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LESESTOFF: DIE ANGST VOR DEM SCHULDENSCHNITT | WIRTSCHAFT
FreiePresse
OBERES VOGTLAND
Dienstag, 17. Februar 2015
Narren nehmen
aktuelle Politik
aufs Korn
LOKALES
OELSNITZ/KLINGENTHAL
Jacob sieht Lasten
ungerecht verteilt
Ein Motivwagen zum Thema „Krieg
und Frieden“ war einer der Hingucker des gestrigen Rosenmontagsumzuges in Düsseldorf. Die große
Politik bescherte den Karnevalisten
in diesem Jahr jede Menge Motive.
So wurden der islamistische Terror,
der Ukraine-Konflikt, die Flüchtlingswelle und die islamfeindlichen
„Pegida“-Proteste aufs Korn genommen. In Köln, wo rund 1,2 Millionen Schaulustige den Rosenmontagsumzug verfolgten, wurde das
Thema islamistischer Terror sensibel aufgegriffen. An der Stelle des
Zuges, wo der ursprüngliche „Charlie-Hebdo-Wagen“ fahren sollte,
fuhr ein grauer Wagen ohne Aufbauten und närrische Bemalung
mit. Der Schriftzug „Das ist was
bleibt! Das freudeversprühende
Grau!“ sollte ein Zeichen dafür setzen, dass fanatische Islamisten
nicht den Frohsinn des Karnevals
verhindern. FOTO: ROLAND WEIHRAUCH/DPA
Aus Sicht des Markneukirchener
Bürgermeisters Andreas Jacob
(CDU) ist die aktuelle Haushaltsdiskussion auf Kreisebene eine
Chance, „uns allen bekannte Unrechtmäßigkeiten“ anzusprechen.
Konkret verweist er auf die Trägerschaft des Julius-Mosen-Gymnasiums Oelsnitz mit der Außenstelle Klingenthal durch den
Landkreis – es wird indirekt durch
alle Städte und Gemeinden im
Kreis finanziert, während alle anderen Gymnasien im Vogtland direkt durch die Trägergemeinden
subventioniert werden. Der Oelsnitzer Oberbürgermeister Mario
Horn (CDU) hatte die städtische
Übernahme des Gymnasiums abSeite 9: Bericht
gelehnt. (hagr)
OELSNITZ
13 Taufengel im
Vogtland gefunden
Im Vogtland existieren heute
noch 13 Taufengel, sechs gelten
als verschollen. Das fand Gunter
Lasch aus dem Erzgebirge heraus.
Er hielt ergänzend zur Sonderausstellung „Engel – himmlische Botschafter“, die auf Schloss Voigtsberg gezeigt wird, einen Vortrag
zum Thema Taufengel. Dabei
ging er auf die Kirchen mit TaufSeite 13: Bericht
engel ein. (eso)
IN DIESER AUSGABE
Wirtschaft Sigmar Gabriel
erwartet 170.000 neue
Arbeitsplätze in diesem Jahr
Sport Chemnitzer Bahnradfahrer peilen bei der WM in
Frankreich Medaillen an
Kultur Der Rockstar unter
den Literaten: T. C. Boyle
bei einer Lesung in Leipzig
Alle Leute lügen
Im Film „Vorsicht vor Leuten“
wird gelogen, dass sich die Balken
biegen. Theaterstar Natalia Belitski ist mit viel Spielfreude dabei. Zu sehen ist der Film nächsten Mittwoch, 20.15 Uhr, ARD.
WETTER VOR ORT
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Ausführliches Wetter: Ratgeber
20008
Einzelpreis 1,00 Euro
Seite 8: Bericht
300 Millionen Euro werden in
regionales Stromnetz investiert
Noch nie wurde so viel
Strom aus erneuerbaren
Energien produziert. Ohne
Ausbau und Modernisierung der Netze droht
allerdings der Kollaps.
VON RAMONA NAGEL
CHEMNITZ — Die
Mitteldeutsche
Netzgesellschaft Strom (Mitnetz) investiert dieses Jahr rund 300 Millionen Euro in ihre Stromnetze. Mit
dem Geld werden die Anlagen ausgebaut und verstärkt, Umspannwerke und Trafostationen modernisiert
sowie Freileitungen durch Erdkabel
ersetzt. „Wir reagieren damit auf die
steigende Stromeinspeisung aus erneuerbaren Energien“, sagte Geschäftsführer Adolf Schweer. Mehr
als die Hälfte der Gelder fließt nach
Sachsen, es folgen Brandenburg mit
66, Sachsen-Anhalt mit 64 und Thü-
ringen mit zehn Millionen Euro.
Mitnetz ist eine Tochter des in
Chemnitz ansässigen Energiedienstleisters Envia M.
In Ostdeutschland sind die Netze
besonders gefährdet, denn hier wird
deutlich mehr Grüner Strom erzeugt als verbraucht. 2014 waren es
insgesamt 10,4 Milliarden Kilowattstunden und damit sechs Prozent
mehr als im Vorjahr. Jeder ostdeutsche Kunde erhält mittlerweile rund
70 Prozent Ökostrom, bundesweit
sind es erst knapp 30 Prozent. Die
Vergütung für die Erzeugung ist
zwar deutlich gesunken, aber immer noch so attraktiv, dass in großem Umfang Anlagen installiert
werden. Im Gebiet von Mitnetz sind
es insgesamt 36.636. Mit mehr als
33.000 Anlagen steht dabei die Solarenergie an erster Stelle, gefolgt
von über 2600 Windkraftanlagen.
Die Netze sind jedoch überhaupt
nicht auf solche Strommengen ausgelegt und deshalb bei sehr sonnigem oder windigem Wetter schnell
überlastet. „Die Reserven im ost-
deutschen Netz sind aufgebraucht“,
meinte Schweer. Immer häufiger
müssen deshalb die Ingenieure und
Techniker von Mitnetz eingreifen
und regulieren. Im vergangenen
Jahr hatten sie 34-mal die normalen
Kraftwerke abgeschaltet. 2013 war
dies 22-mal der Fall. Sie wieder hochzufahren, dauert Stunden.
Bislang fließt sogar noch ein Teil
des Stroms unkontrolliert nach
Tschechien und Polen ab. Die beiden
Nachbarländer wollen das aber
künftig mit entsprechender Technik
verhindern. „Dann verschärft sich
die Situation für uns deutlich“,
meinte Schweer. Auch der von der
neuen sächsischen CDU-/SPD-Regierung vereinbarte Ausbau der bislang im Freistaat wenig beachteten
Windenergie bringt die Netze noch
schneller an die Kapazitätsgrenze.
Für Schweer gibt es deshalb nur eine
Lösung. „Die erneuerbaren Energien
können nicht mehr schneller ausgebaut werden als die Netze. Hier muss
sich dringend etwas ändern“, forderte der Energieexperte.
Wichtige Vorhaben im Freistaat
Die Hochspannungsleitung zwischen Zwönitz und Gersdorf bekommt
neue Masten. Sie haben eine Lebensdauer von etwa 80 Jahren.
Zwischen Wegefahrth und Kleinwaltersdorf (beide Orte bei Freiberg)
wird die Hochspannungsleitung erweitert.
Die Hochspannungsleitung von
Oberschöna nach Clausnitz (beide Orte bei Freiberg) wird verstärkt. Dabei
werden unter anderem die Fundamente verstärkt und Isolatoren erneuert. Damit hält die Leitung noch
mehr Eis- Schneeablagerungen aus.
Eine Modernisierung ist für die Umspannwerke Groitzsch (Leipzig), Rackwitz (Leipzig) und Zwönitz (Erzgebirge) vorgesehen. (na)
Wie dunkel ist ihr Leberfleck wirklich?
Eine Journalistin hat ein unbearbeitetes Foto von Cindy Crawford veröffentlicht - Die Reaktionen sind gespalten
Ist sie das wirklich? Cindy Crawford
war einst das bestbezahlte Model der
Welt. Straffer Körper, glatte Haut –
das gehörte zu dem Bild, das wir von
Crawford hatten. Wie der Leberfleck
links über ihrer Lippe.
Doch nun? Die Journalistin Charlene White hat ein Foto des 1990erJahre Top-Models in den sozialen
Netzwerken veröffentlicht, bevor es
durch die Photoshop-Behandlung
ging, die heutzutage eigentlich jedes
Mode-Foto erhält. Das 48-jährige
Model sieht darauf aus wie eine 48jährige Mutter eben aussieht – und
ganz Twitter findet es super. Es wird
ihr Mut bejubelt, sich so zu zeigen,
wie sie ist. Dabei steht nicht einmal
fest, ob sie sich zeigen wollte, wie sie
Der Tweet, der die Modewelt bewegt.
FOTO: SCREENSHOT
nun gezeigt wird – oder ob ihr das
eher peinlich ist. Geäußert hat sie
sich bisher nicht dazu. Dafür allerdings die Redaktion der mexikanischen Ausgabe der Modezeitschrift
„Marie Claire“, aus deren Archiv das
unbearbeitete Bild offensichtlich
stammt. „Das Foto ist echt, ehrlich
und es ist großartig“, kommentierte
das Magazin – und setzte noch hinzu: „Dieses Bild lässt uns sie nur
noch mehr lieben.“
Wie dem auch sei: Das Foto ist
nicht schön und fände wohl nicht
mal Eingang in ein Familienalbum,
auch wenn Fans von wahrer Schönheit faseln. Das Licht ist unvorteilhaft. Die starken Schatten verstärken die Falten. Die gesamte Lichtsi-
tuation ist darauf ausgerichtet, dass
das Foto später nachbearbeitet wird.
Dabei werden wie von Geisterhand
Unebenheiten entfernt und die
Haut geglättet, bis sie aussieht, wie
die einer 20-Jährigen. So erhalten
wir das Bild, das wir gewöhnt sind.
Und das ist ein grundsätzliches
Problem: Man erhebt die unrealistische Perfektion zum Ideal. Sie wird
zur Vision. Visionen aber sind nicht
die Wirklichkeit. Und so weiß auch
kein Außenstehender, was an dem
Model Crawford wahrhaftig ist. Ein
Tölpel, wer glaubt, dass es je so
schön war, wie wir es immer zu sehen bekamen. Und: Kaum jemand
weiß, wie dunkel der Leberfleck
wirklich ist. (mit dpa)
Eva Prase
Ansturm
auf die Rente
mit 63
14.300 Sachsen haben
bereits Antrag gestellt
DRESDEN — Deutlich mehr Arbeit-
nehmer als ursprünglich angenommen wollen nach 45 Beitragsjahren
mit 63 abschlagsfrei in Rente gehen.
Das belegen aktuelle Zahlen der
Rentenversicherung. Bis Ende Januar waren demnach in Deutschland
etwa 232.000 Anträge gestellt worden. Die Regierung war von rund
200.000 ausgegangen. Mehr als
14.300 Anträge wurden von Sachsen
gestellt – knapp 12.000 sind positiv
beschieden. Lediglich bei 115 Versicherten mussten die Anträge abgelehnt werden, weil die Voraussetzungen nicht gegeben waren. Die
Altersrente für besonders langjährig
Versicherte gehört zu dem zum 1. Juli 2014 in Kraft getretenen Rentenpaket. Angesichts der neuen Zahlen
schlägt die Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft (VSW) Alarm: Ein
Fünftel aller sächsischen sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten
habe in den nächsten Jahren Anspruch auf einen abschlagsfreien
früheren Renteneintritt. Die VSW
geht davon aus, dass die Rente mit
63 die Fachkräfteengpässe verschärRatgeber: Interview
fen wird. (gfl)
FRIEDENSPLAN
Waffenruhe in der
Ukraine hält nicht
KIEW/DONEZK — Zahlreiche Verstöße
gegen die Waffenruhe in der Ostukraine belasten den Friedensprozess.
„Die Lage ist fragil“, warnte Kanzlerin Angela Merkel gestern. Vor allem der geplante Abzug schwerer
Waffen ist gefährdet: Solange die
prorussischen Separatisten Stellungen der Armee unter Feuer nähmen,
werde die Ukraine ihre Geschütze
nicht zurückziehen, sagte Militärsprecher Andrej Lyssenko in Kiew.
„112 Mal Beschuss - das ist keine
Waffenruhe“, kritisierte er. Auch die
Aufständischen warfen dem Militär
Verstöße gegen die Feuerpause vor.
(dpa) Seite 3/4: Reportage/Leitartikel
4 190932 801007
Die Zeitung im Internet:
www.freiepresse.de
53. Jahrgang, Nr. 40, VERLAG UND REDAKTION:
09111 Chemnitz, Brückenstraße 15, Tel. 0371 6560
SERVICE-TELEFON: 0800 80 80 123
MONTAG BIS FREITAG: 6.00–18.00 Uhr | SAMSTAG: 6.00–13.00 Uhr
Telefonische Anzeigenannahme | Abo-Service | Ticket-Service
2 Freie Presse
NACHRICHTEN
VERKEHR
Tempo-Blitzer nach
Vierteljahr abbezahlt
HOHNDORF — Die zwei stationären
Geschwindigkeitsmessgeräte an der
B 174 in Hohndorf (Erzgebirgskreis)
haben rund ein Vierteljahr nach ihrer Inbetriebnahme bereits ihre Anschaffungskosten eingespielt. Von
Anfang Oktober bis Ende Dezember
lösten sie 9600-mal aus. Der Erzgebirgskreis verschickte anschließend
Verwarn- und Bußgeldbescheide in
Höhe von rund 166.000 Euro, wie
das Landratsamt auf Nachfrage der
„Freien Presse“ mitteilte. Für Erwerb
und Installation der beiden Tempoblitzer hatte der Landkreis 165.000
Euro ausgegeben. Diese Zahlen zeigten die missliche Situation an der
B 174 in Hohndorf, sagte Bürgermeister Uwe Günther. Die Gemeinde sowie eine Bürgerinitiative fordern wegen der erheblichen Lärmbelästigung seit mehreren Jahren
den Bau einer Ortsumfahrung. Laut
Zählungen der Bürgerinitiative rollen täglich rund 15.000 Fahrzeuge
auf der B 174 durch den Ort. (hfn)
NATURSCHUTZSTATION
Früherer Chef
freigesprochen
SACHSEN
Pegida kündigt
OB-Kandidatur
für Dresden an
Lutz Bachmann nannte
keinen Namen. Er verlas
nur ein neues Thesenpapier, das auch für andere
„Gida“-Proteste gilt. Der
Zulauf stagniert allerdings.
VON TINO MORITZ
DRESDEN — Diese Überraschung hat
sich Lutz Bachmann für den Schluss
seiner Rede aufgehoben. Erst verliest
der Pegida-Gründer vor den laut Polizei rund 4000 Menschen, die sich
gestern Abend zum mittlerweile
„15. Großen Abendspaziergang“ vor
der Frauenkirche einfanden, ein
neues – für Bachmann mittlerweile
das dritte – Positionspapier. Danach
Lutz Bachmann
Pegida-Gründer
CHEMNITZ — Bei der juristischen Auf-
arbeitung des Brandes in der Naturschutzstation Herrenhaide in Burgstädt (Landkreis Mittelsachsen) hat
es eine spektakuläre Wendung gegeben: Das Landgericht Chemnitz hat
gestern den Gründer und ehemaligen Chef der Einrichtung in zweiter
Instanz vom Vorwurf der Brandstiftung freigesprochen. Die Richter
werteten die Beweise als nicht ausreichend. Zudem hätten auch Mitglieder des Naturschutzbundes (Nabu), der die Station betreibt, ein Motiv für die Brandstiftung gehabt,
weil das Haus erst kurz zuvor hoch
versichert wurde. Der Angeklagte
war in erster Instanz zu einem Jahr
und acht Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Amtsgericht hatte als Motiv das Zerwürfnis zwischen ihm und Nabu-Mitgliedern angenommen. Die Station
war im Juni 2013 abgebrannt und ist
inzwischen weitgehend wieder aufgebaut worden. (lumm)
ERMITTLUNGSERGEBNIS
Kerze löste tödlichen
Wohnungsbrand aus
LOMMATZSCH — Eine brennende Kerze hat den verhängnisvollen Wohnungsbrand vor einer Woche in
Lommatzsch (Landkreis Meißen)
ausgelöst. Das bestätigte die Polizei
gestern. Bei dem Unglück waren eine 49 Jahre alte Frau und ihr 48 Jahre
alter Mann ums Leben gekommen.
Die Mutter (74) der Frau, die im selben Mehrfamilienhaus wohnt, erlitt
eine Rauchgasvergiftung. (dpa)
WILDUNFALL
Wolf von Auto
überfahren
MAUKENDORF — Ein 20-Jähriger hat
nahe Maukendorf (Kreis Bautzen)
mit seinem Wagen einen Wolf überfahren. Das Tier war am Sonntagabend plötzlich auf eine Bundesstraße gelaufen, wie die Polizei gestern
berichtete. Der Mann habe den Zusammenstoß nicht mehr verhindern können. Der Wolf verendete
noch am Unfallort. (dpa)
LIEBHABERSTÜCK
Diebe stehlen Harley
mit Ural-Beiwagen
KAMENZ — Amerikanisch-russisches
Gespann: In Kamenz ist einem Motorradfan ein besonderes Liebhaberstück gestohlen worden. Der 54-Jährige hatte eine Harley-Davidson mit
einem Beiwagen der russischen
Marke Ural kombiniert. Wie die Polizeidirektion Görlitz gestern mitteilte, wird der Zeitwert des Gespanns auf etwa 20.000 Euro geschätzt. Der Mann bemerkte den
Diebstahl am Sonntag, als er aus
dem Urlaub zurückkehrte. (dpa)
FOTO: ARNO BURGI/DPA/ARCHIV
erwähnt er die Muslime in seinem
Freundeskreis, die genauso wie er
fänden, „dass der Islam eine Reformation benötigt, welche das Christentum bereits durchlaufen durfte“.
Und erst dann sagt der 42-Jährige,
dass sich Pegida „nach langem Hin
und Her und einer Vorauswahl möglicher Kandidaten und diversen
Treffen mit den Aspiranten“ entschlossen habe, „einen Kandidaten
oder eine Kandidatin zur kommenden Oberbürgermeisterwahl in
Dresden zu stellen“.
Im einsetzenden Jubelsturm geht
beinahe Bachmanns Nachsatz unter,
dass man noch entscheiden müsse,
welcher der angeblich „drei Favoriten“ an den Start gehen solle. „Zeitnah“ sollen die Sympathisanten informiert und der OB-Bewerber „ausführlich öffentlich“ vorgestellt werden. Eine Nachricht, die vor allem
Sachsens Innenminister Markus Ulbig interessieren dürfte. Der wird im
Juni selbst für die Dresdner CDU ins
Rennen ums Rathaus gehen – gegen
Wissenschaftsministerin Eva-Maria
Stange (SPD), die auch von Grünen
und Linken unterstützt wird, sowie
FDP-Mann Dirk Hilbert. Die AfD
will sich am Freitag erklären: Im Januar hatte sie noch angekündigt,
mit drei Kandidaten zu sprechen –
keiner davon gehöre zum PegidaUmfeld, hieß es damals.
Bis auf die Ankündigung eines eigenen Kandidaten zur OB-Wahl gibt
es vor der Frauenkirche keinen
Wink, wie Pegida eigene Forderungen durchsetzen will. Die wurden allerdings inzwischen offenbar mit
Ablegern in anderen Städten abgestimmt. Bachmann zufolge gab es
dazu am Wochenende ein „Deutschland-Treffen“ in Dresden. Wie viele
„Gidas“ tatsächlich vertreten waren,
verriet er nicht. Immerhin lässt sich
über Youtube-Clips verfolgen, dass
mindestens in Leipzig, Chemnitz,
Dresden und Kassel A4-Papiere mit
den neu erarbeiteten zehn „Dresdner Thesen“ an Kirch- oder Rathauseingängen angeheftet wurden. Pegida-Gründer Bachmann tat selbiges
an der Kreuzkirche – und sprach in
Anlehnung an Martin Luther gleich
vom „Anschlagen“ der Thesen.
Nun müssten Presse und Politik –
in Sprechchören wieder als „Lügenpresse“ und „Volksverräter“ beschimpft – doch begreifen, dass Pegida weder rassistisch noch rechtsradikal sei, sagt Bachmann. Im Papier
wird weiter ein Zuwanderungsgesetz gefordert, die sofortige Abschiebung abgelehnter Asylbewerber, die
Einführung bundesweiter Volksentscheide und das Ende des PolizeiStellenabbaus. Neu dazu gekommen
ist die Ablehnung von Freihandelsabkommen wie TTIP. Auch von einer „Reformation der Familienpolitik sowie des Bildungs-, Renten- und
Steuersystems“ war bislang noch
keine Rede gewesen. Ziel müsse ein
„Stopp oder sogar die Umkehr des
demografischen Wandels“ sein.
EIN VIDEO von Bachmanns
„Thesenanschlag“ können Sie
aufrufen, wenn Sie den Code
mit dem Smartphone scannen.
» www.freiepresse.de/gidas
Kundgebungen auch in Leipzig und Chemnitz
Ableger der Dresdner Pegida-Bewegung haben gestern auch in Leipzig
und Chemnitz protestiert.
Die Legida-Bewegung durfte gestern
Abend in Leipzig nicht demonstrieren,
sondern nur eine Kundgebung abhalten. Die Stadt hatte einen Aufmarsch
untersagt. Die Veranstalter gingen
dagegen gerichtlich vor – vergeblich.
Das Verwaltungsgericht Leipzig wies
die Beschwerde ab: Die zur Verfügung
stehenden 15 Hundertschaften der
Polizei könnten einen Aufzug der Legida nicht absichern. Und ein Marsch
über den Innenstadtring stelle eine
„unmittelbare Gefahr für die öffentli-
che Sicherheit und Ordnung“ dar. Das
danach von den Veranstaltern angerufene Oberverwaltungsgericht Bautzen schloss sich dem an. In der Leipziger Innenstadt versammelten sich am
Abend einige Hundert Legida-Anhänger, ebenfalls mehrere Hundert Teilnehmer protestierten gegen die islamfeindliche Gruppierung.
In Chemnitz kamen zu einer Demonstration von Pegida ChemnitzErzgebirge im Stadtzentrum der Polizei zufolge 500 Menschen. Zudem
wurden etwa 230 Gegendemonstranten gezählt. 120 Polizisten waren im
Einsatz. (dpa/fp)
Dienstag, 17. Februar 2015
Über 120 Jahre alten Waggon gerettet
Letzter Vergleich mit den Plänen: Ein rekonstruierter
120 Jahre alter Schmalspur-Waggon wird in den
nächsten Tagen die Werkstatt des Regionalverkehrs
Erzgebirge in Marienberg verlassen. Bei der Interessengemeinschaft Verkehrsgeschichte Wilsdruff wird
das seltene Exemplar schon sehnsüchtig erwartet.
Und Uwe Mehnert, Peter Langer sowie Jörg Bergelt
(von links), die in Marienberg für das Projekt verantwortlich zeichneten, sind zufrieden mit ihrem Werk.
Der Waggon mit der Typbezeichnung 235K entstand
1894 in Chemnitz, in einer Werkstatt der KöniglichSächsischen Staatseisenbahnen. Insgesamt 102 Exem-
plare wurden davon gebaut. Nur 16 sind in Fragmenten noch erhalten. Fahrbereit ist keiner mehr. Das galt
ursprünglich auch für den Waggon, der 2009 in die
Marienberger Werkstatt kam. Wichtige Teile fehlten,
und vom Kastenaufbau waren nur noch Reste übrig.
Anhand der noch vorhandenen Teile und einer Originalzeichnung von 1892 bauten die Experten den Waggon Stück für Stück neu auf. Viele Teile mussten speziell angefertigt werden. Der Wilsdruffer Verein übernimmt nun den Innenausbau des Wagens. Die Rettung des historischen Waggons hat bisher schon rund
FOTO: JAN GÖRNER
50.000 Euro gekostet.
Seit Jahresbeginn drei
Masernfälle registriert
BUSVERKEHR
Sachsen hat bundesweit die niedrigste Impfquote
CHEMNITZ — Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat für heute Morgen Warnstreiks im Gebiet von drei
regionalen Busverkehrsunternehmen angekündigt. Die Aktionen sollen mit Schichtbeginn starten und
bis 10 Uhr dauern, teilte die Gewerkschaft gestern mit. Betroffen seien
der Regionalverkehr Erzgebirge, der
Regionalverkehr Westsachsen und
die Gesellschaft Regiobus Mittelsachsen. Am Streik beteiligen sollen
sich Busfahrer, Schlosser und Verwaltungsangestellte. Die Gewerkschaft will so ihren Forderungen gegenüber dem Arbeitgeberverband
Nachdruck verleihen. Sie verlangt
eine Lohnerhöhung von 200 Euro
für alle Vergütungsgruppen. (fp)
DRESDEN/BERLIN — In Sachsen sind
in diesem Jahr bisher drei Menschen
an Masern erkrankt. Das teilte das
Gesundheitsministerium mit. Im
gesamten Vorjahr gab es sechs Fälle.
Beim letzten größeren Masern-Ausbruch 2013 waren in Sachsen 56
Menschen
betroffen.
Solche
Schwankungen seien nicht verwunderlich, sagte Susanne Glasmacher,
Sprecherin des für die Überwachung von Infektionskrankheiten
zuständigen Robert-Koch-Instituts
in Berlin. Ursache seien die bundesweit niedrigen Impfraten vor allem
unter Jugendlichen und jungen Er-
wachsenen. Sachsen hat unter den
Bundesländern die niedrigste Impfquote bei Schulanfängern. Weniger
als 90 Prozent der Erstklässer sind
hier zweimal gegen Masern geimpft.
Der Freistaat unterhält eine eigene Impfkommission, die die nötige
Auffrischung der ersten Impfung
erst für das sechste Lebensjahr empfiehlt. Dadurch erreiche man eine
bessere Langzeitwirkung, argumentiert die Kommission. Alle anderen
Bundesländer orientieren sich dagegen an der Empfehlung, bereits im
zweiten Lebensjahr zum zweiten
Mal zu impfen. (dpa/gt)
Gewerkschaft ruft
zu Warnstreiks auf
Rechnungshof machtlos gegenüber dem Landtag
Geht es um die Finanzen
der Fraktionen, sparen die
Prüfer nicht mit Kritik.
Noch sitzen die Fraktionen
am längeren Hebel.
VON UWE KUHR
DRESDEN — Die Fraktionen im Land-
tag bekommen viel Geld vom Staat
für ihre Arbeit. Aber so richtig in die
Karten schauen lassen wollen sie
sich auch vom Rechnungshof nicht.
Einmal in fünf Jahren muss er prüfen, ob die Fraktionen ihre Mittel regelkonform ausgeben. Zum Beispiel
dürfen sie keine Werbung für ihre
Parteien machen, denn das ist nicht
Sache des Staates. Doch immer wieder, so die in Leipzig angesiedelte
Prüfbehörde, würden rote Linien
überschritten. Die ansonsten weitreichenden Kompetenzen der Revisoren haben die Fraktionen über
Jahre hinweg ausgehöhlt. Jetzt fordern die obersten Kassenprüfer, das
Fraktionsgesetz endlich an der Landesverfassung auszurichten.
Es geht um viel Geld. Im Haushaltsentwurf für 2015 und 2016 sind
für die fünf Fraktionen von CDU,
SPD, Linken, AfD und Grünen mit
zusammen 126 Abgeordneten jährlich insgesamt knapp zehn Millionen Euro nur für Faktionszuschüsse
geplant. Bezugsgröße für künftige
Anpassungen des Sockelbetrags je
Fraktion sind Werte aus dem Jahr
2012 von monatlich rund 71.700
Euro. Darüber hinaus erhielten die
Fraktionen für jeden Abgeordneten
Karl-Heinz
Binus
Präsident des
Rechnungshofes
FOTO: ARNO BURGI/DPA/ARCHIV
noch einmal gut 2500 Euro pro Monat. Die Oppositionsfraktionen bekamen zudem einen Oppositionszuschlag von monatlich 26.600 Euro.
Kein Wunder, dass der Rechnungshof genau hinschauen will.
Das kann er aber oftmals nicht. Alle
Parteien erheben einen verständlichen Anspruch auf Geheimhaltung.
Und selbst dort, wo die Prüfer hinschauen dürfen, stehen ihnen die
Haare zu Berge. Davon spricht der
jüngste Prüfbericht, in dem die Kontrolleure nach geltendem Recht
nicht einmal Ross und Reiter nennen dürfen. Gern würden von den
Fraktionen zu hohe Rücklagen gebildet, heißt es darin. Das lasse eine
Überfinanzierung vermuten. Aber
auch Reisekostensätze würden mitunter falsch angesetzt, Bewirtungsgelder – statt für Repräsentationszwecke nach außen – für interne
Veranstaltungen verwendet oder
Blumen und Präsente für die eigenen Leute und Fraktionsmitarbeiter
aus der Staatskasse bezahlt.
Für solche Fälle pocht der Rechnungshof auf Rückzahlungen, denen die Fraktionen unterschiedlich
nachkämen. Dieser Pflicht entledigten sie sich zwischen unaufgefordert und gar nicht. Das Abgeordnetengesetz sieht jedoch auch keinen
Rückforderungsanspruch durch die
Landtagsverwaltung vor, kritisiert
der Rechnungshof. Das müsse sich
endlich ändern.
Eine verfahrene Lage, heißt es aus
der Verwaltung. Denn das Gesetz
machen die Abgeordneten selbst.
„Die entstandene Patt-Situation
können nur die Fraktionen selbst
auflösen“, so der Sprecher von Parlamentspräsident Matthias Rößler
(CDU). „Ein Antrag auf Gesetzesänderung liegt dazu nicht vor.“
ZEITGESCHEHEN
Dienstag, 17. Februar 2015
Freie Presse
3
Wo der Frieden noch weit weg ist
Seit Sonntag sind zumindest die
dumpfen Explosionen verstummt,
die Artjomowsk seit Wochen in
Angst und Schrecken versetzt haben. Ob der vereinbarte Waffenstillstand tatsächlich den erhofften Frieden bringt? Viel mehr als eine kurze
Verschnaufpause sei das nicht – das
ist der Tenor unter jenen, mit denen
man spricht. „Ich bin so verunsichert, wie das alles weitergeht und
was ich tun soll“, sagt Julia, eine junge Frau, die ihre Tochter im Kinderwagen vor sich herschiebt. „Sollen
wir unser Zuhause aufgeben und
woanders hinziehen? Wie geht es
weiter?“ Auf den Waffenstillstand
angesprochen, zuckt sie die Achseln.
„Frieden hat es auch nach den anderen Friedensabkommen nicht gegeben – warum also jetzt?“
Der Friedensplan von
Minsk hängt am seidenen
Faden. Kämpfe toben um
die Stadt Debalzewo,
aber auch die Menschen
im übrigen Donbass
glauben nicht an eine
dauerhafte Waffenruhe –
sie bereiten sich schon
auf neue Angriffe vor.
VON SIMONE BRUNNER
SLOWJANSK — „Der Krieg zehrt einen
aus“, seufzt Tatjana. Sie nimmt einen Zug an ihrer Zigarette. „Ich bin
52 Jahre alt. Aber ich weiß, ich sehe
viel älter aus.“ – Ihre klaren, blauen
Augen gehen ins Leere, sie lächelt
milde. „Ich habe abgenommen. Tagelang hatte ich oft nicht mehr zu
essen als nur ein Stück Brot.“
Am Bahnsteig Nummer drei in
der ostukrainischen Stadt Slowjansk haben Tatjana und andere
Flüchtlinge dicht zusammengedrängt in Eisenbahnwaggons Unterschlupf gefunden. Seit die Kämpfe
zwischen der ukrainischen Armee
und den prorussischen Separatisten
in den vergangenen Wochen immer
härter und erbitterter geführt wurden, sind Tausende aus den Kriegsgebieten geflohen. Die Regionen, in
denen nicht gekämpft wird – wie
das von den Ukrainern kontrollierte
Slowjansk –, sind mit dem Flüchtlingsstrom überfordert.
Es gibt vielerorts keinen Strom,
kein fließendes Wasser und schon
gar kein Fernsehen oder Internet.
Vom Friedensabkommen in Minsk
und der vereinbarten Waffenruhe
haben hier die wenigsten gehört.
Und selbst wenn die Waffenruhe
halten sollte: Die Häuser und Wohnungen der meisten Menschen, die
hierher geflohen sind, sind nur noch
Ruinen. Sie stehen vor dem Nichts.
Tatjana stammt aus Horliwka im
Verwaltungsbezirk Donezk. Die
Stadt wird von den Separatisten
kontrolliert, auch dort tobt der
Krieg. Irgendwann hielt es Tatjana
nicht mehr aus – sie floh. Allerdings
ohne ihren Sohn, der ist geblieben.
Um nicht zum ukrainischen Heer
eingezogen zu werden, wie Tatjana
sagt. „Ich weiß nicht, ob ich ihn jemals wiedersehen werde.“
Der Friedensplan, den die Parteien in Minsk ausgehandelt hatten,
hängt am seidenen Faden. Harte
Kämpfe toben insbesondere um die
strategisch wichtige Stadt Debalzewo. Die Ukraine beschuldigt die
Separatisten inzwischen, die Waffenruhe zu brechen. Die Ukrainer
wollen ihre schweren Waffen nun
vorerst nicht wie vereinbart aus
dem Osten des Landes zurückholen.
Auch in der nahegelegenen Stadt
Kramatorsk will keiner so recht an
„Krieg – das ist
doch nur ein Geschäft für ein paar
Politiker, und wir
müssen dafür den
Kopf hinhalten!“
FOTO: FLORIAN BACHMEIER/N-OST
Tatjana ist vor den Kämpfen geflüchtet und in Slowjansk gelandet – die 52-Jährige haust dort in einem Eisenbahnwaggon.
Wladimir Sportlehrer
EU verhängt Einreisesperren
Die schweren Waffen bleiben: Dieses Foto eines ukrainischen Soldaten auf einem Raketenwerfersystem entstand gestern bei Debalzewo. FOTO: G. GARANICH/RTR
den Frieden glauben. Nur Stunden
bevor in Minsk am vergangenen
Freitag der Waffenstillstand vereinbart wurde, starben hier 17 Menschen durch Raketen. Die Stadt galt
bisher als relativ sicher – das hat sich
nun geändert. „Wir haben neue Instruktionen ausgearbeitet, wie man
sich bei einem neuerlichen Angriffsfall zu verteidigen hat“, sagt Alexander Kichtenko, Vorsitzender der Donezker Administration über die von
Kiew kontrollierten Gebiete. Anstatt auf einen Frieden zu hoffen,
werden in Kramatorsk neuerdings
wieder Bombenkeller inspiziert.
Kramatorsk fiel wie Slowjansk im
vergangenen Frühling an die Separatisten, die Städte wurden aber im
Sommer von der ukrainischen Ar-
mee zurückerobert. Das Trauma der
vergangenen Tage hängt tief über
Kramatorsk. Große öffentliche Veranstaltungen sind verboten, die Einsatzkräfte wurden in der 160.000Einwohner-Stadt aufgestockt. „Aber
natürlich können wir unsere Stadt
nicht vor russischen Raketen schützen – das liegt außerhalb unserer
Macht“, sagt Kichtenko.
„Sie töten uns – jeden Tag. In den
Bussen, in den Geschäften, in den
Kindergärten und in unseren Wohnungen. Sie bringen uns sogar um,
wenn wir auf den Friedhof gehen,
um uns von denen zu verabschieden, die gestorben sind“, sagt ein
Redner bei einer Gedenkveranstaltung für die Opfer. Frauen legen Rosen auf das Denkmal des ukraini-
Der stellvertretende russische Verteidigungsminister Arkadi Bachin
sowie andere ranghohe Militärs dürfen künftig nicht mehr nach Deutschland oder in andere EU-Staaten einreisen. Die Maßnahme gehört zu neuen Sanktionen der EU gegen Russland
und prorussische Separatisten in der
Ukraine. Diese umfassen auch das
Einfrieren von möglicherweise in EUStaaten vorhandenen Vermögenswerten. Die EU veröffentlichte gestern
die Liste der betroffenen Personen.
Auf die Ausweitung der Sanktionen
hatten sich die EU-Staaten bereits vor
der Friedensinitiative geeinigt. Anlass
waren die Kämpfe in der ostukrainischen Hafenstadt Mariupol, bei denen
auch viele Zivilisten starben. (dpa)
schen
Nationaldichters
Taras
Schewtschenko. Die Veranstaltung
steht unter dem Motto „Je suis Kramatorsk“ – in Anlehnung an das Attentat auf die Redaktion des Satiremagazins „Charlie Hebdo“.
In Kramatorsk fühlen sich mittlerweile selbst die Menschen, die
weiter aus dem Osten geflohen sind,
nicht mehr sicher. In einem Flüchtlingsheim packen bereits die ersten
Familien ihre Sachen. Sie werden
weiter nach Westen gebracht. „Wir
rechnen mit dem Schlimmsten“,
sagt Helferin Jelena, die Säcke mit
Kartoffeln und Zwiebeln an die Bedürftigen verteilt. „Wir treffen gerade die ersten Vorkehrungen, um alle
hier wegzubringen.“
Auch 50 Kilometer weiter südöst-
aktuelles
Separatistengebiet
U K R A I N E
Slowjansk L U G A N S K
Kramatorsk
Artjomowsk
DONEZK
Lugansk
Debalzewo
Horliwka
Donezk
RU SSL A N D
Mariupol
50 km
Asowsches
* laut ukrainischem
Meer
Verteidigungsministerium
dpa
lich gehört der Krieg zum Alltag.
Artjomowsk ist die Frontstadt auf
ukrainischer Seite, die nur noch wenige Kilometer vom Frontverlauf
entfernt ist. Dumpfes Grollen
schwerer Artillerie rollt seit Wochen durch die 77.000-EinwohnerStadt. Auch über Artjomowsk hängt
der Schleier des Todes: „Es war eine
Serie von Explosionen, nicht nur eine Explosion“, erinnert sich Natalja
Jurjewna mit zittriger Stimme. Sie
ist Direktorin jener Schule, in deren
Nähe ein siebenjähriger Junge am
Freitag von einer Rakete getroffen
wurde. Rund um die Schule lesen
Helfer die Reste der zerborstenen
Fenster auf. „Er hat noch versucht,
sich in Sicherheit zu bringen – aber
er war einfach nicht schnell genug.“
Mit jeder Gewehrsalve und jedem
leeren Versprechen ist hier das Vertrauen in die Politik gesunken.
