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finden Sie die Büttenpredigt vom Pfarrer Herzel.

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Predigt Fasching 2015 Geliebte Christen, Schwestern, Brüder, die Faschingszeit, sie hat uns wieder! Wie schön, dass ihr euch Zeit genommen und seid zum Gottesdienst gekommen, gemeinsam, fröhlich Gott zu loben, um sich dann später auszutoben. So grüß ich euch mit Herz und Mund: Helau, grüß Gott zu dieser Stund’! In Königsbrunn, wo ich gewesen, da war im Fasching dann zu lesen – zwei Jahre war ich dort Kaplan –: Nur der Pfarrer ist zur Predigt dran! Als Kaplan hatte ich damals frei, und damals war’s mir einerlei. Doch konnte ich nicht recht begreifen, warum er unbedingt will das Wort ergreifen. Nun bin ich selbst als Pfarrer hier, und schließlich wird es klarer mir, dass so ’ne Predigt mal muss sein: Sie reinigt die Seele ungemein. Denn übers ganze Jahr verteilt jeder zu dem Herrn Pfarrer eilt. Und meint, sagen zu müssen all das, was er für wichtig hält, für das Maß. Was ihn ärgert und auch was ihn stört, was schon lang er gesagt oder gehört. Ob es jetzt passend ist oder nicht: Der Pfarrer bekommt es aufgetischt. Nun, am Faschingssonntag heut’, will ich berichten, liebe Leut’, was mich geärgert hat, was mich freut, was mich bestärkt und vielleicht gereut. 1
Sie merken es, ich reime dies, denn eines ist bestimmt gewiss: Als Büttenpredigt, unbenommen, kann es viel leichter rüberkommen. Drum nehmt an diese Art der Predigt mit offnen Ohren, seid nicht behäbig, mit weitem Herzen und auch mit Schmunzeln, denn Fasching heißt ja nicht Stirnerunzeln. Als ich da saß und begann zu reimen, da fing es an in mir zu keimen: Einen Kehrvers brauchte es da, einprägsam, ehrlich und auch klar. Er sollte passen zur neuen Situation: Vergangen sind sechs Monate schon, dass ich gekommen bin hier zu euch. – Gleich vorweg: Ich habe es nicht bereut! Sehr freundlich wurde ich aufgenommen, herzlich hieß man mich willkommen. Ich war in die Pfarrei schnell integriert, und keiner hier hat mich ignoriert. Wie wird er sein, der neue Pfarrer da: sehr konservativ oder liberal doch gar? Ich glaub’, bis heute ist es schwer, mich einzuschätzen hin und her. Das ist mir wichtig, und ich sag es hier: Weder das noch jenes passt zu mir. Mensch bin ich mit vielen Schwächen und ein paar Stärken – ein jeder kann das bei mir merken. „Veränderung“ war das richtige Wort, das ich hörte an diesem und jenem Ort. Doch am meisten bedeutet es mir bis heute: völlig neue Rolle, völlig neue Umgebung, völlig neue Leute. 2
„Was wird er tun, der Neue, gleich? Wird sich was ändern in meinem Bereich?“, fragte man ängstlich befürchtend sich dann, was wohl auf manchen zutreffen kann. „Veränderungen müssen sein, und sind in der Regel auch ganz fein – aber nicht dort, wo ich bin betroffen, und nicht im ersten Jahr, will ich hoffen!“ Das wäre aber doch ungerecht, denn viele Menschen meinen’s echt und ehrlich, ja, ich spür’ es sehr: Sie unterstützen mich kreuz und quer. Das freut mich sehr, und es macht mir Mut und tut mir wirklich richtig gut. Denn vieles, was ich tu, ist noch nicht Routine und macht mir unsicher die Miene. Doch Kritik ist durchaus mal angebracht, wo sie berechtigt ist, geäußert bedacht. Da kann ich vieles dann auch verstehn und über manches nochmal drübersehn. _________________________________ Das gute alte Mikrofon – es klingt ja fast schon wie ein Hohn: „Es ist kaputt, der Lautsprecher auch, und man versteht nur einen Hauch.“ Doch sag ich allen: Hört gut hin, das ist ’ne Binsenweisheit mit viel Sinn: Aus dem besten Lautsprecher kann nur rauskommen, was ins Mikro gesprochen wird klar, stark, besonnen. An manchen Plätzen, das ist wohl richtig, hört man schlechter, und das ist gar nicht witzig. „Doch bedeutet das, ich gäb’ den Stammplatz her, wenn ich dahin müsste, wo ich’s besser hör’! 3
