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4. Panzerreiter werden Vasallen – das Lehnswesen Zwei Seiten des

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Das christliche Frankenreich – die Wiege Europas
über den Münzen des frühen und hohen Mittelalters. Karl
ist wie ein römischer Kaiser mit Lorbeerkranz dargestellt,
der Roma-Tempel durch die beiden Kreuze und die Beischrift als ein betont christliches Gebäude, als Kirche, bezeichnet.
ner ursprünglichen Form nur die Rechtsverhältnisse zwischen König und den adligen Vasallen bzw. zwischen den
Adligen und ist daher grundsätzlich von der Grundherrschaft (vgl. Kapitel 6) zu unterscheiden, die das übliche
Rechtsverhältnis zwischen Adel und abhängigen Bauern
und Handwerkern darstellte. Der nächste Abschnitt behandelt die Ausweitung des Lehnswesens auf weltliche und
geistliche Ämter; so wird es erst zu einem wichtigen Merkmal der ‚staatlichen‘ Struktur. Dann werden die Vor- und
Nachteile dieser Organisationsform für Lehnsherren und
Vasallen angesprochen und auf die Weiterentwicklung der
vasallitischen Mitbestimmung zum frühen Parlamentarismus verwiesen.
Zu den Fragen und Anregungen
1 Der Pfalzgraf hatte alle Rechtsstreitigkeiten zu regeln,
die an den Hof gebracht wurden; der Hof war also eine
Art Appellationsinstanz. Im Zentrum des Kapitulare steht
ausschließlich Recht, Gesetz und Gerechtigkeit, die hier
(und im Mittelalter immer) als Kern von Herrschaft verstanden wurden und Frieden und Ordnung garantieren
sollten. Das Recht leitete man letztlich von Gott ab. Grafen
und Königsboten sind die Richter im Reich, das Gericht
des Kaisers (mit dem Pfalzgrafen) steht als letzte Instanz
bereit. Es ist anzunehmen, dass der Kaiser in ganz wichtigen Konflikten selbst als Richter entschied. Hinweisen
sollte man darauf, dass die Angehörigen einer Grundherrschaft (die Mehrheit der Bevölkerung!) nicht dem Grafengericht unterstanden; sie lebten nach dem Hofrecht und
unterlagen dem Urteil von Richtern, die der Grundherr
einsetzte.
2 Eine eindeutige Antwort gibt es natürlich nicht. Die nur
einmal belegte zeitgenössische Bezeichnung Karls als „Vater Europas“ bezog sich nicht auf unser Europa, sondern
allein auf das damalige Frankenreich. Andererseits hatte
Karl durchaus Anteil an den in seiner Zeit gelegten Grundlagen des späteren (westlichen) Europa.
3 Bei der Erörterung dieser Anregung sollte die grundsätzliche Einsicht gewonnen werden, dass nicht nur die
bildlichen Darstellungen, sondern ebenso die schriftlichen
Äußerungen über die Vergangenheit immer auch durch
die Sichtweise der Künstler und Autoren und damit auch
durch die Sichtweise ihrer Zeit mitbestimmt sind und
eine vollständige ‚Rekonstruktion‘ historischer Personen
oder Sachverhalte nicht möglich ist. Das gilt bis zu einem
gewissen Grad selbst für Historiker, die ihre Ergebnisse
fachgerecht nur aus zeitgenössischen Quellen zu gewinnen suchen.
4 Siehe dazu die Informationen zu D2 und 3.
Möglichkeiten der Unterrichtsgestaltung
Ausgehend von den Vorteilen, die das Lehnswesen den Karolingern bot (Frage 1), sollen die Schüler das System des
Lehnswesens sowie dessen Vor- und Nachteile erkennen
(Frage 2 und 4, Tafelanschrieb). Der Vergleich mit dem
Römischen Reich erlaubt dem Schüler, die besonderen
Bedingungen von Herrschaft, „Staatlichkeit“ und „Verwaltung“ sowohl des Mittelalters wie des römischen Reiches
zu erkennen. Ebenso kann der Beitrag des Lehnswesens für
die allmähliche Entwicklung von politischer Mitbestimmung deutlich werden (Frage 4 und 5).
Tafelbild
Zwei Seiten des Lehnswesens
Lehen / Schutz
König
4. Panzerreiter werden Vasallen –
das Lehnswesen
Treue / Waffendienst
Vasall
Nachteile
für König/Lehnsherrn
Vorteile
für König/Lehnsherrn
– Tendenz zur
Vererbung/Eigengut
– Doppelvasallitäten
– Treue durch Eid
– starkes Heer
– Verwaltung
(Ämter als Lehen)
Zusatzinformation zu den Materialien
Q1 Die Szene aus dem Psalterium Aureum in der Stiftsbibliothek St. Gallen (vor 883) zeigt den Auszug eines (alttestamentlichen) Heeres mit einem Fisch oder Drachen als
Feldzeichen; die Panzerreiter aber sind als karolingerzeitliche Kämpfer mit Helm, Panzerung, Rundschild, Wurflanze und Steigbügel dargestellt; nur das Schwert fehlt hier
zur vollständigen Bewaffnung. Die Bewaffnung der Franken war offenbar von höherer Qualität als diejenige ihrer
Gegner; das ist aus den Ausfuhrverboten für fränkische
Schwerter zu ersehen.
Q2 Auf diesem Abschnitt des Teppichs von Bayeux über
die Schlacht von Hastings (1066) wird ein Grund der
Überlegenheit der Normannen sichtbar; ihre entscheidende militärische Formation waren die Panzerreiter,
Konzeption
Das Lehnswesen ist in großen Teilen Europas eine wichtige
Organisationsform der mittelalterlichen Gesellschaft – es
spielt eine beachtliche Rolle für die Entstehung von Mitbestimmung und der frühen Parlamente seit dem Spätmittelalter. In diesem Kapitel wird zunächst der Ursprung des
Lehnswesens, das aus dem militärischen Bereich stammte,
behandelt. Der Aufbau des erfolgreichen fränkischen
Heeres wird durch das Lehen als dinglichem Element erklärt und damit der Unterschied zur alten merowingischen
‚Gefolgschaft’ verdeutlicht. Das Lehnswesen betrifft in sei-
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