„Krieg – das ist doch nur ein Geschäft für ein paar Politiker, und wir
müssen dafür den Kopf hinhalten!“
schimpft Wladimir, ein Sportlehrer
in Artjomowsk. „Außerdem wissen
wir ja gar nicht, von wo die Raketen
abgeschossen werden“, mischt sich
ein junger Mann in das Gespräch.
„Vielleicht von den Separatisten,
aber vielleicht doch von der ukrainischen Armee?“ Die Raketenangriffe
auf Artjomowsk und Kramatorsk
waren zuletzt den Separatisten zugeschrieben worden.
Es ist dunkel geworden am Bahnhof von Slowjansk. Tatjana sitzt am
Fenster des Großraumwaggons und
blickt lethargisch in den Abendhimmel. Im Hintergrund schreien Kinder, schimpfen Männer, weinen
Frauen. Es sind Geschichten von zerbombten Häusern, entzweiten Familien und entsetzlicher Ohnmacht. „Ich habe zwei Häuser in Debalzewo“, sagt ein alter Mann mit
heiserer Stimme. „Sie wurden beide
zerstört.“ – „In Debalzewo ist es
schlimmer als in der Hölle“, sagt die
Frau im Verschlag nebenan. (n-ost)
EINEN LEITARTIKEL zur Ukraine-Krise lesen
Sie auf Seite 4.
EIN VIDEO aus dem Kampfgebiet können Sie aufrufen,
wenn Sie diesen Code mit
dem Smartphone scannen.
» www.freiepresse.de/ukr1702
Ein schicker Haarschnitt dank Papst Franziskus
Der Oberhirte hat sich
den Armen verschrieben.
Nun sind Duschen und ein
Friseur für Obdachlose am
Petersplatz eröffnet. Nicht
jedem gefällt das.
VON ANNETTE REUTHER
ROM — In der einen Schlange stehen
Tausende Touristen, um den monumentalen Petersdom anzuschauen.
In der anderen, wenige Meter daneben, steht ein Dutzend Obdachloser,
um endlich mal wieder zu duschen
oder einen Haarschnitt zu bekommen. Unter den Kolonnaden des Petersplatzes hat Papst Franziskus
nicht nur Duschen für Obdachlose
einrichten lassen, sondern auch einen Friseur. Ein Polizist passt bei der
Eröffnung gestern auf, dass Journalisten nicht in die Räume gehen. Der
Respekt gegenüber den Hilfsbedürftigen soll gewahrt werden.
„Es ist wunderbar, hier arbeiten
Menschen mit Herz, es gibt alles –
Spiegel, einen richtigen Friseurstuhl“, schwärmt Barbara, eine der
Ersten, die sich die Haare schneiden
ließ. Umringt von Journalisten, beschreibt sie, wie gut es ihr getan habe, sich pflegen zu lassen und etwas
für die Schönheit zu tun. Die Anlagen seien neu und sauber – also eine
Welt von dem entfernt, was in Rom
sonst so an öffentlichen WCs oder
Duschen geboten wird. In den
Papst-Duschen bekommen die Obdachlosen einen Hygienebeutel mit
Handtuch, Seife und Deo.
Für den Friseur wurden Shampoo, Bürsten und alle anderen Utensilien gespendet. Immer montags,
wenn die anderen Friseure in Rom
geschlossen haben, arbeiten hier
Gregorio im Glück: Der aus Polen stammende Obdachlose küsst nach seinem
Friseurbesuch ein Porträtfoto des Papstes.
FOTO: CLAUDIO PERI/DPA
ausgebildete Coiffeure auf Freiwilligenbasis. Und es gibt nicht nur den
Billighaarschnitt. „Sie sollen sich
fühlen, als würden sie zum Friseur
mit allem Drum und Dran gehen.
Wenn sie eine Tolle haben wollen
oder einen modischen Spitzbart,
wollen wir das erfüllen“, sagt die Fri-
seurin Arianna Corsi der Zeitung „Il
Messaggero“.
Am Petersplatz – Roms Sehenswürdigkeit schlechthin – haben seit
langem zahlreiche Obdachlose ihr
Quartier aufgeschlagen. Um ihnen
ihre Würde zurückzugeben, hat der
Almosenpfleger des Papstes, der polnische Erzbischof Konrad Krajewski, die Duschen und den Friseur
einrichten lassen.
Franziskus hat sich seit seinem
Amtsantritt vor knapp zwei Jahren
vorgenommen, dass sich die Kirche
wieder den Bedürftigen nähert. So
lässt er gerne Regenschirme oder
Schlafsäcke an Obdachlose verteilen
oder besucht schon mal überraschend ein römisches Armenviertel.
Doch das Projekt mitten auf dem Petersplatz hat nicht nur Freunde.
Kunsthistoriker hatten sich daran
gestoßen, dass die Einrichtung unter
den Kolonnaden das Werk des Barock-Architekten Gian Lorenzo Ber-
nini störe. „Diese Initiative beleidigt
Bernini“, sagte Kunstkritiker Gianluca Marziani dem „Messagero“. „Ich
würde nicht wollen, dass nach den
Duschen und dem Friseur auch Betten unter den Kolonnaden ausgebreitet werden.“
Andere machen sich Sorgen, dass
das Projekt weitere Obdachlose anziehe. Der Vatikan kann dies nicht
nachvollziehen. „Wir Christen sollten das akzeptieren“, sagt Vize-Vatikansprecher Ciro Benedettini.
Auch Touristen am Petersplatz
stören sich nicht an der unauffälligen Einrichtung. „Ich finde das Projekt gut, und das entspricht doch
ganz Franziskus’ Linie“, sagt Antje
Strothe aus Bonn, die mit Mann und
Kindern Urlaub in Rom macht und
sich den Petersdom ansehen will.
Und ihr Mann fügt hinzu: „Auf den
Dienst-Mercedes, den das Projekt
kostet, kann der Vatikan sicher gut
verzichten.“
KOMMENTAR & HINTERGRUND
Dienstag, 17. Februar 2015
LEITARTIKEL
IM FOKUS
Makabres
Mikado
Grass: Weltkrieg
der anderen Art
STEPHAN LORENZ
ZUR FRAGILEN WAFFENRUHE
IN DER UKRAINE
Nobelpreisträger besorgt wegen Vielfalt an
Konflikten und Machtschwund der Politik
FOTO: MARKUS SCHOLZ/DPA
4 Freie Presse
stephan.lorenz@freiepresse.de
D
er Tag eins nach der in
Minks vereinbarten Waffenruhe stimmt nicht allzu
hoffnungsvoll. Es wird weiter geschossen und getötet – etwas weniger als die Wochen zuvor. Aber nach
einem stabilen Waffenstillstand sah
es zumindest gestern in der Ostukraine nicht aus. Zu tief sitzt das Misstrauen auf beiden Seiten. Die ukrainische Regierung und die prorussischen Separatisten warfen sich gegenseitig Verstöße gegen die Waffenruhe vor und schlossen den für
heute geplanten Beginn des Abzugs
schwerer Waffen vorerst aus.
Kiew, Moskau und die Separatisten wähnen sich offenbar in einem
makabren Mikado-Spiel: Wer sich
zuerst bewegt, also mit dem Abzug
der schweren Waffen beginnt, der
verliert im Machtspiel um die Ukraine. Das Ziel sind nach wie vor Geländegewinne. Alle Beteiligten beäugen sich argwöhnisch, weil ihnen
der Wille zum Frieden fehlt. Der Leidensdruck dafür ist bei den Verantwortlichen immer noch nicht groß
genug – bei über 5000 Opfern in
dem Konflikt kaum zu glauben. In
den Kampfgebieten mischen viele
Gruppen mit, die vor Ort ihre Einzelinteressen verfolgen. Jetzt ist auch
die Zeit der Saboteure, die weder
Moskau noch Kiew unter Kontrolle
haben. Die lange Nacht von Minsk
war ein kleiner Hoffnungsschimmer. In den nächsten Tagen könnte
sich die diplomatische Großoffensive der Europäer aber leider als Fehlschlag erweisen. Auch nach über 14
Stunden zäher Verhandlungen in
der vergangenen Woche waren die
Positionen noch meilenweit voneinander entfernt. Die Waffenruhe ist
aber die Grundlage für alles andere:
So sollen etwa die schweren Waffen
abgezogen, Gefangene ausgetauscht, die russisch-ukrainische
Grenze durch neutrale Beobachter
überwacht und Lokalwahlen nach
ukrainischem Recht abgehalten
werden.
Ein ambitioniertes Programm,
dem der politische Überbau fehlt: eine Teilautonomie für den Donbas,
die Grenzkontrollen und das vom
Westen geforderte Bekenntnis Moskaus zur Anerkennung der Souveränität und Integrität der Ukraine gehen nur schwer zusammen. Der Kitt
dafür wäre Vertrauen. Es ist an der
Zeit, dass die Schlüsselfrage nach
Russlands Sicherheit an den Grenzen zu Osteuropa und im Dunstkreis der Nato endlich mit offenen
Karten diskutiert wird.
IMPRESSUM
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Lichtgestalten.
KARIKATUR: TOMICEK
Literaturnobelpreisträger Günter
Grass hat sich besorgt über die weltweiten Konflikte geäußert. Er frage
sich, ob nicht bereits ein dritter
Weltkrieg begonnen habe, „auf eine
ganz andere Art, als wir es vom Ersten und Zweiten Weltkrieg her kennen“, sagte er der Bielefelder „Neuen
Westfälischen“. Es seien neue
Kampfformen entwickelt worden:
„Allein über das Internet können
heute Systeme blockiert und Wirtschaftskriege geführt werden.“
Das laufe parallel zu den klassischen kriegerischen Konflikten etwa in der Ukraine und in Syrien ab,
sagte der 87-jährige Schriftsteller. Es
sei „eine unüberschaubare Lage ent-
standen, die mich sehr sorgenvoll
stimmt“. Grass kritisierte, dass der
Handlungsspielraum der Politik immer weiter verkleinert worden sei:
„Immer mehr Macht geht von Banken und Lobbygruppen aus, dadurch verkommen die demokratisch gewählten Parlamente zu
Spielstätten ökonomischer Interessen.“ Das mache es für Politiker
deutlich schwieriger und führe
auch zu geringen Wahlbeteiligungen und Zulauf für Gruppen wie die
islamfeindliche „Pegida“-Bewegung.
Grass vermisst zudem eine friedensstiftende Kraft in Europa, die die
weltweiten Konflikte lösen helfen
könnte. (dpa)
CDU verdaut ihre Hamburger Niederlage
Die Union hat bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg eine historische
Schlappe erlitten. Ein
Grund war der starke
SPD-Amtsinhaber Olaf
Scholz. Aber nicht nur.
VON ALESSANDRO PEDUTO
BERLIN — Angela Merkel hat in ihrer
Zeit als CDU-Chefin schon etliche
Niederlagen ihrer Partei bei Landtagswahlen miterlebt. Der Tiefschlag, den die CDU am vergangenen Sonntag bei der Bürgerschaftswahl in Hamburg kassiert hat, dürfte aber selbst Merkel unerwartet
hart getroffen haben. Sie ist die beliebteste Politikerin der Republik
und die mächtigste Frau Europas.
Doch in Hamburg hat ihrer Partei
das nichts geholfen. Die CDU kam
an der Alster nur auf beschämende
15,9 Prozent. Es ist das schlechteste
Ergebnis der Christdemokraten bei
einer Landtagswahl seit fünfeinhalb
Jahrzehnten.
„Machtoption sehr klein“
Merkel gibt sich dennoch gelassen,
als sie in der Parteizentrale im Berliner Konrad-Adenauer-Haus gemeinsam mit dem gescheiterten Hamburger
CDU-Spitzenkandidaten
Dietrich Wersich vor die Presse tritt.
Sie sieht die Ursachen für die Niederlage vor allem darin, dass Hamburgs Regierender Bürgermeister
Olaf Scholz von der SPD sämtliche
wichtigen Themen besetzt hatte, die
den Hamburger Wählern wichtig
waren. Da sei es für den Herausforderer schwer, neue und eigene Themen zu setzen, sagt Merkel. Zudem
habe Scholz‘ Kurs Zustimmung bis
weit in der CDU-Anhängerschaft erfahren, „Wenn der Amtsinhaber keinerlei Fehler macht, ist die Machtoption sehr klein“, räumt Merkel ein.
Wer wollte, konnte es aber auch als
Kompliment an Scholz verstehen.
Zugleich muss sich Merkel gestern erneut Fragen nach dem „Großstadt-Problem“ der CDU gefallen lassen. Denn zum wiederholten Mal ist
es der Partei nicht gelungen, in einer
bevölkerungsreichen Kommune erfolgreich zu sein. Jedoch gibt es aus
Merkels Sicht keine Notwendigkeit,
über eine eigene Großstadt-Strategie
der Union zu diskutieren. „Wir sollten nicht eine Stadt- und eine Landprogrammatik haben, sondern die
CDU-Programmatik muss insgesamt stimmig sein“, sagt die Parteivorsitzende.
Merkel allein reicht nicht
Die Parteienforscherin Isabelle Borucki von der Universität Trier sieht
die Ursachen für das Problem vor allem in der Struktur der Wählerschaft in den Großstädten. Das städtische Publikum sei ein anderes als
auf dem Land, sagt die Politikwissenschaftlerin der „Freien Presse“.
„Für die CDU bedeutet das, dass sie
Kandidaten finden muss, die zur jeweiligen Stadt und deren Menschen
passen. Dann könnte sie auch dort
Dietrich Wersich, CDU-Spitzenkandidat bei der Hamburger BürgerschaftsWahl, und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gestern auf dem Weg zur
FOTO: MAURIZIO GAMBARINI/DPA
Pressekonferenz in Berlin.
erfolgreich sein“, glaubt Borucki.
Das Schwierigkeit der CDU sei
derzeit aber ihre sehr dünne Personaldecke. Es fehle gerade in Großstädten an Leuten, „die überzeugend
und authentisch für Partei und Programm stehen“. Die Strategie, auch
bei Landtags- und Kommunalwahlkämpfen auf die Strahlkraft der
Kanzlerin zu setzen, funktioniere indes nicht, denn es gehe dort um sehr
spezifische lokale und regionale
Themen. „Es sind andere Mechanismen, die die Menschen bei regionalen Wahlen antreiben. Die Politik
von Angela Merkel im Bund spielt
da kaum eine Rolle“, stellt die Parteienforscherin fest.
In ihrer Analyse kommt Borucki
zu dem Schluss, dass sich die CDU
zu sehr auf Merkel fokussiert. Die
CDU habe offenbar „keinen Plan für
die Zeit nach Merkel“. Derzeit gebe
es keine Personen auf der Führungsebene, die direkt in Merkels Fußstapfen treten könnten, ob als Kanzlerin oder als Parteivorsitzende. „Ursula von der Leyen und Thomas de
Maizière bringen sich zwar in Stellung. Die Frage ist aber, ob sie letztlich in der Breite genug Rückhalt in
der Partei haben“, gibt Borucki zu bedenken.
Personalmangel der CDU
Die CDU habe es versäumt, rechtzeitig neue Gesichter nach oben zu
bringen. „So lange Merkel im Amt
ist, fällt das weniger auf. Wenn sie
aber eines Tages abtritt, wird die
CDU in ernsthafte personelle
Schwierigkeiten geraten“, prophezeit die Forscherin.
Knackpunkte bei Rot-Grün
Die bisher letzte rot-grüne Koalition in Hamburg unter Bürgermeister
Ortwin Runde haben weder SPD noch
Grüne in sonderlich guter Erinnerung.
Schließlich wurde das Bündnis 2001
abgewählt. Nun wollen es SPD und
Grüne wieder miteinander versuchen.
Die möglichen Knackpunkte:
Umwelt: Nach Ansicht der Grünen
macht die SPD in diesem Bereich viel
zu wenig. Bürgermeister Olaf Scholz
(SPD) dürfte jedoch nichts dagegen
haben, wenn sich die Grünen hier
austoben – sofern die Wirtschaft darunter nicht leidet und die Elbvertiefung kommt.
Flüchtlinge/Innere Sicherheit: Die
Grünen sind mit dem harten Kurs der
SPD beim Umgang etwa mit den
„Lampedusa-Flüchtlingen“ nicht einverstanden. Und auch die Ausweisung
von Gefahrengebieten mit Sonderrechten für die Polizei lehnen sie ab.
Verkehr: Dort prallen Welten aufeinander. Die Grünen sind gegen das 260
Millionen Euro teure Busbeschleunigungsprogramm der SPD, wollen
stattdessen mehr Fahrradverkehr und
eine Stadtbahn. Scholz lehnt eine
Stadtbahn ab, setzt auf den teureren
Aus- und Neubau von U-Bahnen.
Olympia: Die SPD will die Sommerspiele 2024 oder 2028 nach Hamburg
holen. Die Grünen haben sich für ein
„Ja, wenn“ entschieden. Die bisherigen Ausführungen des Senats etwa zu
den Kosten reichen ihnen nicht. (dpa)
IS benutzt Libyen und fordert Ägypten heraus
Die Terror-Miliz expandiert: In Ägypten wie
Libyen gibt es Zellen der
Extremisten. Nun zeigt ein
Video den Tod mehrerer
ägyptischer Kopten.
VON MARC RÖHLIG
KAIRO — Sie stünden „heute im Sü-
den Roms, in Libyen“, sagt ein Vermummter in die Kamera. Hinter
ihm branden graue Wellen am Ufer.
Dann hebt er drohend ein Messer
und sagt: „Wir werden das Meer mit
eurem Blut tränken.“ Die Szene ist
Teil eines am Sonntag im Internet
verbreiteten Videos der Terrormiliz
Islamischer Staat (IS). Wie bei vorherigen Filmen inszenieren die Dschihadisten das Grauen bis ins Detail.
Dutzende in Schwarz gekleidete
Männer schleppen ihre in orange
Overalls gesteckten Geiseln an den
Strand und schneiden ihnen die
Köpfe ab. Die Opfer sind Mitglieder
der christlichen Minderheit der
Kopten, die zwischen Ende Dezember und Anfang Januar in Libyen
verschwanden. Die Männer hätten
als Gastarbeiter in dem Bürgerkriegsland gearbeitet, bestätigte gestern die koptische Kirche.
Laut IS wurden die Hinrichtungen nahe der libyschen Hauptstadt
Tripolis gefilmt. Wahrscheinlicher
ist das ostlibysche Derna, das IS-Anhänger seit vergangenem Sommer
kontrollieren - oder das zentral gelegenen Nufalija.
Vor rund drei Monaten schwor eine Miliz ehemaliger Rebellen in Libyen dem IS die Treue. Mit dem Video liefern sie nun den Beweis, wie
weit sich die IS-Ideologie exportieren lässt. Im ölreichen Libyen tobt
seit Monaten ein blutiger Machtkampf zwischen zwei Regierungen.
Der IS hat sich das Chaos zunutze
gemacht. Nun, wo die Regierungen
seit Mitte vergangener Woche erstmals auf UN-Vermittlung an einem
Tisch sitzen, startet der libysche Ableger seine Propagandaschlacht. Li-
byen, so zeigt es ein größenwahnsinniges Strategiepapier der Miliz, gilt
als wesentlicher Anker im Feldzug
gegen Europa. Der soll 2020 beginnen. Auch wenn die Dschihadisten
von Europa nur träumen können den Nahen Osten haben sie schon in
eine schwere Krise gestürzt.
Abdel Fattah
al-Sisi
Ägyptens Präsident
FOTO: DPA/ARCHIV
Ägypten reagierte gestern mit aller Härte. Am Morgen starteten
Kampfjets ins Nachbarland und
bombardierten IS-Stellungen. Die
Luftwaffe der mit Kairo verbündeten Regierung aus Ostlibyen flog
ebenfalls Angriffe. Die von Islamisten geführte westlibysche Regierung nannte die Schläge hingegen
einen „Angriff auf die Souveränität“.
Ägypten soll bereits zuvor Ziele
in Libyen bombardiert haben, stritt
dies aber immer ab. Nun sucht Präsident Abdel Fattah al-Sisi den offenen
Kampf. Die toten Kopten gelten als
„Märtyrer“, im Land wurde eine siebentägige Staatstrauer ausgerufen.
Aus den Dschihadisten vor der
Haustür – neben Libyen hat sich
auch eine IS-Zelle im Nordsinai gegründet – schlägt Al-Sisi innen- wie
außenpolitisch Kapital.
Um die Menschenrechte ist es
schlecht bestellt, seit der Ex-General
an der Macht ist. Vor allem Oppositionelle und Muslimbrüder werden
zu Hunderten eingesperrt. Kritiker
fürchten eine neue Militärdiktatur,
schlimmer als unter dem einstigen
Langzeitherrscher Husni Mubarak.
Der Kampf gegen den Terror ist AlSisis einzige Ausrede, um Vergehen
an der Bevölkerung zu rechtfertigen.
Das Spiel scheint aufzugehen:
gestern unterzeichneten Ägypten
und Frankreich einen Waffendeal
über 24 französische Rafale-Jets.
Laut Pariser Medien wird Kairo die
Flugzeuge aber erst mal für eine Parade geliehen bekommen. Bis zur
Lieferung dauere es noch. (dpa)
Koptische Christen in Ägypten
weitgehend akzeptiert
Zehn Prozent der 90 Millionen Ägypter sind koptisch-orthodoxe Christen.
Die Minderheit bildet eine Strömung
der altorientalischen Kirchen, Oberhaupt ist Papst Tawadros II. mit Sitz
in Alexandria. Die Gemeinde lebt
weitgehend friedlich mit der Mehrheit
der Muslime zusammen. Das koptische Weihnachtsfest ist seit 2002 als
Feiertag im ganzen Land anerkannt.
Nach Übergriffen von Islamisten auf
die Kopten betont Präsident Abdel
Fattah al-Sisi die Einheit der Religionen. Als erstes ägyptisches Staatsoberhaupt besuchte er im Januar das
koptische Weihnachtsfest. Am Neujahrstag 2011 starben 23 Menschen
bei einem Bombenanschlag auf eine
Kirche in Alexandria.
Außer in Ägypten gibt es auch noch
vereinzelt koptische Gemeinden im
Sudan, in Äthiopien und sowie in Libyen. (dpa)
POLITIK
Dienstag, 17. Februar 2015
BERLIN — Die Bundesregierung will
die Regeln für Krankschreibungen
in Deutschland nicht ändern. Ein
Sprecher des zuständigen Arbeitsministeriums sagte gestern; man
halte die Regelung so, „wie sie ist, für
sinnvoll und nützlich“. Auch die Arbeitgeber sehen keinen Handlungsbedarf. Das Ministerium reagierte
auf Äußerungen von Medizinern
der Uni Magdeburg, die zur Entlastung der Hausärzte vorgeschlagen
hatten, dass sich Beschäftigte für bis
zu einer Woche selbst krankmelden
können. Der Unions-Fraktionsvize
Michael Fuchs sagte der „Bild“ dagegen: „Es muss für Unternehmer
möglich sein, Krankschreibungen
zu überprüfen. Sonst ist ein Missbrauch nicht ausgeschlossen.“ (dpa)
KZ AUSCHWITZ
Anklage gegen
SS-Mann erhoben
DORTMUND — Gegen einen 93-jähri-
gen Mann aus dem nordrhein-westfälischen Lage hat die Staatsanwaltschaft Dortmund Anklage wegen
Beihilfe zum Mord im NS-Vernichtungslager Auschwitz erhoben. Das
Landgericht Detmold entscheidet
Ende März über die Zulassung der
Klage. Der frühere SS-Mann soll
1942 in das KZ im besetzten Polen
versetzt worden sein und für die Bewachung des Lagers Auschwitz I zuständig gewesen sein. Als Angehöriger der Wachmannschaft soll er an
der Tötung von 170.000 Menschen
in der Zeit von Januar 1943 bis Juni
1944 beteiligt gewesen sein. Der
Rentner bestreitet dies. (dpa)
ÖSTERREICH
Verbot anstößiger
Kfz-Kennzeichen
WIEN — Unter Rechtsextremisten be-
liebte Buchstaben- und Zahlencodes
sollen künftig auf Kfz-Wunschkennzeichen in Österreich verboten
werden. Verkehrsminister Alois Stöger (SPÖ) plane eine Novelle des
Kraftfahrzeuggesetzes, bestätigte
das Ministerium gestern. Die Negativliste entsprechender Nazi- und
Rassisten-Chiffren steuert das Mauthausen Komitee bei, das gegen alle
Formen des Extremismus kämpft.
Derzeit sind „ anstößige Buchstabenkombination“ verboten. Künftig gilt
das auch für Zahlen. Codes können
unter anderem 18 (steht für die Initialen Adolf Hitlers) und 88 (Heil Hitler) sein. Auch in Deutschland sind
Kennzeichen verboten, die gegen
die guten Sitten verstoßen. (dpa)
Vom guten Jungen zum Terroristen
Der Attentäter von Kopenhagen war ein junger Mann, voll Hass auf alles Jüdische. Er war der Polizei bekannt. Aber das
hilft den Sicherheitsorganen nicht immer weiter. Solidarität mit den europäischen Juden kommt von höchster Ebene.
VON JULIA WÄSCHENBACH
KOPENHAGEN — Vor der Haustür mit
der Nummer „1“ steht am Montag
ein Jugendlicher mit kurzen dunklen Haaren und fuchtelt aufgebracht
mit einer Hand. In der anderen hält
er einen Motorradhelm. „Er war ein
guter Junge!“ ruft er. „Er“ ist Omar
Abdel Hamid El-Hussein. Der 22-jährige Kopenhagener mit palästinensischen Wurzeln, der am Wochenende zwei Menschen getötet hat, bevor er selbst starb. Vor genau dieser
Haustür am Svanevej im bei Migranten beliebten Stadtteil Nørrebro hatten Polizisten ihn erschossen. Nun
liegen Blumen neben der Tür. Aus einer Wohnung im zweiten Stock
blickt eine Blondine auf die Reporter
auf der Straße, die sich unter die Anwohner mischen. Der dunkelhaarige Junge, der so wütend wird, hat
hier mit seinem Moped angehalten.
El-Hussein war ein Bekannter, sagt
er. Fragt: „Wo sind die Beweise, dass
er es wirklich war?“ Dann setzt er
sich den Helm auf, steigt auf das Moped und braust davon.
Die Polizei ist überzeugt, dass es
El-Hussein war, der mit seinen Anschlägen auf ein Kulturcafé und eine Synagoge den Terror für 14 Stunden nach Kopenhagen brachte. Zwischendurch hielt er sich hier auf, am
Svanevej, und in dem Internetcafé
„Power-Play“ in der Nähe.
Nur wenige hundert Meter Luftlinie entfernt von der Adresse liegt der
Mjølnerpark – ein riesiger Wohnblock, flankiert von einer weitläufigen Rasenfläche mit einem Fußballfeld. An einer Wohnungstür trifft
ein Reporter der „Jyllands-Posten“
den Vater von El-Hussein an. „Ich
bin genauso schockiert wie der Rest
der Welt.“ Mehr will er nicht sagen.
Berichten zufolge sind er und seine
Frau Palästinenser, sein Sohn aber
wurde hier geboren, wuchs in Dänemark auf. Aus seiner Abneigung gegen Juden machte er angeblich kein
Geheimnis. „Er hatte keine Angst,
laut auszusprechen, dass er Juden
hasste“, sagt ein früherer Klassenkamerad dem „Ekstrabladet“. Der Konflikt zwischen Israel und Palästina
war ein Thema, das er immer wieder
temperamentvoll mit Mitschülern
diskutierte. Von einer Minute auf
die andere habe er völlig aus der
Haut fahren können.
Zuletzt war El-Hussein zum Zentrum für Erwachsenenbildung im
Kopenhagener Vorort Hvidovre gegangen, hatte dort auf seine Hochschulreife hingearbeitet. „Er war ein
Berlin und Paris sichern Juden
bestmöglichen Schutz zu
Nach dem tödlichen Anschlag auf
einen Wachmann in einer Synagoge in
Kopenhagen wird über die Auswanderung von Juden und die Sicherheit jüdischer Einrichtungen diskutiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
sagte gestern, man werde alles dafür
tun, dass die Sicherheit jüdischer Einrichtungen und die Sicherheit der
Bürger, die jüdischer Herkunft sind,
gewährleistet werde. „Wir sind froh
und auch dankbar, dass es wieder jüdisches Leben in Deutschland gibt“,
ergänzte die Regierungschefin.
Die frühere Präsidentin des Zentralrats der Juden, Charlotte Knobloch, stellte sich gegen den Aufruf
des israelischen Regierungschefs
Benjamin Netanjahu an die europäischen Juden, nach Israel auszuwandern. „Ein Exodus der europäischen
Juden nach Israel ist keine Lösung der
massiven Gefährdung durch islamistischen Terror“, sagte sie. Der islamistische Terror bedrohe die europäischen
Demokratien als Ganzes.
Zehntausend Menschen trauerten gestern Abend in Kopenhagen auf einer
Gedenkstunde um die beiden Anschlagsopfer.
FOTO: BRITTA PEDERSEN/DPA
Der Attentäter: Omar Abdel Hamid
El-Hussein.
FOTO: ACTION PRESS
sehr fleißiger und begabter Schüler“,
sagt der Rektor Peter Zinkernagel
dem dänischen Fernsehen.
Das Gebäude neben der S-BahnStation Åmarken ist ein trister grauer Klotz mit vier langen Fensterreihen und einer Baustelle davor. „Ich
habe ihn manchmal auf dem Flur
mit seinen Freunden gesehen“, erzählt Selina, die hier auch zur Schule geht. Das zierliche Mädchen wedelt aufgeregt mit einer Zeitung, auf
deren Titelseite das Bild des mutmaßlichen Täters prangt. Das erscheine ihr alles so unwirklich.
So genau kann sich die 20-Jährige
erinnern, weil sie sein Bild schon
einmal in der Zeitung gesehen hat.
Im November 2013, als El-Hussein
in einer S-Bahn mit einem Messer
auf einen Jugendlichen eingestochen hat – angeblich unter Haschisch-Einfluss. Damals hatte sich
Selina bei der Polizei gemeldet, weil
sie ihn erkannt hatte. „Der geht doch
auf meine Schule, habe ich gedacht.“
Das war das Ende der schulischen
Laufbahn von El-Hussein, der für die
Ermittler da schon kein Unbekannter war. Anfang 2014 kam er ins Gefängnis. Eigentlich sollte er zwei Jahre einsitzen, doch vor knapp zwei
bro zum Thaiboxen gegangen. Im
selben Stadtteil, in dem der 22-Jährige in dunkler Skikleidung und mit
rot-orangenem
Halstuch
vermummt das Feuer auf das Café
„Krudttønden“ eröffnete.
Hier sammeln sich zwei Tage
nach dem Attentat Journalisten, Politiker, Angehörige, Kopenhagener.
Wer der junge Mann wirklich war,
der ihre friedliche Stadt in einen Terror-Tatort verwandelt hat, und wieso er ausrastete, können sie immer
noch nicht begreifen. Am Abend
versammeln sich schließlich mehrere zehntausend Menschen zu einer
Gedenkstunde für die beiden Männer, die El-Hussein getötet hat. (dpa)
Wochen wurde El-Hussein entlassen. Danach sei er ein anderer
Mensch gewesen, erzählen Freunde.
Er habe nicht mehr dieselben Themen gehabt wie sie. Im Gefängnis
soll er den Wunsch geäußert haben,
sich der Terrormiliz Islamischer
Staat anzuschließen und in Syrien
zu kämpfen. Das will die Zeitung
„Berlingske“ aus dem Umfeld der Behörde erfahren haben. Für andere
kommt das völlig überraschend.
„Vor der Zeit im Gefängnis war er
ein richtig cooler Kerl, sehr ruhig“,
beschreibt ihn ein Nachbar aus dem
Mjølnerpark. Habe sich mit den anderen Jungen aus dem Wohnblock
getroffen. Sei im bürgerlichen Øster-
Mohammed-Karikaturen-Zeichner Vilks verlässt sein Zuhause
Nach den Terroranschlägen von Kopenhagen verlässt der schwedische
Mohammed-Karikaturen-Zeichner
Lars Vilks einem Medienbericht zufolge für unbestimmte Zeit sein Zuhause. Grund seien Sicherheitsbedenken
der Anwohner in Vilks‘ Heimatkommune Höganäs in Schweden, berichtete gestern der schwedische Rundfunk. Der Karikaturist soll Ziel des
ersten Attentats auf ein Kulturcafé in
der dänischen
Hauptstadt am Wochenende gewesen
sein. Er blieb bei
dem Anschlag aber
unverletzt.
Vilks‘ Haus liegt
dem Rundfunkbericht zufolge in der Nähe einer Vorschule und Schule. (dpa)
FOTO: IMAGO/ARCHIV
Regierung: Es bleibt
beim Krankenschein
5
DAS THEMA: TERRORANGST IN EUROPA
NACHRICHTEN
KRANKSCHREIBUNG
Freie Presse
In einer Reaktion auf den Terroranschlag in Kopenhagen hatte Netanjahu den Juden in Europa und weltweit
versichert, Israel erwarte sie mit offenen Armen: „Israel ist eure Heimstätte.“ Zur Aufnahme von Juden aus Belgien, Frankreich und der Ukraine plane seine Regierung die Bereitstellung
von 40 Millionen Euro.
Dänemarks Chefrabbiner Jair Melchior erklärte dagegen gestern : „Wir
haben keine Angst. Wir lassen uns
nicht von Terroristen dazu zwingen,
unser tägliches Leben zu ändern, in
Angst zu leben und an andere Orte zu
fliehen.“
Widerspruch kam auch aus Frankreich. Präsident François Hollande
appellierte an die französischen Juden, nicht zu emigrieren. „Juden haben ihren Platz in Europa und insbesondere in Frankreich“, sagte Hollande. Frankreich werde Antisemitismus
entschlossen bekämpfen.
Im elsässischen Sarre-Union waren
zuvor auf einem Friedhof Hunderte
jüdische Gräber geschändet und zerstört worden. Gestern wurden fünf
Jugendliche gefasst. Sie bestritten,
aus Hass auf Juden gehandelt zu haben. Die jüdische Gemeinschaft in
Frankreich ist mit rund 500.000 Mitgliedern die größte in Europa. (dpa)
RUMÄNIEN
13. Ex-Mitglied einer
Regierung verurteilt
BUKAREST — Die frühere rumänische
Jugendministerin Monica Iacob-Ridzi muss wegen Amtsmissbrauchs
für fünf Jahre ins Gefängnis. Das
oberste Gericht verurteilte die 37Jährige gestern rechtskräftig, weil
sie als Ministerin 2009 illegal Verträge mit Firmen zur Organisation von
Freiluft-Popkonzerten abgeschlossen habe. Durch die überteuerten
Verträge sei dem Staat ein Schaden
in Höhe von 3,1 Millionen Lei
(709.000 Euro) entstanden. Ridzi ist
das 13. Ex-Regierungsmitglied Rumäniens, das seit 2005 wegen Korruption verurteilt wurde. (dpa)
NIGERIA
Armee erobert
Kleinstadt zurück
ABUJA — Die nigerianischen Streitkräfte haben nach eigenen Angaben
einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt im Nordosten des Landes von
der Terrormiliz Boko Haram zurückerobert. Mit Luftangriffen und einer
Bodenoffensive sei die Kleinstadt
Monguno gestern befreit worden,.
Es habe Festnahmen und auch Tote
gegeben. Zudem seien Waffen der
sunnitischen Fundamentalisten beschlagnahmt worden. (dpa)
Möglichkeiten der Sicherheitskräfte sind begrenzt
Die einen Täter radikalisieren sich unbemerkt, andere fallen durchs Raster von Ermittlern – Beklagt werden zuwenig Mittel und Personal
BERLIN — Der 22-Jährige, der den Ter-
ror nach Kopenhagen brachte, war
der Polizei schon aufgefallen und
kam gerade aus dem Gefängnis und
er hatte Unterstützer. Auch den Sicherheitsbehörden in Deutschland
gibt das zu denken. Die „Freie Presse“ beantwortet wichtige Fragen.
Wie groß ist die Gefahr eines
Anschlags hierzulande?
Bundesinnenminister Thomas de
Maizière (CDU), Nachrichtendienste und Polizei betonen, dass auch ein
Attentat in Deutschland nie ganz
auszuschließen ist. Sorgen machen
sie sich vor allem über Einzeltäter,
die bis zu einem Anschlag gar nicht
auffallen. Ein solcher Fall war Arid
Uka, der 2011 am Frankfurter Flughafen zwei US-Soldaten erschoss
und zwei weitere schwer verletzte.
Es war der bislang einzige islamistische Anschlag auf deutschem Boden. Andere Versuche wurden vereitelt. Uka war allein. Er hatte sich seinen Hass auf die westliche Ordnung
im Internet einflüstern lassen.
Wie ist es mit der Bedrohung
durch polizeibekannte Extremisten?
Die Anschläge in Kopenhagen und
zuvor schon in Paris zeigen, dass dies
ebenfalls eine große Gefahr ist. In
beiden Fällen waren die mutmaßlichen Täter keine Unbekannten für
die Polizei. Die Attentäter von Paris
waren fest in der islamistischen Szene verankert, galten als gewaltbereit, mindestens einer hatte sich im
Ausland in einem Terrorcamp ausbilden lassen - und trotzdem konnten sie ein Blutbad anrichten. Auch
Polizei und Nachrichtendienste in
Deutschland räumen ein, sie könnten nicht alle gefährlichen Islamisten rund um die Uhr überwachen.
Dafür fehle das Personal. Eine Herausforderung sei auch, „Alt-Dschihadisten“, die nach aktiven Zeiten
kaum noch in Erscheinung träten,
über Jahre im Blick zu behalten.
Gibt es auch Leute, die komplett
durchs Raster fallen, obwohl sie
in der Szene aktiv sind?
Ja. Im vergangenen Herbst etwa
durchsuchten hessische Ermittler
die Wohnung eines jungen Mannes– eigentlich wegen eines Drogendeliktes. Doch die Fahnder fanden Waffen, Munition, eine schusssichere Weste und ein Kapuzenshirt
mit dem Symbol der Terrormiliz Islamischer Staat. Die Behörden hatten vorher nicht gewusst, dass der
Mann ein Dschihadist war, der gerade erst aus Syrien heimgekehrt war.
rien und im Irak wächst stetig und
damit auch die Zahl der kampferprobten Rückkehrer. Sie werden intensiv beobachtet, in den vergangenen Wochen gab es zahlreiche Festnahmen und Durchsuchungen.
