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Hauptausgabe - Migros

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MENSCHEN
12 |
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PORTRÄT
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NR. 8, 16. FEBRUAR 2015 | MIGROS-MAGAZIN |
Bühne frei!
Am 21. Februar startet im Schweizer Fernsehen die dritte Staffel von
«Die grössten Schweizer Talente». Über 100 Kandidaten hoffen auf den
Sieg. Fürs Migros-Magazin haben sich 5 schon mal ins Zeug gelegt.
Ob sie auch die Jury um Christa Rigozzi und Sven Epiney überzeugen können?
Texte: Silja Kornacher, Bilder: Salvatore Vinci
Kleiner Soulman ganz gross
Noch keine einzige Minute Gesangsunterricht hatte Flavio Rizzello (10)
aus Thalwil ZH bisher. Und das ist
auch nicht nötig: Flavio singt wie ein
Profi. Die dreiköpfige britische
Soulpopband «Stooshe» hat es ihm
dabei besonders angetan. Auf der
Talentbühne performt Flavio deren
Song «Black Heart». Juror Sven Epiney
ist vom Kleinen begeistert und fühlt
sich sofort an den jungen Michael
Jackson zu «Jackson Five»-Zeiten
erinnert. «Das höre ich oft», sagt Flavio
cool. «Viele sagen, ich hätte für einen
Weissen einen ungewöhnlichen Soul
in der Stimme.» Eigentlich lässt sich
Flavio Rizzello nicht gerne mit anderen
Sängern vergleichen, aber ein Superstar wie Michael Jackson schmeichelt
ihm schon. «Hauptsache, nicht Justin
Bieber, den mag ich gar nicht», sagt er.
Mit seinen zehn Jahren weiss Flavio
jetzt schon ganz genau, was er will:
«Die ‹grössten Schweizer Talente› gewinnen!» Seine Mitschüler haben ihn
darin bestärkt, sich bei der Sendung
anzumelden, Schwester Simona (14)
hat fleissig mit ihm geübt. An Selbstbewusstsein mangelt es Flavio Rizzello
nicht. «Ich weiss, dass ich eine
kräftige Stimme habe und singen
kann.» Gesangserfahrung gesammelt
hat Flavio nur auf Poolpartys in den
Rimini-Ferien. Damals aber noch
weniger professionell als heute, findet
der Schüler: «Da habe ich nur
irgendwelche Töne rausgelassen.» In
der SRF-Show steht er zum ersten
Mal auf einer grossen Bühne.
Vor Auftritten sei er schon aufgeregt,
aber beim Singen lege sich die Nervosität sehr schnell. Dabei hilft Flavio
auch der kleine Plüschhund Robby,
seit Geburt sein Glücksbringer. «Robby
lenkt mich ab. Mit ihm kommt es
immer gut.»
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MIGROS-MAGAZIN | NR. 8, 16. FEBRUAR 2015 |
MENSCHEN
PORTRÄT | 13
Jackie Chan
lässt grüssen
Er gilt als grosses Schweizer
Kampfsporttalent, ist sogar
mehrfacher Schweizer Meister
und im Nationalkader: Trotzdem
ist Jehmsei Keo (27) hier­
zulande relativ unbekannt. Der
Aargauer aus Brugg betreibt die
Randsportart Wushu. Dabei
handelt es sich um eine chinesische Kampfkunst, den meisten
geläufig aus Filmen wie
«Matrix» oder «Kill Bill». Keo hat
sich für die Kategorie «Form»
entschieden. Bei Turnieren tritt
er allein auf eine Fläche und zeigt
Elemente der traditionellen
Kriegskunst, meist mit Säbel
oder Stock bewaffnet. «Die
Bewegungen sollen möglichst
geschmeidig und spektakulär
aussehen und dabei den Kampf­
charakter betonen», erklärt er.
In «Die grössten Schweizer
Talente» tritt Jehmsei Keo mit
seiner vierköpfigen Crew Swiss
Wushu an. Und das ganz atypisch
in Hemd und Fliege. «Wir
wollen ein breiteres Publikum
ansprechen und nicht nur die
Chinesenschiene fahren.» Keo ist
Marketingprofi durch und durch.
Sein Ziel für die Show ist,
Wushu bekannter zu machen.
Und auch beruflich ist er Ver­
markter: Er absolviert gerade ein
einjähriges Marketingpraktikum
bei einer Kleinanzeigenplattform.
Seine Begeisterung für Wushu
hat der Schauspieler Jackie Chan
ausgelöst: «So klischeehaft das
klingt ‒ als Asiate kommt man
früher oder später mit seinen
Filmen in Berührung.» Der Sohn
zweier Kambodschaner war
fasziniert von diesem Sport, fing
als 14­Jähriger mit dem Training
an, mindestens fünf Mal pro
Woche. Die Doppelbelastung von
Sport und Beruf ist auch heute
nicht zu unterschätzen. Teilweise
steht Jehmsei Keo bis zu zwei
Mal täglich in der Halle in Unter­
entfelden. Keos nächstes Ziel:
die Qualifikation für die WM in
Indonesien im November. Dort
will er eine Platzierung in der vor­
deren Hälfte erreichen. Die ersten
Plätze werden sowieso immer
von asiatischen Profis belegt.
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MIGROS-MAGAZIN | NR. 8, 16. FEBRUAR 2015 |
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PORTRÄT
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Tanz durch die Lüfte
Eine getanzte Modeschau, die sie als KV-Lehrtochter
gesehen hatte, war für sie Liebe auf den ersten Blick:
Seither haben Tanz und Akrobatik Natalia Macauley
(31) nicht mehr losgelassen. Obwohl sie angeblich
«zwei linke Füsse» habe, hat die gebürtige Russin eine
Tanzausbildung in Zürich gemacht. Bei einem Besuch
im Cirque du Soleil entdeckte sie dann ihr Element, die
Luftartistik. In der Luft liebt sie das Gefühl der Grenzenlosigkeit: «Man fühlt sich so frei und ist sein eigener
Meister.» Auch das Risiko reizt sie: Ein falscher Schritt,
eine falsche Bewegung, und man kann abstürzen.
Natalia Macauley übt mindestens eine neue Nummer
pro Jahr ein. Und dabei lässt sie sich immer wieder
etwas Neues einfallen: Poledance an der Strassenlaterne, Akrobatik an einem Kran, eine Choreografie
auf einem fahrenden Klavier. In «Die grössten Schweizer
Talente» zeigt sie ihre neuste Nummer «The Bubble»,
bei der sie sich in einer transparenten Kugel bewegt,
die an der Decke hängt.
andere junge Tänzer und Akrobaten sein. Gerade hat
sie in Zollikerberg ZH ihre erste Akrobatikschule
eröffnet. Zusammen mit ihrer Mutter, einer Klavierlehrerin, macht sie mit Kindern musikalische und
artistische Früherziehung. «Ich liebe die Bühne, aber
jetzt bin ich an einen Punkt gekommen, an dem ich
mein Können weitergeben will.»
