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Der Finanzplatz Pfäffikon ist viel besser als sein Ruf

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Date: 18.02.2015
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9 771661 033034
08
unabhängige zeitung für die höfe |
Redaktion: Verenastrasse 2, Postfach, 8832 Wollerau
Tel. 044 787 03 03, Fax 044 787 03 10, www.hoefner.ch,
E-Mail: redaktion@hoefner.ch
E-Mail für Sport: sport@hoefner.ch
Inserate: Mediaservice, Verenastrasse 2, 8832 Wollerau
Tel. 044 786 09 09, Fax 044 786 09 10
E-Mail: inserate@theilermediaservice.ch
| Mittwoch, 18. Februar 2015 | Nr. 32 | AZ 8832 Wollerau | Chf 2.20
Ausserschwyz:
Freienbachs beste
Jasser werden
gesucht. Seite 2
Boulevard:
Die Suva erklärt auf
dem Hoch-Ybrig
Risiken. Seite 32
Der Finanzplatz Pfäffikon
ist viel besser als sein Ruf
Stefan Hiestand und Joe Bättig reden im Interview Klartext: Dem Finanzplatz Pfäffikon gehört die Zukunft.
M
von Andreas Knobel
Die zwölfjährige Lu und ihre sechsjährige
Bild yas
Schwester Bianca.
Junge Autorinnen
am Werk
Specialised Asset Manager
Wie der Vater, so die Töchter: Bernhard Bauhofer aus Wollerau hat einige
Bücher geschrieben. Und seine Töchter scheinen in seinen Fussstapfen zu
wandern. Bereits im vergangenen Jahr
haben Lu und Bianca Bauhofer ein
Buch geschrieben. Nun ist ein zweites
entstanden: «Goldasch, was soll das?
Wie eine Katze zur Hi-Hi-Hyäne wurde». «Bei uns dreht sich alles um unsere Katze Goldie», sind sich die Bauhofers einig. So wissen sie nicht mehr
genau, wer auf die Idee gekommen ist,
aus den alltäglichen Flausen der Katze eine Abenteuergeschichte zu schreiben. Sicher ist, dass eine Afrika-Reise,
auf der Lu und Bianca zum ersten Mal
eine Hyäne gesehen haben, die Mädchen inspiriert hat. (asz)
it seinen Beton- und
Glaspalästen
prägt
er
den
Dorfkern
Pfäffikons unverkennbar – und doch bleibt
er für die meisten eine Black Box: der
Finanzplatz Pfäffikon. Was wird dort
eigentlich gemacht? Wie viele Menschen beschäftigt er? Welche volkswirtschaftliche Bedeutung hat er wirklich?
Antworten auf diese Fragen haben
Stefan Hiestand und Joe Bättig.
Zwar konzentrieren sie sich mit
ihrer AgaNola vor allem auf Wandelanleihen, sie beobachten aber auch
den Wandel Pfäffikons seit vielen
Jahren, Hiestand ist gar teilweise an
der Bahnhofstrasse aufgewachsen.
Im Interview reden die beiden
Finanzexperten Klartext. «Der Finanzplatz Pfäffikon ist das finanzielle Silicon Valley der Schweiz», sind sie überzeugt. Innovationen gebe es nicht
mehr in Zürich, sondern in Pfäffikon,
wo vor allem Start-up-Unternehmen
und Family Offices vermehrt heimisch
werden. Nicht weniger als 2500 Menschen arbeiten direkt auf dem Finanzplatz Pfäffikon. Dieser werde sich denn
auch in Zukunft positiv entwickeln,
glauben Hiestand und Bättig. Und
selbst die Beziehung der Banker zur
alteingesessenen Bevölkerung sehen
die beiden entspannt.
Stefan Hiestand (l.) und Joe Bättig rücken den Finanzplatz Pfäffikon ins rechte Licht.
Bild zvg
Bericht Seite 5
Feusisberg hat über
5000 Einwohner
Die Gemeinde Feusisberg hat eine weitere
«Schallmauer» durchbrochen: Letztes
Jahr konnte der 5000. Feusisberger
begrüsst werden, sodass per Ende 2014
5031 Einwohnerinnen und Einwohner gezählt wurden. Auch sonst kann
der Gemeinderat Feusisberg eine ganze
Reihe von Neuigkeiten verkünden. So hat
er sich zum Beispiel ein neues, modernes Kommunikationskonzept beschafft.
Erfreulich ist auch die Trendumkehr
bei den beiden Schulorten. Nach mehreren Jahren mit sinkenden Schülerzahlen zeigt die Entwicklung nach oben. Und
schliesslich erhält die Feuerwehr 54 neue
Helme. (asz)
Bericht Seite 7
ReklAMe
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Interview Seite 9
Das Seilziehen ist
vorprogrammiert
Fulminanten Schlusspunkt gesetzt
Angefangen bei den unterhaltsam gestalteten Kinderfasnachten in Freienbach, Pfäffikon und Wilen über die traditionellen
Wurst- und Brotverteileten, die pikante Brandrede und das Malefizgericht bis hin zum Verbrennen von Pfäffiker Böögg,
Wollerauer Beckitogg und Schindellegler Sihlhäx: Die fünfte Jahreszeit wurde am gestrigen Güdelzischtig in den Höfner
Orten gebührend beschlossen (Berichte Seiten 2, 10 und 11).
