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WINNIPEG
Thunder Bay
Grand Forks
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Superior
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Ste. Marie
North Bay
80
Huntsville
Lake
Huron
KARTENVERZEICHNIS
Toronto. . . . . . . . . . . . 52-53
Ottawa . . . . . . . . . . . . . . 69
Südliches Ontario . . . . . . 80-81
Ontario . . . . . . . . . . 100-101
Montréal . . . . . . . . . . . . 106
Québec City . . . . . . . . . . 125
Cantons de l’Est /
Laurentides . . . . . . . 138-139
Südöstliches Québec . . . . . 157
New Brunswick . . . . . . . . 166
Nova Scotia . . . . . . . . 178-179
Halifax . . . . . . . . . . . . . 191
Prince Edward Island . . . . . 201
Neufundland / Labrador . 210-211
TORONTO
52
Kitchener
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17
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Trois-Rivières
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157
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376
Corner Brook
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Trenton
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PHILADELPHIA
OCEAN
IMPRESSUM / KARTENLEGENDE
LEGENDE
Öffentliches bzw.
bedeutendes Gebäude
Hotel
Einkaufszentrum
Gaspé
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Markt
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Touristeninformation
Kirche
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Leuchtturm
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Sehenswürdigkeiten
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Mt. Logan
1135
18
Staatsgrenze
im Text
genannter Ort
internationaler /
nationaler Flughafen
Provinzgrenze
90
Interstate
UNESCO Welterbe
gebührenpflichtige
Autobahn
Nationalpark,
Provincial Park
Autobahn
Fernverkehrsstraße
Berggipfel
(Höhe in Meter)
Hauptstraße
Entfernung
in Kilometer
Bus Station
7
Trans-Kanada Highway
Hospital
20
U.S. Highway
Post
9
Straßennummer
Nebenstraße
B
Mc Gill
Eisenbahn
Fähre
U-Bahn mit Haltestelle
IMPRESSUM: Nelles Guide: KANADA – Der Osten: Ontario, Québec, Atlantikprovinzen
All rights reserved
© Nelles® Verlag GmbH, 81379 München, Machtlfinger Str. 11
Info@Nelles.com, www.Verlag.com
Ausgabe 2015
ISBN 978-3-86574-715-0
Lizenzbestimmungen: Gegenstand des Nutzungsverhältnisses sind die von Nelles Verlag GmbH publizierten digitalen Reiseführer −„Nelles Guide“. Nelles Verlag GmbH gestattet nur Letztkunden die Nutzung des „Nelles Guide“. Nelles
Verlag GmbH räumt den Nutzern ein nicht ausschließliches und beschränktes Recht zur Nutzung des „Nelles Guide“
ein. Die Nutzer sind berechtigt, jeweils eine digitale Kopie des gewünschten Reiseführers downzuloaden, davon eine
elektronische Kopie zur Sicherung anzulegen und, soweit von Nelles Verlag GmbH zur Verfügung gestellt, einen Ausdruck herzustellen sowie davon zwei Kopien anzufertigen. Jede weitere Nutzung ist nur mit schriftlicher Genehmigung
der Nelles Verlag GmbH zulässig. Verstößt der Nutzer gegen diese Lizenzbestimmung, so verpflichtet er sich, unabhängig von einem weitergehenden Schadensersatzanspruch, für jeden schuldhaften Verstoß eine Vertragsstrafe zu
bezahlen. Der Nutzer wird darüber informiert, dass die Firma Nelles Verlag GmbH zum Schutze des „Nelles Guide“
technische Maßnahmen ergriffen hat. Der Nutzer ist nicht berechtigt, die technischen Schutzmaßnahmen ohne Zustimmung von Nelles Verlag GmbH zu umgehen. Die von Nelles Verlag GmbH angebrachten Urheberrechtshinweise,
Quellenangaben und Markenbezeichnungen dürfen vom Nutzer weder verändert noch beseitigt werden.
Haftungsausschluss: Alle Angaben im „Nelles Guide“ werden von dem Team der Nelles Verlag GmbH sorgfältig recherchiert und auf den aktuellen Stand gebracht sowie, soweit möglich, auf Stimmigkeit überprüft. Trotz sorgfältiger
Recherchen ist es nicht ausgeschlossen, dass die Angaben im „Nelles Guide“ nicht oder nicht mehr zutreffend sind.
Nelles Verlag GmbH kann daher ebenso wenig wie das Team vom „Nelles Guide“ eine Haftung für die Vollständigkeit
und Richtigkeit der im „Nelles Pocket“ dargebotenen Angaben übernehmen. Nelles Verlag GmbH und sein Team
können insbesondere nicht für Schäden, Unannehmlichkeiten oder Unstimmigkeiten, Verletzungen oder sonstige Folgen durch die Angaben im „Nelles Guide“ verantwortlich gemacht werden. Dieser Haftungsausschluss gilt jedoch nicht
für Schäden aus der Verletzung des Lebens, des Körpers oder der Gesundheit, die auf einer fahrlässigen Pflichtverletzung von Nelles Verlag GmbH oder einer vorsätzlichen oder fahrlässigen Pflichtverletzung eines gesetzlichen Vertreters oder Erfüllungsgehilfen von Nelles Verlag GmbH beruhen. In gleicher Form gilt der Haftungsausschluss nicht für
sonstige Schäden, die auf einer grob fahrlässigen Pflichtverletzung von Nelles Verlag GmbH oder auf einer vorsätzlichen oder grob fahrlässigen Pflichtverletzung eines gesetzlichen Vertreters oder Erfüllungsgehilfen von Nelles Verlag
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keinem Fall haftet die Nelles Verlag GmbH für irgendwelche direkten, indirekten, speziellen oder sonstigen Schäden,
die sich aus der Nutzung einer verlinkten Website ergeben.
- N15 -
4
INHALTSVERZEICHNIS
Kartenverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2
Impressum / Kartenlegende / Haftungsbeschränkung . . 4
É GEOGRAFIE, GESCHICHTE, KULTUR
Geografie . . . . . . . . . . . .
Geschichte und Bevölkerung.
Die europäische Kolonisation
Nouvelle France . . . . . . . .
Britisch-Nordamerika . . . . .
Einheit in der Vielfalt? . . . . .
Wer sind die Kanadier? . . . .
Der „Französische Faktor“ . .
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20
23
26
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38
Toronto . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Hafenbezirk . . . . . . . . . . . . . . . .
Innenstadt . . . . . . . . . . . . . . . .
Stadtviertel . . . . . . . . . . . . . . . .
Ausflüge . . . . . . . . . . . . . . . . .
INFO: Restaurants, Sehenswürdigkeiten .
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. . 52
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. . 60
62-63
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Ê TORONTO
Ë OTTAWA
Ottawa . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Die Bundeshauptstadt. . . . . . . . . .
Festivals . . . . . . . . . . . . . . . . .
INFO: Restaurants, Sehenswürdigkeiten
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67
68
73
75
Ì ONTARIO
Grey und Bruce Counties . . . . . . . . . . . . . . . . . . 79
Bruce Peninsula . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 83
Niagara Peninsula . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 86
Huronia . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 89
Muskoka. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 92
Zentral- und Ostontario . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 97
Nordontario . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 100
INFO: Restaurants, Sehenswürdigkeiten . . . . . . . 102-103
Í MONTRÉAL
Montréal . . . . . . . . . .