Dann will ich doch lieber weiterklagen, bevor ich wechsle den gewohnten Platz …“ Es schlägt mir wirklich auf den Magen – „Das war nämlich schon immer so“ –, wenn ich hör’ diesen Satz. Doch habe ich auch oft vernommen: „Des Pfarrers Wort tut rüberkommen. Die Aussprache ist ganz klar und rein.“ Das freut mich wirklich ungemein! Denn wichtig ist beim Wort des Herrn, dass jeder es gut hört … und gern. Wenn’s ist im Ohr, ist das schon g’scheit, und der Weg ins Herz ist nicht mehr weit. ___________________________________ „Die Opferkerzen bei der Maria, die sind jetzt anders, das war noch nie da! Und brennen tun sie auch nicht so lange wie die alten, mir wird ganz bange. Hoffentlich ist der Herrgott nicht bestürzt, dass seine Gnad’ er uns gar verkürzt, wenn nun die Lichter brennen minder. Was soll man da sagen … Kinder, Kinder!“ Die Opferkerzen dort im Sande passen wunderbar – das nur am Rande. Sie sind würdig und brennen wunderschön: Nach jeder Sonntagsmess’ könnt ihr es sehn. Das Licht man entzündet zum Stoßgebet, die Kerz’ brennt weiter, wenn man dann geht. Wichtig ist: Das Licht brennt weiter in dir, dass dein Alltag auf Erden wird leichter hier. Die meisten von euch aber wissen das, drum verzeiht mir auch diesen kleinen Spaß. Manchmal muss eben auch etwas raus, für das es nicht immer gibt Applaus. ________________________________ 4
„Das Weihwasser steht nun beim Lebensbaum.“ Manch einer kann es verstehen kaum, dass man sowas ändert ohne Grund: „Da wird’s einem doch gar zu bunt!“ Doch dort, beim Lebensbaume jetzt, ist das Wasser richtig hingesetzt. Denn durch die Taufe sind wir gegeben in diese Welt zum ewigen Leben. Übrigens nebenbei und nicht gestänkert: Die Lichter am Lebensbaum sind unverändert. Hier werden weiterhin entzunden die alten Lichtlein, und die brennen Stunden … ______________________________________ Unsre Engelkirch’ ist wunderschön! Wer ’ne Ahnung hat, wird das ebenso sehn. Doch liegt in ihrer schlichten Art auch ein Auftrag uns, und der ist hart: Nichts soll unsern Blick auf die Schönheit trüben, drum gibt es nicht viele Blumenkübel. Dezent! Dezent!, ist die Devise, damit’s nicht wird ’ne Blumenwiese. An wenigen Plätzen nur ist es klug zu stellen hin den Blumenschmuck, weil er das ganze Bild sonst trübt und alles wirkt recht ungeübt. Aufs Wesentliche den Blick gelenkt! Das ist für uns ein riesen Geschenk. Alles an diesem Ort hat so seinen Sinn: Für die Seele ist das ein großer Gewinn. _____________________________________ Advent und Weihnachten dacht’ ich: Welch’ Gnad’!, doch drehten einige wieder am Rad. Schon beim Rorate offenbar gab’s viel zu kritisieren, das war ja klar. 5