Natalia Macauley ist ständig unterwegs. Sie trainiert in
Deutschland und tritt auf der ganzen Welt in Shows
oder an Messen auf. Ihre Engagements reichen
bis Dubai und Indien. Sie will vor allem ein Vorbild für
2011 machte sie schon einmal in der SRF-Show mit,
jetzt will sie es nochmals versuchen. Ihre Schützlinge
von der Tanzschule sind schuld: «Sie haben mich
bestürmt, mich erneut anzumelden.»
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MIGROS-MAGAZIN | NR. 8, 16. FEBRUAR 2015 |
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PORTRÄT
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Bild: Regina Hügli/13 Photo
Tollpatschiger Nerd
In Österreich wird er bereits als der
neue Emil Steinberger gehandelt:
Comedian Marc Haller (27) alias
«Erwin aus der Schweiz» kam 2012
bis ins Finale der ORF-Castingshow
«Die grosse Comedy-Chance». Der
etwas verklemmte Erwin (kleines Bild)
trägt einen zu grossen Tschopen, Nerd-
brille und Hochwasserhosen. Er zaubert
mehr so aus Ungeschicklichkheit: Einmal
zieht er ein Glas Orangensaft aus dem
Ärmel, im nächsten Moment explodiert
es in seiner Tasche.
Der Zürcher will aber nicht nur lustig
sein: «Mein Ziel ist es, auf der Bühne
Emotionen zu kreieren, die Leute auf
eine Reise mitzunehmen. Wenn sie
lachen, ist das auch ok.» Bereits mit
14 Jahren besuchte er die Zauberschule
in Zürich, später die ScuolaTeatro
Dimitri in Verscio TI. Zudem studierte er
Schauspiel in New York und am
Konservatorium Wien, wo er heute auch
lebt. Letztes Jahr konnte Marc Haller
auch in der Schweiz erste Erfolge
verzeichnen: Er gewann den «Swiss
Talent Award 2014» und ist nun in den
nächsten zwei Jahren mit «Das Zelt»
unterwegs.
Tourdaten unter www.marchaller.ch
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MIGROS-MAGAZIN | NR. 8, 16. FEBRUAR 2015 |
PORTRÄT
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Was machen eigentlich …
Herzen im Gleichtakt
Sie haben schon in den Windeln
vor der Stereoanlage getanzt, jetzt
erobern sie die Bühnen: Gessica
Paradiso (19) und Romano Solano
(20) aus Solothurn. Mit vier Jahren
fingen sie in der Babygruppe der
Tanzschule an. Bald waren sie die
Hauptfiguren der Tanzgruppe. Und
vor acht Jahren starteten sie als Duo.
«Wir haben gemerkt, wie gut wir
harmonieren», sagt Romano. Seither
sind die beiden unzertrennlich: Sie
fahren zusammen in die Ferien,
trainieren bis zu vier Mal pro Woche,
erzählen sich alles. «Wir sind einfach
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ein eingespieltes Team», sagt Gessica. Unterstützt werden die beiden
von ihrer Tanzlehrerin Licia Piscopo.
Sie erkannte vor 15 Jahren das Talent
der beiden Tänzer.
Gessica Paradiso und Romano
Solano sind Vize-Schweizer-Meister in der Kategorie «Jazz Duo»
und holten an der WM 2013 in Polen
mit dem 15. Rang die beste Schweizer
Platzierung. Ihr Tanzstil nennt sich
Modern Jazz und enthält Elemente
des Balletts. Auf der Bühne sind sie
das leidenschaftliche Paar, abseits
sind sie eher wie Geschwister. «Wir
haben es einfach immer witzig.» Für
Romano Solano ist der grösste Lohn,
wenn seine Mutter oder seine
Schwester bei ihrem Auftritt Tränen
in den Augen haben. «Das ist unsere
Motivation: Wir wollen die Leute berühren», sagt er. Hauptberuflich zu
tanzen, können sich die beiden aber
nicht vorstellen. Gessica macht gerade die Lehre im Detailhandel, Romano arbeitet als Einkäufer in der Medizinaltechnikbranche. «Unser Traum
ist es, durch unsere Auftritte die
Welt zu bereisen», sagt Gessica.
Maya Wirz (52): Die singende Busfahrerin
aus dem Baselbiet hat 2011 die erste
Staffel der «grössten Schweizer Talente»
gewonnen. Dieses Jahr bewarb sie sich mit
einem Song für den Eurovision Song
Contest in Wien, die Wahl fiel nicht auf sie.
Doch sie lässt sich nicht unterkriegen:
«Meine Reise auf den Bühnen dieser Welt
und im Studio geht weiter», schreibt
sie auf ihrer Homepage. Neben einer neuen
Frisur hat Maya Wirz auch ein neues Album,
das im Frühling 2015 erscheinen wird.
Eliane Müller (24): Sie gewann mit ihren
ruhigen Songs am Piano 2012 die zweite
Ausgabe der SRF-Show. Inzwischen hat sie
bereits ihr drittes Album veröffentlicht,
das im Januar Goldstatus erreichte. Ab
März geht sie mit dem Programm «Bright
Lights» auf Tournee, dazu ist sie aktuell
für den Swiss Music Award in der Kategorie
«Best Female Solo Act» nominiert.
«Die grössten Schweizer Talente» läuft
ab dem 21. Februar immer am Samstag- und
Mittwochabend auf SRF 1.
Live-Halbfinale: 28. März und 4. April;
Live-Finale: 11. April
.ch
Scannen Sie den
QR-Code und lesen
Sie, welche Stars
die internationalen
Castingshows hervorgebracht haben.
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MENSCHEN
MIGROS-MAGAZIN | NR. 8, 16. FEBRUAR 2015 |
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AUF EIN WORT
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FRAU DER WOCHE
Unerreicht
In der Partyszene
wird vor allem
getrunken. Wer
dazu noch Drogen
konsumiert, setzt
sich einem höheren gesundheitlichen Risiko aus.
SCHWEIZER NACHTLEBEN
«Alkohol bleibt die
Partydroge Nummer eins»
Lieber Wodka als Crystal Meth: In der Freizeit werden vor allem die altbekannten Drogen
konsumiert. Suchtexperte Alexander Bücheli über die Details einer neuen Studie.
Pausen beim Trinken
einzulegen. So kann man
besser abschätzen, ob
man noch was verträgt.
Alexander Bücheli, Sie sind
Mitautor der Studie. Diese
beweist: In einer Partynacht wird ganz schön
konsumiert.
Schon, allerdings lassen
diese Zahlen keine
Rückschlüsse auf das
Nachtleben an sich zu.
Die rund 2500 Befragten
waren schon mit unse­
ren präventiven Mass­
nahmen in Kontakt,
repräsentieren also nur
einen kleinen Teil der
Partygänger.
Welche Folgen können
härtere Drogen haben?
Alexander Bücheli
(39) ist Projektmitarbeiter
bei Safer Nightlife
Schweiz.
Bilder: Getty Images, Dan Cermak, Alexander Jaquemet
Welches Ergebnis hat Sie überrascht?