Vieux-Montréal . . . . . .
Innenstadt . . . . . . . . .
Kultur und Unterhaltung .
Golden Square Mile. . . .
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111
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5
INHALTSVERZEICHNIS
Parks . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 116
INFO: Restaurants, Sehenswürdigkeiten . . . . . . . 118-119
Î QUÉBEC CITY
Québec City . . . . . . . . . . . . . . . .
Oberstadt . . . . . . . . . . . . . . . . .
Unterstadt . . . . . . . . . . . . . . . . .
Unterhaltung / Wintersport . . . . . . .
Ausflugsziele . . . . . . . . . . . . . . .
INFO: Restaurants, Sehenswürdigkeiten .
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129
131
132
133
Ï PROVINZ QUÉBEC
Cantons de l’Est . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 137
Les Laurentides. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 146
Am St. Lorenz-Strom . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 155
INFO: Restaurants, Sehenswürdigkeiten . . . . . . . 160-161
Ð NEW BRUNSWICK
Saint John River Valley. . . . . . . . . .
Fundy Tidal Coast . . . . . . . . . . . .
Miramichi Basin . . . . . . . . . . . . .
Akadische Küste . . . . . . . . . . . . .
Restigouche Hochland. . . . . . . . . .
INFO: Restaurants, Sehenswürdigkeiten .
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Ñ NOVA SCOTIA
Lighthouse und Evangeline Trails . . .
Glooscap Trail. . . . . . . . . . . . . . .
Sunrise Trail . . . . . . . . . . . . . . . .
Cabot Trail . . . . . . . . . . . . . . . . .
Cape Breton Trails . . . . . . . . . . . .
Marine Drive . . . . . . . . . . . . . . . .
INFO: Restaurants, Sehenswürdigkeiten .
Ò HALIFAX
Halifax . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 187
INFO: Restaurants, Sehenswürdigkeiten . . . . . . . . . . 195
Ó PRINCE EDWARD ISLAND
Prince County . . . . . . . . . . . . . . .
Queens County . . . . . . . . . . . . . .
Kings Byway Drive . . . . . . . . . . . .
INFO: Restaurants, Sehenswürdigkeiten .
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204
205
INHALTSVERZEICHNIS
Ô NEUFUNDLAND UND LABRADOR
St. John’s . . . . . . . . . . . . . . . . .
Unterwegs in Neufundland . . . . . . .
In der Wildnis von Labrador . . . . . . .
INFO: Restaurants, Sehenswürdigkeiten .
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Reisevorbereitungen. . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Klima und Reisezeit / Kleidung . . . . . . . . . . . . . .
Einreisebestimmungen / Zollbestimmungen . . . . . . .
Gesundheit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Währung, Geldwechsel . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Anreise. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Reisen in Kanada . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Mit dem Auto . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Mit dem Schiff . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Mit dem Bus . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Mit der Eisenbahn . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Mit dem Flugzeug . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Verkehrsregeln . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Praktische Tipps . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Alkohol . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Angel- und Jagdlizenzen . . . . . . . . . . . . . . . . .
Banken . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Elektrizität . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Feiertage. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Geschäftszeiten . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Maße und Gewichte . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Mietwagen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Notruf . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Postämter / Telekommunikation . . . . . . . . . . . . .
Steuern und Trinkgeld . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Zeit . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Québec Sprachführer . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Adressen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Autoren / Fotografen . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Register . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
Hotelverzeichnis . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .
240
240
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241
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257
Õ FEATURES
Nationalparks . . . .
Baffin Island . . . . .
Eishockey . . . . . .
Der Cree Way of Life
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Ö REISE-INFORMATIONEN
7
NEW BRUNSWICK
12
13
Geografie
ten eines modernen Sozialstaats. Und
natürlich sind sie stolz auf diese Leistung (wobei sie die damit verbundene
Kampf mit der Natur
Zerstörung der indianischen Kulturen
Hat Kanadas geografische Lage die mehrheitlich zutiefst bedauern). Eine
Mentalität der Kanadier entscheidend positive Eigenschaft der Kanadier ist
beeinflusst? Das ist gut möglich – die ihre moralische Integrität, die sich aus
raue kompromisslose Natur im Norden der engen Verbundenheit mit der Wildmachte es den europäischen Pionieren nis und der ständigen Auseinandersetund ihren Nachkommen ziemlich zung mit dem rauen Klima entwickelte.
schwer, hier eine westliche Zivilisation
Der Kanadische Schild
aufzubauen, und noch heute werden
spannende, oft tragisch verlaufene GeDer Großteil Ostkanadas und der
schichten aus jener Zeit erzählt.
Einige Kanadier, darunter der 1997 ganze Westen des Landes liegen nördverstorbene Schriftsteller Robertson lich des 49. Breitengrads. Über die
Davies, meinen, die Kanadier hätten Hälfte der Bevölkerung jedoch lebt süddamals eine „Verlierermentalität“ ent- lich dieser Linie in Ontario und Quéwickelt, die durch den oft hoffnungslos bec, vor allem in den Industriegebieten
scheinenden Kampf gegen ein kaltes, der Großen Seen und des St. Lorenzunbarmherziges Land entstanden sei. Tieflands. Im Süden grenzt Kanada an
Die kanadische Schriftstellerin Marga- die Vereinigten Staaten. Ostkanadas
ret Atwood meinte, der Unterschied amerikanische Nachbarstaaten sind von
zwischen der Besiedlung der USA und Westen nach Osten Michigan, New
Kanadas bestehe darin, dass die ameri- York, Vermont, New Hampshire und
kanischen Siedler die Neue Welt voller Maine. Im Norden reicht das Land fast
Euphorie betraten und als einen Ort bis zum Nordpol. Insgesamt sind vier
geistiger Erneuerung ansahen, während verschiedene Landschaftsformen zu bedie nach Kanada kommenden Immi- obachten: Der Kanadische Schild, die
granten den amerikanischen Kontinent Großen Seen und das St. Lorenz-Tiefschlicht als Herausforderung erlebten. land, die Atlantik- bzw. AppalachenreSie führten den Überlebenskampf nicht gion und die Arktis.
mit Pathos wie die Amerikaner, sonNahezu die Hälfte des kanadischen
dern eher in sich gekehrt, und ohne Festlands wird vom Kanadischen
Selbstlob nach den großen und kleinen Schild geprägt. Er erstreckt sich in eiSiegen des Pionieralltags.
nem Halbkreis über fast ganz Ontario,
Doch das Bild des kanadischen Sied- Québec und Labrador mit Ausnahme
lers, der „in the middle of nowhere“ in des südlichen Teils der Großen Seen
einer sturmumtosten Hütte in Selbst- und des St. Lorenz-Tieflands in Ontario
mitleid versunken gegen den Kältetod und Québec. Auch das Hudson Bayankämpft, ist recht einseitig. Denn die Tiefland südlich der Hudson Bay gehört
Kanadier bezwangen den Norden Ame- geologisch nicht dazu. Der Schild berikas tatsächlich – zumindest dessen steht aus meist freiliegendem, harten
südliche Ränder – und schufen ein Ge- präkambrischen Gestein, das zwischen
meinwesen mit allen Annehmlichkei- 1 und 3,5 Milliarden Jahre alt ist. Der
Halbkreis des Schildes wird häufig
Vorherige Seiten: Meech Lake im Gatineau- auch mit einer Untertasse verglichen,
Park bei Ottawa. Die Terrasse Dufferin mit deren Boden sich im Süden, Osten und
dem Hotel Château Frontenac dominieren Nordosten zu Faltengebirgen oder
die Oberstadt von Québec. Links: Die Chû- Hochebenen stülpt. In den Laurentides
nördlich des St.-Lorenz-Stroms in Quétes de Montmorency bei Québec.
