicherheit hat vor industriellen und energetischen Nutzungsformen Vorrang.21 Die Entwicklung braucht interdisziplinäre Impulse, internationale Zusammenarbeit, Kooperation zwischen Wissenschaft und Wirtschaft und den Dialog mit der Gesellschaft.
Die "Politikstrategie Bioökonomie 2013" setzt Prioritäten in Richtung einer wissensbasierten Bioökonomie und zeigt Wege für den Wandel auf.22
Die Forschungsstrategie „BioÖkonomie 2030“ ergänzt die Bemühungen.23 Vorhandene und neue
Fachpolitiken auf globaler, europäischer und nationaler Ebene prägen den Rahmen. Die Biotechnologie wird als Schlüsseltechnologie der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft gesehen. Von
ihr gehen Impulse für den Strukturwandel aus. Biotechnologischer Methoden können erdölbasierte
Produkte substituiert und zu neuartigen Produkten führen.
In Österreich hat das Lebensministerium (BMLFUW) 2012 einen Ressourceneffizienz Aktionsplanes
(REAP) veröffentlicht. Der Plan enthält Ziele zur Steigerung der Effizienz bei der Nutzung natürlicher
Ressourcen und definiert Handlungs- und Aktionsfelder und Maßnahmen für die Steigerung der Ressourceneffizienz in Österreich vorgeschlagen. In Ergänzung wurde mittlerweile an einem Aktionsplan
zur stofflichen Nutzung Nachwachsender Rohstoffe gearbeitet. Der Plan geht auf den Status quo und
wird Maßnahmen zur Steigerung der stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe vorschlagen. Er
soll die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärken und zur vermehrten Nutzung von Biomasse
als Rohstoff beitragen. Behandelt werden Biobasierte Werkstoffe, Baustoffe und Baumaterialien,
Produkte aus Pflanzenöl und sonstige produkte aus nachwachenden Rohstoffen
Das Infrastrukturministerium (BMVIT) arbeitet an einem Strategiepapier „Biobasierte Industrie in Österreich“. F&E sind das Fundament einer „Biobased Industry“. Mit der FTI-Initiative „Produktion der
Zukunft“ setzt das Ministerium Impulse für einen Wandel. Dabei wird eine nachhaltige Verwertung
der Biomasse angestrebt wird. Die Programmlinie „Produktion der Zukunft“ des BMVIT24 finanziert
F&E-Aktivitäten zum Aufbau einer „Biobased Industry“. Die ÖGUT schätzt derzeit für das Ministerium
mögliche Marktentwicklungen ein und arbeitet an einem Strategiepapier; Technologiepfade mit hohem Realisierungspotential werden identifizierte und Ziele für die Industrie definiert.
Das Land Niederösterreich berücksichtigt bei der Ausarbeitung der FTI-Strategie des Landes ebenfalls
die stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe als Werkstoff, Baustoff und Rohstoff für die Industrie. Dabei wird Niederösterreich voraussichtlich auf Schwerpunkte wie Bauen mit Holz, naturstoffbasierte Dämmstoffe und Formteile, innovative Laubholztechnologien Biowärmetechnologien und Bioraffinerie setzen.
Barrieren in der Entwicklung
Der Übergang in eine biobasierte Zukunft erfordert (viel) Zeit, (viel) Geld und Strategien zur Überwindung der technischen und nicht-technischen Hemmnisse. Die “klassischen” Rohstoffe Holz und
Stärke sowie Energie aus Biomasse spielen bereits heute eine wesentliche Rolle in unserer Volkswirtschaft. Forschung, Technologieentwicklung und ein innovationsfreundlicher Rahmen sind hier die
Faktoren für weiteren Erfolg.
21
www.bmbf.de/de/biooekonomie.php
www.bmel.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/BioOekonomiestrategie.pdf?__blob=publicationFile
23
www.bmbf.de/pub/biooekonimie.pdf
24
http://www.bmvit.gv.at/innovation/produktion/index.html; https://www.ffg.at/produktionderzukunft
22
Trotz intensiver Bemühungen seit den 90-iger Jahre sind die Fortschritte bei den “neuen” nachwachsenden Rohstoffe gering. Hier gilt nach wie die Feststellung der Studie der inno GmbH25:

Die NAWARO-Landschaft hat sich vorwiegend aus landwirtschaftlicher Förderung, Erfindertum und Idealismus entwickelt, es mangelt an grundlegenden markt- und abnehmerorientierten Ansätzen
Die nicht-technischen Hemmnisse möglich ähnlich wie die bei der Einführung der Biotreibstoffe in
Europa sein. Folgende Barrieren mögen auch für „NAWAROs“ gelten:





Die externen Vorteile nachhaltiger Produkte gehen nicht in den Preis ein, der Wettbewerb
mit fossilen Rohstoffen ist schwierig, die Rohstoffpreise hängen von den Märkten land- und
forstwirtschaftlicher Produkte ab und bewegen sich weitgehend unabhängig von den Weltmarktpreisen von Erdöl, stabilisierende Maßnahmen fehlen
Nischenmärkte sind klein, Marketingmaßnahmen fehlen ebenso wie technische Standards
Unsichere Rahmenbedingungen halten die Industrie von Investitionen und die Landwirtschaft von einem Umstieg auf die innovative Biomasserohstoffe ab
Belastbares und langfristig anerkanntes Wissen über Umweltbilanzen fehlt zum Teil
Industrie, Wirtschaft, Politik und die Allgemeinheit wissen über die Chancen und Vorteile
nachwachsender Rohstoffe, Akzeptanzprobleme drohen
Nicht zuletzt ist derzeit schwer abzuschätzen, ob, in welchen Mengen, zu welchen Preisen und von
woher Biomasse für Energie und Industrie bereitgestellt werden können.