Interessant ist, dass die altbekann­
ten Drogen weiterhin am häufigs­
ten konsumiert werden. Alkohol ist
und bleibt aber die Partydroge
Nummer eins. Die Freizeitdrogen­
konsumenten
experimentieren
nicht mit verschiedenen Substan­
zen. An Neuem, wie etwa Crystal
Meth, sind sie selten interessiert.
Was raten Sie im Umgang mit Alkohol?
Es sollte nie so viel getrunken wer­
den, dass man sich nicht mehr im
Griff hat. Man sollte immer vorher
etwas essen und nach jedem Glas
Alkohol ein Glas Wasser trinken.
Zudem empfiehlt sich, einstündige
Innerhalb einer Nacht
treten relativ selten akute
Vergiftungen auf. Was
jedoch oft passiert: Je­
mand hat einen schlech­
ten Trip, eine psychische
Überforderung wegen
der
Reizüberflutung
durch Musik und viele
Menschen.
Was hilft bei solchen schlechten Trips?
Meist ein ruhiges Gespräch. Die
Person muss an etwas anderes den­
ken. Sie sollte aus der Masse und
der Musik begleitet werden. So
kann sich der Trip im Lauf der Zeit
wieder normalisieren. Ich möchte
festhalten: Es gibt keinen Drogen­
konsum ohne Risiko. Besonders
Clubs und Festivals sind aufgrund
der Reizvielfalt die falschen Orte
für Drogenexperimente.
Zwei Drittel der Befragten gaben an, in
einer Nacht mindestens zwei Drogen zu
konsumieren. Grund zur Besorgnis?
Jeder Mischkonsum bedeutet ein
höheres Risiko. Die Statistik zeigt
aber: Seit 2008 hat der Misch­
konsum um rund 20 Prozent ab­
genommen. Das ist die Bestätigung,
dass Prävention und Risiko­
sensibilisierung wichtig sind und
auch wirken.
An einem der wichtigsten Nach­
wuchswettbewerbe der Welt ist
sie eine der Besten: Balletttänzerin
Lou Spichtig (17) hat am inter­
nationalen Tanzanlass «Prix de
Lausanne» den Publikumspreis
gewonnen und wurde zudem zur
besten Schweizerin gekürt. Schon
früher hat die Ballettstudentin
bedeutende Preise ertanzt.
Das Migros­Magazin hat das
Ausnahmetalent vor zwei Wochen
porträtiert – nachzulesen
unter www.migrosmagazin.ch.
MANN DER WOCHE
Unermüdlich
Hat sich der Drogenhandel in den letzten
Jahren verändert?
Ja, die Leute decken sich heute vor
allem im Voraus und durch private
Kontakte ein. Vor 15 Jahren wurde
im Umfeld von Clubs noch deutlich
mehr gedealt.
Und der Konsum?
Hierzulande wird der Konsum il­
legaler Substanzen als relativ stabil
eingeschätzt. In den 90er­Jahren
war Ecstasy beliebt, dann kam
Cannabis, dann Kokain. Momentan
ist Kokain im Nachtleben eher
rückläufig. Dafür hat der Ecstasy­
konsum leicht zugenommen.
Wie reagieren die Clubs?
Sie suchen den Austausch und
arbeiten stärker mit Nightlife­
Präventionsangeboten zusammen.
Infomaterial liegt auf, und das Per­
sonal wird geschult; in einem guten
Club sollte zum Beispiel jeder gratis
ein Glas Wasser erhalten.
Interview: Silja Kornacher
Erst der Ehrendoktor an der Uni
Bern, dann der Swiss Award: Nun
wird Aids­Spezialist Ruedi Lüthy
pünktlich zu seinem 74. Geburtstag
am Mittwoch mit dem Doron Preis
2015 geehrt. Die Stiftung würdigt
seit 30 Jahren ausserordentliche
Leistungen in den Bereichen Kultur,
Gemeinwohl und Wissenschaft
und möchte den emeritierten
Professor für seinen unermüdlichen
Einsatz für Aids­Kranke in Sim­
babwe auszeichnen. Ein würdiges
Geburtstagsgeschenk.
MENSCHEN
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ABSTIMMUNG
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NR. 8, 16. FEBRUAR 2015 | MIGROS-MAGAZIN |
Mehr Geld für Familien?
Deshalb ist Christophe Darbellay dafür:
K
inder kosten. Um den
Mittelstand zu entlasten,
hat die CVP die Volks­
initiative «Familien stärken!
Steuerfreie Kinder­ und Aus­
bildungszulagen» im Wahljahr
2011 lanciert. Am 8. März
stimmt das Volk darüber ab.
Anfangs war die CVP allein
auf weiter Flur. SP, FDP, GLP,
BDP und die Grünen sprachen
sich gegen ihre Initiative aus.
Auch die SVP, die dann jedoch
eine Kehrtwende vollzogen hat.
Das Nein im Parlament war aus
Ärger über die CVP­Basis er­
folgt, die 2013 die Nein­Parole
zur SVP­Familieninitiative ge­
fasst hatte. Nun unterstützt die
SVP­Mutterpartei das An­
liegen, dass Kinderzulagen
nicht mehr als Einkommen
versteuert werden müssen.
1. Das Geld gehört den Familien, nicht dem Staat! Ein
Kind kostet im Schnitt 1000 Franken im Monat. Um die Kauf­
kraftminderung zu kompensieren, bezahlen Arbeitgeber jähr­
lich Familienzulagen in Höhe von fünf Milliarden Franken.
Eine Milliarde sackt der Staat wieder ein. Das ist widersinnig.
2. Familienzulagen sind keine Lohnerhöhung! Heute
werden Familienzulagen wie eine Lohnerhöhung behandelt,
die nur auf Elternschaft beruht. Dadurch rutschen die
Familien in eine höhere Steuerprogression. Sie zahlen also
mehr Steuern, nur weil sie Kinder haben.
3. Alle Familien profitieren! Von der Steuerbefreiung
profitieren alle Familien, die Zulagen bekommen und
Steuern zahlen. Familien mit tiefen Einkommen profi­
tieren doppelt: Sie bezahlen weniger Steuern und erhalten
leichteren Zugang zu Stipendien, Prämienverbilligungen
und tieferen Kita­Tarifen.
4. Kaufkraft stärken! Insbesondere in dieser wirtschaft­
lich schwierigen Zeit mit dem starken Franken sind die
Familien auf Zulagen angewiesen. Dank höherem Budget
kurbeln sie auch die Wirtschaft an.
Umfrage sagt 52 Prozent
Ja-Stimmen voraus
Gemäss der ersten SRG­Trend­
umfrage des GfS­Forschungs­
instituts geniesst die CVP­
Initiative mit 52­Prozent Ja­
Stimmen breite Sympathien in
der Bevölkerung. Laut den
Forschern, die vom 19. bis
24. Januar 1200 Personen
befragt haben, tendieren nebst
der CVP­Basis auch die Wähler
der SP, der GPS und der SVP
mehrheitlich zu einem Ja.
Kritischer eingestellt seien
FDP­Sympathisanten.