Beim Bundeskriminalamt (BKA)
und der Bundesanwaltschaft sind
die Ermittlungsverfahren gegen Islamisten in die Höhe geschnellt. Allein beim BKA sind es rund 500.
Was bedeutet das für die Sicherheitsbehörden?
Polizei, Verfassungsschutz und Justiz beklagen, sie hätten allmählich
ihre Kapazitätsgrenzen erreicht. Die
Chefs von Verfassungsschutz und
BKA, Hans-Georg Maaßen und Holger Münch, sagten kürzlich, angesichts dieser Aufgaben könnten andere Bereiche nicht mehr so intensiv
beobachtet werden. Die Bedrohung
durch islamistischen Terror binde
enorm viele Kräfte, die an anderer
Stelle fehlten. Ohne zusätzliches
Personal seien sie gezwungen, Prioritäten zu setzen.
Sicherheitskräfte vor dem Hauptquartier der Polizei in Kopenhagen, wo gestern zwei Verdächtige verhört wurden.
FOTO: BRITTA PEDERSEN/DPA
Gibt es denn Aussicht auf mehr
Personal für Polizei und Geheimdienste?
De Maizière hat nach den Anschlägen von Paris prüfen lassen, wie die
deutschen Sicherheitsbehörden aufgestellt sind. Er hat vorsichtig ein
Plus an Personal und Ausstattung in
Aussicht gestellt und verhandelt darüber derzeit mit Finanzminister
Wolfgang Schäuble (CDU). Details
nennt er nicht. Kurzfristig ist aber
keine Aufstockung in Sicht. Aus
dem Innenressort heißt es, derzeit
seien die Behörden hinreichend ausgestattet, um ihre Aufgaben zu erfüllen. (dpa)
Wie gefährlich ist die deutsche
Islamisten-Szene?
Die Zahl der islamistischen „Gefährder“ ist mit rund 270 so hoch
wie nie zuvor. Das sind Menschen,
denen die Polizei grundsätzlich einen Terrorakt zutraut. Die Zahl der
Ausreisen in die Kampfgebiete in Sy-
6 Freie Presse
WIRTSCHAFT & BÖRSE
Dienstag, 17. Februar 2015
Puma wieder auf dem Weg nach oben
NACHRICHTEN
DISCOUNTER
Lidl will
moderner werden
NECKARSULM — Mit einer breit angelegten Kampagne will der Discounter Lidl den Druck auf Supermärkte
erhöhen. „Lidl hat in den vergangenen Jahren einen starken Veränderungsprozess durchlaufen“, sagte
Christoph Pohl, in der Lidl-Geschäftsleitung zuständig für den
Einkauf, in einer gestern veröffentlichten Mitteilung. Dazu gehöre
auch, das Sortiment auszubauen.
Künftig sollen verstärkt auch regionale Produkte angeboten werden.
Gleichzeitig sollen die rund 3300 Filialen in Deutschland modernisiert
werden. (dpa)
KOMMERZIELLE DROHNEN
US-Behörde
stellt Auflagen vor
Der Sportartikelhersteller Puma sieht sich
WASHINGTON — Die amerikanische
Luftfahrt-Aufsicht FAA hat ihre geplanten Regeln für den geschäftlichen Einsatz von Drohnen veröffentlicht – und erntete prompt Kritik von Amazon. Der Online-Händler werde mit den vorgesehenen Beschränkungen sein Projekt zur
Drohnen-Zustellung von Waren
nicht fortführen können, erklärte
Amazon-Manager Paul Misener. Der
Vorschlag der FAA vom Wochenende sieht unter anderem vor, dass die
Drohnen immer von einer Person
mit Luftfahrtwissen gesteuert werden müssen, die zudem stets Sichtkontakt zu ihnen haben soll. Außerdem dürften die Fluggeräte nicht
über Menschen fliegen, die nicht direkt in den Betrieb der Drohnen eingebunden sind. (rtr)
ZULIEFERER
Stabilus hebt
Umsatzprognose an
HAMBURG — Der Autozulieferer Stabilus ist mit einem deutlichen Gewinnplus in sein Geschäftsjahr gestartet und hebt angesichts des starken Dollar-Kurses die Umsatzprognose an. Die Erlöse sollen nun im
Gesamtjahr in einer Spanne zwischen 575 und 585 Millionen Euro
liegen, wie der Hersteller von Gasfedern, Dämpfern und elektromagnetischen Antrieben gestern mitteilte.
Bislang hatte das Management den
Zielkorridor 25 Millionen Euro
niedriger angesetzt. (rtr)
nach schwierigen Jahren am Wendepunkt.
„Das Jahr 2015 wird unserer Auffassung nach
zeigen, dass wir auf dem richtigen Weg sind“,
sagte Puma-Chef Björn Gulden gestern in
Herzogenaurach. Puma versucht seit längerem, ausufernden Kosten mit einem Sparprogrammen zu begegnen. Außerdem will der
nach Nike und Adidas drittgrößte Sportartikelkonzern der Welt das Vertrauen der Kon-
sumenten zurückgewinnen, nachdem die
Marke stark an Beliebtheit verloren hatte. Im
vergangenen Jahr erhielten die Franken auch
Gegenwind durch negative Währungseffekte. In Euro lag der Umsatz nach einem star-
ken Schlussspurt im vierten Quartal mit 2,97
Milliarden Euro leicht unter dem Vorjahreswert. Der Konzerngewinn von Puma vervielfachte sich von 5,3 Millionen auf 64,1 MillioFOTO: DANIEL KARMANN/DPA
nen Euro.
Gabriel erwartet 170.000 neue
Arbeitsplätze in diesem Jahr
Bundeswirtschaftsminister
sieht eine gute wirtschaftliche Entwicklung, warnt
aber vor der anhaltenden
Investitionsschwäche in
Deutschland.
VON CHRISTOPH ULRICH
CHEMNITZ — Bundeswirtschaftsmi-
nister Sigmar Gabriel (SPD) hat den
Jahresempfang der Industrie- und
Handelskammer Chemnitz (IHK)
gestern Abend genutzt, um für das
Freihandelsabkommen mit den
USA (TTIP) zu werben. „Wir sollten
nicht zum letzten Mal die Chance
verpassen, die Welt-Standards zu beeinflussen“ sagte Gabriel vor rund
250 Teilnehmern aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung. Die asiatischen Länder ständen längst in den
Startlöchern, um im Falle eines
Scheiterns von TTIP einzuspringen.
„Wir müssen deshalb selbstbewusst
in diese Verhandlungen gehen“, erklärte der Vizekanzler. Dies gelte
auch für das Thema Schiedsgerichtsbarkeit, wo er sich vorstellen
könne, eine neue Form von Handelsgerichten mit staatlich bestellten
Richtern zu vereinbaren.
Angesichts der guten Konjunktur erwartet Gabriel in diesem Jahr
zusätzlich 170.000 neue sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. „Das wird die Binnenkonjunktur weiter beleben“, meinte
der Minister. Gleichzeitig warnte er
davor den niedrigen Ölpreis und
den abgewerteten Euro auf die leichte Schulter zu nehmen. „Die gute
Wechselkurslage darf nicht dazu
führen, zu glauben, alles ist in bester
Ordnung.“ Dann könne die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands ganz
schnell wieder verloren gehen.
Gabriel kündigte an, die Investitionsschwäche in Deutschland zu bekämpfen. „Wir wollen die Bedin-
gungen für Investitionen verbessern“, sagte er. Ein Kernpunkt dabei
sei auch die Entlastung der Kommunen, damit Städte und Gemeinden
mehr Spielraum für notwendige Investitionen in die Infrastruktur hätten. Von den Unternehmen erwarte
er zudem ein stärkeres Engagement
bei der Digitalisierung. Deutschland
dürfe bei diesem „Innovationstreiber“ nicht abgehängt werden.
bildung und Gymnasium wieder
stärker zu verbinden.
Wichtig für die Leistungsfähigkeit sei zudem das Gelingen der
Energiewende. Gabriel kündigte ein
neues Marktdesign für den Strommarkt noch in diesem Jahr an. „Wir
brauchen wieder Planbarkeit auf
dem Energiemarkt“, erklärte der
SPD-Politiker.
Bei seiner Begrüßung hatte IHKPräsident Franz Voigt über die Verunsicherung der Unternehmer angesichts der Herausforderungen des
Mindestlohnes, der Wachstumsschwäche im Euroraum und wegen
der Russlandkrise berichtet. Der Anteil der pessimistischen Erwartungen sei binnen Jahresfrist von zehn
auf 17 Prozent gestiegen, sagte Voigt.
Zudem kritisierte der IHK-Präsident
die Rente mit 63 Jahren und die erst
spät veröffentlichten Verordnungen
des Mindestlohngesetzes. „Das alles
schafft unnötigen Frust“, sagte Voigt. Er warnte davor, dem Arbeitsmarkt weitere Fesseln anzulegen.
Sigmar Gabriel
Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler
FOTO: GREGOR FISCHER/DPA
Ein deutliches Plädoyer hatte Gabriel auch für die berufliche Bildung
parat. „Wir müssen wieder mehr dafür tun, dass berufliche Bildung
nicht zweite Wahl wird“, sagte der
Bundeswirtschaftsminister.
Er
sprach sich für die Idee aus, Berufs-
TARIFRUNDE
Erneute Warnstreiks
in Metallbranche
DRESDEN — Rund 400 Metaller haben
gestern im Tarifstreit der Metallund Elektroindustrie in Sachsen
zeitweise die Arbeit niedergelegt.
Vor den Toren von Thyssen-Krupp
Presta in Chemnitz versammelten
sich Delegationen aus mehreren Betrieben zu einer Warnstreik-Kundgebung, wie die IG Metall BerlinBrandenburg-Sachsen mitteilte. Bei
den Flugzeugwerken in Dresden traten etwa 300 Beschäftigte in den
Warnstreik. Für die Nacht zu Dienstag rief die Gewerkschaft nochmals
300 Mitarbeiter der Handtmann
Leichtmetallgießerei in AnnabergBuchholz zum Ausstand auf. Bundesweit beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben 4500 Beschäftigte aus 13 Betrieben an den Arbeitsniederlegungen. Die Gewerkschaft ruft seit zwei Wochen immer
wieder zu Warnstreiks auf. Am Freitag war die zweite Tarifverhandlungsrunde für die rund 175.000 Beschäftigten der Branche in Sachsen
ergebnislos zu Ende gegangen. Die
Gewerkschaft fordert ein Lohnplus
von 5,5 Prozent sowie flexible Altersübergänge. Die Arbeitgeber boten 2,2 Prozent mehr Geld an. (dpa)
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WIRTSCHAFT
Dienstag, 17. Februar 2015
Freie Presse
7
Air Berlin muss Werbebanner ändern
NACHRICHTEN
LKW-GESCHÄFT
MAN will weniger
produzieren
BERLIN/MÜNCHEN — Wegen
der
Nachfrageflaute in Europa und Südamerika erwägt MAN, die Kapazität
seiner Lkw-Produktion in Deutschland und Österreich zu drosseln. Das
Management der Kernsparte Truck
& Bus spreche mit dem Betriebsrat
über eine mögliche Neuordnung der
Produktion an den Standorten München, Salzgitter und Steyr, sagten
drei mit der Situation vertraute Personen. Dies beinhalte auch eine
eventuelle Anpassung der Kapazität. Insgesamt arbeiten in den drei
Werken rund 13.000 Menschen.
Kündigungen seien aber nicht geplant, hieß es. Weder das Unternehmen noch die Arbeitnehmerseite
wollte sich dazu gestern äußern. (rtr)
BRAUNKOHLE
Neuer Käufer
für Vattenfall
PRAG/COTTBUS — Für die Vattenfall-
Braunkohlesparte in der Lausitz gibt
es einen neuen Kaufinteressenten.
Es handelt sich um den teilstaatlichen tschechischen Stromkonzern
CEZ. „Ja, wir interessieren uns für
diese Kraftwerke, seit Vattenfall ihren Verkauf angekündigt hat“, sagte
CEZ-Sprecher Ladislav Kriz gestern
und bestätigte damit einen Bericht
des „Wall Street Journal“. Das Interesse gelte sowohl den zum Verkauf
stehenden kohlebetriebenen Kraftwerken als auch den von Vattenfall
betriebenen thüringischen Wasserkraftwerken. Ein Vattenfall-Sprecher sagte: „Wir schließen es nicht
aus, auch die Wasserkraftwerks-Aktivitäten zu verkaufen.“ (dpa)
BAHN
Noch keine Reaktion
auf GDL-Ultimatum
BERLIN — Die Deutsche Bahn hat ges-
tern noch nicht auf das Ultimatum
der Lokführergewerkschaft GDL reagiert. Das Unternehmen soll bis
morgen ein Papier unterschreiben,
das einen Zwischenstand der Tarifverhandlungen im Sinne der Gewerkschaft festhält. Sonst will die
GDL zu einem etwa viertägigen
Streik aufrufen. „Wir bewerten das
derzeit“, sagte eine Bahnsprecherin
gestern in Berlin. In dem sogenannten Verhandlungsprotokoll hat die
GDL festgehalten, dass sie Tarifergebnisse unabhängig von Verträgen
mit der konkurrierenden EVG erzielen kann. (dpa)
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dem Festnetz der Deut. Telekom.
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Minutentakt wurden nicht berücksichtigt. Bei einigen Anbietern kann es wegen Kapazitätsengpässen zu Einwahlproblemen kommen. teltarif-Hotline (Montag bis Freitag 9
bis 18 Uhr): 0900 1 330100 (1,86 Euro/Minute von T-Com).
teltarif.de bietet im Internet auch eine Abfrage der Auslandstarife an. Stand: 16. 2. 2015, 11 Uhr. Kurzfristige Änderungen möglich. Quelle: www.teltarif.de – alle Anbieter
mit Tarifansage. Alle Angaben ohne Gewähr.
Die Begriffe „Olympia“ und „Olympische
Spiele“ dürfen Unternehmen nur dann in ih-
rer Werbung verwenden, wenn sie offizieller
Partner des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) sind. Aus diesem Grund
muss Air Berlin sein Logo auf den A320-Ma-
schinen seiner Flotte ändern. Der DOSB und
die Fluglinie bestätigten gestern einen entsprechenden Bericht der „Bild“-Zeitung. „Wir
bleiben natürlich Partner der Olympia-Initiative und werden unsere Unterstützung weiterhin durch die Welt tragen“, sagte Air-Ber-
lin-Sprecher Aage Dünhaupt. Das Banner auf
dem Airbus A320 werde kreativ umgestaltet.
DOSB-Sprecher Christian Klaue bewertete
die Sache gelassen: „Wir freuen uns über die
Aktivitäten in den Bewerberstädten. Da
kann es auch mal passieren, dass der eine
oder andere über das Ziel hinausschießt.“
Berlin will die Olympischen Spiele 2024 oder
2028 austragen. Konkurrent im eigenen
Land ist Hamburg. Der DOSB will am 21.
März entscheiden, mit welcher der beiden
FOTO: GREGOR FISCHER/DPA
Städte er antritt.
„Die griechische Seite braucht
einen Erfolg für ihre Klientel“
Finanzexperte Friedrich Thießen warnt vor den Konsequenzen eines Schuldenschnitts für Griechenland
CHEMNITZ — Der Streit um die
Schuldenkrise in Griechenland
wird die Europäische Union noch
einige Zeit lang beschäftigen.
Christoph Ulrich sprach mit dem
Finanzwissenschaftler Friedrich
Thießen über mögliche Folgen eines Schuldenschnitts.
Freie Presse: Die Griechen haben
einen riesigen Schuldenberg angehäuft. Wird der griechische
Staat das jemals zurückzahlen
können?
Friedrich Thießen: Jeder Häuslebauer hat am Anfang drei oder viermal so viele Schulden relativ zu seinem Einkommen auf dem Buckel
wie jetzt die Griechen. Trotzdem
tilgt der Häuslebauer diese Schulden
im Verlauf von 20 oder 30 Jahren.
Dafür macht er sich ordentlich
krumm und schränkt sich ein. Generell wird bezweifelt, dass sich
Staaten ähnlich krumm machen.
Das Geld haben frühere Generationen ausgegeben – oft für Konsum
statt für Investitionen. Warum sollten sich die folgenden Generationen
20 oder 30 Jahre lang krumm machen? In den USA haben regionale
Gebietskörperschaften ihre Zahlungen an Banken eingestellt mit der
Begründung, eine Steuererhöhung
wäre ihren Bürgern nicht zumutbar.
Insgesamt gesehen muss damit gerechnet werden, dass die westlichen
Staaten inklusive Griechenlands ihre Schulden nicht zurückzahlen
werden und dass es nur darum geht,
die Bedienung der Schulden mit Zinsen und Tilgungen über die jeweils
voraussehbare Zukunft aufrechtzuerhalten.
Mit ihrer Ankündigung, einen
Schuldenschnitt
anzustreben,
haben die Griechen ihre Partnerländer aufgeschreckt. Welche
Konsequenzen hätte ein Schuldenschnitt für Europa?
Die Konsequenzen eines Schuldenschnitts können ziemlich dramatisch sein. Griechenland gehört zum
westlichen Kulturkreis. Bisher galt
der Westen als Garant von Stabilität.
Die größten Schuldner der Welt sind
nicht die Entwicklungsländer und
nicht die Schwellenländer, sondern
die westlichen Industriestaaten. Die
USA, Japan, Deutschland, Italien,
Frankreich, Großbritannien sind absolut die größten Schuldner der Erde. Die Zweifel der Gläubiger an
dem Willen der Abgeordneten, sich
bedingungslos zu ihren Pflichten zu
bekennen, wachsen. Viele Menschen haben mittlerweile Angst um
ihre Ersparnisse. Deshalb gibt es ein
Junktim unter den Regierungen der
westlichen Welt: Niemand rührt an
der These, dass alle Schulden jederzeit ordnungsgemäß bedient werden. Diskussionen darüber sind Tabu. Daran halten sich nun die Griechen nicht. Sie denken sehr laut
über eine Nichttilgung ihrer Kredite
nach. Die gesamte Welt beobachtet
dies. Wenn die Griechen durchkommen und sich ihrer Schulden entledigen, kann es zu erdrutschartigen
Erschütterungen kommen.
Die Korruption in Griechenland
verhindert offenbar einen zielgerichteten Aufbau des Landes.
Haben Sie die Hoffnung, dass die
neue Regierung die Korruption
bekämpfen wird?
Griechenland gehört zu den korruptesten Ländern in Europa. Überall
auf der Welt wird die Korruption zunehmend ernsthaft bekämpft und
zurückgedrängt – auch in Griechenland. Aber das sind lang dauernde
Prozesse. Schnelle Erfolge gibt es
nicht. Aus Sicht der Gläubiger sind
in korrupten Ländern Regierungswechsel gefährlich. Regierungen bedienen mit verfügbaren Geldern vor
allem ihre eigene Klientel. Kommt
eine neue Regierung, hat sie überhaupt kein Interesse, sich für die
Schulden der alten krumm zumachen. Die neue Regierung will ihre
eigene Klientel bedienen. Das geht
nur, wenn entweder frisches Geld
ins Land kommt oder man auf die
Rückzahlung der alten Schulden
verzichtet. Das genau spielt sich derzeit in Griechenland ab.
Wie sieht aus Ihrer Sicht die
wahrscheinlichste Lösung im
Schuldenstreit mit Griechenland
aus?
Die neue Regierung scheint nicht
den Mut zu haben, die Schuldenbedienung, so wie die Argentinier das
regelmäßig machen, kategorisch zu
verweigern. Die wahrscheinlichste
Lösung ist deshalb, dass die westlichen Geldgeber Griechenland gerade so viele neue Kredite geben, dass
der Schuldendienst (Zins und Tilgungen) damit im Wesentlichen geleistet werden kann. Dann kann jede
Seite das Gesicht wahren und die
Frage, ob westliche Staatsschulden
„sicher“ sind, kann vertagt werden.
Aber darüber hinaus braucht die
griechische Seite einen Erfolg für ihre Klientel. Sie muss ihren Wählern
ein Geschenk machen. Über dessen
Höhe wird hart gefeilscht werden.
Die Gläubiger werden vom Schuldner erpresst mit der Drohung, das
Gebäude der Staatsschulden einstürzen zu lassen. Das wird wirken.
Griechenland wird eine Hilfe erhalten.
Ist der Euro in Gefahr, wenn
Griechenland seine Schulden
nicht mehr bedient?
Mit dem Euro hat die Griechenlandkrise wenig zu tun. Eine Währung
ist etwas anderes als eine Staatsschuld. Beide sind nur begrenzt aneinander gekoppelt. Das gilt insbesondere für das riesige Euro-Währungsgebiet. Wenn irgendwo in diesem Gebiet eine Regierung ihre Zahlungen einstellt, gefährdet das die
Währung Euro nicht. Umgekehrt allerdings, das heißt aus Sicht der
Griechen, hätte ein Euroaustritt
schreckliche Folgen. Denn in einem
hochkorrupten Land kann man von
einer Zentralbank nicht viel Gutes
erwarten. Das würden die Griechen
Friedrich
Thießen
Professor für Finanzwirtschaft und Bankbetriebslehre
FOTO: RALF HIRSCHBERGER/DPA
„Die EZB ist an die
Grenze ihrer Politik
gekommen und
muss diese
überdenken.“
Friedrich Thießen
Der Universitätsprofessor leitet
den Lehrstuhl für Finanzwirtschaft
und Bankbetriebslehre an der Technischen Universität Chemnitz. Der in
Bonn geborene 58-jährige Wissenschaftler studierte in Köln und Frankfurt am Main, wo er auch habilitierte.
Zudem arbeitete er auch für Konzerne wie Shell und Hoechst als Finanzexperte. (cul).
antizipieren, und es würde zu heftigen Erschütterungen kommen.
Die Europäische Zentralbank
(EZB) hat in den vergangenen
Jahren längst einen rein geldpolitischen Kurs verlassen. In welche Gefahr begibt sich die EZB,
wenn sie immer mehr Staatsanleihen von Krisenländern aufkauft?
Der Euro insgesamt war ein großer
Erfolg. Aber die EZB ist eine noch
ganz junge Institution. Es gibt noch
keine Einigung in der Interpretation
der Aufgaben der EZB. Die Deutschen möchten die EZB auf geldpolitische Aufgaben beschränken – dies
entspricht deutschen Traditionen
mit der Bundesbank. Die Südländer
möchten die EZB benutzen, um
Wirtschaftshilfe zu leisten – dies
entspricht Traditionen in diesen
Ländern. Zwei Welten prallen im
EZB-Direktorium aufeinander.
Wie kann man einen gemeinsamen Weg finden?
Es wird viele Jahre dauern, bis sich
ein Konsens und eine Tradition herausbilden. Die Deutschen dachten,
dass die EZB-Verträge so formuliert
seien, dass sie ihre Meinung unterstützen. Aber die Südländer entdecken überall Lücken, die sie zur Unterstützung ihrer Ansicht verwenden. Die EZB selbst ist dem Wunsch
nach Wirtschaftshilfe für schwache
Länder immer bereitwilliger nachgekommen. Dies begann unter Trichet und hat unter Draghi große Dimensionen erreicht. Die EZB hat
Griechenland 27 Milliarden Euro geliehen. Würde dieses Geld ausfallen,
würde es die EZB nicht gefährden.
Aber es wäre ein großer Gesichtsverlust für das Direktorium der EZB, das
dann aus Leuten bestünde, welche
das Geld der europäischen Steuerzahler verschleudern. Das bedeutet,
dass die Griechenlandkrise auch dazu führt, dass die EZB vorgeführt
wird. Die EZB ist an die Grenze ihrer
Politik gekommen und muss diese
überdenken.
Kann es denn noch schlimmer
kommen?
In dem hypothetischen Fall, dass
weitere Länder ihre Schuldenbedienung einstellten, wäre die EZB nach
dem Aufkauf so vieler Staatsanleihen in ihrem Bestand gefährdet.
Dasselbe gilt aber auch für viele andere Gläubiger in Europa. Das wäre
ein neues Kapitel. Diesen Fall darf es
einfach nicht geben.
Frist bis Freitag
Die Euro-Länder setzen Griechenland im Schuldenstreit eine Frist bis
Freitag. Der Vorsitzende der Euro-Finanzminister, Jeroen Dijsselbloem,
forderte die Regierung in Athen dazu
auf, eine Verlängerung des laufenden
Hilfsprogramms zu beantragen. Dies
hat sie bislang entschieden abgelehnt. Dijsselbloem betonte nach
knapp vierstündigen Beratungen in
der Eurogruppe, der Antrag müsse bis
zu einem außerordentlichen Eurogruppen-Treffen spätestens am Freitag vorliegen. „Dies würde uns erlauben, an künftigen Lösungen zu arbeiten“, ergänzte er.
Das Ultimatum der Eurogruppe
lehnte der griechische Finanzminister
Gianis Varoufakis gestern ebenso ab,
wie eine Verlängerung des Hilfsprogramms für sein Land. „Wir wollen einen neuen Vertrag“, sagte Varoufakis
gestern Abend. Das alte Programm
sei die Ursache und nicht die Lösung
für die Probleme Griechenlands. Weiter sagte Varoufakis, er gehe davon
aus, dass es in den kommenden 48
Stunden weitere Verhandlungen auf
europäischer Ebene geben könne.
Was er genau damit meint, sagte er
nicht. Maltas Finanzminister Edward
Scicluna betonte indes, Griechenland
müsse den Ernst der Lage erkennen.
Sollte das Land keine Verlängerung
des Programms beantragen, drohe
ihm ein „Desaster“. „Dann wär’s das.“
Im von Griechenland abgelehnten
Entwurf hieß es, dass Griechenland
eine „technische Verlängerung“ des
aktuellen Hilfsprogramms um sechs
Monate beantragen soll. Die griechische Regierung solle sich zudem zu
einem „angemessenen“ Primärüberschuss des Staatshaushaltes verpflichten. Bisher hatten die internationalen Geldgeber für dieses Jahr ein
Plus von drei Prozent verlangt. Im
Primärüberschuss wird der Schuldendienst nicht berücksichtigt.
Ziel der geforderten Verlängerung
des Hilfspakets ist es, Zeit für weitere
Verhandlungen mit der griechischen
Regierung zu gewinnen. Die Euro-Finanzminister ringen unter Zeitdruck
um eine Lösung, weil das aktuelle
Programm, dessen Sparauflagen die
linke Regierung in Athen als zu einschneidend ablehnt, bis Ende Februar
läuft und danach die Pleite des Landes droht. Laut „Süddeutscher Zeitung“ wollte der griechische Finanzminister Varoufakis ein Moratorium
von drei bis vier Monaten vorschlagen, in dem die griechische Regierung
keine Versprechen aus dem Wahlprogramm der linksradikalen SyrizaPartei realisiere. Im Gegenzug sollten
die Euro-Partner über die Europäische Zentralbank (EZB) in der Zeit die
Liquidität der griechischen Banken sicherstellen. (rtr/dpa)
8 Freie Presse
AUS ALLER WELT
Dienstag, 17. Februar 2015
Bezwinger des
Südpols droht
Bußgeld
NACHRICHTEN
CHINA
Alkoholvergiftung
nach Geschäftsessen
Umweltbundesamt leitet
Verfahren ein
PEKING — Tödliches Gelage während
der Arbeitszeit: Ein chinesischer
Funktionär ist nach exzessivem Alkoholtrinken während eines Geschäftsessens gestorben. Dafür wurden sieben seiner Kollegen bestraft,
wie es in einem gestern von Staatsmedien abgedruckten Text der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua
heißt. Sechs von ihnen wurden verwarnt, einer wurde entlassen. Die
Angestellten arbeiteten für die Lebensmittel- und Medikamentenbehörde der Gemeinde Tongshan in
der Provinz Hubei. Die Behörde ist
unter anderem dafür zuständig, die
Einhaltung von Essensvorschriften
zu prüfen. Alkoholtrinken ist für
Funktionäre während der Mittagspause verboten. (dpa)
BALINGEN — Nach seiner Expedition
zum Südpol muss sich der Extremsportler Martin Szwed aus Balingen
(Baden-Württemberg) beim Umweltbundesamt (UBA) rechtfertigen. Die Behörde hat ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren gegen den
33-Jährigen eingeleitet, weil er den
Trip nicht angemeldet hatte. Ihm
könnte ein Bußgeld von bis zu
50.000 Euro drohen – darüber ist
aber noch nicht entschieden. Der
33-Jährige hatte sich nach eigenen
Angaben beim UBA entschuldigt,
dass er seine Weihnachten 2014 gestartete Reise trotz Hinweisen des
Amts nicht angemeldet hatte. Vielmehr hatte er sogar behauptet, das
Vorhaben sei verschoben worden –
TSCHECHIEN
Polizei entdeckt
drei Babyleichen
MIKULOV — Polizisten haben in ei-
nem Haus im Südosten Tschechiens
drei Baby-Leichen gefunden. Das
teilte ein Sprecher gestern mit. Gegen die 25-jährige mutmaßliche
Mutter wird wegen Mordverdachts
ermittelt. Nach Polizeiangaben soll
sie mit ihrem Lebenspartner in dem
Haus in einem Dorf bei Mikulov außerdem eine Drogenküche für Crystal Meth betrieben haben. (dpa)
FEUER
Großbrand in
Hendl-Schlachterei
BOGEN — Ein Großbrand in einer
Hähnchen-Schlachtanlage im niederbayerischen Bogen hat gestern
einen Schaden von mehr als zehn
Millionen Euro verursacht. In einer
2400 Quadratmeter große Halle war
gegen Mitternacht das Feuer ausgebrochen. Die Flammen hielten die
Einsatzkräfte fast den ganzen Tag in
Atem. Nach Angaben des Unternehmens konnten sich die Mitarbeiter
in Sicherheit bringen, auch Tiere seien nicht umgekommen. Die Brandursache war zunächst unklar. (dpa)
FRÜH DRAN
Mutter erteilt Kind
Fahrunterricht
GRAFENWÖHR — Ein gerade einmal
zwölf Jahre altes Mädchen hat von
ihrer Mutter auf einem Parkplatz in
Grafenwöhr in Bayern Fahrstunden
bekommen. Eine Polizeistreife beobachtete die illegalen Fahrübungen
am Sonntag. Die Beamten wurden
stutzig, als sie die sehr jung aussehende Fahrerin bemerkten. Die 35
Jahre alte Mutter saß auf dem Beifahrersitz. Die Mutter muss nun mit
einem Strafverfahren rechnen. (dpa)
FOTO: ROLAND WEIHRAUCH/DPA
Ein Karnevalswagen zeigt in Düsseldorf das Motiv „Charlie Hebdo – Satire kann man nicht töten“.
Martin Szwed
Narren feiern am Rosenmontag
die Angst vor dem Terror weg
Karneval verkörpert alles,
was islamistische Fanatiker hassen. Dass sich
Jecken und Narren den
Höhepunkt der fünften
Jahreszeit nicht vermiesen
lassen, ist deshalb auch ein
politisches Signal.
VON JÜRGEN HEIN
KÖLN — Mit Pappnase oder Kostüm
auf die Straße zu gehen, erfordert
manchmal genau so viel Zivilcourage wie eine politische Demonstration. Der Terror von Kopenhagen, der
abgesagte Karnevalszug in Braunschweig – die Jecken und Narren in
Köln, Düsseldorf und Mainz hatten
das im Hinterkopf, als sie ihren Rosenmontag feierten. Die 62-jährige
Christel (62) ließ sich nicht Bange
machen und jubelte trotzdem dem
Zug in Köln zu: „Das macht mir keine Angst. Man darf sich nicht einschüchtern lassen. Das ist Freiheit,
das ist Karneval!“
Dass der Rosenmontag fast so ablief wie immer und die Menge sang,
schunkelte und feierte, war nicht
selbstverständlich. Die Anschläge
auf Islamkritiker und Juden im Januar in Frankreich und nun Dänemark zeigen, dass islamistische Terroristen bereit sind, alles anzugreifen, was sie hassen. Deswegen – so
die Befürchtung mancher Experten
– könnte auch der Straßenkarneval
ins Visier islamistischer Fanatiker
geraten. Nicht nur, weil ein Anschlag hier besonders großes Aufsehen erregen würde. Wer meint, dass
Frauen nur verschleiert auf die Straße dürfen, wer Musik für Sünde hält,
und wer glaubt, religiöse Vorstellungen mit Gewalt durchsetzen zu
müssen, kann den Karneval und die
ausgelassene Lebensfreude der Narren und Jecken nur hassen.
„Wir demonstrieren heute dafür,
dass wir uns von solchen Sachen
nicht beeinflussen lassen“, sagte der
Pirat Udo (43), der mit seinem Sohn
Tim (5) und seiner Mutter (75) aus
Berlin in seine alte Heimat Köln ge-
kommen war. „Wer Angst hat, darf
einfach nicht auf so eine Veranstaltung gehen“, meinte eine 24 Jahre alte Närrin in Mainz. Oder er wählt einen Mittelweg – wie ein Trapper in
Düsseldorf: „Sonst sind wir auf der
Kö.“ Aus Angst vor einem Anschlag
meiden er und seine Freunde diesmal die Einkaufsmeile und schauen
dem Zug vom Rhein aus zu.
Immer schon liegt den Karnevalisten das Rebellische im Blut. Narrenfreiheit und Meinungsfreiheit
sind zwei Seiten derselben Medaille.
Und deshalb fuhr das Thema Terror
als Motiv auf den Wagen der Umzüge mit. In Düsseldorf war ein kopfloser Mann auf der Flucht vor einem
Maskierten zu sehen, der ein blut-
„Traumhaft jeck“ – unter diesem Motto feiern diese Clowns in Düsseldorf den
FOTO: FEDERICO GAMBARINI/DPA
Rosenmontag.
tropfendes Schwert schwingt. Das
Opfer trägt das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ in den
Händen, und aus seinem offenen
Hals kommt die Sprechblase: „Satire
kann man nicht töten.“ Nachdem
das Kölner Festkomitee vor gut zwei
Wochen einen ersten Entwurf zurückgezogen hatte, rollte dort nun
ein Clown durch die Stadt, der einen
Buntstift-Baum wachsen ließ, in Erinnerung an die Zeichner von „Charlie Hebdo“. Es war eine abgeschwächte Version. Der Terrorist,
den der mutige Clown im ursprünglichen Entwurf stoppen sollte, war
nur unfertig am Boden zu sehen.
Heinz (53), der mit seiner Tochter
Marie (9) in Köln feierte, findet solche Symbole wichtig. Man dürfe mit
seiner Meinung nicht aus Angst hinter den Berg halten, meinte er. Courage brauchten nicht nur Jecken,
Narren und Wagenbauer. Die Sicherheitsbehörden reden nicht viel
darüber, aber es dürfte eine der
schwierigsten Gratwanderungen
sein, zwischen Sicherheit und Freiheit abzuwägen. Die Entscheidung
von Braunschweig zeigt, was den
Unterschied macht: Bei einer konkreten Drohung wird abgesagt. Eine
allgemeine Sorge reichte aber nicht,
um den Höhepunkt der fünften Jahreszeit zu stoppen. (dpa)
EINE BILDERGALERIE zum
Rosenmontag können Sie
ansehen, wenn Sie diesen
Code scannen.
» www.freiepresse.de/rosenmontag
GEWONNEN?
Keno
Ziehung vom 16. Februar: 1, 5, 11, 14, 16,
18, 25, 26, 33, 36, 38, 39, 41, 42, 43, 44,
49, 53, 55, 69
Zusatzlotterie Plus 5: 38339
Auswahlwette
10, 16, 19, 21, 23, 29, Zusatzspiel: 41
Ergebniswette
2, 1, 1, 1, 1, 1, 2, 2, 2, 0, 1, 2, 2
Gewinnquoten
Lotto am Samstag
Kl. 1: unbesetzt, Kl. 2: 675.091,80 ¤,
Kl. 3: 17.765,50 ¤, Kl. 4: 6589,80 ¤,
Kl. 5: 277,80 ¤, Kl. 6: 66,00 ¤, Kl. 7:
26,30 ¤, Kl. 8: 14,10 ¤, Kl. 9: 5,00 ¤.
Ergebniswette
Kl. 1: 128.003,30 ¤, Kl. 2: 2399,90 ¤,
Kl. 3: 151,10 ¤, Kl. 4: 21,20 ¤
Auswahlwette
Kl. 1: unbesetzt, Kl. 2: unbesetzt,
Kl. 3: 2179,10 ¤, Kl. 4: 40,40 ¤,
Kl. 5: 40,40 ¤, Kl. 6: 3,80 ¤
Alle Angaben ohne Gewähr
Superstart für Sado-Maso-Romanze
Der verfilmte Roman
„Fifty Shades of Grey“
lässt weltweit die Kassen
klingeln. Die Kinobranche
freut sich über den „besten
Start eines von einer Frau
inszenierten Films“.
VON GISELA OSTWALD
UND GREGOR THOLL
BERLIN — Die
Sado-Maso-Romanze
„Fifty Shades of Grey“ hat wohl den
besten Kinostart eines Films von einer Regisseurin hingelegt. Dem
Branchendienst „Blickpunkt Film“
zufolge zählte die Bestsellerverfilmung allein in Deutschland in den
ersten vier Tagen nach dem Start
1,35 Millionen Zuschauer und setzte
12,3 Millionen Euro um. Es sei „einer der 40 besten Starts aller Zeiten
und vor allem der beste Start eines
von einer Frau inszenierten Films“.
Regie führte die 47-jährige Britin
Sam Taylor-Johnson. In Deutschland schaffte der Film den besten Kinostart seit dem James-Bond-Film
„Skyfall“, der Ende 2012 mit 1,9 Millionen Zuschauern angelaufen war.
In den USA und Kanada spielte der
Erotikfilm am Wochenende etwa 72
Millionen Euro ein (81,7 Millionen
Dollar). Damit sei er der bestbesuchte Film der Geschichte an einem Valentinstag.