Text und Bild Tatjana Kistler
MuKEn, das sind die Mustervorschriften im Energiebereich. Sie bilden die
Basis, mit deren Hilfe die Energiewende vollzogen werden soll. Die MuKEn
sind Mitte Januar von den kantonalen
Energiedirektoren revidiert und erlassen worden. Sie sollen den föderalistischen Vorschriftensalat im Energieverbrauch verhindern und einen hohen
Grad an Harmonisierung gewährleisten. Die wichtigsten Vorschriften sind
im Basismodul zusammengefasst, das
in die kantonalen Energie- und Baugesetze einfliessen soll. Bis 2018 sollen die MuKEn in den kantonalen Gesetzgebungen umgesetzt werden. Dass
dies im Kanton Schwyz ein schwieriges Unterfangen werden wird, zeigt
unsere Rückfrage bei den Vertretern
der vier Parteien mit Fraktionsstärke.
Während die Linke diesen Vorschriften grosse Sympathie entgegenbringt,
stellt sich die Rechte schon jetzt auf
den Standpunkt, dass sich der Kantonsrat überhaupt nicht an diese vorgespurten Entscheide gebunden fühlen
muss. Das Seilziehen im Kantonsparlament ist vorprogrammiert. ( fan)
Bericht Seite 3
ReklAMe
Krankenkassen und Pharmabranche entzweit
Der tiefe Eurokurs hat eine neue Runde
im Streit um Medikamentenpreise eingeläutet: Während die Pharmabranche
vor überstürztem Handeln warnt, fordern die Krankenkassen weitere Massnahmen, um Einsparungen rascher und
umfassender weiterzugeben. «Das Sparpotenzial bei den Medikamentenpreisen ist noch nicht ausgeschöpft», erklärte gestern Verena Nold, Direktorin
des Krankenkassenverbands santésuisse. Würden die Medikamentenpreise an den aktuellen Wechselkurs angepasst, könnten jährlich bis zu 405 Mio. Fr.
eingespart werden. Dazu müssten laut
Nold aber die Medikamentenpreise flexibler angepasst werden. Mit dem heutigen System sei dies nicht möglich.
Der Bundesrat überprüft seit 2012
jeweils im November einen Drittel aller
kassenpflichtigen Medikamente und
verordnet Preissenkungen. Den Wechselkurs legt das Bundesamt für Gesundheit aber bereits im Februar fest. Für die
derzeitige Überprüfung wird der durchschnittliche Wechselkurs zwischen Februar 2014 und Januar 2015 verwendet –
er beträgt 1.20 Franken. (sda)
Höfner Volksblatt
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Bericht Seite 25
1985 – 2015: 30 Jahre Kompetenz,
Herz und Leidenschaft
| Mittwoch, 18. Februar 2015 | Nr. 32 | AZ 8832 Wollerau | Chf 2.20
Ausserschwyz:
Freienbachs beste
Jasser werden
gesucht. Seite 2
Boulevard:
Die Suva erklärt auf
dem Hoch-Ybrig
Risiken. Seite 32
Der Finanzplatz Pfäffikon
ist viel besser als sein Ruf
Stefan Hiestand und Joe Bättig reden im Interview Klartext: Dem Finanzplatz Pfäffikon gehört die Zukunft.
M
von Andreas Knobel
Die zwölfjährige Lu und ihre sechsjährige
Bild yas
Schwester Bianca.
Junge Autorinnen
am Werk
Wie der Vater, so die Töchter: Bernhard Bauhofer aus Wollerau hat einige
Bücher geschrieben. Und seine Töchter scheinen in seinen Fussstapfen zu
wandern. Bereits im vergangenen Jahr
haben Lu und Bianca Bauhofer ein
Buch geschrieben. Nun ist ein zweites
entstanden: «Goldasch, was soll das?
Wie eine Katze zur Hi-Hi-Hyäne wurde». «Bei uns dreht sich alles um unsere Katze Goldie», sind sich die Bauhofers einig. So wissen sie nicht mehr
genau, wer auf die Idee gekommen ist,
aus den alltäglichen Flausen der Katze eine Abenteuergeschichte zu schreiben. Sicher ist, dass eine Afrika-Reise,
auf der Lu und Bianca zum ersten Mal
eine Hyäne gesehen haben, die Mädchen inspiriert hat. (asz)
it seinen Beton- und
Glaspalästen
prägt
er
den
Dorfkern
Pfäffikons unverkennbar – und doch bleibt
er für die meisten eine Black Box: der
Finanzplatz Pfäffikon. Was wird dort
eigentlich gemacht? Wie viele Menschen beschäftigt er? Welche volkswirtschaftliche Bedeutung hat er wirklich?
Antworten auf diese Fragen haben
Stefan Hiestand und Joe Bättig.
Zwar konzentrieren sie sich mit
ihrer AgaNola vor allem auf Wandelanleihen, sie beobachten aber auch
den Wandel Pfäffikons seit vielen
Jahren, Hiestand ist gar teilweise an
der Bahnhofstrasse aufgewachsen.