GEOGRAFIE
1
GEOGRAFIE
GEOGRAFIE
bezeichnet es auch als „Herzland“ Kanadas, da hier die größten Städte (Toronto und Montréal) sowie die leistungsfähigsten Industrien Kanadas angesiedelt sind.
Ontario ist meist hügelig und wird
Richtung Süden immer flacher. Mit ihren fruchtbaren Böden und dem feuchtwarmen, von den Großen Seen aufgeheizten Klima, bietet das Land ideale
Voraussetzungen für die Landwirtschaft, und so wird das Bild von großen,
gepflegten Farmen, Getreidefeldern
und Weiden bestimmt. Das eindrucksvollste Merkmal Südontarios ist das
Niagara Escarpment, eine lange Kalksteinstufe, die von der Spitze der Bruce
Peninsula in der Georgian Bay bis zu
den Niagarafällen an der Grenze zum
US-Bundesstaat New York reicht.
Pastorale Idylle ist auch in Süd-Québec anzutreffen. Im Vergleich zur
Nachbarprovinz ist die Landschaft hier
sehr flach. Meer und Gletscher haben
das St. Lorenz-Tiefland glatt geschliffen und fruchtbares Schwemmland hinOben: Am Cap Bon Ami, Gaspé. Rechts: terlassen. Die bis zu 1000 m hohen
Reservoir Taureau, nördlich von Montréal. Ausläufer des Kanadischen Schildes
bec und in den mächtigen Bergen Nordlabradors ist der Schild am höchsten.
Die Landschaft wird von zahllosen
Seen geprägt, die von felsigen, meist
bewaldeten Bergen umgeben sind.
Überall tritt der nackte Granit zutage.
Die Wälder erstrecken sich über hunderttausende von Quadratkilometern
und bestehen vorwiegend aus Zedern,
verschiedenen Fichten- und Kiefernarten sowie Zitterpappeln.
Das Klima im Bereich des Kanadischen Schildes ist im allgemeinen kontinental. Je weiter man nach Norden
kommt, desto kälter wird es, doch es
gibt auch wärmere Gebiete, wie z. B.
Sudbury am Südrand des Schildes, wo
die Temperaturen im Sommer bis auf
28 °C steigen können. Die Niederschläge nehmen nach Osten zu.
Im Süden endet der Kanadische
Schild im Bereich der Großen Seen und
des St. Lorenz-Tieflands, das dichtbevölkertste Gebiet der beiden größten
Provinzen Ontario und Québec. Man
14
GEOGRAFIE
Geografie
1
hingegen sind für den Ackerbau unbrauchbar.
Wegen der Meerferne herrscht bei
den Großen Seen und im St. LorenzTiefland kontinentales Klima. Die Niederschläge betragen 70 bis 100 cm im
Jahr. Im Sommer kann es in den Städten
sehr schwül werden. Im allgemeinen
sind die Temperaturen im Süden Ontarios etwas höher als in Süd-Québec.
Appalachen
Zur Appalachenregion gehören neben dem Südwesten Québecs mit der
Gaspé-Halbinsel die Atlantikprovinzen
New Brunswick, Neufundland und Labrador, Prince Edward Island und Nova
Scotia. Die einzige Küstenprovinz, die
ganz auf kanadischem Festland liegt, ist
New Brunswick. Nova Scotia ist nur
durch eine Landenge an der Bay of Fundy mit dem Festland verbunden. Die
Provinz Neufundland und Labrador besteht aus der Insel Neufundland im
Nordatlantik und dem größeren, an
Québec grenzenden Festlandsteil Labrador. Im Vergleich zum restlichen
Land gelten die Atlantikprovinzen als
„Armenhaus“ Kanadas und sind von
der finanziellen Unterstützung der
wohlhabenderen Provinzen abhängig.
Das Relief der Appalachen-Region
ist sehr abwechslungsreich und lässt
eine dichte Besiedlung nur an wenigen
Stellen zu. Daher gibt es keine Städte,
nur kleinere Orte. Den größten Teil prägen mittelgebirgsartige Höhenzüge und
enge, tiefe Täler. In den Monts ChicChoc erreichen die Appalachen Höhen
bis zu 1250 m, in New Brunswick und
Neufundland nur etwa 900 m.
Eine Reise durch diese Provinzen
führt durch die unterschiedlichsten
Landschaftsformen. New Brunswick ist
von dichten Wäldern bedeckt, gibt sich
jedoch im Norden und Süden mit nackten, aus den Baumkronen herausragenden Felskuppen und tiefen Tälern wildromantisch. Prince Edward Island, das
auch „Kartoffelinsel“ genannt wird, ist
durchgehend kultiviert und besticht im
Sommer mit satten Rot-, Grün- und
Blautönen, die von dem eisenhaltigen
Boden, den fetten Weiden und dem allgegenwärtigen Meer herrühren. Nova
Scotia wiederum wirkt nordisch-herb.
Vor allem die Ostküste ist extrem zerklüftet, Zehntausende felsiger Schären
schützen die Bewohner vor den Unbilden des rauen Nordatlantiks. Neufundland schließlich heißt in Kanada nicht
umsonst auch „the rock“: Landwirtschaft ist auf weniger als einem Prozent
der Fläche möglich, dichte Nadel- und
Birkenwälder bedecken das menschenleere Innere, und die unwegsamen Mittelgebirge im Osten und Westen setzen
dramatische Akzente.
Die Atlantikprovinzen sind berühmtberüchtigt für ihren Küstennebel. Er
tritt das ganze Jahr hindurch auf und
entsteht durch das Aufeinandertreffen
der kalten Labrador-Strömung mit der
warmen Luft über dem Golfstrom. Es
herrschen gemäßigte Temperaturen: rd.
23 °C im Sommer und -1 °C im Winter
(Halifax); die durchschnittliche Niederschlagsmenge beträgt 100 cm.
15
MONTRÉAL
16
Seit Jahrzehnten versuchen Wissenschaftler, das Rätsel zu lösen, wer die
ersten Bewohner des amerikanischen
Kontinents waren, woher und vor allem
wann sie kamen. Dabei wurde eine Reihe kontroverser Theorien entwickelt
und wieder verworfen, Datierungen um
Jahrtausende verschoben und neue Völker benannt. Mittlerweile aber scheinen
sich aus dem Puzzle der zahlreichen
Funde und neuesten Ausgrabungen die
Konturen eines relativ einheitlichen
Bildes abzuzeichnen. Bezüglich der
Datierung ist das Lager der Archäologen allerdings noch immer gespalten.