Die Kirche sei viel zu dunkel gewesen, da konnte man ja gar nichts lesen. Komisch ist nur: Ich versteh es nicht, dass das so viele hier nicht betrifft. Denn lesen in der Messzeit da trifft mich am meisten, das ist klar. Mein Aug’, das hat es nicht getrübt. Warum hat man mich dann gerügt? „Früher waren viel mehr Lichter!“ – Dass man wohl sah auch die Gesichter? „Auch die Orgel war beleuchtet schön …“ – Jetzt frag ich schon, wozu wir in die Kirche gehn? Zu schaun im Advent die beleuchtete Orgel an? Viele Stimmunglichter wie an Weihnachten dann? Oder geht’s um’s Vorbereiten auf den großen Tag, auf Weihnachten, wenn dann alles leuchten mag? Wenn wir feiern, dass Gott Mensch wird im Stall! Und ich dachte mir schon, ich hab ’nen Knall, denn an Weihnachten hörte ich nämlich schnell: Die Kirch’ war am Abend doch viel zu hell! Ja, jedem Menschen recht getan, ist eine Kunst, die niemand kann. Drum denk ich fast, ich lass es auch, sonst bin ich viel zu schnell verbraucht. Im Fürbittbuch gar oft drin steht, manch herzzerreißendes Gebet, wo Menschen schreiben ihre Sorgen, ihr Beten, und fürbittend zu Maria treten. Immer wieder bin ich für sie da, trag ihre Bitten im Herzen zum Altar. Doch im Advent sah ich etwas drin stehn, das konnt’ ich nicht fassen noch verstehn: 6
„Wer hat von euch Farbenblinden ausgesucht am Adventskranz die Binden?“ Ich nahm ’nen Stift, notierte zwar: „Der Pfarrer, und der Mesner war’s.“ Doch wer schreibt sowas in dies Buch? Der ist … wie soll ich’s sagen? … huch! … der ist vielleicht nicht farbenblind, doch zeigt er, wessen Geistes Kind. Weihnachten, das Fest der Liebe, ist kein Fest für starke Seitenhiebe. Doch hab ich’s wacker weggesteckt, dass es sehr emotional war besetzt. Hab getrennt Messe von Krippenspiel, und das war einigen zu viel. Ich hab es oft und oft begründet, doch hat der Funke nicht überall gezündet. Ich hoff’ von Herzen, glaubt es mir, dass jene mir verzeihen hier den Eingriff im Lauf der Heiligen Nacht. Ich hab es wirklich viel bedacht: Mein Wunsch war, dass in dieser Zeit Jedermann kann voller Heiterkeit feiern die Geburt unsres Herrn, dass er uns Menschen hat mehr als gern. Denn nicht überall für die Christen auf Erden, kann es so unbeschwert Weihnachten werden. Vieler Menschen Sorgen schlagen andere Kerben, wenn sie zum Beten gehn … und dabei vielleicht sterben. _________________________________________ „In der Kirche ist es ja so kalt!“, diese jammernden Schreie sind so alt, wie der Tempel in Jerusalem steht. Wer hat dort wohl am Thermostat gedreht? 7
Doch sei’s dem gesagt, der das nicht versteht: Beständig die gleiche Temperatur besteht zur Winterzeit in unserem Raum, doch manchmal kann ich’s fassen kaum: Gekleidet sind manche Leute so, als sei es so warm wie in Mexiko! Mich, der ich am Sonntag dreimal feiere und dabei hier bin und in Katharina ’ne Weile, mich friert es nicht, weil ich meine Garderobe zum Ort passend und zur Jahreszeit erprobe. Leserbriefe gab es, die waren nicht fein, von Leuten, die hierher kamen herein – nicht oft im Jahr, das ist ganz gewiss –, sonst wüssten sie, dass die Kirche kein Konzertsaal ist. Die Kirche ist immer gleich temperiert, damit hier drin auch nichts eingefriert. Es stimmt jedoch: Sie ist nicht geheizt, und das hat gleich gar nichts zu tun mit Geiz! Den großen Raum bringt man einfach nicht warm, auch wenn wir uns heizen Tag und Nacht arm. So ist die Heizungsanlage nun mal konzipiert, ich hoffe, dass jeder es jetzt kapiert! _______________________________________ „Es wäre ganz wichtig, das müsste noch sein …“, beginnt mancher sein Gespräch, sein Stelldichein. Die Kinder, die Alten, die Jugend, die Frommen, alle soll man unter einen Hut bekommen. Alle müssen angesprochen sein ganz schlau, das schafft nicht die größte Rampensau. Das bin ich auch nicht, manches kann ich nicht leisten – und glaubt es mir: das ärgert mich am meisten. Dennoch ist meine Verantwortung groß: zu koordinieren, abzuwägen, nicht zu machen bloß. Es geht um Christus, das ist unser Ziel, nicht nur einfach um viel, viel, viel. 8