Im Interview reden die beiden
Finanzexperten Klartext. «Der Finanzplatz Pfäffikon ist das finanzielle Silicon Valley der Schweiz», sind sie überzeugt. Innovationen gebe es nicht
mehr in Zürich, sondern in Pfäffikon,
wo vor allem Start-up-Unternehmen
und Family Offices vermehrt heimisch
werden. Nicht weniger als 2500 Menschen arbeiten direkt auf dem Finanzplatz Pfäffikon. Dieser werde sich denn
auch in Zukunft positiv entwickeln,
glauben Hiestand und Bättig. Und
selbst die Beziehung der Banker zur
alteingesessenen Bevölkerung sehen
die beiden entspannt.
Stefan Hiestand (l.) und Joe Bättig rücken den Finanzplatz Pfäffikon ins rechte Licht.
Bild zvg
Interview Seite 9
Das Seilziehen ist
vorprogrammiert
MuKEn, das sind die Mustervorschriften im Energiebereich. Sie bilden die
Basis, mit deren Hilfe die Energiewende vollzogen werden soll. Die MuKEn
sind Mitte Januar von den kantonalen
Bericht Seite 5
Energiedirektoren revidiert und erlassen worden. Sie sollen den föderalistischen Vorschriftensalat im Energieverbrauch verhindern und einen hohen
Grad an Harmonisierung gewährleisten. Die wichtigsten Vorschriften sind
im Basismodul zusammengefasst, das
in die kantonalen Energie- und BauDie Gemeinde Feusisberg hat eine weitere
gesetze einfliessen soll. Bis 2018 sol«Schallmauer» durchbrochen: Letztes
len die MuKEn in den kantonalen GeJahr konnte der 5000. Feusisberger
setzgebungen umgesetzt werden. Dass
begrüsst werden, sodass per Ende 2014
dies im Kanton Schwyz ein schwieri5031 Einwohnerinnen und Einwohner gezählt wurden. Auch sonst kann
ges Unterfangen werden wird, zeigt
der Gemeinderat Feusisberg eine ganze
unsere Rückfrage bei den Vertretern
Reihe von Neuigkeiten verkünden. So hat
der vier Parteien mit Fraktionsstärke.
er sich zum Beispiel ein neues, moderWährend die Linke diesen Vorschriften grosse Sympathie entgegenbringt,
nes Kommunikationskonzept beschafft.
stellt sich die Rechte schon jetzt auf
Erfreulich ist auch die Trendumkehr
bei den beiden Schulorten. Nach mehden Standpunkt, dass sich der Kantonsreren Jahren mit sinkenden Schülerzahrat überhaupt nicht an diese vorgelen zeigt die Entwicklung nach oben. Und
spurten Entscheide gebunden fühlen
AgaNola
AG
schliesslich erhält die Feuerwehr 54 neue Angefangen bei den unterhaltsam gestalteten Kinderfasnachten in Freienbach, Pfäffikon und Wilen über die traditionellen muss. Das Seilziehen im KantonsparlaHelme.
(asz)
ment ist vorprogrammiert. ( fan)
Wurstund
Brotverteileten,
die
pikante
Brandrede
und
das
Malefizgericht
bis
hin
zum
Verbrennen
von
Pfäffiker
Böögg,
Bahnhofstrasse 3 | 8808 Pfaeffikon SZ | Switzerland
1
Wollerauer Beckitogg und Schindellegler Sihlhäx: Die fünfte Jahreszeit wurde am gestrigen Güdelzischtig in den Höfner
P: +41 44
560
7700
|
F:
+41
44
560
7770
Orten gebührend beschlossen (Berichte Seiten 2, 10 und 11).
Bericht Seite 7
Text und Bild Tatjana Kistler Bericht Seite 3
Feusisberg hat über
5000 Einwohner
Fulminanten Schlusspunkt gesetzt
Contact@AgaNola.com | www.AgaNola.com
Rekl AMe
Krankenkassen und Pharmabranche entzweit
ReklAMe
immobilien – real estate
/2
Date: 18.02.2015
IntervIew
Mittwoch, 18. Februar 2015
9
«Der Finanzplatz Pfäffikon ist das
finanzielle Silicon Valley der Schweiz»
Stefan Hiestand und Joe Bättig sind zwei Finanzfachleute, die den Finanzplatz Pfäffikon seit Jahren beobachten. Sie schätzen seine Zukunft
durchaus positiv ein, sofern die Rahmenbedingungen weiterhin stimmen. Auch das Verhältnis zur Bevölkerung sehen sie entspannt.
mit Stefan Hiestand und Joe Bättig
sprach Andreas Knobel
irgendwann sind es noch 1800. Und
dies hat nicht zu weniger Volumen
oder zu Ineffizienz geführt, sondern
zu einer gesunden Marktbereinigung.
Sie repräsentieren hier den Finanzplatz Pfäffikon. Kann man überhaupt von einem eigenen Finanzplatz sprechen?
Stefan Hiestand: Wenn ich die Entwicklung der letzten 15 bis 20 Jahre betrachte, die Infrastruktur, die steuerlichen
Rahmenbedingungen, die Nähe zu Zürich – ganz klar ja. Dieser Finanzplatz
wuchs mit der Hedgefonds-Industrie,
die hierher gezogen ist.
In einer Fachpublikation hiess es:
«Pfäffikon soll es richten.» Wie soll
Pfäffikon den Finanzplatz Zürich
oder gar Schweiz retten?