Es geht dabei um den „kleinen Unterschied“ von rund 35 000 Jahren und den
Zweifel an der Zuverlässigkeit von
C14-Tests. Glaubt man diesen jedoch,
hätte sich die Besiedlung Amerikas
etwa folgendermaßen abgespielt:
Bis vor ca. 50 000 Jahren lebte auf
dem ganzen Kontinent noch kein einziger Vertreter der Gattung Homo sapiens. Sie siedelten damals erst in
Asien, Europa und Afrika. Doch während der letzten Eiszeit senkte sich der
Meeresspiegel zeitweise so sehr, dass
zwischen Sibirien und Alaska – dort,
wo heute die Beringstraße liegt – eine
500 bis 1500 km breite interkontinentale Landbrücke aus dem Meer auftauchte. Auf ihr zogen riesige Tierherden von
Asien nach Nordamerika, und ihren
Fährten folgten die Großwildjäger, die
Vorfahren der Indianer. Sie kamen aus
Zentral- und Ostasien, gehörten aber
nicht zu den Mongoliden, denn diese
entwickelten sich selbst in ihrem Ursprungsland erst vor 15 000 Jahren.
Diese „Indianide“ genannten Einwanderer verbreiteten sich im Lauf langer
Wanderbewegungen über den ganzen
amerikanischen Kontinent, während
durch das „Tor von Alaska“ immer neue
Zuwanderer strömten – vielleicht aber
auch nur sickerten. Denn über Größe
oder genauere Zusammensetzung der
Gruppen lässt sich nur wenig aussagen.
Auch von den Lebensformen der frühen
Jäger hat man nur sehr vage Vorstellungen.
Sicher ist jedoch, dass die im Zeitraum vor 20 000-13 000 Jahren zunehmende Vereisung der riesigen Kontinentalgletscher Nordamerikas ihrem
Expansionsdrang gegen Süden einen
Riegel vorschob, so dass die Einwanderer jener Epoche in den eisfreien Gebieten des Nordwestens blieben. Zu den
„Neuankömmlingen“ zählten neben
den Indianiden auch die Vorfahren der
Eskimos. Sie erreichten die Halbinsel
von Alaska vor 15 000-10 000 Jahren
und breiteten sich von dort über die
ganze arktische Region des heutigen
Kanada bis nach Grönland aus. Mit
dem Ende der Eiszeit vor 10 000 Jahren
wurde die Beringia-Landbrücke wieder
vom Meer überflutet, und damit war das
„Tor von Alaska“ geschlossen.
Die Inuit
Während sich die Vorfahren der Indianer im Lauf der Jahrtausende über den
ganzen Kontinent verteilten – um
11 000 v. Chr. erreichten sie bereits die
Südspitze Feuerlands –, blieb die Arktis
der traditionelle Lebensraum der Eskimos. Von Alaska quer über ganz Nordkanada bis an die Küsten Grönlands
lebten sie – abhängig vom Rhythmus
der arktischen Jahreszeiten und den
Tierpopulationen – von der Jagd auf
Karibus und Meeressäuger und vom
Fischfang. Inuit, „Menschen“, so bezeichnen sich die kanadischen Eskimos
heute selbst, und so nennt man sie in
ganz Kanada. Das Indianerwort Eskimo, „Rohfleischesser“, empfinden viele
als Beleidigung.
Die Inuit gehören zu den MongoliLinks: Der Hochaltar in der Basilika NotreDame von Montréal von 1843.
den, was man äußerlich an der Mongo17
Geschichte und Bevölkerung
GESCHICHTE UND
BEVÖLKERUNG
1
GESCHICHTE UND BEVÖLKERUNG
GESCHICHTE UND BEVÖLKERUNG
guren aus Stein, Walrosszähnen und
Knochen, die zusammen mit Trommeln
und Masken Zeugnisse des Schamanentums der Dorset-Kultur sind.
Ab 1000 n. Chr. verbreitet sich die
sogenannte Thule-Kultur von Alaska
aus über ganz Nordkanada bis nach
Thule auf Grönland. Erst sie brachte
vieles hervor, was man heute gemeinhin
mit den Inuit identifiziert, wie etwa den
Iglu und den Hundeschlitten. Dabei
kannten vermutlich nicht einmal alle
Inuit den Iglu; als feste Winterbehausung benutzten ihn nur die Inuit in Labrador sowie westlich der Hudson Bay,
andernorts wurde er nur während der
Jagd kurzfristig errichtet.
Die Entdeckung der Hudson Bay
1610 und der Einbruch Europas in die
kanadische Arktis waren gleichzeitig
die Vorboten für das Ende der ThuleKultur. Ab 1750 zeigte sich bereits ein
tiefgreifender Wandel in der Lebensweise der autochthonen Kulturen Nordamerikas, bedingt durch den Kontakt
Oben: Die Inuit leben zwischen Traditionen mit der europäischen Zivilisation, der
und Moderne. Rechts: Indianerkleidung für Inuit wie Indianer nicht selten verheerende Folgen hatte.
kann man im Souvenirshop kaufen.
lenfalte, der typischen Augenlidfalte,
erkennt. Die älteste bekannte Inuit-Kultur ist die Prä-Dorset-Kultur (um 20001000 v. Chr.), eine Sammelbezeichnung
für eine Reihe verwandter Regionalkulturen, von denen man kunstvoll gearbeitete Steinwerkzeuge und Kleingeräte kennt. Sie benutzten zur Robbenjagd
Kajaks, jene Boote aus Leder und Knochen, die bis in jüngste Zeit zum Alltag
der Küstenbewohner gehörten. Etwa
um 1000 v. Chr. setzte die Dorset-Kultur ein, so genannt nach Kap Dorset auf
Baffin Island. Spuren dieser Kultur hat
man südlich bis nach Neufundland entdeckt. Die Dorset-Inuit entwickelten
neue Jagdtechniken vom Eisrand aus,
kannten bereits kleine Schlitten und
bauten in die Erde eingelassene Häuser
aus Stein und Grassoden, beheizt mit
großen Tranlampen, über denen man
auch kochte. Bemerkenswert sind die
naturalistischen Tier- und Menschenfi-
18
GESCHICHTE UND BEVÖLKERUNG
Anders als die Inuit präsentieren sich
die Indianer Nordamerikas als Völkermosaik, das man lange Zeit allein nach
der Zugehörigkeit zu einer Sprachfamilie untergliederte. Doch dieses Schema
wird weder dem kulturellen Spektrum
einer Sprachfamilie noch der Vielfalt an
indianischen Sprachen gerecht. So zählt
man heute 11 völlig unterschiedliche
Sprachstämme mit mehreren hundert
Einzelsprachen und zahlreichen Dialekten! Darüber hinaus lebten die Völker einer Sprachfamilie oft weit voneinander entfernt und auf verschiedenen
Zivilisationsstufen. So streiften die einen vielleicht noch als nomadisierende
Jäger und Sammler durch die Wälder,
während die anderen bereits sesshafte
Ackerbauern waren. Da sich auch eine
Einteilung nach ethnischen oder rein
geografischen Gesichtspunkten als wenig aussagekräftig erwies, verwendet der die Indianer Zelte, Kanus und
man heute eine Unterteilung in kultu- Schlitten bauten und sogar Geschirr
relle Großräume. Diese überziehen als herstellten.