Der Mittelstand drohe aus­
zubluten, sagt CVP­Präsident
Christophe Darbellay. Dabei sei
er das Fundament unserer
Gesellschaft, das es zu stärken
gelte. Die Familienzulagen
dienten auch dazu, die Kauf­
kraft zu stärken. SP­Präsident
Christian Levrat kontert, nach
dem Frankenschock könnten
wir uns solche Steuerausfälle
nicht mehr leisten. Im Übrigen
nütze die Initiative jenen, die es
nicht nötig hätten.
Texte: Monica Müller
5. Für den Mittelstand: Studien zeigen, dass der
Mittelstand, das Fundament unserer Gesellschaft,
enormen Belastungen ausgesetzt ist und auszubluten
droht. Wir stärken ihn mit unserer Initiative.
6. Pro Kind eine Zulage. Dies gilt unabhängig von der wirt­
schaftlichen Situation der Familie. Nur sechs Prozent der Kin­
der leben in Familien mit hohen Einkommen. Die Entlastung
durch die Initiative setzt vor allem bei tiefen und mittleren Ein­
kommen und damit bei jenen an, die eine Entlastung benötigen.
7. Kein Wahlkampf auf dem Buckel der Familien! Die lin­
ken Parteien haben die Steuerbefreiung der Familienzulagen in
den letzten Jahren immer unterstützt. Im Wahljahr zeigt sich,
dass dies bloss Lippenbekenntnisse waren.
8. «Jetzt sind die Familien dran», versprach Alt­Bundesrat
Merz 2008 nach gewonnener Abstimmung zur letzten Unter­
nehmenssteuerreform. Sie kostete sieben Mal mehr als die Fa­
milieninitiative. Schon steht die nächste Reform der Unterneh­
menssteuer an. Wir wollen zuerst das Versprechen einlösen.
9. Ein halbes Prozent für die Familien! Gemessen am Jah­
resgesamtbudget von Bund, Kantonen und Gemeinden von 200
Milliarden Franken läge der Ausfall bei 0,5 Prozent. Einer von
200 Franken käme den Familien zugute – das ist nicht zu viel.
Christophe Darbellay, Nationalrat
und Präsident CVP Schweiz
10. Renten sichern: Familienzulagen sind eine Investition in
die Zukunft. Und solche sollen steuerfrei sein. Die Kinder von
heute zahlen morgen unsere AHV und gestalten die Schweiz.
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MENSCHEN
MIGROS-MAGAZIN | NR. 8, 16. FEBRUAR 2015 |
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ABSTIMMUNG
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Mit der Initiative für steuerfreie Kinder- und Ausbildungszulagen will die CVP die
Familien stärken. Die Gegner sprechen von Steuergeschenken für Wohlhabende.
Das Stimmvolk entscheidet am 8. März.
Darum stimmt Christian Levrat dagegen:
ZAHLEN
1. Die Initiative nützt jenen, die es nicht nötig haben:
Eine wohlhabende Familie kann dank dem Steuergeschenk der
CVP eine Woche in die Skiferien fahren, eine alleinerziehende
Mutter kann sich knapp einen Nachmittag im Zoo leisten.
942 Franken
kostet ein Kind
pro Monat.
Auf
2. Die Hälfte der Familien zahlt heute schon keine
Bundessteuer, weil ihr Einkommen zu tief ist. Wer null
Steuern bezahlt, kann auch null Abzüge machen. Wer nicht
zur reicheren Hälfte der Schweiz gehört, spart überhaupt
nichts bei der Bundessteuer.
754 Franken
3. Ein Millionärskind kostet nicht zehn Mal mehr
als ein Mittelstandskind. Warum soll die Millionärsfamilie
dann zehn Mal mehr profitieren? Eine faire Lösung wären
Gutschriften nach dem Motto «eine Gutschrift für jedes Kind»
– unabhängig von Einkommen und Familienstand der Eltern.
607 Franken
belaufen sich
die Kosten pro Kind
bei zwei Kindern.
betragen sie bei
drei Kindern.
1201 Franken
monatlich geben
Alleinerziehende für
ein Kind aus.
4. Die Initiative reisst ein Loch von einer Milliarde Franken in die Kassen von Bund, Kantonen und Gemeinden. Um
das zu füllen, gibt es zwei Varianten: Steuererhöhungen oder
Sparprogramme. Das Steuergeschenk wird so zum Bumerang.
691 Franken
im Monat kostet ein
Kind unter elf Jahren
durchschnittlich.
5. Nach dem Frankenschock können wir uns keine
Steuerausfälle leisten. Dem Kanton Bern würden
88 Millionen Franken pro Jahr fehlen, dem Kanton St. Gallen
51 Millionen und dem Kanton Zürich sogar 115 Millionen.
1005 Franken
6. Familien sind von Sparmassnahmen besonders
betroffen, wenn Kantone und Gemeinden wegen der Initiative
Ausgaben kürzen müssen: Prämienverbilligungen, Kinder­
krippen, Spitex oder Schulen fallen dem Rotstift oft als Erstes
zum Opfer.
geben Eltern für ein
Kind von 12 bis
18 Jahren im Monat
durchschnittlich aus.
180 000
Franken
Bilder: Gaetan Bally/Keystone, Gonzalo Garcia/EQ Images
7. Familien mit Kindern werden heute schon mit rund
zehn Milliarden Franken gezielt unterstützt. Familien­
zulagen, Mutterschaftsentschädigung, Prämienverbilligungen
oder Kita­Subventionen nützen jenen Familien, die es nötig
haben. Die CVP greift zur Giesskanne.
kostet ein Kind
hochgerechnet bis
zum 18. Lebensjahr.
8. Familienzulagen werden vom Arbeitgeber bezahlt
und sind deshalb Teil des Einkommens. Es ist also nichts als
logisch, dass sie auch so besteuert werden.
Quelle: Bundesamt für
Statistik, 2009 bis 2011.
9. Die Initiative schafft ein neues Schlupfloch, denn die
Höhe der Kinderzulagen ist nach oben offen. Findige Arbeit­
geber könnten die steuerpflichtigen Löhne runter­ und
die steuerfreien Kinderzulagen raufschrauben. Die Folge wären
Löcher bei Steuern und AHV­Beiträgen.
Migrosmagazin.ch
10. Wer Familien fördern will, muss mehr tun als
Steuergeschenke verteilen. Flächendeckende und bezahl­
bare Kitas und Tagesschulen, gleiche Löhne für Frauen und
Männer oder ein Elternurlaub, den Mütter und Väter beziehen
können – das ist echte Familienförderung.
LESEN SIE
ONLINE
Christian Levrat,
Ständerat und
Präsident SP Schweiz
Je älter, je teurer
Ab wann wird das
Kind teurer, und
und was kostet wie
viel? Die Details.
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MENSCHEN
MIGROS-MAGAZIN | NR. 8, 16. FEBRUAR 2015 |
Sex im Graubereich
Jetzt gibt es «Fifty Shades of Grey» auch als Film. Wir waren mit Fans im Kino.
Bilder: Universal Pictures
S
chlägt er sie so richtig hart? Flüs­
tert sie wieder dauernd lustvoll
«Bitte!»? Sind die Sadomaso­
szenen (SM) detailliert zu sehen? Selten
ist eine Romanverfilmung mit so vielen
Fragen und so viel Spannung erwartet
worden wie «Fifty Shades of Grey».