Hiestand: Pfäffikon hat infrastrukturund steuermässig sehr gute Rahmenbedingungen. Es gibt auch noch – oder
erst recht wieder – vernünftige Mieten
für Neugründungen. Die Pionierphase
ist immer am heikelsten, da schaut
man primär auf die Kosten. Für eine
Neugründung ist Pfäffikon ein sehr
gutes Pflaster.
Bättig: Es gibt auch noch eine emotionale Komponente. Es sind hier viele
ähnlich positionierte Firmen ansässig.
Man kann sich unter seinesgleichen
treffen und austauschen. Für ein Startup-Unternehmen ist es äusserst wichtig, dorthin zu gehen, wo die Innovation zu Hause ist, ins finanzielle Silicon
Valley – und dies ist nun mal Pfäffikon
und nicht Zürich.
War das ein geplanter Aufbau oder
einfach Zufall?
Hiestand: Ich bin ja hier an der Bahnhofstrasse teilweise aufgewachsen und
denke, dass schon vieles Zufall war.
Erster Auslöser war der Bau der Autobahn 1967, die eine Zuwanderung
auslöste, und in den 90er-Jahren folgten die tiefen Steuern. So kamen die
Finanzleute in die Region.
Was unterscheidet Pfäffikon von
anderen Finanzzentren? Inzwischen gibts ja nicht nur Private Banker, alle relevanten Banken
haben hier stattliche Sitze erstellt.
Hiestand: Ja, inzwischen sind sämtliche Banken hier angesiedelt, aber
die kamen erst später. Ursprünglich
gab es hier nur die Schwyzer Kantonalbank, die Bank vom Linthgebiet
und die Bank Bütschwil. Die Grossbanken schlossen sich erst später diesem
Finanzplatz an, als die HedgefondsIndustrie bereits wieder abbaute.
«Direkt beschäftigt der
Finanzplatz Pfäffikon
2500 Personen.»
Joe Bättig
Specialised Asset Manager
Wir Aussenstehenden sehen nur
die Massen, die per Bahn oder mit
schicken Autos nach Pfäffikon strömen. Wie viele Menschen arbeiten
denn am Finanzplatz Pfäffikon?
Joe Bättig: Nach offiziellen Angaben
des Kantons Schwyz sind 2500 Personen direkt im Finanzplatz Pfäffikon
beschäftigt, 5500 indirekt. Letztere
haben einen Bezug zum Finanzplatz,
bringen Wertschöpfung hinein, haben
aber ihren Arbeitsplatz nicht vor Ort.
Es gab jedoch ein Auf und Ab. Nach
dem Wegzug von Rainer-Marc Freys
Stefan Hiestand
Stefan Hiestand (53) ist CEO
und Gründer der AgaNola AG
in Pfäffikon. Er verfügt über
30 Jahre Erfahrung in der
Finanzbranche und ist Experte
für Wandelanleihen. Von 1993
bis 2007 war er bei Jefferies in
London als Managing Director
tätig. 1994 gründete er Jefferies
(Schweiz) Ltd. und wurde zum
CEO ernannt. Gleichzeitig
betraute man ihn mit dem Aufbau
des Asset Managements von
Wandelanleihen. 2000 wurde
er Verwaltungsrat bei Jefferies
International Ltd. und 2003
Vorsitzender des Verwaltungsrats
der Jefferies (Schweiz) AG. Davor
war er bei der J. Henry Schroder
Bank, Citigroup und Nat-WestGruppe tätig. Hiestand lebt mit
seiner Familie in Wollerau.
Stefan Hiestand (l.) und Joe Bättig kennen den Finanzplatz Pfäffikon sehr genau und geben ihm gute Chancen für die Zukunft.
MAN glaubte man den Finanzplatz
Pfäffikon am Boden. Wo stehen wir
zurzeit?
Hiestand: Da muss ich präzisieren. Rainer-Marc Frey ist gar nie weggezogen.
Im Jahr 2002 hat er seine RMF an die
MAN verkauft, die schon seit Beginn
der 90er-Jahre in Pfäffikon angesiedelt
war und dann den Sitz verlagerte. Frey
selber ist aber heute noch mit seiner
Horizon 21 in Pfäffikon tätig. Es gab
aber schon ein Auf und Ab. Die Hedgefonds-Industrie hatte ihren grossen
Aufschwung nach der Jahrtausendwende, kollabierte dann wegen der
Finanzkrise 2008 und ist nun wieder
im Aufbau begriffen. In der Zwischenzeit siedeln sich auch immer mehr
Family Offices an.
Family Offices, das heisst Finanzverwaltungsfirmen von sehr reichen Familien?
Hiestand: Genau, die haben eigene
Leute, die nur das Familienvermögen
verwalten. Hier stellen wir einen guten
Zufluss fest. Vermehrt aufgekommen
sind auch spezialisierte Firmen wie
etwa unsere AgaNola, die sich auf
Wandelanleihen konzentriert. Diese
Spezialisten stammen oft aus Grossbanken und machen sich in kleinen
Teams selbstständig. All diese Unternehmen haben für einen erneuten
Aufschwung in Pfäffikon gesorgt.
Man hört stets vom schubweisen
Abbau von Arbeitsplätzen, aber nie
vom Ausbau, der tröpfchenweise
vor sich geht.