flächendeckendes Netz den ganzen
Die Beothuk auf Neufundland, ebennordamerikanischen Kontinent – unge- falls Angehörige der Algonquinachtet der politischen Grenzen der Neu- Sprachgruppe, waren vermutlich die
zeit – und fassen sogenannte Kultur- ersten Indianer, die Kontakt mit Weißen
areale zusammen, in denen sich unter hatten: Zunächst mit den Wikingern,
ähnlichen Lebensbedingungen ver- die Ende des 10. Jh. an der Küste Neugleichbare Zivilisationen entwickelten. fundlands landeten und später mit GioDie nördlichste dieser Kulturregio- vanni Caboto, der im 15. Jh. als erster
nen ist die Arktis, der Lebensraum der Europäer nach der „Entdeckung Ameri(nicht-indianischen) Inuit und der mit kas“ durch Kolumbus Neufundland beihnen verwandten Alëuten. Daran trat. Sein Bericht über die Praxis der
schließt sich im Süden der Großraum Beothuk, den ganzen Körper rot zu beder Subarktis an, die sich als breiter malen, soll allen Indianern die BezeichGürtel quer über den Kontinent bis nach nung „Rothäute“ eingetragen haben. Zu
Neufundland zieht und heute fast aus- Beginn des 19. Jh. gab es keine Beothuk
schließlich auf kanadischem Staatsge- mehr, sie wurden von Sklavenjägern,
biet liegt. Dieses riesige Waldgebiet weißen Händlern gleich welcher eurowar und ist die Heimat verschiedener päischen Nation, den mit ihnen verfeinIndianervölker der Athabaska- und Al- deten, christianisierten Micmac-Indigonquin-Sprachfamilien. Ihre Lebens- anern, die die Franzosen in Neufundgrundlage bildeten die Jagd auf Groß- land angesiedelt hatten, und zuletzt von
wild (Karibu, Bison, Bären) und der den Pocken ausgerottet.
Fischfang, am Meer auch die RobbenDer Kulturraum im Südosten Kanajagd. Wichtiges Allzweckmaterial war, das ist das östliche Waldland, ein breiter
neben Tierhäuten, die Birkenrinde, mit Streifen zwischen der kanadischen
19
Geschichte und Bevölkerung
1
Die Indianer
GESCHICHTE UND BEVÖLKERUNG
Seenplatte und dem Atlantik, den die
Appalachen etwa in Nord-Süd-Richtung durchqueren. Das ehemals dicht
bewaldete Gebiet und die fischreichen
Seen boten den Indianern günstige Lebensbedingungen, so dass sich bereits
früh Ackerbaukulturen mit einer organisierten Stammesstruktur herausbilden konnten. In der Hauptsache siedelten hier Ethnien der Algonquin, die sich
von der Hudson Bay aus nach Süden
verbreitet hatten, und die Irokesen. Diese waren vom Süden des nordamerikanischen Kontinents wieder zurück
Richtung Norden gezogen, wo sie sich
im Gebiet um den Erie- und OntarioSee und im Tiefland des St. LorenzStromes niederließen. Die heute vor allem wegen ihrer ungewöhnlichen Haartracht so berühmten Irokesen waren jedoch keine homogene Ethnie, sondern
Mitglieder der irokesischen Sprachfamilie, die zahlreiche Gruppen mit unterschiedlichen Namen umfasste. Seit
Oben: „Tod des Hiawatha, letzter Häuptling
der Irokesen“. Rechts: Im 10. Jh. landeten
die ersten Wikinger in Neufundland.
20
der Gründung der bis heute bestehenden Irokesischen Föderation im 16. Jh.
bezeichnet man nur noch die „Fünf Nationen“, die Onondaga, Mohawk, Oneida, Seneca und Cayuga, als Irokesen.
1722 wurden noch die Tuscarora als
sechste Bundesgenossen aufgenommen. Die erbitterten Feinde der Irokesen waren ihre ebenfalls irokesisch
sprechenden Nachbarn, die Huronen.
Die ständigen Kriegszüge führten dazu,
dass auch sie mit einigen anderen Völkern einen Bund schlossen, der jedoch
nie die Größe und Machtfülle der Irokesischen Föderation erreichte.
Die Irokesen wohnten in festen Dörfern aus bis zu 100 Langhäusern. Diese
„Mehrfamilienhäuser“ baute man aus
Holz und Baumrinde. Sie lebten von der
Jagd und vom Fischfang, vor allem aber
betrieben sie einen hochentwickelten
Ackerbau. Sie pflanzten Mais, Bohnen,
Kürbisse und Sonnenblumen an und
hatten riesige Obstgärten. Auf anderen
Feldern wuchs der für ihre Zeremonien
benötigte Tabak. Der Boden und die
Ernte gehörten den Frauen, die in den
matrilinear organisierten Sippen auch
sonst das Sagen hatten – indirekt selbst
im Großen Rat der Föderation, denn die
Häuptlinge wurden von Frauen gewählt. Die Männer rodeten die Felder,
gingen auf die Jagd und mussten für die
Verteidigung ihrer Dörfer sorgen – sie
waren berüchtigt für ihre grausamen
Foltermethoden. Mit ihnen mussten so
manche weißen Einwanderer Bekanntschaft machen. Letztlich brachte der
weiße Mann jedoch auch den kriegerischen Irokesen den Untergang ihrer
Kultur.
DIE EUROPÄISCHE
KOLONISATION
Die ersten Europäer in Amerika waren die Wikinger. Die rauen Nordmänner aus dem heutigen Norwegen und
Dänemark segelten bereits Ende des 10.
Jh. über den Atlantik bis zur Küste des
nordamerikanischen Kontinents. Im
Geschichte und Bevölkerung
1
GESCHICHTE UND BEVÖLKERUNG
Norden Neufundlands, das sie Vinland,
„Weinland“, nannten, gründeten sie bei
L’Anse-aux-Meadows eine Siedlung.
Von dort wurden sie vermutlich von den
einheimischen Beothuk bald wieder
vertrieben. Doch die Schiffe der Wikinger kamen bis ins 14. Jh. hinein immer
wieder nach Labrador, Neufundland
und wahrscheinlich auch nach Nova
Scotia, um das begehrte Holz einzutauschen.
Der nächste Europäer, der seinen Fuß
auf kanadischen Boden setzte, war der
in englischen Diensten stehende Genuese Giovanni Caboto (John Cabot).