Ganze 70 Millionen Mal ist das Buch
bisher über den Ladentisch gegangen.
Seit ein paar Tagen strömen seine Lese­
rinnen (und Leser!) in die Kinos, um zu
sehen, wie der schwerreiche Unter­
nehmer und SM­Fan Christian Grey und
die naive Studentin Anastasia Steele
zusammenfinden und ihre pikanten
Sexspiele praktizieren. Die jedoch kom­
men leider zu kurz, finden einige.
«Etwas gar romantisch» sei der Film
insgesamt, sagt Tijana Nikolic (28) und
rümpft die Nase. Die Journalistin und
Verkäuferin aus Solothurn kennt sich in
der SM­Szene privat gut aus und hat die
Story aus Neugier gelesen. Sie fand es
spannend, dass sich ein Buch mit dem
deckt sich mit der Ansicht eines ver­
sierten «Dom», der Fessel­ und
SM­Spiele seit über 25 Jahren praktiziert
(siehe Interview Seite 31). Immerhin, so
räumen beide Szenenkenner ein, habe
«Der Film ist
etwas gar romantisch.»
Thema befasste. Allerdings sagt sie:
«Anastasia Steele lässt sich nur aus
Verliebtheit auf die Spiele von Christian
Grey ein.» Das sei ungesund und nicht
die Regel. «In der Realität wollen es
beide Partner gleichermassen.» Das
Tijana Nikolic
das Buch einen Tabubereich etwas
salonfähiger gemacht: «Es hat das The­
ma an die Öffentlichkeit gebracht.
Plötzlich konnte man mit Kollegen da­
rüber sprechen.» Sogar ihre Mutter
habe das Buch gelesen, sagt Nikolic, und
|
REPORTAGE
| 25
Anastasia Steele
(Dakota Johnson)
kann dem super­
reichen Schönling
Christian Grey
(Jamie Dornan)
nicht widerstehen …
MENSCHEN
26 |
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REPORTAGE
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NR. 8, 16. FEBRUAR 2015 | MIGROS-MAGAZIN |
... muss aber bald realisieren,
dass dessen sexuelle Neigungen
etwas ungewöhnlich sind.
Der Kassenschlager
Mehr als 70 Millionen Mal haben sich die
Bücher der Romantrilogie von E. L. James (51)
verkauft. Die Autorin veröffentlichte 2009 auf
Fanwebseiten Teile von «Fifty Shades of Grey»
als Weiterführung zur «Twilight»-Vampirstory. Protagonisten waren zu Beginn
Edward Cullen und Bella Swan, die Hauptfiguren von Stephenie Meyers «Twilight»-Saga.
2011 überarbeitete sie die Story, änderte die
Namen in Christian Grey und Anastasia Steele,
veröffentlichte sie als E-Book und später als
Taschenbuch. Die Kritiker waren wenig begeistert, was die vorab weibliche Leserschaft
jedoch nicht weiter störte. Die Verfilmung der
Fortsetzungsbände «Fifty Shades Darker»
und «Fifty Shades Freed» ist bereits geplant.
Die Nebenwirkungen
Der Film startete weltweit zum Valentinstag,
dem Tag der Verliebten. Offensichtlich ist der
Verleih der Ansicht, das Sexleben der Bevölkerung benötige dringend etwas mehr Aufregung.
Dasselbe dachte sich wohl der Betreiber des
Damson Dene Hotel nördlich von Liverpool
in England. Statt einer Bibel in der Schublade
des Nachttischchens findet der Gast ein
Exemplar von «Fifty Shades of Grey».
Die britische Baumarktkette B&Q stockte derweil die Vorräte an Kabelbindern, Seilen
und Klebebändern auf. Sie rechnet nach dem
Filmstart mit einer stark erhöhten Nachfrage.
Solche Überlegungen stellen sich in Malaysia
nicht – dort hat die Zensurbehörde den Film
rundweg verboten: zu pornografisch. Was
angesichts der relativ harmlosen Erotik mehr
über die Zensoren aussagt als über den Film.
«Fifty Shades of Grey» läuft derzeit im Kino
anschliessend mit der Tochter ein biss­
chen gefachsimpelt.
Diese Art von Gesprächen und diver­
se Artikel haben auch Marcel Gerber (59)
auf die Geschichte aufmerksam ge­
macht. «Man hat natürlich schon vorher
etwas über Fesselspiele und Auspeit­
schen gehört», sagt er, «aber so explizit
wie im Buch hatte ich das noch nie
gelesen.» Der Typograf aus Urdorf ZH
findet den Aufbau des Films gut, bedau­
ert aber, dass die Sexszenen nicht detail­
getreu umgesetzt sind: «Jedes Mal,
wenn ein wenig Spannung aufkommen
könnte, folgt ein Schnitt.» Anders als
Tijana Nikolic hat ihm jedoch gefallen,
offen für Neues: «Im Film war nichts,
das ich nicht ausprobieren würde», sagt
sie. Die vierfache Mutter war aber schon
immer experimentierfreudig und be­
zeichnet sich als sexuell offen.
So schnell kann sie also nichts
schockieren – ausser vielleicht sie
selbst: «Mein Interesse für das Buch hat
mich schon überrascht», sagt sie la­
chend. Für sie hat sich mit der Lektüre
eine neue Welt erschlossen, doch sie
glaubt: «Es gibt schon viele Menschen,
die SM in einer zarten Variante aus­
leben.» In den softeren Filmszenen mit
Anastasia kann sich Simonet sogar
wiedererkennen. Und ihr gefällt der mal
«Die brutale, dominierende
Seite von Christian ist
nicht so meins.»
Marcel Gerber
dass der Film romantischer ist als das
Buch.
Nach der Lektüre von zwei der drei
Bände hatte Gerber denn auch vorerst
genug – vor allem auch genug Ge­
sprächsstoff: «Meine Frau und die
beiden erwachsenen Töchter haben die
Romane ebenfalls gelesen, und wir
haben uns angeregt darüber unter­
halten.» Augen verbinden, Eiswürfel auf
die Haut geben, Spiegelei auf dem Bauch
braten – das kennt er schon. Jetzt könnte
er sich vorstellen, das eine oder andere
neu gesehene auszuprobieren; allerdings
nichts, das mit Peitschen oder Schmer­
zen zu tun hat. «Die brutale, dominie­
rende Seite von Christian ist nicht so
meins», sagt Gerber.
Auch Yvonne Simonet (50) aus Lau­
pen ZH ist seit «Fifty Shades of Grey»
zärtliche, mal dominante Christian im
Film ausgesprochen gut.
Es fliessen zwar Körpersäfte,
aber meist sind das nur Tränen
Tatsächlich ist nicht nur der hartgesot­
tene Unternehmer im Film romantischer
und unsicherer als im Buch. Der ganze
Streifen ist eine weichgespülte Version
des Romans. Die Peitsche streichelt
mehr als sie schlägt, es wird viel geküsst
und sinniert. Körpersäfte, die fliessen,
sind in erster Linie Tränen, dies dafür
literweise. Alle drei Bücherleser räumen
jedoch ein: Am Romanzenelement der
Geschichte liegt es vermutlich, dass das
Buch eine so enorme Leserschaft gefun­
den hat – besonders unter den Frauen.