Bättig: Das ist es genau. Entlassungen finden oft in der Masse statt. Dass
aber ein Arbeitgeber – nehmen wir das
Beispiel Julius Bär – zuvor viele neue
Leute eingestellt hat, davon hört man
nichts. Auch die vielen kleinen Neuansiedlungen gehen unter Ausschluss
der Öffentlichkeit vor sich. Gerade die
Family Offices betreiben ein diskretes
Geschäft. Da wird ein Ausbau nicht
in den Medien breitgeschlagen. Unter
dem Strich aber ergibt sich eine grosse
Anzahl von neuen Arbeitsplätzen.
Sind diese Family Offices, die ja
auch Privatschulen in den Höfen
besitzen, eine Konkurrenz oder
eine Bereicherung?
Hiestand: Sie sind ganz klar eine
Bereicherung. Pfäffikon besteht aus
Spezialisten. Und genau diese Spezialisten werden von den Family Offices
gesucht. Sie sind flexibel und entscheidungsfreudig, im Gegensatz zum Beispiel zu einer Pensionskasse.
Bättig: Die Family Offices gehen
eher zu einem speziellen Anbieter als
zu einer Grossbank. Sie sind also sogar
eine extreme Bereicherung.
Kürzlich wurde bekannt, dass die
Höfner die Hälfte des kantonalen
Ressourcenkapitals
generieren.
Deshalb sollen sie mehr in den
Finanzausgleich zahlen, obwohl
sie auch die Hälfte der kantonalen
Steuern beitragen. Ist der Finanzplatz Pfäffikon eine Milchkuh?
Bättig: Diese Kritiker sollten mal die
Rechnung machen, wo sie stehen
würden, wenn sie die Höfe nicht mehr
hätten. Dann haben sie ein grosses Problem. Zwar müsste der Kanton nicht
mehr so viel in den nationalen Finanzausgleich zahlen, gleichzeitig aber
würde er nur noch über die Hälfte der
Steuereinnahmen verfügen. Als Milchkuh fühlen wir uns aber dennoch
nicht. Denn die Rahmenbedingungen stimmen für die Finanzunternehmen. Was dann genau mit den Steuern
passiert, die sie abliefern, interessiert
sie nur am Rande.
«Nein, als Milchkuh
fühlen wir uns nicht.»
Joe Bättig
Hiestand: Man kann dem Finanzplatz Pfäffikon sicher nicht vorwerfen,
er würde das Ressourcenkapital in die
Höhe treiben. Diese Kosten deckt er
alle auch selber. Sollte sich der politische und finanzielle Druck auf dieses
Finanzzentrum jedoch erhöhen, entstünde ein Missverhältnis, das auf kein
Verständnis stossen würde. Zurzeit ist
das Verhältnis aber fair.
Allerdings tragen juristische Personen in der Gemeinde Freienbach
lediglich 14 Prozent der Steuereinnahmen bei. Diese Firmen bringen also gar nicht das grosse Geld?
Bild zvg
Bättig: Das erstaunt mich gar nicht.
Das sind viele junge Unternehmen,
die sich in der Investitionsphase befinden. In den ersten zehn Jahren wirft
das wenig Gewinn ab. Nur ist dies
sehr kurzfristig gedacht. Denn diese
Gegend ist attraktiv und bietet nicht
nur als Arbeitsplatz viel, sondern auch
als Wohnort. Viele überdurchschnittlich verdienende Finanzleute wohnen
nämlich auch hier und bezahlen hier
ihre Steuern. Dieser Anteil darf nicht
vergessen gehen – diese Leute sind die
Treiber.
Kämpft man immer noch mit der
Finanzkrise oder sind es eher die
tiefen Zinsen, die Probleme mit
den US-Behörden, der Wegfall des
Bankgeheimnisses, die Eurokrise
und das verlangsamte Wirtschaftswachstum?
Hiestand: Alle diese Faktoren spielen
eine Rolle. Die Initialzündung war
die Finanzkrise 2008. Ein Jahr später
glaubte man, sie überstanden zu haben.
Die Situation erwies sich aber als viel
komplexer. Ganz grob zusammengefasst müssen erstens die Prozesse
optimiert und effizienter gestaltet werden, zweitens muss die Innovationskraft der Anbieter grösser werden.
Bättig: Das grösste Hindernis ist die
Unsicherheit. Wer sich nicht sicher
ist, bleibt beim Alten. Deshalb ist die
Spezialisierung so wichtig. Man muss
wissen, wo man stark ist und was man
kann. Wer nicht saubere und transparente Prozesse vorweisen kann, wird in
Zukunft keine Chance haben. Der Vorteil der Kleinen gerade in Pfäffikon ist
zudem, dass man sehr unternehmerisch handeln kann und nicht 15 Prozent an ein Group Head Office abgeben
muss.
Können all diese Regulierungen
auch bewirken, dass Auswüchse,
wie etwa die Boni, zu einer Gesundung und Mässigung des Finanzplatzes führen?
Bättig: Hundertprozentig! Ich bin
überzeugt, dass dies zu einer gesunden Strukturbereinigung führt. Beispiel Pensionskassen: Davon gab es
vor wenigen Jahren noch 6000 – ohne
Aufsicht. Die Aufsicht wurde dann
neu geordnet, jetzt gibt es noch 3000,
Pfäffikon ist das finanzielle Silicon
Valley?
Bättig: Eindeutig! Wo gab es in Zürich
in letzter Zeit denn Innovationen?