Im Juni 1497 erreichte er die Atlantikküste Kanadas, wahrscheinlich zunächst die Ostküste Neufundlands und
danach Cape Breton Island an der
Nordostspitze von Nova Scotia. Auch
Caboto war auf der Suche nach den
Schätzen Indiens, wie Kolumbus, der
fünf Jahre früher die Großen Antillen
entdeckt hatte und die Ureinwohner im
Glauben, er haben den Seeweg nach Indien gefunden, „Indianer“ nannte. Caboto berichtete über die reichen Fischbänke vor Neufundland, und um 1520
überwinterten in Ingonish in Nova Scotia bereits portugiesische Fischer.
Im 16. Jh. kamen mehr und mehr Europäer nach Kanada. Die Küsten der
Bay of Fundy wurden in 1520er Jahren
erforscht; 1534 landete Jacques Cartier
auf der Gaspé-Halbinsel und beanspruchte das Land für Frankreich. Im
nächsten Jahr erforschte er das Gebiet
des St. Lorenz-Stromes bis in die Gegend der heutigen Stadt Montréal. In
Cartiers Reiseberichten von 1556
taucht zum erstenmal der Name Canada auf. Zur Herkunft dieses Wortes erzählt man sich eine Reihe amüsanter
Anekdoten, doch am plausibelsten erscheint die Ableitung vom irokesischen
Kanata, was soviel wie „Siedlung“ oder
„Gruppe von Dörfern“ bedeutet.
Sowohl die Ethnien der Algonquin
als auch die Huronen hatten mit den ersten Europäern Kontakt und fanden Interesse an den Errungenschaften der europäischen Zivilisation. Ja, die Indianer
waren begierig auf Messer und Beile,
und die Weißen wollten Felle. Biberhüte waren der letzte Schrei in den Metropolen der Alten Welt, und Frankreich
21
GESCHICHTE UND BEVÖLKERUNG
sandigen Boden konnten sie nichts anbauen: Die Männer starben an Skorbut.
Diese Krankheit war bis dahin unbekannt gewesen, doch vermutete man
richtig, dass sie mit der einseitigen Ernährung aus gepökeltem Fleisch, gesalzenem Fisch, Hafergrütze und Zwieback zusammenhing. Da der Winter
sehr früh einsetzte, fällten sie die Bäume, die sie dringend als Windschutz gebraucht hätten, für Feuerholz. Mächtige
Packeisberge machten das Gewässer
ringsherum unsicher und unbefahrbar,
so dass sie bis zum Frühjahr auf der Insel gefangen waren. Doch wie verlockend die Rückkehr nach Frankreich
auch sein mochte, die Überlebenden luden all ihre Habseligkeiten auf die
Schiffe und überquerten die Bucht, wo
sie an der Westküste von Nova Scotia
Port Royal, das heutige Annapolis,
gründeten. Der kleine Hafen wurde das
Zentrum der ersten permanenten franbot den Händlern Pelzmonopole an, mit zösischen Kolonie in Amerika, und die
der Auflage, Siedlungen zu gründen. Pelzhändler und Kaufleute errichteten
Doch noch wussten die Händler dieses Handelsposten im weiten Umkreis von
günstige Angebot nicht recht zu schät- Port Royal. Akadien erstreckte sich
zen. So zögerte sich die europäische bald über die Hälfte der heutigen ProBesiedlung bis zum Beginn des 17. Jh. vinz Nova Scotia sowie einen kleinen
Teil von New Brunswick, und die Hanhin.
Im Jahr 1603 erkundete der Franzose delsniederlassungen, die Felle und
Samuel de Champlain, angelockt von Häute von Bibern, Ottern und Elchen
den versprochenen Pelzhandelsmono- nach Frankreich schicken konnten, zopolen, den St.-Lorenz-Strom. Bereits gen weitere Siedler an.
Champlains Hauptinteresse aber galt
im darauffolgenden Jahr kam er, den
man später den „Vater Kanadas“ nen- der Erforschung des Landes. 1608 fuhr
nen sollte, wieder. Dieses Mal mit zwei er noch einmal den St. Lorenz hinauf
Schiffen, die unter dem Oberbefehl von und gründete an der Stelle des späteren
Sieur de Monts mit 79 Siedlern an Bord Québec einen Handelsposten. Von dort
von Frankreich abgesegelt waren, um brach er 1613 und 1615 zu seinen Enteine Handelsgesellschaft und die Kolo- deckungsreisen ins Landesinnere auf,
nie Akadien zu gründen. Um dem kal- beseelt von der Hoffnung, doch noch
ten Winter im St.-Lorenz-Tiefland zu die Küste des chinesischen Meeres zu
entgehen, ließen sie sich weiter im Sü- erreichen.
So seltsam es heute klingen mag:
den nieder, auf einer kleinen Insel am
Eingang der Bay of Fundy. Es sollte Frankreichs Traum von einem amerikaeine Katastrophe werden. Auf der gan- nischen Reich war immer mit dem
zen Insel gab es kein Süßwasser, in dem Wunsch verbunden, die Nordwestpassage zum Pazifik zu entdecken.
Oben: Mohawkindianer. Rechts: Samuel de Schließlich war der portugiesische SeeChamplain, der „Vater“ Kanadas.
fahrer Magellan 1520 durch die nach
22
GESCHICHTE UND BEVÖLKERUNG
Geschichte und Bevölkerung
1
ihm benannte Meeresstraße im Süden
des Kontinents zum Pazifik und zu den
Philippinen gelangt. Die Entdeckung
und die Beherrschung einer direkten
Route von Europa in den Orient bedeutete in jenen Tagen eine Weltmachtstellung – nicht nur für Frankreich.
NOUVELLE FRANCE
Champlain tat sein Bestes, um den
Kolonisierungsauftrag der französischen Krone zu erfüllen. Jesuiten und
Franziskaner kamen nach Akadien und
ab 1615 nach Québec, um die Indianer
zu missionieren. In ihren Berichten
nach Hause schwärmten sie von der
Fruchtbarkeit des Landes und stellten
den Bauern als Lohn ihrer harten Arbeit
ein besseres Leben als im Mutterland in
Aussicht. Doch die einzigen, die Frankreich gern verlassen hätten, waren die
Hugenotten. Doch ihnen als Protestanten war Nouvelle France, das neue
Frankreich, verschlossen.
Trotz aller Bemühungen Champlains, die Kolonie Nouvelle France
aufzubauen, wuchs die Bevölkerung zu
langsam, um Frankreichs Gebietsansprüche wirklich abzusichern. 1627
gründete Kardinal Richelieu, der leitende Minister Frankreichs, deshalb die
neufranzösische Handelsgesellschaft
oder die „Gesellschaft der Hundert
Partner“, die Kanadas Erschließung
und Besiedlung vorantreiben sollte. Als
Anreiz bot die Krone große Ländereien
an, mit der Auflage, Felder zu roden
und Bauern anzusiedeln. In der heutigen Provinz New Brunswick gab es 34
solcher Lehensgüter, seigneuries genannt. Nach Akadien aber wollten nur
wenige Franzosen, bis die Gutsherren,
die seigneurs, ihren Bauern erlaubten,
neben dem Ackerbau auch Pelzhandel
und Fischerei zu betreiben. Dennoch
blieben auch diese habitants Untertanen ihrer Seigneurs, die wie Feudalfürsten herrschten.