In Deutschland ist der Film laut
FSK (Freiwillige Selbstkontrolle der
Filmwirtschaft) ab 16 Jahren empfohlen. In der Verfilmung des ersten
Teils der Erotik-Trilogie der Britin
E.L. James (51) sind in den Hauptrollen die Amerikanerin Dakota Johnson (25) – Tochter von Melanie Griffith und Don Johnson – sowie der
irisch-britische Schauspieler Jamie
Dornan (32) zu sehen. Dornan spielt
den reichen Unternehmer Christian
Grey, der die von Johnson verkörperte Studentin Anastasia Steele zum
SM-Sex führt. Auch die Bücher der
Trilogie waren in Deutschland wie-
der gefragt. In der TaschenbuchBestsellerliste landete die Filmedition des ersten Bandes „Geheimes Verlangen“ laut GfK Entertainment auf
Platz vier. Der Soundtrack zum Film
kletterte in Deutschland und Dutzenden anderen Ländern auf den
ersten Platz der I-Tunes-Charts. Laut
„Hollywood Reporter“ rechnen die
Universal Studios weltweit mit Auftakt-Einnahmen von mehr als 248,7
Millionen Dollar. Auch der Flens-
burger Erotik-Anbieter Beate Uhse
erwartet eine deutliche Belebung
seiner Geschäfte und hat zusätzlich
Sexspielzeug wie Handschellen, Liebeskugeln oder Peitschen in den
Handel gebracht. (dpa)
EIN VIDEO zum neuen Boom
bei Sexspielzeug können Sie
aufrufen, wenn Sie den Code
mit dem Smartphone scannen.
» www.freiepresse.de/fsog1702
FOTO: DPA
um der Bürokratie zu entkommen.
Für seinen Marsch über rund 1300
Kilometer will Szwed nach eigenen
Angaben nur 14 Tage, 18 Stunden
und 43 Minuten benötigt haben –
das wäre Weltrekord. Experten
zweifeln den Rekord an, da Szwed
keine Zeugen für die Tour habe.
Um die Natur der Antarktis zu
schützen, haben sich mehr als 50
Staaten im Rahmen des Umweltschutzprotokolls zum Antarktisvertrag darauf verständigt, dass jede
menschliche Aktivität auf dem Eiskontinent vorab geprüft werden
muss. Szwed argumentiert, er habe
sich an die Vorgaben gehalten und
etwa allen Müll mitgenommen. „Ich
hoffe auf eine Einigung“, sagte er
gestern. Für die Reise hat Szwed
nach eigenen Angaben 80.000 Euro
gezahlt. (dpa)
LEUTE HEUTE
FOTO: NIEHAUS/IMAGO
Simone Thomalla (49/links),
Schauspielerin, und ihre Tochter
Sophia (25/rechts) stehen erstmals
gemeinsam vor der Kamera. Einen
entsprechenden Bericht der „Bild“Zeitung bestätigte das Management
von Simone Thomalla gestern. Die
beiden treten dem Blatt zufolge
auch im Film als Mutter-Tochter-Gespann auf – in der „wilden, punkigen Lebensgeschichte“ des Fotografen Oliver Rath. Das Drehbuch werde noch geschrieben, ein Termin für
den Kinostart stehe noch nicht fest.
Simone Thomalla war am Sonntag
zum vorletzten Mal als Kommissarin Eva Saalfeld im Leipziger „Tatort“ zu sehen. Der Krimi mit dem
Titel „Blutschuld“ verfehlte mit
9,4 Millionen die Zehn-MillionenMarke. (dpa)
Olaf Schubert (47)‚ Komiker, wechselt mit seiner Show vom MDR Fernsehen ins „Erste“. Viermal im Jahr ist
das sächsische Original aus Plauen
mit Rauten-Pullunder künftig mit der
Comedy-Show
„Olaf verbessert die
Welt“ im ARDHauptprogramm
zu sehen, wie der
Mitteldeutsche
Rundfunk gestern
mitteilte. In der ersten Sendung an
diesem Donnerstag (22.45 Uhr) geht
es um das Thema Liebe. Als Gäste
hat er sich die Hamburger Kiez-Größe Kalle Schwensen und die RTLDschungelcamperin Larissa Marolt
eingeladen. (dpa)
FOTO: HENDRIK SCHMIDT/DPA
Gewinnzahlen
Extremsportler
Schmerzen mit Herzen: Sado-Maso-Spielzeug.
FOTO: CHRISTIAN CHARISIUS/DPA
OBERES VOGTLAND
Dienstag, 17. Februar 2015
MOMENT MAL
Fremdenbonus
Wenn es mal überall so zuginge wie
im Verkehr. Ja, dann ... wäre vielleicht sogar einiges besser in unserem Land. Glaube ich jedenfalls.
Gestern war ich notgedrungen mit
einem sehr auswärtigen Kennzeichen unterwegs. Und sei es die gefühlte Wahrheit oder die wahre
Wahrheit: Man wird als Fremder
besser behandelt. Die Abstände sind
größer, zuvorkommende Gesten
hier und da sollen einem weiterhelfen. Eigentlich sind wir doch ein
Volk von Autofahrern ... Ich plädiere
hiermit dafür, dass das Zuvorkommende gegenüber Fremden auf
andere Lebensbereiche ausgeweitet
wird. (kru)
HEIKE MANN
03744 8276-15245
red.auerbach@freiepresse.de
Seite 9
Gymnasien: Bürgermeister
Jacob beklagt „Ungerechtigkeit“
FDP-Kreisverband fordert
personelle Erneuerung
und inhaltliche Impulse
VON UWE SELBMANN
PLAUEN — Die FDP im Vogtland hat
NACHRICHTEN
GEWE RBEGEBIET
Waschanlagen
aufgebrochen
OELSNITZ — An zwei Selbstbedienungs-Waschanlagen in einem Gewerbegebiet in Oelsnitz haben sich
unbekannte Täter zwischen Samstag, 18 Uhr und Sonntag, 11 Uhr zu
schaffen gemacht. An der Untermarxgrüner Straße wurden nach
Angaben der Polizei drei Münzkassetten, die leer waren, und ein Technikraum aufgebrochen. Mit der gleichen Masche wurden eine Münzkassette und ebenfalls der Technikraum einer Waschanlage Am Lehmteich aufgebrochen. Ob hier etwas
entwendet wurde, wird von der Polizei noch ermittelt. Der Sachschaden
wird durch die Betreiber auf insgesamt 600 Euro geschätzt. (gsi)
Blick auf das Oelsnitzer Julius-Mosen-Gymnasium. Es wird vom Kreis getragen. Das wird jetzt Thema in der Kreishaushalts-Diskussion.
Der Kreisräte müssen jetzt
reden, wer welche Schulen
im Vogtland finanziert und
trägt, fordert Markneukirchens Stadtoberhaupt.
VON RONNY HAGER
RATSSITZUNG
MARKNEUKIRCHEN/OELSNITZ — Aus
Bad Brambach wählt
Vizebürgermeister
der Ruhe zu bringen ist Markneukirchens Bürgermeister Andreas Jacob
(CDU) im Grunde nicht so schnell.
Wenn es aber um die Gymnasien im
Vogtland geht, da erhebt der 60-Jährige seine Stimme. Dass das Oelsnitzer Julius-Mosen-Gymnasium mit
seiner Außenstelle Klingenthal als
einziges vom Kreis getragen wird, ist
für Jacob, der in Markneukirchen
ein Gymnasium in Trägerschaft der
Stadt hat, ein Problem. Er könne
nicht schweigen, wenn der Oelsnitzer Oberbürgermeister Mario Horn
(CDU) sich sträube, die Schule vom
Landkreis zu übernehmen, so Jacob.
BAD BRAMBACH — Der stellvertreten-
de Bürgermeister von Bad Brambach
wird zur Gemeinderatssitzung morgen, 19 Uhr im Rathaus gewählt. Zudem geht es um die Bildung der beratenden Ausschüsse des Rates und
einen Bauantrag. Weiteres Thema
ist die Verkehrsbeschilderung an der
Badstraße/Oberreuther Straße. Der
öffentliche Teil der Sitzung beginnt
mit einer Bürgerfragestunde. (hagr)
GEDENKABENDE
Drei Veranstaltungen
erinnern an Juden
OELSNITZ/SCHÖNECK/MARKNEUKIRCHEN — Von morgen bis Freitag fin-
den drei Gedenkabende zur Erinnerung an das jüdische Leben im oberen Vogtland statt. Auftakt ist morgen, 18 Uhr im Saal des Oelsnitzer
Rathauses. Am Donnerstag beginnt
eine Veranstaltung 19 Uhr im evangelischen Pfarrsaal Schöneck. Am
Freitag ist 18 Uhr ins Gerber-HansHaus Markneukirchen eingeladen.
Der Anlass für die Gedenkabende ist
die letzte Deportation vogtländischer Juden aus Plauen vor 70 Jahren, am 13. Februar 1945. (hagr)
NACHWUCHSWETTBEWERB
Leipziger spielen zu
Harmonika-Tagen
KLINGENTHAL — Das Akkordeon-En-
semble der Musikschule „Johann Sebastian Bach“ aus Leipzig unter Leitung von Valeri Funkner gestaltet
das Rahmenprogramm des international besetzten Klingenthaler
Nachwuchswettbewerbes Kleine
Tage der Harmonika. Das Konzert
findet am 28. Februar, 19.30 Uhr in
der Sparkasse Vogtland am Marktplatz in Klingenthal statt. Karten
gibt es im Vorverkauf ab sofort in
der Tourist-Information Klingenthal, Schloßstraße 3. Die jungen Akkordeonspieler tragen am 28. Februar und 1. März in Klingenthal den
Wettbewerb aus. (gsi)
Aufbegehren
gegen die
Landesspitze
der Liberalen
„Das ist keine Neiddebatte“
„Dabei hoffe ich auf das Verständnis,
dass der derzeitige ungerechtfertigte
Zustand angesprochen werden
muss. Das hat nichts mit Unkollegialität oder einer Neiddebatte, sondern mit schlichtem Gerechtigkeitsgefühl zu tun“, so Jacob in einer Erklärung, die er auch im Namen der
Markneukirchener Stadträte abgibt.
Jacob verweist auf die Praxis in
seiner Stadt: Die Kommune ist für
alle Sanierungen und Erhaltungen
am Gymnasium verantwortlich –
und die Schule habe eine hohe Priorität, wenn jedes Jahr der Haushalt
diskutiert werde. 2006/07 wurde die
Schule außer mit Fördermitteln
auch mit viel eigenem Geld grundhaft saniert, eine neue Zweifeldsporthalle für das Gymnasium entstand. Jacob erinnert, dass die Stadt
insgesamt 1,3 Millionen Euro Kredite für die Schule aufnehmen musste.
Ohne diese hätte die Stadt eine ProKopf-Verschuldung von 859 Euro
statt aktuell 1030 Euro – nah am
Limit des Freistaates (850 Euro).
Markneukirchens Bürgermeister
spielt damit auf die Aussage aus dem
Oelsnitzer Rathaus an, dass Oelsnitz
2015 voraussichtlich mit 847 Euro
unter die Sachsen-Vorgabe sinkt.
Klingenthal will eigenen Weg
Das Geld für Sanieren und Erhalten
am Oelsnitzer Gymnasium komme
vom Kreis – der wiederum die Kreisumlage als Finanzierungsquelle hat.
„In der Konsequenz finanzieren also
alle Kommunen des Kreises das einzige Gymnasium in Trägerschaft des
Vogtlandkreises, während alle anderen Gymnasien im Vogtlandkreis
hierfür aus ihren jeweiligen Trägergemeinden selbst finanziert werden
müssen“, so Jacob. Die „kommunale
Familie“ und gemeinsame Ziele im
Vogtland seien für die Markneu-
kirchner sehr wichtig. „Nur geht es
mit solchen Ungleichbehandlungen
eben nicht gerecht zu“, betont Jacob.
Kommunen würden sich abwenden, nur noch ihren Kirchturm sehen. Das könne nicht der Weg sein,
betont er. „Wir alle im Vogtland sollten den Mut haben, die bestehende
Haushaltmisere zum Anlass zu nehmen, die uns allen bekannten Unrechtmäßigkeiten
anzusprechen
FOTO: MAIK LUDWIG
und zu verändern. Die derzeitigen
Haushaltdiskussionen beinhalten
dies als Chance. Dazu wollen wir das
Landratsamt, den Kreistag und alle
Bürgermeister ermutigen.“
Anders als Mario Horn in Oelsnitz will auch Klingenthals Bürgermeister Thomas Hennig (CDU) den
Status quo verändern. Er will ein eigenständiges Klingenthaler Gymnasium in kommunaler Trägerschaft.
KOMMENTAR
Kreis und Stadt müssen ran
VON RONNY HAGER
red.ovl@freiepresse.de
S
ehr verständlich, dass der
Oelsnitzer Oberbürgermeister
Mario Horn das Gymnasium
in seiner Stadt im jetzigen Zustand
nicht vom Kreis übernehmen will.
Der Sanierungsstau ist vorhanden,
und zum Glück schweigen Schüler
genauso wie Lehrer nicht mehr, dass
der Kreis hier schnell investieren
muss. Viele (kommunale!) Schulen
sind vorbeigezogen. Soweit ist die
Oelsnitzer Position nachzuvollziehen. Was aber nicht aufgehen wird:
Sich auf Aussagen berufen, die vor
15, 20 Jahren zur gymnasialen Landschaft im Vogtland getroffen
wurden. Es ist richtig, dass das Einzugsgebiet des Oelsnitzer Gymnasi-
ums weit über die Stadt hinausreicht. Aber kann das ein Argument
sein, dass damit der Kreis die Schule
tragen soll? Mit gleichem Recht
könnte dies dann das Gymnasium
Markneukirchen verlangen. Denn
auch hier kommen viele Schüler aus
anderen Orten. Wenn Klingenthal
es schafft, ein eigenes Gymnasium
auf die Beine zu stellen, fällt der
nächste Punkt weg, warum der Kreis
– und damit alle Kommunen – die
Schule in Oelsnitz tragen sollen.
Oelsnitz wird sich auf Dauer nicht
entziehen können, in die Trägerschaft des Gymnasiums einzusteigen. Das ist gut so – gleiches Recht,
aber auch gleiche Pflichten für alle.
Behörde lässt Post durch Automat öffnen
Das Landratsamt ist in
Finanznot? Offenbar nicht:
Wenn die Kreisverwaltung
etwas will, finden sich
noch immer Mittel und
Wege zum Geldausgeben.
VON UWE SELBMANN
PLAUEN — Das Landratsamt mietet
für die nächsten fünf Jahre ein technisches Gerät, um die Behördenpost
zu bewältigen. Für rund 43.500 Euro
jährlich soll eine Station angeschafft
werden, die Briefe nahezu vollautomatisch öffnet und scannt.
Die Anmietung hat der Kreisausschuss beschlossen – mit fünf Gegen- zu sechs Ja-Stimmen bei zwei
Enthaltungen. Landrat Tassilo Lenk
(CDU) votierte mit für die Ausgabe.
Die Abgeordneten rief er zweimal
zum Abstimmen auf: Zunächst hatte es ein Patt gegeben, die gezählten
Stimmen hatten aber nicht mit der
Zahl der anwesenden Kreisräte
übereingestimmt. Bei dem Patt wäre
die Miete des Geräts nicht zu Stande
gekommen.
Dem Beschluss pro Investition
ging eine lebhafte Diskussion voraus. Reichenbachs Oberbürgermeister Dieter Kießling (CDU) erinnerte,
dass der Kreistag noch keinen Haushalt beschlossen habe. Im Zuge vorläufiger Haushaltsführung dürften
nur unaufschiebbare Ausgaben erfolgen: „Wie wollen sie die Rechtmäßigkeit des Beschlusses herstellen?“ fragte er.
Vertreter der Kreisverwaltung argumentierten, dass der Einzug in die
neue Zentrale Anfang 2016 erfolge.
Das lasse eine Verschiebung nicht
zu. Um das Vorhaben den Kreisräten
schmackhaft zu machen, hatten sie
keine Mühen und Wege gescheut:
Im Landratsamt Görlitz, wo solch
ein Gerät bereits im Einsatz ist, war
ein kurzes Video gedreht worden.
Die Szene wurde der bisherigen Arbeitsweise in der Bußgeldstelle des
Landratsamtes gegenüber gestellt:
Dort öffnen Mitarbeiter die Briefe
selbst, falten sie anschließend gegen,
um sie glatt in den Scanner stecken
zu können. Nach dem digitalen Einlesen werden die Vorgänge dann
elektronisch weiter bearbeitet.
Für Irritation bei Abgeordneten
sorgte, dass die Investition ohne
Ausschreibung erfolgen soll. Das
System sei „das einzige bekannte Gerät, das Posteingangsbearbeitung
und Digitalisierung in einem zusammengehörigen Bearbeitungssystem vereint“, hieß es dazu. Die freihändige Vergabe sei gerechtfertigt.
Zudem drohe eine Preiserhöhung:
Das Angebot der Firma gelte nur
noch für drei Tage, danach sei mit
höheren Preisen zu rechnen.
Die Kreisräte fühlten sich durch
die Frist unter Druck gesetzt: Die
Verwaltung habe Einspareffekte
nicht dargestellt. Wenn das Gerät
Personal spare, müsse das auch im
Stellenplan der Kreisverwaltung
dargestellt werden, forderten unter
anderem Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer (FDP) und Knut
Kirsten (CDU) aus Auerbach.
Landrat Lenk bot nach der knappen Abstimmung an, den Beschluss
nicht zu vollziehen, sollte die Verwaltung die Wirtschaftlichkeit der
Investition nicht nachweisen können. Prompt reichte das Amt tags darauf eine „Wirtschaftlichkeitsbetrachtung“ nach: Der Kostenvorteil
durch Anmietung der Scanstation
wird darin auf rund 60.000 Euro pro
Jahr beziffert. An anderer Stelle
heißt es in dem Papier aber auch:
„Eine exakte Zahl an jährlichen Posteingängen liegt nicht vor.“
sich vor dem nächsten Landesparteitag Mitte März für eine personelle
Erneuerung der Landesspitze und
einen inhaltlichen Neuanfang der
liberalen Partei ausgesprochen, die
bei den Landtagswahlen 2014 an der
Fünf-Prozent-Hürde gescheitert und
aus dem Parlament geflogen war.
Die Vogtland-FDP stellt sich damit
offen gegen den Landesvorsitzenden Holger Zastrow, der seit 1999
diese Funktion ausübt.
In einem Brief an andere Kreisverbände Sachsens schreibt FDPVogtlandchef Uwe Geisler: „Lasst
uns gemeinsam an einem echten
Neuanfang arbeiten.“ Dazu bedürfe
es „mehr als nur der Anhörung
durch den Landesvorsitzenden in
Regionalkonferenzen“. Gefragt seien
„allumfassende Aufarbeitung und
ein reger innerparteilicher Diskurs“.
Nicht zuletzt benötige ein Neuanfang ein glaubwürdiges Gesicht:
„Wer dem Glauben nachhängt, es
müssten nur ein paar Überschriften
ausgetauscht werden und bis zur
nächsten Wahl hätten die Menschen vergessen, der irrt.“
Das Schreiben zieht Kreise. Erstmals hat kein offizieller Vertreter
des Landesvorstandes für den Politischen Aschermittwoch der vogtländischen FDP in Plauen zugesagt. Die
„Leipziger Volkszeitung“ berichtete
über den Vorstoß der Vogtländer unter der Schlagzeile „FDP-Basis muckt
gegen Zastrow auf“. Darin hieß es:
„Nun spielt der Kreisverband Vogtland FDP-intern schon seit langem
eine Art Sonderrolle. Selbst in jenen
Zeiten, als die FDP noch auf Erfolgskurs war und Zastrow unumstößlich Nummer 1, waren aus Plauen
und Umgebung immer mal wieder
kritische Töne ... zu vernehmen.“
Angesichts der misslichen Lage der
FDP komme dem Schreiben nun
aber besondere Bedeutung zu: Es
scheine die Stimmung der Basis gut
zu treffen. Die FDP im Vogtland
zählt knapp 200 Mitglieder.
DER POLITISCHE ASCHERMITTWOCH der
FDP im Vogtland findet morgen im Plauener
Hotel Alexandra, Bahnhofstraße 17, statt.
Beginn ist 19 Uhr. Als Redner wird HeinzPeter Haustein erwartet. Der 60-jährige Bürgermeister von Deutschneudorf (Erzgebirge)
ist bisher Beisitzer im Landesvorstand der
FDP.
LINKEN-VORSTANDSWAHL
Janina Pfau bleibt
Kreis-Vorsitzende
OELSNITZ/KLINGENTHAL — Landtags-
abgeordnete Janina Pfau bleibt für
die nächsten zwei Jahre Kreis-Chefin der vogtländischen Linken. Der
Kreisverband hat die Mechelgrünerin am Samstag in Oelsnitz zur Vorstandswahl als Vorsitzende bestätigt. Pfau als Stellvertreter zur Seite
stehen die Plauenerin Petra Rank und
der Falkensteiner
Rolf
Steiniger.
Kreisschatzmeisterin bleibt Sigrid
Mann und das Amt
des Geschäftsführers übernimmt Jan
Windisch. Der geschlechterquotierte Kreisvorstand
wird laut Mitteilung ergänzt um:
Agnes Descher, André Hegel, Ilka
Reißner, Lars Legath, Käty Mothes,
Maik Schwarz, Karin Höfer, Lothar
Huberty und Paul Gruber. (nd)
FOTO: FRANKO MARTIN/ARCHIV
Freie Presse
Heute von 10 - 12 Uhr
für Sie am Telefon:
10 Freie Presse
OBERES VOGTLAND
RAT & HILFE
NOTRUF
Polizei 110,
Feuerwehr und Rettungsdienst 112,
Giftnotruf 0361 730730
ALLGEMEINMEDIZIN
Adorf, Bad Brambach, Bad Elster,
Markneukirchen, Klingenthal, Oelsnitz, Schöneck, Muldenhammer:
19 - 7 Uhr, Bereitschaft, 116117,
03741 457222
AUGENARZT
Oberes Vogtland, Plauen, Auerbach:
19 - 7 Uhr, nur nach telefonischer Vereinbarung, Peter Zill, Oelsnitz,
0172 1758596, 037421 23755,
03741 457222
KINDERARZT
Oberes Vogtland: 19 - 22 Uhr, Sprechstunde 19 - 22 Uhr, MVZ Helios Vogtlandklinikum - Kinder- und Jugendmedizin, Röntgenstraße 2, Plauen,
03741 4914600, 03741 4914599,
03741 457222
APOTHEKEN
Klingenthal, Schöneck, Tannenbergsthal: 8 - 8 Uhr, Bären-Apotheke, Klingenthaler Straße 25, Tannenbergsthal, 037465 2277
Oelsnitz und Oberland: 8 - 8 Uhr, Alte
Stadtapotheke, Schützenstraße 2,
Adorf, 037423 5740
Plauen: 8 - 8 Uhr, Westend-Apotheke,
Kasernenstraße 1, Plauen,
03741 131119
TIERARZT
Adorf/Klingenthal: TA Matthias
Schneider, 037467 25927,
037423 2298
Kottengrün: Dr. Bernd Scheinert,
0172 8470657
Auerbach: Kleintierklinik Vogtland Dr.
Roland Zeißler, Kaiserstraße 66,
03744 212471
BLUTSPENDE
Oelsnitz: Blutspende, Melanchthonstraße 11, Gymnasium, 14.3019.30 Uhr
BLITZTIPPS
Heute: Plauen, Schurigstraße, Kopernikusstraße, Chrieschwitzer Straße, Hofer Straße; Ortsteil Steinsdorf;
Grünbach, Muldenberger Straße Richtung Ortsmitte; Bergen, Plauensche
Straße; Netzschkau, Mylauer Straße.
Morgen: Plauen, Kopernikusstraße,
Untermarxgrüner Straße, Ortsteil
Kauschwitz; Rodewisch, Bahnhofstraße in Richtung Auerbach; Netzschkau,
B 173 in Höhe Friedhof; Oelsnitz, Talsperrenstraße, B 92, Pausa, PaulScharf-Straße.
Dienstag, 17. Februar 2015
Wer mordet wo im Vogtland?
Die Organisatorin der
Krimi-Literatur-Tage gibt
einen „kriminellen Freizeitplaner“ heraus, der elf
Krimis und 125 FreizeitTipps für die Region vereint. Neu: Mit dem Original Vogtlandecho werden
erstmals waschechte
Vogtländer zu Opfern.
Besucher und Autofahrer
kritisieren Umstände der
Veranstaltung am Samstag
VON RONNY HAGER
KLINGENTHAL — Mit 3000 Besuchern
VON GERD MÖCKEL
OELSNITZ/KLINGENTHAL — Leser, die
das neueste Werk von Petra Steps lesen und die eine oder andere Regieanweisung befolgen, werden die
Schönheiten der Region wohl fortan
mit ganz anderen Augen betrachten.
Denn die von sechs Autoren des
vogtländischen Krimi-Stammtischs
gefüllte Krimi-Sammlung „Wer
mordet schon im Vogtland?“ verwandelt so manche touristische
Attraktion zum Tatort. Von A wie
Alaunbergwerk Mühlwand über M
wie Musikinstrumentenmuseum
Markneukirchen bis Z wie Zobes.
Das funktioniert via Ziffern im Text,
zu denen es am Ende Erläuterungen
gibt. Ein umfangreiches Register erlaubt zudem den schnellen Zugriff.
So geht vogtländisch
„Damit bieten wir den Lesern hier
eine neue Art des regional verankerten Krimis und machen mit ernsten,
witzigen, boshaften und bisweilen
auch grausamen Geschichten neugierig auf Schlösser, Burgen, Parks,
Kurorte, Kirchen, Berge, Täler, Wälder, Aussichtstürme oder museale
Einrichtungen im Vierländereck
Vogtland“, sagt Herausgeberin Petra
Steps, die nicht nur als Organisatorin der Krimi-Literatur-Tage Vogtland via Buch für die Einmaligkeit
des Vogtlandes wirbt. Auch bei den
Vogtländern selbst. „Denn manchmal sind es die ganz einfachen Dinge, deren Schönheit man immer
wieder neu entdecken kann.“
In Abwandlung des Titels kann
man also auch sagen: Wer mordet
wo im Vogtland? Erschienen ist der
spannende Reiseführer im badenwürttembergischen Gmeiner-Verlag, der bereits seit einiger Zeit mit
seiner „Wer mordet schon in ...?“-Reihe erfolgreich ist. Bisher schrieb dabei je ein Autor den kriminellen
Pyro Games:
Straße dicht
und Ärger
um Parkplätze
Veranstalterin, Autorin, Herausgeberin und unermüdliche Botschafterin des Vogtlands: Petra Steps. FOTO: CARSTEN STEPS
Freizeitplaner für einen Tatort. Petra
Steps hat mit Blick auf das Vierländereck sechs Autoren und damit den
Blick über den Tellerrand des sächsischen Vogtlands durchgesetzt.
So schrieben am Vogtland-Krimi-Reiseführer Manfred Köhler aus
Hof, Christoph Krumbiegel aus
Treuen, Maren Schwarz aus Rodewisch, Roland Spranger aus Hof,
Gunnar Schuberth aus Nürnberg
und Petra Steps aus Lambzig: „Ich
bin durch und durch Vogtländerin
und sehe das Buch als Teil eines modernen Vogtland-Marketings, das
sich allen Medien öffnen sollte. Dahingehend sind wir Entwicklungsland. Etwa in der Eifel ist man da
schon viel weiter. Dort gibt es EifelKrimis an jeder Ecke, sogar beim
Fleischer liegen Bücher aus, es gibt
dort einen Krimi-Steig und KrimiWochenenden.“ Und schließlich setze ja auch die „Tatort“-Reihe in der
ARD betont regionale und lokale
Akzente. „Mich würde mal interessieren, wie viele Zuschauer sich davon inspirieren lassen.“
Trend zur Lokalisierung
Dieser Meinung ist auch Volker
Rausch vom Original Vogtlandecho.
„Diese Wendung hin zu regionalen
Schauplätzen und Eigenarten beob-
Wir Vogtländer sind streitbar, aber wir brauchen uns nicht zu verstecken. Das
Vogtlandecho mit Volker Rausch (links) und Frank Jahn. FOTO: ELLEN LIEBNER/ARCHIV
achte ich schon länger als Trend. Insofern liegt das Buch da genau richtig. Und auch von den Geschichten
her finde ich das Buch gelungen.
Eine tolle Sache mit amüsanten Geschichten. Ja und die mit uns, das ist
natürlich auch eine schöne Werbung“, sagt Volker Rausch, der im
wahren Leben Dozent an der Staatliche Studienakademie Plauen ist und
jetzt einige der Mords-Bücher mit zu
einem Vogtlandecho-Konzert in
Neuensalz genommen hatte. „Ich
hab‘s nur kurz vorgestellt, und ruckzuck waren alle verkauft.“
Kein Wunder, gehören doch Vol-
ker Rausch und Frank Jahn zum
lebenden Inventar des Buches. Im
Steps-Krimi „Nie mehr dieses Niveau“ – darin wird auch an einen
kleinen, Jahre zurückliegenden Kulturstreit im Vogtland erinnert – werden die Echo-Musiker zu Opfern.
Mitgespielt hat das Duo auf eigenen
Wunsch. „Sie sagten mir mal, wenn
sich so eine Gelegenheit ergibt,
dann wollen wir dabei sein. Nun, es
hat sich ergeben“, sagt Petra Steps.
WER MORDET schon im Vogtland? von Petra
Steps (Herausgeberin) gibt es für 9,99 Euro in
allen „Freie Presse“-Shops des Vogtlands.
hat die Feuerwerkskunst-Show Pyro
Games am Samstag eine erfolgreiche Winterpremiere in der Vogtland-Arena Klingenthal gefeiert.
Von den Gästen her war dies der
bestbesuchte nicht-sportliche Höhepunkt seit Chris de Burgh (3500 Besucher, August 2008). Allerdings
gab‘s auch Kritik – und das betraf die
Parkplätze und den Umstand, das
kurzfristig die Falkensteiner Straße
zum Parkplatz wurde, für den
Durchgangsverkehr gesperrt wurde.
Autofahrer mussten daher umkehren und über Mühlleithen fahren.
Der Veranstalter, die Firma A & O
Pyrogames aus Magdeburg, weist
die Verantwortung für die Probleme
von sich. „Die Zuständigkeit lag
nicht bei uns. Wir haben dies abgegeben an das Personal, das sonst die
Veranstaltungen in der Arena absichert“, erklärte Helena Wezel, die
Assistentin der Geschäftsführung.
Und damit war der VSC Klingenthal im Boot. Vizepräsident Marcus
Stark erklärt, dass man mit dem eingemieteten Veranstalter darüber
mehrfach im Vorfeld gesprochen
habe – und sich darauf verständigt
habe, dass man die Einweisung und
Absprachen mit dem Verkehrsamt
übernehme. Im Nachhinein ärgert
sich Stark – ausgegangen waren die
Planungen von 2000 Besuchern. Für
diese Größenordnungen hätten die
Parkplätze gereicht, betont er. Als
bemerkt wurde, dass es nicht mehr
reicht, wurde in Absprache mit der
Polizei die Straße gesperrt und zum
Parken genutzt – Beobachter sprechen von Schlangen bis weit Richtung Königsplatz und in die Kurven
hinauf in Richtung Muldenberg.
Marcus Stark bedauert Ärger und
Unannehmlichkeiten für Besucher
und Autofahrer, die umdrehen
mussten. „Wir haben das am Sonntag und gestern intern ausgewertet.
Auf jeden Fall werden da Lehren
draus gezogen. Wir haben als Veranstalter einen guten Ruf zu verlieren
– und das wollen wir nicht.“
A N ZE I G E
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WIR GRATULIEREN
WINTER FERIENANGEBOT
Adorf: Ursula Käberlein 73 Jahre,
Ilse Koller 87 Jahre, Lieselotte
Krauß 84 Jahre, Klingenthal: Ella
Meinel 85 Jahre, Gerald Krautzberger
80 Jahre, Karl Mönnig 75 Jahre,
Helga Lorenz 73 Jahre, Markneukirchen: Horst Döhler 81 Jahre, Reiner
Floß 70 Jahre, Jürgen Lowsky
76 Jahre, Oelsnitz: Gottfried Bechler
79 Jahre, Lieselotte Bombrowski
80 Jahre, Herbert Gsuk 81 Jahre,
Regina Heimann 75 Jahre, Herbert
Kreisel 85 Jahre, Ruth Stumpf
89 Jahre, Eichigt: Werner Naserke
75 Jahre.
Den Jubilaren die besten Wünsche!
Im Museumsofen
Brot backen
EUBABRUNN — Das
Winterferienangebot Brot backen im Museumsofen
gibt es am Mittwoch, 10.30 bis 13.30
Uhr im Freilichtmuseum Eubabrunn. Kinder erfahren dabei, welche Zutaten erforderlich sind und
wie lange es braucht, um ein Brot zu
backen. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, wird um Voranmeldung
unter Ruf 037422 6536 gebeten. Die
Gebühr pro Kind beträgt 2 Euro, für
Erwachsene 3,50 Euro. (gsi)
FREIE PRESSE OBERES VOGTLAND
Vogtland
Rainer Räch, Regionalleiter,
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3581210-10-1
OBERES VOGTLAND
Dienstag, 17. Februar 2015
Freie Presse
Ferienkinder
führen
Musical auf
NACHRICHTEN
WANDERUNG
Auf alten Wegen
zu neuen Brücken
55 Mädchen und Jungen haben am
BAD BRAMBACH — Zu einer geführten
Wochenende zwei Mal das orientalische Kinder-Musical „Esther –
Königin von Susa“ in Klingenthal
aufgeführt. Die Kirchgemeinde
Klingenthal/Zwota hat in der ersten
Winterferienwoche wieder eine
Musical-Werkstatt für Kinder im
Schulzentrum Am Amtsberg angeboten. Die Resonanz war groß. Seit
Ferienbeginn trafen sich die Mädchen und Jungen täglich zum Einstudieren des Musicals. Vormittags
standen unter der Leitung von Kantor Matthias Sandner die Chor- und
Solistenproben auf dem Programm,
während Yvonne Deglau auf der
Bühne das Theaterspiel einstudierte. Bei Spiel und Spaß erholten sich
die Kinder dann am Nachmittag.
Die Aufführungen fanden am
Samstag in der Aula Am Amtsberg
(Foto) und am Sonntag in der
Kirche Sachsenberg statt.
Wanderung ist morgen in Bad Brambach eingeladen. Ab 14 Uhr geht es
vom Therapie- und Wohlfühlzentrum (Badstraße 47) auf alten Wegen zu neuen Brücken. Wanderführer ist Erhard Adler. Es geht über den
Sprudelweg zu den Brücken der Umgehungsstraße, danach über den
Forstweg durch den Wald zum Wasserwerk und nach Hohendorf. Hier
ist eine Café-Einkehr möglich. Der
Rückweg nach Bad Brambach führt
über den Wald in Richtung Wachtberg-Sportplatz. Ohne die Café-Pause geht es über das frühere Waldcafé
zurück nach Bad Brambach. Die
Wanderung dauert etwa zwei Stunden und ist je nach Strecke fünf bis
acht Kilometer lang. Die Teilnahme
an dem Ausflug ist kostenlos. (hagr)
FREMDENVERKEHRSVEREIN
FOTO: HELMUT SCHNEIDER
Mit Fackeln durch
den Winterwald
MORGENRÖTHE-RAUTENKRANZ — Eine
Winterfackelwanderung veranstaltet morgen der Fremdenverkehrsverein Morgenröthe-Rautenkranz.
Start ist 17 Uhr in Morgenröthe am
Poterplatz/Ende der Markersbachstraße am Waldanfang. Revierförsterin Gabi Thomae vom Forstrevier
Sachsengrund führt die Teilnehmer
zum Rastplatz „Drei Bächle“ (Gesamtstrecke zirka sechs Kilometer).
Dort gibt es für die Wanderer Lagerfeuer, Bratwürste, Glühwein und
Tee. Für musikalische Unterhaltung
sorgt Stefan Gerlach von der Gruppe
Wind, Sand & Sterne. (gsi)
Am Stammtisch führt einer das Wort
Eigentlich wollte Klingenthals Stadtchef Thomas
Hennig (CDU) künftig
nicht mehr alle drei
Monate zum Stammtisch
einladen. Doch daraus
wird jetzt erstmal nichts.
VON UWE SELBMANN
KURZ GEMELDET
Schnitzschule im Museum
KLINGENTHAL — Bürgermeister Thomas Hennig (CDU) hat offenbar ein
ganz gutes Gespür für die Klingenthaler Bürger. Das stellt er ein ums
andere Mal am Bürgerstammtisch
unter Beweis, zu dem er alle drei
Monate in das Rathaus bittet. Dort
gibt er den einen ein paar Bier aus,
andere stellt er auch mal vor versammelter Mannschaft in die Senkel, wenn es ihm nötig erscheint.
KLINGENTHAL — „Ich lerne Schnitzen“, heißt morgen, 17 Uhr ein Ferienangebot im Musik- und Wintersportmuseum Klingenthal. Susanne
Müller von der Firma Holzkunst
Müller leitet die Kinder an. Anmeldungen, Ruf 037467 64832. (gsi)
Ein Bier für die Bossn
Als der Altersdurchschnitt in den
vergangenen Runden allzu stark anstieg, sagte Hennig, er lasse beim
nächsten Mal auch ein Bier springen, wenn „ein paar Bossn mehr“ kä-
Führung im Sägewerk
MARKNEUKIRCHEN — Eine Führung
beginnt morgen 13.30 Uhr im
Schausägewerk am Gerber-HansHaus. Die Teilnahmegebühr beträgt
3 Euro. Eine Anmeldung unter
037422 40775 ist nötig. (hagr)
11
men. Prompt war der Ratssaal am
vergangenen Freitag wieder gut gefüllt – auch mit ein paar jüngeren
Klingenthalern. Und Hennig hatte
Wort gehalten – auch einige Ältere
griffen beherzt zum Wernesgrüner,
das dieses Mal auf den Ratstischen
stand.
Thomas Hennig
Der Klingenthaler
Bürgermeister führt
am Bürgerstammtisch
das Wort.