Immerhin: Marcel Gerber kennt auch
einige Männer, die es gelesen haben.
Bilder: Intertopics/DDP Images, Universal/XPOSUREPHOTOS.COM
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MENSCHEN
MIGROS-MAGAZIN | NR. 8, 16. FEBRUAR 2015 |
Egal, wie der Film bei den Romanfans
ankommt, klar ist jetzt schon: Teil zwei
und drei werden ebenfalls verfilmt.
Allein der Schlusssatz aus dem Mund
von Christian Grey schreit nach einer
Fortsetzung: «I’m fifty shades of fucked
up» – auf Deutsch in etwa: «Ich bin
fünfzigfach kaputt.» Diese Aussage ist
für Szenekennerin Tijana Nikolic ein
einziges Ärgernis, denn darin schwingt
mit: Christian Grey liebt Sadomaso­
spiele nur, weil er psychisch krank ist.
Die SM­Szene werde damit am Ende
eben doch wieder in die Ecke des Ab­
normalen gestellt, sagt Nikolic.
Auch Marcel Gerber findet das scha­
de, nachdem doch in seinem Umfeld
plötzlich alle ungeniert darüber zu
diskutieren begonnen haben: «Man ist
ja richtig ausgeschlossen, wenn man das
Buch nicht gelesen hat.» Ob er sich die
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REPORTAGE
| 29
mit seiner Frau, Nikolic mit ihrer Mut­
ter und Yvonne Simonet mit einem
«sehr guten» Freund. «Ich werde ihn
beobachten und versuchen heraus­
«Im Film war nichts,
das ich nicht ausprobieren
würde.»
Yvonne Simonet
Filmfortsetzungen anschauen wird,
weiss Gerber indes ebenso wenig wie
Simonet und Nikolic.
Alle drei werden sich jedoch den ers­
ten Teil noch einmal anschauen: Gerber
zufinden, wie er zum Thema steht»,
sagt sie mit einem erwartungsfrohen
Lächeln.
Texte: Yvette Hettinger, Ralf Kaminski
Bilder: Yvette Hettinger
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MENSCHEN
MIGROS-MAGAZIN | NR. 8, 16. FEBRUAR 2015 |
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REPORTAGE
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Sadomaso ist immer
auch ein Rollenspiel:
Geronimo im venezianischen Kostüm.
Geronimo*, was halten Sie von der Geschichte
um Christian Grey und Anastasia Steele?
Ich habe das Buch nicht komplett
gelesen, es war mir schlicht zu lang­
weilig. Mit BDSM (Bondage and Discipline, Dominance and Submission, Sadism
and Masochism, Anm. d. Red.) hat es
aber nur am Rande zu tun. Zentral ist die
klassische Klischee­Story: hübsche,
mittellose, jungfräuliche Studentin ver­
liebt sich in superreichen, mächtigen,
erfahrenen Schönling, der normaler­
weise unerreichbar wäre. Die Geschich­
te ist in erster Linie eine Romanze, wie
man sie an jedem Bahnhofskiosk findet,
ein Märchen. Als Kick kommen dann ein
paar BDSM­Szenen hinzu.
Sind die wenigstens halbwegs realistisch?
BDSM ist eine sehr individuelle Sache,
jeder hat davon eine andere Auffassung.
Auch so was wie im Buch ist durchaus
vorstellbar. Oft wird diese Art von
Sexualität jedoch sehr viel subtiler
ausgelebt und braucht enormes Einfüh­
lungsvermögen. Und die Geschichte
drum herum im Buch ist reine Fantasie.
Im Buch besteht ein enormes Machtgefälle
zwischen ihm und ihr. Ist das üblich?
Meiner Meinung nach sollte das in der
Realität nicht so sein. BDSM ist ein Spiel
von Macht und Ohnmacht, aber eben
nur ein Spiel – zwischen zwei Personen,
die ein einvernehmliches Interesse daran
haben.
Dieses Machtspiel geht im Buch auch im
Alltag weiter. Kann es das geben?
Es gibt nichts, was es nicht gibt, aber als
ideal empfinde ich das nicht. Ich halte es
sogar für sehr wichtig, dass das Spiel ein
klares Ende hat. Problematisch finde ich
im Buch, dass Christian Grey ganz klar
die Notlage seiner Geliebten ausnützt.
Sie würde von sich aus wohl kaum
BDSM­Spiele machen wollen und tut
das nur, weil es der einzige Weg ist,
damit er sich auf sie einlässt. Einver­
nehmlichkeit sieht für mich anders aus.
Bild: Holger Salach
Und der Vertrag der beiden?
Das gibt es, aber so was habe ich nie
gebraucht. Wichtig ist, dass man vorher
ganz klar die Tabus abklärt. Wo sind die
Grenzen, was geht nicht – physisch und
psychisch! Das ist nicht immer ganz ein­
fach, weil manche Leute es schlicht gar
nicht wissen. Als Aktiver trägt man die
Verantwortung und ist gefordert, das
herauszuspüren. Es geht um Grenz­
erfahrungen, man will die Grenzen
erforschen und höchstens anritzen, aber
lieber nicht überschreiten. Es braucht
«In der Szene wird das
Buch eher belächelt»
Hat die Sadomasowelt in «Fifty Shades of Grey» irgendetwas mit der Realität zu
tun? Szenekenner Geronimo (55) über Klischees, Grenzen und Doppelmoral.
unbedingt ein Codewort, mit dem das
Spiel sofort beendet werden kann.
Dass Grey nicht offen zu seinen Vorlieben
stehen kann, scheint aber recht realistisch.
Klar (lacht). Wenn man bedenkt, was
für einen Medienzirkus nur schon die
Nacktselfies von Geri Müller ausgelöst
haben … Man stelle sich einen Bundes­
rat oder CEO vor, der zugibt, dass er
BDSM­Spiele mag. Bei der Doppelmoral
unserer Gesellschaft ist die Zurück­
haltung doch sehr nachvollziehbar.
Was hält man in der Szene vom Buch?
Zum Teil wird es schon eher belächelt.
Ihr Fazit zur Story?
Ich gönne der Schriftstellerin ihren
grossen Erfolg. Und Hut ab vor dem
cleveren Marketing: Es ist alles drin, was
in der heutigen Zeit im Mainstream
funktioniert. Auch das Merchandising
ist beeindruckend: In jedem Sexshop
findet man mittlerweile «Fifty Sha­
des»­Produkte, die sich offensichtlich
hervorragend verkaufen. Positiv am
ganzen Rummel könnte sein, dass jene
Leute, die schon lange solche geheimen
Fantasien in sich tragen, den Mut finden,
ihre eigenen Wünsche zu erforschen.
*Name der Redaktion bekannt
.ch
Scannen Sie den
QR-Code und
lesen Sie, was der
Dom Geronimo
über die BDSM-Welt
sagt. Zusätzlich
gibt es ein Glossar.