So mancher zog da das freie Leben
der coureur des bois (Waldläufer) und
der voyageurs vor, Abenteurer, die als
Trapper und Pelzhändler die Wälder
und Gewässer weiter Teile Nordamerikas erforschten. Nicht selten heirateten
sie Indianerinnen und wurden so Mitglieder einer Stammesgemeinschaft.
Indianerkriege
Jacques Cartier hatte 1535 an der
Mündung des Saguenay bei Tadoussac
Indianer der Algonquin-Sprachfamilie
angetroffen, die Champlain später
Montagnais nannte. Ihr Stammesgebiet
lag in einer von der Natur reich gesegneten Wald- und Flusslandschaft, und
der Ort Tadoussac war ein wichtiges
Marktzentrum für den Tauschhandel aller Ethnien des Umlandes. Das Geschäft mit den weißen Händlern wollten
die Montagnais von Tadoussac allerdings allein machen und bauten sich gezielt ein Zwischenhandelsmonopol auf,
das den Franzosen und den benachbarten Ethnien direkte Handelskontakte
miteinander verwehrte. Getauscht wurden Pelze und Häute gegen Waffen,
Messer, Kessel, Stoffe und Perlen. Die
23
GESCHICHTE UND BEVÖLKERUNG
Montagnais machten gute Gewinne dabei, und Tadoussac entwickelte sich
zum wichtigsten Handelszentrum der
kanadischen Subarktis.
Als das lukrative Pelzgeschäft einmal mehr Zwietracht unter den Indianern säte, verbündeten sich die Franzosen mit ihren indianischen Geschäftspartnern. So zog Champlain bereits 1609 mit den Algonquin auf den
Kriegspfad gegen die Mohawk, einen
der Stämme des mächtigen Irokesenbundes. Damit legte er den Grundstein
für die Allianz Neufrankreichs mit den
Algonquin und wenige Jahre später
auch mit den Huronen.
Die Huronen lebten zu Champlains
Zeiten am Erie- und Huronensee, in einem Gebiet, das reich an Bibern und anderen wertvollen Pelztieren war. Auf
seiner zweiten Reise ins kanadische Inland 1615 verbrachte Champlain einen
Winter bei ihnen und knüpfte dabei
nicht nur feste Handelsbeziehungen,
sondern kämpfte auch an der Seite seiner Gastgeber gegen die Onondaga-Irokesen.
Die Feindseligkeiten zwischen den
Irokesen einerseits und den Huronen
und Algonquin andererseits waren zwar
nicht durch die weißen Pelzhändler ausgelöst worden. Aber die große Nachfrage nach Pelzen verschärfte die indianischen Interessenkonflikte um die Jagdgebiete und führten zu regelrechten
Kriegen. Die ersten weißen Verbündeten der Irokesen waren die Holländer,
die seit Beginn des 17. Jh. im heutigen
Staat New York siedelten. In ihrer Handelsstation Fort Orange am oberen
Hudson tauschten sie mit den Irokesen
Felle gegen Waffen.
Je enger die Allianz zwischen Huronen und Franzosen wurde, desto erbitterter bekämpften die Irokesen sie. Immer wieder griffen sie auch die Missionsstationen der Jesuiten an, die vor
Rechts: Port Royal Habitation von 1605, älteste Europäersiedlung nördlich von Florida.
24
allem im Zeitraum zwischen 1632 und
1662 besonders zahlreich entstanden.
Montréal musste allein 20 irokesische
Angriffe überstehen. Die Not der Franzosen war schließlich so groß, dass sie
ein Hilfsgesuch an Ludwig XIV. sandten. Der König erteilte daraufhin Neufrankreich, bis dato immer noch von der
französischen Handelsgesellschaft der
„Hundert Partner“ regiert, 1663 den
Status einer königlichen Provinz und
entsandte ein Militärkommando, das
die Irokesen besiegte und den Frieden
herstellte. Nun kamen mehr als 3000
Siedler ins Land, und für Neufrankreich
begann eine kurze Epoche des Aufschwungs. Der tödliche Gegner aber
war bereits aufmarschiert.
Kriege mit England
Seit die Briten 1664 die Holländer
aus Neu-Holland vertrieben hatten, waren es New Yorker und nicht mehr NeuAmsterdamer Händler, die die irokesische Föderation unterstützten. Ansonsten aber hatte sich wenig geändert. Die
Briten, bei der Kolonisierung der Neuen Welt bis dahin schon sehr viel erfolgreicher als ihre französischen Rivalen,
warfen ein Auge auf die reichen Fischgründe Akadiens, das sie 1613 und
1654 schon einmal erobert hatten, im
Frieden von Breda 1667 allerdings wieder an Frankreich abtreten mussten.
Die anglo-französische Rivalität um
die Gebietsansprüche in der Neuen
Welt spitzte sich durch die Gründung
der Hudson’s Bay Company im Jahr
1670 weiter zu. Die englische Handelsgesellschaft, bald eines der mächtigsten
Handelsunternehmen der damaligen
Welt, verwaltete exklusiv das riesige
Einzugsgebiet aller Flüsse, die in die
Hudson Bay mündeten. Damit gerieten
die französischen Siedler im St.-Lorenz-Tiefland in die Zange zwischen
der Hudson’s Bay Company im Norden
und den Irokesen im Süden. Diese fatale Situation führte 1689 schließlich zum
offenen Kampf zwischen den beiden
Geschichte und Bevölkerung
1
GESCHICHTE UND BEVÖLKERUNG
Kolonialmächten. Unterstützt von ihren
indianischen Verbündeten, bekämpften
sie sich mit wechselndem Kriegsglück.
Der Krieg endete 1697 mit dem Vertrag
von Ryswick, durch den Frankreich die
Hudson Bay und alle früheren Besitzungen – mit Ausnahme Neufundlands
– zurückerhielt. Drei Jahre später
schlossen auch die Irokesen mit Neufrankreich und dessen indianischen
Verbündeten Frieden. Nun schien Neufrankreich auf dem Höhepunkt seines
Erfolgs zu stehen. Doch das Glück sollte nur von kurzer Dauer sein. Denn
1701 brach in Europa der Spanische
Erbfolgekrieg aus, und es waren die
Engländer und ihre amerikanischen Kolonien, die vom Frieden von Utrecht
1713 profitierten: Frankreich musste
die Region um die Hudson Bay, Akadien (Nova Scotia ohne Cape Breton Island) und Neufundland endgültig an
Großbritannien abtreten.
Es folgte eine 30jährige Friedenszeit,
in der die Franzosen die Festung Louisbourg an der Ostspitze von Cape Breton
bauten, um die Zufahrt zum St.-LorenzGolf zu schützen. Die französische Ko-
lonie blühte auf: Die Bevölkerung
wuchs 1744 auf 42 000, Landwirtschaft, Handwerk und Schiffbau florierten, und auch die Holzwirtschaft
war von einiger Bedeutung. Montréal
und Québec entwickelten sich zu prosperierenden Städten, und überall am
St.-Lorenz-Golf entstanden Ortschaften mit weißen Häusern und steinerne
Gotteshäuser in europäischem Baustil.