FOTO: ECKHARD SOMMER/ARCHIV
„Ich freu’ mich extrem über die
große Resonanz“, sagte Hennig. Den
Bürgerstammtisch gibt es seit genau
einem Jahr und sein erklärtes Ziel ist
es, Bürger und Stadtverwaltung einander näher zu bringen. „Eigentlich
wollte ich ihn auf nur noch zweimal
im Jahr runterfahren“, bekannte der
Bürgermeister und an Mitarbeiter
seiner Verwaltung gewandt: „Aber
das geht nicht. Ihr müsst ihn weiter
viermal im Jahr einplanen.“
Dass das Gerede am Stammtisch
nicht ausufert und es trotz Bier nicht
zum Gelage kommt, liegt auch am
groß und kräftig gebauten Ortschef:
Mit seiner Statur und der lauten
Stimme, die dem 36-Jährigen gegeben ist, behält er jederzeit souverän die Hoheit über den Stammtisch, an dem er zudem ab und zu
überraschende Neuigkeiten verkündet. Diesmal war es die Idee eines
Stadtfestes, einer künftigen Kunsteisbahn auf dem Markt und des geplanten Zauberteppichs am Skihang
Mühlleithen.
Ein Konter für Kritiker
So ist und bleibt Spannung garantiert. Auch, wenn einer wieder einmal anbringt, dass es für Vereine in
Klingenthal kein geeignetes Haus
gäbe. Dann setzt Hennig zum Konter an und will konkret wissen:
„Sag’, für welchen Verein? Und in
welchem davon bist Du?“ Der Kritiker setzt zur Gegenwehr an, aber
Hennig wird lauter und schneidet
ihm das Wort ab: „Nein, sag’ jetzt, für
welchen Verein?“ Da verstummt der
Beschwerdeführer und fühlt sich
ein bisschen ertappt. Hinterher
nimmt der Bürgermeister ihn beiseite und versichert sich, dass der’s
nicht krumm nimmt: „Wir bleiben
trotzdem Freunde, oder?“
...und darüber wurde auch gesprochen
Durchlass am Markt: Die in Verzug
geratenen und unterbrochenen
Arbeiten am Brunndöbra-Durchlass
unter dem Markt werden nach
Wiederaufnahme noch drei Wochen in
Anspruch nehmen. Die im April begonnenen Arbeiten, die den Verkehr
auf dem Markt einschränken, sollten
ursprünglich Mitte September abgeschlossen sein. Sie waren komplizierter als ursprünglich gedacht.
Fußgängerüberweg: Eine erneute
Beratung für den gewünschten Fußgängerüberweg über die Auerbacher
Straße beim Landesamt für Straßenbau und Verkehr ist bisher nicht zu
Stande gekommen. Ein Termin im
Januar wurde krankheitsbedingt abgesagt. Er ist jetzt auf 24. Februar
verschoben. 2013 hatten sich fast
500 Bürger für den Überweg ausgesprochen.
Frühöffnung des Horts in der
Grundschule: Der Stadtrat hat das
Ansinnen von Eltern, das sie im November vortrugen, vorerst abgelehnt.
Bürgermeister Hennig will die Eltern
aber noch zu einer nichtöffentlichen
Sitzung einladen, in der sie ihre
Argumente nochmals vortragen
sollen.
Spielplatz am Markt: Der um einige
Geräte erweiterte Spielplatz am
Markt wird im Frühjahr eingeweiht –
sobald Gras fest angewachsen ist,
soll es los gehen.
Winterdienst: Die Stadt Klingenthal
hat in drei Losen den Winterdienst auf
ihren Straßen neu ausgeschrieben
(An der Huth, Mühlleithen, restliches
Stadtgebiet). Am Bürgerstammtisch
äußerten sich mehrere Einwohner
durchweg zufrieden mit der derzeit
erreichten Qualität. Widerspruch gab
es keinen.
Ärztliche Versorgung: Bürgermeister Thomas Hennig hat die Hoffnung
auf Wiedereröffnung des Medizinischen Versorgungszentrums noch
nicht aufgegeben. Nachdem er durch
Vermittlung von Landrat Tassilo Lenk
Kontakt zum Konzernchef der Osnabrücker Paracelsus-Gruppe hatte, will
Hennig sich demnächst schriftlich an
ihn wenden.
A N ZE I G E
Abwasser: Bürger
schaltet Aufsicht ein
Karl-Heinz Lorenz aus
Hartmannsgrün will nun
Erklärungen vom Landkreis. Zwav-Geschäftsführer Henning Scharch weist
Lorenz’ Kritik zurück.
VON RONNY HAGER
HARTMANNSGRÜN/OELSNITZ — Die
Aussagen des Oelsnitzer Oberbürgermeisters Mario Horn (CDU) zur
Abwasserpolitik im Vogtland gehen
für Karl Heinz Lorenz, Ex-Geschäftsführer des Abwasserzweckverbandes Oelsnitz, am Thema vorbei. Was
Horn ihm vor zwei Wochen auf eine
Fachaufsichtsbeschwerde „hinsichtlich der Unverhältnismäßigkeit und
Ungleichbehandlung der Bürger
durch den Verbandsrat des Zwav“
geantwortet habe, „trifft in keiner
Form den Sachverhalt“, ärgert sich
Lorenz. Er hat daher die Kommunalaufsicht der Kreises eingeschaltet.
Horn gehe gar nicht darauf ein,
was aus Sicht von Lorenz das Kernproblem ist. „Es kann nicht angehen, dass viele Städte und Gemeinden keine Straßenentwässerungsbeiträge gezahlt haben, in Klingen-
thal Anschlussbeiträge in enormer
Höhe erhoben, andere Städte und
Gemeinden im Verbandsgebiet
nicht belastet wurden. Aus diesem
Grunde sollen jetzt die noch nicht
angeschlossenen Bürger die entgangenen Millionen voll übernehmen“,
empört sich der frühere Zweckverbands-Chef. Der Geschäftsführer des
Zweckverbandes Wasser und Abwasser Vogtland (Zwav), Henning
Scharch, weist die Sicht seines früheren Kollegen indes vehement zurück. Natürlich seien Straßenentwässerungsbeiträge kassiert worden
– und ebenso Anschlussbeiträge.
Lorenz macht zwei Forderungen
auf: Zum einen sollen die Straßenentwässerungsbeiträge von Kommunen in der Zeit von 1990 bis 2000
unter die Lupe – und zwar „die zu
zahlenden und die effektiv gezahlten“. Dazu will Lorenz Auskunft
über den Anschlussbeiträgen in diesem Zeitraum und fordert, für die
zwischen 1990 und 2000 vorgenommenen Anschlüsse Anschlussbeiträge zu erheben. Denn nun seien keine Rücklagen da, zentrale oder
Gruppenanschlüsse zu bauen, mutmaßt Lorenz – der Bürger müsse ran.
Die Kommunalaufsicht im Landratsamt ist Adressat seines Widerspruchs, da sie die Geschäftspolitik
des Zwav finanziell beaufsichtigt.
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3581264-10-1
12 Freie Presse
VORSCHAU
WOHIN
Dienstag, 17. Februar 2015
Spree-Athener stellen in Schönfels aus
Unter dem Titel
„Steine und Landschaften“
wird auf der Burg Schönfels seit gestern eine
Sonderausstellung mit
Arbeiten von zwei
Berliner Künstlern gezeigt.
VON ANDREAS WOHLAND
SCHÖNFELS — Christine
KONZERT
Pop-Duo spielt
im Malzhaus
PLAUEN — Ein Duo, das sich als au-
ßergewöhnliches Pop-Projekt einen Namen gemacht hat, gastiert
am Freitag im Plauener Malzhaus.
Carolin No ist ein Musikduo,
bestehend aus den miteinander
verheirateten Musikern Carolin
und Andreas Obieglo. Die Beiden
lernten sich 1999 während ihres
Studiums an der Hochschule für
Musik in Würzburg kennen. Seit
2008 sind sie miteinander verheiratet. Das Duo tritt seit 2007 unter
dem Namen Carolin No auf, unter
dem es vier Alben, mehrere Singles
und zwei Live-Tonträger veröffentlicht hat. Benannt haben sich die
beiden nach dem Song „Caroline,
no“ von Brian Wilson.
Nach ihrem, von der Fachpresse
hochgelobten und mehrfach ausgezeichneten Studioalbum „Favorite Sin“ (2013), haben die Träger des
„Nachwuchsförderpreises für junge Songpoeten“ während ihrer
letztjährigen Tournee und zweiten
großen USA-Reise ein neues Album aufgenommen und produziert: mit internationalen Gastmusikern, „Produktionsstätten“ auf
zwei Kontinenten und knapp
30.000 zurückgelegten Kilometern. (ike)
DAS KONZERT mit Carolin No beginnt am
Freitag um 21 Uhr im Malzhaus Plauen.
PARTY
Plauen: The Ranch, Eugen-Fritsch-Straße 7,
Fasching mit OB live, Rockparty, 20 Uhr
Rodewisch: Sax Clubzone, Parkstraße 7,
Tuesdayclub, Ferienspecial, 22 Uhr, freier Eintritt bis 22.30 Uhr
KINDER UND FAMILIE
Plauen: Elster Park, Äußere Reichenbacher
Straße 64, Möglichkeit zum Spielen an acht
Trick-Pin-Anlagen, kostenlos, 10-18 Uhr; Fanprojekt Plauen, Dobenaustraße 9, Offener Jugendtreff, 9-15 Uhr; Festhalle, Äußere Reichenbacher Straße, Kinder- und Familienfasching mit dem Spiel-Spaß-Kindertreff, 1618 Uhr; Jugendzentrum Oase, Dr.-Karl-Gelbke-Straße 1, Teeniebereich, Kochen, 11 Uhr;
Teeniebereich, Faschingsmuffeltreff und Billard-Turnier, 14.30-19 Uhr; Oase-Keller, Treff,
15-20 Uhr; Kinder- und Jugendhaus eSeF, Seminarstraße 4, Fasching unter dem Motto „Im
eSeF-Dschungel“, 15-19 Uhr; Markuskeller,
Morgenbergstr. 34, Kindertreff (6-13 Jahren),
13-19 Uhr; Mehrgenerationenhaus, Am Albertplatz 12, Gesellige Kreistänze, 9.30 Uhr;
Kindertanz (ab 3 Jahre), 15.30 Uhr, (ab 6 Jahre),
16.30 Uhr; Treff „Quartier 30“, Bahnhofstraße 30, Keramikwerkstatt 1, 17-18.30 Uhr; Vogtlandbibliothek, Neundorfer Straße 8, Vorlesezeit in der Kinderbibliothek, 16 Uhr
Adorf/V.: Arbeiterwohlfahrt Mobile Jugendarbeit, August-Bebel-Straße 8, Ferienprogramm: Ferienmittagessen, anschließend
Mit Pauken und Trompeten - Fasching in Jugelsburg, 11-17.30 Uhr
Auerbach/V: Awo Jugendzentrum High
life, Eisenbahnstr. 49, Märzplanung, 15-20 Uhr;
Familien-/Begegnungszentrum, A.-Schubert-Str. 19, Eltern-Kind-Kreis, 9-12 Uhr; Faschingsparty mit der ganzen Familie, 10 Uhr;
Schülerfreizeitzentrum, A.-Schubert-Str. 19,
Faschingsfeier im ganzen Haus, 10 Uhr
Beerheide: Fahrbibliothek, An der
Kindertagesstätte, 12.30-13 Uhr
Ellefeld: Fahrbibliothek, Grundschule,
11-11.30 Uhr
Dewerny
und Manfred Pietsch zeigen seit gestern in den Sonderausstellungsräumen der Burg Schönfeld, zwischen
Reichenbach und Zwickau, eine
Auswahl ihre Arbeiten. Besuchern,
die regelmäßig einen Blick in die
Sonderschauen auf der mittelalterlichen Wehranlage werfen, dürfte zumindest einer der beiden Spreeathe-
Manfred
Pietsch
Maler
FOTO: ANDREAS WOHLAND/ARCHIV
Christine Dewerny bevorzugt als Ausgangsmaterial für ihre Skulpturen Sandstein, der durch seine Struktur oftmals
FOTO: ANDREAS WOHLAND
erstaunliche Effekte hervorbringt.
ner bereits bekannt sein.
Der seit 1977 als freischaffender
Maler und Grafiker arbeitende Manfred Pietsch stellte bereits 2013 einige seiner Arbeiten auf der Burg vor.
Damals wählte er Motive und Impressionen aus, die während seiner
umfangreichen Reisen vor und nach
dem Mauerfall entstanden sind. Die
Ölbilder und Aquarelle, die er diesmal präsentiert, widmen sich hauptsächlich dem Thema Mensch und
Natur. Beides setzt er mit einer delikaten Farbigkeit in Szene.
Im Gegensatz zu ihrem Künstlerkollegen, stellt Christine Dewerny
erstmals in Schönfels aus. „Manfred
Pietsch hat mich eingeladen und
mich in unseren Gesprächen auch
ein wenig neugierig auf die Region,
die Menschen und natürlich die
Burg gemacht. Wir haben zuvor
schon einmal zusammen ausgestellt
und dafür unter dem Titel ‚Menschen in Landschaft‘ ein gemeinsames Ausstellungskonzept mit einer
großen künstlerischen Bandbreite
entwickelt“, sagte sie. Die in Schönfels gezeigten Werke von Christine
Dewerny sind ein eindrucksvoller
Querschnitt ihres Schaffens. Besonders gespannt dürfen Besucher der
Ausstellung auf ihre Skulpturen
sein, ihn denen sie klassische bildhauerische Formensprache mit heutigem Zugriff auf Thema und Mate-
DIE SONDERAUSSTELLUNG „Steine und
Landschaften“ mit Arbeiten von Christine Dewerny und Manfred Pietsch ist zu den regulären Öffnungszeiten der Burg Schönfels –
außer Montag und Freitag täglich in der Zeit
von 10 bis 17 Uhr – sowie nach entsprechender Terminvereinbarung geöffnet.
» www.burg-schoenfels.de
FÜHRUNG
RUNDGANG
MUSEUM
VORTRAG
COMEDY
Theater erlaubt Blick Fernheizwerk öffnet
hinter die Kulissen
heute seine Türen
Entdecker nutzen
Taschenlampen
Referent entführt
in Welt der Vulkane
Vicki Vomit lädt
ins Malzhaus ein
BAD ELSTER — Einen Blick hinter die
BAD ELSTER — Sachsens ältestes Fern-
heizwerk lädt heute zu einer Führung. Die 1898 eingeweihte Anlage
des Energieversorgers eins steht in
Bad Elster. Beim etwa einstündigen
Rundgang ab 14 Uhr können Besucher erfahren, wie das Kraftwerk per
Kraft-Wärme-Kopplungsanlage mit
Wärme und Strom versorgt. Die
Führung startet am Werkstor Forststraße, ist kostenlos und für Teilnehmer ab zwölf Jahren möglich. (hagr)
SCHWARZENBERG — Eine spannende
Taschenlampenführung wartet auf
Besucher von Schloss Schwarzenberg. Kleine und große Entdecker
können im begrenzten Lichtschein
morgen die Ausstellung „Perla Castrum – ein Schloss voller Geschichte“ erkunden. Das Licht der Taschenlampen eröffnet ganz neue Sichtweisen auf die Exponate, verspricht
das Museumsteam. Die Führung beginnt 18 Uhr. (ane)
SCHWARZENBERG — Die Vulkane im
Mittelmeer stehen am Donnerstag
im Haus „Schlossblick“ in Schwarzenberg im Fokus. Berndt-Michael
Rassenberg hält darüber einen Vortrag. Es geht unter anderem um den
Ätna, dessen Ausbrüche seit Jahrtausenden genau erfasst werden. Die
erste nachgewiesene Eruption fand
1500 vor Christus statt. Seither gab
es 190 weitere Ausbrüche. Beginn
des Vortrags ist 14 Uhr. (ane)
PLAUEN — Zur Comedy-Lounge lädt
Kulissen des fast 101 Jahre alten Elsteraner König-Albert-Theaters können Interessierte heute beim Rundgang durch alle Technik- und Publikumsräume werfen. Dabei ist zu sehen, wie hinter dem Vorhang ein
Rad ins andere greift, damit die Theaterproduktionen passen. Der Rundgang beginnt 16 Uhr, die Teilnahme
kostet 5 Euro. Anmeldungen unter
Telefon 037437 53900. (hagr)
Falkenstein: Tiergarten, Allee 9, 10-16 Uhr
Grünbach: Kinderspielhaus und -fahrschule, Siehdichfürer Str. 2 a, Kinderfasching,
9 Uhr, 03745 751650
Hirschberg: Kulturhaus, Gerberstraße 17,
18. Vereinsfasching des Faschingsclubs: „Der
Hexenkesel raucht und knallt - beim HFC im
Zauberwald“, 20 Uhr
Hohengrün: Fahrbibliothek, Am Altenheim,
12-12.15 Uhr
Klingenthal: Café B., Auerbacher Straße 19,
Kindernachmittag, 15.30-17 Uhr; Tierpark,
Amtsberg 22, 10-16 Uhr, 037467 22397
Markneukirchen: Kinder- und Jugendtreff, Wernitzgrüner Straße 38, Offener Treff,
13.30-19.30 Uhr
Mylau: Burg Mylau - Barocksaal, Burg 1, 22.
Puppenspielfest - Bunte Bühne Frankenberg:
Rumpelstilzchen, 10 Uhr; Schneeweißchen und
Rosenrot, 14 Uhr
Mühlleithen: Skilift, B 283, Skifasching,
15-21 Uhr
Oelsnitz: Jugendzentrum „Halle“, Alte Reichenbacher Str. 27, Treff mit Breitensportangebot, 15.30-19 Uhr; Trampolinnachmittag,
16.30-18 Uhr; Kinderzentrum „Goldene Sonne“, Rudolf-Breitscheid-Platz 1, Treff, 13-18 Uhr
Vogtlandsporthalle, Adolf-Damaschke-Str. 55,
Kinderfasching des Oelsnitzer Carnevalsclub
mit DJ Kay, 14 Uhr
Reumtengrün: Fahrbibliothek, Grundschule, 10-10.30 Uhr
Rodewisch: Kinder- und Jugendfreizeittreff, Busbahnhof 3, Treff, Kreatives, Spiele,
14-20 Uhr, 03744 48426
Theuma: Dorfgemeinschaftshaus, Schulstraße 9, Kinderfasching mit DJ Wolfi, 15.30 Uhr
Weischlitz: Vereinsturnhalle, Thossener
Straße 14 b, Kinderfasching des Dorf Carneval
Clubs, 15 Uhr
Wernesgrün: Turnhalle, Kinderfasching,
15 Uhr
Galerie im Malzhaus, Alter Teich 7 - 9, Eingeschlossen: Ausgeschlossen? Perspektiven geflüchteter Menschen auf die Warteschleife Asyl,
Fotodokumentation, 13-18 Uhr, 03741 15320
Vogtlandkonservatorium, Theaterplatz 4,
„Im Unruhestand“, Werke von Wilhelm Mühsam, 8-15 Uhr
Bad Elster: Kurhaus, Badstraße 25, Schöne
Welt, Ausstellung von Malerei und Collagen des
Familien- und Kulturzentrums, 9-17 Uhr
Landwüst: Freilichtmuseum, Rohrbacher
Straße 4, Historisches Spielzeug aus der
Sammlung von Volker Karp, 10-16 Uhr,
037422 2136
Lengenfeld: Heimatmuseum, Hauptstraße
57, Sonderausstellung zum 200. Geburtstag
Constantin von Tischendorfs; Die Geschichte d.
Tuchfärberhauses, 10-16 Uhr, 037606 32178
Leubnitz: Schloss, Am Park 1, „Bahn und Natur“, Ölbilder von Jürgen Batschik, 9-16 Uhr
Markneukirchen: Historisches Sägewerk,
Trobitzschen 14, Der 1. Weltkrieg vor 100 Jahren, 10-16 Uhr
Mehltheuer: Kleinstes Musikinstrumenten-Museum, Hohe Straße 9, 1500 Raritäten,
9-12 Uhr, 037431 4159
Oelsnitz: Zoephelsches Haus, Grabenstr. 31,
Erzählende Buchstaben, Malerei und Schriftbilder von Jo Schütt, 9-16 Uhr
Reichenbach: Neuberinhaus, Weinholdstraße 7, Nah und Fern, - Stuck zu Stuck (Fotos
von Viola Unger-Bauer), Island - Insel der Kontraste (Fotos von Jonas Klemm) und Malerei von
Sarah Bauer, 10-18 Uhr, 03765 12188
Rodewisch: Museum Göltzsch, Schlossinsel, Große Spielzeugschau, 10-12, 13-16.30 Uhr
Zwota: Mundart- und Erlebnisraum, Kirchstraße 2, 15-jähriges Jubiläum des Baus der
Klingenthaler Eisenbahnbrücke, 10-16 Uhr
(Ein Blick auf Lebensbedingungen. Asylbewerberinnen in Sachsen), 20 Uhr, 03741 15320
Auerbach/V: Begegnungszentrum Zebra,
Katzensteinstraße 1, Bastelkurs, 16-17 Uhr
Café Nebenan, Goethestraße 7, Tanztee,
15.30 Uhr
Eberhard Gütter, Feldstraße 27, Auerbacher
Modellbahnausstellung, komplette Sammlung
der deutschen Eisenbahngeschichte in HO,
60 Züge, 14.30-18 Uhr
Bad Elster: Fernheizwerk, Forststraße 9,
Kraftwerksführung durch das älteste Fernheizwerk Sachsens, Treffpunkt: Werkstor, 14 Uhr,
Eintritt frei
Kurhaus, Badstraße 25, Irland, Dia-Multivisionsschau mit Sigrid Wolf-Feix, Hof, 19.30 Uhr
König-Albert-Theater, Theaterplatz 1,
Führung durch historische Publikumsbereiche
inkl. Bühnentechnik, 16 Uhr, 037437 53900
Klingenthal: Cura-Seniorenzentrum,
Jahnstraße 32, Konzert mit dem Shanty-Chor,
15 Uhr
Seniorenverein, Kirchstraße 14,
Fasching, 14 Uhr
Reichenbach: Begegnungsstätte,
Nordhorner Platz 3, Begegnung/Vortrag
am Dienstag:, Fastnacht, 14 Uhr, 03765 69327
Westsächsische Hochschule, Hörsaal 306,
Klinkhardtstraße 30, Vogtländisches Seniorenkolleg mit Vortrag zum Thema: Geschichte als
politische Keule und: Wie man sich wehren
kann, Referent ist Frank Richter (Direktor d
er Landeszentrale für politische Bildung),
14.30 Uhr
Rodewisch: Sternwarte, Rützengrüner
Straße 41, Reise durch das Sonnensystem,
10.30 Uhr, 03744 32313
Tannenbergsthal: DRK Seniorenbegegnungsstätte, Klingenthaler Straße 25,
Fröhlicher Faschingsnachmittag bei Spiel und
leckeren Naschereien, 14.30 Uhr
16.45 Uhr; Der kleine Drache Kokosnuss,
14.30 Uhr; Fifty Shades of Grey, ab 16 J, 14, 17,
20 Uhr; Frau Müller muss weg!, ab 6 J, 17.15,
20.15 Uhr; Fünf Freunde 4, ab 6 J, 14.30, 17 Uhr;
Honig im Kopf, ab 6 J, 14, 16.30, 19.45 Uhr; Jupiter Ascending 3D, ab 12 J, 20 Uhr; Let’s be Cops
- Die Partybullen, ab 12 J, 20.15 Uhr; Mortdecai Der Teilzeitgauner, ab 6 J, 17 Uhr; Paddington,
14.30 Uhr; SpongeBob Schwammkopf 3D,
14.15, 17 Uhr; The Interview, ab 12 J, 20 Uhr;
Wild Card, ab 16 J, 20 Uhr; Malzhaus, Alter
Teich 7 - 9, 03741 15320; Can’t be silent, 20 Uhr
Auerbach: Rekordlichtspiele, Göltzschtalstraße 35, 03744 217272; Baymax - Riesiges
Robowabohu 3D, ab 6 J, 10 Uhr; Fifty Shades
of Grey, ab 16 J, 17.15, 20 Uhr; Fünf Freunde 4,
ab 6 J, 10, 17.15 Uhr; Honig im Kopf, ab 6 J, 17.15,
20 Uhr; Mortdecai - Der Teilzeitgauner, ab 6 J,
20.15 Uhr; Paddington, 10 Uhr
AUSSTELLUNGEN
Plauen: Erich-Ohser-Haus - Galerie
e.o.plauen und Archiv, Nobelstraße 7, Ausstellung zum Schaffen des bekannten Plauener
Zeichners Erich Ohser (1903-1944), 11-17 Uhr
SONSTIGES
Plauen: Helios Vogtland-Klinikum, Röntgenstraße 2, Infos rund um die Geburt,
(Besichtigung des Kreißsaales, Vorträge,
Gespräche und Videovorführungen), 19 Uhr
Malzhaus, Alter Teich 7 - 9, „Cant be silent“,
Film im Rahmen der Aktionswoche „View to
life conditions. Asylum seekers in Saxony“
KINO
Plauen: Capitol Filmtheater, Bahnhofstraße 33, 03741 1469050; Baymax - Riesiges
Robowabohu, ab 6 J, 14.15 Uhr; Baymax - Riesiges Robowabohu 3D, ab 6 J, 17 Uhr; Bibi und
Tina - Voll verhext, 14 Uhr; Blackhat, ab 16 J,
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Carolin No sind ein Pop-Duo, bestehend aus Carolin und Andreas
Obieglo. Sie gastieren am Freitag
im Plauener Malzhaus. FOTO: PRIVAT
rial verbindet. Dazu verwendet sie
mit Vorliebe Sandstein. Der Clou:
Christine Dewerny verbringt jedes
Jahr die Monate Mai und September
in einem Steinbruch in der Sächsischen Schweiz. „Ich habe im dortigen Abbau eine kleine Bude, in der
ich arbeite. Das erste Mal war ich
1986 mit dem sogenannten Berliner
Steinsymposium dort. Nach der
Wende ging das Symposium den
Bach runter, aber ich habe diesem
außergewöhnlichen ‚Atelier‘ die
Treue gehalten.“
Am Sandstein fasziniert sie vor
allem seine marmorierte Spielart.
„Während er für die Steinbruchbetreiber mehr oder weniger wertlos
ist, kann ich als Künstlerin gerade
aus der farbigen Schichtenstruktur
interessante Effekte herausholen,
die meist erst im Verlaufe der Arbeit
zutage treten.“
Christine Dewerny präsentiert
auf der Burg auch noch eine andere
Seite ihres Schaffens: Aktmalerei.
Dazu triff sie sich jede Woche einmal mit Kollegen, um vier Stunden
lang Akte aufs Papier zu bringen.
„Meiner Meinung nach ist es für einen Künstler ungeheuer wichtig
und anregend, nach der Natur zu arbeiten“, sagte sie.
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Vicki Vomit morgen wieder ins
Plauener Malzhaus ein. Dieses Mal
zu Gast sind André Kaiser, Manuel
Wolff und Michael Schönen. Kaiser
nimmt die Energie des Stand-up Comedians und verbindet sie mit der
Schärfe des Kabarettisten. Schönen,
„Dichterfürst unter den Comedians“
beweist, dass Gereimtes keineswegs
out ist und Humor auch intelligent
sein kann. Los geht es 21 Uhr. (ike)
WINTERSPORT
Auerbach/V: Loipen rund um Auerbach,
Zinsbach-, Sonnen-, Röthelsteinloipe, Grünheider Rundloipe, kleine Rundloipe am Sportplatz
Beerheide, Vogtlandsee-, Eulenberg-Loipe
bedingt befahrbar
Erlbach: Loipen, Loipen gespurt,
Schneetelefon 037422 6125 oder www.kegelberg.de
Skilifte am Kegelberg, 9-17 Uhr, Schneetelefon 037422 6125
Gottesgab (Bozi Dar): Skiareal Keilberg,
gespurt sind 20 Kilometer für klassischen
Langlauf
Grünbach: Loipen, Loipen gespurt,
bis 20 Uhr beleuchtet, Anschlussloipe zur
Kammloipe (Einstieg Dorfplatz Muldenberg)
sowie Sonnenloipe (Einstieg an der Turnhalle)
gespurt, Schneetelefon: 03745 5303
Hammerbrücke: Loipen, Bergland-Rundloipe mit Anbindung an Kammloipe sowie Ortsloipe gespurt; Nachtloipe beleuchtet, Einstieg an
der Grundschule, gespurt, 17-21 Uhr
Klingenthal: Loipen, Sonnenloipe grenzüberschreitend gespurt, Schwarzbergloipe
teilweise präpariert, Schneetelefon:
037467 22494
Skilift Jägerstraße, 13-21 Uhr, Infos unter
0176/27148167
Mühlleithen: Loipen, Kammloipe und
Kielloipe gespurt, Schneetelefon:
037467 22494
Skilift, B 283, 10-21 Uhr, Schneetelefon:
037467 22494
Schneckenstein: Loipe, Kammloipe gespurt, www.kammloipe.com
Schwaderbach (Bublava): Skilifte,
9-20 Uhr, Bleiberg, Schneetelefon 00420
352696830
Schöneck: Loipen, Ortsloipen und Kammloipe gespurt; Skiwelt, Hohe Reuth, Lifte,
9-18 Uhr, Schneetelefon 037464 82000
oder www.schoeneck.eu
Zauberteppich, 9-17 Uhr
Tannenbergsthal: Loipen, Ortsloipe
gespurt
Zwota: Loipe, Herrenberg- und Schlosserbergloipe gespurt
OBERES VOGTLAND
Dienstag, 17. Februar 2015
NACHRICHTEN
POLITISCHE BILDUNG
NEUAUFLAGE
Stadt überarbeitet
Behördenwegweiser
PLAUEN — Die Stadt Plauen überar-
des Barock in vielen Dorfkirchen. Gunter Lasch aus
dem Erzgebirge hat in
Sachsen 106 Exemplare
nachgewiesen, 30 sind
verschollen. Darüber
sprach er auf Schloss
Voigtsberg in Oelsnitz.
VON ECKHARD SOMMER
OELSNITZ — Ergänzend zur Sonder-
ausstellung „Engel – himmlische
Botschafter“, die derzeit auf Schloss
Voigtsberg gezeigt wird, hielt Gunter Lasch aus Brünlos/Erzgebirge am
Samstag einen Vortrag zum Thema
Taufengel. Mit dieser Spezifik beschäftigt sich der passionierte Heimat- und Regionalkundler seit ungefähr zwei Jahren im Rahmen seiner
Forschungen zu sakraler Kunst in
Gunter Lasch
schwebenden Taufengel waren zumeist aus Holz geschnitzt und dienten der Taufe. Gunter Lasch hat in
Sachsen 106 Taufengel nachgewiesen, 30 sind verschollen. „Im Vogtland habe ich 13 Taufengel gefunden, sechs gelten als verschollen.
Vorrangig waren oder sind diese Figuren in dörflichen Kirchen zu finden, wo sie das Taufbecken hielten.“
„Taufengel wurden
aus vielen Kirchen
verbannt oder
umgenutzt – als
Lichterengel oder
Zierde.“
Gunter Lasch Referent
Als Beispiele nannte Gunter Lasch
den Taufengel in der Kirche Wiedersberg. Er stammt aus dem Jahr
1730 und der Werkstatt von Nicolaus Knoll, kam erst 2010 nach erfolgter Sanierung des Gotteshauses
von Burgstädt – wohin er drei Jahrzehnte ausgelagert war – an seinen
angestammten Platz zurück. Eine
der schönsten sächsischen Taufengel aus dem Jahr 1731 befindet sich
nach Ansicht des Heimatforscher in
der Kirche Leubnitz. Undatiert und
aus der Werkstatt unbekannter
Meister sind die Taufengel in Erlbach und Posseck. Der in Sachsgrün
stammt von 1785. Über den Taufengel in der Rundkirche Zum Friedefürsten in Klingenthal hat Lasch bei
seinen Recherchen bisher zumin-
dest herausgefunden, dass er in einer Werkstatt in Luby/Schönbach
gefertigt wurde. Der Taufengel in
Marieney ist auf 1744 datiert,
stammt von Johann Simon Zeitler in
Doubrava/Grün, ist im Vorraum der
Kirche aufgestellt und dient als Kollektensammler. Weitere Taufengel
haben die Wirren der Zeit überstanden und befinden sich in Unterwürschnitz, im Museum in Falkenstein
(der Taufengel befand sich früher in
der Kirche Zum Heiligen Kreuz), im
Vogtlandmuseum
Plauen
(er
stammt nach den Worten von Gunter Lasch wahrscheinlich aus Theuma) und in Steinsdorf. Die Taufengel
in Rodewisch und Ruppertsgrün
schuf 1710 der Elsterberger Christian Preller. Als verschollen gelten die
Taufengel in der Jakobikirche Oelsnitz, der 1833 noch erwähnt wurde,
in Bobenneukirchen, Krebes, Engelsgrün, Triebel und Bad Elster.
Anfang des 19. Jahrhunderts,
nach der Aufklärung, verloren Taufengel an Bedeutung. Gunter Lasch
begründet das unter anderem mit einem veränderten Stilempfinden:
statt sehr figürlich und farbig wie im
Barock ging der Trend zunehmend
in Richtung Schlichtheit. „Taufengel wurden deshalb aus vielen Kirchen verbannt oder umgenutzt – als
Lichterengel oder Zierde. Erst im 20.
und 21. Jahrhundert erlebten sie eine Renaissance, weil ihr kunsthistorischer Wert erkannt wurde, und sie
werden wieder bei Taufen genutzt.
Soviel ich weiß, ist das in Leubnitz,
Ruppertsgrün und Steinsdorf der
Fall.“ Wenn es Kirchgemeinden
möglich ist, bringen sie Geld für eine
Restaurierung ihres Taufengels auf,
um das Symbol für Schutz und göttliche Begleitung zu erhalten.
beitet derzeit ihre Info-Broschüre
„1000 Tipps für Gäste und Bürger
unserer Stadt“. Sie soll in 9. Auflage
erscheinen. In dem gelben Heft,
das zuletzt im Jahr 2010 aktualisiert
wurde, erhalten Bürger und Gäste
der Stadt einen Überblick über
Kontakte zu Ämtern, Ärzten, Bildungseinrichtungen sowie Wissenswertes rund um die Stadt. Die
8. Auflage der Broschüre kann im Internet eingesehen werden und liegt
zur kostenfreien Mitnahme im Bürgerbüro und in der Tourist-Information aus. (bju)
Heimat- und Regionalkundler
ARBEITSBESUCH
Satte Enten verschmähen Brot im Wasser
Staatssekretär bei
Arbeitsloseninitiative
PLAUEN — Stefan Brangs, Staatssekre-
tär im Ministerium für Wirtschaft
und Arbeit im Freistaat Sachsen,
wird am Montag, 2. März die Arbeitsloseninitiative in Plauen besuchen. Dabei geht es darum zu besprechen, Menschen mit Projekten
Wege aus der Arbeitslosigkeit aufzuzeigen. Hintergrund: Mit Beendigung der Fördermaßnahme „Bürgerarbeit“ gibt es für die Arbeitsloseninitiative Sachsen kaum noch Projektmöglichkeiten für Langzeitarbeitslose – die es trotz Rückgangs der
Arbeitslosenquote nach wie vor
gibt. Die Arbeitsloseninitiative hatte
sich deshalb an verschiedene Partner gewandt. Markus Schlimbach
vom Deutschen Gewerkschaftsbund Sachsen nahm sich dem Anliegen an und vermittelte den Termin
mit Brangs. Zum Abschluss des Treffens wird es am 2. März gegen
12 Uhr im Tagestreff an der Schlossstraße 15-17 eine offene Gesprächsrunde mit Vertretern des Landratsamtes Vogtlandkreis, Jobcenters und
der Parität zur Entwicklung des
Arbeitsmarktes geben. (bju)
13
Im Vogtland 13 Taufengel nachgewiesen
Frank Richter spricht Aus Holz oder Stein –
heute in Reichenbach Taufengel gab es zur Zeit
REICHENBACH — Der Leiter der Landeszentrale für politische Bildung
Sachsen, der Theologe Frank Richter, spricht heute, 14.30 Uhr auf Einladung des Vogtländischen Seniorenkollegs Reichenbach im Hörsaal
306 der Fachhochschule in Reichenbach. Thema von Richters Vortrag:
„Geschichte als politische Keule und
Wie man sich wehren kann.“ Der
54-Jährige sieht derzeit eine Politisierung der Gesellschaft wie vor 25
Jahren während der Wendezeit und
hat sich unter anderem dazu wiederholt zu Wort gemeldet. Für Diskussionen sorgte zuletzt seine Entscheidung, eine Pegida-Pressekonferenz
in seinem Hause stattfinden zu lassen. Im Wendeherbst 1989 war Richter als junger katholischer Pfarrer
Mitbegründer der „Gruppe der 20“,
die in Dresden in den Dialog mit der
Staatsmacht eintrat. (gem)
Freie Presse
FOTO: ECKHARD SOMMER
Sachsen. „Dabei bin ich darauf gestoßen, dass es zu Taufengeln, die im
Barock aufkamen, kaum Material
gibt, und ich möchte dazu beitragen,
die weißen Flecken schließen.“
Die einen halben bis zwei Meter
großen sitzenden, stehenden oder
Essensrente verschandeln
den Gondelteich in
Rodewisch. Die Bürgermeisterin ist gegen ein
Fütterungsverbot. Ein
Ornithologe auch.
Tipps zum Füttern von Vögeln
Generell muss beim Füttern darauf
geachtet werden, dass das Futter
nicht nass wird. Im Winter bieten Futterhäuschen mit einem weit überstehenden Dach den besten Schutz.
Wurde mit dem Füttern begonnen,
sollte man täglich füttern. Das Futterhaus sollte abends gefüllt werden.
Dann können Vögel ihren Energiehaushalt nach einer Winternacht aufrecht erhalten, wenn sie den Platz am
Morgen anfliegen.
VON LUTZ HERGERT
Brote liegen
zurzeit auf dem Eis des Gondelteiches am Rodewischer Schlösschen
herum. „Jetzt lagen sogar noch Kohlblätter und die Reste von anderen
Lebensmitteln dort“, sagte eine Leserin aus der Stadt. Sie schlägt vor, das
Füttern von Enten am Teich ähnlich
wie beim See im Untreupark in Hof
zu verbieten. Zumal sie im Sommer
in der Nähe des Rodewischer Gewässers Ratten gesehen habe.