MENSCHEN
32 |
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INTERVIEW
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NR. 8, 16. FEBRUAR 2015 | MIGROS-MAGAZIN |
«Respekt und Achtung
sind entscheidend»
Hisham Maizar ist Präsident des Schweizerischen Rats der Religionen.
Wie beurteilt der gläubige Muslim die zunehmenden Ängste gegenüber dem Islam?
Ein Gespräch über Integration, Mohammed-Karikaturen und Extremismus.
Hisham Maizar, was dachten Sie, als Sie vom
Anschlag auf das Pariser Satiremagazin
«Charlie Hebdo» hörten?
Mich hat die Wut gepackt. Ich fragte
mich, warum schon wieder Muslime zur
Waffe greifen und Unschuldige töten
mussten – und erneut wegen Satire­
zeichnungen. Man könnte doch auch mit
Worten argumentieren. Wenn man
Menschen tötet, rehabilitiert man den
Propheten nicht. Alles, was die Atten­
täter erreichen, ist das Image der Musli­
me als «Achse des Bösen» zu verstär­
ken, das Bild des Islam als blutrünstige
Religion zu bestätigen. Es ist traurig.
Was halten Sie von Mohammed-Karikaturen?
Ich finde sie problematisch. Diffamie­
rende Karikaturen sind für gläubige
Muslime halt tatsächlich eine rote Linie.
Der Islam verbietet das Abbild von Mo­
hammed; der Prophet gilt als unantast­
bar. Ich bin sehr dafür, dass wir die Pro­
bleme rund um den Islam diskutieren,
aber eine Vorabbeleidigung seiner Leit­
figur ist dafür keine besonnene Grund­
lage. Das löst negative Gefühle aus. Mir
hat gefallen, wie Res Strehle, Chef­
redaktor des «Tages­Anzeigers», argu­
mentiert hat. Er betonte, dass Freiheit
auch mit Verantwortung einhergeht.
Und dass seine Zeitung die Karikaturen
nicht zeigt, weil er sie nicht gut und vor
allem nicht konstruktiv findet. Das ist
sehr verantwortungsvoll.
Kurz und gut: Mohammed-Karikaturen gehen
auch für Sie nicht.
Nein. Weil sie nicht das erreichen, was
eine Karikatur auslösen soll. Eigentlich
soll sie zum Nachdenken anregen. Statt­
dessen löst sie negative Emotionen aus.
Gibt es in der muslimischen Welt nicht auch
Menschen, die das entspannter sehen?
Natürlich gibt es viele nichtreligiöse
Muslime oder solche, die nur von der
Herkunft her Muslime sind. Aber die
religiösen werden immer negative
Gefühle haben.
Liegt das auch daran, dass – anders als das
Christentum – der Islam nie mit einer Phase
der Aufklärung konfrontiert wurde?
Aber Sie sind sich auch bewusst, wie
lange dieser Prozess in Europa gedauert
hat, oder? Die entspannten Reaktionen
auf religiöse Satire stehen am Ende
dieser Entwicklung, nicht am Anfang.
Ist denn eine Entwicklung Richtung Aufklärung im Islam denkbar?
Ja, aber nicht mit Karikaturen, sondern
mit Argumenten. Aufgeklärte Strömun­
gen gibt es ja auch schon seit Anfang des
letzten Jahrhunderts, aber sie haben es
nicht leicht. Sie dürfen nicht vergessen,
dass die islamische Welt im Grunde seit
100 Jahren in Aufruhr ist, seit dem
Untergang des Osmanischen Reichs.
Seither gibt es den Laizismus (weltanschauliche Richtung, welche die radikale
Trennung von Kirche und Staat fordert,
Anm. d. Red.) in der Türkei und eine Art
Säkularismus in den übrigen islami­
schen Staaten. Daneben gibt es aber
auch stockkonservative Richtungen,
teils wie in Saudi­Arabien an der Macht,
teils rumorend in der Bevölkerung. Ich
glaube aber, dass es grosses Potenzial für
Logik und Verstand gibt.
Hoffen Sie darauf?
Absolut. Der Islam hat in früheren Zeiten
bewiesen, dass er nicht rückständig sein
muss. Er hat sich in vielen Kultur­
staaten ausgebreitet und dort tolerant
geherrscht. Heute jedoch gibt es kaum
ein muslimisches Land, wo keine Unruhe
herrscht. Und ein Stück weit verhindert
das auch eine kluge, kühle Auseinander­
setzung mit der Religion.
Diplomat
des Glaubens
Hisham Maizar (73)
ist seit 2014 Präsident
des Rats der Religio­
nen. Dieser wurde
2006 gegründet und
setzt sich aus Vertre­
tern der christlichen
Kirchen, des Israeliti­
schen Gemeinde­
bundes sowie islami­
scher Organisationen
der Schweiz zusam­
men. Maizar, aufge­
wachsen in der Alt­
stadt von Jerusalem,
amtet auch als Präsi­
dent der Föderation
Islamischer Dach­
organisationen der
Schweiz. Bis zu seiner
Pensionierung war
er Arzt. Der Witwer
lebt in St. Gallen,
hat zwei Söhne und
eine Tochter. Seine
Frau war katholisch
und stammte
aus dem Zillertal.
www.councilof
religions.ch
Belastet Sie das negative Image des Islam?
Sehr. Umso wichtiger ist es, dass wir
daran arbeiten. Um etwas zu erreichen,
muss man das aber behutsam tun. Res­
pekt und Achtung sind entscheidend.
Und da sind weder Kalaschnikows noch
Mohammed­Karikaturen hilfreich.
Sie sind Präsident des Rats der Religionen,
von dem man in der Öffentlichkeit in letzter
Zeit kaum etwas hört. Wieso nicht?
Es gibt den Rat ja erst seit 2006. Und wir
treffen uns nur vier Mal im Jahr, weil wir
alle auch viele andere Verpflichtungen
haben. So kam es immer wieder vor, dass
ein Vertreter an mehreren Sitzungen
nicht teilnehmen konnte. Und wir
äussern uns nur öffentlich, wenn wir
einen einstimmigen Beschluss fassen
können. Seit ich die Präsidentschaft
übernommen habe, liegt der Fokus
unserer Treffen auf Internem. Immerhin
haben wir nun auch Frauen aus jeder
Religionsgemeinschaft in einem Beirat.
Dabei gäbe es doch eigentlich sehr viel zu
kommentieren, nicht?
Allerdings. Dieses Jahr werden wir uns
auch wieder stärker einbringen. Der Rat
möchte den interreligiösen Frieden im
Land bewahren. Und die einzelnen Ge­
meinschaften haben sich ja bisher auch
zu wichtigen Ereignissen geäussert, sei
es zur Knabenbeschneidung, Christen­
verfolgung, zu den Angriffen des IS oder
eben zum Attentat auf «Charlie Hebdo».
Hinter den meisten Terrorakten der letzten
Jahre stecken Muslime. Warum ist gerade der
Islam so gewalttätig?