Zur Zukunft
„At the Crossroad“ war Thema des Europäischen Forums Alpbach 2014. Unter dem Titel „Bioenergie Ausweg oder Irrtum?“ wurde die stoffliche Nutzung von Biomasse contra Bioenergie diskutiert. Beiden Bereichen gemeinsam sind die Bemühungen um die Steigerung der regionalen Wertschöpfung
und die Entwicklung einer zukunftsfähigen Wirtschaft. Es gilt, die verfügbaren Biomassen dort einzusetzen, wo die Wertschöpfung am Größten ist, kaskadische Nutzung ist anzustreben. Zu berücksichtigen sind der Stand der Technik und technologische Lerneffekte. Bemühungen um innovative Rohstoffquellen können langfristig zur Lösung beitragen. Von wesentlicher Bedeutung ist ein fördernder,
berechenbarer, zuverlässiger und ausgewogener politischer Rahmen.
Der Übergang einer fossilen in eine biobasierte Wirtschaft ist hoch komplex, wird Jahrzehnte dauern
und alle Bereich des Lebens der Menschen betreffen. Forschung, Technologieentwicklung und Innovationen sind ebenso Voraussetzungen für eine „Biobased Future“ wie die Akzeptanz durch die Gesellschaft. Für eine breite Umsetzung ist Bewusstseinsbildung unerlässlich, die wahren Erfolge können nur am Markt entstehen. Die Größe der Aufgabe erfordert die Zusammenarbeiter von Politik,
Verwaltung und Institutionen mit der Industrie und der Wirtschaft auf nationaler, europäischer und
globaler Ebene.
Österreich sollte sich auf seine Stärken konzentrieren. Dazu gehören die Erfahrungen aus dem Aufbau einer Bioenergiewirtschaft ebenso wie die der Forst-Holz-Papier Plattform. Da sich die Rohstofflieferung aus dem Wald den natürlichen Grenzen nähert, sollte nach neuen Biomassequellen gesucht
werden. Eine abfallfreie, kaskadische Biomassenutzung gehört ebenso dazu wie Importe aus den
25
Endbericht des Projekts „Nachwachsende Rohstoffe – Strategieentwicklung in Niederösterreich“. Inno GmbH Karlsruhe
(1999) im Auftrag des BMWA und des Amts der NÖ Landesregierung
(östlichen) Nachbarstaaten und innovative Biomassen aus heimischer (landwirtschaftlicher) Produktion. Größte Chancen bietet der Export von Know-how und Technologien. Eine realistische Einschätzung des Status quo, ein klarer Fokus mit langfristige Ziele, ein breites und zuverlässiges politisches
Kommittent und langfristig wirksame Programme sind dabei ebenso wichtig wie die Verfügbarkeit
von Biomasse in ausreichender Menge zu fairen Preisen wie die Umweltverträglichkeit entlang der
gesamten Wertschöpfungskette.
Dank
Ich konnte mein ganzes Berufsleben der Erforschung und Verbreitung von Biomasse für Energie und
Industrie widmen und zur Entwicklung beitragen. Fast 40 Jahre lang hat das „Lebensministerium“ die
Forschungs- und Vernetzungsarbeiten finanziert – herzlichen Dank dafür. Mein Dank geht auch an
das „Infrastrukturministerium“ – es hat (unter wechselndem Namen) im K plus bzw. COMETProgramm unser Kompetenzzentrum unterstützt und seit 1995 meine Teilnahme am IEA Bioenergy
Netzwerk finanziert. Dank auch der Niederösterreichischen Landesregierung für den Aufbau des
Technopol Wieselburg und die Unterstützung des Standorts von Bioenergy2020+. Vieles verdanke ich
auch den Mitarbeitern und der Geschäftsführung von Bioenergy2020+. Besonderen Dank richte ich
an den Österreichischen Biomasseverband für die jahrzehntelangen intensiven Bemühungen um den
Aufbau einer Bioenergiewirtschaft; hervorzuheben dabei die alljährliche Sammlung von Basisdaten
über Bioenergie.
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