„Manche Leute sind unvernünftig. Sie werfen so viel Futter hin, dass
es die Enten nicht verwerten können“, sagt Christian Wetzig vom
Ordnungsamt der Stadt. Er hält das
Pfarrer Henrik Pröhl mit dem Taufengel in der Kirche Wiedersberg. Der Engel
FOTO: ECKHARD SOMMER
stammt aus dem Jahr 1730.
RODEWISCH — Ganze
Die Enten machen sich nichts aus dem Brot, das auf dem Gondelteich in
FOTO: JOACHIM THOSS
Rodewisch liegt.
für falsch verstandene Tierliebe.
Was das Thema Ratten angeht, kann
er die Beobachtungen wenigstens
für das vergangene Jahr nicht bestätigen. Die Stadt bekämpft die Nager
einmal im Jahr im Herbst mithilfe
von Giftködern an allen Wasserläufen. „Das wird präventiv gemacht.
Die Köder stehen ein bis zwei Wo-
chen, und der Kammerjäger sieht
nach, ob es einen Befraß gibt.“ 2014
sei das kaum der Fall gewesen.
Gegen ein Fütterverbot spricht
sich Bürgermeisterin Kerstin Schöniger aus. „Ich sehe oft, wie junge Familien und Großeltern mit ihren Enkeln am Gondelteich Enten füttern
und freue mich darüber.“ Sie appel-
ungeschwefelte Rosinen, einsilierte
Waldbeeren wie die Vogelbeere, Futterknödel, Meisenringe und aufgespießte Apfelhälften.
Um die Artenvielfalt zu erhalten,
sollte auch im Sommer füttern. Hintergrund ist die Futterknappheit, die
Vögeln oft bei der Aufzucht der Jungen zu schaffen macht. Durch Pestizide auf Feldern oder Mähen bei geringer Grashöhe in Gärten wachsen
kaum noch Unkräuter.
Als Futter eignen sich: Sonnenblumen-, Hanfkerne, Getreideabfälle, ungesalzener Rindertalg, Haferflocken,
Das Umweltzentrum hat zum Thema
einen Infobrief herausgegeben.
liert an die Vernunft der Menschen,
nur das zu füttern, was die Vögel
problemlos fressen können.
Dem stimmt der Auerbacher Ornithologe Michael Thoß zu. „Backwaren sind zum Füttern absolut
nicht geeignet.“ Beispielsweise in
Sauerteigprodukten wie Brot setzt
in Verbindung mit der Feuchtigkeit
die Gärung ein und die ist schlecht
für die Tiere. „Da Brot auch in den
Mägen der Vögel gärt, kann das sogar dazu führen, dass die Enten sterben.“ Der Ornithologe schlägt vor,
eine Handvoll Vogelfutter oder Getreide mitzunehmen, wenn sie mit
ihren Schützlingen Gewässer ansteuern.
» www.nuz-vogtland.de
A N ZE IG E N
Traueranzeigen
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Erstellen Sie eine persönliche Gedenkseite, um
verstorbenen Familienmitgliedern und Freunden
zu gedenken.
‚ Angehörige können sich in das Kondolenzbuch
eintragen und eine Kerze zum Gedenken anzünden.
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Liebevolle Erinnerung
Mit wenigen Worten wird der schwere Abschied etwas leichter.
14 Freie Presse
NACHRICHT
KONTROLLE
ADAC prüft
Fahrzeuge
WEISCHLITZ — Der Prüfzug des Auto-
mobilclubs ADAC ist in dieser Woche auf dem Parkplatzgelände des
Globus-Marktes in Weischlitz zu
finden. Geprüft wird bis einschließlich Freitag täglich von 10 bis 13 Uhr
und von 14 bis 18 Uhr. Alle interessierten Kraftfahrer erhalten eine
kostenfreie Prüfung ihrer Wahl, für
ADAC-Mitglieder steht das gesamte
Programm zur Verfügung. (bju)
KALENDERBLATT
Vor 10 Jahren
PUTZ-SKANDAL IN PLAUEN — Die Affäre um ein verdrecktes Gymnasium
wirbelt in Plauen viel Staub auf. Die
beauftragte Reinigungsfirma und
die Stadtverwaltung sind unter
Druck geraten. Die Industriegewerkschaft Bau bezeichnet die Vergabepraxis der Stadt als illegal. Tarifverträge und Gesetze würden unterlaufen. Der Direktor der Schule hatte die Affäre ins Rollen gebracht, als
er darauf aufmerksam machte, dass
das Gebäude zusehends verlottere.
Vor 50 Jahren
HEIZTRASSE VERLEGT — Das Verlegen
der Fernheiztrasse unter der Bahnhofstraße in Plauen hindurch ist
schwierig. Die Straßenbahnschienen mussten mit vier je 13 Meter
langen Doppelträgern abgestützt
werden. Über die Rohre sollen die
Wohngebäude im Gebiet westlich
der Bahnhofstraße mit Wärme versorgt werden.
Vor 100 Jahren
WOHNUNG
AUSGERAUBT — In
der
Nacht ist einem an der Karlstraße in
Plauen wohnenden, höheren königlichen Beamten die Wohnung ausgeraubt worden. Der Wohnungsbesitzer war nicht da, weil er zum Militärdienst einberufen ist. Die Diebe
haben Bekleidung, versilberte Bestecks, Schmucksachen im Wert
von 800 Mark mitgenommen. (pa)
OBERES VOGTLAND
Dienstag, 17. Februar 2015
Philipps Wunsch: Mobiler sein
Feuerwehr
holt Mann
vom Dach
Wegen seiner Krankheit
ist ein 14-Jähriger auf den
Rollstuhl angewiesen. Ein
größeres Auto würde sein
Leben deutlich erleichtern.
27-Jähriger will
von Haus springen
PLAUEN — Während
VON HEIKE MANN
RODEWISCH — Philipp Barchfeld lei-
det an der Krankheit Muskeldystrophie Duchenne. Er ist 14 Jahre alt.
Je älter er wird, um so mehr wird er
zum Pflegefall, denn der Dystrophinmangel führt mit der Zeit
zum Untergang von Muskelfasern
und Ersatz durch Fett- oder Bindegewebe. Schon jetzt ist der Junge
auf den Rollstuhl angewiesen.
Nur wenig Kontakt zu Freunden
Philipp wohnt bei seinem Vater Lutz
Barchfeld und dessen Frau Sabrina
in Rodewisch. Mit seiner Mutter
kam er nicht mehr klar, deshalb
ist er aus ihrer Wohnung in Reichenbach vor einem knappen halben
Jahr ausgezogen. Er besucht die
Parkschule in Auerbach und wird
nachmittags in der Tagesgruppe
im Begegnungszentrum „Zebra“ der
Lebenshilfe betreut. Schule und
Tagesgruppe sind fast die einzigen
Orte, wo er noch Gleichaltrige trifft.
Denn wegen seiner körperlichen
Behinderung ist es ihm nahezu
nicht mehr möglich, Freunde zu
treffen oder einen Jugendtreff zu besuchen.
Dass er im Rollstuhl sitzt, ist die
eine Sache. Das andere Problem ist,
dass für Philipp das Mitfahren im
Auto seines Vaters, einem Mazda
323 F, immer mehr zur Tortur wird.
Das Umsetzen ist mehr ein Schieben
und Ziehen, das für seinen Vater, der
selbst körperliche Handicaps hat,
und dessen Frau, die ein Kind erwartet, große körperliche Anstrengungen bedeutet. Und für Philipp
Schmerzen. Denn infolge des Muskelschwundes kommt es zu Fehlstellungen von Gelenken und Knochenverformungen. Nur in seltenen
Fällen ruft die Familie ein Taxi. Für
Das Einsteigen ins Auto wird für den 14-jährigen Philipp Barchfeld immer mehr zur Tortur. Sein Vater Lutz Barchfeld
muss ihn mit aus dem Rollstuhl und auf den Rücksitz bugsieren. Das bedeutet für den 46-Jährigen große Kraftanstrengung, für seinen Sohn Schmerzen.
FOTO: JOACHIM THOSS
sie ist das einfach zu teuer, zumal
der Vater nur eine geringe Erwerbsunfähigkeitsrente bezieht. „Da verzichte ich lieber auf Freizeitaktivitäten“, sagt der 14-jährige Junge. Gefahren werden muss er aber zu Therapien, die dreimal die Woche in Reichenbach sind, wo er erst gelebt hat.
„Einmal in den Urlaub fahren“
Festgestellt wurde die Krankheit bei
Philipp, als er sechs Jahre alt war. Er
hatte Gleichgewichtsstörungen und
ist oft hingefallen. Rennen und mit
Freunden Fußball spielen gehören
der Vergangenheit an. Als er zehn
Jahre alt war, konnte er nur noch
kleine Strecken laufen und musste
immer mehr den Rollstuhl nutzen.
Die traurige Prognose: Der Abbau
der Atem- und Herzmuskulatur
wird für ihn tödlich enden.
„Wir möchten Philipp, solange
wie es geht, noch ein schönes und
trotz seiner schweren Körperbehinderung normales Leben bieten. Dazu gehört in allererster Linie die Mobilität, die wir ihm derzeit nicht bieten können“, sagt Lutz Barchfeld.
Seine Ex-Frau hat, um ein behindertengerechtes Fahrzeug kaufen zu
können, ein Spendenkonto einrichten lassen. Das soll wiederbelebt
werden. Rund 25.000 Euro würde
ein Fahrzeug mit elektrischer Hebebühne und Platz für den Rollstuhl
kosten. „Dann könnten wir Philipp
das schmerzhafte Umsetzen ersparen und mit ihm endlich wieder etwas unternehmen.“
„Ich würde sehr gern mit meinem Vater, seiner Frau und meinem
noch nicht geborenen Geschwisterchen in den Urlaub fahren“,
wünscht sich der Junge. Oder einfach mal seine Freunde besuchen.
Denn die machten sich in den zurückliegenden Jahren immer mehr
rar, weil sie nicht mit seiner Krankheit klargekommen sind oder es einfach leid waren, immer nur zu Philipp nach Hause zu kommen. Philipps größter Wunsch: „Einmal mit
meinem Vater einkaufen gehen.“
UM SPENDEN für das Auto bittet die Familie
Barchfeld unter Kontoinhaber Stiftung
ESRA, IBAN: DE 73702203005004265582,
BIC: BMWBDEMUXXX, Verwendungszweck:
Philipp.
in seinem
Wohnzimmer an der Herbartstraße
ein Schwelbrand erheblichen Schaden anrichtete, kletterte ein 27-Jähriger gestern auf ein Haus an der
Oelsnitzer Straße. Der offenbar betrunkene Mann wollte vom Dach
springen, teilte die Polizei mit.
Zum Brandort wurden Feuerwehr und Polizei von einem Nachbarn gerufen. Da die Wohnzimmertür dicht geschlossen war, breitete
sich das Feuer bis zum Eintreffen der
Einsatzkräfte nicht auf andere Zimmer aus. Es wurde gelöscht und so
Schlimmeres verhindert, sagte ein
Feuerwehrsprecher. Direkt im Anschluss fuhr die Feuerwehr in die
Oelsnitzer Straße, wo der Bewohner
der Brandwohnung von einem Dach
springen wollte. Gemeinsam mit
Mitarbeitern des Rettungsdienstes
konnte die Feuerwehr den 27-Jährigen bergen. Er wurde vorsorglich in
ein Krankenhaus gebracht. Warum
das Feuer in der Wohnung des Mannes ausgebrochen ist, bleibt zunächst unklar. Auch zur Schadenshöhe liegen noch keine näheren Angaben vor. Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen. Durch die
Löscharbeiten kam es im Bereich
um den Brandort zu überfrorenen
Straßen, sodass der Winterdienst angefordert werden musste. (kej)
BIBLIOTHEK
Bücherbus kommt
ins Oberland
SCHILBACH/ARNOLDSGRÜN — Die
Fahrbibliothek des Landkreises
kommt am Donnerstag ins obere
Vogtland. Stationen sind in der Zeit
von 12 bis 12.30 Uhr die Buswendeschleife in Schilbach und von 13 bis
13.30 Uhr der Dorfplatz in Arnoldsgrün. (gsi)
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3589760-10-1
16 Freie Presse
LOKALSPORT
Dienstag, 17. Februar 2015
FSV-Junioren
sind gut dabei
NACHRICHTEN
JUDO
Schöneckerin holt
in Halle Silber
Ein Mammutprogramm an Nach-
wuchsfußballturnieren hat der FSV
Klingenthal am Wochenende abgespult. Gleich in fünf Altersklassen
wurden in der Sporthalle auf dem
Amtsberg die Sieger gesucht. Die
Gastgeber setzten sich vor allem bei
den E-Junioren toll in Szene: Der
FSV II gewann vor dem VSC Reichenbach I und dem FSV I. Die
Klingenthaler F-Junioren (im Bild
hinten von links Benjamin Scholz,
Helena Adler, Nick Schlosser, Jason
Schlosser, Dominic Nietsche, vorn
von links Richard Hinkel, Niklas
Vollbrecht, Mark Werner) wurden
Dritte hinter der Spielgemeinschaft
Tirpersdorf/Bergen und dem VSC
Reichenbach. Los ging es am Samstagmorgen mit den G-Junioren, bei
denen die Knirpse der SpG Schöneck/Oelsnitz den Sieg feierten vor
der SpVgg Grünbach-Falkenstein,
Wacker Plauen und dem FSV Klingenthal. Das D-Jugend-Turnier gewann die SpG Mylau/Limbach vor
dem 1. FC Rodewisch, dem VSC Reichenbach und den D2-Junioren des
VfB Auerbach. Bei den B-Junioren
triumphierte die SG Handwerk Rabenstein vor der JFG Höllental aus
Oberfranken und dem FSV Zwönitz.
Das C-Jugend-Turnier zwei Wochen
zuvor hatte die SpG Ranch Plauen/
Weischlitz vor Klingenthal I geFOTO: HARALD SULSKI
wonnen.
FOTO: ULRICH HÄßNER
HALLE — Patricia Hartl (Foto) vom
VfB Schöneck hat am Wochenende
bei den Mitteldeutschen Meisterschaften der Altersklasse U 21 im
Judo in der Klasse
bis 57 Kilogramm
die Silbermedaille
gewonnen. Sie hat
sich damit für die
Deutschen Meisterschaften
qualifiziert. Mit Losglück
kam sie gleich in
die Hauptrunde.
Gut eingestellt und mit der entsprechenden Cleverness kam sie mit
einem vorzeitigen Sieg in das Finale.
Dort traf sie auf ihre Dauerrivalin.
Sie ging sehr überlegt vor, konnte
zwei starke Würfe anbringen, die
aber ohne Wertung blieben. Ihre
Gegnerin konnte Patricia am Ende
erfolgreich werfen und gewinnen.
Thomas Gerbert vom BSV Adorf
konnte in der Klasse bis 60 kg der
U 18 dagegen nicht in den Kampf
um die Medaillen eingreifen, ebenso
wenig wie sein Vereinskamerad
Niklas Penzel in der Klasse bis 66 kg
der U 21. (uhä)
FUSSBALL
Zwei Spieler nach
lange Pause zurück
EICHIGT/OELSNITZ — Die
Vogtlandklasse-Mannschaft der SG Traktor
Lauterbach hat am Sonntag ihr erstes Testspiel nach der langen Winterpause beim Kreisligisten SV Eintracht Eichigt durch Treffer von
Gerstenberger, Michel, Schlosser
und Scholz (2) mit 5:2 gewonnen.
Dabei feierten mit Brauweiler und
Baumann zwei wichtige Spieler
nach langer Verletzungspause ein
erfolgreiches Comeback. In der
Winterpause verabschiedet hat sich
hingegen Kevin Zöller mit unbekanntem Ziel. Für Eichigt trafen
Rico Müller und Chemnitzer. (path)
FUSSBALL
Merkur-Oldies auf
dem zweiten Platz
PLAUEN — Die Fußballer des SV Mer-
kur Oelsnitz haben am Samstag
beim Turnier des SV Concordia
Plauen für über 35-Jährige den zweiten Platz belegt. Der Sieg ging an die
Mannschaft des VFC Plauen. Im
Endspiel ging Merkur durch Danny
Tischer in Führung. Und in der Folge
setzte sich immer wieder Mario
Dietz in Szene. Doch Thomas Wolfrum und Detlef Rabe trafen für den
VFC zur 2:1-Führung, während den
Oelsnitzern das Abschlussglück
fehlte. Danny Tischer wurde dennoch mit sieben Treffern Torschützenkönig. (kare)
KURZ GEMELDET
Wanderung nach Geilsdorf
OELSNITZ — Die Oelsnitzer Wanderfreunde gehen am Donnerstag zur
Vereinswanderung von Pirk nach
Geilsdorf über zehn Kilometer. Treff
ist 9.30 Uhr mit Pkw an der Raiffeisenhandelsgenossenschaft. (nsh)
Preisskat in Klingenthal
KLINGENTHAL — Der Skatverein Vogtlandwenzel Zwota lädt am Freitag,
19 Uhr zum Preisskat in die Gaststätte Zum Sportlerwirt nach Klingenthal, Jahnstraße 30, ein. Anmeldung
ist ab 18.30 Uhr. Gespielt werden
zwei Listen mit deutschem Blatt
nach Altenburger Skatregel. Das
Startgeld beträgt insgesamt zehn
Euro für beide Listen und wird komplett als Preisgeld ausgespielt. (fp)
Schießen: Vereinspokal
OELSNITZ/ADORF — Die 1. Bürgerliche
Schützengilde zu Oelsnitz lädt am
Samstag, 13 bis 16 Uhr ihre Mitglieder zum Vereinstraining in die
Schießhalle Adorf-Arnsgrün ein.
Dabei besteht die Möglichkeit, die
Wertungsscheibe zur ersten Runde
des Vereinspokalwettbewerbs zu
schießen. (örnf)
Die Schlussphase reißt es raus
Die Handballer des TSV
Oelsnitz gehen auf Platz 5
der Tabelle in eine zweiwöchige Spielpause in der
1. Bezirksklasse.
1. Bezirksklasse Männer: TSV
Oelsnitz – SV Sachsen Werdau
31:28 (14:11). Die Werdauer verfügen über eine eingespielte Mannschaft, sodass ein enges und packendes Spiel zu erwarten war. Genau
das erlebten die Zuschauer auch in
der Sporthalle Oelsnitz. Die Gäste
erwischten den besseren Start.
Immer fanden sie die Lücken in der
Oelsnitzer Abwehr. Allerdings
konnte sich Werdau nicht absetzen.
So führte der SV Sachsen bis kurz
vor Ende der ersten Halbzeit meist
mit einem Tor. Die Oelsnitzer legten
bis zum Pausenpfiff einen starken
Schlussspurt hin. Aus einem 8:10Rückstand machten sie eine 14:11Führung. Somit ging es mit einem
kleinen Polster in Hälfte 2. Doch das
schwand rasch, spätestens ab dem
17:17 war jedem in der Halle klar,
dass es ein bis zur letzten Sekunde
spannendes und offenes Spiel bleibt.
Die Oelsnitzer legten meist ein Tor
vor, und Werdau glich wieder aus.
Somit mussten am Ende die besseren Nerven über den Sieg entscheiden, eventuell auch das größere
Quäntchen Glück. Beides hatten die
Oelsnitzer in der spannenden
Schlussphase für sich. Sie konnten
einige Konter erfolgreich abschließen und letztlich nach zwei verlorenen Auswärtsspielen wieder einen
Sieg feiern. Bemerkenswert war die
starke Leistung der gesamten Mannschaft, in der sich jeder Spieler in die
Torschützenliste eintrug sowie
kämpferisch überzeugte. Nun stehen zwei freie Wochenenden an,
ehe es mit dem schweren Auswärtsspiel in Zschopau am 7. März weitergeht. (ixs)
OELSNITZ: Seidel – Rauh (1), P. Bechler (4/3),
Grünwald (7), Heyne (1), Stache (1), F. Bech-
Sehr gut fügte sich der erst 17-jährige Fredrik Koffent in die Oelsnitzer Mannschaft ein. Hier erzielt er das 11:11 für sein Team.
FOTO: HARALD SULSKI
ler (4), Weidenmüller (4), F. Schmidt (4), Koffent (1), Lehmann (4). Schiedsrichter:
Kolath/Kleinfeld (Fraureuth). Strafwürfe:
Oelsnitz 4/3 verwandelt, Werdau 5/5. Strafzeiten: Oelsnitz 6 Minuten, Werdau 8.
Zuschauer: 80.
Im Halbfinale gescheitert
Im Halbfinale des Kreispokalwettbewerbs unterlagen die Männer des
TSV Oelsnitz II der BezirksligaReserve der Rodewischer Handballwölfe 32:36. Schon zur Pause führten die Gäste mit fünf Toren (15:20).
Im zweiten Abschnitt steigerten
sich die Oelsnitzer, Mitte der zweiten Halbzeit gingen sie selbst in Führung. Allerdings konnten sie das
nicht bis zum Schluss durchhalten,
und Rodewisch zog noch einmal davon. Damit steigt am 16. Mai in Lengenfeld das Finale zwischen dem
VfB Lengenfeld II und den Rodewischer Handballwölfen II. (khfr)
B-Jugend ist Sachsenliga-Fünfter
In der Sachsenliga der männlichen
Jugend B empfing die NSG Oelsnitz/
Oberlosa am Samstag in der Plauener Helbig-Halle die HSG Freiberg.
Gegen den bisher sieglosen Tabellenletzten waren die Vogtländer klarer Favorit. In einer einseitigen Partie wurden die Vogtländer ihrer Rolle voll gerecht. Sie kamen zu einem
31:20-Heimerfolg. Damit nehmen
sie mit jetzt 19:13 Punkten den fünften Tabellenplatz ein. (khfr)
SPORT IN ZAHLEN
Tischtennis
Vogtlandliga
Treuen II
- Schönbrunn
1. Neumark
104: 63
2. Plauen-Mitte
123: 62
3. Treuen II
109: 71
4. Schönbrunn
107: 90
5. Schreiersgrün II 102: 66
6. Muldenhammer II 104: 79
7. Post Plauen II
65:116
8. Falkenstein
74:109
9. Auerbach II
53:113
10. Tirpersdorf II
55:127
10: 5
20: 2
19: 5
18: 6
16:10
15: 7
14:10
7:17
4:20
3:19
2:22
Vogtlandklasse
Ellefeld III
- Syrau II
1. Ellefeld III
107: 90
2. Jößnitz
119: 62
3. Schöneck
105: 77
4. Plauen-Mitte II
112: 87
5. Neustadt
93: 90
6. Lengenfeld IV
92: 89
7. Oelsnitz
82:100
8. Syrau II
85:115
9. Röthenbach II
75:124
10. Mühltroff
73:109
8: 8
19: 7
18: 6
17: 7
17: 9
12:12
12:12
10:14
9:17
6:20
4:20
Handball
1. Bezirksklasse Männer
Oelsnitz
- Werdau
1. Grubenlampe II
359:296
2. USG Chemnitz
372:316
3. Ho.-E./Oberl./Grüna 315:277
4. Niederwiesa
374:351
5. Oelsnitz
388:376
6. Burgstädt
376:409
7. Beierfeld
339:362
8. Schneeberg II
313:345
9. Werdau
345:347
10. Freiberg III
302:333
11. Zschopau
297:368
12. Pockau
0: 0
31:28
20: 4
19: 5
16: 8
15:11
15:11
12:14
11:15
9:15
9:17
8:18
4:20
0: 0
2. Bezirksklasse Männer
Crottendorf
- Einheit Plauen III
1. Weißenborn II
393:319
2. Hoh.-E./Oberl./Grü. 419:328
3. HSC Chemnitz
448:344
4. Thalheim
365:338
5. Einheit Plauen III
374:349
6. Claußnitz
330:290
7. Rittersgrün
312:321
8. Klingenthal
297:329
9. Annaberg-Buchh. II 318:409
10.USG Chemnitz II
319:390
11.Crottendorf
379:475
12.Fraureuth II
299:361
29:27
25: 3
23: 5
20: 8
20: 8
18:12
15:13
14:14
12:16
8:20
7:21
5:25
3:25
Sachsenliga männliche Jugend A
1. SG LVB Leipzig
284:185 14: 2
2. SC DHfK Leipzig 262:225 12: 4
3. HSV Dresden
268:203 10: 6
4. Oelsnitz/Oberlosa 253:246
9: 7
5. NSG Westsachsen 262:268
9: 7
6. Heidenau
239:275
2:14
7. Mölkau
193:359
0:16
Sachsenliga männliche Jugend B
1. EHV/Nickel. Aue 514:328
2. SC DHfK Leipzig II 500:383
3. Riesa/Oschatz
409:349
4. SC DHfK Leipzig 440:364
5. Oelsnitz/Oberlosa 419:426
6. Koweg Görlitz
412:402
7. HSV Dresden
385:399
8. LHV Hoyerswerda 418:423
9. Chemnitz-Rottluff 397:419
10. NSG Westsachsen 407:467
11. Radebeul
297:490
12. HSG Freiberg
452:600
30: 2
25: 7
21: 9
20:12
19:13
17:11
17:11
14:16
10:20
7:25
2:26
0:30
Sachsenliga männliche Jugend C
1. EHV/Nickel. Aue 532:262
2. SC DHfK Leipzig 447:315
3. Glauch./Meerane 417:342
4. LHV Hoyerswerda 510:407
5. NSG Westsachsen 463:474
6. Dresden/Heiden. 385:374
7. EHV/Nickel. Aue II 377:416
8. Riesa/Oschatz
357:412
9. Koweg Görlitz
359:472
10. Rottl./Limbach-O. 400:492
11. Böhlen
341:459
12. Oelsnitz/Oberlosa 314:477
30: 0
24: 6
24: 6
20:10
15:15
14:14
12:18
12:18
11:17
6:24
4:24
4:24
Bezirksliga männliche Jugend D
1. EHV/Nickel. Aue 458:159
2. Rottl./Limbach-O. 365:225
3. NSG Westsachsen 246:228
4. Oelsnitz/Oberlosa 247:302
5. HSG Freiberg
247:345
6. Weißenborn
214:280
7. EHV/Nickel. Aue II 244:333
8. HC Einheit Plauen 198:357
9. Fraureuth
0: 0
26: 2
24: 4
17:11
14:14
10:18
9:19
8:20
4:24
0: 0
Vogtlandpokal Männer
Oelsnitz II
- Rodewisch II
32:36
Klingenthaler Jubel in Oberhof und Hinterzarten
Deutschlandpokal, Contintental- und Alpencup,
Deutscher Schülercup –
der vogtländische Skisport-Nachwuchs war am
Wochenende gefordert. Es
gab einiges zu feiern.
VON PETER JANKA
OBERHOF — Beim Deutschlandpokal
der Langläufer in Oberhof sicherte
sich Lea-Annabell Storch vom VSC
Klingenthal am Sonntag im Freistilsprint der Altersklasse U 16 über
einen Kilometer den ersten Platz.
Das ist das bisher Ergebnis ihrer
Laufbahn. Tags zuvor sah die Welt
noch nicht so rosig aus, nachdem sie
im klassischen Stil über 7,5 km auf
einer sehr anspruchsvollen Strecke
völlig einbrach und sich am Ende
des Feldes einreihen musste. Im
Herbst noch von einer verschleppten Grippe stark in der Vorbereitung
beeinträchtigt, kommt die 14-Jährige immer besser in Schwung. Lisa
Dotzauer musste sich in der U 18 im
Halbfinale des Sprints im Fotofinish
knapp geschlagen geben und landete auf Rang 5. Am Samstag belegte
sie im klassischen Stil über 10 km
Platz 8. Beide trainieren am Stützpunkt in Oberwiesenthal.
Tim Seifert vom VSC Klingenthal
konnte sich beim Schülercup am
Sonntag in U 14 in der freien Technik über 5 km über einen dritten
Platz freuen. Niklas Müller vom VfB
Schöneck wurde Elfter. Im Sprint
am Samstag wurde Seifert 14.
Großartig präsentierten sich zum
wiederholten Male die Klingenthaler Kombinierer im Deutschen
Schülercup der Altersklasse 15. In
Hinterzarten feierten sie am Freitag
im Supersprint einen Dreifacherfolg. Nick Siegemund gewann vor
Jeremy Ziron und Luca Schönherr.
Tags darauf im Einzel wurde Siegemund Zweiter und Schönherr Dritter, ebenso wie beim GundersenWettkampf am Sonntag. Ziron
musste bei beiden Rennen wegen einer Verletzung an der Achillesferse
passen. Die Gesamtwertung führt
Schönherr vor Siegemund an, die
Konkurrenz folgt mit großem Rückstand. Ziron ist Sechster.
Auch beim Alpencup in Slowenien setzten sich die Kombinierer aus
Sachsen hervorragend in Szene.
Gesprungen wurde in Kranj, gelaufen in Pokljuka. Terence Weber aus
Geyer übernahm dort nach dem
Gundersen-Wettkampf am Samstag,
den er auf Platz 3 beendete, die Führung in der Gesamtwertung. Philipp
Mauersberger wurde Zwölfter, Martin Hahn 20., Hans Neubert 25., Tim
Kopp 31. und Sebastian Voigt (alle
Bundesstützpunkt Klingenthal) 36.
Tags darauf baute Weber mit dem
Sprintsieg die Gesamtführung aus.
Mauersberger wurde 10., Hahn 17.,
Kopp 19., Voigt 28. und Neubert 35.
Trainer Uwe Schuricht lobt vor
allem die Leistung Kopps, der deutlich jünger als die meisten Konkurrenten ist.
Rang 8 und 17 für Paul Hanf waren die beste Platzierungen der Klingenthaler Kombinierer beim Continentalcup in Ramsau (Österreich),
wo zwei Gundersen-Rennen ausgetragen wurden. David Welde wurde
16. und 30., Dominik Schwaar zweimal 23., Tom Lubitz 29. und 39. Diese vier sowie Terence Weber und
Philipp Mauersberger vertreten
Sachsen am Wochenende beim
Continentalcup in Klingenthal.
Lea-Annabell Storch feierte mit dem
Sprintsieg in Oberhof den größten
Erfolg ihrer Karriere.
FOTO: PRIVAT
SPORT
Dienstag, 17. Februar 2015
SKI ALPIN
Weltmeisterschaft
in Beaver Creek (USA):
Männer, Slalom: 1. Grange (Frankreich)
1:57,47 min (1:04,26 min; 53,21 s), 2. Dopfer (Garmisch) 1:57,82 (1:04,31; /53,51), 3.
Neureuther
(Partenkirchen)
1:58,02
(1:04,47; 53,55), 4. Kristoffersen (Norwegen) 1:58,04 (1:04,64; 53,40), 5. Hargin
1:58,09 (1:04,23; 53,86), 6. Myhrer 1:58,21
(1:04,04; 54,17), 7. Larsson (alle Schweden)
1:58,47 (1:05,15; 53,32), 8. Choroschilow
(Russland) 1:58,94 (1:03,66; 55,28), 9. FossSolevåg (Norwegen) 1:59,78 (1:05,61;
54,17). 10. Strasser (München) 1:59,85
(1:05,67; 54,18), 17. Schmid (Oberstaufen)
2:00,97 (1:06,35; 54,62).
FUSSBALL
Freie Presse
Medaillen für Chemnitzer keine Utopie
Bei der Bahnrad-WM, die
von morgen bis Sonntag in
Saint-Quentin-en-Yvelines
nahe Paris stattfindet,
besitzen Joachim Eilers,
Stefan Bötticher, Kristina
Vogel sowie Maximilian
Levy beste Chancen,
weit vorn zu landen.
Bundesliga
Frauen, 14. Spieltag: Frankfurt – Potsdam
5:1, Freiburg – Duisburg 2:2, Hoffenheim –
München 1:2, Wolfsburg – Leverkusen 5:0, Essen – Sand 2:2.
1. VfL Wolfsburg
14 39: 1 38
2. Bayern München
14 41: 5 36
3. FFC Frankfurt
14 49:12 31
4. Turbine Potsdam
14 36:19 31
5. SGS Essen
14 19:20 18
6. SC Freiburg
14 19:37 16
7. TSG Hoffenheim
14 13:24 15
8. USV Jena
13 17:22 14
9. Bayer Leverkusen
14 14:30 13
10. SC Sand
14 17:30 11
11. MSV Duisburg
14 10:35
8
12. Herforder SV
13 13:52
2
Regionalliga
A-Junioren: Energie Cottbus – SSV Markranstädt 5:0. B-Junioren: Viktoria Berlin – Hansa
Rostock 2:3.
Landespokal
A-Junioren, Viertelfinale: SG Weixdorf –
Chemnitzer FC 1:3.
Landesklasse: B-Junioren: SpG Chemnitz
(Reichenhain/Bernsdorf/Blau-Weiß) – SpG
Strehla/Canitz/Röderau 7:2.
VOLLEYBALL
VON MARTINA MARTIN
CHEMNITZ — Trotz Vorstartfiebers
bestens gelaunt, meldeten sich die
Sprintasse des Chemnitzer PSV gestern aus dem WM-Austragungsort
bei „Freie Presse“. „Ich kann es kaum
erwarten, am Mittwoch den Gashahn wieder voll aufzudrehen“,
schrieb Joachim Eilers über den
Nachrichtendienst
WhatsApp.
Auch Stefan Bötticher meinte auf
gleichem Weg: „Ich bin schon gespannt und freue mich, wenn es
endlich losgeht.“ Beide berichteten
unisono, dass sie sich gerüstet und
stark in Form fühlen. Und wenn sie
in den entscheidenden Momenten
ihr Leistungsvermögen abrufen,
was ihnen bei ihren bisherigen
WM-Auftritten fast immer gelang,
dann sollte in Richtung Spitzenplätze einiges möglich sein.
3. Liga Ost
Männer: Friedberg- Hammelburg 2:3, Gotha Marktredwitz 2:3, Neumarkt - München 3:1.
Regionalliga Ost: Frauen: Chemnitz II - VJ
Thüringen 3:0, Borna - Lichtenstein 3:1, VJ
Thüringen - Weimar 3:2.
Sachsenklasse West: Frauen: Adelsberg VSV Oelsnitz 3:0.
Maximilian
Levy
Bahnradsprinter
FOTO: IMAGO
BADMINTON
Regionalliga
Zwenkau - Nürnberg 1:7, - Marktheidenfeld
4:4, Leipzig - Marktheidenfeld 4:4, - Nürnberg
5:3, Gittersee - Bamberg 3:5, - Marienberg
6:2, Dresden - Marienberg 6:2, - Bamberg 4:4.
Abschlusstabelle:
1. TV Marktheidenfeld
74:38 23: 9
2. DHfK Leipzig
67:45 20: 8
3. TSV Dresden
59:53 15:13
4. ESV Flügelrad Nürnberg 59:53 15:13
5. SG Gittersee
59:53 15:13
6. BV Bamberg
44:68 10:18
7. BV Zwenkau (Absteiger) 44:68
7:21
8. BV Marienberg (Abst.)
44:68
7:21
HOCKEY
Joachim Eilers nennt dabei ganz
klar sein Ziel: „Mein Traum ist es,
mindestens ein Trikot zu erkämpfen.“ Denn das begehrte Regenbogentrikot, das jeder Weltmeister erhält, fehlt noch in seiner Sammlung.
Der 24-Jährige startet seit 2010 zum
sechsten Mal in Folge bei einer WM.
Als wertvollste Ergebnisse stehen
bislang Silber (2014) und Bronze
(2013) – jeweils im 1000-m-Zeitfahren – zu Buche. Erstmals hat er dabei
drei Möglichkeiten. Als amtierender
Europameister im Keirin besitzt er
automatisch in dieser Disziplin
einen persönlichen Startplatz, im
Die Sprinter Joachim Eilers (links) und Stefan Bötticher werden beim Chemnitzer PSV von den Trainern Ralph Müller
FOTO: KRISTIN SCHMIDT
und Andreas Hirschligau betreut.
Kristina Vogel möchte auch 2015
wieder jubeln. FOTO: LEONARDO MUNOZ/DPA
nichtolympischen Zeitfahren konnte er sich erneut gegen die nationale
Konkurrenz behaupten.
Zudem darf er endlich seine Premiere im Teamsprint (mit René Enders und Robert Förstemann) bestreiten. Im bisherigen Saisonverlauf hatte er bei Weltcups und der
EM stets Topzeiten gebracht. Bereits
im vergangenen Winter konnte er
ähnlich glänzen, Bundestrainer Detlef Uibel hatte sich dennoch für den
routinierten Maximilian Levy entschieden. „Das war damals deprimierend für mich, denn schon da
war ich der Beste auf Position drei“,
erinnert sich der dreifache Europameister. Aber dieses Mal ging kein
Weg an ihm vorbei. Uibel legte sich
vor wenigen Tagen fest. „Joachim
Eilers ist sicher der Aufsteiger der
Saison. Er hat auch die nötige Konstanz gezeigt“, begründete der Coach
mit der großen Hoffnung, dass sich
das deutsche Trio nach Silber 2014
Gold zurückholt.
Stefan Bötticher hatte diesen, bislang letzten Triumph 2013 miterkämpft. Liebend gern wäre er natürlich auch dieses Mal wieder an den
Start gegangen. Doch aus krankheits- und verletzungsbedingten
Gründen (bakterielle Infektion,
muskuläre Probleme), die ihn mehr-
mögens gewann er in der klassischen Disziplin 2013 überraschend
Gold und 2014 trotz Problemen in
der Vorbereitung Silber.
Kristina Vogel, die für das Chemnitzer Erdgasteam fährt, avancierte
bei der WM 2014 in Cali zur überragenden Sprinterin. Drei Regenbogentrikots (Sprint, Keirin, Teamsprint mit Miriam Welte) hatte die
Erfurterin auf der Rückreise im Gepäck. Sie konnte sich aktuell optimal vorbereiten und ist guter Dinge.
„Ich bin auf jeden Fall die Gejagte,
noch mehr als zuvor. Aber ich gebe
wie immer mein Bestes“, sagte die
24-jährige Frohnatur. Gestern posteten sie und ihr Teamgefährte Maximilian Levy noch ein gemeinsames
Foto aus Frankreich an die Fans. Bei-
de machten vor dem Schloß Versailles während einer Trainingsfahrt
in bester Stimmung kurz Station.