Seit es Religionen auf der Welt gibt, gibt
es keinen Frieden unter ihnen. In allen
drei monotheistischen Religionen
finden sich Aufrufe zu Gewalt, in der
Tora ebenso wie im Alten Testament.
Nur wenn die Religionen Richtung
|
MIGROS-MAGAZIN | NR. 8, 16. FEBRUAR 2015 |
MENSCHEN
|
Hisham Maizar ist
überzeugt, dass
Mohammed-Karikaturen
bei gläubigen Muslimen
nur negative
Emotionen auslösen.
INTERVIEW
|
MENSCHEN
MIGROS-MAGAZIN | NR. 8, 16. FEBRUAR 2015 |
Philosophie und freiheitlicheres Denken
schwenken, wird es friedlicher. Hinter
den Terrorakten stehen radikale Extre­
misten. Und die entwickeln sich aus der
Unzufriedenheit. Vielleicht leben sie in
Slums oder werden unterdrückt. Das ist
der Nährboden für die Radikalisierung.
Hier nicht viel. Das Volk hat entschie­
den, und dieser Entscheid wird respek­
tiert. Andernorts hingegen hinterliess
es grösseren Schaden. Besonders bei
den perspektivelosen Jugendlichen in
Ländern wie Ägypten oder Pakistan
entstand der Eindruck, die Schweiz sei
ein islamfeindliches Land. Die fragen
sich: Warum hassen uns diese Leute?
Auch so was ist ein Nährboden für Ra­
dikalisierung.
So ist es. Islam ist nur der Vorwand.
Wenn die Menschen in jenen Ländern
Chancen auf ein gutes Leben erhalten,
würde sich das Problem rascher lösen.
Können Sie die Ängste der Schweizer vor dem
Islam nachvollziehen?
Wenn ich nachfrage, ob sie den Islam
kennen, heisst es «nein». Und wenn ich
Hilfe anbiete, um Ängste abzubauen,
heisst es «ihr habt euren Gott, und wir
haben unseren». Die Konsequenz: Geier
kreisen, in Form von Politikern, und sie
nützen diese Ängste aus. Wie derzeit die
Pegida in Deutschland.
Wie beurteilen Sie die Situation der Muslime
in der Schweiz?
Kompliziert. Sie sind in über 300 Ver­
einen und Organisationen verteilt,
kleine und grosse, für Frauen und Kin­
der, Schiiten und Sunniten – alle etwas
anders fokussiert, weil alle mit anderen
Hintergründen hierhergekommen sind.
Es würde sehr helfen, wenn sich alle auf
eine gemeinsame Basis stellen könnten,
eine gemeinsame ethische Grundlage
aus dem Islam entwickeln würden. Aber
noch spielt das ethnische Denken eine zu
grosse Rolle. Jede Volksgruppe, jede
Nation hat ihre eigene Moschee, ihren
eigenen Verein. Ideal wäre eine grosse
Moschee für alle, transparent, offen.
Aber ist es nicht auch verständlich, dass es
nach all den vielen Terroranschlägen Ängste
vor dem Islam gibt?
Ganz sicher. Was die Menschen hören
und sehen, prägt sie. Aber ist es nicht
auch interessant, dass der Nomaden­
stamm der Sarazenen schon um das Jahr
1000 in der Schweiz war? Almagell bei­
spielsweise ist ein arabischer Name. Es
gibt also eine lange Tradition des Islam
in der Schweiz. Im Grunde sind die über
300 000 Muslime in der Schweiz eine
Minderheit wie die Rätoromanen, und es
stellt sich die Frage, wie sich diese
Minderheit integrieren lässt.
Fühlen sich die Muslime hier wohl? Integriert?
Was müssen Schweizer Muslime tun, um auf
breitere Anerkennung zu stossen?
Die gut integrierten und moderaten
Muslime müssten offener und offensiver
auftreten, damit die Schweizer merken,
wie viele es von ihnen gibt. Und dass es
keinen Grund gibt, sich zu fürchten.
Die Schweiz scheint aber eine erstaunlich
erfolgreiche Integration zu betreiben mit über
98 Prozent. Wie kommt das?
Die ist tatsächlich gut, gerade auch
verglichen mit England und Frankreich.
Dort leben Muslime aus Ländern, die
kulturell weiter entfernt sind als jene,
die in der Schweiz wohnen. Ausserdem
gibt es ganze Stadtviertel, wo nur Iraner
oder Pakistani leben, eigentliche Ghet­
tos. In Frankreich gibt es gar slumähn­
liche Gebiete. Dort wächst eine ganze
INTERVIEW
| 35
Was hat das Verbot bei den Muslimen
ausgelöst?
Die Lösung besteht also darin, mehr
Menschen in der muslimischen Welt zu
Entwicklung und Wohlstand zu verhelfen.
Laut einem aktuellen Bericht des
Bundesrats sind über 98 Prozent aller
Muslime gut integriert. Die Radikalen
machen nur etwas mehr als 1 Prozent
aus. 50 bis 58 Prozent der Schweizer
jedoch mögen den Islam und die Musli­
me nicht, wie eine Bertelsmann­Studie
kürzlich ergeben hat. Das ist die Realität.
|
Für Hisham Maizar sind Muslime in der Schweiz eine Minderheit
wie die Rätoromanen.
«Seit es
Religionen
gibt, gibt
es keinen
Frieden unter ihnen.»
Generation von Jugendlichen heran, die
keinerlei Zukunftsperspektiven haben.
All diese Fehler hat die Schweiz vermie­
den. Die Verteilung und Mischung der
Muslime über das Land war exzellent.
Und trotzdem gibt es diese Ängste vor den
Muslimen. Eine Folge davon war das
Minarettverbot. Was halten Sie davon?
Das war primär eine politische Angele­
genheit. Die Initianten haben Minarette
als Symbole der Macht angesehen und
wollten dem einen Riegel schieben. Als
ob es in jeder Moschee eine extremisti­
sche Koranschule gäbe. Aber es ist schon
so: Wenn in Afghanistan ein Taliban
hustet, dann muss ich eine Erklärung
abgeben, warum er das tut und dass ich
mich davon distanziere.
Sie sind 73 Jahre alt. Wie lange möchten Sie
noch arbeiten?
Als Arzt habe ich mich Ende 2010 pen­
sionieren lassen. Auf dem Gebiet des
interreligiösen Dialogs möchte ich aber
weiterarbeiten, solange ich es geistig
und körperlich schaffe.
Sie haben drei Kinder. Was würden Sie sagen,
wenn etwa ihre Tochter Atheistin wäre?
Ich würde es akzeptieren. Und ich würde
mich freuen, mit ihr darüber zu disku­
tieren. Vielleicht könnte sie mich ja
überzeugen, auch Atheist zu werden
(lacht). Meine Kinder sind mit einem
muslimischen Vater und einer sehr ka­
tholischen Mutter aufgewachsen. Sie
respektieren beide Religionen und sa­
gen, sie hätten ihren Weg zu Gott gefun­
den. Sie sind das beste Beispiel für reli­
giösen Frieden.
Interview: Reto E. Wild, Ralf Kaminski
Bilder: Samuel Trümpy
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