Nirgends! Nur Fusionen und Verkäufe,
keine Innovation. Über Pfäffikon redet
man, über Zürich nicht.
Aber «Retter des Finanzplatzes» ist
etwas hoch gegriffen?
Bättig: Ja, das ist übertrieben. Aber die
Weiterentwicklung des Finanzplatzes
findet in Pfäffikon statt, Pfäffikon ist
der Vorreiter.
«Der Finanzplatz
Pfäffikon wird weiter
wachsen können.»
Stefan Hiestand
Wagen Sie eine Prognose, wie sich
Pfäffikon entwickelt?
Hiestand: Ich sehe es positiv, wenn
die Rahmenbedingungen weiterhin
stimmen, auch makroökonomisch.
Geld wird immer eine Rolle spielen,
der Finanzplatz Pfäffikon wird weiter
wachsen können.
Bättig: Es wird hier eine Community von Spezialisten geben. Die Arbeitsplätze werden sich zwar nicht gleich
verdreifachen, aber es wird vermehrt
nachhaltige Arbeitsplätze geben.
Joe Bättig
Joe Bättig (59) ist Verwaltungsratspräsident der AgaNola
AG in Pfäffikon und blickt auf
mehr als 30 Jahre Erfahrung
im Versicherungsbereich
zurück. Der diplomierte
Mathematiker promovierte 1980
an der ETH Zürich. Von 1980
bis Anfang 2014 hatte Bättig
diverse Top-ManagementPositionen bei führenden
Versicherungsgesellschaften
inne, davon lange Jahre bei der
Zurich Group. Er präsidierte
diverse Branchenverbände und
setzte sich für eine qualitative
Verbesserung der Ausbildung
im Finanzbereich ein.
Bättig lebt mit seiner
Frau in Baden.
Höfner Volksblatt
Verenastrasse 2
8832 Wollerau
www.hoefner.ch
IntervIew
Mittwoch, 18. Februar 2015
9
«Der Finanzplatz Pfäffikon ist das
finanzielle Silicon Valley der Schweiz»
Stefan Hiestand und Joe Bättig sind zwei Finanzfachleute, die den Finanzplatz Pfäffikon seit Jahren beobachten. Sie schätzen seine Zukunft
durchaus positiv ein, sofern die Rahmenbedingungen weiterhin stimmen. Auch das Verhältnis zur Bevölkerung sehen sie entspannt.
mit Stefan Hiestand und Joe Bättig
sprach Andreas Knobel
irgendwann sind es noch 1800. Und
dies hat nicht zu weniger Volumen
oder zu Ineffizienz geführt, sondern
zu einer gesunden Marktbereinigung.
Sie repräsentieren hier den Finanzplatz Pfäffikon. Kann man überhaupt von einem eigenen Finanzplatz sprechen?
Stefan Hiestand: Wenn ich die Entwicklung der letzten 15 bis 20 Jahre betrachte, die Infrastruktur, die steuerlichen
Rahmenbedingungen, die Nähe zu Zürich – ganz klar ja. Dieser Finanzplatz
wuchs mit der Hedgefonds-Industrie,
die hierher gezogen ist.
In einer Fachpublikation hiess es:
«Pfäffikon soll es richten.» Wie soll
Pfäffikon den Finanzplatz Zürich
oder gar Schweiz retten?
Hiestand: Pfäffikon hat infrastrukturund steuermässig sehr gute Rahmenbedingungen. Es gibt auch noch – oder
erst recht wieder – vernünftige Mieten
für Neugründungen. Die Pionierphase
ist immer am heikelsten, da schaut
man primär auf die Kosten. Für eine
Neugründung ist Pfäffikon ein sehr
gutes Pflaster.
Bättig: Es gibt auch noch eine emotionale Komponente. Es sind hier viele
ähnlich positionierte Firmen ansässig.
Man kann sich unter seinesgleichen
treffen und austauschen. Für ein Startup-Unternehmen ist es äusserst wichtig, dorthin zu gehen, wo die Innovation zu Hause ist, ins finanzielle Silicon
Valley – und dies ist nun mal Pfäffikon
und nicht Zürich.
War das ein geplanter Aufbau oder
einfach Zufall?
Hiestand: Ich bin ja hier an der Bahnhofstrasse teilweise aufgewachsen und
denke, dass schon vieles Zufall war.
Erster Auslöser war der Bau der Autobahn 1967, die eine Zuwanderung
auslöste, und in den 90er-Jahren folgten die tiefen Steuern. So kamen die
Finanzleute in die Region.
Was unterscheidet Pfäffikon von
anderen Finanzzentren? Inzwischen gibts ja nicht nur Private Banker, alle relevanten Banken
haben hier stattliche Sitze erstellt.
Hiestand: Ja, inzwischen sind sämtliche Banken hier angesiedelt, aber
die kamen erst später. Ursprünglich
gab es hier nur die Schwyzer Kantonalbank, die Bank vom Linthgebiet
und die Bank Bütschwil. Die Grossbanken schlossen sich erst später diesem
Finanzplatz an, als die HedgefondsIndustrie bereits wieder abbaute.
«Direkt beschäftigt der
Finanzplatz Pfäffikon
2500 Personen.»
Joe Bättig
Wir Aussenstehenden sehen nur
die Massen, die per Bahn oder mit
schicken Autos nach Pfäffikon strömen. Wie viele Menschen arbeiten
denn am Finanzplatz Pfäffikon?