Der Cottbuser ist dabei froh,
überhaupt seine zehnten Titelkämpfe in Angriff nehmen zu können. Bei der WM 2014 hatte er sich
bei einem Sturz im Keirinfinale das
Schlüsselbein gebrochen. Eine
schwierige Zeit, in der er allein dreimal operiert wurde und es immer
wieder Entzündungen sowie Rückschläge gab, folgte. Stück für Stück
tastete er sich wieder heran. In seiner Paradedisziplin Keirin (u. a.
WM-Erster 2009 und Olympiazweiter 2012) will er nun alles versuchen.
„Eine Medaille wäre eine Belohnung
nach diesem Jahr der Leiden“, blickte der 27-Jährige voraus.
(Unna), Nils Schomber (Neuss), Kersten Thiele (Sinsheim), Dominic Weinstein (Villingen), Anna Knauer (Rottal), Mieke Kröger (Bielefeld), Tanja
Paller (Lenggries), Stephanie Pohl
(Cottbus), Gudrun Stock (München).
Zeitplan: Mittwoch: 20.40 Uhr:
Punktefahren (Frauen), 21.15: Teamsprint (F); 21.35: Teamsprint (Männer). Donnerstag: 19 Uhr: Zeitfahren
(F), 20.15: Mannschaftsverfolgung (F),
20.45: Keirin (M), 21.05: Scratch (M),
21.40: Mannschaftsverfolgung (M),
Freitag: 19 Uhr: Zeitfahren (M), 20.15:
Punktefahren (M), 21.45: Einerverfolgung (F); Sonnabend: 19.10: Scratch
(F), 19.55: Omnium (M); 20.55: Einerverfolgung (M), 21.20: Sprint (F);
Sonntag: 14.10: Omnium (F), 15.25:
Keirin (F), 15.45: Madison, 16.40:
» www.tissottiming.com
Sprint (M).
BASKETBALL
EISHOCKEY
Bundesliga
DEL
Frauen, 18. Spieltag: Marburg - Oberhausen
69:53 (34:20), Rotenburg-Sch. - Donau-Ries
77:65 (44:41), Bad Aibling - Freiburg 56:74
(24:30), Langen - Halle 52:66 (24:40), Saarlouis - Chemnitz 73:60 (34:30), Wasserburg Herne 82:66 (38:41).
1. TSV Wasserburg
1477:1083
36
2. TV Saarlouis
1328:1168
28
3. Herner TC
1302:1138
28
4. BG Donau-Ries
1278:1202
22
5. Rotenburg-Scheeßel 1295:1256
20
6. SV Halle
1171:1179
20
7. USC Freiburg
1184:1245
18
8. BC Marburg
1096:1202
14
9. Chem-Cats Chemnitz 1182:1359
10
10. RMB Langen
1151:1316
8
11. NB Oberhausen
1216:1305
8
12. TuS Bad Aibling
1054:1281
4
47. Spieltag: Berlin - Nürnberg 3:2 n. P. (0:0,
1:0, 1:2), Augsburg - Schwenningen 5:2 (3:1,
0:1, 2:0), Ingolstadt - Köln 5:3 (0:1, 5:1 ,0:1),
Krefeld - Hamburg 3:2 n. V. (1:0, 1:0, 0:2),
Straubing - Iserlohn 4:1 (2:0, 1:1, 1:0), Düsseldorf - Wolfsburg 3:1 (1:0, 1:1, 1:0), München - Mannheim 1:3 (1:1, 0:1, 0:1).
1. Adler Mannheim
46 159: 109 97
2. EHC München
47 149: 114 86
3. ERC Ingolstadt
47 161: 140 86
4. Hamburg Freezers
47 152: 137 81
5. Düsseldorfer EG
47 141: 136 79
6. Iserlohn Roosters
47 161: 134 77
7. Eisbären Berlin
47 147: 125 74
8. GA Wolfsburg
47 139: 128 72
9. Nürnberg Ice Tigers 47 154: 136 71
10. Krefeld Pinguine
46 135: 155 64
11. Kölner Haie
47 112: 134 64
12. Augsburger Panther 47 130: 172 50
13. Straubing Tigers
46 99: 151 45
14. Schwenninger WW
46 95: 163 35
fach seit November plagten, bekam
er kaum Möglichkeiten, seinen Platz
(Position 2) bei der internen Konkurrenz zu erobern. Als die Auswahl im
Januar zum Vorbereitungslehrgang
in Kapstadt weilte, musste er ebenso
passen, um sich in Chemnitz einer
intensiven Zahnbehandlung zu unterziehen. „Im Training hat ,Bötti’
zwar zuletzt mit seinen Zeiten überzeugt und Detlef Uibel ins Grübeln
gebracht. Aber er ist wohl bei seiner
Entscheidung geblieben“, meinte
Heimcoach Ralph Müller, dem bis
gestern keine andere Information
vorlag. Ungeachtet dessen ist Stefan
Bötticher in der Lage, sowohl im Keirin als auch im Sprint in die Spitzenränge zu fahren. Auch dank seines
außergewöhnlichen taktischen Ver-
Aufgebot und Service zur WM
Deutsches Aufgebot: Kurzzeit: Stefan Bötticher, Joachim Eilers (beide
Chemnitzer PSV), Kristina Vogel (Erfurt); Maximilian Levy (Cottbus/beide
Erdgasteam Chemnitz),Miriam Welte
(Kaiserslautern), Eric Engler (Cottbus), René Enders (Erfurt), Robert
Förstemann (Gera).
Ausdauer: Maximilian Beyer, Henning Bommel, Theo Reinhardt, Charlotte Becker (alle Berlin), Lucas Liss
Regionalliga Ost
Männer: Meerane – Jena 14:3, Königs Wusterhausen – Potsdam 5:16, RvC Berlin – Köthen
14:10, Spandau – Berliner SV 4:6.
1. SV Motor Meerane
13 100: 54 29
2. Potsdamer SU
13 112: 70 29
3. Berliner SV
13 98: 64 27
4. Real v. Chamisso Berlin 13 116: 102 27
5. CHC Köthen
13 92: 90 16
6. Spandauer HTC
13 87: 90 14
7. SSC Jena
13 62: 103 4
8. Königs Wusterhausen 13 58: 133 4
Oberliga: Frauen, Staffel B: Leipziger SC –
Meerane 2:4, Osternienburg II – Leuna 2:2,
Dresden II – HCLG Leipzig II 2:8, Leipziger SC –
Osternienburg II 3:0, Dresden II – Meerane
0:6, Leuna – HCLG Leipzig II 2:2.
LEICHTATHLETIK
HANDBALL
International
Europapokal der Pokalsieger: Frauen, Achtelfinale: Lok. Zagreb - HSG Blomberg-Lippe
17:27 (6:14); Blomberg-L. - Zagreb 24:20
(15:10); Blomberg-L. im Viertelfinale
Champions League: Männer, Gr. A: THW Kiel
- Metalurg Skopje 35:16 (17:3); Gr. C: Medwedi Tschechow - RN Löwen 26:32 (14:18).
Frauen, Gr. 1: HC Leipzig - Thüringer HC
25:34 (11:14).
EHF-Pokal: Männer, Gr. C: FC Porto - Füchse
Berlin 20:26 (12:14); Gr. D: MT Melsungen Guif Eskilstuna 31:27 (16:14); Frauen, Achtelfinale, Rückspiel: Buxtehuder SV - Bayer
Leverkusen 34:29 (16:16); Hinspiel: 29:31;
Buxtehude damit im Viertelfinale.
2. Bundesliga
Deutsche Jugendmeisterschaft
in Neubrandenburg: U 20: männlich: 60 m
Hürden: 1. Elger 7,80 m. Drei: 2. Bauer (beide LAC Chemnitz) 14,99. Diskus: 2. Klaus
58,95, 6. Zeuke 54,36. weiblich: Kugel: 6.
Schmidt 13,97. Diskus: 4. Schmidt 43,67.
Hammer: 4. Hoffmann 48,49. U 18 männlich: Hammer: 5. Thalhäuser (alle LV Erzgebirge) 57,57.
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KONTAKTE
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Männer, 23. Spieltag: Emsdetten - Bittenfeld
24:22 (11:9), Saarlouis - Neuhausen/E. 23:20
(10:9), Eisenach - Hildesheim 37:30 (20:13),
Coburg - Leipzig 18:19 (9:10), Baunatal Hamm-W. 23:43 (12:20), Rostock - Rimpar
25:24 (11:13), Nordhorn-L. - Großwallstadt
30:23 (14:8), Aue - Essen 26:19 (10:10), Bad
Schwartau - Hüttenberg 26:20 (12:11).
1. DHfK Leipzig
671: 560 39: 7
2. TV Bittenfeld
661: 565 35:11
3. DJK Rimpar
588: 540 35:11
4. HSG Nordhorn-Lingen 593: 549 32:14
5. ASV Hamm-Westfalen 691: 635 30:16
6. HSC 2000 Coburg
639: 592 30:16
7. ThSV Eisenach
703: 613 29:17
8. TV Großwallstadt
618: 575 28:18
9. VfL Bad Schwartau
600: 577 25:21
10. EHV Aue
572: 543 24:20
11. TV Neuhausen/Erms 602: 574 21:25
12. TV Emsdetten
648: 667 21:25
13. HC Empor Rostock
622: 667 19:27
14. HG Saarlouis
604: 664 18:28
15. SV Henstedt-Ulzburg 588: 639 17:29
16. TuSEM Essen
545: 599 15:31
17. Bayer Dormagen
591: 666 15:31
18. Eintracht Hildesheim 576: 651 14:32
19. TV Hüttenberg
551: 621 8:38
20. Eintracht Baunatal
554: 720 5:43
Frauen, 18. Spieltag: Zwickau - Beyeröhde
28:26 (14:14), Halle-N. - Dortmund 34:29
(16:13), Rödertal - Nellingen 33:25 (15:11),
Rosengarten-B. - Neckarsulm 27:25 (13:15),
Allensbach - Haunstetten 25:28 (13:12),
Mainz - Bensheim/A. 29:28 (11:17), Herrenberg - Travemünde 30:24 (18:11).
1. Rosengarten-Buchholz 520: 444 29: 7
2. Borussia Dortmund
522: 436 28: 8
3. Sachsen Zwickau
475: 450 26:10
4. SU Neckarsulm
553: 503 25:13
5. Bensheim/Auerbach 468: 453 23:13
6. TV Nellingen
496: 470 22:14
7. Union Halle-Neustadt 509: 491 22:14
8. SG H-2-Ku Herrenberg 450: 444 16:20
9. HC Rödertal
462: 468 15:21
10. FSV Mainz 05
479: 500 15:21
11. TV Beyeröhde
495: 512 13:23
12. TSV Haunstetten
418: 479 13:23
13. SV Allensbach
439: 536 4:32
14. TSV Travemünde
408: 508 3:35
Staßfurt 51:33, Plauen - Grubenlampe 26:24,
Aschersleben - Oebisfelde 34:29, Burgenland
- Radis 25:24, Spergau - Halle 33:45.
1. HC Glauchau/Meerane 534: 492 28: 6
2. HC Einheit Plauen
497: 441 24:10
3. USV Halle
571: 519 24:10
4. HSG Freiberg
758: 703 20:14
5. HC Burgenland
573: 550 20:14
6. SV Hermsdorf
507: 484 20:14
7. TuS Radis
512: 479 19:15
8. HV Rot-Weiß Staßfurt 565: 566 18:16
9. HC Aschersleben
519: 526 15:19
10. HSG Go-Go Hornets
489: 501 15:19
11. ZHC Grubenlampe
482: 473 14:20
12. HSG Werratal
516: 618 9:25
13. SG Spergau
525: 608 7:27
14. SV Oebisfelde
532: 620 5:29
Frauen: Neustadt - Hoyerswerda 25:24,
Markranstädt - Thüringer HC II 34:29, Magdeburg - Rödertal II 32:34, Burgenland - Niederndodeleben 34:37.
1. SC Markranstädt
417: 332 24: 2
2. SG HV Chemnitz
324: 296 17: 7
3. TSV Niederndodeleben 332: 327 15: 9
4. HC Burgenland
346: 329 14:10
5. Magdeburg-Olvenstedt 350: 347 13:11
6. SV Koweg Görlitz
325: 316 10:14
7. HC Rödertal II
377: 388 10:16
8. Thüringer HC II
302: 304 8:14
9. SC Hoyerswerda
315: 356 5:19
10. HC Neustadt-Sebnitz 215: 308 4:18
Mitteldeutsche Oberliga
Sachsenpokal
Männer: Hermsdorf - Go-Go Hornets 30:19,
Glauchau/M. - Werratal 36:25, Freiberg -
Männer, Halbfinale: TSV Radeburg - SV Plauen-Oberlosa 24:21.
Regenstauf - DJK Effeltrich 3:9, SV Schott Jena
- SpVgg Thalkirchen 9:4.
Frauen: SV Schott Jena - Lok Pirna 8:4, Lok
Zwickau - TTC Birkland 3:8, VfB Lengenfeld TTC Birkland 3:8, Leutzscher Füchse II - Lok
Zwickau 8:5.
Leipzig - ABS Aue 8:8, TTV Burgstädt - Elbe
Dresden 13:2, TTC Holzhausen II - MSV Bautzen 8:8.
Frauen: Unikl. Dresden - TTV Hohndorf 3:8,
TTC Großpösna - TTV Holzhausen 2:8, Elbe
Dresden II - SV Dresden-Mitte II 1:8, Motor
Wilsdruff - TTV Hohndorf 3:8, SV Dresen-Mitte
II - TTC Großpösna 8:5, TTC Neukirch - TSV
Falkenau 3:8.
TISCHTENNIS
3. Bundesliga
Frauen: Süßen - Sindelfingen 6:1, Schwabhausen II - Chemnitz 6:2, Süßen - Schwabhausen II 6:1, Langweid - Chemnitz 6:1, Weil Hofstetten 6:2.
1. TTC Langweid
81:27 25: 3
2. ESV Weil
76:36 23: 5
3. TTG Süßen
64:37 18: 6
4. TSV Schwabhausen II
68:54 17:13
5. TTF Frankenthal
57:42 15: 9
6. Saarlouis-Fraulautern 42:49 10:12
7. BSC Rapid Chemnitz
41:60
8:16
8. VfL Sindelfingen
42:72
7:21
9. TV Hofstetten
38:70
7:21
10. TTC HS Schwarza
10:72
0:24
Oberliga Mitte
Männer: Med. Magdeburg - SV Dresden-Mitte
9:1, MSV Hettstedt - TTV Schwarzenberg 9:1,
Elektr. Gornsdorf - Post Zeulenroda 9:6, Med.
Magdeburg - TTV Schwarzenberg 9:3, MSV
Hettstedt - DJK Biederitz 7:9.
Frauen: Sponeta Erfurt - Elbe Dresden 8:4,
TTC Schwarza II - Elbe Dresden 7:7, Aufbau
Schwerz - TTC Schwarza II 2:8.
Regionalliga Süd
Sachsenliga
Männer: SSV Schlotheim - SpVgg Thalkirchen
9:3, SV Schott Jena - SR Hohenstein-E. 9:4, TB
Männer: Rot. Süd Leipzig - MSV Bautzen 5:10,
TTC Holzhausen II - ABS Aue 11:4, Rot. Süd
Landesliga
Männer: TSV Penig - MSV Bautzen III 12:3, SR
Hohenstein-E. II - MT Wilkau-Haßlau 12:3.
Bezirksliga: Dresden: Männer: TTV Oederan
- TSV Radeburg II 7:9.
2. Bezirksliga: Chemnitz: Staffel Ost: SV
Großrückerswalde - GW Niederwiesa 6:9
Dresden: Staffel 1: Motor Mickten II - SV Mulda 11:4.
2. Bundesliga Pro A
Männer, 22. Spieltag: Essen - Baunach 78:63
(42:35), Paderborn - Nürnberg 59:76
(35:45), Leverkusen - Vechta 68:55 (29:26),
Hamburg - Cuxhaven 89:71 (46:44), Heidelberg - Jena 56:97 (29:57), Ehingen - Chemnitz 77:94 (45:43), Gotha - Kirchheim 72:64
(33:32), Würzburg - Gießen 75:54 (36:23).
1. Würzburg Baskets
1893:1566
40
2. Nürnberger BC
1872:1624
32
3. Gießen 46-ers
1661:1521
30
4. BIG Gotha
1666:1542
28
5. ETB Baskets Essen
1668:1608
26
6. Hamburg Towers
1720:1729
26
7. USC Heidelberg
1697:1752
26
8. Science-City Jena
1848:1757
24
9. BV Chemnitz 99
1625:1747
18
10. SC Rasta Vechta
1610:1677
18
11. FC Baunach
1779:1737
18
12. VfL Kirchheim
1796:1885
18
13. Paderborn Baskets 1594:1695
16
14. Giants Leverkusen
1585:1665
14
15. Cuxhaven Bas-Cats 1503:1827
10
16. Erdgas Ehingen
1538:1723
8
2. Regionalliga: Männer, 4. Spieltag: Leipzig
Eagles - Science-City Jena II 75:93 (35:39).
Oberliga: Männer: BC Dresden - USC Leipzig
II 48:67 (28:35), Wurzen - Adelsberg 70:85
(29:43), SV Leipzig - BV Leipzig II 79:82
(46:43), Zittau - Plauen 58:78 (33:37), HSG
Dresden - Freiberg 80:75 (37:27); Frauen: BC
Dresden - Leipzig Lakers 30:67 (15:35).
Landesliga: Männer: Mittweida - Bautzen
80:48 (36:26), Sörnewitz - Adelsberg II 63:54
(28:20), Dresden Titans III - BV Chemnitz III
53:63, BC Dresden II - SSV Chemnitz 61:65
(27:33), Leipzig Lakers - BC Dresden III 80:76
(45:38); Bezirksliga: Männer: Lichtenstein ESV Chemnitz 58:71 (26:30).
DEL 2
48. Spieltag: Crimmitschau - Kaufbeuren 5:2
(2:1, 1:0, 2:1), Dresden - Frankfurt 1:5 (0:0,
1:3, 0:2), Landshut - Ravensburg 3:2 (1:1,
2:1, 0:0), Riessersee - Bietigheim 4:2 (1:1,
3:1, 0:0), Rosenheim - Bad Nauheim 4:3 n. P.
(0:3, 1:0, 2:0), Weißwasser - Kassel 2:4 (0:1,
2:2, 0:1), Heilbronn - Bremerhaven 1:2 (0:1,
1:1, 0:0).
1. Bietigheim Steelers 48 205: 134 108
2. Kassel Huskies
48 176: 125 88
3. Ping. Bremerhaven
46 156: 134 84
4. Löwen Frankfurt
47 193: 137 83
5. Ravensburg TS
48 168: 162 81
6. Starbulls Rosenheim 48 146: 133 78
7. EV Landshut
48 164: 156 76
8. SC Riessersee
48 146: 131 74
9. RT Bad Nauheim
48 158: 162 72
10. Lausitzer Füchse
47 171: 167 71
11. Dresdner Eislöwen
48 162: 177 70
12. EP Crimmitschau
48 168: 182 59
13. Heilbronner Falken
48 110: 207 31
14. ESV Kaufbeuren
48 113: 229 27
BILLARD-KARAMBOLE
Oberliga
Endrunde: SV Dresden - SG Meerane 5:11, SV
Pirna - TSV Leipzig 10:6, SG Meerane II - SC
Reichenbach 6:10, Chemnitzer BC - SG Meerane III 8:8.
SPORT
Freie Presse
FUSSBALL I
St. Pauli verliert
gegen Fürth 0:1
„Extrem schön“ – Dopfer und
Neureuther veredeln WM-Finale
HAMBURG — Schlusslicht FC St. Pauli
hat im Abstiegskampf der 2. Fußball-Bundesliga
einen
herben
Dämpfer hinnehmen müssen. Das
Team von Trainer Ewald Lienen verlor gestern Abend mit 0:1 (0:1) gegen
die SpVgg Greuther Fürth. Vor
22.383 Zuschauern am Hamburger
Millerntor beendete Kacper Przybylko mit seinem Treffer in der 27. Minute eine Fürther Serie von 573 Minuten ohne Tor. Während Fürth mit
26 Zählern auf Rang 13 der 2. Fußball-Bundesliga kletterte, bleibt St.
Pauli mit 17 Punkten Tabellenletzter. (dpa)
Mehrere Störenfriede
vom 6. Februar erhalten
Stadionverbot in Aue
FUSSBALL II
Hjulmand muss
in Mainz gehen
MAINZ — Die Tage von Kasper Hjul-
mand als Trainer des Fußball-Bundesligisten FSV Mainz 05 sind offenbar gezählt. Nach Informationen der
Fachzeitschrift „kicker“ soll der Däne heute entlassen werden. Sein
Nachfolger kommt mit Martin
Schmidt aus den eigenen Reihen.
Der Schweizer trainiert seit 2010 die
U23 der Rheinhessen. Unter dem
Dänen Hjulmand starteten die
Rheinhessen nach dem Aus in der
Europa-League-Qualifikation und
im DFB-Pokal gegen den Chemnitzer FC gut in die Bundesliga und legten eine Serie von acht Spielen ohne
Niederlage hin. Nach dem 2:1 gegen
den FC Augsburg am 18. Oktober
folgte aber die Wende im negativen
Sinn. Seitdem gelang Mainz nur
noch ein Sieg in 13 Spielen. (fp)
LEICHTATHLETIK
Elger mit Bestzeit
zum Meistertitel
NEUBRANDENBURG — Patrick
Elger
(LAC Chemnitz) ist deutscher Jugendmeister über 60 m Hürden. In
Neubrandenburg verwies er mit persönlicher Bestzeit von 7,80 s den
Dresdner Jonathan Petzke in 7,87 s
auf Rang zwei. Für die Leichtathleten aus der Region gab es zudem
zwei Silbermedaillen: Benjamin
Bauer (LAC) wurde im Dreisprung
der U 20 Zweiter und verfehlte mit
14,99 m die 15-m-Marke nur um einen Zentimeter. Maximilian Klaus
vom LV 90 Erzgebirge kam im Diskuswurf auf 58,95 m und sicherte
sich damit ebenfalls einen Podestplatz. (zps)
RADSPORT
Contador will 2016
Karriere beenden
MADRID — Der zweimalige Tour-de-
France-Sieger Alberto Contador will
Ende 2016 seine Radsport-Karriere
beenden. „Es war schon immer mein
Traum, mich auf dem Höhepunkt
meiner Laufbahn und nach dem Gewinn wichtiger Rennen aus dem
Profi-Sport zurückzuziehen“, sagte
der 32-Jährige der spanischen Zeitung „El Mundo“und betonte: „So
wie ich es jetzt sehe, bleiben mir
noch dieses und das nächste Jahr.“
Definitiv festlegen wolle er sich aber
nicht. (dpa)
FOTO: STEPHAN JANSEN/DPA
Ein tolles Team: die Medaillengewinner Felix Neureuther (r.) und Fritz Dopfer.
Zwei Medaillen im letzten
Rennen, drei insgesamt:
Die deutschen Skirennfahrer liefern auf der Zielgeraden der Alpin-WM in den
USA schließlich doch noch
die erhofften Resultate.
VON MAXIMILIAN HAUPT
UND MICHAEL BREHME
VAIL — Das schwarze T-Shirt mit
Champagner getränkt, in der Hand
ein Glas Weißbier: Bronze-Fahrer Felix Neureuther hat es auf der finalen
Jubel-Party im deutschen Haus richtig krachen lassen. „Ich denke, dass
ich echt sehr, sehr glücklich nach
Hause fahren kann“, sagte der 30Jährige bei der zünftigen Feier in
Vail, bei der neben Neureuther vor
allem auch Fritz Dopfer im Mittelpunkt stand. Der Silbermedaillengewinner blieb von einer SchampusDusche durch Trainer Mathias Berthold am späten Sonntagabend verschont, genoss aber jeden Moment:
„Das ist ein sehr schöner Abschluss
von zwei Wochen in Amerika, die
mir wohl immer im Gedächtnis
bleiben werden.“ Auch wenn es mit
einem Titel im dramatischen Slalom zum Abschluss der alpinen SkiWM nichts wurde, eine weltmeisterliche Verneigung aus der Heimat
gab es trotzdem. „Klasse Jungs, Silber und Bronze! Bärenstark, Fritz
und Felix! Was für ein Rennen!“,
twitterte Bastian Schweinsteiger.
Zwei deutsche Skirennfahrer auf
einem WM-Podest – das hatte es zuletzt vor 28 Jahren gegeben, als
Frank Wörndl den Slalom-Titel holte und Armin Bittner Dritter wurde.
„Ich bin ehrlich tief bewegt“, gestand der deutsche Alpindirektor
Wolfgang Maier. „Ich habe mir gedacht, wenn der eine draufsteht und
der andere runterfällt, das hätte eine
gewisse Bitternis gehabt, weil beide
eine extrem gute Saison fahren. Dieses Mal hatten wir mal das Glück,
dass der Hirscher ausgelassen hat.“
Netter Nebeneffekt: Das Ziel von
drei WM-Plaketten erreichte der
Deutsche Skiverband nach Silber
für Viktoria Rebensburg noch auf
den letzten Drücker.
„Wenn ich heute
wieder Vierter
geworden wäre,
hätte ich mich tief
eingebuddelt.“
Felix Neureuther WM-Dritter im Slalom
Das letzte Rennen der WM war an
Spannung und Dramatik kaum zu
überbieten. Erst als der große Favorit
und zur Halbzeit führende Österreicher Marcel Hirscher als letzter Star-
ter im Schneegestöber einfädelte
und ausschied, wurde Jean-Baptiste
Grange aus Frankreich zum Weltmeister, aus Dopfers Bronze wurde
Silber – und aus Neureuthers Beinahe-Blech Bronze. Papa Christian,
selbst einst erfolgreicher Skirennfahrer, stand mit Tränen in den
Augen hinter einer Bande und
machte Fotos.
„Wenn ich heute wieder Vierter
geworden wäre, das wäre Wahnsinn
gewesen. Da hätte ich mich tief eingebuddelt“, meinte sein Sohn – zwei
Tage zuvor hatte Felix Neureuther
im Riesenslalom eine Medaille als
Vierter verpasst. „Ich war auch echt
angespannt. Aber im Endeffekt: Ende gut, alles gut. Drei Deutsche unter den ersten zehn, das ist mannschaftlich ein richtig geiles Ergebnis. Da können wir alle sehr zufrieden sein“, sagte Neureuther. Linus
Strasser wurde starker Zehnter, zudem fuhr Philipp Schmid noch auf
Rang 17.
Über mangelnde Schulterklopfer
konnte sich auch Dopfer nicht beklagen beim stimmungsvollen Einmarsch zu „Tage wie diese“ in der
„Bully Ranch“. „Es ist extrem schön,
dass man einer der Hauptdarsteller
ist“, sagte der 27-Jährige. Dem beseelten Gesichtsausdruck nach zu
urteilen, konnte er seinen Erfolg aus
dem Torlauf von Beaver Creek noch
nicht fassen. Schon unmittelbar
nachdem Dopfer die erste Einzelmedaille seiner Karriere umhängen
hatte, blieb er sich und seiner nüchternen Art treu. „Ich bin nicht so ei-
ner, der da voll aus sich rausgeht.
Sondern eher einer, der das still genießt und extrem dankbar ist für solche Momente, die einem der Skisport auch geben kann“, sagte der
Sportler des SC Garmisch nach dem
finalen WM-Kraftakt.
Die Weltcup-Saison ist aber noch
nicht zu Ende. Im Endspurt um die
kleine Kristallkugel für den besten
Slalom-Fahrer der Weltcup-Saison
sieht Berthold seinen Schützling
Neureuther nun im Vorteil. Bei noch
zwei ausstehenden Rennen führt
der mit 66 Punkten Vorsprung auf
Hirscher. „Selbstvertrauen gibt das
auf alle Fälle. Diesen Slalom-Weltcup zu gewinnen, ist sicher ein großes Ziel“, sagte der Österreicher.
Neureuther meinte: „Es sind zwei
Rennen, da fängt es wieder bei null
an. Aber wenn du die WM verbockst
– es ist relativ knapp im SlalomWeltcup –, das würde das Ganze
nicht unbedingt einfacher machen.“
In Méribel Ende März gibt es also
womöglich die nächste Party – Alpinchef Maier jedenfalls gab sich zuversichtlich: „Der Felix hat jetzt
schon eine Serie, das ist der Hammer. Ich weiß nicht, wie viele Rennen das jetzt waren. Dass er jedes
Mal am Podium steht, das gibt ihm
schon ein bisschen Rückenwind für
die Kugel.“ (dpa)
EIN ZDF-VIDEO zu Siegen
und Dramen in Vail können
Sie aufrufen, wenn Sie den
Code mit dem Smartphone
scannen.
» www.freiepresse.de/vail
Ukraine-Trip mit mulmigem Gefühl
Das Spiel heute in der
Champions League gegen
Schachtjor Donezk ist für
den FC Bayern keines wie
jedes andere. Es findet in
einem Land statt, das ein
Krisenherd in Europa ist.
MOTORRAD-WM
Ducati präsentiert
neuen Prototypen
BOLOGNA — Die beiden Ducati-Piloten Andrea Dovizioso und Andrea
Iannone haben gestern in Borgo Panigale bei Bolgna die neuen Werksmaschinen für die Motorrad-WMSaison 2015 vorgestellt. Wie Ducati
mitteilte, wird das neue Motorrad
beim zweiten Sepang-Test Ende des
Monates debütieren. Die sichtbarsten Unterschiede zur Vorjahresversion sind im Bereich der Aerodynamik zu erkennen, dabei hat sie einen
neuen Lufteinlass erhalten und eine
schmalere Verkleidung bekommen.
Weitere technische Verbesserungen
bei der Elektronik und beim stufenlosen Getriebe enthalten, wie Manager Luigi Dall’Igna erklärte. (fp)
FCE reagiert
schnell und
verhängt
erste Strafen
LWIW — Ängstlich musste beim FC
Pep Guardiola beim Abschlusstraining in München. FOTO: PETER KNEFFEL/DPA
Bayern München keiner die fragwürdige Champions-League-Reise
in die Ukraine antreten – mit gemischten Gefühlen schon. Trainer
Guardiola sprach von einer „komischen Situation“, Weltmeister Thomas Müller bezeichnete es als „surreal“, heute (20.45 Uhr/Sky) im Ausweich-Spielort Lwiw (Lemberg) zum
Achtelfinal-Hinspiel gegen Schachtjor Donezk anzutreten. Einem Club,
dessen Heimat in einem Kriegsgebiet liegt. „Man fährt da nicht hin
und schaltet alles aus“, erklärte auch
Arjen Robben trotz der aktuellen
Feuerpause. „Das ist schon im Kopf.
Wir sind zwar Fußballspieler, aber
zuallererst Menschen.“ Und Fußball
ist nicht gerade das, was die Leute in
der krisengeplagten Ukraine gerade
zum Leben benötigen, auch nicht
im mehr als 1000 Kilometer von Donezk entfernten Lwiw im Westteil
des Landes. „Die Uefa hat entschieden, dass wir da spielen, wo wir jetzt
spielen. Das haben wir zu akzeptieren“, erklärte Bayern-Chef KarlHeinz Rummenigge. Immerhin mache die Waffenruhe den Ausflug ein
Stück entspannter: „Wir sind alle zufrieden, dass dieser Waffenstillstand
ausgehandelt worden ist.“
Der FC Bayern beschränkt seinen
Ukraine-Trip zeitlich auf das Nötigste. Das Abschlusstraining wurde
gestern noch in München absolviert; auch der zuletzt angeschlagene Xabi Alonso war dabei. Nach dem
Spiel geht es mit dem Charterflieger
direkt zurück, geplante Landung: in
München um 2.15 Uhr in der Nacht
zum Mittwoch. Für Kapitän Bastian
Schweinsteiger und seine Teamkollegen geht es trotz der ungewöhnlichen Bedingungen in erster Linie darum, einen Job zu erfüllen. „Die Situation dort ist anders, aber wir haben
ein Spiel zu spielen. Darauf muss die
Konzentration liegen“, sagte Nationalspieler Holger Badstuber. Das 8:0
gegen den Hamburger SV gibt Rückenwind. Aber Übermut hat es bei
Münchens Ballermännern nicht
ausgelöst. (dpa)
WEITERE SPIELE: Heute: Paris St. Germain
- FC Chelsea (20.45 Uhr/Sky). Mittwoch: FC
Schalke 04 - Real Madrid (ZDF und Sky), FC
Basel - FC Porto (Sky).
AUE — Beim
Fußball-Zweitligisten
FC Erzgebirge Aue geht es voran: in
sportlichen Belangen mit zwei Siegen in Folge und auch im Hinblick
auf die üblen Vorkommnisse beim
Heimspiel gegen RB Leipzig. Wie die
Auer gestern in einer Stellungnahme mitteilten, wurden erste harte
Strafen verhängt. „Der Verein hat
bereits namhaft gemachte Störer
sanktioniert. Nach akribischen Ermittlungen wurden erste Stadionverbote verhängt“, teilte der FCE
mit. Über die genaue Anzahl der Betroffenen wurden mit dem Verweis
auf ein laufendes Verfahren keine
weiteren Aussagen gemacht. Soweit
weitere Täter ausfindig gemacht
werden, drohen aber auch ihnen
Stadionverbote.
In einer Stellungnahme gegenüber dem Kontrollausschuss des
Deutschen Fußball-Bundes (DFB)
bedauerte der Klub die Zwischenfälle vom 6. Februar nochmals. Während des Spiels hatten einige Fans
kurzzeitig ein Transparent hochgehalten, auf dem RB-Mäzen Dietrich
Mateschitz in Nazi-Uniform zu sehen war. Auf einem Banner stand:
„Ein Österreicher ruft und ihr folgt
blind, wo das endet, weiß jedes Kind.
Ihr wärt gute Nazis gewesen!“
Nach Einschätzung des Vereins
und von Fachleuten hatten die Vorkommnisse keinen rechtsradikalen
Hintergrund. „Das rechtfertigt das
Geschehen jedoch in keiner Weise“,
teilten die Veilchen mit. Und weiter
hieß es: „Die Banner und das Transparent, das Herrn Mateschitz zeigt,
verunglimpfen Herrn Mateschitz
bzw. die Anhänger von RB Leipzig in
strafbarer Weise, weil sie diese mit
den einzigartigen Verbrechen der
Zeit des Nationalsozialismus in Verbindung bringen.“
Mit den Stadionverboten reagierten die Auer schnell auf die Vorkommnisse, die deutschlandweit
für Aufsehen gesorgt hatten. Das
konsequente Vorgehen, welches
auch Präsident Helge Leonhardt gefordert hatte, und der Fakt, dass die
Fans der Erzgebirger bisher kaum
für negative Schlagzeilen gesorgt
hatten, sprechen für den Verein. Die
Auer müssen dennoch mit einer
hohen Geldstrafe rechnen, im
schlimmsten Fall droht ein Spiel unter Ausschluss der Zuschauer. (fp)
DYNAMO DRESDEN
Trainer Stefan Böger
beurlaubt
DRESDEN — Fußball-Drittligist Dyna-
mo Dresden hat sich von Trainer
Stefan Böger (Foto) getrennt. Das
gab der Verein gestern Abend nach
einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung bekannt. Das Gremium
stimmte dem Vorschlag der Geschäftsführung einstimmig zu. Der
Tabellenachte hatte nach der Winterpause drei Niederlagen in Folge
kassiert und dadurch den Anschluss an die Spitzengruppe verloren. „Diese Personalentscheidung
ist das Ergebnis einer eingehenden Analyse der sportlichen Entwicklung in den letzten
Monaten, aber auch der aktuellen Situation“, sagte Sportdirektor Ralf
Minge. Über einen möglichen Nachfolger will der Verein heute auf einer
Pressekonferenz informieren. Der
48-jährige Böger hatte im vergangenen Sommer nach dem Abstieg unter Olaf Janßen eine neuformierte
Truppe übernommen und sollte daraus langfristig eine schlagkräftige
Mannschaft für den Wiederaufstieg
formen. Dies traut der Verein ihm
scheinbar nicht mehr zu. Zuletzt
verlor Dynamo in Kiel 0:1. (dpa)
FOTO: MATTHIAS HIEKEL/DPA
NACHRICHTEN
Dienstag, 17. Februar 2015
KULTUR & SERVICE
Freie Presse
Dienstag, 17. Februar 2015
Seite A1
Fernsehen
Komödie: Zwei
sehr verschiedene Familien
stranden auf
Mauritius. S. A3
Die Defekte in der Demokratie
NACHRICHTEN
THE ATER
Treffen der
Landesbühnen
RADEBEUL — Im März ist Radebeul
Gastgeber der 16. Deutschen Landesbühnentage. Das Festival entstand 1981 und findet alle zwei bis
drei Jahre an wechselnden Standorten statt. Wie die Landesbühnen
Sachsen mitteilten, sind vom 15. bis
29. März unter dem Motto „Treffpunkt Familie“ Produktionen von
18 Landesbühnen zu sehen, darunter aus Esslingen, Halberstadt, Detmold, Stendal, Hildesheim, Eisleben,
Memmingen und Tübingen. Die
Landesbühnen Sachsen beteiligen
sich mit einer Premiere an dem Festival: Am 21. März kommt das Musiktheater „Parthenogenesis“ von
James MacMillan auf die Bühne.
» www.landesbuehnentage.de
(dpa)
KLASSIK-STIFTUNG
Cranach und
die Reformation
WEIMAR — Die
Weimarer KlassikStiftung stellt dieses Jahr die Malerfamilie Cranach in den Mittelpunkt
ihrer Vorhaben. Mit der Jahresausstellung „Bild und Botschaft“ im
Schillermuseum solle die entscheidende Bedeutung von Thüringen
und der Residenzstadt Weimar für
die Reformation und deren Bildgebung verdeutlicht werden, sagte gestern Stiftungspräsident Hellmut
Seemann. Für den Herbst kündigte
er den Baustart für das seit Jahren geplante neue Bauhaus-Museum an.
» www.klassik-stiftung.de
(epd)
HOLLYWOODSCHAUSPIELER
Louis Jourdan
gestorben
PARIS — Hollywoods Charmeur Lou-
FOTO: IMAGO
is Jourdan ist tot. Der aus Marseille
stammende Schauspieler, der unter
anderem in „James
Bond 007 – Octopussy“ (1983) zu sehen war, starb am
Samstag im Alter
von 93 Jahren in Beverly Hills, wie sein
offizieller Biograf
Olivier Minne berichtete. Jourdan
(„Gigi“) sei der letzte „French Lover“
Hollywoods gewesen, erklärte Minne. Jourdan war in etwa 80 Film- und
Fernsehrollen zu sehen. Seit längerem lebte Jourdan zurückgezogen.