Doch 1741 kämpften Frankreich und
Großbritannien im Österreichischen
Erbfolgekrieg auf verschiedenen Seiten. Auch er zeigte seine Auswirkungen
auf die Kolonien. Die Kolonisten Neuenglands besetzten 1745 Fort Louisbourg – bis mit dem Vertrag von Aachen 1748 wieder Frieden einkehrte.
Die nächsten Auseinandersetzungen
entzündeten sich am Gebietsanspruch
beider Kolonien auf das für den Pelzhandel interessante Tal des Ohio. 1754
kam es zu einem Zusammenstoß, bei
dem der Anführer der englischen Truppe, ein junger Offizier namens George
Washington, eine Schlappe erlitt. Damit begann in Nordamerika der French
and Indian War, der während des Sie25
GESCHICHTE UND BEVÖLKERUNG
benjährigen Krieges in Europa zwischen England und Frankreich als Seeund Kolonialkrieg geführt wurde.
Vorausgegangen war die Vertreibung
der Akadier, die seit 1713 in Nova Scotia unter englischer Oberherrschaft lebten und sich nun weigerten, den Treueschwur auf die englische Krone zu leisten. Man beschuldigte sie, die Indianer
gegen die Briten aufgehetzt zu haben
und damit eine Bedrohung für den Frieden in Nova Scotia darzustellen. 6000
akadische Siedler gingen in die Verbannung. Doch es gab auch viele, die das
Land, für das sie so hart gearbeitet hatten, nicht verlassen wollten. Sie versteckten sich in New Brunswick, gingen nach Québec oder flohen in die
Wälder. Der Siebenjährige Krieg besiegelte das Schicksal Neufrankreichs.
Zwei Jahre lang konnten sich die französischen Truppen behaupten, doch
dann wendete sich das Blatt zugunsten
der britisch-amerikanischen Streitmacht, verstärkt durch die englische
Oben: 200 Jahre alte Kanone im Fort Henry
bei Kingston.
26
Seemacht. 1758 fiel Louisbourg; 1759
eroberte General James Wolfe Québec;
und 1760 ergaben sich Montréal und
ganz Neufrankreich. Im Frieden von
Paris 1763 musste Frankreich alle nordamerikanischen Besitzungen östlich
des Mississippi an Großbritannien abtreten. Damit war Neufrankreich faktisch ausgelöscht, bis auf zwei kleine
Inseln vor Neufundland, St. Pierre und
Miquelon, mit den dazugehörigen Fischereirechten. Alle französischen Kanadier wurden britische Untertanen.
BRITISCH-NORDAMERIKA
Als Folge des Friedens von Paris erwartete man nun den Zustrom britischer
Siedler, denen man eine den übrigen
englischen Kolonien vergleichbare Regierung versprochen hatte. Statt dessen
gingen die meisten Neuengländer nach
Nova Scotia, wo das Land der 1755 vertriebenen Akadier lockte. Das Ungleichgewicht zwischen der britischen,
protestantischen Minderheit und den
frankophonen Katholiken in Québec
führte dazu, dass die Briten 1774 den
Anschluss an die Vereinigten
Staaten?
Die Kriege in Europa hatten den Bedarf nach Holz aus der Neuen Welt
stark gesteigert, und die Kolonien erlebten eine Epoche des Friedens und
Aufschwungs – bis zur Französischen
Revolution 1789 und den folgenden
Napoleonischen Kriegen. Die Schwächung Englands durch die 1806 verhängte Kontinentalsperre ermutigte die
Amerikaner zur „Befreiung“ Kanadas.
Denn was konnte erstrebenswerter sein
als der Anschluss an die Vereinigten
Staaten? Die Kanadier selbst aber sahen
die Dinge mit anderen Augen. Für sie
war der Angriff der amerikanischen
Truppen 1812 nichts anderes als eine
Invasion. Umgekehrt nutzten die Kanadier jedoch sofort die Chance, ihren
Machtanspruch auf die Gebiete im
Westen auszudehnen.
Beide Seiten beanspruchten den Sieg
in diesem Krieg für sich, in Wahrheit
aber endete er mit einem Patt. Der Friede von Gent (1814) stellte die alten
Grenzen wieder her. Erst durch die
Konvention von 1818 kam es zu einer
friedlichen Teilung des nordamerikanischen Kontinents, wobei der 49. Breitengrad zwischen dem Lake of Woods
und den Rocky Mountains als Grenze
zu den Vereinigten Staaten festgelegt
wurde. 1846 verlängerte man diese
Grenze bis zur Georgian Strait, der
Meeresstraße vor der Insel Vancouver.
Auf dem Weg zur Föderation
Die langen Kriegsjahre und der
schlichte Kampf ums Überleben in den
kleinen, weit im Land verstreuten Gemeinschaften hatten jede Art von politischem Leben in Französisch-Kanada
verhindert. Erst 1806, mit dem Erscheinen der ersten französischen Zeitung Le
Canadien, kam eine intensivere Auseinandersetzung mit der politischen
Lage in Gang. Der Ruf nach einem demokratischeren
Regierungssystem
wurde jedoch nicht vor 1820 laut, als
der große Einwandererstrom von den
britischen Inseln einsetzte. Politische
Unruhen, sowohl in Unter- als auch in
Oberkanada machten schließlich auch
der Regierung in England die Notwendigkeit von Reformen klar. Der daraufhin als Generalgouverneur entsandte Lord Durham empfahl der Regierung
27
Geschichte und Bevölkerung
Québec Act verabschiedeten. Das französische Zivilrecht wurde wieder eingeführt und dem englischen Strafrecht
zur Seite gestellt. Französisch wurde
neben Englisch zweite Amtssprache,
und Katholiken bekamen Zugang zu öffentlichen Ämtern.
Während diese Zugeständnisse die
französische Bevölkerung versöhnlich
stimmten, verärgerten sie die britischamerikanischen Kolonien sehr –
schloss der Geltungsbereich des Gesetzes doch das gesamte ehemals von
Frankreich beanspruchte Gebiet südlich des Ohio und westlich des Mississippi ein. Das war Wasser auf die Mühlen der amerikanischen Unabhängigkeitskämpfer, und 1775 beschloss man,
in Québec einzumarschieren. Das
Scheitern dieser Invasion führte zur
Teilung des nordamerikanischen Kontinents nach dem Unabhängigkeitskrieg:
Im Vertrag von Versailles 1783 wurden
Nova Scotia, Neufundland und Québec
Britisch-Nordamerika zugeschlagen.
Nun strömten alle jene nach BritischNordamerika, die sich während des
amerikanischen Unabhängigkeitskrieges auf die Seite der englischen Krone
gestellt hatten. Ihre Loyalität hatte sie
Haus und Hof gekostet. Die mehr als
40 000 Flüchtlinge machten bald eine
administrative Reorganisation der Provinzen erforderlich: 1784 wurde New
Brunswick aus Nova Scotia herausgelöst, und 1791 unterteilte man die Provinz Québec in das fast ausschließlich
englisch besiedelte Oberkanada (heute
Ontario) und das überwiegend französischsprachige Unterkanada (heute
Québec).
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GESCHICHTE UND BEVÖLKERUNG
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