Joe Bättig: Nach offiziellen Angaben
des Kantons Schwyz sind 2500 Personen direkt im Finanzplatz Pfäffikon
beschäftigt, 5500 indirekt. Letztere
haben einen Bezug zum Finanzplatz,
bringen Wertschöpfung hinein, haben
aber ihren Arbeitsplatz nicht vor Ort.
Es gab jedoch ein Auf und Ab. Nach
dem Wegzug von Rainer-Marc Freys
Stefan Hiestand
Stefan Hiestand (53) ist CEO
und Gründer der AgaNola AG
in Pfäffikon. Er verfügt über
30 Jahre Erfahrung in der
Finanzbranche und ist Experte
für Wandelanleihen. Von 1993
bis 2007 war er bei Jefferies in
London als Managing Director
tätig. 1994 gründete er Jefferies
(Schweiz) Ltd. und wurde zum
CEO ernannt. Gleichzeitig
betraute man ihn mit dem Aufbau
des Asset Managements von
Wandelanleihen. 2000 wurde
er Verwaltungsrat bei Jefferies
International Ltd. und 2003
Vorsitzender des Verwaltungsrats
der Jefferies (Schweiz) AG. Davor
war er bei der J. Henry Schroder
Bank, Citigroup und Nat-WestGruppe tätig. Hiestand lebt mit
seiner Familie in Wollerau.
Stefan Hiestand (l.) und Joe Bättig kennen den Finanzplatz Pfäffikon sehr genau und geben ihm gute Chancen für die Zukunft.
MAN glaubte man den Finanzplatz
Pfäffikon am Boden. Wo stehen wir
zurzeit?
Hiestand: Da muss ich präzisieren. Rainer-Marc Frey ist gar nie weggezogen.
Im Jahr 2002 hat er seine RMF an die
MAN verkauft, die schon seit Beginn
der 90er-Jahre in Pfäffikon angesiedelt
war und dann den Sitz verlagerte. Frey
selber ist aber heute noch mit seiner
Horizon 21 in Pfäffikon tätig. Es gab
aber schon ein Auf und Ab. Die Hedgefonds-Industrie hatte ihren grossen
Aufschwung nach der Jahrtausendwende, kollabierte dann wegen der
Finanzkrise 2008 und ist nun wieder
im Aufbau begriffen. In der Zwischenzeit siedeln sich auch immer mehr
Family Offices an.
Family Offices, das heisst Finanzverwaltungsfirmen von sehr reichen Familien?
Hiestand: Genau, die haben eigene
Leute, die nur das Familienvermögen
verwalten. Hier stellen wir einen guten
Zufluss fest. Vermehrt aufgekommen
sind auch spezialisierte Firmen wie
etwa unsere AgaNola, die sich auf
Wandelanleihen konzentriert. Diese
Spezialisten stammen oft aus Grossbanken und machen sich in kleinen
Teams selbstständig. All diese Unternehmen haben für einen erneuten
Aufschwung in Pfäffikon gesorgt.
Man hört stets vom schubweisen
Abbau von Arbeitsplätzen, aber nie
vom Ausbau, der tröpfchenweise
vor sich geht.
Bättig: Das ist es genau. Entlassungen finden oft in der Masse statt. Dass
aber ein Arbeitgeber – nehmen wir das
Beispiel Julius Bär – zuvor viele neue
Leute eingestellt hat, davon hört man
nichts. Auch die vielen kleinen Neuansiedlungen gehen unter Ausschluss
der Öffentlichkeit vor sich. Gerade die
Family Offices betreiben ein diskretes
Geschäft. Da wird ein Ausbau nicht
in den Medien breitgeschlagen. Unter
dem Strich aber ergibt sich eine grosse
Anzahl von neuen Arbeitsplätzen.
Sind diese Family Offices, die ja
auch Privatschulen in den Höfen
besitzen, eine Konkurrenz oder
eine Bereicherung?
AgaNola AG
Bahnhofstrasse 3 | 8808 Pfaeffikon SZ | Switzerland
P: +41 44 560 7700 | F: +41 44 560 7770
Contact@AgaNola.com | www.AgaNola.com
Hiestand: Sie sind ganz klar eine
Bereicherung. Pfäffikon besteht aus
Spezialisten. Und genau diese Spezialisten werden von den Family Offices
gesucht. Sie sind flexibel und entscheidungsfreudig, im Gegensatz zum Beispiel zu einer Pensionskasse.
Bättig: Die Family Offices gehen
eher zu einem speziellen Anbieter als
zu einer Grossbank. Sie sind also sogar
eine extreme Bereicherung.
Kürzlich wurde bekannt, dass die
Höfner die Hälfte des kantonalen
Ressourcenkapitals
generieren.
Deshalb sollen sie mehr in den
Finanzausgleich zahlen, obwohl
sie auch die Hälfte der kantonalen
Steuern beitragen. Ist der Finanzplatz Pfäffikon eine Milchkuh?
Bättig: Diese Kritiker sollten mal die
Rechnung machen, wo sie stehen
würden, wenn sie die Höfe nicht mehr
hätten. Dann haben sie ein grosses Problem. Zwar müsste der Kanton nicht
mehr so viel in den nationalen Finanzausgleich zahlen, gleichzeitig aber
würde er nur noch über die Hälfte der
Steuereinnahmen verfügen. Als Milchkuh fühlen wir uns aber dennoch
nicht. Denn die Rahmenbedingungen stimmen für die Finanzunternehmen. Was dann genau mit den Steuern
passiert, die sie abliefern, interessiert
sie nur am Rande.