Seine letzte größere Rolle – in „Das
Jahr des Kometen“ – liegt mehr als
zwei Jahrzehnte zurück. (dpa)
Noch vor dem Erscheinen
des Buches „Hart auf
hart“ in den USA stellte es
der exzentrische Kalifornier T. C. Boyle bei einer
Lesung in Leipzig vor –
und begeisterte sein
Publikum.
Die britische Krimi-Queen
Ruth Rendell wird heute
85 Jahre alt
VON TERESA DAPP
VON ULRICH STEINMETZGER
war Leipzigs
Buchmessechef Oliver Zille stolz auf
so einen Start des Mammutprogramms von „Leipzig liest“, das am
Sonntagabend zum nachdrücklichen Vorglühen auf die Buchmesse
mit etwa 3000 Veranstaltungen
wurde. Er begrüßte „die Glücklichen
der ersten Nacht“, versprach einen
frischen Autor, dem er nach dem ersten, eher braven Beifall dann noch
einen deutlich frenetischeren herbeimoderierte. T. C. Boyle winkte
entspannt in die Gemeinde, die er
auf Deutsch begrüßte, um dann die
Inspiration für den Titel der amerikanischen Originalausgabe seines
15. Romans „The Harder They Come“ singend von Jimmy Cliffs Reggae-Song herzuleiten.
Ja, „Romane sind wie Rockkonzerte: Entweder bringst du die Leute
zum Tanzen, oder sie feuern dir Bierdosen an den Kopf“, postulierte Boyle einst. Insofern war das komplett
ausverkaufte Werk 2 genau der richtige Ort. Dies war der erste öffentliche Auftritt des Kultautors mit seinem neuen Buch „Hart auf hart“ –
nicht daheim, sondern dort, wo er so
gemocht wird. Warum, fragt Moderator Joachim Scholl vom Deutschlandradio Kultur. „Wenn ihr mich
liebt, liebe ich euch auch“, ist die lapidare Retourkutsche.
Boyle ist im Gespräch ein Meister
der treffsicheren Antworten. „Das
Beste, was man erreichen kann, ist
es, das Schlechteste zu vermeiden“,
beruft er sich auf Italo Calvino,
nachdem er erklärt hat, in seinem
Frank-Lloyd-Wright-Haus im kalifornischen Montecito bei Santa Barbara ersetze der Hund die Waffen.
Um Waffenbesitz, Selbstjustiz und
wieder einmal um die amerikanische Seele geht es in seinem neuen,
richtig guten Buch. Dem Motto von
D. H. Lawrence zufolge ist diese Seele „hart, einzelgängerisch, stoisch
und ein Mörder“. Und wieder einmal ist es, als würde die reale Welt
Boyles gesteigerten Szenarien
Schritt für Schritt ähnlicher.
LEIPZIG — Natürlich
Unterstreicht das Gelesene mit weit ausgreifenden Händen: T. C. Boyle.
Alternierend liest er mit Michael
Pempelforth vom Schauspiel Leipzig aus den Eingangskapiteln. Nachdem seine Frau Carolee ihn dazu gedrängt hat, unternimmt Sten Stenson mit ihr eine Urlaubs-Kreuzfahrt.
Er ist siebzig, war Schuldirektor, hatte einst vielleicht einen Vietnamesen getötet und ist nun Pensionär im
kalifornischen Eigenheim mit
Meerblick. Mit seinem grauen Pferdeschwanz ist er das Bild eines Amerikaners. Als vorbildlicher Bürger
kauft er einheimische Produkte,
kompostiert und recycelt. Er musste
mal weg. Als seine Reisegruppe
beim Landgang in Costa Rica überfallen wird, tötet er per Würgegriff
einen Angreifer: „einmal Marine,
immer Marine“. Nun ist er Held und
Mörder mit noch einem weiteren
Grund für ein schlechtes Gewissen.
Boyle liest noch aus dem Manuskript, denn kurioserweise wird
„The Harder They Come“ erst am
31. März in Amerika erscheinen. Er
unterstreicht das Gelesene mit weit
ausgreifenden Händen, um dann zugeneigt schmunzelnd dem exzellen-
ten deutschen Vortrag zu folgen. Er
mag es, wie sein Text öffentlich
funktioniert.
„Romane sind wie
Rockkonzerte:
Entweder bringst
du die Leute zum
Tanzen, oder sie
feuern dir Bierdosen an den Kopf.“
T. C. Boyle Schriftsteller
Weil Boyle unter den Literaten wie
ein Rockstar ist und eine gigantische
Tour folgen wird, ist ihm das wichtig. Das Rot seiner Schuhe kommt
im Druck auf seinem T-Shirt wieder,
ansonsten schwarz unterm Flammenhaar, so wächst der 66-Jährige
schlaksig empor am Pult.
FOTO: WOLFGANG ZEYEN
Dann erzählt er von Sara und
Adam, dem Sohn von Sten und Carolee, den eigentlichen Hauptfiguren seines Buches, die ausrasten an
den amerikanischen Verhältnissen.
Er erzählt von seinen Recherchen in
Polizeiberichten und wie seine fiktiven Stoffe aus Realien wachsen, vom
gigantischen Einfluss der National
Rifle Association, der Waffen-Lobby,
auf die Politik und davon, wie in
Amerikas Historie Waffen und
Landgewinn eine bis heute fortdauernde Mesalliance bilden. An seinem infernalisch ausrastenden Duo
Sara-Adam, anarchistische Autoritätsverweigererin und Psychopath,
dekliniert er bis zum bitteren Ende
die Defekte in der Demokratie
durch. „Wir sind Barbaren“, fasst er
zusammen. Boyle ist immer weniger der uns zum schenkelklopfenden Amüsement treibende Großerzähler und immer mehr der kulturpessimistische Warner, der sein
Land in voller Breite und geschichtlicher Tiefe durchmisst. Langer Beifall dafür und eine noch längere
Schlange beim Signieren.
Einladung ins Kuriositätenkabinett
Sieben Szenen über die
Liebe sorgen im Chemnitzer Schauspiel für einen
skurrilen Abend voller
Überraschungen.
VON UTA TRINKS
nett (Ausstattung: Stefan Morgenstern), vollgestopft mit allerlei Dingen, die keine sinnfällige Verbindung untereinander erkennen lassen, geschweige denn eine zeitliche
Zuordnung. Zu schauen gibt’s jedenfalls genug, die Neugier hat reichlich Nahrung. Und es bleibt spannend – die ganze Inszenierung über
(Regie: Silke Johanna Fischer). In
mehr als einem halben Dutzend
Ländern kam „Gegen die Liebe“
schon auf Spielpläne. In Chemnitz
erlebte die Szenenfolge nun ihre
Deutsche Erstaufführung.
„Hab mich lieb“ schnurrt eine
männliche Gestalt schon, da suchen
sich die Zuschauer noch ihre Plätze.
„Hab mich lieb“ – immer wieder, in
verschiedene Richtungen. Die eckigen Bewegungen des Automaten
werden zusehends langsamer und
ersterben. Hier müsste einer neu
aufziehen, damit die Floskel erneut
zu hören wäre. Tut aber keiner. Warum auch? Der folgende Geschichtenreigen erzählt ja von dem, was
nicht so funktioniert in Sachen
Zweierbeziehung: Ein Bauer macht
einer Prinzessin einen Heiratsantrag, und die willigt erstaunlicherweise ein. Zuvor aber verlangt sie einen unglaublich grausamen Liebes-
CHEMNITZ — Ein großes Bett domi-
niert den Raum. Was sonst? Geht es
doch um das größte und schönste
Gefühl, das wir kennen. Wirklich?
Das Stück, das am Freitagabend im
Ostflügel des Chemnitzer Schauspielhauses Premiere hatte, lässt
Zweifel an dieser Aussage zu. Die sieben burlesken Dramolette von Esteve Soler, die hier zu erleben sind,
werden schließlich unter dem Titel
„Gegen die Liebe“ geführt. Und dass
dies kein gewöhnlicher Theaterabend wird, offenbart sich bereits,
wenn man den ansonsten kargen
Raum der eher für experimentelles
Theater vorgesehenen Bühne betritt. Da landet man ganz unvermittelt in einer Art Kuriositätenkabi-
Zwischen
Morden und
menschlichen
Abgründen
Das Stück
Esteve Soler behandelt in sieben
burlesken Dramoletten verschiedene
Seiten der Liebe zwischen Mann und
Frau. Der katalanische Autor reißt mit
den skurril-humorvollen Szenen den
unverbesserlichen Romantikern allerdings die rosarote Brille von der Nase. „Gegen die Liebe“ ist Teil einer Trilogie, zu der auch „Gegen den Fortschritt“ und „Gegen die Demokratie“
gehören. (ut)
Sie (Magda Decker) ist nicht seine (Grégoire Gros) Frau, denn diese liegt nach
einem Streit in Scherben vor dem Bett.
FOTO: DIETER WUSCHANSKI/THEATER
Nächste Aufführungen am 20. Februar, 7. und 20. März, jeweils 20 Uhr.
Kartentelefon: 0371/4000430.
» www.theater-chemnitz.de
beweis. Eine Frau wird ihren Ex
nicht los. Der hat sich unter ihrer
Haut verschanzt. Ein Paar streitet,
und die Frau zerspringt in Scherben,
die aufgekehrt werden müssen.
Zwei Astronauten sind nicht nur in
den sperrigen Anzügen in ihren Bewegungen eingeschränkt, sondern
auch in ihrer Kommunikation. Sagt
da jemand was? Hört da jemand zu?
Lebt da wer noch?
Was ist nicht schon alles über die
Liebe geschrieben, gesagt, gesungen,
gemalt worden? Und eigentlich hat
Esteve Soler dem nichts Neues hinzuzufügen. Trotzdem leuchtet er
überraschend anders hinein in das
Wirrwarr der Paar-Gefühlswelt – ohne Euphorie, aber mit Melancholie.
Gewohnte Abziehbilder haften hier
nicht und machen den Blick auf die
dunklen Seiten der Liebe frei. Magda
Decker, Bianca Kriel, Grégoire Gros
und Fabian Jung sind in schnell
wechselnden Rollen gefordert – einsam, grausam, schrill, manipulativ,
rätsel- oder schmerzhaft, traurig
oder wütend sind ihre Figuren.
Für diesen surrealen wie anregenden Abend gab es viel Beifall.
LONDON — Der etwas brummelige
Scotland-Yard-Ermittler Reginald
Wexford machte sie berühmt: Ruth
Rendell liefert Fans britischer Krimis seit gut 50 Jahren reichlich Leseund Diskussionsstoff. Mehr als 60
Romane hat die Bestseller-Autorin,
die unter dem Pseudonym Barbara
Vine auch Psychothriller schreibt,
inzwischen veröffentlicht. Heute
wird sie 85 Jahre alt.
Bis vor wenigen Wochen sah es
nicht danach aus, als denke Rendell
an Ruhestand. Erst 2014 erschien ein
neuer Rendell-Krimi, ein weiterer
soll im Herbst folgen. Dann die schockierende Nachricht Mitte Januar:
Nach einem Schlaganfall sei ihr Zustand „kritisch“. Doch gestern teilte
ihr Agent Charles Walker mit: „Es
scheint aber aufwärts zu gehen.“
Wer einen Krimi von Rendell
liest, bekommt stets mehr serviert
als ein Verbrechen und seine Aufklärung. Die Lehrerstochter konzentriert sich eher auf die Mordumstände und die seelischen Abgründe ihrer Figuren, die meistens tief sind.
Ihre Geschichten wurden in
21 Sprachen übersetzt, viele gewannen Auszeichnungen oder wurden
verfilmt, zum Beispiel „Live Flesh –
Mit Haut und Haar“ unter der Regie
des Spaniers Pedro Almodóvar.
Ruth Rendell
Schriftstellerin
FOTO: J. BAUER HUTCHINSON/DPA
Ruth Barbara Grasemann, so Rendells Mädchenname, kam am 17. Februar 1930 als einziges Kind eines
Lehrerpaares zur Welt und wuchs in
London auf. Bereits in der Schule begeisterte sie sich fürs Schreiben.
Nach dem Abschluss arbeitete sie
für verschiedene Zeitungen und heiratete 1950 einen Kollegen, mit dem
sie einen Sohn bekam. Am Schreiben hielt sie auch noch fest, als sie
dem Journalismus den Rücken kehrte. „Alles Liebe vom Tod“ („From
Doon with Death“) hieß der erste
Wexford-Krimi, den Rendell eigentlich eher zum Spaß verfasst hatte.
Über einige Jahre hatte sie erfolglos
Verlagen ihre Arbeiten angeboten,
der schweigsame und zum Sarkasmus neigende Ermittler Wexford
brachte schließlich den Durchbruch. Der Roman erschien 1964
und war gleich ein großer Erfolg.
In England wurde der glücklich
verheiratete Familienvater bald so
bekannt wie Sherlock Holmes und
Miss Marple. Als sie gemerkt habe,
dass sie eine ganze Weile mit diesem
fiktiven Mann leben müsse, habe sie
ihn ein bisschen netter gemacht,
schrieb Rendell zu Wexfords 50. „Geburtstag“ im vergangenen Jahr. „Ich
wollte, dass er gebildeter ist, liberaler, freundlicher, sensibler.“
In Rendells jüngstem Buch „The
Girl Next Door“ ermittelt ein anderer Kommissar. Sie widmet sich darin dem Thema Altern. Eine deutsche Übersetzung gibt es noch nicht.
Seit 1999 lebt die Autorin in London
und hat seit 1997 einen Platz im britischen Oberhaus – für die LabourPartei. Seit ihrer Erhebung in den
Adelsstand heißt sie offiziell Baroness Rendell of Babergh. (dpa)
DAS HÖRSPIEL „Blutschrift“
von Ruth Rendell können Sie
aufrufen, wenn Sie den Code
mit dem Smartphone scannen. » www.freiepresse.de/blutschrift
A2 Freie Presse
ROMAN & RÄTSEL
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ir können uns ja zurückhalten. Ich dachte nur,
wir sollten nachträglich
feiern, dass wir Sarajewo überlebt
haben. Ich war damals manchmal so
ausgehungert, dass ich Ihren Hund
aufgegessen hätte, wäre er mir in die
Hände gefallen“, sagte der Reporter,
als Bruno ihn ins Haus führte. „Aber
schauen Sie sich erst einmal Ihr Geschenk an.“
Er reichte ihm ein Fax, auf dem
ein Gebiss abgebildet war.
„Das ist der Beweis. Die Tote ist
Athénaïs de Bourbon.“
„Françoise-Athénaïs“, korrigierte
Bruno. „Ein Familienmitglied hat sie
auf dem Foto wiedererkannt, das Sie
mir zugeschickt haben.“
Nach dem ersten Gang – Brunos
selbstgemachter foie gras – bat Bruno
seinen Gast in die Küche, um ihn zu
überraschen. Er öffnete die Ofenklappe, zog vorsichtig das Backblech
heraus und stellte es auf den Herd.
„Poulet bière au cul“, erklärte er triumphierend. „Erinnern Sie sich?
Wir waren im Konvoi unterwegs
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Martin Walker (aus dem Englischen von Michael Windgassen)
Femme fatale
© 2013 by Diogenes Verlag AG Zürich – Folge 108
und wurden von einem texanischen
Radioreporter bekocht. Er hat dieses
tolle Gericht zubereitet. Das Bier
verdampft im Inneren des Huhns,
und das Fleisch bleibt wunderbar
saftig.“
„Putain, ja, jetzt erinnere ich mich
wieder“, antwortete Gilles. „Er behauptete, für das Bier zehn Dollar
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Alzheimer und kommt aus ihrem
Bett nicht mehr heraus.“
„Dann unterhalte ich mich eben
mit der Schwester.“
„Ich fürchte, die hat mit der Presse nicht viel im Sinn“, sagte Bruno.
„Damit kann ich umgehen. Der
Name Paris Match bewirkt immer
noch Wunder.“
Sie setzten sich mit Brandygläsern wieder ans Feuer, und Bruno erzählte: von dem Feriendorf in Thivion, der Roten Komtesse im Wintergarten des Châteaus, Fouchers Vorstrafe wegen Insidergeschäften und
den Partys der Rüstungslobby in der
auberge des Grafen. Gilles machte
sich Notizen.
Als Bruno fertig war und ein
Holzscheit nachlegte, meinte Gilles:
„Dreh- und Angelpunkt scheint die-
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„Fertig“, rief Gilles und füllte die
Gläser zur Begleitung für den Käse.
„Wir haben nur gerade ein bisschen
an den Schlagzeilen, den Bildunterschriften und am Aufmacher gebastelt. Eine gute, wenn auch traurige
Story. Sie wollen wissen, was als
Nächstes passiert, nach dem Exorzismus. Ob’s eine Fortsetzung gibt.“
„Wäre das nicht ein fulminanter
Abschluss?“
„Aber erst muss noch geklärt
werden, wer den Teufel in der Höhle
beschworen und warum Athénaïs
ihren Selbstmord mit satanistischen
Symbolen ausstaffiert hat. Meine Redaktion will, dass ich ein Interview
mit der Roten Komtesse führe.“
„Die Komtesse hat Athénaïs
nicht identifiziert. Es war ihre
Schwester. Die Komtesse leidet an
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auf dem Schwarzmarkt bezahlt zu
haben.“ Bruno befreite das Hühnchen von der Bierdose, legte es mit
den Kartoffelscheiben auf einen Servierteller und bat Gilles, es zum
Tisch zu tragen und dort zu zerteilen, während er noch schnell die
Sauce zubereitete. Eine halbe Stunde später war das Hühnchen verzehrt und vom Pomerol nur noch
ein Drittel übriggeblieben, als Gilles’
Handy klingelte. Seine Redaktion
wollte mit ihm sprechen. Bruno
räumte den Tisch ab, servierte den
Käse und löste für Balzac Fleischreste von den Hühnerknochen. Weil
Gilles’ Gespräch länger dauerte,
spülte Bruno in der Zwischenzeit
das Geschirr, räumte die Küche auf
und brachte frische Bettwäsche und
Handtücher ins Gästezimmer.
ser Graf zu sein. Was hat er zu all
dem zu sagen?“
„Ich habe ihn noch nicht vernehmen können.“
„Hätten Sie was dagegen, wenn
ich mich einschalte? Er ist der Cousin der Toten, nicht wahr? Wenn Athénaïs der einzige Nachkomme der
Komtesse war, wird der Graf nicht
nur seine Großmutter beerben, sondern auch die Rote Komtesse.“
Bruno fuhr zusammen. Warum
hatte er daran noch nicht gedacht?
Doch dann ließ er sich wieder in den
Sessel zurückfallen. Der Graf konnte
sie nicht beerben.
„Laut Autopsie hat Athénaïs irgendwann ein Kind zur Welt gebracht“, sagte Bruno. „Vielleicht ist
das die Fortsetzung Ihrer Story. Sie
haben doch bestimmt einen Korrespondenten in Hollywood, der dieses
Kind leichter ausfindig machen
Fortsetzung folgt
kann als ich.“
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FERNSEHEN & RADIO
Dienstag, 17. Februar 2015
IM RADIO
HÖRSPIEL
In der Hitze
von Jamaika
DLF 20.10 UHR
Während ihr Ehemann, ein amerikanischer Professor,
sich auf einer Forschungsreise in Europa befindet, urlaubt Mary Watson
auf Jamaika, weil es dort im August
am billigsten ist. Ist es die Hitze, ehelicher Überdruss oder einfach Abenteuerlust – Mary wünscht sich eine
Affäre. Doch nur ein älterer, recht
unansehnlicher Mann macht ihr
den Hof – ob Mary sich darauf einlässt? Das erzählt der britische
Schriftsteller Graham Greene in seinem Hörspiel „Billig im August“. (fp)
Freie Presse
Klassenk(r)ämpfe auf Mauritius
A3
Genialen
Ideen auf
der Spur
Zwei Familien unterschiedlicher Herkunft finden sich
urplötzlich auf einer einsamen Insel wieder – und
Rettung ist nicht in Sicht.
MDR-Magazin zu Gast
bei der „Freien Presse“
ne eine eigene Werkstatt eröffnen
und braucht dazu einen größeren
Kredit; Sandy liebäugelt mit einem
kleinen Restaurant. Banker Hubertus kanzelt sie alle ab, auch und vor
allem die eigene Frau, die sich nach
und nach als schwere Trinkerin erweist, aber mit traumhafter Baccardi-Erotik den Handtaschen-Retter
als „Mein Held!“ tituliert.
Das könnte einen Film lang so
weitergehen, einen Schauplatzwechsel bräuchte man nicht. Doch
Timothy Tremper (Drehbuch) lässt
die Partygesellschaft nach zu viel Alkoholgenuss in einer gemieteten
Jacht davonsausen – bis zum Horizont und darüber hinaus. Wie durch
ein Wunder überleben alle und finden sich auf einer gottverlassenen
Insel unter glühender Sonne wieder.
Auch hier wird nun nach Trinkbarem und anderen Lebensmitteln
gesucht. Proll-Vater Franky hat sie
alle so ziemlich in der Hand – er baut
die besten Hütten und erklettert die
wichtigsten Früchte. Und weil die
Streitereien trotz aller Inseleinsamkeit weiter eskalieren, zieht Hubertus, der Banker, dessen Antlitz von
Minute zu Minute immer mehr einer Tomate gleicht, erst einmal eine
Demarkationslinie über das Eiland,
die niemand übertreten darf. Das
schafft einen durchaus drollig herbeizitierten Ost-West-Konflikt, den
die Regie (Andi Niessner) glücklicherweise nicht überstrapaziert.
Doch so schön und unbeschwert
wie am Anfang wird es nicht mehr
sein – mögen sie sich auch irgendwann noch versöhnt in den Armen
liegen. Dazu ist dieses Insel-Abenteuer dann doch zu dünn. Aber an
den munteren Schauspielern und
ihrem lockeren Treiben hat, wer
sich nicht zu viel erwartet, schon
seinen Spaß. (tsch)
MDR 19.50 UHR Wie entsteht eine Zeitung? Matze Brand, Moderator der
Sendung „Einfach genial“ ist dabei,
wenn in Chemnitz die „Freie Presse“
entsteht. Von den letzten Besprechungen in der Redaktion bis hin
zum druckfrischen Blatt ist jede
Menge interessanter Technik im
Einsatz.
Die Sicherung von Rollläden
wird im MDR-Magazin in der heutigen Sendung ebenso beleuchtet wie
das Thema „Intelligentes Fenster“.
Dieses reguliert die Lufterneuerung
im Raum selbstständig. Die Sensoren messen Innen- und Außentemperatur, Luftfeuchtigkeit und Kohlendioxid-Konzentration. Wenn eine Steuereinheit feststellt, dass gelüftet werden muss, öffnet sie Klappen unterhalb des Rahmens.
Immer und überall das Handy laden? Das wäre natürlich prima. Ein
Team aus Dresden hat dafür ein
Kraftwerk für die Hosentasche entwickelt, das bald vom Band geht.
Werner Kessel aus Kühlungsborn
dagegen hat sich eine einfache
Schwimmhilfe für Kinder ausgedacht. Sie besteht aus Neopren, hält
Bauch, Brust und Rücken warm, hat
Auftrieb im gesamten Rumpfbereich und lässt Arme sowie Beine
frei beweglich. (fp)
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VON WILFRIED GELDNER
SAT1 20.15 UHR
„Er war gleich geschickt für die Orgel, den Sang, den
Schulkatheder und die Kanzel... war
zum Schulmann geboren... und hatte die trefflichste Anlage zum Redner.“ So hat sich der Schriftsteller
und Musiker Christian Friedrich Daniel Schubart (1739–1791) selbst
einmal dem großen Publikum vorgestellt. Seine Lieder waren sehr beliebt, seine Gedichte wurden mehrfach vertont, so etwa „Die Forelle“,
die Franz Schubert berühmt machte. Richard Schroetter stellt Schubart, der ab 1777 auf dem Hohenasperg eine zehnjährige Haftzeit verbüßte, vor. (fp)
„Sonne, Strand, Meer“
verspricht Sat1 mit seinem Ferienmovie „Zwei Familien auf der Palme“. Die „Traumreise“ geht nach
Mauritius – sowohl für die Berliner
Prollfamilie Kowalski als auch für
die des stinkreichen Münchner Investment-Bankers Hubertus von
Zangenheim (Hajo von Stetten).
Weil die Handtasche der BankerGattin (Nadeshda Brennicke) entwendet wird, finden beide am Zielflughafen zusammen: Tankwart
Franky fasst schnell den Dieb und
wird zum Dank mit Frau Sandy (Valerie Niehaus) und Tochter (Anna
Lena Klenke) zum Barbecue im
Fünf-Sterne-Ressort eingeladen. Zur
Versöhnung zwischen den Klassen
kommt es freilich vorerst nicht. Im
Gegenteil.
Wie so oft hat man bei der Ouvertüre den meisten Spaß. Die einen
spreizen sich vor Überheblichkeit,
die anderen geben sich „arm, aber
glücklich“ und sind mit ihrer Absteige in Flughafennähe hochzufrieden.
Geträumt werden darf aber auch:
Franky (Dirk Borchardt) würde ger-
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PORTRÄT
Der Musiker und
Publizist Schubart
DR-KULTUR 22 UHR
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Der Beginn einer wunderbaren Freundschaft: Dirk Borchardt und Hejo von Stetten (links).
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FOTO: SAT1
A4 Freie Presse
RATGEBER
Dienstag, 17. Februar 2015
Wer bekommt die Rente mit 63?
RATGEBER IM TV
Eiskalt!
15.00 Uhr im MDR: Lexi-TV. Der
Mensch kann extremen Minusgraden wenig entgegensetzen. Dennoch faszinieren die Auswirkungen
des Winters. Die Sendung besucht
das finnische Eis-Hotel und Eiskletterer in Bayern.
9.05 Uhr ZDF: Volle Kanne.
Waschbärenplage; 18.35 Uhr n-tv:
Ratgeber Bauen und Wohnen. Der
eigene Kamin.
KINDER, KINDER!
Furcht vor
Hunden
Rund 12.000 Sachsen dürfen bereits eher in den Ruhestand – Doch nicht jeder Antrag wird auch genehmigt
NACHRICHTEN
ERNÄHRUNG
Nur eine Rebsorte
taugt für Prosecco
Anders als für Sekt gibt es für Prosecco genaue Vorgaben, aus welcher
Rebsorte und in welcher Region er
hergestellt werden darf. Darauf
weist die Verbraucherzentrale Bayern hin. Prosecco war ursprünglich
der Name einer weißen Rebsorte, die
nur in einem kleinen Teil der Region
Venetien wächst. Im Jahr 2010 wurde diese Sorte in Glera umbenannt.
Ein Prosecco muss also aus der Glera-Traube gekeltert sein und aus einer bestimmten Region in der italienischen Provinz Treviso stammen.
Beim Prosecco Spumante entsteht
die Kohlensäure wie beim Sekt
durch Flaschengärung oder Gärung
in Tanks. Prosecco Frizzante gehört
dagegen zu den Perlweinen. Die
Kohlensäure kommt durch Druck
in den stillen Wein. (dpa)
Freie Presse: Welche Zeiten werden berücksichtig?
Sylvia Heuberg: Auf die 45 Jahre
werden angerechnet: Zeiten mit
Pflichtbeiträgen aus Beschäftigung,
Zeiten der geringfügigen, nicht versicherungspflichtigen
Beschäftigung anteilig, Zeiten mit Pflichtbeiträgen aus selbstständiger Tätigkeit,
Zeiten mit freiwilligen Beiträgen,
wenn mindestens 18 Jahre mit
Pflichtbeiträgen aus einer Beschäftigung oder selbstständigen Tätigkeit
nachweisbar sind. Zudem Zeiten der
Wehr- oder Zivildienstpflicht, der
nicht erwerbsmäßigen Pflege von
Angehörigen, der Kindererziehung
bis zum zehnten Lebensjahr des
Kindes, Zeiten, in denen Arbeitslosengeld, Teilarbeitslosengeld, Leistungen bei Krankheit oder Übergangsgeld bezogen wurden, Zeiten
des Bezugs von Leistungen bei beruflicher Weiterbildung, des Bezugs
von Kurzarbeitergeld, Schlechtwettergeld und Winterausfallgeld, von
Insolvenzgeld und Konkursausfallgeld bei Zahlungsunfähigkeit des
Arbeitgebers sowie Ersatzzeiten
(zum Beispiel politische Haft in der
DDR).
Nicht berücksichtigt werden dagegen bestimmte Anrechnungszeiten
wie Schul-, Fachschul- oder Hochschulbesuch, Zeiten des Bezugs von
Arbeitslosenhilfe oder Arbeitslosengeld II, Zurechnungszeiten und zusätzliche Wartezeitmonate aufgrund eines Versorgungsausgleichs
oder Rentensplittings. Zudem werden freiwillige Beiträge in den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn
nicht mitgezählt.
HEIMWERKER
Fliesen parallel zu
Wänden ausrichten
Die Heimwerkerschule DIY-Academy in Köln rät, beim Verlegen von
Fliesen auf dem Boden eine Richtschnur zu spannen. Bei rechtwinkligen Räumen verläuft die Schnur am
besten mittig und parallel zu den
Wänden. Daran richtet sich die erste
Fliesenreihe aus – entweder mit Fuge oder Fliesenmitte. Dann wird im
rechten Winkel die hinterste Reihe
entlang der Wand ergänzt. So geht es
weiter. Der Kleber wird mit Spachtel
oder Glättkelle auf dem Boden aufgebracht. Die Klebemasse wird vor
dem Verlegen mit einer Mittelbettkelle oder einem Zahnspachtel
durchkämmt, so dass Rillen entstehen. Für eine dickere Schicht sollte
die Kelle eine Zahnung von mindestens zehn Millimetern haben. Die
Fliesen werden dann fest in das Klebebett geschoben und mit einem
Gummihammer angeklopft. (dpa)
PROF. VEIT RÖSSNER
ÜBER KINDERÄNGSTE
UND WIE MAN SIE BESIEGT
expertentipp@redaktion-nutzwerk.de
Unsere Tochter (6) hat große Angst
vor Hunden. Können wir ihr helfen
und wenn ja, wie?
0351 48642807:
Matthias Herberg,
Fachanwalt für Sozialrecht in Dresden.
Angst ist wichtig für eine gesunde Entwicklung, gehört sie doch
zum natürlichen Warnsystem vor
möglichen Gefahren. Zudem verschwinden viele Kinderängste in
der Entwicklung von allein. Selbst
wenn Ihrem Kind objektiv keine Gefahr droht, sollten Sie seine Ängste
niemals ignorieren. Für die Kleinen
ist Furcht in einem solchen Augenblick etwas ganz Bedrohliches.
Sprechen Sie offen über Ängste.
Ihr Kind sollte wissen, dass sich
auch Erwachsene manchmal fürchten. Es hilft, wenn Sie erzählen, wovor Sie als Kind Angst hatten, und
was Ihnen damals geholfen hat.
Auch können Rituale Ihrem Kind Sicherheit geben. Dies kann ein gemeinsam gesungenes Lied oder gemütliches Kuscheln am Abend sein.
Lassen Sie Ihr Kind zeichnen, was
ihm Angst bereitet. Vielleicht mag
es Dinge und Situationen ergänzen,
in denen es die Angst besiegt. Dies
kann eine Ritterrüstung oder ein
Tuch, das die Angst zudeckt, sein.
Viele Angstreaktionen sind erlernt. Kleinkinder kennen viele
Ängste gar nicht. Wenn Eltern vor
jedem Kleintier panisch die Flucht
ergreifen, signalisiert das dem Kind,
dass so eine Spinne gefährlich sein
muss. Fragen Sie Ihr Kind, was ihm
helfen könnte, die Situation besser
zu meistern. Versuchen Sie, die Vorschläge umzusetzen.
Ihr Kind hat so starke Angst vor
Hunden, dass es in die Wohnung
möchte, sobald es einen Hund hört?
Ermutigen Sie es, bei einem Bellen
nachzusehen, ob das Gartentor geschlossen ist, damit das Tier nicht
eindringen kann. Sie können sich
gemeinsam Bücher ansehen, in denen „gute“ Hunde vorkommen. Suchen Sie nach der Möglichkeit, sich
langsam einem ruhigen und geduldigen Hund anzunähern, vom Beobachten bis zur Kontaktaufnahme.
Wenn trotzdem die Angst anhält
und/oder noch stärker wird, sollten
sie einen Experten aufsuchen.
Fragen per E-Mail an telefonforum@redaktion-nutzwerk.de.
PROF. DR. VEIT RÖßNER ist Kinder- und
Jugendpsychiater am Dresdner Uniklinikum.
Christine Feister aus Kirschau ist verärgert: Sie wollte mit 63 abschlagsfrei in Rente gehen, weil sie 45 Versicherungsjahre vorweisen kann. Nun will die Rentenversicherung Zeiten der Arbeitslosigkeit in den letzten zwei Jahren vor Rentenbeginn nicht anrechnen. Das Problem: Sie wurde nach Schließung ihres Betriebes in eine Transfergesellschaft
übernommen und danach arbeitslos. Diese Zeit will die Rentenversicherung aber nicht anerkennen, sodass Frau Feister 7,2 Prozent weniger Rente erhalten würde. Dagegen ist sie in Widerspruch gegangen.
FOTO: KAIROSPRESS
Gibt es Ausnahmen bei der Berechnung der Studienzeiten?
Hier muss man unterscheiden, ob
ein Direkt- oder Fernstudium absolviert wurde. Während eines Fernstudiums in der DDR war man in der
Regel über das laufende Beschäftigungsverhältnis pflichtversichert,
sodass Pflichtbeiträge vorliegen, die
für die 45 Jahre zählen. Zeiten eines
Direktstudiums zählen nicht mit.
Gibt es eine Sonderregelung für
Schwerbehinderte?
Die Altersrente für Schwerbehinderte gibt es weiterhin. Das Rentenpaket hat die Voraussetzungen für
diese Rente nicht geändert.
Warum werden Anträge von der
Rentenversicherung abgelehnt?
Wenn der Antrag auf abschlagsfreie
Rente mit 63 abgelehnt wird, dann
meist deshalb, weil die Wartezeit
von 45 Jahren nicht erfüllt wurde.
Was sind die häufigsten Fragen
bei der Bearbeitung ?
Die meisten Probleme bereitet die
Sylvia Heuberg
Die Rentenberaterin
arbeitet im Regionalzentrum Chemnitz der Deutschen
Rentenversicherung
Mitteldeutschland.
Sie ist im Bereich
Produktion und Service tätig.
FOTO: RENTENVERSICHERUNG
Seit 1. Juli 2014 können Berufstätige unter bestimmten Voraussetzungen schon mit 63 Jahren ohne
Abschläge in Altersrente gehen.
Ein Angebot aus dem „Rentenpaket“ der Bundesregierung, das bereits von deutlich mehr Menschen
in Anspruch genommen wurde als
ursprünglich vorausgesagt: So
sind allein bei der Deutschen Rentenversicherung Mitteldeutschland bis Ende Januar mehr als
14.300 Anträge aus Sachsen eingegangen, teilte Pressesprecherin Ursula Wächter mit. „Davon wurden
bereits 11.992 bewilligt.“ Die Behörde verwaltet die Unterlagen
von etwa jedem zweiten Rentenversicherten in der Region. Trotzdem bleiben viele Fragen. Mit Sylvia Heuberg vom Chemnitzer Regionalzentrum der Rentenversicherung sprach Gabriele Fleischer.
Ermittlung der anrechenbaren Kalendermonate. Zu den häufigen Fragen gehören beispielsweise die zu
den Anrechnungszeiten. Denn auch
wenn eine Zeit rentenrechtlich doppelt belegt ist wie durch Kindererziehungszeit und berufliche Tätigkeit, so zählt jeder Monat für die
Wartezeiterfüllung nur einmal und
nicht doppelt. Auch Zeiten wie Arbeitslosengeld-II-Bezug und Arbeitslosenhilfe zählen nicht.
Die meisten Versicherten informieren sich bereits im Vorfeld, inwieweit sie die Voraussetzungen für die
Altersrente für besonders langjährig
Versicherte erfüllen. Doch auch wer
die 45 Jahre Beitragszeit nicht erfüllt, könnte schon mit 63 in Rente
gehen – müsste dann allerdings
mehr oder weniger hohe Abschläge
in Kauf nehmen. Außerdem gilt:
Wer die Altersrente vor der Regelaltersgrenze in Anspruch nimmt, darf
nur begrenzt hinzuverdienen. Für
den Geburtsjahrgang 1951 gilt zum
Beispiel eine Regelaltersgrenze von
65 Jahren und fünf Monaten. Vorher
müssen die Hinzuverdienstgrenzen
beachtet werden.
Können auch Jüngere ohne Abschläge in Rente gehen?
Ab Geburtsjahrgang 1953 steigt die
Altersgrenze für die abschlagsfreie
Rente für besonders langjährig Versicherte schrittweise an. Wer im Jahr
1957 geboren ist, kann beispielsweise mit 63 Jahren und 10 Monaten in
Rente gehen, wenn er die Voraussetzungen erfüllt. Bei dem, der 1963 ge-
boren ist, beträgt das Renteneintrittsalter schon 64 Jahre und 10 Monate. Für alle 1964 oder später Geborenen liegt es wieder wie bislang bei
65 Jahren – sofern sie 45 Beitragsjahre vorweisen können.
Expertenrat zur Rente mit 63
Nicht jeder, der 63 wird, kann mit
der seit 1. Juli vergangenen Jahres
geltenden neuen Regelung abschlagsfreie Altersrente in Anspruch nehmen. Welche Voraussetzungen für die
abschlagsfreie Altersrente ab 63 noch
erfüllt werden müssen und andere
Fragen zum Thema beantworten Rentenexperten und ein Fachanwalt
am Dienstag, dem 24. Februar, von
14 bis 16 Uhr:
0351 48642805:
Sabine Gerstmann,
Deutsche Rentenversicherung, Regionalstelle Dresden;
0351 48642806:
Christian Lindner,
Rentenberater
in Langebrück;
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