Und da gibt es Viele, die’s genauso sehn, die haupt‐ und ehrenamtlich ihren Mann / ihre Frau stehn, mit viel Engagement und mit Glut im Herzen im Einsatz für Glaube und Pfarrei – manchmal auch unter Schmerzen. Das macht mich stolz, ganz unverdient, dass ich hier sein darf und tun diesen Dienst. Und ich sage es unverblümt den meisten: Ich will mein Bestes für euch und Gott leisten! Über meine Hauptamtlichen freu ich mich sehr, für sie war es zu Anfang auch sehr schwer. Doch mittlerweile denke ich ungezwungen: Der Funke ist jetzt übergesprungen. Ein jeder leistet mehr und mehr, das macht mich doch bescheiden sehr, bin dankbar für Jede und Jeden im Team, zusammen bringen wir das Reich Gottes zum Blühn. _____________________________________ Die Pfarrsekretärinnen will ich extra benennen: Sie sind die ganze Zeit emsig am Rennen. Und ich bin als „Chef“ auch nicht immer leicht. Sie stecken’s weg mit einem Lächeln sogleich. Die Maria Greisl und die Renate Sing sind für mich und die Pfarrei ein echter Gewinn: Wir sind froh, dass wir euch beide haben, bitte nehmt wegen mir keinen Schaden! Der PGR und auch die KV sind für mich ein Segen, ich weiß es genau. Viele Menschen guten Willens sehe ich da, und das finde ich ganz wunderbar! Die Musik in unseren Gottesdiensten hier ist besonders einzigartig schier. Alles, was ich bisher von ihnen gehört, hat mich gerührt und bewegt, niemals verstört. 9
Sie kennen dies Wort, ich weiß nicht wo’s steht: Singen – das ist doppeltes Gebet! Und wenn der Gesang dann ist verklungen, kann ich nur sagen: Dies Gebet ist wahrhaft gelungen! Meine Minis machen mir große Freude, sie machen’s super, diese Meute. Ihr Dienst ist wichtig und nicht wegzudenken, wie sie uns Woche für Woche beschenken. Die 19 neuen Minis, und auch die alten gar, sind sehr fleißig dabei, oh das ist wahr: Am Sonntag welche sogar zweimal kommen! Ich hoffe, ihr habt das Lob vernommen!? Viele Gruppen und Kreise sind so frei, machen lebendig und bunt die Pfarrei. – Da ist gewiss für jeden etwas dabei! Die Sternsinger zum Beispiel und ihre Betreuer, die brachten den Segen uns ungeheuer. Sie sammelten auch dieses Jahr für Kinder in Not, doch mit Rekordergebnis – vergelt’s euch Gott! Nun komm ich zum Ende mit meinem Gereim’. Und hoffe für mich ganz insgeheim, dass ihr euch den Humor habt bewahrt – denn sonst ist unser Leben ja fad. Humor, so wie Jesus ihn versteht, wirkt heilend, wenn es nicht weitergeht. Scheint mancher Neuanfang auch schwer, Frohsinn erleichtert ihn doch sehr. Beim Gottesdienst und im Gebet, da sollen wir spüren, dass er weht. Vertrauen wir auf Gottes Geist, der uns stets zeigt, was Liebe heißt! Gott ist die Liebe, er schaut auf dein Herz, auf das Gute in dir, auch auf den Schmerz. Und wenn du in Zwängen bist gefangen, krank, arm und elend dran mit Bangen, 10
vertrau auf ihn, und du wirst gesund, geheilt im tiefsten Seelengrund. Drum freut euch des Lebens jeden Tag, komme auch, was da kommen mag! Haltet daran im Vertrauen fest: Selig, der auf den Herrn sich verlässt! Als Christen lebt, was ihr verstanden, dann kommt die Freude euch nicht abhanden. Na, dann also – Amen und Helau! Von Halleluja kommt’s, genau. __________________________________________ Am Ende der Messe: Beim Seniorenfasching, ungelogen, sind mir die Herzen zugeflogen als Nadelkissen, die ich bekommen, und ich dachte bei mir besonnen: Die behalte ich bis nach dieser Predigt – wenn ich Nadelstiche bekomm’, dann wird’s gnädig. 11
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