«Nein, als Milchkuh
fühlen wir uns nicht.»
Joe Bättig
Hiestand: Man kann dem Finanzplatz Pfäffikon sicher nicht vorwerfen,
er würde das Ressourcenkapital in die
Höhe treiben. Diese Kosten deckt er
alle auch selber. Sollte sich der politische und finanzielle Druck auf dieses
Finanzzentrum jedoch erhöhen, entstünde ein Missverhältnis, das auf kein
Verständnis stossen würde. Zurzeit ist
das Verhältnis aber fair.
Allerdings tragen juristische Personen in der Gemeinde Freienbach
lediglich 14 Prozent der Steuereinnahmen bei. Diese Firmen bringen also gar nicht das grosse Geld?
Bild zvg
Bättig: Das erstaunt mich gar nicht.
Das sind viele junge Unternehmen,
die sich in der Investitionsphase befinden. In den ersten zehn Jahren wirft
das wenig Gewinn ab. Nur ist dies
sehr kurzfristig gedacht. Denn diese
Gegend ist attraktiv und bietet nicht
nur als Arbeitsplatz viel, sondern auch
als Wohnort. Viele überdurchschnittlich verdienende Finanzleute wohnen
nämlich auch hier und bezahlen hier
ihre Steuern. Dieser Anteil darf nicht
vergessen gehen – diese Leute sind die
Treiber.
Kämpft man immer noch mit der
Finanzkrise oder sind es eher die
tiefen Zinsen, die Probleme mit
den US-Behörden, der Wegfall des
Bankgeheimnisses, die Eurokrise
und das verlangsamte Wirtschaftswachstum?
Hiestand: Alle diese Faktoren spielen
eine Rolle. Die Initialzündung war
die Finanzkrise 2008. Ein Jahr später
glaubte man, sie überstanden zu haben.
Die Situation erwies sich aber als viel
komplexer. Ganz grob zusammengefasst müssen erstens die Prozesse
optimiert und effizienter gestaltet werden, zweitens muss die Innovationskraft der Anbieter grösser werden.
Bättig: Das grösste Hindernis ist die
Unsicherheit. Wer sich nicht sicher
ist, bleibt beim Alten. Deshalb ist die
Spezialisierung so wichtig. Man muss
wissen, wo man stark ist und was man
kann. Wer nicht saubere und transparente Prozesse vorweisen kann, wird in
Zukunft keine Chance haben. Der Vorteil der Kleinen gerade in Pfäffikon ist
zudem, dass man sehr unternehmerisch handeln kann und nicht 15 Prozent an ein Group Head Office abgeben
muss.
Können all diese Regulierungen
auch bewirken, dass Auswüchse,
wie etwa die Boni, zu einer Gesundung und Mässigung des Finanzplatzes führen?
Bättig: Hundertprozentig! Ich bin
überzeugt, dass dies zu einer gesunden Strukturbereinigung führt. Beispiel Pensionskassen: Davon gab es
vor wenigen Jahren noch 6000 – ohne
Aufsicht. Die Aufsicht wurde dann
neu geordnet, jetzt gibt es noch 3000,
Pfäffikon ist das finanzielle Silicon
Valley?
Bättig: Eindeutig! Wo gab es in Zürich
in letzter Zeit denn Innovationen?
Nirgends! Nur Fusionen und Verkäufe,
keine Innovation. Über Pfäffikon redet
man, über Zürich nicht.
Aber «Retter des Finanzplatzes» ist
etwas hoch gegriffen?
Bättig: Ja, das ist übertrieben. Aber die
Weiterentwicklung des Finanzplatzes
findet in Pfäffikon statt, Pfäffikon ist
der Vorreiter.
«Der Finanzplatz
Pfäffikon wird weiter
wachsen können.»
Stefan Hiestand
Wagen Sie eine Prognose, wie sich
Pfäffikon entwickelt?
Hiestand: Ich sehe es positiv, wenn
die Rahmenbedingungen weiterhin
stimmen, auch makroökonomisch.
Geld wird immer eine Rolle spielen,
der Finanzplatz Pfäffikon wird weiter
wachsen können.
Bättig: Es wird hier eine Community von Spezialisten geben. Die Arbeitsplätze werden sich zwar nicht gleich
verdreifachen, aber es wird vermehrt
nachhaltige Arbeitsplätze geben.
Joe Bättig
Joe Bättig (59) ist Verwaltungsratspräsident der AgaNola
AG in Pfäffikon und blickt auf
mehr als 30 Jahre Erfahrung
im Versicherungsbereich
zurück. Der diplomierte
Mathematiker promovierte 1980
an der ETH Zürich. Von 1980
bis Anfang 2014 hatte Bättig
diverse Top-ManagementPositionen bei führenden
Versicherungsgesellschaften
inne, davon lange Jahre bei der
Zurich Group. Er präsidierte
diverse Branchenverbände und
setzte sich für eine qualitative
Verbesserung der Ausbildung
im Finanzbereich ein.
Bättig lebt mit seiner
Frau in Baden.
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